Das nette Mädel. Roman von Fsdor von ZobelttA (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Trante fand sie reizend. Nun wurde sie bestürmt, srch genau dasselbe machen zu lassen. Traute erklärte, sie hätte kein Geld. Da sagte Ellen, sie hätten ebensowenig, aber die Hübner, die Schneiderin, pumpe. Und Eva ries, man würde bei der Hübner einfach ein Kostüm für die Traute bestellen; sie hätte ja ihr Maß. Denn es sei abgemacht: die Fünfeinigkeit der Goldenen Horde wolle den ganzen Sommer hindurch absolut gleich gekleidet sein, um so auch nach außenhin zu demonstrieren, "daß man nicht von einander lasse und daß der berühmten Gemeinschaft noch immer die alte Lebenskraft innewohne. Und nun ging es los: Die „Schandtaten" wurden erörtert, die von der Horde neuerdings geplant wurden; vor allem das Sommerfest des Vereins „Caritas". Und während die Stimmen sich wieder überstrudelten, fuhr Eva plötzlich in ihre Tasche und holte eine Photographie hervor Und rief jubelnd: „Aber das Allerneueste, Trautchen:—das Allerneueste weißt du noch nicht! Guck her — wer ist das?" „Das ist die Bertucci," sagte Traute und nahm das Mild, als Page oder als Boccaccio oder als was weiß ich." „Na, und der Männerkopf hinter ihr?" Nun erst schaute Traute ausmerksamer auf die Photographie. Die Bertucci stand in einem koketten Trikotkostüm vor einem Vorhang, und durch den Vorhang lugte ein lachendes Männergesicht. Traute gab das Bild ruhig zurück. „Everstedt," sagte sie. „Wer hätte sich sonst auch den Scherz erlaubt!" Das Vierblatt fand die Geschichte köstlich. Der Photograph hatte das Bild in seinem Schaufenster auf der Verlängerten Promenade offen ausgestellt — es hatte wieder einen Riesenskandal gegeben. Die ganze Stadt sprach davon. Traute schlug einen Spaziergang vor: man brate ja in der Sonne. „Ich finde die Sache geschmacklos," erftärte sie, sich den Sand vom Kleide stäubend. „Man prahlt nicht mit seinen Liebschaften." „Es ist ja bloß, um die Puritaner zu ärgern," sagte Henny. „Es ist grenzenlos dumm. Merkt ihr denn nicht, daß Everstedt nur von sich reden machen will?" Die vier Mädchen schrieen eine Verteidigung Ever- stedts in die Luft. Sie sangen ihm mit vollen Lungen ein Loblied. Sie schnabberten wieder durcheinander. Jede von ihnen hatte etwas besonders Schönes über Everstedt zu vermelden. Lili erinnerte daran, daß er im letzten Winter ein auf der Eisbahn eingebrochenes .Schulmädchen gerettet Und sich dabei eine Lungenentzündung zugezogen hatte. Eva erzählte, wie rührend er zu seinem Niggerboy gewesen sei, als der Junge sich beim Sprung mit dem Floridor das Schlüsselbein gebrochen hätte. „Zwei Nächte hat er an seinem Bette gewacht," rief sie, „und dann hat er ihm Geschichten von Kipling vorgelesen! —" „Und wißt ihr noch," sagte Ellen Meier, „wie er den langen Laban des Generalkonsuls Schneider beinah einmal verhauen hätte, weil er sich eine unverschämte Bemerkung über Suse Appelmann erlaubt hatte?" — „Und wie anständig hat er sich benommen," fügte Fräulein Henny hinzu, „als der Neuburger nach Australien verduftete. Da hat er drei Wechsel von ihm bezahlt, obwohl seine Unterschrift gefälscht war. Bloß der armen Frau wegen. Das weiß alle Welt." Traute stand in der Mitte der vier. „Ich könnte euch auch anderes von ihm erzählen," sagte sie, „aber wozu? Was geht mich Herr Everstedt an!" — Das wiederholte sie sich noch öfters an diesem Tage, auch als die Freundinnen fort waren. Was geht er mich noch an? fragte sie sich immer wieder. Ihr war so, als hätte sie ihn schon beinahe vergessen. Und nun waren die vier gekommen und hatten in ihre Seele hineingeschrieen, und da hatte das Bild der Erinnerung wieder festere Züge gewonnen, und das Herzweh — das war zurückgekehrt. Sie grollte sich selber; sie schalt sich kindisch. Und um mit allen Gedanken an ihn zu brechen, hatte sie sich zu einem festen Entschlüsse durchgerungeu: sie wollte jeden Verkehr mit der Goldenen Horde aufgeben. Ihr Vater hatte schon recht: sie paßte da nicht hinein. Ihre Armut brachte sie in hundert Verlegenheiten; das Schicksal hatte ihr stillere Wege gewiesen. Diese stilleren Wege führten in eine graue Oede, das wußte sie wohl. Wer es war nicht zu ändern. Nicht jedem Menschen blühen im Leben die Rosen. Nun wurde sie ganz melancholisch und zerfloß in weicher Sentimentalität. Sie wollte nichts mehr wissen von den Vergnügungen ihrer Freundinnen; sie wünschte auch diese Freundinnen zu verlieren. Sie wollte keine neuen Kostüme mehr und keine buntgesäumten kleinen Taschentücher und keine weißen Stiefelchen. Sie wollte sich von nun ab nur dunkel kleiden. Sie wollte sich auch ganz der Familie widmen: die Magd sein und das Aschenbrödel und das emsige Haustiercheu. Am liebsten wäre sie Nonne geworden. In dieses sentimentale Spiel mit dem eigenen Leid aber kam jedesmal eine Stockung, wenn ihr der letzte Brief des Herrn Jonathan W. Brigham einfiel. Sie nahm ihn wiederholt vor und las ihn immer von neuem. Sie kannte ihn nun fast auswendig, versuchte auch, sich in ihrer Phantasie und mit Hilfe der Silhouette ein BW des Herrn Brigham zu malen und versank dann in Ueberlegung. War es nicht am besten, sie nahm diesen eifrigen Werber und zog mit ihm irr die neue Welt? Damit 522 -- jgaV sie alles auf, was sie noch an die Vergangenheit fesselte; Ss Wan ein großer Abschnitt in ihrem Leben: sie konnte Siu neues Leben beginnen. Und nun kamen die alten Träume wieder: Träume voller Farbenpracht — weite Plantagen, Bananenwälder, schlanke Palmen, Dattelbäume, Myrten und Lorbeer. Und Mitten drinnen ein Heer von schwarzen Arbeitern, und die schöne Herrin auf weißem Maultier, in wallendem Kleide aus Rohseide und natürlich einen mächtigen Panama auf dem Kopse, aber mit kirschroten Bändern und safrangelben Pompons. . . - Doch- keiner dieser Träume ging zu Ende. Immer zerriß ihn ein Stich im Herzen. Dann dachte sie wieder au Everstedt. * Eines Tages hielt ein wunderschönes Automobil vor dem Möchelschen Häuschen. Darin saßen Mnrsinna, Fride- rici, Nöldechen und Fritz Eggenolph, und jeder trug einen Blumenstrauß, in der Hand. Sie kamen, um sich nach Traute zu erkundigen und um sie zu bitten, bei dem großen Sont- merfest des Vereins „Caritas" die Rolle der Märchenfee zu übernehmen: dieselbe führende Rolle, die sie für das Unterbliebene Maisest zum Besten der Seemannsheime zu- tzesagt hatte. Es sei dies der ausdrückliche Wunsch von Eberstedt und Kruse. Aber zum Entsetzen der Herren lehnte Trante rund- iveg ab. Sie schützte allerlei vor: ihre noch immer schwankende Gesundheit und die Möglichkeit einer größeren Reise — zu einer Verwandten aut Rhein. Das Bedauern war groß-, aber mau gab noch nicht alle Hoffnung verloren. Die Gesundheit konnte sich bessern und die Reise nach dem Rhein verschoben werden. Man bat dringend, nicht mit einer definitiven Absage nach der Stadt zurückkehren zu brauchen. Es handle sich ja doch um etwas sehr Schönes und Edles: um die Begründung eines Hospizes an der See für unglückliche und verwahrloste Kinder unehelicher Geburt. Eberstedt sei ungemein eifrig hinterher, nm so eifriger, da er beim Senat keine Unterstützung gefunden habe. Auch Pastor Moebius werbe für die gute Sache; es habe sich bereits ein Komitee gebildet: ein Prinz, zwei Miuiftersgattinnen, vier Geheimräte, ein' paar berühmte Schriftsteller und mancherlei Größcir der Handelswelt seien dabei. Das Terrain an der See aber wolle Everstedt schenken. Traute blieb unerbittlich. Die Herren mußten sich fügen. Sie luden Trante zu einer Fahrt nach dem Leuchtturm ein, und das nahm sie au. Neber den harten Sand- des Strandes sauste das Automobil wie auf einer Chaussee dahin. Die See war glatt und bis in die Tiefen hinein vom Sonnenschein durchglüht. Eilt paar Fischerboote strichen über das Wasser; in der Ferite zeichnete der Rauch cines Dampsers eine schwarzgraue Linie in die Luft. Die Herren sprachest während der Fahrt wie auf Verabredung kein Wort mehr von ihrer Bitte. Mer sie schwatzten sonst allerlei. Trante hörte nur mit halbem Ohre zu; ihr Interesse für das lustige Treiben der Horde hatte sich merklich abgekühlt. Ihr gegenüber saß Fritz Eggenolph. Der sprach am wenigsten, und wenn er sprach, wär es nicht nur Unfug und Flachheit. Das gefiel Traute. Die anberen sahen sie heute mit geschärfterem Auge an als sonst. Sie sand es widerlich, daß Friederiei mit beit weißen Haaren in seinem Schnurrbart unb ber großen Glatze sich noch immer auf den Jugendlichen cmsspielte. Sie lächelte über die modische Eleganz Wilm Noeldechens, seine bunt gemusterte Weste, das knappe kragenlose Jackett (die Krageit- losigkeit war seine neueste Erfindung) und über seinen goldenen Armreif, in den wunderliche Zeichen eingraviert waren. Sie sand auch keinen Gefchntack mehr an der mondänen Müdigkeit Mnrsinnas, der seine gewählten Aphoris- men in schleppendem Tone von sich gab, als falle ihm jedes Wort, schwer. Herrgott rief sie sich zu, was sind Lili und Erna und Henny und Ellen für törichte Kinder, wenn sie diese Männer für ihre Ideale halten! — Und unwillkürlich verglich sie die drei Herren mit Paul Everstedt. Der mochte ein brutaler Genußmensch sein, aber er war kein Narr . . . Bei den Felsen von Tendlan stieg man aus. Aus dem pittoresken Wirrwarr der Steinmassen ragte der schlanke Schaft des Leuchtturmes in die Luft. Oben um- rreisten ihn Schwalben, tiefer unten umgellte ihn ein Schwarm von Möwen. Die Möwen ließen sich von der Brandung tragen und flogen mit dem zerpeitschten grünen Schäum gegen die UmMauerUng des Turmes. Ihre Schreie tönten weithin. Mnrsinna -hatte gegen Friederiei um drei Flaschen Ayäkai gewettet, daß er die Wendeltreppe des Leuchtturms nicht werde ersteigen können. Da spielte Friederiei wieder den JUgendfrischen und nahm oie Wette an, und Wilm N-oeldechen folgte ihnen als Unparteiischer. Eggenolph und Trante blieben zurück. Sie kletterten zwischen den Felsen umher unb fanden auf einem aus-. gehöhlten Riesenstein -einen bequemen und trockenen Sitz.- Da ließen sie sich denn nebeneinander nieder Und die Beine herabhängen. • Der Gischt spritzte bis an ihre Sohlen und bis an -den Kleidsaum Trautes. Aber sie sand es doch herrlich auf diesem wassernmrcmschten Königsstnht, bei dem' Farbenspiel der Sonne int Smaragd der schäumenden Wogen und den wilden Luftschreien der Möwen. „Fällen Sie nicht," sagte Eggenolph bei einer unwillkürlichen Bewegung seiner Nachbarin. „Wenn Sie in biß Tiefe gleiten, würden Sie nicht mehr zu retten sein." „Würden Sie es versuchen?" fragte Traute. „Selbstverständlich." „Das ist gar nicht selbstverständlich. Vor der Gefahig des Todes macht auch die Ritterlichkeit hält." ,,-Jm Gegenteil: die Gefahr spornt sie an," Traute pfiff durch die Zähne. „Denken Sie sich die drei oben int Leuchtturm vor die Wahl gestellt: Leben oder halbsicherer Tod, Glauben Sie, daß sie schwanken würden?" „Das weiß ich nicht. Aber ich kenne andere, bei denen ein Schwanken unmöglich wäre." „Everstedt zum Beispiel. Euer Held und Meister." „Bei dem ganz gewiß. I ch dachte freilich! an Dewa." „Fredchen?!" rief Traute lachend. „Ei nein! Oder er würde vor dem Sprunge vorsichtshalber erst sein TestcE ment machen." /,Jch gebe zu, er fordert zum Spötteln heraus. Er! ist eine Natur ohne Pathos, lyrisch, sehr weich und gern nachgebend. Aber es brauchen nicht alle Helden geharnischt! zu sein. Ich soll Ihnen übrigens einen Abschiedsgrutz von ihm bestellen." (Fortsetzung folgt.) Napoleons letzter Geburtstag in den Cuilerien (15, August 1911.) Vor hundert Jahren feierte Napoleon zum letzten Male seinen Geburtstag in voller Kaiserherrlichkeit in Paris. Kanonendonner! leitete das Fest ein, am Morgen gab es einen prmtkreichen Kirchi- gang des ganzen Hofes, darauf eine große Parade, unb am Mittag folgte großer Empfang der Prinzen, Minister, Gesandten Und zahlreicher distinguierter Persönlichkeiten des In- und Auslandes. Unter den Gratulanten befand sich in erster Reihe Fürst! Kurakin, der Botschafter des russischeit Bundesgenossen. Ihm wurde eilt nichts weniger als bundesfreundlicher Empfang zuteilt „Ich begreife Euer Verfahren nicht," herrschte ihn Napoleon an, „entweder habt Ihr Hintergedanken, ober Eure Regierung hat den Kopf verloren und macht es wie der Hase, der Blei in beit Kopf bekommen hat; er läuft ohne zu wissen, wo er sich stoßen wird." Daran reihten sich Vorwürse über die Hinterlist der russischen Politik, die unter der Maske der Bnudesfreundschaft zum' Kriege gegen Frankreich rüste, aber nie offen gesagt habe, welch« Beschwerden sie gegen Frankreich habe. „Warum den Kontinent! -alarmieren, warum nicht lieber mit mir unterhandeln?".....i „Sprecht offen mit mir, wie ich es liebe und wie ich verfahre," Aber leider mache die Haltung Rußlands es dem Kaiser trog seiner Friedensliebe unmöglich, die Wolken zwischen den Bundesgenossen zu zerstreuen, er habe vielmehr ebenfalls rüsten uM die Kriegsgefahr vergrößern müssen. In b® diplomatischen Welt erregte diese Koramierung des Botschafters natürlich große Aufmerksamkeit; manche Staatsmänner glaubten, Napoleon habe durch die leidenschaftlichen Vorwürfe den sofortigen Krieg vrov-ozieren wollen. Indessen daZ lag ihm fern, er war nicht daraus vorbereitet. Er wollte nur der russischeit Regierung den Ernst der Lage klar machen und! ihr zeigen, daß sie mit ihrer augenblicklichen Politik zum Kriege treibe, und daß er darauf gefaßt sei. „Ich habe keine Neigung/ Krieg int Norden zu führen; aber wenn diese Krisis bis zum! November nicht vorüber ist, hebe ich 120 000 Mann aus. Ich werde zwei, drei Jahre so sortfahren, und wenn ich sehe, daß dieses Shstein lästiger ist als der Krieg, werde ich ihn führen, Ihr werdet den ganzen Kontinent gegen Euch haben." Es war also ein Versuch zur Einschüchterung und eine Aufforderung zu- Verhandlungm, um einen letzten Versuch zur Ausgleichung der Differenzen zu machen. Dreierlei Gegensätze standen zwischen-- Rußland und Frankreich. Der erste betraf Polen. Napoleost — 528 HMe 1807 nach Sem Siege über Welchen Md' RüUand Ws Sm meiftett polnischen Provinzm Preußens das Großherzogtum War- schW geschaffen uitb mit Sachsen in Personalunion verbunden, Km W ihm stets gegen die Ostmächte einen sicheren Bundesgenossen g: besitzen. Nach deut Kriege gegen Oesterreich im Jahre 1809, deni die Polen tapfer unter der französischen Fahne gefochten h'atten, vergrößerte er Warschau durch ein Stück des österreichischen Galizien und erregte damit großen Anstoß beim Zaren, der darin den Vorboten einer .Wiederaufrichtung Polens erblickte. Aller- djngs suchte Napoleon Alexanders Verdacht zu beschwören, dadurch, daß er feierlich jede solche Absicht verleugnete und dem Zaren selbst ein Stück von dem eroberten Galizien überwies. Aber alles war vergebliche der Zar blieb bei seiner Meinung Und argwöhnte weiter, Napoleon plane mit Hilfe des neuen Polen die Niederwerfung Rußlands, um keinen selbständigen Willen Neben dem feinigen in Europa zu dulden. Seitdem bereitete er Baus einen Krieg mit Frankreich vor, ja, er trug sich mit l Gedanken, den Krieg durch einen Einfall in Polen zu eröffnen, die Wiederherstellung Polens in Personalunion mit Rußland zu proklamieren, die Polen hierdurch für sich zu gewinnen Und so eine treffliche Basis zum Kriege gen Westen zu erlangen. Sogleich suchte er Fühlung mit einflußreichen Polen zu gewinnen, UNd es gelang ihm, diese Umtriebe zunächst vor Napoleon zu verbergen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Mächten trübten sich daher äußerlich nicht; Napoleon zog sogar beträchtliche Teile seiner in Deutschland stehenden Armee nach Frankreich zurück (Frühjahr 1810), dachte also trotz jener Aus- rinandersetzüngen über Polen gewiß nicht an einen Krieg gegen Rußland, während der Zar einen Uebcrfall plante. Eine neue Und in die Augen fallende Störung erfuhr das Verhältnis dann durch ein anderes Moment, durch die Handelspolitik. Diese Differenz war eine Folge der vorigen und berührte die Grundlage des Bündnisses. Rußland und Frankreich hatten sich ja in Tilsit zu ihrem Bündnis zusammengefunden in der gemeinsamen Feindschaft gegen England, den einzigen noch unbezwungenen Widersacher Napoleons, Und da sie Sem Jnselreiche nicht direkt an den Seift konnten, hatten sie den Kampf auf das wirtschaftliche Gebiet verlegt. Durch die sog. Kontinentalsperre, durch den Ausschluß aller englischen Warm Vom Festlande, suchten sie England wirtschaftlich zu ruinieren und politisch mürbe zu machen. Die englischen Händler suchten diesen Schlag U. a. dadurch zu parieren, daß sie ihren Waren falsche Ursprungszeugnisse beilegten, sie z. B. als amerikanische bezeich- inetm und sie unter neutraler Flagge nach dem Festlande brachten. Im französischen Machtbereiche wurden deshalb nicht nur die englischen, sondern auch die angeblich neutralen Waren verfolgt, Uber in Rußland wär die Praxis tveit laxer. Denn der Handelskrieg brachte den Russen empfindliche Verluste. Das Korn und Holz der russischen Landwirtschaft war bisher zum größten Teile Nach England ausgeführt worden, England hätte dagegen die meisten und billigsten Industrie- Und Kolonialwaren geliefert'./ Jetzt hielt der Handelskrieg den besten Käufer und billigsten Lieferanten fern; von allen Seiten kamen Klagen an Alexander, daß diese selbstmörderische Handelspolitik geändert werden möge. So länge Alexander Vertrauen in Napoleons Buudestreue setzte, wies er solche Wünsche ab; er meinte, eine Reihe von Jahren könne Rußland diese Schwierigkeiten tvohl überstehen, und er erwartete für das Ausharren beim französischen Bündnis durch territoriale Erwerbungen am Balkan, die er mit Napoleons Hilfe zu machen hoffte, reichlich entschädigt zu werden. Aber als Alexander begann, mißtrauisch in Napoleons Absichten zu tverdeu, schwand auch die Neigung, den verlustreichen Handelskrieg fortzusetzen; England war ja, Ivie er meinte, sein künftiger Bundesgenosse gegen Frankreich, wie hätte er es da zu Grunde richten sollen. Allerdings ging er nicht so tveit, den Kampf gegen die englischen Waren sofort ein» zustellen; er mußte besorgen, daß Napoleon das mit sofortiger Kriegserklärung beantwortet haben würde, und dazu, war er nicht vorbereitet. Daher ließ er zivar englische Schiffe und Warm, sotveit sie in russische Häfen kamen, tvegnehmen, aber neutrales Gut ließ er zu, ohne peinlich zu untersuchen, ob es nicht in/Wahrheit aus England stamme. Auf die Dauer blieb Napoleon weder diese Handhabung der Handessperre noch die Agitation in Polen Unbekannt. Ende 1810 war er über beides hinreichend orientiert. Wie es seine Art war, zog er sogleich aus der Haltung des Partners seine Koilseguenzen: Da Alexander durch seine Handhabung der Handelspolitik das Tilsiter Bündnis zu umgehen anfing, so hielt sich auch Napoleon nicht urehr an den Buchstaben der Abmachungen gebunden. Um den Schmuggel mit englischen Waren in Deutschland besser bekämpfen zu können, vereinigte er am 13. Dezember 1810 die deutsche Nordseeküste bis über die Elbe hin mit Frankreich. Hierdurch verletzte Napoleon das Abkommen mit Rußland, fcenn er beraubte den Großherzog von Oldenburg feines Landes, dem ilrt Frieden zu Tilsit seine Unabhängigkeit garantiert wordeit war. Obgleich der Zar stets lebhaftes Interesse an dem Schicksal seines Oldenburger Vetters genommen hatte, scheute Napoleon, diese Rechtsverletzung nicht; er legte ihr feine große Bedeutung bei Und' meinte, der Zar werde ihre Notwendigkeit einsehen tiud sich mit einer Entschädigung des Oldenburgers in Deutschland zufrieden geben. Man sieht jedenfalls nicht, daß er von der Be- ranbüng des Oldenburgers eine entscheidende Wendung in Peters- hurg befürchtet habe, er hielt vielmehr immer noch die Hoffnung fest, irotz iener Anzeichen eines russischm Gesinnungswechsels daI Ttlstier Bündnis behaupten M könnm. Mer diese Hoffnung wär eitel; selbst bei der peinlichsten Bundestreue Napoleons wär die Allianz nicht mehr zu halten, denn der Zar löste sie auf, noch ehe er etwas vvn der Oldenburger! Angelegenheit vernommen hatte. Er schlug eine neue Handels/- Politik ein (Ende Dezember), deren Kern wär, daß die Einfuhr der über den Wasserweg kommenden neutralen, also faktisch meist englischen Waren begünstigt, die der über den Landweg kommend dm, meist französischen, Waren erschwert werden sollte. Der Landweg, hieß es in dem Ukas, bringe tiortoiegenb Luxuswaren, für die Rußland bei der augenblicklichen toirtschaftlichen Not sein Geld nicht opfern dürfe. Mochte die Neuerung durch die wirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands gerechtfertigt sein oder nicht: es wär eine große Unfreundlichkeit gegen Frankreich' und eine tatsächliche Durchbrechung der Handelssperre und damit des Tilsiter Bündnisses. Beide Teile Verletzten also ungefähr gleichzeitig ihre Verpflichtungen, und ohne Zweifel tvar die Verfehlung Alexanders! weit schwerwiegender als die Napoleons. Denn die Entthronung der oldenburgischen Dynastie ließ sich durch Entschädigung mildern und sollte das gemeinsame Streben, den Kampf gegen England, fördern, der neue russische Tarif schloß dagegen eine erfolgreiche Bekämpfung Englands überhaupt aus. Alexander ist also weit aggressiver, wie das ja seiner ganzen Politik in dieser Zeit entspricht. Der Zar hegte keinen Zweifel, daß sein Ukas einen Bundesbruch bedeute. Da kam ihm nun die Annexion Oldenburgs trefflich zu statten: er beschwerte sich öffentlich über das feinem Verwandten widerfahrene Unrecht und konnte so französische Vorivürfe mit Gegenklagen beantworten. Ebenso durchschaute Napoleon sogleich die Tragweite der russischen Neuerung; er erkannte, daß er entweder auf den Handelskrieg und damit auf die UeberwindUNg Englands verzichten oder Alexander durch Güte oder Gewalt zur Zurücknahme seines Tarifes bewegen müsse. Er hat sich daher seit dem Beginn des Jahres 1811 auf dm schlimmsten Fall Vorbereitet, Rekruten ausgehoben, die Truppen in Warschau und Deutschland vermehrt, für Proviant und Fuhrwesen gesorgt Und bergt. Aber die Hoffnung auf eine friedliche Beilegung des Zwistes gab er trotzdem noch nicht auf; Verhandlungen zwischen Paris! und Petersburg gingen hin und her, aber bald zeigte sich, daß Alexander jeder ernsthaften Erörterung bet wichtigsten beiden Streitfragen, der polnischen und kommerziellen, ausweichen wollte., Geflissentlich schob er stets die Oldenburger Frage in den Vordergrund, weil er hier einen Grund zur Beschwerde hatte. Napoleon wüßte wohl, daß das nur ein Vorwand fei; in der Ansprache an Kurakin gab er es deutlich zu verstehen und beschwerte sich zugleich über Alexanders polnische Absichten: „Ich bin nicht dumm genug, nm zu glauben, daß Ihr Euch um Oldenburg kümmert; ich sehe klar, daß es sich um Polen handelt." . . . „Ihr werdet cs nicht haben und wenn Ihr auf dem Montmartre oder in der Nähe lagertet." . . . „Ich werde Euch fein Dorf, feine Mühle dieses' Landes geben." Aber deshalb, wiederholte er immer wieder, sei der Krieg nicht unvermeidlich, denn er sei bereit, eine reichliche Entschädigung für Oldenburg zu geben, wenn man nur offen und ehrlich mit ihm verhandle. i Alle diese Mahnungen und Erbietungen waren, in den Wind gefbrodjen. Denn über die Handelsfrage gab es feine Verständigung. Alexander kannte hier trotz seines offenbaren Unrechts fein Nachgeben, da er eben England nicht mehr niederzwingen wollte, und dieser Punkt ist daher in den Verhandlungen kaum noch berührt worden. .Wenige Monate nach seinem Geburtstag zweifelte Napoleon nicht mehr an der Unvermeidlichkeit des Krieges, und die Unterhandlung hatte seitdem nur noch dm Zweck, den Kriegsausbruch zu verschieben, bis die militärischen Vorbereitungen beendet ivaren. Für Rußland und Frankreich gab! es bei der damaligen Lage kein einfaches Nebeneinander; sie mußten Bundesgenossen ober Feinde fein. Dä Alexander feit der Vergrößerung Warschaus nicht mehr Bundesgenosse fein wollte, wurde diese Gebnrtstagsrede der Schwanengesang des Tilsiter Bündnisses, G. Roloff. , ßrankreichs „schwarze Truppen". Welche Hoffnungen die Franzosen auf ihre schwarze Armee sehen, läßt ein Bries erkennen, den der Korrespondent des Matrn, Hubert-Jacques, aus Tanger an sein Blatt richtet. Er hat die beiden senegalesischen Tirailleurbataillone, die seit 3 Jahren in Marokko sind, bei dem Marsch der Brigade Moinier auf Fez beobachtet und glaubt der Truppe ein glänzendes Zeugnis ausstellen zu können. „Jnnnerdar marschieren sie mit ihren nackten Beinen und den Khakihosen, die kaum bis zum Knie reichen, unermüdlich durch den tiefen Sand oder die zähen Sümpfe, in denen sie bis zum Gürtel einsinken; an den Flanken der Hauptkolonne verteilt machen sie den Marsch zweimal im Auf und Ab von Berg und Tal und kommen beim Biwak mit demselben glücklichen Lächeln, bem gleichen leichten und elastischen Schritt an, die ihrer Rasse eigen sind. Ja, es sind bewunderungswürdige Soldaten, widerstandsfähig, keine Gefahr fürchtend, gut diszipliniert. In der Garnison, in Casablanca sowohl wie in Oran, lebt der Senegalese in Familie mit Weck und Kindern. Nichts Malerischeres als diese kräftigen Negerinnen nut lehr beftimmtem Auftreten und entschiedener Gebärde, die zugleich als Gefährtinnen, Wirtschafterinnen und Ordonnanzen ihren Lian- 524 nern bienen, ihnen die einsamen Stunden verschönen, das Essen nach altgewohnter Weise bereiten, ihnen die Waffen putzen und nur für "ihr Behagen leben. Aber im Felde erscheint auch dem Senegalesen die Frau nur als ein überflüssiges Model, er wird zum Junggesellen und fügt sich auch darein ,mit Freuden. Aber da nichts hienieden vollkommen rst, so zeigt auch er die Fehler seiner Vorzüge. Da seine Wildheit im Kampfe wachst, so ist es etwas schwierig, ihn ziirückzuhalten, wenn er einmal losgelassen. Während der letzten Kämpfe in der Schauia mußte ihnen manchmal da? Zeichen zum Einstellen des Feuers und zum Rückzug dreimal gegeben werden, bevor sie ihm folgten. Man braucht jedoch diesen Fehler nicht zu überschätzen, benn er ist schon im Ab- nehme>r, und ich habe währenb des letzten Feldzuges von Fez fern einziges Beispiel dieser Art bemerkt. Ich erinnere mich, daß rm Juni 1908 einige Senegalesen, die einem Menschensresserstamme angehörten, nach bem Kampfe zu ihrem Haupimanne tarnen, um ihn um bie Erlaubnis zu bitten, daß sie die Leichen von zwer Marokkanern essen dürften, die man auf dem Terrain gefunden hatte. Der Hauptmann war klug genug, sich über diese Barbarei nicht zii entrüsten; er hielt den Soldaten keine fulminante Rede über die Greuel der Menschenfresserei, denn sie hätten sicherlich nichts davon verstanden; er begnügte sich damit, ihnen zu sagen: „Ich rate euch davon ab. In diesem Lande, das ihr noch nicht kennt, ist das Fleisch sehr schlecht, und am schlechtesten ist das Fleisch der Marokkaner. Ihr würdet euch daran also nur furchtbar den Magen verderben. Es ist deshalb besser, ihr laßt das bleiben." Sie waren zufrieden und erzählten ihren Gefährten, daß das Fleisch der Marokkaner nicht eßbar wäre. Dies aber ereignete sich rm Jahre 1908, und dieselben Leute, die damals so gierig nach Menschenfleisch ivaren, sind heute die ersten, die über diese Geschichte lachen. Die Offiziere, denen die schwierige Aufgabe ziisällt, die Senegalesen aiiszubilden, sind die der Kolonialinfanterie. Von welchen! Geiste sie beseelt sind, soll eine Tatsache zeigen, die ich kürzlich mit ansah. Es war in dem Kampfe voin 5. Juni d. I. zwischen Fez und Bahalil. Der Feind hatte ein mörderisches Feuer eröffnet, rmd eine Kompiwnie erhielt den Befehl, in einzelnen Rotten vor- zugehen. Jede Rotte hatte ihren Marschbefehl, aber jede strebte, als erste in die Feuerlinie hineinzukommen. Die eine Rotte wäre eigentlich die erste gewesen, aber eine andere bemühte sich aus Leibeskräften, ihr den ersten Platz vor der Nase wegzunehmen. So entstand ein wahrer Wettlauf, und die todesmutigen Leute der zweiten Rotte, von ihrem Leutnant angeseuert, hatten die Ehre, die Ersten am Platz zu sein. Der tapfere Leutnant bezahlte sogleich seine Kühnheit mit einer Kugel, die er ins Knie erhielt. Er liegt noch heute im Hospital von Mekinez und hat noch die Kugel iin Bein, aber er ist glücklich: er war der erste in der Feuerliniel Von solchem Geiste sind die Offiziere beseelt, die doch gezwungen sind, die Senegalesen während des Kampfes ziirückzuhalten!" vermischtes. * Das Sommerklima Spitzbergens. Ein immer reicheres vielseitigeres Bild der Natur Spitzbergens, sowie des Polargebietes mit allen ihren romantischen Schönheiten entrollt das vom Deutschen Verlagshaus Bong & Co. (Berlin W. 57) herausgegebene Prachtwerk „Mit Zeppelin nach Spitzbergen", dessen 9.—11. Lieferung soeben vorliegen. Die geistvollen, fesselnden Abhandlungen, die sämtlich von Autoritäten ersten Ranges herrühren, atmen deii Zauberreiz dieser fremden Welt in aller Frische. Wir greisen ait§ dem stimmungsvollen Aufsatz, den Professor Dr. Max Reich dem wundervollen und gesunden Klima Spitzbergens widmet, folgende Stelle heraus: „Die ivindstillen Tage und die, an ivelchen ein wotkeiiloser, blauer Himmel uns erfreute, waren die wärmsten: 10, 11, ja 14 Grad. In der direkten Sonnenbestrahlung stieg bie Temperatur noch höher. Das wareii bann Stunden, in denen sich der sonderliche Widerspruch besonders aiisdrängte zwischen Außen- wärme iind unserer Umgebung, den blauen, drlrchsichtigen „Gletscherkälbern" im Fjordwasser, den sonudurchglänzten Schneehalden und den Gletscherströmen mit ihren zerrissenen, zur See abfallenden, glitzernden Eiswänden. Da wurden die Liegestühle auf dem Deck unseres kleinen „Fönix" aufgeklappt und wortlos, traumverloren überließ sich jeder dem Anblick der märchenhaften Szenerie. Aber sie waren doch nicht so häufig, diese Rivieratage! Wolken steigen auf, dunkel, eigentümlich langgestreckt, und feuchte Nebelschwaden huschen dahin. Kalt wird es einem, und lies in den Taschen verschwinden die Hände. Doch Wolken und Nebel passen vielleicht noch besser in diese Szenerie als Sonnenschein. Wild phantastisch wird das Bild, in das der Mensch so wenig hineingehört, und wo er fühlt, daß die Natur ihn, den Eindringling, sorttreiben möchte aus ihrer ernsten Einsamkeit. Der Trockenheit der Luft kann man wohl das ungewöhnliche Gefühl des Wohlbehagens zuschreiben, das jeder in Spitzbergen empfindet. Unbekannte Leistungsfähigkeit und Arbeitsfreudigkeit durchströmt uns, und es ist eine Lust, überall mit zuzupacken. Ihrer Trockenheit und Keimfreiheit danken wir es, daß Erkältungskrankheiten so gut wie nicht vorkommen, eine Erfahrung, von jedem gemacht und immer aufs neue bestätigt. Der Körper scheint ganz unempfindlich zu fein für den Temperaturwechsel, dem man sich auf dem geheizten oder überheizten Schiff beständig aus- setzt. Man mag stundenlang in den Gletscherbächen, die uns in den Jagdgründen überall den Weg verlegen, herumwaten oder mag man von dem unter Gesteinsproben und Versteinerungen schwere» Rucksack erhitzt aus lustiger Höhe oder aus dem Gletschereis auS- ruyen, sich hin legen, — man hat es mit keinem Schnupfen zu büßen. Alles vereint sich in diesem unglaublich gesunden Klima, um die Menschen körperlich erstarken zu lassen. Das ist gut, denn es gibt so ein Gegengewicht gegen die nervöse Spannung, die sich allgemein bemerkbar macht. Der beständige Tag kürzt den ohnehin kurzen Schlaf. Nur mit Widerstreben können wir uns abends von Deck trennen. Zu ungewohnt sind die Bilder, zu unvermittelt treten sie an uns heran. Wohin man blickt, alles möchte man sesthalten. War Wunder, wenn bie kurze Ruhe nicht ausreicht, bie Eindrücke des alten Tages gehörig abktingen zu lassen." Tas Prachtwerk gibt die Welt Spitzbergens zum ersten Male in natürlichen Farben wieder, die ein völlig ungeschminktes, einwandfreies Bild bieten und den vollen Farbenschmelz gewähren. * Farbe und Aroma des Honigs. Jeder erfahren« Bienenzüchter weiß, daß Farbe und Aroma des Honigs nicht alle Jahre gleich sind; die Chemiker lehren überdies, daß auch die chemische Beschaffenheit des Honigs wechselt. Es kann daher nicht auffallen, daß die bezüglichen Veröffentlichungen verschieden« Angaben enthalten. So lauten z. B. solche Veröffentlichungent Honig von Frühobstblüten ist weiß, von Kirschblüten goldgelb^ von Raps wasserhell, von Linden gelb oder tiefgrün, hell oder trüb, von Akazien grünlich-weiß, von Wiesen- oder Feldblumen grüngelb und hellbraun, von Rotklee wasserhell, blaßstroh- bis zitronengelb, von Tannen gelbbraun, grünlichgelb, von Buchweizen tiefbraun. Sind schon hier einer Anzahl von Honigen verschieden« Färbungen beigelegt, so daß diese als sicheres Kennzeichen der Herkunft nicht betrachtet werden können, so wächst diese Unsicherheit noch dadurch, daß der Einfluß der Jahrgänge manch« Aenderung an den angegebenen Nvrmalfarben herbeiführt. Neuere Forschungen begründen sogar, daß der Einfluß der Jahrgänge! auch noch je nach den Bodenverhältnissen ein verschiedener ist, indem z. B. Klee-, Linden- und verschiedene andere Blüten aus Kalkboden dem Honig entschieden eine hellere Färbung geben, als Sand? oder Lehmboden. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Honig von benachbarten, wesentlich gleich bewirtschafteter! Bienenständen, von deren Bienen man sagen kann, daß sie gemeinsame Weide haben, dennoch verschiedene! Färbung hat, da die Bodenbeschaffenheit namentlich in unebenem und wasserreichem Terrain oft in den kürzesten Abständen wechselt, und den Gewächsen sohin verschiedene Nahrung liefert. bk. Ein Buch der Maharani von B a r o d a über die indische Frau. Ihre Königliche Hoheit die Maharani von Baroda wird noch in diesem Jahre bei einem Londoner Verleger ein Buch veröffentlichen, dessen Titel lautet: Tie Stellung der Frauen im indischen Leben. In dem Buche, das 19 einzelne Kapiel enthält, stellt sich die indische Fürstin aut den Standpunkt, daß bie beiden Geschlechter nicht zum Gegeneinanderarbeiten, sondern zur Zusammenarbeit berufen seien, daß aber bie Führung des Mannes für bie Frau nötig sei, bamit sie bas Höchste erreiche, was sie leisten kann. Diese Ansicht klingl durchaus abendländisch. Tas Buch selbst ist ein Beweis dafür, daß bie Anschauung der Fürstin nicht Theorie ist, denn das Buch ist nicht ihre Arbeit allein, sondern ein Literat, der sieben Jahre lang bie behandelten Fragen gründlich untersucht hat, hat daran mitgearbeitet. UebrigenS ist das Buch den „indischen Frauen" gewidmet. * Ein Zeigefinger zu kaufen gesucht. Wer hat einen Zeigefinger zu verkaufen? Mrs. Reginald Waldorf aus Philadelphia hat eine Anzeige im New NorkHerald erlassen, daß sie einen Zeigefinger zu kaufen und einen anständigen Preis dafür anzulegen gewillt ist. Die Dame ist eine junge Witwe, die sich vor einiger Zeit den rechten Zeigefinger mit einem rostigen Messer verletzte, so daß eine Infektion eintrat und es nötig wurde, den Finger abzunehmen. Mrs. Waldorf ist jedoch eine ausgezeichnete Musikerin und möchte nicht für ihr ganzes Leben darauf verzichten, Klavier und Orgel zu spielen. Da sie nun von den großen Fortschritten der Verpflanzung von Körperteilen in letzter Zeit gehört hat, so möchte sie den Versuch machen, wieder in den! Besitz eines Zeigefingers zu gelangen. Wer daran denkt, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, der möge zunächst nachsehen, ob sei» Zeigefinger den Ansprüchen genügt, wie der Arzt sie formuliert! hat: Es muß der Zeigefinger der rechten Hand sein, seine Länge muß 71/2 cm und sein Umfang am ersten Glied 5 cm, am 3. Glich' 4 cm betragen, Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Fliege — Rabelais — Qhrenmakt — Helene — Eimer; Frohe Reise! Magischer Sahlenquadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrat» sollen bie Ziffern 11 340 437 534 viermal berart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jeder der senkrechten, wagerechten und Diagonalreihen stets 1321 beträgt. (Auflösung in nächster Nr.) Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. CatM*, Gießen.