UW IWWWM n ^gtij itjnnacEPniy^ t ffTiiT rve» Das Witwenhaus. Raman von Helene von Mühlau- Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.» Im Handumdrehen hatten sie ihre Rollen gewechselt. IBon dem Augenblick an, da sie sich klar geworden war, daß sie ihre Zukunft nie an die dieses Mannes ketten würde und wenn er sie in Gold einbetten wollte, fühlte sie sich frei. Was hatte doch ihr Mann so oft gesagt? „Selbsb- bewußtsein und Frechheit imponieren immer — Wehleidigkeit und Klagen werden immer verachtet!" Ja, so hatte er gesagt, und er hatte recht. Sie wurde sehr sicher und ein wenig hochmütig, und Lasker verlor mehr und mehr seine herablassende Art. Er ftaunte nur und fing an Respekt zu bekommen, und wie ie in die Wirtsstnbe der Katze eintraten, da spar ihm warm ums Herz geworden. „Donnerwetter, die war ja eine kleine Hexe, ordentlich Temperament hatte die. Nur schade, daß sie so schmal und blaß und dadurch etwas unscheinbar war. Er hatte nun einmal eine Schwäche fiir volle, üppige Frauen. — Er bestellte Kaffee und Kuchen und echtes Pilsener, setzte sich neben Frau von Hilbach aufs Sofa und nahm den Jungen zwischen seine Kniee. „Nächste Woche kommt ihr wieder mit mir, was Kleiner? lmd to ernt'§ deiner Mutter gefällt, dann hol ich euch alle zwei Tage ab, und später--—" „Ach!" machte das Jungchen und sah nach der Tür, die sich geöffnet hatte. Frau Specht und Frau Häuflein standen mitten im Zimmer und sahen sich um, und wie sie Frau von Hilbach neben dem Herrn aus dem Schlitten auf dem Sofa sitzen sahen, da flog um der Specht Muird ein Lächeln, und dieses Lächeln kam Frau von .Hilbach vor, als sei eine kleine Schlange um den schmalen MUnd £er Specht geschlüpft, und auch die Häuflein lächelte von oben herab. Und sie begrüßten sich förmlich; dann setzten sich die beiden dem Tisch der Frau von Hilbach gegenüber, und Lasker sagte zweimal bewundernd: „Eine schneidige Frau! Famose Figur!" Dabei schnalzte er mit der Zunge. In der Gaststube zur Katze war es überwarm geheizt. Die Häuflein stand auf und legte langsam ihren Mantel ab, bann trat sie ans Lenster, und ihre tadellose Figur kam so recht glänzend zur Geltung. Laskers Blicke hinten wie gebannt an ihr. „Eine schöne Frau!" sagte er noch einmal, uitd Frau von Hilbach erzählte ihm leise, daß das auch eine von den Witwen sei, die in ihrem Hause wohnten, ititb zwar die einzige, die nicht arm sei. Ein toller Gedanke oeivog sie, den Lasker von sich abzuschieben und dieser Frau zuzuwenden, und sie, die sonst den Mietern in ihrem Hause so zurückhaltend gegenüberstand, brachte es stetig, eine Vermittlung zwischen den beiden Tischen herbeizuführen und machte die Damen mit Herrn Lasker bekannt, und wie die Wogen einer angeregten, überlustigen Unterhaltung so recht hoch schlugen, nahm sie ihr Kindam dis Hand, und ehe sie jemand halten konnte, hatte sw Btw schied genommen, war aus dem Wirtshaus heraus, xannte, als wäre sie verfolgt, und hielt erst ein, wie sie mckten im wirbelnden Schnee auf der einsamen Chaussee stand io® sicher wußte, daß niemand hinter ihr war. Da sank sie auf einen abgesägten Baumstamm um» staunte über sich selbst und schüttelte den Kops. Erst wie das Bübchen ungeduldig und verwundert neben ihr stand, stieg ein tobender, wütender Schmerz in ihr auf. „O Gott, Gott," jammerte sie, „was soll nun werden? Warum so viel Häßliches und Kleines? Warum läßt du mich so lang warten, lieber Gott??" Sie hatte die Hände vors Gesicht geschlagen. „Mein ganzes Leben ist eine Täuschung, eine Luge!"- sagte sie trostlos. „Bin ich ruhig, so sehne ich mich nach oem Leben, und kommt das Leben, dann laufe ich fort „Mütterchen, mir ist kalt!" sagte der Junge. Sie stand auf, nahm das Kind wieder an die Hand nnb ging langsam und müde über die verschneite Chaussee; und bei jedem Schritt war ihr, als müsse sie zusammenbrechen unter einer entsetzlichen, unsichtbaren Last. Zu Hause fand sie den zierlich gedeckten Tisch; die hohe Stehlampe mit dem roten Schirm stand mitten darauf zwischen all den Leckerbissen, die die Kosh für den reichen Lasker aufgebaut hatte. Frau von Hilbach lächelte wehmütig; es tat ihr der Kosy wegen leid, daß alles so gekommen war. Sie zog ihren Jungen aus, brachte ihn ins Bett und setzte sich wieder an ihren Fensterplatz. Es war Rächt geworden, und der Himurel wölbte sich klar und blau über der weißen Landschaft. Von ferne hörte sie feines Glockengeläut: das war Laskers Schlitten, der über die Brücke flog. Eine Minute später hielt er vor ihrem Haus. Sie hörte lächert und plaudern. Lasker half den beiden Mauen aus dem Wagen, un8 alle drei stiegen die Treppe hinauf. Nach einer halben Stim.de klopfte Frau Spechts Minna bei Frau von Hilbach an, brachte ihr die sechzig Pfennige, die die Kosh ihr zur Besorgung von Pilsener Bier aus dem „Mutigen Ritter" gegeben hatte, stellte auch den leeren Krug auf den Tisch mtb erzählte, daß der Herr mit Frau Hänflein und Frau Specht zu Nacht esse und daß sie sich eine Punschbowle gebraut hätten. — Frau von Hilbach erwiderte nichts. Nachdem das Mädchen gegangen war, räumte sie den Tisch ab und öffnete einen Augenblick die Fenster. Dann ging sie zu ihrem Kind ins Schlafzimmer, und ihr war zumut wie eineim der zwar sein ganzes Vermögen verloren, sich aber etwas. — 50 — gerettet Hat, wäs viel mehr wert iff, etwas, wÄs ihn froh Mrd zufrieden mit sich selbst macht. Sie dachte nicht mehr über die Erregungen des Tages nach, sie wußte nur das eine: „Einmal kämmt doch das Ersehnte, das Wunderbare in mein Leben; ich muß nur warten und allen Stürmen staudHalten!" Uchtes Kapitel. Wenn der Winter ein strenges Regiment hielt Mrd das kleine Thüringer Nestchen so ganz und gar in Schnee Und Eis eirigebettet hatte, dann herrschte Totenstille rings sums Saalehaus. Die Luft war klar und hell und durchsichtig; der Wind hatte sich seit vielen Tagen schlafen gelegt. Das kleine Gärtchen am Saaleufer lag wie erstarrt da, und das Wehr, das sonst durch sein Rauschen urrd Schäumen eine be- stündige Unruhe in die große Stille brachte, war nun auch verstummt, denn die Saale war seit Wochen fest zugefroren. Mittwochs urrd Samstags hatterr sich öfter ein paar Musikanten zusammengetan und gerade vor dem Saalehaus ein Eisfest veranstaltet, aber jetzt, bei zweiundzwanzig Grad Kälte, hatte kein Mensch Lust aus dem Haus zugehen, und die Kosy schimpfte, daß sie allmorgendlich Bahn kehren mutzte rein für nichts, denn Briefträger, Bäckerjunge und Milchmann, die brauchten das bißchen Schnee und Glatteis doch nicht zu fürchten. Wenn sie mit ihrer großen Schneeschippe auf der Straße hin und her lief, dann trug sie dicke gestrickte Fausthandschuhe, und über die Kapuze hatte sie ein großes, wollenes Tuch gebunden, so daß nur die zwei schielenden Aeuglein Und eine blaurote Nasenspitze hervorsahen. Alle zwei Minuten hielt sie in ihrer Arbeit inne, Katschte in die Hände, sah nckch oben und schüttelte den Kopf. Das sah nicht aus, als sollte sich's ändern, da hing noch viel Schnee und Frost am Himmel. Dreißig Brikettsteine mußte sie täglich in den Ofen bei Frau von Hilbach einlegen. Das war zu viel, auf diese Weise war man Mitte Februar mit der Feuerung fertig — und dann?? O, wenn sie darüber nachdachte, dann kam etwas Häßliches in ihr Gedächtnis, etwas, was ihr oft wieder die Tränen in die Augen trieb. „Kosy — da nimm!" ries Erwin von Hilbach und reichte Mr mit Leiden Händchen ein Stück Papier, auf dem ein Wuschen Brotkrumen lag. „Da, Kosy, für meine Spatzen!" „Mach's Fenster zu, Jungchen!" sagte sie ärgerlich. „Wir haben's nicht überflüssig, laß das bißchen Wärme Nicht Herairs!" Im ganzen Haus, in allen Stockwerken schalterr sie, daß sie so viel Feuerung brauchten, und alle sangen ihr Klagelied vor Frau von Hilbach; die Specht hatte ihr geradezu gesagt, dieses Haus sei so kalt und so schlecht gebaut und die Oefen seien so miserabel, daß man rechtlicherweise etwas vom Mietspreis ablassen müßte, statt die Mieter noch zu steigern. Aber der Baumeister, der zu Rate gezogerr wurde, hatte Frau von Hilbach getröstet. „Wenn nur alle neuen Häuser so fest gebaut würden ?sie das Saalehaus, das wäre ein Glück!" hatte er ge- agt, und daß man bei einer Kälte von zweiundzwanzig Grad mehr Briketts gebrauchte, als bei den milden Wintern der vergangenen Jahre, das müsse doch jeder einsehen, Md dafür sei kein Hausbesitzer verantwortlich. Sie klagten aber alle, und Frau von Hilbach hatte immer das peinliche Gefühl, als müsse sie sich entschuldigen. Die Häuflein war die einzige, die mit lächelnder lieberlegenheit diese Unannehmlichkeit ertrug, aber die Pastorin Melzing war ganz gebrochen. Sie hatte im Herbst versäumt, srch die Feuerung zu Sommerpreisen zu besorgen Md mußte sich nun Zentner- und stückweise Briketts und Torf anfahren lassen. Oft kam der Kohlenmensch nicht {ünktlich, und sie borgte sich in allen Stockwerken ein aar Torfsteine oder eine Handvoll Holz, aber niemand ?;ab es ihr gern, lveil man der Pastorin Vergeßlichkeit in olchen Dingen kannte. Wenn die Kosy ihr ein paar lumpige Torfstücke ver- sLreichte, machte sie jedesmal eine hämische Bemerkung, Md einmal rief sie der armen Gräfin noch über die Treppe laut nach: „Wiedersehen macht Freude!" „Ungebildete Person!" murmelte die Pastorin leise, ging in einiger Erregung die Treppe hinauf, und wie sie oben war, warf sie den Torf vor den Ofen und begann zu suchen. Sie hatte einen Hundertmarkschein verloren, und obschon sie alles um und um gekehrt hatte in ihrer Wohnung, konnte sie ihn nicht finden; aber diesen Hundertmark- schein konnte sie unmöglich entbehren, denn ihre reiche Ernte vom Sommer war dahin, und ihre Söhne schrieben alle drei um Geld, und aus dem Schreibtisch lagen eine Menge kleiner Rechnungen. „Wenn ich ihn nun wirklich aus Versehen in den Ofen geworfen hätte!" sagte sie verzweifelt und setzte sich jn einen tiefen Lehnsessel aus weiß lackiertem Holz mit goldnen Rokokkoverzierungen und einem hellroten Sammetbezug. „Es wäre furchtbar, furchtbar!" Sie stützte den Kopf in die Hand und versank in tiefes' Sinnen, aus dem sie erst erwachte, als ihre Hände und Füße vor Kälte erstarrt waren und ein heftiges Frostgefühl ihr einen Schauer durch den Körper jagte. Sie kniete vor dem Ofen, warf Papier und Holz hinein und versuchte vergebens, ein Feuer instand zu bekommen. Das Papier brannte ab, aber das Holz war zu feucht, es wollte nicht brennen. Drei, viermal hatte sie neues Papier entzündet, die Stube mit den weißgoldenen Möbeln aus dem.Grafenschloß zu Wehringen füllte sich mit Qualm, und die Pastorin begann zu weinen. „So viel Jammer, so viel Elend!" schluchzte sie, „und wenn ich meinen Hundertmarkschein nicht finde, kann ich hungern in der nächsten Zeit, himmlischer Vater, warum suchst du mich so schwer heim?" Sie begann von neuem, Papier zu entzünden; sie, pustete in die Asche, aber es nutzte nichts. Stur ihr Gesicht wurde von Ruß bedeckt, und die Augen taten ihr weh. „Ich werde zu Frau von Hilbach gehen! Die ist gut und hat eine warme Stube, und wenn ich der Gemüsefrau ein gutes Wort gebe, kocht sie mir ein Süppchen mit!" Sie traf aber nur den kleinen Erwin unten au, und er sagte ihr, daß Frau Natusius seine Mutter zu sich gerufen habe, und daß Frau Natusius so furchtbar gemeint hätte. Die Pastorin nahm den Jungen auf den Schoß, las ihm ein Märchen von Andersen vor und war glücklich, daß sie im Warmen saß und für die nächsten Stunden geborgen lvar. ; (Fortsetzung folgt.) Aus den Mauern und dem Burgfrieden Büdingens vor 500 Jahren. (Vortrag, gehalten am 11. Januar 1911 im Ortsgewerbeverein! von Christian Müller, fürstlichem Kammerdirektor. Nachdruek ist nicht gestattet.) Aus den Mauern und dem Burgfrieden Büdingens vor 300 Jahren biete ich heute abend einige, wie ich hoffe, nicht uninteressante Mitteilungen als Teilergebnis meiner bescheidenen lokalen Forschungen. Nicht alles, was ich bringe, kann neu sein. Ich muß an Bekanntes anknüpfen; jedoch vieles als bekannt voraussetzen. Die Gewannnamen und Ortsbezeich- nungen, mit denen ich Beweise führe, oder zu führen suche, sind sämtlich urkundlich belegbar. Engbegrenzte ortsgeschichtliche Zustände und Begebenheiten werde ich kurz zu schildern versuchen und afct und zu auch mit Personen, die uns begegnen, bekannt machen. Ortsgeschichtliche Dinge stehen zur Besprechung. Die Grundlage aber jeder Orts- geschichte ist die möglichst genaue Kenntnis der Oertlrchkeiten, auf denen sich die Begebenheiten, die uns beschäftigen, abgespielt, wo die Personen, die wir kennen lernen, gelebt haben. Nur eine genaue, Ortskenntnis läßt uns vertraut werden mit der Vergangenheit und Verständnis gewinnen für ihre Eigenart, aber auch für die einer zum Teil ganz anders gearteten Gegenwart. Zwiefach ist demnach der Nutzen, den uns die Beschäftigung mit der Ortsgeschichte bringt, oder dpch bringen kann. Die Zeit, aus der ich erzähle, füllt mit der Regierung des Grafen Wolfgang Ernst von 1596—1628 zusammen und umfaßt demnach auch die letzten Regierungsjahre des Grafen Heinrich von der Ronneburger Linie, mit dein er sich bis zu dessen int Jahre 1601 erfolgten Tode in die Menburgischen Lande teilte, Burg, Stadt und Gemarkung Büdingen waren gemeinsamer Besitz. Die Quellen, aus denen ich hauptsächlich schöpfe, sind: eine Urkunde, aus dem Fürstlichen Archiv von 1517; ein Meßbuch der Büdinger Feldgeschworenen von 1600 bis 1606 aus der städt. Registratur und ein Ackerbuch nebst anderen Aufzeichnungen aus der Landteilnng des Grafen Wolfgang Ernst von 1628 bis 1632, Wir machen zunächst einen Gemarkungsgrenzgang an der Kand des von Kaiser Maximilian zu Augsburg am 12. September 1518 bestätigten Erbbrudervertrags von 1517, in dem die Brüder Philipp, Diether und Johann von Ysenburg, Grafen zu Büdingen, sich dahin verabreden, daß Burg, Stadt,und Stadb- dezirk gemeinschaftlich von ihnen besessen werden sollen. Die Grenze des Burgfriedens wird darin also beschrieben: „Erstlich, geet derselb Burckfrid auß vnd an wie hernach volgt. Anfengclichen von. der vndersten schmitten. den nechsten vor den: Jegersgrundt, den: alten wolsfzaun zu vnnd hinder dem wolffzaun. vor dem Wald zum schlurckcrshiemelrerch zu, vor dem wald furt hinauf; bis zum heiligen stockh, der auf der straffen vor der reffen steet. dieselben straffen herein, bis auf die holn, die von Vanhusen herausgcet. Darnach den weeg herein, biß auf den steinen heilgcnstockh, bet; dem hellerpaum. vnd dorn heilgenstockh den nechsten auf die Lorbach, von dann auf die lantwcr am hasenschnap. von derselben lantwer den nechsten vber die bach, die fernen genant, zu der Brucken, vnder dem Eichelberg, von derselben Brnken, die wolf hinauf bis an die weid, die Eyfellerbach genant dieselb weid hinaus, bis auf den hindersten weißen graben, den weißen graben herein bis aus die kelberbach, darnach die kelberbach. denselben wysengrundt herauf, bis sür den wald, da der phodt von büdüngen gen Bintzensassen geet. für das Eychhornsloch, von dem Eychhornsloch bis auf das höchst auf den weingartsberg bet; weinhawsen heilgenstockh. vor dem Wald, darnach von; heilgenstockh den stoppelsgrundt herem hinder der großen steinkauttm vnd den weg der gen Rinderbigen geet hinaus, bis der vndersten schmittien gleich, vom selben weg den nechsten zu der vndersten schmitten zu." Vergleichen wir den Verlauf der heutigen Gemarkungs'grenze Mit der eben gehörten Beschreibung der Grenzen des Burgfriedens und beginnen wir mit „der untersten Schmitten", die ich, bis zum Gegenbeweis für den heutigen „Hammer" halte, so ging die Burgfriedcnsgrenze von da aus „vor bent Jägersgrnnl/ (deut heutigen Jägertal) her nach dem alten Wolfzaun und hinter demselben her vor dein Wald bis „zum Schluchrshimmelreich"*) Und weiter vor bent Walde hinauf bis zum Heiligenstock, der aus der Straße „vor der Reffen" steht. Wir erkennen hier unschwer das Zusammenfällen der Grenze des heutigen Stadtgebiets mit der des Büdinger Waldes bis zum Schnittpunkt der Reffenstraße mit dem Hain-Gründauer Weg oberhalb des Tunnelportals, d. h. dem Punkt, an dem die Gemarkungen Büdingen und Vonhausen mit dein Büdinger Wald znsammen- stoßen. Von da zog die Greitze genau wie heute auf der Reffenstraße weiter bis zum Vonhäuser Hohlweg und diesem folgenb, die Gemarkung Lorbach zur Linken lassend, bis auf' den steinernen Heiligenstock „bei dem Hellerbaum". Dieser Stock stand an der Kreuzung des Vonhäuser Wegs mit dem von „der Luxweide" oberhalb der steinernen Bogendrücke aus der Gelnhänftr Straße nach Lorbach hinüber sührenden Feldweg. Noch jetzt heißt man es dort „am Helleracker". Von da ging die Grenze „an der Nachtweide" hinunter auf dem nächsten Weg zur Lorbach Und diese hinab; von der Lorbach aber auf „die Landwehr am Hasenschnapp". Ich glaube di cs en Punkt dort annehmen zu müssen, wo sich die Gerichte Ortenberg und Büdingen schieden, d. h. an der Düdelsheimer Gemarkungsgrenze. Hasenschnapp bedeutet soviel wie Hasenfang, eine Bezeichnuitg, die heute noch in der Aulendiebacher Gemarkung am Rohrbacher Wald vorkommt. Beim Calbach—Büdinger Kirchweg, der durch die Harbeck führt, heißt! es noch heute „am Schnapp". Dann folgt die Grenze offenbar einer alten Landwehr, die von der Harbeck quer burch bett Büdinger Wiesengrund hinüber nach der Mündung der Wolf zog Und diese hinauf an „der Eichelbrücke" vorbei, zu der noch heute gemeinsam besesseneit alten Weide — jetzt Feld- und Wiesenbezirk der Gemeinden Büdingen, Wolf und Büches, „der Effolderbach"; ging alsdann diese hinauf bis auf den hinterstett weißen Graben (wo weißer Stubensand gegraben wurde) und diesen hinunter bis „auf die Kälberbach", folgte dieser im Wiesengrund auswärts bis zum Schnittpunkt des Büdingen—Bindsächser Fußpfads mit der Kälberbach unterhalb „des Sandborns" am „Eckerts- Wäldchen"; zog sodann „das Eichhornsloch" hinauf bis zur Hinteren Pfaffenwaldsgrenze und dieser solgend zum Eintritt des Michelauer .Fußwegs in den Büdinger Markwald. Die Grenz- beschreibung sagt: „Bis auf das Höchst auf dem Wingertsberg bei Weinhausen—Heiligenstock vor dem Wald". Dieser Stock stand also etwa da, wo heute Iblte uns allen bekannte Ruhebank steht. Dann zog die Grenze den „Stöppels-" heute „Stopperts- grund" genannt herein „hinter der großen Steinkauten" (bett heutigen Steinbrüchen) her bis auf den Weg nach MnderMgen, diesen hinauf bis der „untersten Schmitten" gegenüber und von da unmittelbar auf diese zn, womit wir am Ausgangspunkt angelangt sind. Diese Grenzbeschreibung des Burgfriedens von 1518 deckt sich, von drei Abweichungen abgesehen, völlig mit der heutigen Gemarkungsgrenze unserer Stadt, gilt also zweifelsohne auch für die Zeit der Regierung des Grafen Wolfgang Ernst. Die erste *) Das Galgcnfeld vor dem Büdinger Wald wird das Himmelreich gewesen fein, wo der arme Schlucker durch den Strick des Lenkers in den Htmmel kam. 51 — Abweichung ergibt sich int MnderMger Tal oberhalb des Hammers, die zweite wahrscheinlich im Büdinger Wiesengrund nach Düdelsheim zu und die dritte beim Sandhof an der Pferdsbacher Gemarkungsgrenze. Es würde den Rahmen meines Vortrags überschreiten, wenn ich darauf näher eingehen wollte. Wir gelangen jetzt zu einer kurzen Betrachtung der Einteilung, inneren Begrenzung und Benennung des Gemarkungsgebiets.. Jede Gemarkung Hessens zerfällt zunächst in Fluren, die keinen! Namen, sondern nur Nummerit führen, jede Flur in Gewanne, die stets ihre besonderen Namen haben und jede Gewann in sort- lausend! nummerierte Einzelgrundstücke, die wiederum nach der Gewann benannt sind. Fluren als rein trigonometrisch-geometrischer! Begriff sind erst eine Schöpfung der Hessischen Katastergesetzgebung von 1824. Die Instruktion für die Begrenzung der Gemarkungen, Fluren, Gewann und Parzellen zum Behuf der KatasteroperationenI vom 22. Juli 1824 besitzt den orts- und» kulturgeschichtlich unschätzbaren Vorzug, daß fie sich in ihren Ausführungsbestimmungen! auf das engste an den Besitzstand und die vorhandenen natürlichen und die Gewanngrenzen anschloß, das geschichtlich Ueberliesert« demnach sorgfältig bewahrte und erhielt. Im Gegensatz hierzu! 6 efeiligen unsere heutigen Feldbereinigungen grundsätzlich all«! alten Eigentums- und Gewanngrenzen und statt der natürlichen! Grenzen herrscht das Lineal. Von Grund aus verschwindet, was sich in iy2 Jahrtausenden auf der ersten Kulturarbeit unsereck Altvordern im Laufe der Jahrhunderte ortsgeschichtlich so wundervoll aufgebaut und so wunderbar erhalten hat. Es gab auch schon früher Fluren und die alten Acker- und Meßbücher hießen wohl auch Flurbücher. Man verstand jedoch unter Flur entweder die ganze bebaute Feldgemarkungi teils mit, teils ohne die Wiesen int Gegensatz zum Wald, oder! nur einen Teil der Feldgemarkung gleichbedeutend mit der im! Zwange der Dreifelderwirtschaft stehenden Fläche der Gemarkung, wobei das ganze unter dem Pfluge steheiche Ackerfeld in das Sommer-, das Winter- und das Weide- ober Brachfeld zerfiel. So lautet ein Eintrag im Ackerbtich von 1628: „Flörlicher Pflicht (d. h. Flurpacht) gießt ein Jahr Korn (d. i. die Winterfrucht), das zweite Jahr Hafer (die Sommerfrucht), das dritte Jahr liegets brach." Diese Einteilung in drei Felder erhielt sich in dm meisten Gemarkungen bis in die neueste Zeit, so in Düdelsheim und Rohrbach, wo sie übereinstimmeitd das Unterfeld, das Oberfeld und das Hinterfeld hießm. Erst die Felbbereinig-t uttgen haben auch mit dieser uralten, landwirtschaftlich allerdings durch die freie Fruchtwechselwirtschaft und bett Maschinenbetrieb völlig veralteten, vielfach schon lange nicht mehr beobachteten Einrichtung aufgeräumt. Auch in unserer Gemarkung herrschte die reine Dreifelderwirtschaft. Nach dem Ackerbuch von 1628 verteilte sich der gesamte herrschaftliche Grundbesitz an Aeckern auf 1. das Schafhofsfeld, 2. das Pfarrfeld und 3. das Lippertsfeld. Das waren zwar zunächst nicht 3 abgeschlossene Felder, sondern nur Sammelnamen für die zum Schafhof und Lippertsfeld gehörigen herrschaftlichen Grundstücke, die größtenteils in Selbstverwaltung standen, während die den Pfarrhof bildenden, lange Zeit dem Pfarrherrn im Großendorf in Pacht gegeben warm« Denn unterm Schashossfeld werden auch Aecker in der Effolderbach, uuterin Pfarrfeld solche an der Kleibscheibe und unterm Lipperts- felb Aecker in der Kälberbach genannt. Trotzdem glaube ich, daß die drei Felder durch das Schafhofsfeld, das Lippertsfeld und das Pfarrfeld, das größtenteils im Eichelberg und in der Winterhall lag, gmügcnd klar bezeichnet sind. Die Salzbach im Salinengrund, und der Seemenbach im Wiesengrund, schieben offenback die 3 Felber. Nach dem Besitzstand gliederte sich unsere Feld- gemarkung vor 300 Jahren Noch mehr wie heute. Neben bem herrschaftlichen Besitz, bei1 über 1200 Morgen an Ackerlanb umfaßte, traten die Lehengüter der Menburgischen Vasallen, die als Durglehm verliehen warm, und später wieder an die Herrschaft zurückfielen, sodann das Kirchenbau- und Präsenzgut und schließlich der schon damals beträchtliche Besitz der Ausmärker, so daß auf ben bäuerlichen Grundbesitz der Jnmärker kaum die Hälfte der Gemarkung entfiel. Die verschiedenen Güterkomplexe und Einzel- grimdstücke lagen in buntem Gemenge und wechselten oft den Besitzer. Hüusige Teilungen brachtm innerhalb der Gewanne! nicht feiten Verschiebungen und Aenderungen der Grundstlicks- grenzen. Die Gewanugrenzen und Gewannnamen haben sich gleichwohl gut erhalten. Manche Benennungen freilich sind aus dm Karte» und Grundbüchern verschwunden, leben aber bei der Bwölkerung weiter, andere haben sich im Bolksmunde um- und neugebildet. Dafür hier ein paar Beispiele: Verschwundene Ge- wannamm sind: am Amtshaus, an den Aspmhecken, der Attig- acker, auf der Herrnbeuuen, die Dippelngasse, im Drimppen Dretsch, an der Himmelweid, bei Schluckershimmelreich, bei der guten Leutehaus, der Hühnergarten im Hain, beim Krailbanm, am Hopfmberg usw. Neu entstanden sind: Auf der Eiskante, die m. A. n. Eisenkaufe heißen müßte, da das ganze Feld dort voll Eisensteinen liegt und hier zweifellos einmal nach Eisen geschürft worden ist, ferner die Treppenäcker, am Grünewald, der Hirschgrabm, am Eichenköpfchen bei der Papiermühle u. a. m. Erhalten haben sich, obwohl urkundlich bis jetzt von mir nicht nachweisbar, die iebenfalls uralten Benennungen: am Molkenborn, am Blutborn, am Eichelborn, am Kreisborn u. a. m. lieber die Umbildung eines Gewannamens ein Beispiel: oberhalb der tiefen! I Krähen an der Keymbergstraße, tzie auch die Christinenhöfer odK 52 Wolferstvaßü heißt, nennt mans heute am Pfeifensack. Frag^man: was ist, wo liegt dieser Pfeifensack? so erhält man darauf kerne bestinrmte Antwort. Der Name ist da, er geht dort um, aber er Üft nicht zu greifen, er kann nicht durch irgend ein Grundstück, durch irgend einen Vorgang oder eine besondere Eigenschaft der Oertlichkeit erklärt werden. Ich fand nun rm Ackerbuch von 1628 den Eintrag: Acker 5Vr Morgen, 8 Ruthen, die sackpfecfe genannt, an der Wölferstraße und in dem Grnndstlicksverzerchuis des heutigen Salinenhofs steht ein Acker von etwas über 5^ Morgen mit dem Gewannnamen „stößt auf die tiefen Graben . Die beiden Benennungen bezeichnen ein und dasselbe Grundstück. Die Sackpfeife von 1628 ist „der Pfeifensack" von heute^ Beide bezeichnen das ihnen wohlbekannte Milsikinstrnment der Savoyarden „den Dudelsack" und die Form des Ackers bestätigt dies. Man sieht deutlich die Bauchform des Schlauchs und das Mundstück. Auf der zweite» Zeichnung sind zwei scheibenförmige Uecker dargestellt, von denen der eine ganz, der andere zum größten Teil von Wiesen umgeben ist. Der größere heißt ,chre große Kleibscheibe". Die anstoßende Feldgewann heißt „Ober der Kleibscheibe". Zn dieser großen habe ich im Ackerbuch von 1628 „die kleine Kleibscheibe" gesunden. Sie liegt der ersten gegenüber und ist von ihr durch einen Wiesenstreifen und den Seeweg getrennt. Der Kleiber ist der Maurer oder Tüncher, der nut der Kleibscheibe (Heißen --- kleben) die Lehmwände der Hauser glatt streicht. Auch hier hat die Form den Namen gegeben. Die Gewanneinteilung entstand, wie allgemein angenommen wird, bei der Aufteilung des nach der Seßhaftniachung der deutschen Stämme vorgefundenen oder durch Nenrodung gewonnenen Kulturlandes in das Sondereigentum, oder, um mich anders auszudrücken, beim Uebergang des Gesamt- und Gemeinbesitzes aller Märker, der Allmenden, in das Eigentum der einzelnen Märker. Ursprünglich gab es, wie uns Cäsar und Tacitus berichten, bei den deutschen Stämmen keinen Grundbesitz des Einzelnen. Die freie Mark gehörte allen Freien, die auf eignem Grund und Boden saßen und ihren eignen Rauch hatten, gemeinsam und wurde, soweit sie kultiviert war, gemeinsam bebaut und im lähr- lichen Wechsel durch Losziehung gleichmäßig verteilt und genutzt. Wald und Weide blieben noch lange Jahrhunderte hindurch Ungeteilter Gesamtbesitz; sie sind es vielfach noch; — heute freilich Unter anderen Eigentums- und Nutzungsverhältnissen, tote sie die Umgestaltung und der Ausbau des Personen- und Sachenrechts (und die politische und wirtschaftliche Entwickelung unseres engeren Vaterlandes mit sich gebracht haben. Die Gewanneinteilung bildete den äiißeren Rahmen, innerhalb dessen sich die Bebauung des Grund und Bodens und der Besitzwechsel vollzog. Die ersten Spuren der Gewannbildung und Benennung müssen jedoch, tote ich annehme, bis in die Zeit der strengsten Feldgemeinschaft zurück- geführt werden. Denn schon damals war eine gewisse örtliche Und zeitliche Arbeitsteilung unerläßlich; eine örtliche, weil nicht alle Markgenossen gleichzeitig an demselben Platze arbeiten konnten, — eilte zeitliche, weil nicht jede Bodenart lederzett ikarbeitungsfähig ist. Schon hierdurch ergab sich nach meinem Dafürhalten in sehr früher Zeit die Notwendigkeit einer räumlichen Abgrenzung nach Lagen und Bodenklassen, und so mögen die ersten Gewanngrenzen und Gewannnamen schon damals entstanden sein. Die Fläche, itach der die Aufteilung der Gewanne erfolgte, war der Morgen oder das Joch. Was ein Gespann, ein Joch Ochsen an einem Morgen nmpflügen konnte, hieß da, wo man, tote am mittleren und am Oberrhein die Zeit zum Maßstab nahm, ein Morgen, und da, wo man sich nach der Bo- lpannung richtete, wie in Bayern und Oesterreich, ein Joch. Diejenige Feldfläche aber, die man mit einem einfach bespannten Pflug jahraus, jahrein bequem bewirtschaften konnte, nannte man Nach diesem Werkzeug einen Pflug. In der Wetterau, also auch in unserer Gegend, verstand man darunter 32 Morgen. Wenn uns deshalb eine Urkunde berichtet, daß Kaiser Ludwig IV. dem Konrad V. von Trimberg im Jahre 1327 zwischen der Bürg Büdingen und dem Büdinger Wald ein Gereut von 5 Pflügen zu Sehen gab, das man ohne Genehmigung des Reichs durch Rodung gewonnen hatte, so waren das ungefähr 160 Morgen Land. Wir erfahren hieraus: 1. daß der Büdinger Wald vor 1327 noch bis zum Schloß ging; 2. daß das Schloß, das bekanntlich vordem auf dem linken Seemenufer lag, zum Büdinger Wald gehörte, und wie dieser Reichslehngut war; 3. daß die Gewanne „der Melbach" und „der Radgärten", d. h. der gerodeten Gärten, ursprütrglich Wald waren und ebenfalls dem Reiche gehörten; 4. daß dieses ganze Gelände als Reichziehen an die von Trimberg gefallen war. (Fortsetzung folgt.) Seit ist Geld! Wenn man rückblickend die Fortschritte überschaut, die Wissenschaft und Technik auf dem Gebiete des Verkehrswesens im Laufe ver letzten Jahrzehnte geschaffen haben, tritt dem Beobachter überall eine gewaltige Zeitersparnis entgegen, die den Kindern der modernen Zeit schon zur Gewohnheit geworden ist. Wo unsere Vorfahren tage» und wochenlang reifen mußten, braucht der Bürger des 20. Jahrhundert? ftü? wenige Stunden, und wo früher ein Kurreiy oder Bote ein umständlich abgefaßtes Schriftstück mit großem Zeitaufwand seiner Bestimmung zuführte, ermöglicht heute das Telephon eine Verständigung, die eine gewaltige Zeitersparnis in sich schließt. .So verbreitert sich das Feld der Betätigung der produktiven Kräfte, der Arbeitsleistung eröffnen sich größere Möglichkeiten, und es könnte scheinen, als ob ein Wachstum des allgemeinen Wohlstandes nicht ausbleiben könne. Aber in der Praxis erfährt diese Theorie eine kleine Einschränkung; das zeigt die lustige Berechnung, die ein ordnungsliebender englischer Kaufmann aufgestellt hat und in einem Londoner Blatt veröffentlicht. „Ich habe nun, zum Jahresschlüsse", so schreibt der sorgsame Hausvater, „meine Einnahmen und Ausgaben genau nachgerechnet und bemerke dabei, daß ich im vergangenen Jahre 3000 Mark Taschengeld mehr ausgegeben habe als in den früheren Jahren. Dabei haben sich meine Lebensgewohnheiten, mein Geschmack und meine Wünsche, nicht im geringsten geändert. Ich führe genau dasselbe geordnete, einfache Leben wie früher, habe keine Laster und keine Marotten, die Mehrausgabe verirrsacht haben könnten. Woher entsteht das Defizit? Wenn ich mir meine Rechnungen genauer ansehe, finde ich, daß ich im vergangenen Jahre 1400 Mark für Automobildroschken ausgegeben habe. Das ist zwar vtel, aber ich kann es nicht bereuen, ich gewinne bei der Fahrt 20 Minuten gegenüber einer gewöhnlichen Droschke. Nach genauer Joe» rechnung kann ich feftftelten, daß ich dadurch im Jahre 11200 Minuten erspare, also eine Woche und 18 Stunden. Und das ist für einen vielbeschäftigteil Kaufmann ein schöner Gewinn. Ich benutze aber die Autodroschken nur für wichtige Geschäftsgänge, die sich bezahlt machen. Für kleinere Fahrten begnüge ich mich mit einem Auto-Omnibus. Gegenüber dem alten Pferde-Omnibus. gewinne ich hier täglich mindestens eine halbe Stunde an Zeit, also im Jahre eine Woche und 14 Stunden. Um von meuter Wohnung ins Geschäft und abeirds itach Hanse zu kommen, bediene ich mich der Untergrundbahn. Seitdem der Betrieb elektrisiert ist, Verkehren die Züge zahlreicher, schneller, die Aufenthalte siird kiirzer geworden; das bedeutet eine Zeitersparnis von täglich 15 Minuten, gegenüber der alten Untergrundbahn. Macht im Jahre 3 Tage 19 Stunden. Das Telephon und drei Schreibmaschiite ermöglichen es mir, meine Korrespondenz, für die ich früher drei Arbeitsstunden auftvenden mußte, in einet! Stunde zu erledigen. Wenn ich annehme, daß das Geschäftsiahr rund dreihundert Arbeitstage hat, so spare ich hier fünfundzwanzig Tage, die zusammen mit den früher angeführtes Zeitersparnissen 44 Tage 3 ©tuitben und 75 Minuten aus- imachen. Ich will alle übrigen Bequemlichkeiten unserer Zeit nicht einzeln aufführen, aber ich rechne vorsichtig und bescheiden^ wenn ich annehme, daß ich gegen früher mindestens 60 Arbeitstags spare, also 2 Monate vom Jahr. Wie kommt es nun aber, daß ich trotz oieser Zeitersparnis weniger wohlhabend bin als früher? Nach langem Nachdenken habe ich das Rätsel gelöst. Ich habe mehr freie Zeit als früher, sozusagen zwei Sonntage in dep Woche; ich gehe spazieren, ich mache mir Bewegung, unternehme mit meiner Familie Ausflüge, wir gehen hin und wieder ins Theater und müssen nachher selbstverständlich in einem Restaurant zu Abend essen. Kurz: mir stehen für meine Ausgaben zwei Monate mehr zur Verfügung, während ich nicht mehr verdiene." Und der ordnungsliebende Grübler fügt melancholisch hinzu: „Ja, Zeit ist Geld," man sagt das mit Recht. Aber jede! Zeitersparnis ist verlorenes Geld. Ich werde künftig meine Briefs wieder mit der Hand schreiben, das Telephon abschaffen, Pferde- Omnibus fahren und in eiligen Fällen statt des. Autos eine gewöhnliche Droschke benutzen. . ." Artthmogrlph. 1 2 3 4 7 5 7 wohlschmeckender Fisch. 2 7 4 4 7 Stadt in Hannover. 3 7 5 8 7 lyrischer Dichter. 4 5 7 11 ein Flüssigkeitsmaß. 5 11 5 1 griechische Göttin. 6 5 1 2 3 ein Hausgerät. 6 5 8 6 7 Flüssigkeit. 7 8 6 7 Schwimmvogel. 8 10 6 6 7 11 Reptil. 9 5 11 8 10 Stadt tn Sachsen. 10 1 6 7 11 eine Gartenvlmne. 11 10 2 5 8 7 iranzösischer Dramatiker. 6 11 5 7 11 Stadt in den Rheinlanden. 5 4 4 7 11 Nebenfluß der Donau. 7 4 4 5 9 1 7 maihemaltsche Figur. Die Aniangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichnen ei« Vergnügen für Jung und Alt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schtvarz. 1. T e 4 — e 3. b 6 — b 5. 2. D c 4 — f 4 f Käß — c 5. 3. Df4 — c7f und Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäls-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.