Donnerstag den 2\. September ab_ »Buss M W-1« fe?£Ü: » Die weiße Frau. Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) VL Als ich zur Zeit des Gabelfrühstücks ins Eßzimmer trat, saßen Miß Halcombe unb eine ältliche Dame bereits am Tische. Die ältliche Dame erwies sich, als ich ihr vorgestellt wurde, als Miß Fairlies Erzieherin, Mrs. Vesey. Ich rann wenig mehr, als mein bescheidenes Zeugnis darbieten, daß Miß Halcombes Skizze von dem Charakter der alten Dame eine durchaus getreue war. Mrs. Vesey sah wie die personifizierte menschliche Gemütsruhe und weibliche Liebenswürdigkeit aus. Ruhiger Genuß eines ruhigen Daseins glänzte in schläfrigem Lächeln aus ihrem runden, friedlichen Gesichte. . Nun, Mrs. Beseh, sagte Miß Halcombe und sah im Gegensätze zu der gelassenen alten Dame an ihrer Serie munterer, schärfer und geschäftiger aus, denn je, was wollen Sie haben, eine Kotelette? Mrs. Vesey legte ihre gefalteten Hände arrf den Rand des Tisches, lächelte milde und sagte: Ja, meine Liebe. Was ist das da vor Mr. Hartright? — Gesottenes Huhn, nicht wahr? Ich glaubte, Sie äßen gesottenes Huhn lieber, als Koteletten, Mrs. Beseh? Mrs. Vesey nahm ihre weichen Hande vom Rande des Tisches und faltete fie statt dessen auf ihrem «choy: daun nickte fie dem gesottenen Huhne freundlich zu und sagte: ja, meine Liebe. „ ,, Mm ja, aber welches von beiden wollen Sie heute haben? Soll Mr. Hartright Ihnen etwas Huhn geben, oder ich eine Kotelette? . , - Mrs. Vesey legte eine ihrer weichen Hande wieder aus den Tisch, zögerte träumerisch und sagte: Was Sie wollen, trteine Siebe. Um aller Barmherzigkeit willen! Es ist eine Frage für Ihren Geschmack, meine gute Dame, nicht für den inemtgen. Ich schlage vor, Sie nehmen von beiden ein wenig und von dem Huhne zuerst, denn Mr. Hartright stirbt vor Sehu- fucht, für Sie zu tranchieren. . Mrs. Vesey legte auch die anders Hand wieder aus den Rand des Tisches, verbeugte sich gehorsam und sagte: Wenn ich bitten darf, Sir. Unterdessen war noch immer keine Spur bon, Miß Fairlie zu sehen. Wir Waren mit dein Gabelfrühstua zu Ende, und sie kam noch immer nicht. Miß Halcombe, deren Scharfsinne nichts entging, bemerkte die Blicke, welche ich von Zeit zu Zeit der Türe zuwarf. „ Ich verstehe Sie, Mr. Hartright, sagte sie; Sie mochten Wissen, was aus Ihrer anderen Schülerin geworden iß. Hutes zu ver , „ und über die Ohren zurückgezogen funden habe. Während sie noch sprach, bogen wir in einen Schlangen-' weg ein und näherten uns einem hübschen Lusthauschen, von Holz und in Form eines Schweizerhäuschens in Miniatur gebaut. In dem einzigen Stübchen dieses Lust- Häuschens erblickte ich, als ivir die Stufen hmanstlegm, eine iunae 'Dnme. Sie ft ein b ein bin em länblichen £ifcl)c unb schaute aus Heide unb Hügel landeinwärts burch eme Lichtung in den Bäumen, wobei sie zerstreut in einem kleinen Skizzenbuche blätterte, das neben ihr lag. Es war Miß Fairlie. Wie kann ich sie beschreiben? Das kleine Aquarell, das ich zu einer spateren Zeit von Laura Fairlie in dieser Stellung und Umgebung! malte, liegt vor mir auf meinem Pulte, während ich schreibe. e>ch schaue es an, und es leuchtet mir auf dem grünlich braunen Hintergründe des Gartenhauses eine leichte jugendliche Gestalt entgegen in einem einfachen Musselinlleide, dessen Muster von breiten, abwechselnd hellblauen und weißen Streifen gebildet wurde. Ein Schal von demselben Stoffe sckmiieqt sich leicht um ihre Schultern, unb ent Hemer, runder Strohhut von natürlicher Farbe und ein wenig mit Band garniert, das mit dem Kleide harmoniert, bedeckt ihr Haupt und wirft seinen weichen Schatten aus den oberen Teil ihres Gesichts. Ihr Haar ist oon einem Jo inatten, blassen Braun, daß es hier und bannt den Schatten ihres " ■ - ■ -schmelzen schemt. Es ist einfach gescheitelt UHU uuee uic Ohren zurückgezogen, über der Stirn kaufst es sich' in einer natürlichen Wellenlinie. Die Augenbrauen sind etwas dunkler als das Haar, und die Augen von jenem schmachtenden Himmelblau, das so oft von Dichtem Kungen und so selten int wirklichen Leben gesehen wird. Lieblickie Augen in Farbe, lieblich in Form große, zärtliche, still gedankenvolle Augen — aber am schönsten durch die klare Wahrhaftigkeit des Blickes, die in ihrer innersten Tiefe ruht und durch alle Wechsel des Ausdruckes wie das Licht einer reineren unb besseren Welt hindurch leuchtest Der Reiz — so zart unb doch so deutlich ausgedruckt । den sik über W ganze Gesicht gossen, verbirgt und ver- Sie ist bereits heruntergekommen und ihr Kopfwes los geworden: aber ihr Appetit ist noch nicht so weit zuruckgekehrt, daß sie an unserem Gabelfrühstück teilnehmen möchte. Wenn Sie sich meiner Führung anvertrauen Wollen, so denke ich, sie irgendwo für Sie ausfinden zu können. Sie nahm einen Sonnenschirm von einem Stuhle und führte mich durch eine große Glastür am andern Ende des Zimmers auf den freien Gartenplatz. Es ist fast unnötig zu sagen, daß Mrs. Vesey am Tische sitzen blieb, auf dessen Rande sie noch immer ihre weichen Hände gefaltet l)wlt, dem Anscheine nach nunmehr für den ganzen übrigen ~etl des Nachmittags. Ms wir über den Rasenplatz schritten, erzählte mir Miß Halcombe, daß sie in den Briefen ihrer Mutter noch keine Aufklärung über mein geheimnisvolles Abenteuer M- 690 ändert die Keinen sonstigen natürlichen menschlichen Mängel desselben dergestalt, daß es schwer ist, die beziehungsweisen Vorzüge und Fehler der anderen Züge zu beurteilen. Es ist schwer zu erkennen, daß der untere Teil des Gesichts nach dem Kinne zu fast zu zart gebildet ist, um zu dem oberen im richtigen Verhältnisse zu stehen; daß die Nase, indem sie dem Adlerbogen entging!, ein wenig nach der entgegengesetzten Richtung hin abgewichen ist und die ideale Geradheit übertreten hat; und daß die lieblichen, gefühl- vollen Lippen an einem kleinen nervösen Zucken leiden, die sie, wenn sie lächelt, ein wenig auf einer Seite in die Hohe zieht. Mit dem lebhaften Eindrücke, den der Liebreiz ihres schönen Gesichtes und Kopfes, der sanfte Ausdruck ihrer Züge und die einnehmende Einfachheit ihrer Manieren hervorbrachten, vermischte sich ein anderer, der mich auf nebelhafte Weise etwas wie einen Mangel fühlen ließ. Einen Augenblick schien es, als ob ihr etwas fehle, im nächsten, als ob der Mangel in mir sei und mich verhinderte, sie zu verstehen, wie ich sie hätte verstehen sollen; und das Widersprechende an der Sache war, daß dieser Eindruck immer am stärksten schien, wenn ich mir des Reizes und der Harmonie ihres Gesichts am deutlichsten bewußt und doch dabei durch die Ahnung einer Unvollständigkeit verwirrt ward, der ich durchaus nicht näher auf die Spur kommen konnte. Die Wirkung dieser sonderbaren Laune meiner Einbildungskraft (wofür ich es damals hielt) war nicht geeignet, mich während dieses ersten Zusammentreffens mit Miß Fairlie austauen zu lassen. Die wenigen freundlichen Worte des Willkommens, welche sie sprach, fanden mich kaum gefaßt genug, sie auf die übliche Weise zu erwidern. Da Miß Halcombe mein Zögern bemerkte und es ganz natürlicherweise einer augenblicklichen Blödigkeit zuschrieb, so nahm sie das Gespräch wieder so unbefangen und bereitwillig wie gewöhnlich auf und schlug eine kleine Ausfahrt vor. Wir setzten uns daher mit der guten Mrs. Beseh in einen offenen Wagen und blieben nahezu drei Stunden aus. Auf dem Rückwege hatte ich die Damen selbst die Ansicht wählen lassen, welche sie -am Nachmittage des folgenden Tages unter meiner Aufsicht zeichnen sollten. Als sie sich zurückgezogen hatten, um ihre Dinertoilette zu machen, und ich in meiner kleinen Wohnstube allein war, schien mein Frohsinn mich plötzlich zu verlassen. Ich war unruhig und unzufrieden mit mir und wußte kaum warum. Vielleicht wurde ich mir zum -ersten Male bewußt, daß ich Unsere Spazierfahrt mehr in der Eigenschaft eines Gastes, als in der eines,Zeichenlehrers genossen hatte. Jedenfalls aber war es mir -eine.große Erleichterung, als die Stunde des Diners mich aus'meiner Einsamkeit rief und wieder in die Gesellschaft der Damen des Hauses führte. VII. Als ich in den Salon trat, frappierte mich der sonderbare Kontrast mehr der Farbe als des Stoffes der- Kleider, die sie jetzt trugen. Während Mrs. Beseh und Miß Halcombe (jede nach der Weise, wie es am besten zu ihrem Alter paßte) reich gekleidet waren ■— die erstere in silbergrauer, die zweite in blaßgelber Seide, welche so schön mit dunklem Haar und dunkler Hautfarbe harmoniert ■—, trug Miß Fairlie bloß ein -einfaches, beinahe allzu schlichtes iveißes Musselinkleid. Es war vom reinsten Weiß und wunderhübsch gearbeitet; aber es war bei alledem ein Kleid, wie es die Tochter eines armen Mannes hätte tragen können, und gab der Erbin von Limmeridge House, was die äußere Erscheinung betraf, ein ärmeres Aussehen, als das ihrer Erzieherin. Als das Diner vorüber war, kehrten wir alle in den Salon zurück. Obgleich Mr. Fairlie (in Nachahmung der erhabenen Herablassung- jenes Monarchen, der Titians Pinsel -aufgehoben hatte) seinem Kellermeister Befehl gegeben, mich zu fragen, welchen Wein ich nach Tische zü, trinken, wünsche, war ich vernünftig genug, die Damen um Erlaubnis zu bitten, den Tisch nach Sitte anderer zivilisierter Länder während meines Aufenthaltes in Sim» meridge House mit ihnen zugleich verlassen zu dürfen. Der Salon, in den ivir uns fetzt für den Rest des' Abends zurückgezogen hatten, lag zur ebenen Erde Und war von derselben Größe wie das Frühstückszimmer. Große Glastüren -am unteren Ende führten auf eine Terrasse, die ihrer ganzen Länge nach mit .einer Masse von schönen Pflanzen geschmückt war. Die gute Mrs. Beseh (wie imulev die erste, die sich setzte) nahm Besitz von einem Armsessel! in einer Ecke und schlummerte bald darauf ein. Auf meine Bitte setzte Miß Fairlie sich ans Klavier, während Miß Halcombe das Durchlesen der Briefe ihrer Mutter fort- setzte. — - Miß Fairlie musizierte wohl eine Stunde. Dann aber verleitete sie die Schönheit der Mondlichtlandschast, aus die Terrasse hinauszutreten, und ich folgte ihr. Miß Halcombe war so in ihre Lektüre vertieft, daß sie unser Fortgehen! nicht zu bemerken schien. Wir waren wohl kaum fünf Minuten draußen vor der! Glastür gewesen, und Miß Fairlie knüpfte eben auf meinen Rat ihr weißes Taschentuch, um sich' gegen die Nachtluft zu schützen, um den Kopf, als ich Miß Halcombes Stimme — leise, eifrig und verschieden von ihrem natürlichen lebhaften Tone — meinen Namen aussprechen hörte. Mr. Hartright, sagte sie, »vollen Sie einen Augenblick Herkommen? Ich habe mit Ihnen zu sprechen. Ich trat augenblicklich wieder ins Zimmer. Das Klavier! nahm etwa die Mitte der inneren Wand ein. An dem von der Terrasse entferntesten Ende des Instrumentes saß Miß Halcombe, auf bereit Schoße die Briefe zerstreut lagen, von denen sie einen in der Hand und dicht ans! Licht hielt. An dem Ende, das der Terrasse am nächsten' war, stand ein niedriger Sessel, auf dem 'ich Platz nahm; ich war so nicht »veit von der Glastür und konnte deutlich Miß Fairlie sehen, wie sie wiederholt an derselben vorbei kam, indem sie langsam int hellen Glanze des Mondes» von einem Ende der Terrasse bis zum andern ging. Bitte, hören Sie den Schluß dieses Briefes, sagte Miß Halcombe, und sagen Sie mir, ob derselbe irgendwie Licht! aus Ihr sonderbares Abenteuer auf der Straße nach London wirst. Der Brief ist von meiner Mutter an ihren zweiten Gemahl, Mr. Fairlie, und vor ungefähr elf oder zwölf Jahren geschrieben. Zu jener Zeit hatten Mr. und Mrs, Fairlie und meine Schwester Laura schon jahrelang in diesem Hause gelebt, und ich war abwesend, um meine Erziehung in Paris zu vollenden. Ihre Sprache und ihr Aussehen waren ernst und, wiö mir es schien, auch ein wenig unruhig. In dem Augenblicke, wo sie den Brief zum Lichte emporhielt, ehe sie anfing ihn zu lesen, ging Miß Fairlie an der Glastür vorüber und schaute einen Augenblick zu uns herein; da fte; uns aber beschäftigt sah-, ging sie langsam weiter. Miß Halcombe fing zu lesen an, wie folgt: „Es wird Dich langweilen, mein lieber Philipp, fortwährend von meinen Schulen und Schülerinnen zu hören. Aber ich bitte Dich, die langweilige Einförmigkeit unseres Lebens in Limmeridge und nicht mich deshalb zu tadeln. Uebrigens habe ich Dir diesmal wirklich -etwas Interessantes über -eine neue Schülerin mitzuteilen. Du kennst doch die alte Mrs. Kempe im Torfladen? Nun, nach jahrelanger Kränklichkeit hat der Arzt sie endlich aufgegeben, und sie stirbt jetzt langsam dahin. Ihre einzige lebende Verwandte, eine Schwester, kam vorige Woche hier an, sie zu pflegen. Sie kommt den langen Weg aus Hampshire her, sie heißt Mrs. Catherick. Vor vier Tagen besuchte mich Mrs. Chaterick und brachte ihr einziges Kind mit, ein liebliches kleines Mädchen, etw-g ein Jahr älter als unsere liebe kleine Laura —" Bei dem Satze gerade ging Miß Fairlie wieder an der offenen Tür vorbei. Sie fang leise eine der Melodien vor sich hin, die sie zu Anfang des Abends gespielt halte. (Fortsetzung folgt.) Herbst. Wenn nach eingebrachter Ernte der Wind über drtz Stoppeln weht, wenn in unseren Gärten die Sonnenblume in goldener Pracht ihr Haupt erhebt über die im Blütenschmuck stehenden Georginen und Astern, dann hält der Herbst seinen Einzug Und bringt uns seine hellen Da-gö mit her klaren Atmosphäre, welche b'em Auge einen säst unbegrenzten Blick in die Weite gestattet. Die Tage haben schon bedeutend abgenommen; dichter, feuchter Nebel lagert am frühen Morgen über Feld und Flur; alles Blattwerk der Pflanzen ist infolge der Hellen Nächte mit dichtem Tau bedeckt, der sich mit der fortschreitenden Jahreszeit bald in Reif verwandelt. Nachdem das Gruminet der Wiesen eingebracht ist!,- bildet bald die blattlose Herbstzeitlose oen — 691 letzten Schmuck der Wiesen. Das ganze große Heer Ner lieblichen Sänger in WaÄ und! Feld und Garten schickt sich zur Reise nach dem Süden an; auf den Dächern und aus den Telegraphendrähten versammeln sich in großen Scharen hie Schwalben uüb zwitschern ihr Abschiebslieb. Die ObMäume, (bie Dorf und Stadt mit einem grünen Kranze so lieblich umgeben, zeitigen ihre Früchte. Die Pflaume bedeckt sich mit blauem Duft, Birnen und! Aepfel röten ihre Wangen, und der Weinstock läßt seine vollen Trauben im vergoldenden Strahle der Herbstsonne erglänzen. Emsig erntet der Mensch die Früchte, welche der Sommer entwickelt und der Herbst nun zur Reife gebracht hat. In voller Pracht erscheint der herbstliche Wald; Aeste und Wipfel der Bäume sind in die verschiedensten glänzendsten Farben gekleidet und erfreuen das Auge durch ihre herbstliche Farbenpracht. Im Felde zieht der Pflug wieder seine Furchen, über welche kleine Spinnen mit ihren zarten Seidenfäden feine Netze spannen, in welche die Tautropfen des herbstlichen Morgens gleich glitzernden Diamanten eingewebt erscheinen. Der scharfe Wind führt dann die zarten Gespinste hoch in der Luft weit mit sich fort, und häufig sieht nmn an den schönen Tagen des Herbstes die weißen langen Fäden des „Altweibersommers" durch die Luft flattern, nicht selten hängen sie sich am Hute und an den Kleidern pes Wanderers fest. Erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit ist man über die Herkunft dieser Fäden unterrichtet, während man früher die unglaublichsten Vermutungen anstellte, um die merkwürdige Naturerscheinung zu erklären. Auf Wiesen und Feldern webt die Läuferspinne ihre dichten Netze, die, wenn sie trocken geworden sind, der Wind erfaßt und als Altweibersommer oder fliegender Sommer oft hoch durch die Lüfte entführt. Der Volksaber- glanbe beschäftigt sich noch heute viel mit dem fliegenden Sommer, den man in den verschiedensten Gegenden bald als unheilverkündend, bald als glückbringend für diejenigen deutet, die er berührt. Jetzt ist die beste Zeit gekommen zu Fußwanderungen. Die Tageswärme wirkt nicht mehr beschwerlich, die Luft ist frisch und rein, die Aussicht von den Höhen meist vorzüglich. Muntere Knaben in Stadt und Dorf lassen ihre Drachen steigen oder vergnügen sich an Spiel und Sport im Freien. Drum hinaus, o Menschenkind, in die herbstliche Natur, hinaus in Feld und Wald und Flur, bald, nur zu bald kommt der Winter, der uns wieder in unseren Wohn- und Arbeitsräumen lange genug festhält. Wenn mit dem weiter fortschreitenden Herbst die lebendige Natur allmählich zur Ruhe geht, dann hat sie, gleich einer guten Hausmutter, alles für den künftigen Ser$ vorbereitet, damit er sie nicht überrasthe. Die Bäume haben Stärkemehl und Eiweißstoffe als Wintervorrat im Stamm und in der Rinde aufgespeichert; die Stauden haben unter der Erde Magazine angelegt, wo sie die Vorratsstoffe in den unterirdischen Wurzelstöcken, in den Knollen und Zwiebeln ansammeln. Auch die Laubknospen für das nächste Jahr find bereits! angelegt und durch die von Harz durchtränkten Hüllen der Knospenschuppeu sorgfältig verwahrt; in den Blütenknospen sind schon Kelch, Blumenkrone, Staubgefäße und! Stengel vorhanden, selbst der Blütenstaub ist bereits in den Staubbeuteln ausgebildet. So ist es nicht die abnehniende Wärme allein, die allem Wachstum ein Ziel setzt, sondern die Natur hat sich erschöpft, sie hat alle ihre Schätze, di« sie unter unserem Himmel hervorbringen kann, ausgegeben und vermag nun nichts Neues mehr zu schaffen. Wenn einmal ein wärmer, heiterer Himmel die Dauer des Sommers ungewöhnlich verlängert, so kommt es vor, daß die fürs nächste Jahr bestimmten Knospen noch im Herbste hervorbrechen, daß die Bäume sich neu belauben und zum zweiten Male blühen; bald aber findet dieser zweite, krankhafte Frühling sein Grab in den Frösten des zur Herrschaft gelangenden Winters, der mit den vorzeitig ausgebrochenen Blättern und Blüten zugleich auch die Hoffnung für das nächste Jähr zerstört. Wenn beim Eintritte des Winters die Blätter von Baum und Strauch hem Tode anheimfallen, so sind die Stoffe, aus denen sie aufgebaut wvroen sind, keineswegs der völligen Vernichtung preisjgegeben. Die Verwesung zerlegt das Zellengerüste des Blattes und die in ihm noch verbliebenen Kristalle und Salze und! sonstigen Ueberreste, die die Pflanze nicht in sich zurückgezogen hat, in ihre 'Grundstoffe, in Kohlensäure, Wasser, Kali- und Amonsalze, alles wieder sehr wichtige Nahrungsstoffe für die Pflanzen. Diese ruhen dann im Boden, oder sie schwingen sich in daI Luftmeer, bis die Frühlingswärme sie wieder dem keimenden Leben auf der Erde zuführt. Aus diesen Stoffen schöpfen die Pflanzen neue Kraft, neues Leben. Durch tausenÄ Wurzelfasern dringen dieselben, in Wasser aufgelöst, in die Pflanze ein, und wenn die Reservestoffe bte Blattknospen zur Entfaltung gebracht haben, bann nehmen auch bie jungen Blättchen die Kohlensäure aus bet sie umgeben- ben Luft mit Begierbe auf, um daraus unter ber Einwirkung bes Sonnenlichtes die unentbehrliche Stärke zu bilben. So werben alle Blattüberreste wieber verbraucht, inbem sie zu notwendigen Faktoren beim Aufbau neuer Formen werden. Es gibt bemnach in ber Natur keinen ewigen Tod. Aus den Trümmern und dem Moder bes Vergangenen erhebt sich immer wieber bas Leben ber kom- menben Geschöpfe unb Geschlechter; alles, was schon da war, lebt wieber auf, nur in einer anderen Gestalt. So ist in dem Kreisläufe des Jahres die Entwickelung und der Niedergang der Vegetation einem großen Drama vergleichbar, dessen Verlaus wir mit Spannung verfolgen, und sooft es sich vor unseren Augen abspielt, so erscheint cs bei jeder Wiederholung neu und offenbart uns andere, bisher übersehene Schönheiten. Gr. Photographieren ohne Aamera. D r. Carl von A r n h a r d. Obgleich cs dem Engländer I. Hort Player schon vor Jahren gelungen ist, Zeichnungen durch daZ aufgelegte photographische Papier hindurch bei Belichtung der Rückseite zu kopieren, sogar Originale auf eingehefteten Blättern zu vervielfältigen, blieb dieses Verfahren in Deutschland, Oesterreich, ja selbst in England trotz Mitteilungen hierüber in einigen Büchern und Zeitschriften nahezu unbekannt, und erst Professor I. M. Eder in Wien mußte Interessenten darauf aufmerksam machen, daß die oben erwähnte Methode der Reproduktion, welche der Verfasser jüngst erst erdacht zu haben glaubte, nichts neues biete, und somit dem I. H. Player die Priorität der Erfindung zuerkannt werden müsse. Wenn also auch der deutsche Forscher keineswegs mehr das Verdienst für sich beanspruchen kann, die Wissenschaft mit einer Entdeckung auf dem Gebiete der Lichtbildkunst wesentlich bereichert zu haben, so diirstc immerhin dessen völlig selb ständige Arbeit einigen Wert besitzen, zumal hierdurch längst Vergessenes wieder in Erinnerung gebracht wurde, und nunmehr vielen die Mittel geboten sind, sich das nötige Material für ihre Studien auf die leichteste Weise zu verschaffen. Die anno 1909 in Dresden ausgestellten Bilder haben bewiesen, daß es möglich sei, gute Vorlagen, welche scharfe Umrisse zeigen, mit Hilfe einer Art von Kopierpresse zu vervielfältigen, ohne das Blatt aus dem Buche herausnehmen und das Original irgendwie beschädigen 311 müssen. Das Verfahren beruht, wie schon eingangs gesagt wurde, darauf, daß die Rückseite des positiven Materials mittels einer für diesen Zweck besonders adaptierten elektrischen Taschenlaterne in einein Abstande von ungefähr 15 cm auf die Dauer von 12 Sekunden belichtet wird. Zur Erklärung des photographischen Prozesses möge in Kürze bemerkt werden, daß hierbei das bekannte physikalische Gesetz Anwendung findet, wonach schivarze Farbe die Lichtstrahlen absorbiert, iveiße hingegen diese reflektiert; es werden demnach bei Belichtung des Bromstlberpapieres die Typen beziv. Linien eines Originales auf dem Negativ iveiß erscheinen, ivährend der sonst Helle Grund der Vorlage schwarzen, meistens aber dunkelgrauen Ton aiisweist. — Um den Druck auf der Rückseite des z>i kopierenden Blattes uiischädlich zu inacheii, muß unter letzteres ein für diesen Zweck geeignetes Jsoliermaterial gelegt werden, welches aus einer dünnen Glastafel ruht. Das Bromsilberpapier ivird vermittels eines eisernen Rahmens und einer starken Platte von Spiegelglas auf das Original gepreßt, wobei ein höchst einfacher Apparat Verwendung findet. , m Im Laufe der letzten Monate erfuhr die Vorrichtung einige bedeuteiide Verbesserungen, so daß die Mechanik selbst, sowie deren Leistungen billigen Anforderungen sicher genügen durften. - Wenn auch Kopien von Originalen auf beider! eitig bedruckten Blattern wegen der unvernieidlicheii Mängel des Verfahrens (Ruckbelichtung des Bromsilberpapiers usw.) feinen künstlerischen Wert wie »Aufnahmen" beansprilchen können, so erfüllen sie dennoch trotz des etivas unreinen Grundes vollkommen ihren Zweck, als HuWmntel beim Studium zu dienen, und ersparen somit das miihsame und zeitraubende Abschreiben bezw. Abzeichnen von Vorlagen. Weitaus besser geraten die Reproduktionen von Bildern auf einseitig bedruckten Blättern, da hierbei das schon langst bekannte Lichtpausverfahren angewendet werden kann, was zur Folge hat, daß die Schicht des Bromsilberpapleres direkt von den Lichtstrahlen getroffen wird, daher auch die Kontraste: Weiß auf Schwarz bei dem Negativ, mehr zur Geltung kommen. Voraussetzung des Gelingens bet der Herstellung von Abdrucken bleibt jedoch stets, daß die Blätter des OrigmalS ziemlich eben und das Papier nicht zu sehr vergilbt ist. Sollten diese Eigenschaften bet der Vorlage fehlen,. so- ist eme Aufnahme mit Kamera und Linse zu machen; der Apparat kann 692 ökedaktion: K- N » urath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kchen Universitäts-Buch- rmd Steindruckerei, R. Lang'», Gießet Atlflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Berlin i st auch eine schöne Gegend. Magisches Dreieck. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a b b i i llnnnrruu derart einzutragen, daß die einander entsprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend solgcndes bedeuten: 1. Farbigen Edelstein. 2. Mächtiges Gebirge. 3. Ungarischen Titel. 4. Teil von Illyrien. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer. aber auch in diesem Falle als Träger des aulgeschlagenen Buches benutzt werden, während das zur Aufbewahrung des ersteren dienende Kästcheir, aus denselben Tisch gestellt, das Stativ ersetzt. Die Vorrichtung wird demnach, wie aus dem Gesagten erhellt, unter allen Umständen bei Reproduktionen von Originalen aller Art in gebundenen Werken und Zeitschriften eine passende Verwendung finden. Als Kopierpresse benutzt, gestattet sie leichte und s chnelle Vervielfältigung vonTexte n,Holzschnitte n,Kupfer» stichen und Zeichnungen in natürlicher Größe. (Photo- Sphien, Farbendrucke sowie Bilder mit vielen Halbschatten lassen durch Rückbelichtung des Bromsilberpapieres nicht gut reproduzieren!) Mit Hilfe der Abdrücke können aber auch Lücken in alten Büchern aus die einfachste Weise ergänzt werden, wenn ein vollständiges Exemplar leihweise für einige Stunden erhältlich ist. Das Verfahren ohne Kamera eignet sich vorzüglich für Laien auf dein Gebiete der Photographie, da Fehler beim Einstellen des Bildes und beim Belichten ausgeschloffen sind, das Entwickeln und Fixieren der Negative aber von jeden: Atelier zu mäßigen Preisen besorgt wird. strahlenden Blickes sein Akademiekollege Gaston Baissier auf, MZ erklärte dem Freunde: „Ich must Ihnen eine Neuigkeit berichten, die Sie nicht wenig demütigen wird". Renan fragte, was denn geschehen sei, und erhielt die Antwort! „Meine Autogramms werden höher bezahlt als die Ihren." „Das stört mich nicht," erwiderte Renan lächelnd, „aber woher wissen Sie?" „Ich wav gestern bei der Auktion in der Rue Dro'not und da wurden zwei Briefe versteigert, einer von Ihnen und einer von mir. Für Ihren Brief bezahlte man 3 Franks, für den meinen aber fünf." „Dck erzählen Sie mir nichts Neues, ich weißes schon," meinte Renan; „aber Sie Müssen sich keinen Illusionen hingeben. Kennen Sie den Zusammenhang der Sache?" „Nein." „In Ihrem Brief befinden sich nämlich drei o r t h o g r a p h i s ch e F e h l e r. Sehen Sie her, hier auf meinem Tische liegt Ihr kostbares Autogramm.: Ein Freund von mir war bei der Versteigerung und als er die falschen Perlen sah, mit der Sie Ihre Prosa geschmückt hatten, trieb! er den Preis in die Höhe und ließ sich den Brief zuschlagen. Grade Vor einer halben Stunde brachte er mir den Brief mit deut Auftrage: „Geben Sie doch diesen Brief Boisfier zurück; denn wenn er ihn mit diesen seltsamen grammatikalischen Ornamenten weiter zirkulieren läßt, könnte das dem Ruf der französischen Akademie schaden. . ." — Das Wetter Und die Telegraphendrähte!, Jedem Wanderer, der über Land auf einer Straße geht, an deren Seite eine Telegraphenleitung entlangführt, wird das dunrpfe Tönen ausgefallen sein, das häufig ohne Unterbrechung von den Drähten ausgeht und besonders deutlich erklingt, wenn man das Ohr an das Holz der Telegraphenstange legt. Tie Ansichten über die Entstehung der rätselhaften Töne gehen weit ausein- ander. Tie Kinder meinen, daß gerade in dieser Zeit ein Telegramm über die Leitung geschickt wird, in einem höchst drolligen Irrtum aber befinden sich die Spechte, die wie wütend auf das Holz darauf los hacken, weil sie sich anscheinend von dem Glauben leiten lassen, daß das Geräusch von den im Holz der Stangen befindlichen Larven und Würmern von Aaumschädlingen stamme, die für sie heißbegehrte Leckerbissen sind. Zuweilen trifft man auch auf einen Landwirt, der das Tönen der Telegraphendrähte als Vorboten eines baldigen Wechsels der Witterung zum schlechtem bezeichnet. Diese,von zünftigen Fachleuten vielfach verspottete Ansicht scheint jetzt durch die Untersuchungen eines Meteorologen, des Professors Artur Field in tOtawa, bestätigt zu werden. Der Wind muß als Erreger der Töne außer Betracht bleiben, weil das Klingen auch bei vollkommen windstillen: Wetter eintritt, ferner ist aber auch zu beachten, daß die Telegraphendrähtej nur bei schönem Wetter, nicht aber bei schlechter Witterung ertönen. Bei einer längeren Reihe von Beobachtungen hat sich endlich herausgestellt, daß auf tiefe Töne der Welterumschlag in der Zeit von ein chis zwei Tagen folgt, während bei Hohen Tönen das schlechte Wetter meist schon nach wenigen Stunden eintritt. Selbstverständlich müssen dem Tönen auch wirkliche akustische Schwingungen in den Telegraphendrähten entsprechen, die nach Field auf die dem Eintritt von schlechtem Wetter stets vorausgehende „seismische Unruhe" im Erdkörper zurückzuführen sind. Diese seismische Unruhe, mit der man das leise Schwanken und Erzittern der überaus feinfühligen Horizontalpendel bezeichnet, die in her Erdbebenforschung im Gebrauch sind, tritt jedesmal dann ein, wenn ein Gebiet sehr tiefen Luftdrucks in: Herannahen begriffen ist, |mti> setzt, auch wenn das Zentrum des barometrischen Tiefs sich noch in einer Entfernung von mehreren hundert Kilometern befindet, den Erdboden in leise Vibrationen und teilt sich nicht nur den Telegraphenstangen, sondern auch den gespannten Drähten mit, wobei der den laugen Schwingungen entsprechende Grundton dem menschlichen Ohr wegen zu geringer Schwingungszahl unvernehmbar bleibt, während die Obertöne zur Geltung kommen. * Am Stammtisch. „Was ist dir denn passiert, Karl,- du siehst ja so betrübt aus?" —■ „Denkt Euch, ich telegraphiere gestern meiner Frau, die bei ihren Eltern auf Besuch ist: „Bringe Butter mit!" Und io Schreck! Bringt sie die Mutter mit!" * Unter Freundinnen. „Die Rätin hat mir ein großes Geheimnis anvertrant!" —■ „Darf ich Ihnen helfen, es zu tragen,?" Vermischter. * Ist das gebackene Brot keimfrei? Da das Brot HÄM Backen einer hohen Temperatur ausgesetzt ist, so pflegt man anzunehmen, daß Krankheitskeime, die während der Zubereitung des Teiges zufällig hineingerateir, in der Hitze des Backofens zugrunde gehen. Indessen läßt das Auftreten gewisser Brotfehler, wie z. B. das Schleimigwerden, das durch in: Mehl vorhandene Sporen verursacht wird, es zweifelhaft erscheinen, ob jene Ansicht Unbedingt richtig ist. Um nun über diese praktisch sehr wichtige Frage eichgültig Klarheit zu gewinnen, haben soeben B. v. Fenyvessy jund L. Dienes im hygienischen Institut der Universität Budapest eine Reihe diesbezüglicher Versuche airgestellt, indem sie dem Teig Hekannte Bakterien zusetzten und beobachteten, ob diese sich ans idem fertigen Brot herauszüchten lassen. Die während des Backens erreichte Höchsttemperatur wurde durch das Einbringen leichtflüssiger Legierungerr von bekanntem Schmelzpunkt oder durch das Einkneten kleiner, eigens zu diesem Zweck verfertigter Maximalthermometer in den Teig bestimmt. Dabei zeigte es sich, daß bei Reinen Broten von etwa 19 Zentimeter Länge und 10,5 Zentimeter Dicke die höchste während des Backens erreichte Tenrperatnr 94 bis 104 Grad Celsius betrug. Nun setzte mau dem Teig während des Knetens Aufschwemmungen eintägiger Kulturen von Bacterium coli und Bacillus prodigiosus zu. Das fertig gebackene Brot wurde nach dem AbWhlen mit der Flamme eines Bunsenbrenners an der Oberfläche grüMich abgebrannt und mit einem Messer zerschnitten. Hierauf entnahm man an verschiedenen Stellen Mit einer ausgeglühten Pinzette Stückchen der Krume, die sofort in sterile Bouillon verbracht wurde. Das Ergebnis war, daß Ec die zugesetzten Bakterien abgetötet worden waren, daß aber r «nbere Arten sich entwickelt hatten. Weitere Versuche, die sowohl mit größeren Broten als auch mit Semmeln vvr- Aenommen wurden, zeigten, daß im Backwerk meist sporenbildende Bakterien vorhanden sind. Durch das Backen wird also das Brot nicht mit Sicherheit feimfrei, es besteht vielmehr die Möglichkeit, daß die Sporen krankheitserregender Bakterienarten, die durch Zufall in das Mehl oder den Teig geraten, auch nach dem Backen noch entwicklungsfähig sind. Allerdings hat man von einer auf diese Weise entstandenen Infektion bisher iwch nichts gehört. * Renan-Anekdoten. In einem interessanten Aufsätze des Samedi veröffentlicht Suzy Separe eine Reihe lustiger Anekdoten von Renan, die von dem trockenen Humor Zeugnis ablegen, der in dem Wesen des berühmten Verfassers des „Leben Jesu" seine Stelle behauptete. Als Eugtzne Manuel als Kandidat für die Akademie auftrat, beauftragte er seine Gemahlin mit der Umständlichen Verpflichtung, alle nötigen Besuche zu machen, Um die Mitglieder der Akademie um ihre Stimme zu bitten. Mus dieser Reise kam Frau Mannst auch zu Renan; die wackere Dame appellierte an das Mitleid dies großen Mannes und sagte: „Wenn er nicht gewählt wird, wird er sterben, er könnte es -nicht überleben." Renan versprach auch, seine Stimme für Manuel abzugeben, aber der Kandidat wurde trotzdem nicht gewählt und nach einiger Zeit begannen von neuem die Besuche der guten Fran Manuel. Ms sie wieder bei Renan vorsprach und ihre Bitte vortrug, meinte der berühmte Schriftsteller mit einem Lächeln: „Nein, welche Freude, gnädige Frau, ich hätte geschworen, Manuel wäre gestorben." . . . Frau Aubernon hatte die merkwürdige Angewohnheit, wenn immer in ihrem Hause sich unter den Gästen eine berühmte Persönlichkeit befand und den Mund zum Sprechen öffnete, an eine große Glocke zu schlagen, damit ja alle Anwesenden Nichts von der Aeußerung des berühmten Gastes versäumten. Eines Tages war auch Renan zum Diner gekommen, man saß bei Tische, Und mit ihren Argusaugen bemerkte die Hausftau plötzlich, daß Renan :m Begriffe stand, den Mund zu einer Aeußerung zu öffnen, sofort schlug Frau Aubernon an ihre große Glocke, nnb es wurde toten ihn. Da ertönte die ruhige Stimme des Gelehrten: „O, ynadrge Fran, es lohnt nicht der Mühe des Läutens, ich wollte Mr um etwas Erbsen bitten." Eines Morgens tauchte bei Renan