M.95 B [Snr AL M. Das nette Mädel. Roman von Fedor von Zabeltitz'. (Nachdruck verboten.) Um 22. 'April fand Herr Franz A. Köhler, Inhaber Von Otto A. Köhler, Felle und Häute, unter den Briefen ferner Morgenpost folgendes Schreiben vor: „Quezaltenango (Guatemala), 18. 3. 05. Bereitester Freund ; in Bestätigung Ihrer gefl. Zuschrift Vom 6.1. d. I. danke ich Ihnen herzlichst für freundliche Zusendung des Gruppen- zbtlds Ihrer werten Familie, das mir eine ausrichtrge Frerrde gewesen ist. Aus den Namen, die Sie auf den Rand der Photographie geschrieben haben, ist es mir möglich, so eine Mrt Stammtafel der lebenden Mitglieder Ihres Hauses Zusammen zu setzen. - Man muß Ihnen zugestehen, daß Sie Ihr Leben benützt haben. Alle Mitglieder Ihrer Familre gefallen mir gleich gut, am besten aber Miß Dräute, die ohne Zweifel blond ist und blaue Augen hat. Ich muß Ihnen sogar offen sagen, daß das Abbild von Fräulein Dräute einen mehr als lebhaften Eindruck auf mich gemacht hat. Ich habe mehrere Nächte von ihr geträumt und mir dann von einer alten Indianerin aus Esquipulas wahrsagen lassen. Die meint, daß ich binnen Jahresfrist eine Europäerin heiraten würde. Mir liegt daran, daß diese Prophetie in Erfüllung geht. Fragen Sie doch bitte einmal Fraulern Traute, ob sie nicht einen Ehrenmann wie Jonathan W. Brigham glücklich machen inöchte. Ich müßte aber baldigst sum gefl. Antwort bitten, weil ich dann das im Bau begriffene Wohnhaus auf meiner Farm erheblich vergrößern würde. Die Saison könnten wir immer in Santiago verleben, wo mau sich recht gut amüsiert (französisches Theater, deutscher.Klub, Wettrennen, viele Bälle, Zirkus und ssrn Pariser Modemagazin). t Wie Herbstbestellung habe rch notrert und werde sre bestens effektuiercn. Spitzmaus ist stark gesunken, Opossum steigt noch beständig. Einen ausgestopften Quesal fuge nächster Sendung bei. Wegen Kautschukanfrage ziehe Er- kunDigung ein. Verbinden würden Sie mich durch Auskunft über I. G. Krause, Kaffeelagerei, am dortigen Platze. Genehmigen Sie meine besten Grüße an <5ie wie Ihre gesamte tverte Familie, insonderheit Fräulein Dräute Ihr ganz ergebener Jonathan W. Brigham." Als Herr Köhler diesen Brief gelesen hatte, lächelte er. Die Helle Aprilsonno fiel in sein kleines Kontor und tuschte Wr« gelben Lasuren über das bläuliche Briefpapier und hi« steifen Schriftzüge des Herrn Brigham. Köhler ging an das Fenster und öffnete es, weil ihn die Wonne lockte. Aber er schloß es bald wieder. Im Speicher gegenüber standen alle Luken sperrangelweit auf, und eut W,rchd ringender. GernM von Kämpfer wehte durch die Lust, Nun putzte Köhler seine Brille, öffnete dann sein Pulk und suchte etwas. Er fand es nicht. Da wurde er unruhig. Er suchte weiter. Er sah zwischen den Adreßbüchern nach« hierauf über den Briefordnern, endlich in dem Regal mit den abgelegten Fakturen. Der schreckliche Gedanke überschlich ihn, daß man hinter sein Geheimnis gekommen fehl könnte. Aber zum Glück fiel sein Blick in den Papierkorb« und da sah er gleich obenauf ein in ein Zeitungsblatt geschlagenes Päckchen liegen. Es mußte vom Pulte herabgefallen sein. Köhler freute sich. Sein kleines, mageres Gesicht schlug heitere Falten. Er wickelte das Päckchen,vorsichtig aus, zunächst aus dem Zeitungsblatt, dann aus einer Hüll« von Seidenpapier. Nun wurde ein Dutzend kleiner schwarzer Würfelchen sichtbar, die wie Schokolade aussahen. Es war aber Kautabak aus Kentucky. Köhler hatte sich diese Leidenschaft als Matrose angewöhnt. Er schob ein Stückchm zwischen die Zähne und ging vergnüglich auf und ab: immer nur drei Schritt vorwärts und drei Schritt zurück, denn mehr Bewegungsfreiheit war in dem kleinen Raum nicht möglich. Der Brief von Jonathan W. Brigham lag noch auf denk Pult. Franz Köhler lächelte sein faltiges Lächeln, wenn das Auge ihn traf. Das war ein smarter Amerikaner, dieser gute Jonathan! Verliebt sich in das Bild der Traute und will sie auch gleich vom Fleck weg heiraten. Nee, mein lieber Jonathan, so hastdumchtgesehen geben wir unsre Mädel nicht aus der Hand! Natürlich, Traute ist langsant heiratsfähig geworden. Zweiundzwanzig Jahre und recht hübsch. Kohler schob seinen Tabakswürfel in die andere Backentasche. War sie eigentlich hübsch? Die Leute sagten es. Ihm selbst war sie zu mager. Der kleine Manu mit den spitzen Knochen und dem schrumpligen Gesicht hatte nur Neigung für das ausgesprochen Füllige. Seine Auguste war schon als Mädchen von erfreulicher Rundlichkeit gewesen und hatte von Jahr zu Jahr behäbiger ausgelegt. Hatte ihm im Laufe der Jahre auch neun Kinder geboren: zwei lagen auf dem Kirchhof, aber sieben waren noch am Leben und schrien nach Brot. Das Nest war voll, und eine Masse Schnäbelchen taten sich auf. Da niußte gerechnet werden. Köhler blieb einen Augenblick stehen und verschob seinen Tabakswürfel. Bald blähte die rechte Backe sich auf, bald die linke. In seinem überlegenden Gesichte zuckten die Muskeln. Er rechnete schon wieder. Erübrigt hatte er nichts. Er sollte Seemann werden, weil sein Vater es gewesen war. Aber der Matrosendienst war ihm zu anstrengend. Da wurde er Schiffskoch; es war wieder nichts Rechtes. Er wollte auch seine Auguste heiraten, und die konnte er nicht mit auf das Schiff nehmen. Damals starb sein Bruder Otto an einer Blutvergiftung, und die Witwe konnte dessen Geschäft nicht weiterführen. Es war ein junges Geschäft: Felle und Häute, noch wenig eingefüM aber es nährte doch schon seinen Mann. Franz übernahm es mit geringer .Anzahlung und brachte es. in die Höhe. KeM Ivar freilich nicht zu spinnen; dazu fehlte es an Kapitalien. Es kamen auch schlechte Jahre. Aber immerhin: das .Geschäft erhielt die große Familie; man konnte auch die Kinder gut erziehen lassen. Köhler nahm seinen Marsch durch den Käfig wieder ans. Es war eine Dummheit gewesen, daß Friedrich, sein Aeltefter, ein armes Mädchen geheiratet hatte. Bei ihm hatte er mit Sicherheit auf'eine hübsche Mitgift zur Ge- fchäftsvergrößerung gerechnet. Allerdings war Friedrich keine herzbezwingende Schönheit. Immerhin: er hätte eine bessere Partie finden können als die Töchter des Kaufmanns Witt stock (Kolonialwaren), der mit seinem kleinen Ladengeschäft gar nicht zu einem Grossisten paßte. Das „eit gros" war der Stolz Köhlers. Er war ein ganz gewandter Kaufmann. Zuweilen inachte er auch außerhalb des Gebietes seiner Felle und Häute einmal ein Geschäft, das cinschlug. Bei allen diesen Extraspäßen war gewöhnlich Jonathan W. Brigham der Rater und Helfer. Und nun wollte er gar noch die Traute heiraten! Köhler lächelte nicht mehr. Die letzten Backenzähne bearbeiteten den Tabakwnrfel. Das Gesicht zuckte'der Länge Und Breite nach; die gesamte Faltenlage geriet durcheinander. Eh nun ja — das stand fest: die Traute konnte es sich nicht gönnen, einen armen Teufel zu heiraten. Sie war leichtsinnig. Sie hatte schon einmal mit einem Referenbar geliebelt und jetzt schien es beinahe, als habe sie sich in einen kleinen Leutnant verguckt. „Leutnant Roeßler" war ihr drittes Wort. Es kam alles vom Tennisspiel. Tas Tenuis- Mel hat der Teufel erfunden. Köhler legte seine gelbe knochige Hand auf den bläulichen Briefbogen aus Zentral-Amerikä. Wenn Jonathan .W. Brigham wenigstens ein klein bißchen näher wohnte! Aber drüben in Guatemala — Herrgott, da sah man die Traute vielleicht int ganzen Leben nicht wieder! Nun schüttelte Köhler den Kops. Er steckte bett Brief wieder in das Kuvert. Daun trat er an das Fenster, öffnete einen kleinen Spalt, spähte erst vorsichtig hinaus Und spuckte hierauf den Rest seines Kautabaks in den Hof. Dies geschah aus dem linken Mundwinkel nnb mit der Gewandtheit eines alten Matrosen. Dann begab er sich, den Brief in der Hand, in das Bureau nebenan. Auch hier roch es nach Kampfer und Naphthalin. Aber die drei Menschen waren daran gewöhnt, die in dem Bureau dort morgens neun bis nachmittags sieben ihre Pflicht erfüllten. Sie rochen selber nach Kampfer und Naphthalin. .Rechts von der Tür arbeitete Fräulein Weller an ihrer Schreibmaschine. Die Maschine spektakelte laut in der Stille des Kontors. In der Mitte saß Siepmamt, der Bnch- ljalter, den Kopf ganz dicht über das Köpierbuch geneigt, Und hinter einer spanischen Wand aß Friedrich fein Frühstücksbrötchen. , Er legte es fort, als er den Vater sah. Der setzte sich zu ihm und begann sogleich halblaut zu sprechen. „Brigham hat geschrieben," sagte er. „Er möchte Aus- kuiist über I. G. Krause haben." „Kaffee und Tee," antwortete Friedrich. „Goldsicher." „Schreibt auch, wegen des Kautschuk wolle er Erkundigung einziehen." „Es wäre gut, wenn uns das Geschäft nicht entginge. Wenn die da drüben wirklich eine neue Pflanze entdeckt haben, ist Brigham gautz der Mann, sofort eine Plantage anznlegen. Wir müßten uns dann seine Ausfuhr sichern. Der Bedarf an Ebonit steigt fortwährend." Köhler nickte. „Vorläufig hat Brigham Liebesgedanken tat Kopfe. Lies mal!" Er gab Friedrich den überseeischen Brief. Während Friedrich las, kroch sein Kopf fast ganz in dw Schultern hinein. Er schnüffelte erregt durch die Nase. Ordnungsliebend faltete er den Brief wieder nnb steckte ibn in das Kuvert zurück. „Es ist Blödsinn," sagte er. ,Meinst du?" . „ES ist so eine Redensart. Man verliebt sich nicht in wie Photographie." „Du nicht und ich tticht. Aber der Manit ist Amerikaner. Dre habctt alle den Spleen." „In Zentral-Amerika nicht. Du verwechselst das, Vater. Das Und Helle Köpfe. Mehr spanischer Einschlag." t all t-v CU > >... CC k * L: . . 9 'I 0 , .wir noch die letzte Auskunft da, die tote beim deutschen Konsul in Guatemala über rhn eingehakt haben?" Friedrich erhob sich Und suchte aus einem .Shannon Registrator die Auskunft heraus. „Das war vor drei Jahren," sagte er, „als Wir die Weinlieferung bei Schlatter und Kompagnie besorgten und' für ihn bürgen müßten. Die Auskünst ist glänzend. Der Konsul schreibt, Brigham sei 1899 mit einem Jahresverdienstz von zwanzigtausenb Pesos eingeschätzt worden." Köhler iviegte den Kopf. „Es komntt auf die Pesos an. Aber achtzigtansenb Mark wären es immerhin. Ein schöner Verdienst. Und so was ist Junggeselle." „Ich glaube wahrhaftig, bu faßt den Antrag ernsthaft auf." „Der Mann spaßt nie. Warten wir ab/ , „Warten wir ab. Es ist das Beste. Traute braucht freilich einen reichen Mann. Ja, Vater, was ich dir sagen wollte: sie hat mich schon wieder um zwanzig Mark angepumpt." Bei dieser schrecklichen Nachricht erbleichte Köhler. „Und du hast sie ihr gegeben?" stieß er hervor. „Nein, ich habe ihr nur einen Taler gegeben. Sie wollte sich einen Schleier kaufcit. Aber wo läßt sie ihr Geld?" „Frage mich! Sie bekommt zwölf Mark Taschengeld int. Monat. Davon braucht sie sich nur ihre Handschuhe zu bc- schaffeii. Sie trägt alles zum Konditor. Sie hat immer Pralines in den Taschen. Alles vernascht sie. Der Mutter hat sie erst vor ein paar Tagen fünf Mark abgezwackt." Tie beiden Männer saßen sich einen Augenblick stumm gegenüber, wie entsetzt über die aus der Art gefallene Tochter und Schwester. Dann sagte Friedrich: „Klothilde meint, die Candratt bestärke sie nur in ihrem Leichtsinn." „Das ist es eben. Das fürchte ich auch. Ich bin überhaupt nicht für diese intime Freundschaft mit einer Schauspielerin. Es kömmt nichts Gutes heraus." „Gewiß nicht. Aber das hättest du dir schon damals sagen können, als die Sandratt herkam." „Mein Gott, sie ist eine Schulfreundin Trautes, sie hatte ja auch einen ganz guten Ruf!" „Klothilde sagt, auch-dcr beste Ruf einer Schauspielerin habe immer feine Schattenseiten. Und darin hat sie recht. Der Verkehr schickt sich nicht für Traute." „Es ist nicht so leicht, das Mädchen zu überwachen, Friedrich. Wir können sie doch nicht wie bitte Nonne halten! Da ist zum Beispiel der Tennisplatz —" „Geh mir ichon vamtkl" fier Friedrich ärgerlich ein. „Klothilde sagt, das sei die Brutstätte aller Dummheiten. Hat sie den Referendar Ueberlingen nicht auch beim Tennis kennen gelernt? Und was hat es. uns für Mühe gemacht, ihr diese törichte Liebe aus dem Kopf zu reden!" Köhler nickte. „Sie muß schon wieder etwas haben. Kennst du den Leutnant Roeßler?" „Warte mal — mir ist so. Roeßler — es find' zwei hier. Einer ist Artillerist, und einer steht bei den Gelben. Welcher soll's sein?" „Das weiß ich nicht. Ich weiß bloß, daß Traute für einen Leutnant Roeßler schwärmt." „Sie wird ihn beim Senator Delbrück kennen gelernt haben. Da verkehrt ja die ganze Garnison. Siehst du, Vater, das ist auch tticht richtig: Traute wird bei Delbrücks eingeladen, ihr aber könnt zu Haufe bleiben. Ist das in Ordnung?" „Wir geben keine Gesellschaften, können also auch nicht in Gesellschaften gehen. Traute ist mit der Eva Delbrück befreundet. Gegen den Verkehr läßt sich auch nichts sagen " „An sich gewiß nichts. Aber bn vergißt immer, daß gerade dieser Umgang es ist, der in Traute den Hochmut weckt. Paßt sie benn in unser schlicht bürgerliches Haus?"- „Nein. Es ist wahr: sie ist uns eigentlich entwachsen. Woran liegt es?" „An ihrer Erziehung, Vater. Sie ist bie älteste der Mädel, und da hast du Wunder gedacht, was bn aus ihr machen könntest. Es wäre viel besser gewesen, du hättest sie auf bas Seminar geschickt. Da hätte sie Lehrerin oder Erzieherin werben und sich ihr Geld selber verdienen kömrön. Was soll denn nun aus ihr werden? Glaube doch nichts daß ihrethalben ein Millionär aus Zentral-Amerika extra hierher kommen und sie holen toirb."- (Fortsetzung folgt,) — 379 Vorzüge und Gefahren unserer Seebäder. Mt Vadcmecnm Wr Badegäste. Von Dr, Max Lauen. Der Internationale Kongreß für Meeresheilkuude, der vor $111:3^11 zürn ersten Male in Deutschland und zwar in Kolberg, jhagte, hat in seinem glänzenden Verlauf einen reichen wisseu-- Btlichen Gewinn gezeitigt und ist so zit einem! Maristem für die rschnng bet Seebäder geworden. Die wichtigen Probleme, die in der Aussprache der an praktischen Erfahrungen reichen Nord- und Ostsee- wie Mittelmeer-Aerzte mit den theoretisch arbeitenden Gelehrten zur Erörterung kamen, offenbarten eine ganz neue Medizinische Disziplin, die für die Allgemeinheit von außerordentlicher Bedeutung ist. Während man nämlich durch die Unter-« Eichungen von Zuntz und seinen Mitarbeitern über die Ursachen per Heilwirkung des Hochgebirges und seine klimatischen Verhältnisse seit einigen Jahren genügenden Aufschluß und die nötige Klarheit erhalten hat, steht die Erforschung der Seekuren Und des Seebadeaufenthaltes noch in den Anfängen. Man ist hier bisher ganz erfahrungsgemäß vorgegangen; ja das Publikum ist zum größten Teil noch gar nicht zu dem Bewußtsein gelaugt, daß der Aufenthalt im Seebad, sobald es sich um Kranke Handels eine Heilkur bedeutet die durchaus nicht ungefährlich ist, daß neben den hohen Vorzügen, die der Meeresstrand und das Meer- wasser bieten, hier auch schwere Gefahren lauern, die nicht selten ein ungünstiges Ergebnis der Ferienreise verursachen. ,, Eine der wichtigsten Fragen, vor die die Meereshenkunde bei der Erforschung unserer Nord- und Ostseebäder gestellt »st, ist die Beobachtung des Klimas an den, beiden Meeresküsten, Der Direktor des preußischen meteorologischen Instituts Prof. Hellmann hat nun eine vergleichentze Uebersicht über die klimatischen Verhältnisse der deutschen Nordsee- und Ostseeküsten gegeben, die- jedoch nach der ärztlichen Seite hin der Ergänzung bedürfen. Er kommt dabei für die Nordseeküsten zu dem Ergebnis: Der Winter ist mild, das Frühjahr kalt, der Sommer kühl und der Herbst warm. An den Ostseeküsten ist der Juli und August durchschnittlich Vs—2 Grad wärmer als an der offenen Nordsee, aber schon im September kehrt sich das Verhältnis um: die OstsecWste ist um Vr—IV- Grad kälter als die NordseMste. Der verhältnismäßig sonnigste Monat ist an der Ostsee der Juni, dem auch die geringste Bewölkung znkomMt, an der Nordsee der Mai. Die Zahl der Regentage beträgt im Jahr an den Nord- seeküsien etwa 170—190 und ist um 10—20 Tage größer als an der Ostsee. An der Nordsee und au der westlichen Ostsee, Ungefähr bis Darsserort, hat der April die wenigsten Regentage (10—131 und der Oktober die meisten (14—20). Verhältnis- mäßig trocken ist der Juni, während man in den Hauptbademonaten Juli und August mit je 13—18 Regentagen im Durchschnitt zu rechnen hat. Im östlichen Teil der Ostsee haben April und Juni hie kleinste Zahl Regentage (9—12). All diese meteorologischen Beobachtungen haben aber, wie Hellmann selbst hervorhebt, für den Arzt nur ganz geringe oder gar feine Bedeutung. Die.Aufnahmen enthalten nämlich, was die Feststellung des für den Kurgast in Betracht kommenden See- Aimas angeht, zwei Fehlerquellen. Einmal befinden sich, die Meteorologischen Stationen, deren Angaben der bisherigen Vestim-- . mung des Klimas zugrunde liegen, nicht am Strande, der für den Badebesucher der hauptsächlichste Aufenthaltsort ist, geben also für die von höher gelegenen Stellen oft stark abweichenden Witte- rnngsverhältnisse am Strande keine Anhaltspunkte, dann aber beziehen sich die durchschnittlichen Angaben auf Tag und Nacht, während für unsere Zwecke nur das KliMä am Tage in Frage kommt. So lassen sich über so wichtige Fragen, wie die nach der Dauer des Sonnenscheins oder nach der Richtung und stärke des Windes am Strande, noch keine genauen Antworten geben. Einiges jedoch über den Unterschied des Nordsee- und Ostsee- Klimas stellt schon jetzt vollkommen fest. Die Ostsee hat von Mitte März bis Ende Juni ein sehr beständiges, an scharfen Seewinden reiches Wetter und glatte See. Die Nordsee wiederum weist in den Seebädern, die nicht durch Dünen geschützt sind oder im Wattenmeer liegen, wie z. B. in Helgoland, Norderney, Sylt, grade cm Juli und August ein scharfes Seeklima auf mit herben Seewinden Und starkem Wellenschlag, dagegen nähern sich die geschütztes^ Nordseebäder, lvie Wyk-Südstrand auf Föhr u, a., dem Klnna der Ostsee. z . .. ~ , Aus diesen Feststellungen ergibt sich, daß der, der Seerluna Haben will, im Juli und August die Ostsee; meiden wird.. Andererseits wird man einen Patienten, der leicht erregbar ist, nicht gilt schlafen kann und stark ruhebedürftig ist, in kein ungeschütztes Nordseebad schicken, ebensowenig ältere Menschen, die an einer schon vorgeschrittenen Arterienverkalkung leiden, oder, leicht erregbare Kinder. Leute, die nur erholungsbedürftig, sind, jnerben. laber gerade int ungeschützten Nordseebad! die beste Kräftigung finden. Erregbare Naturen, die nicht so viel Wind und Kälte haben dürfen, werden sich int geschützten Nordseebad am wohlsten fühlen oder im Ostseebad, Ivo ein größerer Schutz durch bewaldete Dünen und die Möglichkeit von Waldspaziergängen vorhanden ist. Auch können diese Bäder schon früher im Frühjahr und länger im Herbst benutzt werden, was sehr wichtig ist, da ans dem Kongreß Wr Meeresheilrunde wiederum wie öfters schon von hervorragen- fesii Autoritäten betont wurde, haß Mr durch l a n g d a n e r uhe Kuren wirkliche HeilungM erzielt werden. Die Sanatorien -.£)6er-Post-Jnspeltion" *). Diese hatte den Verkehr zwischen dem Vandesherrn und der den Erb-Land-Postmeister vertretenden Ge- jneval-Direktion in Regensburg zu vermitteln und darüber zu wachen, „daß die Posten den! Dienst leisten, welchen der Staat mit Recht von ihnen erwartet, daß teilte Unterschleife und Nachlässigkeiten von Seiten der Postbeamten stattfinden" nsw. Die Leitung der Ober-Post-Jnspektion wurde den: Großh. Geheimen Referendar Schmidt und dem Geheimen Reg.-Rat du Thil sowie dem Ober- Bostmeister Nebel übertragen. Zur weiteren Leitung und Aufsicht >er das Postwesen in den einzelnen Provinzen, insbesondere „zur Handhabung der Postpolizey" wurde am Sitze jeder Regierung aus deren Mitte ein der Ober-Post-Jnspektion unterstellter „Post- ® emittierter" ernannt. Mir das Postamt in Darmstadt war schon tot 19. August 1806 die Bezeichnung „Ober-Postamt" genehmigt Worden, „weil in den Staaten wo Landesposten bestanden, die Residenzpostämter (München, Stuttgart, Dresden, Hannover, Gaffel) die gleiche Benennung führten". Die Bezeichnung „Ober- Postamt" würde auch durch den Postlehnsvertrag aufrecht erhalten, desgleichen die Stellung des Vorstehers dieses Amtes, des Ober- Postmeisters, als Vorgesetzter aller Großh. Postbeamten. Neu dagegen war die Bestimmung, daß „zwey in Frankfurt ivohnende Postbeamte als Substituten Und im Namen des Ober-Postmeister, der eine bey den fahrenden, der andere bey den reutenden Posten, die vor'koMmenden Postungelegenheiten, welche schleunige Vorkehrungen erfordern, besorgen sollten". Die Besetzung der Poststellen bis zum „Scriüenten und Ex- Leditor" abwärts erfolgte durch den Landesherrn. Zn diesem Zwecke hatte Taxis für jede Stelle uns der Zahl der hessischen Evon Wichtigkeit. Ank 12. Juli 1806 trennten sich bekanntlich m deutsche Fürsten, darunter auch der Landgraf von Hessenstadt, als souveräne Herren von dem Deuts^n Reiche und Vereinigten sich zu deut unter dem „Protektorat des französischen Kaisers stehenden Rheinbunds. Me Kemeren fürstlichen, gräflichen Und reichsritterfchaftlichen Gebiete, dre zwuchen den Besitzungen der RheiNbmidKrsten lagen, wurden ^deren Oberhoheit Unterworfen. So erhielt Hessen-Darmstadt bte souveranttat über das Burggrafentum Friedberg, bte Herrschaft eit Breuberg, Heubach Nnd Habitzheim, die Grafschaft Eroach, dre Herrschaft Ilbenstadt, {enter über den Stotberg-Gedernschen Deck der Grastchaft Kontg- tein, über Besitzungen der fürstlich tod gräflich solmfrschen Hauser n der Wettmau, die Grafschaften Wittgenstern-Wittgensteut Und Wittgenstein-Berleburg, das Amt Homburg vor der Hohe, die bisher unmittelbaren Riedeselschen sowie mehrere retchsrttterschaft- liche Besitzungen. Austerdem erhielt der Landgraf von Hessen den Titel „Großherzog" mit dem Prädikat „Königliche Hoheit". Die Gründung des Rheinbundes hatte dis Auflösung des Reichs zur Folge. Am <6. August 1806 legte Kaiser Franz II, die Kaiserkrone nieder. Mit dem Heiligen giömischen Reiche deutscher Nation stürzte ttuch das ganze Daxissche Reichspostwesen in seiner bisherigen Rschtssorm zusammen. Die Posthoheit ging als unveräußerliches Staatsregierungsrecht (jus majest. essentiale) auf die Fürsten des Rheinbundes über, und diese hatten nunmehr das Recht, die in ihrem Gebiete verkehrenden TakisschSn Posten aufzuheben. Untertanen 7,zwey täuMche Subjekte" Kur engeren Wahl vobzW schlagen. Ausländer dursten nur dann vorgeschlagen werden, wenn Taxis „notorisch (wenigstens nicht ohne große Opfer zu! bringen) reine präsentationsfähigen JNnlände'r" finden konnte« Der Ernannte Wurde von der Ober-Post-Jnspektion oder dem zü- ständigen Postdeputierten für den Landesherrn und von der Ge- neraldirektion oder dem Ober-Postmeister für den Erb-Land-Post-' meister verpflichtet; gleichzeitig erhielt pr von Taxis ein Be- stallungs- und vom Landesherrn ein „Bestätigungs-Dekret". Die Diszipliitar-Gerichtsbarkeit über die Postbeamten stand dem Erb-Land-Postmeister zu. Als Strafen, gegen die innerhalb 10 Tagen Berufung beim hessischen Hofgerichte zulässig war« durften von Taxis jedoch nur Verweise, Geldstrafen und vorläufigö Amtsenthebung verfügt werden; zur Entlassung eines Postbeamten bedürfte es der landesherrlichen Entschließung. Bezüglich der Chausseegeld-Entrichtung und der Verzollung blieben die bereits in der Uebereinknnft vom 28., April 1804 erlassenen Bestimmungen bestehen, 6, Aufhebung der Hessischen PoststatioN ist Franffurt, Nach Auflösung des Deutschen Reiches und Errichtung deI Rheinbundes blieb die Hessen-Darmstädtifche Poststation in Frankfurt ebenso wie die übrigen daselbst eingerichteten fremden Posten zunächst bestehen. Als jedoch der französische GeneralkomMissäh Lambert die Stadt dem Fürsten Primas Carl Theodor von Dalberg, dem früheren Kurfürsten von Mainz übergab, belehnte diesen den Fürsten von Taxis mit dem Erblandpostmeisteramt in Frankfurt und erließ, untern! 21. November 1807 ein Dekret, welches die Aufhebung sämtlicher fremden Postanstalten im primatischen Gebiet anordnete. Zu Folge dieses Erlasses begab sich am 1. Dezember der taxissche Postmeister Herrfeld zunächst in den darmstadtischen Poststall des Postmeisters Klees und alsdann in das darmstädtischä Palais zu Purgold, dem Vorsteher des Hess.-Sächs. Sammtwagens/ und forderte die Genannten zur Uebergabe ihrer Posten auf. Klees hatte sein Postschild bereits in das darmstädtische Palgis abge- liefert. Purgold erklärte den Sammtwagen für Privateigentum des Hofrats Dr. Krumm in Eisenach, der ihn 1777 für 18,750 Thaler gekauft habe. Von dem hessisch-darmstädtischen Personal der FranHuMv Station ging der Postverwalter Gern mit 1400 fl., Briefträger Supp mit 984 fl. und der Postpacker Mckert mit 232 fl. in taxissche Dienste über. Der Hofrat Purgold wurde mit 300 fl, pensionierte (Fortsetzung folgt.) vüchertlfch. — Schillers Gespräche. Zum ersten Male gesammelt und herausgegeben von Julins Petersen. Insel-Verlag. (490 Seiten.) — Goethe äußerte einst, als ihm von Fveundeshandi eine kleine Sammlung von Aufzeichnungen über Unterhaltungen mit Schiller dargebracht wurde: „Schiller erscheint hier, wie immer, im absoluten Besitz seiner erhabenen Natur; er ist so groß am Teetisch, wie er es tut Staatsrat gewesen sein würde. Nichts geniert ihn, nichts engt ihn ein, nichts zieht den Flug seiner Gedanken herab; was in ihm von großen Ansichten lebt, geht immer frei heraus ohne Rücksicht und ohne Bedenken." So gelten diese Worte von der vollständigen Sammlung, dies Petersen jetzt aus zahlreichen Briefen, Tagebüchern und sonstigen Aufzeichnungen der Schillerzeit zusammengebracht hat, denn Schiller ist nicht zur Ausführung der geplanten Geschichte feine® Geistes gelangt; er hat kein Tagebuch geführt; die Gespräche sind neben den Briefen seine einzigen Lebensbekenntnisss gen blieben. Skat-Aufgabe. „Meine Herren, dieses Spiel diskontiert ja die Reichsbankl" erklärte schmunzelnd Herr Lehmann, als er in Mittelhand folgende Karten erhielt: ♦ ❖ Doch 0 weh I Herr Lehmann mußte erfahren, daß Uebermut selten gut tut: Er verlor sein Spiel. Was spielte er? Wie ging das zu und wie war die Kartenverteilung der Gegner? Borhand hatte ein unverlierbares Null ouvert und 23 Angen in ihren Karten weniger als Hinterhand. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Ein Jeder lernt nur, was er lernen kann. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»