Samstag Sen 1\. Januar ■ M ITT l MM- ßfr VW Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Nachdem die Kosy das Zimmer verlassen, sank Frau von Hilbach auf den Stuhl (am Fenster. Hier hatte sie heute morgen gesessen und hatte um ein Glück gefleht. Nun war es so schnell gekommen, aber in einer Gestalt, die sie erschreckte. Noch war es Zeit, noch konnte sie zurück, nur einen Kampf mit der Kosy hatte sie zu bestehen, daun war alles wieder, wie es gewesen. Aber was dann? was dann? Die Kosy hatte soeben behauptet, daß die Liebe ganz von selber käme, iuenn alles andere stimmte, und genau dieselben Worte hatte ihr vor Jahren der eigene Vater gesagt, als er vergeblich versuchte, ihr von einer Ehe mit dem lustigen, leichtlebigen Herrn von Hilbach abzuraten. Wenn aber zwei so verschiedene Menschen wie ihr Vater Und die dicke Gemüsefrau so ganz dasselbe sagten, dann mußte etwas Wahres daran sein, und daß Geld eine Rolle — ja, überhaupt die größte Rolle im Leben spielte, das hatte die arme Frau von Hilbach in diesen zwei letzter: Jahren bitter genug erfahren. Mit einem leisen Seufzer nahm sie das Jungchen an die Hand, ging mit ihm ins Nebenzimmer und holte die Kleider aus dem .Schrank, die sie auf der Kosy Wunsch an leg en sollte. Um drei Uhr pünktlich sauste der Schlitten wieder am Saalehaus vorbei, machte ein paar Häuser weiter kehrt und hielt vor der braunen Tür. Herr Lasker sprang heraus, klingelte, wurde von dem kleinen Erwin glückstrahlend empfangen und überreichte seiner Mutter, die fertig im schwarzen Plüschmantel und schwarzem Hut mit weißem Schleier im Hausflur stand, ein großes Bukett. Es war aus Chrysanthemen, Reseden und ein paar Veilchen zusammcngebunden, war ein bißchen steif und umfangreich, aber jedenfalls gut gemeint, und es war ein Wunder, daß mitten im Winter hier überhaupt etwas von Blumen aufzutreiben war. Herr Lasker war in sichtlich animierter Stimmung; sein Gesicht strahlte, und er sah so satt und zufrieden und dabei doch so angeregt und couragiert aus, daß etwas wie Behagen und Lebensfreudigkeit von seiner Person ausgiug Und auf seine Mitmenschen überströmte. Er hob Frau von Hilbach in den Schlitten, setzte den Kleinen auf den schmalen Rücksitz, nahm die Zilgel, schnalzte mit der Zunge, und dann flogen sie davon. Das Jungchen jauchzte, und Frau von Hilbach fand plötzlich, daß es schön, wunderschön war, ein bißchen verwöhnt zu werben, und sie empfand etwas wie Dankbarkeit siir den dicken Herrn Lasker, der sie für Stunden aus ihrer TrübsaE erlöste. „Also nach der Katze?" fragte er, und Frau von Hil- bach nickte. „Was meinen Sie, wenn wir erst ein bißchen Nach Pforta zu steuern und nachher an der Katze landen? Ihr» alte, dicke Haushälterin hat ja anders verfügt, aber wenn Sie meinen?" „O, ja — ja!" jubelte Frau von Hilbach, und er fahf sie lachend an. „Das gefällt Ihnen, was? Haden Sie lange nichß gehabt — so was — wie?" „Nein, lange nicht!" sägte Frau von Hilbach nachdenklich und ein wenig ernüchtert. „Nu, denn mal los!" Er spornte die Pferde an, und wie sie die breite Chaussee erreicht hatten, ließ er die Zügel locker, lehnte sich int Wagen zurück und sah sich seine Nachbarin an. Frau von Hilbach errötete und erbleichte unter feinen Blicken. Sie versteckte ihr Gesicht in den Blumen, zupfte dem kleinen Jungen die Mütze zurecht und suchte vergebens nach einem gleichgültigen Wort, das ihr aus den Verlegenheit helfen sollte. Ihr war, als läge etwas Zudringliches, etwas Selbstbewußtes, ja — fast etwas Freches in den Blicken dieses Mannes, der ihr heute morgen so verlegen gegenübergestanden hatte. Sie sah nicht mehr die weite, weiße Landschaft, sie fand es nicht mehr schön, in dem weichgepolsterten Schlitten über den Schnee dahinzugleiten — sie wußte nur noch, daß sie sich in einen Lage be,and, die ihrer nicht würdig war. Nach einer Weile wandte Lasker seinen prüfenden, lächelnden Blick von ihr ab, schob ihr die herabgefallens Decke über die Knie und fragte etwas unvermittelt: „Nu sagen Sie um alles in der Welt, wie sind Sie zu der alten, griesgrämigen Bude ha gekommen?" „Mein Mann hat das Haus geerbt!" erklärte Frau von Hilbach. „So — so! Aber das ist doch kein Grund, daß so eine junge Frau sich da hereinsetzt. Das ist doch fein Leben für Ste!" Frau von Hilbach schwieg, aber eine heiße Blutwelle schlug ihr ins Gesicht. „Ne, das nenn ich kein Leben!" fuhv Lasker fort. „Nicht vierzehn Tage hielt ich's in dem Kasten aus. Was machen Sie denn den ganzen ,Tag?" „Man lebt eben so dahin', sagte Frau von Hilbach traurig. „Man lebt so dahin!" lachte er. „Wie kann man nur so dahinleben in Ihrem Alter? Wie alt sind Sie denn? So auf Mitte der Zwanziger würd ich Sie taxieren, und da lebt man so dahin! !--Wer wohnt denn sonst noch in der Bude?" fragte er, als seine Nachbarin schwieg. „Das muß doch eine Unmenge Räume in dem Kasten geben, und alles so klein und winklig und niedrig. Da sollte« o — 46 — Sie mal zu mir y'erauskonuuen, jd'ä würden Sie staunen, öft wohl alles vermietet bei Ihnen?" „Ja — alles!" „So! Na, das ist doch wenigstens ein Glück. Mer Wohnt denn noch drin?" „Lauter Frauen!" „Lauter Frauen? Famos! Wohl auch Witwen?" „Ja, nur Witwen!" „Ne, ne!" sagte Lasker, „lauter Witwen, famos! Wie Viel benn?" Frau von Hilbach zählte. „Sieben," sagte sie, „nein, eigentlich acht, denn eine hat noch eine alte Mutter Lei sich!" „Acht Witwen!" Lasker fand das großartig. „Was denn für welche? Alt? jung? schön? häßlich? Erzählen Sie mal ein bißchen!" „Ach, das sind alles Frauen, die viel zu tragen haben, sie müssen auch alle sparen außer der Frau Häuflein, die in der ersten Etage wohnt. Die ist auch noch nicht alt, aber sonst ist keine junge im Haus!" „So!" sagte Lasker. „NU, und wie leben Sie denn zusammen? Geht das denn friedlich zu? Acht Frauen so dicht aufeinander, das wär mir ein bißchen riskant!" „O, es geht ganz gut!" meinte Frau von Hilbach und machte eine Bemerkung übers Wetter, denn der Ton, ,in dem Herr Lasker mit ihr sprach, gefiel ihr nicht. „Nu, und die Polenwitwe führt Ihnen die Wirtschaft, was? Das ist ein forsches Weib, hat sich mächtig für Sie ins Zeug gelegt. Na, die meint's wenigstenrs gut mit Ihnen!" Sie hatten Pforta erreicht, und er ließ ihr die Wahl, pb sie nach Naumburg fahren und dort in der Konditorei Furcht am Markt ihren Kaffee ,trinken wollten, oder ob sie nach der Katze umkehren sollten. Sie entschied sich zur Katze, nnb er wandte um, gab dann dem Jungen die Peitsche zum Spielen und fuhr fort, Frau von Hilbach auszufragen. Seit wann sie Witwe sei, woher sie stamme, warum |ie so allein wohnte, ob sie keinen Anhang habe, wie viel ihr das Haus jährlich einbringe und wie hoch ihr« Witwen- vension sei — alles wollte er wissen, und alles beantwortete sie, leise und kraurig, und eine Empörung, die in ihr aufsteigen wollte, kämpfte sie tapfer nieder. „Geld ist Macht!" Das hatte sie oft genug erfahren, tmb einer, der in so gesicherter, glänzender Position lebte, der hatte Wohl das Recht, sie, ein .armes, vergrämtes, hilfloses Ding auszufragen und zu staunen und diesem Staunen Worte zu verleihen, die ihr weh taten, die sie schmerzten wie scharfe Nadelstiche. Wie sie wieder im Städtchen waren und über die Brücke nach der Katze zu flogen, da leuchtete die Sonne blutrot über bem Schnee, und all die Berge und der weiße -Wald ringsum schienen wie in Glut getaucht. Das war fo wunder-wund erseh ö n — wie ein Märchen so schön, und Frau von Hilbach träumte. Der Mann, der neben ihr mß, war nicht mehr der reiche Lasker aus Mehrendors, per sie mit lächelnder Unverschämtheit ausfragte, er war der andere, der, den sie noch nicht kannte, von dem sie aber geträumt hatte, so lange sie zurückdenken konnte — schon längst, bevor Herr von Hilbach in ihr Leben gekommen war. Und in diesem Augenblick wußte sie, daß dieser andere einmal in ihr Leben kommen würde, heute Nicht und morgen nicht, aber einmal — einmal kam er doch, und aus ihn mußte sie toarten durfte sich nicht verschenken, vergeuden, weil das Leben augenblicklich ein wenig hart mit ihr umging. Zwischen ihr und ihrem behäbigen Nachbar tat sich ein fleischiges, mildes, kluges Gesicht mit reichem weißen Haats und Vollbart. In einem allen Band der Gartenlaube hat Roderich BenedtA sein Leben und Dichten mit eigenen wenigen Worten geschildert« „Ich habe keine großen Abenteuer erlebt, ich habe eben nur erlebt, was Tausende und abermals Tausende erleben . Ist doch bei einem Schriftsteller das innere Leben wichtiger als sas äußere . . . Ich bin in Leipzig geboren und habe in traulichem Familienkreise eine glückliche Jugend verlebt. Das Andenken an meine herrlich« Mutter ist mir unvergänglich. Sie hat mir durch ihren Tod den bittersten Schmerz meines Lebens bereitet. Sie starb kurz vorher, als ich den ersten Erfolg errang. Die Freude über diesen war ein kleiner Dank meinerseits für ihre Liebe gewesen — ich habe ihr diesen Dank schuldig bleiben müssen" — schreibt er. Man sieht hieraus, wie schon die Kindheit und die Gemütsveranlagung des Dichters seinem Schaffen die Richtung gab. Nach Absolvierung! des Gymnasiums wendet er sich, dem bekannten „unbezwinglichen" Drange folgend, dem Beruf als Schauspieler zu. Als damatischey Dichter debütiert er zum erstenmal und gleich sehr erfolgreich in; Mainz mit seinem so populär gewordenen Schauspiel „Das bemooste Haupt". — Bezeichnend für die politische Rolle, bte der Student damals in Deutschland spielte, ist es, daß diesem Stüch die Hoftheater verschlossen blieben. Andere liierarische Arbeiten, von gerade nicht großer Bedeutung folgten, was den jungen Schauspieler schließlich veranlaßte, feinen Beruf aufzugeben und sich ganz der Schriftstellerei — vorübergehend an den Theatern ist Köln, Elberfeld, Frankfurt, auch der Tätigkeit als Regisseur unbj Direktor, und in der rheinischen Musikschule in Köln als Lehrer zu widmen. Aber aus dem Theaterbureau mit seinen Aufregungen! und Jutriguen drängte es den weder von Herrschsucht noch von; Eitelkeit geplagten Manu immer mehr in die stille Studierstube^ Er verlegte seinen Wohnsitz nach seiner Vaterstadt Leipzig, wo er sich den Doktortitel erwarb — „wozu mich der Wunsch veranlaßte," wie er schreibt, „nicht mit einer Lüge in der Welt herumzulaufen,' da man mich immer Doktor nannte, ohne daß ich es war". Hiev verheiratete er sich zum zweitenmal uns hier starb er am 26. September 1873. Auf sein Grab legt heute, wenn es eine Dankbarkeit! gibt, die ganze deutsche Bühnenwelt — nein, die Bühnenwelt aller fünf Erdteile den Kranz. Denn von den mehr als hundert Stücken« die er geschrieben hat, ist ein großer Teil auch ins Englische« Französische, Vlämische, Holländische, Dänische, Schwedische»« o 74 —» Kerzen Leid'/ Helens Krügevz bierl. Ein baumlanger Grenadier mit umgebunbener Schürze und in vorschriftsmäßiger strammer Haltung hält dem Kaiser mit beiden Händen den Teller hin. Der Kaiser hat sich leicht über den Teller niebergebeugt, und an seinem halb luftigen, halb schmerzlichen Gesichtscmsdruck merkt man, baß die Speise zu Heist war. Rings herum stehen einige Offiziere, die sich vor Lachen ausschütteit wollen. Die Szene trug sich einmal in Wirklichkeit zu unb damals sprach ber Kaiser bie Worte: „Au, Willem, ba hast Du Dir mal roteber lich brachen die Offiziere, bie Ohrenzeugen bieier „Majestäts- beleibigung" waren, in lantes Gelächter aus. Unb mit @intuilligung des Kaisers ist ber kleinen Szene nun gewissermaßen ein künstlerisches Denkmal errichtet worden. 6 Ein Scherzwort des Kaisers über f t ■ Wie strahlst du hell im kleinsten Raum! Mit dürst'gem Schmuck und wenig Kerzen Leuchtest du doch in unsre Herzen. Stolz tagen bie Tannen in die Höh', Die Aeste behangen mit glitzerndem Schnee; Ob um sie her auch die Stürme toben. Sie ragen kerzengrade nach oben. Bor Weihnacht, in der Kinder Traum Spiegelt sich ab der schöne Baum. Da kommt eines Tages ein fremder ManU/ Der schaut sich die Bäume genauer an. Er sucht sich einen von ihnen heraus. Er haut ihn ab und trägt ihn nach Haus., Hier wird er mit bunten Sachen geschmückt/ Mit allem, was das Auge beglückt. Und kommt der Weihnachtsabend bann. Wie freuen sich bie Kinder dran. Und jubelnd klingt es durch den Räumt >,O Tannenbaum,- O Tannenbaum, Wie grün sind deine Blätter." So hab ich's erraten unb eingeschickt; Hoffentlich ist «s mir geglückt, * Russische, Finnische, Polnische, Ungarische, sogar ins Tschechische, Rumänische, Serbische übersetzt worden, ttnb der Name Roderich Benedix hat damit eine Verbreitung gehabt, wie sie nur ganz wenigen deutschen Schriftstellern zuteil geworden ist. Millionen, die mit ihm ins Grab gesunken sind, hat er lachen gemacht, und schon das allein sollte ihm das Andenken als ein Wohltäter der Menschheit sichern. Nicht jedes Lorbeerblatt ist so verdient wie das, womit ivir hiermit seinen Hügel schmücken. Bott den Bühnen, die den literarischen Ton angeben, ist Roderich Benedix verschwunden. Bon sämtlichen Theatcrtr der Reichshauptstadt gewährt ihm fast nur noch das auf ein bescheidenes Kleinbürgertum angelegte Schillertheater eine Stätte. Denn wieviel Erfolg, wieviel Liebe ihm auch zu Teil geworden ist — er war Nur ein Kind seiner Zeit, jener Zeit, wo dem deutschen Michel noch bie Zipfelmütze auf bett trattmumfangenen Lidern säst. Wie sich ber Schauplatz seiner Stücke fast immer auf das gutbürgerliche Wohnzimmer beschränkt — so beschränkt, so hausbacken, so nüchtern, so immer wiederkehrend sind auch die Gestalten, die diesen Schauplatz beleben. Dafür aber haben sie auch nichts Gemachtes, Erzwungenes, Gekünsteltes und wenn sie aud) nur Bühnenfiguren sind, denen das Blut des Lebens fehlt, so hat ihnen ihr Schöpfer doch Umrisse gegeben, bie ihnen im gedämpften und trügerischen Licht ber Rampe dock) wenigstens ben S ch e i n des Lebens verleihen. Wie bewußt ber Dichter in feiner Art zu gestalten verfuhr, durch! welche Mittel er seine Geschöpfe ber Sympathie bes Zuschauers nahe zu bringen suchte und auf welche Punkte es ihm dabei noch sotrst anfttin, wag aus seinen eigenen, in abgekürzter Form hier wieder-^ gegebenen Worten hervorgehen: „Auch scheint es mir ein allerdings sehr verbreiteter sJrrtum zu sein, dast das Lustspiel die Aufgabe habe, die Torheiten ber Zeit zu geißeln. Das ist immer, Sache ber Satire. Die Satire kämt ein Mittel für das Lustspiel sein, nicht aber dessen Zweck, dessen Hauptzweck. Wer über die Menschen lachen will, must sie lieben. Damm hab ick) nie Menschen gezeichnet, die man verlachen kann, man darf über ihre -schwachen und Torheiten lächeln, es dürfen ihnen aber die Züge nicht fehlen, die sie liebenswert machen. Es ist ein feiner Unterschied zwischen lächerlich und komisch. Darum habe ick) meine komischen Wirkungen nie in Karikaturen, in sogenannten komischeir Rollen oder in bitterem Wortwitz gesucht, fonbern in ben Verwicklungen, bie aus ben Eigentümlichkeiten ber Charaktere hervorgehen. Man hat bies Situationskomik genannt, ick) nehme diesen Namen gern an." In ber Tat bewährt Benedix in ber Kunst der Verwicklung, das heißt eine bebende und logische, aber doch auch überraschend ineinander greifende Handlung zu ersinnen — wenn Mch nicht in allen, so doch in vielen seiner Stücke —, einiet Fertigkeit unb Geschicklichkeit, bie von feinen Nachfolgern noch nicht übertroffen worden ist. Allerdings sind die Motive der Handlung bei ihm oft von ber billigsten Art, beruhen auf Verwechslungen unb Mißverständnissen, entbehren der Wahrscheinlichkeit Und schon das allein ist ein Grmtd, der sie dem modernen, auch w der leichteren Bühnenkunst auf Lebenswahrheit gerichteten Geschmack entrückt. Wie die von ihm angero endeten Mittel int geeigneten Gewände aber auch noch auf ein heutiges Publikum wirken, das beweist eine Operette, die hochberühmte „Fledermaus", deren Libretto zwar angeblich einem französischen Schwank entlehnt rst, baffen Grundlage sich aber in einem Benedixscheu Lust- fbtel, dem „Gefängnis", findet. Es ist die Idee von dem Ehemann, der in seiner Wohnung verhaftet werden soll — weil der Gerichisbeamte aber einen andern in der Wohnung findet Und diesen für den Ehemann hält, was sich der andere aus guten Gründen auch gefallen lassen mnst, den Falschen ins Gefängnis brmgt. Aber unser Dichter hätte es Großmama, als sie noch em junges Mädchen war, nicht so herzlich antun können, — denn damals waren die jungen Mädchen noch anders als heute — wenn er nicht einen Grundsatz befolgt hätte, den er folgendermaßen ansdrückt: „Ich habe jede Frivolität gemieben unb bilde mir zuweilen ein, durch meine Werke dem Eindringen und ber Ueberwuchernng ausländischer Frivolität gewehrt zu haben." Jawohl, auch darin mag er für eine Zeit, wo es auf der Bühne vhne Pikanterien kaum noch gehen will, recht altmodisch ge- worden sein. Und er ist dies auch noch in einer anderen Hinsicht. i-->tch habe nur aus dem deutschen Bürgertume meine Stoffe genommen," schreibt er — „weil der Dichter national sein soll und weil das deutsche Volk etwas besitzt, was anderen Völkern den Namen abgeht — Gemüt." Heute ist auf den beutlebm. Buhnen, voran auf denen der Reichshauptstadt das Aus- lanb Drmnpf. Frankreich, England, Norwegen, Rußland gönnen dem deutschen Dramatiker in seinem eigenen Vaterlande nur ftoa) einen spärlichen Nauru. In der Mitbewerberschaft mit Bch. uberhandnehmenden Ausstattungsprunk, ben weiblichen Trikots, den Birtnosenstücken der Regie!, dem Sirenenklang der Operette, beni Kunterbunt ber Possen und Revuen, ben schwülen Grimassen, die eine moberne Ueberkultur ber dramatischen Muse ^zwingt — wie fände der Dichter wohl heutzutage noch den Mut, unserem Toten, als einen Schilderet: deutschen Bürgertums ÜB dieser schlichten Spur zu folgen?, ' nal in Wirklichkeit zu und damals sprach „Hu, Willem, da hast Du Dir mal wieder ordentlich deii Mund verbrannt!" Ja, die Wahrheit gebietet, zu jagen, dasi der Kaiser für „Mund" einen recht derben berlinischen Ausdruck, nämlich das Wort — „Schnauze" gebrauchte. — Naiür- Unser weihnachtr-preirrätsel Hat Bei den jugendlichen Lesern der Gießener Familien-» blätter diesmal noch stärkeren Anklang gefunden als in früheren Jahren, weshalb die Preise wesentlich erhöht wurden. Außer Büchern haben wir diesmal auch eine Anzahl von Spielen verteilt, die jedenfalls viel zur Kurzweil! an den laugen Winterabenden beitragen werden. Im ganzen sind 312 Lösungen eingegangen, von denen 281 richtig und nur 31 falsch waren, darunter befanden sich aber teilweise sehr lustige „Lösungen", wie Bahnwärter, Weihnachtsengel, Nikolaus u. a., die mehr willkürlich hingeschrieben, als wirklich erraten waren. Ein Teil der Lösungen war von hübschen Bildchen und netten Berschen begleitet, die uns viel Freude gemacht haben. Eine kleine Auswahl aus den Berschen lassen wir hier folgen, wenn wir sie auch nicht alle mit einem Preis bedenken konnten. Aber wer diesmal kein Glück hatte, der hat es vielleicht das nächste Mal. Wenn Flur und An zur Winterzeit Erstarret sind unb kahl, Dann prangen noch im grünen Kleid Die Tannen allzumal. Unb kommt bas liebe Christkiudlem, Bringt es in jeben Raum, Wo Kinder wohnen, lichten Schein Durch einen Tannenbaum, (Ohne Samen.] *■ a b c d e f g h 8 7 6 6 4 3 2 1 abcdefgh Weiß. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer- Auflösung der Charade in voriger Nummert F r e i l i ch t. hl'schen Universitäls-Buch- und Steindruckerei R. Lange, Gieße» — 48 Di« Ersten, die int Dunkeln Tiei leuchtend iunkeln Fern m des Waldes Einsamkeit, Sind grüne „T a n n e n", die verschneit. Das Dritte, ähnlich wie das Ganze, Ist eine »hoch g e wachs ne Pflanze, Das Ganze aber am Waldessaum Ist unser lieber „TannenbaumI" Annie Kipper» s Lies statt nach rechts, itach unten kühn? Und 's Rätsel ist erstanden. — Wir raten her und raten Hilt Und senden, was wir sanden. Die grün und leuchteild funfein, sind Die „Tannen", wie wir meinen, — Doch Ihr macht's Wetter zu gelind, Da kann kein Schnee erscheinen. Die Tanne ist ’ne Pflanze auch, Und auch ein „Baum", — das dritte, Der „Tannenbaum", nach heilgem Brauch, Strahlt regt in Schloß und Hütte. Wenn unsre Lösung richtig ist Uitd Ihr wollt uns bedenken, Dann holen ivir voll Freude, wißt, Auch eins von den Gescheiiken. Hugo und Gisela Bach. * Zwischen der Tannen dunklem Grün Träum ich, gelagert int Moose; Bilder seh ich vorüber ziehn: Engel, das Christkind im Schoße. Währeitd dem Schläfer sie sich itah'n, Aendern das Antlitz die Felder. Ringsum, wohin die Augen sah'n, Ringsum bedeckt es die Wälder. Schneeweiß geschinückt ist die Natur, Glänzend und schimmernd jed' Zweiglein, Friede int Wald und aus der Flur, Friede beim Aermsten int Häuslein. Jubelnd jetzt hallt es durch die Nacht, Engel tnt Hüttchen sind fröhlich, Kmder beim Baum dort halten Wacht: Kommen tst's Christkind, so selig. Engel und Kinder bald stimmeit an Knieend ein Lied von dem Christkind, Alle dem T a n n e n b a u nt jetzt sich nah'n, Alle, die beten und lieb sind. Johann Muller, Allertshausen, Der Winter hat mit Schnee unb Eis bedeckt der Tannen grünes Reis; und in der Sonne goldnem Strahl sie funkeln dtwch das stille Tal. Die Tanne ist ein lieber Bau nt wie keiner in des Wcrlves Raunt; besonders, wenn er schön geschmückt zur Weihnachtszeit uns hoch beglückt. Dann fingen wir: „O T a n n e n b a u m", und träumen felgen Weihnachistraum vom Christkind, bas in dunkler Nacht mit schönen Gaben uns bedacht. Auch hat's ein Rätsel mir gebracht zur schönen, Heilgen Weihenacht; zur Lösung brauchte ich viel Fleiß: drum bitt ich um ’nen schölten Preis. Toni Weicker, Stumpertenrod, * Die Ersten sind die Tannen Im dichtverschneiten Raum, Sie sind zugleich das Dritte: Des Winters schönster Baum. Das Ganze leuchtet funkelnd Hell durch die Winternacht: O „T a n n e n b a u nt", du schöner, Wir sreu'n uns deiner Pracht. Walter Zöller, Hausen. ,* * * Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brü Die Lösung des Preisrätsels war sehr einfach. Man brauchte nur von oben nach unten W lesen nui> erhielt folgende Zeilen: Die kurzen Tage dunkelten, der weite Wald war tief verschneit, doch grün und leuchtend funkelten die Ersten durch die Einsamkeit. Die Ersten sind das Tritte auch und eine Pflanze ist das Dritte, das Ganze strahlt nach heilgem Brauch zum Weihnachtsfest in Schloß und Hütte. T a n n e n b a u m. $ $ tu Es erhielten: Heinr. Arnold, Albach: Hessischer Kalender für 1911. Hans Gaub, Gießen: Fr. Lichtenberger Allerlei vom Leben der Pflanzen. Frieda Haupt, Gießen: Der Wolf und die sieben jungen Geislein von E. Oßwald. Otto K i ß l e r, Heuchelheim: Dr. C. Floericke Ter kleine Naturforscher am Meeresstrand. Quintaner Kneipp, Gießen: W. Kotzde Int Schillschen Zug. Luise König, Gießen: E. Möricke Das Stuttgarter Hutzelmännlein. Karl Konrad, Rtippertsburg: W. Kotzde Stabstrompeter Kostmann. Hellm. Lohr, Gießen: Dr. C. Floericke Die Säugetiere Deutschlands. Heinr. Lotz, Leihgestern: Dr. C. Floerike Der kleine Naturforscher in Flur und Feld. Hubert M a i, Gießen: Dr. C. Floerike Der kleine Naturforscher an Fluß und Teich. Ludw. Ai ö b u s, Burkhardsfeldeii: Dr. C. Floericke Der kleine Naturforscher in Busch und Wald. Johann Müller, Allertshausen: Droste Hülshofs Die Judenbuche. Lina Nagel, Gießen: Drei gute Kameraden von Gust. Falke. Johanna Plank, Gießen: Fr. Lichtenberger Allerlei vom Lebe» der Pflanzen. Reiiih. Rohrbach, Lollar: Dr. C. Floericke Die Vögel Deutschlands. Leni R ii t h, Büdingen: Andersen Märchen unb Geschichten. Ottilie R ü h (, Gießen: Otto Ernst Der Kinder Schlaraffenland. Luise unb Else Walter, Gießen: Lustiges Quartett von Apard Schmidhcrmmer. Toni Weicker, Stilmpertenrod: Dr. C. Floerike Der kleine Natiiriorfcher in Haus, Hof unb Garten. Malta Wertheim, Gießen: Schwarzer Peter von Apard Schmibhammer. Walter Zöller, Hausen: Ch. Sealsfield Mit Lasso unb Kriegs Pinte durch Texas. Die Gewinner ctus Gießen fihttteit ihre Preise in bec Geschäftsstelle unseres Mattes abholen. Den auswärtigen Gewinnern werben die Preise zugestellt. Schacharrfgabr. Schwarz. ~——-—