Mittwoch den 20. September S il T 1 M NM tusr-Tt 8 "^^AA Die weiße Frau. Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ich sah mich in einem großen, hohen Zimmer mit einer prachtvollen geschnitzten Decke und einem Teppiche, der so dick und Weich war, daß er sich wie Lagen von Sammet unter den Füßen anfühlte. Die eine ganze Seite des Zimmers nahm ein Bücherschrank aus einer seltenen, getäfel- ten Holzart ein, die mir völlig neu war. Er war nur sechs Fuß hoch, und oben darauf standen Statuen in regelmäßigen Entfernungen voneinander. Auf der entgegen» gesetzten Seite standen zwei altertümliche Schränke, und zwischen und über denselben hing ein Bild der Jungfrau Mit dem Christuskinde, das durch Glas beschützt wurde und unten am Rahmen auf einer vergoldeten Platte den Namen Raphaels trug. Zu meiner Rechten und Linken, als ich innerhalb des Einganges stand, waren Chiffonnieren und Pfeilertischchen, die mit Figuren von Meißner Porzellan, seltenen Basen, -Elfenbeinschnitzereien und Spielereien und Merkwürdigkeiten aller Art, die von Gold, Silber und Edelsteinen funkelten, bedeckt waren. Am untern Ende des Zimmers mir gegenüber verbargen Vorhänge von derselben wassergrünen Seide, wie die an der Tür, die Fenster und milderten das Sonnenlicht. Das auf diese Weise hervorgebrachte Licht war unendlich weich, geheimnisvoll und wohltuend; es fiel gleichmäßig auf alle Gegenstände im Zimmer, machte die tiefe Stille und das Ansehen absoluter Abgeschlossenheit noch eindrucksvoller und umgab mit einem angemessenen Nimbus die einsame Gestalt des Gebieters des Hauses, welcher in teilnahmloser Ruhe in einem großen Lehnstuhle ausgestreckt lag, an dem auf der einen Seite ein Lesepult und auf der andern ein kleiner Tisch angebracht waren. Mr. Fairlie mochte zwischen 50 und 60 Jähre zählen. Sein bartloses Gesicht war mager, verlebt und von einer durchsichtigen Blässe, aber nicht runzelig; seine Nase war groß und gebogen; seine Augen von einem matten, gräulichen Blau, groß und hervorstehend, und die Ränder der Augenlider etwas gerötet; er hatte wenig Haar, doch war es weich anzusehen und von jener hellen/ sandähnlichen Farbe, welche von allen am letzten den Uebergang zum Grau verrät. Er trug einen dunkeln Rock von einem Stoffe, der weit leichter war als Tuch, und eine Weste und Beinkleid von untadeligem Weiß. Seine Füße waren auffallend klein und mit Strümpfen von lederfarbener Seide und kleinen bronzeledernen Pantöffelchen bekleidet. Zwei Ringe schmücketn seine zarten, iveißen Hände, deren Wert selbst meine unerfahrene Beobachtung sofort als beinahe unschätzbar erkannte. Im ganzen hatte er ein schwächliches, matt reizbares, überfeines Aussehen — etwas eigentümlich und unangenehm Zartes, da man es an einem Manne fand) und das doch zu gleicher Zeit, wenn man es sich an der Erscheinung einer Frau dachte, unmöglich natürlich oder angemessen erschienen wäre. Als ich näher zu ihm herantrat, entdeckte ich, daß er nicht so völlig unbeschäftigt sei, wie ich zuerst vermutete. Unter anderen seltenen und schönen Gegenständen, welche auf einem großen runden Tische neben ihm standen, war ein Miniaturschrank von Ebenholz und Silber, der in kleinen Schubladen, die mit dunkelblauem Sammet ausgeschlagen waren, Münzen von allen Formen un dGroßen enthielt. Seine zarten, weißen Finger spielten gleichgültig mit etwas, das meinen unerfahrenen Augen wie eine schmutzige, zinnerne Medaille mit unebener Kante aussah, als ich in achtungsvoller Entfernung von seinem Stuhle stehen blieb, um ihm meine Verbeugung zu machen. Sehr erfreut, Sie in Simmeribge zu haben, Mr. Hart- right, sagte er mit einer kläglichen, krächzenden Stimme, die auf nichts weniger als angenehme Art einen hohen Mißton mit einer matten, schläfrigen Aussprache verband. Bitte, setzen Sie sich. Und bemühen Sie sich gefälligst, nicht den Stuhl zu rücken. Bei dem unseligen Zustande meiner Nerven ist jede Art von Bewegung unbeschreiblich schmerzhaft. Haben Sie Ihr Atelier gesehen? Sind Sie zufrieden damit? Ich habe das Zimmer soeben gesehen, Mr. -Fairlie, und ich versichere Sie — Er unterbrach mich mitten im Satze, indem er die Augen schloß und eine seiner weißen Hände flehend in die Höhe hielt. Ich schwieg voll Erstaunen, und die krächzende Stimme beehrte mich mit folgender Erklärung: Ditte, entschuldigen Sie mich. Wer wäre es Ihnen wohl möglich, etwas leiser zu sprechen? Bei dem unseligen Zustande meiner Nerven ist jeder laute Ton eine unbeschreibliche Tortur für mich. Sie werden entern Kranken verzeihen? Ich sage Ihnen nur, was der beklagenswerte Zustand meiner Gesundheit mich allen Leuten zu sagen nötigt. Ihr Zimmer gefällt Ihnen also, Mr. Hartright? Ich konnte mir nichts Hübscheres oder Beuqemeres wünschen, entgegnete ich, indem ich meine Stimme bis zum Flüstern herabsenkte. Sehr erfreut. Sie werden Ihre Stellung hier gebührend anerkannt finden, Mr. Hartright. Es ist nichts von dem abscheulichen, barbarischen, englischen Vorurteile gegen die gesellschaftliche Stellung eines Künstlers in diesem Hause. Ich habe so viele Zeit meines früheren Lebens int Auslands zugebracht, daß ich in dieser Beziehung meine insularische Haut gänzlich abgeworfen habe. Ich wollte, ich konnte dasselbe von den vornehmen Ständen — abscheuliches Wort, aber ich muß wohl Gebrauch davon machen — unserer Nachbarschaft sagen. Aber sie find entsetzliche Goten und Vandalen in der Kunst, Mr. Hartright. Leute, versichere ich Sie, die vor Erstaunen große Augen gemacht haben würden, hätten sie Karl V. Titians Pinsel aufheben t>8tt — sehen. Wären Sie vielleicht so gütig, diese Schublade mit Münzen in den Schrank zurückzuschieben und mir die nächste zu reichen? Bei dem unseligen Zustande meiner Nerven ist mir auch die geringste Anstrengung im höchsten Grade. zuwider. Jawohl. Dank Ihnen. Als praktischer Komrnentar zu der liberalen, gesellschaftlichen Theorie, von der er mir soeben ein Beispiel angeführt, belustigte mich Mr. Fairlies kaltblütiges Ersuchen einigermaßen. Ich tat die eine Schulblade an ihren Platz zurück und jtib ihm die andere. Er begann sofort mit den Münzen' zu spielen, indem er sie während der ganzen Zeit, die er mit mir sprach, mit motten Blicken betrachtete und bewunderte. Tanke tausendmal und bitte um Verzeihung. Interessieren Sie sieh für Münzen? Ja? Sehr erfreut, daß wir außer unserer Liebe zur Kunst auch diesen Geschmack gemein haben. Jetzt, was unsere pekuniären Arrangements betrifft — bitte, sagen Sie mir — sind dieselben für Sie befriedigend? Vollkommen befriedigend, Mr. Fairlie. Sehr erfreut. Und — was sonst noch? Ah! ich entsinne mich. Ja wohl. In Bezug auf die Entschädigung, welche Sie so gütig fein wollen, für den Vorteil, den mir Ihre Talente in der Künst gewähren, anzunehmen, wird mein Intendant am Ende jeder Woche Ihre Wünsche entgegennehmen. Und — was sonst moch? Sonderbar, nicht wahr? Ich hatte noch viel mehr zu sagen, und es scheint, ich habe alles vergessen. Würden Sie vielleicht die Güte haben, zu klingeln? In jener Ecke. Ja wohl. Danke Ihnen. Ich klingelte; ein neuer Diener trat geräuschlos pin, ein Ausländer mit einem stereotypen Lächeln und schön gebürstetem Haar, jeder Zoll ein Kammerdiener. Louis, sagte Mr. Fairlie, ich habe heute morgen einige Memoranda in meine Notiztäfelchen eingetragen. Hole fie. Bitte tausendmal um Verzeihung, Mr. Hartright. Ich ftirchte, ich langweile Sie. Da er, ehe ich ihm noch antworten konnte, ermüdet die Augen schloß und er mich ohne allen Zweifel unbeschreiblich langweilte, so saß ich. stille und betrachtete mir die kostbaren Bilder an den Wanden. Unterdessen verließ der Kammerdiener das Zimmer und kehrte gleich darauf mit einem kleinen Buche von Elfenbeintäfelchen zurück. Mr. Fairlie ließ, nachdem er sich erst durch einen leisen Seufzer die Brust erleichtert, mit der einen Hand das Buch aufklappen. Ja. Ganz recht! sagte Mr. Fairle, die Täfelchen betragend. Louis, nimm jene Mappe herunter. Er deutete, indem er sprach, auf mehrere Mappen, welche auf einem Mahagonitischchen neben dem Fenster lagen. Nein, nicht die mit der grünen Rückseite — da habe ich meine Federzeichnungen von Rembrandt brüt, Mr. Hartright. Interessieren Sie sich für Federzeichnungen? Ja? Sehr erfreut, daß wir noch einen Geschmack gemein haben. Die Mappe mit der roten Rückseite, Louis. Lasse sie nicht 'fallen! Liegt sie sicher auf dem Stuhle? Denken Sie, daß sie sicher liegt auf dem Stuhle, Mr. Hartright? Ja? Sehr erfreut. Wollen Sie mich verbinden, indem Sie sich die Zeichnungen ansehen? Louis, geh hinaus. Was du für ein Esel bist! Siehst du nicht, daß ich die Täfelchen halte? Warum niminft du sie mir da nicht ab, ohne daß man es dir erst sagt? Bitte tausendmal um Verzeihung, Mr. Hartright; Bediente sind solche Esel, nicht wahr? Bitte, sagen Sie mir, wie Ihnen die Zeichnungen gefallen? Sie kamen in einem fürchterlichen Zustanide aus einer Auktion, -— es schien mir, wie ich fie das letztemal besah, als ob ihnen noch der Geruch abscheulicher Mäkler- und Trödlerfinger anhaftete. Können Sie sie wirklich in die Hand nehmen? Obgleich meine Nerven nicht zart genug waren, um den Geruch der blebejischen Finger, welcher Mr. Fairlies Nase so beleidigt hatte, wahrzunehmen, so war doch mein Geschmack hinlänglich gebildet, um mich! in den Stand zu etzen, den Wert der Zeichnungen anzuerkennen. Sie be- tanden größtenteils aus wirklich wertvollen Proben eng» ischer Wasserfarbenmalerei. Die Zeichnungen sollten sorgsam ausgespannt und aufgeklebt werden, entgegnete ich, und sind meiner Ansicht nach jvohl — Ja, ha haben Sie ganz recht, erwiderte er müde, das Wäre, glaube ich, alles. Wenn sonst noch etwas zu be-- sprechen wäre, habe ich's vergessen. Der.einzige Punkt, der uns noch zu besprechen übrig bleibt, Mr. Fairlie, sagte ich, betrifft, wenn ich nicht irre, den Unterricht, welchen ich zwei jungen Damen im Land- schaftsinalen erteilen soll. Ah! ganz recht, sagte Mr. Fairlie. Ich wollte, ich fühlte /uich lvohl genug, nm in diesen Teil des Arrangements cinzugehen — aber dem ist nicht so. Die Damen, die den Vorteil Ihrer freundlichen Dienste genießen sollen, Mr. Hartright, müssen für sich selbst entscheiden und bestimmen. Meine Nichte liebt Ihre bezaubernde Kunst. Sie versteht sie gerade hinlänglich, um sich, ihrer eigenen Mängel bewußt zu sein. Bitte, geben Sie sich Mühe mit ihr. Ja wohl. Ist sonst noch etwas da? Nein. Wir verstehen einander vollkommen — wie? Ich habe nicht das Recht, Sie noch länger von Ihrer schönen Beschäftigung abzuhalten— wie? Seh r angenehm, alles ungeordnet zu haben — solche Erleichterung, Geschäfte gemacht zu haben. Würde es Ihnen bar auf ankommen, Louis zu klingeln, damit er die Mappe auf Ihr Zimmer trägt? Ich werde fie selbst hintragen, Mr. Fairlie, wenn Sie es erlauben. Wirklich? Sind Sie kräftig genug dazu? Wie angenehm, so kräftig zu sein! Wissen Sie es gewiß, daß Sie sie nicht fallen lassen werden? Sehr erfreut, Sie in Limineridge zu haben, Mr. Hartright. Ich bin so leidend, daß ich kaum hoffen darf, viel von Ihrer Gesellschaft zu genießen. Leise mit den Vorhängen, bitte, das geringste Geräusch derselben geht wie ein Messer durch meine Nerven. Jawohl. Guten Morgen! Als sich die wassergrünen Vorhänge und die beiden beschlagenen Türen hinter mir geschlossen hatten, stand ich einen Augenblick in der kleinen runden Vorhalle stille und tat einen langen, tiefen Atemzug der Erleichterung. Es war, wie wenn man nach tiefem Untertauchen wieder an die Oberfläche des Wassers kommt. Sobald ich mich gemütlich in meinem eigenen hübschen Atelier für den Morgen niedergelassen hatte, legte ich mir ein Gelübde ab, nie mehr in die von Mr. Fairlie bewohnten Gemächer zurückzukehren außer in dem höchst unwahrscheinlichen Falle, daß er mich mit einer speziellen Einladung beehren würde. Die noch übrigen Stunden des Morgens vergingen mir angenehm genug in der Beschäftigung, die Zeichnungen zu besehen, auszulesen, ihre zerrissenen Kanten zu beschneiden und in anderen notwendigen Vorbereitungen^! ehe ich das Aufkleben beginnen konnte. (Fortsetzung folgt.) Zugendliebe. Von &an§ Schmidt-Kestner. Die beiden saßen in den alten, plüschüberzogene« Sesseln der „guten Stube", wo über dem Sofa nichts als die vielen Photographien hingen, wo am Fenster der runde Blumentisch' mit seinen matten Blumenpflanzen stand, wo der Schrank an der Wand und der Schreibtisch mit ihren formunsinnigen Aussätzen von einer Zeit redeten, die wohl anderes zu tun hatte, als sich um Tinge des Geschmacks zu kümmern. Die beiden paßten da eigentlich gar nicht hinein. Er trug einen modischen, eleganten Anzug, hatte den Schnurrbart kurz gestutzt, hatte gepflegte Hande mit blanken Fingernägeln. Sie war ein Dust von lichtem Weiß. In weichen Falten umfloß es ihre schlanke Gestalt. Eine rote Blume, eine lebende, trug fie im dunkelbraunen Haar. Jhsce Augen, waren groß und schön und blickten, als wüßten sie von manchen Dingen, die viele nicht wissen. Sie hatten St.il, —r alle bejjdo! Und so paßten sie wenig in ihre gleichgültig-farblose Umgebung!.. Paßten sie selbst zueinander? Ja und nein. Zwei junge, stattliche Menschen, — wohl gleichen Alters und eben darum auch wieder der Mann so anders als das Weib, so viel, viel jünger! Aber das wußten sie wohl beide nicht. Ihr Wesen war in allem gur: wir sind für einander geschaffen! „Ihre Fran Mntter ist nicht daheim, Lisa?" hatte er gesagt, als er kam, und seine Augen waren leuchtend gewesen. „Nein, Hanno, Mama wird sehr bedauern ---" hatte fie geantwortet und getan, als ob sie nicht lachen müßte. Zwölf Jahre gings nun schon so, daß sie sich bei den Vornamen nannten, aber das „Sie" bewahrten .und alle die anderen lächerlichen Formen wie eine nützliche Wehr zwischen verfrühter Erobererlust und hingebenden Wünschen. Zwölf Jahre kannten sie sich. Mit der Tanzstunde hatte es begonnen, mancher Brief war geschrieben, manche Blume gesandt, mancher Reim verfertigt. Ja, die Reime! In denen durfte man „Du" sagen, schon weil bann die Verses leichter flössen. Und doch war solch ein „Du" nicht bindend, nicht allzu schwer zu nehmen — O9t — „Es ist bei Ihnen noch genau wie früher, — fio traulich!" sagte er jetzt. „Ihre gute Mutter hütet Sie noch wie damals, wo wir uns oft darüber ärgerten?" Warum sagte er das? Bei seinen Worten war es ihr, alsf atmete sie peinlich den Geruch der alten Möbel und dächte mit Bitterkeit der Mutter, die er lobte. „Ja, wie damals! Es ist auch nur ein Zufall, daß Sie mich allein fanden", sagte sie und weiter: „Sie haben viel erlebt in den beiden letzten Jahren, seit wir uns nicht sahen? Sie haben mehr vom Leben gesehen als ich!" Es klang herbe, wie sic so sprach. „Tas liegt doch wohl in der Natur der Dinge, daß der Mann mehr herauskommt", erwiderte er und strich sich den kleinen Bart. Fast lag in. der Bewegung etwas Selbstgefälliges. Sie betrachtete ihn genau. Was wollte er von ihr? Konversation machen? Bei einem Wiedersehen nach Jahren? Kanin bedachte sie, was sie sprach: „Ja, es mag wohl fo sein müssen? nian ist eine alte Jungfer, ehe man vom Leben wußte!" „Alte Jungfer! Lächerlich!" Er blickte sie voll an. Wenn sie diese Augen sah, war sie immer froh gewesen. Nein, er hatte sich doch kaum verändert! Auch jetzt war's ihr, als mürbe cs Heller um sie. Er stand unvermittelt auf. „Ich bin nur aus zwei Tage hier, Lisa!" sagte er mit schwerem Ton üt der Stimme. „Ist also endlich deine Stunde gekommen?" dachte sie, und in ein atemraubendes Freudegefühl mischte sich doch wieder ein Zweifel: gehörte er ihr auch wirklich heute noch ganz, er, aus den sie nun lange Jahre wartete? ■— „Sie haben viel Dienst?" sagte sie als Antwort teilnahmsvoll. Wie schön sie ist und wie liebenswert — noch immer! dachte er und wußte nicht, was ihn hielt, daß er nicht jetzt gleich zu shr trat und sie ht seine Arme nahm. Warum war er denn gekommen, wenn er das nicht wollte? Satte er's nicht hundert und tausend Mal erwogen, daß es freilich junge, hübsche Dinger genug in der Welt gab, aber daß die Lisa doch besser und lieber war als alle anderen Frauen, daß ihn keine so glücklich machen mürbe wie sie. War's mieber nur — Korrektheit, was ihn hielt, oder was sonst? Er hätte es sich nicht sagen können. . ., In deut langen Schweigen zwischen ihnen erhob sie sich leise. Ihre Blicke hatten das Klavier getroffen. Das stand aufgeschlagen und Noten leuchteten pom Pult, — Gesangsnoten. „Sie singen noch immer Piel?" fragte er, froh über diese Worte, die ihm Zeit verschafften. „Ich habe neuerdings wieder Unterricht!" sagte sic, und er hörte nicht, daß ihre Stimme dunkel klang, weil etwas ihr die Kehle preßte. „Bei einer Sängerin?" fragte er wieder, kaum mit der Absicht, mehr als eine Unterhaltung zu machen. „Nein, es ist ein Herr, — ein Professor von der Hochschule, der sich meiner angenommen hat", kant ihre Avtwort, und sie sah in diesem Augenblick den vor sich, von dem sie sprach, — einen) Menschen, der sie heiß umwarb, der sie jeden Tag auf Knien bitten wollte, die Seine zu werden, den sie auch achtete und verehrte. Aber wartete siei nicht auf den, der jetzt nahe bei ihr stand, der jung war, leuchtend jung und schön, anders lvie der andere! mit den ersten grauen Fäden im Haupthaar. Und hatte sie nicht Rechte auf die Erfüllung tausend seliger Träume in zwölf Jahren, — Träume, auf denen der Schimmer fast kindlicher Sehnsucht ruhte und die darum so durch nichts aufzuloiegen waren? Ja, sie hatte ein Recht! Und als er nun ein gedehntes „So . . ?" hören ließ, sagte sie wie in Trotz: „Es ist ein berühmter Mann, Haimo, und ein wunderbarer Musiker!" „Wie heißt er?" stieß er hervor und trat ihr nahe. Er fühlte deutlich, daß hier etwas Feindliches war, — etwas Starkes. Tas reizte ihn. Tas litt er nicht! Dazu liebte er denn doch seme Lisa zu sehr, ■— feine alte, treue Jugendliebe! Wer wollte zwischen ihn und sie? — Jähe Eifersucht trieb ihm das Blut ins Angesicht. Er griff nach ihrer Hand. Sie sah ihn .fragend, wie gleichgültig an, aber in! ihr lächelte die Klugheit des Wetbcs. Und da, plötzlich, hatte er sie umschlungen. Seine Linke preßte ihrest Leib gegen den seinen, die Rechte tastete wild und scheu über ihre! braunen Flechten, seine Augen verbrannten ihr Gesicht. Ein wohliges Zittern überfiel sie. Ah, bas war er! Das war Ihr Held! Ihre Jugend. Nun nahm er sie! Nun kam das Glück! — Ihre Knie wankten. Er hielt sie, und jetzt, jetzt fühlte sie seine Lippen auf den ihren.... O warum hatten sie srch nie geküßt, warum nie in Armen gehalten, zwölf Jahre der Liebe, ■—■ zwölf lange, karge Jahre! 0 Leben, o Fugend! O wunderbare, heilige Gluten in Schmerzen und purpurnen Wonnen!--— Als nach Minuten ihre Augen sich zum ersten Male wieder klar sahen, führte er sie zu einem Sessel. „Nun bist du mein!" sagte er fest und laut. „Nun kann dich mir kein anderer nehmen!" Er ging int1 Zimmer auf und ab. Sie hörte seine Worte und hörte sie doch kaum' und dachte nur Eines: warum ist er nicht bei mir und denkt an nichts Wd küßt mich? Wer er stand am Fenster, — schaute hinunter, — hatte sich straff aufgerichtet, als wenn er Pläne machte. Pläne? — Zukunft? — In dieser Stunde? — „Hanno!" sagte sie leise. Zitternd kam der Ton zu ihm. Er drehte sich ihr zu, aber er blieb, wo er war, — wie gebannt. Auf ihren Gesichtszügen lag etwas, das ihm! neu war und doch auch wieder nicht ganz neu, — nein, heimlich gefürchtet, ■ eben noch, als er auf die Straße hiurbsah und kaum wußte, was er dachte. Tiefe Schatten umrandeten Lisas Augen. Ihr Mund war schlaff, ihre Wangen blaß. Etwas Wehes, Welkes vertiefte ihre Züge. Aber das machten ja mir die dunkelgrünen Fenstervor- hänge! Die warfen ihre grämlicheit Töne auf sie. Und doch, wie war sie früher anders gewesen. Herrgott, was hatten ihr allein die beiden letzten Jahre angetan! Langsamer als er wollte, kam er nun wieder näher. Ihm war, als.wenn er plötzlich müde würde. Unb doch kniete er vor thr nieder. Und doch sagte er wieder: „Nun bist, du mein!" und streichelte ihre Hand und dachte dabei nur eins: „Wie wird nun das Leben werden? Habe' ich das nicht alles bedacht, ehe ich heute hierher kam? Habe ich es nicht gewollt? Und warum schnürt mir etwas die Kehle zu, daß ich nicht ein zweites Mal tun kann, was ich so oft ersehnte? Warum küsse ich sie nicht wieder wie eben noch?" Und sie vor ihm wartete. Ein Weilchen jvar's ein seliges Harren. Aber nun, wie sie ihn nahe sah und das eigene, gemachte Lächeln um seine Lippen, da schoß ihr mit einem Male ent Plötze liches Erkennen auf, und sie lehnte sich weit zurück. Jetzt griffen! feine Hände nach ihr' und, als suchten sie, was doch schon verloren war. Jetzt wollten seine Lippen doch wieder zu den ihren! Aber sie bog sich weiter noch hintenjüber, starrte ihn wie in Angst und Entsetzen an und wußte klar die Fragen, die et sich stellte, und schmerzlich klar auch alle Antworten! Indes nahm ihm ihr Wehren, der Duft ihres Körpers, die weiche Berührung ihrer Arme, die ganze Nahe des Weibes endlich das verstandesmäßige Grübeln. In seinem Blick flammte dasselbe Feuer wie vordem. „Lisa!" hörte sie seine Stimme heiserl flüstern. Da kämpfte sie schwer einen einzigen Augenblick. Dann entglitt sie ihm und staub auf. Er sah nicht den todtraurigen Blick, der ihn traf. Lächelnd stand sie vor ihm. — Wie durfte sie nun so lächeln! „Hanno", sagte sic mit merkwürdiger Freundlichkeit, „laß/ laß sein! Tu irrst! Wir sind nicht mehr für einander . . . „ ' „Aber was ist . . . ?" „Nein, Haimo, sei still. Ich will nicht lügen: ich liebe dich sehr, — sehr. Aber ich bin nun doch zu alt geworden und du) zu jung geblieben — beim Warten. Tas Warten ist ein eigen! Ting. Das weiß ich jetzt. Es war schön, daß mir gleichen Alters sind, — früher! Heute nicht mehr!" Wieder wollte er sie unterbrechen und fühlte doch, daß er mit jedem Einwand lügen mußte. Aber sie ließ ihn nicht zu Worte kommen. „Tn hast noch so viel vor dir, Hanno", sagte sie, „DU solltest überhaupt noch warten, ehe bu dich bindest! Und wenn wir zwei uns heiraten, da wäre ich eine alte Frau, meint bu in, der frischesten Kraft ständest. Ich glaube, bu brauchst auch etwas ganz anderes als ich es bin, — jetzt. Es geht nicht, cs geht nicht an, Hanno. Ich gebe dich frei!" „Aber Lisa, wie kannst du so sprechen! Immer habe ich mich nach dir gesehnt! Keine Frau versteht mich wie bu, keine liebe ich wie dich! Und bann, — nach bem, was heute, — eben getoejen ist--" Sie seufzte tief, aber sie sah ihn glücklich an. „Was eben) gewesen ist? Unfer erster Kuß? Unser einziger Kuß? Ach, Hanno, wolltest bu ihn mir nicht gegeben haben?" Ta stürzte er auf sic zu. Wie schön sie nun wieder war, wie frauenhaft erhaben, wie gütig, wie herrlich! Wer wie sie ihn auch diesmal mit ausgestreckter Hand ablvchrte, wie war sie da so fern! — Was war cs nur, — was hatte sic so gewandelt? Unb warum zögerte er, ihren Widerstanb zu brechen? Warum hatte fein Allerinnerstes aufgeatmet, als er es hörte, das Wort: Ich gebe dich frei! „Geh', Hanno, geh', lass' mich allein! Alles Glück dir int Leben! Es kann dir nicht fehlen. Ich will fauch weiter an dich denken, aber du mußt frei fein. Ich will es so!" . . . Im Zintmer war es nun lange ganz still. Tic Sonne schien ins Fenster und spielte ,auf dem Muster des Teppichs. Kleine Stäubchen tanzten goldig in ihrem Lichte, und doch tpar alles so grau. Ihm war, als schwände etwas einmal Besessenes, Herrliches, Großes in unerreichbare Fernen. Sie lächelte ihn an und kämpfte gegen die Tränen. Und beide meinten doch, daß leder neue Händedruck, ja gar .ein zweiter Kuß sie fangen könnte in Schlittgeit und Banden, die .eilt langes Leben unerträglich machen mußten. ,, _ . , „Wie seltsam", sagte er mit leiser Stimme, „zwölf yafjre liebten wir uns, fugten es uns nicht und wußten es hoch. Hundertmal trieb es mich, dich zu küssen, ach wie oft! Und nun, int Augenblick, wo ich es tat, schickst bu Mach fort!" „Wie seltsam", buchte sie, „sind dte Männer, daß sie erwägen, und betrachten können, wo ihr Herz verbluten sollte! Unb doch! war es ihr ein Trost, weil — sie ihn so liebte „Geh'!" sagte sie wieder, „laß mich allem!" Fast hatte sie hinzugefügt: fei barmherzig! Aber noch hielt sie an sich. Ta ging er. „Du hast es so gewollt, Lisa!" sagte er und 588 wußte nicht, daß sM Trotz knabenhaft war und log. „An tot lag es nicht! Wenn du wüßtest, was du mir nimmst!" , „Laß mich wünschen, Hanno, daß es viel ist! Dann wirst Sit einmal desto reicher werden!" Tas verstand er nicht. „Sie ist in der Tat merkwürdig geworden!" dachte er und .empfand ihre Ueberlegenheit peinlich. „Und wie alt, — richtig alt sie vorhin aussah, — nach dem — Kuß!" In der Tür reichte sie ihm die Hand. „Hanno", sagte sie leise, „du sollst mir nichts gegeben haben. Nimm es wieder!" Und ehe er sich's versah, hatte sie seinen Kopf ergriffen, herabgezogen und seine Stirn geküßt. Gleich darauf stand er, fast von ihr gedräirgt draußen, und die Tür war geschlossen. Ter Kuß auf der Stirn brannte ihn. Er Ivar ihr gram um dessentwillen. Langsam stieg er die Treppen hinab. Dieses Mütterliche! Wo sie das nur .her hatte mit einem Male? Nein, sie mochte wahrlich recht haben: es war besser so! — —> Oben stand sie am Fenster. Tränenlos sah sie jhm nach. Wie gerade und aufrecht er dahinschritt, — wie leicht! Das Leben, die Jugend! Ihrer Jugend Held! — Da stöhnte sie tief auf und sank in den nächsten Stuhl. Nun weinte sie doch lange, lange. . , Tann schlug draußen hell und scharf die Glocke an. Lisa erhob sich. Sie trocknete die Tränen. Ten Klang kannte sie: da stand jetzt der andere vor der Tür, der gereifte Mann. Für den war sie die Jugend! Ter würde ihr die Stirne küssen! Das hieß die Stellung zum ganzen Leben ändern! Aber es war ja wohl auch richtiger so. Vielleicht brachte es gar ein Glück, — Wenn auch ein anderes. Sie wollte es nun doch versuchen. Sie preßte die Lippen aufeinander und ging, um zu öffnen .... vermischtes. * Patriotische Werbe rinnen. Bei aller Vaterlandsliebe haben die Engländer, insbesondere die Angehörigen der vornehmeren Klassen, wenig Neigung zur Erfüllung ihrer militärischen Pflichten, und die Armeebehörde hat ihre liebe Not, um die nötige Zahl von Freiwilligen zu ihren Sommer- und Herbst- Übungen zusammenzubringen. Die jungen Herren finden immer neue Gründe, um sich den Unbequemlichkeiten der Freiwilligeu- Uebuug zu entziehen. Wer die Töchter Albions mißbilligen diese Bequemlichkeit der modernen Feunesse dorse und schwingen sich nun zur Verteidigung der Rechte auf, die Mtengland an seiner Männlichen Fugend hat. Eine große Anzahl junger Damen der Gesellschaft hat geschworen, bei Festlichkeiten und Bällen keinem jungen Herrn einen Tanz zu gewähren, der nicht seine Militärpflichten getreulich erfüllt hat. Und dieser heroische Entschluß der Töchter Albions, so berichtet der „Eclair", hat bereits in den letzten Monaten seinen Zweck erfüllt. Oft konnte man im Ballsaal folgendes Gespräch hören: „Würden Sie mich mit einer Runde Boston auszeichnen. Gnädigste?" „Haben Sie Ihre Militärübung abgeleistet?" „Nein noch nicht . . ." „Dann tun Sie das und kommen dann wieder." Diese militärisch angehauchten Körbe haben bei den jungen Herren schnell ihre Wirkung getan, und um von der Freude des Tanzens nicht ausgeschlossen zu werden, eilen jetzt auch die jungen Aristokraten zur Kaserne und erfüllen ihre an und für sich keineswegs schweren Militärpflichten. * Di« amerikanische Damenwelt in Nöten. Ein tragisches Schicksal ist über die eleganten Damen Neuyorks herein- gebrochen, und zum erstenmal müssen auch sie die Ohnmacht des Dollars kennen lernen: wie tief sie auch ins Portemonnaie greifen, sie können in ganz Neuhork kein Kostüm Und keine Robe gemacht bekommen. Die Schneiderinnen ünd Nähmädchen in den großen Modeateliers der ameri- Hanischen Metropole sind in den Streik getreten, und natürlich gerade in diesem Augenblick, tvo man seine Wintertoiletten an- probieren muß, denn die Eröffnung der Gesellschaftssaison steht vor der Tür. Wer die schwer getroffenen Miliionärsgattinnen undj Dollarprinzessinnen sind nicht die einzigen Notleidenden. Im September pflegt ein Heer wohlhabender Damen aus dem Westen, Uns der „Provinz", nach Neuhork zu kommen, um hier für sich Und ihre Töchter Toilettenfrage für die Wintersaison zu lösen. Die gestellten Roben aber hängen vereinsamt an ihren Bügeln, in allen Schneider ateliers herrscht Grabesruhe, keine Hand führt Nadel oder Schere, und nur das Wehklagen und Jammern der Geschäftsinhaber unterbricht diese friedliche MüßiAeit. Sogar die sehr gut bezahlten ausländischen Zuschneiderinnen, die oft itausend Mark und mehr im Monat erhalten, haben sich dem Ausstand angeschlossen, da sie vielleicht nicht mit Unrecht Gewalttätigkeiten der schlecht bezahlten Näherinnen erwarten. Am schlimmsten aber sind die Schauspielerinnen daran, die zu ihren Neuen Rollen die notwendigm Kostüme nicht erhalten können: ihre Klagen wetteifern mit denen der Bräute, die in Ermangelung eines Brautkleides nicht vor den Mtar treten können. * Der Tabak als Kritiker. Folgende „beinahe wahre .Geschichte" erzählt ein Leser der Deutsch. Rundsch.: Doktors und Rechtsanwalts sind bei Amtsrichters zum Abendbrot geladen, an welchem außerdem noch einiges „junges Gemüse" teilnimmt. Nach Tisch ziehen! sich, wie so üblich, die Herren ins Rauchzimmer zurück, während die Damen im „Salon" thronend über dies! und das schwatzen. Auch über das Rauchen der Männer. „Mein Mann," erklärte Fran Rechtsanwalt, „ist nur Gelegenheitsraucher, und ich freue mich eigentlich immer, wenn er sich eine Zigarre anzündet, denn das ist bei ihm ein Zeichen, daß es ihm besonders gut geschmeckt hat. Nach einem .guten Essen möchte er^ wie er immer sagt, die Zigarre nicht missen." — „Das ist ja putzig!" lacht die bewegliche kleine Frau Doktor, ,,bei meinem Mann ist es gerade umgekehrt. Sie wissen ja: bevor er mir ange - und vertraut wurde, ist er von feiner Mutter und Schwester gräßlich verwöhnt worden und nörgelt nun immer am Essen hemm. Und ich koche doch wirklich nicht schlecht! Hat die Mahlzeit aber seinen hohen Beifall gefunden, so verkündet er mit Gönnerin jene: Verderben wir uns den Nachgeschmack nicht durch den Qualm des beizenden Tabaks! Ulkig, was?" — .In diesem Augenblick steckt der Rechtsanwalt den Kopf durch die Tür: „Einem braven Nichtraucher ist doch der Eintritt in diese heiligen Hallen gestattet, meine Damen? Ihr Gatte, Frau Doktor, qualntt freilich wie ein Schornstein!" — Arme Frau Amtsrichter! kf. Aus der Rechtssprechung der Vögel. Beovachtungen über Vogelgerichte teilt der „Gaulois" mit, der einen englischen Gelehrten dabei als Gewährsmann angibt. Der eine der mit» geteilten Fälle, bei dem die juristische Frage, um die es sich handelte, nicht zu erkennen ist, schildert ein Krähengericht. Der Beobachter hörte eines Tages ans einer Banmgruvpe heraus großen Lärm, den einige 50 Krähen verursachten. Die schienen über eine von ihnen zu beraten, die in der Mitte eines Kreiies saß und zunächst auf alle Anschuldigungen mit größter Unverfrorenheit Antwort gab. Nach einiger Zeit gab sie klein bei, antwortete überhaupt kaum noch und schien, indem sie sich neigte, um Gnade zu bitten. Trotzdem wurde sie sogleich hingerichtet, worauf die Krähen sich zerstreuten. Eine zweite Beobachtung bildet ein Storchengericht. Man hatte einer Störchin Hühnereier ins Nest gelegt. Als die Kücken ausschlüpften, bemerkte der männliche Storch sogleich, daß irgend etwas nicht in Ordnung sei. Er betrachtete die untergeschobenen Kinder, die er vermutlich auf eine Untreue seiner Frau zurücksührte, argwöhnisch und holte bann seine Freunde. Es bildete sich ein Storchengericht um das Nest herum, bei dem die Störchin verhört und schließlich zum Tode verurteilt wurde. Unmittelbar daraus wurde sie mit Schiiabelhieben getötet. Von solchen Vogelgerichten bei Krähen ist, soviel wir wissen, bisher nichts bekannt gewesen, während von Störchen zuweilen ähnliche Dinge berichtet worden sind. Aus der Bremer Gegend ist uns aus glaubwürdigen Quellen ein ähnliches Storchengericht bekannt geworden, bet dem auch eine Störchin, der man Gänse- Jer ins Nest gelegt hatte, ganz wie bei dem englischen Fall verhört und zum Tode verurteilt und gebracht mürbe. vüchertisch. — Häusliche Konditorei. 325 erprobte Rezepte zur Bereitung von Torten, Kuchen und Backwerk. Von L. von Proepper, neu bearbeitet von Marie Breithaupt. Verlag von Trowitzsch & Sohn in Frankfurt a. d. Oder. Tie Hausfrauen, die sich noch nicht an das Selbstbacken gewagt haben, sollten es nur einmal probieren. Es ist ja so leicht, nach der praktischen Anleitung des schon in 4. Auflage vorliegenden Rezeptbuches zu verfahren. Und schmeckt nicht Selbstgebackenes besonders gut, ist es nicht viel billiger? Bei größeren Mengen bedeutet das schon eine ziemliche Ersparnis. Jeder Geschmacksrichtung und jedem Geldbeutel — der Preis der einzelnen Gerichte ist angegeben — ist Rechnung getragen. Tie erprobten, leicht verständlichen Rezepte behandeln alle Arten von Kuchen und Torten, Schmalz- und Hefengebäck, kleineres Konfekt, Lebkuchen, überhaupt den ganzen Bedarf an festlicher und Alltagsbäckerei in reichhaltiger Vollständigkeit. — Allen Hausfrauen sei das praktischs und billige Büchlein empfohlen. Bilderrätsel. Auflösung in nächster! Nummer. Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummert Sieb, Uhr, Dürft Elba, Bojen, Magen, Alm, Weib, Mabel, jammer, Outet, Hunb, Auge, Webel, West, Eber, Sache; ©übermann, „Johannes". Redaktion: K. Neurath. — Rotationsbruck und Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©teinbrueferei, R. Lange, Gießen-