Donnerstag den 20.3uli ii: LL -ifl-tei__Li- vn^r^.f-fw.'.-yw'/ra Das nette Mädel. Moman von Fedor von Zobeltiß>s (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Traute steckte den Brief ivieder in das Kuvert. „Bringen Sie Rad, Bukett und Hutkarton dem Herrn zurück, der Ihnen die Sachen gegeben hat", sagte sie ruhig, „und bestellen Sie ihm meinen Dank." Der Dienstmann begriff anfänglich nicht recht und schaute Trante verwundert und blöde an. Diesen Augenblick benutzte Frau Auguste, Traute rasch in das Neben- Kimmer zu ziehen. „Wo ist das alles her?" fragte sie hastig. „Bon Eberstedt. Aber ein Geschenk, oas ich nicht an- Nehnren will." Die Mutter zuckte mit den Schultern. „Spiel doch Nicht die Hochmütige! Was ist denn dabei!? Behalte wenigstens den Hut. Er kostet sicher seine sechzig Mark." „'Ich möchte meine Hüte nicht der Gnade des Herrn Everstedt verdanken. Begreifst du nicht, daß diese ganze Sendung eine Frechheit ist?" „Du bist wirklich nicht klug. Traute. Es ist die Aufmerksamkeit eines liebenswürdigen jungen Mannes, dem seine Mittel auch eine gewisse Freigebigkeit erlauben. . . . Aber ich will dich nicht hindern, zu tun, was du für richtig hältst. Ueberlege bloß, daß du Herrn Everstedt durch die Rücksendung vor den Kopf stößest." Traute nickte. „Es soll mir recht sein." Sie ging wieder nach der Tür. Da hielt die Mutter sie noch einmal zurück: „Traute, sei vernünftig," bat sie. „Willst du nicht janders: gut — so nimm Rad und Hut nicht an. Mer die Rosen behalte." „Ich will nicht!" rief Traute heftig Und sprang aus dem Zimmer. Nebenan stand noch immer der Dienstmann, Has große Bukett in der Hand, zwischen Hutkarton.und Rad. „Wat schallt denn nu sin, Frull'n?" fragte er. Traute wiederholte ihren Auftrag, nahm ihr mageres kleines Portemonnaie zur Hand und gab dem Mann ein Fünfzigpfennigstück. Der aber wollte es nicht nehmen. «,Nee", sagte er, „danke, Frull'n — is all all'ns betolt. Retur ook all. Herr Everstedt het mi secht, ick schall 'm seggen, dat all'ns richtig afgeben is. De' ward abers Logen moken, wenn ick nu mit de ganze Backbeerens wedder änkumm'! Obers ick kann dat nu jo nich anders-moken — denn will ick man wedder gohn." Und er ging. Traute atmete auf. Die Mutter aber war tagsüber mürrisch und übel gelaunt. Nichts war ihr reckt. Am Nachmittag mußte Traute mit Helene, Pauline Uno Theachen auf dem Kanaldamm spazieren gehen. Das tat sie ungern, denn aus dem Damm waren um diese Zett nur Kindermädchen zu sehen. Helene schob das Wägelchen Theas, Traute ging, Pauline an der Hand, hinterher. Die Kinder schwatzten miteinander, indes Traute still blieb. Sie war blasser als sonst. Es zuckte und tanzte vielerlei durch ihren Kopf. Sie dachte an die nächste Zeit, und wie alles kommen würde. Das Kostüm für das Maifest würden die Eltern ihr schon schenken. Sie wollte es sich auch billig einrichten und als Allerleirauh gehen: in einer härenen Kutte, mit aufgelösten Locken, die sollten über ihre Schlittern fallen. Wer dann fehlte ihr noch so vielerlei.. Der Vater wurde immer sparsamer. Ihre Sommertotlette stand schon fest: ein Organdikletd mit einem Pompadour- Muster. Das war alles und war was Rechtes. Sie brauchte viel mehr. Ihre Wäsche war in schrecklicher Verfassung; sie hätte auch so gern ganz kleine, zierliche Taschentücher gehabt, aus Batist mit buntem Rande, tote Suse Appelmann sie immer trug. Und vor allem brauchte sie neue Schuhe: sie wollte ein paar gelbe.haben, und möglichst auch ein paar weiße aus Satinleder. Nun würde sie sehr traurig. Der Gedanke, was für ein armes Mädchen sie war, und daß sie doch alles ent» behren mußte, was sonst das Leben an heiteren Farben hat, stimmte sie ganz schwermütig. Sie fuhr mit der Hand über ihre Augen. Das sah Helene und war erstaunt. „Warum weinst du denn, Traute?" fragte sie. Da lachte Traute und antwortete: „Ich weine ja gar nicht, Dummchen. Mir ist bloß ein Sandkorn in das Auge gekommen — oder so etwas . . ." * Am nächsten Tage traf ein Telegramm aus Wörres- Hoop ein. Es kam von Mels Kruse und lautete: „Bitte Freitag vormittag pünktlich elf Uhr. Pastor Moebius ist bestellt, auch für Frühstück gesorgt." Nun kam bei den alten Köhlers noch einmal die Schick- lichkeitsfrage zur Erwägung. Schwägerin Klothilde hatte sich sehr energisch gegen dieses Modellsitzen ausgesvrochen, aber Friedrich dafür. Auch bei ihm verscheuchte die Anwesenheit des Pastors Moebius alle Bedenken. Da war gar nichts zu fürchten; außerdem: Niels Kruse war ein großer Künstler — es konnte immerhin als eine Ehre gelten, aus einem seiner Bilder verewigt zu werden. Da Traute kein Rad hatte, so mutzte sie mit der Dampfbahn nach Wörreshoop fahren. Sie hatte sich niedlrch gemacht: schon ganz sommerlich in ihrem Hellen Ptkee- ftetb und dem Blumenhut. _ x Auf der Heide war nichts mehr von der letzten Stutflut zu spüren. Stille Sommerglut lag über dem Grasmeer: ein weißliches Flimmern. Wörreshoop war selbst Statton der Dampfbahn, dte von hier aus bis cm das Meer führte, bis nach Sonderkroog. Traute schritt das Dorf hinab. Ein alter Bauer begegnete ihr, ein Mann mit tiefbraunem, zergerbtem Gesicht mch schwarzen Augen; dann eine hübsche junge Frau; dann ein barfüßiger Junge, der eine Gänseherde vor sich her- 446 a» j triev: alles Modelle, die man auf Ten Bildern der Wörres- Öer Maler wiederfinden konnte. Die Anwesen der Maler en sich zwischen die Bauerngehöfte; aber überall hatte man die Erhaltung des Bauernstils gewahrt, und selbst da, wo eine neue Dachung nötig geworden war, hatte man Ntroh von künstlich dunkler Farbe gewählt, das schwer UNd wuchtig, wie eine alte Pelzhaube, auf dem Gebälk ruhte. Aus den Schornsteinen ringelte hie und da eine Rauchwolke auf: eine dicke graugelbe, die sich seltsam wand, eine feine weiße, die erst senkrecht emporstieg und dann lichte Kreise bildete, ehe sie zerflatterte. Als Traute sich südwärts wandte, die Nußbaumreihe hinab, dem Hause Kruses zu, kam ihr Hans Eggers ent- oegen, der Tiermaler, mit einigen seiner Schüler. Sie führten einen Hammel am Strick mit sich, der jedenfalls en Plein air porträtiert werden sollte, sich aber ungemein Ungebärdig erwies, blökte Und bockte Und zu seiner zwangsweisen Abkonterfeiung sichtlich keine Lust verspürte. Die Szene war so komisch, daß auch Traute lachen mußte, und da zwei der jungen Herren sie kannten, so wurde sie umzingelt und befragt, was sie in dieser Herrgottsfrühe in Wörreshoop wolle. Als sie wahrheitsgenräß antwortete, daß sic aus dem Wege zu Niels Kruse fei, merkte sie wohl ein. allseitiges Erstaunen, aber es kam zu keinen weiteren Erklärungen, denn der Hammel riß. sich plötzlich los und raste davon, und her ganze Schwarm stürmte unter Gebrüll hinter ihm her. Im Garten Kruses, spazierte dieser mit Moebius »uf und ab. „Servus, Gnädigste," rief er Traute entgegen. „Die Pünktlichkeit selbst — das lobe ich' mit. 'Zur Belohnung bekommen Sie zum Frühstück die ersten frischen Radieschen. Eigenste Zucht. Ich habe soeben konstatiert, daß sich meine Lenzfrüchte eines üppigen Gedeihens erfreuen. . . ." Aber er hatte es eilig mit dem Beginn der Sitzung. Ein paar Minuten später faß Trante int Atelier, und Kruse probierte die Pose und die Lichtwirkung aus. Moebius hakle sich dazu gesetzt Und las in einem Buche. Die Vor-, ■Bereitungen währten lauge. Es dauerte geraume Zeit, ehe Kruse sein Modell in die rechte Stellung gebracht hatte. Nun versuchte er zu malen. Aber er war unruhig; irgend etwas störte ihn noch. Schließlich legte er den Pinsel fort. „So geht es nicht, Fräulein Köhler," sagte er. „Ich muß wenigstens den Ansatz des Halses sehen. Mir fehlt eine Linie." ... Er hatte eine Truhe geöffnet, ein massives, ans Eichenholz geschnitztes Schmuckstück, und kramte in ihr umher. Ein paar alte Stoffe, eine Friesenjacke, eine mottenzerfressene Kazabaikä warf er achtlos zu Boden. Schließlich nahm er ein kurzes silbernes Kettenhemdchen in die Hand, das er einmal bei einem Trödler in Padua gekauft hatte und das dermaleinst von dem Pagen einer Herzogin getragen worden war, ließ es durch die Finger gleiten, hielt es mit diskreter Bewegung an die Brust Trautes, als wolle er das Maß prüfen, und klingelte dann nach der Vierthälern. m „Zwölfmark," sagte er, „helfen Sie mal dem gnädigen Fräulein bei der Toilette. Sie brauchen bloß die verfluchte Taille anszuziehen Und dafür das Kettenkleid überzustreifen, Fräulein Traute — das genügt mir schon. Die Phantasie hilft weiter." Er hatte die Tür zum Nebenzimmer geöffnet, schob die Vierthälern voran und Trante hinterher. Willenlos hatte Traute das geschehen lassen. Als Uber die Vierthälern ohne weiteres die ersten Knöpfe ihrer Pikeetaille öffnete, kriegte sie doch Angst. Sic begann sich schämen. Sie warf einen musternden Blick auf das Kclkenhemdchen und einen zweiten in den Spiegel vor ihr. Die Vierthälern zog ihr bereits die Taille aus' Darunter trug Trante eine weiße, mit einem blaßblauen Bändchen geschlossene Untertaille, die den Hals und die Arme bloß ließ. Aber die Dekollctage war geringer als bei einem Bailkostüm, und als sie nun das kurze Kettenhemdchen über die Taille streifte, fand sie, daß sie keineswegs indezent aussah. Sie war auch froh, daß die Untertaille blendend sauber war. Der silberne Panzer darüber deckte zwar nicht ihren schlanken, weißen, fein modellierten Hals, aber er erhöhte doch wenigstens den Eindruck des „Angezogenseins". Er wirkte wie eine originelle Stickerei. Sie prüfte sich nochmals im Spiegel. Nein, es war wirklich nichts än ihr auszufetzen; in jedem Ballsaal sah man keckere Toiletten. Die Vierthälern nickte ihrem Kpiegelbilde zu und öffnete die Ateliertür. Traute trat ein, und im selben Angenblick zuckten ihre Hände unwillkürlich, und sie machte eine Bewegung, als wolle sie die Brust bedecken. Die Anwesenheit Moebius' genierte sie plötzlich. Moebius merkte ihre Verlegenheit. Er stand auf, und auch auf seinem Gesicht verdunkte sich ein wenig die Farbe. .Aber er behielt seine weltmännische Gelassenheit bei. „Sehr hübsch," sagte er. „Ich begreife Kruse. Zum Kopfe gehört notwendig der Halsansatz." „Ganz famos," rief Kruse. Er stellte Traute in die Sonne. „Donnerwetter, ist das ein feiner Ton! Schade, daß ich Mondlicht brauche. Es ist das Verfluchte, daß man sich immer behelfen mUß! Warum kann ich Sie nicht bei Mondlicht malen? Na ja — 'ich weiß' schon, es geht eben nicht. Moebius, sieh bloß die wundervolle Linie vom Kinn abwärts zum Halse! Ree — sieh nicht erst her —- setz dich lieber oder geh raus. Willst du nicht im Wohn-, zimmer warten? Dies Fräulein steht Unter meinem Schutz." Moebius lächelte. Es merkte keiner, daß etwas wie ein Schauer über seinen Rücken ging und ihn leicht erzittern ließ. (Fortsetzung folgt.) Vie Schlacht am Günsebach. Eiste Dorfjungengeschichte von G. Zitze r„ (Schluß.) Die Roten schienen sich wenig um den Kugelregen zu. Sümmern'., Sie entwickelten sich mit größter Kaltblütigkeit und strebten in, langen Sätzen dem Tale zu. Zum nicht unerheblichen Mißfallen des Manöverleiters, der, umgeben von seinem Gefolge, auf ein« samer Höhe thronte. sinmutig wandte er den Gaul. „So'ne Verrücktheit, s'ist einfach nicht zum glauben, na> denen wollen wir bei der Kritik nachher ordentlich den Schweine- Hund machen — Herr Leutnant, bitte!" Ein Paar kurze Worte, und schon sprengte der Adjutant über Stock und Stein davon, um im Auftrag S. Exzellenz an den! Führer der Roten die liebenswürdige Anfrage zu übermitteln? ob er denn übergeschnappt sei? Selbst in Laienkreisen war man über die merkwürdige Taktik des Generalmajors Kleinschmidt verwundert. Lieschen, das in den letzten Wochen ein gut Teil Manöberzuschaucrweistzeit aufgeschnappt hatte, zeigte sich geradezu entrüstet: „Wenn es Ernst wäre, bann hätten sie alleweil schon mehr Tote als Lebendige." Die Wirkung der Generalsbotschaft war nach Ankunft des Reiters bei denen da drüben sofort sichtbar. Der rote Feldherr ging von nun an schonender mit den ihm anvertranken Menschenleben um. Seine Soldaten krochen jetzt aus allen Vieren. „Töss — töff — tösf!" Philipp der Automobilist, meldete sich bei der diesseitiges Brigade zu Stelle. Es war ihm nach mancherlei Irrfahrten gelungen, einen Handkarren mit einem darauf befestigten .Jauchefäßchen aufzutreiben. Noch buchend vor Anstreuguug, er hatte den Kraftwagen bergan schieben müssen, erwartete er die Befehle des Brigadiers. „Ah gut, ausgezeichnet!" lobte ihn Karlernst erfreut, „imrr- lich großartig, wollen gleich mal Probefahrt nach der Wasser- kante unternehmen." Damit schwang er sich behend auf das Jäuchefäßchen. „Abfuhren", befahl er, „vierte Geschwindigkeit!" Philipp faß ebenfalls aus und drehte wie ein Wahnsinniger an der Kurbel., Vergebens, der Motor wollte nicht anspringen. Der Chauffeur legte fein. Gesicht in bedenkliche Falten. Ohne Zweifel, eine! Panne schlimmster Art. Der Generalmajor spielte den Ungnndigen: „Zum Douuer- wetter, Mensch, wirds bald?" „Gleich, gleich, Herr General." Philipp lag auf dem Rücken unter feiner Maschine, wo et umständlich mit dem Schraubenschlüssel hantierte. Er wollte den Becher seines Triumphes bis zum letzten Tropfen auskosten. Die Kameraden, wie auch das übrige Publikum, sollten sehen, was für ein Kerl er war. Endlich war das störrische Auto dank seiner außerordentlichen Fachkemitnis wieder felddienstfähig. „Los!" Philipp ergriff in Ermanglung eines Steuerrades die Deichsel, Worauf sich das Gefährt unter gütiger Mitwirkung einiger Musketiere in Bewegung setzte. Zuerst noch langsam', dann mit jeder Sekunde an Schnelligkeit gewinnend, sauste es den steilen Feldweg hinab, daß die Schärpe des Generalmajors nur so tut' Winde flog. Der tapfere Kriegsheld bekäm's jetzt mit der Angst zu tun, kalter Schweiß netzte seine Stirne. Verzweifelt klammerte er sich an ben Lenker fest und behinderte diesen dadurch an der Steuerung. — 447 Uni) so brach das Unheil herein. Zum Entsetzen von Freund tob Feind, welch letzterer den Motorwagen selbstredend unter heftiges Geschützfcuer genommen hatte. Das sich selbst überlassene Auto geriet mit einem Vorderrad in den Graben, voll- führtc noch einige meterhohe Sprünge und überschlug sich dann samt Führer, Generalmajor und Jauchefaß. Zum Glück lief der Unfall ohne besonderen Leibesschaden ab, Karlernst tonnte der Ordonnanz S. Exzellenz, die den Vorfall mit gespannter Aufmerksamkeit durch ihren Pseudoanastigmat beobachtet hatte, die beruhigende Versicherung mitgeben, daß zu ernstercreu Besorgnissen kein Anlaß vorliege. Aber lieber wollte 'er ein Dutzend lateinische Extemporale über sW ergehen lassen! als noch einmal solche Höllenfahrt. Der Kraftwagen freilch war felddicnstunfahig geworden, Karlernst mußte den Weitermasch zU Fuß antreten. Doch' kam er noch gerade rechtzeitig genug, um Zeuge zu fein, wie die blaue Flotte eine vernichtende Niederlage erlitt. Zur selben Stunde, als vom Kreuzberg her die ersten Schüsse sielen, war man auch hier aneinander geraten. Der Kampf drehte sich um den Besitz der von Norden her weit ins Meer Kineinragenden Landzunge, die einzige Stelle, die für einen Trnppeuübergang in Frage kam. Mit fürchterlicher Wucht stießen die Dreadnoughts" %Uf= sammen. Dank ihrer Stabilität hatte der Anprall keine nennenswerten Beschädigungen zur Folge. Ein so erbittertes Ringen Hub an, daß die empörten Wogen weithin aufspritzten, jeder suchte bem andern die Breitseite abzugewinnen. Doch die Gegner waren sich vollkommen ebenbürtig. Nur die völlige Erschöpfung vermochte sie dazu zu bewegen, den Kampf vorläufig rinzustellen und zwecks Munitionserneuerung schnaubend und Pustend die Kriegshäfen aufzusuchen. ^Da rauschte auch schon die „Wittelsbach" heran, in ihrem! Kielwasser mit langen Abständen die übrigen Schiffe, Die rote Flotte, in gleicher Formation aufmarschiert, mäßigte daraufhin im letzten Augenblick ihre Geschwindigkeit auf halbe Fahrt und! schwenkte links und rechts zu Kolonnen ein, so daß das gegnerische Flaggschiff, die Kriegslist nicht ahnend) mit Volldampf in die Sackgasse Hineinfuhr. Von beiden Seiten Unter ein wirkungsvolles Feuer genommen, wehrte es sich mit der Kraft der Verzweiflung, desgleichen auch „Bcowulf" und „Iltis", die schnell aufgekommen tob ebenfalls vertrauensselig in die Falle gegangen waren. Letzteren ersah sich der „Terrible" zuM Zweikampf aus. Zunächst versuchte er einen tückischen Rammstoß nach Steuer- chord des „Iltis", den dieser jedoch geschickt Parierte, um seinerseits dasselbe Manöver auszuführen. Hart streifte er schon den Bug des „Terrible", als sich sein Widersacher mit einer blitzschnellen Wendung herumwarf und den Angreifer, ihm wider alles Völkerrecht ein Bein stellend, der Länge .nach zum' Kentern brachte, worauf er sich über ihn hermachte Und ihn: zum Ueberfluß noch hös die Takellage bearbeitete. Bis auf die Haut durchnäßt,- -erhob sich der Ueberwundene, um sich einstweilen auf Trockendeck zu begeben. Auch den andern blauen Schiffen .ergings nicht besser. Die „Zähringen", auf die man die größten Hoffnungen gesetzt hatte, war, noch ehe sie recht in Aktion tteten konnte, auf eine Untiefe gestoßen, hatte sich den Fuß verstaucht und war zum Beidrehen gezwungen worden. Am heldenmütigsten hielt sich noch- der „Greif", der sich ganz allein mit drei feindlichen Kreuzern herumschlug und dem „Bouvet" eine solche Ohrfeige verabfolgte, daß er schlingernd und jamMernd das Weite suchte. Auf ihn warf sich jetzt auch noch- der wieder frei gewordene „Terrible". Ringsum teilte der „Greis" furchtbare Hiebe aus, entwehrte sich mit durchschlagendem Erfolg mittels wohlgezielter Fußtritte eines Torpedobootes, das einen unterseeischen Angriff verüben wollte und hatte bereits den „Merrimac" mit günstigem Untergriff gepackt, ohne jedoch im- Gedränge die vorteilhafte Si- Itimtioit ausnützen zu können. Wie die Kletten hingen die Feinde au ibin1, zerbeulten ihm den Panzer und' rissen ein klaffendes! Leck in seinen Hosenboden. Umsonst rief er das unschlüssig in der Nähe kreuzende Torpedoboot 8. 2 zu Hilfe, es war diesem des hohen Seegangs wegen nicht möglich, näherzukommen; vergebens schaute er auch nach „Meteor" aus, aber der hatte gerade genug Mit sich zu tun. Da setzte der hartnäckige „Iltis" mit allein seinen indizierten Pferdekräften zu einem Durchbruchsversuch ein. Das Wagnis gelang. Wütend nahm der fliehende Panzerkreuzer Nun seinen Kurs luvwärts, wo er auf die freibeit „Dreadnoughts" stieß, die sich schon wieder wie die Kesselflicker balgten. Er hatte auch die Genugtuung, dem roten den Garaus machen zu helfen, so! daß dieser, ein trauriges Wrack, winselnd uM Gnade flehte.. Aber was sollte das der blauen Partei noch nützen, da die übrigen Schiffe größtenteils kampfunfähig und auf der Flucht begriffen waren? Dagegen hatten sich die Feinde bereits wieder rangiert und! tu den Besitz der heiß umstrittenen Furt gesetzt. Der Tag war Wr die blaue Flotte verloren., i Karlernst, infolgedessen nunmehr ganz auf seine Landärmee! angewiesen, kletterte schleunigst wieder den Abhang empor, denn W roten Truppen, durch den glänzenden Sieg ihrer Seemacht! erm'utigt, strebten in Hellen Haufen dem! Gänsebach.zu. Es dauerte Nicht lange, so Waren ihfre Pioniere damit beschäftigt, eine Brücke «t schlagest, das BaWMter.ial Latte» sie einem, in der Wtze stehenden Leiterwagen entnommen. In überraschend kurzer Zeit war das schwierige Werk vollendet. Einen Vorstoß der Blauen, die Brücke zu zerstören, wiesen die vereinigten toten KriegsschiM mit allem Nachdruck zurück. Der Nebergang begann. Ohne Verzug schwärmten die ersten Roten unter persönlicher Führung ihres Generalmajors Kleinschmidt aus und hielten den Verteidiger so lange in Schach, bis die ganze Armee am diesseitigen Ufer war. Unter den ohrenzerreißenden Klängen ihrer Regimentsmusik schoben sich die Linien unaufhaltsam vor, obwohl sie mit einem Hagel von Geschossen, überschüttet wurden. Karlernst sah bald ein, daß seine Position auf die Tauer! unhaltbar fei. Doch ehe er den Rückzug auf die nächsthintera Bergknppe befahl, wollte er, um diesen zu decken, dem Feind seine Kavallerie-Abteilung entgegen werfen. In prachtvollem Schwung ritten die Schwadroiteii zur Attacke an, aber ihre Wucht zerschellte an dem zähen Widerstand der roten Infanterie Die Mehrzahl der tapferen Reiter geriet in schmähliche 'Gefangenschaft) wenige nur kehrten, schlimm zugerichtet, zum Ausgangspunkt zurück. Schon war der Nahkam'pf, Ang in A«g, in vollem Gange. Um jeden fußbreit Land wurde erbittert gerungen, gellendes Mampfgeschrei erfüllte die Luft und pflanzte sich bis in die sonittagsstillen Gassen des Dorfes fort. Befehle der Vorgesetzten, fanden keine Beachtung mehr, jeder - Mann handelte und focht auf eigene Faust, aber alle eins in dem Bestreben, entweder zu siegelt, oder zu sterben. Pardon wurde weder gegeben noch genommen. . , Karlernst steckte resigniert den Degen ent. Er kam sich ungeheuer tragisch vor. Welchen von den vielen Helden tu ähnlicher Lage, die ihm aus der Weltgeschichte bekannt waren, sollte er sich jetzt zum Vorbild nehmen? Er dachte an Leonidas an beit Ther- mvpilen. Nein, das war schon zu lange her. Außerdem war ihm der Mann unsympathisch, weil er wegen unzureichender! biographischer Kenntnis dieses Spartiatenhäuptliiigs in der Quarta einmal eine blanke „Bier" besehen hatte. Barns? Da müßte er sich also in fein Schwert stürzen, das wollte er aber schön bleiben lassen, zudem war das hölzerne Ding zu Selbstmordzwecken nicht recht geeignet. Vielleicht Wellington frei Waterloo? Jawohl, das war das Richtige. Freilich wars ihm nicht recht klar, mit wem er die belle alliance schließen sollte. Weit und breit keine hilfsbereiten Preußen zu sehen! , Er saiidte einen fragenden Blick zu dem noch immer mieiitluegt auf einsamer Höhe, tfrronenben Fritz. Allein der hohe Herr fand sich nicht bemüßigt, feinen Einfluß nach irgend einer Sette gelteH zu machen. Alles ging nach Wunsch und Berechnung. Absichtlich hatte er den Roten die besten Schiffe zugeteilt, damit der Heber? gang über beit Gänsebach nicht etwa vereitelt würde, wenn er auch an einen so überwältigenden Erfolg des Angreifers nicht geglaubt hatte. Dem Kleinschmidt, der sich als ein militäriscyes ©eilte ersten Ranges erwies, mußte er nachher bet der Kritik unbedingt eilt paar lobende Worte gönnen, ohne natürlich Karlernst zu nahe zu treten. Letzteres schon deshalb nicht, weil er den Klassen- frruber nach Dienst um 50 Pfennig anzupumpen gedachte. Seme Exzellenz waren immer in Geldnöten. . .. Indem der Herr General noch angestrengt über eine möglichst wirkungsvolle Kleidung zur Schlußkritik nachsann, gewährte er zu seinem maßlosen Erstauneii auf dem Schlachtfelde etwas, das ganz und gar nicht ins Programnr hineinpaßte. In den letzten Reihen des Siegers entftanb mit einem Male eine schier unerklärliche Verwirrung, wie Man sie etwa in einem aufgewühlten Ameisenhaufen beobachten kann. Und jetzt — der General traute seinen Augen kaum, — die ganze rote Armee schwenkte links ab zu einem Rückzug, der je länger je mehr zii panikartiger Flucht aus- artete. Und was das Tollste war, der tapfere Generalmajor! Kleinschmidt wurde ebenfalls mit fortgerissen! . . , Noch war Fritz sprachlos, als auch Karlernst mit 1 einen Leuten Reißaus nahm, nicht um den fliehenden Feind zu verfolgen, sondern in der angenscheinlichen Absicht, sich vor einem drohenden Unheil in Sicherheit zu bringen. Etwas Furchtbares mußte geschehen fein. Fritz, wert davon entfernt, vor einem unbekannten Feind das Feld zu räumen, nahm den Krimstecher zur Hand und suchte aufmerksam das Gelände ab. Des Rätsels Lösung war bald gefunden. Drüben vom Walde her kam in gewaltigen Sprüngen, drohend! den Krückenstock ,'chwingeiid, Hamijost der Feldhüter. Die, gestrige Abfuhr hatte ihn nicht schlecht gewurmt, und in der Absicht, bie! Buben heute auf frischer Tat eines Frevels zu überfuhren, war er unter heroischer Verzichtleistung auf sein allsoiintägliches Lolo- spielchen beizeiten auf der Lauer gewesen. Hinter einenr Busch verborgen, hatte er mit Ärgnsaugen den Verlauf der Schlacht verfolgt " Zwar war er nicht Soldat gewesen, aber das stand fest: wenn die Roten den Kreuzberg nehmen wollten, mußten sie unfehlbar des Bürgermeisters Kleeacker und- das Gewann nut den frisch bestellten Kornfeldern überschreiten, eine Ansicht, die von den Tatsachen glänzeiid gerechtfertigt wurde. Jetzt war der Augenblick der Vergeltung gekommen. Wie ein Blitz ans heiterem Himmel gedachte er unter die ruchlosen Misfe- täter zu fahren. Zu seinem Aerger aber hatte ihn der Feldgeiidarm viel zu früh entdeckt und Alarm geschlagen. Die sichere Beute schÜiMte ihm zu gitterletzt noch aus dem Netz, ohne da» er dem 448 einen ober anbercit der Nichtsnutze einen handgreiflichen Denkzettel hätte oufbreinten tötnten. Doch, hatte er genug gesehen/ die Alten sollten sich Wundern, wenn er tn den nächsten Tagen den Vack Strafmandate in die Häuser trug. Vergnügt die Hände reibend tn dem Gedanken, daß dann den Jungen die nötige Kriegsentschädigung auch nicht ausbleiben wurde, schritt, er abwärts, als sein Polizeiblick durch eilte neue Schand- tat D^PEckeuzer „Iltis" und „Ternble" hatten sich nach so heißen Kämpfen nicht wieder, tote ihre Kameraden, tn Landsoldaten verwandelt, sondern waren der See treu geblieben. Letzterer schon aus dem Grunde, weil er die noch immer pflichtgetreu ans ihrer Sandbank ausharrende Heulboje nicht länger im Stich lassen durfte. Eine Weile vertrieben sie sich die Zeit mit Fischen und Krebsen, da fiel ihr Blick auf einen in der Nähe stehenden Baum mit goldgelben Spätbirnen. Die waren dieses Fahr ausgezeichnet geraten. Wer Mills den Beiden verdenken, daß sie bei diesem verlockenden Bild ein den Kriegsschiffen sonst unbekanntes, mensch- liches Rühren empfanden und angesichts der verbotenen Frucht ein Schub- 'und Trutzbündnis schlossen? Ohne Säumen erkletterte der „Terrible", von seinem Genossen unterstützt, den Baum, woselbst er, seinem Namen alle Ehre machend, unter den Wlnter- birnen schrecklich hauste. Indes sammelte „Iltis" unten emsig ent, während die Heulboje ihren Appetit durch verlangendes Geschrei kmd tat. । ,, rn, „Ein Gewitter soll euch LaUsbichen verschmeißen — gehst du gleich vom Baum herunter, du Schlingel!" , Mit diesen Donnerw-orten störte jetzt der wie aus der Erde Kevausgewachsene Hannjost das leckere Mahl und suchte sich des -Iltis" zu bemächtigen. Im Nu warf dieser sämtliche Vorräte über Bord und gab Fersengeld. Hinter ihm drein der fluchende und wetternde Feldhüter. Doch bald gab er das Rennen als aussichts- Bauf, der Birnendieb war ihm im Laufen über. Jni Begriff, nach dem zweiten Missetäter umzuschauen, gewahrte Hannrost, diesen inzwischen die gerechte Strafe schon ereilt hatte. Die Mutter des „Terrible", durch das lange Ausbleiben ihres Töchterchens beunruhigt, war voll banger Ahnung hinaiis auf das Schlachtfeld geeilt und hatte schreckensbleich das Mariechen saus seiner gefährlichen Lage befreit. Dann aber nahm sie den tapferen Panzerkreuzer beim Kragen und versohlte ihm das „Heck" wich allen Regeln der Kunst. verrnkschte». * Von der Liebe und den Frauen. ZuM Fein- geistigsten, was je über die Kunst zu lieben geschrieben wurde, gehören die Gedanken über Liebe und Liebeswerben, mit denen Ntnon de Lenclos ihre bekannten Briefe gewürzt hat, und die eben um jener sentenzartigen Gedanken willen einen Ehrenplatz in der Weltliteratur behaupten. Es ist daher ein unbe- Meitbares Verdienst Adolf Saagers, diese Liebessenteuzen aus Ninons Briefen herausgelöst und zu einen! harmonischen Ganzen vereinigt zu haben, das uns den ganzen übrigen, heute kaum! snwch interessierenden Inhalt jener Briefe erspart. („Von der Liebe, den Frauen und der Galanterie." Aus Ninon de Lenelos' Briefen. Verlag von Robert Lutz in Stuttgart.) Ninon de Lenclos ist eine der großen Amoureusen des 17. Jahrhundert^' gewesen; sie war ausschweifend und doch eine anständige Frau (oder genauer ein anständiger Mensch). Ihre Liebesverhält-nifsg wechselte sie öfter als manche Hetäre, und doch hat sie weder von dieser noch von der gewöhnlichen Courtisane etwas an sich. Sie besaß vor allem einen sehr scharfen kritischen Verstand, der es ihr ermöglichte, tief im Herzen liebender Menschen Wahrheitest zu finden, die weniger scharf Beobachtenden entgehen müssen. And sie besaß den, bei ihr freilich selbstverständlichen Mut, diese! -Wahrheiten stets offen auszusprechen. So wird jeder das Buch Mit Genuß und Interesse lesen und manche Anregung daraus schöpfen: der wirkliche Feinschmecker vor allem wird gern wieder Und wieder zugreifen. Im folgenden geben wir einige kleinere! Proben aus dem Inhalt, die natürlich aus dem Zusammenhang gerissen, was in gewissem Sinne den feinen Gedanken beeinträch- tigt. Die Wünsche eines Liebhabers lassen sich im Grunde alle lauf Neugierde zurückführen. Die Neugierde ist die Sprungfeder des Herzens. — Die Liebe stirbt nie an Nahrungsmangel, wohl laber oft an Uebersättigung. — Das Herz ist wie die großen Fest- Ungen: sie zu erobern ist weniger schwierig, als sie int Besitz zu behalten. — Eine Frau überzeugt sich viel besser von enreti Liebe durch das, was sie errät, als durch das, was man ihr verrät. — Glaubet mir, daß wir euch nicht um euretwillen lieben. Wir suchen in der Liebe nur unsere eigene Glückseligkeit. — Gerade weil man euch liebt, gesteht man es euch nicht. — Im allgemeinen kommen Frauen viel öfter durch unvorsichtiges Auftreten als durch wirkliche Fehltritte zu Fall. — Es gibt nicht eine emzige Frau, die nicht lieber ein wenig brüskiert, denn allzu rücksichtsvoll behandelt würde. Tie Unbeholfenheit der Männer rettet mehr Herzen als die Tugend. — Wenn ich die Frauen mit belagerten Plätzen verglich, habe ich denn damit behauptet, es gebe keine Städte, die nie eingenommen worden sind? Gibt !wch Städte, die nie belagert wurden! — Die Liebe ist eine Verräterin, die uns gleich einer Katze kratzt, auch wenn wir nur mit ihr spielen wollten. — Die Passionen sind in unseren! Händen was die Gifte in der Apotheke; ein geschickter Chemiker verwandelt sie in wohltätige Heilmittel. — Das Bedürfnis nach Liebe ist ein Stück der weiblichen Natur selbst; die Tugendhafttg- keit gehört nur zur äußeren Ausstattung der Frau. — Je weniger Leidenschaft ihr an den Tag legt, desto Mehr Leidenschaft werdet ihr erwecken. — Zum Schluß sei noch erwähnt, daß das Buch auch äußerlich mit feinem Geschmack hergestellt wurde, gedruckt mit einer ganz reizenden Drugulinschrift — alles Mignon, tote Ninon es war. , _ . . ,. * Die Flieger. In der Hilfe schreibt der Dortmunder Pfarrer Lie. Traub: Sie flogen. Ich sah es zum msten Male. Es überwältigte mich. Wenn wieder einmal eine Sehnsucht des menschlichen Geschlechts in Erfüllung geht, ists ledesmal em, Augenblick, daß einem das Herz stille steht, um dann aufzuiubeln: Diese unerhörte Kühnheit des Unternehmens! Ein einfacher Sch — rundum gähnender Abgrund — und nun mit rasender Geschwindigkeit davonzueilen auf ein paar zarten Gestängen zwischen! Wolken und Winden hindurch — ich habe seit langem nichts mehr erlebt, was mich so mit rechtem Stolz erfüllt hätte. Wahrhaftig: wir Menschen fliegen! . . Manchem fommt diese meine Begeisterung überraschend. Er hat sich an das seltene Schauspiel schon gewöhnt. Er wundert sich, daß ich mich noch so wunderst kann. Aber ich bin froh, daß ichs noch vermag. Wir werden des Großen viel zu rasch satt. Einige Jahrtausende menschlicher Gedanken liegen in diesen mechanischen Schwingen: und, ich sollte das Herz nicht höher schwellen lassen, wenn mir solch mn Anblick qeschenkt wird? Wenn sie das erlebt hätten, feite Großen und Kleinen, die in Werkstatt und Kinderstube jahraus, fahrein dran dachten, ob es wohl noch gelingen würde. Nun ist es da! Ich grüße die Technik. Sie schafft. Das beschämt mich Denn einst^ weilen gehen die geistigen Bewegungen gar langsamen Schritt gerade dort, wo man vom Leben Predigten hält Sonntag find Sonntag. Da lebt man von den Gedaiikenprägungen der früheren Jahrhunderte und stürzt die Flieger, die neuen Flug wagen. Man scheut das Unternehmen und lebt von dem Alten. Man tollt nichts überstürzen und kommt dabei stets nur zurück. Einen Mann erschütterts und ein Volk, ergreif t§, wenn ihm so die geistige Vorwärtsbewegung abgemessen werden soll. Aber bittere Gedanken haben hier wenig recht. Nehmt, die Faust und zertrümmert, was morsch war. Ter Sämann sät den Samen. Wir wollen Säleute werden und frischen Samen säen, daß fungg Saat wachse und reife. Und wollen dabei nicht müde werden. . . Ich freute mich der Taufende, die an dem Fliegerplatz standen! und warteten und schallten. Insgeheim stieg nur die Frage iß mir auf, wie viele Hunderte mit gleicher Geduld und Ausdauer geistigen Kämpfen beiwohnen würden. Die Technik ist mchdÄ anderes als ein Kind des Geistes und kann ohne sittliche Kraft nicht dauern. So leiht doch euer Herz den Bewegungen, dch unserem Volk Geistesfreiheit und Freude zur Kraft schaffen wollen. Wer an der geistigen Erziehung der Völker arbeitet, tut ihnen den größten Dienst. Ohne sie zerstiebt, was man rasch gewann/ und stürzt, was man gebaut hatte. Wie die heutige Technik aus der Studierstube des Gelehrten ihre Kräfte holt, so sammelt sich ein Volk die letzten Kräfte allein aus geistiger Freiheit. * Etwas anderes. Richter: „Der Huber behauptet. Sie hätten ihn einen Ochsen genannt!" — Bauer: „Aber na, i hab bloß zu meine Ochse gesagt: ihr Huberbagage!" * R i ch t i g e D i a g no s e. Arzt (den Puls fühlend): „Huh hm, die ganze Krankheit scheint mir nichts weiter zu sein, als ein mächtiger Kater!" — Patient: „Ich weiß fa, Doktorchenr aber geben Sie dem Ding einen lateinischen Namen, ich mutz mich doch bei meinen Vorgesetzten ent) chuldigynt' VNderriMel. Auflösung in nächster Nummer Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer! Weiß. Schwarz. 1. 8 e 6 — d 8 Beliebig. '. D, T, L, 8, 8 + und Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,