Donnerstag den 20. April tIO T*®* MsrLSM MSWtj ziS4j| 4 MftWAlh bTJiqTÖ^^ K^M^W IoS W sie nicht angesehen. Doch eine Md. liGL« WM G ML »* hrr;eloide. Roman von Georg Freiherrn von Ompteda. Machdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und' als sollte das alles in Erfüllung gehen, erhielt ich am nächsten Morgen einen Brief, von Fran von Leristow diktiert, von Herzeloide geschrieben, einige kurze Zerlen nur, ein Abschied. Eine Schwester der Frau von Leristow war m Berlin plötzlich einem Schlaganfall erlegen, und die Damen hatten bereits mit dem Morgenzuge München verlassen. Ich war wie niedergedonnert. Was sollte ich tun? Mein erster Gedanke war, abzureisen. Wohin? Ihnen nach? In die Garnison zurück? Nein, das wäre gegen alle Grundsätze gewesen, denn ein Urlaub mußte ausgenutzt werden bis zum letzten Atemzuge. Aber sollte ich! in München bleiben? Nun noch — die paar Tage — nach dem Süden zu reisen, dazu war es zu spät. Ich blieb also, irrte durch die Straßen, die Sammlungen, die Bräus. Unwillkürlich kant mir überall die Erinnerung an Herzeloide. Hier hatten wir gesessen, dort waren wir gewesen, dies hatten wir zusammen besehen, jenes durcheilt, dte Stunden verbracht. Alles, was ich tat, war eigentlich imr noch Erinnerung. Mb lebte tu der Vergangenheit. Immer und überall dachte ich an Herzeloide. Da kam mir unwillkürlich die Frager liebte ich denn das Mädchen? Ich stand vor einem Rätsel. Ich behorchte mein Herz, ich befragte meine Gefühle. Aengstlich beobachtete ich mich. Wie war es sonst in meutern Herzen, dem ach so schwachen, aewesen? Hatte mich rticht sonst der Anblick eines Mädchens getroffen wie ein elektrischer Schlag? Wenn ich,auf einem Ball eine neue Erscheinung gesehen, war ich da nrcht gepackt gewesen: „die ist es!" ? - War ich nicht krank an der Herzeus- wunde herumgelaufen, bis etwa bei meinem Rittmeister dre Schwägerin zu Besuch gekommen, die mich binnen vierund- zwanzig Stundert geheilt hatte von mentet ersten Liebe? Unb darin kant ein Urlaubssonntag in Berlin. Ja, e» war Urlaub, und es war Sonntag! Ist das nicht schon vrel, um mit glücklichen Arigen zu sehen? _ Und auf deut Rennen tti Weste nd, ward ich nicht da eurer schlanken, blonden, jungen Dame vorgestellt, die ich vielleicht nie in meinem Leben Wiedersehen würde? — denn sie kehxte morgen mit ihren teilt nach Ostpreußen zurück. Mer war d'a nicht des Rittrneisters Hausbesuch vergessen? Verwundete mich rticht das Gutstöchterlein schwer? Tödlich? Trug ich nicht ihr BW tagelang im Herzen, bis ich eines Morgens aufwachte und, 0 Schrecken, stirchtbares Verhängnis, beim angestrengtesten Nachdenken mich nicht mehr erinnern konnte, ivar sie blond wie die Töchter des Nordens, oder schwarz gleich einer Sizilianerin gewesen? War das nicht grauenhaft? Hatte tch rrtcht unter meinem vom Exerzieren KMWebrMvten WMt LreKtL» Aber wir blieberl getrennt. Ich hatte Dienst, Dienst und Widder Dienst, und sie war mit der Mutter und den Töchtern ihrer verstorbenen Tante, die nun Waisen geworden, für den Wiitter nach dem Süden gegangen. Sie schrieb mir nicht. Darf das ein junges Mädchen!?. Kürzt, ich hörte nichts mehr von ihnen. Und nun kam das, was Menschenschwachheit und ischtck- sal, was Männerart ist: die Eindrücke verwischten sich. Ich dachte unter der .Berufszeit tagelang nicht au Herzeloide. Ich begann zu zweifeln, ob das, ioas ich damals tu München für sie empfunden, auch Leidenschaft gewesen sei, ob es nicht vielmehr nur Freundschaft, Katneradschaft bedeutet, Kameradschaft, das Wort klang mir in den Ohren. Da verblaßte Herzeloideits Bild in meinem armem wankelntütigen, schwachen Herzen. Es ivar beim Verfliegen der Monate, als läge die Münchener Zeit hinter nur gleich einer längst entschwundenen, abgetanen Begebenheit. Wie mit einer lieben, täglich aus dem Fach genommenen Photographie erging es mir mit dem Gedanken an daS Mädchen. Zuerst hält man solch Bild stundenlang in der Hand, tragt es in der Brusttasche bei sich, just über dem Herzen, dann hat man den ganzen Dag zu tun und kann es nicht heraus- nehmen, aber norm Schlafengehen betrachtet man beim Kerzenschein die lieben Züge. Eines Abends aber ist man müde zum Umsinken, und am nächsten Tage sagt man sich erschrocken: gestern hast du .....*""* “ "* Woche dMM hat wM dM - Müssen? So ivar die Liebe bisher in meinem armen, weichen Serzen gewesen, dessen Eindrücke wichen ivie bei einem ummiball der Druck des Fingers, wenn man die Hand. zurückzieht. — _ , Und Herzeloide? Ach, so anders ivar es gekommen! Mein Auge, mein Gedächtnis war an ihr vorübergeglitten. Sie hatte keinen Reiz noch! Schöne. Sie besaß teilte Figur, die auf sich die Micke zog, kein Gesicht, das zum Verweilen bannte. Nicht von denen war sie, die uns zwingen, stehen gilt bleiben und zu sagen: „Gott bist du schön!" Aber in mein Herz hatte sie sich geschlichen, heimlich, in den Jahren, und nun stand dort ihr Bild, als das einer Freundin und Kameradin, einer, der ich meine kleinen Leiden und Bedenken anvertrauen durfte, einer, die mich, in dieser Münchener Einsamkeit hatte empfinden lassen: du bist nicht allein auf dieser Erde. Da ward ich meiner Sache gewiß. Dieses Mädchen ivar die Rechte. Dieses Licht, ein freundliches, heimisches Licht, keine sengende Flamme, sollte meinen Lebenspsad mit einem milden Scheine erhellen. Und wie ich das gefunden und wußte, erschien mir mit einem Mal die vorher öde Stadt reizvoll, belebt, lustig, glückselig. Erinnerungen quälten mich nicht mehr, sondern mit leuchtenden Augen schritt ich die Wege und spracht, als wäre geweiht jede Stätte, die ihr Fuß betrat: t— Hier ging Herzeloide? — 246 —i nii wetffe, unb findet den Drost: ich denke ait sie. Man denkt, . Nran arbeitet, man vergißt. Lange, lange Zeit vergeht und ! man hat das Bild nicht betrachtet. ES bestürmen uns andere e§ uns einmal tot eher m bie Hand, uno Wtr entoeaen, | daß die einst so überscharfe Photographie verblaßt, gilbluh geworden ist. Einzelne Teile sind schon ganz entschwunden Aer gewissenlose Photograph hatte die Salze mcht genügend ausgewaschen: das Bild fällt der Zerstörung anfjemt. Noch ein Kopfschütteln, ein trauriger Blick, und dre Photographie wird beiseite getan. — Der Staub der Jahre legt sich darauf Nie wieder kommt das Bild ans Tageslicht. Drinnen aber im. Kasten arbeitet an den einst geliebten Zugen unerbittlich dre Zert, frißt und nimmt, gilbt und bleicht. Wenn wir dann erne^ Tages räumen, altes Gerümpel fortwerfen dre Facher leeren, damit einmal Ordnung werde und für Neues platz, fällt uns ein.Pappkärtchen in die Händlern wenig abgegriffen, etwas verstaubt, eine Photographie, von, der, wrr nicht einmal mehr wissen, wie sie zu uns kam. Dre Firma des Verfertigers ragt aus den anderen Papieren hervor. Mit einem Einschläge des Gedächtnrsses wissen wrr es. Es ist nur eine dunkle, unbestimmte Erinnerung an das menschliche Wesen, das einst unsere ganze Seele ausgefnllt, das uns heute nur noch dumpf bewußt rst. Den Namen wissen wir. Mühsam erinnern wir uns des Menschen. Einzelheiten kommen wieder. Es beginnt neu zu leben, vor uns zu stehen. Nur eines wird uns nicht wieder klar bewußt: dre $U3®aS Bild wird uns helfen. Wir greisen darnach. Wir riehen es hervor: ein unkennbares Blatt gähnt uns an. Nichts, fast nichts mehr steht darauf. Dre Jahre, dre Salze ßabefii gefressen, die Linien verloscht, dre Augen erblinden gemacht, den Kopf, den Körper, den Menschen,, alles, alles vernichtet. Es blieb nichts übrig als ein bemühe leeres glückliche Häuslichkeit, so quälte es mich: tvarum kanUs? du das nicht ebenso haben wie der andere? Ich begann, mich in den Gesellschaften auf den Ballen überflüssig zu fühlen. Der Gedanke lastete auf mir, daß ich hier im Kotillon mit dem jüngsten Fähnrich eine Kette bilden mußte, herumspringen, kriechen, mich bewerfen,, behängen lassend, oder was dieser Jndianertanz alles an einen vernünftigen Menschen für Anforderungen stellte Wenn ein blutjunges, törichtes Ding mich bei einer gewissen ~ou.r mit Schellengeläute als Gaul eingespannt, peitscheschwingend durch den Wallsaal trieb, kam ich mir vor wie die Pitt- meister gewordene Mbernheit, der doppeltbesternte wandelnde Blödsinn. Da zog ich mich allmählich immer -mehr zuruck aus dem Treiben. In den Gesellschaften hatte ich noch meine alten Freuiidinnen, die einst mit mir begonnen hatten, a zugehen. Die jungen Mädchen fingen an mir l^emd z werden. Mit den Damen meiner Zeit uno ersten Jugend, die ich in Berlin, wo ich jetzt stand, wieoer, getroffen hatte, die fast alle, längst verheiratet waren, mit denen saß ich und sprach ich. Aber die guten Freundinnen segneten mir nicht mein Haus, belebten nicht meine oben Zimmer, sie hatten einen freundlichen Händedruck für mich, sie sprachen von alten Zeiten, sie, wie ihre Männer, umgaben mich mit Güte und Freundschaft — aber wenn ich heimkehrte, wenn dir Tür meiner Behausung sich hinter mir schloß, — war j lä)1 "und'ich dachte nicht an eine, bereit Wesen jahrelang in meinem Herzen gewachsen war, in meinem Einsts schwachen Herzen, das heute so still geworden. Ichdachte nicht an sie, denn ihr Bild war verblaßt und vergilbt und verblichen. Der es mir einst vovgezaubert, der große, der aewijsenlose Photograph Liebe, hatte es nicht gereinigt, ausgewaschen lange genug von allen den Nebensonnen die mit malen geholfen, den Blonden und Schwarzen, die einst | in meinem armen Herzen mitgeleuchtet , Das Bild war fort. Ganz fort. Nicyt cm Zug, keine I Spur war zurückgeblieben von Herzeloide. Eines Winters hatte ich mich entschlossen, einen längeren Urlaub zu nehmen. Ich reichte zwei Monate em und daaste dabei: werden sie mir nicht bewilligt, so nehmeich'.ncinen Abschied Ich erhielt den Urlaub, und tm Rock des Bu<.g-.rs, . Äst wie in jungen Jahren, wo keine Wurst zu teuer war, vom erstklassigen Schneider, aber immerhin von einem tüchtigen Meister entworfen (auch bann wird man anders) fU%tn> München bhielt ich mich nicht auf Es ging gleich weiter an die Riviera. Die großen, bekannten ölte, an betten ich schon geweilt, Nervi, ©an Remo, Bordigheia, Mentone,' Monte Carlo, Nizza, sie alle lockten mich nicht. Ein Reserveoffizier von uns, etn reicher, unabhängiger Mann, der Altertumsstudien trieb und jeden Winter, wenn er ein Buch schrieb, nach dem ©üben ging, hatte mw em Hotel an einem fast nie genannten Punkte empfoh-eit. ® ort fände ich tadellose Verpflegung, anständige Gesellschaft, keinen Zwang, Einsamkeit und doch Menschen, im übrigen aber mindestens die gleiche Schönheit von Land, Vegetation, Luft und Meer wie an den berühmten Orten. Mein Gewährsmann behauptete sogar, all das wäre noch reicher und köstlicher in Pernese. , „ _v Grand Hotel Pernese, so hieß mein Zufluchtsort. An einem herrlichen Tage kam ich an. In Berlin war Schneetreiben gewesen, ein durch alle Umhüllungen dringender Nordost fegte die Straßen hinab, graue Nebel hatten schon seit Wochen die Sonne verborgen gehalten. Hier aber Windstille, dunkelblauer Himmel, keine Wolke zu erblicken und in der Sonne fünfunddreißig Grad Celsius. Dazu die ganze Pracht der Riviera zu ihrer günstigsten Stunde. Das Meer, unbewegt, lag tote ein blauer Spiegel vor dem Hotel, i das dicht am Strande auf einem Kap thronte, rings von Oelbäumen umgeben. , Unter meinem Fenster lief in kleinen, sich regelmäßig immer in gleicher Breite an gleicher Stelle brechenden Wellen die Flut an. Gerade dort war bie See tief, fo daß sie fast schwarz heraufschimmerte, in weitem Umfange von Schaum- I kreisen umgeben, nach der Mitte immer kleiner werdend | wie die Ringe einer Scheibe. Sie schaukeilten hin und her, I doch sie schienen immer in derselben rund gezackten Gestair I wiederzukehren. Darüber, hart am Ufer, ein dusterer I Schatten gegen den Himm-el, stand eine einzelne Zypresse. | Das ganze Kap gehörte zum Hotel. Ein Zaun WoS Matt....... ...... Jahre gingen hin. Ich sah Herzeloide nicht wieder. ! Ihr Bild verblaßte, die Zeit,fraß es auf. Es verging und entschwand meinem Gedächtnis. Ich horte den Namen nicht ! wieder. Ich erfuhr nichts von den beiueit, von Mutter und | Tochter. Ich ward in ein anderes Regiment versetzt, wo kein Mensch den Namen Leristow kannte. Mit den Zähren ward ich auch ruhiger und farbloser. Begeisterung, Schwung und junge Liebe lagen hinter mir. Die Leutnantszeit war I vorüber, ich hatte meine Schwadron und mußte in eigener | Verantwortung arbeiten. I Und mein Herz, das arme schwache Herz? Ach, es ward ruhig, es pochte nur noch selten, es schwang sich nicht mehr auf zu den Höhen, wo bet Siebe Sonnenschein brenn ein» ; Muht gleich der Mitternachtssonne Tag und Nacht- Die Jahre kühlen, Arbeit dämpft. Wenn, eine neue Madchen- oder Fr au en gestalt in den Kreis meiner Augen trat, da ! leuchteten wohl diese Lichter noch hell auf, in denen emft bet I tote Brand gesessen, aber mehr Worte sand ich- Nicht als zu sagen: „Schöne Erscheinung!" Ich begann, gewitzigt durch Gewohnheit und den Kamps des Lebens, zu fühlen: das Glück dieser Erde liegt ander-- wärts als in ein paar dunklen Augen und einem roten Mund. Es ruht in den Tiefen der Seele; ob zwei Menschen I zusammenpassen nach Ueberzeugung und Denken, nach Lebensgewohnheit und Sitte und Familie. -Schönheit ist ein gar vergänglich Gut. Schönheit, bie aus ewige Zeiten uns binbet, muß aus dem Herzen strahlen, über das so aber so geformte Gesicht. Sie wird mit Sympathie unregelmäßige Züge ebnen, sie wird durch Güte harte Simen weich, sie kann ein armes Antlitz so reich machen, daß. es »ms täglich durch Neues überrascht. Aber wo fände ein Mann das, was er durch Erfahrung festgestellt hat, die graue Satzung, die blasse Ueberlegung im Leben wieder^ Mensch geworden, eine Gestalt von Fleisch inib Blut? Da gab es Stunden, in denen mich! Unbeweibten die Sehnsucht umfing, für ein liebes Wesen sorgen zu dürfen, eine Frau zu besitzen, der ich mitteilen könnte, was mich anging. Wenn ich nach dem Dienst abends zu Hause faß, den» ich machte mir nichts aus dem Wirtshaus, dann be- Hxückte wich hie Einsamkeit. Sich ich im Regiment eine — 247 Wollte. (Fortsetzung folgt.) Ein englisches Urteil über -en Uaiser. In London ist soeben ein umfassendes Werk über die Lohens zollern erschienen, das von Brayley y o d g etts verfaßt U und den englischen Lesern ein lebendiges Bild von den Charakter-i eigentütnlichkeiten der Hohenzollern und von den rn dem Go- schlechte roaltertoen historischen Ueberüeferungen vermitteln wul. Der Verfasser, der einen großen Teil seiner Kindheit « Deutschland zugebracht hat und auch im Lause seiner spateren Laufbahn wieder nach Berlin zurückgekehrt ist, zeigt m seinem Werke em• zur freundlichen Objektivität, das gerade in diesen, Tagen »uw kommen geheißen werden mutz. Ks Landzunge gegen Unberufene nB, und da dieser natürliche Park groß war und überall Bänke standen, verteilten sich mich die Gäste des Hotels, und man ward nicht viel von anderen Menschen gestört, wenn man allem bleiben bads. Und ging mA ihr z« ihrem Haus«. Dori erzählte MandanW ihm ein Langes und Breites über ihre Jugend, versicherte, fte ei um vieles besser als ihre Mitschwestern und wollte sich noch weiter über ihre Tugenden verbreiten — als sie plötzlich in Turirrs Armen den Geist aufgab. Der Kaufmann ließ den Leichnam langsam auf die Erde sinken und verließ nachdenklich das Hau^ Bei einer Kreuzung der Straße wurde ihm der Weg durch eine Reihe von Wagen versperrt und Turiri fing schon an, ungeduldig zu werben, als, wie durch Zaubermacht, die Wagenlenrsr! von den Böcken herab, die Pferde mit zerschnittenen Fesseln zu! Boden fielen, als hätte eine Sichel sie gemäht. Verwirrt, geängstigt begab er sich ins Theater und fing dort teilte Diskussion mit dem Literaten Carvilaka an,,der irgendeinen Vers dem Nisani zuschreiben wollte, den Turiri erst Nrrzlich tu den Werken des Saudi, des Dichters der Rosen, gelesen hattL, Wie entsetzt war aber der tugendhafte Kaufmann, als Carvilakaj mitten in der Diskussion umfiel und Ströme Blutes ausspie. Tas Lustspiel des Abends hatte viel Erfolg und erntete mw geheure Anerkennung; auch Turiri wollte gerade seinem Kollegen und Rivalen Beifall klatschen, als man ihm die Nachricht brachte, der Autor habe soeben seine Seele ausgehaucht. Völlig vernichtet ging der Kaufmann nach Hause. Er sah sich Tod und Verderben bringen, wohin er kam; er hielt sich für ein Ungeheuer und stieß sich ohne Zögern den scharfen Dolch ms, '^Ju derselben Nacht starb auch der Asket Maitreya. Die beiden Seelen erschienen gleichzeitig vor Ormuzd' Richte«- ^°Ter Asket dachte schadenfroh: „Nun wich der scheinheilige! Turiri wohl genügend entlarvt sein. Wurde doch seine erlogene Tugend von den Persern fast meinen eigenen Verdiensten gleich, geachtet! Welch ein Ungeheuer! An einem einzigen Tage galten seine ersten Regungen sechsfachem Morde!" Ormuzd aber lächelte Turiri mild entgegen: „Tugendhafter Diener!" sagte er. „Wahrhaft edler ünh treuer Mensch! Ziehe ein in den Frieden memes Pavadiesesl „Ein guter Scherz ist dies!" murmelte der Asket höhnisch, ,Hch spreche im Ernste!" rief Ormuzd sttenge^ „Du, ^.urirr, hast deiner Frau den Tod gewünscht, weil sie zänkisch, häßlich und alt war; den Bettlern, weil sie dich belästigten; dm Kurtisane, ihrer Dummheit und Heuchelei halber. Du hast die Kutscher und Pferde verflucht, die dich aufhielten;_ ebenso den Literaten Carvilaka, der dir widersprach; den erfolgreichen Autor, ,der mehr Triumphe erntete als du selbst. All drei- ist menschlich. Die Morde, die Maitreya auf dein Gewissen werfen will, waren, dir Unbewußt, die Folgen deiner ersten Regungen. Heber diese hat der Mensch keine Gewalt. Er haßt, was >rch ihm rn den Weg stellt, er wünscht die Vernichtung des Gehaßten. Die Natur elbst ist die größte Egoistin. Bernickftung aber ist nur m rataö , Wort für Egoismus. Dre erste . Regimg des tugendhaftestm Menschen ist häufig häßlich und ivild. Würde allen Sterblnym die unheilvolle Gabe verliehen, die ich dir für «mn einzig^ Tag gab, oh, Turiri — die Welt wäre bald entvölkert. D» zweite Regung aber ist frei, sie hängt allem vom Willen, vom Charakter der einzelnen ab. Und all deine folgenden Enrpstn- dungen, mein Sohn, waren gut, waren hochherzig, waren edel. Das wollte ich, der Gott, den Sterblichen beweisen, und nur deshalb allein bewilligte ich die Bitte des falschen Mmreya. Dir Turiri, rechne ich nur demen, auf alles Schone, ®nte und Edle gerichteten Willen an, und das heiße Bemühen, die eigene ©eele und die deiner Mitbrüder der göttlichen Vollkommenheit näher zu bringen. Darum össne ich dir die Psorten meines Paradieses. seltsam!" rief Maitreya. „Dann komme ich Kr meine Verdienste gewiß. . ." H auch in das Paradies, wiewohl nur aus Gnade^f antwortete Ormuzd gütig. „Du galtest als Heiliger und wacht doch weniger als ein Mensch. Nur dem Stolz war menschlich, allzu menschlich. Zwar hast du die sündigen ersten Regungeni -m bekämpfen gewußt. Lebte aber jeder, wie du es tatest, — die Welt stürbe noch ftüher aus. Nun gefällt^es mm aber, daß die Menschen leben, denn noch bin ich starker m ihnen Pls Ahriman Selbst dein Streben, törichter Asket, war nicht ohne Größe und so verzeihe idj dem Kurzsichtigen gnädig, daß er sich im Mittel vergriff. Ich nehme Turm an mein Herz, weil ich gerecht; ich nehme dich auf, weil ich voll Gnade bm. Sa will es Ormuzd, der Gott." Die erste Regung. Mi« Legende von Jules Lemaktre. Aut. Uebersetzung aus dem Französischen von G. Katz. Turiri war ein reicher Kaufmann aus Bagdad und> stä^ ges tugendhaften Lebens wegen wert und breit n hohem Am n. Er schränkte nicht nur serne Ausgaben eut, um dm Armen en und reichlicher Almosen geben zu können, sondern horte auch die endlosen Klagen, die mannigfaltigen Wünsche der Leidenden mit unendMer Geduld an; er tröstete die ^zufriedenen Und schlichtete Streitigkeiten. Was er selbst an Leid nd Mißgeschick erfuhr, trug er mit Ruhe. Er war tolerant und hörte auch die von seiner eigenen abweichenden Meinungen an; und das ist vielleicht die seltenste, ime auch die schwebte aller Tuaendeii. Denn so ist der Mensch beschaffen, er strebt unermüdlich dahin, seine Brüder sich selbst ähnlichen, doch untergeordneten Geistes zu Machern ., . h Turrris Frau war zanklsm; dennoch blickb er ihr treu, ver- MH ihr großmütig ihre unaufhörliche Streitsucht und ließ sie auch niemals ihr Alter und ihre Hvölichkett suhlen. , Trotzdem der junge Kaufmann selbst sehr hübsche Verse schrieb Und dialogisierte Fabeln sür das Theater zu, verfassen verstand, freute er sich dennoch aufrichtig über reden Erfolg seiner^Rivalen, gratulierte ihnen herzlich zu jebem Triumphe und ^lstete ihnen Vorschub, wo er nur immer konnte. Sein ganzes Leben war vollständig dem Mitgefühl, der Uneigennützigkeit, der Sanftmut geweiht, und so galt er dem Volke als Heiliger den höheren Ständen als einer der vollkommensten und edelsten Menschen. Merkwürdigerweise fehlte ihm aber jene glückliche Heiterkeit, wie sie den Gesichtern heiliger Mann« eigen zu sein Pflegt Seine Züge ivareii oftmals verzerrt, rote dre eines, von bösen Leidenschaften gequälten Menschen; mancymch scknm m mich wie von heimlichen Schrecken geplagt, und vor ledem beoeutung-vollen Entschlüsse senkte Turiri schnell die Augen: wxtä.wa ungestörter uackKudeuken, sei es, um eben diese Gedanken besser zu verbergen. Doch wurde dies von niemandem aus seiner Umgebung bemerct. Unweit von Bagdad lebte der Asket Maitreya, ein anerkannter Wundertäter, zu dem die Frommen von Nah und Fern pilgerten. Maitreya batte sich über alle Gesetze der Natur zu stellen gewußt, schon seit Jahren verharrte er in einem solchen Zustand der Bewegungslosigkeit und Erstarrung, daß die, Schvalben ihre Nestm furchtlos auf seine Schultern bauten. Sem Sart hmg fast bio auf seine Knie herab, und sein Körper glich bereits einem knorrigen Stamme So lebte er seit achtzig Jahren, denn er hielt diese Art der Beschaulichkeit für die ersprießlichste. Eines Tages hörte Maitreya einen Pilger sagen. „Turiri ist so gütig, daß er uns allen wie die Veriorperung Ves Ormuzd erscheint. Oh, wäre doch dieser Heilige al.mach.ig. Alles menschliche Leid hätte dann ein Endest Die Unbeweglichkeit des Maitreya roitrbe zur Starrheit, offenbar setzte er sich in unmittelbare Verbindung mit ber allmächtigen Gottheit. Nach einer langen Pause wandte er sich ^Jch^A'den Gott gebeten, Turiri Allmächtigkeit zu verleihen; dies aber verweigert mir Ormuzd. Dagegen will er gnädig erlauben, daß bei allen Begebenheiten Tnrlris er sch Regung sich in einen erfüllten Wunsch umsetzt." Gelobt sei er!" rief der Pilger, „bantt ist dieser tugendhafteste aller Menschen wahrlich allmächtig! Demi tede seiner Regungen kann und wird nur Mitlech und Großmu. sem. Du, ehrwürdiger Maitreya, küiidest mir das Gluck unzähliger Menschen an. Auf meinen Knien danke ich dir dafür. , , Ein Lächeln umspielte die steinernen Lippen d^ Askesen, doch ging es blitzgleich wieder vorüber , und der heckige Atann widmete sich von neuem der Beschaulichkeit. Auch war fein Bart so dicht, daß der Pilger nichts hatte wahrnehmen können. Er kehrte vielmehr beseligt zur Stadt zurück und freute sich der wohltätigen Wunder, die von den elften Regungen Sunru zu erwarten standen. * Am nächsteti Morgen erwachte Turiri nichtsahnend, beugte sich über seine Frau, die ihm schlafend zur Seite lag, ms btejei Urplötzlich, wie von einer höheren Macht getrieben, aufsprang, zum offenen Fenster eilt, sich herausstürzte und tot aus den Steinen des Hofes liegen blieb. . Bestürzt lief der Kaufmann aus dem Hause und sah sich sofort von einer Schar Bettler umringt. Mechanisch suchte er tn der Gürteltasche nach Münzen — da stürzten alle Bettlm fxntseelt zu Boden. Turiri war verstört; er ging planlos umher, traf auf der Promenade die schöne Mandanita, die begehrteste Kurtisane Bag 248 Voit iHitt Buchs, das feine groß angelegte Charakteristik Friedrichs deS Großen auftveist, mag die Gegenwart wohl am Meisten das Urteil über Wilhelm II. interessieren. Hodgetts jst ein ivarmev Bewunderer des Kaisers; nachdem er sich ein? gehend mit der Persönlichkeit Kaiser Friedrichs beschäftigt hat, fahrt er fort: „Sein Sohn und Nachfolger, der gegenwärtige Kaiser, ist ein viel komplizierterer Charakter. Von seiner Mutter erbte er jene künstlerischen Anlagen, die bei shr so ausgeprägt waren, und auch jenes Feingefühl, das dem Genie gleichkommt und das sein Onkel König Eduard in so außerordentlichem Maße besessen hat. Der Kaiser ist vielseitig, beredt, weise und begabt, aber er ist auch fleißig, arbeitssam, gewissenhaft, pflichtgetreu und vor allen Dingen: er ist Soldat. Hohenzoller bis zu den Finger- spitzen, ist er int Innern seines Wesens auch ein Mann der Gegenwart, er ist modern, und er versteht es, die pittoresken! Wesenszüge des Mittelalters mit den neuesten Entdeckungen der Elektrizität und der Chemie in Einklang zu bringen. Es ist nicht KN viel gesagt, daß er für die deutsche Nation in ihrem gegenft wärtigen kritischen Moment ihrer Entwicklung der ideale Herrscher W. Während er die konservativen Instinkte der bei toeitem größten Mehrheit seines Volkes wachrnft, ist er selbst für den Fortschritt und die Zeichen einer neuen Zeit nicht blind und weiß ihre Bedeutung voll zu würdigen." Der britische Beurteiler hebt dann hervor, daß nur Ignoranz uitb Unwissenheit die Wurzel jenes englischen Glaubens sein können, nach dem der Kaiser nach einem Kampfe lechzt, und „ungeduldig eine Gelegenheit erwartet, die Kraft seiner gepanzerten Faust zu erproben". Hodgetts weist nachdrücklich darauf hin, daß der Kaiser feinem ganzen Wesen und seinen Anschauungen nach niemals dazu geneigt sein würde, im Fälle europäischer Verwicklungen den Angreifer abzugeben, er würde sich darauf beschränken, im Fälle eines Angriffes sein Land zu verteidigen, und auf das Recht seiner guten Sache bauen. Interessant ist mich, daß der englische Kritiker bas Märchen von der Anglophobie der maßgebenden deutschen Gesellschaftskreise widerlegt. Er findet, daß ein hervorstechender Charakterzug der Berliner Gesellschaft in Wirklichkeit „ihre offene und unverhüllte Anglomanie" sei. Im Leben suche jedermann ^englisch auszusehen, englische Bücher und englische Feitschristest ftndet man in jedem Hause in so reichlichem Maße wie in Eng- tand selbst, und jedermann. spielt Tennis, vom Kaiser angefangen". Ein italienischer Hauptmann von Uöpenick. Nun hat Italien, das sich seinerzeit so trefflich über die Abenteuer des schlauen Schusters Voigt amüsiert hat, seinen eigenen Hauptmann von Köpenick, der sogar den Helden der Köveuicker Uoenture noch überbietet, denn er hat nicht nur einmal, sondern wochenlang die italienische Polizei an der Nase herumgeführt und wäre vielleicht noch heute ein freier Abenteurer, wenn seine Erfolge ihm nicht zu Kopf gestiegen und er gar zu unvorsichtig geworden wäre. In Catania beginnt jetzt der Prozeß gegen den Ehemaligen Schullehrer Raffaele M u s m e c i, der bereits 14 Verurteilungen wegen Schwindeleien, Taschendiebstähls und Betrug Mf dem Kerbholz hab Seine neuen Heldentaten begann er un- Sittelbar nodj Abbüßung seiner letzten Gefängnisstrafe. Nach erlassen des Zuchthauses wandle « sich nach Catania, nm seinen Bruder aufzufnchen, der Beamter- der Polizei ist; doch der war ^zwischen nach Venedig versetzt, und Musmeei hatte kein Reisegeld. Was sollte er tun? Er ging auf die Walze, marschierte ins Mmere des schönen Siziliens und Machte dann in der Nähe von Mammacca zum erstenmal Station. Ins erste beste Bauernhaus Sing er und erklärte dem Besitzer: „-Ich bin der Delegierte Cava- Aere Giuseppe Consoli, «f her Jagd nach Verbrechern habe ich Mle gute Strecke Wegs hinter mir, reichen Sie mir einen Trunk." Der Bauer beeilte sich, den hohen Herrn zu bedienen, und alsbald entspann sich ein Gespräch. Der Cavaliere Consoli erkundigte M) bei dem Landmann über den Sicherheitsdienst, er fei vom Ministerium entsandt, nut Km Ort und Stelle Nachfrage zu halten, und als er an der Wand des Bauernhauses zwei Gewehre und seinen Dolch sah, runzelte er mißtrauisch die Brauen: „Haben Sie denn auch einen Waffenschein?" Der arme Bauer wurde blaß, sein Waffenschein fei vor kurzem abgelaufen und ar habe noch teilten netten. _ Mit 30 Lire Vorschuß für den neuen Waffenschein verließ der „Cavaliere" den Hof, und der erste Erfolg hatte fein Selbst- bswußtsein so gestärkt, daß er sich furchtlos in die Höhle der Löwen begab. Geradenwegs schritt er in die Carabinieri-Kaserue, beförderte sich hier zum „Kommissar Cavaliere Consoli", besichtigte kritisch die Anstalt'und ließ sich dann, drei Carabinieri geben, littt denen er in der Umgegend eine Razzia abhielt. Er konfis- Mrte Ochsen unh Kühe, weil sie aus einem Diebstahl herrühren sollten, verhaftete reichere Hofbesitzer wegen Steuerhinterziehung: stur der befonbeten Nachricht des Herrn „Kommissars" war es W danken, wenn die, Verhafteten und die konfiszierten Tiere gegen Wte entsprechende Kaution einftlvetten wieder freigegeben wurden. Die erlegten Kautionen und die Ergebnisse der Haussuchungetn hatten dem „Cavaliere" innerhalb von drei Tagen 4—5000 Lire gingebracht, mit denen er sich in einem Kuper erster Klasse in djie Bahn setzte und nach Palermo fuhr. Erst fünf oder sechs Tage später kaM der Schwindel an den Dag. MusMeci las in däst Zeitungen die Schilderung, als echter Cavaliere konnte er natürlich solche Entstellungen nicht auf sich sitzen lassen und ging sogar so weit, den Zeitungen unter Berufung auf das Preßgesetz gehar- uischte Berichtigungen zugehen zu lassen. Dann aber reifte en mit einer Geliebten, die.die Laune des Tages ihm zugeführt hattze, nach Florenz, überreichte der schönen Angebeteten einen Tausend- lireschein, und als die Dame eines Morgens verschwunden war/ ging der Kommissar Cavaliere Eousoli auf die Florentiner Polizeipräfektur und erstattete Anzeige: Die Carolina Brazzini aus Neapel habe ihm einen Koffer mit tausend Lire gestohlen, er bitte, soforü Nachforschungen anft,eilen zu lassen.1 Auch die Florentiner Polizei saß dem würdigen Herrn Kommissar auf und versprach ihm alle Unterstützung. Aber der.Gipfel wurde erreicht, als Musveei nach Neapel zurückkehrte -und dort verhaftet wurde. Durch sein sicheres Auftreten-brachte er -es tatsächlich fertig, nach vier Stunden wieder. Mit vielen Entschuldigungen in Freiheit gesetzt zu werden, und er schied mit der herablassenden Bemerkung: „Diesmal will ich die Sache noch durchgehen lassen." Das Schicksal ereilte ihn erst in Florenz. Er hatte sich mit der Geliebten inzwischen wieder ausgesöhnt und wollte nun bei der Florentiner Präfektur die von ihm erstattete Anzeige mieber rückgängig machen. Als er zum zweitenmal in dieser Angelegenheit aufs Polizeiamt kam, behielt Man ihn gleich da: nachdem er vier Wochen lang die Rolle des Kommissars erfolgreich durchgeführt und die italienische Polizei genarrt hatte, ereilte ihn endlich sein Schicksal. Vsemisöhtes. — Der „T r a'nriug - Tr u st". Die Finanzzeitschrift Plutns veröffentlicht folgende vergnügliche Zuschrift: „Irgendwo in deutschen Landen hat man nicht umhin zu können geglaubt, eine Trauring-Konvention zu gründen. Mit dem poesievollen Zwecke: die Preise hübsch hoch zu halten. Du lieber Gott:, wir, haben uns an vieles schon gewöhnt, an Aktienbier und Aktienschokolade, Aktienschuhe und Aktienwäsche — warum nicht an Konventions-Trauringe? Der Zug der Konzentration hat aber nach dem Trauring -eine recht gefährliche Richtung angenommen. Wenn die Kohle, das Bier, das Licht, das Fleisch unb die Milch durch die Ringe, Trusts, Verbände 'tilnb dergleichen verteuert wird, wenn gute und schlechte ausländischs Werte bett deutschen Markt bedrängen, regt sich die Oeffentlichkeit auf, in den Zeitungen tobt es, im Parlament interpelliert es, in den Regierungen werden Erhebungen angeordnet, kurz, alle verfügbaren Mannesseelen beginnen zu kochen. Haben Sie, verehrter Herr Redakteur, etwas gespürt von der Revolution, die die Existenz eines Trauring-Trustes bei den Konsumenten Hervorrufen müßte? Nichts. Ich kann Ihnen das Rätsel lösen.. Wir sind im Fasching. Und zu dieser schönen Zeit — ich rechne, verehrter Herr, meiner Frau gegenüber auf Ihre redaktionelle Diskretion selbst bei einem Versuche des Zeugniszwangsverfahrensj — verliert bet Trauring seinen Kurs, feine Aktualität, feine Existenzberechtigung. Wenn ich trotzdem mich mit dem Thema befasse, fo hat das feinen Grund darin, daß der Fasching vergeht, der Trauring-Trust aber bleibt. Und ich möchte Sie daher auf die Folgen dieser neuesten Blüte unserer Kcmzentrativns- bewegnng aufmerksam machen. In Süddeutschland wird — besonders in München — ein Bovkott der betroffenen Konsumenten angeregt. Unter der Devise: „Was war jetz dös!" und „Wir brauchen feinen Trauring" organisieren sich die „Verbrauchers Dabei ist es von 3utereffe, daß angesichts der Eigenart des monopolisierenden Produkts eine besonders schroffe Äbwehraktion des Konsums geplant ist. Sticht estwa, haß nur das Produkt der Außenseiter des Verbandes gekauft wurde — nein, auf den Trauring überhaupt soll verzichtet werden. Mau ist sich hoffentlich in Regierungskreisen über die Konsequenzen klar. Das öffentliche Wohl, Moral, Sittlichkeit und dergleichen steht alles auf dem Spiel." Wir müssen gestehen, daß uns von einer Organisation der Münchener Trauring-„Verbraucher" zur Bekämpfung des traurigen Trauring-Rings nichts bekannt ist. Vielleicht verrät uns jemand die Adresse der tapferen Trustbekampfer, wo!-, möglich noch vor dem drohenden Ende der Faschingszeit. * Kompliment. „Gnädiges Fräulein werden aber von Jahr zu Jahr jünger. Würde mich gar nicht überraschen, wetm Sie eines Tages der Storch brächte." * Leicht geholfen. „In diesem Kleid kann ich nicht unter Menschen geben!" —-,,Na, dann geh' in den Zoologischen!," Lsgogriph. Mit „(&" ein unsichtbares Wesen, Mit „91" zum Tieriang auserlesen. Auslösung in nächster Nummer t Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: LTosen — Wiche — Ischl — Siebet — Beiher — Illinois — Cicero — Heine — Veilchen — Ottey — Neisse — Serbien — Yeouit — Beit — Lllbe — I-ero; Heinrich von Syl> el. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckereh R, Lange, Gießem