p|pr gMsjy MAM ^WiJ kmMI W ISSiß; !$äWl Das Witwenhaus. Sioittan von Helene von Mühlau. Gortsetzung.) (Nachdruck verboten.! ■ Aber -dann war em anderer in sein Leben gekommen, Der leidenschaftlicher und intensiver lebte wie er. Der wollte hoch kommen, der verleidete dem armen Herrn Lengerich fein dummfrohes Dasein, lockte ihn heraus aus der Sphäre der Wuuschlosigkeit und Zufriedenheit, und Herr Lengerich ließ das kleine Fünkchen in seiner Seele zu lodernden Flammen entfachen, er wollte jetzt plötzlich etwas,, er strebte. — Eine Ungeduld, eine Leidenschaft hatte ihn gepackt, er konnte nicht mehr acht Stunden am Tag an seinem Pult stehen, er kündigte. Er wollte Glück, Reichtum, wollte hochkommen. —- Sein Weib war ihm nicht mehr das, was es ihm gewesen; sie konnte ihm nicht folgen, sie wollte nicht in die Höhe, wollte weiter waschen, putzen und sich auf armselige Sonntage freuen und Groschen au, die Sparkasse bringen, und sie ward eine Last für den Manu, den sie bisher so vollkommen ausgefüllt hatte. Wenn sich aber ein Mensch einem Wunsch, einem Streben, einer Idee so ganz und gar, mit Leib nnb Seele hmgegeben hat, -dann rast er über alle Hindernisse hinweg, Um sein Ziel zu erreichen. Er glaubt,' es geht bergauf, aber es geht in Wirklichkeit in rasendem Lauf bergab, und so ein armer Mensch, ohne eigentliche Größe, nur verführt, nur irregeleitet, verzweifelt an sich selbst und verlr-ert sich und muß sich betäuben. Uitd eine Kerirrung zieht die andere mit sich. Hat er aufgehört, seine Tage durch die regelmäßige Arbeit auszufüllen, so fühlt er eine Leere, er denkt immer noch, etwas Großes zu wollen, und geht von einem Irrtum in den anderen. Zu Hause sieht er Tränen und hört Klagen, das kann er nicht aushalten. Er läuft ins Wirtshaus, er sieht auch eine, feie ihm besser gefällt als fein verhärmtes Weib, er läßt sich betören. Sein armes bißchen Vernunft stirbt W, pud sein Kopf, fein ganzes Herz sind ausgefüllt von Wahnidee!!. — Ach, die arme Frau Lengerich erfuhr wohl Ute, me etwas von all den inneren Qualen ihres armen Georg: die wußte nur: er war auf schlimmen Wegen, aber sre gab die Hoffnung nicht auf, ihn zurückzuführen zu etneln vernunfttgen Leben, redete ihm gut zu, und wenn er spat abends schwankend und polternd nach Hause kam, führte sie ihn zu dem großen Lehnstuhl, weinte und flehte rhu an, ein anderer Mensch zu werden, ließ sich zurück- froßen und kam doch immer, immer wieder. — Ihr Georg war doch ein nüchterner, ein guter Mensch! Sie kannte ihn doch besser als all die andern. So wie er letzt war, blieb er nicht, nein, so nicht, das müßte sich ändern, wüßte sich bald, bald ändern; so ging das nichß weiter. — Der Fange war ja nun auch schon vierzehn Fahre alt« hatte schon Verstand und sah, was um ihn herum vov- ging, es konnte nicht so bleiben. Frau Lengerich betete jeden Abend zum lieben Goth, daß er eine Aenderung schicken möge, und Gott erhörte sie. Sie hatte still am Herd gesessen und ihn zurückerwartet. Seit zwei Tagen hatte er nicht mehr getrunken, hatte io ort- karg und mißmutig neben ihr gesessen. Ach, ob er wortkarg war oder nicht, das galt ihr nichts, wenn er nur da war, ioenn er nur heute wiederkam! Und er war gekommen — „Versteck mich, hörst du, versteck mich!" hatte er geschrien, „sie sind hinter mir, ich hab ihn erschlagen — versteck mich, Weib!" Sie war erstarrt gewesen einen Augenblick lang, betäubt, so als ob einer sie mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen hätte, aber er riß sie heraus aus ihrem Entsetzen und brüllte: „Versteck mich! Schnell!" Sie hatte nach einem Versteck gesucht, sie wollte ihn unter das Bett, hinter den Schrank, auf den Boden verstecken, aber das war ihm nicht sicher genug. Da hatte sie ihn zu dem großen Lehnstuhl geführt, und er hatte sich zusammengeduckt hineingesetzt und hatte sich mit Kleidern bedecken lassen. Das sah aus, als ob sie achtlos dahingeworfen wären, das war ein gutes Versteck. — Was dann in der nächsten Stunde vor sich ging, das wußte Frau Lengerich nicht mehr genau; sie wußte nur« daß zivei Männer ihr Haus durchsucht, jeden Winkel, jede Ecke durchstöbert hatten, unter jedes Bett, hinter jeden Schrank, in jede dunkle Kammer hatten sie geblickt, aber an dem Sessel waren sie achtlos vorübergegaugen, zweimal schon, und sie waren schon in der Tür, da mußte der Georg sich bewegt haben. — Im Ru waren die beiden Männer an dem großen Stuhl, hatten die Kleider zur Erde geworfen, und dann — nein, das hatte Frau Lengerich nicht gesehen, sie hatte nur noch ein Klirren von Ketten gehört, dann war sie eingeschlafen, und als sie zu sich kam, war nur der kleine Georg noch bei ihr und eine mitleidige 'Nachbarin, die ihr das Entsetzliche erklären mußte. — Sie hatte eine Zeitlang dann fit einer großen, dunklen Nacht gelebt, aber ihr Geist war auf lichten Pfaden gewandelt, denn sie lag im Fieber bei ihres Georgs alter Mutter, lange, lange. Man pflegte sie, war gut und sreund- lich zu ihr, und sie war glücklich wie ein Kind. Dann aber kam der Alltag, sie wurde gesund, sie begriff das Entsetzliche, und von jener Zeit an war sie eine alte Frau und führte nun seit zwei Jahrzehnten das Leben« das sie heute noch im Saalehaus lebte. Eine kleine monatliche Rente von dein ersparten GM ihrer eigenen und Georgs Mutter schützte sie vor bient Kampf ums Dasein. Es war ein Glück vieKeMß 114 sonst. — Sie hatte auch so viel Angst und wußte nicht, vor was. Oft saß sie stundenlang mit an g chatten em Atem und lauschte. Es war ihr, als hörte sie Schritte, als polterte man an ihre Tür, durchsuchte ihre Zimmer, sah unter Betten, hinter Schränke und wollte gehen, da sah man sie im Lehnstuhl und zerrte sie heraus und legte ihr Ketten manu gab ihr einen Bleistift, er wollte hereinkommen, aber wie sie r^n in der Uniform sah, entsetzte sie sich und 'hC6 ,hier"chreiben Sie mal hin, Frau Lengerich!" erklärte die Kosh und sah kopfschüttelnd auf die alte Frau mit dem wirren Haar und der schmutzigen Nachtjacke. Frau Lengerichs Hand zitterte heftig, ein jeder Buch- stabe verursachte ihr Qual. Was' war das? Wozu mußte sie ihren Namen an, und--- Sie lauschte wieder, sie lauschte jeden Tag, es kam niemand, nur zweimal in der Woche die freundliche Berta von nebenan, die ihr erzählen mußte, daß niemand sich e .... ------, um sie kümmerte, daß die Welt da draußen in ihren alten I c , einen" Spalt in Empfang. Der Briefträger Lang- Bahnen fortrollte, daß niemand ahnte, daß sie hier oben I öurct) emen^pan saß und sich ängstigte. Zweimal am Tag ging Frau Lengerich eine Weile lang in der Borstube des Alkovens umher und lauschte. Sie stieg dann auch auf einen Stuhl und tastete mit der Hand auf einen Schrank und vergewisserte sich, daß es hier oben stand, daß niemand es ihr genommen hatte, und wenn sie es in der Hand hielt, lächelte sie, so, wie so ein armes, gequältes Geschöpf noch lächeln kann und dann las sie: „Gift" und sah den Totenkops, der unter dem Worte „Erst" i scheiben? SmÄ» - * ** M «ä&mäss In Frau Häufleins Küche hatte sie es stehen sehen; die | reichte chr den B t- . . . , & . ... . hatte es einmal tropfenweise nehmen müssen, als sie magen- I Sie mußte sich auf emen Stuhl setzen, die Knre zitterten krank gewesen war. Es sollte ein starkes Gift sein, das ganz I unter ihJ , , . sicher wirkte, und Frau Hänflein hatte es ihrer Köchin ge- | (Fortsetzung solgt.) aeben, damit sie es in die Saale werfe, aber die Köchin I --------— hatte es in der Küche stehen lassen. I « Einmal, als die Frau Lengerich unten gewesen war, I UCt MÜNÜfkNtk «ÖtttCVul. um Frau Hänflein noch einmal dringlich zu bitten, ihr! Von Carl Eonte Scapinellst in der Küche sprechen konnte, hatte sie das Fläschchen ae- S ©W Ät eine Schar Helfershelfer Müschen, und sie hatte danach greifen müssen. Als dre Köchin I g^^cht, die über Nacht fast ihre Arbeit beginnen. Die Tafeln dann am Herd hantierte, hatte sie es in die Tasche geschoben I per Plakattnstttute, die bis jetzt rein materiellen Dingen, PflanM« Und war herausgeschlichen tote ein Dieb, der einen unge- I fetten, Suppmwürzqn uff. gedient, läßt er mit tot chckend yM Mren Schatz erbeutet et. I Ballszenen Mleben. Jeden Montag, leben Mittwoch und SaE eh, »nalü'ck für ffe daß sie nicht arbeiten müßte, daß sie , f- Das Fläschchen war dichter Fröund, sie liebte eL ihren Geist aus seiner früheren Stump/heit hdraustveten I sie strich zweimal am Tag liebkosend über den Totenkopf^ fi-c. ..„s. nnfinn rii hertfert in arübeln zu leiden. ■—• j der daraus gemalt war, und sie sprach mit ihm, erzählte 16 hatte verqessen daß ch? Georg cir Zeitlang kein ihm ihre Geschichte, von all ihrer Qual und von ihrer gutE stiller Mensch gewesen war; in ■ Erinnerung großen Angst, daß man kommen und sie aus ihrem lebte er als der brave, gute, genügsame Vater ihres Kindes, j Lehnstuhl rechen wurde, so wie man ihren Georg heraus- der seiner Frau den Verdienst gab, der mit seinem Jungen | gerissen hatte, und man würde ihr Ketten anlegen und sre fhipftP nnd Sonntaas mit Frau und Kind in irgend ein I fortschleppen, fort--— Rnzert oder in den Wakd gegangen war. „Mein liebes, kleines Fläschchen!" flüsterte sie dann Aber in der Leitung hatte doch gestanden, daß er ein I und drückte es an das zitternde Herz, nahm auch wohl den Mörder war, und aus dem Lehnstuhl heraus hatte man I Stopfen ab und hielt es unter die Nase und schauderte ibn ins Zuchthaus geschleppt, aus dem Lehnstuhl heraus, I zurück! — , . ,z „ ,, .. in dem er auf einen glücklichen, ruhigen Tod gehofft hatte. Sie schlief schon lange nicht mehr m ihrem Bett, sie Sie konnte alles vergessen, daß er getrunken hatte, daß I zog sich gar nicht mehr aus. Sre aß und trank nur, wenn er roh und brutal und ungerecht gewesen, über all das der Hunger sie trieb oder wenn Berta sie ermunterte. Sie war der dichte Schleier der Bergessenhieit gebreitet, aber I dachte nur noch mit jener ungeheuren Klarheit unv das eine war nicht auszustreichen: Er war ein Mörder ge- | Schärfe, mit der ihr armer Geist jetzt denken konnte, wenn wesen er war im Zuchthaus gestorben, und sie war seine I sie im Dunkeln saß, und wenn sie nicht dachte, kam die Frau, die Mutter seines Kindes, war die Witwe eines j Angst und packte sie an der Kehle, und ste hatte dann gern Mörders. — I geschrien, aber das durfte fle nicht. Sie konnte Lichts Ihr armer Geist, der ihr Leben laug in einem dumpfen I Lautes hören, das hätte sie erschreckt, hätte ihr armes Herz Halbschlummer gelegen hatte, war nun erwacht, um sie un- wieder so entsetzlich zittern gemacht. sägliche Leiden erdulden zu lassen. Dieser Geist hätte sich Sie lauschte nurimmer,hen gänzenTag lauschte ste. herausgerungen aus Kleinheit und Alltäglichkeit und war Früher hatte das Ticken der Uhr sie tn ihrem Lauschen ge- gewachsen zu einer entsetzlichen Größe und wuchs von Tag zu stört, nun hatte sie ein Tuch darüber gehangen und hatte Tag und war wie ein wildes Tier, ivie ein toller, rasender die Berta gebeten, ste aufzuziehen. Sie lebte über Raum Däinon und gaukelte ihr Bilder vor, die sie mit Schauder, und Zeit hinweg, sie wußte nicht, war es Abend, Morgen Entsetzen und doch mit Wollust erfüllten. vder Mittag, sie dachte nur und fürchtete sich und lan;chte. Besonders wenn es hell war, wenn die Sonne ihr «luf | lauschte, lauschte! — w t+ den Dielen zitterte oder in tausend hellen Farben draußen „Doch — e» hat geklopft! k^te fle «ttsetzt und hielt auf der Saale flimmerte, war ihre Qual unerträglich. j die Hand auf das Herz und duckte sich zusammen m dem Sie mochte kein Licht, keine Sonne mehr sehen, Dunkel- I großen Sesfel, „es hat geklopft, o Gott, mein ®ott . heit, Nacht suchte sie, und darum war sie mit ihrem Lehn- | vergrub das Gesicht in Wbn Händen, sie Sog f ch stuhl in die dunkelste Ecke ihres Alkovens geflüchtet und saß em Tuch über den Kops, ab^ tte hörte doch es klopfte^ hier, Stunde um Stunde, Tag um Tag und ließ sich von dem ! es polterte an ihrer Tür, und letzt rüttelte man am Wehr draußen eine dumpfe, ewig gleichförmige Begleittmg Schloß. Tinrfp sie rufen n°ch °.w°s «A MU.U ÄÄ K ,taM “uf unb iW bur»iSt Glieder schmerzten sie, und ihr Gang war schwerer tote | l^schta Brief, weiter nichts!" rief die Kosh" „machen Sie doch auf, nur ein Bries!" „In den Kasten, ach bitte, in den Kasten!" flehte Frau Lengerich. Sie hatte doch extra den Kasten anbringen lassen, damit der Briefträger nicht zu ihr mußte. Die Berta sah jedesmal, wenn sie kam, nach, ob etwas brtn stak. „Bitte in den Kasten!" flehte sie noch einmal. — „Ne, ne, Frau Lengerich. Sie müssen schon aus- niachen, der ist eingeschrieben, da müssen Sie Ihren Namen darunter schreiben!" rief die Kosh, und die Frau Lengerich begann die Stühle vor ihrer Tür fortzuschieben, zog chS Kette zurück, drehte den Schlüssel nnt und nahm den Bries 115 Sti RebÄutch Bal McS Vstv. HWt es bä. Und imMer ist es ein Thema, das da em Maler variiert — ein netter Domina, ein Pierrot, ein Sektkübel, ein goldenes Stiefelchen, eine schwarze Maske. Wer daraus lockt alle Faschingsausgelassenheit, alle« Frohsinn der närrischen Zeit. An den Spiegelscheiben der Restan- tzcants erscheinen Streifen, die die Aufklärung bringen, daß Henks das Lokal die ganze Nacht geöffnet bleibt; seit Monden leer-, stehende Läden bekommen plötzlich einen Mieter, — eine Masieu- garderobe stellt ihre verlockendsten Puppen, ihren echtesten unechten Tand hinter die Fenster. So verwandelt sich München alljährlich äußerlich, trotzdem Man immer glaubt, daß Heuer doch all die Faschingslust nrcht glerchi so stark wird einsetzen können, wegen der genugsam berühmten, schlechten Zeiten. Aber es ist alle Fahre dasselbe, die ganze .Stadt wird vom Faschingsjubel und Faschingstrubel erfaßt. Auch im Innern, in den Lokalen, bis hinab zum kleinsten,- ist sofort die neue Zeit zu spüren; denn München hat noch eine besondere Karnevalspezialität, die in den kleinen kostümierten, herumst ziehenden Musiken besteht. Drei, vier Wann, die leidlich irgend ein Instrument Meistern, tun sich zusammen, kostümieren sich entweder als Bauern oder als Italiener oder altbayerische Soldaten, oder sonst irgend etwas, und ziehen nun von 7 Uhr abends von Lokal zu Lokal. In jedem spielen sie zur Freude oder zum Entsetzen der Gäste zwei, drei Stückchen, sammeln ab und gehen! weiter ins nächste. Solche fliegende Kapellen, denen das Auftrittsrecht alle Fasching erteilt wird, gibt es denn eine Menge und man kann es erleben, daß man an einem Abend von einem halben ja von einem ganzen Dutzend solcher Lärmmacher angegeigt und ängeblasen wird. So trogen diese Kapellen allabendlich den Geist des Karnevals, wie richtige, närrische Sendboten, bis in die letzten Winkel, und da mag sich einer sträuben wie er will, er muß es fühlen, daß die Zeit des Prinzen da ist, er läßt ihn so lange mit Musik verfolgen, bis er nicht anders kann und tanzt, tanzt fast gegen seinen eigenen Willen. So ist das erste Charakteristikum des Münchener Karnevals, daß er wirklich nicht nur in den letzten Faschingstagen mit Macht einsetzt, sondern vom ersten Tage an bis zum Aschermittwoch dauert. Das zweite Charakteristikum ist, daß der Münchener Fasching wirklich in allen, aber auch in allen Bevölkerungsschichten zu! fühlen ist und daß sich auch kein Greis ausschließen will. Die Art der fteifen Repräsentationsbälle anderer Städte kennt man nicht, hier geht es ans allen Veranstaltungen ungezwungen zu.. Der ganze Fasching steht unter dem Einfluß des Maskenballs und des Bal Paros. Selbst die größten Bälle, wie der Presseball, der Bühnenball, der Armenball, welch letzterer den Ball der Stadt München darftellt, sind entweder vollständig maskiert oder sie lassen wenigstens Masken und Domino zu. Sie müssen sie zu- lassen, denn es gehört zum Münchener Karneval, wie der Sekt, * Bal pars im Deutschen Theater! Ein Saal wird geschossen für ein solch heiteres Fest, weit, licht, mit traulichen Logen mit glitzernden Nebcnsülen, die Musik oben im Bühnenraum in roten Krücken schluchzt klagende, jauchzende, zirpende Walzer. Unten im Saal auf glattem Parkett, da drehen sich die Paare, schlanke, rasierte Jünglinge, würdige Glatzköpfe mit hochgewachseucn, lustigen, listigen Münchener Mädeln und Frauen. Man kennt das Bild, der allzufrüh verstorbene Maler Freiherr von Rezuicek hat es uns ja oft genug gchnalt, hat es uns' mit allen feinep Lieben und Liebsten gezeigt. Es liegt eine eigentümliche, eine echt münchnerische Lust über dein Bilde, das sich hier zweimal die Woche zeigt, eine Münchener Luft, die lau und wann ist, anheimelnd und gemütlich, elegant Und doch behaglich. Es fehlt das Grelle und Laute, man schreit Glicht, sondern lacht, man renommiert nicht, sondern flüstert sich schöne Sachen ins Ohr und selbst in der Ausgelassenheit der ersten Morgenstunde liegt noch Amnut, Linie und Charme. Die Herren rekrutieren sich aus den besten Ständen, Ofsiziere, Beamte, Rechtsanwälte, Aerzte, Künstler, Studenten, und die Damen sind ihrem Schick und ihrem froh-naiven Augeuleuchten Unter der Maske zu schließen, aus allen Kreisen. Da tanzt die Küirstlersfrau nebelt der schicken Direktrice, die Malerin neben der Gräfin, vielleicht die Kellnerin neben dem Modell! Alles achtet Und duldet sich, alles lacht sich zu, trinkt sich zu und freut sich, freut sich unbäiidig. Nur die Schönheit und die Eleganz gilt heute, Und alle beugen sich vor ihr. Man spricht jede Maske per „Du" an, UUd selten wird ein Herr ungeschlacht und eine Dame schnippisch. Im gemütlichsten Ton der Welt sagt man sich Liebenswürdigkeiten und Wahrheiten, Das ist vielleicht der springende Punkt, warum gerade nur in München diese Art öffentliche Bal paros sich auf einer Höhe halten, daß auch wirkliche Dainen hingehen können. Es fehlt die Eifersucht,_ die Rauferei, es fehlt an Aergcrnis, das einer am anderen nimmt; will man nicht hören und sehen, so hört und sieht man nicht. Der Münchener ist durch jahrhuudertelaitgs Uebung an das Vergnügen in der Oesfentlichkeit gewöhnt, seins Brauereifeste, die Spezialbierausschankabende, das Oktoberfest, die Künstlerbälle haben ihn dazu erzogen, haben ihn vernünftig gemacht Und doich genug unvernünftig, um die Laune der Gesamtheit nicht zu stören. Diese Bal Pars-Stimmung trägt man auch in die großen öffentlichen und in die Künstler-Bälle hinein, unbewußt, damit die Echtheit des Tons und einen wahren Faschingshumor wahrend. Auch die Künstlerbälle sind immer Maskenbälle, richtige Maskenbälle, wo der Frack mit allen Mitteln hinter dem möglichst echten Kostüm zurückgedrängt werden soll. Freilich bringt es hier das Lokal und der Name der bc.v men Teilnehmer Mit sich, daß diese gediegener, geschlossener, stilgerechter sind, wie die öffentliche!: Kostümfeste. Wer einmal in dem herrlichen Prunksaal des Künstlerhauses solch ein Fest mit», gemacht, die reichen Kostüme, den intimen Witz, die schönen Damen gesehen hat, wird so etwas sein Leben nicht vergessen. Unten im Neueren Künstlerviertel, in Schwabing, da feiert der Nachwuchs in den Räumen der Brauerei seine bekannten Feste,- die seit Jahren sich eines fast unheimlich stärkere Besuches erfreuen.. Hier in dem originell dekorierten Saal ist die ganze malerische; Hoffnung des Landes, ja aller Länder versammelt, da hört man alle Dialekte, selbst auf den „Bauernkirchweihen", wo man nur altbayrisch hören sollte. Hier sticht ein neuer Frauentyp, bin junge Malerin, aus dem Gesamtbild besonders hervor: das Malweiblein in seinen anmutigsten Exemplaren. In den letzten Jahren haben einige Vereine auch in anderen Brauereien versucht, von erster Künstlerhand die Säle dekorieren zu lassen, und man erinnert sich noch des Wunders, das Fritz Erler vor zwei Jahren wirkte, da er den Saal des Löwenbräu- kellers in ein nur mit Licht- und Farbeneffekten geschaffeneZ Märchenland verwandelte. Immer mehr Lokale führen jetzt auch die alten Redouten wieder ein und alle sind voll und glänzend besucht. Ist an dem Herren- Publikum. weniger ein Unterschied nach dem Lokal zu merken, so läßt er sich aber sehr wohl bei den holden Masken feststelleu, und der tanzlustige Münchener Jungherr weiß genau, wo er die Loden- marnsell, wo er die runde Köchin, wo er die liebe fleißige Konst toristin trifft, und je nach Geschmack und Berufswahl in Unterhaltung und Liebe bevorzugt er einen oder den anderen Ballfaalb * Aber mit dem fröhlichen Tanz und Bent schäumenden Glas Champagner ist eine richtige Münchener Ballnacht nicht zu Ende., Es gehört unbedingt nach 12 Uhr die Weißwurst dazu, jenes leichte, aus Kalbfleisch ersonnene Tarmgericht, das so leicht zu verdauen,' und so schnell ob seiner zunehmenden Kleinheit zu verschlingest ist. Man sucht unbedingt mit seiner Gesellschaft, ost mit dem eben erkorenen Mädchen des Herzens und ihrer Mutter, wenn es fein muß, mit deut Gatten der verheirateten Frau, mit der man zuletzt getanzt, noch ein Cafd oder ein Restaurant auf, dazu sind sie ja, wie überall Plakate künden, die ganze Nacht geöffnetz, Ach wie schmeckt so ein Frühstück um 3, 4 Uhr nachts, wie köstlich kühlt ein helles Münchener, Pilsener den Sektbrand und den unnatürlichen Weindurst. Dort beginnt erst die richtige Fidelität. Es gibt eine Menge,- bie auf bett Ball verzichten, aber in ihrem Restaurant geduldig ausharren, bis Weißwürste; und Ballbesucher, bis Frack und Domino! erscheinen. Und in der lustigen Hin- und Zwischenrede von Tisch zu Tisch erkennt man erst den tiefen, echten Humor des Münchener! Karnevals. Erst bei grauendeut Morgen ober bei lachendem Sonnenschein zieht man Heim, die erste Trambahn ist von Ballbesuchern sh gut besetzt, wie die letzte. Und morgen, übermorgen tanzt man! wieder, ißt wieder Weißwürste und hat am nächsten Morgen — wieder einen Brummschädel. Das geht so fort, bis mit unheimlicher Pünktlichkeit die letzten drei Karnevalstage erscheinen mit ihren letzten drei närrischen Nächten, die eine tolle Steige- ruitg des ganzen lustigen Karnevals bedeuteit. Alle Lokale sinh über und über besetzt, in den Straßen tummeln sich die Masken/ nicht immer die feinsten und geschmackvollsten, ititb ein Maskenzug durchzieht die Straßen, ohne allzuviel Begeisterung aufzulösen.; der Münchener will nicht staunen, er will mitmachen, und da es an diesen Tagen alle Arten von Münchenern sind, ist es nickst immer ein Vergnügen, hier ins Gedränge zu kommen. Punkt 12 Uhr — am Aschermittwoch, gerade zur rechten! Zeit, denn die Stimmung hat dann einen unheimlichen Höhvt punkt erreicht, stirbt auch der Münchener Karneval. Aber die Trauer um ihn ist bald verwunden. Schon am Aschermittwoch sorgen unsere Großbranereien — das ist Tradition, daß es den ersten Salvator, das erste Bock-, Kraft- und Frühlingsbier gibf.; Und so rettet sich der Münchener schnurstracks und sicher in eine neue, fröhliche, festereiche Zeit. Vermischte». "Aus bet S I e i b e r t a m m e r einer Königin. Im Londoner Buckingham Palace grenzt an das Ankleidezimmer der Königin Mary ein großer Raum,. der nur gewaltige, an den Wänden aufgestelite Mahagonischränke enthält. In diesen befinden sich die Kleider der Königin. Eine Kammerirau verwaltet, von zwei Gehilfinnen unterstützt, die Garderobe. Am Abend jedes Tages wird der Kammerfrau aus einem Zettel mitgeteilt, welches Kleid die Königin am nächsten Morgen anzuziehen wünscht, und um welche Zett es im Ankleidezimmer bereit liegen soll. DaS Kleid wird nur durch eine Zahl bezeichnet, beim sämtliche Kleider 116 Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brlihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeretz R. Lange, Meße» Logognph. «Immer kannst du mich finden in Hütten wie tu Palästen: Schenke statt'„a" mir ein „i", schätzt mau als Arbeitskraft mich. (Auflösung in der nächsten Nummer.) Auflösttng der Schach-Ausgabe in voriger Ntnnmer: 1 Db3 —b5 Ke4 —e5 2. Db5 —e8fK beliebig. 2. . . . K e 4 — e 3: 2. D b 5 — e 2 f K beliebig. ■ 3. S f 4 — h 5, 8 d 4 — b 5 t und Matt. 3. S i 4 — eG, Sd4 — e b | tmb Matt. Mahnung für Beamte. O Mensch, der du Beamter von Beruf, Schreib, wie du sprichst: natürlich, einfach, Clav 1 Vermeid« Redensarten wie „behuf", Auch „in Erwägung" klingt zu sonderbar, Und willst für klug du gelten tmb für wetze, So sage „ober“ statt „beziehungsweise" l Statt daß man schreibt „zum Zweck" bet vielen Sachen, — Zum Zweck der 2lnorbmmg der Vormundschaft — Kann man eS sich mit „zu" bequemer machen, Auch „Für die Anordnung" hat Sinn und Kraft. „Verwünschter Zopf!" so hört mit Recht man fluchen, Ost ist's, als mär’ man im Ehmesenreich, Und lei’ ich vom „dortseitigen Ersuchen". Wünsch' ich den Sprachverein herbei sogleich. Weitschweifigkeit — der Ausdruck endlos breit, „Mitteilung machen" tmb „in Absatz bringen", Und habet ist doch kostbar unsre Zeit, Ein einzig Wort wird g'rab’ so gut genügen! Ach, und der fremden Wörter Flitterpittz Paßt läppisch zu deut schlichiett deutscheit Kleid. Vereinigt euch fortan zu Schutz und Trutz, Tarnt ist die Hilfe sicherlich bereit. „Der Jnkulpat" — wer mag der Aermste fein ? „Das quäftionierte Kind" — tmschuld'ges Wurm! „Der Rubrizierte" . . . Hintntel, halte ein! „Erpropriantin" . . . nein, ich läute Sturm! Ich kenne meine Pflicht, ich bitt Beamter, Doch kein zu ero’ger Fremdherrschaft Verdammter! Was das Gesetz bestehlt, bas führ' ich aus: Deutsch sei die Losung im Behördenhaus! Tafel voit dem geistreichen Heftchen des letzteren bie Rede wäch „Es interessiert mich so ungemein," war bte schlagfertige treffende Antwort, „daß ich den zweitetr Teil kaum erwarten kann De« Kaiser küchelte, mtt> der geistreiche Intendant erhieltden folgMdm Morgen abermals ein ebenso kostbares Buch, auf dessen Rucken- titel aber die Worte standen: Zweiter und letzter Bandsi * Wie König Alfons freite erzählt die .Rtvista politiea e Parlamentäre": Es lag ursprünglich nicht in dem Plane ber Beteiligten, daß die heutige Gemahlin des Königs von Spanten, die ehentaiige Prinzessin Viktoria Engenie Christine von Batten- betc, die Krone ber spanischen Königin empfing. Tie Abmachungen zwischen den betben Königshäusern bezeichneten die Prinzessin Patricia von Connaught als die künftige Gemahlin des Königs Atfotts. Der junge König, der seine Braut im Bilde kennen gelernt hatte, war auch mit dtesem Plane einverstanden, und es blieb nur noch übrig, die künftigen Gatten miteinander bekannt zu machen. Tas geschah auch in Gegenwart König Eduards und der Königin Alexandra in einem Salon des Windsor-Schlosses. Anwesend waren außer dem englischen Königspaar unb König Altons bte Prinzessinnen Patricia, Victoria unb Maud. Nach der Vorstellung begann Aliotts sich mit Patricia zu unterhalten, bereit Silber ihn einst so begeistert hatten, daß er sich in die Photographten verliebte. Aber das Gespräch verlief kühl und unerfreulich, bte schöne Erwählte zeigte sich ernst, hoheitsvoll unb fast ablehnend, st- hatte kein Lächeln für bett königlichen Bewerber, kurz, alle Einzelheiten ließen erkennen, baß ihr König Alfons nicht gefieL ®er junge Bewerber verstand sofort und zog sich zurück. ®te Prinzessin Victoria lächelte, er ging auf sie zu, und alsbald entzpann sich zwischen den beiden ein angeregtes Gespräch, bei bent fte Ita) aus- gejeichnet verstauben. Plötzlich fragt König Astons die schone Prinzessin: „Wollen Sie Königin von Spanien werben? Victorta errötete unb zögerte: „Aber die Krone von Spanten ist meiner Konsine bestimmt." „Nein," antwortete König Sll’oii§ entschlossen, „sie gehört Ihnen, wenn Sie wollen." Ich biete sie Ihnen an mit meiner Hand tmb meinem Herzen. Sind Sie einverstanden? „Wenn Patricia nichts dagegen einzuwendeit hat , . . Kurz, si« war einverstanden tmb brei Monate spater war bte Prinzessin von Battenberg Königin von Spanien. * Trost. Fräulein: „Denken Sie sich Mr: Ich, bin W. schon dreißig geworden!" — Herr: „Ach, was will das m unseres schnellebigen Zeit sagen!" * Unliebsame Verwendung. ,,'Ste gaben doch Ihrem Schwiegersohn bei seinem letzten Hiersein dreitausend UMk =-? was hat er damit gemacht?" — „Pleite!"' sind mit Nummern «ergehen. Es wwd genau über den Zeitpunkt, zu dem sie geliefert und über leben Tag. an de n Pe 1tit ®etaau$. genommen wurden, Buch geführt. Der Regel nach« behalt die Königin ein Kleid sechs Monate, lang u>'d trägt es ungefalw acht zehn mal. Dann wandert es tu einen Schrank, der jum vor läufigen Aufenthalt für die abgelegten Kleider bestimmt ist. Zwe^ mal' jährlich werden diese abgelegteni JUeibeip. (b§ he§ Vcr° entweder verschenkt ober verkauft zu werben. Ter Erlös oes rjer « ..cs n.;rs tjj.. wohltätige Zwecke verwendet unb die Londoner Firma, die ihn vermittelt, muß die Verpflichtung übernehmen, daß die Kleider nach auswärts wandern, -tiefe Maßregel istem» geführt worden, seitdem Königin Alexandra, die ähnlich mit ihrer Garderobe verfuhr, sich bei einer festlichen (Belegenheit einer - ame in einem Kleid gegenüber befand, das sie selbst bis vor kurzem getragen hatte unb daS die meisten Anwesenben wiebererkannten. Königin Mary gilt für sparsam. Aber bie Reprafentatwnspflichten, die auf ihren Schultern ruhen, sind doch so mannigfaltig, daß die Ausgabe für Kleider recht beträchtlich ist. Wenn sie die Absicht bat, ihre Garderobe zu ergänzen, so wird dem Schneider mit- aeteilt, daß die Königin au einem bestimmten Tage unb zu bestimmter Stunde erscheinen werde und die Art des Kleides, ba-> sie wünscht, genau beschrieben. Natürlich wird die Königin tu einem besonderen Raume empfangen. Blehrere Modelle hegen bereit und werden an einem Probierfraulem vorgestihrt. Dieses Fräulein darf von der Anwesenheit ber Königin, roeber von ihrem Kommen, noch ihrem Gehen, Notiz nehmen. Dann wählt die Königin eins von den Modellen unb gibt die Aenberungen an, bte sie uorgenonunen haben will. Ihre Befehle werden stenographiert und ihr dann vorgelesen. Die Anproben stndeii tut Buckingham Palast statt unb zwar liebt bie Königin nicht mehr als eme Sln- probe für jedes Kleid, so baß es nicht ganz leicht ist, für sie zu arbeiten. Hinzugefügt mag noch sein, daß den Hofdamen der Königin beim Antritt ihrer Stellung nahe gelegt zu werben pflegt, sie möchten sich in ihrem Kleibergeschmack nicht nach ber Königin richten unb sich vor allem nicht entfallen lassen, jemals entS ihrer Kleider zu kopieren. * „meine Herren Kollegen unb Ignoranten! Ein Fall von offenherziger Gerabheit, wie er in solcher Form im akademischen Sehen wohl nicht alltäglich ist, versetzt die ehrwürdige philosophische Fakultät ber Universität Tou 1 o u s e gegenwärtig in nicht geringe Erregung. Der Lehrsitthl für Physik mar neu zu besetzen unb der Rat ber Fcf.ultät hatte den Professor Bouaffe damit beauftragt, seinen Kollegen über die Befähigung der Kandidaten Bericht zu erstatten. Die Herren waren zur Beratung versammelt und harrten nun ber Darlegungen des erwähnten Berichterstatters : doch die ehrsamen Professoren starrten nur in wortloser Verblüffung auf den Kollegen, der Seme Darlegungen mit folgenden kurzen und markigen Sätzen begann: „Ich werde Ihnen lernen Bericht erstatten unb Ihnen auch sagen, marum. Mit Ausnahme des Profeffors Cainichel sind Sie in Sachen der Physik völlige Ignoranten Wenn ich daher vor Ihnen die Befähigung und bte Verbtenste ber Kandidaten erörtern wollte, wurde ich meine unb Ihre Zeit vergeuden. Auf der anderen Seite iväre es überflüssig, dein Professor Eamichel, dem einzigen Sachverständigen, das erst vorzutragen, was er ebenso gut weiß wie ich. Was Ihre Ignoranz anbelangt, so ist bewiesen, daß sie unüberwindlich ist Wenn Sie zur Beratung tomnien, wissen Sie längst, bevor ber Berichterstatter auch nur gesprochen hat, wen Sie wählen wollen. Wenn ich asio meinen Bericht ablegen würde, würde diese Darstellung nichts fruchten, auch nicht bei dem Conseil superieur“, dessen Inkompetenz wie durch ein Wunder die Ihre noch übertrifft. Dann verbreitete sich der temperamentvolle Redner über den Physiker Prof. Bouty, der durch seine miserable Lehrmethode die Physik Herahgezogen habe. Inmitten der wachsenden Erregung der Kollegen schloß der Gelehrte mit folgenden Worten: „Die herrschenden Systeme züchten eilt Heer von Unfähigen heran und macheti die französische Wissenschaft und unser Institut zum Gespött der Welt. Derselbe Professor Bouty behauptet, daß der beste französische Physiker der Gegenwart Mnie. Curie sei, die eine Polin ist. In Wirklichkeit ist die französische Akademie der Wissenschaft der Zufluchtsort einer Armee von Ignoranten, die geboren sind, um kaum Schullehrer sein zit können, Torftierarzte oder Wasserleitungsaufseher." Unb ber Redner schloß seine im akademischen Leben nicht alltägliche Ansprache mit der beruhigenden, halb ernst, halb ironisch vorgetrageneii Erklärung, daß seine Kollegen über ihre eigene Ignoranz in Sachen ber Physik nicht zu erröten brauchten, sie, „die dock) alle ihren Lehrstuhl nur durch wirkliches Verdienst errungen haben, ohne Protektion n>td Stützen, Sie, die als Leuchten in ganz Europa bekannt und geehrt siiid . . . ." * Ein kostbares B u ch. Der frühere Theatcrintendani Nareschkin in Petersburg war ein erklärter Liebling Kaiser Alexanders III., ein witziger, origineller Mensch, aber immer voll Schulden, und trotz des Großmuts seines Mäzens in fortwährender Geldverlegenheit. Einst hatte er eine Sammlung seiner Scherzwerke drucken lassen und das Heftchen seinem hohen Gönner gewidmet. Der Kaiser ließ hierauf ebenfalls ein Buch verfertigen, dessen Blätter aus 1000-Rubel-Banknoten bestanden, und dies Nareschkin zusenden. „Nun, wie gefällt dir mein Werk?" frug der Zar seinen Günstling, als in den nächsten Tagen an der