ÜH äTnl WMA^ EjsH M W Das nette Mädel. Roman von Fedor von ZobeltiA, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Zähne Trautes gruben sich in die Unterlippe. Einen Augenblick schwieg sie, dann antwortete sie in scharfem Tone: „Du magst recht haben. Hätte Moebius den Vorschlag gemacht, so wäre er ein edler gewesen. Bei Eberstedt wird er zum Zynismus." Darauf hatte auch Tini nichts mehr zu erwidern. Sie war zu klug, nm nicht ohne weiteres zu begreifen, was Trante meinte. Nur kannte sie Eberstedt besser. An eine Niedrigkeit hatte er gewiß nicht gedacht. Diese Stiftung für uneheliche Kinder sollte einfach ein Handschuhschlag in das salbungsvolle Bürgergesicht der freien Stadt sein • — ein Jagdhieb in die Fratze der Moral. Aber da Tini ihrem geflüchteten Freunde doch einen kleinen Groll nachtrug und keine Lust hatte, seine Verteidigerin zu spielen, so schwieg sie lieber. Man war nun im Walde. Fichtenwald: hochstämmige Nadelbäume mit riesigen Wipfeln, die ihnen Äehnlichkeit mit Pinien verliehen. Ein Rieseln von Sonnengold flimmerte über den Boden, den -dicke Streu deckte. Aber durch diese tote braune Schicht drängte sich schon überall lebendiges Frühlingsgrün: namentlich Farren zu Häuf und großblättrige Hirschzunge, und sogar der Waldwurz schob hie und da bereits sein orchideenartiges Spargelköpfchen hervor. Ein Schlängelpfad führte durch den Wald-, der bald seinen Nadelcharakter verlor. Bilchen und Birken gesellten sich zil den Fichten, und als der Boden sich zu senke,: begann und feuchter wurde, verschwanden die deutschen Punen ganz und machten alten Buchen Matz., Nun wurde auch der Untergrund belebter; junge Schößlinge trieben empor, und in einem ganzen Meer von feinrippigen Farren wm- stete da und dort ein blaugrüner Machandelstrauch sich als phantastischer Klumpen ein. Die löbliche Kurverwaltung hatte es glücklicherweise noch nicht für nötig erachtet, ihre Verschönerungssucht bis hierher auszudehnen. Nur einen Pavillon hatte Graf Hönigswäld für angebracht gehalten, obschon er ein zweckloses Dasein führte. Er stand auf einem felsigen Vorsprung der Talmulde und war aus Holz gebaut und jnfolge- dessen schon ziemlich verfallen. Auch hatten Efeu und Benushaar sich seiner bemächtigt und ihn halbseitig mit grünem Gespinst überzogen, so daß er wenigstens südwärts einen ganz anmutigen Anblick gewährte, während seine nördliche Trümmerhaftigkeit keine Deckung fand. Eine Laune der Natur hatte hier vorjährig eine Quelle entspringen lassen. Das Wässerchen lvar noch innerhalb des Pavillons zutage getreten und hatte sodann die Holzwand unterwühlt, auch das Holz selbst teilweise zermürbt und durchfressen und floß in feinem klarem Streifen bis zum Abhang des Felsvorsprungs, um nun mit fröhlichem Geplätscher einen Tiefsprung in die Schlucht zu tun. Es rann dann durch die ganze Sohle der Schlucht und verschwand plötzlich unter einer Anhäufung riesiger Steinmassen, zweifellos den letzten Resten einer Endmoräne. Daß das Wasser einen unterirdischen Abfluß haben mußte, war klar, aber zu einer geologischen Untersuchung hatte sich noch niemand Mühe gegeben. Die Schlucht war jedenfalls in hohem Maße romantisch; den geheimnisvollen Bach mit seiner blauen Umkränzung von Vergißmeinnicht und wilden Veilchen und die moosbewachsenen erratischen Blocke fand nlan auf verschiedenen Bildern der Wörreshoopner Maler wieder. Die Freundinnen hatten sich ein Plätzchen am Nordrande der Schlucht gesucht: unter einer wunderschönen alten Buche, deren mächtiger, mit frischem Grün belaubter Wipfel Schutz gegen die Sonne gewährte. Hier setzten sie sich nieder: Tini ohne Rücksichtnahme auf ihr helles Kleid, während Traute vorsichtig ihr Taschentuch unter sich ausbreitete. Sie bildeten eine hübsche Stasfabe zu der anmutigen Szenerie; zu ihren Häiipten lockte ein Fink und zu ihren Füßen wand sich eine kleine Lazerte durch das Gras, um sich einen sonnigen Fleck zu einem kurzen Fruhlings- trauin zu suchen. Mit einer gewissen Feierlichkeit nahm Traute den Brief aus Guatemala wieder vor und sprach dabei: „Mir ist so, als enthielte er eine neue Werbung, Tini. Mein' Herztakt hat nicht mehr den alten Rhythmus. Er schlägt im Daktylus. Mir ist so, als brächte dieser Schreibebrief atwas Unerwartetes. Mir ist so anders als sonst." „Das ist dir immer bei Beginn großer Situationen," sagte Tini. „Weißt du noch, als wir Max Roeßler erwarteten und statt seiner der Dheaterdiener kam?. uw, Traute, ist der Roeßler denn wirklich seiner prinzipiellen Lämmerhaftigkeit treu geblieben und hat nichts von sich hören lassen?" Da zuckte Traute zusammen und antwortete: „Ach, Tini, du weißt ja uoch gar nicht . . . Ich habe Romane erlebt, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, ^ch kann iiur nicht alles erzählen. Aber daß es mit Max aus ist, sollst'du wenigstens wissen."^ „Aus?!" ries die Sandratt. „Traute, wahrhaftig ganz aus?!" „Ganz aus." Nun küßte Tini die Freundin. „Ich gratuliere von Herzen Das ist eine Nachricht, die mir wohltut wie em Törtchen mit Cremefüllung. Traute sei froh Ein Mann« vor dem man eine so kolossale Achtung haben muß, ist nichts für unsereins," — 514 „Ich Will vor meinem Manne Achtung haben, aber —" „Aber sie darf nicht so sein, daß sie die Liebe erstickt." „Liebe ohne Achtung ist überhaupt unmöglich." „ „Was auch wieder nicht wahr ist. Ich kann den größten Lumpen leidenschaftlich lieben." Traute sann nach. Das Fältchen über der Nasenwurzel zeigte sich wieder. „Glaubst du? Aber das wäre doch keine echte Liebe." „Die echteste, wenn du dich schon auf Differenzierungen einlassen willst; denn ihr würde ein ideales Verlangen beigemischt sein: der Wunsch, den Geliebten zu bessern." Nun nickte Traute sehr lebhaft. „Tas ist richtig!" rief sie. Und dann neigte sie den Kopf ein wenig aus die Seite und meinte: „Es fragt sich nur, ob er besserungsfähig ist." Tiui lachte fröhlich auf. „Ich taxiere: immer! Denn in einen Raubmörder oder einen gewerbsmäßigen Einbrecher würden wir uns natnrgemäß nicht verlieben. Du mußt den Ausdruck „Lump" mehr dialektisch auffassen. Ein Taugenichts kann au fond ein sehr guter Kerl fein. Und für so einen leichtsinnigen Strick ist die Ehe meistens eine ganz vortreffliche Erziehungsanstalt. Da wird die Liebe zuweilen zur Dressur. Das würde mir jedenfalls mehr Freude machen als umgekehrt eine Disziplin zur äußersten Korrektheit. iBurrr! Manschen, ich wiederhole: sei froh, daß die Geschichte mit Max Roehler ex ist. An seiner Seite wärst du binnen Jahresfrist nicht lviederzuerkennen gewesen. Deine ganze Liebenswürdigkeit wäre flöten gegangen; deine Heiterkeit hätte er auf Eis gesetzt und deine niedlichen Unarten auf Draht gezogen. Er hätte deine Seele gekrempelt und dein Herzchen geplättet, und dein Gemüt wäre gebügelt lvorden. Alles sehr schön. Es mag Mädchen geben, denen so etwas kleidet. Tu aber hättest bei solchem Experiment dein Bestes hingeben müssen: deine Ursprünglichkeit. Und nun wollen wir zur Tagesordnung übergehen, wie es im Parlament heißt: zu der Eingabe des Mannes aus Zentral-Amerikü. Fasse Mut und eröffne den Brief." Das tat Traute denn auch. Es war ein langes Schreiben auf dünnen Bogen: auf sogenanntem Ueberseepapier, das den Aufdruck trccg „Jonathan W. Brigham. Quetz- altenango (Guatemala)." Außerdem fiel ein kleines Kartoic- blatt aus dein Kuvert, dem eine Silhouette aufgeklebt war: das Brustbild eines Mannes mit scharf geschnittenem Profil, einer kühnen Adlernase, hoher Stirn und kräftigem Kinn: den Kopf deckte ein Zylinderhnt mit breiter Krempe. „Eine Silhouette!" rief Toni. „Vielleicht liegen in Quetz die photographischen Verhältnisse noch in der Entwickelung. Zeig einmal her! Die Nase ist eUvas zu groß geraten." „Und zu sehr gebogen. Sie hat etwas Jüdisches. „In konfessionellen Dingen habe ich immer sehr frei- geistig gedacht. Außerdem ist das trotz allem eine geradezu klassische Nase. Nur gegen den Hut habe ich etwas. Es ist kein Hut, sondern ein Topf." „Tas mag Landessitte sein. Nun wollen wir einmal lesen, was ment Jonathan schreibt. Findest du den Namen Jonathan hübsch?" „Er klingt etwas mormonisch, aber ich weiß nicht warum. Indes gewöhnt man sich darait. Du müßtest deinen Gatten John nennen. Das Nathan läßt du fallen." „Meinen „Gatten"?! Tu siehst mich also schon vcr- mählt?" „Es wäre unverantwortlich, wenn btt einen Nabob ausschlagen wolltest. Nun lies aber vor! Oder'willst dn Johns Bekenntnisse lieber allein lesen?" „Nein," sagte Traute, „du sollst sie hören. Es ist ja die Antwort auf unfern gemeinsamen Brief. . ." Und sie begann zu lesen: „Hochgeschätztes und höchlichst verehrtes Fräulein Traute! Sie können sich gar nicht vorstellen, welche große Freude .ch bei Empfang Ihres Werten von: letzten Datum emp- ünden habe. Um so größer war diese Freude, als der ent- prechendett Sendung auch Ihr nettes Bild beigefügt war, das fast noch schöner ist als das aus der Gruppenaufnahme, obschon auch dieses mein Herz in starker Weise ergriffen hätte. Es ist mir ungemein angenehm, daß Sie blond sind, wobei es auch gar nicht darauf ankommt, daß dieses Blond nicht „ausgesprochen" ist. Anfänglich verstand ich den Ausdruck nicht, wenn ich auch sottst das Deutsche jetzt ziemlich gut beherrsche, und fand auch keine Uebersetzung im Bokabuläre, bis mich ein deutscher Freund aufgeklärt hat. Also nicht ausgesprochen, das heißt, vielleicht mehr rötlich, wie Sie ja auch schreiben, daß Ihre Augen mehr grünlich als bläulich seien. Dies würde ich nun ganz besonders schön finden. Ich habe hier einmal eine Dame aus bcm Norden kennen gelernt, die hatte rotes Haar unb' grüne Augen und war geradezu zauberhaft; leider ist sie von einem eifersüchtigen Mann umgebracht worden. Was nun Ihre Bitte um mein Abbild betrifft, wert- geschätztes Fräulein, so kann ich Jhtren vorläufig nur ein ausgeschnittenes Schwarzbild von mir senden, das ich ntir gestern von einem vagierenden Künstler in einem .Biergarten fertigen ließ. In meiner Nähe wohnen freilich zwei Photographen; aber der eine hat bankerott gemacht und der andere ist in einem Wortwechsel von einem Mann erschossen worden, der sich über das Bild seiner Frau beklagte. Ich will übrigens dieser Tage zu einem dritten Photographen gehen, der immer unseren Präsidenten photographiert und auch andere Herren von der Zentralbehörde, und seine Sache wohl verstehen wird. Die beigefügte Silhouette zeigt mein Gesicht ziemlich ähnlich. So „ausgesprochen" schwarz bin ich aber nicht, sondern mehr bräunlich. Den ausgestopften Quesal werden (sie inzwischen empfangen haben. Was Ihre Anfragen betrifft, so beeile ich mich, folgendes darauf ztt erwidern. Man spricht hier alle Sprachen, außer spanisch vor allem englisch, französisch und deutsch. Auch gibt es in der Tat noch recht viele Indianer, aber sie wandeln nicht mehr aus dem Kriegspfad. Es exi- stieren sogar hierher verschlagene Abkömmlinge der letzten Mohikaner, die außerordentlich zivilisiert geworden sind; ich hoffe, Ihnen baldigst einen solchen zeigen zu köntten. Der Vulkan Santa Maria ist zwar immer noch ein wenig unruhig, aber meine Farm liegt nicht in seinem! Bereich , ,," (Fortsetzung folgt.) Von der herbstmode. Von Alberta von D it h r c n. Was in der Sommermode nur in schwachen Anfängen zch sehen war — der Fransenbesatz •—, wird für die Herbstmode schon imgleich mehr zur Geltung kommen. Der Jugend ist diese Mode fremd, das „reifere" Alter hingegen, die „ältere" Dame erinnert sich ihrer gut. In den sechziger und siebziger Jahren Ivar kaum eine „Mantille", kaum ein „Tuch", das damals — entweder als echt indischer oder türkischer Schal oder auch in Seide und Wolle getragen -- das heut übliche Jackett ersetzte, ohne seidene Fransen, denkbar. Auch die Tuniräs, die ungefähr 1869 bis 1870 auf-? kamen, erhielten vielfach Fransenschmuck. Auf der Briuinenprome- nade in Ems int Jahre 1870, gerade als dort die Begegnung; Bertedettis mit König Wilhelm stattfand, sah Mait viele dunkel- graue Toiletten aus glänzendem Wollstoff, die mit weißen oder silbernschimmerndeu Angorafransen besetzt waren.....Es kommt eben jede Mode zur geeigneten Zeit wieder obenauf, und so haben wir als tteuestes aus Paris die alten, lieben Fransen. Meist bilden sie, in der Farbe des Kleides oder Ueberkleid'es eingefärbt, den Abschluß am unteren Rande. Eine solche Herbsttoilette ans Paris bestand aus einem gewandartig augeordueteü Unterkleid aus weißem, mit bunter Seide besticktem Taft, über das sich ein an der Seite leicht geraffter Ueberwnrf aus grüner Marquisette mit Fransen-Abschluß legte. Die Taille lunr noch in der Kiinouoform mit angeschnittetteit langen Aermeln gearbeitet unh ließ, ohne Kragen, den Hals frei. Ter Ueberwnrf war an die verkürzte Taille angekraust und bildete so den Gürtel- Abschluß. Der freie Hals ist ja eine Mode, die sich so leicht nicht umbringen läßt, schon weil sie sehr bequem ist unb gerade in diesem vergangenen heißen Sommer jede Bequemlichkeit in der Toilette als Wohltat empfunden wurde. Auch die Stofsersparnis der engen Röcke bewährte sich in der heißen Zeit: man brauchte nicht so viel Stoff um sich herum zu schleppen. Durch die aller- Ueueste Mode der schmalen, hinten herabhöngenden und abnehmbare!: Schleppe (also eigentlich nur eine etwas verbreiterte Schärpe) ivird die Bequemlichkeit ja auch betont. Aber vielleicht hat man sich im Lager der Modegewaltig ei« zu Paris darauf besonueit, daß eine Mode niemals schön fein kamt, die sich allzusehr mit den Naturgesetzen in Widerspruch stellt; . deshalb meldet es sich hier und dort schon, daß die herbstliche Mode die Röcke wieder weiter gestalten und am Rande sogar wieder mit kleinen Volants — etwa drei übereinander —- schmücken, wird. Vorläufig bleiben indes derartige Anordnungen — 515 Mr auf ganz vereinzelte Kleider, b. H. auf Damen, die wirklich selbständige Gedanken in bezug ans ihre Toilette zu denken wagen, beschränkt. Uebrigens so allzubunt die Sommerinode sich hielt: ost fünf bis sechs verschiedene Farben nebst gold, silber oder brokai in einer Toilette, was schon eher an Maskeraden-Anzüge als an Kleider erinnerte, so scheint die Herbstmode auch darin eine Wendernng herbeiführcir zu wollen, indem sie die Zusammenstellung von schwarz und weist begünstigt. Meiste Waschkleider (die mail natürlich auf gut deutsch Lingeriekleider nennt) und die immer'-beliebten weißen Stickereikleider werden vielfach mit schwarzen Schleifen und Schärpen geschmückt oder auf schwarzen Unterkleidern getragen. Ebenso modern sind weiße, gestickte Tüll- kleider oder Spitzen-Ueberwürfe über schwarzem Unterkleid. Also genau der Gegensatz zu der Bisherigen Vorliebe, die dunkle und schwarze Ueberblusen über iveiße Unterblusen zog! Da bunte Hüte zil solcher schwarzweisten Zusammenstellung jedenfalls sich nicht sehr gut ausnehmen würden, so trägt man dazu etwa einen schwarzen Sammethnt mit Weister Garnierung oder einen weißen Tuchhut mit schwarzer Schleife oder Feder. Die Herbsthüte sind entweder, wie die Sommerhüte, sehr groß mit niedrigem,, rundem Kopf oder aufgeschlagene Napoleonshüte, oder es sind topfartige oder helmartige Gebilde, die als. Schmuck nur einige wehende, hochstehende Federn und eine Schleife zeigen. Soferir die Hüte iricht zu schwarzweisten Toiletten getragen werden, ist „bnnt" die Losung. Namentlich scheint man noch weiter ein krasses Grün zu bevorzugen, eine Farbe, die. früher für den Hut fast unmöglich war, wenn es sich nicht um einen Sport- Hut handelte. Während naturgemäß hie Strohhüte, die oft alle Zeichen des „Mitgenommenseins" aufweisen, im Herbst weniger beliebt sind, hat man sich auf Stoffhüte und Samthüte besonnen. Für halberwachsene Mädchen werden oft Häubchen mit Ohren- rosetten vorgezogen. Wenn auch Pleureusen noch immer gern getragen werden, weil sie — wie eine Dame sagte — „so wohlhabend aussehen", so gilt doch, die einfache Straußfeder letzt ftir seiner. . . . Der Sommermantel, das Mantelkleid, das in. der verflossenen Saison auf der Höhe stand, dürfte auch im Herbst nichts von seiner Beliebtheit verlieren. Namentlich praktisch erscheinen die schwarzen Seiden- oder Atlasmäntcl. Allerdings kommt, ettva für unfreundliche Herbsttage, der Regenmantel, der heutzutage weder so schwer, noch so häßlich ist, tote früher, in Frage; außerdem das Jackett, das meist in englischen, melierten Stoffen getragen wird. Ueberhaupt wird das sogenannte englische Kostüm, besonders für die Uebergangszeit, stets seine Beliebtheit behalten. Seit ungefähr ein bis zwei Jahren tvird der Fußbekleidung eine so große Rolle in der Mode zuerteilt, wie noch nie. Denn der enge, kürze Rock liest die Schuhe und Strümpfe mehr m Erscheinung treten als der lange, verhüllende Rock, und so „ge'ht's" einfach nicht ohne gar zart durchbrochene Strumpfe und sehr schön gearbeitete Stiefel und Halbschuhe, wenn man „auf der Höhe" des Modelebens stehen will. Die modernen Stiesel werden in allen Farben gefertigt, oft aus zweierlei Stoff; für den Schaft, auch bei Halbschuhen, ist das feine Samtlcder außerordentlich beliebt, während der Besatz und die Kappe in Glanzleder gearbeitet sind. Man hat diese Samtleder in den verschiedensten Schattierungen. Weiße Schuhe und Stiefel auf der Straße gelten nicht für fein; dagegen ist ein lichtes Grau, auch gelbliche Sahnenfarbe, letztere besonders für weiße und rohseidene Toiletten, austerordentlich geschätzt. Rote Lederstiefel sind nicht mehr mode; dafür graue, schwarze und braune Samtschuhe.- Während der letzten Jahre herrschten die Schnürstiefel und finb ja auch heute noch beliebt; aber schon fängt der Knopfstiefel wieder an, sich mehr und mehr das Feld zu erobern, wobei die modernen Knöpfe aber flacher und größer' als die bisher gebräuchlichen runden find. Was heutzutage bei den neuen Schuhen und Stiefeln angenehm ausfällt, ist das Bestreben, neben dem schönen Aussehen auch die Hygiene» der Füße besonders zu beachten. Wir sehen die Stiefel nicht mehr „spitz" oder „rund", sondern wirklich so geformt, daß die Zehen sich beguem darin lagern können. Man will, Gott sei Dank, heute nicht mehr, Ivie früher, ausschließlich mit dem besonders kleinen Fuß paradieren, der doch dazu da ist, den ganzen Körper zu tragen. Da die engen Kleider es nicht gestatten, Taschen darin an- zübringen, die Damen aber doch irgendeinen Gegenstand haben müssen, um Taschentuch, Spiegelchen, Schlüssel,' Portemonnaie usw. unterzubringen, so haben wir Handtaschen und Pompadoure. Die moderne Tasche ist sehr groß und meist von dunklem Leder; der Pompadour ist ans Perlenstickerei oder starkem Brokatstoff mit Brokatschnüren. Die einfache Ledertasche wird am Henkel getragen, die Pompadourtasche an langen (eibenen oder brokatenen Schnüren über die Schulter gehängt, Art Stelle der Spitzenhandschuhe treten mit kühleren Herbsttagen allgemein wieder die Leder- und Glacehandschuhe, wenn Wtörlich praktische Stoffhandschuhe auch immer beliebt bleiben. Strandraub und Strandrecht. Von F. Dan nm eher. Von Strandraub und Strandrecht erzählt uns ein soeben erschienenes prächtiges Bändchen der Naturwissenschaftlichen Bibliothek für Jugend und Volk. Schon im Jahre 1238, so lesen wir, machte Hamburg mit den Anwohnern der Niederelbe, den Hadelern und Wurstfriesen einen Vertrag des Inhalts, daß. die Schiffbrüchigen, die bis dahin als Leibeigene behandelt wurden, frei sein sollten. Selbst die Kirche nahm sich der Schiffbrüchigen an! 1265 belegte er vom Papst Clemens IV. gesandte Kardinal Guido während seiner Anwesenheit in Hamburg die Ausübung des Strandrechts mit dem Bannsluche und erließ 1266 zu Lübeck eine strenge Verordnung an. die Geistlichen, darauf zu achten, daß die Schiffbruch osoer Seenot leidenden Hamburger oder die Leute der übrigen Hansestädte nicht beraubt oder mißhandelt würden, sondern ihnen vielmehr jede Hilfe geleistet werde; auch müsse ihnen das Geraubte ersetzt werden. Trotz alledem blühte der Strandraub noch viele Jahre. Mit dem Ranbschloß Ritzebüttel, das als ältester Profanban Norddeutschlands noch steht, machten die Hamburger und Wurstfriesen kurzen Prozeß. Sie stürmten es 1393 gemeinsam, und Hamburg kaufte es später klugerweise ihren Besitzern, den Rittern Lappe, ab. Aus der drohenden Zwingburg wurde eine Schutzburg für die Schiffahrt. Dennoch mußten es die Hamburger erleben, daß ihr eigener Vogt, Bernd Beseke, vom alten Normannentum auf Neuwerk aus Strandraub trieb. Er wurde jedoch 1536 gefangen gesetzt und noch in demselben Jahre enthauptet. Heute verfällt jeder, der ein Schiff absichtlich in Gefahr bringt, langjähriger Zuchthausstrafe. Der freie Strandgang, d. h. das Suchen und Fischen nach .Strandgütern oder, wie man jetzt int transitiven Sinne des Wortes sagt, das „Stranden", ist altes Friesen- und Sachsenrecht und bildete in armen Fischerdörfern, ehe sie durch ihre Badegäste wohlhabend wurden, eine stetige Einnahmequelle. Noch vor etwa 30 Jahren wtirde deshalb in mancher Kirche am Nordseestrande gebetet: „Herr, segne unfern Strand." Man darf aus diesen Worten jedoch nicht schließen, daß die Bewohner int allgemeinen nicht erst die Menschen ans Seenot retteten, ehe sie au die Bergung der Güter gingen. Das „Stranden" ist recht lohnend, zumal lvemt nach Stürmen einige Holzdampfer ihre Decksladung haben iverscn müssen. Dann ergießt sich ein wahrer Holzsegen über die baumlosen Inseln der Nordsee, der dadurch ein wenig eingeschränkt wird, daß die Zollbehörde unerbittlich den gebührlichen Einfuhrzoll des Strandgutes fordert. Oft hat dieses „Stranden" auch unangenehme Folgen für die Finder. So erkrankten in Wursten plötzlich viele Anwohner an Trichinose, weil sie angetriebenes amerikanisches Büchsenfleisch aßen, das ein Dampfer eben der Trichinen wegen über Bord geworfen hatte. Nach der jetzt gültigen Strandes- brbnnng Muß jedes am Strande gefundene oder in der See gefischte Stück dem Strandamt vom Finder auf die Gefahr hin, des Bergelohns verlustig zu gehen, sofort angezeigt werden. Es erfolgt dann zwecks Auffindung des Eigentümers ein öffentliches Aufgebot. Meldet dieser sich, so erhält er sein Eigentum, nach Zahlung des meist hohen Bergelohns an den Finder, zurück. Erhebt jedoch niemand innerhalb einer bestimmten Frist besch- rechtlichen Anspruch, so gehen seediftrige, d. h. int freien Wasser gefischte Güter ohne weiteres an den Besitz des Bergers über, dagegen werden stranddriftige Güter nach Erstattung bes_ Berge- lohits an den Finder dem Landessiskns überwiesen, vieler lagt das Strandgut dann von Zeit zu Zeit öffentlich versteigern Mau findet am Strande ost die wunderlichsten Dinge: Ftsch- kisten, Schrubber, Pützen, d. s. Spüleimer, Scheuerguasten, Medizm- flaschen, Tanwerk, tonnen mit Fett, Tran oder Lack, Korbe, alte Nutzhölzer und leider, hier seis geklagt, viele ^lalchenposten, die, statt ein dem Seemann heiliges, letztes Notzeichen, an die Lieben daheint, meist in alkoholischer Umnachtung von Vcrgnu- gungsreisenden verfaßten Unftnn enthalten. -Isis nicht strnflicher Leichtsinn zu nennen, toeitn jemand in der Flaschenpost Reklame oder darin einen Heiratsantrag macht; oder wenn jemand schreibt, daß er in übermütiger Saune die Flasche über Bord warf und gern wissen möchte, wer der Finder sei? Zum größten umus artet das Flaschenpostschicken ans, wenn absichtlich falsche ..iel- dmigeii von Schiffsuiitergäugen berichtet werden, die dann rasch in die Tagesblätter übergehen. Es ist vorgekommen, daß Angehörige der Besatzung durch solche Meldungen, durch me Plötzlichkeit des an. sie herantretenden Schreckens „ihren Tod fandem Darum ist es die Pflicht eines reden Seereisenden, selbst keme Flaschenposten zu schreiben und andere darin zu hindern, solche.- zu tun. Wan wird sich um so mehr davor hiiten, wennman weiß, daß nach jedem größeren Sturm der Strand von Heuer- schiffsboteu mit unendlicher Mühe, oft unter eigener Lebensgefahr der Besatzung, abgesucht wird, und die Namen der Sender der öffentlichen Kritik unter&eitet werden. . Ein gar trauriges Bild ists redoch, wenn dre See als «traud- :gut einen Leichnam angespült hat. Dann heißts die Tascheir nach AuKweispapieren durchsuchen oder nach eingezeichneten Buch- sta^n fahnden, um irgendeinen Anhalt zu haben, wer der Tote F, damit seine Angehörigen Nachricht erhalte,r. Leider wird 516 — häMg kein Name gefunden. Dann hestatkei-, man Ven Leichnam nach Christenpslich-t auf dem Friedhof der Heimatlosen Mr letzten Heimatlos! Wie weh das klingt Namenlos ins Grab gesenkt,, Das kein Mutterarm umschlingt/ Dem kein Bruder Blumen schenk^ !AH, im Wind, der diesen Mein, Diesen Hügelsand umweht, Wird manch banges Klagen sein, Das Euch weinend suchen geht. Aber reiht sich himmlisch schön Nächtens oben Licht an Licht, Taut's wie Trost aus jenen Höh'wt Heimatlose seid Ihr nicht. Gustav Falke, Spruch tfuf dem Friedhof der Heimatlosen zu Neuwerk, Dermi$d)te$. *80 Millionen Mark jährlich iür Ans ichts- Postkarten, das ist das erstaunliche Ergebnis, zu dem Franz Eisenbach in seinen Berechnungen über den Verbrauch an illustrierten Postkarten, die er in einem Aufsatz der „Umschau" anstellt, gelangt. Die Zahl der Ansichtskarten, die im Deutschen Reiche zur Post gegeben werden, ivird aus etiva 1600 Millionen Stück geschätzt: zu ihrer Herstellung siitd etwa 600 Eisenbahnwaggons Karten nötig. Deu'schland versorgt aber auch in hervorragendem Maße das Ausland mit Ansichtskarten. Im ersten Halbjahr 1907 bezog das Ausland »00 Millionen Ansichtskarten von Deutschland; im ersten Halbjahr 1908 ist allerdings ein starker Rückgang aus 350 Millionen zu verzeichnen. Amerika ist der stärkste Abnehmer sür unsere Ansichtspostkarten; im ersten Halbjahr 1908 bezog es rund 125 Millionen. Daraus folgen England und Oesterreich-Ungarn; selbst bis nach Australien ist die deutsche Ansichtskarte vorgedrungen. 'Wie man in d e r Flii g ni as ch i >i e steigt und fällt. Einen neuen Höhenrekord mit der Flugmaschine hat, wie berichtet, in den letzten Tageii L o r i d a n aui einem Farman-Zweidecker ausgestellt, der aus dem Feld von Chälons sich bis zu 3220 m erhoben hat. Es gewährt ein hohes Interesse, diesen kühnen Flug an der Hand der Daten, die int Journal mitgeteilt werden, genauer zu betrachten. An deut Diagramm des Fluges, wie es von dem Barometer ausgezeichnet wurde, fällt zunächst der außerordentliche Unterschied zwischen dem Atlistieg und deut Abstieg auf. Während die Linie des ersteren in einem sanften Bogen in die Höhe geht, fällt die Linie des Abstieges fast senkrecht ab. Loridan hat den Aufstieg in 93 Minuten vollzogen, während er in 11 Minuten wieder zur Erde hinab kam. Die Schnelligkeit des Abstieges ist ganz erstaunlich. Man stelle sich vor: daß er nur 660 Sekunden gedauert hat und daß in diesem Zeitraum eine Strecke von 3200 Metern zurückgelegt wurde. Man erhält so eine senkrechte Geschwindigkeit von fünf Metern in der Sekunde: sie würde genügen, vom Eiffel- inrm in einer Minute und von einem stinistöckigen Wohnhaus in vier Sekunden zur Erde zu gelangen! Das ist in Wahrheit ein Sturz und es ist ein Apparat von außerordentlicher Zuverlässigkeit erforderlich, nm eine derartige Leistung zu ermöglichen. Dabei steigt der Flieger doch nicht senkrecht ab, sondern er beschreibt Kurven, so daß die Schnelligkeit der Bewegung bei der noch längeren Strecke in der Tat noch viel größer ist. Das Diagrauim des Atlfstieges läßt zunächst erlernten, daß er sich mit ungleicher Geschwindigkeit vollzog. Bis zu tausend Metern hebt sich der Flieger fast ebenso schnell, als er nachher absteigt. Die Höhe von tauseitd Metern hat er in etwa zehn Minuten erreicht. Mit derselben Geschwindigkeit würde er in drei Minuten zur Spitze des Eiffelturntes gelangt sein, was merklich schneller ist, als mit dem Fahrstuhl. Äon tausend bis zweitausend Bieler Höhe vermindert sich die Schnelligkeit des Aufstieges fast um die Hütste. Er braucht nahezu 20 Minuten, um diese zweite Strecke von tausend Metern zt! steigen. Bon zweitausend bis dreitausend Bieler wird die Kurve noch weniger steil, der Flieger braucht fast eine ganze Stunde, um diesen letzten Teil des Aufstieges zu überwinden. Es sind zivei (tirünbe, die diese Abnahme der Schnelligkeit int Aufstieg bewirken. Die geringere Dichtigkeit der Luit nimmt der Flugmaschine, deren Tragflächen immer dieselben bleiben, einen Teil ihrer Tragfähigkeit. Außerdem verntiitdert aber auch die Luit, die weniger reich ist an Sauerstoff bei gleichen Molunten, die Kraft des "Motors. Es ist sogar fraglich, ob es nicht nötig sein würde, wenn man die höchsten Höhen erreichen wollte, besondere Vorkehrungen zumAus- gleich dieses Mangels an Sauerstoff zu treffen. kf. Was Fürstlichkeiten geschenkt b e t o nt m e n. Königin Maria von England bekam zu der jüngst erfolgten Krönung von den Eimvohnern der Vogelstadt Norivich einen Kanarienvogel geschenkt. Dieser Vogel, den eine Abordnung der Norwicher Bürger im Buckingham-Palast ablieferte, war als der schönste und sangesreichste unter vielen tausenden ausgewählt worden. Mit Geschenken solcher Art, die sich so hohen Persönlichkeiten gegenüber wegen ihrer Unbedeutendheit oft seltsam oder gar komisch au 3 nehmen, ist besonders der verdorbene König Eduard überhäuft worden. So gelangte an ihn eines Tages ein Paket, das die Aufschrift trug: „Sr. Majestät dem Könige von England, Parlaments- Haus, London". Es kam wirklich in die Hände des Königs und dessen Vergnügen wuchs, je kleiner beim Entfernen der zahllosen Hüllen, die den eingepacften Gegenstand umgaben, das Paket wurde und sich schließlich als Inhalt eine Rieseukartoffel entpuppte, die etwa 5 Pfund wog. Echt englischem Spleen sehr nahe war offenbar jene mehr als hundert Jahre alte Same, die dem Könige em Paar von ihr selbst gestrickte Socken zusandte. Der König nahm bei seiner bekannten Höflichkeit das Geschenk an und die alte Dame wird es wohl als ben Höhepunkt ihres langen Lebens betrachtet haben, als sie König Eduards Tankbries in ihren eifrigen Händen hielt. Vielleicht das seltsamste Geschenk, das König Eduard erhalten hat, liegt aui dem Schreibtisch in Sandringham. Es ist die mumifizierte Hand einer ägyptischen Prinzessin, die vor etiva 3000 Jahren verstorben ist. Der König erhielt sie von einem berühmten Aegypto- logen und er benutzte sie als Briefbeschwerer., Als Königin Alexandra, seine Gemahlin, ihren 65. Geburtstag feierte, fand sich unter den zahlreichen Geschenken, die ihr zu teil wurden, eine Büchse Aldeburgher Sprotten. Tie Büchse war mit dem königlichen Wappen geschmückt nnb trug eine Inschrift, auf der die Aldeburgher Fischer die Königin baten, dies Zeichen ihrer Ergebenheit huldvollst anzunehmen. Ein englischer Adliger, Lord Aling« ton, vermachte in seinem Testament derselben Königin unb ber Herzogin von Connaugt — je 2000 Mark und dies unter der Bedingung, daß ber König von ihm ein halbes Dutzend sehr schöner und kostbarer Westenknöpfe annehme. Tiefes Vermächtnis ivird aber noch von dem einer alten schottischen Dame übertroffen, der Königin Viktoria oftmals Gunst erzeigt hatte. Sie vermachte ihrer hohen Göinrerin — ein Grabgewölbe auf einem Kirchhof bet Balmoral. „ , , * Das Ende ber „kußlosen E h e". Mrs. Ethel Gamber, bie in Amerika eine rasche Berühmtheit als die „uugekußle Frau" erlangt hat, ist mit ihrer Klage auf einen Unterhalt von 1000 Mk. im Monat gegen ihren Gatten abgewiesen worben. Das Gericht hat sich auf bie Seite bes Mannes gestellt unb ba mit zit- gleich ein strenges Verbikt gegen die Frivolität unb den Leichtsinn ausgesprochen, mit denen Frauen der „guten Gesellschaft" bisweilen Ehen schließen. Gamber, ein reicher Bankier und Junggeselle „in den besten Jahren" — er war 47 — hatte um die schölte Ethel, ein Mädchen aus den ©übftaaten mit braunem Haar unb blauen Augen, geworben unb zuerst von ihr einen Korb erhalten. Dann aber besann sich bie Dame eines anderen und gab ihm schließlich ihr Jawort, inbem sie ihm mit einem Blaustift bie Worte auf bie Hemdenbrust schrieb: „Ich liebe dich." Daraufhin ward das Bündnis mit einem „eisigen unb ergebenen Kuß" besiegelt, unb int April 1910 fanb bie Hochzeit in Newyork statt. Vor deut Altar bekam bie Braut einen hysterischen Anfall, stieß ben jungen Ehemann von sich unb schrie ben Brautjungfern zu, sie könnte seine Berührung nicht ertragen. Schließlich würbe sie weinend in den Wagen geschleppt. Unb wie bie Ehe begonnen, so ging sie weiter. Vor Gericht suchte bie Dame es so zu brehen, als ob es ihr Mann habe an Liebe fehlen lasse», aber es mürbe erwiesen, baß sie sich höchstens zu den jetzt sprichwörtlich geroorbenen „Ergebenheitsküssen" herabließ unb sich hartnäckig weigerte, mit ihm wirklich als seine grau zu leben, inbem sie immer wieder erklärte, sie liebe ibn nicht unb habe ihn nie geliebt. Schließlich habe sie ihn sogar „ein altes Weib" genannt. Das Gericht stellte sich auf ben Standpunkt, daß eine grau, bie in so frivoler Weise unb mit ber Absicht, nur eme Scheinehe zu führen, um einer eleganten Wohnung unb eines luxuriösen Lebens willen einen Mann heiratet, in Wahrheit gar nicht verheiratet ist. ~ * Der „Schlag schatte n". „Unser armer Freund Kmlle hat richtig geahnt; seine Alte ist; noch wach — ich sehe ihren Schlagschatten!" Skat-Ausgabe. Es wird Bierskat gespielt. Hinterhand, welche folgende Karten ♦ ♦ ♦ 0 ♦♦♦ * ♦ o o ❖ o ♦ » ♦ ♦ * + -i- » [V ♦ paßt, desgleichen Mittelhand, woraus Vorhand Ramsch anfagt- Vorhand hat 27 Augen in ihren Karten mehr als Mittelhand. Hinterhand fängt den Ramsch mit einer Jungfer. Wie saßen bie übrigen Karten unb wie wurde gespielt? Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer» Zeeland — OSman — Bienji — Natal — Moab — Ararat — Ohristchurcb; Zorn macht blind. Nebaktion: K. Neurath. — RotalionZdruck unb Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steinbruckerei, R. Lange, Gießern