tzerzeloMe. M»man von Georg Freiherr» von O m p t e b a. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Bald' saßen wir alle zusammen. Die ganze Gesellschaft war in der Oper gewesen and wollte nur noch, ehe man in die verschiedenen Hotels ging, eine Kleinigkeit genießen. Wer die Bekannten von Leristows waren, ist mir entfallen, nur eines jungen Mädchens entsinne ich mich, neben das ich zu sitzen kam, während Herzeloide mir gegenüber blieb. Das Mädchen ließ mich fast Bedauern empfinden, daß meine Einsamkeit unterbrochen worden, denn es schwatzte unaufhörlich. Sie schien es geradezu als ihre Pflicht zu betrachten, mich nicht einen Augenblick zur btuhe kommen zu lassen. Das klapperte wie ein Mühlenrad: „München wäre schön, sie könne kein Bier vertragen, aber sie tränke es doch, und in ihrem Hotel wären sie sehr gut uutergebracht, aber die Glyptothek hätte sie sich gespart, wenn auch LenbachsAtelier interessant wäre, nur der schroffe Temperatniluechsel, den hätten sie übrigens in Breslau auch, aber die Winde aus Rußlauo dazu, immerhin, gedünstete Leber esse sie gern, auch einen dänischen Onkel besäße sie, obwohl er eigentlich gar kein Däne wäre, denn er lebe in Paris. — Nicht wahr, das ist eilte Stadt! Aber dazu muß man verheiratet sein oder Amerikanerin, oder sehr viel Geld haben. Mögen Sie Uhde? Voriges Jahr waren wir in Zermatt. Wir reifen Nämlich jedes Jahr, nur einmal hatte Mama die Masern." So ging es ununterbrochen. Ich dachte: hat die einen Klaps? Ein paar Mal versuchte ich zu widerlegen — nn- möglich, sie war, während ich noch sprach, bei Chopin, und als ich da hinüberglitt bei hausschlachtener Wurst. Schließlich begnügte ich mich zuzustimmen, doch auch das ging nicht, denn sie -begann mir sofort zu widersprechen. Nur widerlegte sie Dinge, die ich nie behauptet hatte. Nach einer halben Stunde war ich vollkommen mürbe. Wenn sie behauptet hätte, ich wäre eine junge Dame und sie selbst mein Wachtmeister, ich würde sofort zugestimmt haben. Ich wagte gar keine Antwort mehr. Ich nickte, trank ab und zu und hatte nur den einen Wunsch: „Zahlen! Zahlen!" Mein Blick irrte hilfesuchend im Kreise, ob denn die Herrschaften noch nicht an Aufbruch dächten, aber es schien nicht so. Da streifte mein Auge Herzeloide. Ich wollte über sie fortgleiten, doch sie sah mich mit solchem Ausdruck an, daß ich in ihrem Gesicht zu lesen begann. Und ich las ein: „Ach, Sie Armer, wie bedaure ich Sie!", ein solches warmes Mitgefühl, ja säst eine Angst nm mich, als litte ich fürchterlich, als schnitten ihr meine Qualen in die Seele. Da ward jäh die Brücke zwischen uns geschlagen. Wir hatten etwas Gemeinsames. Während meine Nachbarin iveiterschlMtzte^ blickte ich Muäber Herzeloide, Md wir verstanden uns. Das Mitleid, das ich drüben fand, ließ mich alle Redenot vergessen. Ich betrachtete mich nicht mehr als den Angegriffenen, den Ueberschwemmten, der in all dem Wortschwall elend zu ertrinken drohte, sondern das! redselige Jüngferlein begann alle Schrecken zu verlieren. Ja, ich mußte mich überwinden, nicht zu lachen. Ich Horts gar nicht mehr zu, sondern blickte immer zu Herzeloide hinüber, und während ich meiner Nachbarin ein ernst-erstauntes. Gesicht machte, das bei allen ihren fabelhaften Gedankens sprünqen zu sagen schien: „Ach nee!", lachte Meine Seels laut auf über dieses putzige, schwabbelnde Menschenkind an meiner Seite und Pflog Zwiesprache mit dem stummen Wesen, dessen blaue Angen mir Drost zusprachen: „Geduld, Geduld, die Nacht bricht ein, da niemand wirken kann, auch diese Zunge wird müde, auch diese Kinnbacken werden schlaff, Geduld, Geduld, alles Leid — selbst die Geschwätzig- fett endet hienieden!" Sie endete. Man brach aus. Draußen vor dem Cafe wurde Abschied genommen, nur Leristows und ich hatten den gleichen Weg. Ich erinnere mich noch, daß einer der Herren in bezug auf meine Elster mich ganz begeistert! fragte: „Nun sagen Sie mal, ist das nicht ein gescheites Mädchen?" Ich aber sandte in meiner Herzensangst und' Not, indem mir bei dem Gedanken ganz warm ward, ein solcher Abend wie heute tonnte sich wiederholen, ein Stoß-, gebetlein zum Himmel, das etwa geläutet haben mag! „Lieber Gott, laß deine Gnade unverdient leuchten übet mir Armen und nimm meine Nachbarin zu dir, oder so du nicht willst, lasse sie mir nie wieder auf deiner Erde be-, gegnen!" _ Der Abend war frisch, Ivie meist auch im Sommer in! München, die Lust herb, eins Erquickung nach dem einge- schlosssnen Raume, dem Rauch und dem Geschwätze Ich schritt zwischen Mutter und Tochter. Sie schwiegen beide. Dis ältere Dame war müde vom Tage, Herzeloide aber schien zu empfinden, was mir fehlte: Stille. Wir sprachen kein Wort miteinander und haben uns doch unterhalten. Wir blickten uns nur ab und zu an, aber darin lag Frage und Antwort. „Nicht wahr, ich soll nicht sprechen?" schien ihr Ange zu sageu, und meines gab die Entgegnung: „Dank sür Ihr Zartgefühl!" Unsere Schritte hallten in dem schweigenden Abends auf den Steinplatten des Bürgersteiges. Sonst war es ganz still, kein Wagen führ, nur ans der Ferne klang einmal ein Geräusch des Lebens zu uns, ans der Weite des Platzes her überkommend. Wir gingen an den Häusern hm. Drüben int grünen Dunkel der Anlagen ahnte man hier und da ans .einer Bank ein Paar. Zwei und zwei sähe,! wch menschliche Schatten stehen, aber alle Schatten waren stumm. Sie hielten sich nur bei der Hand und verstanden sich so,, auch ohne daß die Lippen sich bewegten, wie wir uns veri standen, die wir im Sternenlichts gingen. —, Sterne waren am ganzen schwarzen Himmel entzünde^ wohin in dem langen Spalt zwischM HächeM Md Mnmeq — 242 — ^^Dabei Ächte' ich: was macht jetzt wohl Herzeloide? Ich malte mir aus, sie läse nun wohl Mutter vor, die ihre Augen schonen mußte. O, wie gern hatte ich zugehort, hätte heimlich durch einen Spalt geguckt, um zu tot];en, toa§ sie trieben. Ein junges Mädchen war mtr tmmer ein Rätsel gewesen; tote etwas, das meine Leutnantsaugen nicht fassen tonnten. Was ging in so einer Seele vor, tote Krachte sie ihre Tage hin, tote beschäftigte Ite stch daheim. toenn lein fremdes Auge sie sah? Mir waren von je un8 je Mädchen tote süße Wunder erschienen, so anziehend und doch so toeltenfern, so fremd und doch sehnsüchtig meinen Gedanken verwandt. Und so Plagte es mich, tote ich da etnsam saß, zu wissen: was tut wohl jcht Herzeloide? ^ch stellte mir vor, wie sie der Mutter den Tee bereitete, denn das hatte sie mir erzählt, wie sie dann ein Buch nahm und WrI&ie hatte eine eigen verschleierte Stimme, von tiefem! Klang. Nicht Heiserkeit klang daraus, sondern etwas Weiches, Mildes, etwas Weibliches, eine stille trauliche Musik. Vertrauen gewann man zu ihr. Wie ich daran dachte, fuhr ich auf. Mtr war es, als müßte ich zu ihr eilen, hu sehen, was ste^tate, zuzuhoren, heimlich in einer Ecke, tote sie vorlas. Und mich quälte s, nicht zu wissen, was sie sprach, wassie trieb Eine große Unruhe überfiel mtchi ich fühlte mich verlassen an meinem Tisch, rief die Kellnerin, und einen Augenblick darauf kühlte die Abendluft meine brennende Stirn. Wie an jenem Tage ging ich den Weg an den Häusern hin, während rechter Hand die Laubmassen der Anlagen dunkelten und über mir der Sternenhimmel ^"tadTte: nun läuft der Urlaub bald ab. Du mußt Zurück zu deinen Rekruten, eine andere Welt empfangt dich, und du wirst in all dem Dienst und Reitbahnduns an diese Münchener Zeit zurückdenken wie an emen seligen Traum, der beim Erwachen nur noch dumpf das Hirn erfüllt mit seiner lichten Glückeswelt. Wenn man sich den Schlaf aus den Augen gerieben, wenn man den Kopf in die Wa chschale gesteckt hat, ist es aus. Der Tag fordert ferne gÄchte De/Traum verblaßt, ist bald vergessen. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des psstMsens im GrMerMtum Hessen. Von M. Koehler und R. Gold mann. III. Tie Post im 18. Jahrhundert. 1. Bis zum Jahre 1730. fein sam gX Tiefer bemühw sich Sa^bie* in ewem Laute insbesmlbere den Verkehr zwgchen Darmstadt und dem Oberfürstentum, zu verbcnern. . ^a[Tte 1705 ließ er heimlich durch den laperlichLn Posr-- ünllmeiiter Brandl in Frankfurt den sogenannten Hospimlhaf m /r Klavv/a°sse auf die Tauer von 10 Jahren mieten, uber- nabm nachdem der Alietsvertrag rechtsgültig abgeschlojfei. --ur, üen^Brandl w seine Dienste und ließ durch ihn im Hospualhof /ckckckes Postamt nebst Posthalterei owie einen neuen Post- wagenkurs^nach Darmstadt einriclsten. Als Stadt Fraichurt «musrffi fcVS'iMh« Wto«« >> gewiß etwas Unpassendes auswählen. _ . . Wenn ich mit den Damen ausging und hatte einen Stock mit, so fragte ick)-: — Wird es regnen? , Keine Wolke stand am Himmel, aber ohne ihren Spruch würde ich es nicht mehr -gewagt haben, mich weit vom Höret zu entfernen. Und ich war erst beruhigt, als Herzeloide mit scheinbar ernster Miene sagte, während ihr doch ein Lächeln nm den Mund zuckte: — Ich bürge für schönes Wetter! , Ich geriet förmlich in Knechtschaft und Sklaverei, ^ch blickte bei jedem Schritt zu Herzeloide aus, ob er wohl tote Billigung finde. So verging denn em r,ag nach dem andern, und ich blieb. Frau von Leriftow war manchmal abends müde, und die Damen entarten SU Haus oleiben zu wollen. Das war dann ein Tag, an dem ich Trübsal blies. Ich hatte noch andere Bekannte in München, aber ich suchte sie nicht auf. Ich ging ins Cafe Luitpold, setzte mich dort, toenn er frei war, an den Tisch, an dem ich an jenem ersten Abend allein gesessen, und vor der giatten Marmorplatte, von der Zenzi ober Kathi ,oder wie sie hieß, die mich bediente, diesmal nicht vernachlässigt, leerte ich em GtaK Auae fiel Sie schienen heute abend zu zucken und JS’fÄEin MÄ« Pracht. sagen: „Geht nur schweigend dahin, ihr beiden Mensch- Huber Wollt reden? — Sprechen wir? Cagt un|er X-iajt genug’, das wir hinuntersenben auf eure Erde, solange Menschen dort zu uns hinaufgeblickt?" rmbfifchen Und ich fühlte etwas vom Zauber dieser stadtistchen Wr-rrht ii-nh tnar feerxeloibe von Herzen dantoar, für Ihr e&i? ? ”, bie Ä»e= » f* S Strnuno und Phnntust- stricht. taufenbmat ihcTit 5ctcrt oft ©djivcißßn. . Vor dem Hotel, in dem die Damen wohnten, ver- /rUfrbiehete ich mich. Da fiel das erste Wort: — Sehen wir Sie morgen? — fragte Frau von Leristoto. Wir verabschiedeten uns, dann küßte ich der Mu.ter die Hand, und zur Tochter sagte ich: '— Gute Nacht, Herzeloide. * liefert Tie Gebühren, welche nach der „Fürstlich Hessen-Darm- städtischen Brief-Taxa" für „die auf der bißhero freyen nun» mehro aber eingerichteten Landpost spedirenden Brrefe und Paquete" erhoben wurden, sind aus Anlage V ersichtlich. Tie zur Verordnung vom 31. März 1730 erlassene Prali- minar-Post-Verordnung wurde bereits am 12. März 1731 als Fürstlich-Hessisches-Post-Reglement (Anlage VI) veröffentlicht und durch neue Bestiinmungen ergänzt. Letztere ricksteten sich namentlich gegen die „Kärcher, Butter- Führer, Leinwands-, Hühner- und andere Viktualien-Träger , denen die Beförderung verschlossener Briefe „bev zehen Rthlr. Strafe oder Consiscation ihrer Maaren auch allenfalls incar- cerirung" verboten wurde. Ferner wurden die Beamten und „Zoll-Berenter" aulgefordert, dem Briesschniuggel mit aller Schärfe entgegenzutreten. Diese Maßnahmen waren umso notwendiger, als die Portohinterziehungen durch die Zersplitterung ,Pro Salario der Brief-Distribution" erhielt Bieler „die Halbschied des eingehenden Briefportos; wegen Führung der Kaiser/. Postwägen, sowohl des Fahrgeldes als der Spedstions! douceur halber hatte er sich mit dem zu begnügen, was andere« Kavserl. Reichspost-Stationen a Proportion der Distanz und der ösr ää äsääM Überträgen Der Darmstädter Postillion kam Montags, Dienstag«, Donnerstags und Samstag früh um 9 Uhr in Frankfurt im Hessischen Palais auf, der Zeil an und ging an dmi Tagen nm 3 Uhr nachmittags ab. Ludwig VIII. (1739 1768) bestimmte mit erat 18. März 1749 Anlage XI), „das; iaiid- gräflichen Beamten und Diener zu retablir- iutb Mieder-Empor- fl. Umgestaltung der CaNzleyposten zu öffentlichen Landesposten. In einen neuen Entwickelungsabschnitt trat das Hessische Kostwesen im Jahre 1730. Ernst Ludwig erliest unterm 31. März folgende Verordnung: „Von Gottes Gnaden Ernst Ludwig Landgraf zu Hessen, Mrst zu Hersfeld, Graf zu Katzenelnbogen, Tietz, Ziegenham, Nidda, Schaumburg, Jssenbnrg und Büdingen. r Edle, sodann hochgelehrte Räthe liebe Getreue! Nachdem wir dem oeconomo Ohswald und Kriegskafsier Thom zu Gießen, nicht nur das ganze Postwesen in unserem ^bermrsten- thum, sondern auch die Brieff-Post in der Obergrafschast Katzenelnbogen und zu Frankfurt auf vier Jahre zur Prob und ohne I Nus inzwischen etwas an Geld davon ,zu entrichten, redoch auf | ihre Kosten und unter denen abschrifstlich hier beyliegenden I Punkten, auch der zugleich angesügten Brief-L.ax-Ordnung in Gnaden übertragen, anbey verordnet haben, daß weylen fothane I behde Postmeister den neuen Post-Conrs insgesamt auf den 2. I jetzt folgenden Monats Aprilis zu Giessen und morgenden Sanis- lag als den 1. ejusdem allhier in Unserer Fürstlichen Refidenz I «nfangen wollen, alsdann die bisherige Canzley-Post cesftren I soll; so ist unser gnädigster Befehl hiermit, dast ^>hr Euch I darnach achtet diese unsere gnädigste Verordnung bei Unserem ! Megierungs-Collegio behörig publicirt, über derselben alles I Ernstes haltet, und das Postwesen in allen Stücken befördern helffet. Versehens Uns und seynd Euch mit Gnaden wohl ge- I wogen. Darmstadt, 31. Marty 1730. -gez. Ernst Ludwig. Durch diese Verordnung, besonders aber durch die hierzu erlassene „Präliminar-Post-Verordnung" vom 21. Vcärz, die Mit dem in Anlage V abgedruckten Fürst!. Hess. Post-Reglement vom 12. März 1731 fast gleichlautend ist, und die „Furstlich-Hessen- Tarmstädtische Brieftaxa" vom 28. März 1730, wurde die hessische „Canzleypost" jedermann zugänglich und erhielt den Charakter einer öffentlichen Verkehrsanstalt. L>o wurde , unter Punkt 9 der Präliniinar-Post-Vervrdnung ausdrücklich bestimmt, daß, sich die Postmeister tüchtige Pferde usw. anschaffen, damit sich „Niemand mit Fug zu beschwchren Ursache habe", uni» damit die Landespost „Einheimischen als Fremden bequemer und wohlfeiler erscheinen und vor Mideren gdsncht werden möge". Gleichzeitig wurde daS Rosbacher Relais von Ober-Rosbach nach Friedberg verlegt, wo „entweder der Kaisers Taxissche Postmeister Vaupel oder eine andere geeignete Person, die mit möglichster Vermeidung neuer Contradictionen mit denen Kayserlichen ausfindig, zu machen sei", die, Beförderung des Friedberger „paquets" übernehmen sollte. Die Post ging Dieiistags und Sonnabends morgens in Darmstadt ab, traf am nächsten Tage früh in Giesten ein und kam Donnerstags und Montags vormittags wieder nach Darmstadt zurück. Im Anschluß an diese Post sollten die beiden Postmeister Ohswald und Thom in Giesten eine Verbindung über Eisenach ins Sächsische, Branden- burgische und Braunschweigische, ferner nach Grünberg und Alsfeld statt des bisherigen Botenganges einen Postritt und schließlich eine „Poststation" über Friedberg auf Hanau und einen Botengang von Giesten nach Metzlar, wo em „besonderer! Postverwalter" anziinehmen war, anlegen. Im weiteren wurden die beiden Postmeister ansgefordert, „die Postofficianten zu salariren", die „Brieftaxa" zu verösserttlichen und diese bei Erhebung des Portos genau zu beachteil. Nach Punkt 11 der Postverordnung hatten „Alle Fürstliche Ministri und Geheime Räthe, alle Generals, alle Chefs bey Hoff, Forst, Jagd und Marstall, alle wirklich bey denen Fürst!, collegii Votum und sessionem habende Räthe durchgehende Besreyung von allen Briefporto zu geniesten. „Dar entgegen" waren „Die Stabsoffiziers, Pro- fessores und Snperindendenten zu Giesten und Darmstadt, „alle Leib- und Hof-Medici, wirkliche sekretarii Oberbeamte und Fürstliche Kammerdiener von dem Porto nur bey denjenigen Briesen befreyt, welche zu Gießen oder Darmstadt auf- und an eui oder anderen dieser Orthen wieder abgegeben wurden und in specn Mit der Landpost liefen". Eine weitere Portobefreiung wurde durch Verordnung vom 15. Juni 1730 den „notorisch Armen" gewährt, sofern sie sich bei dem „Bottenmeisterey Controlleuit genugsam legitimirten" und ihre Briefe von diesem abftempeln des Postwesens Und den Wettbewerb zwischen den verschiedenes Postverwaltungen besonders begünstigt wurden. Trotz dieses Wettbewerbes warf jedoch die Landespost bald einen recht erheblichen Gewinn ab. Tie Postmeister Ohswald und Thom mußten daher bereits im Jahre 1733 der hessischen Regierung für dm Uebertragung des Fürstlich-Hessen-Tarmstädtischen Landes-Postwesens eine jährliche Abgabe von 750 Gulden zahlen; gleichzeitig wurde ihr Vertrag noch vor Ablauf der durch Verordnung vom 31. März 1730 festgesetzten vierjährigen Probezeit auf zehn Jahre Und weiter auf unbestimmte Zeit verlängert. 3. Erste Uebereinkunft zwischen Hessen und Taxis 1744. Mit der allmählichen weiteren Ausgestaltung der Landesposten verschärfte sich auch der Wettbewerb zwischen dieser und der Kaiserlickfen Post. Oft ließen sich die Interessen der beidm! Verwaltungen nicht vereinigen, und es brachen, obwohl die Fürst-' lich Hessische Regierung die Organe der Landespost wiederholt ermahnte, mit den benachbarten Postämtern,, insbesondere mit der Taxisschen Verwaltimg, gute Freundschaft zu halten, doch hier und da Streitigkeiten ans, die den Postbetrieb ungünstig beeinflußten. , „ ., , , Um diesen Uebelständen abznhelsen, zugleich auch um den sich wieder mehrenden Portohinterziehungen zu steuern, die sowohl die Fürstliche Landespost als auch die Verwaltung der Kaiserlichen Post erheblich schädigten, wurde von den ber^n Verwaltungen zum 28. Will 1744 eine Zusammenkunft nach ^rank- fitrt berufen, auf der Hessen durch den „Geheimbd Regierungsrat Baron Teufsel von Pürkensee und Taxis durch Geheimrat von j Berberich vertreten waren. Tas Ergebnis der Beratungen war der Abschluß der in Anlage VII 'wiedergegebenen „Convention wegen Bestellung des Postwesens in den Hochsürstlich Darmstädtischen Landen . Dies« bestimmte, daß die Kaiserliche Briespostverwalteret tn Darmstadt für die Folge stets einem vom Landgrafen zu ernennenden, für Thurn und Taxis aber zu vereidigeichen Beamten übertragen! werden sollte; ferner verpflichtete sich der Landgraf, dieser Brief- post „allen landesherrlichen Schutz angedeyen zu lassen und dem Briefschmuggel kräftig zn steuern Als Gegenleistung bestätigte Taxis „den bisher (auf den hessischen Landesposten) gewesenen Brieffreythnm" und versprach den Postkurs über L.arm- stadt beizubehalten und auf diesen auch die „gegenwärtigen Ordinarien, Estasetten, Kouriers sowie den sogenannten Wetzest Kaiser!. Postwagen", der im Jahre 1634 von dem taxissche« Postmeister von den Birghden zwischen Metz und Frankfurt eingerichtet worden war, zu leiten. Tie Auswechselung der bestätigte« Ausfertigungen dieser Uebereinkunft erfolgte am 21 Mai 1744. In der hierüber aufgenommenen Verhandlung (Anlage Vlll) I wurden außerdem von Taxis noch einige Portofreiheiten und von Hessen die den Kaiserl. Posten bisher gewahrte Zoll- und Wegegeldfreiheit auch stir die Zukunft gewährleistet. Der erste Fürstlich Hessische und Kaiserliche Reichs-Postverwalter in Darmstadt war der Fürstlich-Tarmstädtische Kammer-Rat Bieler. Die ihm vom Fürsten Alexander von Thurn und Taxis erteilte „^zn- struktion" (Anlage IX) vom 15. Juni 1744 schrieb ihm in 15 Paragraphen alle seine Dienstobliegenheiten aufs genaueste vor und befahl ihm, „allen darin enthaltenen Punkten jo pflicht schuldig st nackHukommen, als wären solche von Wort zu Wort m der abgelegten Eydes-Formel enthalten . Er mußte snr die punktlichs Abfahrt sämtlicher Poste-,, für die Bekannttnackfung chrer W- ftmfls- und Äbgangszeiten und für die Veröffentlichung der „Brieftaxa" sorgen. Bei Ankunft und Abgang der Poften sollte er nachsehen, „ob alle in dem Stundenzettel annotirte Briefe und Paqueter vorhanden waren und ob sothane Paqueter ohn- verletzt sich befänden". Ueber das „eingehenbe Porto hatte er eine exacte und genaue Notiz zu halten und Brieffe, vor welche kein Porto erhoben worden, besonders, und zwar «kuck weiß rm Correspondenzzettel sowohl, als in bem darüber haltende Manuali anzumerken". „Zur Schmälermig der Kayserlichen Reichs-Post- Verwaftung in Darmstadt" durfte „mit anderen ausländischen! Posten und Botten in der Ober Grafschaft nicht angebundeil werden" Zur Verhütung von Portohinterziehungen hatte Bieler mit einem Beauftragten der hessischen Regierung monatlich einmal oder zweimal die „Kärcher, Kutscher, Fichrlente und Botten zn Vermachter. * Wo nt Laufb urschen » nut Silberkönig. In N e ii »o rT starb Angst Dav.t b M o ffat, der unter beut' Namen, de? „Silberwnigs" bekannte Multimillionär, tut Alter von 72 Jahren. Sein Lebensgang entrollt das typische Bild der echt amerikanischen Laufbahn, die den Laufburschen von ehedem in bringuUg der Frankfurter Station die Equipagen des Kleesen vor anderen allda befindlichen Posten gebrauchen sollen". In Oberhessen erhielten Butzbach und Friedberg gegen Mitte des 18. Jahrhunderts eine neue Verbindung nach Wetzlar und nach Frankfurt durch eine von Texas neu eingerichtete, in der Woche dreimal zwischen Frankfurt und Wetzlar verkehrende Post. Ferner erweiterten Büdingen und Michelstadt ihre bereits seit Mitte des 17. Jahrhunderts bestehenden Botenposten nach Franffurt durch die Einrichtung von Landkutscheu. Der Michelstadter Wagen kam Freitags in Frankfurt an und nahm Pakete mit nach Babenhausen, Fürstenau und Erbach. * ,4. Weitere Entwicklung des Postwesens. Die von Mae Adam gegen Ende des 18. Jahrhunderts eingeführte Straßenbauweise, die die Anlegung von Kimststrayeu bedeutend erleichterte und verbilligte, veranlaßte auch den Landgrafen Ludwig IX. (1768—1790) in seinem Laude die ersten Kunststraßen anznlegen. Diese Verbesserung, die gleichzeitig erfolgte Vermehrung der Verkehrswege führte bald zu einer Steigerung des VerkehrsbÄ>ürfnisses und des Verkehrs felbst. Ludwig IX. konnte daher mit Rücksicht hierauf bereits durch Verord- irnug vom 10. Juli 1775 (Anlage XII) die vom Postmeister Thom bisher gezahlt« jährliche Abgabe von 750 fl. vom 1. Juli |1775 ab auf 1100 fl. erhöhen, wofür er dem Thom die fernere! -„Administration der sämtlichen Landes-Brief-Posten ad dies vitae" übertrug. Durch eilte weitere Verordnung vom 10. Juli 1775 (Ansage XIII) wurden zur Beseitigung von Uitlerschleifen und Mißbräuchen die das Portofreitum betreffenden Bestimmungen für die Landesposten (Punkt 11 und 12 des Post-Reglements vom 12. März 1731) für die kaiserlichen Posten (Punkt 4 der Ueber- letnkunft vom 28. April 1744) und die Hessen-Casselsche Post (Uebereinkunst vom 22. März 1727) zur genauesten Beachtung En Eritmerung gebracht. Auch das Verbot „des loieber ein» S" "ich en en Briefsammelns, Führ- und Tragens, von denen er, Hauderer, Butter-Führer, Leinwands-, Hühner- und andere Vietualien-Träger, Hocken und Gäugler" würbe „erneuert Mnb geschärft". Ohne landgräfliche Genehmigung „durfte keiner ehteit bedeckten Karch von Darmstadt auf-Frankfurt führen, noch Bche. oder andere ordinaire ständige Kutsche oder Wagen im rstlichen Laiche errichten und fahren". Die Strafe für die Unbefugte Beförderung von Briefen und Paketen unter 20 Pfund betrug 1 Reichstaler für jeden Brief und jedes Paket, die außerdem „eonfisziert und annulliert" wurden. Dem „Kriegs-Kassen- Diener Ernst Brück, der beim „monatlichen Contributions-Trans- Port" wiederholt Briefe unbefugter Weise befördert hatte, wurde im Wiederholungsfälle „ohnnachsichtliche Cassation", und „dem Johann Georg Rummels von Grimberg, der sich sogar eines alle Woche zweimaligen, ordentlichen Botten-Ganges nach Gießen ermächtigt hatte, Jnearceration im Gieser Stvckhanß" angedroht. „Die Wachten, auch Thor-Schreiber in Darmstadt und Gießen und die Zollberenter auf denen Straßen" wurden „zu öfteren) genauen Visitationen" ermächtigt. Schließlich erhielten noch alle landesfürstlicheu Beamten, den Befehl, auf die Beachtung der zum Schutz gegen den Briesschmuggel erlassenen Bestimmungen zu sehen, da, falls sie sich „einiger Nachlässigkeit oder Convenienzj Mn Schulden kommen ließen", sie selbst als llebertreter dieser) .Bestimmungen angesehen und bestraft werden sollten. Zur weiteren Förderung -des Postwesens übertrugen im Jahre 1777 die Fürstl. Hessen-Darmstädtische und Flirstl. Sachsen- Eiseuachsche Regierung den bereits 1715 eingerichteten „Sammt- wagenkurs" Franffurt (Main)—Eisenach dem Posthalter Krumm in Eisenach als Lehn. Der Krummsche Postivageu ging Montags und Freitags früh nm 7 Uhr in Franffurt ab, kam in Eisenach Mittwochs und Sonntags um 5 Uhr nachmittags an, ging Diens- tags und Freitags Wieder zurück und traf Donnerstags und Montags abends in Franffurt ein. Der Fahrplan ist in Anlage XIV abgedruckt. Die im Jahre 1777 veröffentlichte „Herzoglich Sachsen- Eisenach und Fürstlich Hessen-Darmstädtische Samt Postwagen Taxe von Franffurt ans Eisenach und retour" enthielt Tarife für Reine „Paquets nick Kaufmäuus-Waaren, für Ceutiier-Guth, sowie für Akten und Briefe". Die Gebühren richteten sich nach dem Gewicht und der Entfernung. Ein Brief im Gewicht von 1 bis V/s Loth kostete in der 1. Zone (1 bis 3 Meilen) 6 gute Pfennige oder 2 Kreuzer, in der 2. Zone (4 bis 6 Meilen) 9 Pfennige oder 3 Kreuzer, in der 3. Zone (7 bis 9 Meilen) 12 Pfennige ober 4 Kreuzer und so fort alle 3 Meilen 1 Kreuzer weiter. Die für die Personenbeförderung festgesetzten Gebühren sowie die weiteren bei Benutzung dieser Post zu beachtenden Bestimmungen sind ans Anlage XIV ersichtlich. raschem Aufstieg zu der die Finanzwelt beherrschelchen Höhe 8ß| Großindustriellen hinanfführte. Gab es doch eine Zeit, in bet Moffatt nicht weniger als 100 ©Übermittelt sein Eigen nannte. Um ein Haar wäre er eines Tages dem Attentat eines anarchististhen Minenarbeiters zum Opfer gefallen, und einige Jahre später! War seine Bank in Denver der Schauplatz eines Ueberfalles, bei dem beit Bankräubern eine Beute von einer Million in die Hände siel. Und nicht geringeres Aufsehen wie dieser Millionenraich erregte vor Jahren die Idee des Sonderlings, sich in Begleitung des Pförtners und eines Zimmermädchens eines Neuyorker HotM auf die Reise durch Europa zu begeben, die den vielbeneibstzest Gästen des freigebigen Millionärs nicht einen Pfennig kostete. Mosfatt, der im Jahre 1839 in der Nähe von Neuyork das Licht) der Welt erblickt hatte, begann, Wie gesagt, seine Laufbahn alsj Messengerboy und fand später im Staate Iowa eine kleine Stellung in einem Bankgeschäft. Hier machte er die Bekanntschaft eines reichen Herrn aus Nebraska, der an dem 17jährigen Jüngling Gefallen fand und ihn zu seinem Kassierer machte. Nach dem Tode seines Wohltäters ging der 20jährige mit einem Gefährten und sechs Mauleseln nach deut goldenen Westen! Die beiden Pioniere versuchten sich hier zunächst als Kolportagebuchhändleh und breiteten ihren Handel später auch auf Lebensmittel ans. Die Sanierung einer dem Zusammenbruch nahen kalifornisches Bank, zu bereit Leitung man Moffatt berief, würbe dann ich Jahre 1867 der Ausgangspunkt der Entwicklung zur finanziellen Großmachtstellung. Er baute Bahnen, betätigte sich in der Geländespekulation und galt mit 40 Jahren bereits als 20facherl Millionär. Dann wandte er sich der Ausbeutung von Silber-« minen mit einem Erfolge zu, der ihm bald den bis zum Tod« behaupteten Titel des amerikanischen „Silberkönigs" eintrug. Als bedeutendste seiner vielen großzügigen Unternehmungen bezeichnet^ Moffatt selbst die Bahnlinie, die Denver mit Salt Lake City verbindet. Auf den Einwand, der mit der Trassierung beauftragten Feldmesser, daß die gewünschte gradlinige Verbindung angesichts der Schwierigkeit des Geländes undurchführbar sei, erwiderte Moffatt kurz und bündig: „Führen Sie sie gerade über die Berge weg!" Dis Bahn kreuzt demzufolge den „Great Dividi" in einer Höhe von 12 000 Fuß über dem Meeresspiegel, führt über diq Höhenlinie des einigen Schnees hinweg, erreicht eine 1000 Fuß höhere Stelle als irgendeine andere Bahn des Festlandes und spart infolge der Whnen Linienführung zehn Stunden an bet! Fahrzeit. Moffatt widmete sich ausschließlich dem Geschäft und' hatte besonders für die Politik nicht viel übri.g. Als man ihm einmal 'die Würde des Senators antrug, lehnte er höflich, aber entschieden mit beit Worten ab, daß er sich mit Dingen zu beschäftigen habe, die viel wichtiger seien als die Politik. Der Silberkönig hinterläßt, wie das B. T. B. mitteilt, ein Vermöge«, das auf eine Viertelmilliarde Mark geschätzt wirb, und das feinest Witwe und seiner in Paris verheirateten Tochter zufällt. * S e in Wunsch. Haudiverksbursche (mit leeren Taschen und mit leerem Magen die Straßen der Stadt durchwandernd/ bleibt vor dem Schaufenster einer Wurstfabrik stehen): „Ach, wer da einheiraten könnt'!" * Im Eifer. Freundin: „Wie! die Zeit vergeht; jetzt! werde ich schon zweiundzwanzig!" — „Und ich neunzehn!" — „Ach, renommiere doch nicht! Fünfundzwanzig wirst du; Hst bist ein Jahr jünger wie ich!" Arithmogriph. 1 8 9 2 4 ein Kleidungsstück. 2 3 6 1 2 ein Baum. 3 9 6 1 12 Badeort in Oesterreich. 4 2 11 2 12 wird den Schiffen oft gefährlich, 5 2 3 1 2 5 ein Vogel. 3 12 12 3 4 8 3 9 nordamerikanischer Freistaat. 6 3 6 2 5 8 römischer Redner. 1 2 3 4 2 deutscher Dichter. 723 12 6124 eine Blume. - 8 5 12 2 10 niederländischer Maler. 4 2 3 9 9 2 Stadt in Schlesien. 9 2 5 11 3 2 4 ein Land. 10 2 8 7 3 12 Stadt in England. 11 2 3 12 eilt Werkzeug. 2 12 11 2 ein Fluß. 12 2 5 8 türkische Insel. Die AnsaitgSbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben bett Namen eines Geschichtsforschers. Auflösung in nächster Nummer- Auflösung deS magischen Quadrats in voriger Nummer: E' B B E B I E R B E R N E R N A Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universität«-Buch- und Steindruckereh R. Lange, Gieße»