eTZpml MH i' "Msä !Z«^W i Die weiße Frau. Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Falls Mr. Hartright nach England zurückkehrt, so Kalten Sie keinen Verkehr mit ihm aufrecht. Ich wandle meinen Weg, und Percival folgt mir auf der Ferse nach. !An dem Tage, wo Mr. Hartright diesen Pfad kreuzt, ist er ein verlorener Mann." Die Unterschrift zu diesen Zeilen beschrankte sich aus den Anfangsbuchstaben F, von einem Kreise, künstlicher kleiner Schnörkel umgeben. Ich warf den Bries mit der ganzen Verachtung, die er mir einflößte, auf den Tisch. Er versucht dir Furcht zu machen, sagte ich! ein sicheres Zeichen, daß er selbst Furcht hat. Sie war ein zu echtes Weib, um den Pries so auszunehmen, wie ich ihn aufnahm. Die impertinente Vertraulichkeit der Sprache war -zu viel für ihre Fassung. Als sie über den Disch hin mich anblickte, ballten sich ihre Hände krampfhaft auf ihrem Schoße, und die alte, urwüchsige Leidenschaft glühte wieder hell aus ihren Wangen und tn ihren Klugen. Ich besann mich düster. Dann erklärte ich: Ich werde morgen mit dem ersten Zuge nach Blackwater Park reisen und, wie ich hoffe, abends wieder zurückkehren. । Nach Blackwater! Ja. Ich habe, seit ich Mr. Kyrle verlassen, Zeit zur Ueberlegung gehabt. Seine Ansichtbestätigt in einem Punkte meine eigene. Wir müssen bis zuletzt dabei beharren, das Datum von Lauras Abreise auszuspüren. Der einzige schwache Punkt in dem Komplotte und wahrscheinlich- die einzige Aussicht für den Beweis, Paß sie am Leben ist, begegnen sich in der Entdeckung dieses Datums. Du meinst, sagte Marianne, -in der Entdeckung, daß Laura Blackwater Park erst nach dem Datum verließ, welches auf dem ärztlichen Zertifikat als ihr Sterbetag angegeben ist? Ganz gewiß. Was bewegt dich, zu glauben, daß es später war? Laura selbst kann uns ja nichts über den Zeitpunkt sagen, wann sie in London ankam. Aber der Besitzer der Irrenanstalt erklärte dir, daß sie dort am 27. Juli ausgenommen worden sei. Ich bezweifle, daß es dem Grafen möglich war, sie länger als eine Nacht in London zu behalten und über alles, was um sie vorging, in Ungewißheit zu lassen. In diesem Falle muß sie am 26. Juli abgereist und einen Tag nach dem Datum, das in dem ärztlichen Zertifikate als ihr Sterbetag angegeben ist/ in London eingetroffen -sein. Falls wir dieses Datum sicher stellen können, haben wir unfern Fall gegen Sir Percival und den Grafen bewiesen. Ja, ja — ich verstehe! Wer wie dieses Beweises haN- häft werden? Mrs. Michelsons Aussage hat mir zweierlei Art und Weisen angedeutet, seiner habhaft zu werden. Dre eins ist, den Arzt, M>r. Dawson, zu befragen, welcher wissen muß, wann er seine Besuche in Blackwater Park wieder aufnahm, nachdem Laura das Haus verlassen hatte. Die andere, Erkundigungen in dem Wirtshause anzustellen, Wo Sir Percival in der Nacht allein einkehrte. Wir wrssen, daß seine Wreise der Wreise Lauras nach, Verlauf von wenigen Stunden folgte, und können vielleicht auf drese Weise hinter das Datum kommen. Jedenfalls ist es den Versuch wert, und ich bin entschlossen, ihn morgen zu machen. Und gesetzt, er mißlingt — ich sehe die Sache jetzt von dem schlimmsten Gesichtspunkte an, Walter, gesetzt, es kann dir niemand helfen in Blackwater? Dann sind in London zwei Männer, die mir helfen können und mir helfen sollen: Sir Percival und der Graf. Unschuldige Leute mögen leicht das Datum vergessen — aber sie sind schuldig und werden es wissen. Falls es mir überall sonst mißlingt, so will ich aus einem von ihnen oder aus beiden das Bekenntnis herauspressen, und zwar ' nach meinen eigenen Bedingungen. Das ganze Weib glühte in Mariannens Gesicht, als ich sprach. t , Wir beide wissen, Marianne, fuhr ich fort, daß es m Sir Percivals Leben einen schwachen Punkt gibt — Du meinst das Geheimnis! Ja, das Geheimnis. Es ist die einzige Seite, bei der wir ihn sicher fassen können. Ich kann ihn durch keine anderen Mittel aus seiner Sicherheit herausreißen und ihn und seine Schurkerei an das Tageslicht ziehen. Was auch der Graf getan haben mag, Sir Percival hat, noch! aus einem änderen Beweggründe außer dem des Gewinnes in das Komplott gewilligt. Hörtest du ihn nicht selbst zum Grafen sagen, er glaube, seine Frau wisse genug, um ihn zu ruinieren? und daß er ein verlorener Wann sei, falls Anna Cathericks Geheimnis bekannt-würde? Ja! ja! das hörte ich. Run, Marianne, wenn unsere anderen Hilfsmittel uns mißglückt sind, beabsichtige ich, dies Geheimnis zu erfahren. Mein alter Aberglaube klebt noch immer an mir. Ich wiederhole, daß die Frau in Weiß noch wie lebend Einfluß auf uns drei hat. Das Ende ist bestimmt; es zieht uns vorwärts, und Anna Catherick, die tot in ihrem Grabe liegt, zeigt uns noch immer den Weg! VI. Meine Nachforschungen in Hampshire -führten mich zu keinem Ergebnis, weder bei Doktor Dawson, noch bei M-rs. Michelson. -Der Wirt in Knowlesbury aber war Ms der Gegend verschwunden. Daher fuhr ich wieder nach Blackwater Park zurück, «m noch den Parkhüter auszufragen. Ungefähr eine Meile vom Parke entließ ich meine Droschke und setzte dann, nachdem ich mir von dem Kutscher hatte die Richtung bezeichnen lassen, meinen Weg nach dem Hanse allein und zu Fuße fort. Als ich von der Landstraße in den Privatweg einbog, sah ich einen Mann mit einer Tasche in der Hand schnell! vor mir der Wohnung des Parkhüters zugehen. Er war ein kleiner Wann in abgeschabten schwarzen Kleidern und mit einem auffallend großen Hute. Ich hielt ihn (soviel mir dies zu beurteilen möglich war) für einen Wvokaten- schreiber und stand augenblicklich stille, um die Entfernung zwischen uns zu vergrößern. Er hatte mich nicht kommen hören und ging ohne sich umzuschauen weiter, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte. Als ich eine kleine Weile später ebenfalls durch das Tor ging, war er nicht zu sehen — er war offenbar nach. dem Herrenhanse gegangen. Beim Parkhüter erfuhr ich nur, daß Sir Percival wütend und fluchend in einer Mondnacht abgefahren sei. Als mich der Gärtner dann hinausbegleitete, sah ich den Mann in Schwarz mit dem großen Hute von dem Hause Herkommen, dann in einiger Entfernnng stille stehn und uns beobachten. Es war mir schon ein gewisser Verdacht in Bezug auf das, was ihn nach Blackwater Park führte, durch den Kopf geflogen. Derselbe vermehrte sich jetzt, als der Gärtner mir nicht sagen konnte (oder wollte), wer der Mann sei, und ich beschloß, mir hierüber Auskunft zu verschaffen, indem ich ihn selbst anredete. Die einfachste Frage, die ich als Fremder tun konnte, war die: ob es Fremden gestattet fei, das Haus zu besehen. Ich ging sofort auf den Mann zu und richtete diese Frage an ihn. Sein Aussehen und Wesen verriet deutlich, daß er wußte, wer ich sei, und daß er mich zum Streite zu reizen wünschte. Seine Antwort war impertinent genug, um ihn seinen Zweck erreichen zu lassen, wäre ich weniger fest entschlossen gewesen, meinen Gleichmut zu bewahren. So aber begegnete ich ihm mit der ausgesuchtesten Höflichkeit, entschuldigte mich wegen meiner Störung (welche er eine „unberufene Aufdringlichkeit" nannte) und verließ den Garten. Ich erwartete, daß man mich aus meinem Wege von Blackwater Park bis zur Station beobachten werde, wie man es am vorhergehenden Tage in London getan hatte. Aber ich konnte zur Zeit uicht entdecken, ob man mir bei dieser Gelegenheit wirklich folgte oder nicht. Dem Manne in Schwarz mochten Mittel zur Verfügung stehen, mir nach- Huspüren, die mir unbekannt waren — jedenfalls sah ich chn aber persönlich weder ans meinem Wege nach der Station, noch später abends bei meiner Anknnft in London auf dem Perron. Ich erreichte unsere Wohnung zu Fuße, nachdem ich jedoch, ehe ich mich unserer Haustür nahte, die Vorsicht gebraucht, durch die einsamsten Straßen der Nachbarschaft zü gehn und dort stille zu stehst und mich mehr als einmal nmzusehn. Es hatte sich in meiner Abwesenheit nichts ereignet, Marianne zu beunruhigen Sie frag mich begierig, welchen Erfolg ich gehabt. Als ich ihr alles erzählt, konnte sie mir ihre Verwunderung über die Gleichgültigkeit nicht verhehlen, mit der ich von dem bisherigen Mißlingen meiner Nachforschungen sprach. Die Wahrheit aber war, daß mich meine Erfolglosigkeit noch nicht im geringsten entmutigt hatte. Ich hatte meine Nachforschungen als eine Sache der Pflicht begonnen, jedoch nicksts von ihnen erwartet. Ist meinem derzeitigen Gemütszustände war es mir fast eine Erleichterung, zu wissen, daß der Kampf sich jetzt auf einen Wettkampf zwischen Sir Percival Glydes und meiner List beschränkte. Der Beweggrund der Rache hatte sich von Anfang, an mit meinen anderen nnb besseren Beweggründen vermischt, und ich bekenne, daß es mir eine Genugtuung war, zu fühlen, daß die einzige Art und Weise, Lauras Interesse zu dienen, die war, mich fest an den Schurken zu hängen, der sie geheiratet hatte. Während ich gestehe, daß ich nicht stark genug war, um meine Beweggründe außer dem Bereiche dieses Wunsches nach Rache zu halten, kann ich auf der andern Seite etwas zu meinen Gunsten beibringen. Mein Herz dachte keinen Augenblick an eine erbärmliche Spekulation auf eine etwaige künftige Beziehung zwischen Laura und mir oder aus bie persönlichen Konzessionen, zu denen ©ir Percival zu zwingen gelingen dürfte, falls ich ihn einmal in meine Gewalt bekäme. Ich konnte, wenn ich sie ansah, nichI solche Gedanken an die Zukunft hegen. Der traurige Anblick der Veränderung, welche sie erlitten, machte das Interesse meiner Liebe zu einem Interesse der Zärtlichkeit und des Mitleids, die ein Vater oder Bruder für sie hätte fühlen mögen. Alle meine Hoffnungen blickten jetzt uicht weiter hinaus, als bis zu dem Tage ihrer Genesung. Au dem Morgen nach meiner Rückkehr aus Hampshire nahm ich Marianne mit mir auf mein Arbeitsstübchen nnb machte sie hier mit dem Plane vertraut, den ich mir reiflich ansgedacht hatte, um mich der einen angreifbaren Stelle in Sir Percivals Glydes Leben zu bemächtigen. Der Weg zu dem Geheimnisse ging, durch das uns allen undurchdringliche zweite Geheimnis, welches die Frau in Weiß umhüllte. Der Zugang zu ihm durfte seinerseits mit Hilfe der Mütter Anna Cathericks gewonnen werden, und das einzige erreichbare Mittel, Mrs. Catherick zur Sprache oder zur Tat zu bewegen, hing von der Aussicht ab, ob ich örtliche und Familieneinzelheiten durch Müs. Clements erfahren würde. Nachdem ich die Sache sorgfältig überlegt, kam ich zu der Ueberzeugung, daß ich meine neuen Nachforschungen beginnen mußte, indem ich mit Anna Cathericks treuester Freuudiu und Beschützerin in Verkehr trat. Die erste Schwierigkeit also war, Mrs. Clements zu finden. Ich verdankte es Mariannens Scharfblicke, dieser Notwendigkeit auf die beste und einfachste Weise zu begegnest., Sie erbot sich, an die Leute auf dem Gehöfte bei Limme- ridge (Todds Ecke) zu schreiben und sich zu erkundigens ob sie in den letzten paar Monaten von Mrs. Clements gehört hatten. Es war uns unmöglich, zu erraten, auf welche Weise Anna von Mrs. Clements getrennt worden war; doch nachdem diese Trennung einmal bewerkstelligt war, mußte es Mrs. Clements gewiß einfallen, sich vor allem in der Gegend nach ihr zu erkundigen, für die, wie sie wußte, die Verschwundene die größte Vorliebe hatte; in der Gegend von Limmeridge. Ich sah augenblicklich, daß Mariannens Vorschlag uns eine Aussicht auf Erfolg bot, sie schrieb demzufolge mit der nächsten Post an Mrs. Todd: Während wir die Antwort erwarteten, ließ ich mich durch Marianne, soweit ihr dies möglich war, über Sir Percivals Familienverhältnisse und über sein früheres Leben unterrichten. Sie konnte hierüber nur vom Hörensagen berichten; aber über das Wenige, was sie zu erzählen hatte, konnte sie mit -ziemlicher Gewißheit sprechen. Sir Percival war ein einziger Sohn. Sein Vater, Sir Felix! Glyde, hatte seit seiner Geburt an einem schmerzhaften und unheilbaren Gebrechen gelitten und seit frühester Kindheit alle Gesellschaft gescheut. Sein einziges Glück lag im Genüsse der Musik, und er hatte eine Dame geheiratet, welche seine Geschmacksrichtungen teilte und die, wie man sagte, eine ausgezeichnete Virtuosin war. Er erbte die Güter von Blackwater Park, als er noch ein junger Mann war; doch weder er noch seine Frau näherten sich, nachdem sie von dem Landsitze Besitz genommen, aus irgend eine Weise der Gesellschaft der Umgegend, und niemand verleitete sie, ihre Zurückhaltung abzulegeu, mit der einen unheilvollen Ausnahme des Geistlichen des Kirchspiels. (Fortsetzung folgt.) Der Granaten wast. Eine lustige Geschichte ans Tirol von Rudolf G r e i n z> Wir entnehmen diese humorvolle Geschichte dem soeben im Verlag von L. Staackmaun in Leipzig erschienenen neuen Werk Auf der Sonn sei t'n, lustige Tiroler Geschichten von dem bekannten tiroler Dichter Rudolf G r e i n z. Mit behaglichem Humor schildert der geschätzte Mitarbeiter der Jugend in diesem Buche allerhand Leute ans seiner Heimat und in flotten Schnurren und Geschichten gibt er ein schärferes und getreueres Bild von dem Tiroler Volksleben als dicke wissenschaftliche Bände. Hoch über Mayrhofen im Zillertal droben liegt das Dörfel- Finkenberg. Recht einsam und verschneit int Winter. Im Sommer kommen aber zahlreiche Touristen vorüber, die ins Duxertal wandern, an dessen Eingang Finkenberg auS steiler Höhe winkt. Ein Stück weit außer dem Dörfel, knapp an dem schmälest Bergstraße!, das ins Dux, nach Lanersbach und nach dem altest Bauernbad HiMerdux führt, liegt das Häusl des Granaten Wast. Mein, bewettert Ustd. windschief. Ein gemauerter ilnterstock. Dap°- .I hab'- Sepp, foppte schrie dep der der 2) Viertelliter Rotwein. 3) nirgends. *) kräftige Bejahung. 6) Pfarrhäuserin. •) auch. ’) MM •) dann. 8) sonst. Alsdann b'hüt enk!" sagte der Nachtwachter und ging zur Tür hinaus. „Wia lang wollt's denn ös da no aufhock'n?" fragte |bte Kellnerin ungeduldig. „So lang wir mögen!" gab der Paulen Jörg zur Antwort un dmischte die Karten. „Oes seht's ja nimmer zum Karinen! Oes seid's ja schon alle b'soffen!" spottete die Kellnerin. „Da schaut's den da an! Der schlaft ja schon!" Dabei rüttelte sie den Maurer Sepp, der den Kopf auf den Tisch gelegt hatte und sanft und friedlich ein-, geschlafen war. „Tu halt dein' Schnabel! Sinscht8) kimm i dir!" drohte! der Wast. „Oder i dir!" Die Kellnerin, ein stämmiges Mädel, stellte sich resolut vor ihm auf. „Tu b'sosfne Mctt'n du!" „Was hast g'sagt?" grölte der Wast und wollte sich erheben. Der Paulen Jörg druckte ihn lachend auf die Bank nieder, „Reg' di nit auf, Kathl!" sagte er zur Kellnerin. „Tu bist jst nit dem Wast sei' Weib!" „Naa! I tat' mi bedank'n für so an Loder!" erwiderte! die Kathl verächtlich. „Wann i fei' Weib wär', i würd Mx Ä Oberstock aus tiefbraunen Holzbalken, die durch Alter und Wetter «chon dre Farbe von Sammet angenommM haben. Neben dem Häusl ein winziger Stall, der gerade Platz genug für zwei Goas bietet. * „ s. diesem Bestztum, zu dein sich noch drei kleinere Ackerln Und ern Wrefengdnd gesellen, haust der Granaten Wast mit seinem Werb, der Tres. Häusl und Grund sind just groß genug, daß damit zwer altere Leut' und zwei Goas im besten Lebensalter ihr Drauskommen finden können. ®Tmt‘art,en ^6.,Heißt mit seinem bürgerlichen Namen Seebasttan Gfaller. , Wahrend Hauswirtschaft, Stall und Feld zumeist die Thres besorgt, hat sich der Wast im Laufe der Jahre geword ^$enen ^eruf zurecht gelegt. Gr ist Granateufammler . ^on Granaten gibt es in ben Zillergründen noch immer eine reichliche Ausbeute. Der Granaten Wast hat seine festen Handelsverbindungen. Neben den Granaten sammelt er aber auch noch >onst Mineralien, allerhand Stoaner, Bergkristalle und 1° Zeug, „wo die Hearrischen^) drauf fliag'n". Wenn dann die Zeit der Sommerfrischler und Touristen ^er Wast wie eine.auf Beute lauernde Spinne auf vtt Bank vor «einem Häusl und fangt die Fremden ab. Neben «ich hat er fern säuberlich auf Zeitungspapieren seine Schätze aus dem Mineralreich ausgebreitet. . „ Mancher blanke Gulden wandert da in die weiten Taschen des Granaten Wast. Er hat es im Lauf der Jahre zu einer großen Erfahrung gebracht und weiß schon, was er verlangen rann. Handeln ist mit dem Wast schwer. Eher, als daß ep einen Sechser nachläßt, kann der „hearrische Zapfen" schon wieder sein^ Weges ziehen. Der Wast ist seines Geschäftes sicher. Macht er es nicht heute, so macht er es morgen. Er kann ja warten. • . Se&en hat dem Wast ganz gut angeschlagen. 'Er ist nn kräftiger Kerl, ein hoher Fünfziger, mit einem feisten Gesicht voller Bartstoppeln. Tie Thres ist das reine Gegenteil von rhm. Lang, hager, knochig, mit einem ordentlichen Schnurrbart an der Oberlippe. Die Thres hat die Hosen an. Im Haus hat der Granaten Wast so gut wie gar nichts zu sagen. Er besitzt auch einen höllischen Respekt vor seinem Weib, das mit der Zeit, für ihn eni richtiger Hausdrach geworden ist. _ Im Winter da hat der Wast wenig oder nichts zu tun. Da der Mensch aber doch nicht so ganz beschäftigungslos fein' kann, verlegt sich der Wast, der auch in den übrigen Jahreszeiten arg vom Durst geplagt wird, um diese Zeit besonders fleißig aufs Saufen. Er ist dann einer der allerbesten Kunden des Wirtes in Finkenberg. Man muß doch das verdiente Geld wieder unter, die Leut' kommen lassen. Und dann sitzt es sich in der bacherl- warmen Wirtsstub'n gar so fein, wenn draußen der Schnee treibt und der eisige Jochwind pfeift. Der Thres war diese Vorliebe des Wast für die Wirts- I ftub'n und für die Gesellschaft, die er dort traf, natürlich nicht I recht. Es gab regelmäßig einen großen Sturm daheim', wenn I der Wast wieder einmal lang gehockt war und schier gar nicht I mehr nach Haus finden wollte. Ost, war es auch schon vorgekommen, daß die Thres den I Wast mitten in der Nacht überhaupt nicht mehr ins Haus hinein- I ließ. Dausschlüssel gab es beim Granaten Wast keinen. Dessen I Stelle vertrat ein primitiver starker Holzbalken, der von innen I vor die Tür geschoben wurde. Wenn nun die Thres nicht doch I noch schließlich so barmherzig war, den Balken zurückzuschieben dann war der Granaten Wast eben auf der freien Straß'u daheim. So schlimm war das nun allerdings nicht. Der Wast wußte sich für derartige verzweifelte Fälle ein Rettungsmittel. Wenn das Wetter warm war — denn solche Aussperrungen pflegten sich ja auch im Sommer zu ereignen — dann übernachtete der Wast irgendwo im Freien. Das tat ihm für seinen benebelten Zustand sogar I ganz gut. Im Winter kroch er einfach in den Goasstall und blieb dort über Nacht. Es' war zwar ein ziemlich enges Quartier, aber dafür warm, so daß sich der Wast in seinen Träumen ost genug in die warme Wirtsstub'n zurückversetzt wähnte, bis ihm dann eine, Goas, ihren starren Bart um die Nas'n rieb und ihn dadurch für einige Augenblicke wieder an die Wirklichkeit erinnerte. Wenn sich der Granaten Wast auch das strenge Ha'usregemint der Thres, ohne viel aufzumucken, gefallen ließ, so hatte er doch vft einen heimlichen Ingrimm und beschloß, sich die ganze Sache anders einzurichten und der Thres einmal gehörig den Standpunkt klar zu machen. Es blieb jedoch bei diesen tapfern Vorsätzen. Zur Aus- führung hatte der Wast noch nie den nötigen Mut gesunden. Die Thres konnte gar so viel unheimlich dreinschauen. Und wenn I das der Wast sah, dann fiel ihm schon gleich das Herz in die I Hosen. Im Wirtshaus gab er es freilich nicht gern zu, was für eine klägliche Rolle er . daheim spielte. Da war der Wast tapfer und Hätte es mit einem ganzen Dutzend Threseln, statt stur mit einer *) Stadtleute, Fremden, Q , , : J , j,'. j ; I 5inäia?’L ausgenommen. Glauben tat ihM diesen Mut allerdings "schänd. Deswegen wehrte sich der Wast aber doch immer Befben "euern, wenn er aufgezogen wurde, und spielte den' An einem kalten Dezembertag hockte der Wast wieder einmal paar Kumpanen bis tief in die Nacht hinein beim Wirt. 8^ "ar es besonders fern gewesen,- denn er hatte gerade die Gesellschaft gefunden, dre rhm paßte. Der Nachtwächter, Nv-- Sepp, und der Paulen Jörg, das waren ihm die drei liebsten „Spezi" im ganzen Torf. späten Gäste hockten um den Tisch beim Ofen herum Und ueßen stchs wohl fern. Jeder hatte sein „Viertele Reath'el"2) ßck) stehen und d,e Kellnerin müßte fleißig ab und zu gehen- um den durstigen Seelen ra«ch nachzufüllen. *»• *« g'idS ** ®“"‘ ** «*»#» W 7®eaJ?’,r irgendwo gi'b'ts jederzeit fleißige Leute, die „Bringt'-. dechftZ dö Schlafhaub'n «mal hoam! sagte die me Z^jUu°„/^s Angesichtes rüstig plagen, „so lange es „Ja, i moan' aa, Wast, es war' g'sck>euter, wir schuach'n42) I ;Wie man in Marokko Tee trinkt. Die weit- hoamwärts!" Jagte bet Paulen ^?^g. mnaßt fluscht tot d | ^^reitete Sitte, Tee zu trinken, weist in Marokko absonderliche bet die Goas übernachten statt bei dem Werb. , f i Formen aut. Der Landesbrauch fordert, datz die Besucher bet „I mucch amerft13) mer Wern fertig trinken. proreirierre I 5ßirte drei Tassen nacheinander zu sich nehmen, von denen her Walt. , . < Maurer Sepp und I die erste mit Zucker, die zweite mit Vanille und die dritte mit . , „Tuan wrr nit bafin karUen? frng der JJtaurer Sepp uu neticn g)tm5e zubereitet wird. Am sonderbarsten aber ist die ttti) ?id) bic D'ßtftylQj^Ticn. 21'ugcTt üljy* suahTph <^nrn I Art der Rubereituncu ®obalb der Hciib die Teekmlne fyeiB Öe* „Naa! b«Wn tarn nnr und Zucker hinein und gießt Wasser auf. „M,i . . . MiNiuaßtslei4) fvahrn! meinte der wcaurer roen'igen Minuten des Wartens füllt er sich eure Tasse ein, Sepp ganz wehmütig. „Mir rs a so loh ) . . . a ,o tos . , . I nin^nt einen Schluck und gießt den Rest in die Teekanne zuruck setzte «r weinerlich, hinzm. ^snerin und fügt dort, - falls etwa die Mischung seinen Geschmack noch „Dos glaub t gegen! bemerkte die Sei Inet tn. I „ Neffen sollte — das Fehlende hinzu. Dieses Spiel wteder- „Wir füahr'n di schon hoami irostete rhn der Wast, d^ sich ^tt^ich"wei oder drei Mal und erst bann werden die Gäste be° selber kaum auf den Beinen halten konnte. „I macht z«yl n. I M f sgtQU(1 ÖQf! aud) der Gast regelmäßig nur einen Mrie er dann die Ka hl an Msp Teil der Tasse trinkt, den Rest aber in die Teekanne zuruckgteßt, wUrM-* B “ **** »“ WS .-*» «s ÄÄr M * «M ‘ —— ttuu zu streiten an. . , „ ,,, „ I vucyerltscy. „Mit dir rechn' i überhaupt Nit! Du bist mir zu b soffen! I Alexander von Gloichen-Rustwurm, Freund-i rief die Kathl. _ I schäft. Eine psychologische Forschungsreise. Verlag von Julius „Aa guat!" lachte der Wast. „I kimm gearn Wicker, wann | g0«mattn |n Stuttgart. Gleichen-Rustwurm hat sich durch feine t was g'schenkt kriag'!" . | Werke „Geselligkeit" und „Das galante Europa" einen Namen „I schenk' dir nix! Du bist mtr schon sicher. Morgen ^^macht als Führer durch den reizvollen Garten der Geschichte Nack' der Fruahmesf' zahlt mi schon der Weib! bet menschlichen Seele und Sitten, und nun reicht er uns mit „Was? Mei' . . . mei' . . ." Der Wast schien auf einmal über die „Freundschaft" die edelste Blume aus ganz nüchtern zu werden und> den Kmeschlotterer zu Enegeift | diesem Garten. Zuerst zeigt uns der Verfasser die Freundschaft „Aha! Hat's di!" Der Paulen Jorg schlug rhm freund- bef Siebefätoei Bilder, die in ihrer Aehulichkeit schaftlich auf die Schulter, so daß der Wast beinahe das Gleich- I Verschiedenheit von unerschöpflichem Reize sind. Dann zieht gewicht verloren hatte. _ . K die ganze Geschichte der Freundschaft in reichen, wechselvollen Die beiden waren aufgestandm und, urüerhandelben, in ber dildern an uns vorüber: wir schm, wie sich ihr Gehalt und ihr« Mitte der Stube stehend, mit der Kellnerm, wahrend ber ^uurer äu6eren gornrm unter verschiedenen Verhältnissen wandeln, und Sepp einsam auf seiner Bank hockte und wieder eingenukt war. I . Wandlungen selbst bieteU ein Spiegelbild menschlicher Sitten „I tua mi nit fürcht'n! G'wiß nit ag no!", prahlte deck oteie utt$> Weise, wie sie von bett Denkern Wast. „Aber i zahl'schon!" Damit zog er emm grünen, schmiß I ^^gesastt, erklärt, hochgeschätzt wurde, lassen sich die jeweiligen rigeit Lederbeutel heraus. "Wmv-tel hast g sagt. frag et und I Dichtungen des menschlichen Geistes erkennen. Die reichen Be- kramte .umständlich.m seinem Geld herum. I »chmtgen, welche zwischen Frmndschaft und Poesie stets be- „Bieraneunz g. _ .. .. ,|z, inmTn»rte der Wast während 1 standen, werden auf gebest; Lahlreiche .poetische Motive aus den Sakra ! ^aira! Dos is viel, imnmerw der Lvast, wayreno i ßiteraturen c(te Völker gehen auf den Grundakkord der Freund- der Paulen ^org seine Zeche auf den Tisch wercf. | schuft zurück: alte Legmden, die uns fremd'und tot anmuteten,. „Da hast zwoa Kreuzer Trinkgeld. rief d g. „ I ,, ro^r cjne feinsinnige Deutung erfüllt von tiefem, iatz gtab n wir amal. Geldbeutel Wied eck I warmem Lckm. Ein liebevolles Verständnis für die feinsten mensch- mi- " •"«* ** tae“ * S* Sm ÖS 6ÄMSÄ ^" Draußen wars lütter kalt. Eine stockfinstere Nacht. Vom Zwang geschrickener Gesetze. Himmel trieb im eisigen Firntoind leichter beistender Schnee, i — Musik für Alle. Lortzings romantische Zaubevope« Die drei Kumpane stolperten fchweigmd durch die steile und I „Undine" bildet den Inhalt des soeben erschiMenm neuesten Heftes schlüpfrige Dorfaasse. der Notenbibliothek „Musik für Alle". Das Heft enthält u a. das ' $ (Fortsetzung folgt.) | wehmütige Lick Undiues „Ich scheide nun aus Eurer Mitte » _______-— I Kühleborns herrliche Ballade und den zarten „Schwanensang". „ , I „O, wie köstlich ist das Reisen", ferner das „Lick vom Wein , I Veits „Vater, Mutter, Schwesterii, Brüder". Wie bei den früheren • Wenn es in Berlin 12 Uhr ist! Wenn die Berliner Lortzingheften der „Musik für Alle" („Zar und Zimmermann" Turinichren die Mittagsstunbe verkünben unb sich die Straßen mit und „Der Wildschütz") wird das Heft durch Juhaltsangabe bet ^rmenben, hastenden Menschen füllen, hält der Türke sein Mittags- | Handlung zwischen dm einzelnen Musikstücken vervollständigt, jchläfchen,' ist es in Indien 4 Uhr nachmittags unb ber bezopfte Chinese freut sich auf den „Feierabenb." In Kiantschau ist es ,ur- gleichen Zeit punkt 7 — das Tagewerk ist also getan! In Neu- Guinea hat man bereits bas Abendbrot verzehrt, in Japan dämmert es — sollte dort Hochsommer sein — und auf den Salomon- inseln (egt man sich zur Ruhe. Auf den Fidschünfeln schläft man bereits den Schlaf des Gerechten, und auf der Insel Recker (Sand- wichinseln), sowie in Alaska (Westseite) könnte ein Nachtwächter zur selben Zeit verkünden: „Hört, ihr Herren, und laßt euch sagen, schon die Mnck'n austreib'n! Schlag' kriaget er mir dreimal Irtn j-ag. er schon a so von der Thres! Gelt, Wast?" hänselte ihn der Paulen Jörg. 'Ki^Wck^haüt di durch, hat er g'sagt!" » Kachl wies mit dem Finger auf den Paulen Jörg. ~ , Tast i nit lach'! Do ntt durchtzau n! Ha! Ha! Ha. Ha'/ Dö hau' i durch, wann t mag!" schrie der Wast ganz