w KniechaltunAsblall M MeßenerAyeiger Beneml-A^eiZer). ffigf 'HmMdf., C. j SW 19U - Nr. H6 Montag den 18. September verlangen, daß vier Frauenzimmer alle Tage zusammen zu Mittag speisen, ohne zu streiten? Wir sind solche einfältige Wesen, daß wir einander nicht bei Tische unterhalten können. Sie sehen, daß ich nicht viel von meinem Geschlechte halte, Mr. Hartright — was wollen Sie trinken, Tee oder Kaffee? — kein weibliches Wesen hält viel vom eignen Geschlechte, obgleich wenige dies so offen gestehen, wie ich . . . Ach Gott! Sie sehen verlegen aus. Warum? Ueberlegen Sie, was Sie zum Frühstück essen wollen? oder sind Sie über meine unbekümmerte Art zu sprechen erstaunt? Im ersteren Falle rate ich Ihnen als Freundin, sich nicht mit dem kalten Schinken abzugeben, der neben Ihnen steht, sondern zu warten, bis die Omelette kommt. Im zweiten will ich Ihnen eine Tasse Tee geben, um Ihr Gemüt zu beruhigen, und alles tun, was eine Frau nur immer kann, um den Mund zu halten. Sie reichte mir mit fröhlichem Lachen eine Tasse Tee. Ihre Munterkeit steckte mich an, und ich tat mein Möglichstes, ihr auf ihre eigene offne, lebhafte Manier zu antworten. Ja, ja, sagte sie, als ich ihr mein verblüfftes Aussehen auf die einzig mögliche Art erklärt hatte; ich begreife, Sie sind so vollkommen fr eint) im Hause, daß meine familiären Anspielungen auf seine würdigen Bewohner Sie verwirren. Ganz natürlich — ich hätte das früher bedenken sollen. Jedenfalls kann ich die Sache jetzt wieder gut machen. Wie wär's, finge ich mit mir selbst an, um desto schneller mit dem Teile des Gegenstandes fertig zu werden? Ich heiße Marianne Halcombe und bin so ungenau, wie Frauen es gewöhnlich sind, wenn ich Mr. Fairlie meinen Onkel, und Miß Fairlie meine Schwester nenne. Meine Mutter war zweimal verheiratet: das erstemal mit Mr. Halcombe, meinem Vater; das zweitemal mit Mr. Fairlie, dem Vater meiner Halbschwester. Außer darin, daß wir beide Waisen sind, gleichen wir einander so wenig wie möglich. Mein Vater war ein armer und Miß Fairlies Vater ein reicher Mann. Ich besitze gar nichts, und sie ist eine Erbin. Ich bin brünett und häßlich, und sie ist blond und hübsch. Jedermann findet mich mit vollkommenem Rechte barsch und sonderbar, und sie mit noch größerem Rechte freundlich und anmutig. Kurz, sie ist ein Engel, und ich — kosten Sie doch diese Marmelade, Mr. Hartright, und beendigen Sie selbst meinen Satz im Namen weiblicher Schicklichkeit. Was soll ich Ihnen über Mr. Fairlie erzählen? Ich weiß es wahrhaftig kaum. Er wird Sie ganz sicher nach dem Frühstücke zu sich bitten lassen, und da können Sie ihn selbst studieren. Unterdessen kann ich Sie unterrichten, daß er erstens des verstorbenen Mr. Fairlie jüngerer Bruder, zweitens unverheiratet und drittens Miß Fairlies Vormund ist. Ich will nicht ohne sie, und sie kann ohne mich nicht leben, und das ist der Grund, weshalb ich dazu komme, in Limmeridgs House zu leben. Meine Schwester und ich haben einander ernstlich lieb, was, wie Sie sagen werden, unter solchen Verhältnissen ganz unerklärlich ist, und ich stimme darin mit Ihnen überein — aber es ist einmal so. Sie müssen Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Roch nie wurde das Versprechen einer reizenden Gestalt seltsamer und überraschender durch das dazu gehörende Haupt und Antlitz Lügen gestraft. Die Hautfarbe der Dame war beinahe braun, und der dunkle Flaum aus ihrer Oberlippe beinahe ein andalusisches Bärtchen; sie hatte einen großen, festen, männlichen Mund und Unterkiefer, hervorstehende, scharfe, entschlossene braune Augen und dickes kohlschwarzes Haar, das ihr ungewöhnlich tief in die Stirn wuchs. Der Ausdruck ihres Gesichts, der klar, offen und intelligent war, schien, wenn sie schwieg, gänzlich jenes weiblichen Reizes der Sanftheit und Schmiegsamkeit zu entbehren, ohne welchen die Schönheit des schönsten Weibes der Welt eine unvollkommene ist. Mr. Hartright? sagte die Dame in fragendem Tone, und sowie sie sprach, erhellte sich ihr dunkles Gesicht durch ein Lächeln und wurde sanft und weiblich. Wir gaben gestern abend alle Hoffnung auf, Sie noch zu sehen, und gingen daher zur gewöhnlichen Zeit schlafen. Entschuldigen Sie unseren scheinbaren Mangel an Aufmerksamkeit, und erlauben Sie mir, mich Jhüen als eine Ihrer künftigen Schülerinnen vorzustellen. Wollen wir einander die Hände geben? Früher oder später wird es doch vermutlich dahin kommen — und warum da nicht früher? Diese seltsamen Worte des Willkommens wurden mit einer klaren, wohlklingenden, angenehmen Stimme gesprochen. Die dargebotene Hand — ziemlich groß, aber wunderschön geformt — wurde mir mit dem unbefangenen, ungekünstelten Selbstvertrauen einer vornehmen Dame gegeben. Wir setzten uns an den Frühstückstisch, als ob wir einander seit Jahren gekannt hätten und auf Verabredung in Limmeridge House zusammengetroffen seien, um uns von alten Zeiten zu unterhalten. Ich hoffe. Sie kommen mit dem' freundlichen Entschlüsse zu uns, mit Ihrer Lage vorlieb zu nehmen, fuhr die Dame fort. Sie werden heute morgen den Anfang damit machen müssen, indem Ae sich es am Frühstückstische an meiner Gesellschaft allein genügen lassen. Meine Schwester ist auf ihrem Zimmer und Pflegt sich in jener wesentlich weiblichen Krankheit, einem leichten Kopfweh, und ihre alte Gouvernante. Mrs. Beseh, leistet ihr darin mit belebendem Tee barmherzigen Beistand. Mein Onkel, Mr. Fairlie, nimmt keine der Mahlzeiten in unserer Gesellschaft ein; er ist ein Invalide und hält seinen Jung- Nesellenhofstaat in seinen eigenen Gemächern. Sonst ist außer mir niemand im Hause. Es waren zwei junge Damen ?um Besuch hier, doch sie verließen uns gestern in Berzweif- ung, und däs ist nicht zum Verwundern. Wie kann man 582 uns entweder beiden gefallen, Mr. Hartright, oder keiner; und, was noch härter ist, Sie sind gänzlich auf unsere Gesellschaft angewiesen. Mrs. Beseh ist eine vortreffliche Frau, die alle Kardinaltilgenden besitzt und nicht mitgerechuet wird; und Mr. Fairlie ist zu krank, um für irgend jemanden ein Gesellschafter zil fein. Ich weiß nicht, was ihm fehlt, auch die Aerzte können es nicht ergründen, nnb er selbst ist darüber im unklaren. Ich rate Ihnen indessen, seinen kleinen Sonderbarkeiten zu willfahren, wenn Sie ihn heute sehen. Bewundern Sie seine Sammlungen von Münzen, Stahlstichen nnb Aquarellen, und Sie werden fein Herz gewinnen. Und wirklich, wenn Sie sich mit einem ruhigen Landleben begnügen können, so sehe ich nicht ein, warum es Ihnen hier nicht ganz gut gefallen sollte. Können Sie sich damit begnügen? oder beabsichtigen Sie, unrnhig zu fein nnb in ber Alltagsatmosphäre von Limmeridge House heimlich nach Abwechselung und Weutenern zu dürsten? Auf diese anmutig scherzende Weise hatte sie weiter geplaudert ohne andere Unterbrechungen von meiner Seite, als die unwichtigen Antworten, welche die Höflichkeit von mir verlangte. Doch das zufällige Wort „Abenteuer", so leicht es von ihren Lippen gefallen war, erinnerte mich plötzlich an meine Begegnung- mit der Frau in Weiß und trieb mich, die Verbindung zu erfahren, welche; der Fremden Anspielung auf Mrs. Fairlie nach, zwischen der aus der Jrrenaustalt Entwichenen und der ehemaligen Gebieterin von Limmeridge House stattgesundeu haben konnte. Selbst wenn ich der unruhigste Mensch von der Welt wäre, sagte ich, würde ich auf einige Zeit nicht in Gefahr fein, nach Abenteuern zu dürsten. Gerade in der Nacht vor meiner Ankunft in diesem Hanse hatte ich ein Abenteuer, und an. dem Erstaunen und der Aufregung, in die ich darüber geriet, werde ich während der ganzen Dauer meines Aufenthaltes in Cumberland vollauf genug haben. Was Sie sagen, Mr. Hartrigh't! Darf ich es hören? Ich erzählte ihr sofort die Umstäilde, unter welchen ich der Frau in Weiß begegnet war, genau wie sie sich zugetrageu hatten, und wiederholte, was sie über Mrs. Fairlie und Limmeridge House gesa.gt hatte, Wort sür Wort. Miß Halcombes klare, entschlossene Augen schauten von Anfang bis zu Ende meiner Erzählung begierig in die meinigen. Ihr Gesicht drückte lebhaftes Interesse und Erstaunen aus, aber weiter nichts. Sie war offenbar ebenso weit, wie ich selbst, von einer Lösung des Geheimnisses entfernt Sind Sie jener Worte in bezug auf meine Mutter ganz gewiß? srug sie. Ganz gewiß, erwiderte ich. Wer die Frau auch fei» mag, sie ging einst in Limmeridge in die Schule und wurde von Mrs. Fairlie mit besonderer Güte behandelt, und in dankbarer Erinnerung an jene Güte fühlt sie für alle noch lebenden Mitglieder der Familie ein zärtliches Interesse. Sie wußte, daß Mrs. Fairlie und ihr Gemahl tot seien, und sie sprach von Miß Fairlie, als ob sich beide in ihrer Kindheit gekannt hätten. Höchst sonderbar. Ich bin der Ansicht, Mr. Hartright, daß Sie ganz recht darin taten, daß Sie dem armen Geschöpfe zu ihrer Freiheit verhalfen, denn sie scheint in Ihrer Gegenwart nichts getan zu haben, was bewiesen hätte, daß sie zu dem Genüsse derselben nicht berechtigt fei. Aber ich wollte doch, Sie wären ein wenig entschlossener in Ihren Versuchen, ihren Namen zu erfahren, gewesen. Wir müssen dieses Geheimnis aufklären. Ich denke indessen, Sie erwähnen die Sache lieber noch nicht gegen Mr. Fairlie oder meine Schwester. Ich bin fest überzeugt, daß beide ebenso wenig wie ich wissen, iver die Frau ist. Beide aber sind auch, freilich auf ganz verschiedene Weise, nervenschwach und leicht erregbar, und Sie würden sie nur unnötigerweise beunruhigen. Was mich selbst betrifft, so brenne ich vor Neugierde und werde von diesem Augenblicke an meine ganze Energie auf die Entdeckung der Sache richten. Als meine Mutter bald pach ihrer zweiten Heirat hierher kam, errichtete sie allerdings die Dorfschule, gerade so wie sie noch jetzt besteht. Aber die alten Lehrer sind alle tot oder anderswohin gegangen, so daß von der Seite her keine Aufklärung zu erwarten ist. Die einzige andere Alternative, die mir einfällt »— Hier wurden wir durch das Eintreten des Dieners unterbrochen, der mich bellachrichtigte, daß Mr. Fairlie sich freuen werde, mich bei sich zu sehen, sobald ich mit dem Frühstück zu Ende sei. Warten Sie draußen, sagte Miß Halcombe, inbent sie auf ihre schnelle, lebhafte Weise statt meiner antwortete, Mr. Hartright wird gleich hiliallskornnren. Was ich sagen wollte, fuhr sie fort, indem sie sich wieder zu mir wandte, wir besitzen eine große Sammlung von meiner Mutter Briefen, die sie au ihren und meinen Vater geschrieben hak. In Ermangelung aller anderen Mittel, uns Aufklärung; zu verschaffen, will ich den Morgen dazu antoeitbcn, meiner Mutter Korrespondenz mit Mr. Fairlie durchzusehen. Er liebte London und war sehr oft von seinem Landsitze abwesend, nnb sie war gewohnt, ihm bei solche» Gelegenheiten Berichte über alles zu schreiben, was sich in Lim- meribge zutrug. Ihre Briefe sind voll Don ihrer Schule, für die sie ein großes Interesse fühlte, und ich denke, es ist mehr als wahrscheinlich, daß ich etwas entdeckt haben werde, sobald wir einander Wiedersehen. Das Gabelfrühstück ist um zwei Uhr, Mr. Hartright. Ich werde dann das Vergnügen haben, Sie meiner Schwester vorzustellen, und den Nachmittag wollen wir bann dazu verwenden, in der Nachbarschaft spazieren zu fahren und Ihnen alle unsere Lieblingsaussichten zu zeigen. Also auf Wiedersehen um zwei Uhr. Sie nickte mir mit lebhafter Grazie und bezaubernder vornehmer Vertraulichkeit zu und verschwand durch eine Tür am unter» Ende des Zimmers. Sobald sie mich verlasse», ging ich auf den Vorplatz hinaus und ließ mich von den: Diener zu Mr. Fairlie führen. V. Mein Führer ging mit mir zu dem Korridor hinauf, auf dem das Schlafzimmer lag, in welchem ich die vergangene Nacht zugebracht hatte. Er öffnete die Türe nebenan und ersuchte mich, hiueinzuseheu. Ich habe Befehl von meinem Herrn, Ihnen Ihr eigenes Wohnzimmer zu zeigen, Sir, sagte der Man», und Sie zu fragen, ob Sie mit der Sage und dem Lichte zufrieden sind. Ich wäre in der Tat schwer zu befriedigen gewesen, hätte nicht das Zimmer sowohl, wie alles, was dazu gehörte, meinen Beifall gehabt. Das Bogenfenster zeigte dre- felbe wunderschöne Aussicht, die ich in ber Frühe schon von meiner Schlafstube aus bewundert hatte. Die Einrichtung war vollkoninien an Luxus und Schönheit. Es war das niedlichste, luxuriöseste kleine Wohnzimmer, das mir je vorgekommen, und ich lobte es mit dem wärmsten Enthusiasmus. Der feierliche Diener verbeugte sich nut eisiger Ehrerbietung, als ich meine Lobsprüche erschöpft hatte, und öffnete dann schweigend wieder die Tür, um mich in den Korridor hinauszulassen. Wir bogen um eine Ecke und betraten einen zweiten langen Korridor, an dessen äußerstem Ende angelaugt wir eine kleine Treppenflucht hinaufstiegen, über einen Heinen, runden Vorplatz gingen und endlich vor einer Tür sttu- ftanbeu, die mit einem dicken, dunkeln Wollenstoffe be- fchlage» mar. Der Diener öffnete diese Tür und führte mich ein paar Schritt weiter a» eine zweite; öffnete diese ebenfalls und zeigte dadurch zwei Vorhänge von blasser, wassergrüner Serbe dicht vor uns; zog den einen geräuschlos zurück, sprach leise die Worte: „Mr. Hartright" aus und verließ mich. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Postwesens im Grotzherzogtuin Hessen. Von M. Koehler und R. G o 1 dman n, (Schluß.) 1, Rückblick auf die Entwicklung des Telegraphenwesens in Hessen; Vereinigung der Post und Telegraphie. Im Jahre 1876 erfolgte die Vereinigung der Post und Telei- graphie zu einer einheitlichen Verwaltung. Ein kurzer Rückblick, auf die Entwicklung des Telegraphenwesens wird von Interesse fein. Optische Telegraphen, wie sie in Frankreich feit 1792 ton Claude Chappe angelegt und zu hoher Vollkommenheit gebracht wurden, lassen sich auch im Gebiete des heutigen Großherzogtums Hessen nachweisen. Am 13. Marz 1813 Beauftragte der Kaiser! Napoleon Abraham Chappe, den jüngsten Bruder des Erfinders,; mit der Herstellung einer optischen Telegraphen-Linie zwischen Metz Und Mainz. Me Arbeiten wurden sogleich in Angriff genommen! Und schon am 29. Mai des gleichen Jahres fand der erste telegraphische Nachrichtenaustausch zwischen Metz und Mainz statt.; 589 — In Mainz wgr die Telegraphenstation anfangs itüf der Citadelle (dem Windmühlenverg) errichtet, wurde aber bereits Anfang No- dember 1813 auf den Turm der Stephanskirche verlegt. Die nächste Signalstation befand sich an der nordöstlichen Grenze der Gemarkung Schwabenheim a. d. Selz am „Heidehof", einem Gehöfte, das bis in die Jahre 1840 bis 1850 bestanden hat, heute über verschwunden ist. Bon hier wurden die Zeichen, weiter nach Sprendlingen, wo ein Beobachtungsgerüst auf dem St. Jo- Hannes-Psad (jetzt „Napoleoushöhe") stand, ferner weiter nach Kreuznach, Desloch usw. übermittelt. Die erste elektromagnetische Telegraphenlinie wurde in Hessen im Jahre 1848 von Frankfurt (Main) über Gießen, Kassel, Eisenach, Erfurt, Halle Cöthen, Jüterbog nach Berlin durch Preußen erbaut. Diese Linie war ausschließlich preußisches Eigentum und wurde auch nur von preußischen Beamten bedient., Die Staaten, durch deren Gebiet die Linie führte, genossen als Gegenleistring für die dem preußischen Staate zur Anlage erteilte Erlaubnis mäßige Vergünstigungen für ihren. Staatstelegramm- Verkehr. Die Linie wurde anfangs mit dem Sieniensschen Zeigerapparat, später mit bent Morseapparat betrieben und diente lediglich dem Staatsverkehr. Erst im Jahre 1850 gestattete Preußen auch dem Publikum die Benutzung der Anlage. Die Bedingungen für die Benutzung waren in einem Regulativ vom 6. August 1849 zusammengefaßt. Hiernach wurde z. B. kein Telegramm befördert, das nicht in unzweifelhafter WiÄse! dm Namen des Absenders als Unterschrift trug; kein Telegramme durfte über 100 Worte zählen. Telegramme in französischer Sprache konnten nach einer Bestimmung aus dem folgenden Jahre (1850) nur auf den Grenzstationen aufgegeben werden. Alle anderen nicht deutschen Telegramme blieben von der Beförderung ausgeschlossen. Die telegraphische Uebermittelung der Börsenkurse in bloßen Zahlen, ohne Bezeichnung der Effekten,, war gestattet; jedoch durften Bei jeder Effektensorte nur 4 Zahlen gebraucht, und es mußte die der Telegraphenstation von den Absendern im voraus mitzuteilende Reihenfolge, in der jedesmal die Kurse der Effekten aufzuführen waren, genau iunegehaltest löerben, bannt sich die Kontrolle nach beit Kurszetteln ausüben ließ. Aenberungen (Streichungen, Verbesserungen), bie eine Abkürzung beS Telegramms bezweckten, waren unzulässig; war ein Schreibversehen vorgekonnnen, mußte das Telegramm umgeschrie- beit werden. Mit Bleistift geschriebene Telegramme wurden nicht angenommen. Wer etwa mehr als ein Telegramm gleichzeitig aufgeben wollte, dem wurde bedeutet, daß, diese Massenanfliefe- l'ung sich mit den maßgebenden Verwaltungsgrundsätzen (§ 5 des Regulativs) nicht vereinbaren ließe. Als Zeitgrenze, bis zu der ein Privattelegramm von der Auflieferung an abtcle- graphiert sein mußte, war eilt halber Tag festgesetzt. Lief auch diese Frist ab, ohne daß das Telegramm befördert war, so konnten dem Absender auf Verlangen die Gebühren zurückgezahlt werden. Die Tiens! stund en der „Telegraphenbureaus" währten von 7 oder 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends; doch konnten in dringenden Fällen auch zur Nachtzeit Telegramme gegen Bezahlung der doppelten Gebühren befördert werden. Am 2'6. Juli 1850 schlossen sich Preußen, Oesterreich, Bayern Und Sachsen zum Deutsch-Oesterreichischen Telegraphenvcrein zusammen; damit wurden für die Benutzung der Telegraphenlinien 'einheitliche Grundsätze und gleichmäßige Gebühren geschaffen. Der erste sogenannte „vorläufige" Tarif vom 6. August 1849 berechnete durchgängig annähernd 17 Pfennig für die Meile und stieg nach den ersten 20 Worten von 10 zu 10 Worten stm. .Vi des ursprünglichen Betrags. Der eigentliche Gebührentarif (vom 26, Juli 1850) brachte eine merkliche Ermäßigung der Gebühren: das gewöhnliche Telegramm bis zu 20 Worten wurde in der ersten Zone (bis 10 Meilen) ntft 2 Mark und in den weiteren Zonen (25, 45, 70, 100 usw. Meilen) um diesen Betrag höher berechnet. Bei Telegrammen mir 21 bis 50 und mit 51 bis 100 Worten verdoppelten oder veÄweifachten sich diese Beträge. Der erste Nachtrag zu diesem Tarife vom 10. Oktober 1851 setzte fest, daß die Telegramm- 'gebühren nicht mehr nach der Länge der vom Telegramm durchlaufenen Linien, sondern nach der geographischen Entfernung, des Aufgabeortes vom Bestimmungsorte bemessen werden sollten. Gleichzeitig wurde für das ganze Vereinsgebiet der Morse-Schreib- apparat eingeführt. Auch Bayern ging in Hessen, und zwar in Starkenburg Und Rheinhessen, mit der Erbauung von Telegraphenlinien und der Einrichtung von Telcgraphenanstalten vor. So wurden am 1. April 1853 in Darmstadt und Offenbach' (Main), am 1. November des gleichen Jahres in Worms, am 25. August 1854 in Mainz und am 1, Juli 1855 in Bingen bayerische Telegraphen- anstalten eröffnet. Da Bayern dem Deutsch-Oesterreichischen Tele- .graphenverein angehörte, so galten auch für die bayerischen Stationen in Hessen die vorstehend aufgezählten Tarifbestimmungen Vom 10. Oktober 1851. Eine Ermäßigung dieser brachte das Jahr 1858, indem die Gebühr für das einfache Telegramm innerhalb der 1. Zone von 20 auf 12 Sgr. herabgesetzt wurde. Eine Verbilligung des preußischen Telegrammverkehrs erfolgte int folgenden Jahre durch die Festsetzung der Gebühr für däs einfache Telegramm im inneren Verkehr auf 10 Sgr. Im Jahre 1863 wurden dann die Gebühren für dm preußischen Verkehr, und Mar für ein einfaches Telegramm bis zu 20 Worten in der ersten Zone (10 Meilen) auf 8 Sgr., in der zweiten Zone (10 bis 45 Meilen) auf 10 Sgr.- und in der dritten Zone (über 45 Meilen) auf 16 Sgr. herabgesetzt; für je 10 Worte mehr wurde die Hälfte dieser Sätze berechnet. Am 1. Juli 1867 wurden schließlich, noch bie Sätze bet drei Zonen auf 5, 10 und 15 Sgr. ermäßigt. Im gleichen Jahre gingen durch besonderen Vertrag vom! 27. August sämtliche Telegraphenaltlagen int Gtoßherzogtum in die Verwaltung Preußens, am 1. Januar 1868 zusammen mit denen der meisten übrigen deutschen Staaten laut Artikel 48 der Verfassung in diejenige des Norddeutschen Bundes und schließlich am 1. Januar 1872 in bie Verwaltung des Reiches über. Gleiche- zeitig erfolgte bie Einrichtung zahlreicher neuer Telegraphen- anstalten. Es erhielten den Telegraphen: Schlitz am 16. Dezember 1867,- Lauterbach am 24. Dezember 1867, ferner im Jahre 1868 Jugenheim (Bergstraße), Büdingen, Grünberg, Hungen, Alzey, Groß- Umstadt, Ortenberg, Pfungstadt, Alsfeld, Gernsheim, Laubäch, Nidda, Schotten, Wöllstein, Fürth, Lorsch, Michelstadt, Wörrstadt, Und Erbach (Odenw.), im Jahre 1870 Bad-Nauheim, im Jahre 1871 Bensheim und Friedberg, int Jahre 1872 Oppenheim, int Jahre 1873 Ober-Ingelheim, im Jahre 1874 Darmstadt-Bes- suNgen, Heppenheim (Bergstr.), Neustadt i. Odenw., Vilbel, Dieburg, Griesheim, Groß-Gerau, Kastel, Viernheim, Neu-Isenburg,- Lampertheim, im Jahre 1875 Osthofen, Langen, Seligenstadt, Eberstadt und Groß-Zimmern. Ende 1875 waren 48 Telegraphenstativnen im Betrieb. Im Jahre 1876 mürben Post und Telegraphie zu einer einheitlichen Verwaltung vereinigt. Dementsprechend wurden auch die Telegraphenanstalten in Hessen, die bis dahin zur Telegraphendirektion Frankfurt gehörten, der Ober-Postdirektion in Darmstadt unterstellt und mit Ausnahme derjenigen in Mainz mit den Postämtern an den betreffenden Orten vereinigt. Die Telegraphendirektion in Frankfurt trat außer Wirksamkeit. 2, Fernsprechwesen. Der Fernsprecher, eine ursprünglich deutsche Erfindung, die 1877 in verbesserter Gestalt aus Amerika nach' Deutschlaitd zurück- Iain, wurde von der Reichs-Telegraphenverwaltung zunächst dazu! verwendet, solche Orte an das Telegraphennetz anzuschließen, bereit geringer Verkehr bie Aufstellung kostspieliger Morseapparate und die hierfür unerläßliche Ausbildung von Beamten int Telegra- phiereu nicht gerechtfertigt hätte. Die erste derartige Telegraphenanstalt mit Fernsprechbetriebj im Großherzvgtum Hessen wurde am 16. März 1878 in Fränkischs- Crumbach eröffnet; dann folgten int Jahre 1879 Uffenheim und Reichenbach (Odenw.). Die Verbesserung des neuen Apparats- der ohne Vorkenntnisse von jedermann zu bedienen ist, seine Billigkeit und Einfachheit haben seitdem wesentlich dazu beigetragen,- daß die Zahl der Telegraphenanstalten bedeutend vermehrt werden konnte. Ein weiterer Schritt in der Verwendung des Fernsprechers war die Herstellung von Stadt-Feriisprecheinrichtungen, durch die dem Publikum die Beförderung von Nachrichten, zunächst fürs den Bereich des eigenen Ortes, selbst in die Hand gegeben wurdch Jeder Teilnehmer konnte während der Dienststunben der Ver- mittelungsaiistalten mit den übrigen Teilnehmern derselben Stadt- Fernsprecheinrichtung mündlich verkehren, sowie Nachrichten an die Vermittclungsanstalt zur Weiterbeförderung durch die Post oder den Telegraphen übermitteln. Die erste Stadt-Fernsprecheinrichtung im Großherzogtum! wurde in Mainz am 15. Oktober 1883 mit 38 Teilnehmern (jetzt 2123 Teilnehmer) eröffnet. Dann folgten: Offenbach (Main) ain! 28. Dezember 1884 mit 19 Teilnehmern (jetzt 105/), Kastel (Rhein) am 28. Juni 1885 mit 5 Teilnehmern (jetzt 65), Darmstadt am 22. September 1885 mit 26 Teilnehmern (jetzt 1539), Worms am 15. September 1888 mit 27 Teilnehmern (jetzt 746), Gießest am 1. November 1889 mit 47 Teilnehmern (jetzt 546). Welche Bedeutung die Einrichtung gewann, erhellt daraus- daß gegenwärtig an Gesprächen vermittelt werden: in Mainz 5 627 810 Stück = 15 419 Stück täglich, ist Offenbach (Main) 3 686 878 Stück = 10101 Stück täglich, in Kastel (Rhein) 156 543 Stück = 429 Stück täglich, in Darmstadt 3 067 369 Stück = 8404 Stück täglich, in Worms 1687151 Stück = 4623. Stück täglich, in Gießen 1278932 Stück = 3501 Stück täglich.. Um die Benutzung des Fernsprechers immer weiteren Kreisest des Publikums zugänglich zu machen, namentlich aber um dest Einwohnern kleinerer Sanborte Gelegenheit zu geben, bei plötzlichen Unglücksfällen usw. sofort entsprechende Nachrichten an bie nächste Telegraphenanswlt abzusenden, würben seit 1883 nach dem Muster der Posthilfstellen Telegraphenhilfstellen mit Fernsprechbetrieb, und zwar zuerst in Elsheim und Groß-WinternhetM- eingerichtet. Mitte September 1907 waren 308 Posthilsstellest mit Telegraphenbetrieb vorhanden. IX. Statistische Angaben. Die Entwicklung des' Post- und Telegraphenwesens in Dessen seit den sechziger Jahren bis zur Gegenwart spiegelt sich' in folgenden statistischen Angaben wieder. Im Jahre 1867 hatte Hessen 133 Postanstalten nut einem Personal von 1112 Köpfen, ferner 8 Telegraphenanstalten; rm Jahre 1907 bestanden 965 Postanstalten und 696 Telegraphen- 584 MstalbÄl mit einem Gesamtpersonal von 5236 Köpfen. Bei der Ober-Postdirektion waren im Jahre 1867 neben dem Ober-Postdirektor 1 Postrat, 2 Oberpostinspektoren und 26 weitere Beamte beschäftigt, gegenwärtig dagegen 6 Posträte, 6 Ober-Postinspektoren, 2 Postinspektoren, 14 Ober-Postpraktikanten und 64 weitere Beamte und Beamtinnen. Die Zahl der amtlichen Verkaufsstellen für Postwertreichen Und der Postbrieftasten betrug im Jahre 1907 1218 und 2927. gegen 34 und 732 im Jahre 1872. Die Telegraphenlinien hatten im Jahre 1907 eine Länge von 2592 Kilometer gegen 957 Kilometer im Jahre 1877. Die Zahl der Sprechstellen und der im Betriebe befindlichen Fern- sprechapparate ist von 47 und 57 im Jahre 1883 auf 13 137 und 13879 im Jahre 1907 gestiegen. In welchem Maste die einzelnen Leistungen der Post und Telegraphie gewachsen sind, ersieht man daraus, daß seit 1861 die Zahl der eingegangenen Briefseitdungen von rund 4i/2 Millionen auf rund 92 Millionen, die der eingegangenen Pakete von rund 419 000 auf 41/» Millionen und seit 1877 die Zahl der Angegangenen Telegramme von 198105 auf 702 626 und die der aufgegebenen von 187 286 auf 658 304 gestiegen ist. Gesunken ist nur die Zahl der eiugegangenen und aufge- aebenen Wertsendungen. Während z. B. im Jahre 1861 102 410 Wertpakete und 220 952 Wertbriefe eingegangen waren, sind im Jahre 1907 nur 64326 und 144 299 Stück angekommen. Die bedeutende Verminderung dieses Verkehrszweiges ist auf die Ausgestaltung des Postanweisungsdienstes, durch dessen be- queme bankmäßige Zahluugsvermittelung die umständliche Naturalversendung der Gelder zum großen Teile erseht wird, zurückzu- juhren. Im Jahre 1861 sind 5906 Postanweisungen mit 47 216 ft., 1907 dagegen 3>/z Millionen mit rund 235 Millionen Mark ausgezahlt worden. Die Zahl der eingezahlten Postanweisungen stieg von 719 522 Stück mit 40827 541 Mark im Jahre 1877 auf 31/« Millionen Stück mit 227 Millionen Mark im Jahre 1907. Auster durch den Postanweisnngsdienst beteiligte sich die Post in den letzten Jahrzehnten auch durch das Postnachnahmc-, Auftrags- und Giroverfahren in umfangreichem Maste am Bank- und Geldverkehr. An Nachnahmen und Postaufträgen gingen int Jahre 1873 148 014 und 13914 Stück, im Jahre 1907 984138 und 141 775 Stück ein. Die Entwicklung des Postzeitungswesens hat mit der der Übrigen Dienstzweige gleichen Schritt gehalten. Im Jahre 1861 wurden bei den hessischen Postanftalten rund 1 Million Zeitungs- Nummern, im Jahre 1907 dagegen bereit 18 Millionen ausgeliefert.' So bietet die Geschichte des Postwesens im Grostherzogtum Hessen ein Bild gewaltigen Fortschritts. Die Post entwickelte sich durch den allmählichen Ausbau des Netzes ihrer Verkehrsanstalten, durch die Einbeziehung immer weiterer Zweige des wirtschaftlichen Lebens in ihren Wirkungskreis und durch ihre Tätigkeit auf ihr an sich fremden Gebieten wie bei der Stempelsteuererhebung, der Unfall- und Invalidenversicherung und den Wohlfahrtseinrichtungen des llufall-, Wasser- und Wettermeldedienstes zur vielseitigsten Verwaltung und zu einer Lebensbedingung für Handel und Industrie, verlorene Erben. Unter den vielen Europäern, die in dein Dollarlands spurlos verloren gegangen sind, befindet sich eine erstaunlich große Anzahl englischer Adliger, die Ansprüche auf die höchsten Ädelstitel und Adelsgüter haben. Ein sacvkundiger Aufsatz von F. Cunliffe Diven in „Munsey's Magazine" gibt darüber überraschende Ausschlüsse. Der englische Baron Sir Arthur Eurtis, der dritte der Lmie, ist seit dem Juni 1898 verschwunden. Seine letzte Spur findet sich int Goldlande Klondike. Sein Reisegefährte Roger Poeock hat vor einiger Zeit in London ein Buch veröffentlicht, in dem er sein letztes Beisammensein mit Sir Arthur Curtis erivähnt. Die beiden Reisegefährten gerieten in Streit und Sir Arthur Curtis entfernte sich in Begleitung eines indianischen Führers von dem Goldgräberzuge und seitdem hat man nichts wieder von ihm gehört. 12 Jahre später ließ Sir Roger Curtis, der Sohn des Ver- mitzten und jetziger Inhaber der Baronetswürde, durch die Behörden von Britisch-Colurnbia Nachforschungen anstellen, jedoch war keine Spur mehr von seinem Vater aufzufinden. Aehnlich ist das Schicksal eines Mannes, der Anspruch auf die E a r l w ü r d e von Leitrim hat. Der jetzige Lord Leitrim und Inhaber der Würde, der Bruder des Verschollenen, weiß nur, daß sein Bruder seine Heimat verlassen hat, weil er nicht das Leben der retchen englischen Adligen führen, sondern sich durch seiner eigenen Hände Arbeit ernähren ivollte. Obwohl er reich begütert war, ging er an Bord eines Schiffes als Heizer nach den Vereinigten Staaten, vielleicht ist er dort unter einem angeltommenen Namen in das amerikanische Heer eingetreten. Die widersprechendsten Nachrichten über ihn kamen nach England: bald sollte er unter einem Decknamen in Kansas City in einem Krankenhause gestorben sein, dann sollte er als Cowboy in Texas, ein aitdermal als Goldgräber in Klondike gesehen worden sein. Die Aufrufe, die Lord Leitrim fast alljährlich in amerikanischen Blättern erläßt, in denen der Vermißte ganz ausführlich beschrieben wird, find bisher ohne Erfolg geblieben. Ebenso ungewiß ist das Schicksal eines englischen Offiziers, des Frederick Fermor Hesketh, des zweiten Sohnes des Sir Thomas Fermor Hesketh. Dieser Fall stammt aus der jüngsten Vergangenheit, denn es ist noch kein volles Jahr verflossen, seit der junge Leutnant verschwunden ist. Bei seinem Truppenteil wurde der Vermißte als „ohne Urlaub abwesend" aufgeführt, da man zunächst nur glaubte, er habe seine Urlaubszeit überschritten. Als aber Monate vergingen, ohne daß man etwas von ihm hörte, nahmen auch die Militärbehörden an, daß irgend ein Geheimnis hinter der Sache stecken müsse und strichen den zweideutigen Vermerk neben seinem Namen, der ihn gewissermaßen als Fahnenflüchtigen stempelte. Bisher hat man von dem Vermißten noch nichts auskundschaften können. Als der fünfte Earl von Shannon starb, vergingen zwei Jahre, bis der rechtmäßige Inhaber der frei gewordenen Adelswürde anfgefunden werden konnte. Auch er war in den Vereinigten Staaten, jedoch gelang es, seine Spur zu ermitteln. Er hatte in allen möglichen Stellungen gearbeitet und wurde zyletzt in Neumexiko als Cowboy aufgefunden. Als er hörte, daß ihm die Earlswürde zugefallen sei, zögerte er natürlich keinen Augenblick, diesen guten Posten gegen den schlechten des Cowboys umzutauschen. Die Reihe der verschollenen englischen Adligen in den Vereinigten Staaten ist hiermit längst nicht abgeschlossen, vielmehr führt Cunliffe Owen noch eine ganze Reihe mit Namen auf und berichtet von ihren Schicksalen, soweit sie bekannt geworden sind. K. F. Vermischter. kf. Die Ang st vor der Schwiegermutter spukt bei Uns höchstens noch in den Witzblättern; dahingegen bei den Nav'ajos in Neu Mexiko ist sie eine wirkliche, und zwar .Herz und Nieren angreifende Angst, die sich als eine „ewige Krankheit" von Geschlecht zu Geschlecht sorterbk. Die Ehemänner, selbst die größten und stärksten, greifen dort, wie „El Diario" erzählt, nach jedem Mittel, um nicht mit der Mutter der eigenen Gattin zusammenzustoßen. Wenn einer unglücklicherweise das Wort an die Schwiegermutter gerichtet hat, so gerät der ganze Stamm in Aufruhr und legt dem Uebeltäter ein strenges Reinigungsfasten auf, das mehrere Tage dauert und dazu bient, den Zorn deS großen Geistes zu besänftigen. Nicht selten sieht man einen mächtigen Mann mit aller Schnelligkeit, dessen seine Beine fähig find, Reißaus zu nehmen und sich im dunkelsten Winkel seiner Hütte verbergen, nur weil er von ferne irgendwo seine Schwiegermutter erblickt hat. Diese Furcht vor der Schwiegermutter herrscht bei fast allen wilden nordamerikanischen Stämmen. Bei den Beminolen in Florida ist es dem Schwiegersohn streng verboten, der Mutter seiner Frau ins Angesicht zu sehen, geschweige denn, sie anzureden. Wenn sie sich zufällig einer in der Nähe des anderen befinden, so kehren sie einander gegenseitig den glücken zu, und falls es für sie einmal erforderlich ist, einander eine Mitteilung zu machen, so wird dies durch eine dritte Person bewerkstelligt, Wei den indianischen Tinneh, die an den Ufern des Mackenzie leben, darf der Schwiegersohn nicht einmal den Namen seiner Schwiegermutter einem "Dritten gegenüber aussprechen. Wenn der Name doch einmal dem Gehege seiner Zähne entschlüpft ist, wirft er sich sofort mit allen Zeichen des Schreckens auf den Erdboden und schreit: „Ich habe gesündigt, ich habe gesündigt!" Denn sonst bedeckt sich alsbald sein ganzer Körper und zumal seine Nase mit Geschwüren schlimmster Art. Auch bei den Tatu in Kalifornien darf ein Manu nicht seiner Schwiegermutter ins Auge sehen, sondern er muß sich immer wenigstens in einer .bestimmten Entfernung von ihr halten. Tauschratsel. Dieb — Ohr — Wurst — Alba — Hofen — Wagen — Ulm — Leid — Tadel — Hammer — Enkel — Bund — Fuge — Bebel — Rest — Ober — Wache. Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebeusoviele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben einen modernen Dichter und den Titel eines seiner Dramen bezeichnen. Auflösung in nächster Nummer. M. dU M. a7 1. V. aü 2. V. bA 6 21 14 14 15 21 6 3. V. 4. V. 5. V. 6. V. b8 cD cK dK cA cZ dA aA Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr = Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Carreau, trB = Treff-Bube, pA — Pique-Aß, eD Coeur-Dame u. s. f. Im Skat lag noch cA; der Spieler drückt al) und bD. Mittelhand hatte: dU, aK, a8, a7, bK, b8, cK, cD, dZ, dK, Hinterhand die übrigen. Verlauf des Spieles: M. M. M. M. H. cü = + H. bZ = - - H. v7 = -- e8 = -f- $. d7 = + £>. aZ = 4~ Skat: = + Sa. = 4-97 Augen. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.