8 h t r r tt e e t e h 3 3 t r t r i t 'i i 6@ Kl IhJ ^WW>WW ulft ^WW» W v;ct.sbto> j <■ W - i1' • '-I*-»«IV - - - ‘Ü^iT tzerzeloide. Momau von Georg Freiherrn von Dmpfe5W (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Genesung kam, mir nicht so, wie wir gehofft hatten, Nicht mit einem Schlage, nicht völlig. Der Arzt sagte, es' würde noch lange, lange Häuern, daraus sollte ich gefaßt sein. Und sehr geschont und gehütet sollte Maria werden. Dazu riet er Luftwechsel an, eine Reise nach dem Süden. Hebet den Aufenthaltsort waren wir uns nicht Kar. Mehreres wurde vorgeschlagen. Ich dachte au die Riviera, Pernese schwebte mir vor. Dort hatten wir uns fernten 'gelernt, dort mußte sie gesund werden. — Mir schien ein Hauch von Poesie und Liebe um den Ort zu schweben. Eine Dehnsucht packte mich nach dem sonnigen Hotel, dem Meeresbrand en, dem starken Blumenduft und nach unserer Bank Mn Kap, wo ich mein Weib gefunden hatte. Doch andere Erwägungen trugen den Sieg davon. Die Reise sollte Nicht lange dauern, ein Ort Mußte es sein, den Marias Eltern möglichst leicht erreichen konnten, endlich einer, der zwar ein milderes Klima bot als das unsere, mehr Luft, Licht und Sonne, aber doch! nicht zu sehr verwöhnte. Die Wahl fiel auf Meran. Ich reichte einen langen Urlaub ein, und so bald es! tzing, reisten wir ab. Die Fährt machten wir beide allein, Uur die Köchin Und die JUngfer begleiteten uns. Ich, hatte das Glück, eine reizende, kleine Billa in Obermais zu finden, in der wir ganA allein wohnten. Es war ein herrlicher Tag, als wir am anderen Morgen die Vorhänge öffneten. Kein Schnee, kein Staub, kein Ruß, kein Schmutz. Rein war die Luft, wie der wolkenlose, dunkelblaue Himmel, der sich über das Burggrafenamt spannte. Und still toor es, rein jLufthäuch regte sich. Im (garten war alles grün. Hohe Evo- nymushecken liefen rundum, Libänonzedern ließen ihre befiederten Aeste tief hängen und neigten tote eine Fahne den Wipfel, Lebensbäume stiegen steil, hoch, riesig in Pyra« mideu stuf. Mitten auf dem Rasenplatze vor dem Hause erhob sich eine gewaltige Konifere. Wir steckten den Kopf hinaus auf den Balkon, her im stärksten Sonnenbrände lag, und ein seltsamer Duft zog zu Ms herauf, den wir im ersten Augenblick, aus Schnee und scharfen Winden, aus kahler, toter Nordensebene kom- Mend, Ms nicht zu deuten wußten. Doch mit einem Jubel int Don rief Maria, mit so heller, lauter Stimme, tote ich sie seit Wochen nicht mehr gehört: v H Fritz, das sind ja Veilchenll Ich heugte mich über das Geländer. Unten am Haus, W beschützten Stellen leuchtete es violett, Und eben wieder trug her an der sonnenbeschienenen Wand emporsteigende puftstrom Wr deh Duft der Veilchen zu- 8Ä Nickte Waria hinüber über den Marlinger-Berg in all die reine Himmels!-! bläue 'und sagte: i— Hier muß ich gesund! werden! H Du bist es doch schon! gab ich zürück Und! strew chelte sie. Doch sie schüttelte den Kopf und,antwortete leise mit einem so wehmütigen Ausdrucks wie ich ihn noch me an ihr erblickt: , Nein, Fritz, noch nicht! Das fühle ich! Aber als sie meine besorgte Miene sah, raffte sie sich zusammen, um mich nicht zu ängstigen, und sprach! Mir einem Blick der Liebd: — Ich werde gesund', ganz, ganz' gesund — für dich! ! Ja sie mußte gesund' werden, meine Maria! Konnte es der allerbarmende Gott zulassen, daß sie krank blieb, die Nur zur Freude, zum Heil, zum Segen anderer geboren war? Ich zweifelte nicht, ich hatte felsenfestes Vertrauen r sie mußte gesund werden! Es ging auch von Dag zu Tag vorwärts, sie schien kräftiger zu werden, Luft und Sonne, Windstille, Trockene heit, taten ihr Bestes, nur fand ich, daß, die Fortschritte nicht schnell genug gingen. Ich sagte es eines Dages dem Arzt, als einmal die Sonne nicht schien, es kalt und Mw freundlich war, einer jener Tage im Süden, die ab Und zu kommen, wo man ungerecht wird und', durch all die Herrlichkeit der Milderen Lage verwöhnt, sich einbildet,- „schlechter kann es im Norden auch nicht sein!" Der Arzt sah mich an: — Sie dürfen nicht zuviel verlangen. Ihre Frau $e>i mahlin ist sehr krank gewesen. Hören Sie, sehr krank. Das Wort verließ, mich tagelang nicht. Es hatte so ernst, so bedeutungsvoll geklungen! Und jedesmal, wenn ich Maria anblickte, die noch immer schmal aussah und blaß, summte es mir in den Ohren: „Sehr krank, hören Sie h sehr krank." Da sagte ich es ihr, tote krank sie gewesen wäre, ich wüßte es genau. Ich mußte es sagen, es hätte mir das Herz abgequält, denn es gab doch kein Geheimnis zwischen uns. Sie sah mich, ruhig an, fest, unbeweglich, aber plötzlich begannen ihre Mundwinkel zu zucken, ihre Augen schienen zu schwellen, sich zu röten, ihre feinen Nasenflügel bebten, sie fiel mir um den Hals Und! begann gänzlich fassungslos, herzbrechend zu weinen. Ich hielt die zarte Gestalt an meiner breiten Brust —3 denn die Natur hat mich groß und ungeschlacht geschaffen — ich barg das zitternde, schluchzende Geschöpf, das in seinem Weh Schutz bei seinem Manne suchte, in meinen Armen, Ich fühlte Marias Beben, fühlte durch die Gewänder hitw durch das röchelnde Atmen, den stürmischen Schlag des Herzens. Und mich überkam ein Weh, daß es ntir die Luft nahm, die Kehle zusammenschnürte. Eine AhnunH etwas nicht zu ErKärendes, ein Vorgefühl zitterte in mir. Ich wollte etwas sagen — ich brachte kein Wort heraus. Maria aber rief, wie in einem lauten Schrei unü krampfte und krallte sich an mich anr 310 H Ich Will bei dir bleiben! Ich kann noch nicht fort! Ach habe dich so lieb! Da faßte ich mein Mich barg es bei mir, und ein Blutfchtvall strömte mir zum Herzen so mächtig, daß es mir den Zorn ins Gesicht trieb, als wollte ich Maria verteidigen gege'n den, der es wagen würde, sie mir zu entreißen. Mit erstickter Stimme rief ich, sie wie rasend küssend, in ihr dichtes, schwarzes Haar- !— Ich lasse dich nicht, Maria! * Täglich fuhr sie tut Rollstuhl. Sie hätte sich zuerst gesträubt dagegen. Sie meinte, das sähe ja zu gefährlich aus. So schlecht ginge es doch nicht mit ihr. Aber sie merkte doch, päsß sie zu schwach war, Um längere Strecken zn gehen. Ich tröstete sie, daß es vom langen Liegen sei, die Mäste würden wiederkommen, und sie nickte voller Dank. Wenn sie dann fuhr in dem rot» überzogenen Sessel, den hinter ihr der Lohndiener schob, schritt ich daneben, die Hand, solange es wegen der Menschen ging, auf ihren Arm gelegt, nur daß ich sie fühlte und sie mich. Meist blieben wir in Obermais, denn wir wollten allein sein. Mleu Bekannten, von denen doch dieser und jener in Meran war, hatte ich gesagt, der Arzt wünsche nicht, daß sie spräche und Leute sähe; so waren wir fast immer für uns. Aber wir vermißten die Gesellschaft nicht. Irgendwo an einer geschützten, recht sonnigen Stelle kippte der Fahrer dann vorschtig den Stuhl nach vorn, ich stützte Maria, und sie stieg aus, um ein paar Schritte am Winkel- Weg oder wo es sonst eben war, zu gehen. Dann setzten wir uns auf eine Bank nebeneinander unü waren glücklich zu zweit und allein. Wir sprachen von der Schönheit der Gegend, machten Pläne, welche der alten Schlösser, die rings von den Höhen ins Dal herabsahen, wir besuchen wollten, waren in Gedanken im Pintschgau, wo es nach dem Ortler ging, int Passeier, wo einst Andreas Hofer im Wirtshaus am Sand gelebt hatte. Wir ließen unsere Blicke über die hohen, schneebedeckten Berge gleiten, und sehnsüchtig sagte Maria, als ob die Kräfte des Bergsteigers in ihr ruhten: , i— Wie es wohl da oben aussieht? Ihr Pater hatte sie nie mitgenommen. Er pflegte zu sagen, er dürfe das Genick brechen, aber seine Tochter picht. Und ich war fremd! in jenen Regionen ewiger Felsen und ewigen Schnees. Maria blieb immer dabei, sobald es ginge, müßten wir einmal dort hinauf. Es wurde wie ein nicht mehr zu bannender Wunsch, als. wolle sie nur Kräfte sammeln, um mit mir dort oben Luft und Blick zu genießen, dort oben, wohin nur "starke, gesunde Menschen kommen können. Sie aber fuhr weiter in ihrem Stuhle, und jeder längere Gang ward mit Schwäche und ein. wenig Husten bezahlt. Der Husten machte mich ängstlich', denn jedesmal erforderte er eine größere Borsicht. Dann kamen einmal mehrere Tage schlechten Wetters, und! Maria mußte das Zimmer hüten. Sie sah bläß aus, sehr blaß, und als ich eines Abends neben ihr saß, um ihr vorzulesen, das Buch aber meiner Hand entsunken wär und ich den Kops an ihre Schläfe lehnte und ihr erzählte, sah ich ihre Hand ausgestreckt aus der Armlehne Hegen. Roch nie war mir ausgefallen, wie schmal und- dünn die Finger geworden waren. Ich zog fie an die Lippen und streichelte sie. Ich Umklammerte sie mit meinen Händen, daß sie ganz verschwanden. Ich war erschrocken, aber ich zeigte es nicht. Maria klagte nie. Selbst an solchen Tagen — wie selten sie auch waren wenn sie das Haus nicht verlassen durfte, kam nie ein Wort des Unwillens über ihre Lippen. Sie war immer heiter, immer zeigte sie mir ein freundliches Gesicht. Nie ließ sie sich gehen zu einer Klage, und ich sah doch oft, wenn sie saß-, daß ihr eine Stellung unbequem war, wie sie die Arme aufstützte, um besser, tiefer Atem zu schöpfen. Nur an einem merkte man ihr au, daß ihre Lunge nicht arbeitete wie die eines Gesunden; sie bat öfters: — Fritz, bitte, mache doch das Fenster etwas auf, ich glaube, es ist schlechte Luft int Zimmer! Dabei war fortwährend gelüftet worden. Marias Geduld und Sanftmut war rührend. Der Arzt, ein alter Mann, dem in seinem Leben gewiß Tausende solcher Kranken vorgekommen waren, sagte zu mir: i । Herr Rittmeister, Ihre Frau Gemahlin ist ein Engel. Bei diesen Worten schoß mir — W weiß nicht zu erklären, wie es kam — die Jdeeverbindung durch den Kopf mit dem Himmel, als hätte Maria schon! ntchjts Irdisches, mehr. Ich konnte mich nicht beherrschen, und! begann zst weinen. Ich schämte mich dieser Dränen nicht. Eine ensti schliche Angst kam über mich!, ich dachte mit Bestimmtheit daran, ich würde Maria verlieren. War sch! mit Blindheit geschlagen gewesen? Alle Worte der Aerzte daheim und hier sielen mir ein. Ich suchte überall einen versteckten Sinn. Auch jetzt las ich! ängstlich! in der Miene des alten Arztes. Er streichelte mir über Schulter und! Mm und sagte in einem so weichen, lieben Dort, wie ich ihn noch nie aus seinem Munde vernommen hätte: Fassen Sie sich. Es ist doch noch! nichts verloren! . . Ä Sie haben wohl Ihre Frau sehr lseb? Ich blickte ihn an: / i— Ja, ich habe sie sehr lieb. Man sieht es. Es ist sehr schön, wo es so ist. Und ich will Ihnen nur zur Beruhigung sagen: Sie brauchen den Mut noch nicht zu verlieren. Sie ist krank; sehr krank. Aber fie kann wieder gesund werden! \ Nun schwiegen wir beide. Was sollte ich sagen? Mir wär es ein Bedürfnis, wenigstens beizeiten die Wahrheit zu erfahren. Darum erklärte ich, ich wäre Sold!at, wäre Manns genug, dem Schicksal ins Auge zu sehen. Er würde mir durch Verschweigen keinen Dienst erweisen. Er sollte mir das Versprechen geben, es mir zu sagen, sobald er über Marias Leben mit sich int klaren sei — so oder so. Einen Augenblick sah der Arzt mich an, als wollte er mich prüfen: „Kannst du auch wirklich die Wahrheit er-, tragen?" Dann hob er wie zum Schlage seine Hand Und lieh fie langsam rn die meine sinken: Ich verspreche es Ihnen, ich werde es sägen l. , (Fortsetzung folgt.). Die internationale Hygiene-Ausstellung Dresden M. Bon Dr, van Troy, II. Das Hasts des Menschen-, Wenn Uran durch die drei Ordnuitgcn des mächtigen dorischen Haupttores das Gelände der Hygiene-Ausstellung betritt, so bleibt der Blick für eine kurze Spanne in deut offenen Rechteck zweier sich streckender Hallen, ruhen. Bald aber gleitet er aus ihmi heraus, hinübergezogen, auf das tocite Geviert eines festlichen Platzes zu einem Halbrund von Säulen hin, die einen kühn in die Lüftp steigenden Kegelhelm tragen. Weithiir leuchtet auf dem Giebel des Tempelbaues die monumentale Inschrift „Der Mensch". So eindringlich spricht die Lage und die Architektur des Werkes, daß kein Zweifel darüber herrschen kann, in ihm dem Mittelpunkt der Ausstellung gegenüber zu stehen. Eine ernste Halle empfängt den Eintretenden. An ihrem Ende ein überlebensgroßes Bildwerk -eines Menschen, der frohlockend seine Arme in die Höhe, der Gottheit entgegen, wirft. Eine Sammlung ist hier. im Hause des Menschen zusaMMengebracht, wie sie in der Mannigfaltigkeit? glücklichen Auswahl und technischen Vollendung der ausgestellten! Objekte noch nie gesehen worden ist. Der Urheber des Planes z'st diesem Museum wußte, wie schlecht es bestellt ist nm die Kenntnisl vom Ban des menschlichen Körpers, von der Verrichtung seiner! Organe, hon dem Sinn 'und Ziel seiner Lebcnsgewvhnheittlnh Ein Wandel in dieser Beziehung muß eintreten, beim wie kann rationell Hygiene getrieben werden, sowohl von Staatswegen als jauch von der Seite des Individuums, wenn diesem die Fähig- keit zu verstehen, warum gewisse Maßnahmen zn treffen sind Unter gewissen Umständen, abgeht! Auf der breiten Basis, welche die Entwicklung spezieller! Menschlicher Verhältnisse aus allgemein naturwissenschaftlichen Erscheinungen fordert, beginnt .die Ausstellung. Die Zelle, der elementare Baustein jedes tierischen und pflanzlichen Organismus- ist das erste, was in seinem Wesen klargestellt wird. Der abstrakte Begriff, hier und da nur geläufig, wird durch wabeuförmige! Hohlkörper in plastische Anschaulichkeit umgesetzt. Daneben steht ein Mikroskop, das reelle Pslanzenzcllen Mit ihren Wänden, ihrem! Protoplasma und Kernen demonstriert. Auch die kleinsten ein» zelligen Lebewesen, die uns überall in der Ausstellung als das Objekt hygienischer Bestrebungen entgegentreten, die Bakterien? erscheinen hier zum ersten Male. Die Zellen teilen und vermehrest sich, es entstehen Körper, die durch Ausfaltung und Einstülpung immer kompliziertere Formen annehmen. An Modellen lernest wir die Entstehung der Organe und Organsysteme kennen: Knorpel Und Kuochcngcwebe, Muskeln und Nerven differenzieren sich. Der niedrigste Repräsentant der Wirbeltiere, der nicht.zwei Fingerglieder lange La n zett fisch, offenbart den großen Fortschritt in der Entwickelung gegenüber den zurückbleibenden TierreickM.> Knorpel Md Kuschen, die char-akteristischen Stützfubstanzen des — 311 MMeltierkörtzers, fesseln Mch lpeiter die AusmtzrffaUikett, Skelette dvn Tier und Mensch zeigen, tote sinnvoll Knochen an Knpchen sich togt, Ivie Mnver UNÄ Gelmfo diese Verbindungen sichern. Der Frage, die sich Mbrängt, wie fest und stark ein Knochen sei, wird bald eine Antwort. Mus einem Oberschenkelknochen ist sein Mittelstück herausgesägt. Die zwei Teile verbindet,nur xeute schmale Knochenbriücke von einem QUabratmilltmetcr Umfang. Und doch erwäg dieser Rest ein Gewicht von 16 Kg. zu, tragen, ohne zu zerreißen. Bald wird zum ersten Male einer krankhaftezr Veränderung gedacht. Esn Knochen ist auf einer niedrigeren Mtwicklhngsstufe stehen geblieben. Seine titorpligen Enden haben infolge mangelhafter Ernährung von Kalisalzen sich nicht ,zu Knochensubstanz umwandcln können und sind durch derr .Druck des Mf ihnen lastenden Körpers verbogen: das bekannte Bild der englischen Krankheit. Röntgenbilder stellen diese rachitischen Umbildliligen noch einmal vor Augen. An anderen zahlreichen Organpräparaten und Modellen von kunstvoll geschlchteter ^bcr- haut, voll Schleimhäuten des Mundes und der Nase gehen wer vorüber. All einem großen Bottich halten wir still. Er umfaßt, tote die Aufschrift sagt, 365 Liter Flüssigkeit, diejenige Menge, die das Herz in einer halben Stunde in den Körper pumpt. Um feinen Eindruck zu gewinnen, welche Arbeit bei jeder Zusammenziehung die Druck- unb Säugpumpe „Herz" leisten muß, brauchen toir nur einen Hebel, der am anderen Ende eine Kugel trägt, Mlt Anstrengung zurückzuwerfen. Aus Pulskurven geht die Geschwindigkeit der Herzarheit hervor. Sie ist bei den verschiedenen Tieren je nach ihrer Größe verschieden. Der Elefant hat einen langsamen, die weiße Ma'us einen schnellen Puls. In einer benachbarhesnj Moje begegnet uns das Blut. Die Schilderung seiner Bestandteile erfolgt in mikroskopischen Demonstrationen und Abbildungen. Wir erfahren, daß die roten Blutkörperchen, von beiten sich 5 Millionen in jedem Kubikmillimeter befinden, nebeneinander gelegt den vierten Teil der Fläche des großen Dresdener Altmarktes einnehmen würden. Der physiologisch höchstwertigen Organe, des Gehirns und der Sinnesorgane, ist besonders eingehend gedacht Vergleichende Modelle zeigen, daß das menschliche Gehirn am feinsten organisiert Unb differenziert ift,. daß die Qualität der Leistungen aber nicht von seiner Größe, sondern von der Ausbildung und Tiefe seiner Furchen abhangt. Mit dem, Gehirn NM engsten hängeir die Sinnesorgane, Ohr und Auge, zusammen. Ein riesiges Ohr lehrt den Gang des Schalles kennen durch den Äußeren Gehörgang zum Trommelfell, von dort durch die Reihe der Gehörknöchelchen bis zum! inneren Ohr mit der komplizierten. Endausbreitung des Hörnerven,- der Schnecke; ein riesiges Auge seine Zusammensetzung und den Weg des Lichtes zur Netzhaut, Sehr schön wird der Vorgang der Akkomodation des Auges beim Sehen in die Nähe veranschaulicht. Beim Menschen und den Säugetieren t'riiinint sich die Linse stärker, bei den Reptilien wird sie der Hornhaut genähert. Solchergestalt rundet sich dem Beschauer ein geschlossenes Bild von der physischen Konstitution des Menschen. So vorbereitet, trifft ihn in den anstoßenden Sälen die Darstellung aller der Dinge, zn denen er. in Wechselbeziehung tritt und derer er bedarf, um fein physisches Leben aufrecht zu erhalten. Da ist in 'erster Reihe die Nahrung. Ihre chemische Zusammensetzung aus Kohlehydraten,- Fetten, Eiweißkörpern und Salzen wird in Tabellen erläutert, und der Nährwert der einzelnen Nahrungsmittel dargetan. Beim Fleische wird des Fischfleisches gedacht und darauf hiugetviesen, wie wichtig dies für eine wohlfeile Volts- ernährung ist. Die Früchte, die der heimische Obstgarten produziert, lachen uns in wohlgeluugenen Nachbildungen entgegen, junges Gemüse jeder Art will uns fafldzn Anhängern vegetarischer Doktrin Machen, und auch alle Sorten Käse vom vornehmsten jCrßme double bis zuiN goldigglänzenW. Harzerkäschen, freilich lohne' daß Letzteres an unser Geruchsorgan irgend welche Zumutungen stellt, sind in diesem Stilleben vertreten. v Weitere bedeutsame Faktoren jM LchjeN des Menschen reihen sich an: Kleidung, Wohnung, Ansiedlung, Hygienische Wohnbauten werden ent- ittorfett; ideale Siedluugspläne für Stadtanlagen illustrieren das heut so aktuelle Kapitel. So Prangt hier auch u. a. der Jansensche -Entwurf für die Bebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin als nacheiferungswürdiges' Beispiel. Schon waren bisher Hinweise auf Schädigungen ergangen, die aus einer Verkennung der Forderungen unseres Körpers entstanden waren. So die Folgen einer unzweckmäßigen schnürenden Kleidung, die Verkrümmungen der Wirbelsäule, die Abschnürungen der Leber, die Verkrüppelungen der Füße. Jetzt treten wir in Hallen, die ein Anklagernf der beleidigten Natur erfüllt. Die dezimierenden Volkskrankheiten mit ihrer Riesenbeute ziehen an uns vorüber, die Pest, die Cholera', der Typhus, die Syphilis, die Diphtherie, die Tuberkulose, Auch der Gewerbekraukheiten, wie sie die industrielle Betätigung des Menschen zeitigt, ist gedacht. Bemalte Wachsmodelle (Moulagen) zeigen uns den Bleisaum der Glaser Und Anstreicher bei Bleivergiftung, die mit tuberkulösen Knötchen bedeckte Hand des Schlächters ober Abdeckereigehilfen, die mit Kohlenstaub imprägnierte Lunge des Berg- manns, den zerstörten Kiefer eines an chronischer Phosphor- v e r g i f f In n g leidenden Zündholzarbeiters. Daneben aber stehen Überall .die SchutzMaßregeln, die zur Verhütung aller dieser zerstörenden Kränkhei.ten führen. Und überall ist es in letzter Linie dasselbe, das zur Gesundung führt: Sauberkeit. Selbst einer BeschriMiUg,- die absichtlich kWgtoeilen toilL- toülrbe es unmöglich werden, all das aufzuzählen, was sich int' Hanse des Menschen befindet. Aber nicht darauf kommt es an, fonbern die Art zu schildern, tote cs vörg'etr'a'gen wird. Ueberall tst ctb- gesehen von einer trockenen Darstellung zu Gunsten einer Alpe schaUlichiNachung, die bis auf die Spitze getrieben wird. Dadurch gehen auch schwierigere naturwissenschaftliche Begriffe, die dem' Pa.ieit nur umständlich zu erklären sind, ohne weiteres in das Bewußtsein des Beschauers über. Eine Popularisierung ohne jede Oberflächlichkeit, so daß auch der Arzt sich hier nicht selten Rat zu holen vermag. Der Gedanke, der dem Gründer dieser Aus- stellung vorschwebte, durch Belehrung den hygienischen Bestrebungen eine breite Bahn zu, schaffen, scheint vollauf geglückt. Eine jahrelange, mühselige und äußerst kostspielige Arbeit findet so ihren Lohn. Der Nutzen, den sie stiften soll,- wird nicht auf bte kurze Frist der Dresdener Ausstellung beschränkt sein, denn ihr hockw herziger Stifter, Herr Lingn'er in Dresden, to-ir.b sie nach Schluß der Ausstellung .in §in bleibsndes Museum umwaudeln. Vielleicht wird es dann gelingen, dies Museum yveiter auszubauen und die wenigen Lücken zu ergänzen. Zwischen Wissenschaft und Vokksaufklärung wird es dann stets ein wichtiger, nicht zu missender Mittler sein. , , , „„ < t , Der Besucher der AusMlnng, auch der sachverständige, getonntl aus der Besichtigung des Hanfes des Menschen den Vorteil, auf all das vorbereitet zn.sein, was ihm' weiter in der Ausstellung geboten wird. Das gesamte <35ebiet der Hygiene ist in ihm um--. schrieben- die Sondepabtieilimgen dienen, es zu vertiefen. * Den zweiten Anziehungspunkt der Ausstellung zu bilden, ist der historischen Abteilung Vorbehalten. Hier ist durch die Bemühung Karl Sud Hoffs, des berühmten Professors für Geschichte der Medizin an der Universitä^LciPzig, und )enter Mit-, arbeit er von vieleii Privatsammlern ebenfalls eine Kollektion zusamMengekommen, die ihresgleichen noch nicht hatte. Alles, was auf die Hygiene der Völker vor uns Bezug hat, worüber man nur in den verschiedenen Kulturgeschichten Aufschluß fand, ist hier in Modellen vereinigt. Von Urzeiten beginnend umfaßt sie den Kulturkreis der Alten, das Mittelalter sowie die Neuzeit der nichteuropäischen Völker. Die älteste hygienische Urkunde, die bisher gefunden wurde, beschäftigt sich mit der Fran und ihren Kleidung. Es ist eine Wandmalerei ans einer spanischen Höhle, aus der paläolithischen Zeit stammend, etwa 10 000 Jahre alt.. Die Historiker finden auf ihr das Prototyp der heutigen DameN- mode, den HuMpelrock und die lange W e s pentaill ej Ein paar tausend Jahre jünger sind bronzene Tätowiernadeln, die entgegen aller gültigen Hygiene noch Heute Rötelreste tragen. Auch Schmin'ksiebe aus jenen Zeiten lernen wir kennen. Mit einer gewissen Genugtuung erfahren wir, daß auch Unsere Borvorbern von Krankheiten geplagt wurden, lebten sie doch in recht unhygienischen Verhältnissen. So zeigen die GeleukendeN ihrer Knochen jene Austreibungen und Verunstaltungen, die wir. Arthritis paupernM, die deformierende G e l e n k e n t zü nd u n A nennen Und als eine Folge feuchter Wohnung ober Arbeitens in der Nässe ansprechen. Babylonien interessiert uns durch feine E n t w äff er u n g s - und K a n a l i s i e r u u g s a n l a g e n. Besonders eingehend ist dabei per Abortverhältnisse gedacht. Dis Antike sendet uns ihre nie wieder erreichten B oder a n I a g e n-, die Thermen des Cavacatta und jene Militärbäder, die überalll dort entstauben, wo römische Legionäre ihre Dauerlager erbauten, tote in Carnuntum ober Aquinowu. Im Mittelalter erhält sich noch an vielen Stätten der Badegebrauch. Aber unter der aus deist Orient eiugeschleppten Seuche verschwinden die Bäder. Tie Stadthäuser sind eng und düster. Von Hygiene ist wenig mehr zst spüren. Auch in der Renaissance, die den Menschen freier macht, deuten sich hygienische Bestrebungen nur an. Nach immer wütet die Pest Und die Syphilis vvlksverheerend. Als man sich letzterer nicht mehr zu erwehren vermag, versucht man ihr mit Keuschheitsgürteln den Weg zu verlegen. Phantastereien und Aberglauben herrschen bis in unser Jahrhundert hinein. Davon legen die scheußlichen Apparate Und Zwangsmittel ein deutliches Zeugnis ab, die früher zu Irrenanstalten benutzt wurden. Dies sind alles nur Stichproben aus einer großen Sammlung, die eine plastische Geschichte der menschlichen Kultur barstellt. Vielleicht ermutigt sie einen fachmännischen Berichter zu einer Geschichte der Hygiene, die heute noch nicht vorhanden ist. Zu Zuß um Ne Welt. Berlin hat dieser Tage einen merkwürdigen Gast beherbergt, Professor Alfredo B a t t e l l i, der im Jahre 1908 von New York aus eine Fußreise um die Welt augetreten hat, Battelli, der Redakteur eines italienischen Blattes, unternahm seine Wanderung mit drei Berussgenossen zusammen, aber wie es scheint, ist er der einzige, der sie - auch nicht völlig — beendet hat. Die Schwierigkeiten, auf die die vier Wanderer stießen, die zuerst gemeinsam ivanberten, waren ungeheuer. Am 7. Oktober 1908 erfolgte der Abmarsch von New York, und die vier Gefährten wanderten nach Philadelphia, nach Baltimore und nach Washmgton, wo der Präsident Roosevelt sie empfing. Hier trennte man sich. Battelli wanderte zunächst nach der Küste deS stillen Weltmeers, dann nach Kanada, schiffte sich nach Japan ein, durchwanderte ganz Mitteljapan, fuhr nach — 312 allcrlee so ’ne Jedanken!" Hf - - - - - ■ - ' .. Redaktion: I. V,: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießens Vermischtes. * Der Segen des Wanderns für die Jugend Eine kleine Schrift, die angesichts des herannahenden Sommers allgemeines Interesse erregen wird, gibt Dr. H. Roeder bei der Allg. Medizinischen Verlagsanstalt heraus. In dieser „Wandertour und Ferienkolonie" betitelten Arbeit wird der Einfluß untersucht, den Bewegung, d. h. mehrtägige Wanderungen im Gebirge und an der See gegenüber der Einwirkung der Ruhe in den Seehospizen, Erholungsstätten und den Ferienkolonien auf die Gesundheit ausüben. Der Versasser erörtert besonders die Einwirkung sechs- bis achttägiger Wandertouren auf die Entwickelung gesunder, aber blutarmer und in der Ernährung zurückgebliebener Kinder, und kommt auf Grund längerer, gemeinsam mit dem Pädagogen E. W i e n e ck e angestellter Beobachtungen zu dem Ergebnis, daß für diese Gruppe von Kindern der Großstadt die Marschleistung, die Bewegung in freier Natur unbedingt vorzuziehen sei. Das Beobachtungsmaterial umfaßt einen Bruchteil des in dem Sommer 1908 bis 1909 aus Groß-Berlin in Gruppen zu 20—25 hinausgesandten Kinder. Es waren Kinder mit gesunden inneren Organen, die an Blutarmut, ausgesprochener Unterernährung und nervöser Erschöpfung litten, Kinder im Alter von 12—14 Jahren, Knaben und Mädchen. Der Erfolg, der sich dabei herausstellte, war ein ganz ungewöhnlicher. Die vor Antritt der Wanderung und nach der Rückkehr, sowie nach zweieinhalb bis drei Monaten vor- Senommenen Messungen und Wägungen ließen einen Anstieg der mtwickelung erkennen, die eine Gewichtszunahme von 3, 4, 7, 9, Jl, 13 Psund, was in vielen Fällen einen Gewichtsansatz von B—10—13, 80 v. H. des ursprünglichen Körpermaterials darstellte. Nötse!. Mit „a" ist es ein nützlich Instrument, Mit „u" es jeder Mensch sein eigen nennt. Kluslösung in nächster Nummer: Auflösung des Leiterrätsels in voriger Nummer r Psalm, Namur, Ethik; Spanien, Amerika. China und geriet in das Pestgebiet, schließlich aber saiid er über Mukden und Charbin durch Sibirien hindurch den Weg nach Moskau und Petersburg. Hier war er am Ende ferner Kräfte angelangt, außerdem aber hatte seine Gesundheit so gelitten, daß an eine Fortsetzung der Fußwanderung nicht zu denken war, und so bestieg er die Eisenbahn, um nach Berlin zu fahren. Hier ist er nun vor kurzem ohne einen Pfennig Geld angelangt, aber er hat ein paar hilfsbereite Landsleute gefunden, die ihin weiter geholfen haben. Einer von diesen, Felice Rosina, hat einige seiner Abenteuer einem großen Turiner Blatte brieflich mitgeteilt. In Pennsylvanien, als er noch mit seinen drer Gefährten zusammen >var, wurden die vier Wanderer plötzlich von einer großen Schar Bewaffneter gefangen g eno mm en und weggeschleppt. Aus den drohenden Ausrufen: „Da haben wir die verfluchten Räuber 1" war zu schließen, daß die vier harmlosen Fußwanderer Opfer einer Verwechslung geworden seien, aber erst nach schwierigen Verhaiidlungen klärte sich die Sachlage aus, und als die vier Wanderer gar schriftlich nachweisen konnten, daß Roosevelt sie empfangen hatte, wurden sie außerordentlich freundlich behandelt. Beinahe wäre Battelli auch in den Wassern des Mississippi er» trunken. Er überschritt den Strom aus einer Eisenbahnbrücke, als er plötzlich das Pfeifen eines herrannahenden Zuges hörte. Wollte er sich nicht von den Rädern überfahren lassen, so blieb ihm, wie er sich sagte, keine andere Wahl, als ins Wasser zu springen, im letzten Augenblicke aber verfiel er darauf, sich über den Rand zu schwingen und dort, sich mit den Händen festklammernd, hangend den Zug vorbei fahren zu lassen. Seltsame Erlebnisse weiß Battelli vom Zusammentreffen mit den verschiedensten Völkern zu erzählen. In der Stadt Eolumbus in Nebraska z. B. wäre er beinahe gelyncht worden. Er hatte sein Gewehr, das er zum Lebensunterhalt durchaus brauchte, geschultert; in der Stadt aber kam ein Geistlicher, der die ganze Bevölkerung auf ihn hetzte.! Man glaubte, er wolle zur Jagd gehen. In Columbus aber gilt das strenge Gesetz der Sabbatheiligung, und so wäre Battelli als S a b b a t- s ch ä n d e r beinahe von der aufgeregten Menge umgebracht worden. Die liebenswürdigsten Menschen, die der Wanderer getroffen hat, sind seinem Urteile nach die — Indianer. Eine gastfreiere Aufnahme, als ihm bei den Rothäuten zuteil wurde, kann man sich, rote er meint, kaum denken. Sie bewirteten und bekleideten ihn aufs freigiebigste, außerdem aber begleiteten sie ihn lange Strecken des Weges. Aus Japan weiß Battelli ein recht drolliges Erlebnis zu berichten „In einer kleinen Stadt im Binnenlande", so erzählt er, „trugen Männer, Frauen und Kinder alle die gleiche Kleidung, nämlich gar nichts, nicht einmal das herkömmliche Feigenblatt. Bei meiner Ankunft aber flohen sie alle in ihre Hauser und ließen sich nicht sehen, bis ich aus den menschenleeren Straßen verschivunden war." Natürlich waren die Japaner vor einem Manne geflohen, der so schantlos war, Kleider zu tragen. In China hat Battelli mehrmals Todesgefahr attsgestanden und mußte in mancherlei Verkleidungen fliehen, besonders machten ihm die Bettler zu schaffen, sobald er als Weißer erkannt war. In Peking kam er gerade an, als das Begräbnis der Kaiserinmutter stattfinden sollte, uiid er behauptet, trotz des Verbotes photographische Ausnahmen von dem Leichenzug gemacht zu haben. Das seltsamste, was Battelli erlebt haben will, ist wohl Folgendes: InIrkutsk sah er zwei Damen int Hosenrock, die sich anboten, ihn bis zum Ziele seiner Reise zu begleiten. Er versprach denn auch sie mitzunehmen, empfahl sich aber aus französisch und ist so diesem Verhängnis entgangen. K. F. Im Vergleich zu anderen Kindern, die nur den Genuß der Ferien hatten, aber nicht gewandert waren, stellten die wandernden Mädchen eine durchschnittliche Gewichtssteigerung von 7,8 v. H., die wandernden Knaben eine solche von 6,7 v. H. dar, gegenüber 3,6 v. H. Gewichtszunahme der Nichtgewanderten. Diese Gewichtszunahme bedeutete in erster Linie ein spezifisches Anwachsen der Muskulatur, einen Eiweißansatz. Dr. Roeder kommt nun zu dem Ergebnis: die Ferienwanderung ist es, die unseren Großstadt- lindern bei sonst gesunden Organen in erster Linie not tut. Also zur Gesunderhaltung des schwächlichen, aber gesunden Stammes des heranwachsendenGeschlechtes erscheint hiernach mü der Veranstaltung mehrtägiger Schülerwanderungen eilte bessere Fürsorge geschaffen, als mit der Aufnahme in Erholungsstätten und Seehospizen. Zieht man dann die Ersahruitgen moralischer Natur in Betracht, die der „Zentralverein für Schülerwanderungen", der Volksschulkindern Großberlins in immer wachsendem Umfange derartige Wanderungen ermöglicht, in den abgelaufenen Jahren seiner segensreichen Tätigkeit gemacht hat, — vergegenwärtigt man sich, daß die Einrichtungen derart getroffen sind, daß mit einer Beisteuer von nur 20 Mk. einem unbemittelten Kinde eine derartige Wandertour ermöglicht werden kann, so glauben wir, daß der „Zentralverein für deutsche Schuler- wanderungen", dessen Bestrebungen auch in auswärtigen Großstädten warme Unterstützung und Nacheiferung finden, nut dem jungen Zweig der Jugendhygiene ein humanitäres Werk allerersten Ranges geschaffen hat. Durch diesen Verein ist jedermann m die Lage versetzt, ein unbemitteltes Kind bei der angegebenen Beisteuer auf eine Wandertour zu schicken. , "Vegetabilisch es Elfenbein. Elefant, Flußpferd, Walroß und Narwal beginnen seltener zu werden. Das Vordringen zivilisierter Menschen in Zentralafrika und in dem hohen Norden, bte dadurch hervorgerufene Beunruhigung der Tiere und die Jagd auf das wertvolle Elfenbein haben wesentlich zur starken Dezimierung der Kolosse beigetragen. Auch die außen stark verkalkten Zahne des Mammut, die als sogenanntes „fossiles Elfenbein" tn den Handel gelangen, iverden nicht mehr so häufig wie früher gefunden; haben doch die ungemein findigen, gewerbsmäßigen Ausspürer der Zähne und Knochen des Riesentieres sogar den äußersten Norden Sibiriens, die Gestade und Inseln des Eismeeres, schon erheblich abgegrast. Mag auch die Menge der jedes Jahr in London, Antwerpen und Hamburg zur Auktion gelangenden Zahne noch sehr stattlich erscheinen, so ist doch nicht zu vergessen, daß der Bedarf an Elfenbein ein sehr großer ist und gerade in den letzten Jahrzehnten durch das wachsende Luxusbedürfnis eine starke Steigerung erfahren hat. Imitationen mehr oder minder guter Art, die für billige Gegenstände eilten ausreichenden Ersatz des echten Materials bilden, sind daher schon längst in Ausnahme gekommen. Nun gibt es aber noch ein „Elfenbein", das auf Bäumen wächst und daher von den Botanikern als „vegetabilisches" bezeichnet wirb. Freilich, glücklich gewählt ist die Bezeichnung nicht, denn die Aehiilichkeit der stetn» l arten, ein wenig durchschimmernden Masse mit dem wirklichen Elfenbein ist nicht weit her. Besser ist die vulgare Benennung .Steiimuß", da sie jeden Zweifel über die wahre Natur des Materials ausschließt. Weil die Steinnüsse selten mehr als vier Zentimeter Durchmesser besitzen, so können aus ihnen nur kleinere Objekte, vornehmlich Knöpfe, unter Benutzung der Drehbank hergesteNt werden. Das Geschäft in Rohmaterial ist trotzdem so bedeutend, daß de Einfuhr nach Europa jährlich viele Millionen Zentner betragt. Die Hauptlieferanten sind Angehörige der Familie der Palmen. Am geschätztesten sind die als Steinnüsse bezeichneten harten Samen der im westlichen Südamerika heimischen Elfenbein- oder Tagua- Palme, Phytelephas maerocarpa, und die „Coquillas" der Piassava- Palme, Attalea funifera, die um so nützlicher ist, als die Basis ihrer Blattstiele eine Faser gibt, die sich vorzüglich zu Stricken, Besen und Hüten verarbeiten läßt. Weitere Lieferanten sind die in Guiana heimische Mützenpalme „Busso", Manicaria - saecifeia, deren Blütenscheiden von den Indianern als Beutel, Mützen und Kleiderstoffe benutzt werden, und der steinharte Sam» der Bismarekia nobilis, einer dem Altreichskanzler zu Ehren be- narnten Palme, die 1880 von I. M. Hildebrandt auf Madagaskar entdeckt wurde. Seitdem hat sich noch als brauchbar die Frucht der auf den Südseeinseln wachsenden Palme Sagus amicorum erwiesen. Auch eine schon längst bekannte Nachahmung des Elfenbeins aus Kartoffeln, die durch Liegen int Wasser mit Schwefelsäure gehärtet sind, läßt sich als vegetabilisches Elfenbein bezeichnen. Aber es bedarf wohl kaum der Versicherung, daß dem echten Material an edlen Eigenschaften nichts gleichkommt. * Sonntagsruhe. Richtern „Haben Sie Noch etwas Äs Milderungsgrund anznführen?" — Strolch: „Es war ja Sonntag, und da man da doch nischt Richtiget arbeiten kann, kouynt man eben