Donnerstag den \L August i e s MM ATZÄHG ZZ^WW ihr Das nette Mädel. Roman von Fedor von Zobeltitzj (Nachdruck verboten.) 4 (Fortsetzung.) „ Es war um diese Jahreszeit noch ziemlich still an der See. In den beiden größeren Hotels hatten sich erst wetugr Gäste einquartiert; die Logierhäuser standen fast leer. Tie Saison begann kaum vor Mitte Juni. Aber Gras Honigs- Wald, der Kurdirektor, war nichtsdestoweniger stramm ans dem Posten. Traute begegnete dem dicken Leinen Mann mit dem hochgebürsteten weißen Schnurrbart auf Weg und Steg: immer in hellem Flanellanzuge und mit der Mutze des Jachtklubs, in anfgekrempteri Hosen und gelben Schuhen. Und obwohl er sie nicht kannte, zog er doch jedesmal höflich seine Mütze und neigte den blanken, förmlich polierten Schädel. Und dann mußte er sich nach ihr erkundigt haben. Eines Tages traf sie auf der Strandpromenade «auch die Gräfin: sie kutschierte einen kleinen Ponywagen, und ihr siebenjähriges Töchterchen saß hübsch aufgepntzt neben ihr. Ms sie Traute sah, parierte sie und hielt. „Fräulein Köhler, nicht wahr?" fragte sie mit ihrem Gallerinenlächeln und streckte Traute die Hand entgegen. Ich freue mich. Sie einmal kennen zu lernen. Gehört habe ich öfters von Ihnen - bei Delbrücks und Everstedts und bei Fräulein von Simkowitz — überall. Sind Sie zur Erholung hier?" „Nur auf kurze Zeit, Frau Gräfin; es soll lediglich eine kleine Nervenaussrischung sein." „Charmant. Unsere Luft wird Ihnen gut tun. Es ist auch sehr verständig, daß Sie nicht mitten in den 2fcu6el der Saison hineingekommen sind. . Fetzt ist /s noch hübsch ruhig. Wissen Sie, daß man diesjährig da» Maifest gänzlich ausfallen läßt?" Trante antwortete, daß ihr dies neu Jet. „Es hat einen großen Skandal gegeben, erzählte die geschwätzige Gräfin.' „Kruse wollte die Sache in die Hand nehmen' — der Märchenmaler aus Worreshoop - und dann hat man ihn wohl ein wenig vor den Kopf gestoßen, und es hat sich ein neues Vergnügungskomitee gebildet, und da haben alle jungen Herren einstünmig erklärt, sie,machten nicht mit. Paul Everstedt Vorau — der ist immer der Anführer. Also Sie wissen nichts von der ganzen Geschichte?" „Ich habe einige Zeit krank gelegen und bm mit kemem zusammengekommen." Die Gräfin nickte ihr freundlich zu. „Da erholen Sie sich nur recht, Fräulein — ah ja. Sie heißen Traute ich finde den Namen so hübsch! Und besuchen Sie uns einmal." Die Ponys zogen an. „Ja, Frauleut graute? ue die Gräfin im Davonfahren. „Besuchen Sie uns doch einmal!" . . . Und dann neigte sie ihre Peitsche zum letzten Gruße, und die Hufe der kleinen Schotten klangen lustig auf dem Pflaster. , Traute wollte nicht ungezogen sein und folgte der Aufforderung schon in den nächsten Tagen. Aber stewmite nur ihre Karte in der Villa Hömgswald abgeben: die Herr- schäften waren in der Stadt. Die Billa lag in der ersten Dünenreihe und war von einem Gärtchen umgeben, das unter sorglichste^ Pflege nur einen sehr kurzen Sommerzauber kannte. Ev versandete immer wieder von neuem. Hinter dem Hause, über dessen unschönem Turmbau vom dlprtl bis zum Oktober, bei Cturm und Sonnenschein, die Flagge der Freistadt flatterte, senk.e ich die gepflasterte Auffahrt zu dem gut gehackenen Wege,, )er auer durch das Dorf nach dem Bahnhofe führte. Traute aber ging nicht gern auf bequemen Liegen. Sie wollte durch die Dünen zurück und war eben un Begriff, ihren Rock zu schürzen, um über den niedrigen Holzzaun zu klettern, der die Parzelle abgrenzte, als ste vermeinte, ihren Namen zu hören. Sie sah eine Dame m hellem Kostüm mit fliegenden Röcken den Weg htnabetljt und dabei einen weißen Sonnenschirm auf und abschwenken. Fm ersten Augenblick erkannte sie den Ankömmling nicht. Dann aber jubelte sie unwillkürlich auf und stürzte der Dame entgegen. Auch Traute war hell gekleidet. Wie zwei Schmetterlinge flogen sie zueinander., „Tinichen - Schatz - wie nett von dir!" Trautemaus, ich mußte mich doch einmal nach dir umtun I Wie siehst du denn aus? Brillant, Kleinchen -i uni> dick bist du geworden.". ,Witte, sage mir etwas Hübscheres. Helene habe ich neulich einen "Katzenkopf versetzt, als sie mich nut einer gemästeten Wachtel verglich." . swnht» J hnrU froh. Die „Linie" kommt aus der Mode. Die Rundung 'wird wieder geschätzt. Traute, ich habe etwas Interessantes für dich." „Was, denn?" Me^Lustigkeit der Freundin war ansteckend'. Ms trüben Gedanken verwehten int Winde: Traute lachte TS du dich verlobt?" ''Eine^ interessante ^Nachricht -? .Geht sie mich an?" Tra?t?sann°uach'" Und plötzlich.wurde sie ernst und Auge dunkler. Sie schaute Tmi forschend an. Hast du Everstedt in der letzten Zeit gesprochen. "Seit sechs Wochen nicht mehr. Wenn ich ^hin be- nofttt? nriit’t er sehr gnädig. So etwas von oben herab, Fn^iirtiiaittJ aber mit einer gewissen Leutseligkeit, als er- ich >«L d>mm° eW». 'ch Brief für dich," 510 „I je! Bon wein denn?" „Von wein mag er wohl sein? —" Sie zog ein Kuvert ans der Jackentasche und schwenkte es üt der Luft. Aber Traute hatte mit ihrem Falkenblick bereits die Marke gesehen. „Bon meinem Freunde aus Qnetz!" rief sie. „Bon meinem Jonathan W.! Gib her! Sie nahm den Brief. „Bier Marken darauf. Viel Porto. Es liegt eine Photographie darin. Mein Jonathan schickt mir sein Wild!" Sie öffnete das Kuvert nicht sogleich. Der Brief sollte in Muße gelesen werden. Traute schlug vor, nach der Schlucht zu gehen. Da war es hübsch, da war es einsam, da herrschte Stimmung. Nun kletterten die Freundinnen gemeinschaftlich über den Holzzaun und schlugen den Weg durch die Dünen nach dem Ostrooker Wäldchen ein. Es war heiß zwischen beit Sandbergen, auf denen dünner Strandhafer wuchs und in die der Wind muldenförmige Höhlungen hineingeblasen hatte. Die Mädchen nahmen ihre Strohhüte ab und hingen sie sich an die Arme. Sie hatten die Röcke geschürzt und stampften munter durch den weißen Sand, der unter ihren kleinen Sohlen davonglitt. Dabei plauderten sie unausgesetzt: cs gab ja so viel zu erzählen. Zuerst von Suses Verlobung. Davon sprach die ganze Stadt. Aber nicht nur von dieser Verlobung, sondern mehr noch von detn, was vorangegangen war: von der erstaunlichen Tatsache, daß Konsul Friederici Herrn von Nvedon als Associo in sein Bankgeschäft ausgenommen hatte. Das war einfach zum Totlachen. An der Bö.st hatte mut Friederici denn auch gehörig geneckt. Was verpanö nm Himmels willen Herr von ?)vedon voni hohen Bankwesen! "Der Aktienmarkt war für ihn ein delphisches Mysterinin, der Hypothekenverkehr ein Buch mit sieben Siegeln; wußte er etwas vom Goldagio, von den südafrikanischen Werten, von Privatdiskvitt und Genußscheinen? Bon den Geheimnissen des Wechselprotestes, dem Auf und Ab der Montanwerte, den Rätseln der Termimnärkte? — Aber Friederici ließ sich ruhig verspotten. Avedon brachte eine Million mit in das Geschäft. Die Million gab der alte Appelmann. Der alte Appelmann wollte seinen Schwiegersohn „im Handel" wissen. Und da von den hunderten seiner „Neben- bei"-Geschäste ein paar Dutzend auch für Friederici von Interesse waren, so war die Million nicht verloren. Bei der Verlobung Suses hatten sich zwei alte Schlaumeier gefunden. 9httt konnte die heimliche Schacherei losgehen. Aber Ivedon war immerhin gut daran: er konnte beruhigt faulenzen. Und daitn: massenhaft Neuigkeiten von der Goldenen Horde. Den Konvent der Mütter hatte man gehörig hereinfallen lassen. Die ganze Jugend hatte einstimmig beschlossen, sich von dein Maifest fern zu halten. Da war aus dem Feste denn überhaupt nichts geworden. Statt dessen hatte die Goldene Horde einen neuen Plan ausgeheckt. Man Hatte einen riesigen Wohltätigkeitsverein gegründet, der hieß „Caritas". Alle Wörreshoopner waren dabei, auch Kruse. Wahrhaftig, auch Kruse — und hinter ihm die Hundertundeins in corpore. Everstedt hatte sich des Klubs der Namenlosen versichert, Mursinna den Gesangverein herangezogcn, Otto Eggenolph die Blaue Schleife. Die „Caritas" zählte jetzt schon zweitausend Mitglieder, und nun sollte, den Müttern und Herrn von Löneysen und der hohen Klerisei und dem wohllöblichcn Senat zum Trotz, die Gesindelsaison doch noch losgehen. Auch das Kostümfest sollte bleiben: genau so, wie es geplant worden war, und zwar für den Sommer, und zwar zum Besten einer großen Stiftung für uneheliche Kinder. „Was sagst du bloß!?" rief die Sandratt „Ganz verrückt," antwortete Traute. „Natürlich ist Everstedt wieder der Schöpfer aller dieser Ideen. Er hat u>ts eine große Ansprache gehalten, ni der viel von Mutterschutz und Kinderschuh die Rede war, und auch ein paar Damen ans Berlin bestellt, die Vorträge über diese Themen zugesagt haben. Infolgedessen sprechen Eva, Lili, Ellen und Henny von nichts anderem als von unehelichen Göhren und wie ihnen zu helfen wäre." Traute blieb stehen. In lichtem Glanze des sie um- stutenden Sonnenscheins sah sie sehr finster aus. „Ich freue mich, daß ich nicht dabei bin," sagte sic. izSti) hätte einen fröhlichen Ulk, der uns die Biedermanns- langewcile vertreiben hilft, gern mitgiemachk. LlVer mail! soll nicht die Tragik des Lebens zur Posse herabzerren." Tini war ganz verblüfft. Sie schob ihren Arm unter den Trautes und zog sie weiter. „Huh!" rief sie. „Warum so pedantisch, Mäusekatze? Das Amüsement zum Besten der Wohltätigkeit ist doch immer üblich gewesen — und bringt auch die höchsten Einnahmen. Der Erlös hcs Maifestes fließt in die Kassen des See- mannsheims. Warum sollen wir nicht auch einntal lustig sein, um durch unsere Lustigkeit unglücklichen Würmern die trübselige Kindheit lindern zu helfen? Sei doch nicht so kleinlich, Traute." „Das bin ich nicht, Tini. Ich habe auch gewiß nichts dagegen, wenn man Basare und Bälle arrangiert, um die Kassen wohltätiger Stiftungen zu füllen — wie des Seemannsheims. Und wäre aus dem geplanten Maifest ein Stelldichein lockeren Ueberntuts geworden: es hätte mich gar nicht geniert — int Gegenteil, es hätte mich wahrscheinlich köstlich amüsiert. Aber unter der Flagge der Wohltätigkeit für die frechen Launen des Herrn Everstedt einen gewissen festen Stützpunkt zu schaffen, das paßt mir nicht. Nein, das paßt mir nicht! Und nun gar--ja, Tin st hast du denn nicht auch das Empfinden, daß zwischen eurem ausgelassenen Maskenfeste und der Stiftung pir uneheliche Kinder ein Widerspruch klaffen würde, den auch der wohltätige Zweck nicht ausfüllen könnte?" „Nein," sagte Tini, „durchaus nicht. Ob man zum Besten von alten Seeleuten oder von unehelichen Kindern vergnügt ist, scheint mir ganz gleich zu sein." Traute warf verärgert den Kvpf zurück. „Du will st mich nicht verstehen!" rief sie. „Ich möchte sehr gern. Und ich glaube dich auch zu verstehen. Du würdest dich mit teilte Worte gegen die VeranstaltuLg sträuben, wenn sie von einem andern als Everstedt ausgegangen wäre." (Fortsetzung folgt.) ZeuerMhr in alter und neuer Zeit. Von Dr. Friedrich S p r e c n. Ter rote Hahn hat wohl selten seinen feurigen Kamm so oft und drohend zum Himmel gereckt, wie in diesem trockenen, heißen Sommer, in dem kein Tag vergeht, ohne daß bei uns in Deutschland und überall auf der Welt große Feuersbrünste in Städten, Bädern, Dörfern ausbrechen und riesige Waldbrände wüten. Tas verheerende Element erhalt in der glühenden Wärme der Lust, in der allgemeinen Dürre gefährliche Bundesgenossen, findet reiche Nahrung und Ausbreitung in den erhitzten, leicht Feuer fangenden Stoffen, die sich überall darbieten. Mer der. Mensch steht diesem Zerstöruugswcrk des Feuers nicht machtlos gegenüber; im Lause der Jahrhunderte hat er sich Waffen geschmiedet, mit benen er mutig den Kamps aufnimmt gegen den erbarmungslosen Feind, und gelingt es ihm auch nicht, die Brandgefahr zu beseitigen, so glückt es ihm doch häufig, sie zu beschränken und einzudämmen. Eine „Wehr gegen daS Feuer" ist wohl so alt wie die Menschheit; vielleicht hat ein von selbst entstandener Waldbrand in Urzeiten Schrecken und Segen des Feuers dem erstaunten Sohne der Tertiarzeit zugleich beschert! Eine systematische Bekämpfung des in seiner Wut so furchtbaren Elementes ivurde ja doch erst von den Kulturvölkern unternommen; die Nachbarn taten sich zusammen, um dem vom Unglück Heimgesuchten zu helfen: eine fteiwilligc Feuerwehr entstand. Noch wichtiger aber war die Feuerwache, die den Brand rechtzeitig! melden mußte. Deshalb gab es bei den Israeliten, Aegyptern und Griechen Wächter, die nachts die Runde machten und im Falle einer Brunst Alarm schlugen. Ein ausgebildetes regelrechtes Lösch wesen wurde jedoch erst von ben Römern geschaffen. Das Rom der Republik ist von Bränden heimgesucht worden, wie kaum eine andere Stadt. Die Hügel ivuchsen allmählich durch den stets höher sich aushäufenden Schutt der Brandruinen. So entschloß sich denn endlich Augnstus int Jahre 6 n. Chr., cind Berufsfeuerwehr von 7000 Mann zu errichten, die ganz militärisch nach dem Vorbild einer Legion orgaitisiert war. Die 7 Kohorten, vvn denen jede die Wache für 2 der 14 Stadtbezirke Roms tzu versehen hatte, standen unter deut Befehl voü Tribunen, während das Oberkommando der „Präfekt der Nachtwachen" führte. Patrouillen durchzogen die Straßen; sobäld sie erneu Brand entdeckten, schickten sie nach allen Seiten Leute, die mit dem Rufe: „Wasser! Wasser!" alles in Erregung versetzten. Die Alarmglocken ertönten; aus der „Hauptfeuerwache" erlten tut chanfmarsch die Kohorten, mit Eimern, Aexteu, Stangen,^ Leitern bewaffnet; zugleich fuhreit die öffentlichen Spritzen ans, Fremch vermochten all diese Maßregeln nicht viel gegen die Macht des Elements. Das beweisen die Riesenbräude. die iw 611 ersten christlichen Jahrhundert die StaK Verivüsleteu, die aus den ungeheuren Feuersbrünsten unter Tiber, Nero und Titus gleich dem Phönix aus der Asche verjüngt und herrlicher stieg. Das Feuer wütete so furchtbar, weil es., au den hölzernen An- Und Vorbauten, die selbst Paläste hatten, stets Nahrung sand, dann aber auch, weil die Spritzen bei der Höhe der Häuser nicht wirksam sein konnten. Die Stoßspritze mit zwei Stiefeln war bereits von Hero von Alexandrien konstruiert worden, und die römische Feuerwehr hatte umfängliche Maschinen, die man „Sipho" nannte, augenscheinlich Spritzen mit Schläuchen, wie matt aus den Angaben von Plutarch, Strabo, Dio Cassius und den Losch- vorschristeu im Gesetzbuch des Nlpian entnehmen kann. Aber da die Römer schon bescheidene „Wolkenkratzer" bauten, vermochten die Spritzen einem Dachstuhlbrand überhaupt nicht zu Leibe zu gehen. Schlimmer als in der Hauptstadt war es im weiten römischen Reiche um die Feuerwehr bestellt. Als in Nikomedia eine Feuersbrunst wütete, war nach dem Bericht des Plinius «n Trajan in der ganzen großen Stadt kein Feuereimer, keine Spritze, überhaupt keine Löscheinrichtung vorhanden. Plinius beantragte, wie es in anderen Städten der Fall war, aus Handwerkern, besonders aus beiten, die dazu am brauchbarsten waren, den Zimmerleuten und Deckenversertigern, eine Feuerwehr zu schaffen, aber der Kaiser begnügte sich, zu verordnen, daß in Zukunft jeder Hausbesitzer Eimer und Spritzen bereit halte. Immerhin waren im 2. Jahrhundert, wie uns aufgefnndene Inschriften erkennen lassen, Feuerwehren in fast allen großen Städten errichtet; sie bestanden noch bis in das frühe Mittelalter hinein, dann aber gerieten, wie so viele antike Institutionen, auch die Löschanstalten in Verfall. Die Verordnungen Karls des Großen, überall Feuerwächter anzustellen, nutzten wenig. Wie in primitiven Zeiten war der Mensch auf sich selbst und auf dis Hilfe „guter Freunde, getreuer Nachbarn und desgl." angewiesen. Erst im späten Mittelalter wird der Kampf gegen das heiße Element wieder besser organisiert. Das Holzwerk der Häuser, die hohen Dachstühle, die Dächer mit ihren Strohhauben waren ein rechtes Fressen für das Feuer, das sich gierig in sie Uneiiw- wühlte; das Fehlen von Schornsteinen, die Enge der Gassen trugen des weiteren daran schuld, daß uns jede Stadtchronik jahraus jahrein von großen „Brünsten" zu berichten hat. Man suchte dem entgegen zu wirken, indem man das Anfertigen von feuergefährlichen Stoffen und das Hantieren damit im Umkreise der Stadt verbot. Auch drängte mau seit dem 14. Jahrhundert aus daS Erbauen von Steiithäusern und das Vermeiden von Strohdächern hin, doch ohne Erfolg, denn noch int 17. Jahrhundert gab es viele mit Schindeln gedeckte Holzbauten. Aus dem 13. Jahrhundert erzählen uns die ersten Feuerord- nungen, die nun neben die Bauordnungen traten, von der Sorgfalt, die man dem Löschwesen zuwandte. Ludwig IX. erließ 1.254 ein Edikt, indem er die Zünfte von Paris zum Kamps gegen das Feuer verpflichtete und eine Feuerwehr einrichtete, und seine Nachfolger vervollkommneten seine Bestimmungen. In Deutschland stammen die frühesten Feuerordnungett ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert und zwar ans Nürnberg. Jeder Bader, Torwärter, Weinablader, Weinmesser und Brauer soll einen Wasserzuber in gutem Stand halten und allsogleich bei Feuer auf die Brandstätte bringen. In Krakau wird 1374 beschlossen, daß ein jeder bas Feuer, das Sei ihm auskommt, „beschreiben" soll; wer das erste Wasser bringt, erhält „ein Firduug", der zweite sechs Groschen; für jedes weitere Faß werben zwei Groschen gezahlt. Eine ausführliche Schilderuug der mittelalterlichen Löschanstalten findet sich in dem Baumeisterbuch von Endres Tücher von 1449. Sobald ein Feuer ausbricht, haben es die Scharwächter, ob die Sturmglocke läutet oder nicht, den Hauptleuten, die über das Feuer gesetzt sind, den Feuermeistern und Viertelmeistern zu melden, die alles leiten. Dann sollen die Scharwächter fleißig nach Dieben ausschauen, da diese nicht selten sich bei den Bränden einsinden und die geretteten Sachen bewachen. Bürgermeister und Ratsherren verfügen sich cmfs Rathaus und geben von hier aus ihre Befehle. Auch Armbrust-Bogenschützen sowie die Söldner treten sogleich zusammen und warten, bis man ihrer bedarf. Die eigentliche Löschmannschaft bilden: die gemeinen Frauen, die Ablader, Schröter, Wagkuechte, 16 Zimmerleute und 8 Maurer, alle Meister unb zu Löschmeistern bestimmt, mit ihrem Werkzeug und alle Bader samt ihrem Gesinde mit Kübeln und Schäffern. Alle Lohnfuhrleute und Müller haben die Wasserkufen, die bereit stehen, auf jhren Schleifen heranzufahren... Es entsteht also ein lebendiges und buntes Treiben in der mittelalterlichen Stadt, wenn der schaurige Ruf „Feurio!" erschallt, bas grelle Blaseii; der Alarmsignale und das dumpfe Dröhnen der Sturmglocken die Gassen durchtönen. Als eigentliche Waffen gegen das Feuer wurden verwendet: Leitern, Feuerhaken, Fenerschäffer, lederne Eimer !und einfache Handspritzen, die ans Eisen oder Bronee mit hölzernem Griff waren. In Nürnberg verfügte jeder Viertelsmeister Aber vier solcher Spritzen und 25 Eimer. Aehnliche Verfügungen wie in der Stadt Dürers gab es int 15. Jahrhundert überall. Die „herrliche Ordnung bei Feuerslärm" in Straßburg rühmt ein Ausländer, der Kastiliatter Peter Tafur, ganz besonders als eine Einrichtung, die man in andern Ländern nicht so vorzüglich an- treffe. Die Breslauer hatten noch die weise Verfügung, daß her Magistrat jedem müßigen Zuschauer, Mann, Jungfrau oder WM einzusperren und zu bestrafen drohte... • Alle diese ausführlichen unb besorgten Anweisungen, die Die’ Räte der Stadt gaben, konnten aber erst wirklichen Nutzen stisten, als weittragende unb große Wassermassen schleudernde Spritzen konstruiert waren. Die Handspritzen halten nur einen kleinen Brand ersticken können und waren großen Flammen gegenüber! machtlos. In Augsburger Rechnungen sind bereits im Fahr« 1518 „Instrumente zum Brünsten, Wasserspritzen zum Feuer dienlich" erwähnt, die von einem Goldschmied Anton Blatner verfertigt waren unb recht komplizierte Maschinen mit Rädern und Stangen gewesen fein Müssen. Aber die erste wirkliche große Feuerspritze von der wir genaue Nachrichten haben, wurde nicht früljer als im 17. Jahrhundert unb zwar von Johann H a u t s ch um 1650 in Nürnberg gebaut. Sie hatte bewegliche Steigrohre, konnte den Wasserstrahl bis zu 80 Fuß in die Höhe schleudern und wurde als großes Wunder angestaunt. Ter gelehrte Jesuit Caspar Schott hat sie ausführlich beschrieben; er erklärte übrigens, daß die Erfindung nicht neu sei; er habe schon 1617 eine solche Feuerspritze gesehen, nur nicht so groß unb rrefslich ausgeführt. Eine weitere Vervollkommnung der Feuerspritze durch Benutzung des W i n d k e s s e l s führten dann Perrault und seit 1720 der Mechaniker Lenpold in Deutschland durch unb geben der Maschine im Großen und Ganzen die Gestalt, die sie auch heute noch hat. Durch die Erfindung des Hollanders van der Heide traten die großen Schläuche hinzu, die leicht zu handhabenden „Schlangenspritzen", und so sah sich die Feuerwehr im Anfang des 18. Jahrhunderts im Besitz von Mitteln, die wirklich eine nachhaltige Wirkung bei der Bekämpfung des Feuers versprachen. Durch diese vortrefflichen Einrichtungen wurden im 18. Jahrhundert die Brände weniger häufig, aber Die Plage war noch immer arg genug, so daß stets neue Feuerordnungen die Bürger zur Vorsicht und Pflicht ermahnten. Typisch ist dafür die Berliner Ordnung von 17 2 8. Die Hauseigentümer müssen für jeden Schornsteinbrand 3—4 Taler Strafe zahlen, auf den Böden sollen im Sommer stets Eimer mit Wasser stehen. Die Löschmannschaft stellen Bürger unb Handwerker, die von „Feuer- Herren" befehligt werden. Eine Fülle von Einzelvorschriften besagt, wie im Fall eines Brandes die Feuerwehrleute herbeieilen sollen. Außerdem sind 464 Bürger bestimmt, die als eine Art Brandpolizei fungieren. Tie Kunstpfeifer, die vom Turm herab „Feuer blasen", die zuerst ankommende Spritze usw. erhalten Belohnungen. Die Not der SLbgebrannten suchte man durch Kollekten unb Hilsskasseu zu lindern. Die Feuerversicherungen, deren Einrichtung schon L e i b n i tz empfohlen hatte, wurden im 18. Jahrhundert überall durchgeführt. Goethe brachte diesen „Feuer- sozietäten", die die Herzogin Amalie zum Segen des LanDes für Weimar schuf, so großes Interesse entgegen, daß er mit dem! Ritter von Laug zu dessen größtem Entsetzen von nichts anderem sprach. Eine st e h e nde Bern fs fe u e r w eh r wurde zuerst in Paris 1699 durch Dumourier du Perrier ins Leben gerufen; sie war militärisch organisiert und umfaßte eine Kompagnie von 60 gardes- pompes, aus denen sich allmählich das Corps der Sapeurs- pompiers" entwickelte. In Deutschland folgte man erst spät diesem Beispiel. Noch in den 20 er Jahren des 19. Jahrhunderts war der Feuerlöschdienst, wie O. Bähr berichtet, sehr schlecht organisiert; immer noch standen die Bürger an der Spritze und „durch der Hände lange Kette" gingen die teeren Feuereimer, die der Spritze bas nötige Naß zuführten. In Berlin war es bis 1850 nicht anders. Es gab eine Anzahl Rohr- und Druckmeister; .das übrige mußte von den Einwohnern geleistet werden, die nur in schweren Fällen das Militär unterstützte. Der Polizeipräsident von Hinke l d e y war es, der 1851 mit diesem altväterlichen Zopf der auf- blühenden Großstadt brach und auf,Kosten Berlins eine Berufsfeuerwehr gründete. Sie war bald so vorzüglich ausgebildet, baß sie im ganzen Reich als mustergültiges Vorbild anerkannt wurde und beit Anstoß zur allgemeinen Durchführung des modernen Löschwesens gab. Vermochte«. * Geschmackvolle ©lieber sind immer eine Freude' namentlich aber, wenn sie zu so billigem Preise geboten werden' wie von dem Deutschen Verlagshaus Vong, das in seiner „Goldenen Klassiker-Bibliothek" kürzlich Jean Pauls Werke in einer achtbändigen vorzüglichen Ausgabe herausgebracht hat. Die Goldene Klcnnker- Bibtiotliek bietet zum ersten Male zu ganz geringem Preise eine Ausstattung, die in bezug an? Einband, Papier und Druck alle Anforderungen eines venvöhnten Geschmacks befriedigen muß. Keineswegs jedM> bildet die äußere Ausstattung den einzigen oder wichtigsten Vorzug der Bibliothek. Vielmehr ist durch eine große Zahl erster Fachleute dafür gesorgt worden, daß ebe einzelne Ausgabe dem gegenwärtigen Stande der literarhistorischen Wissen-- schäft entspricht. Ein ausführliches Lebensbild, Einleitungen zu den einzelnen Werken sowie erklärende Anmerkungen sollen dem Leser das Verständnis erleichtern, wie auch bem Fachmann wertvolles Material bieten. Alphabetische Verzeichnis, Wort- und Sachregister erhöhen die Benutzbarkeit der Aufgabe. Zahlreiche ausaezeichnet wiedergebene Porträts, Handschristenproben und sonstige^ Abbildungen dienen gleichzeitig zum Schmuck und zur Belehrung« 512 Die von A. Kutscher herausgegebene Schillerausgabe weist die- ferben Vorzüge auf. , m. bk. Der F ü n i u b r t e e der Königin W l l h e l in i n e. Ein lustiger Zwischenfall wird von dem jüngsten Aufenthalt der holländischen Königin in Brüssel erzäblt. Tie Ltadt Brüssel beugt in ihren: reichen Schatze ein wundervolles Ta'elseroice ans masllveiu, getriebenem Silber, das ans oer Werkstatt des Bildhauers van der Stoppen hervorgegangen ist, dazu eine > errlicke Decke ans allein Gewebe im Werke von 40 (M) 'Biart; diese Knnstgegenstände riefen die laute Bewunderung Wilhelminens hervor. Was aber die Ltadt Brüssel nicht besitzt, ist ein Teegeschirr, da der Tee in der belgilchen Hauptstadt sehr wenig geschätzt wird. Nun umfaßte aber das Pro- grauiin der Festlichkeilen, die ,u Ehren der Königin vo>r Holland veranstaltet werden sollten, auch einen „Fünfuhrtee", der in den Empfangsräuinen des Brüsseler Rathauses eingenoinmen werden sollte. Mehrere Tage lang suchte man nach emem Teegeschirr, das würdig wäre, eine königliche Taiel zu schmücken; aber vergebens. Und die Aufregung der Brüsseler Stadtväter war angesichts der nahen Ankunft der Herrscherin ains Höchste gestiegen, als der Stadtrat Grimard erklärte, er habe ein sehr hübsches Teegeschirr, das nicht weniger als 12 000 'Bif. gekouet habe, er stelle dieses zur Verfügung. So kam es, das; König Albert und die Königin Wit- helmine den Tee aus Tassen tranken, die einem der radikalsten Sozialisten unter den Mitgliedern des Brüsseler Magistrats gehören. * er neueste Tanz. Ter „Doppelboston", das ist der lneueste Tanz, der bestimmt ist, im Balisaal den bereits beliebten Boston" abzulösen. Tast er alle Aussicht hat, der Lieblingstanz der kommenden Saison zu iverden, war die einstimmige Ansicht der Tagung der englischen Tanzlehrer, die soeben im Hotel Cecil in London zusammengetreten sind, um ihre entscheideirden Entschlüsse für das, was im Tanzsaal guter und schlechter Stil ist, zu fassen. Und dieser Tanz der Zukunft verdankt seine „Entdeckung" lediglich einem Zufall; wie sie gemacht wurde, hat der Präsident der Tanzlehrer, Charles d'Albert, einigen englischen Pressevertretern verraten. Der „Boston" oder „Pas de Balse", sagte et, „kann, wie jedermann weist, vorwärts, rückwärts, seit- tvärts lind im Drehen getanzt werden. Aber bis vor kurzen: war niemand auf die Idee gekommen, ihn durch Kreuzen der Füße bei' der Seitwärtsbewegung zu verbessern. Tie Entdeckung dieser Neuen Wendung, die dem Boston einen besonderen Reiz verleihen lvird, ivurde ganz zufällig in einem Tanzsaal im Engadin gemacht. Ein Paar hatte da ganz unbewußt beit neuen Schritt Angenommen, und eine meiner Schülerinnen, die das beobachtet hatte, erzählte mir nach ihrer Rückkehr davon. Ich nannte das sofort Doppel-Boston, und es wird nicht lange dauern, daß man den Tanz überall sehen wird." * Nervöse Träume. Die Ergebnisse der zahlreichen Unter" suchungen, welche die noch junge Wissenschaft der exverirnentellen Psychologie in den letzten Jahren über die Natur der krankhaften Träume angestellt hat, werden von Professor Horace Sniders in der „Nature" in folgendem zusammengefastt. Wenn man den ziemlich umfangreichen Komplex der Träume der Herzkranken aus- scheidet, bei denen als Urfache der furchtbaren Angstzustände das unregelmäßige Funktionieren des Herzens und feiner Klappen klar zutage liegt, kann man je nach den Grundursachen, der Hysterie, der Epilepsie und der Neurasthenie drei große Gruppen von nervösen Träumen unterscheiden, zwischen die sich selbstverständlich bei gleichzeitigem Vorhandensein mehrerer Ursachen sehr zahlreiche und verschiedene Zivischenformen eilischieben. Der namentlich bei Frauen häufige h y st e r t j ch e Traum kennzeichiiet sich deutlich durch das auffallende Symptom, daß die Träumenden am nächsten Tage nicht mehr unterscheideii können, ob der sie erregende Vot- ?ang ein wirkliches Erlebnis oder nur ein Traumbild war. So egt z. B. eine hysterische Tarne, die nachts von furchtbarem Zahn- reißeii geträumt hak, am nächsten Tage ein heftig schmerzendes Zahnpflaster hinter das Ohr, obwohl sie sich kerngesund fühlt und, in die Enge getrieben, die Möglichkeit zugibt, daß alles nur ein Traum gewesen sein könne. Ten Alkoholdeliricn chronischer Säufer ähnelt der hysterische Traum insofern, als in ihm häufig widerwärtige Tiere, Scharen von Ratten und Mäusen, Kröten, Schlangen und anderen Ungeheuern, die mit aufgesperrtem Rachen den Träumenden zu verschlingen drohen, eine große Rolle svielen, worauf das Erwachen plötzlich und jäh erfolgt und die Nachwirkung des Trarnnes auch am Tage in Gestalt erhöhter, nervöser Erregbarkeit andauert. Der Traum des Epileptikers hat fast immer einen schreckhaften Inhalt und ist oft der Vorbote eines nahen Anfalls, wobei bemerkensiverterweise meistens die Erinnerung an den Anfall gänzlich verschwunden sein kann. Am weitesteii verbreitet ist der krankhafte Traum der Neurastheniker, der bei vielen Nervenschwachen fast Nacht für Nacht mit denselben, natürlich stets unangenehmen Bildern auftritt. Bei dem angstvollen Traumerlebnis, in dem Ränder, Mörder und Einbrecher, auf den Träumenden losfahrende Lokomotiven, Stürze aus dem Luftballon oder von steilen Bergwänden und hohen Gebäuden eine große Rolle spielen, ist der Geängstigte immer der unterliegende Teil. Die reizbare Schiväche des Neurasthenikers, der schon geringen Schmerzeindrücken gegenüber empfindlich ist, bringt es dabei oft mit sich, daß ein int Anrücken begriffenes liebel, das im Wachen noch nicht gefühlt wird mit allen llebertreibungen des Traumlebens als ein schrecklich» s Ereignis erlebt wird und daß z. B. ein in der ersten Entwickelung befindlicher, unbedeutender Abszeß am Arm im Traum als eine schwere Armamputation gedeutet wird. Vollständig sinnlos endlich sind die Träume der sclnver Geisteskraiiken, bet denen das der Kontrolle des erkennenden Beritandes völlig entrückte Gehirn zum Tummelplatz wahlloser Vorstellungen wird. * (Ein Idyll aus einem Frauengefängnis. DaS Frauengefängnis von S H e r b o r n erscheint in einer Schilderung der „American Review of Reviews" als ein wahres Paradies. Eingebettet in eine wundervolle grüne Landschaft liegt das Hans von allen Seiten frei da, Luft und Licht kommen reichlich durch die Fenster, aus denen man nicht „den Fetzen Himmelsblau, den die Gefangenen Himmel nennen", sondern das ganze weite Firmament sieht. Die Vorsteherin dieses Gefängnisses ist Jesse B. H o d d e r, eine kluge und tätige Frau, die das Elend der untersten Schichten des Lebens kennt und in der alle Strafgefangenen eine wahre Helferin finden, zu der sie unbedingtes Vertrauen haben und die sie ivie eine Mutter verehren. Sie hören auf ihre Ratschläge und Ermahnungen mit größter Aufmerksamkeit und folgen ihr aufs Wort. Die Gefangenen, die die verschiedenartigsten Arbeiten verrichten, sind fast alle „rosig und strahlend vor Gesundheit". fBlan wundert sich auch garnicht darüber, denn die Hausordnung gewährt ihnen ein völlig regelmäßiges Leden, sie genießen eine gesunde Kost und sie treiben in rechtem Blaße gymnastische Hebungen. Im Winter rote im Sommer gehen sie jeden Tag eine Stunde an die frische Luft. Um 6 Uhr stehen sie auf, um halb sieden frühstücken sie, tutb um sieden sitzen alle an der Arbeit. Zum Frühstück erhalten sie Brok, Früchte und Kaffee, znm Mittag Suppe und Fletsch, Gemüse, Früchte und Tee oder Kaffee, und zum Abend wird ihnen vorgesetzt, was vom Mittag übrig geblieben ist, und dazu Tee oder Kaffee. Die Gefängniszellen sind luftige Kammern mit einem eisernen Bett. Unter den Gefangenen iverden drei Klassen unterschieden, der erste, zweite und dritte Grad, den sie je nach ihrer Führung erhalten. Ost genug kommt es freilich vor, daß keine Frau den dritten Grad hat, da nur selten Ausschreitungen stattfinoen, die eine solche Dregradierung zur Folge haben. Mit den Frauen, die zu Ausschreittingen neigen, hat man große Geduld; aber ihre wirklichen Vergehen werden nachdrücklich bestraft. Die Gefangenen genießen auch darin eine gewisse Freiheit, daß sie Immer mit dem Aufseher sich besprechen dürfen uitd baS Recht haben, einen versiegelten Brief an den Gefängniskommtssar zu schreiben. Sogar einen Erholungsraum gibt es in diesem idealen Gefängnis, einen heiteren Saal, der schön mit bequemen Sitzen, blühenden Pflanzen und einer Anzahl Gesellschaftsspielen, Büchern und Zeitschriftcit auSgcftattet ist. Hier können die Gefängnisinsassinnen in bestimmten Stunden sich nach ihrem Wohlgefallen unterhalten und belustigen. Ebenso birgt das Gefängnis eine geräumige und anziehende Kapelle, bereit Wände mit Bildern bedeckt sind; aber zum Gottesdienst braucht nur zu kommen, wer es selbst wünscht. Wichtig sind die Schulemrichtungeit des Gefäng- niffes, an denen gegenwärtig über 100 Gefangene teilnehmen und die ganz ausgezeichnet sind. Viele Ausländerinnen benutzen so die unfreiwillige Muße int Gefängnis, um gut englisch zu lernen. Eine Frau erklärte, als sie aus der Strafanstalt entlassen wurde, daß sie schon deshalb sehr zufrieden wäre, nach Sherborn gekommen zu sein, weil sie hier Lesen und Schreiben gelernt hätte. In jede Zelle hat man in Sherborn auch ein Bild gehängt, bas dort eine Woche lang bleibt, dann in eine andere Zelle gebracht und durch ein neues Bild ersetzt wird. Große Freltde bereitet den Gefangenen auch die Pflege der Blumen, die man sehr begünstigt, da man sich davon einen heilsamen Einfluß auf die geistige Verfassung der Frauen verspricht. So kann man es begreifen, daß viele Gefangene, die aus Sherborn entlassen sind, der Mrs. Hodder und all oen anderen Gefängnisaufsehern eine dankbare Erinnerung bewahren und mit Rührung von bet Zeit sprechen, in der sie biese Gesängnis- ibylle mitleben dursten. Silbenrätsel. a, ab, ar, ch, ch, chr, en, ist, land, man, mo, na, os, rat, ri, tal, ur, zee, zi. Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Niederländische Provinz. 2. Türkischen Sultan. 3. Figur aus einer Wagner'schen Oper. 4. Britische Kolonie. 5. Biblischen Namen. 6. Ein Gebirge. 7. Stabt in England. (Auflösung in der nächsten Nummer.)' ' Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer i Weiß. Schwarz. 1. S e 5 - d 7 Beliebig. 2. gibt (durch entsprechenden Abzug) i und Matt. Redaktion: K. Neurath. — NotationSdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitLtS-Buch- und Steinbruckerei, R. Bange, Vietze»