■rfl 8 811 MM w. w ,^27-t '?2e«iALM Die weiße Frau. Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Marianne bedachte sich keinen Augenblick, der Wärterin ihr ganzes Vermögen anzubieten, wenn es ihr gelänge, ihrer Schwester aus der Anstalt herauszuhelfen. Und es gelang, am 15. Oktober. Aus der Fahrt nach Cumberland erfuhr Marianne von ihrer 'Schwester folgendes: Ihre Erinnerungen an die Ereignisse, die ihrer Abreise von Blackwater Park folgten, begannen mit ihrer Ankunft auf der Station der Südwestbahn in London. Sie hatte nicht daran gedacht, sich vorher eine Aufzeichnung über den Dag zu machen, an welchem sie die Reise machte. Alle Hoffnung mußte somit aufgegeben werden, dieses wichtige Datum durch ihr Zeugnis oder das der Haushälterin, Mrs. Michelson, genau zu erfahren. Graf Fosco holte sie am Bahnhof ab. Als sie ihn sofort nach ihrer Schwester fragte, sagte er ihr (soweit sie sich erinnerte), er sei im Begriffe, sie zu Miß Hatcombe zu führen. Lady Glyde war so wenig mit London bekannt, daß sie nicht sagen konnte, durch welche Straßen sie kamen. Wer sie war gewiß, daß sie die Straßen nicht verlassen/ und daß sie an keinen Gärten oder Bäumen vorbeikamen. Als der Wagen stille hielt, war dies in einer engen Straße hinter einem großen Platze — einem Platze mit Kaufläden, öffentlichen Gebäuden und einer großen Menschenmenge. Diesen Erinnerungen zufolge (in denen Lady Glyde sich klar war), scheint es, daß Graf Fosco sie nicht nach seiner eigenen Wohnung in der Vorstadt St. Johns Wood brachte. Sie gingen ins Haus und nach einer Hinterstube entweder in den ersten oder zweiten Stock hinauf. Das Gepäck wurde sorgfältig hereingetragen; eine Magd öffnete die Tür, und ein Mann mit einem Barte, dein Anscheine nach ein Ausländer, empfing sie im Flur und führte sie dann mit großer Höflichkeit die Treppe hinauf. Auf. Lady Glydes Fragen entgegnete der Graf, daß Miß Halcombe sich im Hause befinde und sofoüt von der Ankunft ihrer Schwester benachrichtigt werden solle. Er ging dann mit dem fremden Manne fort und ließ sie altem im Zimmer. Es war ärmlich als Wohnzimmer inöbliert und bot eine Aussicht auf die Hinterseite einer Straße. Es war auffallend stille im Hause- auf der Treppe kamen und gingen keine Schritte, und sie hörte nichts als ein dumpfes Murmeln von Männerstimmen in dem Zimmer unter dem, in welchem sie sich befand. Sie war nicht lange allein geblieben, als der Graf zurückkam, um ihr 3n kündig en, daß. ,Mß Halcombe augenblicklich schlafe .aus eine Meile nicht gestört werden könne. Es begleitete ihr: ein Herr (ein Engländer), den >er ihr als seinen Freund vorstellen zu dürfen bat. Nach dieser sonderbaren Vorstellung — bei welcher, soviel Lady Glyde sich entsinnen konnte, keine Namen genannt wurden — blieb sie mit dem Fremden allein. Er war vollkommen höflich, aber er erschreckte und verwirrte sie durch einige sonderbare Fragen in Bezug auf sie selbst und durch seine seltsamen Blicke. Nach einer kleinen Weile ging er wieder hinaus; imb ein paar Minuten später trat ein zweiter Fremder (ebenfalls ein Engländer) herein. Dieser stellte sich selbst als einen Freund des Grafen Fosco vor und begann dann seinerseits sie durch seltsame Micke und Fragen zu verwirren, wobei er sie nicht ein einziges Mal, soviel sie sich zu erinnern vermochte, bei ihrem Namen anredete; worauf et dann bald, wie der erste, das Zimmer wieder verließ. Sie war jetzt bereits ängstlich geworden. Als der Graf wieder ins Zimmer trat, frug sie ihn sogleich voll Besorgnis, wie lange ihr Zusammenkommen mit ihrer Schwester noch verschoben bleiben müsse. Zuerst gab er ihr eine ausweichende Antwort, dann aber, als sie immer ängstlicher in ihn drang, bekannte er, anscheinend mit großem Widerstreben, daß Miß Halcombe sich durchaus nicht so wohl befinde, wie er es sie bisher habe glauben lassen. Der Ton und die Art und Weise, in der er ihr diese Antwort gab, erhöhten noch so sehr die Besorgnis, welche Lady Glyde in Gegenwart der beiden fremden Herren gefühlt, daß sie von einer plötzlichen Schwäche befallen wurde und um ein Glas Wasser zu bitten genötigt war. Der Graf ging an die Tür und rief, daß man ihm einj Glas Wasser und ein Riechfläschchen brächte. Das Wasser hatte, als Lady Glyde cs zu trinken versuchte, eineu so sonderbaren Geschmack, daß es ihr Unwohlsein verschlimmerte und sie schnell dem Grafen das Riechfläschchen aus der Hand nahm, um daran zu riechen. Es wurde ihr augenblicklich schwindelig; der Graf fing bas Fläschchen auf, als es ihren Händen entfiel, und das letzte, dessen sie sich bewußt wurde, war, daß er es ihr zum zweiten Male zu riechen vorhielt. Von da an waren ihre Erinnerungen unklar, abgebrochen und schwer mit jeder annehmbaren Wahrscheinlichkeit zu vereinigen. Ihrem eigenen Eindrücke zufolge kehrte ihr erst spät am Abend das Bewußtsein zurück; ihre Erinnerung war, daß sie darauf das Haus verließ; daß sie (wie sie es vorher im Blackwater Park beschlossen) zu Mrs. Beseh ging, dort Tee trank und die Nacht zubrachte. Sie war durchaus nicht imstande, anzugeben, wie, wann oder in welcher Gesellschaft sie das Haus verlassen, in das Gras Fosco sie geführt. Sie blieb bei der Behauptung, daß sie bei Mrs. Beseh gewesen, und, was noch merkwürdiger war, daß Mrs. Rubelle sie zu Bette gebracht! Sie konnte sich nicht entsinnen, wovon man bei Mrs. Beseh gesprochen, wen sie dort noch außer dieser Dame gesehen, oder warum Mrs. Rubelle im Hause gewesen und ihr geholfen Habe, Ihre Erinnerung an das, was sich am folgenden Morgen zugetragen, war noch unklarer und unzuverlässiger. Sie hatte eine undeutliche Idee, als ob sie mit dem Grafen uitb mit Mrs. Rubelte als weiblicher Begleitung aus gefahren, doch konnte sie nicht sagen, zu welcher Stunde, noch wie, wann und weshalb sie iMs. Beseh vcrlassem Ebensowenig konnte sie sich erinnern, welche Richtung der Wagen nahm, wo sie ausstieg, und ob der Graf und Mrs. Rnbelle fortwährend bei ihr blieben oder nicht. An diesem Punkte ihrer traurigen Geschichte Ivar eine vollkommene Leere. Sie hatte auch nicht den schwächsten Eindruck irgend einer Art zu berichten — keine Idee,.ob ein Tag oder mehr als ein Tag verflossen war, bis sie plötzlich an einem fremden Orte, wo unbekannte Frauen sie umringten, wieder zur Besinnung kam. Dies war die Irrenanstalt. Hier hörte sie sich zuerst bei Anna Cathericks Namen nennen, und hier als letzten bemerkenswerten Umstand in der Erzählung des an ihr begangenen Verrates gewahrte sie mit ihren eigenen Augen, daß sie Anna Cathericks Kleider trug. Die Wärterin hatte ihr am ersten Abend, da sie sie auskleidete, die Zeichen in jedem einzelnen Gegenstände ihrer Unterkleider gezeigt und ihr dabei ohne.alle Unfreundlichkeit oder Gereiztheit gesagt: Sehen Sie doch Ihren eignen Namen in Ihren eignen Kleidern an und langweilen Sie uns nicht mehr mit Ihrer Idee, daß !S-ie Lady Glyde wären. Die ist tot und be- tzraben, und Sie sind lebendig und gesund. Sehen Sie doch Ihre Kleider einmal an! Da steht es ja, mit guter Zeichentinte, und an derselben Stelle werden Sie es in all Ihren Kleidern finden, die wir hier für Sie aufbewahrt haben: „Anna Catherick", so deutlich als ob es gedruckt wäre! Und allerdings war es da, als Miß Halcombe am Abend ihrer Ankunft in Limmeridge House die Wäsche ihrer Schwester besichtigte. — Dies war in deutlichen Ausdrücken die Erzählung, welche Miß Halcombe auf der Fahrt nach Cumberland durch sorgfältige Fragen aus ihrer Schwester herausbrachte. Miß Halcombe enthielt sich, mit Fragen über die Ereignisse in der Anstalt in sie zu dringen, da ihr Gemütszustand offenbar nicht derart war, diese Erinnerungen zu ertragen. Man erfuhr auf Umwegen durch den Eigentümer der Anstalt, daß sie am 27. Juli in derselben ausgenommen worden war. Von diesem Tage an bis zu dem lö. Oktober (dem Tage ihrer Befreiung) war sie in Haft gewesen, indem man systematisch ihre Identität als Anna Catherick behauptete und ihr entschieden von Anfang bis zu Ende ihren gesunden Verstand ableugnete. Da sie erst spät am Abende des 15. Oktobers in Limmeridge House anlangten, beschloß Miß Halcobe wohlweislich, den Versuch, Ladh Glydes Identität geltend zu machen, bis zum folgenden Tage zu verschieben. Am nächsten Morgen war ihr erstes, zu Mr. Fairlie zu gehen; sie erzählte ihm dann nach der erdenklich vorsichtigsten Vorbereitung mit einfachen, klaren Worten, was sich zugetragen.' Sobald er sich von seinem ersten Erstaunen und seiner Bestürzung einigermaßen erholt, erklärte er mit zornigen Worten, Miß Halcombe habe sich durch Auua Catherick zum Narren halten lassen. Er verwies sie auf Graf Foscos Brief und auf das, was sie selbst ihm über die Aehnlichkeit zwischen Anna und seiner verstorbenen Nichte mitgeteilt hatte, und weigerte sich entschieden, auch nur auf eine einzige Minute eine Wahnfinnige vor sich zu lassen, welche in sein Haus gebracht zu haben allein schon Beleidigung genug ftir ihn sei. Als Miß Halcombe ihin nun doch eines Tages ihre Schwester zuführte, erklärte er in den entschiedensten Ausdrücken, er erkenne die Person, die man ihm vorführe, nicht; er sehe nichts in ihren Manieren oder ihrem Gesichte, das ihn einen Augenblick daran zweifeln ließe, daß seine Nichte im Kirchhofe von Limmeridge begraben liege, und daß er den Schutz des Gesetzes anrufen wolle, falls die Person nicht, ehe der Tag zu Ende, sein Haus verlassenl haben werde.1 Selbst wenn ■ man Mr. Fairlies Egoismus, Trägheit und angeborenen 'Gefühlsmangel aus dem allerschlimmsten Gesichtspunkte betrachtete, war es doch offenbar unmöglich, anzunehmen, daß er einer solchen Schändlichkeit fähig gewesen wäre, das Kind seines Bruders geflissentlich zu ver- tzugnen. Als sie über darauf die Probe mit der Dienerschaft machte und fand, daß auch sie durchgängig wenigstens unsicher war, ob die Dame, die man ihr vorstellte, ihre sunge Gebieterin oder Anna Catherick sei (von deren Aehnlichkeit mit der ersteren sie alle gehört hatten), konnte Miß Hal- combe nicht länger zweifeln, daß die Veränderung, welche die lange Haft im Jrrenhause in Ladh Glydes Aussehen und Wesen hervorgebracht, eine weit bedeutendere sei, als sie zuerst angenommen hatte. Da nun eine Verfolgung von feiten der Irrenanstalt zu befürchten war, und Mr. Fairlies Benehmen ausschlaggebend sein würde, beschlossen sie, nach London zu fliehen. Am letzten Tage ihres Aufenthaltes besuchten sie den Friedhof. Wie.sie dort mit mir zusammentrafen, habe ich bereits erzählt. IV. Nach all diesen Tatsachen lag es demnach auf der Hand, daß Anna Catherick als Lady Glyde in Graf Foscos Hause eingeführt worden, und daß Lady Glyde die Stelle der Verstorbenen in der Anstalt eingenommen — wobei man die Substituierung so ausgeführt, daß unschuldige Leute (wenigstens der Arzt und die beiden Mägde ganz gewiß und wahrscheinlich auch der Besitzer der Irrenanstalt) Mitschuldige an dem Verbrechen wurden. Der Erfolg des Verbrechens hatte jenen beiden Männern einen klaren Gewinn von dreißigtausend Pfund gebracht — dem einen zwanzig- und dem andern durch seine Fran zehntausend. Wir drei durften vom Grafen und von Sir Percival Glyde keine Barmherzigkeit erwarten. Das Bewußtsein dieser drohenden Gefahr — einer Gefahr, welcher jeder Tag, jede Stunde uns näher brachte — bestimmte mich in her Wahl eines Zufluchtsortes für uns. In einer Woche waren Marianne und ich übereingekommen, wie wir unsere neue Lebensweise einrichten wollten. . . , Es wohnte außer uns niemand im Hause, und wir konnten ein- und ausgeh-en, ohne unseren Weg durch den Laden zu nehmen. Ich bestimmte, daß wenigstens fürs erste keine der Schwestern das Haus verließe, und daß sie in meiner Abwesenheit niemanden in ihre Zimmer ließen. Sodann ging ich zu einem Bekannten, der mir Arbeit verschaffte. Sobald wir hierüber beruhigt waren, legten Marianne Halcombe und ich zusammen, was wir besaßen. Es blieben ihr noch zwei bis dreihundert Pfund von ihrem kleinen Vermögen und mir noch fast dasselbe von dem Ertrage des Verkaufs meiner Kundschaft, ehe ich England verlassen hatte; zusammen besaßen wir mehr als vierhundert Pfund. Ich legte dieses kleine Vermögen in einer Bank nieder, um mit ihm jene geheimen Nachforschungen und Erkundigungen zu bestreiten, welche ich anzustellen und allein durchzuführen entschlossen war, falls ich niemanden fand, unr mir zu helfen. Ich gab alle Hoffnung auf, mich auf mein oder auf Mariannens Erkennen Lauras zum Beweise ihrer Identität zu berufen. Die äußeren Veränderungen, welche die Leiden und Schrecken der jüngsten Vergangenheit. auf furchtbare, ja fast hoffnungslose'Weise in ihr hervorgebracht, hatten ihre unheilbringende Aehnlichkeit mit Anna Catherick noch vergrößert. Die eine noch übrige Aussicht, auf die ich anfangs, noch gehofft — die Aussicht, ihre Erinnerungen an Personen und Ereignisse anzurufen, mit denen keine Betrügerin vertraut sein konnte, erwies sich nach unseren letzten Versuchen als hoffnungslos. Jede Keine Vorsicht, welche Marianne und ich gegen sie anwandten, jedes kleine Mittel das wir versuchten, um langsam die geschwächten und erschütterten Fähigkeiten zu kräftigen und sicher zu machen^ waren an sich schon wieder neue Hindernisse gegen das Wagnis, ihre Erinnerungen auf die unruhige und schreckenvolle Vergangenheit zurückzuführen. (Fortsetzung folgt vom frohgemuten Leben. Von Adam Müll er-Gut enbrunn, Weidling bei Wien!« Man könnte auf den Gedanken kommen, das Lachen sei polizeilich verboten worden, wenn man die Gesichter der Geschäftsleute und Angfttellten in unseren großen Städten studiert. Sogar wenn sie' im Restaurant sitzen und ihr Mahl einnehmen, könne» hie Leute von der ernsten Seite des Lobens, nicht wegkommM Wc! essen mit finsteren Gesichtern. Viele Maschen haben! das Lachen völlig verlernt, ihr Gemüt ist starr und kalt geworden. Und sie behaupten, das Leben sei kein Spaß. Pah! Die heiteren, frohgemuten Menschen sind nicht nur die glücklichsten, sondern auch die brauchbarsten, denen alles am besten gelingt und denen das längste Leben beschieden ist. Cs ist! eine wahre Sünde, wenn man bei der Jugend die Freude am Lachen ertötet. Man sollte sie nur mit Heiterkeit umgeben, sie lachend erziehen. Die Gabe, froh zu sein, ist uns ebenso verliehen worden, wie die Fähigkeit, ünser Brot zu verdienen, und man sollte diese Gabe in jedem pflegen und entwickeln. Sie ist das Allheilmittel der Seele, das Uns jung und frisch erhält. Eine heitere Gemütsart ist im praktischen Leben wichtiger als eine Gymnasialbildung ohne sie, und am ärmsten wird immer der sein, der ohne Frohsinn ist, besäße er auch Millionen. Ich selbst möchte lieber an Frohsinn Und Sonnenschein Millionär heißen können als an Geld. . . Mit solchen l'unb ähnlichen Sätzen, die ich hier 1 zu einem Ganzen Vereinigt habe, finde ich ein englisches Buch eingeleitet, das zu jener Gruppe herzstärkender und erbaulicher Schriften zählt, die im Leben des Engländers eine so große Rolle spielen. Was vor mehr als hundert Jahren Lord Chesterfield in den Briefen an seinen Sohn an praktischer Weltweisheit niedergelegt hat, was Samuel Smiles vor Jahrzehnten in seinen Büchern übet die Bildung des Charakters und den Weg zum Erfolg uns lehrte, was der feine John Lubbock über die Bedeutung der Freude im menschlichen Leben erzählte, was St. B. Stanlon unb andere englische Schriftsteller von den Werten dieses Lebens überhaupt zu sagen wußten, das alles hat sich in diesenr neuen Buche zum Evangelium verdichtet, und sein Verfasser, O. S. Marden, trägt es mit einem starken Temperament imb sehr viel Wärme vor. Schlicht und volkstümlich weiß er zu reden, es muß ihn 'jeder verstehen. Nur mit seinem moralisierenden Ton hat inan sich W- zuftnden, der wird ntanchmal lästig. Aber so sind nun einmal diese prächtigen, echt englischen Erziehungsbücher, die Glück und Erfolg, Freude am Dasein, Liebe zu jedem Beruf, den einer ausübt. Und gesteigerte, nimmermüde Schaffenslust verbreiten wollen in ihren: Volke. Sie haben alle einen pastoralen Beigeschmack. Mer welche Tüchtigkeit, welche Stärke, welches Selbstgefühl lebt nicht in diesen Druckseiten! Sie sind kein Buch für müßige Leser, die jeden Tag einen Band verschlingen und wieder vergessen. Dieses kleine Büchlein ist ein Lexikon der praktischen Weltweisheit, atls dein Menschen jeden Standes, jeden Alters, jeden religiösen Bekenntnisses sich täglich ein Kapitelchen zur Stärkung vorlesen' sollten. Lerne froh zu sein und froh zu machen. Das stellt der! Verfasser allem voran, es ist ihn: die Wurzel des menschlichen Glücks. Die Macht der Liebenswürdigkeit schätzt er als eine der größten Mächte im Leben ein. Damit könne man Wunder wirken. Die scheltende Frau, die immer nörgelt Und tadelt, habe nicht den zehnten Teil der Macht über ihre Kinder und ihr Hauslvesen, als die sanfte, geduldige, liebenswürdige Frau, denn diese verwandle überall in der Familie die roher: Kräfte in milde Menschlichkeit. „Ein junger Mann, der ein Mädchen mit heftigem Wesen heiratet, weiß nicht, was er auf sich ladet." Ob eine Frau hausbacken, ob sie häßlich, ob schön oder geistreich ist, das bedeute welliger als die eine Frage, ob sie liebenswürdig ist. Liebenswürdigkeit bedeutet Eintracht in der Familie und in der Gesellschaft, Eintracht aber ist Wohlergehen, langes Leben und Glück. Das Pastorale dieser Worte verschwindet hinter der Wärme des Vortrages. Lächle jedem zu, von dem du einen Dienst forderst, schenke jedem, dem du eine Gabe reichst, auch einen freundlichen Blick. Damit verzehnfachst du dein Geschenk, denn du gibst dich selbst, „Nach Liebe hungert die Welt am meisten. Streu Blmnen aus auf deinen Pfad, denn du wirst nicht ein zweitcsmal desselben Weges kommen." . Von der Miene, die ein Kaufmann feinem Personal zeige, von der Freudigkeit, mit der man bei ihm bedient werde, hängen feine Erfolge ab. Man gehe noch einmal so gern dorthin, wo Sonnenschein herrsche. Die Scheidemünze des Lebens sei eine freundliche Miene, ein Gruß, ein Händedruck des Mitgefühls, ein Lächeln. Je freigebiger man mit dieser kleinen Münze sei, je mehr man davon anstelle,- desto reicher werde man. ®in frohgemuter Mensch habe immer meh-r Freunde, als er wisse. Feindschaft allen Nichtigkeiten! Man lasse sie ja nicht an sein Gemüt herankommen. Was liegt an einer versalzenen Suppe, jan einer mißlungenen Lieblingsspeise? Wer wird sich Wer Fingerabdrücke auf Porzellan oder Glas oder Möbeln ereifern? Manche Frauen versetzen ihr Haus in einen Kriegszustand um solcher Lappalien willen und verderben der ganzen Familie einen schönen Tag, sie verpuffen ihre Energie an Nichtigkeiten. Sie sind wie! ein Dampftessel, der Löcher Hain sie vergeuden einen großen Teil be« Dampfes, der den Kolben und die Räder treiben sollte. Wie kostbar ist doch das Sprichwort: Macht aus einer Mücke keinen Elefanten! Mücken verscheucht man, Elefanten werfen uns nieder. Das gilt auch von Vorgesetzten und Lehrern, die die Neigung haben, alles auszubauschen und immer zu nörgeln. „Manche Leute können verglichen werden mit versteckten Nadeln in den Kleibern; sie stechen uns fortwährend und doch bringen wir sie wicht los." Tu Schönheit in dein Leben! Ganz ohne sie kann nichts in tztr gedeihen. Ueberall drängt sich das nackt Materielle hervor. einförmig wird das moderne Stadtbild und nüchtern; überall! fehlt das Ansprechende, das Warme, das Heimelige. Reicher sind wir scheinbar geworden, aber um wieviel ärmer an Schönheit! Anstatt des Anmutigen, des WohltueWen, des Künstlerischen sehen! wir überall das Harte, das Nützliche, das Gradlinige, das Lang- wnlige. Umgebe dich mit irgend etwas, das du für schön hältst; erfülle dich mit guten Gedanken, lies gute Bücher, verweise alles Rohe und Gemeine aus deiner Nähe. Wenn all unsere Lebensarbeit nur den Zweck hätte, unser Fleisch zu ernähren, wäre das! Dasein sinnlos. Sichere deinem Gemüt den Anteil, der ihm zukommt. Unti setze große Hoffnungen auf dein Leben, gehe nicht umher Und trage die Miene des Verzichtes zur Schau, halte dich nie; für Kleines geboren. Kannst du nicht nach außen wirken, kannst du es nach innen. Und was für ein Geschäft du treibst, ist gleichgültig, treibe es nur nicht mechanisch, nicht seelenlos. Und erwirb dir alles Wissen, das dir erreichbar ist. Glaube Wer nicht, daß ein vollgestopfter Kopf schon Bildung bedeutet. Was du nicht selbständig in dir verarbeiten kannst, wirf als Plunder fort. Bildung ist die Erziehung des Geistes zur Kraft. Lerne früh, dich gewandt atiszudrücken. Viel wissen genügt nicht, man muß der Welt auch in anmutiger Form davon mitteilen können. Wer in dev Welt wirken will, muß reden können. Prachtvoll ist das Kapitel über unfern „wertvollsten Besitz". Was ist das? Ein gutes Gewissen. Man glaubt, unter einer, Kanzel zu stehen, von der herab der Oberpastor fordert, daß jeder danach strebe, ein Gentleman zu fein. Wer Kunstwolle für reine! Wolle verkauft, wer einheimischen Posel für importierte Waren ausgibt, wer eine Arbeitsstunde, in der er nichts geleistet hat, für voll rechnet, dessen Charakter ist auf dem Wege der Entartung und feine innere Stimme kann ihm nicht mehr zuflüstern: Das ist recht. Wer aber mit seinem Gewissen uneins ist, der ist kein vollkommener Mensch mehr. Alles in uns muß echt sein und recht feilt. Und die beste Schutzmarke für ein Erzeugnis unserer Hände! oder unseres Geistes fei feine Vortrefflichkeit. Kein Patent und kein staatlicher Schntz könne etwas vor Nachahmung bewahren, die Gediegenheit, der gute Name sei der beste Schutz. . Aber ohne Fleiß, ohne saure Mühe, gebe es keinen Preis, keinen Lohn. Genie? Der große Dichter Lord Byron sagt, das Genie bestünde seines Wissens darin, daß man täglich sechzehn Stunden! arbeitet. Unti Carlyle erklärte, das Genie fei die „unbegrenzts Fähigkeit, sich anzustreugen". Michelangelo, Raffael, Rubens scheuten nicht davor zurück, zehntausend Pinselstriche an ein Bild zu wenden, das heute einer mit zweihundert malen zu können meint. Daß Künstler strenger arbeiten als Ackersleute, das will keilt Dilettant glauben. Verachte das Geld, das du nicht selbst erworben hast. Ist dieses Wort nicht ein Talisman? Tu kannst deinem Sohn! Millionen hinterlassen, aber hast du bann auch gesorgt für ihn? Gib ihm die Schulung zur Tüchtigkeit, mit der du dein Vermögen erworben, und du hast ihn reicher gemacht als mit deinen Millionen. Entwickle seinen Charakter zur Genauigkeit, Ueberlegung und Entschlossenheit, zur Geduld, zu ehrlichem Handeln, zu fteund- lichem Wesen und lehre ihn arbeiten. Sonst bleibt er ein ^Krüppel, und dein Geld wird ihm nur eine Krücke fein. Wer nicht selbst arbeitet und erwirbt, ist stehendem Wasser vergleichbar. Es fault. Fließendes Wasser aber wird klar und hell. Als man Bismarck einige Zeit vor seinem Tode um eine Lebensregel bat, die einfach auszusprechen und anzuwenden wäre, da sagte er: „Ohne Arbeit ist das Leben leer, nutzlos und unglücklich. Arbeitet, arbeitet/ arbeitet!" Unser Autor verlangt mehr, er fordert auch Freude zur Arbeit; nur einem frohgemuten Menschen fei die Arbeit eine Erquickung, den Sauertöpfen erscheine sie als Plackerei. Und er schreibt ein ganzes Kapitel gegen die üble Gewohnheit, sich krank zn fühlen. Er rüstet sich gegen die Schwächlinge und Weichlinge, die jeher leichten körperlichen Verstimmung nachgeben. Wenn sie morgens beim Aufstehen ein leichtes Kopfweh fühlen, melden sie sich krank, arbeiten mit Pulvern dagegen, anstatt mit frischem Wasjer und guter Luft, und bereiten allen Krankheitskeimen ein warmes Nest. Das Kränkeln mancher Menschen sei nichts anderes als etmi Verwöhnt- und Verhätscheltsein, ein Nachgeben gegen geistige oder körperliche Trägheit. Die üble Gewohnheit, krank zn sein, ist überhaupt nur Mangel an Zucht, vor allem an Selbstzucht. Basta. Und so wie das gewohnheitsmäßige Kränkeln, so dekretiert O S Marden *) auch die Launen aus der Welt hinaus und den Aerger. Jeder Aerger sei überflüssig, sagt er. Ein frohgemiitm: Mensch bewabre in allen Lagen sein seelisches Gleichgewicht und suche an jedem Ting die andere Seite. Wer sich gern ärgert, fei fein eigner Todfeind. Wer sich von Lannen beherrschen laßt, ist wie einer, feer seinen Esel auf sich retten läßt, anstatt daß «s ihn selber reitet. Sind launenhafte Arbettsmenschen denkbar? Erfolgreiche Kaufleute? Geschästsmänmr? Nimmermehr. Sie sind Stümper und gehen zugrunde. „Tausende Menschen, die nie etwas Rechtes leisten, könnten zu Riesen werden an Kraft und Vollbringen, wenn sie nur ihre Launen beherrschen wollten. Sie kranken an einem verkehrten Denken. Für ständige Tadel- *) „Vom frohgemuten Leben". Von O. S. Marden. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart 716 Gute int: Menschen und an seine Liebe. N. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang», Gieße». sucht, Reizbarkeit, Aerger, 'Sorge, Furcht und Unentschlossenheit ist kein Raum im Kreise der Tüchtigen und Frohgemuten. , Ihnen gehört die Welt, und sie allein erziehen der Menschheit neue Geschlechter, die ihnen gleichen. ' Carlyle sagte einmal, es gebe Menschen, deren Angen, und Gesichter leuchten, als stammten sie ans einer höheren Hnmat. Diesen frohgemuten Menschentypus möchte der Mann kimst- lich züchten, der dieses vortreffliche Buch geschrieben hat. vorhandenen Schlüssel mit. Wenn Herr Jaures nun arbeit sm üb nach Hause kommt, so findet er verschlossene Türen, muß, aus der Treppe Platz nehmen und kann dort darüber nachdenken, wie wenig doch ein großer Mann kür die eigene Frau bedeuten kann. * Höch st wahrscheinlich. Vor einem Pariser Gerichtshöfe erscheint eine stark geschminkte Dame als Zeugin. Sie gibt ihr Alter auf 21 Jahre an. Der nächste Zeuge ist ein junge« Mann, der auf Befragen erklärt, er wäre 23 Jahre. Wegen der auffälligen Gleichheit der Namen fragt der Richter, ob er mit der Zeugin verwandt sei. „Ja, ich bin ihr Sohn." — „Dann! muß Ihre Frau Mutter aber sehr jung geheiratet haben/ ent-' gegnete der Richter. _ ,, 1 *jDer kleine Diplomat. Papa: „Sage 'mal, Karlchen,- wollen wir gehen, oder soll ich eine Droschke nehmen?" —• Karlchen,: „Wenn du mich tragen willst, Papa, wollen wir gehen!" Gleichllang-Rätsel. Siehst du mich draußen im Freien, so mach ich die Säuger verstummen In des Kapellmeisters Hand weck' ich der Töne Gewalt. Auflösung in nächster Nummer: Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wenn, was Gott dir zur Freude beschert, Deine Torheit in Leid verkehrt, Wird er dich künftig der Müh' entheben Und das Leid dir schon fertig geben. Büchertisch. —.. Rudolf Herzog, Die Burgkinder. Stuttgart und Berlin. I. G. Cottasche Buchhandlung. Ein Lied von der Heimatliebe ist das neueste Werk des niederrheinischen Dichters, der uns von der Schmach des Vaterlandes singt und von seinem siegreichen Auserstehen. Er schildert uns in feinen,, klugen Worten das Erziehungswerk eines allen Mannes, dem die Geliebte den eigenen Sohn hinterlassen hat, ohne daß das Kind davon weiß. Arm und tüchtig haust er auf seiner Burg, in die ihm der Krieg eine sterbende Mutter samt ihren drei Kindern führt. Nach dem Tode der Frau behält er die drei Kinder bei sich und erzteht sie gemeinsam mit seinem Sohn. Durch Kriegsjahre und Herzensnot führt uns der Dichter, und wie sehr die Burgunder tm Laufe der Jahre auseinanderstreben, die Heimat, der Rhein, ist ihnen alles, kettet sie trotz allem aneinander und vereinigt sie auch schließlich wieder in treuer Liebe. Aber nicht die Geschehnisse sind es, die am meisten in ihren Bann ziehen, wenngleich das Werk im guten Sinne sehr spannend geschrieben ist, sondern die warme, herzliche Heimatliebe, der rheinische Pulsschlag der zwischen den Zeilen pocht und die echte, tiefe Männlichkeit, über der der goldene Schein des rheinischen Humors ruht. Keine Heimatkunst in dem Sinne, daß dem Heimatdichter hinter der Heimat die Welt mit Brettern vernagelt ist, aber in dem Sinne, wie jede Kunst in der Heimat wurzelt. Ein schönes Buch für den Weih!- nachtstisch. , , . N. — Die beiden Hanse, ettt Roman aus unserer Zett von P e t e r R o s e g g e r. Verlag von L. Staackmgnn in Leipzig.- Von zwei Hänsen erzählt uns Peter Rosegger, der immer noch ganz unglaublich jung ist, in seinem neusten Buche, das sich wiederum mit Wahrheitssuchern beschäftigt. Zwei Hanse sind es, der eine fromm und bedacht, der andere fanatischer Freigeist und blutvoll. Beide gehen in die Irre, der fromme Hans int guten, der ungläubige Hans int bösen. Ihm hat es die Stadt! angetan, das blendende Leben im Hause des Geheimrats Weiß- pandtner, der die „Wahrheit" immer auf der Zunge trägt und genau so unwahrhaftig lebt, wie alle anderen. Das Geld der Geheimratstochter hat es ihm angetan, und eine junge Liebe, zu der er an seinem! Verlobungstage heismlich schleicht. Uitti als das Mädchen von der Verlobung hört, da lauft es in die Welt hinaus und trifft den frommen Hans, der Pfarrer ist im Gebirge und findet bei ihm eins Heimstatt. Aber die Kirche will das Mädchen nicht in dem« Pfarrhaus wissen und sie versetzt den Pfarrer hoch hinauf in die Einöde .... Nach jahvS-l langem Wandern und Suchen kommt der ungläubige Hans, der nach der Flucht des Mädchens sich losgerissen von allem, was ihn beirrt und geblendet hatte, in die Einöde Und findet dort seine Liebste, sein Kind, seinen Freund, den er bekämpft hatte wegen seines Glaubens und aus der erkaltenden Hand des Geistlichen, empfängt er sein Lieb zum zweiten Male. Ueber der Leiche des Mannes, der ihnen beiden Freund und Berater war, finden sich ihre Hände wieder. Das alles ist mit der gesunden,, humorvollen Kraft des Dichters erzählt und Menschen und Schicksale treten hier mit einem manchmal grotesken Zweck und Wirkungsfolge gegenüber, so z. B. wenn der Mann, dem der ungläubige Hans einst im Säbelduell den Arm zerhackt hat, ihn nicht aus den treibenden Wassern, holen kann, weil nur der eine Arm gebrauchsfähig ist. Dazwischen stehen feine und kluge Worte über Welt und Leben und- der heilige Glaube an das Neue Gaben alter Freunde. Wenn der Herbst die Farben auf seiner Palette mischt, um das abgetragene Gewand der Mutter Natur gar prächttg aufzuarbeiten, dann streut nicht nur Ceres ihre Früchte, auch Apoll spendet neue Gaben, besonders auf dem Felde der Maleret. Um etwas realer zu sprechen: Alljährlich, zum ersten Oktober, tritt die „Bereinigung der Kunstfreunde" (Berlin W.) mit einem reich geschmückten Verzeichnis ihrer Neuerscheinungen hervor. -Dieses hochinteressante Heft bildet die Ergänzung zum Haupt-Katalog. Die Mitglieder erhalten für den Jahresbeitrag von 20 Mark aus dem reichen Bilderschatz des Vereins ein Normalblatt, zwei Halb- oder vier Mappenblätter. Datz sind farbige, technisch vollendete Reproduktionen allererster Meister, deren Originale sich in staatlichen oder privaten Galerien befinden. Die originalgetreue Farbenkunst dieser Vereinigung kommt auch diesmal wieder in einer Weise zur Geltung, der man uneingeschränkte Bewunderung nicht versagen darf. Außerordentlich sympathisch berührt auch in dieser neuen Publikation die Zusammenstellung der Bilder. Besonders berücksichtigt sind die Großen auf dem Gebiete der Landschaftsmalerei. Auch der romantisch-phantastischen Richtung wurde Rechnung getragen, namentlich durch einen Meister, dessen Eigenart zu pflegen sich die Vereinigung der Kunstfreunde ganz besonders angelegen sein läßt: ArnoldBöckliu! — Mit vier glänzend gelungenen Reproduktionen seiner eigenartigsten Schöpfungen werden !vir heuer bekanntgemacht. Es sind „Vita som- nium breve“, „Ueberfall", „Der Ausritt", die „Altrömische Weinschenke". Ferner sind neu erschienen: Adolf Thamm „Lenzes- pracht", Konrad Mü l l er-Kur z w el l h „Herbstgold", Heinrich H e r r m a n n „Oktobertag in Amsterdam", Carl C. Schirm „Windmühle in der Heide", Gilbert v. Canal „Am Mühlteiche", Albert Flamm „Italienische Landschaft", von Hugo M ü h l i n g „Sonniger Herbsttag", von Walter Mv r a s „Fischerdorf an der Ostsee", Mühlig „Zur Frühlingszeit", Eduard Grützner „In der Klosterküche", Paul Meyer heim „Dorfkinder", Berthold Genzmer „Kinderveigen", Carl Zimmermann „Der Nebenbuhler" und „Zum Rudel", Anton Schmitz >,Bvck mit Ricke", Claus Mey-er „Klarinettenbläser", Hermann H endlich „Der .Rheintöchter Klage" und „Fliegender Holländer", Ernst H e i l m a n n „Herbstblumen". Alles in alles: Die „Vereinigung der Kunstfreunde" wird sich auch mit ihren diesjährigen Publikationen viele neue Freunde erwerben und sich die alten erhalten. Ihr Verdienst tst, vom sozialen Standpunkte betrachtet, sicherlich kein geringes: Auch der Minderbemittelte ist dadurch in der Lage, seinem Heime jene vornehme und veredelnde Schönheit zu geben, wie sie eben nur dem Schmucke zu eigen ist, der von der Hand gottbegnadeter Künstler stammt. Vermischtes. * Im Weltmeer verschlagen. In Buenos Aires ist am Freitag der Dampier „Jkiria" eingetroffen, der im Karailuschen Meere einen venezuelanischen Fischer von furchtbaren Leiden und einem qualvollen Tode rettete. Ter Unglückliche, der Juan Rodriguez heißt, war am 26. September mit seinem Fischerboot von La Guayra in See gestochen, wurde von einem Sturme überrascht, der das Segel des kleinen Booles entführte und trieb nun 30 Tage lang in seinem offenen Boote hilf- und steuerlos auf dem Weltmeere. „Ich hatte nur fünf Gallonen Wasser, vier Pfund Kartoffeln, 2 Pfund Brot, Käse und Butter im Boot. Nach einigen Tagen begann mein Fahrzeug Wasser durchzulassen, ich lag nun in glühender Sonne im Salzwasser, mein Proviant ging zu Ende, mit meiner Angel begann ich zu fischen und nährte mich kümmerlich von meinem Fang, den ich roh verzehren mußte. Es war grauenhaft. Mein ganzer Körper bedeckte sich mit Blasen und Beulen, Haie schwammen hinter meinem Boote und nachts glaubte ich, diese Ungeheuer durch die dünnen Planken unter mir zu spüren; als nach 30 Tagen, am 26. Oktober, die „Jkiria" erschien, halle ich bereits alle Hoffnung ausgegeben." Rodriguez ist wohl 400 Seemeilen weit umhergetrieben. kf. Jaures als Pantoffelheld. Herr Jaures, der bekannte französische Volkstrtdun, hat nicht, nur mit politischen, sondern auch mit häuslichen Sorgen zu kämpfen. Ter die große Menge in der Oeffenllichkeit führt, wird zu Hause bevormundet und bestraft wie ein Kind. Fran Jaures versteht keinen Scherz. Wenn der Herr Gemahl es versäumt, zur festgesetzten Stunde zum Diner zu erscheinen — mögen ihn auch die wichtigsten Angelegenheiten fernhalten — so speist die Gattin allein, gibt ihren Angestellten Urlaub, verläßt selbst das HauS und nimmt den einzigen