ich fflBf CIJT MD UW ■8 TCIHU W'IrNM fS* Das nette Mädel. Roman von Fedor von Zobeltitz« tNachdruck verboten»), (Fortsetzung.) -Mer ist das?" fragte Trnute und deutete in die Ferne. „Ein Jäger — oder ein Schäfer. Oder der Wächter Unsrer Tugend." „Wir brauchen keinen." „Vielleicht doch. . ." Einen Augenblick schwieg er. Sie lag neben ihm und sah ihn nicht an. Sie lag aus dem Rücken und starrte in das sich immer tiefer schattierende dunstige Blau des Hirnmels. Seine Stahlfarbe schien sich in ihren Augen zu spiegeln; auch in ihren Äugest ounkelte es, und das smaragdene Licht trat schichtenweise zurück. Aber über ihre Wangen floß Glanz, der rosige Glanz der Jugend, ein Frühsonnenschein. Eberstedt bewunderte ihren köstlichen Teint, die Pfirsichblüte der Haut und den reizend geformten Mund, der so wundervoll frisch war in seinem üpvigen Rot. Er war in der Tat voller Bewunderung Und begriff es eigentlich nicht. Viel schönerer Mädchen war er rasch müde geworden. An dieser Kleinen lockte ihn etwas, etwas Unbestimmtes und Ungewisses, das ihn sinnend werden lassen konnte. Mels Kruse wollte sie Ms „mondänes Irrlicht" malen. Er holte seine Einfälle gern aus der Entlegenheit. Wer Everstedt begriff, daß sie ihn als Modell reizen konnte. Dies glanzflimmernde Irrlicht kam nicht aus dem Sumpfe, aus den Tiefen der Verderbtheit — und gerade das, ja gerade das war es, was den Wanderer vom Wege äbführen konnte: der lockende Reiz der Unberührtheit. Noch einmal hing sich der Blick Eberstedts an die Gestalt des jungen Mädchens, umfaßte sie und hielt sie fest, bannte sie gewissermaßen in den Spiegel seines Auges, als wolle er dies Bild für immer bewahren. Sie rührte sich nicht. Sie lag noch immer auf dem Rücken, nur wenig halbseits der Sonne zugekehrt, so daß der feine Schwung oer Hüfte kräftiger hervortrat. Ihr Matrosenhut saß tief im Nacken, ihr Kopf ruhte darauf, Und über dem aschblonden Gekräusel der rechten Schläfe nickte eine halb'erschlosseng Dotterblume. Unter der weißen Wolle des bis zum Halse reichenden Sweaters markierte der Busen sich kaum. Der Rock war kurz; eine Gamasche umschloß das Bein. Der gelbe Stiefel war derb; aber der Fuß klein. Es lag ausgesprochene Rasse in dem ganzen Mädelchen. Nun zeigte Everstedt nach der Hügelreihe, die sich schon mit abendlichem Höhenrauch zu umspinnen begann. »,Unser Wächter ist fort," sagte er. „Wir brauchen keinen," wiederholte sie,, bhne sich nm- Mvenden, Da fühlte sie plötzlich, daß seine Hand sie berührte« Seine Hand legte sich auf ihren Arm, erst ganz zari> dann spürte sie alle Finger und durch die Kleidung eine fiebrige Wärme. „Sie find wirklich tapfer," fuhr er fort, mit einem Timbre der Stimme, der an ihre Nerven schlug, „sehen Sie nicht, daß es dunkler wird? Die Sonne verkriecht sich hinter Ballen von Dunst; sie bildet nur noch ein toteä1 Loch am Himmel. Die Schwalben streichen dicht über die Erde; irgendwoher kommt ein Sturm. Gutes Wetter für Räuber und Genossen. Wenn ich nun ein Räuber wäre? Und Sie überfiele und — und Sie totküssen wollte? Haben Sie gar keine Furcht?" Jetzt kam ein Luftzug. Es war vorbei mit der Stille in der Natur. Der Wind fuhr durch die Gräser jinb über! den Weg und jagte eine Staubwolke hoch. Ein Schnauben klang durch die Luft. „Frühlingssturm," sagte Traute und richtete sich auf. „Ei, ist das prächtig!" — Ihr Blick fiel auf Everstedt und auf dessen Gesicht. In seinem Gesicht lag ein Ausdruck, der ihre Augen groß werden ließ. Und zugleich lief ein tieferes Rot über ihre Wangen. Sie sprang im Nu auf die Füße. „Nein," rief sie, „ich habe teilte Furcht! Ihr „Wenn" ist eine Voraussetzung, in die ich mich nicht hineinfinden kann. Und selbst wenn Sie ein Räubersmann wären, würden Sie mir nichts tun, denn immer würde die angeborene Ritterlichkeit siegen." Sie lächelte, als sie dies sagte und mit wehenden Röcken vor ihm stand. „Es ist hübsch von Ihnen," antwortete er, „daß Sie mich auch als Räuberhanptmann für einen Galantuomo gelten lassen wollen. Da kommen wir wieder auf den „absurden Gedanken" von vorhin . . ." Er riß die beiden Räder aus dem Grase und stellte sich zwischen sie..... „Aber ich will Ihnen etwas sagen. Es kommen zuweilen Stimmen, die alle Ritterlichkeit totschreien. Wenn die Bestie wach wird, nimmt der Kavalier Reißaus. Da fällt denn auch die letzte Schutzwehr, die eure junge Unschuld, noch am festesten panzert: die nachtwandlerische Sicherheit des Nichtwissens . . ." Und plötzlich stampfte er mit dem Fuße auf . . . „Zum Teufel," rief er, „ich will nicht, daß Sie dem "Kruse Modell sitzen! Geben Sie mir die Hand, Fräulein Traute, und versprechen Sie mir, daß Sie das nicht tun! Ehrenwort!" Er nahm ihre Hand und preßte sie stark. Aber sie entzog sie ihm rasch. Eine Wallung des Aergers stieg in ihr auf. Sein Ton und seine Art empörte sie. ° „Ich tu, was ich will," entgegnete sie schroff. „Kommen Sie — um sechs hält der Zug am Jägerhäuschen, Wir müssen uns etleit, wenn wir uns nicht verspätet wollen," , - - 434 Sie ergriff ihr Rad und schritt voran. Er war ihr sofort gefolgt und nahm ihr das Rad ab,, während er zugleich das seilte führte. Der Sturm hätte wieder nachgelassen. Das' erste Fauchen ivar nur ein Vorspiel gewesen. Die alte Stille war eingetreten, aber zugleich die Dunkelheit gewachsen. Der Himmel war schwarz verhängt; wo die Sonne stand, schimmerte nur ein mattroter Flecken. Die beiden schritten jetzt quer über die Heide; sie wollten den Weg abkürzen. Sie gingen eilte Weile stumm nebeneinander. Etwas Unsichtbares wär zwischen ihnen und ging mit ihnen. Unversehens stolperte Everstedt leicht; er war in ein Kaninchenloch getreten. Traute sprang hinzu und wollte wieder ihr Rad nehmen. „Es belästigt Sie, Herr Everstedt; ich kann es recht gut allein führen." „I Gott bewahre, gnädiges Fräulein.. Ich war nur ungeschickt. Aber seien Sie selbst vorsichtig: die Kaninchen haben das ganze Land durchlöchert . . Wieder schwieg er einen Augenblick und begann dann von neuem: „Fräulein Traute, ich fühle, Sie haben mir meine Bitte übelgenommen. Aber ich möchte sie trotzdem wiederholen." „Sie baten vorhin nicht, sondern Sie befahlen." „Also gut, dann bitte ich j e tz t." „Bei Niels Kruse waren Sie andrer Meinung. Rehmen Sie an, er hätte sich Lili Menkens oder Suse oder Eva als Modell erwählt: würden Sie da auch so heftig widersprechen?" „Das weiß ich nicht. Doch ich vermute, nein. Suse und Eva und Lili gehen mich int .Grunde genommen gar Nichts an — aber Sie..." Jetzt mußten die beiden einen Augenblick stehen bleiben, denn ein Windstoß kam wieder und fuhr ihnen geradewegs in die Gesichter und fauchte mit solcher Gewalt heran, daß sie sich umwenden mußten. „Uih!" rief Trante. Sie neigte den Kopf und hießt ihren §ut fest. Everstedt war weniger vorsichtig. Der Wind riß seinen grauen Kastor vom Scheitel, trieb ihn erst hurch die Lust und trudelte ihn dann über die Heide; plötzlich wurde er unsichtbar. „Adieu," sagte Everstedt. Sein Blick fiel auf Trante. Sie stand noch immer gebückt. Der Sturm zerzauste ihr Haar. Die blonden Strähnen flatterten über ihre Wangen. Dann kam ein erneuter heftiger Windstoß. Traute hatte nicht aufgepaßt: nun riß sich auch ihr leichtes Matrosenhütchen los und wirbelte hoch, und zugleich löste sich der letzte Rest ihrer sorgsamen Frisur, und das Haar umflatterte sie wie eine Mähne. Der Wind war unausstehlich. Er verfing sich in ihren Röcken und Preßte sie gegen die Beine; er war so indezent, daß Traute sich nicht anders zu helfen wußte: sie sank mit einem leisen Ausruf komischer Entrüstung in die Kniee und umfing ihre Röcke. Im selben Augenblick warf Everstedt die Räder hin und kniete gleichfalls nieder. Sie glaubte anfänglich, er sorge sich, daß sie sich etwas getan habe, und schaute ihn unter der wallenden Flut ihres Haares mit lachender Miene an. 'Aber dann "kam ein Entsetzen über sie. War es ein Entsetzen? Es war ein nie gekanntes unbeschreibliches Empfinden: ein heißer Grimm mit einer Unterströmnng holder Süße, eine förmliche Wut über etwas unerwartet Brutales, in die sich ein beglückendes Ahnen mischte. Everstedt umschlang sie. Er schloß sie so fest in seine Arme, daß sie fast wehrlos war. Dann hob er sie auf und sagte zu ihr: „Ich trage dich, Kleine. Das ist wonnig, dich durch den Sturm tragen zu können. „Mit meinem Mantel vor dem Sturm" . . . aber ich habe keinen Mantel. Meine Liebe ist auch wärmer uud schützt dich ebenso gut. Schützt dich -- natürlich! Denn du wirst den Schnupfen kriegen mit deinem bloßen Kopf — und hast dann ein rotes Näschen. Paß auf! Wir fahren bis zum Alten Tvr da hält mein Automobil. Geschlossen — es sieht uns keiner. Ich bring dich zu mir nach Hause und zieh dir dein nasses Kleidchen aus und lege dich in mein Bett. Es ist groß und bequem jund 'sehr warm. D-anu braue ich dir Tee oder Glühwein, damit du dich nicht erkälten kannst. Ank-' Worte nichts — sprich gar nichts! Ich habe dich lieb' . . Brennende Lippen verschlossen ihr den Mund. Die Hüte mochten noch ein Spiel der Winde sein. Die Räder waren liegen geblieben. Barhäuptig schritt er vorwärts und trug sie. Ihr Haar umwehte auch ihn, liebkoste seine Wangen, war int fahlgrauen Dnnst der Dunkelheit das Licht vor seinen Augen. Traute fühlte sich wie gelähmt. Sie wußte nicht recht: war sie ohnmächtig oder noch bei vollen Sinnen? —i Eine alles Empfinden auflösende Schwäche drückte sie nieder. Sein Kuß glich einem Schmerz des Verlangens. Hatte je ihr kleiner Leutnant sie so geküßt — oder damals der blonde kleine Referendar, der fast schoß vergessen war? m (Fortsetzung folgt.) Das Landhaus in Hampshire. Eine Detektivgcschichte von Conan D o h l (Schluß.) „Sehen Sie, Herr Holmes, von dem Augenblick an, als mir! klar wurde, daß es mit diesen Zimmern etwas auf sich! habe,, wovon ich nichts wissen sollte, brannte ich vor Begierde, hinten die Sache zu kommen. Es war mehr als bloße Neugier, obwohl ich auch davon mein gutes Teil besitze. Es war mehr ein Pflichtgefühl, die Empfindung, daß es zum Guten dienen werde, wenn ich mir in diese Räume Eingang verschaffe. Man spricht von weiblichem Instinkt; vielleicht war es dieser, der mir das Gefühl eins löste. Ich spähte nun emsig nach einer Gelegenheit zum! Ueberschreiten der verbotenen Schwelle. „Beiläufig bemerkt, haben außer Herrn Rucastle auch Toller! Und seine Frau gelegentlich in den unbewohnten Räumen zn schaffen; einmal sah ich die beiden zusammen ein großes Bündel schwarzer Wäsche durch die Tür tragen. In den letzten Tagen trank Toller stark, so daß er gestern völlig betrunken war, Und als ich! die Treppe heraufkam, steckte der Schlüssel an der fraglichen Tür., Ganz sicher hatte er ihn stecken gelassen. Herr Rucastle und seine Frau waren mit dem Kinde unten, und so bot sich mir die allerschönste Gelegenheit, mein Vorhaben auszuführen. Sachte drehte ich den Schlüssel int Schlosse um, öffnete die Tür und schlüpfte hindurch. Vor mir lag ein kurzer Gang, der sich aut oberen Ende recht- winkelig fortsetzte. Um die Ecke befanden sich drei Türen in einer Reihe, von denen die erste und die dritte offen waren. Sie führten in leere, staubige, öde Zimmer, das eine mit zwei, das andere mit einem Fenster, die sämtlich derart mit Schmutz überzogen waren/ daß die abendliche Helle nur trübe hindurchschimmerte. Die Mittlers Tür war zu, und quer herüber durch eine dicke eiserne Stange verrammelt, die am einen Ende mit einem Vorlegeschloß an einen Ring in der Wand befestigt war, am andern mit einem starken Strick. Die Tür selbst war verschlossen, und der Schlüssel abgezogen. Diese verrammelte Tür gehörte offenbar zu demselben Raum wie das Fenster mit dem geschlossenen Laden an der Außenseite, und doch konnte ich an dem hellen Streifen unten sehen, daß es drinnen nicht dunkel war. Offenbar fiel durch ein Oberlicht Helle hinein. Während ich in dem Gang stand und die unheimliche Tür betrachtete und mich dabei verwundert fragte, was für ein Geheimnis wohl dahinter verborgen sein möchte, horte ich plötzlich, im Innern Schritte und sah, wie in 6cm schmalen, trüben Lichtstreifen, der unter der Tür durchfiel, ein Schatten sich vor- nnd rückwärts bewegte. Ein jäher sinnloser Schrecken faßte mich bei diesem Anblick. Meine überreizten Nerven versagten plötzlich/ ich wandte mich um und rannte davon — rannte, als wäre cinä gräßliche Hand hinter mir her, um mich am Saum meines Kleides, zu fassen. Ich lief den Gang entlang und zu der Tür hinaus —s gerade Herrn Rucastle in die Arme, der außen stand und wartete., „So," sagte er lächelnd, „also Sie waren es... Ich dachte es mir gleich, als ich die Tür offen stehen sah." „O, ich bin so erschrocken," stieß ich zitternd hervor. „Mein liebes Fräulein, mein liebes Fräulein!" — Sie glaubest gär nicht, in wie liebevollem, sanftem Ton er dies sagte.. „Und! was hat Sie erschreckt, mein liebes Fräulein?" /„Wer seine Stimme klang doch ein wenig gar zu schmeichelnd., Man merkte gleich, daß er unbefangen scheinen wollte." „Ich war so töricht und betrat den unbewohnten Flügel," antwortete ich. „Aber es ist so einsam und öde dort bei dieser trübest Beleuchtung, daß mich die Angst packte, und ich eilends wieder; umkehrte. O, es ist so schauerlich still da drinnen!" „Nichts sonst?" fragte er und sah mich dabei scharf an. „Wieso, was meinen Sie damit?" fragte ich. -„Wozu glauben Sie wohl, daß ich diese Tür verschließe?"- -„Das weiß ich wirklich nicht." -„Nun, damit niemand hineingeht, der nichts darin zu schaffest hat. Verstehen Sie?" Dabei lag noch immer das. liebenswürdig^ Lächeln auf seinen Zügen. „Ganz gewiß, hätte ich das gewußt ich $ $ 435 „Sie haben ganz gewiß rocht, Herr Kolmes," rief Fräuleist Hunter ans. „Es fallen mir jetzt tausenderlei Dinge wieder ein; die mir beweisen, daß Sie das Richtige getroffen haben. O, wir wollen keinen Augenblick verlieren, um dem armen Geschöpf zu Hilfe zu kommen." „Wir müssen vorsichtig Zn Werke gehen, denn wir haben es mit einem ganz geriebenen Patron zu tun," versetzte Holmes.- „Vor sieben Uhr können wir nichts beginnen. Um diese Stunde werden wir bei Ihnen eintreffen, und dann wird das Rätsel bald gelöst sein." Ganz pünktlich um sieben Uhr fanden wir uns ein, — unfern Wagen hatten wir in einem' Wirtshaus an der Straße eingestellt.. An der BauMgruppe mit ihrem dunklen Laub, das jetzt im Licht der sinkenden Sonne einen blinkenden Metallglanz ausstrahlte- würden wir das Haus sofort erkannt haben, auch wenn Fräuleist Hunter nicht freundlich lächelnd an der Haustreppe gestanden hütU- „Haben Sie es ausgeführt?" fragte Holmes. Ein larites heftiges Pochen drang von unterhalb des Treppend Hauses herauf. „Das ist Frau Toller int Keller," sagte sie, „ihrs Mann liegt schnarchend auf der Küchenbank. Hier sind feine Schlüssel; er hat ganz die gleichen wie Herr Rueastle." „Sie haben Ihre Sache wirklich gut gemacht," rief Holmes entzückt aus. „Nun gehen Sie voran, und wir werden dieser dunkelst Geschichte bald auf den Grund kommen." Wir stiegen die Treppe hinauf, schlossen die Tür auf und! gingen den Gang hinunter, bis wir vor der verrammelten Tür standen, die. Fräulein Hunter uns beschrieben hatte. Holmes schnitt den Strick durch und nahm die vorgelegte Stange weg; Dann probierte er verschiedene Schlüssel im Schloß, aber ohne Erfolg. Drinnen vernahm manckeinen Laut- und bei dieser. Stille! verdüsterten sich Holmes Züge. „Ich will nicht hoffen, daß wir ztr spät kommen," sagte er, „Wir tvollen lieber ohne Sie hinein- gehsu, Fräulein Hunter. Nun, Watson, stemme einmal betitel Schulter an, dann werden tote ja sehen, was sich ausrichten läßt." Es war eine alte, wackelige Tür, die unserem vereinten Druck ofort nachgab. Zusammen drangen wir in das Zimmer eilt,. §s war leer. Ein schmales Feldbett, ein kleiner Tisch und eist Korb mit Wäsche bildeten die ganze Einrichtung. Das Oberlicht sand offen, und die Gefangene war fort. „Hier ist eine Schurkerei vorgegangen," sagte Holmes, „der saubere Herr hat Fräulcith Hunters Absichten erraten und fein Opfer fortgebracht," „Aber wie?" „Durch das Oberlicht. Wir werden bald sehen, wie er es angestellt hat." Damit schwang er sich auf das Dach hinauf. „Q ja," rief er aus, „hier schaut eine lange, leichte Leiter über die Dachrinne empor; mit dieser hat er die Sache ausgeführt." „Aber das kann ja nicht sein," bemerkte Fräulein Hunter, „diel Leiter stand noch nicht da, als die Rueastles fortgingen." „Dann ist er zu diesem Zweck noch einmal heimgekommen. Ich sage Ihnen, er ist ein schlauer, gefährlicher Mensch. Es sollte mich auch gar nicht wundern, wenn es fein Tritt wäre, den ich eben auf der Treppe höre. Ich glaube, Watson, du wirst gut tun, deine Pistole bereit zu halten." Kaum waren diese Worte aus seinem Munde, als ein sehr dicker, ausgedunscner Mann, mit einem schweren Stock in der Hand, Unter der Tür des Zimmers erschien. Fräulein Hunter schrie! laut auf bei seinem Anblick und drückte sich an die Wand, Holmes dagegen sprang vor und trat ihm gegenüber. „Sie Elender," rief er ihm ^entgegen, „wo ist Ihre Tochter?" Der dicke Mann sah sich ringsum und schaute dann nach benU Oberlicht hinauf. „Diese Frage muß ich an euch richten, ihr Spitzbuben Ititö Diebe! Aber jetzt habe ich euch gefangen! Ihr seid in meinest Händen. Ich will euch heimleuchten!" Damit wandte er sich Um und eilte die Treppe hinunter, was er laufen konnte, „Er holt den Hund," rief Fräulein Hunter, „Ich habe meinen Revolver," sagte ich. „Wir wollen lieber die Haustür schließen," schlug HolnteI vor, und sofort stürmten wir alle zusammen die Treppe hinunter; Kaum hatten wir den Hausgang erreicht, als ivir das Bellest eines Hundes und gleichdarauf einen kläglichen Hilferuf vernahmen. Ein ältlicher Mann mit rotem Gesicht und schlotternden Gliederst trat taumelnd aus einer Nebentür und rief: „Wer hat den Hund losgemacht?! Seit zwei Tagen hat er nichts zu fressen bekommest.. Schnell, schnell zu Hilfe, ehe es zu spät ist!" ' Ich stürzte mit Holmes zur Tür hinaus und um die Hanöecke herum, Toller hinter uns drein. Eine gewaltige, heißhungrigÄ Bestie hatte ihre schwarze Schnauze in Herrn Rueastles Hals gegraben, der sich ächzend am Boden wand. Ich lief hinzu und jagte dein Hund eine Kugel durch den Kopf. Er stürzte zusammen- aber seine scharfen, weißen Zähne steckten noch in den müchtigest Falten von Herrn Rueastles Halse. Mit vieler Mühe brachtest wir beide auseinander und trugen den Verwundeten zwar lebend- aber schauerlich zugerichtet ins Haus. Wir legten ihn auf das Sofa im Wohnzimmer, und nachdem wir den inzwischen jmebcC nüchtern gewordenen Toller mit der Botschaft von dem Vorfall ast eine Frau abgeschickt hatten, tat ich, was ich vermochte, um bte Qual deö Verwundeten zu lindern. Wir standen alle um ihn herum! als die Tür anfging und eine große, hagere Frauensperson ins Zimmer trat. „Fräst Toller!" rief Fräulein Hunter- „Nun, jetzt wissen Sie es also; und Wern Sie ie wieder Ihren Fuß über jene Schwelle setzen," — dabei verwandelte sich sein Lächeln mit einem Schlage in ein wuterfülltes Grinsen, UM dr stierte mich mit einem teuflischen Gesichtsansdruck NN .— „|o werfe ich Sie dem Hunde vor", „Ich war so entsetzt, daß ich nicht mehr sagen kann, was ich tat. Vermutlich bin ich an ihm vorbei auf mein Zimmer gcctjlt. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf meinem Bett und bebte am ganzen Körper. Da fielen Sie mir ein, Herr Holmes. Ich hielt es nicht länger aus ohne Beistand. Es graute mir vor dem Hause, vor dem Herrn, vor der Frau, vor den Dienstboten, selbst vor dem Kinde. Wenil ich Sie nur hier hätte, dachte ich, wäre ich ganz ruhig. Ich hätte ja freilich wohl aus dem Hause entfliehen können, allein meine Neugier war fast ebenso groß als meine Angst. Mein Entschluß war bald gefaßt: ich wollte Ihnen telegraphieren. Ich nahm Hut und Mantel und ging nach dem Ungefähr eine halbe Meile entfernten Telegraphenamt, und als ich zurückkäm, war mir bereits viel leichter ums Herz. Vor dem Tor faßte mich plötzlich der schreckliche Gedanke, der Hund möchte am Ende losgelassen worden fein; doch fiel mir bann wieder ein, daß Toller sich an jenem Abend bis zur Sinnlosigkeit betrunken hatte, und er war, wie ich wilßte, der einzige, der etwas mit dem gefährlichen Tier machen durfte; außer ihm luiirbe es niemand wagen, dasselbe loszulassen. Unversehrt schlüpfte ich wieder herein Und konnte die halbe Nacht nicht schlafen vor Freude bei deut Gedanken, daß Sie nun bald da fein würden. Urlaub in die Stadt erhielt ich heute früh ohne Schwierigkeit, aber ich muß vor drei Uhr zurück sein, denn Herr Rueastle geht mit feiner Frau fort auf Besuch, und sie ; werden den ganzen AbeNd ausbleiben, so daß Ich nach dem Kinde'sehen muß. Jetzt habe ich Ihnen alle meine Erlebnisse erzählt, Herr Holmes, und ich wäre sehr froh, wenn Sie; mir sagen könnten, was dies alles, zu bedeutest hat, und vor allem, was ich tun soll." Wir beide hatten mit 'atemloser Spannung diesem merkwürdigen Berichte zugehört. Nun erhob sich Holmes.»und schritt, die Hände ta den Rocktaschen und mit dem Ausdruck tiefsten Ernstes. int Zimmer auf und ab. „Ist Toller noch betrunken?" fragte et. „Ja; ich hörte, wie seine Frau zu Herrn Rueastle sagte, sie Kirnte gar nichts mit ihm anfangen." -,Das ist gut. Und Rueastles gehen heute abend aus?" „Ja." -„Ist ein Keller mit gutem, festem Schloß vorhanden?" „Jawohl. Der Weinkeller." „Nach meinem Dafürhalten, Fräulein Hunter, haben Sie in dieser Sache bis jetzt recht viel Mut und Umsicht bewiesen. Glauben Sie, daß Sie noch etwas weiteres leisten könnten? Ich würde die Frage nicht an Sie richten, wenn ich Sie nicht für eine Ausnahme unter den Frauen hielte." „Ich will sehen, ob ich es vermag. Was ist es?" „Wir werden gegen sieben Uhr in Copper Beaches eintreffen, .mein Freund und ich. Die Rueastles sind wohl um diese Zeit bereits fort, und Toller wird hoffentlich noch nicht wieder zu sich gekommen fein. Die einzige, die dann allenfalls noch Lärm machen könnte, ist also Tollers Fran. Wenn Sie diese mit irgend einem Auftrag in den Keller schicken und daun hinter ihr abschließen könnten, so würden Sie uns die Sache außerordentlich erleichtern," „Ich bin dazu bereit." „Vortrefflich. Nun wollen wir einmal das Ding genauer ins Auge fassen. Selbstverständlich gibt es nur eine einzige mögliche Erklärung. Sie sind hier, um irgend eine andere Person vorzustellen und diese Person selbst wird in dem Zimmer gefangen gehalten. Das liegt ja auf _ber Hand; und die Gefangene ist, wie ich nicht im mindesten bezweifle, die Tochter, Fräulein Alice Rueastle, wenn ich mich recht erinnere, die sich angeblich in Amerika befindet. Jedenfalls ist die Wahl auf Sie gefallen, weil Sie ganz dieselbe Größe, Figur und Haarfarbe haben. Ihr hatte man höchst- ivahrscheinlich infolge irgend einer Krankheit, die sie durchgemacht hat, das Haar abgeschnitteu, und so mußten Sie das Ihrige gleichfalls opfern. Durch einen merkwürdigen Zufall sind Ihnen die Strähnen in die Hände gefallen. Ter Mann auf der Straße war zweifellos ein Bekannter von ihr, vielleicht wohl ihr Berlobter- da Sie nun die Kleider des Mädchens trugen und ihr so ähnlich sehen, so mußte er aus Ihrer Heiterkeit bei seinem jedesmaligen Erscheinen und bann vollends aus Ihrer Handbewegung schließen, das; Fräulein Rueastle völlig zufrieden sei und seine Aufmerksamkeiten nicht ferner wünsche. Der Hund wird nachts losgelassen, damit ihr Verehrer keinen Versuch macht, sich mit ihr i” Verbindung zu setzen. Soweit ist alles ganz klar. Den ernstesten Punkt bildet der Charakter des Kindes," -„Was in aller Welt hat denn das damit zu tun?" rief ich, aus'. „Mein lieber Watson, wenn du dir in deinem Beruf als Arzt Wer die Neigungen des Kindes Aufschluß verschaffen willst, so studierst du jedesmal dessen Eltern. Siehst du denn nicht ein, daß das umgekehrte Verfahren ganz dieselbe Berechtigung hat? J-ch habe! oft und viel wirkliches Verständnis für den Charakter der Eltern erst durch das Studium ihrer Kinder gewonnen. Dieses Kind hat einen abnormen Hang zur Grausamkeit, und mag dieser nun von seinem stets lächelnden Vater herrühreu, wie ich vermute, oder von seiner Mutter — jedenfalls bedeutet es nichts "Gutes für das arme Mädchen, das sich in ihrer Gewalt befindest" — 436 Vermrsehtes. von Rechnungen sich in dem Maße ver- iermogen des Schuldners wächst, ja die - en und IäiimigstenZahler seien die ganz ice ich en Leute, die Millionäre, die oft Jahre verstreichen und sich immer wieder mahnen lassen, bis sie sich endlich dazu ent- illronäre als säumige Zahler. Der in geordneten Verhältnissen lebende mittlere Bürger pflegt seine Rechnungen gewöhnlich mit der größten Pünktlichkeit zu bezahlen, jede Schuld würde ihn bedrücken, und spätestens am Jahresschlüsse werden alle rückständigen Schulden abgetragen. Kaufleute nnb Aerzte wollen tni allgemeinen die Erfahrung gemacht haben, daß die Pünktlich, kett m der Bezahlung .......- " ' ■- - — - Mindert, als das schlechtest Äebaktion: «.Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl' schenUniversttäts-Buch- und St'eindrnckerel" R. Lang?, Gieß^ ' ' i,Ja, Fräulein. Ms Herr Rucastle heimlam, ließ mich Btetit heraus, ehe er zu Ihnen hinaufging. Ach, Fräulein, es ist schade, daß Sie' mich Ihre Absichten nicht wissen ließen; ich Würde Ihnen gesagt haben, daß Sie sich vergebliche Mühe machen." „Ha," rief Holmes und blickte sie scharf an, „offenbar weiß Frau Toller mehr von der Sache als irgend sonst jemand." „Jawohl, und ich sage auch ganz gerne, was ich weiß." „Dann bitte setzen Sie sich und lassen Sie es uns hören, denn Kch gestehe, mehrere Punkte sind mir noch nicht ganz klar." ,^J jchwürde Ihnen längst alles auseinandergesetzt haben, hätte sich nur aus dem Keller herausgekonnt. Falls die Sache etwa vor Gericht kommen sollte, so vergessen Sie nicht, daß ich mich aus Ihre Seite gestellt und es auch mit Fräulein Alice gut gemeint habe." „Seit der Wiederverheiratuna ihres Vaters hat sich Fräulein Alice zu Hause nicht mehr glücklich gefühlt. Sie sah sich immer zurückgesetzt und durfte nicht viel dreinreden, aber eigentlich schlimm erging es ihr erst, als sie sich mit Herrn Frowler verlobte. Soviel ich gehört habe, besaß Fräulein Alice nach dem Testament ihrer Mutter gewisse Ansprüche, aber sie war viel zu sanft und gutmütig, imt dieselben geltend zu machen, und ließ alles in Herrn Rucastles Händen. Der wußte wohl, daß er mit ihr machen konnte, was er wollte; als jedoch die Möglichkeit eintrat, daß ein Ehemann kommen und altes verlangen würde, was er nach dem Gesetz beanspruchen konnte, da hielt es ihr Vater an der Zeit, einen Riegel vorzuschieben. Er verlangte von ihr, sie solle ein Schriftstück ausstellen, wonach ihm die Nutznießung an ihrem Vermögen zustehe, sie möge heiraten oder nicht. Als sie das nicht tun wollte, ynälte er sie so lange, bis sie ein Nervenfieber bekam, so daß sie echs Wochen lang am Rande des Grabes schwebte. Zwar erholte tc sich endlich, aber sie war zu einem Schatten abgezehrt und ihr ichönes Haar hatte man ihr abgeschnitten. Doch das machte ihrem Bräuttgam alles nichts aus, und er blieb ihr so treu wie Nur einer." „Durch Ihre freundlichen Mitteilungen," sagte Holmes, „haben Sie nunmehr die Sache so weit aufgeklärt, daß ich mir das übrige vollends denken kann. Nicht wahr, Herr Rucastle ging darauf B« seinem Einsperrungssystem über?" „Jawohl." „Und holte Fräulein Hunter von London, itnt sich de» ufc bequemen Herrn Frowler vom Halse zu schaffen?" „So ist es." ! : ; 1 „Allein Herr Frowler," fuhr Holmes fort, „belagerte das Haus mit der Zähigkeit eines echten Liebhabers und verstand es, durch klingende oder anderweitige Beweisgründe Sie in sein Interesse zu ziehen, — nicht wahr?" „Herr Frowler war ein sehr freundlicher, freigebiger Herr," Erwiderte Frau Toller gelassen. „Und aus diese Weise sorgte er dafür, daß Ihr guter Mann stets reichlich zu trinken erhielt und daß die Leiter bereit stand, sobald Ihr Herr das Haus verlassen hatte." „Sie haben es getroffen, Herr, gerade so ist es gegangen." „Wir sind Ihnen wirklich Anerkennung schuldig, Frau Toller," sagte Holmes, „denn Sie haben uns über alle Punkte, die nach bunM waren, volle Aufklärung verschafft. Da kommt ja auch der Distriktsarzt mit Frau Rucastle; mir scheint, es wird wohl setzt das beste sein, wir bringen Fräulein Hunter nach Winchester zurück, da unser ferneres Verbleiben im Hause keinen ersichtlichen Zweck mehr hat." i— | i । i ; | m ; So klärte sich also das Geheimnis' des unheimlichen Hauses tmt den Blutbuchen am Tore auf. Herr Rucastle kam zwar mit dem Leben davon, blieb jedoch für immer ein gebrochener Mann, der sein Dasein lediglich der aufopfernden Pflege seiner Gattin verdankte. Sie wohnen nach immer mit ihren alten Dienstboten zusammen, welche so viel von Herrn Rucastles Vergangenheit! feinen, daß er sich nicht entschließen kann, sich von ihnen zu trennen. Herr Frowler und seine Brant ließen sich gleich am Tage nach ihrer Flucht in Southampton trauen; er bekleidet gegenwärtig toten Beamtenposten auf der Insel Mauritius. Was Fräulein Vrolet Hunter betrifft, so legte mein Freund Holmes zu meiner tztemlrch lebhaften Enttäuschung kein Interesse mehr für sie an den Tag, sobald das Problem, dessen Gegenstand sie gebildet hatte, gelöst war; sie ist zurzeit Vorsteherin einer Privatschule in Walsall und erzielt, so viel ich weiß, schöne Erfolge in ihrem Beruf. schließen, einen Scheck auszuschreiben. Diese Erfahrung muffe« auch die Lieieranten der amerikanischen Multimillionäre machen. Newport ist bekanntlich die Sommerrestdenz der Dollarkönige, hier haben sie ihre schloßartigen Villen und hier verbringen sie mit allem Luxus, den sich eben nur ein Dollarkönig leisten kann, ihre Sommertage. Aber die Lieferanten und Händler, die in Newport diese Kolonie der Dollarkönige mit Speise, Trank und allerlei anderen Dingen versorgen, können nie zu ihrem Geld kommen. Die Rechnungen wachsen, ein Jahr ums andere verstreicht, der kleine Handelsmann weiß kaum noch, wo er neues Betriebskapital herbekommen soll: die Millionäre aber zahlen nicht. Die Zustände haben sich so zugespitzt, daß die Handelsleute und Krämer von Newport sich jetzt zusammengeschlossen haben, um den Multimillionären mit einem Streik zu drohen. Sie erklären, daß sie noch länger Kredit nicht geben könnten und daß sie nur noch jenen Familien Waren liefern würden, die wenigstens ihre Rechnung vom vergangenen Sommer bezahlt haben. Und zum Ueberfluß drohen die Kaufleute auch noch damit, den säumigen Dollarkönigen alle jene Haushofmeister und Diener namhaft zu 'machen, die Vergebung von Lieferungen für den Haushalt ihrer Herrschaft von dein Empfang einer Provision oder eines Bestätigungsgeldes abhängig machen. Tie Ladenbesitzer erklären, sie hätten es allmählich satt, von den reichen Leuten als Gauner und Halsabschneider betrachtet zu werden, weil ihre Rechnungen zu hoch seien. Daher laden sie jetzt die Multimillionäre von Neivport zu einer Aussprache ,von Herz zu Herz', bei welcher Gelegenheit sie den in ihren eigenen Haushalttmgsangelegenheiten offenbar wenig geschäftstüchtigen Dollarkönigen zeigen wollen, woher es kommt, daß sie alles so teuer bezahlen müssen. * Handgreifliche Reklame. Neuerdings sind die Amerikaner darauf verfallen, eine Reklame zu machen, die ebenso wirksam ist, wie ihre bekannten unglaublichen und Aufsehen erregenden Arten, dabei aber viel billiger ist: die werktätige Reklame. Sie beruht darauf, daß nicht der Reklamemacher selbst, soiidern andere Leute die Meinung verbreiten, die den Käufern beigebracht werden soll. Ein prächtiges Beispiel dafür erzählt die „Newyork Sun": An einem stürmischen Tage sieht man vor der Newyorker Hafeneinfahrt ein Boot, das mit fünf Menschen besetzt ist, schwer mit Sturm und Wellen kämpfen. Zuschauer sammeln sich an, die mit Ferngläsern den Kampf ums Leben beobachten, eine große Menschenmenge strömt zusammen, aber ehe ein Rettungsboot ausgeschickt werden kann, ist das kämpfende Boot schon gescheitert. ^Eilends stößt man das Rettungsboot ab, aber, o Wunder: die fünf Schiffbrüchigen tarnen höchst eigenhändig ans Land geschwommen, trotz Sturm und Wellenschlag; sie sind nämlich mit TPZ's Rettungsring ausgestattet l Eine große Menschenmenge hat den Vorfall gesehen, alle Zeitungen berichten darüber, der Zweck wird erreicht und bezahlt werden nur die fünf Hauptspieler und ein paar Leute, die den Menschenauflauf inszeniert haben. Ein anderes Beispiel: Herr Writing, ein Ingenieur in Philadelphia, hat einen neuen kugelsicheren Panzer erfunden, aber trotz aller Bemühungen gelingt es ihm nicht, irgend eine Behörde dazu zu veranlaffen, ihn auszuprobieren. Herr Writing aber ist ein echter Amerikaner und verfällt deswegen aus folgenden Kniff: Während der lebhaftesten Geschäftszeit geht er eines Tages durch eine der Hauptverkehrsstraßen Philadelphias — nichts ahnend und völlig harmlos. Da, plötzlich überfallen ihn drei Kerle; zwei davon schießen ihre Revolver auf seine Männerbrust ab, der dritte sticht mehrmals mit einem langen Dolchmesser nach demselben Ziele. Herr Writing aber lächelt seelenruhig und geht unverletzt weiter, während die drei Straßenräuber ihm mit offenem Munde »ach- starren, bis die Polizei sich ihrer annimmt. Am selben Abend noch liest ganz Philadelphia, ohne daß Herr Writing auch nur einen Pfennig zu zahlen hat, wie prachtvoll sein Panzer Schutz gewährt. * f&erufSfrcubig. „Wie geht's, Herr SchlÄnrnermeier? Haben Sie sich schon zu einem Beruf entschlossen?" — „Jawohl, trete nächsten Monat eine auskömmliche Stellung als Schwiegersohn an!" * Väterliche Auskunft. >,Was ist das, Papa, dis Gegenpartei?" — „Die Mama!" * Unverändert. Gläubiger: „Na, hat Ihr Herr Vater schon Geld geschickt?" — Baron: „Nee, es ist noch alles beim Alten!" Magisches Wadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAAADDDDEMMRRR 0 U derart einzutragen, daß die wagerechten u, fentrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Poetische Sammlung. 2. Wichtiges Verdauungsorgan. 3. Nebenfluß der Donau. 4. Astatischen Strom. Auflösung in nächster Nummer. I Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Ball, Wall.