*96 tzerzeloldk. Mo man von Georg Freiherrn von O m t e 8K, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) "Während dieses Wartens sprachen wir toterer von Herze- To'i6e, von ihrer Güte, ihrer Einfachheit. Sprachen so bange, Lis ihre Antwort eintraf. Sie war mit „ihren Kindern" in Meran. Der Arzt wollte ein etwas härteres Klima für die Mädchen, damit sie, jetzt ganz gekräftigt, allmählich den Uebergang nach Deutschland fänden, um vielleicht schon den nächsten Winter in der. Heimat zu verleben. Aber Herzeloide dankte, kommen könnte sie nicht, sie dürfe sich Nicht von den Kindern so lange entfernen. Rührend klangen diese Zeiten in ihrer Anhänglichkeit und Preue, doppelt rührend für mich,' den sie'immer nur mit gewisser scheuer Zurückhaltung in den Schlußgrüßen erwähnte. Und dennoch schon am nächsten Morgen sprachen wir von Herzeloide nicht mehr, denn der Dag forderte sein Recht. Noch einmal sagte Maria: 1— Getanzt hatte sie ja doch nicht! Dann dachten wir nur noch an den Ball, der hier züm größten, wohl zum einzigen Ereignis des Winters ward. .Und Maria nahm daran teil mit kindlicher Freude. Sie weinte lachend: 1— Einmal wollen wir uns Unterhalten, Fritz, dann wird das Alleinsein um so schöner! Maria war stolz, o sehr stolz, denn sie mußte mit empfangen. Der Major war nicht verheiratet, so war sie nach der Frau des Obersten die rangälteste Dame. Während sie sich sonst, ihren achtundzwanzig Jahren nach, zu den jungen Frauen hielt, machte ihr die Würde, mit der sie an dem Abend auftreten sollte, unendlichen Spaß. Wir hatten den Zettel mit den Namen der Eiugeladenen schon zum so- Unid sovielten Male durchgegangen, und immer noch fragte sie, ob man diese oder jene Dame besonders ehren müsse. Wir hielten im Wohnzimmer Probe ab. Ich ging hinaus, dann trat ich ein und sagte zum Beispiel: i— Ich bin Fran von Berwigk mit zwei jungen Damen. Ich machte ein möglichst würdiges Gesicht als Frau von Berwigk, während ich eiligst zwei Stühle heranzog, die nun als die jungen Damen neben mir Maria ihre Lehnen ßntgegenstreckten. Maria reichte mir die 5zand, ich küßte die rosigen kleinen Finger, ; aber Maria rief statt ihrer Anrede Empört: Das darfst du doch Nicht! Fräu von Berwigk küßt Wir doch nicht die Hand, .abgesehen davon, daß sie Ex- geltens ist- ! Nun lachte ich: i—। Siehst du, Maria, das wollte ich ja nur wissest. Mer wer sind denn die beiden jungen Damen? Ich tippte auf die Stuhllehnen rechts und links. Da antwortete sie ganz von oben herab, denn sie ließ sich nicht^faMm^. das' sind ihre Töchter? O nein, fällt ihnen gar nicht ein. Sie hat gar keine Kinder. W sind ihre Nichten. i— Berwigk? — fragte ich. Beinahe verachtungsvoll gab sie zurück: l- Gräfinnen Randohr. Der Bater war der bekannte Zentrumsabgeordnete. Auch die Mutter lebt nicht mehr. _ Bravo, bravo! Aber nun ist das Examen zu Ende! rief ich, nahm Maria beim Kopf und schloß ihren MrnL mit meinen Lippen. Sie machte auch an dem Ballabend ihre Sache tadellos. Nur ich machte sie schlecht. Ich benahm mich wie ent Rüpel, denn um keine Menschenseele habe ich mich gekümmert. Ich betrachtete nur immer meine Frau, tote sie stand, tote sie ging, tote sie sprach und tote fte tanzte. Sie tanzte, daß ich mich nicht sattsehen konnte daran. Was sage ich: tanzen! Sie glitt über das Parkett, he drehte sich und ließ sich nicht drehen. Sie wregte sich tn Hüften und Schultern hin und her, immer mit leise ae- neigtem Kopf, daß vom schwarzen Sym, bis zum Kletdtz der Nacken eine seine, sanft gebogene Linie zeigte. Und wieder bewunderte ich den dünnen, schlanken Hals, auf dem das Haupt nur lose zu ruhen schien. Nie war mir das strahlende Weiß ihrer Haut so schön erschienen, das so seltsam abstach vom Dunkel der schweren Flechten. Wenn mich jemand anredete, gab ich eine zerstreute. Antwort, nur mit Maria beschäftigt. W und zu ging ich zu ihr und flüsterte ihr zu: !— Macht es dir Spaß? 1 1 Dann strahlten ihre dunkeln Auge:: mich an: Ja, Fritz, heute macht's mir Spaß. So mal rst's hübsch, aber wenn ich oft auf solchen Ball gehen sollte H nein! Ich mochte es als Mädchen auch nicht. Mal tanzen, ja, das habe ich gern, aber berufsmäßig von einem, Ball zum andern laufen, bis der Winter hin ist — das ist etn furchtbarer Gedanke. . Dann tadelte sie mich, daß ich nicht tanze. Ich solle ihr doch die Freude machen, es zu tun, und ich versprach thr, mjt der Kommandeuse, ntit sämtlichen Regimentsdamen, imi.t den Gästen, kurz mit jeder wenigstens einmal zu tanzen. Den Anfang aber machte ich mit Maria. Als ich mit meinet Frau über hie spiegelnde Fläche flog, war mir altem Ehe§ mann zu Sinn, wie in jungen ersten Leutnantstagen, ha! ich durch die Ballsäle in einem so rasendem Tempo stürmte, daß den Damen ganz ängstlich zumute ward. Ich MW Maria an mich. Ich fühlte sie an meiner Brust, ^ch sah diesen schneeweißen Nacken unter mir und! so S aus dem Haar den Duft ein. Ich Umspannte ihre enge Taille mit 302 Meinen großen, täppischen Händen-, als! tv'otffe ich einen Urashalm Micken. Maria aber .blickte während des Danzes zu mir auf, lächelte mich an und ries: i— Nicht so schnell, nicht so schnell! Doch immer rasender jagte ich durch! den Sapl, Lis Maria mit «glühenden Wangen bat: !— Wir wollen uns setzen, ich kann nicht mehr. Dann blieben !vir in einen: Winkel. Maria hielt sich den Fächer vors Gesicht, bewegte leise ab und zu die Stäbe, daß ihre .schwarzen Stirnlöckchen emporwehten, und! rief außer Atem jn abgerissenen Worten: «— Fritz — so — so — schnell darfst du aber Mit den anderen — nicht tanzen. Die nehmen es sonst — übel'. Und sie lachte hinter dem Fächer, wahrend ihre Schultern sich «in heftigem Atem hoben. Dann blickte sie sich vorsichtig um, ob es auch keiner sähe, und hinter der schützenden Wand spitzte sie die Lippen, als wollte sie mir einen Kuß senden .... Der Ball dauerte bis gegen Morgen. Aut Sonntag gab es keinen Dienst, da konnten wir ausschlafen. Maria hatte mich schon ein paarmal gefragt, ob wir nicht gehen wollten, doch sie unterhielt sich offenbar, und sie sollte den Tag auskosten. Es wurde nicht mehr getanzt. Die Musik war längst.fortgeschickt worden. Wir saßen noch bei der Üblichen, nächtlich-morgendlichen .Tasse Kaffee. Das Gespräch plätscherte nur noch müde dähin, trotzdem konnte Man sich zücht trennen. Maria aber machte mir ein Zeichen, daß sie «gehen wollte. Wir verabschiedeten uns. Draußen warteten die Krümperwagen. Ich rief den von Nleiner Schwadron und wollte eben mit Maria einsteigen, Üls sie mich darauf aufmerksam inachte, daß eben jene Ex- S'lenz von Berwigk mit ihren Nichten ratlos dastand und t der Lorgnette etwas zu suchen schien. Maria saß schon in unserem «Landauer, ich aber ging noch einmal die paar Schritte zu Heu Damen zurück und fragte, was fehle, ob ich Wien nützlich sein könne. Sie meinten, sie begriffen nicht, was geschehen sei, es müsse ein Mißverständnis vorliegen, ihr Gastgeber, her Kommandeur, der ein Bruder der Frau von Berwigk war, habe ihnen gesagt, ih!r Waagen warte Hvaußen. Er hatte schon früher fortgemußt, um den Bri- gadekvmmandeur zur Bahn zu geleiten. * Ich konnte hie Damen nicht stehen lassen. Ich rief die Kutscher t— .richtig, der Wagen des Kommandeurs fehlte. So bot ich den Damen an, sie in meinem Krümper mitzu- Nehmen und unterwegs beim Obersten abzusetzeir. Zuerst sträubte sich Hie Exzellenz htribi wollte in Anbetracht der kalten Schneenacht nicht zugeben, daß ich! mich auf den Bock setze. Aber wo sollte ich anders bleiben? Und! mir tat es auch nichts, ich war nicht heiß und trug zudem meinen dicken Pelz. Die Damen aber hatten nur die Ballnnihänge, während! ihre Mäntel in dem Magen lagen, dessen verschlafener Kutscher offenbar den Befehl überhört und längst ausgespannt hatte. Ich half den Damen, die nur so klapperten, in den Landauer und sah Maria wehmütig an, wehmütig war auch der Blick, den sch von ihr empfing. Er schien zu sagen: Und ich hatte mich so auf das Alleinsein gefreut, um dir zu «erzählen! Die Tür schlug zu, und! ich kletterte auf den Bock. Als wir vor dein Hanse des Obersten aukamen, hörte ich schon des Kommandeurs Stimme, der vor uns Neben einem Wagen stand. Er erklärte Frau von Berwigk, das Rhinozeros von Kutscher wäre ruhig hier vor dein Hause halten geblieben. Er habe natürlich geschlafen. Aber es war schon spät, und die Damen stiegen schnell ans. Dabei gab die eine Gräfin Randohr Maria ihren Mantel zurück, und ich entdeckte, daß meine Frau nur ihren kleinen mit Schwan verbrämten Umhang trug. Ich sah sie erstaunt au, und nachdem wir uns verabschiedet hatten, hüllte ich sie in ihren Mantel. Ich machte ihr «Borwürfe, so könne sie sich erkältet haben. Doch Maria erzählte, die jüngere Gräfin Randohr hätte mehrmals gehustet, und da Frau von Berwigk gesagt, sie bekäme sehr leicht einmal einen Katarrh, habe sie ihren Mantel angeboten mit der Berficherung, sie friere nicht. Das Opfer war angenommen worden. Als ich das Kleidungsstück Maria Umgelegt hatte, wär «N nur,, als fröre sie doch. Ich fühlte ihre bloßen Arme tot H sie waren kalt. Und! nun bemerkte ich, wie Maria zusaMttt eusch au er t e. Borsorglich wickelte ich sie in ihren Mäntel/ zog sie eng an Mich und Umschlang sie, als wollte ich sie wärmen. Ich machte ihr keinen Borwurf, denn sie, hei ihrem guten Herzen, hätte wie immer an andere gedacht. Aber jiber mich selbst ärgerte ich mich, daß ich mich nicht genügend um Maria gekümmert. Sie hatte sich erkältet, mein Kleinod-, mein Wes war krank, weil ich sorglos Ms dem Bock gesessen Und! den lieben Gott einen guten Mann hätte sein lassen! Sofort brachte ich Maria zu Bett. Sie fror noch immer. Schüttelfrost stellte sich ein. Ich häuft« die Decken, ich zündete den Gaskocher an, ihr Dee zu machen, daß sie etwas .Warmes tränke. Bald schlief sie ein, und auch ich legte mich nieder. Ich war todmüde von den bei unserem stillen Leben «großen Anstrengungen des Balles. Als ich nach einigen Stunden die Augen ansschlug, war Maria schon wach. Sie lag auf dem Rücken mit rotem Gesicht und atmete kurz und mühsam. — Was ist dir beim? — fragte ich erschrocken. Ich sprang auf, befühlte sie — sie war heiß. Ich Untersuchte «mit der Uhr in der Hand ihren Puls, der rasend! schlug. «Mich durchfuhr ein fürchterlicher Schreck: meine Maria hatte «Fieber, wahrscheinlich hohes Fieber sogar. Ich schickte Burschen und Mädchen zu zwei Aerzten, falls einer nicht zu Hause wäre, und blieb am Bett knien, meines! Weibes heiße, kleine Hand- in der meinen. Immer atmete sie kurz Und- heftig, und «als ich! in die geliebten An gen blickte, sah ich einen Ausdruck in ihnen, den ich nie gekannt hatte. Sie glänzten so ängstlich, so sonderbar, so heiß!, so fiebrig. «Ich fragte Maria, wie es ihr ginge. Sie drückte meine Hand, aber nur kurz, nur matt, und« ihre Fingier glühten. Aber als ich« mich losmachen wollte, um ein Tuch einzUtauchen, ihr Umschläge zu machen auf die Stirn, hielten sie mich so fest umspannt, daß ich nicht von der Stelle konnte. «Sie hätte jetzt die Augen geschlossen, und! nur «ab Und zu kam ein Laut über ihre Lippen, keine Klage, nur einmal die Bitte Um Wasser. Aber ich vertröstete sie, bis der Arzt käme, denn ich wagte nicht, ihr etwas zu geben. So verrannen endlose Sekunden, nicht endende Minuten, und der Arzt erschien noch immer nicht. Ich sagte mir nicht, «er müsse erst geweckt werden, erst aufstehen, sich an-, kleiden, ich verging vor Ungeduld. Leise fragte ich: — Hast du Schmerzen? «Ich bekam keine Antwort. Ich strich Marias Haar, streichelte ihr die Stirn und die breimenden Wangen und fragte abermals, ob sie leide. Da wendete sie dem Kopf ein wenig zu mir und meinte leise, kaum hörbar: !— Hier jn der Seite! Als wäre das schon zuviel gewesen, begann fie zu husten. Nur wenig, ganz wenig, aber es erschreckte mich doch. Und mir wurden jählings die Augen naß. Ich bemühte mich, es abzuwehren, ich räusperte mich. Mit aller Gewalt kämpfte ich die Tränen zu unterdrücken, die sich für einen Mann nicht ziemten, es gelang mir nicht. Nun suchte ich mein Gesicht zu veLbergen, daß Maria es nicht sähe. Da plötzlich wendete sie sich zu mir, mit aller Anstrengung bemüht, den Kopf zu heben. Sie blickte mich an mit ihren glänzenden, wie mir schien, vergrößerten Augen, versuchte zu lächeln und sprach: i— Mein Lieb, sei mir nicht bös, ich habe mich nur ein bißchen erkältet! Und ich bedeckte ihr glühendes Antlitz mit Küssen. Wah^ rend sie leise das Haupt zurücksinken ließ, schmiegte ich meine Mange an die ihre und flüsterte ihr zu: — Es wird besser werden! Morgen stehst du auf, Maria! (Fortsetzung folgt.) Das Gift des Herrn Niest. Zur Einführung des Tabaks nach Europa vor 400 Jahren!., Bon Dr. ,C ii r t Rudolf K r e u s ch n e r (Friedenau). Als Achim Won Arnim und Klemens Brentano zur Redl- gierung der von ihnen herausgegebenen Sammlung. deutsches Volkslieder schritten, die vor 100 Jahren unter dem Titel„Des Knaben Wunderhorn" erschien, hielten sie der Aufnahme in die schnell ziu!r Berühmtheit gelangende Sammlung auch den Vers Ww Tabak, Tabak, echt adliges Kraut! Tabak, Tabak, du stinkendes Kraut! Wer dich erfand, ist wohl lobenswert, Wer dich erfand, ist wohl prügelnswert. Män sieht, daß die Urteile über das Verwerfliche oder PreiseNM Werte des TabalgenüsW vvr einem Jahrhundert ebenso « einandergingen wie heute, da Aerzte und Naturheilkundige 303 Wetz itnbulbtomcit MUMM KWch gegen rede Vetiv-endlmgs- ffiVt b$§ E'abM «Meist, wAhrenA MlljpMt offen ober Keünlichl dem Geiuisse huldigen stW « mit der laifett Erfahrungstatsache MMir« Wenn in ein Pfeifchen dampft' Ustd' glüht, jllnb bet Rtestch öbn Blättern Sanft mir ,nnt die Nase zieht, v, bann Misch' sch nicht mit Göttern, Ms vlor '400 Jähren der erste Tabak aus Amerika nach Europa gelangte/ War er ein Gesell/ der niemand zum Feinde hätte/ ran Oktober 1492 war Columbus -mit seinen Mannen auf Guana- Ntestij in der Bahamagrstppe gelandet, wo fite zu ihrem Erstaunen iahen, .wie sich die Eingeborenen, aus den großen Blättern einen Pflanze zylinderförmige Rollen drehten, mit einem Maisblatt S wickelten und rauchten. Als die Entdecker tont Ende besten Monats an die Nordluste von Kuba kanten und die ersten großen Ortschaften entdecktest, fanden sie bei den dortigen Indianern dieselbe Gewohnheit vor. Las Casas, der spätere Bischof von Chiapas in Mexiko, der über den Brauch des Tabakrauchens Bauere Aufzeichnungen gemacht als die im Tagebuch des Colum- enthteltenen, berichtet, daß zwei voM Admiral ins. Innere der Insel teUsgesandte Kundschafter bei ihrer Rückkehr zu b'en, Schiffen saM 6. November 1492 berichteten, wie sie vielen Männern Uitb Frästen begegnet seien, die eine glühende Kohle in der Hand hatten nnb damit den Rauch von zusammengewickelten trockenen Blättern einsogen. Den Spaniern, die diese ersten „echten Eubas W Gesicht bekamen, erschien ihie Gestalt so abenteuerlich ttnb lang, dich sie sie mit den Kandergewehren (mtiscetas) verglichen, die sich die Kleinen in Spanien zur Pfingstzeit anfertigen. Sie -erfuhren von den Eingeborenen, daß diese durch bfe Rauchen gleichsam' eingeschläfert und berauscht würden Und dabei die Müdigkeit verlören, Und begannen cs schließlich selber mit diesen tabacos AK versuchen, worüber Las Casas bedauernd bemerkt: „Ich habe Spanier gekannt, die diese Sitte angenommen hatten, und wenn ich ihnen das Laster verbot, antworteten sie, sie könnten es' nicht mehr lassen. Ich weiß nicht, was das. für ein Genuß oder Vergnügen ist," , Die Folgezeit hat dem wackeren Bischof, der von der kommenden Weltherrschaft des Dabalkra'utes keine Ahnung .haben konnte, gründlich -Unrecht gegeben. Es Lachte in der nächsten 'Zeit zwar noch niemand außer den Scharen der spanischen Eon- Mistadoren daran, Tabak zu rauchen, und es klingt deshalb Mehr Ms drollig, wenn in einem! seltsamen, um die Mitte des 17. Jahrhunderts erschienenen Buch „Tabaccologia" mit ernsten Worten berichtet wird, sdlaß Gott Vnleanus schon iM Olymp bei allen länderen Göttern und nicht zuletzt bei seiner holden Gattin, Fran Venus, blasses Entsetzen erregt habe, als er zum ersten Male die Gardinen der himmlischen Wohnung durch unerhörten Tabak- gulalM eingeräuchert habe. Die LlufMerksamkeit der Europäer toiar laber dauernd teuf die Tabakpflanze gelenkt, und nachdem Frja RoMano Pane, den Columbus auf Haiti zurückgelafsest; 1496 den ersten ausftihrl.ichen Bericht darüber an Petrus. Martyr von Anglerin, Iben gelehrten Direktor einer Hofschule für die jungen spanischen Granden abgef-ertigt hatte, gelangte endlich int Jahre 1511, wahrscheinlich im Mai, der erste Tabaksamen nach Europa. Petrus, damals Prior des Domkapitels zu Granada, kultivierte ihn in seinem botanischen Garten am Fuße der Alhambra. Merkwürdigerweise hat bet Tabak feinen Siegeszug ton' die Welt nicht als Zigarre, sondern in Gestalt des Pfeifentabaks ün- -getreten. IM Orient, wo man auch heut noch behauptet, daß die Leute in Europa überhaupt nicht wüßten, wie man mit Genuß rauchen soll, war die Sitte des Rauchens eines sehr leichten Tabaks asts Pfeifen zwar schon seit Jahrtausenden bekannt, hatte sich aber nicht nach Europa verbreitet. Erst der berühmte Seefahrer Jacques Cartier aus Saint-Malo, dem Frankreich hie Erwerbung von Kanada verdankte, brachte sm Juli 1536 biß erste Tabakpfeife von seiner zweiten großen Reise nach Nova Francia in die Heimat mit. Er schreibt von den Eingeborenen: „Sie besitzen -ein gewisses Kraut, von dem sie große Vorräte teufhäusen. Eine bestimmte Menge tragen sie in einem am Halse hängenden Säckchen mit sich herum, sie nehmen ein Stück aus- gehöhlten Holzes, das einer Pfeife gleicht, und legen das trockene Und zu Pulver zerriebene Kraut in . die -an einem Ende dieser! Pfeife befindliche Höhlung, worauf sie das andere Ende in den Mund stecken. Auf das Kraut aber legen sie eine brennende Kohle, ziehen den Rauch ein und geben ihn durch die Gurgel wieder von sich. Ihre Nase hat auf diese Weise dieselbe Bedeutung wie der Schornstein der Häuser. Wir machen es ebenso wie sie, über der Rauch brennt uns wie Pfeffer, wenn er in unseren Mund kommt." Mittlerweile hatte mte'n den Tabak vielerörtert in Europa als Zierpflanze zu bauen begonnen und, weil die von geozentrischen Gesichtspunkten beherrschte Medizin und Pharmakologie jener Zeit glaubte, daß jedes Kräutlein auf Erden nur des Menschen wegen vom Schöpfer gemacht sei, die physiologischen Wirkungen des Tabaks zu studieren augefangen. Die Heilkuust der Gegenwart will zwar von den segenbringeuden Eigenschaften des Tabaks! stichts mehr wissen, und ist der Ansicht, daß Tabakabkochungen zwar recht geeignet sind, UM Tiere und Pflanzen von einer gewissen, lästigen Bewohnerschaft zu- befreiest, daß aber Mn.che MM Rästchest entstehende gasförmige Verbrennungsprodukte wsq Cyanwasserstoff; Wittersäure und «niste Pyridinbasen (an letzter! Stelle erst das übertrieben gefürchtete Nikotin) doch keineswegs unverdächtige Substanzen sind, weil ihnen der Neuling im Rauchest seinen ersten Rauchkaler und der Kettenraucher unter Umständen eine nachhaltige Vergiftung verdankt. Damals aber galt der: Tahakals Wunderpflanze, über die der spanische Arzt und Botaniker? Nicolas Menardes nicht genug tzes Preiswürdigen, zu berichtest weiß; in dasselbe Horn stößt auch der französische! Gesandte am Wrtugiesischen Hofe Jean Nieot, der 1560 den ersten Tabak- ftemen zur Kultivierung der Pflanze nach Paris schickte und dem zu Ehren Limiö dem Tabak den botanischen Namen Nicotiastaj Tabacum gegeben hat, während man ihM zu Ehren -von Katharina! von Medici, der Mutter von König Franz II.; in Frankreich den hochtrabenden Namen ;,Herbe de la reine mere" ober herbst inebicea das Medizeerkraut verlieh. Während nach Deutschlaich die ersten Tabakpflanzen im Jahre 1565 durch Occo in Augsburg kommen, der sich ihrer als St-adt- physiksts der alten Reichsstadt zu Medizinischen Zwecken bediente,, begann man anderwärts auf den Geschmack des Rauchens stich Schnupfens zu komMen. Englische Matrosen, dite mit Walters Ralcigh in Virginien gewesen w-areu, scheinen die ersten gewesen zu seist, die sich mit Eifer der Raucherleidenschaft Hingaben; während die Sitte des Schnupfens in ihren Anfängen astf Frank!-, reich und Spanien hinweist, wo in Sevilla eine Schnupstabak-i fabrik entstand, die um 'schweres Geld Heu echten „Spaniol" lieferte. Spanische Geistliche Waren es auch, die das Schnupfen! in Rom, sehr zum Aerger des. Papstes Urban VIII.,- einführtest,' der dagegen eiste zornerfüllte Bulle erließ, die erst 1724 aufgehoben wurde. Die glänzendsten Geschäfte aber machte die Republik Venedig, die eine staatliche Fabrik errichtete und' an ihrem nach allen Ländern vertriebenen Schnupftabak in fünf Jahren 40000 Dukaten verdiente. Durch englische Studenten, die in Leidest studierten, war das Tabakrauchen schon um 1590 in den Niederlanden eistgefühtt würden, und -durch englische und holländische Truppen wurde es 1-622 auch am Rhein und Main bekannt, vost wo es'sich während des Dreißigjährigen Krieges über ganz Deutschland verbreitete. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts rauchte man bereits überall Und nicht zum wenigsten -auch in Damenkieisen, In dest Londoner Theatern wurden den Frauen während der Zwisiyen--.. alte statt Bonbons und anderen Erfrischungen Tabakpfeifen ge-, reicht, und am Hofe Ludwigs XIV., der für seine Person deM Tabak abhold wär, rauchten dessen Töchter und die Hofdamen tst geheimen Konventikeln asts mächtigen Pfeifen, die fie von beit Offizieren der Schweizergarbe entliehen. Selbstverständlich schützte ntan gern vor, daß das Rauchen nur der Gesundheit wegen geschehe, in Wahrheit aber war der Tabak in allen seinen Amvcst- bungsforinen längst ein unentbehrliches Genußmittel geworden,, gegen das Kirche und Staatsbehörden in allen Tönen eiferten; bis die Weisheit der Herren Finastzminister dahinter kam-, daß hier für fie eine Goldgrube liege, die sich vorzüglich zur indirektes Besteuerung und Monopolisierung eigne. In der Türkei, w-ohist der Tabak 1605 durch die Venetianer kam, verordnete der Groß- sultau, daß den Rauchern die Pfeifest durch die Nase gestoßen Werden sollten, jm Jahre 1660 erließ der Rat der Stadt Bcrst drakonische Verordnungen, itub in Rußland stand bis 1634 auf Tabakrauchen sogar die Strafe des Naseabschneidens'. Neben vielen hundert Kanzelrednern donnerte Caspar Hoffmann vergeblich mit! den Worten „wenn ich Mäuler sehe, die Tabak rauchen, so ist mir, als sehe ich lauter Kaniiue der Hölle", Auch Hnfeland; der den Rauchgenstß als unbegreiflich, -als etwtes Schmutziges; Widerliches und Uebelriechendes geißelte, blamierte sich nicht wenig; als er in seinen späteren Lebenstagen es an sich erleben muffe daß er selbst ein leidenschaftlicher Raucher wurde. Nicht wenig erstaunt aber war der große Tabäkhasser Goethe, der nicht glaubest wollte, daß ein so feiner Geist wie Lessing geraucht habe, alsl man ihm rnittcilte, daß Lessings darüber interpellierte Aufwärterist in Wolsenbüttel die Auskunft erteilt habe: „Ja, schmauchen und schreiben konnte der Herr Lessing, aber sonst war er zu nichts ält ^n°ber Frage nach der .Nützlichkeit oder Schädlichkeit' des Tabaksgcuuises marschiert die Moderne Medizin auf der bekanntest goldneu Mittelstraße, indem fie uns im allgemeinen mit der ast delphisckc Orakelweisheit gemahnenden Antwort aufwartet, daß eines sich nicht für alle schicke. Daß übertriebener Tabaksgenuß' zu Vergiftiingserscheinungen führt, die den Raucher namentlich dann furchtbar erschrecken, wenn nach Mißbrauch mit schwersten Zigarren eine Vergiftung der Sehzentren tut' Gehirn «ntrfe die sich in oft monatelang dauernder Verdunklnng des Gesichtsfeldes äußert, läßt sich nicht ableugnen. Noch deutlicher aber wird die Giftwirkung, wenn man beim Laboratorinmsversuch ein Versuchstier unter klonischen Zuckungen plötzlich sterben sieht. Dst zubereitete Tabakblätter im allgemeinen aber nur einen geringen Nikotingchalt aufweisen, der sich obendrein beim Rauchen noch zum größten Teil verflüchtigt, kommt das Nikotin beim Rauchest als schädliches Moment nut wenig in Betracht, während der lästige Rachcnkatarrh der Gewohnheitsraucher mehr in den Vordergrund tritt Noch harmloser ist zweifelsohne das Schnupfest, das wohl nur aus ästhetischen Gründen außer Mode gekommen ist, wahrend sich noch unsere Großelterst und Urgroßeltern HM' mH Leiden- 304 — Rückert. So fühlst du nicht die Lust, Die wohnt in deiner Brust; Doch wenn sie dir entfliegt, So suhlst du den Verlust. nam England, das Land Wales und einen $etl von Schott, and besucht." — „Sie suchten wohl Arbeit?" — Auf dies« lächerliche Frage antwortete der Landstreicher mit einem verächtlichen Lächeln. „Arbeiten," sagte er, „ist gut sur he Pferde und für die Narren. Ich weiß mir auf bessere und leichtere Art Geld zu verschaffen." Sprach's und überreichte rem Zeitungsmann ein Büchlein, das nicht sehr verlockend aussah. Auf Seiten, deren ursprüngliche Farbe unter einer dicken Schmutzschicht völlig verschwunden war, konnte man eine Liste von 150 Häusern entziffern. Jedes bildete den Gegenstand einer besonderen Notiz, die mit einer genauen Angabe der Höhe des den Bettlern dort gewöhnlich gewahrten Almosens endete. Silbermünzen wurden überall ausdrücklich erwähnt. Neben dem Namen einer sehr mildherzigen Person standen die Worte: „Gut für sechs Pence". Eme wohltätige Dame war sogar „gut für emen Schilling . Sehr häufig fand sich die Notiz: „Gut für em Stuck Brot . Em gewinnbringendes Geschäft scheint das Landstreichertum nicht zu sein, aber es nährt doch seinen Mann. Der Bettler, der dem Redakteur von „Sunday at Home" seine vertraulichen Mitteilungen machte, erzählte, daß er eines Tages, abgesehen von einigen reichlichen Mahlzeiten und verschiedenen alten, aber noch gut zu verwendenden Kleidungsstücken, mehr als 6 Mk. eingeheimst habe. Dabei hatte er sich nur an solche Häuser gewandt, die in seinem „Führer" verzeichnet waren. J — Kulturarbeit ppf eigene Faüst. Leo v. Egwff- stein schreibt iw „Knnsüvart": Das ist wohl der traurigste Urin« einer absterbenden Scheinkultur, daß wir unfern Angestellten, unfern Anrtsgehilfen, unfern Nachbarn und Hausgenossen, Mit denen wir ohne jedes Opfer, so ziemlich alle Lebensfreuden ^(eit könnten, innerlich so fern bleiben, als trennte uns ein weites Meer. Daß «außerhalb des Berüses,, des Vereiiislebens, des engfleii Familienkreises die sozialen Pflichten des Gebildeten erst beginnen, kommt Uns raum in den Sinn. Sogar den fernen Ton und Takt dem Volk gegenüber haben wir verlernt; und wir müssen prst wieder einmal mit einem Haufen von andern fröhlich fern und uns in die Kleinwelt eines Bauern oder Arbeiters versenken, UM abzuschätzen, welche Freuden und Anregungen nur uns haben vn - aehen lassen. Eins aber Müssen wrr vor allem beachten, damit der Gebildete der Zukunft nicht wieder in den gehler vergangener Menschenalter verfalle. Wrr muffen reden, um dessen Bildung Wir Uns bemühen, sogleich zu irgendeiner Kulturarbeit anregeni unb anhalten. Es ist nicht schwierig, ein Kind anznle^n, daß es seltene Blumen seiner Heimat wie ein Heiligtum hütet. So heikel es ist, einer Fabrikarbeiterin von der Pflege des eigenen Helms zu predigen, so überraschende Erfolge tonnen, wir in der Arbeiterfamilie beobachten, wenn wir bei den Kindern den SiMi surs Schöiie geweckt haben. Wir sich Mit natur- oder v>olkvknndlicheU Studien abgibt, der versäume nicht, emLn klugen Burschen ssth als Gehilfen heranzUziehen. Er wird mit seiner seinen Beobachtungsgabe unschätzbare,, Dienste leisten, zu seinem üstd unserm Vorteil,. Ein Dienstmädchen, das seiner Hausfrau bei Arbeiten fürs FrüNenwohl helfen darf, wird ihr, fürs ganze Lebm Dank wissen Und ein Besonderes, das keiner staatlichen Fürsorge Und keinem Verein gelingt, können wir crretchm, wenn wir statt immer nur zu predigen, mit einem Mann aus dem Volk an einer Kulturaufgabe arbeiten. । * Der Pantoffelmeier. „Trink' doch noch ein Glas!" — , Ach, ich trau' mich nicht! Ich muß immer, wenn ich aus dem Wirtshaus konime, Meiner Alten zur Probe, ob ich nicht zU Ml getrunken habe — eine Nadel einfädeln!" * Eklatant er B eweis. „Kocht denn deine Frau selbst?" --- „Natürlich, sonst würde ich doch nicht hier iM Restaurant essen!" ______________ Versteckratsei. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben tn folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". , Betschnanen — Finsternis — Bleiburg — Reibeisen — Deidesheim — Wonnemond — Stärkekleister — Wachposteii. Auflösung in nächster Nummer» Auflösung der Königspromenade in voriger Nummerr Der Bannt nierkt nicht die Last, Hält drauf ein Vogel Rast; Doch fliegt der Vogel weg, So schwankt davon der Ast. kchaft hinMÄi. Recht ärgerliche Erscheinungen zeitigt dagegen jahrelanges Tabakkauen, das häufig von schwer^ Verdauungsstörungen uist» seelischen Alterationen bis zur tiefsten Hypochon- «auch noch so sehr gewechselt Haben, Mig an, die Stelle der Pfeise lallmäblich die Zigarre getreten sein, der wiederuui die Zigarette, ppiatisiert oder mit Teeblättern versetzt, ihr Gebiet streitig zu Machen beginnt, 'so scheint zur Freude aller FmanzmiNister he den starken Genüssen sonst so abholde Gegenwart, tn der das Bier immer dünner wird und an Stelle wässriger Moselwemq die Limonaden des Sankt Abstinentius zu treten beginnen, auf den Tabak doch zu allerletzt verzichten zu wollen. Das deutsche Volk, das im Fahre 1861 nur 46 549 000 Kilogramm Rohtabak verbrauchte, hüt irrt letzten Berichtsjahre 1097s Millionen Kilogramm Tabak in die Luft gepafft und dafür dem Reich an Zollen Und Steuern allein einen Betrag von 89,5 Millionen Mark entrichtet. Weit stärker noch als in Deutschland drückt die Steuer Auf den Däbak in anderen Ländern, in Frankreich, wo das Monopol rund 500 Millionen Franken einbringt, in Oesterreich- Ungarn, wo der Staat aus dem Tabak 350 Millionen Kronen «einnimmt, in Italien, Wo daraus 220 Millionen Lire in M Staatskassen fließen, Und in Großbritannien, wo he Tabaksteuern über 200 Millionen Mark eintragen. Die Freude am Tabak teilen aber noch imMer ungezählte Millionen nut der berühmtesten Raucherin aller Zeiten, der George Sand, he ut ihren Reisebriefen 1838 schrieb: „Wenn während Meiner Abwesenheit die Republik proklamiert werden sollte, so Möge man mir alles nehmen, Was ich besitze. Man gebe meine Ländereien jenen, die nichts haben; Man mache aus meinem Haus em Spital Mr die Verwundeten, Man trinke meinen Wein aus, man lade Mit meinen Drucksachen die Flinten —■ kurz, man nehme mir alles, nur das Porträt Meiner Großmutter nicht unt* lasse mir titte Feder istrtd Tinte und Meine Tabakpfeife!" Vermischter. * Die Kraft des Efeus. Das von allen Orient reisenden besuchte Kloster der tanzenden Derwische in Pera ist an sich durchaus keine Sehenswürdigkeit. Der Saal, wo die religiösen Hebungen stattfinden, ist unansehnlich, die hölzernen Häuser, die den Hof umgeben, sind alt und baufällig, die Grabmaler ringsherum ohne Interesse. Als Gegensatz zu der lärmenden, verhältnismäßig modernen Straße draußen wirkt aber der Hof mit seiner altmodischen, orientalischen Ruhe sehr wohltuend. Außerdem befindet sich in diesem Hof eine wirkliche Sehenswürdigkeit, auf die in der „Welt auf Reisen" aufmerksam gemacht wird. Auf einer kleinen Erhöhung, von einem eisernen Gitter umgeben, steht eine uralte Zypresse; vielmehr stand, denn der Baum ist schon längst gestorben, von Efeu erwürgt, so daß der schwere Stamm jetzt nur noch dazu dient, die dicht verschlungenen Efeuzweige mit dem schönen, immergrünen Laub zu tragen. Die von dem Efeu im Lauf der Jahre geleistete mörderische Arbeit ist eine gewaltige gewesen, denn der Stamm der Zypresse hat einen Umfang von Metern. Der Baum muß also sehr hoch gewesen sein, und doch ist von der schlanken, kräftigen Zypresse nichts übrig geblieben, als der jetzt recht untersetzte Stamm. Es ist ziemlich schwer, die Zahl der umschließenden Efeustämme genau festzustellen, da sie selbst ganz unten bei der Erde miteinander so verwachsen und verschlungen sind, daß das Zählen fast unmöglich wird. Es handelt sich um ungefähr zwanzig verschiedene Efeu- pflanzen, die den Baum ringsherum umgeben. Die kräftigsten haben unten einen Umfang von Vs Meter, die meisten find aber viel dünner. Jedoch haben sie es mit vereinten Kräften fertiggebracht, die alte Zypresse umzubringen, und sie haben somit dem Derwischkloster die einzige Sehenswürdigkeit geschenkt, über die es verfügt. * Vertrauliche Mitteilungen eines Landstreichers. Die Landstreicher Großbritanniens und Irlands haben sich schon seit langem verbunden, um Material zu einem Werke, das ihnen für die Ausübung ihrer Industrie beinahe unentbehrlich ist, zu sammeln; es ist ein „Führer zum Gebrauch für Wanderer, welche Arbeit suchen, mit der Absicht, keine zu finden". „Seit zwanzig Jahren schon liege ich auf der Landstraße," sagte jüngst zu einem Redakteur des Wochenblattes „Sunday at Home" ein kräftiger Mann, der noch in den besten Jahren zu sein schien. Ich habe . Redaktion: F V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag derBrühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, Ä. Lange.HtztN.