Montag den tf. August M - Nr. 126 FH1 itarninrr fg. ^.'SLÜ7o i Sa» SS LiSStL Sie war E Sorge wegen des Bildes, uni> ich mußte chr rcd)t Ewar von dir widervernünstig oder zum mindesten widerspruchsvoll. Sonst stand deine Warte hoher, und dem I Umblick war freier. Weshalb gabst du chr recht? Weil einer, den sie liebt, ste gebeten hat, bn mcht *%TÄ M» £fe"tto!5>Craftunl> riß dir von der Saiselei. 3»“ Sä. 3>mg° das ist d« »i>« R-st M°n kann uock ein Feuer damit anzunden. Aber da^ täte un- leid. Oben auf dem Boden steht ein alter Sarkophag, schon mehr derlei birgt: verfehlte Hofinungenund zer störte Wünsche. Die Grabstätte unfruchtbarer ^dceu. D sollen auch diese Lappen hinein." , „Warum diese Vernichtung, Mels? War ste nvtig? „Das Unnötige inachte sich nötig. Was ure vollendet werde,! kann, braucht auch nicht zu existieren. Die Kleine ist mir unersetzlich. Du kannst es Laune nennen Wer es ist viel mehr: es ist ein dunkler Zwang, der totebet nichts weiter als künstlerisches Empfinden ist. Der Kern aller Arbeit ist die Neberzeugung. Und da ich weiß, daß ich da?> Mld ohne sie nicht beenden kann, zerstöre ich es lieber. Was liegt daran." Er zuckte mit der rechten Schulter und paffte stark. Moebius schaute gedankenvoll vor sich nieder. „So hat also'doch Everstedts Wunsch den Ausschlag gegeben saate er Ich ahnte, daß fie ihm verfallen ist- Ach, diese törichten Mädchenherzen! Was liegt denn tn der inneren Natur dieses Mannes, das ihn so anziehend Das nette Mädel. I Noman von Fedor von ZobelttF» (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Das Licht kam. Die Freunde schüttelten sich die Hand Moebius steckte sich eine seiner langen Hollander an, Kruse qriff zur Pfeife. Sie saßen sich tote sonst gegenüber. „Führt nur die Freundschaft dich her?" fragte Kruse. .Beinahe. War Traute Köhler bei dir? Kruse äugte auf. „Aha. Jawohl." „ fhrcicb fie qth ©OHiitQQ in bet SMtdje ".Und legtest deine Hände segnend auf ihr blondes >;aupü Hat sie nach dem Döbacle unsrer Versammlung sich beim Abendmalst AMet^ Sie liegen bir nÄ"f0. Du hast die Kleine gesprochen. Ueber irgend etwas Bedeutsames, sonst würdest du es nur nicht ver- ma**M möchte die G-g°»!r°-° » d-' - - ~ CkitQdi) eilte Suntnte von Vet* eine wütende Eifersucht auf Everstebt ^ch hatte deil ^e^ schen erwürgen können, wäre er mir unter o1 » ^^Moebi'us hatte die Arme verschränkt und sich in den । Sessel zurückgelehnt. Ueber den Rauch snner ZMe M-kte sein Auge forschend und au merksam m das Gesicht Mu,es das ruhig und abgeklärt erschien und Nichts von inneren daß er um Traute Kohler anhalten wollte. p wer" saate Niels. „Und grade Fred. Unser S”be6:”k.TZd»r”? ««atet d-nl-im- » MLLEW-DM Mw-?'«» St scblucbzte er dem Vater fern r)erg nu->. ,chi°Sr,t8L° Ii- «-tm tch°°«t «. Schwarm Wx.'ALKKWS. ,.i« - »löblich m ad-- immer L Blick ”ftm"™ Äwt girg gl°!chl°m bch» « v. ZZWW — 502 ihr vorüber. So tat auch ich. Und mein Auge ist erst Heller geworden —" „Als du die andern Augen sahst," fiel, Kruse ein, „die sich begehrend auf sie hefteten. Mein alter Freund, wenn wir and) bedächtig genug geworden sind, unser Selbst zu begrenzen, und weise genug, für die in uns aufstrebende Kraft Maße zu finden, die uns int Gleichgewicht halten — eine Gefahr droht uns ewig mit ihren Erschütterungen: der Instinkt der Natur. Ich will grob sein: das Animalische. Ist dir int Gesellschaftsleben noch nie ausgefallen, wie rasch ein junges Mädchen, sobald sich der erste Kurmacher ein» gefunden hat, von allen Seiten umschwärmt. wird? Wie kommt das? — Wir sind beide Jägersleute. Wenn, der Edelhirsch der Spur des Weibchens folgt, bleibt er nicht lange allein. Die Spur lockt auch atrdere. Der Brnnft- schrei fiicdet sein Echo. Und dann kommt es 51t Kämpfen." — Er stand auf und legte seine .Hand auf die Schulter des Freundes . . . „Wir wollen hoffen," sagte er, „daß unser feines Edelwild glücklich ans diesen Kämpfen hervor- geht." Moebius hatte den Kopf tief geneigt und die Hände int Echoße gefaltet. Er antwortete nicht. Kritse blieb neben ihm steheir. Wieder rührte er leicht an der Schulter des andern. „Ich weiß, an tuen du jetzt denkst." „Nicht an Traute — wahrhaftig nicht." „Aber an Klärchen." „Ja, int hast recht — ich dachte an sie." „Wo lebt sie jetzt?" „Drüben in Hamburg." „Unit euer Kind?" „Wird groß und hübsch." „Wann warst btt zum letzten Male bei ihnen?" „Es ist lange her. lieber ein halbes Jahr. Ich vermeide die Zusammenkünfte. Ich spüre ja" — und nun sprang er auf, und durch seine Stimme zitterte ein Widerhall schmerzlicher Klage — „Niels, ich spüre ja, wie die Kluft ztoischen ihr und mir sich weitet und sich keine Brücke mehr schlagen läßt! Das ist die Tragik meines Lebens, daß ich mich an sie gebunden fühle — und zuweilen rast die Sehnsucht nach Freisein wie ein Sturm durch meine Seele! Noch jüngst — ah ja, lache mich aus! — als ich in ein verängstigtes Mädchen!) erz schauen mußte und jedes Trostwort mir schtver wurde, weil —" Er schlug wild mit der Faust gegen die eigene Stirn. „Animal!" rief er. „Duckt sich das Tier dcnit nie in uns?!" Kruse nahm ruhig die Zigarre auf, die Moebius auf den Teppich hatte fallen lassen. Dann gab er ihm Feuer. „Rauche," sagte er; „das kalmiert. Und sprich dich nur aus. Wir haben uns wieder einmal in einer Narrheit getroffen: das bringt nns von neuem ein paar Schritt zueinander." „Wie war es denn," fuhr Moebius fort. „Nichts, was bett Reiz des Sonderlichett au sich hätte: int Grunde genommen eine Geschichte von gestern und heute, etwas Alltägliches. Ein junger Student, der ein armes kleines Mädchen liebte. Und dann so fort. Kein interessanter Routau. Ich wollte sie heiraten — damals, als ich noch bei der Bühne war, und wartete nur auf den Aufstieg zu besseren Zeiten — und Gagen. Und auf eintüat kaut der Ekel vorder Kulissenluft; da ließ ich schminke und Puder liegen und setzte mich wieder hinter die Bücher, lind- wurde Pastor — und war gefangen. Bom ersten Tage ab, da ich auf der Kanzel stand, habe ich einer duldsamereit Lebensanschauung das Wort geredet; aber glaubst btt wohl, daß auch nur einer aus meiner großen Gemeinde es mir verziehen haben würde, wenn ich mein Studeuteuliebchen geheiratet und mein Kind zu mir genommen hätte?" — Kruse saß unter der Lampe, die einen violetten Seideit- schleier hatte, durch die das Licht in seltsam uuwahrschein-- lkcheu Tonen auf den glatt geschorenen Kopf und die eckige Sttrn des Malers siel. . Er nickte stumm. Es flatterte etwas durch fein Hirn: eine Erinnerung, die ihn itt diesem Augenblick peinlich berührte. Er dachte au die kurze Geschichte, die er vor we- nigen Stunden Traute erzählt hatte. Auch eine Alltags- geschichte wie die von Moebius; nur daß hier der grau» fame Tod eingegriffen hatte. Das Tragische spielte nach anderer Sette; aber die Borbedingungen lagen gleich. Und dennoch hatte er einen Unterschied gemacht. Bei Moebius war ihm nie der Gedanke einer Schmählichkeik gekommen: bei Eberstedt war er das Empfinden eines Bubenstücks nicht los getuorben. _ Freilich, diese doppelte Beurteilung, für die es schon Erklärungen gab, war es nicht, die er im Augenblick des Erinnerns unbehaglich fühlte. Es war viel- mehr die blitzähnliche Reflexion, daß seine schonungslose Enthüllung Traitte gegenüber doch nur ein Pharisäerknnst- stück gewesen war. Indes sprach Moebius weiter: sprach sich seine Last vom Herzen. „Du, Niels, hast mir einmal gesagt : „Löse die moralische Schlinge, und du bist frei." So waren deine Worte. Aber selbst, wollte ich versuchen, durch rohen Bruch meiner lieber» zeugung die Kette abziischütteln: das Kind ist da und läßt es nicht zu. Ich kann es nicht zu mir nehmen. In früheren Jahren glichen Jugend und Leichtsiuti so mancherlei ans. Aber wir sind älter gewordetr, sie und ich. Und mit dem Aelterwerden sind auch die Reize berlorett gegangen, die mich an sie fesselten: die Frische ihres Wesens, ihre holde Naivität, ihre Herzensamnut. Was geblieben ist, erschreckt mich: ihr Mangel an Bildung und die leeren Strecken in ihrem Empfindungsleben. Wenn ich auch heute den Talar ausziehcm wollte, nut die alte Schuld einzulösen: ich könnte sie nicht heiraten, toeil diese Ehe mein Grab sein würde. Denn, Niels, mein Herz ist noch jung — ich spüre es allzusehr. Und ich sage dir: loäre die Kugel nicht da, die ich nachschleppen muß — ich hätte alles daran gesetzt, mir das blonde Geschöpfcheii zu fangen . . . Hätte auch den Kampf tticht gefürchtet — und bett feindlicheit Brunstschrei . . . Da wäre das Leben in meinem Leben der Att- trieb gewesen. Das Animalische, sagst du. Nein, Niels; das Göttliche!" „Und das Fazit, Arthur: die Etttsagung. Für dich und für mich . . . Da sitzen sich nun zwei reife Männer, die das Schicksal genugsam geschüttelt hat, wie Backfischchen gegenüber und quarren von dem Unglück ihres Herzens. Weil ein niedlicher Blondkopf ihnen den Kopf verdreht hat. Nichts als ein niedliches Kerlchen: keine blendende Schönheit, kein ragender Geist — ein Durchschmtts- mäbelchen. Sie stiebt aus wie ein Licht aus dem Dunkel, und die Motten schwirren um sie Her. Wenn das nicht aber nein, ich spreche nicht mehr von dem Trieb der Natur und dem Geheimnis elementarischer Anzie- hungskrast. Ich schone das Höher-als-Sinnliche in dir. Ich plädiere nur für einen neuen Band zur Psycho- Physiologie. der Liebe — aber ich wette, du kannst ihn nicht schreiben." „Ich plädiere für Besseres und sage habet von vornherein: schilt mich wieder einen rettungslosen Idealisten. Ist die Kleine uns auch verloren: verloren gehen soll sie darum nicht." „Kannst du sie halten? Ich- hatte einen vergifteten Pfeil im Köcher, der sollte Everstedt treffen. Ich fürchte, er traf nur sie." (Fortsetzung folgt.) Wföer die Zprachverderdnis. Wie steht es um unsere Muttersprache? Das ist eine Frage, der sich heute kein Gebildeter, und läge sein Berufsgebiet noch so weit ab, ganz entziehen kann. Und wer möchte sich wohl unterfangen, ans diese Frage, sei es voller Ueberzeugung, sei es mit dem Gefühle der Gleichgültigkeit, zu antworten: Gilt. Eine Sprache voll Lebenskraft bedarf keines Sprachvereins — der Allgemeine deutsche Sprachverein zählt zurzeit 30000 Mitglieder, und matt darf ruhig behaupten, daß der Anteil an dem Gegenstände int Wachsen Begriffen ist. Die mannigfachsten Schriften, Aufsätze, Preisfragen und sonstigen Steuerungen, sie zeigen, baß der Ruf vom Niebergatige unseres Sprachlebens yeitte in weiten Kreisen Gehör sucht und wenigstens teilweise auch findet. Das Eingeständnis des Nebels ist also Vorhänden; wie aber steht es mit der Erkenntnis der Fehler oder gar mit dem ernsten Willen zur Besserung? Bei einer großen Zahl von Leuten erschöpft sich die ganze Frage in der Bekämpfung der Fremdwörter. Ihrem Bedürfnisse Nach Svrach- retmguitg genügt es, daß man heute z. B. Beloziped durch Fahrrad, Perron durch Bah n st ei g usw. ersetzt hat. Die Besetttgung überflüssiger Fremdwörter bedeutet aber nur die alleräußerlichste Betätigung zum Schutze unserer Sprache, und in gar manchen Fällen kann — 503 — ntffn sogar darüber int Zweifel sein, ob mit dem Ersätze eines Fremdwortes wirklich neues Sprachgut gewonnen, ob mit einem neuen Worte auch wirklich ein neuer sprachlicher Wert geschaffen worden ist. Das liebel liegt tiefer, als daß wir uns an einer äußerlichen Ausschaltung einer mehr oder weniger großen Zahl von Fremdwörtern genügen lassen könnten. Das beweist schon der Umstand, daß, während es ans der einen Seite wohl gelungen ist, oft mit Aufbietung nicht geringer Willenskraft, so manches Fremdwort durch ein, deutsches tzu ersetzen, wir auf der andern Seite immer aufs neue einen unerschöpflichen Strom von Fremdwörtern in unsere Sprache eindringen sehen. Die unnötigsten Fremdwörter, gegenwärtig hauptsächlich englische, machen sich! bei uns breit und verdrängen deutsches Sprachgui, oder lassen es erst gar nicht aufkommen. Aber mehr als das. Mit der Ueber- slutung unserer Sprache durch fremde Wörter fassen zugleich fremde Sprachgesetze Boden in der unsrigen, und der Meist der fremden Sprache gewinnt Gewalt über uns. Wer von den Gebilveren empfindet beute eigentlich noch ein französisches ou als fremdes Lautzeichen, wer eine Mehrzahl „Die Blocks" als fremde Bildung, einen Ausdruck wie „die Bismarck" (für „ein Bismarck") als Erzeugnis fremden Geistes, wer fühlt noch, daß ein englisches „der Atlantik" den Untergang lebendiger deutscher Form bedeutet? Die Schamröte muß es uns ins Gesicht treiben, wenn wir den Namen des deutschen Gottes Odin wie ein Fremdwort (mit dem Tone auf der zweiten Silbe) aussprechen hören. Aber auch mit diesen tief greifenden ausländischen Einflüssen ist der Gegenstand unserer Sprachverderbnis nicht erschöpft. Eine i i e f e E r s ch u t t e r u u g geht heute durch den ganzen Bau unserer Sprache, Gesetze und Formen, die Jahrhunderte uiib Jahrtausende gegolten haben, werden heute verstoßen. — Wenn eine Sprache unter Einwirkung ungünstiger Umstände, z. B. politischer Schwäche des Volkes, Fremdes aufnimmt, so bleibt die Hoffnung, daß sie einst, neu belebt, und wieder erstarkend, das aufgenom- mene weiiigstens teilweise wieder abstoßen werde. Ein fran- zösisches fMadame, das sich früher bei uns eingebürgert hatte, sind Wir glücklich wieder losgeworden. Was aber nicht wieder gut zu machen ist, ist der Verfall eigener Formen. Wenn wir, z. B. wie heute zu befürchten ist, die lebendigen Bildungen hierher, dorthin unter Eintausch der toten Formeln nach hier, nach dort in nicht ferner .Zukunft verloren haben sollten, dann wird kein noch so ernsthaftes Bestreben eines kommenden, seine Sprache pflegenden Geschlechtes imstande sein, das verlorene wieder zum Leben zu erwecken. Und da sehen wir heute emen höchst merkwürdigen Vorgang! Wir sehen weite Kreise^ die unsere Sprache aus ihrer Drangsal aufhelsen mochten, Schulter an Schulter kämpfen mit ihren Widersachern, die mit Lust das Werk der Zerstörung betreiben. Denn was ist es anders als eine Zerstörung lebendiger Formen, wenn heute von uns verlangt wird, statt tote bisher Wrlhelm»- platz, Luisengrube, von nun an Wilhelrnplatz, Luise grübe zu schreiben und zu sprechen, wenn man wider alles Sprachgefühl und wider aNe Ueberlieferung bestimmt: Es heißt jetzt nicht mehr: Ba h n Hoss m r t, Anhaltspunkt, Elbhafen, Abfahrtszeit, G a st- w i r t s i n n i, n g, T r e p t o w e r S t e r n w a r t e, sondern Wahnhofwirt, Anhaltepiinkt, Elbehafen, Abfahrzeit, Gast- wirteinnung, Treptow-Sternwarte, und wenn, was eigentlich unglaublich erscheint, solche Willkürlichkeiten ohne merklichen Widerstand Eingang finden. Wer heute vorschriftsmäßig schreiben und sprechen will, der.muß sich ehrlich quälen, sich die Formen abzugewöhnen, die er von Kindes- beinen an gesprochen hat. Welche andere lebendige Spräche ließe sich wohl eine solche Vergewaltigung gefallen i Der Engländer läßt sich noch nicht einmal seine, um Jahrhunderte überlebte Rechtschreibung rauben, bei uns läßt die iieneste auttliche Festsetzung zu, in den Namen Berthold, Mathilde, Günther, das h zu tilgen, dessen Notwendigkeit man doch schon mit einem Mindestmaß von Sprachkenntnis erweisen kann. Wider solche Verfallserscheinungen in unserer Sprache, ganz besonders aber wider die gewaltsamen Eingriffe in die Sprach formen h at Otto !B r i e g l e b seine Schrift Wider die Sprachverderbnis (Verlag von A. Hasert n. Bvrsdor1 b. Leipzig) gerichtet. Sie wendet sich an alle die, in denen die Muttersprache noch lebendig ist, denen sie mehr gilt als willkürliche Augenblickslaunen einer Mode; sie will sie ermutigen, das zu wahren und zu hegen, was an Sprach- ormen in ihnen lebt, und> um volkstümlich zu reden, sich jierin nichts weismachen zu lassen. — Den Schatz der Muttersprache zu hüten und zu hegen, ist mehr als eine Aufgabe des Philologen, es ist eine völkische Ausgabe von höchster Bedeutung, jeder Gebildete hat die Pflicht, an der Erfüllung dieser Forderung mitzuarbei- ten, wie es nur irgend in seinen Kräften steht. Jn^diesem Sinne hat es der Verfasser nnteruommen, seine Stimme zum Schutze der Muttersprache zu erheben. — Zur Erleichterung des Einblicks in den Stoff und zur Verweuduug dieses Führers im Handgebrauche, ist ein Wortverzeichnis beigetilgt, so daß der Leser an der Hand der täglich ihm aüfstoßenden ^Beispiele schwankender Formen leicht in den Inhalt des Buches einbringeii kann. Uonservlerungsmeihoden im haushalt. Des Sommers überreiche Fülle an Obst, Beeren, Gemüsen, Pilsen usw. hat schon in frühester Zeit den Hausmüttern den Gedanken nähegelegt, solche schmackhaften Sachen für den Winter auszubewahren. Die älteste Art der Aufbewahrung ist die in kühlen Höhlen, spater tu den Kellern. Es liegt auf der Hand, daß diese Konservierung sich nur für einige wenige Obstarten bewährte. Wenig bekannt ist, daß man Weintrauben in einem trockenen, luftigen Keller sehr lange aufbewahren kann. Man hängt die Trauben, die nicht ganz reif sein dürfen, an starken Schnüren in Zwischenräuinen auf und entfernt fortlaufend sorgfältig alle Beeren, die etwa schlecht werden, mit einer kleinen Schere sehr vorsichtig. Richtige Wahl vorausgesetzt,, halten sich die Trauben bis Weihnachten, häufig sogar noch erheblich länger. — Eine andere Art ist das Dörren oder Trocknen. So ist es auf dem Lande noch vielfach. Sitte, irach dein Backen des Brotes Pflaumen oder Birnen im Backofen in mäßiger Hitze zu dörren. Auch die Industrie hat sich seit langem erfolgreich mit Trocknen von Obst, Gemüsen, Pilzen beschäftigt. In neuerer Zeit wird z. B. Gemüse so gut getrocknet, daß es bei zweckentsprechender Zubereitung kaum . von frischem zu unterscheiden ist und ihm auch tut Nährwert nicht wesentlich nachsteht. Es muß jedoch, immer wieder darauf hiugewieseu werden, daß alle getrockneten Gemüse Und Obstsorten mindestens 10—12 Stunden vor dem Kochen in kaltem Wasser geweicht werden müssen. Sie werden in demselben Wasser langsam fertig gekocht. Dem Gemüse wird dann kurz vor dem Anrichten ein Stück frischer Butter zugefügt. Viele Hausfrauen kochen das Gemüse erst eine halbe Stunde, gießen dann das Wasser ab und setzen es mit neuem kochenden Wasser auf. Davon ist jedoch ent- schieden abzuraten, denn die leichtlöslichsten Nährst offe gehen zum großen Teile dadurch verloren. — allgemeinen werden jedoch die Hausfrauen tem Gemüse trocknen. Es ist dies eine gar nicht so einfache Sache! Und häufigem Mißlingen unterworfen. Die großen Fabriken haben dazu Spezial-Apparate. — ^m Haushalt wird man sich größtenteils auf das Emkochen beschranken. Früher geschah 'das fast ausschließlich in der Art, daß man die Früchte in einem großen Messing- oder Kupferiefsel einkvchte und dann in. Gläser füllte und verschloß. Es kam jedoch häufig vor, daß der Inhalt garte, oder Pilze anseüte. Um dies zu vermeideu, legte man em tut Rum, Spiritus usw. getränktes Papier auf das Eingemachte, oder man streute Salizyl darüber. Ersteres Hiiiterließimmer etwas Geschmack und dem letzteren widersprechen die Nah- rungsmittelhygieniker. .. ■ . _... . , Sehr gut halten sich meist Fruchte, die m Essig eingelegt oder mit viel Zucker gekocht werden. Auch saure! Kirschen, entfteint und roh mit Zwischenlagen von gutem Zucker in einen irdenen Topf gepackt, lassen sich jahrelang aiufbewahren. Sie behalten den frischen Fruchtgeschmack und liefern einen ganz vorzüglichen Saft, der im Soiilmer mit Wasser verdünnt, eine sehr erfrischende ^unonabe gibt-: Doch wird man trotz besten Verschlusses mitPergament- papier nicht ohne etwas darüber gestreutes Salizylpulver 01 Nun kamen vor einigen Jahren sehr praktische Einkoch- apparatc in den Handel (Weck, Reck usw,). -4/te Frucht« werden in mit einem glattgeschliffenen Absatz versehene Gläser getan. Auf diesen Absatz kommt em ®u‘inlntretfen und dmauf ein Glasdeckel. Dieser wird durch eme sinnreiche Vorrichtung des Apparates aufgedruckt und lestge > 504 Satten. In einem flachVodigen Gefäße werde« dann die Früchte je nach ihrer Art nnd Festigkeit /?—1 Lei 80—120° im Wasserbade gekocht (sterilisiert). Man laßt sie erkalten, löst die Drückvorrichtung und die Glaser sind durch das nach dem Kochen über den Früchten rnitstandene Vakuum fest verschlossen. Diese Art des Einkochens ist sehr gut, aber immerhin noch ziemlich umständlich und kostspielig; denn man braucht dazu einen Extraapparat jund must die Gläser so lauge unter Druck stehen lassen, bis sie erkaltet sind. Dadurch geht viel kostbare Zeit verloren. Neuerdings gibt es ein verbessertes Konservenglas, das smou von vielen maßgebenden Kreisen sehr günstig beurteilt wurde. Dieses Glas ist zylindrisch, hat nur außen am oberen Rande eine kleine Rinne und darunter einen flachen Wulst. Früchte lassen sich daher leicht emfullen und herausnehmen. Die Gläser sind gut zu reinigen. ~-er Hergang beim Ginmachen ist ein sehr einfacher. Nachdem die Früchte eingefüllt sind, bringt man in die Rinne einen Gummiring, legt oben auf den Glasrand ein rundes -3tntt Pergamentpapier und drückt den Blechdeckel fest auf. Dadurch wird der Gummiring über den Wulst gerollt und bildet so einen sehr guten Verschluß. Die Gläser werden in einem gewöhnlichen Kochtopf mit flachem Boden die entsprechende Zeit gekocht. Sie können dann herausgenommen Und zum Erkalten beiseite gestellt werden. Den Kochtopf kann man sofort mit neuen Gläsern beschicken. Durch diese Arbeitsmethode wird viel Zeit, Feuerung und Geld gespart. Nack dem Erkalten ist auch bei diesen Gläsern, em VaMum entstanden, was ein so festes Verschließen bedingt, daß die Deckel nicht ohne weiteres entfernt werden tonnen. Erst nachdem durch eine kleine Blechzunge der Gummiring etwas eingedrückt wurde und dadurch Luft eindringen konnte, laßt sich der Verschluß öffnen. Es ist leicht einzusehen, daß sich die in einem so gut verschlossenen Glase befindlichen Konserven s ehr lange halten. Denmicbte». * HotelLränd'e. Durch den Brand des Londoner Carlton- Hotels', eines der schönsten und vornehmsten Etablissements der britischen Hauptstadt, des Kurhauses in Pyrmont und einiger Pensionshäuser auf Helgoland ist die Feuersicherheit der Herbergen der internationalen Reisegesellschaft wieder zur Diskussion gestellt. Besonders handelt es sich um iene vielgeschosiigen Riesen- häuscr, die ein halbes oder gar ein ganzes Tausend Gäste bequem mifnehmen, mit allem Lurus umgeben imb glänzend bewirten können. Sie erscheinen als außerordentlich komplizierte Organismen, die, falls sic gut und sicher funktionieren sollen, einer ebenso Aufmerksamen Ueberwachung wie die eines modernen Schnelldampfers bedürfen. Das große Publikum macht sich diesen Organismus nie so recht klar, weil er ihm in fernem ganzen Untrangc entzogen blecht. Liftverkehr, Telephonverkehr, Heizung, Ventilation, Beleuchtung, Kanalisation, Badeeinrichtimg, Küche, Bäckerei, Kellerei, Kühlräume, Wäscherei, alle diese Notwcndigteiten des Komforts bedingen viele Kilometer Rohrleitungen und elektriicher Kabel, zahlreicher Mkumulawren, Dampfkessel und Motoren, die mit ihren Kräften an -den verschiedensten Stellen des Riesenbaues in Aktion treten müssen. Nur der Ingenieur vermag diesen, Organismus vollkommen zu überschauen und in ordnungsmäßigem Betrieb zu erhalten. Seine Verantwortimg steigt noch in den hoch zu den Wolken ragenden Riesenhotels Neuyorks, Chicagos und anderer amerikanischer Großstädte, weil bei etwa ausbrechendem Brande die Rettung durch die Höhe der Bauten imb die im Erdgeschoß untergebrachten Ladengeschäfte erschwert wird. Aber mich die Gäste müssen sich ihrer Verantwortung bewußt sein. Nur zu oft liegt die Schuld einer Brandkatastrophe bei ihnen. Der vergißt vor dem Schlafengehen die Kerze auszulöschen, der raucht im Bett, der läßt die brennende Zigarre auf der Tischdecke liegen, der wirft achtlos ein glimmendes Streichholz fort, geschweige der vielen anderen Nachlässigkeiten, die zu kolossalen, Bränden auswachsen. Aber im Grunde genommen kommen solche Katastrophen trotz der Unsumme der Hotels und Pensionen und trotz des gewaltigen Reiseverkehrs ziemlich selten vor. Beim Bau wird eben auf Feuersicherheit der höchste Wert gelegt, wie denn wich die Erfahrung eine Summe von Fingerzeigen ergeben hat, die überall beachtet werden. Die wundesten Stellen sind noch immer die Lift- unb Bentilationsschächte, sowie die Speiseaufzüge, weil sie, wenn nicht richtig angelegt, wie Schlote wirken und das Feuer von Stockwerk zu Stockwerk tragen. Wer auch diese Schwächen sind mehr und mehr im Schwinden begriffen. Ohne Uehertrinbung und trotz des Brandes im Carlton-Hotel und des vorjährigen im Karersee-Hotel in den Dolomiten läßt sich be- haupttm, daß man in den modernen Rieseuhotels sehr sicher wohnt. Einen sprechenden Beweis liefert Berlin, das feit dem Jahre 1875 keinen größeren Holelbrand aufzuweisen hak. Damals brach ent Großfeuer im „Kaiserhof" aus. Am 1. Oktober war der umfangreiche Bau eröffnet worden, und schon am 10. Oktober, einem! Sonntag, loderten in früher Morgenstunde die Flammen zum Dachgeschoß heraus. Die 250 Gäste konnten sich noch rechtzeitig n Sicherheit bringen, aber ein großer Teil des prächtig ausgestatteten Gebäudes fiel trotz des schnellen Eingreifens der (Feuerwehr dem verheereichen Element zum Opfer. Die Ursache des, Brandes, der sich von oben nach unten entwickelte, ist nie so recht aufgeklärt worden, jedenfalls sind beim Wiederaufbau der vernichteten Gebäudeteile vermeintliche Mängel, insbesoichere vier große Ventilationsschächte, die von der Decke des Speisesaales durch alle Geschosse emporfiihrten, und eine Anzahl Holzwand« im Dachgeschoß, vermieden worden. * Adam Oehlenfchläger, von feinen Zeltgenoßen auch außerhalb seiner engeren Heimat der „Goethe des Nordens" genannt, gehörte bei Zeinen Lebzeiten zu den geieiertsten Dichtern Europas. Wohin er aus feinen zahlreichen Reisen auch kommen mochte, war es Deutschland, Oesterreich, Frankreich oder England, überall wurde er als der nordische Dichterfürst empfangen. Alle Welt erkannte ihm willig diesen Rang zu. Bei seinen Landsleuten genießt er auch heute noch einen Rui wie in Deutschland unsere großen Klassiker. Es mag um so verwtmderlicher erscheinen, daß er trotzdem in Deutschland bis auf den Namen last völlig in Vergessenheit geraten konnte, zumal er doch das Deutsche wie seine Muttersprache beherrschte und von fast allen seinen Werken selbst deutsche Ausgaben veranstaltet hat. Es hat dies seinen Grnnd ivohl darin, daß er hauptsächlich für die Bühne schrieb nnd daß er deshalb aus dem Gesichtskreis des Publtknms verschwand, sobald seine Dramen durch Neueres von der Bühne verdrängt waren. Ist es doch selbst großen Dichtern unseres Vaterlanves - wir erinnern nur an Hebbel — Jahrzehnte lang ähnlich ergangen. Ferner mag schuld daran sein, daß er nut seinen Prosawerken in Deutschland nicht bekannt wurde, daß sie, nachdem eine erste Austage bei Cotta vergriffen war, nur innerhalb feiner gesammelten Werke zu haben waren, die noch im ersten Drittel deS 19. Jahrhunderts in Breslau erschienen, das damals noch völlig außerhalb der Ute» rarischen Bewegung in Deutschland lag. Beschwert sich doch auch Hoffmann von Fallersleben, daß seine damals in Breslau erschienenen Bücher so gut wie totgeboren waren. Nun ist in dem tätigen Holbein-Verlag in Cannstatt eine neue Ausgabe erschienen, der Pros. P. Lang eine prächtige Ausstattung gegeben hat. Mit diesem Neudruck der „Inseln im Südmeer" soll ein bebeutenber Dichter für unser geistiges Leben neu erweckt werden. Es ist für uns Deutsche von doppelter Bedeutung, beim es ist eine Neubearbeitung, d. h. völlige Neuschöpfmia des alten Volksbuches von der „Insel Felsenburg", das Oehlenschläger hier allerdings nur als Rohstoff benutzte, um nu§ ihm ein völlig selbständiges klassisches Werk der Erzählnngskunst zu formen. Der geblldete Literalur- freund wird diese literarische Neuentdeckung als ein höchst interessantes Literatur- unb Kulturdenkmal gern zur Hand nehmen; für den Leser, der mir zu Seiner Unterhaltung zum Buche greift, unb selbst für bie reifere Jugend ist es ein Werk, das heute noch den gleichen Enthusiasmus erwecken dürfte, wie zu Zeiten des jungen Goethe, und das noch für Jahrhunderte lebendig bleiben kann, denn nur wenige Bücher gibt es, die in gleichem Blaße unterhaltend find wie „Tie Inseln im Südmeer'. Daß das Werk dabei für Volk und Jugend in geschichtlicher und kulturgeschichtlicher Beziehung auch außerordeiitlich belehrend ist, gestaltet es zu einem Volksbuche, das seinesgleichen sucht, und das deshalb in keiner Volks- und Schulbibliothek >ehlen sollte. Professor Richard M. Meyer, der bekannte Literarhistorlker' und Goelheforscher, hat dem Roman eine Einleitung vorangesetzt, welche die literatur- und kulturgeschichtliche Bedeutung des alten Volksbuches feststellt und des weiteren erläutert, in welchem Verhältnis Oehlenschlägers Bearbeitungs baju steht, und worin die besonderen Vorzüge der letzteren zu erblicken sind. .* Auch eine Auskunft. „Wie komme ich am schnellsten in bas städtische Krankenhaus?" — „Ganz einfach, gehen Sie mal dicht vor der Elektrischen über die Straße!" * In junger Ehe. „Sei nicht böse, Fritz, ich habe heute das Essen anbrennen lassen!" — „Gott sei Dank, liebes Klärchen» b