u ■'S D W\ 'i herzrloldk. 8?omtöt von Georg Freiherrn von OmpkeöG (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ging nun endlich der Winter zu Ende. Es regte sich in der Natur. Leise überzogen sich Sträucher und" Baume mit grünem Hauch. Der Rasen begann «andere Farbe zu gewinnen, der Zauber des Lenzes hob an. Draußen die Obstbaumpflanzungen färbten sich weiß und rosa, es rieselte nieder von den Zweigen, und -das Gras, das nun schon kräftig gedieh, war wie nach einem leisen Schneefall mit einzelnen Klocken bestäubt. Dann kam die Wärme. Die Sonne lachte am Himmel, ein weicher Wind strich über die Saaten, lleberall grünte uüd sproßte cs, und als sich allmählich, Fingern gleich, aus den Kastanien die Blätter streckten, und als sich die Stengel emporschoben in allen Pflanzen und auseinanderfalteten, da ward mir wie jedes Jahr, wenn der Lenz in die Lande kommt, wieder seltsam frisch zumut, freudig, als ginge es irgend einem Unerwarteten entgegen. Die Besichtigungen kamen. Auf dem weichen Exerzierplatz, der durch die letzten Regen seine Pflasterhärte verloren, galoppierten die Schwadronen. Die hohen Stäbe erschienen. Wir ernteten Lob. Mit klingendem Spiel zogen wir heim. Es ward Sommer. Das Regiment stellte sich zusammen. Hoch standen nun die Felder in Saaten. Da kamen wieder die Stäbe, und in einsamer Weite vor der Front hielt ich, während mein Säbel knielängs fiel. Die Trompeten klangen. Ich übergab den Frontrapport, nachdem ich mich ihn Bogen an die Seite des obersten Kriegsherrn gesetzt hatte. Mn der Front ritten wir hinab. Ich durfte mein Regiment vorführen, wie ich wollte. Wir exerzierten kurz und schnell, jede Muskel ward angespannt, jedes Pferdebein stand am rechten Fleck, jede Pferdenase dort, wo der Reiter sie haben wolltet Signale, Kommandos und Winke wurden richtig auf genommen. Wie em Spektakelstück zog das Ganze vorbei, und mit wildem Hurra kam am Schluß die Attacke. Geschlossen, zusammen- gedrangt, mauepgleich wie ein Wall. Dann stieg hoch die Staubwolke in die Lüfte, und als sie sich verzogen, stand das Regiment da mit prustenden und schnaubenden Pferden, unbeweglich die Reiter, und während die Drompeten schmetterten, sank wieder knielängs der Säbel. , Dann kam die Majestät, ritt am Regiment vorbei und sah all die Zungen frischen Burschen an, denen die Freude Ms den Augen lachte, daß alles geklappt hatte und gut "gegangen war. Mr wurden gerufen: „Die Herren Offiziere!" Und unser Herr und Kaiser sprach. Er reichte mir feie Hand. Es waren nur Worte des Lobes. Ich beugte mich nieder auf den Hals meines Pferdes. Dann kam die Standarte nach vorn, die Drompeter an die Tete, und die Majestät mit all dem glänzenden Stabe in seinen bunten Uniformen, mit seinen Orden und Schabracken und trippelnden, tanzenden Pferden ritt hinter der Musik. Das kleine Städtchen hatte geflaggt. Aus allen Fenstern hingen die Fahnen. Die Menschen drängten sich, die Schulkinder waren aufgestellt. Weißgekleidete Jungfrauen kamen mit dem Bürgermeister. Stadtobrigkeit, Behörden, alles war versammelt. Ein Fest und ein Jubel und Trubel. Dann wartete der Zug, und wir standen am Bahnhof. Ein Gruß. Wie die Mauern standen wir, die Hand am Helm. Es zitterte der Boden. Immer kleiner ward der letzte Wagen, Und als der Schienenstrang einsam lag, wandte ich mich zu meinen Herren und sah nur glücklich strahlende Gesichter. Dann ward das kleine Nest wieder still und einsam, und eines Tages hing ich den bunten Rock in den Schrank, und mit dem Reiseanzug stieg ich in den Zug. Die Felder ivvgten während der Fahrt rechts und links im leichten Wind wie ein riesiges gelbes Meer. Ich lehnte im Coups in der Ecke, mir war es, als iväre ich Jahre jünger, fester, sicherer, kräftiger geworden, und während ich die Augen schloß auf der kurzen Fahrt, lächelte ich manchmal vor mich hin und fühlte mich wohl und! glücklich. Ich schlief ein und begann zu träumen. Ich weiß nicht mehr, was es war, etwas Gehobenes, Freudiges, Glückseliges. Etwas tote in meinen jungen Jahren, als ich den Mädchen unter den Hut geschaut, als mein Herz so lichterloh brannte, mein armes, wandelbares Herz, täglich für eine andere. Ich dachte: Was tue ich in Berlin: Wo gehe ich hin? Ich hatte keine Pläne, nur den Urlaub. Aber es würdig sich schon etwas finden. Sollte ich nach Süden, nach Norden? Mir war alles gleich. Als der Zug dann einlief, rieb ich mir die Augen, fuhr empor, nahm Ueberzieher und Stock und bummelte, nachdem ich meine Sachen in das Hotel Unter den Linden geschickt, langsam die Straße hinunter. Ich ging langsam, immer langsamer, denn es war heiß/ und. mir schwebte nur der eine Gedanke vor: du hast Lob geerntet, und dein Kaiser war zufrieden. In meinem Herzen war ich meinen Herren dankbar, die alle ihre Pflicht getan hatten, den Unteroffizieren, dis durchs Feuer gingen für mich, das wußte" ich, und all den Kerls im ganzen Regiment, den „'Musterknaben", tote beit „Schweinehunden". Denn auch der letzte, der tausendmal gewiß daneben gehauen, hatte diesmal fein armes Hirn zusammengenommen, und reinen konnte man tadeln. Da überlegte W so: Jetzt sollte Krieg fein. Mit diesen Sechshundert hättest du keine Not, die ritten blind in den Feind. Und ich hob den Stock, als ginge ich in die Auslage, als säße Hieb und" Stich. Aber ich kam zur — 382 — Wirklichkeit: ich war in Berlin auf der Straße. Ich war ein älterer, gesetzter Herr. Ich war Oberst unb Regimentskommandeur, da mußte man schon würdig tun. Doch nur ein menschliches Wesen hätte ich totinachen können gerade vor mir eine Dame, die langsamer ging als ich. Schlank, blond. Schlank? Blond? Mein Gott! Und ich beeilte mich. Ich lief an ihr vorbei und sah ihr Unter den Hut! Dann ein Ruf: — Herzeloide! Sie blieb stehen, sie schien erschrocken, sie blickte mich all. Beide Hände streckte ich ihr entgegen: — Herzeloide, was tun Sie hier? Sie war purpurrot geworden. Wie sah sie aus? Wie eiitft? War sie älter geworden. Ich weiß es nicht. Ich sah nur dies liebe, freundliche Gesicht und fühlte nur den Jubel im Herzen: jetzt ist es gekoulmen, worauf du gewartet hast. Dies Aussprechen mit ihr, zu hören voll der Vergangenheit. Sie stand vor mir, und allmählich ebbte die rote Glut aus ihrem Gesicht zurück. Sie sagte nur: Sie? — Ja, warum nicht ich? Ich habe Sie so lange nicht gesehen. Ich wollte ihre Hände nicht loslassen. Ich drückte sie immer wieder. -— Sieben, sieben, ja sieben Jahre. Sie hatte es sofort gewußt, und ich wiederholte nur: t— Wirklich sieben Jahre? Dann fragte ich: — Warum habe ich nichts von Jhnell gehört? Sie schlug die Augen nieder: i— Hörte ich von Ihnen? Nein, aber Sie koirnten mir doch schreiben. i— Ich Ihnen? Ich wußte doch nicht, ivo Sie toareit. Sie sagte nicht das gleiche. Unwillkürlich waren wir Miteinander weitergeschritten. Ich hätte am liebsten mich in ihren Arm gehängt. So ging ich denn dicht neuen ihr, und nun begann ich zu fragen. Was sie hier täte, ivo sie wären, ivie es ihr gegangen in der Zeit. Auch sie begann zu fragen, und es ging hin und her. Mir war es uichst als ob wir uns so lange nicht gesehen hätten. Gibt es nicht Menschen, mit denen man nach acht Tagen immer neu anknüpfen muß? Herzeloide war, als ob sie .gestern noch vor mir gestanden, in ihrem schwarzen Kleide, als sie damals dies „Heimgegangen" gesprochen hatte. Ich erzählte ihr alles aus meinem Leben. Ich sprach von der Zeit dort oben auf der Bajoletthutte, wo ich gesund geworden war und mich wiedergefunden hatte. Wie ich dann un Elsaß geweseii, wie ich das Regiment jetzt hätte. Ich teilte ihr mit, aufgeregt, als wäre ich fünfundzwanzigJahre jünger, wie wir abgeschnitten, was Majestät gesagt. Ich erzählte es ihr nicht, als ob ich der Kommandeur wäre) sondern irgend ein junger Leutnant, der vor seinem Zuge in der Front mit hielt, ein junger Leutnant, der ebon Herzeloiden getroffen in ihrem Kleide mit den seltsamen gemusterten Herzen, und der sie eben erst gebeten hätte, sie so nennen zu dürfen. Wissen Sie noch, wie ich Sie damals darum bat? Wissen Sie, daß ich einen anderen Namen nicht ftuinto? Wissen Sie, daß, ivenn ich Ihnen hätte schreiben wollen, ich hätte anfaugen müssen: Liebe Herzeloide? Liebe, darf ich denn das? Sie nickte. „Liebe" darf ich sagen? Sie wandte sich zu mir, und wieder ging ein leichtes Rot über ihre Wangen: b— Was sollten Sie anderes schreiben? — .Sie haben recht! — sagte ich und gab ihr die Hand. Und wie ich ihre schmalen, kleinen Finger in den meinen fühlte, war es mir, als sollte ich' sie nicht wieder loslassen. Ich ging nicht zu meinem Hotel, ich folgte ihr. Wir fuw eine. Stunde t— was weiß ich — zwei Stunden zu- samuieu spazieren gegangen, und wahrend der.Zeit erfuhr ich glles. Sie lebte draußen im Westen mit ihrer eilten Nichte MsaMinen, die andere hatte sie verheiratet. Endlich trennten wir uns. Wir verabredeten eine Zeit, wo ich hinauskommen sollte, in ihre Wohnung sie zu besuchen. — Denn wir haben ja noch nichts gesprochen. Ich muß alles wissen, ganz genau. — Interessiert Sie das? »- Das wissen Sie doch. Und sie schien es zu wissen. (Fortsetzung folgt.) Sm Spaziergang durch die Feldmark von Hochelheim. Aus beut Hohlweg schwinge ich mich auf den Raiih drehe mich mit, und mein Blick schweift über vier Ortschaften, die, umgeben von Wiesengründen, im Kleebachtal liegen. So aus der Ferne betrachtet, sieht mein Heimatdorf sehr schön ans. Aus einem Hain von Obstbäumen ragen die braunen Ziegeldächer, zwischen benett_ sich der arme Dachreiter des. Kirchleins bescheiden in die Luft streckt. Aber breitspurig steht das „steinerne Haus" da mit seinem großen Schieferdach, wie ein reicher Bauer unter armen Tagelöhnern. Es ist ein Bau, dessen unterstes Stockwerk aus dicken Mauern besteht. Die Dachfahne trägt die Zahl 1632. Und zweifellos hat das Gebäude in jener wilden Zeit den Einwohnern Zuflucht vor plünderndem Kriegsvolk gewährt. Vor einigen Jahren hatte der Ausgang nach der Rückseite noch eine mächtige, eisenbeschlagene Eichentüre, die durch einen dicken Schiebebalken verriegelt werden konnte. Die Räume sind so groß, daß sie der damals geringen Einwohnerzahl Nnterlimst boten. Ein Raum auf der Rückseite zu ebener Erde war vor kurzem noch mit rohen Steitiplatten belegt, und man dürfte in der Annahme nicht fehlgehen, daß die Flüchtlinge einiges Vieh hier untergebracht haben. In den zwei übereinander liegenden Speicherräumen unter dem ungewöhnlich großen Dach ließen sich genug Nahrungsmittel für Mensch und Vieh unterbringen. Jetzt hat die alte Dors- festung manches von ihren alten Einrichtungen zu Gunsten neuzeitlicher Bedürfnisse verloren. Und nicht viel mehr als die Ausdehnung und der Name erinnern an die alte Bestimmung, Bis vor kurzem verschenkte der Steinhäuser selbstgebrautes Bier, Jetzt trinkt man dort Lagerbier. Auf einem schmalen Fußpfad wende ich mich nach Süden unb! wandle längere Zeit unter Kirschbäumett dahin. Wohl 50 Grund- .stücke liegen hier, je mit sechs bis zehn Bäumen bestanden, der Stolz meiner Landsleute. Die „Torngräben" heißt das Flurstück. Und nicht nur der Name erinnert daran, das; hier vor nicht allzulanger Zeit noch eine Wüstenei vorhanden gewesen ist. An der Südseite sehen wir noch Gräben, mannstiefe Wasserfurchen, Die Abhänge sind mit Schwarzdorngestrüuch bewachsen, das hie« int Kampfe gegen menschliche Kulturarbeit hartnäckig sein Dasein fristet. Jeden Herbst, bei der Bestellung, reißt hier der Baue« ein paar Furchen von deut wurzeidurchwachsenen Boden ab, obwohl er weiß, daß die Körner, die er hineinstrent, verlören sind. Denn im tiächsten Jahre hat das „RupsgraS", der zähe Vorkämpfer der Unkultur, das Weggenvmmene wieder zurückerobert und ist weit in bett Acker vorgedrungen. Es legt den Bvben in so harte Fesseln, daß diese nur ein gut bespannter starker Pflug brechen kann. So wird hier ein harter, nie rastender Kampf geführt. Auf solche Weise sind bie ganzen Dorngräben urbar gemacht worden. Als die freigelegten Plätze noch kein Getreide trugen, pflanzte man Kirschbäume hinein, denn der Bauer setzt überall, wo er nicht säen kann, an Rainen und Wegrändern, Bäume. Hier, auf dem schlechten Boden ber Dorngräben, sind bie Kirschbäume prächtig gebiehen, und besonders bie wenig Vermögenden, die in dieser dürren Gegend ihr Ackerland haben, ziehen erheblichen Gewinn ans bem Verkauf des schönen Obstes. Zur Zeit der Kirschenernte zieht in Hochelheim eine Stimmung ein, wie bei ber Weinlese am Rhein. Nach dem Kleebach hin senken sich die Kirschenstücke terrassenförmig. Das „Road" (mit dem eigentümlichen Zwischenlant von a zu v) nennt man dieses Stück der Gemarkung. Die Raine sind zum Teil noch mit Schwarzdorn be- wachseii und legen Zeugnis ab, daß die Rodungsarbeiten vor nicht allzu langer Zeit stattgefunden haben. Den Pickel kennt der Hochelheimer nur unter dem Namen der „Rodhacke". Armen Leuten gehören die Grundstücke auf dem Road meistens, und bei den wohlhabenden Leuten findet man nur selten jenes Werkzeug, für das sic feine Verwendung haben. Es ist dünnes „Körnchen", das auf jenem Felde wächst, und in trockenen Jahren lohnt es kaum', den Hafer zu schneiden. Wenn man dem Bauern zusieht, der am Raine mit seinen Meinen Kühen pflügt, kann man sich eine Vorstellung machen, welcher Fleiß dazu gehört hat, diese Oede dem Menschen dienstbar zu Machen. Mancher andere Name in der Hochelheimer Feldmark erinnert daran, daß der Boden noch nicht lange urbar gemacht worden ist. Nach Nordwesten hin liegt das „Mouer" (Moor), ein Wiesengrund, den vor etwa 40 Jahren ein Vorsteher durch Gemein-de- arbeit hat trocken legen lassen. Noch häufiger tarnt man jirt Sommer an dem fetten Gvüs die Achlangeuwinduugen und Inseln 363 — erfeinten, die der jetzt gestreckte Geschtviudbach bildete. Und wenn man nach Langgöns geht, sieht man Unterhand eine prächtige, zwei Morgen große Wiese, deren Name „schinupmtzh noch daraus hinweist, daß der Ort der Gemeinde früher als Schindanger gedient hat. Er ist erst in den achtziger Jahren urbar gemacht worden. _ , , 1 _ m , .. Doch schon sind wir ins Tal gekommen. Der Jteimge Boden knirscht nicht mehr unter dem Tritt, der Fuß tritt in fettes elcker- land. Jenseits des Baches sehen wir ein «eines Wäldchen, das „Rotlaub". Ob auch dieser Name eine Erinnerung an die Rodungsarbeiten bildet, kann ich nicht entscheiden. Bor dem Gehölz liegt eine Mühle einsam int Tale. Zwei andere noch treibt der Kleebach in der Gemarkung. Sie sind beide Geselllchaftsmühlen geworden, in denen jeden Tag eilt andrer Bauer sein Getrewe mahlen läßt. Die Zeiten, in denen die Müller zu den wohl? habendsten Leuten des Dorfes gehörten, sind längst dahtm Bis in die siebziger Jahre war Bargeld int Dorfe noch eine Seltenheit. Es herrschte noch vollständige Naturalwirtschaft. Wenn der Handwerker um Weihnachten feine Rechnungen austrug, dann nahm er wohl gleich den Sack mit, um die Bezahlung in Korn zu empfangen. Heute noch sieht dem Altsitzer ein bestimmtes Quantum Getreide zu. Als dieses noch das häufigste Zahluugs- mittel war, da war das goldene Zeitalter der Müller, ^eber Bauer brachte sein Korn in die Mühle, und der Müller machte sich bezahlt durch den „Molter". Das war das Maß Getrewe, das er einbehielt. Wegen des Gewichtsverlustes, den das Korn beim Reinigen erfuhr, ließ sich der Molter vom Bauern nie genau nachprüfen, und die Muller standen bei ihren mißtrauischen Kunden in punkto Redlichkeit nicht im besten Ruf. Zur Abwehr der ewigen Quängeleien führten sie ein grobes Mundwerk, und was sie sagten, brachten sie aus alter Gewohnheit auch außerhalb ihrer Mühle in schreiendem Tone zum Ausdruck. Ich erinnere mich an einen groben Müllersohn, der in das Hoftpr hinembrüllte: „Raut so mocihn?" (Nichts zu mahlen.) Und als der Bauer zu einer langem Rede ausholte, daß der Molter das letzte Mal gar zu grpß gewesen sei, schrie der weiße Mann: ,?Behalt's' und verschwand. Bon demselben habe ich noch das Berschen: Mir Miller, mir wiesse's de best Mir molten vom Malter e Mäst, En wann die Bauen dann net wonn schwcic?) Dann neamme mer'n a noach die Kleie. Die meisten Müller sind nun verschwunden. Mancher sitzt als Mahlknecht auf einer Gescllschaftsmühle, die früher sein eigen Ivar. Der letzte auf der Vor mir liegenden Mühle war ent harter Mann, der seinen Existenzkampf schwer gekämpft hat, in dem er schließlich erlegen ist. Nicht wenig hat zu seinem Untergang die Jagdleidenschaft bcigetragen. Er konnte sich nicht von der Anschauung frei machen, daß das Wild Gemeingut ^set. (Diese herrscht auch jetzt noch bei den Bauern. Der zuverlässigste, rechtlichste Mann heißt jeden Hasen, der ihm in die Hände fällt, ohne irgendwelche Skrupel mitgehen. .Tie revolutionäre Betätigung anno 1848 bestand darin, daß jeder, der sich ent Schießeisen beschaffen konnte, auf die Jagd ging. Bekanntlich haben die Bauern damals , den Bestand an Hochwild in Tenizchland ziemlich ruiniert.) Ämend, so hieß unser Müller, war eilt großer Schütze. Roch heute erzählt man sich von ihm folgende Geschichte: Drei Hasen spielen Skat. Der eine sieht sich um : „Der Förster kommt!" Tie andern: „Nach drei Runden!" — Ter erste nach einiger Zeit: „Der Albert kommt!" Die andern: „Tas Spiel zu Ende!" — Wieder nach einiger Zeit: „Der Amend kommt!" Alle: „Karten weg! fort! !" Ich gehe über den Bach an einem Steinbruch vorbei, den die Hochelheimcr Pfingstberg neunen. Anch hier wieder der jähe llebergang von dem fetten Grund des Bachtales, zu dem steinigen Boden der Höhe. Der Weg führt über einen kleinen Wiese«-? gründ, „die Schwitz", auf dem ein paar Quellen entspringen.. Ich bin auf dem Kamm einer Bodenwelle angeiommen und sehe wieder das Dorf zur linken; zur rechten liegt ein Erlenschlag, der „Raumbach". Dort ist an und für sich schwerer Boden. Er trägt aber nur in trockenen Jahren gut; int nassen tootnnter ist es hier zu feucht. Lange ist erfolglos um diesen Boden gerungen worden. Jetzt wartet man aus den Erfolg einer iünst- gcrechten Drainage. Die Flur auf der ich stehe erinnert an die Vergangenheit des Dorfes. Es ist der „Zeahnerfrei". Bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war er die einzige Stelle der ganzen Dorsmark, die frei war vom Zehnten. Dieser wurde an das Stift zu Wetzlar bezahlt. Es war dies wahrscheinlich die Rechtsnachfolgerin eines säkularisierten katholischen Kirchenbesitzes. , Aeltere Leute erinnern sich noch lebhaft M diese Zeit der Steuerpflichtigkeit. Wenn es gegen die Ernte ging, wurde vom' Stift ein „Zeahnerinecht" eingesetzt. Das war meist der Lehrer, denn einem Bauern wagte man diese Vertrauensstellung nicht zu geben, weil diese über den Zehnten ähnlich dachten wie über die Jagd. Ter Zehntknecht ging nun mit einigen Leuten aufs Feld und nahm von jedem Hausten. " eine Garbe. Der Hausten wird heute noch ebenso zusammengesetzt wie damals. Eine Garbe wird senkrecht ausgestellt, und an diese werden acht andere ängelehnt. Dann stellt der „Hänster" •*) schweigen, eine zehnte auf den Kopf, knickt die Halme über das Strohfeil nach auswärts und stülpt den so gewonnenen Hut auf die stehenden. So sind die Aehren und der längere Teil der Garben vor Regen geschützt und die Winterfrucht kann bis lange in den Herbst hinein stehen bleiben; die Einfuhr kann so zugunsten; notwendigerer Arbeiten aufgeschoben iverdeu. Das Verfahren bietet noch den Vorteil, daß das Getreide ordentlich anstrockuet und das Unkraut verdorrt, so daß die Moderung in der «cheuue verhindert wird. — Von jedem dieser Hausten lieg nun der Zehntknccht eine Garbe herausziehen; dann wurde die ganze Beute auf Hansen getragen und versteigert. Damit , die wichtigsten Konstrnttiousteile des Hauslens nicht zerstört wurden, war es verboten den Hut ans den „Mittleren" zu nehmen. nn diese beiden wurde infolgedessen so viel hineingebunden als das Wtroh- seil zu fassen vermochte, eine Gewohnheit, die den Bauern so in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß sie heute noch geübt wird. ■— Im Laufe der Zeit sind diese drückenden Laften abgelost worden. Es ist dabei zu einer großen Anzahl von Prozessen, gekommen. Dabei, ist eine sehr milde Rechtsprechung geübt wor- deii/ denn ich habe von den Leuten, die oft darüber sprachen, nie klagen hören. In einem Nachbardorf trägt noch eine Familie den Namen „Stiftewaltersch" (Stiftverwalter), eine dauernde Erinnerung an jene Zeit drückender, lähmender, zweckloser Uvgaben, Dieser Name erinnert mich daran, wie stark die Abneigung unseres Landvolkes ist gegen unsere Namen denen so ganz das Bezeichnende, Persönliche fehlt. In ganz seltenen Fallen werden die Menschen mit ihrem Schreibnamen gerufen. _ Tue Bezeichnung richtet sich nach der Beschäftigung, nach der Größe,cher Haarfarbe, der Ticke usw.: Woahnisch Weißer, schustisck schwarzer. Oft wird die Beschäftigung mir dem Rufnamen ver.biinven,^>vchulter- 'Hannes, Schmied-Karl. Der Bauer hat viel smn für Tradition. Das geht daraus hervor, daß der Name des Hauses auf einen neuen Besitzer übergeht. Dieses wird dann mit dem Rusnamen oder einer körperlichen Eigenschaft verbunden. Ein Mann, der Johannes Jung heißt, hort diesen Namen nur von Behörden; unter seines Gleichen ist er je nach dem Grad der Freund, chach Rerns-Hannes, Nerns-Großer oder Nerns-Langer, wen er ent Haus bewohnt, das von einem Nern erbaut worden ist. Dep Name Nern ist längst ausgestorbeii. Tiefe Art der Benennung ist wohl die häufigste. Manche Namen erinnern au eine Frau die durch große Tüchtigkeit, Tugend oder bereit Gegenteil hervor- ragte. Sine Familie trägt den Namen „Liese" obwohl die Lies, eine Frau mit starken männlichen Eigenschaften, nur noch tit ber Erinnerung lebt. Aber das Haus trägt den Namen, und die Söhne, die es verlassen mußten, haben ihn mitgenommen. An die Lisbeth, die einer andern Familie den Namen gegeben hat, habe ich keine Erinnerungen mehr feststellen tonnen. n» vielen Namen steckt ein Stück Geschichte, s-er Knorrhof liegt eine Stunde vom Dorf in einer anderen Gemarkung. ~tv verschiedenen „Kuorrhöser" sind sich ihres Zusammenhanges nut jenem Hof gar nicht mehr bewusst, aber der Name bezeugt ihn. An das Steinhaus erinnerte ich schon. Die Steinyauscr haben sich im Dorfe verbreitet, nnd sie haben keine Beziehungen mehr zu ieitern Haus, aber die Bezeichnung haftet ihnen an wie einer Adelsfamilie der Name eines längst verlorenen Gutes. Von manchem alten Bauern, der sich ein Haus baute, das seinen spateren Bewohnern den Namen gab, habe ich mir erzählen lassen Es waren harte, fleißige, eigenartige Männer. Einen habe ich noch als ganz kleiner Knabe gesehen; jetzt noch sind schnurren von ihm im Umlauf. Er war einmal bei andern Bauern zum Kaffee. Nun erforderte es die Sitte, daß man sich bescheiden die erste Schnitte Brot mit Honig .(Zwetschenmus), die zweite mit Schmter- käs und die dritte erst mit Butter bestrich, klebet diesen Branch setzte sich unser Freund hinweg mit ben Worten: „Wmn ich guten Honig habe, lasse ich Schnnerkäs stehen und esse - Butter. Ein Schlemmer aber scheint , er nur gewesen zn sem, wenn e», mit fremde Kosten ging. Wenigstens wird heute noch von ihm erzählt, daß er abends, wenn er seine.Dickmilch mit Kartoffeln gegessen hatte, sich vor das Tor stellte und in den Zahhnen stocherte, wie wenn er die Reste einer reichlichen, .Fleischmahlzelt beseitigen wollte. Ob er hiermit täuschen oder sich selbst ironisieren luollte, darüber haben sich seine Nachkommen iind die anderen Leute noch nicht geeinigt. Jene wollen es übrigens auch nicht wahr haben, daß ihr Ahn an warmen Sonntagen ohne Hosen in den Wiesen spazieren gegangen sei. „ Ich bin auf den Weg gekommen, der nach Langgon» wirft Einige Kilometer östlich von Mit überschreitet die bcs, ww Grenze. (Hochelheim ist seit 1814 preußisch.) Vor dem oinfniwc- kommeil des Deutschen Zollvereins war hier eilte Zollgrenze, Midder Schmuggel blühte wie in alten Teilen nuscirs Vate lande». Die Hochelheimer waren eifrige Schmuggler, ».a» ja eines ber ärmsten der Umgegend, und der Schmuggel. war eine Hmipteimiahmegnelie seiner Bewohner. Viele ^aren smnc w der großen Heerstraße, Kassel—Franknirt, (bie letzt von vc,l E.scn- pahii begleitet wird), über Hochelheim unerkaiibten Eingang M den Kreis Wetzlar. Eine alte Fran hat mir viel davon er ah ft das meiste hatte sie auch noch voii Hörensagen. Cm « Schmuggelartikel war der Schnaps, der in Langgonsgcbianit wurde. Tort gibt es heute noch Faimlieu, deren Wohlstand auf iene Zeiten znrückgeht. Trotz der Aufmerksamkeit der Gienz- beamten hat das Hefchäft sehr geblüht. Die Unternehmustgen 364 tourbeit vst sehr plänmÄM ius Werk gesetzt. Au einer Stelle wurde ein Scheinübergang gemacht, von dem sich vorher die Kunde Verbreitet hatte. Ein Teil der Schmuggler, die stroh- gefüllte Säcke trugen, zogen auf diese Weise die „Dumier" auf sich, und während dessen passierten an einer anderen Stelle die Waren die Grenze. (Schluß folgt./ Vermischtes. ' Ein Meerungeheuer. Die englische Schiffahrts- Gesellschaft „White Star Line" hat soeben ihren zweiten Riefen- dampier von Stapel gelassen. Seinen Dimensionen entsprechend ist er „Titanie" getauft. Die „Titanie" ist 270 Meter lang und 28,50 Meter breit. Sie hat ein Deplacement von 66 000 Tons und ihre Maschinen entwickeln 46 000 Pferdekräfte, ihre Schnelligkeit soll 21 Knoten betragen. Dieses Wunderwerk repräsentiert die bis jetzt höchste Stufe der Schiffsbaukunst. Es ist mehr mit Rücksicht auf Komfort als auf Schnelligkeit gebaut. Trotzdem ist die Schnelligkeit von 21 Knoten tatsächlich nur um 5 Knoten geringer, als die durchschnittliche Geschwindigkeit des schnellsten der Ozean- Dampfer, der „Mauretania". Das Schiff ist 90 Meter langer als die Dreadnoughts, und seine Turbineit-Maschinen allein umfassen 420 Tons, d. ist 100 Tons mehr als das Total-Deplaeement des ersten Dampfers war, der den Atlantischen Ozean gekreuzt hat. Bei einer Höhe von 30 Meter enthalt der Riesenbampfer eine ganze Anzahl von in sich abgeschlossenen Etagen. Es kann 5000 Passagiere und eine Mannschaft "von 800 Personen fassen. Eigentlich ist es, wie das Schwesterschiff „Olympic", ein mit dem grössten Komfort eingerichtetes schivimmendes Hotel. Für die Kajütenpaffagiere ist ein Gartenrestaurant eingerichtet, umgeben von einem Lattenzaun, den exotische Schlingpflanzen bekleiden. Ferner sind vorhanden verschiedene Kinderspielzimmer, eine Reitbahn (! ?), ein Schwimmbad, eine Galerie mit Kaufläden, ivo Spitzen, Juwelen und andere Dinge feilgeboten werden, eine Rollschuhbahn, ein Turnsaal, ein Fischbassin für die leidenschaftlichen Angler, ein Tanzsaal, ein Theater und ein hübscher Garten. Als man 1906 die „Mauretania" von der Cunardliiiie in Dienst stellte, schien es, daß damit das Höchste an Luxus und Größe im Schiffsbau erreicht, märe. Gegen die „Titanie" wirkt sie heute nicht mehr imposant, und welcher Gigant wird nun die „Titanie" übertreffen ? "In der Stadt der z e h n t a u s e n d P r i e st e r. Die beiden amerikanischeii Reisenden Richardson L. Wright und Aasest Digby, die sich auf einer Forschungsreise durch Zentralasien befinden, schildern in einem interessanten Aufsatz des World Magazine das Leben in Urga, der „Stadt der zehntausend Priester". Hier, am Rande der Wüste Gobi, in der nördlichen Mongolei, ist dein Buddhismus eine Hochburg errichtet, denn in den zahllosen Klöstern der Stadt leben mehr als 10 000 Geistliche, die vier Fünftel der gesamten Bevölkerung von Urga ausmachen. In der Mongolei ivird fast immer der erstgeborene Sohn jeder Familie Buddha geweiht, um ihm als Priester ztt dienen. Mit 10 Jahren ivird das Kind nach der Priesterschule von Urga geschickt; mit 20 hat der junge Mann so viel Gebete gelernt, um zur Würde eines niederen Lamas aufzurücken. Tann rasiert er sich Haar und Bart ab, kleidet sich in ein hell schimmerndes rot und gelbes Gewand, und nachdem er noch ein weiteres Examen abgelegt hat, ivird er dann ein richtiger Priester, der nicht heiraten darf und nicht arbeiten, sondern sich nur den heiligen Dingen ivibmen soll. Da sitzen sie beim, die Tausende, murmeln Gebete, ftubieren die heiligen Schriften, betätigen sich als Aerzte des Leibes, indem sie allerlei Heilmittel den Kranken verabreichen, doch noch mehr des Geistes, indem sie die bösen Geister austreiben und die Teufel im Menschen beschwören. AK dies aber kann ihnen doch nicht über die langen Stunden hinweghelfen, in denen ihnen das heilige Nichtstun zur Qual wird und die böse Langeweile sie beschleicht. Deshalb haben fiel) die Priester von Urga auf einen auch bet uns recht beliebten Zeitvertreib geworfen, sie beschäftigen sich mit Sport aller Art, veranftalten Wettrennen zu Fuß, große Tanzaufsührungen und vor attein Ringkämpfe. Das größte Ereignis des Jahres ist für Urga der große R in g w e 11 k a m ps, in dem die priesterlichen Athleten ihre Kräfte mit denen profaner Sterblicher messen. An diesem großen Schauspiel nimmt auch der höchste der Priester von Urga, der Tascha-Larna, der beit Namen „der (ebenbe Gott" führt, teil. In bet riesigen Arena ist die ganze Bevölkerung ber Priesterstadt schon am Vormittag versammelt. Um zwei Uhr sinkt bann die Seidenfahne von dem Zelt, von bem aus ber Taschi-Lama ben Kämpfen zusieht, bie Wettbewerber treten in bett Kreis, werfen sich vor dem „lebeiiden Gotl" in ben Staub und verharren so gebückt wie Frösche,, bis ber Tafchi-Lama sich setzt unb sie nun mit einem Ruck gegen einanber losstürzen. Die größte Spaniumg herrscht dann, ob ber Champion ber Priester ober ein Athlet ber Bürger ben Steg davon trägt. Vergessen ist alle Ehrfurcht, bie man den Dienern Buddhas entgegen bringt, vergessen die Singst vor der Hölle, mit der sie dem Sündigen drohen: man packt sich, rauft sich, zerrt sich, bis schließlich einer besiegt in ben Staub sinkt. Da sinb boch bie T a nzwe11kämpse weihevoller, dte bie Priester unter sich ausführen. Ein malerischer Reiz liegt schon in ben Kostümen, bieten reich bestickten, von Edelsteinen leuchtenden ©eibengeiväitbern, ben klirrenden Amuletten und Zierraten, mit denen sie behangen sind. Bei den „T e n f e l s t a »z e n" trägt jeder AuSnihrende noch eine gewaltige groteske Maske von dämonischer Wildheit. Eine ohrenbetäubende Musikbegleitung erklingt und stachelt die Tanzenden 511 immer rasenderen Bewegungen an. Tie scheußlichen Maskenköpfe verschivindeu in einem Chaos von bunten Gewänder» und durcheinander wirbelnden Gestalten, bis endlich einer nach^dem anderen erschöpft niederstürzt unb schließlich nur noch der Sieger in mühselig taumelnden Verrenkungen als letzter das Feld behauptet. * Was ein englischer Schuljunge wissen soll. Der große englische Historiker Maeaula») ließ bei seinen gelehrten Untersuchungen, sobald er an eine bekanntere Tatsache kam, die Phrase mit unterlaufen: „wie jeder Schuljunge weiß". Diese hohe Meinung, die der Verfasser ber Geschichte Englands von den Schuljungen seines Vaterlandes hatte, soll nun nachträglich gerechtfertigt werben burch bie Forderungen, bie ber Lonboner Lehrer- aussclmß zur Beratung bei ber beitmächst stattfindenden Hauptlehrerkonferenz aufgestellt hat. Danach soll ein Knabe ober Mädchen von 14 Jahren, wenn sie bie Schule verlassen, fähig fein, fließend unb mit Verständnis Bücher, wie des alten Bunyan „Pilgrims Progreß", wie Scotts „Jvanhoe" unb Dickens „Raritätenlabeu" zu lesen, einen Geschäftsbrief zu schreiben unb in gutem Englisch tt'ge.nb einen Bericht aufzusetzen. Sie sollen selbst ganz rein sprechen unb Fehler in ber Aussprache von anderen korrigieren können, eine gute Bekanntschaft mit Shakespeare und den Dichtungen von Milton, Gray, Cowper, Scott, Wordsworth, Byron, Temtysson und Longsellow an den Tag legen. In Geschichte müssen sie Bescheid wissen über alle Hauptereignisse, bie mit ber Entstehung und ber Regierung des britischen Reiches zusammenhängen, eine genaue Kenntnis ber Kolonien haben. In geographischer Hinsicht müssen sie nicht nur über bie Länder der Welt,, sondern auch über bie Völker, bie sie bewohnen, sowie über bie wirtschaftlichen Verhältnisse einen allgemeinen Ueberblirf haben. In Mathematik wirb bie Kenntnis bes Zahlensystems, der Prozentrechnung, der Messung von Flächeii unb Körpern geforbert. Der 14jährige Schüler soll Blumen, Früchte unb Insekten zeichnen können, Farbenskizzen im Freien entwerfen, überhaupt mit Pinsel unb Blei gut Bescheib wissen unb aus bem Gebächtnis zeichnen können. Dw Naturgesetze sollen ihm im allgemeinen bekannt sein, ebenso die Swrgänxe unb Funktionen bes menschlichen Körpers. * Der Schlammgefchmack der Fische. Der Schlamm- geschmack gewisser Süßwasserfische beruht nicht, wie man geivöhn- lich annimmt, aus bem Einfluß ber faulenden Bestandteile des Schlammes; beim wenn man Fische in Bassins mit schlammigem Gründe bringt, so nehmen sie selbst >mch Monaten nicht diesen Geschmack an. Auch bie Annahme mancher Fischzüchter, baß ber Schlammgeschmack von Charaeeen, Armteuchtergewächsen, zu ben Algen gehörigen Pflanzen herrühre, ist, wie Louis Leger in der „Naturwissenschaftlichen Rundschau" ausführt, nicht richtig. Seine Beobachtungen und Versuche haben zu dem Ergebnis geführt, daß niedere Algen, nämlich Oszillarien, die Ursache des Cchlamm- geschmackes sind. In allen Gewässern, ob stehend oder fließend, in denen bie Oszillarien zahlreich sind, haben die Fische ben Schlamm- geschmack, auch wenn Ehara fehlt. Wenn aber bas Wasser keine Oszillarien enthält, so fehlt ben Fischen ber eigentümliche Geschmack selbst bet Gegenwart von Chara. Bringt inan Fische, bie aus sehr reinem Wasser kommen, und bereu Fleisch daher keinen fremdartigen Geschmack hat, in ein Bassin mit Oszillarien, so haben sie nach einiger Zeit ben Schlammgeruch angenommen. Rotaugen unb Regenbogenforellen würben auf biefe Weise fast ungenießbar. Da bie Schleimdrüsen ber Haut sich stärker imprägnieren als bas Fleisch selbst, so nehmen bie Fische, bereit Haut an Schleimdrüsen reich ist, tvie Aale unb Schleie, ben Schlammgefchmack immer stark an. Ferner werben Karpfen, Rotaugen, Schleie, bie neben kleinen Infekten ober Würmern viel Algen zu ihrer Ernährung aufnehmen, im allgemeinen mehr imprägniert als bie Fleischfresser, wie Barsche, Hechle und Forellen. Letztere jedoch bietbeit von bem Geschmack nicht frei, entweder weil sie Schlammfische (reffen, ober mit bett Mollusken, Würmern ober Insektenlarven, die sie verschlingen, Oszillarieninaffen aufnehmen. * Ein Lebenskünstlcr. „So, jetzt will ick aber wieder ’n bißken arbeiten; sonst verliert bet Faulenzen seinen janzen Reiz!" ____________ viamanttStsel. Auslösung In bie Felber nebenstehenber Figur sinb die Buchstaben a a a c e e g g g iiii llllllpr b t n y derart einzutragen, baß bie ivagerechten Reihen folgendes bebeuten: 1. Einen Buchstaben. 2. Geographische Bezeichnung. 3. Feldherrn des 30jähr, Krieges. 4. Einen Astronomen. 5. Römischen Staatsmann. 6. Waffe ber alten Deutschen. 7, Einen Buchstaben. Die senkrechte unb wagerechte Mittel- reihe ergeben bas Gleiche. in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Das Ei des K 0 lu in b us. Rebattion; K. Neurat h. — RotationZdruck und Verlag der Brühl'fchenUniversitäts-Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«