M - Nr. 195 Mittwoch den Dezember Z W I* Die weiße Frau. Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Behalten Sie Ihre Bente, sagte ich. (Sein Gesicht erhellte sich augenblicklich n< itnb seine Augen öffneten sich in immer größerem Uq...tuten.) Ich bin nicht hergekommen, um mit Ihnen um Geld zu feilschen, das durch Ihre Hände gegangen und der Preis eines schändlichen Verbrechens gewesen — Sachte, Mr. Hartrighi. Ihre moralischen Gemeinplätze sind bei Ihren Landsleuten von vorzüglicher Wirkung — behalten Sie dieselben gefälligst für sich und für sie! Die zehntausend Pfund waren ein Legat, welches der verstorbene Mr. Fairlie meiner Frau vermacht hatte. Nehmen wir die Sache aus diesem Gesichtspunkte, und ich habe nichts dawider, sie zu besprechen. Für einen Mann von meinen Gefühlen jedoch ist der Gegenstand ein sehr erbärmlicher. Ich ziehe vor, ihn fallen zu lassen und fordere Sie auf, die Nennung Ihrer Bedingungen wieder aufzunehmen. Was fordern Sie? Ich verlange erstens ein volles Bekenntnis des begangenen Verrates, von Ihnen selbst in meiner Gegenwart geschrieben und unterzeichnet. — Er erhob den Finger. Eins! sagte er. Zweitens einen klaren Beweis von dem Datum, an welchem meine Frau Blackwater Park verließ und nach London reifte. So! so! Ich sehe. Sie find imstande, die schwache Stelle herauszufühlen, bemerkte er mit Gelassenheit. Sonst noch etwas? Wir jetzt nichts. Gut! Sie haben Ihre Bedingungen genannt, jetzt hören Sie die meinigen. Die Angabe, welche Sie von mir verlangen, soll geschrieben, der klare Beweis des Datums geliefert werden. Vermutlich werden Sie einen Brief von meinem verstorbenen Frennde, von ihm selbst geschrieben, datiert und unterzeichnet, wodurch er mich von dem Tag und der Stunde der Ankunft seiner Frau unterrichtet, einen Beweis nennen? Diesen kann ich Anen geben. Ich kann Sie außerdem zu dem Manne schicken, von welchem ich den Wagen mietete, in dem ich meinen Besuch am Tage ihrer Ankunft von der Eisenbahnstation abholte — sein Bestellungsbuch mag Ihnen vielleicht zu dem Datum verhelfen "können, selbst wenn der Kutscher, welcher mich fuhr, Ihnen nicht von Nutzen sein kann. Dies kann ich und will ich tun — unter Bedingungen. Diese sind folgende: Erste Bedingung! Die Gräfin und ich verlassen dieses Haus, wann und wie wir wollen, ohne jegliches Hindernis von Ihrer Seite. Zweite Bedingung! Sie warten hier in meiner Gesellschaft, um meinen Agenten zu sehen, welcher morgen früh um sieben Uhr herkonnnt, um meine Geschäfte zu ordnen. Sie geben meinem Agenten einen geschriebenen Befehl an den Mann, welcher Ihren versiegelten Brief hat, daß er ihn ausliefere. Sie warten hier, bis der Agent jenen Brief ungeöffnet in meine Hände gegeben hat, und dann geben Sie mir eine gemessene halbe Stunde, um das Haus zu verlassen — worauf Sie dann Ihre Freiheit wieder erhalten und gehen mögen, wohin Sie wollen. Dritte Bedingung! Sie geben mir die Genugtuung eines Gentleman für die Sprache, die Sie sich während dieser Unterredung gegen mich erlaubt haben. Zeit und Ort für das Zusammen- treffen sollen Ihnen, sobald ich sicher auf dem Festlande angelangt sein werde, in einem Briefe von meiner Hand mitgeteilt werden. Dies sind meine Bedingungen. Sagen Sie mir, ob Sie dieselben eingehen — ja oder rein! Die merkwürdige Mischung von der schnellen Entschlossenheit, schlauen Berechnung und dem komödiantischen Bombast dieser Rede machte mich einen Augenblick förmlich stutzig — aber nur auf einen Augenblick. Die eine Frage, welche ich zu bedenken hatte, war die, ob ich berechtigt sei, mir die Mittel zu Lauras Identifikation auf Kosten des ungestraften Entkommens des Schurken zu verschafft n, welcher sie derselben beraubt hatte. Ich kämpfte einen Augenblick, daun beschloß ich, mich durch den einen höheren Beweggrund leiten zu lassen, dessen ich gewiß war, den nämlich, Äuras Sache und der Sach», der Wahrheit zu dienen. Ich nehme Ihre Bedingungen an, sagte ich, doch mir einem Vorbehalte auf meiner Seite. Welcher Vorbehalt ist das? frug er. Er betrifft den versiegelten Brief, entgegnete ich Ich verlange, daß Sie ihn ungeöffnet in meiner Gegenwart vernichten, sobald er in Ihre Hände gegeben sein wird. — Der Zweck dieser meiner Bedingung war einfach ber,; ihn zu verhindern, geschriebenes Zeugnis von der Beschaffenheit meiner Mitteilungen an Pesca mit sich zu nehmen. Das Faktum mußte er notwendigerweise am nächsten Morgen erfahren, wo ich dem Agenten die Adresse geben würde. Doch konnte er auf seine alleinige Angabe keinen Gebrauch davon machen — selbst wenn er das Experiment zu machen wagte — welcher mir für Pesca die geringsten Befürchtungen zu verursachen geeignet gewesen wäre. Ich lasse Ihren Vorbehalt gelten, entgegnete er, nachdem er ungefähr eine Minute lang ernstlich überlegt. Dre Sache ist keines Streites wert — der Brief soll vernichtet werden, soivie er meinen Händen übergeben wird. Während er noch sprach, erhob er sich von dem Platze, den er mir gegenüber bis zu diesem Augenblicke angenommen hatte. Mit einer einzigen Anstrengung schien er den Druck, welcher während unserer Lanzen Unterredung auf seinem Geiste gelastet, von sich abzuwülzen. Puh! rief | er, indem er voll Behagen die Arme streckte, das Schar- 1 uü'itzel war heiß, so lauge es währte. Nehmen Sie Platz, Mr. Hartright! Wir iverben einander später als tödliche Feinde gegenüberstehen — lassen Sie uns bis dahin die höflichen Aufmerksamkeiten wohlgeZUeter Ehrenmänner tauschen. Erlauben Sie, daß ich mir die Freiheit nehme, meine Frau zu rufen. Er öffnete die Tür. Eleanor! rief er mit seiner tiefen Stimme. Die Dame mit dem Naiterngesicht kam herein. Die Gräfin f^-oSco — Mr. Hartright, sagte der Graf, uns mit würdevoller Unbefangenheit einander vorstellend. Mein Engel, fuhr er zu seiner Gemahlin gewendet fort, wird deine Beschäftigung des Einpackens dir vielleicht Zeit gestatten, mir einen schönen, starken Kaffee zu machen? Ich habe Schreibgeschäfte mit Mr. Hartright — und bedarf des vollen Besitzes all meiner Geisteskräfte, um ersteren gerecht werden zu können. Die Gräfin verneigte zweimal den Kopf — einmal strenge gegen mich und das zweitemal in Unterwürfigkeit gegen ihren Gemahl und glitt dann aus dem Zimmer. Der Graf ging an einen Schreibtisch am Fenster, öffnete sein Pult und nahm mehrere Bogen Papier heraus. Er zerschnitt dann das Papier in einen Haufen Blätter von der Gestalt, wie sie von Schriftstellern für den Druck gebraucht werden. Ich werde hieraus ein außerordentliches Dokument machen, sagte er, mich über die Schulter hinweg an- Llickend. Ich bin vollkommen mit literarischen Arbeiten vertraut. Eins der seltensten Geistestalente, die ein Mann besitzen kann, ist die Fähigkeit, seine Gedanken zu ordnen. Ich besitze es. Er ging, bis der Kaffee kam, int Zimmer auf und ab, indem er vor sich hin summte und die Stellen, wo ihm beim Ordnen seiner Gedanken Hindernisse aufstießen, da- dur chmarkierte, daß er sich mit der Handfläche vor die Stirne schlug. Die ungeheure Frechheit, mit der er die Situation ergriff, in die ich ihn versetzt hatte, und aus ihr das Piedestal machte, das seine Eitelkeit zu dem geliebten Zwecke der Schaustellung seiner selbst bestieg, be- meisterte sogar mein Erstaunem. So tiefen Widerwillen ich auch gegen den Mann hegte, machte doch die wunderbare Kraft seines Charakters, selbst unter ihrem unbedeutendsten Anblicke, wider meinen Willen tiefen Eindruck auf mich. Die Gräfin selbst brachte den Kaffee. Er küßte ihr in danlharer Höflichkeit die Hand unb begleitete sie dann Kur Tür; darauf kehrte er zurück, schenkte eine Tasse Kaffee für sich ein und trug sie auf seinen Schreibtisch. Darf ich Ihnen eine Tasse Kaffee anbieten, Mr. Hartright? frug er, ehe er sich setzte. — Ich dankte. Wie! Sie glauben, ich werde Sie vergifteir? sagte er munter. Der englische Verstand ist gesund, soweit er geht, fuhr er fort, während er sich an seinem Tische zurechtsetzte; aber er hat einen bedeutenden Fehler: er ist stets am unrechten Orte vorsichtig. Er tauchte seine Feder in die Tinte, legte einen Streifen des Papiers mit einem Schlage der Hand vor sich auf das Pult, räusperte sich und begann. Er schrieb mit großem Geräusche und großer Schnelligkeit in einer so großen kühnen Handschrift, daß er in kaum zwei Minuten, nachdem er angefangen, am Ende der einen Seite angelangt war. Jeden Streifen warf er, nachdem er damit fertig war und ihn numeriert hatte, über feine Schulter auf den Boden. Ein Streifen nach dem andern, zu Dutzenden, zu Fünfzigen, zu Hunderten flogen zu beiden Seiten von ihm über seine Schultern, öis er in Papier geradezu eingeschneit war. Eine Stunde verging nach der andern — und da saß ich und wartete; da saß er und schrieb. Er machte keine Pansen, ausgenommen um seinen Kaffee zu schlürfet:, und als dieser zu Ende war, um sich von Zeit zu Zeit mit der Hand vor die Stirne zu schlagen. Es schlug ein Uhr — zwei, drei, vier — und immer noch flogen die Streifen um ihn her, noch immer kratzte die unermüdliche Feder ihren Weg über die ©eiten fort, und immer höher stieg das weiße Papierchaos um seinen Stuhl. Um vier Uhr hörte ich ein plötzliches Spritzen der Feder, welches den Schnörkel verkündete, mit dem er seinen Namen unterzeichnete. Bravo! rief er aus, indem er mit der Leichtigkeit eines jungen Mannes aufsprang und mir mit einem Lächelte süperben Triumphes ins Gesicht sah. Fertig, Mr. Hartright! und er schlug sich mit der Faust aus die breite Brust. Fertig! Der Gegenstand ist erschöpft: der Mann — Fosco — nicht. Fetzt ans Ordnen, Lesen unb Revidieren meiner Streifen — die ausdrücklich für Ihr Auge allein beftimmt sind. Gut ‘ Das Ordnen, Lesen und Revidieren — von Vier bis Fünf. Ein kurzer Schlummer zu meiner Stärkung — von Fünf bis Sechs. Letzte Reisevorkehrungett — von Sechs bis Sieben. Geschäfte mit bett Agenten unb wegen des versiegelten Briefes von Sieben bis Acht. Um acht Uhr en route. Das Programm — le vollst! Er setzte sich mit übereinanbergeschlagenen Beinen zu seinen Papieren auf bett Fußboden, zog die Streifen mit einer Schnürnadel auf ein Band, korrigierte sie, schrieb alle Titel und Ehren, durch die er persönlich ausgezeichnet war, oben über die erste Seite unb las mir das Manuskript dann mit tcyiter Emphase und vielfältigen theatralischen Gesten vor. Es entsprach meinem Zwecke. Nun schrieb er mir die Adresse des Mannes auf, von dem er den Wagen gemietet hacke, und gab mir Sir Per- civals Brief. Er war aus Hampshire und bett 25. Juli datiert und kündigte Lady Glydes Abreise nach London auf den 23. an. Demnach also war sie an demselben Tage, an dem des Arztes Zertifikat sie als in St. Johns Wood verstorben erklärte, nach Sir Percivals eigenem Beweise lebend in Blackwater — und sollte am folgenden Tage eine Reise antreten! Sobald ich den Beweis dieser Reise von dem Lohnkutscher würde erhalten haben, sollten also jetzt meine Beweise vollständig sein. Ein Viertel nach Fünf, sagte der Graf, auf seine Uhr blickend. Es wird Zeit zu meinem Stärkungsschlummer. Sie haben vielleicht meine persönliche Ähnlichkeit mit Napoleon dem Großen bemerkt, Mr. Hartright — ich gleiche aber dem großen Manne auch noch in der Fähigkeit, nach Willen über meinen Schlaf zu verfügen. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick. Ich will die Gräfin bitten, Sie vor Sanger» weile zu bewahren. Da ich so gut wie er wußte, baß er die Gräfin nicht zu meiner Unterhaltung herbeirief, fonbern damit sie es ver- hinbere, daß ich das Hans verließe, erwiderte ich nichts und beschäftigte mich mit dem Zusammenbinden der Papiere, welche er mir eingehänbigt hatte. Die Dame kam herein — kühl, bleich und giftig wie immer. Unterhalte Mr. Hartright, mein Engel, sagte der Graf. Dann reichte er ihr einen Stuhl, küßte ihre Hand zum zweitenmal, zog sich nach dem Sofa zurück und schlief in drei Minuten so friedlich und glücklich, wie der ingend- hafteste Mensch von der Welt. Die Gräfin nahm ein Buch vom Tische, setzte sich und! blickte mich mit der ruhigen, rachsüchtigen Bosheit einer Frau an, die nie weder vergißt noch vergibt. ' Ich habe Ihre Unterhaltung mit meinem Gemahle cul- gehört, sagte sie. Wäre ich an feine r Stelle gewesen, so hätte ich Sie tot auf den Kaminteppich hcn- gestreckt. Mit diesen Worten öffnete sie ihr Buch, und von diesem Augenblicke bis zu dem Augenblicke, wo ihr Manu erwachte, sah sie mich weder an, noch sprach sie wieder ein Wort zu mir. (Fortsetzung folgt.) Nietzsches Sremideskms. Bon A. vonGleichen-Rußwurm. *) Zu Wagners vertrautesten Genossen gehörte ein junger Philosoph, der vielleicht so heiß wie irgend einer zu seinem Meister betete, aber so bald er sich von dem Erlösungsproblem des Kunstwerks und der Art seiner Verbreitung angewidcrt fühlte,' auch vom Freunde nichts mehr wissen wollte, weil er sich int Ernst und in der Größe von dessen Weltanschauung getäuscht sah. Ein Freundschaftsbruch, wie ihn die Psticht gegen sich selbst unb andere ähnliche Formeln nach der Ansicht der streng' Denkende:: verlangten, zerstörte den Bund zwischeit Wagner und Nietzsche und wandelte die einstige Bewunderung in grimme Feindschaft auf musikalischem wie auf persönlichem Gebiet. Wagner empfand dies schmerzlich, Nietzsche wohl noch schmerzlicher, wenn er auch der Angreifer war, denn Frenndschast war ihm von! Jugend an heilig, seine lichte Göttin. _ Die Freundesbriefe Nietzsches gehören zu den schönsten und erschütterndsten, die je geschrieben wurde::. Wenn man sie durchblättert von den sonnigen Leipziger- Tagen an, während denen *) Diese:: Aufsatz entnehmen wir mit Erlaubnis der Verlags- Suchhandlung Julius Hofßnann in Stuttgart dem neuen Buche von Alex, von GleichemRnßwurm „Freundschaft. Eine vsyMilo gische Forschungsreise" die innigsten Freundschaften geknüpft tvurden, so hat man das beklemmende Gefühl, daß sich eine schöne Landschaft durch uu- abwendbar heraufziehende Gewitterwolken allmählich verdüstert, ihre Traulichkeit und Schönheit unheimlich verändert, immer fremder, unkenntlicher wird. So verstärkt sich bei nahendem Wetter das zarte Grün irgend einer Baumgruppe, wird schwer und kräftig oder unheimlich gläsern. Grell leuchtet irgend eine Helligkeit eines Hügelrückens, schreit beinahe auf gegen das trübe Violett des Himmels. Das Zwitschern und Zirpen hat ein Ende, eine große Angst, ein großer Schauer hält alles still. Vielleicht reißt einen Augenblick die Düsterheit des Himmels auseinander, vielleicht bricht noch ein Sonnenstrahl seltsam unerwartet durch, ein einzelner Vogel wird laut, und das alles wirkt gewaltig und traurig, weit xs im Wetterwinkel schon bedenklich blitzt. Gesammelt sind die Briefe an Wilhelm Pinder, an Paul Drussen, an den Freiherrn van Gersdorff, an Tr. Fuchs, an Freiherrn von Seydlitz und einige andere, ei» ganzer Band enthält die Korrespondenz mit dem treuesten Jugendfreund Erwin Rohde. Endlich sind noch Briefe an zwei Frauen vorhanden, an Frau Marie Baumgartner, die finge Uebersetzerin und liebevolle, Vcrsteherin der Werke, und einige zarte Briefchen an Frau Louise O. Nietzsche wurde mit ihr bei den ersten Nibelungen- aufführungen 1876 bekannt. Diese Briefe möchten gerne eine wärmere Sprache reden als die der Freundschaft. Zart weiß aber Nietzsche brüderliche Gesinnung zu betonen, umreißt schnell, doch bestimmt, was er unter platonischen Gefühlen sich dachte: Wir wollen an der Reinheit des Geistes festhalten, der uns zusamnrenführte, wir wollen in allein Guten uns gegenseitig treu bleiben. Außer dieser entsagenden Freundschaft und der dankbaren. Empfindung für Frau Maria Baumgartner kannte Nietzsche noch begeisterte Anhänglichkeit an Fräulein Malvida von Meysen- bug, deren mütterliches Wesen er rühmte, die er mehrmals herrliche und beste Freundin nannte ititb die dem Leidenden gegenüber von stiller, warmer Opferfähigkeit war. Ich verdanke sehr viel dem Buche unserer herrlichen Freundin Meysenbug, schrieb er an Gersdorff, und werde den einen Sonntag, den ich in der höchsten moralischen Nachbarschaft mit ihr verbrachte,...... nicht vergessen. Verlöscht mußte die traute Erinnerung an diese edlen Frauengestalten sein, als Nietzsche später so bitterlich behauptete, das Weib sei freundschaftsunfähig. In seinen letzten Betrachtungen ziveifelt er ja auch an der Freundschaftsfähigkeit des Mannes, er, der mit einer sogar an Schiller erinnernden Wärme sich einst den Genossen der Jugend anschloß und innigst alles mit ihnen teilte. Sein Beinühen, ihnen auf verschiedenste Art nützlich zu sein, ist rührend. Stets will er von ihren Interessen hören und gibt sich lange Mühe, die eigenen Leiden wenig zu betonen, um damit seinen Freunden nicht störend zu kommen. Wunderbare Gedanken über Freundschaft finden sich in den Briefen zerstreut. An Gersdorff schreibt er: ^Durch die tägliche Not sich und andere höher heben, mit der Idee der Reinheit vor den Augen, immer als Excelsior, so wünsche ich mm und meiner Freunde Leben. An Seydlitz: Ich sehe die schöne Gewißheit vor mir, eineir wahren Freund mehr zu gewinnen, und wenn Sie müßten, was dieses ftir mich bedeutet, bin ich doch immer auf Menschenraub aus. wie nur irgend ein Korsar, aber nicht, um diese Menschen in die Sklaverei, sondern um mich mit ihnen in die Freiheit zu verkaufen. Au Frau Marie Baumgartner ist das Bekenntnis gerichtet: Zum ersten Male fühle ich mich gleichsam geborgener, ich habe den reichen Zuwachs an Liebe und bin damirch geschützter und nicht mehr so leicht verletzlich und so preisgegeben. Sie müssen nicht glauben, daß ich je in meinem Leben durch Liebe verwöhnt sei. Der große Liebeshunger Nietzsches offenbart sich am tiefsten mit dem schmerzlichsten Pathos in seinem Briefwechsel mit Rohde, der vielleicht typisch ist ftir die Fremchschast überhaupt zwischen zwei jungen begeisterten Menschen, die das Leben allmählich auseinauderführt. Den einen brachte das Schicksal in ein Tal konventioneller Behaglichkeit und Br-otgelehrtemtums, den andern .«nf steilen Pfaden zum Gipfel erhabener Dichtung in die Schrecknisse einsamen Erkennens. Zuerst der schöne Wahn des vollständigen Jneinauderausgehens, der beide beseligt und in dem Weihnachtsbrief 1868 beredsamen Ausdruck findet. Rohde schreibt: Dir allein verdanke ich die besten Stunden meines Lebens. Ich wollte, du könntest in meinem Herzen lesen, wie innig dankbar ich dir bin für alles, was du. ihm geschenkt. Der Du mir das selige Land der Freundschaft einst erschlossen hast, in das ich Mit liebcdurstigcm Herzen früher wie ein armes Kind in reiche Gärten geblickt hatte. Der ich von jeher einsam !oar, ich füllte mich jetzt vereint mit der besten Einem. Und Du kannst schwerlich verstehen, wie das mein inneres Leben verändert hat. ^Bei Meinem tiefen Bewußtsein meiner Härten und Schwächen erquickt mich Liebe und Milde wie etwas Unverdientes unsäglich. Nietzsche dankt villcicht mit noch tieferem Empfinden, aber mit einer gewissen Vcrschämtheft, die sich in Scherz kleiden will: Wer sich als Einsiedler zu fühlen gewöhnt hat, wer mit kalten Blicken durch alle die gesellschaftlichen und kameradschaftlichen 779 — Verbindungen hindurchsieht und die winzigen Bändchen merkt, die Mensch an Mensch knüpfen, Bändchen so fest, daß ein Wind- häuchchen sie zerbläst, wer dazu die Einsicht hat, daß nicht die Flamme des Genies ihn zum Einsiedler macht, jene Flamme, aus deren lichtem Kreis alles flieht, weil es von ihr beleuchtet so totentanzmäßig, so narrenhast spindeldürr und eitel erscheint, nein, wer einsam ist, vermöge einer Naturmarotte, vermöge einer seltsam gebauten Mischung von Wünschen, Talenten und Willens- strebungen, der weiß, welch ein unbegreiflich hohes Wunder ein Freund ist. Und wenn er ein Götzendiener ist, so muß er vor allem dem unbekannten Gotte, der den Freund schuf, einen Altar errichten. Ich habe hier Gelegenheit, mir die Ingredienzen eines glücklichen Familienlebens in der Nähe anzusehen. Hier ist kein Vergleich mit der Höhe, mit der Singularität der Freundschaft. Das Gefühl im Hausrock, das alltäglichste und trivialste, nber- schimmcrt von diesem behaglich sich dehnenden Gefühl. Das ist Familienglück, das viel zu häufig ist, um viel wert sein zu können. Aber Freundschaft! Es gibt Menschen, die an ihrer Existenz zweifeln. Ja, in ihr ist eine ausgesuchte Gournmndise die nur zu wenigen zu teil wird, jenen ermatteten Wanderern, denen der Lebensweg ein Weg durch die Wüste ist. Sie tröstet ein freundlicher Dämon, wenn sie im Sande liegen, ihnen netzt er die verdorrten Lippen mit dem Götterneitar der Freundschaft. Einige Stellen aus diesem Briefe haben etwas Prophetisches. In einigen Jahren sollte Nietzsches Genie und sein Unglück wahrhaftig eine Flamme bedeuten, in der alles totentanzmäßig, narrenhast und eitel erschien, selbst die heilige Freundschaft, imb Rohde war Familienglück, »ms Nietzsche Gefühl int Hausrock nennt, beschieden. Seine Briefe werden immer vernünftiger, maßvoller, gesetzter, müssen immer weniger zu Nietzsches verzweifelten Stimmungen gepaßt haben, obwohl er noch von Zeit zu Zeit einen herzlichen Tvit anschlägt, wie z. B. in einen: Brief vom Dezember 1879: Ich kann dich nie verlieren, mögest du die fernsten Gedankengchirge erklimmen, was inan im vorigen Jahr- huirdert die Sympathie nannte, zieht mich mit, ein Verständnis, das nicht nur aus dem Kopse, sondern aus der ganzen Kompo- fitioii des Wesens stammt und sich fest wie ein Zwang auferlegt. Doch die Jahre vergehen und eine Kette von Zufällen will es, daß sich die Freunde nicht mehr sehen und nicht mehr aussprechen dürfen, bis es zu spät ist. Mit bescheidener Wehmut bittet Nietzsche 1881: Ich hätte gern etwas recht, recht Persönliches. von Dir wieder einmal in Händen, damit ich nicht immer nur den vergangenen Freund Rohde im Herzen empfinde, son- derir mich den gegemoärtigen. Im Jahre 1882 kann et; nicht anders als in einem Postskriptum den Herzensschrei auszustoßen, Himmel, was bin ich einsam. In beit Tragödien der Freundschaft sind es meist ganz stille, kleine Dinge, die anzeigen, daß etwas getötet worden ist oder totimtnd daliegt. Eine Meinungsverschiedenheit, die in schönen Tagen belanglos gewesen wäre, zeigt letzt an, wie weit weg einer vom andern gewandert ist, bringt Qual und Verzweiflung hervor. Nach einer solchen kleinen Meinungsverschiedenheit der Freunde bricht etwas von dein lang verhaltenen Jammer Nietzsches hervor: Aufrichtig, du hast mir nie ein Wort gesagt, das mir zu vermuten erlaubte, du wüßtest, welch Schicksal auf mir liegt. Habe ich dir je daraus einen Vorwurf gemacht, nicht einmal in meinem Herzen, wer wäre mir bisher auch nur mit einem Tausendstel von Leidenschaft und Leiden entgegeitgekommen. Ich habe, jetzt 43 Jahre hinter mir und bin genau noch so allein, wie ich es als Kind gewesen bin. Als die Freitnde sich nach 10 Jahren endlich Wiedersehen, ist es mir, um Nietzsche das Bewußtsein ganz hoffnungsloser Einsamkeit noch näher zu bringen. Jenes Erkennen des^Allrin- seins ist das Schlußwort in der Geschichte dieser großen Freundschaft, und dies Schlußwort ließ den unglücklichen Denker in seiner Philosophie zu dem Schluß kommen, daß bei der heutigen kleinlichen Beschaffenheit des Menschen die heilige, von den Weisen geträumte Freundschaft unerreichbar sei und erst bem erlesenen höheren Neber- menschen beschieden tvürde. * ueber Nervenfchwä ch e u u b ihre V e h a n d tu na schreibt in den „Blättern für Vollsgeümdheitspflege (1911, Nr. 6) Dr. ined. R. Gutzeit u. n.: „Auch Menschen, die unter der icleu und verständnisvollen Führung ihrer Eltern und Erzieher, herau- gewachien sind, können ihr Nervensystem schwächen und erf bovien, iuenn sie der Selbsterziehung eratangeln und unter den sorgen und Anstrengungen des Lebens und Beru'es sich nicht einer menen Beschränkung in ihrem Genußleben befleißigen. . • . Man baue seine Kräfte lieber für edlere Zwecke bereit als für Tabaksgualm und Schoppenleeren. Das ist weit männlicher, und lächerlich wäre es, wenn man es Gesimdheitshypochoudrie nennte . . . . ver Sorgen und Mühen, Krankheiten imb Unfälle, die mir nuferen Körper einstürmen und sein Nervensgslem schädigen, sind auch schon so genug, daß es dazu keiner besonderen Giste bedarf. Vbte verächtlich sehen wir auf die morgenländischen Opiumraucher und abendländischen Morphinisten herab und hallen den Bier ludenten und vieifenrauchenden Philister für Reprüsentanlen echter Männlichkeit! Und dabei gleichzeitig noch ein besonderes Wort über die Un'älle. Sie spielen int heutigen gewerblichen und Verkehrsleven eine große Rolle .... Rur größte Vorsicht aller im Betrie» und 780 Verkehr Beschäftigte», zweckmäßige Schutzvorrichtungen und strengste Beachtung der Uniallverhütungsvorschristen können die noch immer sehr große Zahl der Unfälle herabdrücken. Es ist nun bekannt, daß der Verbrauch geistiger Getränke der Steigerung der Verunglückungen parallel geht. Seit der sozialen Gesetzgebung ist darauf genau geachtet.... Was helfen alle Vorschruten und Vorrichtungen, wenn der alkoholisierte Strbeit et sich ihrer nicht bedient 1" » Tas längste Haar. Welche Länge kann das Haupthaar des Menschen wohl erreichen? Tie Dichter dürfen wir in diesem Punkte nicht um Auskunft bitten, denn auch hier machen sie von dem Rechte der Hyperbel Gebrauch. Ter große Perser Ftrdust i, B. gibt einer seiner Heldinnen so langes Haar, daß ihre Locken vorn "Tacke bis zur Erde niederhangen*, und daß die beneidenswerte Schöne ihrem unten schmachtenden Geliebten zurufen kann: Ergreif' mein Haar, klimm' aufwärts mit Geschick, — Ich biete mich dir selbst zum Fangestrick!" Solch üppiger Haarwuchs kommt zweifellos nur in der orientalischen Poesie vor; aber immerhin eine recht beträchtliche Ziffer ergab doch auch die Messung des längsten menschlichen Haupthaares, das Anthropologen m Wirklichkeit vor'anden und untersuchten: es wies nämlich eine Lauge von nicht weniger als 323 Zentimetern auf! Obwohl der weibliche Teil unserer Leserschaft es vielleicht nicht gern hort, muffen wir doch die Mitteilung machen, daß dieser stolze Haarrekord nicht etwa von einer Tame erreicht wurde, sondern daß es ein mann- liches äVejen weit, bei betn mein ihn teftflellte« Unb handelte es sich um einen Häuptling der ilrühenindianer. Daß man es in diesen-. Falle mit einem abnormen Haarwuchs zu tun hat, ist selbstverständlich. Denn die Durchschnsttslänge, die ungekürztes mensch- lick.es Haar erreicht, beträgt, sorgfältigen Messungen zufolge, nur bis zu 70 oder 109 Zentimeter. Längeres Haar ist bereits eine Seltenheit. Längenmeffungen des Haares werden begreiflicherweise meist nur bei Frauen und Mädchen vorgenommen. Daß aber auch unverschnittenes männliches Haupthaar dem Frauenhaar an Längenwuchs, wenigstens in jüngeren Jahren, kaum nacksteht, scheinen mehrere vereinzelte Fälle zu beweisen. Bei russischen Mönchen, spanischen und italienischen Riegen bitten erreichte das Haar völlig die Turchschniitslänge des Frauenhaares. Bei Knaben, beten Haar nickt gekürzt wird, kann es im fünften Lebenslahre schon bis zur llörpermitte wachsen, so daß sie ihre Schwestern an Länge des Haupthaares übertreffen. Einen besonders tratUgen Längenwucks des männlichen Haupthaares aber finden wir auf Java, wo die männlichen Eingeborenen sich das Haar nicht zu schneiden pflegen. Es reicht ihnen infolgedessen oft bis zu den Kmen hinab. kf Eine Krankheit, die durch das Hnnde- küsscn entsteht. Bon einer mertmrbtgen Krankheit, bie bisher mickekannt war, wird «ns Parts berichtet. Es handelt sich angeblich um eine Krankheit, die beim Hunde tn ganz harrn- loser Form austritt, durch unvorsichtt^s Umgehen mit den knet- sustigen Lieblingen besonders durch Küssen auf den Meuschcu Wettragen wird, und sich dann sehr unangenehm bemerkbar, macht. Beim Hunde besteht die Krankheit augenscheinlich mir m unangenehmem Jucken an der Schnauze, denn die davon befallenen Tiere pflegen sich mit ber Schnauze an allen erreichbaren Dingen M reiben. Beim Menschen dagegen, stellen sich, sehr heftige Schwellungen an Mund und Nase ein, durch dre die ganzen Schleimhäute dick aufgetrieben werden, was nicht nur sehr schmerz- hast ist, sondern auch Narben hinterlassen soll. Die Schwellungen treten nicht nur int Innern der Mund- und Nasenhöhle auf, sondern, so heisst es, es sollen auch die Wangen und tn etnzeluea Fällen sogar die Augenlider davon befallen werden. 'Die stanzo- stschen Aerzte halten es für ihre Pflichten, besoiÄers Frauen iund Kinder darauf hinzuweisen, daß mau mit Hunden sehr vorsichtig umzugehen hat. Es scheint, als hielten dre französischen Aerzte ihre Landsleute in diesem Punkte für besonders letcytstnntg. Wenn diese merkwürdige Krankheit auch noch einer wetteren Auf- Närung bedarf, so ist dieser ärztliche Rat durchaus nicht von der Hand zu weisen, denn es handelt sich dabei nicht um dre Ber- Mtung -dieser neuen, rätselhaften Krankheit, allein sondern durch Unvorsichtiges Umgehen mit Hunden kann man sich manche Krankheit leicht Mziehen, wofür als besonders gefährliches Beispiel der Echinococcus genannt werden mag, der Hundebandwurm, dessen Bimtc sich in menschlichen Körpern entwickeln und zu bedenklichen rankheitserscheimingen Anlaß geben kann. kf. Woran ist Kleopatra gestorben? An dem berühmten Schlangenbisse: so hat jedermann auf der Schule gelernt, so hat auch Shakespeare ihren Tod geschildert. Allein die in ihrer Kritik nimmer rastende Geschichtswissenschaft will jetzt auch diese Tatsache in Zweifel ziehen. Aus Paris wird berichtet, daß der Baron Larrey auf Grund seines langjährigen Studiums der egyptischen Papyri und Grabinschriften zu dem Ergebnisse gelangt ist, daß die Erzählung von dem Tode Kleopatras durch den Biß einer Schlange gänzlich unzutreffend sei. Seine Unter- suchttiigen haben ihn vielmehr zu der lleoerzeugung geführt, daß Kleopatra eines Todes gestorben ist, wie er noch heut häufig vorkommt. Baron Larrey behauptet, daß die schönste aller Königinnen durch Koh lenoxy dv ergistung ihr Ende gefunden habe. Sie mutz also Kohle angezündet und durch das Einatmen der dabei sich entwickelnden Gase ihr Ende gefunden haben. Man muß abwarten, ob sich die Forschungen des Barons Larrey bestätigen; sind sie wahr, so ist die Geschichte der Kleopatra sicher um einen interessanten Zug ärmer, und sie ist dann gestorben, wie unzählige Arbeiterinnen nach ihr auch. bk. Warum die Neuyorker Droschken so teuer sind. Wer in Neuyork mit der Droschke fährt, muß dafür vier bis fünf mal so viel bezahlen wie in einer der Hauptstädte Europas. Ter Grund dafür ist, wie der „Daily Telegraph* in einer Stack» richt über die Neuyorker Trofchkenteuerung und das Verbalteu des Publikums dazu angibt, darin zu suchen, daß die Trofchkenbesitzer wahre Riesensummen an Hotels bezahlen müssen, um ihre Standplätze benutzen zu dürfen. Das Waldorf-Astoria-Hotel soll z. B. von den Troschkengesellfchasieii nicht weniger als 120000 Alk. tnt Jahre bekommen; mit ähnlich hoben Summen zwischen 20 000 und 80 000 Mk. werden das Hotel Knickerbocker, das Hotel Astor, Hotel Imperial und Hofland House genannt, während einzelne^Privat- klubs, die mich Abgaben beziehen, mit etwas niedrigeren Summen in der Liste stehen. Tas Publikum setzt sich natürlich gegen die hohen Troschkenpreise zur Wehr, und so nimmt die Benutzung der Droschken ab und die viel billigere und gleichzeitig schnellere Hoch- und Untergrundbahn und die anderen Verkehrsmittel haben dann den Vorteil. .* Blinde Liebe. Sie: „Du bist ja ein netter Bräutigam; gestern bist du auf der Straße mt mir borübergegangen, ohne mich zu sehen!" — Er: „Na, da stehst du doch, daß die Liebe blind macht!" * Ein Pessimist. Frau: „Heute bekommst du den Hausschlüssel nicht — das ist mein letztes Wort!" — Mann: „Ach — wenn's nur wahr wäre!" . w... * Pech. „Ich bin tn großer Verlegenheit. Mem Arzt hat mir nach dem Mittagessen zwei Aspirin-Pulver verschrieben — — „Hast du fein Aspirin?" — „Aspirin habe ich, aber tein Mittagessen." Büchertisch. — Vom freudigen Schaffen. Eine Anthologie aus unseren Tagen. Herausgegeben von Iuliu s A. Wentzell. L. Staackmann Verlag, Leipzig. Zwanzig erste Autoren der Gegenwart mit zwanzig selbständigen Novellen, Skizzen, Plau- berein. Das Neuartige an der billigen Sammlung ist, daß sie erstens nicht bloß eine willkürliche Auswahl darstellt, sondern daß sich zwanzig Vorkämpfer der Lebensbejahung zu einer Veröffentlichung zusammenfinden, die sich naturnotwendig aus ihrem Stteben ergibt. Ferner bietet jeder der dann vertretenen Autoren in Stoffwechsel und Stil ein vollkommenes Bild seines Wesens. , ,, , .... — „Der niederbayertsche Homer" betitelt sich ein lustiges Büchlein von Franz Fabian, den wir als Mtt- arbeiter der Münchener Jugend bereits vorteilhaft kennen. Der Inhalt des mit reichem fünffarbigem Umschläge und 60 Textillustrationen ausgestatteten Büchleins ist sehr unterhaltend. — „Buch der Wunder und Geheimen Wissen- k.chaften von Dr. med. G. H. Berndt (Verlag von Oswald Mutze, Leipzig). In dem vorliegenden reichillustznerten 1. Bande/ der soeben in 2. Auflage erschienen ist, wird in ausführlichster Weise der Hypnottsmus behandelt. Sodann folgen dw magischen Geisteszustände. In diesem Zusammenhang bespricht Dr Berndt die Formen der Ekstase, der Hystene, die magischen Narkosenz die Besessenheit, das Gedankenlesen, das Doppel-Jch usw. Sodann folgt ein Kapitel, das der „Merkwürdigen und Wunderkuren", das noch nie vom Standpunkt der modernen Naturwissenschaft und Medizin behandelt worden ist. Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer i Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Ein jeder gibt den Wert sich selb st. Redaktion: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße«.