WS U! WM .v-kM MZMM Samstag den 15. Mal H9U — Kr. 75 rneinte das erleichtere, tzie hörte ruhig M solchen Augcn.blicken immer rechts «der wen.n G au.-getobt o<-r.„r to;r konnten auch lustig sein! Solche Gedanken wie an dem Abend waren bald vergessen, denn wir sreuten ^einander Gab es für mich im Dienst einmal Un- Si?bLchte'die Noten nicht. Ein MarWrM auf den Tasten, dann klang mit der verschleierten Sttmme^ die aller Sehnsucht, aller Trauer, aber auch aller -acke, alten Wnckes der Menschen fähig war, jenes wunderbare, tief, deutsche Lick, das so tönt, als könne es m feiner Hrngelnng keinem anderen Bolle verständlich sem als dem pnseren. -Du meine Seele, du mein Herz!" SmÄria sinueüd am Flügel saß. Endlich e^ stnd, so sorgte mich tüchtig schimpfern Sre 1 art a ftc mir alle chre (ßtcbTiiniQ^TiK. iWMZK S ÄHWÄMXS S&fü fiÄ'. «-W» „8-ld-st'l-mM", „« 11 herzelmde. Roman von Georg Freiherrn von O m P t e d a.. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „ K säsää. DKZ mi?der Hand und lauschte. Das waren meine herrlichsten Stunden, die ich erst genossen als Ehemann, denn dmnalv | an der Riviera hatte ich gar Nicht g^ußt, daß,Mari.q Ktai ur , thielte. Noch viel weniger aber, daß sie saug, penn ne tmämte sich beides zuisagen. Ustd doch gab es für mich nichts Mitlicker^' als^ die stillen Abeüde, an denen ihre tiefe so ipiHnm wanne Stimme über den Flügel strömte. Sie sang Nicht mit tadelloser Schulung - davon verstand rch^auch Nichts - sie sang mit emmn natürlichen Gefühl jur g Anadruck soaar für das Technische, das ihr in ore ,-wiege aeleat schien Wie sie graziös und fein war, tn dem leisten, selbstverständlichen Gang ihrer schlanken, biegsame» Gestalt muna nach gefühlt. Ein Künstler hätte gewiß manches an ilr aetadK mir war der Naturgesang dieser licken werchen vollen Stimme das Köstlichste, das es für mein, sonst gar & W st- -m 8BM E«. 1° hat ich: , , Ä5 « *» **«--- jedes Mal: ।— Was beim? Wie immer gab ich zurückr iT)T Da hob sie ein wenig das Haupt uüd flüsterte mir in8 Ohr, tränenundeutlich und erstickt: , . i.tii. iii.b;:.! ich fle tut mich pr-ßt-, versprach lch ML L- W'ch ,»«»!- Macht, **. eigene, Herr «MZs Äwi «vr dir sterb-», »«ria! hpm Es kehrt die dunkle Schwalbe", ,rHier, L"stch"L'«eM sch-z-»" W** " -LL sang st- W StzELLKÄ sföjwtrawa; F» fe S^ÄW*'** Qtö»S ♦ ~ Schön war der Morgen, und hell schien dre Sonne, Fröhlich war ich auf die Wiese gegangen. Mütterlein saß schon am Fenster und fragte. Dein tmat ist feucht, was hast du angefangen? Ich ward ängstlich, ach so ängMch, wußten^nichtsW» - „Feucht ward mein Haar, da Wasser ich getragen. „Das ist nicht Wahrheit! I Mig aeaanaen in des Frührots Stunden Last dort im Feld den Gelickten gefunden. ^Ach ja, licke Mutter, ich will dir's ei'igestehen. Er wollt' bei Tagesanbruch gerne mich sehen. Hielt mich auf so lange, Sprach von Lieb' und Sehnen, | Und dabei und dabei Wurden feucht mir Haar und Wangen, saß Wicker da mit gesenkter Stirn wie immer^wenn sie die Stimmung vecklingen lassen moUle Fch wartete doch sie blieb in ber Stellung, und I tu ’ü’Yirfi irrttf ihr Haupt tief, tief herab, und ihre Schultern LN ' 4 sprang alrf kniet/ neben ihr nieder, bemühh I ihren Kopf emporzuhcken. Sie toernte Sie lehnte sich I ch, an die Arme um meinen Hals fest gerettet, uno schluchzte laut. Ich streichelte ihre Gütern, chren Nacken^ ihre Wangen und bat ste letse, mtr zu sagen, wa^ MmilinibszW M KnlrrhülümMMMwießmcrAnMrAtiml^eiger). 298 — HrA, begann sie so herzlich zu lachen, Hatz ich bald mit ernstnnmen mußte. Dann setzte sie mir den Fall auseiu- ander, führte mit ihrem ruhigen, klaren Verstand alles au' das richtige Maß zurück 1— denn der Zorn vergrößert — Wirb bewies nur, daß das alles so unbedeutend und gleich- tzultlg sei, wie nur je etwas gewesen. Sie hatte eine Redensart dabei, die immer Wunder wirkte. Wenn gar nichts helfen wollte, wenn ich mich in meinen Merger verbiß, pflegte sie zu sagen: — Fritz, ob du das wohl übers Jahr noch weißt? Da ging mir immer etwas auf wie eine Ewiqkeitsh Perspektive. All unser Dun, unser Aerger, unsere Sorge sür dm Augenblick erschien mir so nichtig, so gleichgültig! >,Nebers ^ahr!" Mein Gott, was konnte da alles geschehen sein! Und ich erinnerte mich mancher Menschen, mit denen ich iiil Gegensatz gestanden. Was war von ihnen übrig geblieben? Sobald iinsere Beziehungen, die uns anein- andergebracht, gelöst lvorden — lvas hatten sie noch für Bedeutung? Ein Feind kam mir in den Sinn. Ja, ein Feind. Ein Vorgesetzter, dessen Eitelkeit ich einmal als sunger Offizier tödlich verletzt hatte, ohne es zu Dollen. Er hatte die redlichste Absicht gehabt, mir dienstlich das Genick zu brechen. Es lvar ihm nicht gelungen. Vielleicht mangelte ihm nur die Zeit, denn der Gewaltige regierte Nicht lange. Eines Morgens hatte er den Abschied. Er in fei» Nichts zurück. Gestern noch bedeutete der Mensch möglicherweise für mich Verlassen des Dienstes und ein neues Leben beginnen - heute besaß er nicht mehr die Macht, mich auch nur die .Hand zum Gruß heben zu las,en. , Als ich das einmal Maria erzählte, begriff sie nicht, wie der Mann gegen inich so rachsüchtig hatte sein können. Mr Herz,^ das intmer nur weich war, für andere schlug, konnte Hag nicht fassen. Ja, ihr Herz war nur dem Wohle, dem Gluck anderer zugewendet. An sich selbst dachte Maria ersts zuletzt, und auch das vergaß sie noch bisweilen. Sie fragte immer nur darnach, was ich wünsche, wie sie mir dienlich und behilflich sein 'könne. Sie räumte in stiller Arbeit alle steine des Anstoßes aus meinem Wege. Sie suchte all meine kleinen Liebhabereien uiid Bequemlich- ketten zu ergründen. Sie erforschte meinen Geschmack, sie .beobachtete nnch, zu wissen, wo mir etwas fehle, lvas mir Mi genehm fei. Sie behorchte mein Herz, ob cs nach irgend Ewas verlange, was ich gewohnt gewesen und nun in der Ehe vielleicht entbehren müsse. Mein Herz, das so ruhig aelvorden, nur noch den einen gleichmäßigen Dakt schlug der da immer klang Ma—ri—a, Ma—ri—a, Ma—ri—a. Ich sah nur sie, ich dachte nur an sie. Wo ich ging Md stand, fiel sie mir ein. Alles tat ich nur noch mit dein Gedanken: Das wird meine Frau dazu sagen? Wenn ich einen «Entschluß zu fassen hatte, so geschah es mit der Neber- tthung: ldao wird ihr Freude machen, das würde sie so wünschen! Oder ivenn es ging, schob ich die Entscheidung tcVnit lf)r gesprochen hatte. Denn in dem Instinkt «ihrer Liebe traf sie immer das Rechte, das sür Mich, für uns Gute. 1 1 Indem auch ich ihr so eutgegenkam, nichts mehr tun konnte ohne sw auch ich mich sorgte, nur ihr zu leben, zu gefallen, hilfreich zu sein, hoffte ich ein wenig von dein zuruckzuerflacken, was ste mit ihrem ganzen vollen Herzen swVe ^ttlck die ganze Zeit in jenem kleinen Orte. Wir freuten uns, nicht in größeren Verhältnissen zu leben, denn dort hätten wir uns weniger angehören tonnen, wo es mehr Verpflichtungen gab. Auch hier zogen wir un» zuruck, soviel es- wegen der Kameradschaft ging. Drr lebten in unserem stillen Häuschen fast, als ginge uns Knr?an^e äbfettr "N. Wir arbeiteten zusainmen im Mauer eingefaßt, so daß uns kein fremdes Auge entdecken konnte. Dort gruben und pflanzten und iateten wir, banden Wein und Obstbäume aii die Ge- ^uder, saßen rn der Laube Hand in Hand und sahen dem Wachsen und üppigen Ranken all der bescheidenen und doch heimlichen deutschen Blumen zu, die nicht anders, nicht rcxw'f. gefüllter- fremdartiger bei uns gediehen als im Kärtchen irgend eines Bauern. ... Es nun der Zeitpunkt kam, wo ich Major werden sollte fürchteten war uns fast davor, denn damit mußte, wir s6r Fvühjahr würde es sein. Im Winter, als der Fasching zu Ende ging, gab das Offizier-, Mrps noch einen Ball, mir einen kleinen, beim Nachbarschaft fehlte. Die Verheirateten pflegten dazu ihre Verwandten und Bekannten einzuladen und ließen sie meist bei sich wohnen. Wo das nicht ging, mußten die beiden Gasthofe aushelfen, die sich stolz „Hotel" nannten. Men sollten wir bitten? Ich dachte an meine Schwiegereltern, doch der Geheimrat hätte nicht äbkommen können, und meine Schwiegermutter machte sich nicht viel aus derartigen Scherzen. Sie schrieb denn auch, sie käme lieber zu einer anderen Zeit. Junge Verwandte, denen wir durch! eine Einladung eine Freude gemacht hätten, besaßen wir beide nicht, und schon sagten wir uns: „Dann laden wir niemand ein," als Maria mit strählendem Gesicht rief: t— Ich weiß, wen wir bitten können. Nein r— müssen! — Nun? '— Herzeloide! Herzeloide! So lange hatte ich an sie nicht mehr gedacht, daß es mir ganz unerwartet kam. Ich empfand ein Unrecht gegen sie. So ist es aber doch mit den Beziehungen bon uns Menschen! Man geht aneinander vorbei, eilt iveltenferne Bahnen, kommt plötzlich in Erdennähe, wird "ngezogen und zieht an, läuft ein Stück mitsammen, und dann kommen die Zufälle des Lebens, die Wege führen wieder auseinander, man sieht sich) räumlich getrennt, kaum einmal, schreibt wenig, gibt auch das beinahe auf, und man ist fast tot einer für den andern. Herzeloide schrieb wohl ab und zu, und Maria auE wortete, aber man hätte sich sehen muffen, um einander nahe zu bleiben. So gingen wir doch getrennte Wege. Maria schrieb ihr also, und tagelang fragten wir uns: ob sie wohl kommt? Ob sie an der Riviera sei wie gewöhnlich, wußten wir nicht, denn ihr letztes Lebenszeichen Warans Freiburg im Beisgau gekommenr, wo sie entfernte Verwandte besaß. War sie im Süden, so war Vie Einladung wohl zwecklos. Wie sollte sie die weite Reise machen zu einem kleinen Danzfeste von wenigen Personen in einem winzigen Provinzneste? (Fortsetzung folgt.) Vie internationale Hygiene-Ausstellung Dresden M. Bon Dr. v a n Tro y. I. Wenn die Natur sich um einige Wochen in ihrer Toilette verzögert, beginnen wir sie als unzuverlässig zu schmähen, wir, die wir so wenig an pünktliche Leistung gewöhnt sind. Wer von Uns hat schon seinen Anzug zum bestimmten Termin geliefert erhalten, wer seine Wohnung zur rechten Zeit eingerichtet, wer endlich lemals eine Ausstellung an ihrem Eröffnungstage fertig gesehen? Auch Treuer hat hier die Natur sich vorenthalten, gleich, als ob sie warten wollte, uni mit jungem und frischem Grüst dre große Schau, die- in jahrelanger Arbeit vorbereitet, sich zeigen soll, zu begrüßen. Aber sie ist dennoch etwas zu früh gekommen. Denn noch ist es an den meisten Plätzen wüst. Schwerbcladeue Fuhrwerke ächzen auf ungepflastertcn Wegen, Gräben werden ailsgeschüttet, Rohre in die Erde gewühlt, Pfähle ein» gerammt. So gerät der Mensch, der feine Phantasie vorwärts chweuen lassen muß, um die zukünftigen Wunder schon heute zu lchauen, mehr als einmal in Gefahr, Schaden an Leib und Leben zu nehmen. In di« klare, blaue Luft hinein ragen hie hohen, getönten Dächer der sich lang hinstreckenden AuSstellungs- halleir. Ruhiges Grau deckt die Wände, lebhafter gestaltet durch andeuteud stilisierend« Ornamentik, welche auf die innere Glie- Keine Jahrmarktspracht, keine ausschweifende Architektenphantafie ist hier zugelasseii, wie man sie aus älteren Ausstellungen bewundern musste, Selbst die exotischen Staaten haben sich glnalich mit dieser sachlichen Einfachheit abzufinden verstanden. Alles ist eingelagert in eine Natur, die sich in vielgestaltigen Formen gibt. Der königliche Große Garten, ein Werk lranzosischcr Gartenkunst, und sein angrenzendes Gelände, mit großen, freien Flächen, weiten Wiesen, sich windenden Alleen, reizvollen Durchblicken und Abschlüssen, eröffnete den Architekten Aufgaben M deren Lösung sie zeigen konnten, wie es heute nM den Städtebau — denn Nichts anderes als eine kleine Stadt T EtM± Ausstellung - bestellt ist. AUs einer Grundfläche von 320 000 Quadratmetern, von denen etwa 60 000 Quadratnieter überbaut sind, erheben sich die Baulichkeiten. Die größeren1 von ihnen liegen frei, kleinere suchen sich ihr Milieu im Schatten v. er BauUie oder inmitten saftiger Wiesen. Hier und dort haben em -•‘uftergut, eut Waldrestaurant, ein Luftbad, eine Liegehalle unb eine Waldschule ihren Platz. Auch das letzte Bedürfnis des -ceuschen nach Komfort, der Waldfriedhof, fehlt hier nicht. Komfort und Hygiene! Zwei ursprünglich weit auseinaiider- negende begriffe fließen jetzt ineinander über. Komfort, einst . ^^orvecht der Begüterten, soll jetzt als allgemeines Menschest-- recht gesorhert wyMi^ Jejxex Kmisort ist ein Mehr, M Muk- 299 — Perasib, ent AusgestjalteU der Dinge, Mag sie nicht nur eben Iwch Ire Dienste tun, sondern daß sie! diese zu leisten imstande sind, (in einer dem EmPfäMer wohlsiwnden Weise). Auch die Hygiene will solch ein Mehr, sie geht nicht darauf aus, das MWimnnt der Lebensbcdingnngen zur Norm zu erheben, sondern das .OMmnm, b. i. jener Punkt, unter dem am sichersten allen Schädigungen getrotzt wird. Das Charakteristische' an jeder Hygiene w,ltc ni?X. fordert, als notwendig erscheint. Ein gewisser Wohlstand an anßercn und inneren Gütern, eine .gewisse materielle und geistige Kultur, ist dazu Vorbedingung. Solange,diese fehlen, wird mau _ut der Wiste predigen nnb selbst die Gewalt der Polizei versagen sehen. «v bemcisteuswert, iuie die jetzige Ausstellung entstaub. Nicht gus dem Bedürfnis, nach 28 arbcits- und erfolgreiches Zähren —- denn soviel sind seit der Internationalen Berliner Hygiene-Ausstellung im Jahre 1883 verflossen —. wiederum ein weltumspamiendes Bild der Errmigeuschafteu der Hygiene zu keimte der Ausst.elluugsgedanke, sondern aus einem ©eilen» KEiiig der Hygiene. Die Kosmetik, ihrem Namen wie ihrem Wesen nach durchaus eine junge Lnxusbranche, nicht von allen bis- her als ebenbürtiger Zweig der Gesundheitspflege betrachtet, sollte in einer Ausstellung der Oeffentlichkeit gezeigt werden. Der Vater dieser ^dee aber glaubte mit Recht, seinem Kinde nicht pesser nutzen zu Wunen, als wenn es ihm als dienendes Glied in einer umfassenden Hygiene-Ausstellung einen Platz anwiese. Printe Initiative also war es, die den Grundstock legte. Bald erivachte auch in deii Behörden das Interesse an dem linternehmen. Zahlreiche fremde --Staaten sagten offiziell ihre Beteiligung zu. ltuter den Pavillpns, die zu beiden Seiten der Herkulesallee liegen, Vlen auch die Exoten nicht, (China und Japan). Südamerika, W vertreten. ^Rußland will feine: Hygiene (in einem' von slavischem Sarbenprunk strahlenden Ban) um das riesige Abbild seiner großen Zarin gruppieren. . > F'?’ Mle ein Buch über Hygieiie aiifschlagk,- ivuudert sich über die Vielgestaltigkeit des Stoffes. Nicht immer ist ohne weiteres erkennbar, was der verbindende Gedanke ist So wird es wohl auch Manchem Besucher der Ausstellung gehen. Aber wenn er sich vergegenwärtigt, daß es überall darauf au- lommt, durch wissenschaftliche Methodik Maßnahmen ausfindig zu machen, die geeignet sind, den Menschen vor Gefahren zu schlitzen oder diese auf ein Mindestmaß zu beschränken, so wird er verstehen, warum Luft und Licht, Kleidung und Körperpflege, Nah- und Gcnußmittel, Ansiedlung, Wohnung und Gefängnis, Tuberkulose und Krüppelfürsorge, Alkoholismus und Prostitution Und vieles andere hier ihre Stätte gefunden haben. Eine ethno- graphisch-hlstvrische Abteilung läßt interessante Rückblicke und Ber- emie zu. Reichhaltiges, bisher nie in biefent Umfange an die Oeffentlichlcit gekommenes Material über die neueren Theorien der Vererbung, über Rassenhygiene und Degeneration wird an semer anderen Stelle zur Schau gestellt. Eine große Arena am Ende der Ausstellung soll Sportkämpfen dienen. In einem daran grenzenden Laboratorium werden Untersuchungen über den Einfluß des Sports auf den menschlicheii Organismus auaestellt werden. Die Furcht, in eine Fachausstellung zu geraten, ist unbegründet, obwohl auch der Hygieniker von Fach großen Nutzen iind reiche Anregung aus den Schätzen schöpfen wird. Anordnung und Auswahl aber sind so getroffen, daß jeder Gebildete unmittelbar niteressiert wird. Aber wäre selbst dies nicht der Fall, so bliebe noch mn Letztes übrig, um dessentwilleu sich allein der Besuch der Ausstellung lohnte. Das ist das Haus des Menschen. Eine vollständige Hygiene-Ausstellung in populärem Gewände wird es mit seinen unzähligen Präparaten, Modellen, Moulagen, Zahlen und Diagrammen vielen Tausenden ein Führer W Hygiene werden. Jahrelanger Fleiß hat hier Unerhörtes und Niedagewesenes geschaffen. Bon ihm wird noch eingehender zu berichten sein. Seine Entstehung verdankt das Srains des Menschen dem Privatmauue, dessen Geist der Ausstellungsgedanke -entsprungen ist, dem Dresdener Großindustriellen Geh. Kvmmer- zieiirat Lingner. Noch ist die Ausstellung nicht ganz fertig. Aber eines fleht nach den Stichproben, die Mau machen fumtte, schon heute fest: Die Internationale Hygiench-Ausstellung zu Dresden wird die deutsche Ausstellung des Jahres 1911 fein. Das ideale Weib. Von Ailglist S t r i ii d b e r g?) , Äch,.hnbe in diesem Buch von einem Bildhauer erzählt, der eine garstige Iran hatte, die zu der verheiraieten Halbwelt ge- horte. ~ie Professorin führte die Unterhaltung einer Kokette, wollte wie eine lliiiurheiratete leben, obwohl sie verheiratet war und Kinder besaß, ^.er Mann schliig sie zuweilen, denn er ivußte genau, iuer sie war. Dann starb sie und der Bildhauer schuf eine Statue aus Marmor in ganzer Figur — das sollte sie sein — und ließ sie auf dem öffentlicheii Platz eines Badeortes aufstellen. Ich glaubte erst, *) Wir entnehmen diesen Aiissatz einem in wenigen Tagen im Verlag von Georg Müller-München neu erscheinenden eigenartigen Werk von Sirindberg „Das Buch der Liebe". er habe etwas Schönes bei der Fran gesehen, das mir anderen nicht sehen konnten; ich glaubte dann, er habe seine schönen Gedanken und Gefühle in Marmor dargestellt und dabei ivollte ich für den Augenblick bleiben. Alles, Modell uiid Statue, war sein Werk. Als er dieses Weib zu lieben^ anfiiig, begann sein Schöpsungsiverk, Aus ihrer ungeordneten Seelenmaterie machte er mit seinen schönen Gefühlen und Gedanken eine Gedankenform, die das Weib zuerst be- ivuuderte und verehrte und der es gleichen ivollte. Aber sie konnte nicht mitkommen; zu Hause strengte sie sich ivohl an, die Pose und die Gebärde für eine Weile einzunehmen; kam sie aber nur in Gesellschaft, so wars sie Maske und Kostüm ab, fiel aus der Rolle. Liber der Man» arbeitete an seiner Gedankensorm; litt, wenn er ihr keine Form zu geben vermochte; verzweifelte, wenn sich das widerstrebende Material seinen schönen Absichten nicht unterwerfen wollte. Litt am meisten, wenn er sah, wie sie von anderen unfähigen Händen berührt und modelliert wurde. Die Gesellschaft, bereit Essen, Kleider, Wagen sie in Feuilletons schilderte, hatte ihr eigenes Bild von diesem Kind der Welt, und das war das ivirkliche. Der Bildhauer trug sein Bild, das er schließlich in Marmor sah. Ich war nur erstaunt, daß sein Marmor dem wirklichen Bild so genau glich. Doch merkte ich, daß er retuschiert hatte. Die Verhältnisse der Brust und des Rumpfes waren geändert, die Arme ausgesüllt, der Fuß war schön gemacht, obwohl er es in Wirklichkeit nicht war: das Oval des Gesichtes war fixiert, obwohl es etwas hexenartig war. Aber auch die Pose selber war vor allem sein Eigentum: über ein Buch in Nachdenken versunken. Er hatte sie wohl in einem solchen Augenblick gesehen, da sie am meisten Seele und am wenigsten Erdgeist war und am besten seinem schönen Gedanken entsprach. Die Gattin des Dichters ist ja etwas Apartes, aber auch von ähnlicher Art. Die Menschen machen weite Reisen, um die Muse des Dichters zu sehen. Besitzt sie Selbstbeherrschung, so gibt sie die Rolle; ost aber wird sie müde und man bekommt etwas ganz anderes zu scheu. Im allgemeinen bewundert sie ihren Dichter nicht, obwohl sie sich so stellt. Daß er sie verehren kann, versteht sie nicht, obwohl sie ihren Vorteil dabei findet. Und sie ist sehr geneigt, ihn Humbug zu nennen, weil er sie verehrt. Sie möchte sagen, daß er sich selber in ihr verehrt, aber das tut er nicht. — Warum möchtest du nicht so schön werden, wie ich dich machen will? fragte er sie. — Wie bist du beim selber? — Ich? Du sollst besser als ich sein, damit ich zu dir hinaussehen kann. Du sollst vollkommen sein, denn du bist ja mein Ideal. Ideal nannten wir in den sechziger Jahren das geliebte Weib. Wir ivußten wohl, daß Dantes Beatrice sich mit andern verheiratete, daß Stagnelius' Amanda vielleicht nicht so liebenswürdig war, daß Malmströms Angelika kein Engel war, aber wir emp- fandeit, daß in des Mannes subjektiver Auffassung der Liebe eine schassende Krast liegt, die zuerst ein Jdealweib schafft und dann durch das ein Kinds Das ist wohl das Göttliche bei dem sonst an die Erde gebundenen Alaun, daß er schaffen kann, und int schlimmsten Fall ans dem bloßen Nichts l Dabei kann man wohl stehen bleiben. Sonst ist die Sache unerklärlich! _______________ Mrbesprjjchlein zum hessischen Vlumentag sür die Blumenmägdlein zu Nidda; mit den Blumen verkauft. Zum Blumentag in Nidda wirb uns noch geschrieben: Reben Blumen und Postkarten wurden auch vom Ober-Amtsrichter Reinhold verfaßte Verse verkauft, die allseitig Anklang sanden. Am 9lbenb des Nerkaufstages trug Beigeordneter Menge! die Sprüche unter lebhaftem Beifall vor. Wir geben hiermit eine Anzahl der originellen und humorvollen Verse wieder. 1. Hast du ein Herz im Leib — a guts! — Tann tu ivas für den Süuglingsschutz. 2. Heist' hat der Nickel freien Laus, Das Feldgeschrei heißt: „Taschen aus!" 3. Für klaane Kearn do soll nur gern berappe, Woarn nur doch all' entöl su klaane „Krabbe". 4, Hoch stehn int Lande weit und breit Die Aktien der Barmherzigkeit Und jeder wahrhaft kluge Mann Legt heut' nur „Liebeswerk" an. 6. Ob liber-, sozi-, national, Heut sei »ter hessisch all' egal. 6. Hie Helf' eiitol mit deine „Trümpp" De Hessenkinner us de Strümpp. 7. Nur, bitte, keine falsche Scham Du hast »och „Möbbs" genug „dehaam". 8. Besinn dich tut — greis in dein Tasch Und spend was für e Säuglingsflajch. 9. Verborrn iß die Knauserei, Uff, Hannes, mach' 'n Nickel frei. — 300 — 10. Ter, wo nix waas von Kinnerbosse, Der kann sich's hent woas toaste losse 11. August, du hast die feilste Kaffe, Tu wirst dich doch net lumpe laffe. 12. Sei nur kein Nörgler, kein Krakehler Das sind die schlimmsten Währsihaflsfehler. 15. 'n Nickel 'raus, unn net gleich flenne, Spähn kannst de morje wieder brenne. 16. Als nur geblecht frisch-sromm-frei-froh, Dann dosiir iß die B l e ch bnchs do. 17. Hai kannst de woas zu dei'in Bergnije Für billig Geld ins Knopploch krieje. 18. Philipp, komm her unn lob dich roppe, Wärsch nach bloß für en Gummistoppe. 19. 'nen nntteldicke Nickel nur Kost't dieses Kind der Wiesenflur. 20. Labt nur erscht e paar Jahr vergeh', Dann sollt ehr emot „Staats kinner" seh. 21. Als geriwwelt frisch und fix, Gibt'st de nix, so gilt'st de nix. 22. Geht auch ein Märklein in die Binsen, Wer weiß, vielleicht trägts hohe Zinsen. 23. Heut zwack der einol — giht der'sch aach knapp — Fürs Hesseland ’n Schoppe ab. 24. Woas iwes eaß e Owerheß, Ter kääft sei Blimche ganz geweaß. 25. Jetzt wirst mit Liebe du gerupft, Ob's glich dein knaus'rig Herz verschnupft 26. Etzt zieh' emot bet’ Portmonnaie, Doch tu der jo bei Leib net weh'. 27. Komm, Schorsch, kaaf dr e Margerit Unn nomm d’r Lisbet aach a mit. 28. „K ä ä s st* du im M a i ein Blümelein Zu edlen Menschenzivecken, So mit6 deshalb noch lange kein „Maikäser" in dir stecken. 29. Tu hast die Zeit und hast die volle Kaste, Was fängst btt mit bem vielen Zeug nur an, Spenbir' was für e Kinnerchais' — bann hast be Doch auch mal sürs Balerlanb was getan, 30. Bersleckel dich net in ber Sluwwe Unb geb ivoas für bie Hessebuwwe. 31. Sei das Maßlieb auch noch so schlicht und klein, Das Maß der Liebe muß unermeblich fein. Daß der Schimmel nahezu pechschwarz zur Welt kommt, erfahren wir im Maiheft von Belhagen & Klasings Monatsheften aus den „Hipologischen Farbenslndien" von Wolf von Metzsch- Schilbach. Als Mohrenschimmel erblickt er das Licht einer Stall« laterite. Kaum je wird nämlich ein Pferbebaby tagsüber geboren. Bald treten dann auf bem schwarzen Grund weise Haare hervor, nach bem ersten Jahr, im zweiten und drillen, den eigentltchen Kinderjahren, entwickelt sich der Grauschimmel, zeigt sich die „Tendenz", ein Apselschinunel zu werden. Das will sagen, auf schon ausgesprochen weißem Untergrund treten die talergroßen Ringe hervor, welche die „Apfelung" bilden. Der Schimmel ist eben im Gegensatz zu allen andern Pferden, die bie Farbe ihres Jugendkleibes bis ans Ende ihrer Tage bei« behalten, recht eigentlich ein Chamäleon zu nennen. Mit jebem Haarwechsel im Herbst und Frühjahr verwischt sich die hübsche lebhafte Zeichnung mehr und mehr, sie verbleicht schließlich in reisen Jahren völlig, und man spricht bann am Ende bieser Metamorphose eben nur noch von einem „Schimmel" schlechthin. Will man sich ganz besonbers gewählt ausbrücken unb bie nur scheinbar pleonastische Wortverbinbiing „weißer Schimmel" verineiben, kaim man das Tier wohl auch als „Silberschimmel" bezeichnen. Dies ist so im allgemeinen „Schiinmels Werdegang". Daneben gibt es jedoch auch weniger iwrma(e Entwicklungsstabien. Zuweilen treten ba außer schwarz und weiß noch z>vei andere Farbentöne ost ganz unvermittelt auf, ein leicht schieferblauer und ein ausgesprochen rötlich-brauner, so daß der Blauschiniinel im einen, der 'Muskatschimmel im andern Falle entsteht. Auch hiermit ist die ganze Farbeiiskala noch lange nicht erschöpft. Da haben wir zunächst noch den ganz entschieden häßlichsten aller SchiuiNiel, den Fliegenober Forellenschimmel vorzustellen. Oft erscheinen nämlich vor bem völligen Erbleichen des Felles wie der Dieb in der Nacht zumeist über alle Teile des Körpers verstreut zahllose linsengroße Punkte. Auch bei Schinmielii, die vordem ein nur voii weiß und schwarz gemischtes Slcib trugen, taucht plötzlich ein neues Farbenelement auf, denn diese Punkte werden iit ber Regel von rötlich-braunem Haar gebildet, bas einem Juchs angehöreii könnte. Die rot-braune Punktierung erweckt, aus einiger Entfernung betrachtet, vollkommen beu Eindruck, als hätte sich auf weisem Grunde ein Heer von Fliegeii niedergelassen. Dieser Fliegenschwann aber erweist sich leider als reckst seßhaft. Mancher Schimmel trägt ihn selbst dann noch mit z>i Grabe, wenn er das höchste einem Pferd gesteckte Altersziel von 33 bis 35 Jahren erreicht. Die große Mehrheit aller Schiiiimel sieht freilich schon lange vor bem Eintritt in solch patriarchalisches Alter, mit 12—15 Jahren „etwa, weiß wie ein Handtuch" aus. Nun wissen wir, daß Schimmel überhaupt em wenig 3um Phlegma neigen, unb da das Alter lisch überdies bas Seine dazu beiträgt, etwelche „wilden Triebe" zu besänftigen, ist denn auch vom Standpunkt des Hippologen nichts dagegen einzuwenden, daß das Dichterroß als milchfarbener Schimmel dargestellt wirb.. Er wurde in jüngeren Jahren wohl kaum bie üblen Reitversuche junger Anfänger so gar gebiildig über sich ergehen lassen. Abschließend sei in unserer Farbenstubie noch ber Rot- ober Eisenschimmel gedacht. Sie sind es hauptsächlich, bie von Laien baib als Füchse unb Braune, bald als Rappen angesehen werden. In der Grundfärbung gleichen sie diesen auch vollkommen, nur zeigen sich die rotbraunen und schwarzen Haare von so zahlreichen weißen gleichmäßig untermischt, daß die Klassifizierung als Schimmel ihre volle Berechtigung hat. „Mit Zucker überstreute Braune und Rappen" sagt eine tatarische Bezeichnung nicht unzutreffend. Wenn mm die Schimmel fo gleichsam ihren Taufschein offen mit sich herumtragen, wenn man ferner in Betracht zieht, daß der Verwandlnngsprozeß des Ausbleichens bei dem einen schneller, denn andern langsamer vor sich gebt, so wirb man leicht ermessen, baß sie sich im allgemeinen nicht ber größten Beliebtheit erfreuen. Cun Paar völlig 'gleichalteriger unb gleichgezeichneter Apfelschimmel sieht oft schon nach zwei, drei Jahren recht verschieben schattiert aus, wenn nicht gar sich ber eine plötzlich zum Fliegenschunmei metamorphostert hat. Da schließlich noch bie Reinerhaltung gewisse besondere Schwierigkeiten bietet, darf es nicht wundernehmeii, baß prosaische Kutscher dem Schimmel weit weniger sympathisch gegen« überstehen als Maler und Poeten, die sich in genialer Weltentrücktheit um die Stallpslege wenig Sorgen machen. Die deutsche Heeresleitung hat übrigens noch aus einem anderen und gewichtigeren Grunde bie Schimmel schon längst auf ben Anssterbe-Etat gesetzt. Ihr weithin leuchtenbes Weitz läßt sie ge- rabezu als Zielscheiben für feinbliche Geschoße erscheinen. Man möge sich hier bes schönen Gedichtes vom „treuen Froben" erinnern Nur ein Regiment reitet noch heute, alter Tradition gemäß, au • schließlich Schimmel. Es ist das erste ber beiben schwarzen, fs- genannten Totenkopf-Hnfaren-Regimenter in Danzig-Langsuhr. o- Humoristisches. * Zweifelhaftes Lob. „Wie gefällt Ihnen Meine Brant?" — „Na, für Ihre Brant ist sie ganz hübsch!" * Feine Unterscheidung. Neues Dienstmädchen: „Gnädige Frau, soll ich die Arbeit jetzt machen, oder soll ich sie gleich machen?" ttömgspromenade. Man darf bie einzelnen Wörter unb Silben nur in ber Weise miteinanber verdürben, baß man — wie ber König auf bem Schachbrett — stets von einem Felb aus auf ein benachbartes übergeht. (Auslösung in der nächsten Nummer.) flie boch rast ein vo ben gt lust brauf gel du st uer ber ber hält last nicht fühl fliegt ent fchw vo bäum merkt die fo dir an gel fo uer bei wohnt ba kt sie weg doch- brüst die in von ber wenn fühlst nicht lust ast fo du die Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert Kafabu — I(Io — Anbetnach — Obijniec — Tacitus; Kiao - Tschou. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch» und Steinbruckereh R. Langs, Gießen»