M - Nr. (60 Donnerstag den 12. Oktober ■ISi Fl BI ii DSwpP* MfaQ'aW Mil FTTL-V'- WW^E KHH LiM Die weiße Frau. Roman von W. Collins. Macbdruck uerboten.) (Fortsetzung.) Ich beschloß, die mir gebotene Gelegenheit auszubeuten und mir jede mögliche Auskunft zu verschaffen. Sagten Sie nicht, Mrs. Catherick wohne in der Nachbarschaft? fragte ich. O nein, sagte die Haushälterin, immer noch um den Hund bemüht. Sie wohnt in Welmingham; ganz am andern Ende der Grafschaft, volle fünfundzwanzig Meilen von hier. Sie kennen Mrs. Catherick vermutlich schon lange? Im Gegenteile, Miß Halcombe; ich sah sie gestern zum ersten Male. Ich hatte natürlich von ihr gehört, da mau mir von Sir Percivals Güte erzählt halle, indem er ihrer Tochter ärztliche Aufsicht und Behandlung verschaffte. Mrs. Catherick ist in ihren Manieren etwas sonderbar, aber übrigens sieht sie recht anständ g aus. Sie schien sehr betrübt darüber, als sie fand, daß an dem Gerüchte, ihre Tochter sei in dieser Gegend gesehen worden, nichts Wahres sei — wenigstens soviel wir erfahren konnten. Ich fühle einiges Interesse für Mrs. Catherick, sagte ich in dem Wunsche, die Unterhaltung so lange wie möglich sortzusetzen. Ich wollte, ich wäre gestern früh genug hier angelangt, um sie zu sehen. Blieb sie ziemlich lange da? Ja, sagte die Haushälterin, sie blieb eine ziemliche Weile. Und ich denke mir, sie wäre noch länger geblieb.n, wäre ich nicht abgerufen worden, um mit einem fremden Herrn zu sprechen, einem Herrn, der zu fragen kam, wann Sir Percival zurückerwartet werde. Mrs. Catherick stand sogleich auf und ging, als sie das Mädchen die Bestellung von dem Herrn bringen hörte. Beim Abschiede sagte sie, es sei unnötig, Sir Percival etwas davon zu sagen, daß sie hier gewesen sei. Ich fand die Bemerkung etwas sonderbar, namentlich mir gegenüber in meiner.verantwortlichen Stellung. — Ich fand dies ebenfalls; denn Sir Percival hatte mich in Limmeridge glauben lassen, daß vollkommenes Zutrauen zwischen ihm und Mrs. Catherick bestehe. Wenn dies aber der Fall war, warum wünschte sie ihm da ihren Besuch in Blackwater Park zu verheimlichen? — Was sagte sie dann sonst noch? fragte ich. Sehr wenig, entgegnete die Haushälterin. Sie sprach meistens von Sir Percival und tat eine Menge Fragen über seine Reisen und seine junge Gemahlin. Es schien sie überhaupt mehr zu verdrießen als zu betrüben, daß sie keine Spur von ihrer Tochter entdecken konnte. Dann ging Jie gleich zu ihren Fragen in Bezug auf Ladv Glhde über; te wollte wissen, ob sie eine schöne und liebenswürdige Dame, ob sie lieblich, gesund und jung — ach Gott! ich dachte mir wohl, daß es so enden toerbe., Sehen Sie, Miß Halcombe, das arme Tier hats endlich überstanden! Der Hund war tot. Den 1. Juli — Die Verwirrung, die ihre Ankunft verursachte, hat Zeit gehabt, sich zu legen. Nachdem die erste Freude des Wiedersehens zwischen mir und Laura vorüber war, nachdem wir uns Hand in Hand nebeneinander gesetzt, um Atem und Fassung zum Sprechen zu finden, fühlte ich augenblicklich. eine gewisse Entfremdung und konnte sehen, daß auch sie dieselbe fühlte. Jetzt, da wir die meisten unserer alten Gewohnheiten wieder ausgenommen, ist sie zum Teil bereits wieder verschwunden und wird es wahrscheinlich binnen kurzem gcuiz sein. Sie hat mich unverändert gefunden; aber ich finde fte verändert. Verändert im Aeußern und in einer Beziehung auch verändert im Charakter. Es ist mehr Farbe auf ihren Wangen, und die Umrisse ihres .Gesichtes sind bestimmter und runder, als sie zu sein pflegten; ihre Gestalt scheint mehr ausgebildet und ihre Bewegungen sicherer und unbefangener, als sie zu ihrer Mädchenz.'it waren. Aber es fehlt mir etwas, wenn ich sie ansehe — etwas, das dem glücklichen, unschuldigen Leben Laura Fairlies angehörte, und das ich in Lady Glyde vergebens suche. Es lebte in alten Zeiten etwas so Frisches, Sanftes, immer Wechselndes und doch Bleibendes in der zarten Schönheit ihres Gesichts, dessen Zauber mit Worten zu beschreiben oder selbst zu malen unmögäch war, wie der arme Hartright oft zu sagen pflegte. Die zweite Veränderung, die ich in ihrem Charakter wahrgenommen habe, hatte mich nicht überrascht, da ich durch den Ton ihrer Briefe darauf vorbereitet war. Jetzt, da sie zu Hause ist, finde ich, daß sie ebenso ungern von ihrem Verhältnisse zu ihrem Manne spricht, als sie vorher darüber schrieb. Bei meiner ersten Anspielung auf diesen verbotenen Gegenstand legte sie ihre Hand auf meine Lippen, und zwar mit einem Blicke und einer Bewegung, die muh auf rührende, ja fast schmerzhafte Weise an die glücklich« Vergangenheit erinnerten, da wir keine Geheimmsse voreinander hatten. 1 Wenn wir beide zusammen sind, Marianne, sagte sie, werden wir glücklicher und unbefangener miteinander fetrt, wenn wir meine Heirat als das annehmen, was sre ist, und so wenig als möglich darüber sprechen und daran denken. Ich würde dir alles erzählen, herzige Schwester, was mich selbst betrifft, fuhr sie eifrig, mit der Schnalle an meinem Gürtel beschäftigt, fort, wenn meine Mitteilungen da enden könnten. Aber das wäre nicht der Fall -i sie würden zu Mitteilungen über meinen Mann führen, die ich jetzt, da ich einmal verheiratet bin, um seinetwillen, um deinetwillen und meinetwillen lieber vermeiden will. Ich will damit nicht sagen, daß sie dich oder mich betrüben würden — das wollte ich nm di« Welt nicht damrx 638 deuten. Aber <— mich verlangt so danach, glücklich zu sein, jetzt, da ich dich wieder habe, und auch dich glücklich zu sehen — sie unterbrach sich plötzlich und schaute sich rings in meinem Wohnzimmer um. ° Ach! rief sie, indem sie mit einem fröhlichen Lächeln des Erkennens die Hände zusammenschlug, da finde ich schon wieder eine alte Be- kauntschaft! Dein Bücherschrank, Marianne, dein lieber, alter, schäbiger kleiner Bücherschrank von Atlasholz — ich freue mich so, daß du ihn aus Limmeridge mit fortgebracht hast! Und dein Arbeitskästchen, gerade so unordentlich wie sonst! Und der abscheuliche, schwere Herrenregcnschirm, auf den du so versessen warst, wenn es regnete! Und vor allem, dein eigenes liebes, braunes, kluges Zigennergesicht, das mich wieder wie sonst anblickt! Es ist so heimatlich hier! Wie können wir es nur noch mehr so machen? Ich will meines Vaters Bild in deiner Stube aufhängen, anstatt in der meinigen, und alle meine kleinen Schätze aus Limmeridge hier aufstellen, und dann wollen wir viele Stunden des Tages zwischen diesen freundschaftlichen vier Wänden zusammen zubringen. O, Marianne! sagte sie, sich plötzlich auf eine kleine Fußbank zu meinen Füßen setzend und mir ernst ins Gesicht sehend, versprich mir, daß du dich nie verheiraten und mich verlassen willst. Es ist sehr egoistisch von mir, dies zu sagen, aber du bist unverheiratet soviel besser daran, wenn — wenn btt deinen Mann nicht gerade sehr, sehr lieb hast — aber du wirst niemanden als mich sehr, sehr lieb haben, wie, Marianne? Sie hielt wieder inne, legte meine Hände auf meinem Schoße übereinander und ihr Gesicht auf sie. Hast du kürzlich viele Briefe geschrieben und erhalten? sagte sie mit leiser, plötzlich veränderter Stimme. Ich verstand, was sie meinte, aber ich hielt es für meine Pflicht, sie nicht darin zu bestärken, indem ich ihr auf halbem Wege entgegenkäme. Hast du von ihm gehört? fuhr sie fort. Ist er wohl und glücklich, und geht es ihm gut in feinem Berufe? Hat er stch ganz beruhigt und hat er mich vergessen? Sie hätte diese Fragen nicht tun sollen, aber ach! wo ist das Weib, dem es gelang, das Bild einer wahren Liebe je ganz aus ihrem Herzen zu tilgen ? Ich sagte ihr nur, daß ich in der letzten Zeit nichts mehr von ihm gehört, und lenkte das Gespräch auf andere Dinge. — Was Sir Percival anlangt, so scheint er von kleinen Aergerlichkeiten belagert zu werden, seit er wieder daheim ist, und unter solchen Umständen nimmt sich kein Mann sehr vorteilhaft aus. Mir scheint, er sieht magerer gus, als zur Zeit, wo er England verließ. Sein ermüdender Husten und seine ungemütliche Unruhe haben jedenfalls zugenommen. Sein Wesen, wenigstens gegen mich, ist viel kürzer angebunden, als es früher war. In seiner Begrüßung am Abend seiner Ankunft war wenig oder gar nichts von der Zeremonie und Höflichkeit früherer Zeit zu verspüren. Er schien mich wie einen der wand-, band-, niet- und nagelfesten Gegenstände des Hauses hinzunehmen, sich zu überzeugen, daß ich mich an der rechten Stelle befinde, um dann sofort zu etwas anderem überzugehen. Die meisten Leute zeigen in ihrein eigenen Hause das von ihrem Charakter, was sie anderswo zu verbergen wußten; und Sir Percival hat bereits eine Sucht nach Ordnung und Regelmäßigkeit entfaltet, wie sie mir nach meiner früheren Kenntnis seines Charakters eine wahre Offen- barung ist. Wenn ich ein Buch aus der Bibliothek nehme und es auf dem Tische liegen lasse, so folgt er mir und tut es wieder an seinen Platz; ebenso, wenn ich bloß vou meinem Platz aufstehe und es dort liegen lasse. Ich habe schon die kleinen Verdrießlichkeiten erwähnt, die ihn seit seiner Rückkehr zu quälen scheinen. Am Wend seiner Ankunft folgte mir die Haushälterin in den Flur, um ihren Herrn, ihre Herrin und deren Gäste zu empfangen. Sowie er sie erblickte, srug Sir Percival sie, ob kürzlich jemand dagewesen, der nach ihm gefragt habe. Die Haushälterin sagte ihm darauf, was sie schon mir erzählt hatte, daß nämlich ein Herr dagewesen, der sich erkundigt, wann sie ihren Herrn zurückerwarte. Er frug sie sofort nach dem Namen des Herrn. Er hatte seinen Namen nicht genannt. Des Herrn Anliegen oder Geschäft? Er hatte nichts davon erwähnt. Wie sah er aus? Die Haushälterin versuchte, ihn zu beschreiben, doch gelang es ihr nicht, den namenlosen Besucher mit irgend etwas Besonderem zu bezeichnen, tootmt ihr Herr ihn hätte erkennen können. Sfr Percival runzelte die Stirn, stampfte ungeduldig mit denk Fuße und ging ins Haus, ohüö irgend jemanden weiter zu berücksichtigen. Wie ihn eine solche Kleinigkeit außer Fassung bringen konnte, ist mir allerdings unbegreiflich, gewiß aber ist, daß sie ihn ernstlich verdroß. — Die berden Gäste, der Gras und die Gräfin Fosco, sind in meinem Kataloge die Nächsten. Ich will die Gräfin zuerst vornehmen, um so schnell als möglich mit der weiblichen Ehehälfte fertig zu werden. Ich habe noch nie in meinem Leben "durch Verheiratung eine solche Veränderung in einer Frau vorgehen sehen, wie sie bei der Gräfin Fosco stattgesunden hat. Ws Eleonor Fairlie (tut Wter von siebenunddreißig Jahren) schwatzte sie fortwährend den arrogantesten Unsinn und peinigte die unglücklichen Männer mit jeder kleinlichen Anmaßung, die nur ein eitles, albernes Weib für die duldende Männerwelt zu erfinden imstande ist. Ms Gräfin Fosco (im! Alter von dreiundvierzig Jahren) sitzt sie stundenlang, ohne ein Wort zu sagen, wie ein seltsames erfrorenes Wesen. Den entsetzlich lächerlichen „Schmachtlocken", die ihr zu beiden Seiten des Gesichts herabzuhängen pflegten, sind jetzt zwei Reihen steifer, kleiner Locken gewichen, wie man sie auf altmodischen Perücken sieht. In ehrbaren schwarzen oder grauen Kleidern, die hoch am Halse schließen —- Kleider, über die sie früher gelacht oder taut aufgeschrien hätte, je nachdem nun ihre Mädchenlaune sein mochte — sitzt sie wortlos im Winkel; ihre trockenen weißen Hände! (und zwar so trocken, daß die Poren ihrer Haut kreidig aussehen) sind sortwährend entweder mit irgendeiner langweiligen Stickerei oder sonst mit der endlosen Verfertigung kleiner Zigaretten für des Grafen besonderen Gebrauch beschäftigt. In b-eit wenigen kürzen Augenblicken, wenn sie die kalten blauen Augen von ihrer Arbeit erhebt, sind sie meistens mit jener stummen, fragenden Unterwürfigkeit auf ihren Mann gerichtet, die uns allen in den Augen treuer Hunde bekannt ist. Sie ist im Hause oder, draußen, bei schönem oder schlechtem Wetter, so kalt wie eine Statue und so unempfindlich wie der Stein, aus dem sie gehauen. Für die allgemeinen Zwecke des gesellschaftlichen Lebens ist diese Veränderung jedenfalls, eine überaus günstige, denn sie ist dadurch in ein höfliches, schweigsames, anspruchsloses Frauenzimmer verwandelt, das niemandem und niemals im Wege ist. Ob und inwieweit sie aber wirklich in ihrem geheimsten Innern sich gebessert oder verschlimmert hat, ist eine andere Frage. Ich habe den Ausdruck ihrer zusammengekniffenen Lippen ein paarmal sich plötzlich verändern sehen, und dies hat mich aus die Vermutung geführt, daß ihr gegeuwärtiger Zustand, in dem sie fortwährend etwas zu unterdrücken scheint, etwas Gefährliches in ihrer Natur verbirgt, das in der Freiheit ihres früheren Lebens harmlos zu verdunsten pflegte. Es ist sehr möglich, daß diese Idee von mir eine völlig irrtümliche ist; aber es ist nun einmal der Eindruck, den sie aus mich macht. Die Zeit wird es lehren. ’ Und der Zauberer, der diese wunderbare Verwandlung hervorgebracht, der fremdländische Gemahl, der diese verdrehte Engländerin so gezähmt hat, daß ihre eigenen Verwandten sie kaum wiedererkennen — der Graf selbst? Was soll ich von ihm sagen? Mit einem Worte dies: er sieht aus wie ein Menschs der zähmen könnte, was er nur immer wollte. Hätte er statt eines Weibes eine Tigerin geheiratet, so hätte er die Tigerin gezähmt. Hätte er mich geheiratet, so hätte ich ihm seine Zigaretten gemacht, gerade wie jetzt seine Frau sie macht, und hätte wje sie den Mund gehalten, sowie er mich nur an geblickt. (Fortsetzung folgt.) Die Schule der Lächerlichkeit. EinStückchenWissenschafts-Pshchologie,, Von Univ.-Prof. Dr. A. Wagner, (Innsbruck). (Schluß.) Wir stehen in der Lebcnswissenschaft wiederum an der Grenzt eines Neulandes. Geradeso wie damals, als alle Tatsachen den Naturkundigen zur Entwicklungsgeschichte drängten, deren wirksamer Apostel dann Darwin wurde. So drängt auch heute alles, was an Tatsachen des organischen Lebens zu imfeient Denken spricht, zu einer Neuwertung. Der alte, grobe Materialismus ist längst versunken, nur die Halbbildung dienert noch zuweilen vor ihm. Aber auch der verfeinerte Materialismus, die mechanistrsche Auffassung des Lebendigen, verliert schrittweise an Bedeutung-, 639 So vieles, MV gerade das WiiWge lind EntscheiNndL, itt den Lebenstätigkeiten öffnet uns tagtäglich die Augen darüber, daß wir von dem alten 'Dogma frei werden müssen, an das Organische tiur Physik und Chemie als Maßstäbe anlegen &u dürfen. Es ist das genau dasselbe, als wenn unsere biederen Altvorderen im Gelehrtenberufe für die Mannigfaltigkeit der organischen Formen nur das 'Dogma von der Konstanz des Geschaffenen gelten ließen Und sich unter dem Zwange dieses Dogmas weigerten, der Lehre von der Wandlungsfähigkeit des Gewordenen Anerkennung zuteil werden zu lassen. Nicht um ein Tüpfelchen anders weigern sich Unsere gegenwärtigen „Alten", mit jenem Dogma zu brechen und anzuerkennen, daß die Wucht der Tatsachen unweigerlich zu der Neuen Auffassung drängt, zunächst in der organischen, 'dann aber wohl wahrscheinlich in der Welt überhaupt neben dem rein Physi- Mischen und Chemischen (also nach der Terminologie der Gegenwart summa summarum: dem Mechanischen) noch das Psychische (Innerliche,. Empfindung und Trieb) als Sonderqualität und wirksamen Naturfaktor anzuerkennen. Die Tatsachen legen uns dies bis zu den einfachsten Lebewesen hinab mit einer so zwingenden Gewalt nahe, wie es vielleicht noch bei keiner Neuerkenntnis aus wissenschaftlichem Gebiete der Fall war. Aber das Dogma gestattet die Anerkennung nicht. Und eben weil die mächtig sprechenden Tatsachen nicht mehr aus der Welt ;zu schaffen sind, weil selbst die Gegner nolens volens deren immer mehr zutage förderns müssen, greift man auf der dogmatischen Seite zu dem bewährten Mittel der Lächerlichmachung. Man macht die „Psychobiologie"/ die die stufenweise ansteigende Beseelung alles Lebendigen aus den Naturtatsachen herausliest, lächerlich, — so, wie man die tatsächliche Konstatierung der Mcteoritenfalle als bedauerliche Verirrung, die Verfechtung des Entwicklungsgedankens als Zeichen intellektueller Minderwertigkeit gebrandmarkt hatte! Was Hilsts, hier wie'.dort? Nichts. Die Natur verfolgt ihre Wege, außerhalb des Menschen o gut wie in ihm selbst, in seinem Fühlen und Denken. Wir sahen o viele wissenschaftliche und andere Dogmen schon fallen und reuen uns dessen, — warum sollen gerade die heutigen Dogmen o unerschütterlich sein? Wir müssen doch direkt hoffen, daß sie es nicht sein werden, denn das wäre das Ende alles Fortschrittes. Ich glaube aber nicht, daß es als ein Zeichen ungewöhnlicher Zweifelsucht zu gelten hat, wenn man der Ansicht ist, daß wir heute bei weitem noch nicht so weit sind, weitere Erkenntnisfort- fdritte für entbehrlich zu halten! Es scheint aber gar nicht wenig Leute zu geben, die glücklich zu so beneidenswerter Selbstzufrieden- heit gelangt sind. , An dieser Stelle hier ist es mir .nur um bte lehrveuys Parallele zu tun. Auch nur die Umrisse der neuen Wissenschaft, ihrer Grundlagen und Methoden zu skizzieren, ist an dieser Stelle unmöglich. Ich möchte nur die Lacher, oder besser gesagt: die „Lächler" aus der Gegenseite warnen. Und ebenso alle diejenigen, welche sich durch dieses Lächeln bestricken lassen: Es ist Unecht, dieses Lächeln, es ist die Maske, unter der sich das Gefühl für eine sicher und unabwendbar heranschreitende Zeit verbirgt. Es war auch beim Lächeln über den Entwicklungsgedanken nicht anders. Die Situation aber, in der sich cheute die Psychobiologie befindet, ist aufs Haar dieselbe, wie seinerzeit .die der Entwicklungslehre, deren unausbleibliche Folgerung sie übrigens ist. Unb so wird wohl auch der weitere Gangcherselbe werden. Die Psycho- biologic ist in die „Schule der Lächerlichkeit" gekommen. Das ist ein Zeichen, daß sie beachtenswert ist. Es mackst sich M tatsächlich viel Unsinn in der Welt breit. Und gerade 'heute, im Zeichen eines tiefen Unbefriedigtseins durch unzureichende Grundlagen, taucht im Rahmen unechter Wissenschaftlichkeit allerlei auf, das sich jedem geschulten Denker sofort als Totgeburt offenbart. Viel derartiges mag dadurch entstehen, daß der oder jener, dem die nötige wissenschaftliche Selbstkritik fehlt, durch sensationell klingende Bücher raschen und billigen Ruhm, sem Verleger aber entsprechenden Mammon erwerben zu können hofft. Tas Publikum teuft solche Dinge nicht ungern, und darauf richtet sich in unserem heutigen, ganz vom Erwerbszwang geknechteten Zeitalter die Bücherspekulation. Wer auf dem Titel seines Buches die „Lösung" des Lebensproblems ankündigt, oder das „Wesen des Lebens ergründet haben will, der charakterisiert sich selbst als Scharlatan; denn was jahrhundertelange Häufung von Scharfsinn und Beobachtung nicht erzielte, das wird niemals einem Einzelnen und von heute aus morgen gelingen ! Was da m solchen Büchern von Eintagsfliegencharakter an „Tatsachen und „Logik geleistet wird, verdient und erhält auch wirklich nur em Lachen. Aber ein kräftiges, gesundes, echtes Lachen Nicht leneS fatale „Lächeln". Mit diesem gesunden Lachen ist die Mißgeburt auch meistens gründlichst und für immer abgetan, Sie erstirbt tn diesem Lachen des verdienten Todes. Anders ist es aber bei wissenschaftlichen Gedankengängen, die auf Neuland leiten, die «ms Tausenden unbezweifelbaren Tatsachen nicht etwa eine plötzliche, verblüffende Lösung, sondern ganz im Gegenteile erst die Andeutungen zu einem neuen Wege finden, der nicht tm geringsten eine Lösung garantieren soll (wie wäre das überhaupt möglich!), sondern nur ein tieferes, der Wirklichkeit entsprechenderes Verständnis, eine bessere umfassendere Einsicht zu gewahren scheint. Diese „Modernisten" auf wissenschaftlichem Gebiete kollidieren dann ganz genau ebenso mit der dogmatischen Wissenschaft, wie die „anderen" Modernisten mit der dogmatischen Kirche Da aber .erstere keine Macht hat, durch einen „Modermstenech" den Neubestrebungen Halt zu geliefert, das stumme Ignorieren aber Stft gesichts der Wucht der Tatsachen undurchführbar ist, so greift sie zu dem anderen Mittel der Lächerlichmachung. Begreift aber dabei nicht, daß auch sie sich damit ihr eigenes Fundament untere gräbt, nämlich die Freiheit der Forschung und Lehre! Denn jenes, von vielen so gefürchtete Lächeln soll ja abschrecken von der Verfolgung einer der dogmatischen Wissenschaft ungelegen kommenden neuen Gedanken- und Forschnngsrichtnng, die der Menschheit vielleicht sungeahnte Quellen für eine fortgeschrittene innerliche Kultur zu eröffnen vermag! Ich hoffe, man .versteht, was ich mit diesen Zeilen zu Gemüts führen will: Auch die Aeußerungen der menschlichen Psychs haben ihre Gesetze. So wenig es gelingt, den am überlebten und überwundenen Alten aus Gewohnheit, Eitelkeit oder auch Kurzsichtigkeit Hängenden für das ihm unsympathische, ja oft verhaßte! Neue zu gewinnen, so wenig wird der Vorwärtsstreb ende sich durch Entrüstung, Schikanen oder auch nur ein spöttisches Lächeln von seiner Begeisterung eben für das Suchen von Neuem, Lebensfähigem abbringen lassen, soferne er nur diesen Weg aus tiefer Erkenntnis und innerer Freude am Wahrheitsstreben betrat. Deshalb keinen Groll gegen die Lächelnden (denn sie können nicht anders), aber auch keine Furcht vor ihnen! Es gibt ja mitunter Neuerungen ans geistigem' Gebiet, die wirklich ihrer Zeit vorauseilen. Für sie ist nichts zu holen. Sie werden nicht verlacht, auch nicht belächelt, man geht bestenfalls achselzuckend an ihnen vorbei, man versteht sie nicht. Erst spätere Generationen vermögen oft den vorausblickenden Geist zu würdigen, der sich darin geoffenbart hatte. Sobald aber einmal das „Lächeln" der Dogmatiker beginnt, ist das Spiel gewonnen; denn es bedeutet die Unmöglichkeit, sich des Neuwerdenden zu erwehren. Für die Psychobiologie sind die Chancen bedeutend besser, als fiel seinerzeit für die Entwicklungslehre waren. Sie verfügt über ungleich zahlreichere und beweiskräftigere Tatsachen als damals jene. Und außerdem findet die Bewegung stets neue Mitkämpfer aus den verschiedensten Wissensgebieten, die im Kernpunft der Sache alle aus demselben Bedürfnisse und derselben Einsicht heraus ihre Stimme erheben. Daß der Grundgedanke der PshchobiologiÄ nun auch gleich in unlauterer, unwissenschaftlicher Weise für spezielle Zwecke von einer Seite her ausgenützt wird, welche irt der mechanistischen Naturwissenschaft nicht ein einseitiges wissenschaftliches System, sondern zugleich die freie Wissenschaft überhaupt zu treffen glaubt, kann der Psychobiologie in den Augen ruhig Denkender nicht schaden. In ihr selbst liegt diese Folgeerscheinung nicht, int Gegenteile! Jeder wissenschaftlich vorgehende Psychobiologe wird aber diese zweifelhafte Bundesgenossenschaft gründlichst ablehnen. Gegen Mißbrauch sind auch, die lautersten Gedanken nicht Leschützt. Ter Psychobiologe selbst weiß ganz genau, worauf seine Bestrebungen gestützt Und wie vielseitig gerechtfertigt sie sind. Demjenigen aber, der vielleicht mit seinen Sympathien auf Seite dieser Bestrebungen ist, .aber doch nicht über jenen Grad sachlicher Einsicht verfügt, daß ihm die spöttischen gegnerischen Stimmen nicht Bedenken erregen können, — dem muß es gerade zur Festigung des Vertrauens an der sachlichen Bedeutung der neuen Bewegung dienen, daß diese aus dem Stadium stumpfer Unverstandenheit und wortlosen Ignorierens in jenes zukunftsfreudige Stadium getreten ist, in welches jeder neue, große und nachhaltig wirksame Gedanke vom konservativen Geiste gedrängt wird: in das Stadium des „offiziellen" Belächeltwerdens. Sie ist eingetreten in die „Schule der Lächerlichkeit", — jeder Kenner wissenschaftlicher Entwicklung muß sie dazu beglückwünschen! Sein Garderobier, bitte! In einer neuen Halbmonatsschrift, „Wiener Konzertschau", findet sich u. a. eine hübsche Plauderei, .Mein Garderobier', von Leo Slezak, dein bekannten Wiener Tenoristen. »Tiefer Garderobier", schreibt Slezak, „heißt Franz Schweiner, ist aus Kwassitz in Mähren und (eit 45 Jahren in Wien. Tas Tschechische hat er verlernt, das Deutsche nicht erlernt und so spricht er infotgebeffen ein Idiom, daß inan glaubt, er mnclje Witze. Er kleidet seit 32 Jahren in der Hoioper alle Tenoristen an und ist seit neun Jahren mein Hakio- tmii, ist immer mit sreundlichem, gutmütigem Gesicht e^ans seinem Posten und hat ein unglaubliches Gestühl kür die ettmnningen feines jeweiligen Herrn: jeder Laime, jeder traurigen, freubtgen, ängstlichen Stimmung trägt er Rechnung und richtet sein Benehmen danach ein. Stehe ich vor einer Ausgabe, die mich mif- regt, besorgt um das Gelingen macht, so ist er ruhig, redet lern Wort, lamlos verrichtet er seinen Dienst. Bin ich guterTmgelmd kröhlich, so wird er gesprächig, erzählt alles, ivas ihn beichastigt, in einer ernsten, wichtigen, drolligen Art, verdreht aste Namen, nimmt von einem Namen etwas weg oder fügt >b>n etwas hinzu, so daß man nicht erlist bleiben kann. Ich bringe z. B. eine große, neue Flasche Bau de Cologne in die Garderobe unb übergebe ne ihm, indem ich scherzhaft sage: »Franz, daß du nur nicht die Halste stiehlst und Wa ser nachfüllst/ — Prompt antwortet er: „^as geht nit bitte, - ich hab das schon nämlich probiert beim Herrn n0U Pan Dyck - aber da ist es weiß geworden — so rote an Millich bitte — nämlich I" . ... Ich singe das erstemal tn der Wiener Hoioper den Florestan in „Fidelio". Ich bin sehr autgeregt, schminke mich zwei Stunden, um ja nur recht erbarmungSroui tg — 640 und verhungert auszusehen. Wie ich fertig kostümiert bin, frage ich: »Franz, wie iehe ich aus?" — „Aiisg'sressen — Herr Kammersänger - bitte!" — Die Stimmung für den „Fidelio" war beim Teufel I — Franz hat sich vor drei ober vier Jahren auf seine alten Tage verheiratet und bekommt einen Sohn. Tie Frau eines Kollegen hebt bas Kind aus bet Taufe. Er wird gefragt, was er sich für das Kind als „Paten- geschenk" wünsche. „A Kinderwagerle!' — „Also such dir eine» aus, Franz I" — Er nimmt einen Kinderwagen für 2öO Kronen. Den Kollegen trifft vor Schreck fast der Schlag, er bestellt den Wagen ab. Franz wartet daheim aufs Rtnberrongerle, das er seinem Sohne schon in den lebhaftesten Farben schildert. Statt des Kinderwagens kommt — ein silbernes Eßbesteck. Nach Ostern roarS — beim Anziehen merke ich, daß er verstimmt ist; ich erkundige mich, was ihm fehlt. „Also, gnä Herr, ich bin dos Opfer von einer sehr besartige Eniteiichung!" — „Erzähle, Franz!" — „Also, bei die heilige Taufe von meinen Klanen krieg ich, bitte, an Eßbesteck, Leffel, bitte, Messer, bitte, und (Sobel! Vor die Cfter- fetertage steigern sich die menfcbltdien Bebürfmsie — ich nemm den Eßbesteck und trag ihm in Torotlieum ldas Pfandhaus!. Der Beamte sagt „Talmi" und gibt mir den Besteck samt dos Etui (an Etui hat er auch g’babt) zurück! — Und seht heißt dos Kind Erik und ich hab an Schmarrn davon!" — Als ich von meinem Sommertirlaub nach Wien zurückkelirte. begrüßte mich Ficmz auf das herzlichste, nahm mich bei beiden Händen und sagte: „Also nämlich, Herr Kammersänger, der liebe Gott soll Ihnen lange Gesundheit geben, und sollens noch viele Jahre mit diese liebliche ‘ilrt und Weise bei uns an die Wiener iwwper leben, wachsen und was man also so sagt, bitte, nämlich gedeihen und viele Glick soll Ihnen btief)en nämlich immei während bitte." — Da frage ich ihn: „Was gratulierst du mir denn, für was beim ? — Und da sagte er: „Also Sie habens doch nämlich die zehnjährige Iubelium, das ist also, weil Sie, ivas man so sagt, ein erster Künstler an Wiener Hofoper sein tun." — Ich bedanke mich, schüttelte ihm die Hände und ivir trennten uns. Ten nächsten Tag begegne ich ihm und er wiederholt dieselbe Litanei und in noch embrucksvollerer Weise. Ich dankte wieder und ging. Dies wiederholte sich noch zweimal. Beim fünften Male wurde ich fcbon ganz nervös und sagte ihm: „Du Pferd, du blechernes, du loillft mich wohl zum Narren halten! Jetzt gratulierst du mir schon zum fünften Male!" — Ta sagt er nur: „Na, haben's mir vielleicht schon was geben ?' — Jetzt verstand ich, gab ihm zehn Kronen und er sagte: „So, jetzt gratulier' ich Ihne nicht mehr." Vermischtes* kf. Der Ehekrach in d i n Bereinigten Staaten. In Spring-Lake tagt augenblicklich ein Kongreß, der sich mit der Verbesserung der Ehegesetze in den Bereinigten Staaten besaßt. Tie Verwirrung aus diesem Gebiete ist nach einem Worte des Gouverneurs von Kentucky so groß, daß die Amerikaner, wenn sie nicht bald durchdringende Verbesserungen durchführen, gut daran täten, das Heiraten überhaupt aufzuheben. Der letzte Gedanke ist nicht gerade neu, und ein Herr Smith hat in der Kammer von Kansas allen Ernstes den Vorschlag gemacht, die Ehen auf zehn Jahre zu beschränken. Indessen ist das Gesetz noch nicht durchgedrungen und man fährt drüben fort sich mit einer Schnelligkeit des Entschlusses trauen und scheiden zu lassen, als ob es sich etwa um eine Badereise handelte. In früheren Zeiten war die Kirche von Dakota durch die Geschwindigkeit, mit der sie die Paare verband, berühmt, in neuerer Zeit ist sie indessen durch die Kirche von Rhode-Island in den Schatten gestellt worden. Tie Angestellten dieser sogenannten kleinen Winkelkirche, haben sich vor dem Zulauf der Verliebten nicht mehr retten können, und einer von ihnen hat aus eigener Initiative heraus eine löbliche Anstrengung gemacht, um seine Konfratres von der neuen Plage wieder zu befreien. Neben der Kirche hat er ein Heim für Männer und Frauen eingerichtet und zwingt alle diejenigen, die den Wunsch haben, in dem Gotteshaus getraut zu werden, einige Stunden auf die Erfüllung ihrer Wünsche zu warten. Das einfache Mittel hat Wunder gewirkt. Schon nach wenigen Stunden soll die Mehrzahl aller derjenigen, die sich noch vor kurzer Zeit kaum zu beherrschen wußten, entschlossen gewesen sein auf die Ehe zu verzichten. Uebrigens hätte ihnen auch diese keinen großen Entschluß gekostet. Noch ist in aller Andenken die Geschichte jener Dame, die innerhalb von zwei Stunden geschieden Uno eine halbe Stunde darauf bereits wieder getraut war. kf. Die Ausstattung eines Luxushündchens. Wie sich die Toilette eines Luxushündchens zusammenzusetzen hat, weiß der New Uork American zu erzählen. Sie umsaßt zunächst ein hübsches Halsband, dann eine niedliche Weste und einen eleganten Straßenrock; für das Haus ist ein einfacherer Anzug erlaubt. Ein Regenmantel, sowie ein Pelzröckchen für die Kälte sind erforderlich, und für den Sommer muß unbedingt ein kleinen Sonnenschirm angeschafft werden, der mit Hilse einer geistreichen Einrichtung an dem Halsband befestigt werden kann. Das Schirmchen kostet zwar allein schon etwa 60 Mark, aber von 1000 Mark aufwärts kann die Toilette eines Hündchens doch schon vollständig beschafft werden. e Sardinenköder. Ohne reichliche Lockspeise läßt sich die silbern schimmernde Sardine nicht verleiten, in die lenchlend blaugrünen Netze der bretonischen Fischer zu gehen. Dies ist eine auffallende Erscheinung, beim bei der Netzfischerei wirb meist kein ober nur wenig Köber verroenbet. Bei der Sardinenfischerei aber hängt der Erfolg zum größten Teile mit davon ab, ob genügende, b. h. riesige Mengen von gesalzenen Fischeiern — man hat Kabeljaurogen gewählt, weil dreier in enormen Quantitäten zu haben ist — zur Verfügung steht ober nicht. Diese unentbehrliche Lockspeise beziehen bie Sardinen- fischer bet Bretagne von ausländischen, und zwar in der Hauptsache von norwegischen Fischern. In geringem Blaße beteilige« sich auch Neufundland, Holland und die Vereinigten Staaten an der Versorgung der Bretagne mit diesem „Kaviar" für ihre Sardinen. Wie Mr. Hugh Bl. Smith, Kommissar des Fischei eibureaus zu Washington mitteilt, werben im Jahr durchschnittlich 40000 bis 50000 Fässer gesalzenen Rogens eingeführt, die den Bretonen ungefähr die Summe von 1 400 000 Mark kosten. Die Versuche, französische Kabeljaufischer zu bewegen, diesen unentbebrlidjen Köber für ihre Lanbsleute selbst zu beschaffen unb zu präparieren (j. B. in Neufunblanb, Island uitv.j sind mißlungen, obwohl die Regierung schon im Jahre 1816 solchen Fischern namhafte Prämien zugesichert hatte. So ist beim bie bretonische Sardinenfischerei vom Ausland nicht weniger abhängig als von bet Sarbine selbst, ihrem Erscheinen ober Ausbleiben. Denn wenn es bet norwegischen Regierung einfiete, bie Ausfuhr von Kabeljaurogeii zu verbieten, so wäre bas für bie Bretagne ein furchtbarer Schlag. Daß in der Sarbinenfischerei ohne genügende passende Lockspeise auf einen wirklichen Erfolg nicht zu rechnen ist, das lehren jene Jahre, in denen wohl die Sardine in überreichen Blassen austritt, der Fischrogen dagegen knapp ist. In solchen Zeiten erzielt der Kabeljaurogen natürlich hohe Preise; es ist sogar schon vorgekommen, daß ‘240 Mk. für ein Faß gezahlt wurden. Ter bretonische Sardinenfischer muß also jährlich em schönes Stück Geld ins Meer werfen, um des erlesenen Leckerbissens habhaft zu iverden. in dessen Wertschätzung wohl alle Völker einig sind. Das Jnsmeerwerfen des Rogeiis besorgt übrigens immer der Kapitän des Fischerbootes selbst. Auf einer kleinen Plattform am Hinterteil des Schisses stehend, verfolgt er bie Bewegungen der Sardinen und lockt sie mit dem ausgestreuten Rogen geschickt in die Netze, bie nach feinen Befehlen birigiert werden. Tas Handhaben der Netze ist nicht leicht; geschieht es nicht kunstgerecht, b. h. möglichst unauffällig, so geht die Sardine nicht hinein. Um die Netze int Wasser unauffällig zu machen (auch um sie zu konservieren), hat man sie mit einer Aniluvarbe leuchend blaugrün gefärbt; werden bie in den Häfen zum Trocknen aufgehangen, so gibt das einen malerischen Effekt, den die zahlreich nach der Bretagne strömenden Künstler immer wieder gern ausbeuten. * Grob. Dichter: „Was halten Sie von dem Buche, welches ich Ihnen neulich zur ‘Durchsicht gab?" — Redakteur z ,Zch halte das ganze Werk für einen großen Druckssehler." * Scheiden tut weh! Zuchthausdirektor: „Also morgen werden Sie entlassen, Huber!" — Sträfling (sentimental): „Ja, zum Schlüsse kommt das Voneinandergeh'n!" Schachaufgabe. Schwarz. 7 8 6 5 4 8 2 1 Ms d W 8 6 5 3 2 1 a b abcdelgh Weiß. Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Ergänzungsräriels in voriger Nummer 1 Proben gibt es zwei, darinnen Sich der Mann bewähren muß: Bei der Arbeit recht Beginnen, Beim Genießen rechter Schluß. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buck- und Steindcuckerei. R. Lang«, Gieß«,