w »KW 5^=5* '7/ ;S lNachdru« WctotöO (Schlutz.s [I und in den Menten der Doktor kam, der Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. von Hilbach sah in bett nächsten Tagm; am ZSiZW-MLLM- """ Mdx «* D- !°St° »i° *I«SS schlutz: „Ich .A-ho ^"it^kenn ^te"dmnte nicht sprechen. gß^S^gÄMSä ■ttrÄiöB! ich mal Gewalt an aberfte'sah'bleA E und steckte die ^ntpe an, ,,rm tun s e tdne Züge und geben für heute d^e Hoss ^nn ^vielleicht noch kommen. ^der^Richtung nach Naumburg ist alles zugeschnett." Le nahm das schlaf ende And und legte ihre Hand auf $rou von Hilbachs trä-itete sie, „jagen «. S L SÄÄÄ- Ä UM mtSh An"w mäd^o" schrecklich mnd!" Msterte nun I ä«Ä Siliach ÄtÄ“® I „Kommen Sterns Bett ^^Minlchter Stunde nicht L«°°p7°ÄL L-N« tzilb°ch gffiSÄWÄffÄs sss ZSSSfi SMÄ M ZweimnI schon war ein 8m >» die Brücke geflogen und auch der von Wermw £Ä““S Ä 'LÄ-s'L- di- Ma rum Witwenhans kam. Aber sie warteten vergebens. — nn8 >- men noch em paar ttt ^vr ?cacht . Hetzen Dämme- Jffi KL L f*. «H I aneinanderged rängt "wffechter. aber man JÄBW* tat*a“ Augen sahen fte herüber zur BrE das noch! K«“rms"nCSS Ufö» Lich-Ntnch toer wk „ Mittwoch den P. »Mit fix. io« - m. 58 Mto» «<| *jv MchBLWEl-nblz^z i^gpl KüchMnMÄ ',Uto£ w« ihr Je»« noch 1° « Mt P-tm».iNMni^D«r »Wtilt sich noch!» w-ntch-n W» ”* '" — sah noch so viel Stmfrgieit. Wenn ff1 •‘Ä «h in Lw-isol, «“«Ä IÄÄ ÄÄ5. *Äk £ÄSt Ä Aepfeln und Beifuh gefüllt, oder einen Sä mit ®4““fs%ta„r*’ Ä?3* -Nch nicht M di-di- ^S“ÄSÄ«Ä t'- K tiü SnmÄ Sn« Ätunde ans WohnzimmerfeEer, «» sei V°^S"Ä‘ä«,taWn«' nick schlepp« ihr TT-nffi- ' Kam der Dollor nicht, dann war die Frau im- | feÄ 1 - & MÄ L seine Mutter und die Kosh, W so merkwürdia waren un Kntrtt still tu sein, wenn er was sagen wollte. ritzte sich mit feinem Spielzeug i« eine Ecke mW war Inz M, Zer ab und M tiefer ans tznsterimd kament- U,,M zurück, ivenn niemand kam. Auch er fing an zu R und iÄM n W. M 'Ws, --- 230 — drei, Stoch einer halben Stunde, als auch die letzte Hoffnung, daß er noch kommen könne, vorüber war, ließ eine ihren Kopf uns die Kissen sinken und hatte nur noch das eine Gebet: „Laß mich sterben, lieber Gott! Laß mich bald sterben, mich und das Kind, bald, bald, gleich!" „Wenn sie nur schlafen könnte!" dachte die Kosh trostlos und sah in die starr zur Decke gerichteten Augen ihrer Frau, lief im Zimmer hin und her, sah in den wirbeln- den Schnee draußen und kam wieder ans Bett zurück, und wie sie sich gar nicht anders zu helfen wußte, faltete sie ihre Hände und betete laut, betete so inbrünstig, wie sie im Sommer zum lieben Gott um die dritte Hypothek gebetet hatte, und Erwin faltete auch seine Händchen und betete; Frau von Hilbach sah starr zur Decke und betete auch: „Sterben, lieber Gott, bitte, bitte laß mich sterben!" — r— Selbst wenn wir ganz im Eilschritt des Doktors Erlebnisse in diesem, für die arme Frau von Hilbach so ereignisvollen Jahr wiedergeben wollten, ivenn wir auch, nur in großen Strichen zu schildern versuchten, wieviel einer zu 'kämpfen hat, der nie im praktischen Leben gestanden, und nun den Willen hat, im Zeitraum von dreihundertfünfundsechzig Tagen eine Existenz für sich und zwei andere Menschen zu erringen, es würde zu weit fuhren, und die Geschichte des Witwenhauses und all seiner Bewohnerinnen soll jetzt zu Ende kommen. Gekämpft hat unser Doktor in seiner Art ebenso tapfer wie das arme Weibelchen, und wie sie, so war auch er oft verzagt gewesen und bereit, die Waffen aus der Hand zu werfen; denn es mögen wohl nur wenige wissen, tote merkwürdig das für eilten ist, der nie ums tägliche Brot 511 kämpfen hatte, wenn er plötzlich in den großen Ameisenhaufen derer geworfen wird, die ja so unermüdlich schassen und hasten und streben, um etwas so Aeußerliches, um Gut und Geld zu erlangen. Und immer wieder, wenn den Doktor ein Widerwille erfaßte, wenn es ihm unwürdig erschien, nach Geld und äußeren Besitz zu hasten, drückte ihm der Gedanke an das Weibelchen von neuem die Waffen in die Hand und ließ ihn nicht müde werden, so oft sich ihm auch nette Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten in den Weg stellten. Bis zur Mitte des Jahres hatte er aussichtslos gekämpft, hatte auch schon die Feder in der Hand gehabt, um ihr zu schreiben, daß sie ihn aufgeben solle, aber wie der Brief fertig geschrieben vor ihm lag, zerriß er ihn und fing von neuem au; aber je weiter das Jahr vorschritt, desto mehr ebneten sich ihm die Wege, — — und seit zwei Tagen wußte er endlich, daß er gesiegt hatte, daß er rn wenigen Monaten das Weibelchen und dessen Kind und die alte Kosh zu sich holen konnte.--— „Wenn sie nur schlafen könnte!" sagte die Kosh immer wieder, lief im Zimmer hin und her, sah auf die Uhr, trat ans Bett, schüttelte den KVpf und lief wieder ans Fenster. „In zehn Minuten zwölf! Wenn sie die Glocken läuten hört, verliert sie vielleicht den Verstand!" jammerte sie. — Dann plötzlich ging es tote ein Ruck durch ihren Körper, und Erwin ivar aus dem Bett gesprungen uttd klammerte sich an sie. Es war jemand vorbeigegangen, und jetzt drückte einer die Klinke an der Haustür nieder, und Frau von Hilbach stand tot langen, wetßen Nachtkleid mitten im Wohnzimmer- chen: ihr Gesicht war so weiß wie ihr weißes Kleid, und die Kosh war mit Erwin zur Haustür gerannt. „Mein Gott! Mein Gott!" sagte sie nur und ihr ganzer Körper bebte vor Schluchzen. Der Doktor kam gerade noch recht, um das zitterttde Weibelchen in seinen Armen aufzufangen. Wie er sie auf das Sofa an seine Brust gebettet hatte und ihre weiße Stirn küßte, schlug sie die Augen auf, schlang die Arme um ihn uttd konnte «ur weinen und sagte kein Wort, und der Doktor wußte in diesem Augenblick, wie nötig es gewesen, daß er noch in, dieser Nacht den weiten Weg durch den Schnee ins Mtwenhaus zu seinem Weibelchen gelaufen war. Draußen begannen die Glocken zu läuten. Es schlug Mitternacht, und auf der Wilhelmsburg spielten sie denselben; Choral wie im vorigen Jahr. — „Prost Neujahr, Herr Doktor! Prost Neujahr, Frau von Hilbach!" sagte die Kosh schluchzend. „Das war ein schweres Jahr, Herr Doktor! Aber nu wird ja alles gut! Das erzählt Ihnen die Frau später alles, Herr Doktor, auch daß wir unser Haus verpachtet haben, well sie ja alle verrückt geworden sind!" Sie mußte so heftig toeilten, daß sie nicht weiter reden konnte, und der Doktor drückte chr die Hand wie einem alten, guten Freund. Da oben auf der Wilhelmsburg! spielten sie immer noch das schöne Kirchenlied und die Klänge drangen ins stille Zimmer. Weil aber die Kösy so ganz durchdrungen war von dem Glück und der Seligkeit dieser Stunde, zog sie Erwin, der sich an sie geklammert hatte auf die Knie und kniete selbst nieder, vergaß den Doktor und Frau von Hilbach und ihre ganze Umgebung, und sang laut und feierlich, als ob sie in der Kirche säße: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr Und Waffen." Noch heute steht das alte Mtwenhaus, in dem nun keine Witwen mehr wohnen, am Saaleufer, grau, lang und eintönig, so wie es zu der Zeit dagestanden, da es die acht Witwen beherbergte. Die niedere Haustür singt noch immer, wenn man sie öffnet, aber sie ist nicht mehr braun; ein maigrünes Kleid! hat sie bekommen; alle Fensterrahmen sind maigrün gestrichen, und rings um die vielen Fenster der Front ist ein rosa Streifen gemalt worden. Aber das alte Saalehaus ist darum nicht jung geworden, sieht nur aus, wie eine alte Kokette, die sich ein buntes Kleid angelegt hat und Jugend vvrspiegeln will. Manch einer, der es von der Brücke aus sieht, mag denken: „Schade, daß an diesem schönen Fleckchen Erde solch alter Kasten steht!" — Aber einige von denen, die int Sommer ein Paar stille Wochen vom Lärm der Großstadt in den niederen Zimmern ausruhen, denken doch gern an das alte graue Haus, an das rauschende Wehr und au den schönen Blick auf Wasser, Wald und Burgen zurück. — Das Gärtchen ist schmuck und besser gepflegt, als zu den Zeiten, da die Kösy es allein versorgte, und drinnen in den vielen Zimmern schwebt noch immer der leise Moder- dnft von früher. — Und doch ist etwas verändert! Das fühlt Frau von Hilbach ein jedes Mal, wenn sie im Spätsommer mit ihrem Mann und ihrem Kind ein paar Wochen in ihrem Hause weilt. Wielleicht ist's wahr, daß das Mtwenhaus eine Seele hat und verstanden sein will, vielleicht hat es ihm mehr Freude gemacht, die acht einsamen, weltfremden Frauen zu beherbergen, als die ruhigen, normalen Menschen, die es jetzt bewirtschaften und die es so ganz und gar zum Geschäftshaus herabgewürdigt haben. Auch die Kosy hat es beim ersten Besuch, den sie mit Doktors dem alten Witwenhaus abstattete, gleich heraus gehabt, daß da etwas verändert ist, aber sie findet ebenso- toenig eine Erklärung dafür als ihre Herrin. Nur der Doktor lächelt und sagt: „Ich hab euer altes Witweiihaus liebgewonnen und verstehe es. Da kann schließlich das vernünftigste Haus nicht vernünftig bleiben, wenn es so närrische Bewohnerinnen hat!" Aber die Kösy, die gern das 'letzte Wort behält, antwortet: „Abwarten, Herr Doktor! Das schläft sich nur aus von all feinem Unfug, Wer einmal so veranlagt ist wie unser Witwenhaus, der bleibt auf die Dauer nicht vernünftig; das ist genau wie ein Mensch, der von Natur ein närrischer Kauz ist; für ein paar Monate oder Jahre kann der auch mal ruhig und vernünftig sein, aber trauen darf man so jemand nicht und was die Annahme vom Hernt Doktor betrifft, daß die Verrücktheit von uns aus- ging, so möcht ich doch--" „Gut, gut!" beschwichtigte der Doktor und schneidet der Alten Redestrom ab: „Warten wir ab, was es uns noch bringen wird!" Die Kösy ist gleich zufrieden mit Slefer Antwort und sagt nur noch: „Die Hauptsache ist ja, daß unsere Frau daraus erlöst ist und einen so guten, lieben Mann ben kommen hat!" 281 Osterfeuer. Sktzze ton Else Krafft (Karlshorst). „Aberglauben", sagte sie und lachte ihn aus', „Dummheit, weiter ist das nichts. Ich hätte nicht geglaubt, daß die Leute hier zu Lande noch so weit in der Kultur zurückwären." Er schüttelte den Kopf. Ihr Lachen regte ihn auf. Wenn sie wenigstens nicht so wunderbar schön gewesen wäre, diese Ilse Brandenfels. Und was hatte sie denn hier bei dem alten, unverheirateten Onkel auf dem Lande zu suchen? Warum kam sie überhaupt so oft? lieber alles machte sie sich lustig, den Wald fand sie zu klein, die Wiesen zu stach, die Zimmer' im Gutshaufe zu niedrig, und den Park zu altfränkisch. Wer weiß, wie sie sich im Stillen auch über ihn lustig machte, den einfachen Gutsverwalter, der außer seinem ehrlichen Namen und seinem warmen Herzen Geldeswert nichts weiter besaß, als die im Jahr ver- hiMten tausend Taler des alten, knurrigen Junggesellen. Als sie fein finsteres Gesicht sah, lachte sie noch mehr. Wie stand neben ihm auf der Landstraße, die links und rechts von jungen Birken eingefaßt war, und blickte neugierig über dre Felder hinüber, wo aus ernem großen, steten Platz Burschen des Dorfes Holzscheite von einem Wagen luden, und übereinander auffchichteten. „Sie tun da wohl auch mit, Herr Verwalter?" spottete sie. „Holen sich auch so ein Liebeszweiglein heute abend, und halten es fromm und ängstlich in's Osterfeuer. Ich wette, es brennt sofort lichterloh . . . ." „Sie mögen recht haben," sagte er müde. „Darum versuche ich das Schicksal erst garnicht. Ich wüßte auch nicht, wessen Liebe und Treue ich dadurch erproben sollte." „Sie Glücklicher!" antwortete Ilse Brandenfels spöttisch und schlug dabei wütend mit der Hand nach einem harmlos vorbechastenden Frühlingskäfer. „Ich wüßte hundert, die mich anbeten. Aber so verliebt und töricht wie die Banernmädels hier ist man doch Gott fei Dank noch lange nicht, um heute abend zum Osterfeuer zu laufen ulrd dre Birkeureiser da mrzubrennen. Der Unfug müßte verboten Werden! Ich werde es mal Onkel sagen. Lächerlich ist solch ein Aberglaube: Wenn die Spitzen des Zweiges verkohlen, wird man nicht geliebt, wenn sie aber im Feuer grün bleiben ... /I „Dann sollten Sie mal die Jauchzer hören heute abend," vollendete er. „Man darf sein Zwerglein zwar nur solange im Feuer lassen, bis man das Jahresalter des betreffenden Burschen oder des Mädels gezahlt hat." Ilse verzog den Mund. „Ojeh, . . . auch das noch! Da müssen wohl die Kinder hier in der Dorfschule das Geburtsregister aller Anwohner auswendig lernen? Ich gratuliere. . . Henningsdorf ist wirklich, um gut hundert Jahre zurück. Sind Sie nicht stolz, diese Herrlichkeit hier schon fünf Jahre zu verwalten?" „Ja," sagte er ruhig. „Ich habe dieses schöne Fleckchen Erde int Laufe der Zeit lieb gewonnen. Es ist ein guter Menschenschlag hier, ebenso gut wie der Boden, aus dem wir die reichen Ernten haben. Und ich denke oft, der Frühling kommt zu uns früher als 511 andern Fluren, . . . sehen Sie, zu Ostern schon ist alles grün, die Apfelbäume und Kirschen blühen am Wege, und die Schwalben und Störche sind auch längst da. Und aus deut Osterfeuer, das heute abend brennen wird, fliegt die Poesie durch das Lartd, macht die Herzett feftfreubig, und uns Große ztt Kindern, die an «in AttferstehungSwunder glauben. . . ." Er hatte sich warm gesprochen. Schade, dachte Ilse, daß er nur Bertvalter, und nicht Herr des Gutes ist. Er spricht wie esu Dichter, itjtb sieht aus wie ein Gott.... Ste vergaß ihr Lachen. Aber sie ärgerte sich über jedes Getier am Weg, und als sie am Hostor angekommen waren, jagte sie aus einem ihr unerklärlichen Vernichtungsdrang eine ganze Schar junger Hühner in die Flucht. Und sie lief von dem Mann fort, ohne Wort und Gruß, beinahe tote vor sich selber fliehend. Hellmut war allein weiter geschritten. Er war an Rücksichtslosigkeiten des schöneti Mädchens gewöhnt. Aber er biß doch immer wieder wie im körperlichen Schmerz die Zähne aufeinander, wenn er an die große Kluft dachte, die zwischen Ilse und ihm lag. Wenn der alte leidende Gutsherr hie Augen zutat, war das einzige Kind des verstorbenen Bruders Herrin hier in Hentiingsdorf. Er aber würde AM selben Tage seine Kündigung einreiMn. denn dann noch weiter hier den Hof zu verwalten« würde über feine Kraft gehen. Während der Mittagstafel sah er Ilse wieder. Sie plauderte fast nur mit dem Onkel. Er war meist mit allem einverstanden, was das Mädel von ihm verlangte. 92ur, als sie von dem Osterfeuer sprach, schüttelte er den Kopf, und erklärte sich machtlos diesen Volksgebräuchen gegenüber. Man müsse den Leuten ihre harmlosen Frettden lassen, wenn man willige Arbeiter haben wolle, meinte er. Drüben, Herr von Barnewitz, hielte es auch so, und wenn er morgen, am Ostersonntag zu Tisch herüberkäme, könne ihn Ilse ja gleich nach diesem Liebesorakel int Osterfeuer fragen. Und dabei zwinkerte der alte Herr lächelnd zu der Nichte herüber, die plötzlich, dunkelrot geworden war. Hellmut erschrak. Er sah, wie Jlse's Blicke denen des Onkels auswichen, als er Barnewitz' Namen erwähnte. Der Gutsnachbar war fünfundvierzig Jahre, also doppelt so alt tote Ilse, aber es war ein sehr eleganter Herr, dessen Besitzung au Henningsdorf grenzte. „Gesegnete Mahlzeit," sagte Hellmut, noch ehe der Nachtisch aufgetragen war. „Ich muß auf's Vorwerk, die Leute warten . . . ."' „Gesegnete Mahlzeit," brummte Herr Brandenfels, indem er sich gleich wieder an die Nichte wandte. „Na. . . sind die Festkuchen schon alle .gebacken? Künn die Oster- feier bald losgehn?" Ilse nickte gewichtig, aber ihre Gedanken waren weit. Was fiel denn dem eingebildeten Verwalter plötzlich eilt? Lief der mitten im Gespräch fort, ehe die Tafel von ihr aufgehoben >var! Was hatte er denn? Beim Abendessen fehlte Ilse. Es war schon dunkel draußen, als sich die beiden Herren zu Tisch im Speisezimmer einsanden. „Wo steckt denn das Fräulein?" fragte der Gutsherr das servierende Mädchen. „Ich glaube, auf ihrem Zimmer; die Herren sollten nur allein essen, hat sie gesagt . . ." „Was ist denn das wieder für eine neue Mode?"' knurrte Herr Brandenfels ungitädig. „Heute am Ostersonnabend geht man doch nicht um achte schlafen. Na, essen wir also .... das sind so Weiberlauneit. Seien wir froh, daß man denen nur ein paarmal im Jahre ausgesetzt ist. Wir schicken das Mädel bald wieder nach Hause, was, Franke?" Hellmut nickte. Nur nicht merken lassen, wie es in seinem Innern aussah! Ruhig bleiben, solange Ilse da war. Da plötzlich hoben beide Herren gleichzeitig die Köpfe. Durch die Fettster des großen Raunts kam rotes Licht geflossen, flackerte auf und erlosch, uttd flackerte immer wieder.... „Das Osterfeuer," sagte Hellmut aufgeregt. Der alte Herr lachte. „Und das lassen Sie sich entgehn? Jugend will doch Freud' haben! Warum laufen Sie denn nicht hinaus zu den Jungen?" Hellmuts Züge versittsterten sich. „Ich bin heute nicht in Stimmung dazu." ,O>ho, die kommt! Ich war früher auch so ein Träumer wie Sie, utib bin doch mitgelaufen unb mitgesprungen um's Osterfeuer. Nebrigens .... tote jung Sie noch finit, weiß ich seltsamerweise erst seit heute. Damals, als Sie zu mir kanten, genügte mir Ihr Gesicht unb Ihr Handschlag. Ihre Papiere habe ich so gut wie garnicht angesehn. Naja. . . bis mich heute bte Ilse darauf brachte. Das Teufelsmäbel muß ihre Nase boch überall hineinstecken. Hat heute meinen ganzen Schreibtisch um unb um gekramt, ich habe beinah geglaubt, sie wolle da nach meinem Testament Umschau halten." Hellmut saß bewegungslos da, und starrte in das lachende, rote Gesicht des alten Junggesellen. „Ja.... was wollte sie denn?" Der alte Herr amüsierte sich sichtlich. „Sich als zukünftige Guts flau fühlen wahrscheinlich, das ivar alles. Ihre Papiere hat sie durchgestöbert, Namen und Alter ihres zukünftigen Verwalters studiert. Naja . . . und bei der Gelegenheit habe ich auch gleich erfahren, daß Sie erst sechsuudzwanzig Jahre alt sind; Menschenskind! Ta. müßten mir ja eigentlich um hundert Taler runter gehn, was?" Aber er bekäme keine Antwort, Mer junge Verwalte« — 282 — Srr von seinem Gtuhk aufoefpttmgeti, und sah vevstKrt in e roten Lichter des Osterfeuers hinein. „Wenn . . . wenn Sie es gestatten, Herr ich möchte doch mal hinaus zum Feuer. Die Leute treiben es zu arg mit ihrem Jubel bei den Flammen .... „ Und noch ehe der verblüfft« glte Herr etwas sagen konnte, war Hellmut schon au§ her Wv gelaufen, und hatte seinen Hut geholt. Was war ihm denn da für ein ungeheuer- sicher Einfall gekommen? Es war ja Wahnsinn zu denken, Mss..... Ilse KSrandensels müße am Osterfeuer, stehn Und einen Mrkenzweig ins Feuer halten.... Er lief wie ein Wilder. Die Felder lagen ut roter Mut. Am Feuer selbst drängten sich die Burschen und Mädel, lachten und schrien und mitten rn dem Gewühl. In Sinern spinnen feinen, faltigen Röckchen stand eine wie verloren unter den andern. Mit zitternder Hand hielt sie ihr Birkenreislein in die Flamme«, dieweil das leichte Mädchen- aewandt immer näher gegen das Feuer kam. „Um Gotteswitten, Ihr Meid" . . . sagte da jemand Hinter ihr, riß sie zuriick, und gleich eine ganze Strecke seitwärts in den Wiesengruttd hinein. Ilse war furchtbar erschrocken. Aber sie verfrühte doch Mit einem Lachen über die seltsame Situation hinweg- zukommen. „ , „Nun haben Sie mir den Mnzen Hokuspokus zerstört, und ich war sv schön im zählen . . . ." „Für wen?" fragte er gepreßt. Me zog trotzig ihr Kleid zurück, an dem ei« großer Sengfieck war, den er fovtzureüben versuchte. „Mr wen sonst, als Herrn von Barnewitz. . . das können Sie sich doch denken," lächelte sie in sein heißes Gesicht hinein, und hob den Birkenzweig hoch, der noch ebenso frisch und knospend war, tote sie ihn in die Flammen gesteckt hatte. „'Sechsundzwanzig hatte ich schon gezählt, da kamen Sie..." „Sechsundzwanzig," sprach er lhv leise nach. „Wenn Sie jetzt lügen, Fräulein 'Ilse, wenn Sie jetzt vor oem Osterfeuer und meiner Rot unwahr wären . . In Ilses lachenden Augen standen plötzlich Tränen. Metzer Gott, ich kann Ihnen doch nicht in's Gesicht sagen, daß ich Ihretwegen diesen Quatsch mitmache . . .schluchzte sie haltlos. „Ilse!" .... rief er, und es chav ein Jauchzen, das bis zum GutshauS hinüber schallte. Und sie weinte und lachte in einem Atem, weil sie nun Men künftigen Berwaltev zum Gutsherrn machen konnte. Und er lacht« mit ... hinter den «ulissen von Monte Carlo. Der Kenner von Monte Karlo, der alljährlich mt der paradiesischen Riviera einige.Wochen lang Schönheit, Sonnenschein und Erholung sucht und dabei auch hin und wieder in Monte Carlo das Kasino betritt, um seine Ehrenschuld abzutragen und das üblich« Fünffranksstück zu verlieren, lächelt gewöhnlich überlegen, wenn er von de» märchenhaite» Gewinnen liest, die diesen» oder jenem Glückspilz in den Spielsälen zngekallen sein sollen. Die Gäste von Monte Carlo erinnern sich dann auch jener Gestalten, die sie mit leidenschaitverzerrte» Züge,» am Spieltisch sitzen sahen, jener Unglücklichen, die erst Hunderte, darin Tausende und schließlich ein ganzes Berinögen verlieren. Man sah sie, wie sie zuletzt totenbleich, den Ausdruck trostloser Verzweiflung mühsam niederkümpsend, vom Spieltisch ausstanden und still davon gingen, ohne zu ahnen, daß die Geschichte ihrer Tragödie trotz aller Selbstbeherrschung deuttich in ihren Mienen zu lesen war. Von diese« Opfern der Spielhölle erfährt die Oesfentltchkeit säst nie etwas. Woher kommt oas 1 Weil die Beamten des „Cercle des EtrangerS" von Monte Carlo, so antwortet eine amerikanische Zeitschrift rn einem großen Aussatz über das Spielwesen, die besten und zuverlässigste» Prctzagenten der Welt sind. Wenn immer ein Spieler vom Glück begünstigt ist und eine größere Summe gewinnt, so macht die Kunde davon sofort die Runde durch die Presse aller Länder, wenn immer eine bekannte oder berühinte Persönlichkeit das Kasino betritt und einige hundert Franks aus dem Kampfe mit dem Spielglück davon trägt, weiß das zwei Tage später die ganze Welt, die aber nie etwas davon erfahren wird, wie viel Menschen als vermögende Leute nach Monte Carlo kamen und als arme Teufel die Riviera verließen. Als kürzlich der amerikanische Stahlkönig Charles Schwab einen Tisch der Bank strengte, gingen noch am selbe» Abend die Telegramme und Kabelgramme nach allen Weltrichtungen ab. Sie erzielten eine sofortige Antwort: beim am nächsten Tage erhielt der Milliardär, der in Äner flüchtigen Laune einige 50 000 Frks. aufs Spiel gesetzt hatte und das Dreifache gewann, au« seinem Heimatlanbe mehr als 60 Kabeldepeschen, in denen Bekannte und gute Freunde ihn be» chworen, seinen Ruf nicht zu gefährden; das Vertrauen der Gr» chäftswelt zu ihm könne erschüttert werden, er möge um Gottes» willen nie mehr an den Spieltisch gehen. Und in Amerika machte die Nachricht von der „Spielerleidenschaft" des Stahlkönigs st grobes Aufsehen, daß die Aktionäre des Trust daran dachten, bett „verlorenen Mann" abzusetzen. Schtvab, der mehr aus Laune als aus Leidenschaft hin und wieder auch ins Kasino ging und sogar gewann, verläßt sich im Spiele auf sein gutes Glück und behauptet, daß man die Bank jederzeit sprengen könne, wenn man mehr Gel» bei sich habe, als das Kapital des einzelnen Spieltisches betrage. Bekanntlich eröffnet jeder „Croupier* an jedem einzelnen Tische das Spiel mit einem Kapital von 100 000 Frks. und es ist der Ehrgeiz jedes Spielers, wenigstens einmal die Bank gesprengt und einen Tisch sür den Rest der Nacht außer Tätigketl gesetzt zu haben. _ t „ . Der Stahlkönig hatte an dem Tage, da er m3 Kasino ging, 142 000 Frks. gewonnen, aber sein Glück verblaßt neben dem des britischen ArtilleriehauptmannS de Conrcey B o w e r, der zu den weißen Raben zählt, die in Monte Carlo reich geworden sind. Er soll nahe an 5 Millionen FrkS. gewonnen haben. Der Kapltan hatte sich mit fünf Freunde» zusammengetan, die alle am seloen Tisch Platz nahmen und auf genau dieselbe Meise spielten. Sterner setzte je mehr als 1000 Frks., aber wenn sie gewonnen hatte», ließen sie die Summe stehen, bis das Maximum erreicht war. -r te Teilnehmer nannte» das ihr „System"; jedenfalls waren sie^vom Glück begünstigt und haben einmal an einem und demselben^age nicht weniger als sechsmal die Bank gesprengt und sechs Lpiel- tische außer Gefecht gesetzt. Kapitän Bower war mit verhaunw- mäßig bescheidenen Mitteln nach Monte Carlo gekommen, aber bald konnte er rote auch seine Gefährte» ihre Lebensweise andern und als Millionäre austreten. Natürlich wurde» auch feine Ge- tvitme sofort als willkommene Reklatne für das Kasino bekannt gemacht und bald ivar der britische Hauplmaun der Empfänger zahlloser Bettelbriefe. Aber solche Glücksfälle sind natürlich ganz seltene Ausnahmen und die Skeptiker, die da behaupten, dag aus ein geroonnenes Vermögen in Mont« Carlo zehn oder zwanztg- mal soviel vernichtete Leben entfallen, sind jedenfalls nicht zu widerlegen. Vermiete#. * Die Ohren der Geisteskranke». Es gehört nicht viel Beobachtungsgabe dazu, um zu bemerken, daß die Ohrmulchel bei beit einzelnen Menschen außerordentlich verschiede» ausgebildet ist. Und die Erfahrung lehrt, daß gewisse ungewöhnliche Formen der Ohrmuschel in Zusammenhang mit der geistigen Entwickelung ihres Besitzers stehen. Das Ohr von Menschen, die von Geburt an schwachsinnig oder gar geisteskrank sind, pflegt in einer Weise ge- ftaltet zu sein, die sich ausfällig von den gewöhnlicheren Formen unterscheidet. Ztvei französifche Physiologen, die Gebrüder M a c« Anlisfe, haben jetzt besondere Studien über die Größenverhait- nisse der Ohren bei Geisteskranken gemacht und der Pariser Akademie der Wissenschaften vorgelegt. Ei» Ergebnis dieser Untersuchungen besagt, daß bei Geisteskranken die Größe der beiden Ohren voneinander weit häufiger abweicht, als bei normalen Menschen. In 44 v. tz. aller beobachteten Fälle war das recht« O h r l ä n g e r als das linke. Unter 100 zum Vergleich heran- gezogenen Soldaten dagegen war bei 42 umgekehrt das linke Ohr länger als das rechte. Auf diesen Umstand legen die Forscher nur geringes Gewicht. Wichtiger erscheint ihnen die Feststellung, daß die Ohrmuschel bei Geisteskranken beider Geschlechter besonders häufig unverhältnismäßig große Maße besitzt. Wenn man als mittlere Länge der rechten Ohrmuschel 63 Millimeter an» nimmt, so haben von gesunden Mensche» mir 21 v. H., von Geisteskranke» aber 38 v. £>. eine größere Ohrlänge. Diese Zahle» gelten für das männliche Geschlecht. Die Obren bei den Frauen sind bekanntlich im Durchschnitt kleiner. Die Länge einer weiblichen rechten Ohrmuschel ist im Mittel zu 56 Millimeter anzunehmen. Diese Grüße wird bei normalen Frauen nur in 43 v. H. Fällen überschritten, bei geisteskranken Frauen in 66 v. H. Tauschrätsel. Die Anfangsbuchstaben nachstehender Wörter sind mit andere» Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebeitfooiele neue Wörter erhalt, deren Ausangsbuchstabeu den Titel eines Dramas ergeben. Auster — Engel — Gabe — Adria — Elster — Band — Prunk — Ohr — Gra? — Bock — Nadel. Nufbösung in nächster Nummer. Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p = Pique, s --- Coeur, car ----- Sarnau, trB ----- Treff-Bube, pA = Pique-Aß, cD Coeur-Dame tt. s. f. Im Skat liegen bZ und dA, Vorhand hat a8, »7, cK, sv <* c8, c7, dZ, dD, d9, Mittelhand bi« übrigen. Spielgang: 1. V. cK M.aA S>. cZ — - 26 2. M. d8 £>. dK dZ ---- - 14 3, V. cD M. aZ H. cA ---- — 84 Sa. = — 6Ö Augen. ötedakttom R. Nrnrath, - RoMtionSdmck und Vertag der Brühl'Ichen «niversitätS-Bich- und Steinbmckereh R. Lange, Vieb«»