Donnerstag den (2. MM Sl 'Cl-1 ss® ^MZW iSji’-'mSaSeriM W.W W -r2»L5 MMM Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlair. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Fran von Hilbachs Mutter aber hatte sich's gestatten können, solch ein Traumdasein zu führens lebte sie selbst nicht in einer realen Welt, so ward sie doch getragen und Igehalten von einem zielbewußten Gatten- sie hatte auf festem, solidem Boden gestanden, und daß sre durch ihre Poesie und Zartheit etwas Sonne in. ein altes, düsteres Kausmannshaus gebracht hatte, war güt und schön und erquickend gewesen. Für die arme, jungverwitwete Frau von Hilbach aber war es ein schlechtes Erbteil, daß sie ihrer Mutter Iso ähnlich war von ihr wurden andere Dinge verlangt als Märchenerzäylen uckd Träumereien. Ihren lustigen Gatten hatte sein guter Stern gerade zu der Zeit aus diesem irdischen Jammertal befreit, da ihm glücklich die letzten Reste eines ansehnlichen Besitzes aus den Händen geschwunden waren. Vater und Mutter waren vor ihm gestorben; sie hatte niemand zum Anlehnen, kein Herz, bei dem sie sich ausweinen konnte — tinr fremde, vernünftige Leute, die sie über ihre Verhältnisse aufklärten, und als einzigen Besitz das alte, graue Saalehaus, mit ein paar netten Hypotheken geziert, und eine Witwenpension von siebzehn Mark im Monat. Me hatte sie vorher das alte, langgestreckte Haus am Saaleuser gesehen, nur gehört hatte, sie, daß es existierte !und daß es ein schauerlicher, alter Kasten sei, reif zum Abreißen, und wenn ihr fideler Gatte einmal an die Zukunft gedacht, so hatte er sich mit Plänen getragen, an Stelle der alten Kaserne eine lustige, moderne Villa auszu- bauen, mit Balkons und Loggien, Pferdestall und Kutscher- Wohnung, so etwas recht Frohes, Schönes, wo man mit guten Freunden freudige Sommerwochen verbrachte. Aber die kleine Villa blieb ungebant, und der lebensfrohe Herr von Hilbach legte sich zum Sterben, und in feiner letzten Stunde fiel ihm Wohl schwer aufs Gewissen, daß er Frau und Kind so unversorgt zurücklassen mußte. Da war ihm das alte, mißachtete Saalehaus in den Sinn gekommen und hatte ihm einen großen Trost gegeben, lund mit brechender Stimme hatte er zu seiner armen Frau, die wie ein erschrockenes Kind an seinem Krankenlager kniete, gesagt: „Geh mit dem Jungen ins Saalebaus — es wird dich ernähren!" Und sie hatte „ja" gesagt, nur weil er es wollte; aber ein Grauen war über sie gekommen, wie wenn man ein Kind in eine dunkle Kammer einsperrt. — Wie sie dann an einem stillen Abend mit ihrem Jungj- chen ihre neue, traurige Heimat betrat, da war ihr eine dicke, gutmütig aussehende Frau mit schielenden, blauen Aeuglein Md einer freundlichen Stimme entgegengekommen, hatte sich ihr als Frau von Kosczyskowsky, Inhaberin der hin>- teren Bergwohnung und bisherige Verwalterin des Hause- voraestellt. Zu.dieser Frau hatte Frau von Hilbach gleich in der ersten Stunde ein großes Zutrauen gefaßt; uno weil sie krank und verzagt in das Haus gekommen toatL tat ihr es wolst., daß die dicke Frau sie so freundlich, pflegte, und sie ließ ihr gern und willig all ihre bisherigen Rechte im Haus, bezog die Parterrewohnung im linken Flügel und blickte staunend um sich, wie sie eines Tages ihre schönen Möbel und Bilder in den niederen, kleinen Zimmern stehen sah. Manchmal im Anfang war dann sogar ein Gefühl der Behaglichkeit und des Friedens über sie gekommen; sie fand es nicht so schlimm, in dem merkwürdigen, aVtr modischen Haus mit dem schönen Blick auf Flur und Berg» zu wohnen, auszuruhen von allerlei Stürmen und w regungen. Wie eine verwunschene Prinzessin kam sie sich vor, die eine Zeitlang im Dunkel leben mußte, um dann von einem Königssohne erlöst zu werden und in die frühere Pracht zurückzukehren. Nur wenn die Kosy ihr von Zahlen sprach, von lauter! häßlichen, prosaischen Dingen, wenn sie ihr vorrechnete^ wie teuer ldie Rolle Tapete sich stellte, wie viel es koste, das Dach an den schlimmsten Stellen reparieren zu lassen, und daß man sparen müsse und aus einen Nebenverdienst sehen, dann kroch etwas kaltes an sie heran und erschreckte sie, und wenn sie abends im Bett lag, weinte sie sich in den Schlaf und hoffte auf ein Wunder. — Das aber war der Kosy größter Kummer, daß die junge Frau gar keinen rechten Sinn für das Schlimme ihrer äußeren Lage hatte, daß sie wie ein Kind ahnungslos an Abgründen vorüberging und nicht zugriff, wenn es etwas zuzugreifen gab. „Wenn ich die junge Frau wäre," sagte sie ost, „ich täte auch was Vernünftigeres, als in der Ofenecke sitzen und Taschentücher für einen Lumpenlohn sticken, oder mit der alten, verschrobenen Pastorin über vergangene Zeiten reden. Mit fünfundzwanzig Jahren hat man das Leben noch vor sich," predigte sie oft, „und eine Witwe ist fast begehrenswerter wie ein junges Mädchen!" Aber all ihre Ermunterungen, wieder ein bißchen vergnügt zu werden, waren vergebens. Die Trauerzeit lief ab, aber Frau von Hilbach trug ihre schwarzen Kleider weiter, rührte keinen Finger, um aus ihrer bedrängten Lage herauszukommen, war freundlich und gut gegen jedermann und sah doch so unsäglich traurig und verhärmt aus. „Weiß der Himmel, wie so einer zu helfen ist!" brummte die Kosy, und da sie nichts anderes tun konnte, sorgte sie, so gut es ging, für das leibliche Wohl der jungen Frau und ihres Kindes und setzte das kärgliche Wirtschaftsgeld, das Frau von Hilbach ihr monatlich geben konnte, mit so viel .Geschick in Ware um, daß immer etwas Gutes — 26 euf bent Tische stand und daß der kleine Bub rote Wangen und stramme Beinchen betont. Je mehr aber Fran von Hilbach sich unter der Kosh Pflege körperlich und seelisch erholte, desto heißer und drängender flog ihre Sehnsucht heraus aus dem alten Haus. Wunderliche, beunruhigende, heiße Wünsche wachten in ihr auf; ihr war, als müsse es in ihrer Macht liegen, die kalte, betrückende .Gegenwart wie ein altes, lästiges Kleidungsstück abwerfen zu .können, und wenn sie dann einsah, daß es nicht ging, daß ihre Armut ihr grausame Fesseln auferlegte, dann gab sie sich wohl für Tage einer Langen Verzweiflung hin, und wenn die Stürme ansgetobt und sie müde gemacht hatten, dann kehrte sie still und ergeben in ihre Traumwelt zurück, und was die Wirklichkeit ihr versagte, das erfüllte sich ihr in ihrer Phantasiewelt. Mit der Pastorin konnte sie ab und zu gut über solch merkwürdige Dinge, die der Kosh Begriffsvermögen zu fern lagen, reden, und es tat ihr wohl, wenn die alte Frau mit ihr schwärmte, trauerte und hoffte. „Was ist wohl mehr, Frau Pastor," fragte sie an diesem dunklen Herbstabend, der so recht zum Grübeln und Sinnen geschaffen schien, „was ist wohl mehr: Liebe oder Ruhm?" Die Pastorin sann eine Weile nach. „Ja, Herzchen, das ist schwer zu sagen, dem einen gilt das eine, dem andern das andere mehr. Ich sollte meinen, Liebe wäre das Bessere t— ein Herz zu wissen, an das man sich anlehnen kann. Was ist dagegen der Ruhm, der äußere Erfolg?" Aber Frau von Hilbach widersprach. Die Liebe sei etwas so Vergängliches! meinte sie; und Vor allem etwas so Unsicheres; heute glaube man, ein Herz zu besitzen, und morgen sei cs einem schon fremd. -„Nein, ich sehne mich nicht nach Liebe, Fran Pastor, ich möchte einmal größer werden, als andere Frauen. Wissen Sie, so, daß es einem ist, als stände inan auf einem hohen, hohen Berg, und die Welt liegt tief unter einem, demütig Und grau und klein, als sei sie vor einem auf die Knie gefallen, und man fühlt sich so wunderbar weit und groß--t—‘" „Ach Gott," sagte die Pastorin, „sagen Sie doch so was «icht, Frau von Hilbach. — So viel Hochmut wird oft von Gott gestraft. Seien Sie froh, wenn ©ie mit Ihrem Kind so weiter durchs Leben kommen und wenn Gott Sie Vicht mit Krankheit oder anderem Unglück heimsucht!" . Frau von Hilbach wurde still. „Es ist häßlich," dachte sie, „daß einen kein Mensch versteht!" und sie fühlte sich bitter unglücklich bei all diesen vom Leid verfolgten, kleingewordenen Frauen, die ihr vorkamen wie ein armseliges Häufchen Unglücklicher, Aus- gestoßener, die nicht emporkommen konnten und nicht den Mut hatten, ein Ende zu machen. Sie nahm ihr schlafendes Kind auf die Arme Und küßte es leidenschaftlich. „Paß ans, Jungchen, wir fliegen doch noch einmal!" sagte sie trotzig, gab der Pastorin die Hand, wünschte ihr mite Nacht und ging die knarrende Treppe hinunter jn ihre kleinen, stillen Zimmerchen. Viertes Kapitel. Die Frau Kaufmann Häuflein aus dem liitken Flügel Kes ersten Stockes rief die Frau Oberlehrer Specht, ihre gute Freundin, noch spät am Abend zu sich herüber. „Nun hören Sie doch einmal, Frau Oberlehrer, was Kas für ein unerhörter Skandal ist! Was sagen Sie nur Lazu?" Die kleine Frau Specht mit dem Bogelgesicht stand Leben der langen, schlanken Fräu Häuflein und sah andächtig zur Decke empor. „Hören Sie?" fragte die Hänflein. „Ja, aber um Gottes willen, was ist denn das?" sagte fcie Specht erschrocken. „Ja, was ist das?" wiederholte die Hänflein sar- skastisch. „Aber das ist ja, als ob einer jammerte und tobte Klb Um Hilfe riefe!" Frau Hänflein lachte ein boshaftes Lächeln. „Und so einen Spuk treibt eine alte Frau mit grauen Haaren — und Pacht für Nacht — wie eine Verrückte!" „Nun, Frau Häuflein, und dagegen tun Sie keine energischen Schriste?" fragte Frau Specht. Seit sie den Kontrakt in den Händen hätte, der ihr die Wohnung für ein Jahr hinaus sicher stellte, war ihr Mut wieder gewachsen. „Energische Schritte?" lachte die Hänflein. „Hier litt diesem Hause energische Schritte? An wen soll man sich denn wenden? Mit dem dicken Polenweib zu verhandeln ist unter meiner Würde, und Fran von Hilbach — nun. Sie wissen ja — — — Ich hab's ihr schon ein paar Mal gesagt, aber es kommt ja keine Abhilfe!" Die Specht lachte. „Die hat ja überhaupt nichts zu sagen!" „Nein," fuhr die Hänflein fort, „ich werde mich gar nicht erst hier mit unnützen Erörterungen aufhalten. Ich schreibe einen Brief an die Lengerich selbst, und nutzt das nichts, so erstatte ich an der Bürgermeisterei Anzeige wegen nächtlicher Ruhestörung." Die Augen der Specht leuchteten auf. „Ja, das würde ich auch tun an Ihrer Stelle, Frau Häuflein, und zwar bald. Das ist ja eine Zumutung sondersgleicheu, so etwas ertragen zu müssen!" Oben hörte man schleifende Schritte und leises Geklirr, wie löenn einer Ketten nach sich zöge, und dazwischen stöhnte jemand auf, so aus tiefster, bedrängter Seele, so schmerzlich und verzweifelt, daß es wie ein Stich durchs Herz ging, wenn man es hörte. Und daun sprach eine tiefe Frauenstimme, sprach unzusammenhängend und sch ie auf. Die Häuflein hörte deutlich den Aufschrei: „Mein Gott — o mein Gott!" und die Specht vernahm, daß das Vaterunser gebetet wurde. Die beiden Frauen sahen sich kopfschüttelnd an. „Das ist eine Zucht hier in dem Hause!" sagte endlich die Häuflein und machte ein hochmütiges Gesicht. „Bitte, liebe Frau Oberlehrer, tun Sie mir den Gefallen und setzten Sie sich. Es kommt mir darauf an, einen Zeugen zu haben vor der Bürgermeisterei!" Sie stellte zwei Gläser auf den Tisch, holte eine Schüssel mit Backwerk und goß der vor innerer Freude erregten Specht süßen Ungarwein ein. „O, ich danke sehr, aber es wäre wirklich nicht nötig; daß Sie mich so bewirten!" sagte sie zweimal und nippte von dem süßen Wein. Ihr war so wohl und sroh znmnt, sie wußte selbst nicht, warum. Seit jenem Nachmittag, der ihr die erregte Szene mit der Kosh gebracht hatte, bohrte und gärte etwas in ihr, eine geheime Wut, die oft so leidenschaftlich war, daß sie ihr den Schlaf verscheuchte. Dieses Weib, dieses ordinäre Gemüseweib hatte ihr damals in der Angelegenheit mit der Natnsius einfach den Mund zugestopft, und sie hatte das über sich ergehen lassen müssen mit einer zur Schau getragenen 'Freundlichkeit. Nun kann ,|ie gus Rache, auf eine Reiche, die jo versteckt war. oatz niemand in ihr die.Urheberin pitb, und die doch treffen sollte. Nichts konnte sie darum mehr erfreuen als die Beschwerde ihrer Flurnachbarin, mit der sie seit einigen Wochen in einem freundschaftlichen Verhältnis stand (Fortsetzung folgt.) Zu Wohltätigem Zweck. Humoreske von Reinhold Ortmanm (Schluß.) Mary hatte seine Schritte nicht gehört, und erst, als er ffä mit bebender Stimme bei ihrem Namen anredete, ftchr sie in heftigem Erschrecken zusammen. „Mein Gott, Sie! Sie sind noch immer hier? Und Sie wagen es — —“ „Ja, Fräulein Burnes, ich wage es, mich Ihnen noch einmal zu nähern, und ich beschwöre Sie, weisen Sie mich nicht fort,, ohne mich gehört zu haben! — Ich sehe ja, daß Sie betrübt sind, und täusche mich sick)erlich nicht, wenn ich, mir die eigentliche Schuld au Ihrem Kummer beimesse. Mit einem solchen Eindruck aber kann ich unmöglich von hier fortgehen. Ich will mein Vergehen gewiß nicht verkleinern, aber ich möchte doch alles daransetzen, um zu verhindern, daß Sie meiner in Zukunft nur alH eines Unwürdigen gedenken." < Sie wandte das Gesicht ab, und ihrer Haltung nach konnte es wohl den Anschein gewinnen, als.gewähre sie ihm nur widerwillig die erbetene Gunst. Mer sie unterbrach ihn nicht, und! Hans Volckmar war just in der rechten Stimmung, sich alles- was ihn während dieses entsetzlichen SagcS bedrückt und gepeinigt! hatte, vom Herzen weg zu reden. Niemals hatte er vor den Schranken des Gerichts, eindringlicher und wirksamer plädiert als — 27 — Hier in seiner eigenen SaHe. Und was seinen Worten trotz ihrev von allem Theatralischen weit entfernten Schlichtheit überzeugende Kraft gab, war die Wahrhaftigkeit, die aus ihnen sprach. Gerade heraus sagte er ihr, was ihn. bei jener ersten Begegnung firm Kursaal veranlaßt hatte, sie in ihrem Irrtum zu erhalten, und tote dann die verhängnisvolle erste Lüge fast ohne sein Zutun alles weitere nach sich gezogen. Daß, er ihr mit alledem eigentlich ein Geständnis seiner Liebe ablegte, merkte er gar nicht, aber er fühlte sich unsäglich beglückt, als sie auf seine bange Frage, ob er denn wirklich nie und nimmer werde auf Vergebung hoffen dürfen, sich ihm mit einer raschen Bewegung zuwandte und ihm ihre Hand entgegenstreckte. „Ich habe Ihnen bereits vergeben, Herr Volckmar. — Ami Ende trug ich mit meiner kindischen Schwärmerei für diesen Virtuosen sogar den größeren Teil der Schuld, und wir sind für unsere Verfehlung ja nun beide hart genug bestraft worden fc— härter vielleicht, als wir es verdient haben." Er drückte in feiner Herzensfreude die kleine weiche Hand immer wieder an die Lippen, und Fräulein Mary war offenbar zu aufgeregt, es zu bemerken, da sie sie ihm doch sonst sicherlich entzogen haben würde. ,,O, wie ich Ihnen danke!" sagte er innig. „Sie ahnen! W nicht, welche Wohltat Sie mir erweisen!" „Ich, bin heute vormittag zu unfreundlich gewesen. Und es es hat mir auch gleich nachher leid getan. Nun aber,, nachdem war uns ausgesprochen haben, nun müssen Sie fort, so schnell wie möglich, wenn es irgend sein kann, noch an diesem Wend!" Es war ein so unverkennbarer Ausdruck von Angst in ihren Worten, daß er sich nicht enthalten konnte, zu fragen: „Und warum muß es durchaus so,bald sein, Fräulein Mary?" „Weil — nun weil dieser gräßliche Mensch Ihnen nach dem Leben trachtet, und weil er — —" So feierlich cs Haus Volckmar auch ums Herz fein mochte, jetzt konnte er nicht anders, er mußte hell auflachen. „Wer? Stanislaw Kamariuski etwa? Und Sie — Sie nennen ihn einen gräßlichen Menschen?" Da brach cs beinahe ungestüm aus ihr hervor: „Er ist ein Scheusal — ein Dummkopf, ein widerwärtiger Prahlhans i Es ist ewig schade, daß dies herrliche Talent einem so Unwürdigen zu teil werden mußte!" „Sie schwärmen also nicht mehr für ihn? Und der Lorbeerkranz mit den roten Schleifen und her Widmung an den edlen' Menschenfreund?" Eine dunkle Glut flammte in ihrem Gesichtchen auf. „Ach, erinnern Sie mich nicht daran, Herr Volckmar! — Damals kannte ich ihn ja noch nicht, und ich glaubte ihm einen Beweis der Dankbarkeit dafür schuldig zu fein, daßner sich in der Kouzert- angelegenheit so großmütig und selbstlos gezeigt hatte." „Ja, allerdings, höchst großmütig und selbstlos! Und die blutdürstigen Reden, die er vorhin da drinnen geführt, galten also wirklich keinem anderen als mir?" „Sie haben es gehört? — Nun, dann brauche ich Ihnen! Wohl nicht länger ein Geheimnis daraus zu machen. Ja, er will sich mit Ihnen schlagen. Und er hat schon so viele Duelle bestanden." . , ,-Sie aber konnten es für möglich halten, daß ich unter solchen Umständen abreisen, daß ich vor diesem Hansnarren die Flucht ergreifen würde? Nein, Fräulein Mary, so schlecht haben öte trotz alledem nicht von mir gedacht." Sie zögerte mit der Antwort, aber als sie nun die Augen! zu rhm ausschlug, da war es ihm, als schaue er mitten hinein in den Himmel mit all seiner Herrlichkeit. „Ich weiß nicht, ob es etwas Schlechtes ist, das ich damit Von Ihnen verlange, ich weiß nur, daß Sie ihr Leben nicht uirt einer solchen Lächerlichkeit willen aufs Spiel setzen dürfen, und daß ich in meinem ganzen Leben keinen ruhigen Augenblick mehr haben würde, wenn Ihnen ein Unglück zustieße." Er hätte aufjubeln, hätte sie stürmisch in seine Arme reißen Wögen, aber er hatte nicht den Mut dazu. Nur ihre Hand drückte er leise, indem er sagte: „Fürchten Sie nichts, Fräulein Mary. Solange mein Dasein von keiner anderen Gefahr bedroht ist als von der, durch die Hand dieses Helden zu enden, darf ich mir immer noch Hoffnung auf ein recht langes Leben machen. Es bedarf für mich in diesem Fall wirklich keiner besonderen Tapferkeit, um den Geboten der Ehre Genüge zu tun, und daran, dessen bin ich gewiß, wollen Sie mich sicherlich nicht hindern."! Er bot ihr den Arm, und sie nahm ihn an, obwohl sie offenbar! rächt verstand, was er eigentlich vorhatte. So männ- lrch bestimmt und voll so ruhiger, selbstbewußter Sicherheit waren ferne letzten Worte gewesen, daß sie es nicht einmal wagte, eine irrage an ihn zu richten, als er sie in den Saal zurückführte und wck rhr zu dem Tische hintrat, an welchem neben Mr. Gilbert Burnes der große Stanislaw Kamarinski inmitten seiner ehrfurchtsvoll lauschenden Bewunderer saß. Der Virtuose war Volckmars kaum ansichtig geworden, als mitten in der Rede verstummte und von seinenr Stuhle ans- sprang, osfenbar xn der Absicht, sich zu entfernen. .a^e.r. Wberte ihn daran, indem er voll- kommen höflich, doch nttl eisiger Kälte sagte: „Nur einen Augen- noch, mein Herr! Sie sprachen vorhin im Beisein dieser Herrschaften davon, daß es Ihre Absicht sei, mW zur Re.chienf- schaft z!u ziehen und bei der Gelegenheit ohne Erbarmen mit mir zu verfahren. Nun Wohl, ich bin zu Ihrer Verfügung, und da ich höchstens noch bis morgen mittag hier in Liebenthrch bleiben kann, erwarte ich, die Angelegenheit bis dahin znM Austrag gebracht zu sehen." Das Leinentuch auf dem Tische war nicht weißer als Stanislaw Kamarinskis Gesicht. „Hier muß ein Mißverständnis vorliegen," stotterte er, „ich habe keineswegs den Wunsch, mich mit Ihn eil-zu schlagen." „So nehmen Sie denn an, daß nunmehr ich diesen Wunsch hege. . Ich fühle mich durch Ihre vorigen Aeußerungen schwer! beleidigt und bin entschlossen, mir unter den strengsten Bedingungen Genugtuung zu verschaffen." „Aber ich bin kein Raufbold!" schrie der Virtuose. „Ich habe Besseres zu tun, als mich totschießen zu lassen. Es ist gegen meine Grundsiche — ich werde mich niemals duellieren!" „Das ändert die Sachlage allerdings vollständig," sagte Hans Volckmar lächelnd. „Ich darf es nach dieser Erklärung wohk den Herrschaften überlafsen, sich ein Urteil über Sie zu bilden.. Aber vielleicht darf ich Ihnen bei dieser Gelegenheit empfehlen, in Ihren Aeußerungen künftig etwas behutsamer zu sein." Schritt für Schritt hatte sich der große Künstler zurüch-, gezogen. Nun aber — er hatte fast schon den halben Saal zwischen sich und Hans Volckmar gebracht — rief er mit erhobenen Stimme: „Ich brauche Ihre Ratschlage nicht, mein..Herr — hören Sie, ich brauche Sie nicht. Und ich nehme mein großsi mütigeS Zugeständnis von heute morgen zurück. Für Sie spiel« ich u,m fein geringeres Honorar als um tausend Mark. Ich habe also noch fünfhundert Mark von Ihnen zu fordern, und wenn Sie die nicht innerhalb vierundzwanzig Stunden gezahlt habens so verklage ich Sie, merken Sie sich das, ich verklage Sie!" Damit verschwand er aus dem Saale. Die fassungsloser Tafelrunde saß mit bestürzten Mienen da. Fräulein Mary aber wandte sich strahlenden Antlitzes an Volckmar: . „Sie haben ihn für sein Auftreten bezahlt? O, sprechen Sie — Sie haben ihn dafür bezahlt?" „Freilich. Es gab eben keine andere Möglichkeit, das Zu- ständekommen des einmal angekündigten Konzerts zu sichern." „Sie haben ihn bezahlt!" jubelte sie. „O, das ist prächtig, das ist himmlisch! — Und nun werde ich es natürlich unter keinen Umständen mehr zugcben, daß Sie abreisen. Nun wollen wir erst recht aitfaugen, uns in Liebenthal zu amüsieren." „Das ist für mich leider unmöglich," lächelte Volckmar, „und zwar aus einem ebenso einfachen als triftigen Grunde, weil die fünfhundert Mark, die Herr Stanislaw Kamarinski als Lohn für seine Menschenfreundlichkeit davongetragen hat, meine gesamt«! Reisebarschaft bildeten, und bis zum Zechpreller bin. ich trotz all meiner sonstigen Unmoralität doch noch nicht herabgesunken." Sie lachte, und dabei funkelten ihre süßen Schelmenaugent ihm m|it einem Blick entgegen, vor dem ihm ganz eigen zu! Mute wurde. Im nächsten Moment hatte sie sich über ihres Vaters Schulter geneigt und ihm sehr eifrig etwas ins Ohr! geflüstert, das selbst den sonst unerschütterlichen Mr. Gilbert! Burncs für einen Augenblick ein wenig aus der Fassung zr- Bringen schien. , Aber er war nicht der Mann, lange außer Fassung zu! bleiben und nachdem fein Töchterchen noch ein paar weiter« Sekunden lang auf ihn eingeredet hatte, stand er langsam und gravitätisch auf, um sich mit der ausgesuchtesten amerikanisches Höflichkeit an den Rechtsanwalt zu wenden: „Uhr uerben fein) ferr erfreut, Sie zu besuchen in das schöne M. — Ich liebe fern viel die interessante deutsche Städte." „Und Sie werden gern unseren Führer machen, nicht wahr?" fügte Fräulein Mary hinzu. „Auch wenn wir Ihre kostbar« Zeit sehr stark in Anspruch nehmen sollten?" ,iO," rief er, von Freude überwältigt, ihre Hand ergreifend,, „wie gern, Fräulein Mary, werde ich Ihren Führer machen; wenn es sein dürfte, für das ganze Leben! Ach, daß jede Minute meines Daseins nur noch Ihnen gehören dürfte!" Er hatte es natürlich so leise gesagt, daß niemand es hören! konnte außer ihr. Und mit ebenso behutsam gedämpfter Stimme gab sie zurück: „Ist das nun diesmal aber auch wirklich Ihr wahres Gesicht? Wohl, ich will es glauben, und wenn Sie auch nach drei Tagen in M. noch der nämlichen Meinung sind — nun, dann könnt« es vielleicht geschehen, baß ich Sie wirklich beim Wort nehme.! Welche Fehler ich auch vermutlich noch an Ihnen entdecken werde, das Verdienst, daß Sie nicht Stanislaw Kaniarinski sind, wiegt sie doch sicherlich auf," * D i e neuesten Wintermäntel. In der Hochsaison des Wintermantels, in die wir nun eingetreten sind, wird bet Abendmantel, den bisherige Herrscher auf diesem Gebiet der Mode!, von dem Nachmittagsinantel stark in den Hintergrund gedrängt. Promenadenkostüme, die sich in schönem Samt und mit reicher Spitzenverzierung recht vorteilhaft präsentieren, tauchen nur noch in den Morgenstunden auf. Beim Spaziergang am Nachmittag, beim Besuch der five o'clock teas und der sehr beliebten Nach- inittags-Bridgepartien schmiegt M die elegante. Dame wohlig — 88 in ihren langen Weichen Mantel Und was könnte wohl auch Ireizender und praktischer sein als solch eine warme, elegante Gewandung, dis der Silhouette der Frau eine so biegsame schlanke Linie und so anmutig weiche Umrisse verleiht. Die Mantel au« schwarzer Seide Haden die meiste Verbreitung gefunden, ja sie sind bereits so allgemein, daß die aparte Frau mit allen Mitteln versucht, ihnen eine besondere Note und etnen tmmbudlen Reiz zu verleihen. Garnierung mit Pelz wird nur sparsam verwendet, denn über den seidigen Stoff soll la dre breite Stola drapiert werden, die für den reichsten Schmuck sorgt. So besrchankt sich die Verwendung tion Pelz auf Kragen und Manschetten Diese einfach vornehme Eleganz sucht man nun durch gewagte Farbeneffekte zu beleben. Koloristisch sehr fein wirkt z. B. ein schwarz- seidener Promenadeumantel mit eckigem Kragen und breiten Revers in königsblauer Seide. Pikant funkeln und leuchten große Knöpfe aus Lapislazuli dazwischen. Weniger befreunden wird man sich schon mit roten Moireebesätzen, die gegen das glänzende Schwarz des Mantels und den weichen Schimmer des Pelzes zu grell abstechen. Die kecksten Farbenzusammen- stellungen finden sich bei dem weniger vornehmen Bruder des Promenadenmantels, dem Automobilmantel, dem man sogar durch die gefleckte Schönheit von Pantherfellen ein phantastisch-romantisches Aussehen verleiht. Am elegantesten und feinsten unter den Mantelneuheiten der Hochsaison sind jedenfalls die schwarzen Samtmäntel, deren dunkler, gesättigter Glanz sich mit Pelzen aller Art zur reinsten Harmonie zusammenschließt. Der Kragen wird an diesen Samtmänteln vielfach durch Capuchons ersetzt, die sehr originell aussehen. Im Schnitt der Mäntel erscheint eine Anlehnung an den Empirestil; doch treten auch schon vielfach Kimoikoärmel auf. Die Garnierung erfolgt neben Pelz hauptsächlich durch Spitzen, durch Goldstickereien und Troddeln. Während der Promenadenmantel im Ganzen an einer vornehmen Zurückhaltung in Schmuck und Garnierung sesthält, entfaltet sich aller Prunk und alle Pracht in den Abendmänteln, die zu den großen Toiletten getragen werden und sich diesen in reicher Ornamentierung anschließen. Es sind wundervolle majestätische Schöpfungen, diese schwerfallenden, von breitem Pelzbesatz nm» rahmten Abendmäntel, schimmernd in leuchtenden Farben, einem vollen Blau, einem schweren Rot, strahlenden Weiß. Eine Fülle farbiger Stickereien, schwerer Spitzen ist über diesen Fond gespannt und goldene Borten, schwere Quasten akzentuieren noch die wallende Wucht dieser vollen Massen. Wie eine Königin, Me M ihrem Krönungsfest schreitet, begibt sich die Dame in solch einem Mantel, der mit der großen Toilette an Glanz und Kostbarkeit wetteifert, zu Bällen und Gesellschaften. * Ein Besuch bei den Südsee-Jnsulauern. Unter hie wilden Kannibalenstämme der Südsee führt uns ein soeben erschienenes Werk „Melanesier und Polynesier" des englischen Reisenden George Brown, der mehrere Jahre unter diesen, auf sehr niedriger Kulturstufe stehenden Insulanern, verbracht hat. Er gibt eine ausführliche Schilderung ihrer Sitten und Gebräuche, ihres religiösen Aberglaubens und ihrer wenig entwickelten Moralanschauungeu, Kannibalismus unb Polygamie herrschen noch unter diesen Eingeborenen. Einer ihrer merkwürdigsten Bräuche ist, die jungen Mädchen vor der Ehe in strengster Abgeschlossenheit zu halten, indem man sie mehrere Jahre in Käsigen gefangen hält, bis sie ein heiratsfähiges Älter erreicht haben. Brown hat eine Anzahl dieser Menschenkäfige besucht und schildert die heiße, dumpfe Atmosphäre, die ihm auS diesen menschenunwürdigen Gefängnissen entgegen schlug. „Der Käfig war recht sauber und enthielt kein Gerät als ein Keines Bambusgefäß für Wasser. Es war darin nur soviel Raum, als ein Mädchen braucht, um in gekrümmter Lage zu sitzen oder sich niederzulegen; wenn die Tür geschlossen ist, «ruß eS darin fast ganz dunkel sein. Ten bejammernswerte Insassen wird nur erlaubt, den Käfig einmal am Tage zu ver- chssen, um sich in einem hölzernen Gefäß, das nahe bei dem Mfig angebracht ist, zu waschen. In diesen dumpfen Käfigen werden die Mädchen von früher Jugend an gehalten und müssen darin blechen, bis sie heiratsfähig sind und aus der Enge und Dunkelheit ihres Gefängnisses zu ihrem großen prächtigen Hoch- zeitSfest geführt werden." Ter Kannibalismus, der noch in manchen Teilen der Südsee-Jnseln herrscht, hängt eng mit den religiösen Sitten zusammen und soll häufig einen Schutz gegen die Meister der Toten gewähren. „Tie menschlichen Körper", berichtet Brown, „werden an gewöhnlichen Kochplätzen gekocht. Schweine dürfen auf dem gemeinsamen Familienherd nicht gekocht werden, denn Schweinefleisch ist den Mitgliedern der Jniat-Gesellschaft, einer mächtigen Bereinigung der Eingeborenen, zu essen verboten. DaS Kochen und Essen des Menschenfleisches geschieht ohne besondere Zeremonien; der Kannibalismus drückt sich sogar im Sprachgebrauch aus, denn man nennt einen fetten Menschen „i laruan", d. h. gut zum Essen. Dennoch gebraucht man Set der Zubereitung dieser kannibalischen Speisen manche Vorsichtsmaßregeln. Man hält sich dabei Mund und Nase zu, um zu verhindern, daß der Geist des Toten in den eigenen Körper eindringe. Aus demselben Grunde werden die Türen des Hauses heim Essen von Menschenfleisch fest verschlossen, und die Teilnehmer an dem Mahl machen allen möglichen Lärm, schrei schütteln ihre Speere und blasen in Hörner, um den Geist oder dit Geister der tu Verspeisenden zu erschrecken." Ter Aberglauben, der sich in dieser Angst vor den Geistern der Toten ausdrückt, beherrscht überhaupt das Leben der Insulaner. Wenn ein Häuptling gestorben ist, dann halten sich alle in ihren Häusern, fahren nicht zum Fischen aus, denn der Geist des Abgeschiedenen geht um. Alle Einzelheiten des Lebens und Verkehrs sind von abergläubischen Zeremonien begleitet; als furchtbare Beleidigung gilt es z. B., wenn man etwas über den Kopf eines anderen wirst. Während die Mvralanschauuna einerseits sehr lax ist, regelt andererseits ein sehr strenger Sittenkodex das äußere Leben der! Insulaner. „Selbstmord", so erzählt Brown, „wird weder gelobt noch verdammt. Man ist der Ansicht, daß jeder mit sich selbst machen kann, was ihm beliebt. Ein Angriff, den ein Mann gegen einen anderen unternimmt, wird als .eine Angelegenheit betrachtet, die zwischen den Betreffenden und ihren Aiwerw and tert allein erledigt werden muß. Auch Diebstahl und Betrug wurden in vielen Fällen stur als Verletzungen betrachtet, die die betroffene Person angehen. Jedoch galten Lügen und Betrügeilt auch als Verletzung der Moralbegriffe. Faulheit, Unsauberkeit/ sowohl beim Einzelnen wie auch im Haus, Klatschen und Verleumden wurden allgemein verurteilt und bestrast." 'Die u ii m li s i k a l i s ch e n Amerikaner. In einer Rede, die der Präsident der Harvard-Universität A. Lawrence Lowell in der Slationalen Bereinigung der amerikanischen Musiklehrer gehalten Hai, erhob der Gelehrte eine bittere Anklage gegen das moderne Amerika, das immer mehr den Sinn für wirkliche Musik verlöre. Ter moderne Amerikaner ist immusikalisch, das gewahrt der ansinerksame Beobachter bei fast allen Gelegenheiten. „Eines der fürchterlichsten Dinge, die man tim kann, ist, zu einer Versammlung gebildeter Amerikaner zu gehen und der Musik zu lauichen, mit der sie ihre Bankette „verschöiiern". Es ist Schund- musik und man lernt es, sich zu schämen. Unsere gebildeten Männer scheinen sich herzlich wenig um gute Musik zu kümmern, was sie begehren, das ist irgend ein Gassenhauer, bei dem sie nut« singen können, nachdem ihre Stimmen von Taielreden und Hochrufen heiser sind. Von allen Arten, Gefühle auszubrücken, ist dieses organisierte Hochncken bei Tisch die schliinmste. Auch sie zeigt die wachsende Degeneration unseres Gehörs und unseres musikaliichen Geschmacks. Der Gassenhauer triumphiert nicht nur in den unteren Volksschichten, sondern auch bei den Gebildeten. Unserem Volke fehlt jede Fähigkeit, differenzierter- Gestihle zum Ausdruck zu bringe". Und dieses unauihaltsame Anwachsen des uumusika- lischen Geistes Amerikas spiegelt sich erschreckend deutlich in der Musik, die bet allen festlichen Gelegenheiten zur „Erbauung" der Anwesenden produziert wird. *Wiebe stimmt man Färb en? Als die AniliniudustriS erstand unb eine Unzahl der prachtvollsten Farbenschattierungen! lieferte, kam man in Verlegenheit, wie man diese einteilen und, einheitlich benennen sollte. Da griff der berühmte Chemiker, Chevreul zu folgendem Verfahren. Er ließ Sonnensttahlen durch ein mit Schwefelkohlenstoff gefülltes Prisma fallen und bereinigte sämtliche durch diese Vorrichtung gebrochenen Farben in einem in 360 Grade geteilten Kreise. An dem einen Pole liegt das Rot, 120 Grad weiter nach links Blau, in der Mitte zwischen, beiden Gelb. Der Raum zwischen Rot und Gelb ist durch Markierungen in vier gleiche Teile geschieden und jede Markierung zeigt eine Bezeichnung, nämlich Rotorange, Orange, Gelborange, Aehnlich wird der Abstand zwischen Gelb und Blau eingeteilti durch die Marken Grüngelb, Grün, Blaugrün. Der Rest des! Kreises zwischen Blau unb Rot wird als Blauviolett, Violett und Rotviolett gekennzeichnet. Nun wird jede Abteilung wieder in 6 Felder geteilt und diese werden mit Nummern bezeichnet, man hat also z. B. Rot II ober Gelbgrün IV u. s. f. Jede Farbe bildet aber auch noch mit Schwarz Mischfarben, zu denen alle gebrochenen Farben zu zählen sind. Auch diese werden in der gleichen Weise wie die vorigen feftgestellt, so daß für eine jede unsere, Sinne überhaupt wahrnehmbare Farbe ein Unterkommen gefunden ist. * Gaüner-Monolog. Angeklagter (anhörend, wie bet Gerichts-Psychiater sein Urteil über ihn abgibt): „Wie der Kerl mich schlecht macht, und das nennt er ein Gutachten!" * Tie musikalische Hochflut. „Entschuldigen <5te, ich bin hier in Berlin fremd: wo ist denn heute abend leid Konzert?" ____________ Tauschrätsel. Die Anfangsbuchstaben nachstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebensoviele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Namen eines Bildhauer» ergeben. Legen — Onkel — Alm — Hebel — Taube — Ader — Dachs — Horn — Mauer — Asche — Falle — Elster — Hand. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Altägyptischen Hieroglyphen in voriger Nummer: Das Leden ist ein Kampf. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Umversitäls-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dießen.