NH tfetelsW®»® t® AU ii-i NT SwMW ‘«am y .'S- H herzelowr. Roman von Georg Freiherrn von OmP tedck.. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Was war es! herrlich über die Maßen! Immer weiter, je höher wir stiegen, dehnte sich der Blick, immer fernere Gebirgszüge tauchten auf, immer mehr Täter öffneten sich. Jetzt ging es nicht mehr aufrecht, man mußte die Felsen wieder anpacken unb sich feschalten auf der schmalen Schneide. Aber da winkte auch schon der Gipfel, hoch reckte er sich hinan, in einem letzten Aufschwünge noch. Der war bald überwunden und ebenso der kurze Grat. Gewaltig« Blöcke lagen dort geschichtet, ein breiter Steinmann türmte sich auf. Ich stand daneben, während der Führer mir langsam den Knoten des Seiles löste. Run fiel es geringelt gleich einer Schlange Zu Boden, und ich war auf schmalem Felsengrat frei und allein. Allein, wie ich durchs Leben schreiten sollte, allem und doch nicht mehr so allein wie in den ersten Tagen, den ersten Wochen, wie in dieser letzten furchtbaren Zeit. Und doch nicht allein, sondern mit der Erinnerung an Maria, Mit denl Gedanken, daß sie allen Leidens, aller Erdenqual entrückt auf mich niederschaute. Mir war es, als sollte ich die Arme ausstrecken, als Müßte eilte Hand aus den Wolken reichen und sie fassen. Als würde ich den Hauch ihres Mundes spüren und ihren Atem an meinem Ohr, der mir leise einen Gruß zu- slüsterte. e . Ich ließ den Führer den Rucksack auspacken und ging ein Stück abseits hinaus auf den Grat; dort setzte ich mich hin in der Sonne, die, höher gestiegen, wohlig mir den Rücken wärmte. Alle Herrlichkeit der Erde lag zu meinen Füßen. Das Land Tirol ringsum, die Schweiz in der Weite, dort unten eine Ahnung von Italien, dort, wo Pernese lag mit unserer Bank am Meer. Und ich dachte wieder an all das Glück, das mir mein Weib geschenkt hatte. Dachte zurück an den Dag, da ich sie zum ersten Male gesehen, an die Stunden, die wir verplaudert und Uns in den Armen gelegen. Zurück an unser Heim, an unser Haus und unsere Liebe. Ich dachte zurück an alles, was doch unrettbar verloren hinter mir lag, zurück an jene trauertiefe Zeit in Meran, gn Marias tapferes, ruhiges Sterben. Ihre Gestalt stand mir wieder vor Augen, nicht ganz wie bisher, ein wenig schien sie mir verändert, wie in Dunst, in Rebeh verklärt, weich. Richt scharf. Richt in Einzelheiten. Richt, daß ihre Haut weiß und der Duft süß, der ihr entströmte. Richt, wie sie gesprochen, ihve Stimme leise zu mir geklungen. Es schien mir alles körperlich ferner und entrückter, weggelöscht. War das die Zeit? Verblaßte die Erinnerung? Rein, o nein. Sie blieb mein Weib. Doch ich wußte, daß sie nicht mehr bei mir war, nicht mehr bei mir sein konnte. Ich begann mir zu sagen: Es ist ein Glück für sie gewesen. Was hätte sie gelitten! Es ist besser so. Sie ift frei, entrückt. Sie wird auf mich warten dort oben. Ich sah nicht mehr ihre Gestalt. Ich hörte nicht mehr ihre Stimme. Es umschwebte mich ihr Segen. Der Segen eines reinen, deutschen Weibes. Eines Weibes, das den Mann liebt, das bereit ist, alles für ihn zu tun. Der Segen der Liebe, der Ehe. Ein Segen, nie wieder auszulöschen aus meinem Dasein. Dieses Gefühl: sie umschwebt mich, sie ist bei mir, das gab mir Ruhe und Sicherheit, das Bewußtsein: sie ist glücklich, wie em Mensch auf dieser Erde es nicht sein kann. Ich dachte an sie, still, fast heiter. Ein liebes Bild ohne Leiden, nicht wie es am Ende gewesen. Sie stand vor mir wie in ihrer gesunden Zeit, in jenen Tagen, als sie den Brief schrieb, den ich in ihrer Stube fand. Das entsetzliche „Und", das mich gequält wie ein banges Rätsel, begann sich in meiner Seele langsam zu lösen. Jenes „Und" war keine Frage, nicht ein Wort der Liebe, das ich nicht zu entwirren wußte. War nicht die Qual: wie geht es weiter? Jenes „Und" war: „Ich und du," der Bindestrich zwischen uns. Das Gemeinsame, das nie schwinden konnte, das die Jahre nicht löschten. Es war die Liebe. Ich fühlte mich beruhigt bei dieser Losung. Ich begriff nicht, wie ich anders hatte denken können. Ich sah zum blauen Fivmamente auf und wußte: Dort oben ijt sie in Aetherhöhen irgendwo, mir nah, mir fern, ganz gleich — mein unverlorenes Eigentum. Ich wußte: sie schaut herab auf mich, noch auf diesem Erdenball Umhergetriebenen. Sie folgt mir mit et nein weichen stillen Lächeln. Sie wird, wenn die Stirne sich mir runzelt, denken, er wird wieder heiter werden, sie wird dort oben wissen, daß das Leid doch immer wieder der Freude weicht. Sie wird mir, wenn ich zum festen Boden dieser Welt zurückkehre, nicht zürnen, nicht glauben, ich sei abtrünnig. Sie wird es selbst so wollen. Sie würde, ginge sie noch hier unten, mir sagen: sei stark, so. wie ich, mein Lieb, tapfer gestorben bin! Es war mir, als wollte sie mich zurückweisen zu dieser Erde Als spräche sie: Du kannst dein Leben nicht verbringen in Trauer und Grübeln. Der Mensch Yt nicht dazu da, um nichts zu tun. Arbeit wird dir he.fen. Steige nieder von den Höhen, aus den zeigen. Rieder in» Dal wieder zu den Menschen, zu dem Beruf, dem du gehörtest. Arbeite, nütze die Zeit, leiste etwas. Da wird mein segen mit dir gehen, da werde ich freundlich niederblicken auf dich und warten, bis du zu mir kommst. Da erhob ich mich und reckte die Arme ime segnend über das Land, über die Erde, aus der ich noch stand, die ich — 354 noch brauchte, die mich nährte, über die ich! verdienen Mißte durch meinen Schweiß. Es wat mir, als hätten diese Höhen mit ihrer klare!: Lust beu£ Himmel näher, alle Dünste und Gedanken aus meiner Seele geweht, die gedroht, die Beruuuft zu ersticken und ein unnützes Glied der Gesellschaft aus mir zu machen. Die herbe Luft hatte mir Heilung gebracht. Ich wollte zurück zu der Erde, zu. den Tälern, unter dem milden Auge meines Weibes, das da meinen Weg verfolgend herab- blickte auf mich, wieder zurückkehren zur Arbeit. Da ich nun herabgestiegeit war zu den Niederungen der Menschen, fand ich mich allmählich zum Leben zurück. Ich war wieder eingetreten. Meine Bitte wurde berücksichtigt, mich aus dem Regiment zu nehmen, dem ich aic- gchört hatte. Jschi wollte alles hinter mich werfen, frisch beginnen. So lieb die Kameraden waren, nichts sollte mich mehr mit der Vergangenheit verknüpfen. Da ich in- zwischen Major geworden Ivar, wurde auch mein Wirkungs- .kreis ein anderer. Ich hatte gefürchtet, in dieser Zwitterstellung zwischen der Schwadron und dein Regiment nicht Arbeit genug zu finden. Der Zufall kam zu Hilfe. Der Kommandeur wurde krank, ich mußte ihn vertreten. Sein Leiden zog sich hin, und allmählich ruhte ans mir der ganze Dienst des Regiments. Als er dann gesund geworden war, schonte er sich noch, überließ mir viel und war mir dankbar, wie ich im stillen Herzen ihm. In einem Greuzort lag unser Regiment. Belustigungen gab es nicht, wein Theater, keine Zerstreuung. Mir gerade recht. Ich lebte nun mit all den jungen Leuten im Kasino zusammen, mit gutgeartcten Menschen, die es mir zur Freude machten, über ihnen und zur Seite ihnen zu stehen. In mir, der ich nun, Ivie mir schien, alt, sehr plt geworden war, erwuchsen wieder meine jungen Lcutnants- jahre, und mit der Jugend versuchte ich jung zu sein. Ich habe in jenen Zeiten wieder lachen gelernt, habe die Scherze erlebt, die die Jugend treibt, habe den Leichtsinn mit angesehen der zwanzig Jahre. Ich, der ich kein Philister gewesen, der ich einst selbst geglaubt hatte, die Welt auf den Kopf stellen zu sollen, habe mit diesen jungen Leuten gewirtschaftet und gearbeitet, habe manchen, der auf der 'Kippe stand, zu Vernunft und Ehre zurückgeführt, wenn beides drohte, au ihren Grenzen erreicht zu werden. Ich weiß es heute und darf es von mir sagen, daß ich i» dieser Zeit ein guter Geist gewesen bin manchem jungen Blut. Ich habe nicht gefragt: „Wie könnt ihr das tun?" wenn die Versuchung an sie hcrantrat. Ich habe ihnen gesagt: „Lieben Freunde, auch ich war jung, auch mir standen mal die Sterne nicht hoch genug. Nach allen Planeten und Sonnen wollte ich greifen. Das kühlt sich mit der Zeit, und wir erkennen, daß der Himmel welten- iveit sich über uns wölbt, daß wir nur still im Abglanz feiner Lichter leben, daß die Berührung mit ihnen uns versengen würde und verbrennen." Ich habe diesen jungen Menschen in Gefahr zur Seite gestanden. Ich habe gesagt: ,,Du brauchst zu viel. Ist das anständig, wenn du mehr änsgibst, als du hast? Auch ich habe mehr Geld vertrödelt, als ich besaß, ober ich bin auch zeitig genug erwacht. Erwache auch du." Wenn einer drohte, in den Fesseln der Liebe hängen zu bleiben, dort, luo die Liebe lhine Liebe war, zn ihm habe ich gesprochen: „Sieh, mein junger Freund, mein Herz, mein armes Herz hat einstmals täglich für eine andere geloht. Auch mein Herz wollte sich verlieren. Was kommt dabei heraus? Raffe dich ans, rette dich. Behalte den Kopf oben. Sieh! dich um nach einer braven, lieben Fran!" Sie glaubten mir alle, diese jungen Leute, die von Hause gekommen waren, von der Schule, ans dem Korps, mit seinem Zwang und seiner Unselbständigkeit. Hinans- geschickt, mit einem Male frei, auf sich selbst gestellt. War es ein Wunder, wenn sie da nicht gleich feststanden? Ich habe glückliche Zeiten verlebt mit diesen blonden, schlanken, großen deutschen Menschen meiner Abkunft, meiner Rasse, meines Volkes. Menschen, die alle gut geartet waren, die nur Lebenslust und heißes Blut manchmal trieb, über die Stränge zn schlagen. . Da waren welche aus dem fernen Osten, Gutssohne, ousgewachien mit den Pferden, unverdorben von der Stadt. Da waren andere aus Berlin, die sich unglücklich fühlten in der Verbannung, hier in unserem kleinen elsässischen! Nest. Sie kämen zu uns, angekränkelt vom Hauch der Großstadt. Die meinten, hier sterben zn müssen, sprachen davon, den Abschied zu nehmen, waren bleich und müde und lässig. Sie kämen mit der Idee, dem Vorgesetzten, der ganzen Welt fluchen zn sollen, da man sie hierher gesetzt in diesen elenden Ort, wo kein anständiger Mensch leben könnte. -Aber wir, die Aelteren, --- denn ein paar Rittmeister halfen mir dabei — zeigten ihnen, daß man überall leben und überall glücklich sein kann, wenn man. nur eins hat — Arbeit. Wir sagten ihnen in langen Stunden int Kasino, wenn nach Tisch die Zigarre brannte: „Ihr seid hier auf eilten Ehrenposten gestellt, ihr sollt junge Volksgenossen, die aus den Fabriken kommen, ans Dunst und Qualm, die von niederen Berufen stammen, wo sie gearbeitet wie die Maschinen, ohne aufznblicken von utorgens früh bis in die Nacht, zn Menschen erziehen und zu menschenwürdigem Leben. „Ihr sollt ihnen zeigen, daß es das Höchste ist, seine Pflicht zn tun, daß man aber dabei - - und wenn man auch stramm steht — ein freudiges Gesicht machen kann. Ihr sollt euren Stolz darein setzen, nach einem Jahr schon einen bleichen, verhungerten Menschen von der Landstraße, einen überarbeiteten Burschen ans der Fabrik, einen groben, ungeschlachten Jungen vom Lande, einen verkommenen! Städter untzriwandeln zum frohgesinnten Reiter. Zu einem Menschen, der seine Glieder gebrauchen lernt, der etwas hört und sieht und weiß von der Welt. Ihr sollt Erzieher sein. Und müßt ihr euch da nicht zuerst selbst erziehen?" Dann haben wir Ritte zusammen gemacht und den jungen Offizieren beigebracht: die Freude am Pferde, am Material, das uns dienen muß, die Sorge für den Beruf, für den kommenden Krieg. An den Abenden in jenem kleinen Nest haben wir ihnen gezeigt, daß es edlere Freuden gibt als Trunk intbi Spiel, das; man niedersteigen kann in die Schönheiten von guten Büchern, daß das, was man einmal gelesen und gelerut hat, uns Besitz bleibt, uns erhöht Und kräftigt und gesundet. Und alle diese jungen Soldaten - - mein Gott, es gab auch Ausnahmen dabei, denen keiner von uns helfen konnte — sie alle wandelten sich um. Sie saßen die Abende zu Haus; sie lernten, sie lasen. Sie unterhielten sich. Sie hörten von den älteren ein Gespräch über ihre Jahre hinaus, daß die Welt nicht nur steht zum Lachen und Scherzen, daß das Dasein, wenn man ihm auch mit festem, freudigem Auge ins Gesicht sehen kann, ernst ist, bitter ernst. Diese jungen Leute lernten in jener Zeit im kleinen Kreise unserer Damen, daß es „Weiber" gibt, an die sie nicht brauchten Hirn und Geld zu verlieren, die ihnen etwas mitgeben konnten, wenn sie nach Hans gingen: das Gefühl, in Berührung gewesen zu sein mit einer anständigen deutschen Frau. (Fortsetzung folgt.) Gefangene Zranzosen in Eichen. Bereits am 5. August 1870, unmittelbar nach der Schlacht bei Weißenburg", passierten die hiesige Eisenbahnstation die ersten ^gefangenen französischen Soldaten, unter denen sich auch viele Tn r kos befanden, die unter preußischer Bedeckung nach Norden befördert wurden. Viele von ihnen trugen noch Gewehre, Patronen und Seitengewehre bei sich und wurden hier erst entwaffnet. Am 6. August kam die erste erbeutete französische Kanone über Station Gießen, die als Trophäe in die Ruhmeshalle nach Berlin gebracht wurde. Fast jeder Tag brachte Verwundete Und Gefangene, denen am Bahnhof, wo eine Verpflegnugsstation eingerichtet war, Nahrungsmittel und Erfrischungen gereicht wurden.. Sofort Nach der Kriegserklärung mit 15. Juli batte sich in Gießen ein ö ilf er ein z ii r P sieg e d er Kra n ke n u ndVer- mundeten gebildet, bei beut infolge eines Aufrufes an die Bürgerschaft schon am 26. Juli an freiwilligen Gaben für die Krankenpflege 2579 st. einliefen. Ein aus Bürgerssöhnen und «Indenten gebildetes frei w illiges Sanitäts T o r p s stellte dem Hilfsverein seine Kräfte zur Bersügmig. In den Kliniken und in der Turnhalle fhinter bet heutigen Rickerschen Buchhandlung) entwickelte der Alic e- F r a u enverein eine rege Tätigtet zur Herstellung von Verbandstoffen. Am Seltersberg, in der Nähe der heutigen neuen Kliniken wurden Vorkehrungen getroffen zur Errichtung von Baracken für die Ausnahme vost Krauten und Verwundeten. In den ersten Tagen des August trafen auch die ersten Verwundeten hier ein. 355 Die alte Z e u g h a u skaserne nüifete züm Teil geräumt! Werden, ititt zur Aufnahme gefangener Franzosen bereit zu fern. Das daselbst untergebracht« Ersatzbataillon des II. Regiments Itmt z-um Teil in die Stadt in Quartier. Da die Bürgerschaft die Verpflegung der Soldaten kostenlos übernehmen mußte, wurde sie neben den Opfern, die die freiwillige Liebestätigkeit an sie stellte, noch schwer belastet — betrugen doch die Verpfleguugs- rosten der einquartierten Soldaten inonatlich 10000 fl. —, eine besondere Kriegsbesteuerung für Gießen, über die in den Kammer- Verhandlungen un November mit Recht geklagt wurde. Dem. Erlasse des Königl. Preußischen Kriegsministeriums vom 10. September -entsprechend, wurden außer Darmstadt als Aufenthaltsorte für kriegsgefangene Offiziere bestimmt: die Garnisonstädte Gießen, Friedberg, Offenbach, Babenhausen, Worms. Kriegsgefangene Unteroffiziere und Soldaten sollten außerdem noch uutergebracht werden in beit Garnisonen G ießen und Offenb ach. Am 15. September kamen 17 französische kriegsgefangene Offiziere in Gießen an und bezogen Quartiere in der Stadt. Es war den. -kriegsgefangenen Offizieren und Beamten im Ofsiziersrange das Mieten und Beziehen von Privatquartieren auf eigene Kosten gestattet worden, wenn sie schriftlich ihr Ehrenwort gaben, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Ain 20. September trafen wieder sechs französische Offiziere von Koblenz- ein, die sich gleichfalls, in -der Stadt einquartiertcn. Ende- September kamen. 25 französische Offiziere mit 11 Burschen au, die in der Zeughanskaserne kaserniert wurden. Gefangene Unteroffiziere und Mannschaften wurden -hauptsächlich anfangs November, nach der Kapitulation von Metz-, nach hier verbracht. v Im ganzen wurden bis zum Fricdensschluß im Mai 1871 in Gießen 104 französische Offiziere interniert. Unter ihnen befanden' sich ein General, vier Obersten, ein Oberstleutnant, acht Majore, 23 Hauptleute, 43 Leutnants, 24 Unterleutnants, ein Veteriuär- przt. Sie gehörten verschiedenen Waffengattungen an, Hauptsächlich den. Linicnregimentern; aber -auch ehemalige Garde-Kürassiere, Chasseurs d'Afrique, Jäger zn Fuß, Artilleristen, Mariiwsoldaten befanden sich unter ihnen. 30 Leutnants wurden kaserniert; die übrigen Offiziere mieteten sich selbst ein. Es wohnten im -Zinserschen (heutigen Steinfchens Garten sechs, im. Einhorn fünf, im Eafö Kuhlmann drei, im Löwen und Rappen je zwei, andere -abwechselnd in der Krone in der Neustadt und in Königs (jetzt Denningh-ofssche) Brauerei. Die übrigen, mieteten sich bei Bürgeri« ein und zwar vier bei Alexander Mayer .in der Schul straße, vier bei Witwe Plank in der Neustadt, -drei bei M-. Fürst, bei Elias Weyer, ein Chef de. bataillou Jules Mach bei. seinen« Schwiegervater, dem Provinzialrabbiner Dr. Levi, einer bei Lehrer Fel sing, Neuen Bäuc. Andere wohnten am Seltcrsweg, Walltor und Lindenplatz. Ilie übrigen verteilten sich auf heute nicht mehr begehrenswerte istadwiertel, auf Flügelsgasse, Hundsgasse, Mühlgasse, Sch-l-oßgasse, Weidgasse. Die kriegsgefangenen Offiziere erhielten die Erlaubnis, sich von der Reveille bis abends 9 Uhr ungehindert innerhalb der Grenzen ihres Aufenthaltsorts zu bewegen, sowie Zivilkleider anzulegcu, dies jedoch nur in deut Falle, daß sie schriftlich ihr Ehrenwort gaben, mit dieser Vergünstigung leinen Mißbrauch zu treiben. Dies «rschlverte allerdings die Kontrolle; jedoch wird von Descrkationen der Offiziere nichts berichtet. Sie durften Korrespondenzen weder selbst, noch durch andere zur Post geben, sondern sie hatten dieselben stets dem; Kommandanten zur Durchsicht vvrzulegen. , , -Kriegsgefangene' Ilute'rossiziere und Mannschaften befanden- sich in einer Stärke von etwa- 1200 Mann hier. Sie wurden Hl der alten Zeughanskaserne und in Baracken, die im Kaserncn- hofe!imd auf dem „Brand" errichtet waren, untergebracht. Kriegsgefangene Unteroffiziere und Mannschaften durften die Kaserne ohne militärische. Bewachung nicht verlassen. Arbeitswillige sonnten Beschäftigung finden. Die Krcisämter und Gemeinden waren 'angewiesen, ihnen Arbeit zu übertragen. Sie wurden hier hanpt- iächlich beim Wegebau, beschäftigt und arbeiteten an den neuen Echießständen hinter dem Schütz-euhaus. Einzelne standen der hiesigen Handwerksineisieru in Arbeit, so unter anderen Bet Schneidermeister Loth und Drechslermeister Heusler. Die in der Stadt allein Beschäftigten französischen Gefangenen machten ost «Versuche zu desertieren, was ihnen -auch, meist gelang. Dev Arbeitgeber hatte beim gefangenen französischen Arbeiter außer der Verpflegung täglich 40 Pfennig zu zahlen, die zum- Teil für Instandhaltung der Kleider und Wäsche, verwendet wurden. Mehrmals wurde die hiesige Polizeiverwaltung aufmerksam gemacht, daß französisch« Emissäre unter den verschiedensten Vorwänden d-ie. deutschen Städte-, in denen sich Gefaugenen-Depots befanden, bereisten. Mm unter den Gefangenen Uufw.-icgelilN.gcyj m verursachen. So wurde vor einem französischen Missionar- -Dufor gewarnt, der sich einige Tage- im- Rappen aufhielt. Ferner wurde die Polizei ausmerHaur gemacht, daß- Versuche gemacht worden seien, aus dem- Ausland Waffen nach Deutschlaub ein- zusch-atuggelu, um sie bei etwaigen Aufst-andsversnchen der Kriegsgefangenen bereit zu haben. Das Bahnpersonal wurde angewiesen, beipt Güterverldhr ans Waffeutransporte zu achten. Die sranzösischcn Offiziere verkehrten hauptsächlich Beim Wirt Mvsler, dem Pächter des „Eafö Ebel", beim Wirt Leib im „Rappen" sind i'iit „GesellskhastsPerein". In diese»» Lokalen lag auch die von be.it französischen Offizieren gern gelesene Zeituüg: Jn- döpcndanc e-B el g e auf. Abonnent dieser Zeitung war -außerdem der bei Ausbruch des Krieges aus Paris ausgewiesene Gießener Sattler Walz, bei dem die französischen Offiziere viel verkehrten, da er ihnen oft als Dolmetscher dienen mußte. Im- „Gießener Anzeiger" vom 16. November 1870 wird gerügt, daß viele Einwohner es vergäßen, den Franzosen gegenüber die nötige Würde zu wahren. Viele seien glücklich, „ihre paar französischen. Brocken an den Mann zu Bringen" und ließen sich dadurch zur devotesten Unterwürfigkeit verleiten. Man solle den Franzosen gegenüber ein höfliches würdevolles Benehmen zeigen, „aber sie nicht hätscheln und tätscheln und ihnen den Zutritt in die Familien gestatten". Wieviel gefangene französische Ver- wimdete in beit hiesigen Lazaretten verpflegt wurden, konnte nicht festgestellt werden; cs läßt sich aber auuehmen, daß etwa 50 verwundete Franzosen hier Ausnahme gesunden haben. 15 erlagen ihren Verwundungen und sind -auf dem hiesigen Friedhof bestattet. Sie deckt die deutsche Erde in friedlicher ^Bereinigung Mit ihren deutschen Kameraden. Ihnen wurde von ihren Landsleuten -ein einfaches Denkmal errichtet, ein eisernes Kreuz auf einem! Sandsockel mit der Aufschrift: „A la memoire des soldats fra'n^ais deced6s ä Giessen en 1870/7 1 Krise par leurs compatriots.“ An der Seite des Sockels steht mit Beziehung -auf Hebräer 11, Vers 16: „Nunc appetunt meliorum patriam". (Nun aber begehren sie eines.besseren Vaterlandes, nämlich, des himmlischen.) Dem ersten hiev mit 13, August verstorbenen gefangenen Franzosen, einem Zuaven- kapitän, wurde von den hier internierten französischen Offizieren ein größeres Denkmal, eine Sandsleinsäule, errichtet, die die Änischrift tragt: „A Brugueroles, Claude, capitaine an III. regiment de Zouaves, Chevalier de la legion dlionnenr, döeLdö de blessures ä Giessen 13, VIII. 1870, ses camarades les offieiers frantjais prisonniers de guerre ä Giessen.“ (Teilt Klemdius Brn- guerolles, Hauptmann int 3. Zuavenregiment, Ritter der Ehrenlegion, der am 13. August 1870 in Gießen seinen Wunden erlegen ist, seine Kameraden, die französischen kriegsgefangene.nl Offiziere in Gießen.) ' - e— Auf zum Westerwald! In geographischer Beziehung umfaßt der Westerwalds den Teil des rheinischen Schiefergebirges, der zwischen Rhein, Sieg, Dill und Lahn gelegen ist. Von Norden her wenig geschützt^ bietet er den Balten Winden leicht Eingang und ist dadurch ist llimatifcher Hinsicht etwas in Verruf gekommen. Die Redensart r Im Westerwald, 8 Monate Winter und 4 Monate- kalt! schreckt heute noch manchen Touristen ab, seinen Waudcrstab nach diesem Gebirge zu tragen. Wer aber einmal hier gewesen ist, die frische, staubfreie Luft geatmet, die wechselden Bilder der Landschaft be- wundert und die gastfreien Westerwälder Leute kennen gelernt! hat, der bekommt doch eine -andere Meinung vom Westerwald-. Diese Gegend muß mau natürlich int Sommer besuchen; tut Winter bietet sie jedoch für Schneeschuhläufer und Rodler die ausgiebigsten Fahrstrecken, wie ja auch die Gegend- um Marienberg int Winter immer mehr von Freunden des WintcrsporteA stark besucht wird. Aber auch im Sommer ist Marienberg ein vielbesuchter Kurort, der sich trotz seiner Höhenlage (500 Meter) durch vorgelagerte Bergrücken int Norden, Osten und Nordostcil in geschützter Lage.befindet. Tie umgebenden Buchen-und Taunen- Wälder, zwischen denen sich wieder saftige Wiesen und weit ausgedehnte Viehweiden ausbrciten, die wohlgepflegten Waldwege mit den zahlreichen Ruhebänken geben dem Städtchen den ausgesprochenen Charakter einer Sommerfrische, wie sie anderswo nicht besser gefunden werden kann. Von hier aus lassen sich mit der Bahn und- zu Fuß Ausflügcl in die nächste und- weitere Umgebung ausführen. ..Da das vor- herrsch-ende Gestein des ganzen Gebirges Basalt ist, so sind die gut befestigten Landstraßen stets staub-, und schmntzfrei. Durch die immer bewegte kräftige Gebirgsluft wird auch die heißeste Sommertemperntur nicht lästig empfunden, und von der in anderen Gegenden bis zur Unerträglichkeit gesteigerten Schnakenpl-age, hier im Westerwald keine Spur. Wegen der zahlreichen -atmosphärischen Niederschlage und der Eigenschaft des Basaltbodens, die Feuchtigkeit festzuhalten, tst, der Westerwald außerordentlich wasserreich; aber meist nur Meute Bäche und Flüßchen sind es, die sich in den teils flachen, teils tief ein geschnittenen Tälchen zwischen hohen Buchen- und Tannenwaldungen hinschlängeln und der Sieg, der Dill, .der Lahn und dem Rhein zufließen. . - r . Im sogenannten Hohen Westerwald, beim isalzbuiger ü op-s und den Fuchsläuten, verschwinden immer mehr die geschlosseu-en Waldungen, aber die kleinen Banmgruppeu und die den Fluren entlang ziehenden, vor Sturm und Schnee schützenden sogenannten Schutzgehege, geben her ganzen Landschaft das Aussehen eines wilden Naturparkes. . .... In reicher Abwechselung, teils ut den Talsenkungen, teils auf luftiger Höhe tauchen die kleinen Dörfchen mit ihren in der Sonne lieblich, blinkenden Schieferdächern auf und bieten in ihrer altfrünlischen Bauart mit dem nach der Wetterseite aitgcschlosseneni „Niederlas;" einen dein Ange wohltneuden Anblick. ^en^Westcr- wäldcrn muß lobend niterl'annt werden, daß sie für die. Instand- 356 Haltung ihrer Häuser sehr bedacht sind. Int Frühiahr wird das Fachwerk aufgefrischt, Fenster und Türen werden neu.gestrichen, eine Arbeit, die der Bauer meist selber vvrnimmt. Das Fachmcrk wird mit Kalk weiß gestrichen, während das.Gebälk tn dunklen Farbentönen, meist schwarz, gehalten ist. Wenn auch M Innern der Häuser die Wvhnräume niedrig und eng sind, so herrscht doch allenthalben Ordnung und Peinlichkeit. Der Westerwälder Bauer, eine lange, grobknochige Gestalt, treibt neben Ackerbau vor allen-,' große Viehzucht. DaS rotbraune, mit weißen Stirnflecken gezeichnete Vieh, unter deni Namen Wester- wölder Rasse bekannt, ist von zierlicher Gestalt, läßt aber in seinen gewandten Bewegungen und Hellen Augen mehr auf em Tier der Wildnis, als auf ein Haustier schließen. Aus diesem Grunde sind auch die Ballern so schwer zu bewegen, das lästige Doppelroch beim Zugvieh abzuschaffen. Sie! behaupten, ihre Vieh- rasse sei durch den Weidegang und die langdauernde Stallhaltnng im Winter störrig geworden und lasse sich nur schiller tut Einzeljoch fahren. In manchen Gegenden, tob sich Eisen--mud Bvaunkohlengruben finden, sieht mait auf den Felder» meist Frauen, tvährend die Männer ht den Berg- mtb Hüttenwerken beschäftigt sind. Für den Touristen bietet der Westerwald recht lohnende Ausflüge, so namentlich von Hachenburg oder Marienberg aus über die Abtei Marienstatt durch die Kroppacher Schweiz nach Wissen an der Köln—Mindner Bahnstrecke. Unter Kroppacher Schweiz versteht miau den romäntischsten Teil des Nistertales. Es ist so benannt nach bent Dorfe Kroppach in der Nähe der Eiseitbahltstation Ingelbach. Zwischen hohen, felsige» Bergrücken, die sich manchmal in steilen Whängen bis zinn Flusse herandrängen und dann tvieder zu breiteren Talbildungen zurückweichen, windet sich die Nister, oft scheinbar wieder zitrückfließend, ifn nmmtigfachen Krümmungen hindurch, dem Wanderer intmer tzteue, reizend« laudschaftlichc Bilder bietend. Man schreitet an saftigen Wiesen vorbei zwischen bewaldeten Höhen; man besteigt die Jteiten Höhen (FelsenstLbcheu bei Marieitstatt), um freien Ausblick über das ganze Tal und die Abtei ztt gettießeit: auf csiterliegenden Baumstämmen und schwankenden Stegen überschH'itet man den schäumeird über Felsblöcre und Geröll hinfließendcn Bach, durchwandert schmucke Dörfchen, die tvie Felsennester an die Berge jangetlebt erscheitten, oder ganz versteckt in engen Seitentälcheit liegen, an zerstreut liegeitden Einzelhöfen vorbei, um auf hohen Felseupfadeit immer wieder neue Aussichtspunkte zu fiirden, die die kleine Anstrengung reichlich lohnen. —ler. Vermieter. * Rosenfeste in Deutschland. In einigen Orten Deutschlands iverden zur Zeit der Rosenblüte im Juni Rosenfeste gefeiert. Zu solchem Zweck hinterließ im Jahre 1835 eine verwitwete Freifrau von Eberstein der Stadt Mainz ein Kapital von 12000 Gulden, dessen Zinsen einer tugendhaften Jungfratt zugute kommen sollen. Bei einer derartigeit Festlichkeit, bei der der Bürgermeister präsidiert, erhält die neben ihm sitzende Jungfrau, die mit Roten geschmückt ist tmb daher „Rosenbraut" genannt wird, aus beit Zinsen der Stiftung 500 Gulden. Um diesen Preis dürfeit K brave, ttnbescholtene Mädchen jeden Standes bewerben, die den chweis führen können, daß sie ihren Eltern viele Jahre hindurch treue Pflege angedeihen ließen. Auch in den Dörfern Kirchrode und Misburg in Hannover ivird ein ähnliches Fest gefeiert, desseit Begründer der 1823 zu Misburg verstorbene Hauptmann Johann Georg Cropp gewesen ist, der die Stiftung am 28. Mai 1817 errichtete. Er bestimmte, daß am 1. Sonntag nach dem 18. Juni „als am Tage der Feier des großen und glorreichen Sieges von Waterloo" dasjenige 'Mädchen, „das die Hausväter in demjenigen Dorfe, welches die Reihe trifft, für das gegen seine Eltern und Brotherrschaft gehorsamste, treueste, bescheidenste, sittsamste tmb überall tugendhafteste" erklären, eine Prämie von 25 Reichstalern und einen Kranz von „Rosen geflochten aus ben Händen des Herrn Pastors vor dem Altar erhaltest solle." Wählbar sind fänttliche junge Mädchen im Alter von 16 bis 28 Jahren, „sowohl die Tochter des reichen Mannes, als die des Hirten und Tagelöhners." Die zwei „nächstbesten" Mädchen erhalten atts den Händen des Pastors ein Rosenbouquet und eilten halben Lonisdor. Diese Sitte der Tugendpreise stammt aus Frankreich. Der hannoversche Stifter hat die Sitte vielleicht auf seinen Kriegszügen in Frankreich kennen gelernt. Dort wurden sie bereits im 5. Jahrhundert durch ben heiligen Medardas eingeführt. Besonders berühmt ist das Fest der Rosenkönigin stets de la rosiere), das am 8. Juni, am Tage des genannten Heiligen, zu Salenct) bei Noyon gefeiert wird und das man aus eine Stiftung des Heiligen zurücksührt. Auch dort wird das sittsamste Mädchen des Bezirks mit Rosen bekränzt und erhält eine Spende. * Berserkerwut. Aus der Internationalen Hpgiene°Aus° stellung in Dresden finden wir eine Gruppe Genußmtttel, die in der Ethnologischen Abteilung Ausstellung fand. Wir sehen, tvie ungemein ntannigfaltig dieses Gebiet ist und wie sehr bei fast allem die künstliche Betäubung eine große Rolle spielt. Zumeist ist es der Alkohol, der diese Wirkung schaffen muß und die Mehrzahl aller Völker der Erde glaubt in diesem Zustand mit dem Jenseits in Verbindung zu treten, ein wichtiger Grund, bet gar oft auch die allerunhygienischsten Mittel int Gebrauche hält. Zweifelsohne gehört dazu bas Kauen von Fliegenpilzen, wie es noch heute tut nördlichen Asien bei Ostjakun, Jakutun, Jukayiren Tschukt- schen und besonders bei den Korjaken geübt wird. Der Fliegenpilz ist bekanntlich sehr giftig, denn er enthält eine Reihe Alkaloide, so das Mustärin und das Amanitatoxin, die krampserregend ivirken und unter rauschartigen Ohnmächten zu Delirien, Raserei und ähnlichem führen. Gar ost tritt nach acht bis zehn Stundeit der Tob eilt. Man glaubt, daß durchschnittlich vier Fliegenpilze imstande sind, den Alenschen zu töten und es ist daher besonders interessant, daß die sibirischen Völker gerade vier Schwämme in getrocknetem Znstand verzehren. Sie haben sich zweiselsohne an die Wirkungen dieses Giftes gewöhnt. Eine Reihe näherer Angaben wird man auf der Ausstellung finden; hier sei nur einiges allgemeiit Interessante berichtet. Das Statten der getrockneten Pilze ivird zumeist durch eine alte Fran besorgt, die aus der gekauten Masse eine kleine Wurst formt, die bann die Männer verschlucken. Nach dem vierten Pilzwürstchen beginnen die Augen glänzend zu werden, ein uttheimliches Feuer geht von ihnen aus, das in ein geradezu blendendes Leuchten übergeht. Die Hände zittern und unter Singen von Liedern beginnt sich eine tiefe Betäubung aus die Genießenden herabzuienken. Sie erwachen tvieder und em Tobsuchtsansall löst ben Zustand der Erschlaffung ab. Wie Rasende greifen sie zu Trommeln, rennen in den Jurten umher, führen sonderbare Tänze auf, tim wieder in Betäubung zu versinken, in der die eigenartigsten Träume sie uingaukeln. So löst ein Anfall die Betäubung ab und neue Betäubung die Anfälle von Raserei; sie werden jedoch immer schwächer und schwächer, wenn nicht wieder frischer Fliegenjchtvamn» zttgeführt wird, was zumeist durch Trinken des Harns eines der anderen Betäubten geschieht. Tie Korjaken erblicken darin ihre höchste tmb schönste Unterhaltung tmb warten mit Schmerzen, daß ihnen Fliegenschwämme verkauft werden, für die sie ungeheure Suinmen geben. Wir dürfen uns daher fragen, ob nicht jener eigenartige Zustand, ben wir von den Nordgermanen als Berserker kennen, auf gleichem Wege herbeigesührt mürbe, beim es besteht kein Zweifel, baß bie Verbreitung dieses Geitnßmittels ehedent viel größer war. v. R. 'Tierischer Schmuck. Es Hai jemand Anstoß daran genommen — tmb vielleicht mancher andere mit ihm —, daß tu einet Zeitschrift ein eherner Stier als „tierischer Schmuck" eines Platzes bezeichnet wirb, da man unter „tierischem Schmuck" nur ben' Schmuck eines Tieres, etwa bas Geweih des Hirsches verstehen könne, nicht aber bett Schmuck durch ein Tier. Die Zeitschrift deS Allgemeinen Deutschen Sprachvereins gibt dem Beschwerdeführer darauf folgende Auskunft: „Tierisch" ist nicht bloß das, tvas bent Tiere eigen ist, fouderit auch das, was sich auf Tiere bezieht, was von ihnen hergenominen ist. So spricht Schiller einmal von den „Prozessen der tierischen Chemie", und Wieland von „tierischer Kost und Kleidung", wobei, wie schon der Zusatz „Kleidung" lehrt, nicht an die Kost der Tiere zu denken ist, sondern an Kost, die in Tieren oder Teilen von Tieren besteht (gegenüber der „Pflanzenkost"). Damit kann also auch der Ausdruck „tierischer Schmuck" gerechtfertigt werden; falsch ist er nicht. Und doch haftet ihm für den, der richtig empfindet, etwas tingewöhnliches an. Wie man dem ebenfalls richtigen „pflanzlichen Schmncke" „ben Pflauzenschmuck" vorziehen würde, so ist es auch hier bent heute herrschenden Sprachgebrauche genehmer, von „Tierschinuck" zu reden, wie ähnlich von „Tiergestalt, Tierbild, Tierstück" u. a. * Raffiniert. „Eine Mark hat dir die alte Schachtel geschenkt? Die muß ja gut gelaunt gewesen sein!" — „Natürlich; sie hatte gerade mit der Post einen anonymen Liebesbrief gekriegt!" — „Woher weißt du das?" — „Ich habe ihn ja selbst geschrieben!" Tauschrätsel. Die Anfangsbuchstabeit nachstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebensoviete neue Wörter erhält, bereit Anfangsbuchstaben den Namen eines Erfinders ergeben. Magd — Esche — Sichel — Bier — Regen — Leber — Ost — Keller — Zopf. Auslösung in nächster Nummer» Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz. 1. Df 8 — c 5 T d 1 — c 1, b 1 ob. al 2. T d 4 — c 4, b 4 ob. a 4 beliebig. 3. D c 5 — g 1 f u. matt, A. 1. T d 1 — d 2; 2. Td4-d2: Lei -f 1 2. DeS —gl f u.matt. B. 1. Kel—flob. 12 2. Td4 —f4f beliebig. 3. Dc5 —glfu.matt. Redaktion : I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch, tmb Steindruckerei, R. Lange, Gießern