ThU «7 I A.($ Wß» E^_d2,7-- W I^Phpyp p7 »» »Mffi ftS war das schon rein Das nette Mädel. Roman von Fedor von Zobeltttz. tNachdruck verboten,) (Fortsetzung.) Wenn Kruse warm wurde, war er ein prächtiger Sprecher. Er hatte ein schönes sonores Organ. Die Worte formten sich ihm leicht, und wenn sie wie em Wirbel inetallener Klänge von seinen Lippen fielen, so war das schon rein phonetisch so bestechend, daß man darüber das Paradoxe seiner Gedankensprünge vergessen konnte. Auch Traute stand unter der Wirkung seiner Sprache. Sie sah aber auch den Mann, der ein anderer geworden zu sein schien, als er vordem gewesen war. Sein Gesicht war wie mit frischem Mut übergossen, und unter dem schwarzen Sammet seiner Augen brannte es. Jetzt wendete er sich wieder seinem Bilde zu. Er drehte ihr halb den Micken. Der Daumen seiner Linken zeichnete m der Luft die Konturen des Irrlichts ab — und plötzlich kehrte er sich mit ruckartiger Bewegung um und sah sie an. , Bor diesem Blick empfand fie fast etwas wie Furcht. Es war nicht mehr der Künstlerblick, der überlegende und zugleich verklärende. Sie fühlte diesen Blick auf ihrer bloßen .Haut, und instinktiv schob sie wieder ihr Haar über Schultern und Hals. Er lächelte. „Sie sind feige, Traute," sagte er. ,,^ch verstehe Ihre Bewegung. Sie sollte eine Abwehr sein gegen Begehrendes. Und in der Tat: jetzt bm ich ern Mgehreu- der Ich will Sie besitzen — als Künstler und als Mensch. Ich weiß: das Bild, in das ich mich vernarrt und verrannt habe, wird nie fertig iverden, so lange Sre nicht die Mrrne sind. Auch der Nebelreif soll sich noch tn Formen wandeln, der Kopf verlangt nach einem Mädchenleid, der mit ihm ut Eins verfließt. Denn so erst wird meine Gestalt zu iem, was ich will: zu einer Personifakation der verführenden Keuschheit." , _ „ Traute fuhr jäh tn die Höhe. Der künstliche Mondenschein spielte über kalkige Wangen. Sre hob die Hände: sie wollte etwas sagen. Aber er faßte ne an den Armen, weich und zart, und drückte sie vorsichtig wieder iticbcr. „Bitte," sagte er, „ich bin noch nicht zu Ende. Es komnlt auch nichts Fürchterliches mehr. Bis jetzt sprach der Künstler. Der Mensch möchte ein Wort hmzufngen. Ich habe Sie lieb gewonnen. Ich iveiß nicht weshalb. Mag sein» daß auch mich das Irrlicht lockt. Aber was rein zu den Sinnen spricht, spricht auch zum Herzen: es sind keine Kontraste dabei. Ich bitte Sie: werden Sie mein Weib. So wie Sie wollen: in freier Hingebung oder durch gesetzliche Bindung. Weim Sie mich genauer kennen wurden, würden Sie wissen: es ist viel, daß^ichi das sa^ Aber ich respektiere Ihre Wunsche - und fehlt ^hnen auch noch der Segen des Himmels, so mag^Moebms setnes Amtes walten. Ich bitte nur um raschen Ent, chluß^ Wemr Sie ja sagen, können wir den nächsten Mond schon über dem Lido aufgehen sehen." Er stand jetzt dicht vor ihr, und da hatte sie keine Anast mehr. Auch die Augenblicksstimmung der Empörung hatte sich verflüchtigt. Es lag in seiner Art der Werbung so viel Originelles, daß ste fast heiter war. Aber sie blieb geflissentlich ernst. Sie wollte den Mann nicht kränken. Sie fühlte doch, daß aus ferner Etgenart ettte ^""^Jch^möc^te^ Ihre Hand haben, Professor," entwortete sie und erhob sich langsam und nahm dabet feilte Rechte und schüttelte sie kräftig. „So — das ist metn Dank mr Ihr ehrliches Wollen. Darüber hinaus komme ich nicht. Ich würde eine schlechte Frau .für Sie sem. Ich bin zu klein für Ihre Größe. Ich bin tn allem ^hr ^Die^Flurklingel schlug an. Traute schrak leicht zusammen und wollte hinter die spanische Wand huschen. Aber Niels hielt sie zurück. Keine Sorge," sagte er. „Adan überrascht, uns nicht. Die Zwölfmark hat ihre Weisung. Traute, was Sie reden, iü Bbraic. Ah ja, ganz einfach Phrase. Ich konnte mit Phrasen antworten, zum Exempel die alte Weisheit von der Anziehung der Gegensätze neu aufwarmen. Aber jen» seit der schönen Schlagworte steht mir Höheres, ^ch war me kühl und berechnend. Ich war immer em Enthusiast Als Sie mir am Sonntag sagten, Sie wollten heute zum ätzten Mal zu mir kommen, war ich mit imr im Remen. Da kam mir ohne Uebergang das Bewußt,em nierner Liebe. Aber Ruhe — auch die Liebe soll keine tönernen Fuße haben Bei uns hat sie wenigstens Füße aus Silber, habe keine Reichtümer erspart, weil ich immer em Verschwender war. Doch ich verdiene v.iel; ich bin, es clmgt ekelhaft, ich bm in der Mode. Trotzdem nicht modern; mehr von der alten Art: ein wenig Grübler, ein wenig Phantast, sogar em bissel hausbacken. Immerhin ein guter Kerl. Sie können es beruhigt mit mir versuchen." „Das wäre ein Frevel, lieber ^reund. Dazu bm ich nickt leicbtherzia genug. Mein „zweites Gesicht tauscht Sw Wir würden unglückliche Leute werden, wenn wrr uns finden wollten." . . . Sie lächelte gutmütig . . . „Pro- fefoi eiqenW follte ich toi« fein. R- UetaM hat intcb erschreckt Aber ich bin schon wieder darüber hinaus. Ich will auch mein Versprechen halten. Ich sehe, dw Mög- lickkeit lieat vor, daß Sie den Kopf des Irrlicht» heute beenden"können. Ich will artig posieren bis Sie fertig sind. Aber ich muß Ihr Wort haben, daß Lre nicht mehr von Ihren Torheiten anfangen. Sonst gehe ich lieber i nicht," sagte er. „Traute, Sie haben recht: eK. 490 war ein Uebersctll. Ich mußte ihn wagen. Dennoch: ich bitt nicht roh gewesen. Ich habe Ehrfurcht vor Ihnen; die zügelt die Leidenschaft. Aber so ohne weiteres gebe ich Sie. nicht auf. Ich würde auch warten köimen. Doch ich weiß: dann begönne eine schwere Zeit für Sie." Sie verstand nicht. „Warum?" fragte sie. „Weil Sie Everstedt lieben." Eilte Lohe schlug über ihr Gesicht. Auch das Weist ihres Halses, das unter dem Blond ihres Haares schiiu- inerte, färbte sich dunkler. „Wie kommen Sie ans diesen Gedanken!?" rief fie._ „Ich habe zwei Tugen und ein scharfes Gehör. Sie sprachen zu viel von ihm. lind erwähnten Sie seiner, so wurde Ihr Blick unsicher. Menschenkenntnis ist keine allzu hohe Kunst; man muß nur aufmerksam sein." „Sie irren sich," sagte sie kopfschüttelnd. „Ihre Phantasie übertrumpft auch Ihren Scharfblick. Sie kommen ans den Irrtümern nicht heraus." „Liebe Traute, ich biu meiner sicher. Sie entsinnen sich auch wohl: ich habe Sie nicht vor Everstedt gewarnt. Ich gab Ihnen nur einen Rat. Den gab ich aus tiefster Ueberzengnng. Im Leben Eberstedts war immer der Genuß des Augenblicks maßgebend und mehr als das Herz das Spiel der Nerven, lind deshalb sagte ich Ihnen . . ." Er verstnmmte plötzlich mitten int Satze und lauschte. Im Zimmer nebenan wurde die Stimme der Biertalern laut. „Na, wenn ich's Ihnen doch sage," hörte man sie sprechen, „es ist so und nicht anders. Der Herr Professor hat ein Modell da — da kann keiner rein." Und dann antwortete eine Männerstimme: „Modell? Was heißt denn das!? Blödsinn! Eine junge Dame ist kein Modell, lind nun'. . ." Das Zetern der Biertalern machte die Fortsetzung un- . verständlich. Auf der Stirn Krnses schwollen die Falten. Er wandte sich mit heftiger Bewegung gegen die Tür; aber die Hände Trautes hielten ihn zurück. Diese Hände zitterten. Ein Ausdruck krassen Entsetzens stand auf dem Gesicht des Mädchens. Ihre Augen waren weit geöffnet, die Brauen hochgezogen, die Züge voll Spannung. „Herrgott," flüsterte sie. Dann hörte man wieder die Münnerstinime: „Nun machen Sie keine Geschichten, liebe Frau. Der Herr Professor wird es mir nicht übel nehmen. Ich muß die Dame sprechen. Und damit sela." „Max!" hauchte Traute. Es war fast unverständlich. Jetzt klopfte er an der Ateliertür. „Nicht hereinlassen!" rief Traute. Sic stürzte hinter den Wandschirm. Die Tür war nur angelehnt. Roeßler wartete das Herein nicht ab. Er trat ein und stand Kruse dicht gegenüber: so dicht, daß die beiden sich fast berührten. Er stutzte, schlug die Absätze zusammen und sagte: „Verzeihung . . ." Er hatte noch weiter sprechen wollen, aber er fing einen drohenden Blick Kruses auf, der ihn befremdete. Niels beherrschte sich nur mühsam. „Zum Dvnuer- wetter, Herr, was ist das für eine Art!" schrie er. „Haben Sie nicht gehört, daß ich mich während der Arbeit nicht stören lasse?! Wer sind Sie? Ich kenne Sie gar nicht!" Roeßler öffnete die Lippen wie zu einer Antwort. Aber er sprach nicht. Sein Ange heftete sich auf das Bild. Er erkannte den Kopf Trautes. Der Körper des Irrlichts war nicht ausgeführt. Aber durch wogenden Nebel sah man doch die leicht skizzierten Umrisse eines nackten Mädchenleibes. Da zuckte er zusammen wie unter der Wirkung eines unvermuteten Schlages. In suchender Hast flog sein Blick umher. Die Muskeln seiner Wangen spannten sich, der Mund schloß sich fest. Und plötzlich stieß er Kruse mit aller Kraft zur Seite und sprang an den Wandschirm. Traute hatte ihre Bluse noch nicht geschlossen. Unter weißer Stirn starrten ihre Augen verängstigt auf Roeßler. Er packte sie und zerrte sie hinter dem Schirm hervor. „Schamlose!" keuchte er. Kruse riß ihn zurück. Er war ein Manu von riesiger Kraft. Seine Finger umspannten die Handgelenke Roeßlers; sie brachen ihm fast die Knöchel. Roeßler stürzte in die Küiee. Und nun hob Muse die Faust. Der Bauer erwachte. Aber zwei kleine Hände klammerten sich um die erhobene Faust. „Lassen Sie ihn!" schrie Trante. Jeder Nerv in ihr zitterte. Sie umfaßte Roeßler, um ihn aufzuheben. Er schüttelte sie ab und war int Nu auf den Füßen. Sein Blick flammte zu ihr herüber: ein Blick schonungsloser Ber- achtung. „Rühr mich nicht an!" rief er. „Du bist meiner nicht wert! Du—" Er verschluckte das Schimpfwort und eilte zur Tür. Da stand schon Kruse, breitbeinig und mit wehrender Hand. Sein Grimm war verraucht: er schlug nicht mehr nieder; er ahnte ein Mißverständnis. „Hiergeblieben," sagte er. „Mir fehlt noch eine Er- nifriutg." „Habe ich Ihnen Rede zu stehen?" „Ich denke doch. Sie sind in meinem Hause und vergaßen sich vorzustellen." Bei aller leidenschaftlichen Erregung siegte in Roeßler die gute Erziehung. In diesem Augenblick wurde sie freilich zur Parodie. Der Mann, der eben noch unter Krnses Faust geächzt hatte, verbeugte sich kurz. „Pardon," sagte er. „Leutnant Roeßler." Kruse sah ans den schlechtsitzenden Zivilanzug des jungen Offiziers. „Leutnant — hm . . . Und was noch?" „Er war mein .Verlobter," sprach eine zache Stimme. Traute mußte sich setzen; die Kniee brachen ihr fast. Die Spannung des Empfindens löste sich in einer schweren Träne. Ein Schluchzen stieg in ihr ans. Aber sie biß tapfer die Zähne zusammen. „War —?" wiederholte Krnse mit starker Betonung. „Ja — mar!" rief Roeßler. „Ich bin es nicht mehr! Das Modell des Herrn Kruse kann nicht die Brant eines Ehrenmannes sein!" „Oho! Mein Lieber, Me vergaloppieren sich»!. Das Modell des Herrn Kruse. . . Zapperlot, das klingt etwas wegwerfend!" „Ich bin bereit, Ihnen Rechenschaft zu geben." „Merci. Ich danke eraebenst. Ich bin aus meinen eigenen Ehrenkodex eingeschworen. Ich schieße nur auf der Jagd. Aber ich raufe auch." Traute stand neben ihm. „Ich habe eine Bitte, Professor," sagte sie. Ihre Hand wies auf Roeßler. „Lassen Sie mich auf eine Viertelstunde mit ihm allein." Er neigte den Kopf. „Gern: Klingeln Sie, wenn ich wiederkommen darf." Er ging. Trante strich mit der flachen Rechten langsam über ihr Gesicht, als wolle sie ihre Miene ordnen. Dann schob sie, während ein tiefer Atemzug ihre Brust schwellen ließ, das nur locker geknotete Haar fester unter den Hut. „So, Max. Nun können wir uns aussprcchen. Was sollte dein Toben?" „Fragst du noch?" — Er deutete auf das Bild des Irrlichts. „Ist es ein Verbrechen, wenn ich einem befreundeten Maler zu einem Kopfe sitze?" „Das Bild zeigt mehr." ... Er fuhr auf . . . „Willst du leugnen . . . Ich sah ja selbst —" „Was sahst du? Daß ich meine Bluse schloß. Ich hatte mich dekolletiert, weil Kruse den Halsansatz brauchte. Aber ich war dabei schämiger als int Ballsaal. Und du, der du behauptest, du liebtest mich, du hast es für möglich halten können, daß ich . . . Setzt Liebe nicht auch Achtung voraus? Und wo blieb die Achtung bei deinem törichten .Glauben?" (Fortsetzung folgt.) Herrn und Frau puitfarkens Reift in den wilden Kaiser. Ein Reiseerlebnis von W. Peer s. Neulich fuhr ich Bit einem schönen Sommermorgen von Roscn- Hehn das Unter-Anntal hinauf. Eine gesegnetere Fahrt wiE total nicht leicht in deutschen Landen finden. Die Natur zeigt die Schrecken des Hochgebirges im anmutigsten Mantel versteckt. .Der Inn durchfließt in weiten. Windungen eine lachende Ebene. Das Land M gut, die Vegetation üppig unö reich an imntnta* faltigen Saumarten. Rechts und links treten, je weiter, desto! näher, die Voralpen heran. ist nun freilich ein ander MU Kis in unseren Mittelgebirgen, Tie Gipset- und Gratformen finh' zackig und unregelmäßig. Mächtige Felsen durchsetzen die steil totb Nh» »mir sattblauen Himmel strebenden, mit endlosen Fichtenwäldern bedeckten, von blendend tvcißen und zur Tiefe des Tales stürzenden Geröllhaldeti durchfurchten Berge. Andere tragen saftig grüne Alpemnatten bis zur Höhe,-und zierliche Almhütteu winken gar freundlich mit blitzenden Fensterscheiben herab. Brannen- vurg, Oberaudorf — Touristenschareu verlassen den Zug, denn es sind lockende Ziele von hier zu ersteigen: Wendelstein, Brünn- steiu. Stattlich scharen sich wohlhabende Gebirgsdörfer in einem Hain von Obstbäumen um die weißgetnuchte Kirche, die stets die beiden bayrisch-obligatorischen Turmformen zum Himmel reckt: Zwiebel oder lange Spitze. „Nein, sieh doch bloß mal an, Karl, igitt, toie. schmuddelig, nirgends reine Gardinen auf, und die Fenster seit Jahr und Tag nicht geputzt." Damit werde ich auf die Existenz von Herrn Und Frau Puttfarken aus Hamburg, mir gegenüber, aufmerksam. Frau Puttfarkens Zorn ist verständlich. Es ist allerdings oft „dünnig schmuddelig" in Oberbayern und Tirol; nur eins, aber dies auch vollauf, glefchis wieder aus: die Fülle an brennend roten Pelargonien und Nelken vvr den grünumladeten Fensterchen auch des ärmsten Bauernhofes und die offene, heitere Herzlichkeit dieses bajuwarischen KernffamMes. „O Gott, Karl, sieh mal, tote schön!" Der Zug jagt an der „Klause", an der König Otto-Kapelle, dicht am! weißgran und hastig dahinschäumenden, breiten Jun, zwischen hohe Bergwände eingekeilt, dahin; die rötlich-graue, vielgczachte und von kleinen Schneerinnen und -Mulden durchzogene Wand des Wilden Kaisers steigt dort Hinten immer majestätischer auf. Puttfarkens verraten sich: sic wollen beide dem Wilden Kaiser zeigen, daß die Vorstudien ünl Klettern auf den Süllberg bei Blankerlese nicht vergeblich waren. Ihre Ausrüstung, nagelneu vom Hamburger Lodeuntagazin, ist dementsprechend hochalpin. Auf der anderen Seite des Gangwagens lärmen vier „richtige" Hochtronristen. Sie werfen mit grifflosen Wänden, Couloirs, Grätschen, Graten, Kaminen, Seilsicherungen nur so um sich. Puttfarkens, die zunr ersten Male in den Alpen fiitb und sehr interessiert zuhören, beginnt es sichtlich ein wenig bange, vor dem Bevorstehenden zu iverden. Die dicke Pnttfarken verfärbt sich, als von Totenkirchen und Totensesseln die Rede ist. Er starrt sprachlos die jäh abstürzenden grauen $8änbe hinauf und hinab. Die letzte Wendung, unb Kufstein mit deut dicken Kaiserturm der vielumstrittenen alten Feste Geroldseck auf hochragendem! Felsen und den roten Ziegeldächern der an ihren Fuß geschmiegten Stadt steigt aus. Zur Rechten die gewaltige Felseir- masse des Pendling mit dein weißen Punkt seines Unterkuitsts- hanseS. „Auf so'n Berg sollen wir hinauf, Karl?", meint Frau Pnttfarken bereits sehr bedenklich, als sie die riesenhafte Wand sorgenvoll mit den Augen mißt. Karl lacht, aber auch, schon lange nicht mehr so überlegen wie in Rosenhcint. „Wo denkst du hin, Pauline, der Pendling ist ja man bloß 1560 Meter hoch und ein ganz gewöhnlicher Aussichtsberg für kleine Kinder; wir wollen doch 2300 Meter hoch." Pauline schweigt bedrückt, aber auch Karl meint: „Weißt du, so hoch und steil hätte ich mir die Alpen nicht gedacht." Mich interessieren die gutmütig dreinblickenden Leutchen. Ich schlangle mich mit ihnen durch die Zollrevision, bewundere mit Mutter Puttfarken die „Properteh" und Liebenswürdigkeit der österreichischen k. k. Südvahubeamten und Zollkontrolleure, stolpere über die entsetzliche hölzerne ReklaMetaselparade am Bahnhof und schlendere ihnen in die Stadt nach. Das ist nun ein uneudlich liebliches Bild. Die alte Feste und die Pfarrkirche zu. St. Vitus beherrschen den Platz architektonisch. Landschaftlich aber gibt der nngebärdrg unter der zwer- bogigen Eisenbrücke zur Stadt mit trotzigen Wellen jach dahtn- flicßende Inn den Ton an. Nun sehe ich gerade, tote Mutter Puttjarkeu über die Tabak-Trafik und den Zigarren-Verschleig jenes Buchladens sich halb totlacht und stehe bald nach ihnen, um eine Ecke herumbiegend, auf den Unteren Stadtplatz. Hier zuerst fühlt man, daß man auf dem Wege zum Süden ist, bemerkt mau allerlei, uns namentlich von Südtirol erinnerliche tirolische Besonderheiten an den Häusern: Erker und in der Mitte schräg verstellbare grüne Fensterjalousien. Puttfarkens, schon, etwas außer Atem von deut tüchtig ani'teigcnbeit Weg in der südlich brennenden Sonne, bemerken das auch. Frau Pntt- farkens Buschl laut dem kecken Tirolerhut zittert heftig. „ . . . und tote soll denn das Mädchen diese kleinen schmalen Hoheit Fenster putzen; nein, ach doch, toie schmuddelig sind die Gardinen. . ." Ach so, ja, die holländische Reinlichkeit . . . Puttfarkens machen alles gewissenhaft ab. Sie wandern an den Denkmälern für verdiente Kufstein«, für Madersperger, den Erfinder der Nähmaschine, für den großen Nationalökonomen Friedrich List, der hier seine schweren Enttäuschungen, enbete, vorüber, unb studieren die Inschriften. Wie viel schiteller verstanden die lieben so idealen „Dichter und Denker", toie vorauszusehen, den Wert der Nähmaschiue, der Zementindustrie, als List's bahnbrechende volkswirtschaftliche Theorien! Da Puttfarkens „all das" jedenfalls wenig interessierte, unti sie bei dem glühenden Sonnenbrand im Kufsteiner Talkessel bet- reits recht echauffiert aussahen, ließ ich sie zürn Tiroler Spezial gehen und setzte mich auf eine schnittige Bank. Regsam, aber mit der Ruhe kleiner .österreichischer Städte, die von der nervösen Ueberhay norddetttscher Großstädte glücklicherweise noch nichts wisst», zog das Straßenleben att mir vorüber, in das die Käppis Und die Gebirglertrachten eine weitere neue Note bringen. Doch der Fluch unteres modernen Reisens, die Pflichtstücke des Reisehandbuches, machen ihren Anspruch auch bei mir geltend". Ich breche auf. Sieh, da lenken Puttfarkens mit demselben Gedanken, die Feste Geroldseck zu besuchen, um die Ecke. Er rückt, mich erkennend, höflich den Hut, sie lächelt ganz freundlich herüber. Ich lasse sie aber einstweilen vorangehen. Herr Puttfarken lieft ihr die Geschichte der Festung in kurzen Zügen ans seinem Reise- handbnch vor; wie oft matt sich um sie gestritten und sie belagert hat, toie Hauptmann Hans Picnzenauer dem großmachtigen Maximilian, dem Hause Wittelsbach treu, trotzig die Stirne bot und seine Treue mit dem Tode zahlen mußte, nachdem „Weckaus" und „Purlepaus" ihre eherne Stimme halten ertönen lassen; wie die Bayern 1703 unter Kurfürst Max Emanuel am hellen Tage die Besatzung überrumpelten, toie im großen Freiheitsjahre 1809 Bayern und Tyrol, General Deroy und der Volks- Held Speckbacher um sie rangen. Frau Puttfarken sekundierte mit „Ach Gott, die armen Leute", „tote grasig", „pfui, was für Mordbrenner! .... Karl, paß auf, klapp dein Buch zu!" Karl war nämlich über die erste Stufe des Kasemattenganges gestolpert. Nun wird es finster. In Serpentinen, von kleinen seitlichen Schießscharten notdürftig erhellt, klomm berjm übrigen vortreffliche Weg in Stufen unb Steigungen den Fels hinan. Das Bild vor mir war bedauernswert. Frau Puttfarken war längst die Lust vergangen, die Stufen zu zählen. Sie keuchte schon unb schnappte hochroten Angesichts nach Luft.. Herr Pntt- sarken schien kaum weniger erschöpft, ließ sich aber nichts merken. Endlich trat man ans Tageslicht. Herrn Puttfarkens vergnüglicher Vorschlag, sich doch „eben mal" die höchst interessante Sammlung des Kufsteiner „Vereins für Heimatkunde" mit den erschrecklich dränenden Skeletten der in der Tischofer Höhle am Kaiseistal aufgefundenen riesigen Höhlenbären, den Funden an Resten des' vorgeschichtlichen Menschen und seiner Werkzeuge am Wege anzusehen, fand energische Abtoeisnng. Mutter Pnttsarken iteuertel mit letzten Kräften der Restauration int Festungshose zu. Aufgelöst saß sie da. Herr Pnttfarken ließ erfrischende Getränke auffahren: auch er war mit feinen Flachlandbeiuen schon ziemlich fertig. Aber eingestehen durfte man das nicht, ihr am wenigsten. Es galt also ärgerliche Verwunderung über so schnelles Versagen zu zeigen. Er entwarf in leuchtenden Farben ein Bud, der morgen bevorstehenden Fußwanderung und Kletterei, vor der ihm im innersten kaum weniger graute als der Gattm. Also vier Stunden durchs wildromantische Kaisertal zum vmteiwaren- bad; dort Uebernachten, bann am andern Morgen mit Führer „Klock drei" los und — . _ _ . Mittler Puttfarkens Entschluß war geiaßt. „Tu, was du willst, Karl, ich geh' nicht in den sicheren Tod mit dir ms milde Kaisergebirge. Ich bleibe hier." (Beiläufig gesagt, Mutter Putt- farkens hatte heimliches Grauen, daß ihr unterwegs „,o n Höhlenbär" oder eilt Wolf begegnen könnte.) Karl Ueberredungskimste versinden nicht. Muttev Hieb fest. Und, offen gestanden, Karl siel damit eilt riesengroßer Stein eigner Angst vom Herzen, Das war doch hier was ganz anderes als der teuUberg und der Berg am Seeinannshaus! Nur eine große Sorge hatte er: was würden Hansens und Averkamps und Müllerdters und Claußens sagen, wenn sie erführen, daß sie gar nicht tu der Felswildnis des Wildeit Kaisers gewesen waren? Da müßte ich ihnen raten: ein paar Ansichtskarten mit jenen! schwindelerregenden Bildern von Hochtouristen, die wie die Mtegen an senkrechten Wänden zwischen Himmel und Erde nebelt, umrahmt von gottlosen Berschen, zu kaufen, und sie nnt ein paar hochentzückten fachmännischen Worten der Alpimstensprache s z schauderhafte Traversierung des Teuselgrates, hocymler- essantes Couloir, furchtbar schwierige Kamine" ;>an Hansens, Averkamps, Müllerdieks und Clauiens zu senden. Zugleich stellte ich mich als Hamburger vor. Nein, diese Freude! . Die niederdeutsche Liebe zur Heimat ließ sich an unserm aische' nieder, den wir abends beim roten Spezial tut .lurachct bestellten. Gewiß war's wunderschön hier; doch em paar herrliche Gruppen der „Eichenrecken", wie Joh. Hmr.ch Fehrs, unser holsteinischer edler Dichter lagt, etu Paar mögende Felder, das Moor mit den zierlichen Birken und Werden bet Grvßkarolrnenseld, der linke Gebirgswind, ent paar Stuck Vieh auf dm Werde, m ei 11 fnnier ftolact Snuenthof — uiii> 3nitu bei atmet?, wO mitUhrs „zwischen Hecken und Halmen" die zarteste» Geheimnisse schlafeit, die Buchenwälder, der werte wellige Horizont, der Hendust, die Pracht der Wolkenbirrgen, Schleswig-Holstern nreer- umschlitngen, es strahlte, in klarem Bilde aus dem spiegel unser« sehnenden Seele wieder. Wre viele.Bertthrungspunkte geraoe Nord und Süd haben, hier war es uns wieder ossenbar..... In der Admiralitätsstraße Hamburgs aber gao eö em paar Taae darauf großes „Wundererwarten". Putt,arkens als Hoch-, touriften, im wilden Kaiser ■— auf einer Ansichtskarte halte i— 492 e* Schwarz. Redaktion: R. Neurath. — Rotationsdruck und V-rlag der Brühl'schen UntversttStS-Buch- und Ste!ndrucker»t R. Lanae, Tteße» Kd5-e4 oder A.) Ke4-f3 (f6) c4—c3 Kd5—e4 oder d6. Lgl—c5f und Ma. ZltalenrStsel. Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, jo daß sich ein neue? Zitat ergibt: 1. O, ich bin klug und weise, Und mich betrügt man nicht. 2. Wohl dem! Selig muß ich ihn preisen. Der in der Stille der ländlichen Flur. 3. O, süße Stimme! Vielivillkommner Ton Der Muttersprach in einem sremden Landei 4. Selig durch die Liebe, Götter 5. Mein Leipzig lob' ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute. 6 Dies Kind, kein Engel ist so rein. 7. Ais ich noch im Flügelkleide In die Mädchenschule ging. 8. Die Hindus der Wüste geloben, keine Fische zu essen. 9. Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein. Auflösung in nächster! Numnrer. 1. Ld4-gl 2. Daß—c4: f 3. Dc4—g4 f und Matt. A 1 2. Daß-b7t 3 Sd7—c5 oder * .Trinkgeld" an einem Kaiserhose. Von einer eigenartigen Form, Trinkgelder zu „erheben", erzählt Mme. de Hegermann-Lindencrone in ihren Briesen, die sie im Jahre 1866 Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nuiumert Weitz. ' Lst nterkw^dig st.L Sw untersucht die Frage, warum die Frauen den Männern nicht ebenbürtig sind und malt sich eine nahe Fukunst au? — die in wenigen Jahrzehnten herbeikominen j0[( —t ,vo die Frauen „kein Korsett tragen, aus flachen Absätzen Ter'Zwang ^der^ Mode ist es nämlich, nach Ansicht von Frau Montjoie in erster Linie, der die Frau bisher verhindert Hat, es dein Manne gleich zu tun. Wenn man mit einem Mamte über die Gleichberechligung der Frau spricht, so meint tftau Mongole, wird er mit unbedingter Bestimmtheit behaupten, d,e Frau könne dein Manne niemals gleich sein, »weil sie zu nervös ist, weil ihre gaiize Anlage dem entgegensteht, usw. Maniier, die aus mefein Standpunkie stehen, so meint Frau Montjoie weiter, sprechen damit zwar ein Körnchen Wahrheit aus, aber sind der Sache nicht m f den Grund gegangen, denn was sie als unabwendbare Tatsachen hinnehmen, sind nur Tinge, die durch unsere gegenwärtige Kultur herbeigeführt worden sind - „Wenn die meisten Frauen.sonervös sind, so unberechenbar in jeder Hinsicht sind so äußert sieh Frau Montjoie, „so liegt das daran, daß die meisten krank sind, und wem» die meisten von ihnen krank sind, so ist der Grund dafür, zu suchen. Man greife sich einmal einen kranken Mann heraris I und iraae sich, ob er nicht ebenso reizbar ist, wie eine Frau: rch I behaupte er ist es in noch höherein Grade." Diesen Grundgedanken j führt die Französin bann weiter aus, mdem sie das Leben der gegenwärtigen Frau, wobei sie aiigenscheinlich nicht nrir die psranzosin I lm Auge hat, in seinen Einzelheiten betrachtet. Ihrer Ansicht nach ist das Leben der heutigen Frauen ein „g ewohnh ei t s matz > g es Opfer". Ihr Leben besteht täglich aus „tausend kleinen Nadel-- stichen und Unbequemlichkeiten". Hier führt Frau von Montjoie nun als Hauptsünder das Korsett an, das den Körper verletzt und den Bliitunilauf und die Verdauung hindert, und als ebenso schädlich das Tragen hoher Absätze, an, das die wlclstigsten Organe verschiebt. Hierzu kommeii noch eine Fülle solcher „Nadelstiche", die nicht angeführt zu werden brauchen. Aber alle zusammen machen die Fraii von heute krank. Das ist em Ergebms, dem man im Hinblick auf das Korsett und den hohen Absatz kaum wiedersprechen kann. Frau Montjoie geht zwar ein wenig zu wett, wenn sie nun behauptet, daß alle Frauen bleichfnchtig lind blutarm sind, weil sie rmhygienisch leben, aber die Borwürfe, die sie gegen das Korsett erhebt, sind diirchaus berechtigt. Bei uns sind sie,edein geläufig, den Französinnen dagegen dürfte es zum -ietle recht dienlich jein, wenn sie einmal vollständig aufgezählt werden, wenn auch die Wirkung dieser Philippika nicht allzu groß sein dürfte. Frön von Montjoie iveiß sich vor Erstaunen darüber nicht zu lassen, daß sich die Frauen seit Jahrhunderten so uiterhörte Opfer auflegen und sich dabei ständig bebauern lassen. Nach Ansicht der Männer — wenigstens nach ihren Worten — ist die Frau, wie sie heute ist, wenn man sich auf Frau von Montjoie verlaßt, em Entzücken für das Auge, ein Sonnenstrahl, dessen Schönheit bte Häßlichkeiten des Lebens vergeben macht; die Männer schwören, daß sie sie anbeten, daß sie ihnen alles bebeutet, kurz man hort die alte Leier, aber sie dächten nicht daran, ihr Schicksal mit dem des toöncn Geschlechtes zu vertauschen, wenn sie dazu m der Lage wären. Hierdurch hauptsächlich werden die Frauen itach Ansicht von Frau Montjoie in ihrem gegenwärtigen Zustande gehalten, wenn auch manches geschieht, was sie atts ihrer Untätigkeit auf- rütteln könnte. Die Frauen dulden z. B., daß später inan ihnen Moden aufywingt, die lächerlich und lästig sind, und zehn Jahre später von ihnen erst als häßlich erkannt werden. Wenn man einer Dame ein Bild zeigt, das sie in der Kleidung darstellt, die sie vor 10 Jahren getragen hat, empfindet sie es als Demütigung, daß sie jemals so geschmacklos gekleidet sollte gegangen fein. In dem Augenblicke aber, wo sie die jetzt als häßlich erkannte Kleidung getragen hat, schien sie ihr schön unb sie hatte sie als Schinuck angelegt, in dem sie ihrer Art folgte, ohne nachzudenken das zu tun, was alle tun. , ~ . Als besonders abschreckendes Beispiel fuhrt Frau Montjoie bte Krinolme an, und dem gegenüber verweist sie auf griechische Frauenstatueli, die mit ihren einfachen, faltenreichen Gewandungen, die die Linien des Körpers erraten läßt, noch heute, nach Jahrtausenden, unverändert schön erscheinen. Es scheint, als ob Frau Montjoie sich ivirklich von der Ausrottmtg des Korsetts und ähnlicher Kleidungssüiideii alles verspricht. K. F. *DasGlückderEhe. „Ich hörte. Sie hätten geheiratet?" — „Ja, die Unordnung war schrecklich — bin immer mit abgerissenen Knöpfen herumgelaufen." — „Na und jetzt? „Jetzt nähe ich sie mir an!" „ ... * Eine Abwechselung. - Herr: „Fraulem Clara, für Sie würde ich mich ins Wasser stürzen!" — Fraulem: „Na, das ist doch 'mal eine Abwechselung. Sonst wollen die Herren immer für mich durchs Feuer gehen!" , * Am Stammtisch. „Was? Du willst jchou nach Hause? Es ist ja noch nicht einmal neun Uhr!" — „Ja, heute hat mich meine Frau geärgert und nun ärgere ich sie wieder. — „Womit kenn?" — „Sie hat jedenfalls eine schöne Gardinenpredigt einstudiert, für den Fall, daß ich recht spät nach Hause komme: deshalb gehe ich jetzt schon so früh — dann kann sie bte Predigt nicht halten." . . ... h •_ wnnknrftomt Kletterer i von einem Besuche am Hofe Napoleons HI. in Eompiegne ge- Puttjarken sogar unter einen mehr tote waghalfigeti Kletterer hat und die jetzt in Harpers Magazine veröffentlicht geschrieben: „Hier bin ich angeseilt das to gW > I werben. . Ehe wir gestern Compiegne verließen", so schreibt sie, gewaltig, daß Puttfarkens Ruhm als Bezwinger der Alpenschrecken I °^urben rob? a[s luilu gerade unseren Morgentee einnahmen, durch bis heute lebendig blieb. I den Eintritt des „Siaior-bomo" unterbrochen, der uns em Blatt . I Papier einhänbigte. Wir waren auf diesen Besuch nicht unvor- 5)01 StVGltG OCt HlOvC. . I bereitet, da itns von einem der Gäste, der schon vorher hier ge» cr.ieier Tage ist in Paris unter dem Titel „L'Egale" ein Buch I wesen ist, gesagt worden war, daß von jedermann erwartet würbe, erfdiienen dessen Verfasserin, Frau Camille de Montjoie, Ansichten I er in seinen Zimmern bleibe, bis diese bedeutende Perfonlich- iiber bas' Leben der Frauen entwickelte, die für eine Französin | xeit ihre Runde gemacht habe, um das „Trinkgeld emzusamuieln. twer oas leuen o c*.._ I Ich sage: das „Trinkgeld", denn das, was man gewöhnlich ge- trennt gibt, wird hier zu einer Summe zusammengeworfen. Dieses Stück Papier, das et uns fast auf der Spitze feiner „Hellebarde" überreichte, erwies sich als eine bereits fertige Quittung über 600 Francs - unser „Trinkgeld"! Wir waren bann eine ziemlich gedämpfte Gesellschaft im Zuge. Die Unterhaltung brebte sich fast ausschließlich um die Trinkgelder. Der Hmssier entscheidet über den genauen Betrag, den jeder zu geben hat. Zum Benpret ist er der Meinung, daß ein Gesandter 2000 Frs. geben soll. Für einen Staatsminisier genügen auch schon 100 > Frs. — von un- offiziellem Volk, wie wir selbst es sind, kann man nicht mehr erwarten, als 600 Frs. zu erhalten. Und der arme Adel von Frankreich kommt sogar mit 500 davon! Einige waren der J.(etn- ung, daß es netter wäre, eine große Summe en mässe ju geben, als lauter kleine Teilchen, andere wieder glaubten, datz es mehr Befriedigung gewähre, persönlich den Dienern seine Gaben zu übermitteln, aber einstimmig waren wir der Ansicht, daß dieser o'stzielle Büttel eine unangenehme Steuer war. Die täglichen Ausgaben in Compiegne, so erklärte uns der Gouverneur des Hauses, uno ten von ihnen krank ftnö, io i|i oer mnmu uutm., ■ der sollte es doch wissen, beliefen sich auf nicht weniger als iv ouu fitnben Lebensart und ihrer falschen Hygiene I gt§., und es lebten über 900 Leute im Palast, bte alle ernährt unö ' " 1 gefleibet fein wollten ... , . 'Eine Hochzeit burch ben Fernsprecher, wurde, wie aus New-Uork berichtet wird, kürzlich zu Coin m Jova feierlich vollzogen. Nev. H. B. Minton saß in fernem Ornat vor dem Telephon und ließ sich mit George Prentioe tu Northborough und Fräulein Mary De Witt in Blanchard verbmben, -wei Ortschaften, die beide von Coin fünf englische Meilen und voneinander 3 englifche Meilen entfernt sind. Sils die Verbindung hergestellt war, sprach er die üblichen Worte in neuer Formulierung: Reicht euch die Hände durch ben Draht. Durch das Telephon kant zweimal die Antwort zurück: Wir haben es getan. Da sprach der Geistliche die Worte in den Apparat: „Ich erkläre ettch für Mann und Frau" unb der Bund war geschlossen.