KcheMMMuleyb^ ; MrchaldMPblM M M^EZMiMk WeMÄ-ZMtt). *F|t W M W MW M Samstag den 8.3uli sA Das nette Mädel. Roman von Fedor von Zobelti^ (Nachdruck verboten,). (Fortsetzung.) Im Frühling rauchte das Moor, so daß es aussah, als schwele nach dem Meer zu ein großer verglimmender Brand. Vom Luftballon aus war das ein eigentümlicher An- Sblrck. Es schwebten häufig Luftschiffe über der Gegend. (Einmal war auch Walter Mursinna mitgefahren und hatte Uber den Ausflug einen wunderschönen Bericht geschrieben, voll fremdartiger Wendungen und in einem ganz feinen, überaus preziösen ie mancher eine künstlerische Ungeheuerlichkeit nannte, und wenn Niels Kruse so etwas Hörte, freute er sich. Er ging ungern mit andern in Schritt und Tritt, und seinem Querkopf behagte ein Lob durchaus nicht immer, wogegen ein giftiger Tadel zuweilen wie eine Erfrischung auf ihn ein» wirken konnte. Vor dem großen Nordfenster lag eine bernsteingelbe Gardine. Es war um die Mittagszeit oder nur ein weniges darüber, uni) das Helle Frühlingslicht störte. Allerdings arbeitete Niels,im Augenblick nicht. Die Vierth alern, die Haushälterin Kruses,' von ihm der landesüblichen 'Währung halber gewöhnlich die „Zwölfmark" genannt — ein Witz, der in grimmer Stunde entstanden war und den weder Freund noch Feind respektierte — diese brave Merthalern hatte zum Frühstück ein paar Koteletts gebraten und Niels dazu seinem Freunde Moebins einen ganz erlesenen alten Portwein vorgesetzt: ein Geschenk des Generalkonsuls Schneider, die Quittung für eine Gefälligkeit. Der Portwein forderte eine Ruhestunde. So-saßen die Freunde sich denn im Atelier gegenüber und sprachen nicht. Aber jeder hätte eine Tasse türkischen Kaffees vor sich und jeder rauchte. Moebius war der berühmte freigeistige Kanzelredner, aber hatte er schon sonst wenig vom Thpns des norddeutschen Pfarrherrn an sich: in dieser Stunde hätte man ihn für alles mögliche halten können, nur nicht für einen Geistlichen von heutzutage. Er sah eher wie der Johannes aus: doch nicht der, der aus der Wüste kam und der verderbten Jungfer Salome zum Opfer fiel, sondern wie man sich den Evangelisten vorstellt, mit weichen Zügen und einer träumerischen Milde jn den blauen Augen, die das Spiel der Blicke vortrefflich verstanden. Woebjus war.heute wirklich, — 418 — ganz der Apostel: er trug ein »vallendes weißes Gewand', höchst malerisch im Fall der Falten; auch waren seine Füße nackt und mit Sandalen umschnürt. Er blätterte in einein kleinen Buche, in Wildes „De profundis", und auch, Niels Kruse las: in der Morgenzeitung. Nun legte Moebius den Wildeschen Ausschrei wieder auf das mit Perlmuttintarsien geschmückte Ebenholztisch- chen zurück und blickte prüfend zu Kruse hinüber. „Du scheinst etwas sehr Interessantes in unserm Klatsch- blättchen gefunden zu haben," sagte er. .„Jawohl," entgegnete Niels und nickte. „Hör zu." Und er las vor: „Weizen eröffnete willig unter der letzten Schlußnotiz, da ausländische Nachrichten keine Anregung boten." „Bitte," sagte Moebius und fuhr mit der Hand durch die Luft. „Es fteilt mich, daß du meinen Geschmack teilst," erwiderte Niels und las weiter: „Der Maismarkt nahm wie gewöhnlich einen lustlosen Verlauf, so daß sich bei willigem Schluß 'die Notierungen ein Drittel niedriger stellten." „Was ich lebhaft bedauere, "entgegnete Moebius, „Aber ich mache dich darauf aufmerksam, daß ich doch mehr mit geistigen Werten handle als mit materiellen." Niels legte die Zeitung fort und schlug die Beine über-, einander, die in ungeheuer weiten, nach unten zu sich verengenden Pantalons ans goldgelbem Velvet steckten. Dazu trug er rote Saffianschuhe mit Pompons an den Spitzen und eine türkisch gemusterte Morgenjacke mit Dolmanver- schnürung. „Beweis dafür, daß dir das Verständnis für den wohltuenden Reiz des Wechsels fehlt, lieber Arthur. Das ist die Realität, die das zu hoch schnellende Phantasiegeivicht auf der Wäge unseres Denkens wieder ein wenig hernnter- drückt und denk sogenannten Gleichheitsprinzip "zum Siege verhilft. Du aber freilich wirst niemals aus dem Schwanken deiner Empfindungen h'erauskommen. Philosoph und Pastor ---- Liebster, auch mit den schönsten Dednkationen wirst du nicht das unvereinbar Gegensätzliche znsammen- schweißen können!" . Moebius nahm einen letzten Schluck Kaffee. „Das alte Thema," sagte er. „Du rührst gern daran. Warum nur?" „Weil ich aus dir noch immer nicht klug geworden bin. Wenn deine Philosophie auf festen Fußen wandelt und keine luftigen Sprünge macht wie ein Klinischer Ballon, so mußt du auch der Ueberzeugung sein, daß es keine ewige Wahrheit gibt, sonderri nur eine Wahrheit der Zeit. Natürlich — der Heilige Augustin sprach und lehrte anderes a!s du, der moderne Reformer. Aber sein Eredere non potest homo nisi volens ist doch auch für dich noch Grundlage. Und das ist ein Unsinn der neuen Erkenntnis gegenüber." „Nach deiner Anschauung, Niels, nicht nach der meinen. In der Tat kann der Mensch nur glauben, wenn er will — das ist heute so, wie es damals war. Und wenn, aller mystische Glanz der Ueberlieferungen bis auf den letzten Schimmer verflogen sein wird: die Lebenskraft der Religion wird dennoch nicht beeinträchtigt werden können. Selbstverständlich: das Weltbild ändert sich von Geschlecht zu Geschlecht, und die Wahrheit von gestern kann morgen schon Irrung sein. Aber das Eine bleibt ganz gewiß ewig: allen Gegenbewegungen der Kultur zum Trotz bleibt in UM die tiefe Sehnsucht nach dem Unwirklichen. ° Greif doch in dein eigenes Herz, Niels! Was zwingt dich denn zu der Eigenart deiner Kunst? Ein ausgesprochen religiöses Empfinden, das einer inneren Erhöhung." Er erhob sich rasch und trat aii das große Bild heran, das rechtsseitig des Fensters auf der Staffelei stand. „Schau her," sagte er, „schau einmal deine letzte Schöpfung an! Es ist eine Illustration zu dem, was ich meine; eine Abkehr vom Weltlichen und in der ganzen Auffassung erfüllt von dem Ausdruck frommer Gesinnung." Nun sagte Niels Kruse etwas Unfrommes. Er rief -„Donnerwetter!" und sprang in die Höhe und pflanzte sich, die Hände in den Hosentaschen, breitbeinig vor seinem Bilde auf. Er wollte, in diesem Bilde seine Frömmigkeit sehen. Mber er sah ganz etwas anderes. Er sah nicht das, was! da war, sondern das, was fehlte. Und da zogen sich seine starken ;chwarzen Brauen, die sich so schön beinahe berührten, noch mehr zusammen. Es war wieder ein Märchenbild oder doch etwas Aehn- licyes. Der Frühlingswald' tat sich auf: ein Buchenhain- den der Mond durchleuchtete, und das Mondlicht spann! seinen alten Zauber zwischen den schlafenden Bäumen, ringelte sich goldig um die bemoosten Stämme und streute blanke Tupfen über Farren und Heidekraut. Ein Weg führte quer durch den Wald, ein schmaler Fußpfad, der war ganz hell und den schritt ein Mann hinab, in weißeinwallendem Gewände mit schönem sanftem Apostelkopf. Er trug etwas in der Hand, aber man wußte nicht was, denn es war noch nicht ausgeführt: die Stelle iuor frei geblieben. Doch sah jeder: es war gewiß ein heiliger Mann, vielleicht! ein frommer Siedler, der zu einer armen Kranken gerufen worden war und mochte ihr die letzte Oelung bringen oder eine Arznei oder aüch eine kräftigende Labung. Aber da der Weg sich wandte, stutzte er. Da kroch grünes' Wasser durch den Wald, und zwischen den Stämmen schimmerten auf braunem Moor metallische Flecken, ließet das Luch strich ein zarter Nebel, und aus dem Nebel löste sich eine gespenstige Gestalt, ein nacktes Mädchen, doch wie verschwommen und nur angedeutet, mit erhobener Hand, gleichsam winkend. Auch diese Gestalt war noch unfertig: ihr fehlte der Kopf. Der schlanke Hals verlief in einem breiigen Gemisch fahler Farben. Niels paffte sehr stark, als er vor dem Bilde stand. Seine rechteHand fuhr hin und her, Fakten gingen über feine Stirn und wichen wieder, im Ange flackerte ein unruhiges! Licht. „Es ist nichts," rief er, „es geht so nicht! Der Wald! — gut — da andre ich nichts. Die Perspektive ist sogar famos; der verlaufende Sumpf mit den öligen Patzen ans dem stinkenden Wasser, auch vorn die nassen Steine und der verdämelte Froschkönig — auch die Mondkringel int Nebel, auch die Durchsicht und der Mick den dampfenden Weg hinauf — das ist alles in Ordnung. Das bleibt, wie es ist. Aber die Figuren! Ja, Arthur — hörst du überhaupt auf das, was ich mir zu äußern erlaube?" Moebius war an das Fenster getreten, hätte den Vorhang ein wenig zurückgeschlagen und schaute hinaus. Doch er nickte gleichwohl. „Ich höre schon," sagte er. „Aber das Fromme liegt nicht so sehr im Gesichtsausdruck als in der ganzen Bildauffassung. Du kannst gar nicht anders malen. Jetzt wurde Niels ärgerlich. „Ach, geh mir doch mit deinen moralinsaureu Philo- sophenem! Ich habe keine Tendenzen und keine andere Auffassung als die rein künstlerische Und wiederhole: dein Gesicht paßt mir nicht. Warum hast du eine so sanfte Larve?" „Such dir ein anderes Modell, mein Junge. Die Vettern von der Muckerseite werden so wie so räsonniereu- wenn sie mich in deinem Zauberwalde entdecken. Läßt sich ein protestantischer Geistlicher von einem nackten Nixlein betören?" „Es ist kein Nixlein, es soll ein Irrlicht werden. Soll auch nur zu betören versuchen: Aber wo finde ich das Vorbild! Sieben Modelle habe ich antanzen lassen. Keins taugt etwas. Die blonde Auni wäre geeignet gewesen." „Ich habe sie gestern besucht." Er riß an dem Ferister- vorhang . . . „Sieh Niels, rief er, „die kommen zu dir!" „Wer?" „Ich erkenne sie. Eberstedt voran, 'Noeldechen und Mursin na, Ellen Meier und Suse Appelmann — 'das gibt einen Ueberfall, Niels." „Ich bin im Bade," sagte Niels trocken. „Die Zwölf- mark kennt die Formel." Aber er war neugierig geworden und spähte gleichfalls hinaus. Beide hielten sich hinter dem bernsteingelben Bor- hang und lugten mit Vorsicht aus dem Fenster. Sie wollten von draußen nicht gesehen werden. (Fortsetzung folgte Das Landhaus in Hampshire. Eine Dctcktivgeschichte von Conan Dohle. ~ --Wer die Kunst um ihrer selbst willen liebt," begann eines Tages Sherlock Holmes, indem er das Anzeigeblatt des „Tele- graph" aus der, Hand legte, „der findet häufig in den unwichtz ttgsten und geringfügigsten Erscheinmchen den höchsten Genuß« Wl« ich mit Vergnügen sehe, hast du dir, mein lieber Watson- duse Wahrheit bis zu einem gewissen Grade zu eigen gemacht — 419 — EM W SM M dckn YMn Berichten Mer unsere Fälle, die $M änfzuMchn-en und — ich muß es sagen — gelegentlich auch rtu^zuschmuckeu so freundlich warst, nicht sowohl die vielen causes cslobres und sensationellen Prozesse, in denen W eine Rolle gespielt habe, in den Vordergrund gestellt, als vielmehr jene kleinen Fälle, die — obwohl an sich vielleicht alltäglicher Art — mir doch oft gerade Gelegenheit M den streng folgerichtigen Beweisführungen und Schlüssen gaben, die meine eigenste Spezialität bilden." „Und doch," versetzte ich, „kann ich mich selbst nicht ganz von dem Vorwurf der Sensationssuch-t freisprechen, der gegen Mine Berichte schon erhoben worden ist." „Du hast vielleicht den Fehler gemacht," fuhr er fort, während kr mit einem’ Stückchen glühender Kohle ans dem Kamin seine lange Weichselrohrpfeife anbrannte, die er an Stelle der Thonpfeife zu nehmen pflegte, wenn er sich eher in streitbarer als in beschaulicher Stimmung befand, — „du hast vielleicht den Fehler gemacht, daß du dich bemüht hast, allen unseren Leistungen Farbe Und Leben zu verleihen, statt dich auf die Darstellung meiner streng logischen Schlußfolgerungen von der Ursache auf die Wir- kung zu beschränken, die in Wirklichkeit das einzig Bemerkenswerte an der ganzen Sache bilden." „Ich denke doch, ich habe dir dabei volle Gerechtigkeit au- gcdeihen lassen, entgegnete ich etwas kühl, denn mir war das starke Selbstgefühl zuwider, welches, wie ich mich schon mehr als Änmal überzeugt hatte, einen ziemlich ausgesprochenen Zug in Meines Freundes merkwürdigem Charakter bildete. „Nein, es ist nicht Eigenliebe oder Einbildung von mir," bemerkte, er darauf, indem er'nach seiner Gewohnheit nicht sowohl meine Aenßerung beantwortete, als vielmehr das, was ich dabei gedacht, hatte. „Wenn ich volle Gerechtigkeit für meine Kunst verlange, so tue ich das, weil ich dieselbe als etwas Unpersönliches — als etwas über mir Stehendes, betrachte. Verbrechen kommen alle Tage vor, streng folgerichtiges Denken findet sich selten. Deshalb hättest du dich mehr bei dem letzteren als bei ersterem anftzalten sollen. Statt einer Reihe belehrender! Vorträge ist unter deiner Hand ein ganz gewöhnliches .Geschichten- bnch entstanden." Es war ein kalter Morgen im Beginn des Frühjahrs, als wir nach dem Frühstück bei einem munter flackernden Feuer in dem alten Zimmer in der Bäkerstraße beisammen saßen. Dicker Nebel wallte zwischen den schwärzlichen Häuserreihen, und die Fenster gegenüber nahmen sich hinter den schweren gelben Dunststreifen ans wie dunkle, formlose Flecken. Unsere Gaslampe brannte und warf ihren blendenden Schein auf das weiße Tischzeug, das blinkende Porzellan und Silberzeug unseres noch nicht abge- deckten Frühstückstisches. Holmes war den ganzen Morgen über sehr schweigsam gewesen und hatte sich ununterbrochen in den Anzeigenteil einer ganzen Reihe von Zeitungen vertieft, bis er schließlich seine Nachforschungen aufgab und in nicht besonders! rosiger Laune aus seiner Versunkenheit erwachte, um' mir über meine schriftstellerische Mißgriffe eine Vorlesung zu halten. „Sensation.ssucht," fuhr er nach einer langen Pause fort1, während deren er immerzu Wolle» aus seiner Pfeise geblasen und in das Kaminsener geblickt hatte, „wird man dir übrigens kaum zur Last legen können; handelt es sich doch bei einem guten Teil der Fälle, die du deines Interesses gewürdigt hast, gar nicht um Verbrechen im strengen Sinne des Wortes. Eher bist du vielleicht stber dem Bestreben, dem Sensationellen aus dem Wege zu gehen, ins Alltägliche verfallen." „Dies läßt sich wohl manchmal von dem Ausgang sagen, die Methode aber, nach der die Behandlung der Fälle erfolgte, war stets eigenartig und interessant, dabei bleibe ich." „Ach was, mein lieber Junge, was kümmert sich das Pnbli- kuni, das große oberflächliche Publikum, um die feineren Schat- tiernügen streng logischer Ableitung und Schlußfolgerung! Aber wahrhaftig, wenn deine Erzählungen trivial ausfallen, so kann man dir keinen Vorwurf daraus machen, denn die Tage der großen Fälle sind vorüber.. .Die Menschheit, oder zum wenigsten die Verbrecherwelt, hat alle Kühnheit, und Originalität verloren. Meine eigene bescheidene Praxis befindet sich allem Anschein nach auf dem besten Wege, zn einem Fundbnreair für verlorene Gegenstände totb zu einer Auskunstsstelle für Schullehrerinnen herabzusinken. Schlimmer kann es übrigens jetzt wohl kaum mehr werden. Mit dieser Zuschrift, die ich heute früh erhielt, dürfte ick) doch vermutlich beim Nullpunkt angelangt sein. Da, lies!" Damit warf er mir einen ganz zerknitterten Brief hin. Derselbe war abends vorher von Montagne Place datiert! Nni> lautete: . >,Werter Herr Holmes ! Ich bm int! Zweifel, ob ich eine mir angebotene Gouver- Uäntenstelle annehmen soll oder nicht und möchte sehr gerne Ihren. Rat in der Sache in Anspruch nehmen. Wenn ich Sw nicht störe, werde ich morgen vormittag um halb elf Uhr bei Ihnen vorsprechen. Ihre ergebene Violet H-muer," >,Kennst du die Schreiberin?" fragte ich. r ff ».'Es ist gerade halb elf/' ■ "^vwohl, und ich glaubet ick) höre sie eben klingeln." . >,Dw Sache Van» interessanter ausfallen als du denkst; du Nmnerst dich doch der Geschichte mit dem blauen Karfunkel, die sich zuerst ganz wie eine Posse ausnahm und sich dann zu einem wichtigen Kriminalfall entwickelte. So kann es diesmal auch gehen." „Nun, wir wollen hoffen! Wir werden ja nicht lange im Zweifel darüber fein; denn ich mußte mich sehr täuschen, oder die Schreiberin des Briefchens ist bereits zur Stelle," ! . Er Hütte noch nicht ausgeredet, als die Tür umging und eine junge Dame eintrat. Sie war einfach aber hübsch gekleidet/ hatte ein frisches, aufgewecktes Gesicht voll Sommersprossen und verriet durch ihr entschiedenes Auftreten, daß sie sich bis dahin allein hatte durch die Welt schlagen müssen. „sie, nehmen mir doch nicht übel, daß. ich Sic belästige?" begann sie, als mein Freund sich erhob, um sie zu begrüßen; >,aber es ist mir etwas höchst Sonderbares begegnet, und da ich keine Eltern , oder irgend sonstige Angehörige habe, die ich um Rat fragen könnte, so dachte ich, Sie wären vielleicht so freundlich. Mir zu sagen, was ich tun soll." „Bitte, nehmen Sie Platz, -Fräulein Hunter. Mit Vergnügest stehe ich Ihnen in jeder Weise zu Diensten." Ich sahwohl, daß Holmes sich von dem Wesen und der! Ansdrucksweise seiner neuen Klientin angenehm berührt fühlte.. Er ließ den Blick prüfend über sie hingleiten und setzte sich dann Mit gesenkten Lidern und,aneinandergelegten Fingerspitzen zurecht/ um ihrer Geschichte zuzuhören. „Ich war fünf Jahre lang Erzieherin in der Familie desf Obersten Spence Munro," begann sie. „Alein vor etwa zwei! Monaten erhielt derselbe einen Posten in Halifax in Nen-Schott-? land und nahm seine Kinder mit, so daß ich meine Stelle verlor.. Längere Zeit suchte ich durch die Zeitungen nach einem, passenden! Platz, jedoch ohne Erfolg. Zuletzt begann die kleine Summe, die ich mir erübrigt hatte, auf die Neige zu gehen, und ich wußte mir! nun nicht mehr zu helfen." „In dem bekannten Wcstawahfchen Stellenverm.ittlungsbureäst im Westend pflegte ich ho ziemlich jede Woche einmal imchzufragen,; ob sich nicht etwas für mich gezeigt habe. Als ich nun «orige Woche von der Inhaberin des Bureaus, Fräulein Stoper, in ihr. Privatkabinett gerufen wurde, fand ick) einen Herrn an ihrer Seite sitzend. Er war.von ungeheurer Körperfülle, und sein mächtiges Kinn fiel ihm in mehrfachen Falten auf die Brust herab; dabei hatte er äußerst freundliche Züge und trug einen Zwicker! auf der Nase, durch den er die eintretenden jungen Damen an- gelegcntlichst musterte. „Bei meinem Eintritt schnellte er förmlich von seinem Stuhle empor und wandte sich hastig zu Fräulein Stoper. „Das ist die Rechte," sagte er, „ich könnte gar nichts Besseres 1 inten. Herrlich, herrlich!" Er schien ganz entzückt, rieb sich die Hände vor Vergnügen und machte einen solchen Eindruck von Wohlbehagen« daß. es eine wahre Freute wär, ihn anzuschaueu," „Sie wollen sich nach einer Stelle umsehen, .Fräulein?" redete er mich an.. „Jawohl." „Als Gouvernante?" '„>)ä. „Und welches sind Ihre Gehältsansprüche?" „In meiner letzten Stelle, bei Oberst Munro, hätte ich! vier Pfund monatlich." „O, ho, ho! Eine wahrhaft hundemäßige Bezahlung!" ries er, mit seinen fetten Händen in der Lust her umfahr end, als befände er sich in höchster Aufregung. „Wie kann man nur einer Dame von so hervorragenden Eigenschaften und Leistungen eine so er« bärmliche Summe bieten!" „Meine Leistungen sind doch vielleicht nicht so bedeutend als! Sie glauben," bemerkte ich. „Etwas Französisch, etwas Deutsch/ Musik und Zeichnen." „Atz, pah, pah," rief er, „das kommt alles nicht in Frage. Ob Sie Erscheinung und Benehmen einer Dame von Stand!, haben ober nicht, darauf allein kommt es an. Ist, dies nicht der Fall, so eignen Sie sich nicht zur Erzieherin eines Kindes, dem! eines Tages vielleicht eine wichtige Rolle in der Geschichte des Landes zufallen wird. Trifft es aber zu, wie konnte Ihnen daun ein anständiger Mann zninuten, sich mit weniger als hundert Pfund zu begnügen. Bei mir würde Ihr Gehalt mit diesem Betrage beginnen." „Sie können sich vorstelleii, Herr Holmes, daß mir in meiner bedrängten Lage dies Angebot so verlockend erschien, daß. ich kaum meinen Ohren traute. Der Herr jedoch, der vielleicht den ungläubigen Ausdruck aus meinem Gesicht bemerkte, nahm nun eine Banknote ans seiner Brieftasche. „ES ist außerdem meine Gewohnheit," sn.hr er fort und verzog dabei sein Gesicht zu einem so liebenswürdigen Lächeln, daß feine Augen nur noch wie zwei glänzende Streifen zwischen den sie umgebenden Falten hervorblitzten, „meinen jungen Damen die Hälfte ihres Gehaltes im voraus einzuhändigen, damit ihnen die kleinen Auslagen für die Reise und für ihre Garderobe nicht schwer fallen," Eine derartige Liebenswürdigkeit und Rücksicht war mir, soweit ich Mich erinnern konnte, in meinem ganzen Leben noch.bei keinem Herrn vorgekommeu, Da ich bereits Schulden bei meinen LMH- 420 — vauteu hatte/ so fant mir 8er Vorschuß sehv gelegen; aber trotzdem lag etwas unnatürliches in dem ganzen Handel, das in mir den Wunsch erweckte, -roch einiges Nähere M erfahren, ehe M mM völlig band." n ,, „Darf ich fragen, wo Sie wohnen?" sagte M, i (Fortsetzung folgt.) Vevmes^tes. ick. Was d i e M e n f ch e n nicht sehen. Eine große Zeitung in San Franzisko, der „San Franzisco Call", hat sich jüngst mit den Einwohnern Friscos einen hübschen Scherz erlaubt. Alle Leute, die zu einer sehr belebten Zeit durch eine der Haupt- geschästsstraßen gingen, wurden nämlich ohne ihr Wissen einer Prüfung unterzogen, die ihrer Ausmerksamkeit galt und die meisten haben diese Prüfung schlecht bestanden. Es wurde nämlich ein funkelnagelneues Dollarstück mit einem Nagel auf dem Fußwege befestigt, daneben wurde ein Vertreter der Zeitung aufgestellt, dessen Aufgabe es war, die Anzahl der Fußgänger und ihr Verhalten gegenüber der Münze festzustellen. Es war heller Sonnenschein, so daß man die Münze von weitem blitzen sah. Trotzdem gingen Nr. 1 bis Nr. 218 über die Münze hinweg, ohne sie zu bemerken und erst Nr. 219 bückte sich danach. Zuerst kam ein Arbeiter, der die Münze nicht sah, obwohl er den Kops zu Boden gesenkt hatte, dann kam einer der angesehensten Geschäftsleute aus seinem täglichen Wege zum Klub, ein Mann, der täglich aus bar Dollarjagd ist, sich diesen Dollar, der ihm zu Füßen lag, aber doch entgehen ließ. Ein junges Mädchen, das nun des Weges kam, stieß mit dem Fuße gegen diese Münze, so daß sie leise klingelte, da aber ihre Augen gleichzeitig einer Spiegelscheibe eines Ladens zugewendet waren, entging ihr der Ton und damit der Dollar. So ging es recht lange Zeit weiter, bis schließlich ein Durchschnittsbürger die Münze erspähte und als er sie festgenagelt fand, mit einem kräftigen Fußtritt losmachte und damit verschwand. Natürlich wurde sogleich zur Fortsetzung ein zweiter Dollar angenagelt. Mit diesem erging es zunächst genau so, wie mit dem ersten. Es scheint, als ob die Frauenwelt aus der Straße doch aufmerksamer die Augen spielen lasse, als die Männer dies tun, denn eine ganze Anzahl von Frauen bemerkte diesen Dollar. Sie bückten sich auch danach, aber wenn sie ihn festgenagelt sanden, gingen sie meistens mit beschleunigten Schritten und beschämtem Gesichtsausdrucke davon. Nur eilte einzige versuchte, ihn mit Gewalt loszumachen, aber es gelang ihr nicht. "Das „v e r i r r t e S ch a s". Von einem wunderlichen alt- italienischen Heiratsbrauch, der noch heute in Vaeri, Orsogna und in den benachbarten Gegenden ausgeübt wird, erzählt der Messag- gero interessante Einzelheiten. An dem Tage, da die Braut mit ihrem künftigen Gemahl vor den Altar treten soll, erscheinen plötzlich alle Verwandten des Bräutigams vor dem Hause der Braut. Hier beginnen sie die Nachbarn zu fragen, ob niemand „ein verirrtes Schäflein" gesehen habe; alles schüttelt den Kopf, aber die Nachforschungen werden damit nur um so lebhafter und schließlich beginnt die Verwandtschaft des Bräutigams, die ganze Umgebung nach dem „Schafe" abzusuchen. Sie kommen dann ans Haus der Braut, hier ist inzwischen sorgsam die Tür verriegelt, sie beginnen zu klopfen, drohen die Tür einzuschlagen und behaupten, glaubwürdige Zeugen hätten versichert, das „Schaf" fei in dieses Haus gelaufen. Aus den Fenstern kommen erregte Antworten, Drohungen und Verwünschungen werden laut, das Volk läuft zusammen, bis schließlich der nächste Verwandte des Bräutigams durch das Fenster ins Hans klettert und der suchenden Horde die Tür öffnet. Mit wildem Getöse stürmt die Schar ins Innere, vom Keller bis zum Boden wird jeder Winkel durchforscht. Die Braut muß sich vorher in einem dunklen Winkel unter einem Bett versteckt haben und die Sitte will, daß der nächste Verwandte des Bräutigams sie am Ende der Jagd findet. Der sucht auch eifrig und tut so, als sähe er nichts, eilt durch alle Zimmer und zieht dann schließlich das verängstigte „Schal" ans seinem Versteck. An der Hand führt er die Braut dann in die Küche und tanzt mit ihr, worauf ein fröhliches Geschmause diesen ersten Teil der Zeremonie beschließt. Dann führt der glückliche Finder die Braut zur Kirche und führt sie auch bis an den Altar, wo er während der Eheschließung an ihrer rechten Seite bleibt, während der Bräutigam den Platz zur Linken einnimmt. * Die Frau mit dem Beil. Der „Köln. Ztg." schreibt man aus Washington: In Fort Leavenworth int Staate Kansas ist Karrte Nation gestorben, die Frau, die sich den Zutritt zur Unsterblichkeit mit einem Beil gesichert hat. Mit diesem Beil ist sie zehn Jahre lang gegen die Bierkneipen losgezogen und hat unter Bierkrügen und Schnaps flaschen fürchterliche Musterung gehalten. Sie bekannte sich zur Propaganda der Tat. Statt langstieliger Antialkoholreden und wässeriger Versammlungsbeschlüsse bevorzugte sie das Beil in ihrem wütenden Kampfe gegen den Teufel Alkohol. Sie hatte einigen Grund zu ihrem Kreuzzug gegen die Schnapspest. Ihre Blutter war in einem Jrrenheim gestorben, und ihr erster Mann, ein Dr. Gloyd, war dem Alkohol ebenfalls mehr ergeben, als dem häuslichen Glücke zuträglich war. Nach seinem frühen Tode widmete sie sich der aufklärenden Arbeit über die Nebel des gebrannten Wassers, und sie fand Verständnis und Unterstützung bei Herrn David Nation, einem Temperenzapostek, den sie schließlich heiratete. Leider wollte sich die Welt nicht so rasch bessern, wie sie es gern gesehen hätte, und so ging sie vom Wort zur Tat über, verlor aber dabei den Mann, der sein Rechtsanwaltsbewußtsein nicht in Einklang zu halten vermochte mit dem rechtswidrigen Gebaren seiner Frau. Ihren Rachezug gegen die Saloons begann sie am 6. Juni 1900 mit einem halben Dutzend Backsteinen und vier dicken Glaspullen, mit denen sie in Kiowa drei Kneipen bombardierte; die übrigen Saloons schloffen rasch die Türen und ließen die Rolläden herunter. Später ging sie zum Beil über. Eine ganze Reihe von Städten hatte sich in den folgenden zehn Jahren des Besuches von Carrie Nation zu erfreuen und ihr Weg war mit zerschmetterten Fensterscheiben und gebrochenen Flaschenhälsen besät. Selbst in London gab sie 1908 eine Gastvorstellung, und sie erhielt dabei in Newcastle on Ty ne Gelegenheit, Vergleiche zwischen englischer und amerikanischer Gefängniskost anzustellen; in Amerika war sie nicht weniger als 22mal in Hast genommen worden. 1903 sprach sie sogar im Weißen Haus beim Präsidenten Roosevelt vor, wurde aber von zwei Polizisten hinausgeleitet. Am 8. Dezember 1909 bearbeitete sie die Bar im Washingtoner Bahnhof so gründlich mit ihrem Beil, daß kein einziger Alkoholbehälter ganz blieb. In der Hauptsache wandte sie sich allerdings nur gegen solche Schank- stellen, die ohne Erlaubnis betrieben wurden, und ihre Selbstjustiz, für die sie hinterher regelmäßig büßte, brachte die Orts- obrigteityi in nicht geringe Verlegenheit, weil die gesetzwidrigen Kneipen unter den sehenden Augen der Polizei offengehalten worden waren. Trotz der vielen Strafen, die sie zu zahlen hatte, vermochte sie sich eine Farm zu kaufen, auf der sie sich von ihren Reisen ansruhte. Sie hielt Vorträge und gab in Oklahoma eine Temperenzzeitung mit dem Titel „Das Beil" heraus. * Aha! „Warum sehen Sie mich denn immerfort so KN- Bontine sch Ihnen etwa bekannt vor?" —> „Sie nicht, aber dep Stock mit dem silbernen Griff!" • * Der SOtit gift jaget.; -Meine Selniaj wollen Sie? Das einzige, was ich besitze?" —, „Soo? Dann will ich Sie allerdings nicht Berauben!" * Der kleine Schlau b e r g e r. „Fritz, du hast mirl versprochen, nie wieder ungezogen zu fein! Ich versprach dir sonst Prügel!" —. „Weisst du, Papa, da ich mein Versprechen nicht gehalten habe, brauchst du dein's ja auch nicht zu halten!" * Di e Xanthippe. „Deine Tante hat sich doch über den Verlust ihres ersten Mannes.getröftet?"'— „Das schon, aber ihr zweiter Mann ist darüber untröstlich!" * Unter Kameraden! „Jestatte mir, Ihnen recht Vieh Jlück zu Ihrer Verlobung zu wünschen!" —> „Jestern Verlobung rückgängig jeMacht, Erbonkel jestorben!" ' * Schonungsbedürftig. Freundin: „Nun, was sagte der Tierarzt zu der Krankheit Eures Fifi; ist es etwas Ernstliches?" —i „O ja; denke dir, er hat mir sogar 's Klavierspielen verboten!" ____________ rrönigsprsmenade. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weiss miteinander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Feld ans auf ein benachbartes übergeht. au den aus dir nim gen mehr des tob der geht liebet niet fort aus lie ein ort ge man was nicht ge die sein wenn so fort im rückt es als spät früh rot morgen immer such' her im gends und nicht im zen abends such nir ftern der blickt es (Auflösung in bet nächsten Nummer.) Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Kirsche (Hirsch ohne Kopf = „irsch", ein paar Stückchen Kreide — „K" und „e"). rdaktronr K. Neurath. - Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckere^ R. Lange, Gieße».