Mittwoch den 8. Februar m b nffl UZW g-CTi -»Ttn feMI Mini1 I^E: li'ii r*W ■ l'M Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Die Pastorin war auch ganz erstaunt, wie sie hörte, daß Frau Don Hilbachs Sommergast ein Doktor sei: „Wie man sich doch in den Menschen irren kann! Einen Doktor hätte ich in ihm wirklich nicht vermutet!" Weiter sagte sie nichts von dem Fremden, denn sie hatte eine andere „Haben Sie Worte, Fran von Hilbach," fuhr sie in flüsterndem, geheimnisvollem Ton fort, „die Häuflein und vie Specht gehen wieder zusammen!" „Na, da brat mir aber einer einen Storch!" rief die Kosh. „Ich hab ja der Spechten alles mögliche und unmögliche zugetraut, aber daß die zwei je wieder ein Wort zusammen reden würden, das hätt ich mir nicht träumen lassen! Auf die paßt das Sprichwort: „Pack schlägt sich. Pack verträgt sich!" als ob es ihnen auf den Leib geschrieben worden wäre." „Ja, das hat sich so wieder angebahnt," fuhr die Pastorin fort. „Erst hat die Hänflein der Specht allerlei Gefälligkeiten erwiesen, hat allein die Flur- und Treppenreinigung und auch oie Beleuchtung übernommen, und dann hat sie ihre Emma immer zur Frau Specht hinübergeschickt Und hat fragen lassen, ob sie ihr einen Gang abnehmen könnte. Nun, das hat die Specht natürlich gerührt, und sie hat der Hänflein wieder ihren Stickrahmen angeboten, Und dann sind sie sich eines Tages um den Hals gefallen und haben beide furchtbar geweint und haben sich geküßt, Und nun sitzen sie wieder jeden Abend bei der Hänflein und trinken Tee und erzählen sich was, und jeden Nachmittag machen sie zusammen ihren Spaziergang." „Meinen Segen haben sie!" antwortete die Kosh. „In solche Sachen red ich nie herein: die mutz jeder mit sich selbst abmachen. Das Leben ist wunderbar, und Gefühle können sich ändern, aber überrascht bin ich doch — nicht wegen der Specht, aber der Hänflein hatte ich mehr Charakter zugetraut!" „Ja," klatschte die Pastorin weiter, „wenn die nur eine .Ahnung hätte, was die Frau Specht so während des Sommers über sie geredet hat. So, als müsse sie sich schämen, mit ihr auf einem Flur zu wohnen, so hat sie geredet, und nun sind sie wieder ein Herz und eine Seele. Sie sollen sich auch schon merkwürdig über Ihren Sommergast geäußert haben, Frau von Hilbach. Die Emma kann in ber Küche jedes Wort verstehen, was sie in der Stube sagen!" „Damit lassen Sie uns mal in Frieden, Frau Pastern, das wollen wir gar nicht wissen!" brummte die Kosh. „Und Überhaupt, 'Frau von Hilbach, es ist jetzt neun Uhr, um einhalbzehn Mögen die sachverständigen Gelehrten und Forscher darüber streiten, ob den Tieren und welchen Tieren geistiges Vermögen, Intelligenz, Ucberlegung, zielbewußtes Handeln eignet, für mich gibts da keinen Streit, keinen Zweifel, wenn ich an unfern neben alten, halt, beinahe hätte ich was Ungehöriges gesagt — nun längst dahiugeschwuudmen Hausgenossen Spitz, den Schwarzen, „Pitzeken" genannt, denke. Das war eine Seele von Hund, eine treue Hundeseele. Ein Denkmal hat er verdient, der treue Freund, Gespiele und Hüter unserer Kinder, und ein bescheidenes Denkmal soll er auch haben in diesen Zeilen, die die Erinnerung an ihn festhalten und auch anderen Tierfreunden Kenntnis von seinem! Dasein und seinen großen Tugenden inth kleinen Schwächen geben mögen. Als niedlicher, rund er Kneuel, erst lvenige Wochen alt, wurde Spitzcheu zur größten Freude, unter Hellem Jubel der Jugend, bei uns eingeliesert und begann seine ruhmvolle Laufbahn als Kinder-- und Hausfreund, Stromer- und Katzenfeind. Ein drolliges, Mjnnteres Geschöpf, dieser glänzend schwarze, ohne jedes, auch das geringste weiße Abzeichen, bildschöne, langhaarige Löwenspitz! Ra, er hatte es ja auch von Anfang an gut, recht gut, ivurde gehütet und gepflegt und fühlte sich offenbar sehr bald, behaglich und heimisch in der Kinderstube, wo ihm unsere Aelteste, damals ein zehnjähriges Mädel, in einem geräumigen Puppenbette dessen bisherige Inhaberin ausquartiert wurde, ein molliges Plätzchen bereitete. Bald genug 'kannte der kleine Schloarze die Kinder und ging mit sichtbaren: Vergnügen ans jede Ermunterung zu scherzendem Spiele ein. Namentlich ließ er es sich schon früh gern gefallen, in passeirdv Puppenkleider gesteckt zu werden, und nahm oft, shuiideiilaug ruhig und geduldig sich verhaltend, in solcher Ver- Neidung an. den Unterrichtsstlmden seiner kleinen Herrinnen teil, abwartend, bis die erlösende Glocke schlug und er nun nach der langen unfreiwilliger: Muße ii: tollen: Laufe, um die Wette niit den Kinderm, im Garteu, lustig und bellend, umherjagen konnte. Hei, Ivar das eine Lust! Freund Spitz bellte vor Freude und Woiine und tilgte sich mit großem Eifer und Verständnis in alle die mannigfachen Formen des kindlichen Spieles, paßte ,:ch mit rührender Hingabe all den Forderungen, die an seine M:t- Wirkung gestellt wurde,:, an. Bald war er Zugtier vor den: Keinen Blauen Spielwagen, bald wieder, liegend oder stehend, je nach Wunsch, Insasse des rasch dahinrollenden Vehikels, in das er freiwillig, der leise oder laut gegebenen Weisung folgend-, sofort hineinhvpste. Man sah es seinem freundlichen Hunde- gesichte ordentlich an, wie lebhaft er Anteil nahm, wie er gern seine Person und Kräfte in den Dienst seiner jugendlichen Freunds stellte. Nie war er Spielverderber, auch weuns, zumal in späteren Zeiten, dem nun schon bejahrten und mehr zur Bequemlichkeit (iteigenben Tiere gewiß oft leichter und lieber gewesen wäre, still nuszuruhen. Wurde er gerufen, so war er -da und hielt aus, so lange es verlangt wurde. Wie ausdauernd, zierlich und manierlich tierftanb er es, auf den Hinterbeinen stehend und gehend, ein Stückchen Zucker, seinen Lieblingsleckerbissen, zu erbitten und zu erhaschen! Gerade zu crstauitlich war seine Gcschrck- lichkeit, solch ein Zuckerstücklein, das ihn: zugeworfen wurde, auf- t$ufäugen oder, wenn es ihm auf seine schwarze Nase gelegt wurde, durch eine kurze, energische Bewegung selbst hochzuwerfen und mit vollkominener Sicherheit und Grazie zu erschnappen. Aber unbescheiden, zudringlich bettelnd, oder gar gierig, war er auch gegenüber den lockendsten Genüssen (für seinen Hundegaumen mnb Magen) dennoch keineswegs. Milch war und blieb sein Lebenlang seine bevorzugte Nahrung, und sein wirklich wunderbar schönes, glänzendes Fell mag wohl hauptsächlich dieser seiner Vorliebe zu danken gewesen sein. Mit festlicher Feier wurde alljährlich der Gedenktag feiner1 Ankunft als Hundegeburtstag von den Kindern begangen, und mit verständnisvoller Würde trug der Gefeierte bei solcher Gelegenheit -einen Blumenkranz um seinen Hals, weit entfernt davon, denselben etwa als lästiges Anhängsel und hemmendes Hindernis anzusehen. Die eigens für ihn besorgte und ihm gespendete kleine Wurst betrachtete er genau von allen Seiten, beroch sie ganz zart, zog sich dann aber, Bescheide:: abwartend, zurück, Bis ihm stückweise der Genuß der festlichen Speise gewährt wurde. Viel Behagen bereitete es unserm Spitzcheu offenbar nicht, wem: er mit großer Regelmäßigkeit und Gründlichkeit, alle Monat etwa, einer Generalreiuigung mit nachfolgender kühler Abspülung Unterzogen wurde, aber er ergab sich mit stoischer Resignation in sein Schicksal, sobald er wahrnahm, daß die große blaue Waschschürze hervorgeholt und angelegt wurde. Wahrscheinlich, nur die mühevolle Reinigungsarbeit nicht vergeblich gewesen sein zu lassen, begab sich das triefende Hündchen nach dem Bade nicht etwa in den Schmutz und Staub des Gartens oder Hofes, sondern mit sichtlichem Bedacht auf den Rasenplatz, wo es nun durch! Schütteln und Wälzen baldige Abtrocknung erzielte. Daß unser Schwarzer Verständnis sür die Wichtigkeit Und Bedeutung photographischer Ausnahmen hatte, bewies er durch Musterhaftes Stillsitzen und Aufmerken; ja ich glaube bcstimntt, er bemühte sich, auf das übliche „Bitte recht freundlich" des Photv- Iraphen, das freundlichste Hundeantlitz zu zeigen, das er überhaupt Nur zu zeigen imstande war. Beweis hierfür sind mehrere wohlgelungene Porträts des guten alten Kerls, die als treue Andenken! aufbewahrt werden. - Na ja, sagt nun wohl der eine oder andere der verehrten! Leser und Hmchesreunde, das ist ja alles ganz nett und gut von dem Spitz, aber doch gar nichts Besonderes, das sein über ein normales Hundeniveau hiuausgehendes Verständnis oder Verhalten beweife und bekräftigte! Nur Geduld, lieber Freund! Spitzchen hat uns einen ganz eigenartigen Beweis von Nachdenken und Ueberlegung geliefert, der doch besonderer Erwähnung bedarf, und für dessen psychologische Erklärung ich dankbar sein würde., Zwei Jahre waren es ungefähr, seit das gute Tier als treuen Hausgenosse und unzertrennlicher Spielkamerad der Kinder Bet uns weilte und stets seinen Aufenthalt im Spielzimmer der Kinder gesucht und gefunden hatte, da ereignete sich eine wichtige, freudige! Begebenheit im Hanse. Zu den drei fröhlichen Kindern gesellte! sich ein kleines Schwesterlein. Eines Morgens in der Frühe ließ das liebe kleine Wesen sein Stimmlein hören. Und siehe da, von Stund an verließ unser kluger Spitz seinen bisherigen Platz und faßte vor dem Wochenstübchen, darin die neue Weltbürgerin ins Leben hineinschlummerte, Posto, um vou nun an stets an die Tür des Zimmers, in dem unser Kleinchen sich aushielt, zurückzukehren« Mit lebhafter Teilnahme und offenbarem Interesse suchte er in die Nähe des Kinderwagens zu gelangen und war hinfort etn treuer Begleiter Bei den Ausfahrten des Kiickoes und späterhin ein eifersüchtiger Hüter während seiner ganzen Jugendjahre. Ist das nur Instinkt gewesen? — Des Morgens konnten wir oft genug das treue Tier beobachten, wie es draußen vor dem Fenster des Schlafzimmers auf der Lauer lag und, sobald die Verhänge aufgezogen und die Fensterflügel geöffnet wurden, schleunig :n das Haus hineinlief, um nun seinen Morgengruß anznbringei: und an den: Familienfrühstück teilzunchmen. Selten, sehr selten hat Freund Spitz wohl auf eigene Faust Ausflüge und Streifereien in die Umgegend unternommen und Besuche bei seinen Freunden oder Freundinnen abgestattek. Er! hatte einen ausgesprochenen Sinn für Anschluß an seine menschliche Umgebung und zog Spaziergänge im Gefolge seiner Herrschaft dem Umherbummeln mit seinesgleichen entschieden vor. Nur, wenn es galt, eine Katze zu jagen uub zu verfolgen, ließ sich Spitzcheu zu «einer ihm sonst fremdei: Ui:rast und Wildheit verleite:: und von solch einer Katzenjagd kam der nachgerade bereits zu reiferen Jahren gelangte Verfolger einst mit gelähmten: Rücken heim und hattck nun, auch wenn er sich scheinbar wieder erholte, doch einen Knacks bekommen, an dem er schließlich, nach manchen Nöten, und trotz! sorgfältiger, innerer und äußerer Behandlung, verendet ist. War Spitz alle,: Freunden und Bekannten des Hauses, ja allen denen, die irgend Berechtigung zum Eintritt in die Hospfortö hatten, mit wunderbaren: Scharfblick oder einzigartigem Geruchssinn unterscheidend, zugetan und wohlgestimmt, so war er ein unerbittlicher und uiibestcchlicher Feind aller, nach seiner Meinung, unberechtigten Eindringlinge, wozu unser treuer Wächter, neben allerlei fahrendem Volke, auch die Schlachtergesellci: zu rtojaten schien, und das war entschieden ein, vielleicht durch etliche gelegentlich empfangene Fußtritte erklärlicher, aber immerhin bedauerlicher Irrtum „des schwarzen Deiibels", wie ihn diese banne scheltend bezeichneten. , , ,, Verschiedene Markstücklein mußten tm Laufe der Jahre hur und wieder sowohl als Schönheitspflästerchen auf zerrissene Höslcm «und zerbissene Stiefel, wie auch gelegentlich mal als Wundpflastev auf gezwickte Waden und Kiüc solcher fremdet: Gäste gelegt werden., Gabs dann auch oftmals eine empfindlich Züchtigung für den jammernden Attentäter, geholfen hals nichts; in diesem Punkte blieb jeder bei seiner Meinung, und ich bin überzeugt, Spitzchen meinte es sehr gut mit seiner Herrschaft; so wurde es ihm dem« auch jedestual bald verziehen. , Auf ungefähr fünfzig Jähie bercchneten liniere Kinder, das Alter ihres Freundes, indem sie ein Hundelebensjahr gleich sieben Mcuschculebensjahre setzten, als derselbe zu ihrem und unser aller großem Kummer ersichtlich dem unerbittlichen Geschicke des Sterbens verfallen war und, trotz sorgfältigster Pflege, von Tag zu Tag elender und hinfälliger wurde. Wirklich ergreifeud für das nnt- empfindende Herz waren diese Schmerzenstage des guten Tieres, und endlich reifte in mir der Entschluß, die Leiden des armen Fremldes durch einen wohlgezielten Schuß aufs Blatt —- Nicht vor den Kopf, damit die von Fritz Reuter erwähnte „Drähnung verniieden werde — ab kürzen zt: lassen. Wer der fremtbhdjy Jägersmann, der unserm Spitzchen die Wohltat antun sollte, war nicht zu Hause, und so mußte der arme Kerl noch eine Nacht auf seine Befreiung warten. Ja, er wartete geduldig und nut einen: rühreiiden Blicke seiner treuen Augen nahm er abends von Uns Abschied und versuchte noch heran'ukricchen und Mit dem! Schwänze zu wedeln. ~ In der Morgenstunde des anderen Tages sollte er weggebracht werden. Doch siche — es war uns allen eine wirkliche Erlerch-i tenmg — da hatte das gute, rücksichtsvolle Tierchen uns den Schmerz erspart, ihm aus Barmherzigkeit ein gewaltiames Ende Bereiten zu müssen, — cs war zu rechter Stunde dieser, peinlichen! Sache aus dem Wege gegangen und lag nun, von all fernen Röten frei, auf seiner Decke ausgestreckt da., Haben wir Alten auch nicht, tote bte Kinder um „Pitzeken geweint, betrübt hat auch uns der Abschied von dem treuen Tiere, — 88 intb mir ists schon lieb, ba6 Mir jefet gar feilten Hund mehr haben, beim einen zweiten Spitz, wie ben ersten, bekämen wir doch niemals wieder, ____________ Von was man leben kann. W gibt Menschen, denen es eilt gewisses Unbehagen verursacht, wem, sie nicht täglich ein reich besetztes Diner oder Souper em- nehmen können. Dabei kennen sie das Gefühl der Zufriedenheit nur dann, wenn die Gerichte so ausgesucht wie möglich sind und ihre Zubereitung einen Triumph der Gastronomie bedeutet. folrße „Lebenskünstler" damit wirklich gut daran sind, ist eine Frage; sie mögen es mit sich selbst ausmacheii. Jedenfalls huoen uicie Leute aoer auch ihre Antipoden und es ist originell, daß auch hier die Gegensätze sich berühren. Der Gourmet schlürft seine Auster und ißt seine Schnecken, während sein Antipode, der Australier im Busch, sich freut, wenn er eine Käferlarve als Atzung findet. Noch braucht man nicht zu erschrecken, denn es gibt iwch hübschere Dinge, die ihren Mann ernähren. Auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung, die im Mai in Dresden eröffnet wird, hat man eine Gruppe zusammengestellt, die die Ernährung unserer heute noch lebaiiden Primitivvölker umfassen wird. Wie decken nun diese „einfachstem" aller Menschen ihren Tisch? Da erregt zunächst Interesse, daß zwischen beiden Geschlechtern eine scharf durchgeführte Arbeitsteilung besteht. Der Mann ist Jäger, bei einzelnen Stämmen auch Fischer und das Weib ist Sammlerin. Bei ben Buschleuten, diesem scheuen zwergenhaften Volke Südafrikas, ziehen am Schlüsse der Regenzeit die Stämme zur Nahrungsgewinnuilg aus. Kind und Kegel, wie ihre ganzen Habseligkeiten schleppen sie mit sich. Die Männer im Waffenschmuck, die Frauen mit ihren Hausgeräteii beladen. Unter diesen spielt für den Nahrungserwerb der sogenannte Grabstock die Hauptrolle. Er ist den meisten primitiven Völkern, so besonders auch den Australiern eigen. Ein zugespitzter Stock aus hartem Holz, Wenns hoch kommt, mit einer schweren Steinperle versehen, ist das ganze Arbeitsgerät der Frau; mit ihm sucht sie Larven und gräbt eßbare Wurzeln. Der Mann steuert Jagdbeute bei, die er mit feinen kleinen Giftpfeilen erlegt. Das Pfeilgift ist bekanntlich nur als Blutgift gefährlich; es wirkt anscheinend im Magen nicht. Ja, die primitiven Indianer Südamerikas behaupten sogar, daß ihr Curare zur Verdaulichkeit des Fleisches der damit erlegten Tiere beiträgt. Ist ein Wild zur Strecke, daun wird es notdürftig ausgeweidet, die Stücke davon auf Stöcke gesteckt und am Feuer „gebraten". Gute Jagdbeute gibt es selbstverständlich nicht immer, es muß daher die vegetabilische Nahrung ergänzend eingreifen. Erstaunlich ist es, wie die Menschen des Busches die geeigneten Gewächse finden. Eine unscheinbare Pflanze steht am Boden. Das Weib kniet sich nieder, der Grabstock tut seine Schuldigkeit und der kärgliche Boden spendet einige Knollen vom Aussehen unserer Kartoffel. Ein Knollengewächs ist besonders beliebt. Die Betschuaum nennen es Lerischo. Es ist von der Größe eines Kinderkopfes und enthält einen milchartigen Saft. Mit Schmatzen und Schnalzen wird die Frucht verzehrt, sie ersetzt durch ihre durstlöschende Wirkung das Getränk. Das leuchtet dem Mlturmenschen noch alles ein. Plötzlich erspähen die Kinder der Natur aber ein windenartiges Gewächs. Es wird fein säuberlich abgesucht nach — Raupen. Man zerquetscht ihnen den Kopf und sammelt sie ein. Da sie sehr leich sind, bedarf es besonderer Vorsicht für den Transport. Sie werden auf Gras gebettet, mit Gras zugedeckt und mit Akazienbast umwickelt. Je mehr man findet, desto lieber. — Groß ist oft auch die Freude der Eingeborenen, wenn sie Wasser finden. Da werden denn die Wassersäcke, die sie bei sich tragen, frisch gefüllt. Diese Säcke sind aus dem Bauchfell einer Antilope gefertigt und enthalten etwa sechs Liter Wasser. Originell ist die Ernährungsweise der Australier. Da spielen zunächst die Grassamen eine große Rolle. Es gibt eine Menge von Arten, mit deutlichen Unterschieden in Farbe und Form, die australischen Sprachen haben für jede Sorte einen eigenen Namen. An sie reiht sich der Same verschiedener Palmen, dann allerlei eßbare Knollen und Wurzeln und bas Harz der Bäume. Aus der Jnkuawurzel backen sic sogar eine Art Brot, während sie den Karangasamen mit Wasser zu einem flüssigen Brei verreiben. Die animalische Nahrung ist besonders eigentümlich. Zunächst erfreut uns da das Gericht Tuinaiuba. Dieses besteht aus ben roten Schutzdecken von Insektenlarven. Dazu werden Honigameisen, dann Raupen einer Wolfsmilchschwärmerart, verschiedene Zikaden, Insektenlarven und allerlei Aehulichcs verzehrt. Als Dessert dient eine Art von Manna, oder Paraltja, wie es die Australier nennen. Die auf den Blättern einer Eukalyptusark lebende Larve eines Insektes (Psylla) bereitet nämlich aus ihrem eigenen klebrigen Saft eine Art von zeltföriuigen Schutzdeckeln, die die (Singeborenen mit Vorliebe sammeln. Delikatesse ist Schlangensteisch, das mnserem Gaumen wegen seiner Trockenheit und Geschmacklosigkeit allerdings nicht zusagen würbe. Gut ist nur die Leber. Originell ist die Zubereitung. Lumholtz, der Queensland besucht hat, beschreibt die dorr übliche Art des Bratens.. Man gräbt ein etwa dreißig Zentimeter tiefes Loch in den Boden und brennt darin ein Feuer an, über das Steine gelegt iuerben. Sind diese erhitzt, wird das Feuer gelöscht, die Steine mit grünen Blättern bedeckt und das Fleisch darauf gelegt. Dann wird das Ganze mit Erde bedeckt und erst wieder geöffnet, wenn man glaubt, daß der „Braten" fertig ist. v, R, Vermifcbtes. * Der „Pascha - Ro ck" „Haben Sie schon einen „Pascha* gesehen?" Tas ist die neueste Frage der Londoner Gesellschaft, die sich elegante Frauen in höchster Spannung zuwerien. Was hat ein Pascha so Interessantes an sich, daß die Londoner Schönen so sehnlich nach seinem Anblick verlangen? Nun, dieser Pascha ist kein lebendiger türkischer Würdenträger, sondern er ist eine neue Form des Frauenrocks, die ihren Namen nur von den weiten, faltigen Beinkleidern der türkischen Tracht übernimmt. Ter Pasckm- Rock ist eine neue Etappe auf dem Wege bet Revolution, die in der neuesten Tameutoilette auszubrechen droht. Alan hat ihn mit Interesse und Beiiall begrüßt, ja man fängt au, ihn zu tragen, wenn auch vorläufig nur in Gesellschaften und noch nicht auf der Straße. Das war ein wilder Tag un Leben der britischen Alode- damen, als ein bekanntes Alodehaus der Ablemarle-Street zu seiner ersten g>oßen „Pascha-Parade" einlud! Tie Automobile und die eleganten Equipagen stauten sich vor dem Hause; da war keine Dame der Welt, bte zurückbleiben wollte. Und in den Spiegelsälen der Modesalons richteten sich die Lorgnetten prüfend auf die graziösen Alannegums, die mit lässiger Anmut in kurzen, geteilten Röcken daherivaudelleu, unter denen — Wunder des Wunders! — richtige Pluderhosen hervorlugieu. Manches „Shocking!" entfloh da entrüstet geschürzten holden Lippen, ober es gab auch kühnere Geister, die zu 6u0 Alk. das Stück em Pascha-Kostüm bestellten, und ein tue führende Sussragettes erklärten un hohen Ton der Anerkennung, dieser Pascha-Rock sei der erste Schritt zur Gleich» fieliung der Geschlechter Die Saat, die in der Abelmarle-Street in so viele kapriziöse Frauenköpfe gelegt wurde, ist in der letzten Zeit bereits zum Reimen gekommen: bei verschiedenen Empfäimen und Gesellschaften erschienen Damen im Pascha-Rock, und das halb tuiberftrebeiibe, halb bewundernde Alm mein ihrer Alitjchwestern war ihneii Lohns genug und läßt ahnen, daß die neue Alode reißend um sich greifen wird. Ter erste Anblick dieses „Pascha" hat ivirk- lich etwas Lerblüfseudes. Während sich der geraffte, kurze 'Rock in reicher (önrnicrung anmutig mit seinen runden Linien um öte Figur schmiegt, treten da, wo der Nock geteilt ist, plötzlich em Paar weite Pluderhosen von gleichem Stofs hervor. Tie Trägerinnen behaiipleu aber, man werde sich schon mit diesem ungewöhnlichen Anblick abfinden, und jedenfalls fei der „Pascha" ein außerordentlich bequemes Kleidungsstück, bas einen neuen Reu und eine neue Stimmung in das Leben der Frau bringe. Vorläufig haben sich aber bte betreffenden Damen nur dazu verstanden, Geselllchafts- toileiten ä la Pascha anzulegen, die mit vielem Geschmack und reicher Verwendung von Schmuck kreiert worden find und noch durch orientalische Schuhe zu einer Symphonie & la Tura vervollständigt werden. Tas Promenaben-Paschakostüm, das einfacher und knapper ist und dadurch die Hose noch mehr betont, ist bisher auch von den kühnsten Suffraggetles nicht angelegt worden. Dte erste, die mit einem solchen Pascha-Rock auf der Straße erscheint, ivird dem Alärtyreriimenschickjal nicht entgehen, das schon so manchen Revolutionärinnen der Alode von der ivenig rücksichtsvollen Schar des StraßenpublikninS bereitet morden ist. * Nischt zu machen! Ein Hausierer bietet einem reichen Bauern im Wirtshaus Hosenträger an. — „Nee, nee, ich kauf' nischt!" — „Wenn Sie die Hosenträger zu dem Schundprets nicht kaufen, sind Sie bas größte Kamel, Rindvieh und Heupferd, das jemals gelebt bat!" — „Sie können mir schmeichelns wie Sie wollen, aber ich kauf' nischt!" * Aus einer Antrittsrebe. Amtmann: „Sieht fest zu mir, allzusammen; das nenne ich wahre Eintracht, wenn bi« Bauern ihrem Oberhaupt folgen wie bte Herbe ihrem — ihrem — — Bauer (einfallenb): „Ihrem Leithammel!" Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Anstösimg des Bersteckrätsels in voriger Nummer: Ohne Arbeit i st nichts in der Welt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,