Samstag Sen 7. Moder - H । Die weiße Frau. Roman von 33. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Zu meiner großen Erleichterung ließ Sir Perc'wal sich beim Frühstück entschuldigen. Er hatte schon beizeiten eine Tasse Kaffee auf seinem Zimmer getrunken und war dort noch mit Griefen beschäftigt. Um elf Uhr, falls diese Stunde uns bequem sei, werde er die Ehre haben, Miß Fairlie und Miß Halcombe seine Aufwartung zu machen. Das Ergebnis der Unterredung selbst ist in zwei Sätzen erzählt. Laura erklärte, daß sie einen anderen liebe und stellte ihm frei, zurückzutreten. Sir Percival antwortete in höchster Ehrerbietung, aber ablehnend. Kaum hatte er sich zurückgezogen, als Laura in einen heftigen Weinkrampf verfiel. Den 9. November. — Da ich sie heute morgen etwas beruhigter und gefaßter fand, nahm ich den peinlichen Gegenstand von gestern in der Absicht wieder auf, sie zu bitten, mich deutlicher und entschiedener über diese beklagenswerte Heirat mit Sir Percival und Mr. Fairle sprechen zu lassen, als sie selbst dies mit dem einen oder dem andern tun konnte. Sie unterbrach mich sanft aber fest mitten in meinen Vorstellungen. . Ich ließ den gestrigen Tag entscheiden, sagte sie, und er hat entschieden. Es ist zu spät, um wieder umzukehren. Sir Percival sprach diesen Nachmittag voll Gefühl und ohne Rückhalt mit mir über seine Unterredung mit Laura. Er versicherte mich, daß das beispiellose Vertrauen, welches sie in ihn gesetzt, eine so entsprechende Ueberzeuguug von ihrer Unschuld und Reinheit in seinem Herzen erweckt, daß er weder in ihrer Gegenwart, noch, nachdem er sie verlassen, auch nur einen Augenblick sich einer unwürdigen Eifersucht schuldig gemacht habe, und daß er weder in bezug auf den Zeitpunkt des Entstehens dieser Neigung, noch m bezug auf ihren Gegenstand irgend wie Neugierde. fühle. Er wartete, nachdem er dies gesagt, und sah mich an. Ich war mir meines ungerechten Vorurteils und eines unwürdigen Verdachtes, daß er wohl gar darauf spekuliere, daß ich aus eignem Antriebe gerade jene Fragen beantworten werde, über die er sich den Anschein so vollkommener Gleichgültigkeit gegeben, so bewußt — daß ich aller ferneren Erwähnung dieses Gegenstandes wie mit Ber- wirrung auswich. Zugleich aber war ich entschlossen, jede, auch die kleinste Gelegenheit zu einem Versuche zu benutzen, Lauras Sache zu führen; und ich gestand ihm geradezu, daß ich bedauere, daß seine Großmut ihn nicht noch einen Schritt weiter geführt und bewogen habe, ganz von dem Verlöbnisse zuriickzutreten. Aber auch hier entwaffnete er mich dadurch, daß er sich nicht zu verteidigen suchte. Er bitte mich nur,, den Unterschied zu bedenken, der darin liege, daß er Miß Fairlie gestatte, ihn aufzugeben, was eine Sache bloßer Unterwerfung sei, und darin, daß er sich zwinge, Miß Fairlie aufzugeben, wodurch man mit andern Worten von ihm verlange, Selbstmord an seinen eigenen Hoffnungen zu begehen. Ihr Betragen am gestrigen Tage habe die unveränderliche Liebe und Bewunderung, die er seit zwei langen Jahren für sie gehegt, so befestigt, daß ein tätiger Kampf von seiner Seite gegen diese Gefühle hinfort nicht mehr in seiner Macht sei. Den 11. November. — In einer Unterredung, die Mr. Fairlie in meiner Gegenwart heute mit Sir Percival hatte, schlug der schmachtende Egoist vor, Laura solle den Termin zur Hochzeit bestimmeu, damit er endlich zur Ruhe komme. Ich schlug platterdings aus, die Sache gegen Laura zu erwähnen. Nachher aber erklärte sie trotz meiner Vorstellungen! rund heraus, die Sache Sir Percival überlassen zu wollen. Ich bin außer mir. Bei der Bestimmung des Hochzeitstages, wie bet jeder andern hat Sir Percival, ungeachtet alles dessen, was ich sagen oder tun kann, seinen Zweck auf die ehrenvollste Weise erreicht. Seine Wünsche sind dieselben jetzt, die sie waren, als er ankam; und Laura bleibt, nachdem sie sich in das unvermeidliche Opfer der Heirat ergeben, so kalt, hoffnungslos und duldend wie vorher. Indem sie von den kleinen Beschäftigungen und Reliquien schied, die sie an Hartright erinnerten, scheint sie auch von aller Zärtlichkeit und Empfänglichkeit geschieden zu sein. Es ist erst drei Uhr nachmittags, während ich diese Zeilen schreibe, und schon hat uns Sir Percifal in der frohen Eile eines Bräutiganis verlassen, um sein Hans in Hampshire zu dem Empfange seiner jungen Fran vorzubereiten. Wenn sich nicht irgeitb etwas ganz Außerordentliches ereignet, um es zu verhindern, so wird ihre Vermählung genau zu der Zeit stattfinden, da er es wünschte — vor Ablauf des Jahres. Meine Finger brennen, indem ich es schreibe! Den 12. November. — Eine schlaflose Nacht, aus Unrulie um Laura. Gegen Morgen kam ich zu dem Entschlüsse, zu versuchen, ob nicht eine Veränderung der Umgebung günstig auf sie wirken werde. Nach einiger Ueber- legung entschied ich mich, an die Arnolds in Porkshrre zu schreiben. Sie sind einfache, liebevolle, gastfreundliche! Leute; und sie kennt sie seit ihrer Kindheit. , Den 14. November. — Drei Briefe für mich. Der erste von den Arnolds voller Freude über die Aussicht, Laura und mich bei sich zu sehen. Der zweite von einem der Herren, an die ich in Walter Hartrights Interesse geschrieben habe und der mich benachrichtigt, daß er das Glück gehabt, eine Gelegenheit zu finden, mein Anliegen zu erfüllen. Der dritte von Walter selbst; er dankt mir, der arme Junge, in den wärmsten Ausdrücken dafür, daß ich ihm Gelegenheit verschafft, seine Heimat, sein Vaterland und alle feine Lieben zu verlassen. Es soll eine b2t> Privatexpedition von Liverpool absegeln, um in den ver- | fallenen Städten von Zentralamerika Nachgrabungen zu veranstalten. Der Zeichner, der bereits angestcllt war, um sie zu begleiten, hat im letzten Augenblick den Mut verloren und sich zurückgezogen, und Walter soll an seiner Stelle eintreten. Er 'ist, von dem Zeitpunkte an, wo sie in Honduras landen, auf sechs Monate fest angestellt und dann, falls die Nachgrabungen erfolgreich und die Mittel ausreichend find, noch auf ein Jähr. Polesdean Lvdge in Jorks hi re. Den 23. November. — Eine Woche unter diesen neuen Umgebungen und freundlichen Leuten hat ihr gut getan, obgleich nicht in dem Grade, wie ich es gehofft hatte. Ich habe beschlossen, unfern Besuch noch wenigstens um eine Woche auszudehnen. Es ist unnötig, früher nach Limmeridge Zurückzukehren, als bis eine entschiedene Notwendigkeit für unsere Rückkehr eintritt. Den 24. November. — Traurige Nachrichten mit der heutigen Post. Die Expedition nach Zentralamerika segelte am Einundzwanzigsten ab. Wir sind von einem währen Wanne geschieden, haben einen treuen Freund verloren. Walter Hartright hat England verlassen. Den 25. November. —■ Gestern traurige, häute schlimme Nachrichten. Sir Percioal Glyde hat an Mr. Fairlie, und Mr. Fairlie hat an Laura und mich geschrieben, um uns augenblicklich nach Limmeridge zurückzurufen. Was kann dies bedeuten? Ist der Tag der Vermählung in unsrer Abwesenheit bestimmt worden? Limmeridge House. Den 27. November. — Meine schlimmen Ahnungen sind eingetroffen. Die Heirat ist auf den drei- undzwanzigsten Dezember festgesetzt. Am Tage nach unserer Abreise nach Polesdean Lodge erhielt Mr. Fairlie, wie es scheint, einen Brief von Sir Percival, worin dieser ihm mitteilte, daß die notwendigen Verbesserungen 'und Veränderungen in seinem Hause in Hampshire in ihrer Ausführung weit längere Zeit in Anspruch nehmen würden, als er erwartet habe. Die gehörigen Ueberschläge sollen ihm in kürzester Fr.st zugestetlt werden, und es werde seine Anordnungen mit den Arbei- tern sehr unterstützen, wenn er genau von dem Zeitpunkte unterrichtet werden könnte, an welchem die Hochzeit stattfinden dürfe. Er werde dann imstande sein, alle seine Zeitberechnungen zu machen und zugleich seinen Freunden, die er eingeladen, ihn im Winter zu besuchen, und die natürlich nicht kommen konnten, so lange das Haus in den Händen der Arbeiter sei, die nötigen Entschuldigungen zu schreiben. Auf diesen Bries hätte Mr. Fairlie geantwortet, indem er Sir Percival bat, selbst einen Tag für die Hochzeit vorzuschlagen, der dann Miß Fairlies Billigung überlassen werden könne, welche zu erhalten ihr Vormund sein möglichstes zu tun versprach. Sir Percival antwortete mit umgehender Post und schlug (in Uebereinstimmung mit seinen scbon zu Anfang ausgesprochenen Absichten und Wünschen) die letzte Woche im Dezember vor — etwa den dreiundzwanzigsten oder vierundzwanzigsten, oder irgend eine« andern Tag, den die Dame und ihr Vormund vorziehen möchten. Da die Dame nicht zur Hand war, um ihren eigenen Wunsch auszusprechen, hatte ihr Vormund in ihrer Abwesenheit den erstgenannten Tag gewählt ■— den dreiundzwanzigsten Dezember — und uns infolgedessen nach Limmeridge zurückberufen. Nachdem Mr. Fairlie mir diese Einzelheiten gestern in einer Privatunterredung mitgeteilt, schlug er mir auf seine liebenswürdige Manier vor, die notwendigen Unterhandlungen schon heute einzuleiten. Da ich fühlte, daß aller Widerstand nutzlos sei, wenn ich nicht erst Lauras Erlaubnis dazu hätte, so willigte ich ein, mit ihr zu sprechen, erklärte aber zugleich, daß ich mich unter keiner Bedingung verpflichte, ihre Einwilligung zu Sir Percivals Wünschen zu verlangen. Mr. Fairlie mähte mir seine Komplimente über mein „vortreffliches Gewissen", ungefähr wie er mir, falls wir uns auf einem Spaziergange befunden hätten, sein Kompliment über meine „vortreffliche Gesundheit" gemacht haben würde, und schien so weit vollkommen befriedigt, daß er wieder eine Familienverantwortlichkeit von seinen Schultern auf die meinigen gewälzt hatte. Als Laura davon erfuhr, verlor sie einen Augenblick die Fassung, Ich bebte vor Wut über Mr. Fairlie. Wer schließlich beruhigte sie mich. Nur mußte ich ihr versprechen, bei ihr zu leben, wenn sie verheiratet wäre, sowie, Walter nie ein Wort vom Dreiundzwanzigsten zu schreiben. 911111 aber stürmte ich wütend Und ungestüm in Mr. Fairlies Zimmer, rief ihm so barsch wie möglich zu, „Laura willigt in den Dreiundzwanzigsten", und fuhr lvieder hinaus, ohne auf Antwort zu warten. Ich schlug die Tür heftig hinter mir zu und hoffe, daß ich Mr. Fairlies Nervensystem für den heutigen Tag gründlich erschüttert habe. Den 2 8. November. .— Heute morgen habe ich Walters Abschiedsbrief noch einmal dürchgelesen, da sich mir gestern der Zweifel aufdrängte, ob ich auch recht daran tue, Laura seine Abreise zu verheimlichen. Wenn ich es mir recht überlege, denke ich noch immer, daß ich recht daran getan. Seine Andeutungen über die Vorbereitungen, welche für diese Expedition nach dem Innern von Amerika gemacht wurden, weisen alle darauf hin, daß ihre Leiter sie für gefahrvoll hielten. Es wäre sicherlich eine grausame Offenheit, Laura ohne die dringendste Notwendigkeit hiervon zu unterrichten? — Ich bin fast in Zweifel, ob ich nicht eigentlich noch einen Schritt weiter tun und den Brief, damit er nicht etwa eines Tages in unrechte Hände gerät, verbrennen sollte. Er wiederholt jenen Verdacht, daß er, seitdem er Limin eridge verlassen, heimlich beobachtet worden. Er behauptet, daß er die Gesichter zweier Männer, die ihm in den Straßen von London wiederholt nachgingen, in der Menge erblickte, welche der Einschiffung der Expedition in Liverpool zusah, und versichert mit Entschiedenheit, daß er in dem Augenblicke, wo er ins Boot stieg, Anna Cathe- ricks Namen hinter sich aussprechen hörte. Seine eigenen Worte lauten folgendermaßen: „Diese Ereignisse haben eine Bedeutung, sie müssen zu irgendeinem Ergebnis führen. Das Geheimnis, das Anna Catherick betrifft, ist noch nicht aufgeklärt. Ich mag ihr vielleicht auf meinem Pfade nie wieder begegnen, sollten aber Sie ihr begegnen. Miß Hal- combe, dann machen Sie bessern Gebrauch von der Gelegenheit, als ich von der meinigen machte. Ich spreche nach fester Ueberzeugnng, und ich flehe Sie an, sich dessen, was ich sage, zu erinnern." ^(Fortsetzung folgt.) Die türkische Kamille. Skizze aus den Papieren Ferhad Paschas (Baron v. Stein). Von „Mars". (Schluß.) Tie Fälle, wo reiche Väter sich Schwiegersöhne aussuchen, machen hiervon eine Ausnahme. Geschäftsleute namentlich suchen junge, fähige Männer durch Familienverbindungen in ihr Interesse zu ziehen, um durch sie ihre Angelegenheiten verwalten zu lassen, ohne Untreue befürchten zu müssen. In solchen und ähnlichen Fällen werden die Schwiegersöhne und deren Hauswesen ganz von den Eltern der Braut versorgt, und ersteren die Gelegenheit zur Begründung eines eigenen Vermögens gegeben; erfolgt später eine Erbteilung, so führen sie mit dem Erbteil ihrer Frauen das.Geschäft zu gemeinsamem Nutzen fort. Wenn einerseits, besonders in der Provinz, die Fülle nicht selten sind, in welchen treue Diener durch die Hand der Tochter ihres Herrn belohnt werden, so kommt es wieder in Stambul weit häufiger vor, daß die herangewachsenen Lustknaben des Vaters auf gleiche Weise begünstigt werden. Außerdem sind auch die Fülle nicht selten, wo Mädchen oder Witwen, von dem Aeußeren eines jungen Mannes bestochen, ihm die Ehe antragen lassen, und wenn er mittellos ist, die Auslagen des Hauswesens bestreiten und den Gatten selbst mit Taschengeld versehen. Daß dies nur bei Frauenzimmern von sehr erregter Sinnlichkeit, und meistens von früherem, zweideutigem Lebenswandel vorkomme, haben wir kaum nötig zu bemerken. Nut bei den Wanderstämmen finden solche Prokurationsehen nicht statt; beide Teile kennen sich, wenn auch nicht näher, so doch besser, als dies häufig in Europa der Fall ist. Sobald man über die Wahl der Persönlichkeit durch weibliche Vermittlung ins Klare gekommen ist, machen die weiblichen Glieder der Familie sich gegenseitig Besuche, bei welcher Gelegenheit die Braut zum erstenmal in das Haus des Bräutigams kommt, und man es zu vermitteln sucht, daß sie ihn sehen kann. Nun tritt die Unterhandlung in die Phase der Geldinteressen. Männliche Anverwandte des Brautwerbers wenden sich an die männlichen Angehörigen der Braut, und man kommt über die finanziellen Bedingungen überein, wobei man beiderseits von der — 627 Unsicht ausgeht, daß die Braut erkauft werden müsse, und nur Um den Preis marktet, — Als ein reicher Muselmann in Syrien aui den Gegensatz der Gebräuche aufmerksam gemacht wurde, und man ihm bemerkte, daß es Wohl viel angemessener wäre, wenn er seine Tochter ausstattete, anstatt sie sich abkaufen zu lassen, erwiderte er: „Die Europäer müssen ihre Töchter ans- stattcn, damit der Mann die zu deren Bedienung nötigen Mägde bezahlen kann, unsere Töchter werden die Dienerinnen ihrer Männer und arbeiten für sie; es ist also nur gerecht, daß jene den Preis der zu erwartenden Dienste bezahlen." — Wenn dies noch immer und überall so wäre, so gewännen allerdings die Moslims dabei, aber wie es ist, zahlen sie heutigen Tages zumeist die Frau und die Dienerinnen. — Die erste Gabe führt den wenig poetischen Namen: „Schmerzgeld" — Agyrlik —. Es wird der Braut in zierlicher, versiegelter Verpackung zu- geschickt, und seine Annahme beweist, daß die Verhandlungen Dren Fortgang nehmen können. Hierauf wird der Tag zur Abschließung des Ehekontrakts bestimmt, und die Braut beginnt ihre Vorbereitungen und die Einkäufe des Hochzeitsstaats. Bis zilm Augenblick des Abschlusses des Ehekontrakts steht es ihr frei, das Agyrlik zurückzugeben und von der Verbindung zurück- zutreteir,. ein Schritt, der, da der Ankauf des Agyrliks einmal gemacht ist, für den Bewerber immer mit Verlust verbunden ist. Der Abschluß des Ehcvertrags — Nikiah — findet in der Regel am Vormittag statt, und es ist dazu die Zuziehung eines Gesetzeskundigen nötig, der vor allem die Zulässigkeit der Ehe bezüglich beg allenfallsigen Verwandtschaftsgrades prüft. Gewöhnlich versieht der Jman der nächsten Moschee diesen Dienst. Die Zusammenkunft findet im Hause der Braut statt, beide kontrahierende^ Teile werden durch Bevollmächtigte vertreten, an deren Seite wieder je zwei Zeugen stehen. Ein Schreiber verfaßt unter Aussicht des Jinans den Vertrag, in welchem das der Frau Ankommende Heiratsgut festgesetzt wird. Es beträgt etwas Weniges mehr als das Agyrlik, wenn nicht besondere Umstände dessen Erhöhung bedingen, z. B. der bekannte Hang des Bräutigams zu Ehescheidungen. In der Regel wird um den Betrag der Nikiah, wenn auch nur zum Scheine, gehandelt, und wenn sie vereinbart, noch die spezielle Zustimmung der Braut eingeholt. Der Betrag der Nikiah gehört vom Momente des ausgefertigten und ihr zugestellten Ehevertrags der Braut, die Ehe mag vollzogen werden oder ohne ihr Verschulden unterbleiben; doch ist auch sie auf Lebensdauer oder bis zum Eintritt einer gesetzlichen Scheidung an den Bräutigam gebunden, und der Vertrag kann nur unter gegenseitiger Zustimmung gerichtlich gelöst werden. — Im Todesfälle, beim Bankerott des Gatten wird die Nikiah vor allem und ohne Abzug än die Witwe oder Gattin, sowie auch, wenn sie nicht mehr am Leben wäre, an ihre Leibeserben bezahlt; bei jeder Trennung, wenn Nicht der Frau die Schuld zur Last fällt, oder wenn sie nicht selbst Verzicht leistet, muß gleichfalls die Nikiah voll ausbezahlt werden. Beim Abschluß des Ehevertrags wird der Tag des Vollzugs der Ehe festgesetzt, und nach dem Abschluß sendet der Bräutigam der Braut das Hochzeitsgeschenk, „Nikiah Takümi", bei welchem ein Spiegel und eine Kassette die unerläßlichsten Bestandteile sind. Der türkische Serdar — Großkonetabel — Omar Pascha sandte seiner Braut einen Spiegel in Gold gefaßt und mit Brillanten verziert und eine silberne Kassette, welche einen reichen Schmuck und eine ansehnliche Summe Goldes enthielt. Die Braut erwidert die Geschenke des Bräutigams aber minder wertvoll. Ein Bartkamm, etwas Leibwäsche ■— angeblich ihre Arbeit — und ein Stückchen Kandiszucker, das der Bräutigam selbst verspeisen muß, müssen sich darunter befinden. Endlich rückt ^oer Tag der Hochzeit, die nur des Abends und zwar an einem Dienstag oder Sonntag stattfinden soll, heran. Vorher finden selbst bei den ärmsten Leuten Festlichkeiten statt, die verhältnismäßig große Kosten verursachen, von deren Belauf der Bräutigam sich ein Geschäft hätte einrichten oder ein Grundstück erwerben können, denn er bestreitet alle Kosten dieser Feste in seinem eigenen sowie im Hause der Eltern der Braut. Selbstredend versammeln sich die männlichen Gäste beim_ Bräutigam und die weiblichen bei der Braut, wobei jedes anständige Frauenzimmer Zutritt hat, um die Braut zu sehen und zu beglückwünschen. Wenn wegen Raumbeschränkung die Festlichkeiten nur im Hause des Bräutigams oder in jenem der Braut statthaben, so pflegen sich Mittwochs die geladenen Männer und Donnerstags die Frauen einzufinden. Erstere bleiben gewöhnlich bei Musik und dem Tanz einiger Tänzerknaben „Götschek" bis in die Nacht versammelt, letztere aber, mit Ausnahme der nächsten Nachbarinnen und Verwandten, die im Hause übernachten, zerstreuen sich 'vor Sonnenuntergang, da in der Regel außer dem Fastenmonat Ramazan keine ehrbare Frau nachts auf der Straße getroffen wird. Bei der Wiederverheiratung von Witwen geht es stiller zu, und die Hochzeitsfeier beschränkt sich auf ein Gastmahl, das am Vorabend der Hochzeit im Selamlik und Harem einem kleinen Kreis von Freunden und Verwandten gegeben wird. Uebrigens sind in Stambul und den Provinzen die Gebräuche sehr verschieden. In der Hauptstadt wird die Braut am hellen Tage vor der Hochzeit, wenn dieselbe im Hause des Bräutigams stattfindet, zu Wagen dorthin geführt, und alle Freundinnen und Verwandte, die sich einen Wagen verschaffen können, folgen nach. Am Tore des Harems empfängt der Vater Les Bräutigams die Braut, deren Kleidersaum dann gewöhnlich eine rhr geschenkte weiße Sklavin küßt, und übergibt sie dem Sohne, der sie aus rhr Zimmer geleitet, aber alsbald wieder Orten findet der Umzug der Braut des Nachts tn Begleitung von Fackeln statt. Wird die Hochzeit im Hause der Braut vollzogen, so geht nach der Stambuler Sitte der Bräutigam in der Stille dahin. Anders m den Provinzen; bei einer Hochzeit in Ursah z. B. ging es. aus folgende Art her. Von seinen Jugendfreunden geleitet, besuchte der Bräutigam am Nachmittage ein ausschließlich ge- wietetes Bad, aus dem er gegen abend in seiner Eltern Haus ziiruckkehrte, wo für jedermann, der nur eintreten wollte, offene Tafel gehalten wiirde. In einer schönen, lauen Sommernacht hielt endlich der Bräutigam unter Musik und Fackelschein, umgeben von seinen Freunden und gefolgt von zahlreichem Volke, stinen Umzug. Nach einem kleinen Scheinwiderstande wurde das HtiuA der Braut eingenommen und der Bräutigam erfuhr im Wege wohlfeiler Bestechung von einem alten Weibe den Platz, an welchem sich die Braut versteckt hielt. Alle Frauenzimmer verließen das Hochzeitshaus, um bei den Nachbarn ihr ohrenzerreißendes Freudengeschrei „Lillili" auszustoßen, und länger als eine Stunde lärmte Musik und Volk um die Wette ans der Straße. In gewöhnlichen Fällen wird der Bräutigam nach verrichtetem Aoend- und Nachtgebet in den Harem geführt, wo ihn eine alte Frau der Verwandtschaft empfängt und ins Ärautgemach führt, das durch die von einer Zimmerecke ausgehenden künstlichen Ranken das Aussehen einer Laube erhält. Dicht an der Tür findet der Bräutigam den Gebetteppich ausgebreitet, er tritt, um ein kurzes Gebet zu verrichten und wenigstens zwei doppelte Proster- nationen zu machen. Hiernach geht er zur Braut, die, tief verschleiert. in der entferntesten Zimmerecke stehend, ihn erwartet. Nun erst Hat er das Recht, den Schleier zu lüften und seine Braut zu sehen. Wenn er aber ihre Stimme hören und ihren Namen erfahren will, so muß er sie erst durch die Schleiergabe — „Jüs- pörümlik" —, gewöhnlich ein mehr oder minder wertvoller Gegenstand des Schmuckes, gewinnen. Von diesem Augenblicke an beginnt der Kampf weiblicher List, denn die Braut trachtet, unvermerkt ihren Fuß auf den des Bräutigams zu setzen, weil das Gelingen nach dem Volksglauben die Oberherrschaft im Hause sichert. Die Braul ist immer im höchsten Putz und außer ihren eigenen oft noch mit entlehnten Diamanten geschmückt. Dem Bräutigam wird Pfeife und Kaffee gebracht, und die Braut bedient ihn zum erstenmal. Später folgt wohl noch ein kleiner Imbiß von Zuckerwerk und Früchten; endlich befiehlt der Bräutigam, daß man das Bett nach orientalischem Gebrauche auf dem Fußboden ausbreite. Die Braut hilft ihm sich entkleiden und die neue von ihr gemachte Nachtiväsche anlegen. Dann entfernt sie sich, um in einem anderen Zimmer die Nachtkleider anzuziehen, in welchen sie ins Brautgemach zurückkehrt und alle Lichter mit Ausnahme einer schwachen Nachtlampe auslöscht, nachdem sie zuvor die Tür verschlossen. Leser, die noch mehr zu wissen wünschen, verweisen wir auf Ovid und dessen „cetera quis nescit“. Am nächsten Morgen hinterläßt der neue Ehegatte unter seinem Kopfkissen ein Geldgeschenk für die Bettmacherin unö überweist seiner Frau das Badegelo, einen Betrag, den er sich stillschweigend verpflichtet, jeden Monat zu geben. — Nachdem er gebadet ober die religiösen Abwaschungen des ganzen Körpers Dorgenommen, verfügt er sich in das Haus seiner Schwiegereltern, -von denen er die Mutter gewöhnlich mit reichgestickten Pantoffeln beschenkt, während er vorn Vater ein Geschenk empfängt. Eine Woehe nach der Hochzeit erhält die junge Frau vom Gatten das „Jedilik", ein gewöhnlich in Kleidern bestehendes Geschenk, das in dem Maße bedeutend ausfällt, als der Gatte zufrieden ist. So sehr nun auch die Umstände bei Schließung von Ehen sich 'gegen die ursprünglichen geändert haben, so wenig hierbei leidenschaftliche Liebe ober auch nur gegenseitige Zuneigung die Wahl bestimmt, so darf man doch nicht glauben, daß das Resultat dieser Verbindungen durchweg ein unglückliches sei, wie dies bei nur halbwegs ähnlichem Vorgehen in Europa der Fall feilt würde. Nach unserem Ermessen sind bei dem Glücke solcher Ehen zwei Faktoren besonders einflußreich: das verhältnismäßig wenige Beisaminensein der beiden Ehegatten, weil der Mann vom Morgen bis zum Abend sich nur auf Augenblicke und zu bestimmten Zwecken in den Harem verfügt, ist unzweifelhaft der eine Grund, während der andere, vielleicht minder positive, in der großen Jugend und Unerfahrenheit der Frau liegt, welche nie einen anderen Mann gekannt, und daher, die äußere Erscheinung ausgenommen, nichts in seinem ganzen Wesen einer Vergleichung unterziehen Tann. Gewohnheit und Notwendigkeit erzeugen dann ost eine Zuneigung zwischen beiden Gatten, und wenn die Ehe mit Kindern gesegnet ist, schließt sich ein Band anderer und edlerer Natur um die Gatten, wenn nicht gerade dann niedere Leidenschaften störend eintreten. Wie die Heirat ohne kirchliches Zeremonienwesen statt hat, so wenig Zeremonien kommen auch bei der Trennung vor, wenn solche von feiten des Mannes beabsichtigt wird. Ein bloßer Ausspruch deö Mannes genügt, um die Scheidung vor Religion und Gericht zu begründen; ist dieser Ausspruch getan, so wird ihm die verstoßene Gattin sogleich eine Fremde, und kann nicht mehr unverhüllt vor ihrem bisherigen Gatten erscheinen. Ohne seinen Entschluß durch Auszähluna von Gründen zu belegen, er- 628 klärt ihn der sich scheidende Mann vor dem Richter, zahlt die Nikiah ans und das Ehebündnis ist nun auch gesetzlich aufgelöst. Der schriftliche Vertrag wird vernichtet, und die geschiedene Fran zieht mit ihrer Habe, wozu auch alle vom Gatten empfangenen Geschenke gehören, weg, oder wenn ■ die Wohnung ihr Eigentum wäre, verläßt dieselbe Der Mann mit seiner Habe. Kann der Gatte aber vor dem Richter gesetzliche Scheidungs- gründe vorbringen, welche dem weiblichen Teile eine Schuld, ein Verbrechen auflasten, oder eilt vor der Verheiratung bestandenes Gebrechen nachweisen, das die Ehe oder deren Zweck unerfüllbar macht, so kann der Richter unter Zuziehung der Aeltesteu die Ehe auflösen, ohne daß der Mann die Nikiah zu bezahlen nötig hätte. Hat endlich ein der Frau bewußter Betrug bei dem Abschluß der ehelichen Verbindung stattgehabt, namentlich was deren Jungsräulichkeit betrifft, so geht nicht nur der ganze Ehevertrag zurück, sondern der überwiesene betrügerische ist zu jedem Kostenersatz verpflichtet. Wie schwer die bezüglichen Beweise zu führen find, erhellt aus dem Umstand, daß die Untersuchung nur durch alte Frauen gepflogen werden kann, die weder die erforderlichen Kenntnisse besitzen, noch nubeftechlich sind. Schwieriger ist es für die Frau, die Scheidung durchzusctzen, denn sie muß Gründe angeben und beweisen; Mißhandlungen, Verweigerung des nötigen Lebensunterhaltes, Unsittlichkeit, physische Gebrechen und ansteckende oder ekelhafte Krankheiten, wenn solche durch eigene Schuld des Gatten entstanden, sind als triftige Gründe anerkannt, doch werden der Trennung immer noch Schwierigkeiten entgegengesetzt, wenn der Mann dem Verlangen der Frau nicht zustimmt. Oft entsagt, trotz ihres guten Rechts die Frau der Auszahlung der Nikiah, um von dem ihr verhaßten Manne losznkontmen, ja zuweilen werden von feiten der Frau noch pekuniäre Opfer gebracht. Welcher Teil auch immer die erfolgte Scheidung beantragt hatte, so bleibt die Frau verpflichtet, drei Monate nach derselben unverheiratet zu bleiben, während welcher Zeit ihr gewesener Gatte ihren Lebensunterhalt bestreiten muß, wenn fie hierauf nicht speziell verzichtet. Zeigt sich innerhalb dieser drei Monate eine Schwangerschaft — es wäre denn, daß die Scheidung infolge eines erlviesenen Ehebruchs stattgefunden hätte —, so ist der geschiedene Gatte verpflichtet, der Frau eine Summe für den Unterhalt des Kindes auszuwerfen, bis dasselbe das Alter erreicht, in welchem es von der Mutter getrennt werden kann. Schon die bloß religiöse, auf den Ausspruch des Gatten gegründete Scheidung ist unwiderruflich, und wenn eine Aussöhnung stattfände, so muß ein neuer Kontrakt geschlossen werden. Nach den Lehren der herrschenden Sekte kann eine solche Aussöhnung nur zweimal statthaben; nach einer dritten Scheidung muß die Frau einen anderen Mann heiraten, mit ihm das Beilager halten und sich von ihm wieder scheiden lassen, ehe sie sich mit ihrem ersten Manne wieder vereinigen kann. Diesem .Gesetze entspricht man oft durch eine provisorische Heirat. So weit die vorgefundene Skizze. So ganz wie in ihr die türkische Familie geschildert wird, ist sie heute nicht mehr, doch sind die hauptsächlichsten Gebräuche dieselben geblieben. Da sie von den unseren Jo sehr verschieden sind, hoffe ich, daß diese Skizze das Interesse der Leser gefunden hat, und wenn dem so sein sollte, beabsichtige ich noch andere Aufsätze über türkische Verhältnisse zu bringen, unter denen die persönlichen Erlebnisse meines Großvaters als politischer Gefangener im Bagno, dem türkischen Staatsgesängnis, wohl von ganz besonderem Interesse sein dürsten. Vermischtes. kf. E in er, der noch NapoleonI. gesehen hat. Einer der Mitarbeiter des „Gaulois" hat in letzter Zeit eine Unterredung mit einem Manne gehabt, der am 26. Anguß 1807 zu Versailles geboren, Napoleon I. noch persönlich kennen gelernt hat. Bei einem der großen Maskenbälle in den Tuilerien war er durch irgend einen Zulall zugegen, wurde von der Kaiserin Marie Louise aui das Knie genommen und von dem großen Kaiser in treund- licher Weile angesprochen. Dieser Mann hat weiterhin eine Reibe bedeutender Dimmer der Kunst und Wissenschaft, einen Viktor Hugo, Muffet, Horace und andere kennen gelernt. Jetzt lebt der Greis in Paris und sein Geist, der in den Erinnerungen einer fernen Zeit schweist, ist trotz der Last der Jahre noch heute vollkommen frisch und klar. * Eine gründliche Untersuchung. Eine lustige Episode aus dem Leben eines sehr bekannten unb gesuchten Pariser Arztes weiß der „Cri de Paris" seinen Leiern z»i erzählen. „Diese Woche war bei Dr. L. große Gesellschafi; es war schon spät, die genossenen guten Weine machten Stinnuung, als plötzlich dem Hausherrn ein Patient gemeldet wird. Resigniert geht der Arzt in sein Sprechzimmer. Der Besucher ist ein schwerer Asthmatiker, die Bronchien sind in einem traut igen Zustande und die Stimmbänder vermögen kaum noch seinen Worten Klang gn geben. Ter Doktor greift zum Hörrohr, um die Untersuchung zil beginnen. Gewohnheitsmäßig fordert er, um die Aufmerksamkeit des Patienten von der Untersuchung abzulenken, den Kranken auf, langsam und gleichmäßig zu zählen: eins, zivei, drei, vier, iüns ... Tie Zeit verstreicht, und die Freunde und Gäste im Salon und Rauchzimmer werden unruhig, nach langem Zögern entschließen sich ein paar Intime des Hauses, vorsichtig die Tür zum Sprechzimmer zu öffnen. Da sah man den pflichtgetreuen Arzt über das Hörrohr gebeugt, an seinem Patienten lehnen, die Dtüdigkeit hatte ihn überwältigt, während der Patient, den empfangeneil Weisungen getreu, ruhig imb gleichmäßig weiterzählte: „Ächthuubertjechsunbfiebzig, acht- hunbertachtundkiebug . . .“ kf. D i e G änseprob e. Die Londoner bekommen nun auch Humperdincks „Königskinder" zu sehen, und die Leiter des Covent- Garden-Theater haben natürlich den Ehrgeiz, es den deutschen Theaterdirektoren darin gleich zu tun, daß sie lebendige Gänsö auf die Bühne bringen; sie haben sich bereits um eine Herde Gänse sür die Aufführungen des Werkes bemüht. Einer der bekanntesten Londoner Tierzüchter, Hale, hat den Auftrag bekommen, eine Herde Gänse für die Aufführung des Werkes auszubilden; und er hat 40 gut gebaute, hübsche, schneeweiße Tiere ausgesucht, die er nun. allmählich mit Hilfe von Gerste und guten Worten zu Schauspielern erzieht. In den nächsten Tagen sollen bereits die Bühnenprvben beginnen, »it deren Hauptzwecken es gehören wird, daß sich die Gänse an die Sängerin, die das Gänsemädchen spielt, gewöhnen. C. K. Hedwig Niemann-Raabe nnd die Wahrsagerin. Der berühmte Klaviervirtuose und Komponist Gsza Graf Zichy veröffeirtlicht in der Deutschen Revue einen Abschnitt aus seinen Lebenserinnerungen, die demnächst erscheinen sollen. Der Gras berichtet mit anmutiger Lebhaftigkeit von seinen Studien, die er unter Robert Volkmann eifrig betrieb, von der Förderung, die er durch Liszt erhielt, von seiner Heirat und seinem Leben als ungarischer Magnat vor seinen internattonalen Triumphen als Pianist. Dabei erzählt er auch von drmi tiefen Eindruck, den in seiner Jugend die bezaubernde Narve Hedwig Raabe auf ihn machte, und von der Freundschaft, die er mit der „großen kleinen Person" schloß. „Es war wirklich zu reizend, wenn sie auf einem ihrer .kleinen Füßchen herumtanzte und dazu das Liedchen sang: „Im Garten meines Vaters, da stand 'ne kleine Blum', bum, bum." Eines Nachmittags bat sie mich, ich solle Mit ihr die berühmte Wahrsagerin in Ofen austuchen. Ganz verwundert antwortete ich, daß ich nie etwas über eine Wahrsagerin in Ofen gehört habe. „Sie ist sehr berühmt , war die Antwort, „fahren wir!" In Ofen, links über dem Tunnel, in einer entlegenen kleinen Gasse, fanden totr die alte zahnlose Frau, die uns grinsend empfing und lange und forschend mit ihren Heinen stechenden Augen anblickte. „Merkwürdig, merkwürdig," kreischte sie, „ihr beide werdet bald heiraten, aber Nicht euch. Du, kleine Dame, bekommst einen langen Mann, wie du einer bist, und du bekommst eine kleine Frau, wie sie eure ist. Es ist buchstäblich eingetroffeu. Hedwig Raabe heiratete den großen und langen Niemann und ich eine ebenfo kleine Braut als sie war Die Hexe legte uns dann noch die Karten, Mir prophezeit sie viel Schmerz und Sorge, aber auch Erfolg und Anerkennung. Zum Schluß sagte sie mit erhobener .Stimme: „Tein größter Feind ist das Wasser — hüte dich, hüte dich!" Ich hoffe sie hat das gebrannte Wasser gemeint. Da ich aber nie welches trinke, so bleibt nur noch das Meer übrig — und darauf wird mich Gott schon mit seiner Gnade beschützen. *Frerndwörter. Auf bent Dienstzeugnis, das der Dorfschulze seinem scheidenden Dienstmädchen ausfertigt, steht am unteren Rande vorgedruckt: „Dient nicht als Legitimation." Zut Erläuterung schreibt der Schulze dahinter: „sondern als Vieh- * Ihre Ansicht. „Wenn ich noch jüüger und rüstiger wäre, möchte ich Ihnen mein Herz und mein Vermögen zu Füßen legen." — „Na, zu letzterem sind Sie doch noch rüstig genug!" * Hindernis. „Wie sind die Zigarren, die Sie neulich bei dem Reisenden bestellt haben?" — „I ch ko n nt e sie ni ch t rauchen!" — „So schlecht?" « „Nein, aber der Kerl schickte sie gegen Nachnahm e." * Verfängliche Frag e. Mieter: „Alles gefällt mit hier recht gut in Ihrer Wohnung, bis auf den Spiegel, der taugt nichts, darin habe ich ein so schrecklich dummes Gesicht." — Vermieterin: ,Ha, war denn das in Ihrer früheren Wohnung anders?" ___________ versteckrätsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenben Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Weizengarbe — Lochbeitel — Balsam — Eitelkeit — Kriegslist — Dienstag — Heugabel — Sammetweste — Solothurn — Gutsverwalter — Riefengebirge. Auflösung in nächster Nummer» Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: 8eige bei trübseliger Zeit dich tapfer nd von unerfchüttertem Mut; doch lern auch, Schwellt ein allzu günstiger Wind dein Segel, Klüglich es einzieh'nl Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lang«, Gießen.