BBS ymbifcff' au jg. H-'iJ Ql_L_G-LgtAS-£H MU igffiimüi Mittag den 7. ttngnfi M - «r. irr Das nette Mädel. Roman von Fedor von ZoLrltttz (Nachdruck verbotest (Fortsetzung.) Sie hatte den Brief mit schneller Feder herunter- Neschrteben und las ihn nun noch einmal durch. Dann strich sie die Wendung von der „anderen Neigung" aus. Das machte eine Abschrift des Ganzen notwendig, und dabei konnten auch einige stilistische Flüchtigkeiten verbessert werden. Sie schloß den Brief ein. Sie wollte ihn morgen erst abschreiben und vorher noch überlegen, ob sie das Goldherzchen mit zurückschicken sollte. Es erschien ihr zwar kleinlich, da der Schmuck ein Andenken ohüe Kostbarkeit war; aber vielleicht fand er es doch korrekt. Als sie den Brief in die Kommode legte, fiel ihr Blick auf, das seidene Halstuch Everstedts. Sie hatte es aufplätten lassen, uttb nun lag es sauber zusammengefaltet rechts in der Ecke des ersten Schubfachs. Dies Tuch mußte sie unbedingt zurücksenden: das war wichtiger als das Gvldherzchen. Sie nahm es aus der Lade und nahm mit der andern Hand wieder das Goldherzchen — mit mechanischer Bewegung, unbewußt, warum sie das tat. Aber während ihr Auge auf beides fiel, kam ihr doch ein Bewußtsein: ein heiß flutendes, das aus tiefster Quelle strömte und sie wie eine umwälzende Ueberzeugung durchdrang — das Gefühl, daß sie einem verbummelten Menschen zuliebe einen Ehrenmann aufgab. Sie war wie gelähmt. Ein erkältender Schauer durchrieselte sie.. Noch immer starrte sie auf das flimmernde Herzchen und starrte auf das dunkelblaue Tuch mit seinen violetten Punkten. Und dann ging eine Erschütterung durch ihren ganzen Körper, ein gewaltiger Nervenaufruhr; die Dränen schossen ihr in die Augen. Sie ließ das goldene Herzchen fallen und preßte das Halstuch Everstedts an ihre Lippen und weinte bitterlich. »■ Ani folgenden Tage kaufte Traute sich bei dem kleinen Wapierhändler neben dem Wittstockschen Laden ein großes Kuvert, packte das Halstuch sorgfältig hinein und adressierte es an Everstedt. Ein Begleitschreiben legte sie nicht hinzu. Sie war jetzt ruhiger geworden. Sie wollte mit der Absendung des Briefes an Rößler noch einen Tag warten, wollte nochmals das Für und Wider erwägen. Eine Herab- stimmnng des Affekts war bei ihr eingetreten, und in dieser Gegenbewegung wünschte sie sich in kühler Leidenschaftslosigkeit zu prüfen. Aber diese scheinbare Leidenschaftslosigkeit war doch nur eine Abspannung ihrer Nerven, eine innere Mattheit, in die sich geheime Furcht mischte: die Furcht vor der Klugheit. Und am Dienstag morgen war sie entschlossen. Sie kopierte den Brief an Rößler, versah ihn Mit Einschreibevermerk und nannte sich auf der Rückseite des Kuverts als Absender unter der Adresse der Tini Saud- ratt. So glaubte sie, alle Vorsichtsmaßregeln getroffen: zu haben, und trug den Brief selbst auf die Poft. Am Mittwoch wollte sie zum letztewMale nach Worres- Hoop zu Niels Kruse. Sie hatte sich vorgenommen, srch von ihm nicht zu weiteren Sitzungen bereden zu lassen. Sie wollte fest bleiben. Aber als sie in Kruses Atelrer trat, sah sie, daß er bereits alles für die neue Sitzung! vorbereitet hatte. Der künstliche Mond spendete sein gelb- bläuliches Licht, die Staffelei stand auf ihrem Platz, und an Stelle des Sessels, auf dem sie sonst zu sitzen pflegte, ein Gestell zur bequemeren Fixierung des Kopfes: ähnlich so, wie es die Photographen benützen. Sie sollte heute stehend posieren. „Erlassen Sie es mir, Professor," bat Traute. „Ich bin nur noch einmal zu Ihnen gekommen, um Sie in aller Ruhe zu bitten, mir die weiteren Sitzungen zu schenken. Ich habe meine Gründe dafür." „Die hat mir schon Dewa auseinandergesetzt," erwiderte Kruse. „Er war gestern hier und hat mir eine längere Rede gehalten. Es kam auch etwas von dem Gegensatz zwischen ethischer und ästhetischer Weltanschauung darin vor. Er ist ein lieber kleiner Kerl. Also Ihre Hauptfurcht ist: das Bild könnte bei seiner Ausstellung unliebsames Aufsehen erregen — unliebsam für Sie; stimmt das?" „Ja natürlich! Ich habe das vorher nicht überlegt, aber sehe es nun vollständig ein. Man wird fürchterlich über mich klatschen." „Ich will Sie beruhigen. Auf Ihren Wunsch gebe rch Ihnen mein Ehrenwort, daß das Bild niemals ausgestellt werden soll. Ich will es als Studie betrachten; es soll mein Atelier nicht verlassen. Genügt Ihnen das?" Es hätte ihr genügen können. Dennoch schwankte sie. „Man wird es bei Ihnen sehen," sagte sie. „Sie bekommen oft genug Besuch. Ob der Klatsch direkt losbricht oder auf Umwegen hereinschleicht, ist schließlich gleich." „Mir ist der Klatsch überhaupt gleich. Unb Sie sind ein Kindskopf. Also mein letztes Wort: das Bild soll nach Beendigung verpackt und auf den Boden gestellt werden. Kein Mensch kriegt es weiter zu sehen. Die Zwölfmark werf ich hinaus, wenn sie sich in das Heiligtum wagt. Dewa verbinde ich während der nächsten Sitzungen die Augen. Abgemacht?" „Meister, wenn Sie sagen, ich wäre em Kmdskopf, so sage ich Ihnen, Sie sind ein Dickkopf. Sie finden andere Modelle." , < „Qnakqnak — dann würde ich nrcht so viel reden. Was verlangen Sie denn noch? Soll ich das Bild ins Feuer werfen, wenn es fertig ist? Ist mir auch recht. Ich seufze nicht über die Vergänglichkeit der Dinge." „Es wäre auch ein verlorenes Kapital." „Ist es sowieso. Aber das schiert mich nicht. Ich habe mehr als genug zum Leben und will keine Reichtümer sammeln." Traute warf einen Blick auf die Malerei. -.Wann hoffen Sie. fertig zu fein'?" „Weiß ich noch nicht. Es kommt auf die Stimmung an." „Wenn ich Ihnen nun heute noch sitze, glauben Sie, daß —" Er schnitt ihr das Wort ab. „Halt!" rief er. „Fragen Sie nicht erst weiter. Illso jedenfalls heute. Das übrige wird sich finden." „Rein, Meister, es findet sich nicht." „Streiten wir nicht. Wir wollen anfangen. Für heute habe ich Ihre Zusage. Es genügt mir vorderhand. Ich bin in rasender Arbeitslaune; die Spannkraft ist da, die das Aufnehmen und Zurückgeben ermöglicht — die Flügel der Musen rauschen durch die Lust. Ein inneres Drängen, liebes Fräulein Traute, die Gewißheit einer Einigung von Seele und Gegenstand. Das ist nicht immer der Fall. Es gibt auch dunkle Stunden, in denen Inneres und Aeußeres keine Berührungspunkte finden wollen. Das sind die Qualen des Künstlers. Aber heute scheint die Sonne, trotzdem wir im Mondenschein arbeiten." Er wies auf die spanische Wand in einen: Winkel des Ateliers. Die Viertalern brauchte nicht mehr zu helfen. Auch das silberne Kettenhemdchen war unnötig geworden. Traute wußte, daß ein Künstlerauge auf ihr ruhte. Sie trat mit bloßem Halse und nackten Armen hinter dem Schirme hervor, das schöne Haar aufgelöst und in blonden Wellen über ihren Riicken fließend. Kruse stellte sie in Pose ititb legte ihren Kopf in die gepolsterte Zwinge des Gestells. „Wenn Sie müde werden, melden Sie sich," sagte er; -Mr pausieren dann ein Weilchen." Run trug er die Farben auf und begann zu arbeiten. Es hätte den Anschein, als wollte er heute abschließeu. Er brauchte kaum den Spachtel. Er war voll fröhlicher Arbeitslust. Und wie immer, wenn er der Erfahrung seines Schaffens folgte und ihr den Zwang seiner Stim- mung unterordnete, so schwieg er auch jetzt bei der Arbeit. Er sprach fast gar nicht. Nur zuweilen nickte er befriedigt und sagte „Bene cosi" oder „So ist's brav." Das aalt der eigenen Leistung. Er war einmal zufrieden Mit sich. Eine, volle halbe Stunde hielt Traute aus. Zuletzt unter zunehmender Spannung der Muskeln; die Stellung war anstrengend. Endlich rief sie: „Pause, Meister! Es f;eht nicht mehr " und ließ sich erschöpft in den Sessel allen. Er legte sofort Palette und Pinsel beiseite. „Ebbene," sagte er, „ruhen Sie sich aus, so lange Sie wollen. Wir haben den ganzen Tag vor uns. Vielleicht. . . na, ich will nicht prophezeien! Jedenfalls halte ich Sie heute fest, liebe Donna. Schauen Sie nur, wie flott das gegangen ist! Ist das nicht ein Irrlicht, das auch den sprödesten Schafskops berücken muß?" „Aber ich bin es nicht." „Richtig. Deshalb begreife ich auch nicht, warum das Bild Sie so in Aengste bringt." „Ich denke, Dewa hat Ihnen davon gesprochen?" • „Ja. Aber was er sagt, ist nicht richtig. Und wenn Sie ähnlich empfinden, so trügt auch Sie Ihr Gefühl. Ich will Ihnen erklären, weshalb. Erst lasse:: Sie mich Ihnen aber einen Schluck Wein holen — ich habe Sie überanstrengt, armes Hascher:. . Er war schon aus der Dür und kehrte mit einer Flasche Portwein und zwei Gläsern zurück. Der dunkelrote Wein rann in den Kelch. Traute nippte. Der Wein war stark, aber er tat ihr wohl. Sie war wirklich sehr erschöpft. Sie drapierte ihr Haar um ihren Hals, ihre Nacktheit zu verdecken, und ahnte dabei nicht, welche neuen Reize sie sich gab. Kruse stand nicht mehr vor seinem Bilde. So wär auch der Blick, der nun über sie hinflog, anders im Ausdruck als vordem. Er suchte das Weib. Niels rückte ein Tischchen neben den Sessel Trautes, auf das sie ihr Glas stellen konnte. Dann füllte er sein eigenes Was und leerte es hastig. „Oh," rief sie, „der schwere Wein. Wenu mein Maestro sich einen Schwipps kaust, ist die letzte Möglichkeit vorbei, das Bild zu vollenden." Er antwortete nicht, sondern trank noch ein zweites' Glas. Dann setzte er sich zu Füßen Trautes auf ein Tä- burett und streckte die Beine lang aus. „Folgeudes," sagte er. „Dewa hat es nicht gefallen, daß ich dem Irrlicht Ihre Züge gab, aber eine fremde Seele. So meinte er. Letztgründig nichts als der alte Streit über das Verhältnis von Kunst und Natur. Die Kunst, gibt keine rohe Nachahmung der Natur, sondern gibt ihr eine zweite Natur zurück. Das können Sie mit andern Worten schon bei Goethe lesen. Für mich sind Sie ein Stück Natur, aber nicht das Vorbild zu einem Porträt? Compris, m'amie? Und Ihr Näturbild beseelte meine Phantasie. So gab ich Sie wieder, nicht wie Sie sind, vielmehr so, wie Sie in den Augenblicken meines Schaffens vor mir standen." „Das heißt," sagte Traute, „Sie zerrissen absichtlich Erscheinung und Innerstes und formten mich unter denk Eindruck eines falsch sehenden Auges — oder doch wenigstens eines Auges, das nur die äußere Aehnlichkeit festhielt, aber sonst von der Wirklichkeit abirrtc. Bewußt natürlich, denn Sie wollten ja nicht Traute Köhler malen, sondern ein lockendes Irrlicht, das einen vermutlich sehr braven Menschen auf gefährliche Wege führen soll. Aber das ist ja grade das, was mich stört — und Dewa — und was auch noch andere stutzig machen wird: daß Sie mein Gesicht genommen haben, um es einer Gestalt Ihrer Phantasie zu geben, die zweifellos — ja, lieber Professor, die doch zweifellos etwas Sündhaftes darstellen soll." Niels wiederholte das Wort. „Sündhaftes." Daun nickte er lebhaft. „Natürlich. Sündhaftes liegt ja doch im Wesenskern jedes Menschen. Es leuchtet auch ans den Augen Dewas — da drüben im Bilde. Und ganz gewiß aus dem Gesicht meines Irrlichts. Denn so wollte ich es ja! Aber ich wollte nicht die brutale Sünde zum Ausdruck bringen, die in dunklen Abgründen haust, sondern, mein liebes Kind, die Sünde, die Element des Weibes ist: die immer triumphierende, die der Schöpfer in Evas Seele versenkte — hie Sünde der Weltnatur. Wir heißen es Sünde, weil wir dünkelhaft sind und noch immer verstrickt in der Befangenheit asketischer Auslegung. In Wahrheit aber ist dies Sündhafte doch nur das jubelnde Leben! Und das soll auch mein Irrlicht sein. Das Leben lockt den weltfremden Siedler im Walde!" Traute schwieg einen Augenblick. Sie sah zu, ivie Kruse abermals sein Glas füllte. Es war ein feines Kristallglas,- und der Wein leuchtete wie Blut. „Gut," sagte sie nach einer Weile. „Ich will mir Ihre Deutung gefallen lassen; wenigstens verstehe ich sie. Aber sie schließt nicht aus, daß Sie mich dennoch falsch wieder- gegeben haben; nach eigener Willkür. Ich bin nicht Ich tn Ihrem Bilde. Denn ich bin nicht das „Leben", das die Männer lockt. Ach, du lieber Gott, Meister ■— wenn Sie das Leben verkörpern wollten, so hätten Sie ein anderes Modell wählen sollen! Darin hat Dewa schon recht: Ihr Irrlicht trägt meine Züge, aber nichts von meinem armen Seelchen — nein, gar nichts!" Kruse sprang auf. „Wer kennt sich selbst?!" rief er. „Und glauben Sie beim, daß Dewas blödes Ange so tief bringen kann? Ein guter Junge, aber ein schlechter Musikant. Ich hätte Sie nicht gewählt, wenn ich nur so wie er zu sehen vermöchte. Mein liebes Herz, genau so — genau so, wie ich Sie gemalt habe: so sieht Ihr zweites Gesicht ans. Das Gesicht, bas Sie selber nicht kennen. Aber das Gesicht, das uns Männer wild macht: die süße, süße Unschuldskarve mit dem versprechenden Lächeln und den Nixenangen, in denen das Unbewußte dürstet nach Wissen! Das sind gefährlichere Irrlichter für uns als die großen Flammen, die ans dem Sumpfe kommen. Die locken nur die niedere Kreatur. Uns, die wir kulturhöher stehen, um weniges oder um große Spannen, uns lockt tausendmal mehr das schlummernde Geheimnis, das der Offenbarung ent» gegeujauchzt, als das gelöste Rätsel — und sei es auch noch so schön. Uns lockt eine gewisse. Kindesbefangenheit, unter der die Neugierde träumt. Uns lockt--aber nein, ich will mein Bild nicht erläutern wie der Manu mit dem Deutestock auf den Jahrmärkten! Schauen Sie sich mein Irrlicht an. Dewa sagt, es sei eine idealisierte Dirne. Das ist nicht wahr. Es ist eine Inkarnation der Freuden, die von dieser Welt sind; meinetwegen auch eine Fleischwerdung jungblüheuden Lebensdrcmges." (Fortsetzung folgt.) 487 Reiseeindrüüe aus Ostdeutschland. Von B r u n o Stümke. Manchem Deutschen liegt der deutsche Osten ferner als die Türkei, als Japan ober Afrika. Er würde fich weit eher entschließen, eine große mehrtägige Seereise mit all ihren iut» angenehmen Begleiterscheinungen anzutreten, als seine Somuter- ferien in Ost-, Westpreußen oder Posen zu verleben. Ein gewisses, mit der Muttermilch eingesogenes Empfinden sagt ihm, daß hinter der Elbe die Welt nur noch aus Kornfeldern, Herrensitzen und Bauernhäusern besteht, und daß der Großgrundbesitzer immer in Schaftstiefeln, Lodenhut und .Lodenjoppe tzerumläust. Der Ostelbier gilt vielen als ein Wesen, von dem sie nur die eine dunkle Vorstellung haben, daß es keine anderen Ideale kennt, als das Anwachsen seines schier unermeßlichen Geldbeutels. Aber es gibt in jenen Gegenden neben diesen Nimmersatten Agrariern auch^ioch andere Menschen. Sobald der Reisende Berlin in östlicher Richtung verlassen bat, lehnt er sein müdes Haupt an die Rückwand seines Eisenbahn- Eouptzsitzes und beginnt sich mit irgend etwas zu beschäftigen, nur -nicht mit dem Studium der Gegend. Weiß er doch zumeist noch von der Schule her, daß der Osten Deutschlands arm sei anj landwirtschaftlichen Reizen, daß die Ebene, die sich rechts und links der Eisenbahn schier endlos hinzieht, dem sehnsuchtsvollen Auge Nichts weiter bietet als Land — Land — Land! Der Anblick der Wälder, die sein Zug durchsaust, rührt sein verwöhntes Äuge Nicht. Ist doch alles nur Nadelwald; nur hier und da taucht einmal das lieblichere Bild eines Laubwaldes auf. Und gar den Wald „aufgebaut so hoch da droben" vermißt er gänzlich. Plötzlich ein Ruck; der Zug hält an irgend einer Station, deren Namen der Reisende ans dem Westen bisher nie geljörtr hat. Und sieht er gelangweilt aus dem Fenster, so wird er nur schwer begreifen können, warum der Zug überhaupt hält. Nie- mand steigt aus, und nur selten kommt ein neuer Fahrgast.. Endlich geht es weiter durch Felder — Felder — Felder! Wenn es in Deutschland noch nnmtdeckte Länder gibt, so gehören die deutschen Ostprovinzen dazu. Wer aber mit offenen Augen und Ohren und mit Sinn und Verständnis für Deutschlands Geschichte die Reise nach den ehemaligen preußischen Ordensländern antritt, dem wird die Ueberwindung auch reichlich gelohnt werden, die ihm diese Reise anfänglich gekostet haben wird. Gewiß ist der deutsche Osten von der Mutter Natur nicht allzu reichlich mit den Gaben landschaftlicher Schönheit bedacht worden. Aber vielleicht gerade darum, weil die Ertragnisse des Bodens nur spärlich au manchen Stellen sind, und vielleicht gerade darum, weil allzu üppige Landschaftsbilder das Ange nicht reizen und zur Anlegung einer Fremdenindustrie nicht einladen, hat der deutsche Osten auf historischem Gebiete manche Stätte, die an vergangene, kampfgewohüte Zeiten, erinnert und das Interesse des aufmerksamen Reisenden weckt.. Städte, Ortschaften Und Dörfer, sie alle mahnen durch irgend etwas — sei es ein! altes, jetzt verlassenes Kloster, sei es eine restaurierte Burg oder auch nur ein Gedenkstein — an alte kriegerische Zeiten. Und kriegerisch ist die Vergangenheit der deutschen Ostprovinzen ge- wesen. Besonders in den beiden Provinzen Ost- und Westprenßen finden sich eine große Anzahl derartiger Denkmäler. Der deutsche 'Orden, der nach einem erbitterten Kampfe, der über ein halbes Jahrhundert gedauert hat, dreihundert Jahre lang hier seine große Kulturarbeit verrichtete, hat manche Spuren seiner frncht- bringenden Tätigkeit unseren Tagen überlassen. Wenn auch die Provinz Westprenßen seit der für den deutschen Orden so unglücklich verlaufenen Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 dem damaligen Königreiche Polen einverleibt wurde, so hat er doch 'auch dieser Provinz seinen Stempel aufgedrückt. 'Das alte Wahrzeichen preußischer Ordensherrlichkeit, die mächtige .Marienburg, ist durch die Förderung des jetzigen deutschen Kaisers wieder neu erstanden. Jahrhunderte lang hat diese alte Burg fast unbeachtet dagestandeu. Von allen deutschen Schlössern alter Zeit ist die Marienburg das. größte. Seine gewaltigen massigen Turme ragen weit hinein in das Land, und der kleine Ort, der nach ihin seinen Namen trägt, ist fetzt alljährlich das Ziel vieler Freunde der deutschen Geschichte. Ungeheure Summen sind aufgewandt worden, um die Spuren der Verwüstung zu beseitigen, die die Jahrhunderte lange Polenherrschast hinterlassen hat. Alles, was daran erinnerte, daß diese Burg dereinst dev Stützpunkt der preußischen Ordensmacht war, ist von den Polen vernichtet worden. Selbst die Wandgemälde, die von hohem künstgerischem Wert sind, sind von den Polen mit Kalk übertüncht worden, und erst in der letzten Zeit sind Künstler berufen, die so vergraben gewesenen Schätze neu zu heben. Zwar ist diese schwere Arbeit noch nicht beendet — aber nur noch kurze Zeit, und die alte Marienburg steht in alter Herrlichkeit und Größe wieder da zur Erinnerung und Nacheiferung deutschen Heldentums. Nicht so deut Wandel der Zeiten unterworfen gewesen ist die alte Hansestadt Danzig. Der Fremde, der diese Stadt Betritt,- wird sich plötzlich in einer anderen Welt glanben. Die engen/ altertümlichen Gassen und Gäßchen mit den Freitreppen vor den Häusern der Jrührenaissance ertveckeu romantische Gefühle in Unserer Seele; und besonders in der alten Frauengasse, die charakteristisch ist für Danziger Baukunst,, haben sich Studenten- Verbindungen ihre Kneipstuben eingerichtet. Und ist mancher Sommernacht bei Kerzenbeleuchsimg hört man wie auZ ferner Zeit das Lied von der entschwundenen alten Burschenherrlickkeit., Aus allen Gassen umweht uns ein Hauch der Geschichte. Von Bauwerken hat sich besonders die alte, ans dem 13. Jahrhundert stammende Marienkirche und das Rathaus in unveränderter Pracht erhalten. Der viereckige Turm der Marienkirche bildet neben bent spitzen Turm des Rathauses noch heute das Wahrzeichen Danzigs. Beide Bauten Birgen eine Unmenge von Schätzen aus der Danziger Patrizierzeit. Besonders die Möbel wurden von den alten Danzigern reich ausgestattet. Möbel, die die Jahrhunderte überdauerten, schmücken auch noch heute das Innere des Danziger Rathauses. So arbeitet z. B. der; Oberbürgermeister in einem Zimmer, das seine Einrichtung seit Mehreren Jahrhunderten unverändert erhalten hat. Auch in vielen Privathäusern hat man iit pietätvoller Weise die alten Dielen, die einen enormen künstlerischen Wert repräsentieren, zu erhalten gesucht. Das Haus am Langen Markt, das sich im Besitze des Kaufmanns Unger befindet, hat tvohl die wertvollste Diele, die in einem Privathause zu sehen ist. Hat sich doch in der deutschen Möbelindustrie der sogenannte „Danziger Stil" bis auf den heutigen Tag erhalten. Die alten Schränke, die tvnnder- voll geschnitzten Stühle werden viel kopiert, und diese Kopien erfreuen sich Bei den deutschen Käufern einer großen Beliebtheit. Unter der Fülle historischer Erinnerungen verschwinden fast die Erscheinungen der Neuzeit. Und wunderlich genug mutet es. Uns au, wenn wir auf dem Langen Markt mit seinen Bauten aus. der Frührenaissanee ein Kinematographeutheater finden. Fast fiihlen wir uns persönlich durch eine solche Stilwidrigkeit beleidigt. Aber tvelche Stadt kann sich benn überhaupt der Gewalt des Kinos entziehen? Aber dicht bei Danzig ist die Moderne Zeit doch siegreich gewesen. Hier hat sie sich durch nichts aufhalten lassen, hier hat man ihr freiwillig das Feld geräumt und ihr Tür und Tor geöffnet. Tiefe Stätte modernster Kultur ist das Ostseebad Zoppot. Welch ein Kontrast: in Danzig erscheint uns alles ernst, fast düster, in Zoppot dagegen Pulsiert das moderne Badeleben ist den grellsten Farben. Von dem Bunten riesigen Kurhaus änge- faiigeu .bis zum kleinsten Haus im Orte ist alles daraus eingerichtet, verwöhnte Gäste zu empfangen. Und die Zoppoter Gäste wissen zumeist den Luxus zu schätzen. Sind es doch neben reichen deutschen Grundbesitzern in der Hauptsache vornehme Russen/ die hier nicht allzu fern von ihrer Heimat Sonnneraufenthalt neh- men. Prunkvolle Toiletten und strahlende Diamanten, von rassigen Schönheiten getragen, kann man hier des Nachmittags! auf der Promenade und auf dem Seeweg bewundern. Hier hak die politisch so oft betonte traditionelle deutsch-russische Freundschaft ihren sichtbaren Ausdruck gefunden. Die weiten Wälder, die Zoppot umgeben, haben die Zoppoter veranlaßt, es auch einmal mit einem Freilichttheater zu versuchen. . Und dabei haben sie besonderes Glück gehabt. Ihre Wald- bühue besitzt eine so vorzügliche Akkustik, daß man sogar Opern! aussühren kann. Da nun auch zum modernen Leben notwendig der Sport gehört, so haben die rührigen Zoppoter auch dafür reichlich Sorge getragen. Alljährlich findet hier eine sogenannte große „Sportwoche" statt, und aus allen Gegenden kommen bnitu bte friedlichen Kämpfer, um im edlen Wettstreit ihre Kräfte zu messen. So hat sich denn inmitten einer alten Kultur auch die moderne Zeit Bahn gebrochen. Und wenn erst der deutsche Thronerbs hier feinen ständigen Wohnsitz als. Konunandeur des schwarzen Lcibhusareii-Regiments mit dem vielsagenden Totenkopf aufgeschlagen haben wird, wird es. in Danzigs Umgebung wohl noch moderner zugehen. Aber fast will es scheinen, als stehen die Bewohner der Provinzen Ost- und Westpreußen diesem Eindringen der neuen Zeit nicht sehr sympathisch gegenüber. Ernst und schweigsam sieht er mit einer gewifsen Verachtung auf das Neue. In ihm steckt noch so etwas von dem alten Trotzkopf vergangener Jahrhunderte.^ Sein Mißtrauen scheint mit jeder neuen Erscheinung zu wachsen. Und nur langsam, Schritt für Schritt, läßt er sich für irgend eine Neuheit erwärmen. Was uns den Rheinländer und den Süddeutschen so lieb macht: das immer heitere Wesen und bet gemütlich klingende Dialekt, das scheint dem Ostdeutschen abzugehen. Und doch darf man ihm darum nicht zürnen. Aus seinem ganzen Wesen spricht eine Festigkeit, eine unentwegte Treue am Ueberlicferten, selbst dann noch, wenn es als überlebt gelten muß. Und das ist es auch, was Ostdeutschland zur Hochburg des Konservatismus macht. Hier hat die konservative Partei int Reime und in Preußen ihre festen Burgen. Es muß schon arg kommen!,: wenn eine davon — wie in letzten Zeiten vielfach geschehen — fällt Wie sich in den Ostprovinzeit die Reste einer toten Zeit noch bis heute erhalten haben, so werden sich in ihnen auch dt« Reste einer politischen Weltanschauung erhalten, bte heute schon selbst von ihren treuesten Anhängern als veraltet angesehen wnd. Lina Lavalieris Geheimnisse der ewigen Jugend. Lina Cavalieri, die gefeierte Schönheit, veröffentlicht in einem amerikanischen Blatte einen Aufsatz über ihre „Geheimnisse der ewigen Jugend".- In den Vordergrund stellt sie ausiallenderwetfe nicht etwa das körperliche Leben, sondern die.G eistest ai,tg- $ eit Und für diese gibt sie ganz Beftimmtc Vorschriften: man soll, — 488 Erregungen ff. Wie Edison eine Erfindung verloren ging. D- B Connery, der langjährige Assistent und Mitarbeiter Edisons -erzählt, wie Edison eines Tages eine bedeutende Erfindung machte Und sie sogleich danach wieder verlor. Ein sehr wichtiger Industriezweig in 'Mittelamerika ist das Herausziehen der Fasern aus den fleischigen Blättern der Agave, Fasern, die zu ähnlichen Zwecken wie die des Hanfs verwendet werden. Das gegenwärtig übliche Verfahren ist dabei so unvollkommen, daß sozusagen die Hälfte «aller Fasern dabei zu Grunde geht. Nun war es Edison/nachdeM er sich mehrere Jahre lang mit Eifer dem Studium des Problems Ungegeben hatte, gelungen, ein Zerseßmittel zu finden, das, wenn man die Blätter hineintauchte, alle Fasern in vollkommenen Zustande sreimachte. Sobald Edison die Lösung seiner Aufgabe endlich gelungen war, stürzte er im ersten Drang der Freudei sofort zu seinem Assistenten, der noch im Bette lag, weckte ihn und schleppte ihn sofort ins Laboratornnn, wo der Assistent sich Alsbald von dem auf Millionen zu berechnenden Werte der Erfindung überzeugte. Er machte sich dairn auf die Suche nach Geld- Weiß. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Ergänznugsrätiels in voriger Nunnnevk Hoffnung keimt, ein schwaches Hälmchen, Auch auf kahler Felsenwand, Hoffnung leuchtet unter Tränen. Wie im Wasser der Demant. I« W fc di. MMM I immer nach Heiterkeit trachten, man soll seine Ausmeruam i omi § neue Verfahren erprobt werde. Connery Menschen und Dingen »uwenden soll rmmer^seme Ruh- Mer G-gEart^as neue bewahren, vrel Mit jungen Menschen ^L,v, Dies sind I Gefäß mit dem Wunderwasser zu zeigen, aber als man es suchte, von einem jugendlichen Standpunkte aus betrachten. Dies srnd Gefäß unt d-m^mv^ Hg alsbald heraus daß die Truge, die man tun muß. . - m apstiaen I ein junger Angestellte des Laboratoriums, der nach, eurem Gefäß k?k.-WJWa® W- ÄÄÄ ÄfÄS SÄ » * *f*w **** **•**» ZSWWMW WWWUWLM- WZUMMW ßWßWWK LSWWIMKSWR sSS-S-S SSVKSS über eine Stuhllehne wirft, sondern es handelt sich darum, dem I Fouquisres, dere cks der es eben diesem Ruhm Nervensystem wie aruh den Muskeln und Gelenken dre richtige Abspannung zu schaffen. • • I ber $0($äeit des Kroirprinzen von Karpurthala teiliiehmen | durste, hat sie mit Entdeckerstolz veröffeiitlicht. Die Vorschriften I Manus gehen aber, wie FouquiSres mitteilt, noch weiter: zumal * Ein reickbelohnt er Blumenzüchter. Es kommt I wünscht er, „daß der Name der jungen Frau leicht auszusprechen wahrlich nicht alle Tage vor, daß einem für einen simplen Blumen- I sei; auch soll er hell und lieblich klingen, aus lange Lokale aus topf ein kleines Vermögen ausgezahlt wird. Tas seltene Glück I gehen und sich wie ein Segensspruch anhoren l ist dieser Tage einem Engländer namens Fraser zuteil geworden, I Lckackausaabe. der als Preisträger einer von der „Daily Mail" ausgeschriebenen I eZan Blumenkonkurrenz 20000 Mark emheimste. Das Londoner Blatt, I , das durch seine großzügigen Preisstiftmigen für die amatrscheu Wettbewerbe populär geworden, hatte vor einigen Monaten etn Preisausschreiben für Blumenzucht erlassen, das demienigen, der innerhalb von drei Monaten das schönste Exemplar von wohlriechender Wicke (Lathyrus odoratus) zur Ausstellung bringen würde, eine Prämie von 20 000 Mark verhieß. An dem originellen Wettbeiverb haben sich 10000 Personen beteiligt, die in den Prachtgärten des Londoner Kristallpalastes ihre gärtnerischen Erzeugnisse zu einer Sonderausstellung vereinigten, deren tauseud- fältige Farbenbuntheit das Publikum seit einigen Tagen bewundert. Die Preisjury hat jeßt den Siegespreis Mr. Fraser zuerkannt, dessen ausgestellte Wicken eine wundervolle Frische Und eine unübertreffliche Reinheit der Farbtöne auszeichnen. 8 7 6 5 4 3 2 1 b d 8 6 7 5 8 2 1 I g h abcdeigh Rebaftion: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühk'schen UniversttätS-Buch- und Strindruckerri, R. Langs, Gt«ß«»