W A U^M MWä W iSglÄ ^DWrst MZM W 4: 3 A ü Herzeloide. Moman von Georg Freiherrn von Omptedck, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Wie ich diese Leute sah in ihrem heiteren Genuß des Daseins, ein Herz und ein Sinn, Mann und Frau rind Sohn und Tochter, Bruder und Schwester, kam mir ein mildes Gefühl der Wehmut. Ich war allein, entsetzlich allein. Ich hatte mich zu ihnen setzen mögen, sie anreden und sie fragen: „Wo kommt Ihr her? Wo wollt Ihr hin? Ist es nicht schön hier oben?" Ich hätte ihnen sagen mögen: „Seht, ich bin allein, ich habe niemand, nehmt mich auf eine Stunde nur in eitern Kreis. Erzählt mir und laßt mich erzählen." Erzählen? Wovon sollte ich erzählen? Bon dem einen Gedanken, der die Sinne mir umspann — Maria. Ich hätte dem alten Herrn, der den anderen aus d-em Buch vorlas und all die Schönheiten wiederholte, die sie gesehen, oder den Vorgeschmack ihnen gab für den morgigen Tag, sagen mögen: „Ich bin nicht immer allein gewesen. Ich hatte ein Weib, und ich ivar glücklich. Meine Fran war schön Und gut und kiel'. Und nun ist sie tot." Ich hätte zu dieser alten Dame, die am meisten müde schien von den Anstrengungen des Tages, die aussah, als wollte sie einnicken in ihrer Ecke, sprechen mögen: „Ruhen Sie ein wenig, schonen Sie sich. Sie sollen noch lauge mit Ihrem Manne leben. Und wenn Ihr Haar auch weiß ist, Ihnen sind doch noch viele glückliche Jahre beschert. Darf ich Ihnen ein Kissen geben? Das habe ich früher oft getan, als noch ich ein Weib besaß. Ich habe sie gepflegt und es 'an nichts fehlen lassen. Ich muß für jemand sorgen. Wollen Sie sich ansruhen vom Tage? Maria hätte jetzt geruht." Wie nun die Seute. zusammenrückten und der alte Herr wieder begann ihnen vorzulesen, wie die Menschen alle zusammenzugehören schienen, eine Familie, ein Interesse, ein Glück, eine Liebe, da kam es von neuem so bedrückend über mich, daß ich mich erhob und hinaufging in mein kleines Zimmer. Ich war müde, legte mich hin. Ich fühlte mich behaglich in dem winzigen Raum. Jch kpußte, wo meine Sachen hingen, wo die kleinen Gegenstände lagen. Mir war es fast, als hatte ich immer hier gewohnt. Ich streckte mich aus. Am anderen Morgen war der Führer zeitig zum Wecken bestellt, falls es schön würde. Ich war ruhiger geworden und schlief bald ein. Was mir in der ganzen Zeit nicht geschehen ist, seit Maria mich allein gelassen: mein Schlaf war so tief, traumlos, daß ich am anderen Morgen nicht von selbst erwachte, sondern erst, als es an meine Tür pochte. Wo wollen wir hin? — fragte ich. Der Mann zuckte die Achseln, ihm sei alles recht. Da kam mir ein Gedanke, als ich meinen Tee im Gastzimmer trank. Dort saß schon die ganze Gesellschaft von gestern: die beiden Führerlosen, die große Familie, sFch sagte: — Guten Morgen! — und da sich noch andere dazst gefunden hakten, von denen ich gestern nichts bemerkt, die vielleicht zeitig schlafen gegangen waren, so nahm ich Maß in der Nähe der Norddeutschen. Ich horchte auf ihre Unterhaltung. Sie erzählten, daß sie ins Fassatal hinunter wollten. Der junge Mann warf zu den Führerlosen erregte Blicke und flüsterte seinem: Baker zu: — Baker, sie gehen! Nun ward ich aufmerksam, und ohne daß ich gefragt hätte, wandte sich der Sprecher zu mir: — Sie wollen die Bajolettünne machen! Er hatte es begeistert gesagt, feine Augen glänzten, als) ginge er am liebsten mit. Aber der Baker meinte nur; — Es ist Nebel, man sieht ja nichts. Und der Sohn: ■— Vater, es wird heil! — Aber erst in ein paar Stunden! Der junge Mensch sprang auf. Plump und riesig saßen an den noch unausgeglichenen mageren Gliedern die schweren Bergschuhe. Er stapfte zur Tür, er kam wieder. Strahlend rief er: '— Es klärt sich auf! Das schien wie ein Zauberwort gewirkt zu haben. Alles erhob sich. Rucksäcke wurden gepackt, Pickel und Bergstöcke genommen. Führer kamen herein und unterhandelten mit ihren Herren, und auch mein Welscher erschien. Er schien lässig, es gab ja nichts Gutes für ihn zu tun, nicht mal ein Seil nahmen wir mit. Ob wir später gingen oder früher: von Steingefahr durch andere Partien war nichts zu befürchten, kein^Kletterer sperrte uns einen Kamin, daß wir hätten warten müssen. Mit einem Touristen wie ich kam es ja nicht drauf an. Inzwischen steckte die Familie die Köpfe zusammen, die beiden älteren Herren besprachen sich, und endlich ward zum Jubel der Jugend erklärt, man wolle auf den Laurins- paß hiuaufgehen, um von dort aus den Kletterkünsten der. beiden Führerlosen zuzusehen. Ich schloß mich an. Die Aeltcren blieben etwas zurück, die Jugend lief voran. Zu ihr hielt ich mich, und da es ein schnelles Steigen war, wurde mir warm um Herz Und Seele Die Nebel hatten sich etwas gelichtet, hier und da blickte eine winzige Ecke blauer Himmel durch, verheißungsvoll für den Tag. Und wie ich hinanschritt über die schweren Blöcke, das grobe Geröll, den milden Felsenpfad, wie ich zum ersten Mal bewußt stand in dieser Felsenöde, dicht neben mir die gewaltigen, schier lotrechten Wände des Rosengartens, auf der anderen Seite noch im Nebel Pie 346 —* Turme von Vajolett, kant es Wer mich tote eine Erfrischung meiner Seele. Es war mir, als fühlte ich mich nicht mehr ganz so allein. Ich hörte die srohen Ruse der Jugend. Ter^ blonde Junge, der mit gesunden Lungen vorauslief, daß unter seinen Füßen Steinbrocken herabprasselten, fast die Nachfolgenden bedrohend, jauchzte ab und zu laut auf: unbeholfene Versuche, die Söhne der Berge nachzuahmen, Jugend, Frische, Lebensmut. Hinter mir hörte ich die Bemerkungen der beiden Da- Men, schwer keuchend ihrem starken Körper die Leistung ab- gewinnend, nur weil die Natur schön war, nur weil alles so groß und ernst und herrlich um sie her stand, nur weil die Kinder sich unterhielten, und weil sie vielleicht durch lange Jahre gewohnt gewesen, aus ihrem Flachland korn- mend, alles anzustaunen, was hoch und gerade gen Himmel stieg. Man sah nichts von den Führerlosen. Längst vorausgeeilt hätte man sie vielleicht auf dem Wege über uns erblicken können, der steil hinaufführte, hätten nicht die Nebel noch um die Türme von Vajolett ihre wogenden Bänder geschlungen. Wirklich Bändern gleich zogen sie sich hin, wie Rauchringel, die in breiten Strömen dahinfließen, langsam steigen, dünner werden und zergehen. Man ahnte nichts von der Steilheit und Pracht der Felsen, und es dauerte.lange, bis wir beinahe auf Der Höhe des Gartels standen. Ein kleiner See, wie der Welsche sägte, mehr ein bescheidener Tümpel, lag dort eingebettet. Wir schritten um ihn herum. Mein Führer, den die Norddeutschen befragt, hätte ihnen geraten, dort zu bleiben, von dort würden sie mit besten alles sehen. Sie lagerten sich nun. Ich aber ging ein Stück höher hinauf, ich fühlte kein Bedürfnis, mich zu unterhalten. Und dort, wo ich nun neben dem Führer saß, am Einstieg an der Rosengarten-« wand', sah ich unter uns die anderen. Ich fing ab und zu ein Wort von ihnen auf, aber konnte doch meinen Träumen überlassen bleiben. Es war kält. Der Dau hatte sich niedergeschlagen auf dem Gestein. Weit hinaus sah man die Riesenschutthalden, steil von unserem Standpunkt hinunterziehend in die Schluchten, die zur Bajoletthütte niederstiegen. Auf der anderen Seite des kleinen Hochtales, des Gartels', ragte die Laurinswand empor, auch sie noch von Nebelä bändern umschlungen. An ihrent Fuß hin lief durch das Geröll ein schmaler Fußsteig, der sich unter den Bajolett- türmen verlor. Oft hatte ich im Bilde gesehen, wie sie aufragten einem gotischen Dome gleich, in so unangreifbaren Wänden, so schmal, so fein nadelartig, daß man es nicht fassen konnte, wie jemand es wagen durfte, diese furchtbaren Felsen hinan- zuklettern und gar den Fuß zu setzen auf den schmalen Scheitel oben. 9hm sollten wir selber sehen, wie Menschen es unternähnren, in diese unnahbaren Heiligtümer der Natur einzudringen. , Ich gewahrte nichts, die Wolken hingen zu tief. Doch mein Führer zeigte mit dem Finger. Ich strengte die Augen an. Die Menschen, auf die der Welsche deutete, hoben sich zu wenig ab von dem grauen Gestein. Doch jetzt bewegten sie sich. Mit einem Mal hätte mein Auge sie entdeckt. Sie kletterten ganz langsam, einer über dem anderen. 9hm verschwanden sie im Nebel, der langsam niedersank. Ihre Umrisse wurden undeutlich, als glitte ein Schleier darüber, als verblasse das Riesenbild eines Projektionsapparates auf der Leinwand. Ich hatte meinen Feldstecher herausgenommen und blickte hinüber. Ganz Aufmerksamkeit, ganz Nerv. Nun setzte ich ihn enttäuscht ab. Aber da kam der Wind dahergebraust, und es war herrlich zu sehen, wie er von unten über unsere Köpfe hinwegfegte, wie, als er plötzlich den Nebel traf, der sich zerteilte. Von einer unsichtbaren Gewalt schienen die Dünste eingesogen, sie ballten sich zusammen, sie bildeten einen Trichter, sie. flogen auseinander, sie flatterten wieder aus. Ein Sonnenstrahl beleuchtete jäh das Bild, und an der Stelle,, wo er von hinten irgendwo über eine Scharte einfiel, flimmerte ein Stück Fels, ward hoch oben im Himmel. Erda sichtbar, Erde wie hier unten, die also doch mit uns in Verbindung stand, wenn anch gewaltig getürmt. Nun känipfte die Sonne mit den Nebeln. Ich schaute nicht mehr hinan, wo die Menschlein kletterten, ich sah hinauf zu den furchtbaren Türmwänden, an denen jetzt der Wind die Wolken hin- und h'erfegte, sie anprallen ließ, daß sie zerbarsten und zerbrachen. Ich sah eine Kuppe, einen Gipfel, nadelgleich, fein, scharf. IN einem Augenblick war er wieder verschwunden. Ein Prasseln ertönte. i— Steinfall! — sagte der Führer und stieß mich an'. Furchtbarer Donner klang, verzehnfacht durch das Echd. Ich sah ntich erschrocken um. In diesem Augenblick aber! spalteten sich die Nebel, der gewaltige Vorhang der Wolkenwand teilte sich von oben, bis unten, daß ich unter dem! Getöse und Geknatter des Steinfalls an die Stelle her Schrift dachte: Und der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei. Ja, er zerriß. Er machte die Türme frei. Rechts und links blieben noch Fetzen hängen, als konnten sie sich nicht trennen. Ein Band wob sich um die höchste Spitze des! Delagoturmes. Jin nächsten Augenblick entschwebte es, ward aüseinandergezogen, fortgewirbelt, weggespült, ich weiß nicht, wohin. Und nun brach die Nebelsonne durch hie grauen Wolken, flimmerte in ihrem Hellen Licht auf den Felsen, daß sie in allen Farben spielten, daß die Gipfel zu glühen begannen, daß die Wände Leben empfingen. Leben, denn wo Licht, da Sonne, und ivo Sonne, da Leben. Leben, das ich nicht mehr geschaut, das in meiner Seele keinen Platz mehr gefunden, da nur der Gedanke an den Tod mit seinen dunkeln Schwingen meinen Geist beschattet hatte. Ich sah die Sonne wieder mit geistigen Augen. Die Sonne, die ich tausendmal erblickt, unter deren glühenden Strahlen ich gelitten, und die ich doch nicht gesehen — nicht mit der Seele. Ich sah sie die jähen Türme umspielen, sah sie kämpfen mit den Nebelschwaden imb den Dünsten Der Tiefe, sah, wie das heitere Himmelslicht aufsog, was an Schleiern sich hier gelagert, was aus den Grüften und Schluchten zu steigen schien, was die Erde in ihrem Kampf mit dem! Himmel entgegenwarf dem Gottesgestirn. Und ich sah, wie der Himmel siegte, wie die schwarzen Wolken höher und höher stiegen, wie die Nebel flohen vor der Kraft des Lichts. Staunenden Auges gewahrte ich mit einem Male das Bild vor mir, das ich dort unten im Tal in allen Darstellungen, Zeichnung, Photographie, Gemälde so oft erblickt hatte: die Türme von Vajolett. Ich erblickte sie in ihrer fnrcht- baregi Steilheit, mit einem Kvpfschütteln fast, mit einem' Staunen, daß ich die Hände seitwärts aufstemmte, in das Gestein griff und laut rief: — Ah! Ah! Ah! Ich sah sie ragen, ganz gerade, ganz schmal, riesenhoch: mit der furchtbaren jähen Kaute, links der DclagoturiN mit seinem langen Riß, der Stabeler an ihn angelehnt, mit seinen unnahbaren Wänden der furchtbare Winklerturm, der nach rechts abstürzte in einer Niesenflucht bis ins Dali Die Felsen schienen unter dem Einfluß der Sonne zu leben. Durch die Scharten zwischen den Türmen brachen die Strahlen in gewaltigen Lichtkegeln, das Gestein begann Farbe anzunehmen, Rot, Violett, Blau und Grau unten in der Tiefe, wo noch alles int Dunkel lag. Es war, als drehten sich Milliarden Sonnenstäubchen jn einem wilden Tanz. Die Strahlen schienen sich zu spalten, wurden gebrochen, abgeleukt von ihrer geraden Fahrt vorn Himmel! herab, sie arbeiteten ein Hochbild der Felsen heraus. Und wie das Licht die Türme so umspielte, und wie ich staunend ans das Wunderschauspiel starrte, lachte mit einem Male rund nm uns der blaue Himmel. Wo waren die grauen Dünste hin? Hatte sie der Erdboden eingesogen?, Hatten sie sich in den Felsklüften versteckt? (Fortsetzung folgt.) Die internationale Hygiene-Ausstellung Dresden HOU. Von Dr. van Troy. V. K i n derf ü r s o r g e. Seit, einigen Jahren tönt von überall her der Ruf nach einer besseren und würdigeren Kinderfürsorge. Ueberall werden Säuglingsheime gegründet. Schulen für Minderbefähigte entstehen, der Staat nimmt sich der gefährdeten Jugend an. Daß all diese Bestrebungen sich zu einem großen Appell in Dresden zusammenfinden, daß sie auf ihre Errungenschaften stolz Hinweisen und auch ihre unerfüllten Wünsche dem Besucher ans Herz legen, ist einer der vielen Glanzpunkte von Dresdens Ausstellung, 847 =• Das.Menetekel der S ä ü g l i n g s ste r b l i ch k e i t Wicht mit seinen Zahlen zu uns. Die Armen- und die unehelichen Säuglinge stelleir dazu das Hauptkoiitingent. Mortalitätsziffern von 66 Proz. fBreslau) waren vor wenigen Jahren keine Ausnahme. Mer eine Intensive Arbeit privater Liebestätigkeit und Belehrung wie staatlicher Fürsorge hat cs vermocht, eine Assanierung anzubahnen:j die Säuglingssterblichkeit ist in den letzten zwei Jahrzehnten von 28,5 auf 20,3 Prozent gesunken. Viel trägt dazu die Belehrung der Mütter bei, daß die allein richtige Nahrung des Kindes die Muttermilch ist, und daß jede andere Nahrung im Vergleich zu Vieser ein elender Notbehelf ist. Wo nian aber aus sozialen oder persönlichen Gründen dazu greifen Muß, soll der Mutter die Belehrung zuteil werden, wie sie Schädigungen, die jede künstliche Nahrung in sich trägt, ausweichen kann. In den Wöchnerinnen- 1) einten und Säuglmgsfürsorgestellen wird ihnen diese zuteil. Bon dem Aufschwung dieser Institute und dem! Umfange ihrer Tätigkeit geben die Charlottenbürger Fürsorgestellen ein deutliches Bild-: 1905: 935 und 1909: 2449 Klienten. Daneben die Kosten 1905: 91000 Mk., 1909: 286 000 Mk, Und zuM Vergleich der Sterblichkeit in den 5 Fahren: 15,5; 14,1; 12,5; 12,7; 12,1 Prozent. Alles gewiß sprechende Ziffern! Findelhäuser Und Säuglingsstationen verschafften früher eine sichere Anwartschaft auf den Kirchhof. „Ici on fait mourir les enfants“; empfahl der große Napoleon als Ueberschrift solcher Institute. Was hygienische Maßnahmen vermögen, ivie ein hygienisches Krankenhaus das Befinden der Säuglinge beeinflußt, beweisen die vergleichenden Tabellen aus der Kinderkinik der kgl. Charitee zu Berlin. Als die Säuglinge in einem! alten, unventilierbaren! Haus lagen, das nicht einmal fließendes Wasser hatte, verließen nur 30 Prozent von ihnen die Station mit einer Gewichtszunahme, als eine Baracke gebaut wurde, schnellte die Ziffer auf 80 Prozent hinauf, um endlich in der mit allem hygienischen Komfort ausgestatteten neuen Kinderklinik 90 Prozent zu erreichen. Also überall schon viel erobertes Terrain, aber überall noch viel Land in Feindeshand! Aus der Hand fürsorgeuder Pfleger sehen lvir das Kind hmübergleiten in die Obhut der Kinderheime und Kindergärten, Doch bald ruft die Pflicht der Schule, Hier beginnt tvieder die Hygiene ihre Stimme zu erheben. Statistiken über die Längender Schulwege (Hannover), über das Arbeitspensum, über die^Ent- wicklung der Kurzsichtigkeit ■— ungefähr nach sechsjährigem Schulbesuch in höheren Schulen hat sich das MaximUM der, Myopie entwickelt —, schließlich auch die Uebersüllungen der Klasse:: legen die Neberzeugung nahe, daß noch manches faul in: Staate Dänemark ist. Gerade daß der letztgenannte Uebelstand so häufig auftritt, ist bedenklich. Ten weniger Begabten ist damit um so weniger Gelegenheit geboten, dem Unterricht folgen zu können. Sie bleiben tilg träger Satz am Boden. Ins Leben entlassen, bieten sie- ein gefährliches Anhängsel der Gesellschaft. Die Entlastung der Schulen von den Schwachbegabten ist ein dringendes Erfordernis, da ihre Zahl nicht unbeträchtlich ist. Hannover zählt unter 31OÖO Schülern mehr als 800 Schwachbegabte. Diese mehr oder Minden defekten Individuen werden in Hilfsschulen zu kleiner: Gruppen vereinigt. Durch besondere Methoden gelingt es sehr wohl, sie auf die Erfordernisse, die.das Leben an sie stellen wird, vorzubereiten. Dem Arbeitsunterricht ist natürlich nach, der Lage der Dinge ein größerer Raum als deM Memorierstoff gewährt. Psychologisch 'sehr interessante Zeichnungen solcher Hilfsschulkinder hat das hannoverische Schulmuseum ausgestellt. Je nach dem Grade ihrer Intelligenz entledigen sich die Kinder der Aufgaben, einfache Szenen des Lebens, z. B. das Kreiselschlagen eines Kindes, aus dem Gedächtnis zu reproduzieren. Auch schwachsinnige Kinder können durch Anschauungsunterricht gefördert werden. An einem Modell eines Kaufladens wird ihnen langsam die Unterscheidung der Waren, der Begriff des Kaufens' und Verkaufens erläutert, Aus lZink geschnittene Figuren, die zuerst einzeln, daun zusammen gezeigt werden und schließlich durch einen! Rahmen ein erzählendes Bild repräsentieren, bringen den Sinn einfacher Erzählungen, Märchen oder religiöser Geschichten nahe. Eine Kollektion von Schädeln Schwachsinniger aus der Irrenanstalt Friedrichsberg, bei Hamburg zeigt, welche physische Abnormitäten dem Schwachsinn häufig zu Grunde liegen. Ändere, nicht heiter stimmende Bilder ziehen uns vorüber an den Wänden, die der Fürsorgeerziehung gewidmet yind. Der Staat ist gewillt, für den gesetzlichen Erzieher einzütreten, wo dieser versagt, sei es fahrlässig, sei es, daß er zu schwach ist, seine Pflichten gegenüber den verderblichen Tendenzen, seiner Nachkommenschaft durchzuführen, Durch Fürsorgeerziehung hofft wer Staat, dem Verbrechen die frischen Zuflüsse abzuschneiden Und der Gesellschaft nützliche Glieder zu gewinnen. Hier ist noch alles im Anfang. Auch die Methodik ist noch keineswegs sichergestellt. Es ist heute durchaus noch eine ungelöste Aufgabe. Auch hier handelt es sich nur verhältnismäßig bedeutende Zahlen. Denn Preußen hatte im Jahre 1909: 8000 Fürsorgezöglinge, darunter 5500 männliche und 2500 weibliche. Die meisten von den Schulpflichtigen waren nur verwahrlost, zeigten aber keine schlechten Neigungen. Bei den schulentlassenen Burschen dominierte das. Landstrejchen, bei den Mädchen der Hang zur Prostitution, VI. .Die Rassen h Y g i e n e, 'Züm ersten Male wird!aüf einer Hygiene-Ausstellung, wahrscheinlich aber überhaupt znm cvstm Male auf einer Ausstellung, der Rassenhygiene Erivahnuftg getan. Es ist eine Disziplin allere jüngste!: Datums, noch ganz in den Vorarbeiten steckend und doch fdjioi: voll von radikalen Konsequenzen, So vielfältig ihre Unternehmungen vorläufig erscheinen mögen, so haben sie doch das! eine gemeinsame, daß es sich immer nur die Ermittelung der! Maßnahmen handelt, welche zu treffen sind, um die menschlich^ Rasse auf der Höhe zu halten oder sie dahin zu bringen. In diesem Zusammenhänge spielen die Probleme der Vererbung die! erste Rolle. Aber die Rassenhygieue,als Tockster der Natur- Wissenschaften holt weit aus. Mensch und Tier sind nur Spezialfälle, die unter dem Regime der allgemeinen Gesetze der Fortpflanzung stehen. Deshalb finden lvir in dieser Abteilung rekapituliert den heutigen Stand der Kenntnis vor: der Befruchtung, Das hypothetische Keimplasma, die Substanz, welche der Träger aller von einem Individuum auf seine nachfolgende Generation vererbbaren Eigenschaften ist,' erscheint in bei: Chromosomen, jenen färbbar en Körnchen, welche bei der Befruchtung des Eies entstehen. Auch die experimentellen Mißbildungen, die man je! nach.Wunsch erzeugen kann, iverden gezeigt (durch Verletzung des Eies, oder seine Verlagerung). Ebenso wird die Bastardierung/ —- einst eine Spielerei der Züchter, jetzt eine wissenschaftliche! Methode — gedacht, (der Kreuzung zweien verschiedener Tier- oder! Pflanzenarten). Als die Frucht langjähriger mühevoller Versuche treten dje Kreuzungen Prof. Winklers in Tübingen zwischen! Tomate und Nachtschattei: zum ersten Male! an die Oeffentlichkeitt die isogenannten Periktinealchimären und die echten Pfropfbastarde., Beide entstehen dirrch Pfropfung eines Reises aus den Stamni der anderen Art. Bei den Chimären ist die Kreuzung aber ge- wisserMaßen nur äußerlich gelungen, bei dem Solanum tubingense,' dem echten Pfropfenbastarü, hat man es mit der wirklichen, lange gesuchten Kreuzung zu tun. Andere Darstellungei: sprechen von dem Thema, das jetzt im Mittelpunkt des Interesses steht, der Mendelschen Regel. Diese gibt zahlenmäßig an, wie sich did Nachkommen zweier Eltern voi: diesen Und untereinander in ihren Gestalt unterscheiden. Nämlich, es sollen von der Nachkommenschaft! in der ersten Generation die Hälfte einen Mischtypus tragen, jq eines der beiden übrigen Viertel je einem! der Eltern gleichen,. Die weitere NachkomMeuschast dieser gleicht immer nur dem Ahn,, von be'nt sie abstammt. Der Mis.chtypus aber zerfällt in der! Nachfolge wieder nach demselben Prinzip: eilte Hälfte behält beut Mischtypus, die andere Hälfte schlägt zu gleichen Teilen auf die beiden Ahnen zurück. Diese! Mendelsche Regel kann auf alle! Verhältnisse der Vererbung angewandt iverden, so auf die Vererbung von Krankheiten wie Nachtblindheit oder Blutkraitkheit/ die beide durch viels Geschlechter hindurch eine .Familie heint- snchcn, Unter den 2116 Nachkommen der Familie Nougaret be- fa.nden sich 72 Männer und 63 Frauen, die nachtblind waren. Andere Probleme der Rassenhygiene beziehen sich auf Ahnenzahl, Ahnenverlust und Inzucht. Durch Inzucht degenerieren die Nachkommen und schließlich sterben die Familien aus. Neues Blut zuziiführen, ist daher notwendig. Aber es soll nicht von einer fremden Rasse stammen, denn Jiasseukreu,Zungen produzieren keine gute Nachkommenschaft. Andererseits ist es gar nicht möglich/ ganz neues Blut hinzuzuführen. Denn immer besteht schon eine Blutverwandtschaft. Das beweist die Formel für die theoretische Ahnenzahl. (A = 2 7/35, wobei A die Summe der Ahnen und 7 die Zahl der Jahre ist, zu denen man zurückrechnek.) Nach dieser Formel hätte jeder int Fahre 1906 Lebende an Ahnen haben müssen: vor 100 Jahren 8, vor 250: 128, vor! 1100: schon 2147. 500 000 vor 1500 : 8 Billionen und umi Christi Geburt 18 Billioneit 15 Millionen. Diese Zahlen sind zu absurd, als daß ihre Unmöglichkeit erst naher erläutert werde« brauchte. Beträgt doch die heutige Bevölkerung der Erde 1600 Millionen und die des römischen Kaiserreiches betrug 100 Millionen. Man kann aber aus den ungeheuerlichen Ziffern enS- nehmen, tote groß der Ahnenverlust jedes Lebenden fein muß.. Für Einzelsälle kann Man ihn, wenn genealogische Familientafelnl vorliegen, ziffernmäßig Nachweisen. Dies geschieht für die ägyptische Königin Kleopatra und für Kaiser Wilhelm II. Reiche Anlagen und Talente vererben sich häufig, wie aus denk berühmten Stammbaum der Mufikerfamilic Bach und den^Tafeln hervorgeht, die der jüngst verstorbene Schöpfer der Eugenik, Francrq Galton, zusammengestellt hat. Im allgemeinen aber ist gerade! die Fruchtbarkeit geistig bedeutender Menschen geringer, als fiel es sonst durchschnittlich ist. Für Holland ist die Fruchtbarkctlj aller 5,19, die der Gelehrten aber nur 2,60. Ein weiteres Kapitel ist die praktische Anwendung der Er- sahruugen, die bisweilen recht extreme Forderungen stellt, itc Schweizer Kantone haben feit einigen Fahren begonnen, soziale Schädlinge dadurch kalt zu stellen, daß man sie, allerdings mit ihrer Zustimmung, kastrieren ließ. Auch in den Bereinigten Staaten hat man in Indiana und Washington ein ähnliches Vorgehen beschlossen. Gewohnheitsverbrecher und Altöholiffeit sollen dadurch getroffen werden. Gerade die Nachkommenschaft letzterer ist durch Keimschädigung der Degeneration aM stärksten ausgesetzt. Such doch nach den statistischen Berechnung: vvn Dr. Bezzola dic r.mftciti Idioten in der Schweiz gewöhnlich neun Monate nach der Weinlese oder dem Karnevül geboren. , J Diese Auswahl vermag vielleicht deM Leser eine Ungefährs Vorstellung von den Fragen zu gefiei:, Mit denen die Rasteuhygrens sich beschäftigt. Allez ist hier noch im Wusse, Aber da von allen 348 Seiten an ihnen gearbeitet wird', darf man hoffen, daß sie in absehbarer Zeit auch greifbare Resultate wird auftveisen können. Auf der Dresdener Ausstellung bedeutet die Gruppe für Rassen- Hygiene, die Hinter dem Vorsitze des bekannten Münchener Hygienikers Prof, von. Gruber steht, eine Anziehung ersten Ranges. Aus der Geschichte des Branntweins. Die statistisch erwiesene Tatsache, saß der deutsche Brannt- weinverbranch sich in anhaltendem, wenn auch langsamem Rückgang befindet, bringt die Lobeshymnen in Erinnerung, mit der man dieses Getränk bei seiner ersten Einführung in Deutschland auinahm. Er kam, wie das Buch des Florentiners Thaddäus be-, weist, aus Italien unter dem' einschmeichelnden Aushängeschild eines geradezu wundertätigen Arzneimittels, das die Bewohner von Modena durch arabische Händler kennen gelernt, in Zeiten besonders ergiebiger Weinlesen zu brennen begannen und vorn Anfang des 14. Jahrhunderts an nach Süddeutschland exportierten. Der Kardinal Vitalis de Turno preist den Branntwein in jener Zeit als wahres Lebenselixier. Um 1360 wird er hier und da auch schon außerhalb der Apotheken verschenkt und im Jahre 1440 wird ein Likör, den sich Kaiser Friedrich III, in Graz nach seinem besonderen Geschmack bereiten ließ, als Aqua vitae Frederiei tertii in weiteren Kreisen bekannt. Michael Schrick, Doktor der Arznei- gelehrsamkeit, sagt in einem 1483 in Augsburg bei Anton Song verlegten Buch: „Wer alle morgen trinkt gepranten Win ein halbe löiel vol, der wird nymer krank" und zählt im Anschluß daran 37 einzelne Leiden aui, bei denen er als Medikament besonders wirksam sei. Im Jahre 1493 erscheint unter dem Titel „Wemder Gebrandt Wein nutz sey oder schad. Und wie Er gerecht oder sälsch- lich gemacht sey" das erste den Alkohol in deutscher Sprache verherrlichende Gedicht, das mit den Worten beginnt: Nach dem und nun schier yederman Gemaintlichen sich nymmet an, Zu trinken den gebrandten Wein, Soll hier seyn Lob gesungen feym Bald aber wendet sich das Blättlein. Die hessische Reforma- tionsordnung von 1509 bestimmt: „Wer gebrandten Wyn seil hat, soll niemandt gestatten zechen in synein Huse. Es sei Heilig- ober Werktag, sondern den gebrandten Wyn in synem Huse verknusen. Welcher oder welche das verbrechen, es sey Kauffer ober 93er- kauffer, sollen das verbüssen mit ber höchsten Buße und darzu ihren gebranbien Wyn verloren haben". Im Jahre 1558 wird sogar verordnet: „Wir finden zu verordnen, daß solch übermäßig Sanken des brannten Weines gänzlich abgestellt, und damit kein Gelach mehr, weder von Wirten, Bürgern, Bauern, Edlen imb Unedlen gehalten, auch der gebrannte Wein hierzu nicht, sondern allein kranken und gebrechlichen Manus- und Weibspersonen verkauft .werden soll. Die dagegen handeln, sollen des Branntweins verlustig sein, zur Hälfte für Uns, zur anderen Hälfte für euch, unsere Amptknechte." Die neuesten Forschungen haben dargetan, daß das wulkifrohe Rußland, wie eS sich auch von Rechts wegen gehört, allen anderen Ländern in der Einführung des Branntweins voraus war. Schon zur Zeit des heiligen Wladimir (980—1015) bezeichnete man ihn als die Freude des Volkes. Spätere Zaren waren aber dem Feuerwasser nicht wohlgesinnt. Wasilij III. Iwanowitsch gestattete das Branntweintrinken nur den Strelitzen, denen er aber in Moskau, damit sie die Bürgerschaft nicht zum Trinken verführten, einen besonderen Stadtteil erbaute. Boris Godunow ober meinte kurzweg, er wolle eher einem Ränder oder Mörder verzeihen, als einem, der es wagen würde, eine Branntweinschenke zu eröffnen. ______________ Vermischtes. * Ein witziger Librettist. Bon Sir Gilbert, dem Librettisten Arthur Sullivans, der, wie wir berichteten, plötzlich verstorben ist, werden in den Londoner Blättern eine Reihe von Beispielen seines gewöhnlich sehr beißenden Witzes erzählt. Bei einem Diner saß er einmal neben einem früheren Herausgeber des „Punch", als davon die Rede war, wie massenhaft täglich die Gin- sendungen von „draußen" bei der Redaktion einlieien. „Ja, sagen Sie," warf Gilbert ein, „kommt beim dabei niemals etwas Gittes mit?" „O doch, manchmal ist auch etwas dabei." „Dann verstehe ich es nicht," sagte Gilbert ruhig, „warum Sie n i e m a.l s etwas davon bringen." — Als Gilbert mit Sullivan in Newyork war, war er eines Abends als Glast bei einer Dame, die zu den „neuen Reichen" gehörte und sich als große Musikfrenndin auSgab, „O, Mister Gilbert," ließ sich die Dame vernehmen, „die Musik Ihres Freundes Sullivan ist wirklich zu entzückend. Sie erinnert mich immer an den reizenden Bach (gesprochen Bätsch). Sagen Sie mir doch, was tut denn dieser Bätsch jetzt? Setzt er wieder mal was neues?" „Ach nein, Madame," erwiderte Gilbert mit tödlichem Ernst, „er zer setzt jetzt." — Als Gilbert zum Friedensrichter ernannt wurde, sagte der Beamte zu ihm: „Sie haben ja das Recht studiert als ehemaliger Anwalt, Sie kennen es daher doch gut?" „Freilich," sagte Gilbert, „ich hoffe jedoch, daß Sie das nicht als em Hindernis ansehen werden." * Der Dauuien als' Charakker spiegel. „Bein? Fehlen eines anderen Beweises würde mich der Damnen von der Existenz Gottes überzeugen," so schrieb einst Isaac Newton, doch er mag wohl kaum daran gedacht haben, daß in späteren Zeiten die rührige Schar der Charakterdenter diesen Beweis für das Dasein Gottes zum Gegenstand tiefgründiger Betrachtungen über den Charakter der Menschen machen würden. Aber hig Charalterpropheten, die in jeder Bewegung, jedem Gestus, jeder Gewohnheit ein tiefes Symbol vom inneren Wesen des Meufchest sehen, haben nun auch den Daumen in den Bereich ihrer Betrach-i tungcn gezogen. An ihrem 'Damnen sollt ihr sie erkennen, so behaupten diese Scelenergründer, und eine englische Wochenschrift! gibt auch einige ergötzliche Beispiele von diesem System des Charalterlesens unter Zugrundelegung des Daumens. Wenn man den verräterischen Finger glätt an die Handfläche, anlegt »Ut.ds dabei findet) daß, sein Ende etwa 60 Millimeter von ber Spitze, vor dem zweiten Glied des Zeigefingers endet, so ist der Daumen normal gebildet, erreicht er das zweite Glied des Zeigefingers, so ist er lang, und bleibt er mehr als einen Zentimeter hinten dem zweiten Gliede zurück, so ist er kurz. Diese Feststellung ist für den Charakterdenter bereits von großer Bedeutung, beim die Beobachtung lehrt in Uebereinstiinmnng. mit der unendlichen Harmonie der Natur, daß ein normaler Daumen auf einen ruhigen, ausgeglichenen Geist schließen läßt, auf im Grunde ihres Wesens gütige und sympathische Menschen, die in allen Fragen des Lebens Extreme vermeiden. Der lange Daumen dagegen verrät seinen Besitzer als einen sentimentalen und sehr gefühlvollen Menschen, der aber zugleich ein lebenstüchtiger Bürger dieser Erde fein kann und über ein schönes Organisationstalent verfügen mag. Wer dagegen einen kurzen Daumen hat, kann int allgemeinen als ein Charakter angesehen werden, dessen Handlungen leicht von plötzlichen Impulsen bestimmt werden und der sich überhaupt zuviel dem Augenblicke hingibt. Solche Menschen haben meist auch eine Vorliebe für viele Worte, ja sie können geradezu schwatzhaft fein, aber jeder Appell an ihr gutes Herz wird sofort Widerhall finden. Ein Mann mit einem sehr kurzen Damnen wird als nnbeständigt hingestellt, er ist romantisch, in feinen Gefühlen schwankend und außerstande,ein Versprechen zu halten. Ein sehr dicker, plumper, Daumen läßt auf brutale Instinkte schließen. Ist der indiskrete Finger aber in seinen äußeren Umrissen gar etwas keulenförmig, dann hütet euch: fein Besitzer ist ein gewaltsames, rohes Temperament und neigt zu verbrecherischen Taten. In diesem Punkte werden die Hypothesen der Charakterdenter übrigens durch die Feststellungen des Bertillonschen Systems bestätigt, die gezeigt haben, daß alle Mörder am Daumen diese kenlenähnliche Form aufweisen. Zeigt der Daumen eines Bekannten eine leichte Krümmung nach rückwärts, so darf man sich angeblich auf ihn verlassen, er wird in keiner schwierigen Situation versagen. Er ist zwar'neugierig, hat aber auch Takt genug, nm in allen schwierigen Lagen zum Retter zn werden. Er ist edelmütig und verläßlich, nachsichtig, aber nicht leicht zu täuschen. Bei einer Fran deutet die gleiche Krümmung des Daumens ans ein wißbegieriges und enthusiastisches Temperament hin, sie kamt manchmal vielleicht sogar aufdringlich werden, ist aber im Grunde gut und gemütvoll, und jemand, dem man schwer zürnen kann. Nie soll man, so raten die Daumenpsychologen, einem Menschen vertrauen, der am Daumen einen ausfällig kürzen Nagel hat. Das ist ein Mensch, der seine Zunge nicht beherrscht. Entspricht die Länge des Nagels etwa der Distanz vom Nagelansatz bis zum ersten Glied des Daumens, so hat man es mit einer Persönlichkeit zu tun, die ein ausgezeichnetes Urteil hat, ihre Beschlüsse sorgsam faßt und auch genügend Energie zu deren Ausführung besitzt. Ist der Nagel aber sehr lang, so steigert sich diese Entschlossenheit fast zur Herrschsucht und Tyrannei, —• So, nun wissen wirs also! * Der Stuben t. „Möchten Sie nicht auch 'mal eine Seereise machen, Herr Spund?" —, Student: „Nein, ich mache lieber Bierreisen." * Kein Nachteil. Ziminervermieteriit: ,,. , $ . und dann hat das Zimmer Morgensonne." — Student: „Das macht! nichts, wenn nur die Vorhänge gut schließen!" » Magisches Dreieck. I Jn die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaachhhhii n n nur derart einzutragen, daß die einander eirt- ----------L-J sprechenden ivagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: -------1=”"* 1. Asiatisches Reich. ___ 2. Kampflustiges Tier. 3. Ein Fürwort. 4. Ist in Pennfylvanien zu finden. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Fronten — Beftame — OOnct — Morntiits — Ebinburg — Pyreiinen — Ferrnri; Frohe Pfingsten. 'edaktion : I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen,