Ml MR ■X' | STI 3 Mlii Tw Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlait. (Fortsedung.) (Nachdruck verboten.) Frau von Hilbachs Herz schlug laut; bange Ahnungen fliegen in ihr auf. Dieses Haus war wie ein böser Geilt, der sie folterte und erschreckte. War ein Schaden geheut, so gab es genuy schon einen neuen, und bte Miene der Frau Lengerich bedeutete nichts Gutes. „Ich würde ja auch heute noch geschwiegen haben," fuhr Frau Lengerich fort. „Kein Wort würde jch sagen, aber so wie heute war es noch nie. Mein ganzer Teppich ist verdorben, und rin Stück der Decke droht herabzufaUen!" ,,£), es regnet durch," rief die Pastorin, und Frau Lengerich sagte traurig: „Ja, es regnet durch; an sechs verschiedenen Stellen regnet es durch. Jch konnte wirk ich nicht länger schweigen. Schon vor vier Wochen war ich einmal aus der Treppe, um zu Ihnen zu gehen uni> es Ihnen zu sagen, aber dann tat es mir zu leid!" „Wären Sie man vor vier Wochen gekommen, Frau Lengerich," sagte die Kosy ärgerlich, „das wäre vernünftiger gewesen. Wer weiß, was das jetzt für Reparaturen gibt!" Frau Lengerich erschrak heftig. „O, ich hatte es gut gemeint!" Ihre Stimme klang, als müsse sie das Weinen gewaltsam unterdrücken. „Ich glaubte, es würde sich von selbst bessern und wollte Ihnen Unannehmlichkeiten ersparen. Es tut mir ja so leid, so unaussprechlich leid!" „Regen Sie sich nicht darüber auf, liebe Frau Lengerich !" beschwichtigte Frau von Hilbach herzlich. „Die Kosy wird morgen früh heraufkommen. Vielleicht ist es Nicht so schlimm, wie es sich anhört!" „O, ich bin Ihnen sehr, sehr dankbar!" Frau 'Senge» rief) verbeugte sich gegen beide Damen und verschwand lautlos. „Das ist eine schöne Geschichte!" zankte die Kosy. „Konnte die Gans nicht vor vier Wochen kommen? Denkt so eine verdrehte Schraube, das Dach macht sich von selbst heil und wartet, bis ihr die Decken über dem Kopf zusammenbrechen. Man soll s nicht sür mög ich halten!" Sie räumte vollends den Tisch ab, breitete eine gestickte Decke über die Platte, reichte Fran von Hilbach ihre Handarbeit und schob der Pastorin ihren Roman zu. Sie zögerte einen Augenblick an der Tür, und Joie Frau von Hilbach nichts sagte, meinte sie leise: „Jch werde nicht länger stören; gute Nacht meine Damen!" „Aber Kosy, was denken Sie? Cie werden doch nicht in der kalten Küche sitzen. Hier setzten Sie sich an Ihren Stammplatz vom vorigen Jahr und lassen Sie sich nicht nötigen!" Der Kosy kleine Aeuglein leuchteten auf; sie zog einen grauen Strickstrumpf ans der Tasche und setzte sich am ba4 äußerste Ende des Tisches. , Frau von Hilbach spannte ein neues Batrsttüchlein in den Rahmen und begann, ein feines Monogramm zu — sie stickte für ein Berliner Geschäft — und die Pastorin schlug ihren Roman der Gräfin Hahn-Hahn auf. „Doktor Faustinus" las sie zweimal, und dann erfüllte ihre singende;, melodische Stimme den kleinen, stillen Raum. Zweites Kapitel. ..Ein feines Tierchen!" sagte Frau von Koscyskowsky, „fühlen Sie mal den Speck auf der Brust!" Sie hielt einer alten Same, die an der Tür ihre« Wohnung stand, ein Suppenhuhn entgegen. „Eine Marr neunzig Pfennige — das ist kein Geld für so ein Staats- viel). Das gibt eine Suppe, da lecken Sie sich alle zehn Finger nach, und zweimal können Sie zu Mittag das Fleisch davon essen. Mit Reis gekocht und ein paar Tomaten dran — pikfein! Die Tomaten kriegen Sie als Zugabe; ich hab mir zehn Gläser eingekocht!" Die alte Dame sah zweifelnd auf das Süppenhuhnt sie verstand nicht viel davon. Der Zweck ihres Besuches bei der alten Gemüsehändlerin war ja auch keineswegs der, ihr etwas abzukaufen; aber dieses Weib war so zudringlich. Sie suchte vergebens das Interesse von dem gelobten Suppenhuhn abzulenken — mit Beharrlichkeit kam die Kosy darauf zurück. „Wie alt eigentlich die junge Frau Pon Hilbach sei," wollte die Dame, die drüben auf der andern Seite der Stadt wohnte, gern wissen. „Wie alt?" fragte die Kosy. „Ja, das kann ich leider selbst nicht sagen; ich denke aber so ungefähr zwanzig." „Ach, zwanzig?" meinte die Dame. „Sie hat doch ei« vierjähriges Kind!" „Na, dann wird sie wohl älter fein!" „Wie ist sie denn eigentlich zu dem Haus hier gekommen?" Die Kosy hielt wieder das Suppenhuhn hin. Sie hatte längst durchschaut, was die Giftschlange, die im ganzen Ort gefürchtet war, wollte. Aussorschen wollte sie sie — wollte wissen, wer die junge Frau unten war, und was sie besaß, und je mehr Trauriges sie hörte, desto höhnischer würde der eingesallene Mund grinsen. „Jawohl", dachte die Kosy, „du kennst mich schlecht!" Aber das alte Suppenhuhn wollte sie ihr zur Strafe aufhängen. „Wie die Frau von Hilbach zu dem Haus gekommen ist, müssen Sie wissen!? Ja, gnädige Frau, das ist eine lange Geschichte. Wenn ich die erzählen wollte, bn hätte ich eine halbe Stunde dran zu tun, und wenn Sie sich durchaus nicht entschließen können, das Suppenhuhn z« kaufen, dann muß ich nämlich gleich herüber zur Villa Grüning, die kausen's sofort." Die alte Dame machte ein verdrießliches Gesicht. DaÄ durchtriebene Weib war schlau. Kaufte sie, dann kriegte 14 sie was zu hören; kaufte sie nicht, dann erfuhr sie auch nichts, und sie wollte etwas erfahren, ehe sie heute nachmittag ins Kränzchen ging. Diese Frau von Hilbach war jetzt schon fast zwei Jahre im Ort, verkehrte mit niemand, und kein Mensch wußte näheres über ihre Verhältnisse. Daß aber nicht alles bei ihr stimmte, und daß es besonders mit den pekuniären Verhältnissen nicht zum heften stand, das war doch schon int Ort durchgesickert. Sie aber, die verwitwete Frau Apotheker Lehning, die vor kemem Menschen etwas zu verbergen hatte, deren Verhältnisse korrekt und unantastbar waren, sie wollte hier klar sehen; und wo konnte sie besser alle möglichen Details erfahren als bei diesem alten, dicken Weib, das unten die Wirtschaft Sie zog einen Handschuh aus, befühlte die Brust des Suppenhuhns, fand es zu teuer und wollte handeln, aber die Kost) ließ nicht mit sich spaßen. „Denn nicht — wenn's Ihnen zu teuer ist, Frau Apothekern — dann verkauf ichs nach drüben!" Dabei stand sie auf, begann das Huhn einzupacken und drängte die alte Dame nach der Tür zu. „Nun, ich will nicht so sein!" sagte die jetzt, zog ihr Portemonnaie, legte ein Zweimarkstück auf die Kommode und ließ sich zehn Pfennige zurückgeben. Um der Kosy breiten Mund flog etn Lachen. „Ich dank auch schöns gnädige Frau!" „So, nun erzählen Sie aber auch!" „So, nun soll ich erzählen?" fragte die Kos yer- skaunt. „Sie meinen wohl als Zugabe zu dem Suppenhuhn ?" Die Frau Apotheker war empört,, aber sie beherrschte „Ich habe die junge Frau öfter gesehen," sagte sie. „Sie ist mir sympathisch, und darum möchte ich gern wissen, Wie es ihr eigentlich geht." ,£), der geht's gut. Vor ein paar Tagen hatte fte schnupfen und Kops weh, aber wie sie dann heißen Tee getrunken hatte, war's vorbei." „Ach, das meine ich nicht!" „Das meinen Sie nicht?" „9?ein, wie es ihr sonst geht. Vor allem, warum sie eigentlich hier ist und wie sie an das alte Haus gekommen ist!" „Ja —, das Haus nmß ihr doch Wohl rechtmäßig gehören, denn sonst säße sie nicht brm und plagte sich damit ab." „Ja, warum plagt sie sich denn eigentlich? Das hat sie doch sicher nicht nötig?" „Wenn sie's nicht nötig hat, dann wird sie's wohl zum er zur die Dame bissig. Da wurde der Kosy großer Kopf puterrot, und thre Augen warfen böse Blicke auf das neugierige Weib. „Ne, Frau Apothekern, verstehen tu ich Sie schon. Sie wollen gern was zum Klatschen haben, und da. dachten Sie, hier wär die beste Quelle. Sind Sie aber fehlge- *■— --’nen Sie Vergnügen tun." „Ich glaube, Sie verstehen mich absichtlich falsch!" sagte fU o----------- --- .....— , . , ~ Zrau Kaufmann Häuflein; die erzählen, auch wenn Sie chnen kein Huhn abkausen. Von mir hören Sie keine gangen! Wenn Sie was erfahren wollen, dann geht Ihrer Freundin, der Frau, Oberlehrer Specht od Silbe — basta —" Und sie gab der aufs äußerste gereizten Dame deren Hände zitterten, das alte Suppenhuhn, geleitete sie bis zum Ausgang und schloß die Tür hinter ihr. — „Nu geht sie direktemang zur Spechten," sagte sie, als sie wieder in die Stube trat. Hinten, in der halbdunklen Ofenecke saß eine schmale Frans das war die Wirtssrau aus Lahrenfeld, eine gute, mitfühlende Seele Früher halte sie zur Kirchweih in Lahrenfeld die ganze Kocherei allein besorgt, aber seit drei Jahren, seit fie’S auf der Brust hatte, ging eS nicht mehr. Da hatte sie die dicke Polenwitwe um Aushilfe gebeten, und die war für Geld und gute Worte gern bereit, drei Tage und drei Nächte in der heißen Küche zu hantieren. Die Wirtssraltz, die von Jahr zu Jahr schmaler und blasser wurde, saß bei einer Tasse heißen Kaffees still in der Ofenecke; der weite Weg hatte sie angegriffen. Sie hätte die Magd herausschicken können, um die Kosy zur Kirchweih zu bitten, aber irgend ein Verlangen hatte sie getrieben, selbst zu fielen. Sie saß gern in .dem kleinen, warmen Stübchen am Bergabhang, atmete gern den mannigfachen Geruch von Gemüsen, Käse uno getrockneten Kräutern ein, und was sie am meisten Herzog, das war das Bedürsnis, mit einer teilnahmvollen Seele zu reden. , , Zu Hause war sie eine Fremde; niemand verstand sie, und man wartete auf ihren Tod, das wußte sie, aber es ließ sie gleichgültig. Sie war stumpf geworden gegen alle Roheit, lebte still ihre Tage hin und taute nur auf, wenn sie das Glück hatte, mit einem Menschen zu reden, der Teilnahme für ihre Lage hatte. „Ja, nu geht sie direktemang zur Spechten!" sagte die Kosy noch einmal und fing dann ungefragt .an, der schwindsüchtigen Wirtssrau vou ihrer Herrin unten zu erzählen. „Die hat auch ihre Hucke voll zu tragen," sagte sre, „und das Schlimmste ist, daß sie gar nicht ahnt, tote schlimm es steht. Wenn so eine, die's anders gewohnt ist, plötzlich rechnen muß, das ist ein großes Malheur!" „Hat sie denn gar kein Geld?" fragte die Wirtsfrau mit einem Gemisch von Neugierde und Teilnahme. „Kriegen tut sie wohl noch mal was, aber haben tut sie nicht so viel — außer der alten Bude hier, in der's vorn und hinten spukt. Hat man an der einen ©eite ein Loch zugestopft, tut sich gewiß an der andern Seite schon wieder eins auf, und das trägt sie all so ahnungslos Ivie ein Kind. Branchen tut sie ja nichts, lebt dahin wie eine von sechzig Jahren und grämt sich um das, was war, aber energisch eingreifen, wenn s nötig wäre — das versteht fic nicht." — Die Wirtin von Lahrenfeld schüttelte den Kopf, und die Kosy räsonierte weiter. „Ein Mann wäre ihr vonnöten wie die Butter aufs Brot — aber wo soll mau den hernehmen? Hier bei uns, too jeder aufs Reelle sieht und wo ein Mann nur eine tüchtige Frau brauchen kann--:--" Die blasse Frau schüttelte den Kopf. „Und was Besseres müßt's doch au ch schon fern!" meinte sie nachdenklich. „Jedweden heirat so eine doch auch nicht!" ' . „Ne, das tut sie nicht!" bestätigte die Kosy. „Ich fjätt ja eine Partie für sie, da könnt sie die Hände in den Schoß legen, — aber wenn der auch selbst genug Geld hat, ob er eine ganze Arme heiratet, das weiß ich nicht." „Wenn man auch nur genau wüßte, was in dem Kops von so einet all vor sich geht," fuhr die Kosy nachdenilich fort, „daun könnt man ja eher helfen, aber so--* — ■ „Wer ist sie denn nur eigentlich?" fragte die Kranke, und weil die Kosy nach einer Aussprache verlangte, erzählte sie, was sie wußte und was sie ahnte, und nach dieser Erzählung war Frau von Hilbach eine Märtyrerin, die für die Sünden eines leichtfertigen Mannes büßte, der all ihr Geld verpraßt hatte. „Und wenn er noch ein Jahr länger gelebt hätte, dann gehörte ihr auch das Haus nicht mehr, und sie säße mit dem armen, kleinen Wurm auf der Straße!" schloß sie ihre Erzählung und wischte sich eine Träne ans den Augen. „Solange ich, lebe, stehe ich ihr ja bei!" sagte sie noch leise. „Aber unsereins kann ja auch nicht viel aus-i richten!" , v (Fortsetzung folgt.) Zu wohltätigem Zweck. Humoreske von Reinhold Ortmann, (Fortsetzung.) Fräulein Mary aber fuhr eifrig fort: „Meine Freundiih bereit Namen ich Ihnen natürlich nicht preisgeben werde, IdyricBI mir, Sie gedächten sich auf einige Wochen nach Liebenthal zurück- zuziehen, um dort in ländlicher Stille und Einsamkeit Erholung zu suchen von den Anstrengungen Ihrer letzten Konzertreise und den gesellschaftlichen Strapazen des Winters. Daß Sie sogar so weit gehen würden, Ihren berühmten Namen zu verleugnen, (apeb. sie mir freilich nicht. Aber ich kann mir wohl denken, daß es für einen so gefeierten Künstler gar fein anderes Mittel gibt, lut) vor der Zudringlichkeit seiner Bewunderer zu schützen. Und toiei brauchen nicht etwa zu fürchten, daß mut alles umsonst gewesen! fei, weil ich Sie erkannt habe. Ich werde geimß keinem Menschen verraten, wer Ijinter dem angeblichen Hans Volckmar steckt. , Es macht mir das größte Vergnügen, die einzige Mitwisserin eines so. interessanten Geheimnisses in iejn, und ie langer die anderen! — 15 gelegenen Schwarzhof und eine gemeinsame Fußwanderung durch das Gebirge verabredet. Das kleine Lustspiel, das sich da ganz das Gebirg! . . , _________ ....... .. _ ohne sein Zutun zu entwickeln toten, mußte also nach Verlauf von vierundzwanzig Stunden ohnehin zu Ende sein, und vielleicht würde Fräulein Mary .Burnes Humor genug haben, später selbst darüber zn lachen. So trug denn das böse Prinzip in Hans Volckmars Herzeri den Sieg davon, und er tat den verhängnisvollen Sckrritt aus die abschüssige Bahn der Lüge, indem er sagte: „Abgemacht also, mein Fräulein, ich werde für Sie wie für alle anderen fortan nur Hans Volckmar ans M., nicht der berührte Klaviervirtuose Stanislaw Kamariuski sein. Nur durch ein solches Versprechen können. Sie mich daran hindern, sogleich wieder die Flucht zu ergreifen." „Abgenracht," erwiderte sie, rmd ihr leuchtender Blick beseitigte auch seine letzten Skrrrpel. Inzwischen waren sie wieder bei dem hölzernen Mr. Burnes dngelangt, und da die b eiben Rivalen schon bereit standen, um fid) in wildem Wettlauf auf Fräulein Mary zu stürzen, hielt es der junge Rechtsanwalt für das beste, sich zunächst ein wenig mit ident Papa zu besrettnden. Daß Mr. Gilbert Burnes auf seine Frage, wie ihm Liebenthal gefalle, mit der Versicherung antwortete, es sei „uondervoll", konnte ihn ja itidji gerade in Erstaunen setzen, daß er aber auch puf eine Bemerkung über die furchtbaren Ueberschwemmungen, die während der letzten Tage einige hochgelegene Ortschaften des Gebirges verwüstet hatteit. keine andere Erwiderung hatte als sein Mit unveränderlicher Leichenbittermiene vorgebrachtes „uonder-. voll", mußte in Hans Volckmar doch einige sehr berechtigte Zweifel «n der Möglichkeit einer ersprießlichen Verständigung mit dem Amerikaner wecken. Und er begrüßte Marys Rückkehr unter solchen Umständen mit doppelter Freude. Nie in seinem Leben hatte er fto köstlicher unterhalten als auf dieser Reunion in Liebenthal. Daß er die Freuden des Abends lediglich einer schnöden Versündigung gegen die Gebote der Wahrhaftigkeit zu danken habe, vergab er in den: Rausch seines Entzückens zuletzt ganz und gar. Anfänglich hatte er sich wohl geflissentlich bemüht, in seinem Geplauder mit Fräulein Mary alles zu vermeiden, was sie abermals auf die Erwähnung seines Doppelgängers Stanislaw Kamariuski, den er höchst undankbarerweise übrigens bereits von ganzem! Herzen haßte, hätte führen können. Später aber bedurfte es solchen .Bemühens gar nicht mehr. Sie sprachen lebhaft und angeregt von allen möglichen Dingen, die mit der Musik nicht das geringste zu schaffen hatten, und die munteren Antworten wie das häufige fröhliche Lachen der jungen Amerikanerin waren Betvets genug dafür, daß. auch sie sich in der Gesellschaft des vermeintlichen Virtuosen ketneswegs langweilte. So war um die elfte Abendstunde auch die letzte Galoppade dieser unvergeßlichett Reunion verrauscht, und Hans Volckmar würde.den dadurch bedingten Sturz aus all seinen Himmeln sehr schmerzlich empfunden haben, wenn ihm nicht Fräulein Mary kurz por der. Verabschiedung zugeflüstert hätte, daß sie mit ihrem Vater morgen nachmittag an einem Picknick in der Schweizermühle teil nehm en würde, und daß es recht hübsch wäre, wenn er auch hinlÄme. „Seien Sie ganz unbesorgt," fügte sie schelmisch hinzu, „soweit «s pn mir liegt, soll keiner von allen Tellnehmern ahnen, einen Wie berühmten Gast die Gesellschaft in ihrer Mitte hat." Das wirkte wohl für einen Moment auf den Rechtsanwalt Wie ein kalter Wasserstrahl, aber er hatte sich nun schon so rettungslos in das Netz der Lüge verstrickt und zugleich so tief tn Fräulein Marys blaue Augen geschaut, daß es kein Umkehren »md fein Halten mehr auf der schiefen Ebene gab. „Auf Wiedersehen also in der Schweizermühle," sagte er halblaut, als er sich beim letzten Gutenachtgruß vor ihr verbeugte, Und daun stürmte er in die laue Sommernacht hinaus mit einem Herzen voll überschwenglicher Glückseligkeit. II. War der Wend im Kursaal köstlich gewesen, so war das Picknick in der Schweizermühle einfach himmlisch. Fräulein Mary foctte zum augenfälligen Mißvergnügen verschiedener Kavalliere von hschklingenden Titeln und Namen bett gänzlich unbekannten Herrn Hans Volckmar zu ihrem erklärten Ritter erhoben, und er wich Jtotm für die Dauer einer Minute von ihrer und ihres Vaters krregeftihrt Werben, desto köstlicher werde ich mich darüber amüsieren." So rasch hatte sie das alles hervorgesprudelt, daß es ihm beim besten Willen unmöglich gewesen wäre, sie zu unterbrechen, und Juni wurde er mit Schrecken inne, daß er den rechten Augenblick für ihre Aufklärung schon versäumt habe. Er konnte sie jetzt Ittot mehr über ihren Irrtum belehren, ohne sie zugleich einer peinlichen Verlegenheit auszusetzen, die sie ihm gewiß niemals verzeihen würde. Und es war zudem so wunderhübsch, ein Gegenstand naiver Bewunderung und Verehrung für dieses schöne Ge- schöpfchen zu sein, von dessen angeblicher Kälte er bisher wahrlich nichts zu fühlen bekommen hatte. War es denn wirklich eüt so großes Verbrechen, sie noch für eine kurze Zeit bei einem Glauben zu lassen, der ihr selbst offenbar eine Quelle lebhaftesten Vergnügens war? Uebennorgen schon gedachte Hans Volckmar seinen Wanderstab weiterzusetzen, denn er hatte für diesen Tag mit einem lieben Studiengenossen ein Zusammentreffen in dem nahe- Seite. ML. Gilbert Burnes zwar begnügte sich, alles, was ihm gegenüber zur Sprache gebracht wurde, einfach „uondervoll" zu! finden, sogar mit Einschluß des Platzregens, der für eine halbe Stunde das Vergnügen höchst Programmwidrig störte. Hans Volckmar aber war sehr geneigt, ihn trotzdem für den . . treichsten und liebenswürdigsten aller Menschen zu erklären, einen sv sonnigen Abglanz warf in seinen Augen Marys holdselige Anmut und ihr bestrickender .Liebreiz auf alles, was in irgend einem Zusammenhänge mit ihrem zierlichen Persönchen stand. Wovon sie im Laufe dieses Nachmittags miteinander geplaudert hatten, sie selbst wären wohl kaum imstande gewesen, es zu sagen. Auch auf das gefährliche Musikthema war die junge Amerikanerin gekommen trotz aller diplomatischen Bemühungen des Rechtsanwalts, sie von diesem für ihn so schlüpfrigen Boden fernzuhalten. Aber die Gefahr war vorübergegangen, denn Hans Volckmar hatte sich zu feiner innigen Freude ganz auf die Rolle des Zuhörers beschränken dürfen. Und er war überzeugt, niemals ui kurzer Zeit so viel gelernt zu haben als in dieser Viertelstunde^ Und während der in großer Gesellschaft unter inzwischen wieder aufgehelltem, freiem Himmel abgehaltenen Abendtafel hatte er Gelegenheit, noch eine andere liebenswerte Seite ihres Gemüts kennen zu lernen. Jemand, der tags zuvor die vom Hochwasser geschädigten Ortschaften besucht hatte, entwarf eine sehr lebendige! Schilderung von dem dort angerichteten Elend und von der bejammernswürdigen Lage, in der sich die ihrer Häuser und ihrer Habe beraubten Dörfler befanden. Da fehlte es denn natürlich nicht an allerlei mitleidigen Aeußerungen, und einige besonders! zartfühlende Seelen waren von dem Bilde der da oben herrschenden! Not so sehr erschüttert, daß sie große Mühe hatten, ihre Festesstim- mung durch eine gesteigerte Zufuhr von Pfirsichbowle und kaltem Geflügel wiederherzustellen, Fräulein Mary Burnes aber, obwohl kein .Ausruf des Entsetzens und kein Wort des Mitgefühls von ihren .Lippen gekmnmen war, legte Messer und Gabel still auf den Teller, und als sie auf eine Frage Hans Volckmars diesem ihr »Gesicht zukehrte, sah er, daß die hellen Tränen in ihren Augen! funkelten. Das also war die eiskalte Amerikanerin, der es nach der Versicherung des Herrn von Sternberg ein so besonderes Vergnügen .bereitete, auf geknickten Männerherzen spazieren zu gehen I Noch .in keinem Moment während der Dauer ihrer kurzen Bekanntschaft batte er sie so hinreißend schön gefunden als mit diesem Ausoruck tiefen Ernstes in den feinen Zügen und mit diesen in feuchtem Glanze schwimmenden Augen. Während des ganzen Wendessens blieb sie im Gegensatz zu ihrer vorigen Munterkeit nachdenklich und schweigsam, obwohl ringsumher die Wogen der Fröhlichkeit längst wieder sehr hoch gingen. Mannigfache Aeußerungen der Betrübnis wurden er ft) wieder laut, als der Vergnügungsmarschall verkündete, daß es Zeit fei, sich für die Heimfahrt zu rüsten, die auf großen, laub- gesckMÄckten Leiterwagen angetreten werden sollte. Für Hans! Volckmar und Mary blieb kaum noch eine Gelegenheit, unter vier) Augen miteinander zu reden. Junge Herzen aber, zwischen denen) Gott Amor seine unsichtbaren Fäden zu spinnen begonnen hat, sind merkwürdig erfinderisch in der Kunst, solche Gelegenheiten) fcmd) da zu schaffen, wo kein anderer Sterblicher sie ausfindig gemacht haben würde. Und so geschah es, daß sie ohne alle vorher-, gegangene Verabredung plötzlich weit abseits von dem lauten' Schwarme beieinander standen, beide erfüllt von der Gewißheit?,, daß dies einer der bedeutsamsten Augenblicke ihres Lebens feL und doch beide so stumm und verlegen, als ivüßten sie sich auch), nickst das kleinste interessante Wörtchen zu sagen. Mary war es, die das Schweigen brach, und Hans Volckmar! fühlte sich seltsam ergriffen von dem weichen, kindlich zaghaften Klang ihrer Stimme, als sie zaudernd und stockend sagte: „Ich bin traurig über das, was wir da vorhin gehört haben.. Wie kläglich ist es doch um die vielgerühmte Nächstenliebe bestellt, datz die große Gesamtheit der Reichen und . Glücklichen nicht einmal das Mittel findet, solchem herzzerreißenden Elend auf der Stelle, wirksam zu begegnen! Ich glaube, in dieser ganzen Tafelrunde, die sich durch die Schilderung des schrecklichsten Jammers nicht! einen Augenblick den Appetit verderben ließ, befand sich kein einziger, dem man ein wirklich großes und erhabenes Opfers im Dienste der Nächstenliebe zumuten dürste." „Ich weiß nicht, Fräulein Burnes, ob dieses harte Urteil gerecht ist, aber ich hoffe, daß es nicht für alle ohne Ausnahme! Geltung haben soll." . . ., . „O, ich möchte von ganzem Herzen wünschen, daß ich eine Ausnahme machen dürfte" — und noch leiser, noch beklommenei! fügte sie hinzu: „eine Ausnahme zu Ihren Gunsten." „Tun Sie es immerhin," rief Hans Volckmar mit Wärme, „Ich gehöre leider nicht zu den Glücklichen, die mit vollen Händen geben können, um die Not ihres Nächsteti zu lindern. Vor einem Opfer aber, das zu bringen meine Verhältnisse und meine Kräfte mir gestatten, würde ich gewiß nicht zurückschrecken, ^ch wollte, daß ich etwas recht Schönes und Großes vollbringen könnte, mir! Ihre gute Meinung zu verdienen." Sie schwieg eine Weile, dann sagte sie, ohne ihn anzusthenk „Vielleickst könnten Sia es. Aber Sie sollten sichs doch noch überlegen, ehe Sie mir etwas versprechen. Würden Sie doch möglicl-er- weise auf die Erfüllung eines Wunsches verzichten miifieii, dest Ihnen augenblicklich sehr am Herzen liegt," — 16 Daß sie ttt'Ä fitff Stanislaw Kamäriitski zu sprechen meinte, Hafte Haas Volckmar fängst vergessen. So vollständig hatte fte sich daran gewöhnt, ihn immer nur mit seinem wirklichen ocamen xn nennen, daß er zuletzt des Irrtums, der seines Glückes Urheber war, gar nicht mehr gedachte. Und tn der Grregm^g dieses Augenblickes vollends, wo alles in ihm glühte und stürmte Htnt> jubelte, wie hätte er sich da an diesen verwünschten Klavier - virtuosen erinnern sollen? „Fordern Sie von mir, was Sie wollen, Fräulein Burnes. Es gibt keinen Wunsch, aus den ich nicht unbedenklich Verzicht leistete — ausgenommen den einzigen Wunsch, mich Ihrer Freundschaft und Ihres Vertrauens würdig zu erweisen." „Sie würden mir also nicht böse sein, wenn ich mir erlaubte, auf diese Erklärung hin über Sie zu verfügen — ganz eigenmächtig Mld nach meinem Belieben, wie wenn ich zu allem von vornherein Ihre ausdrückliche Zustimmung hätte?" „Unbedingt! Aber möchten Sie mir nicht sagen, worin die Probe bestehen soll, der Sie mich zu unterwerfen gedenken?" „Nein, das kann ich noch nicht. Es ist nur erst eine Idee, von der ich nicht einmal weiß, ob sie sich überhaupt ausführen lassen wird. Und vor Morgen kann ich Ihnen keinesfalls Näheres darüber sagen." „Aber ich werde morgen nicht in Liebenthal sein, Fräulein Buntes. Eine Verabredung, die sich nicht mehr rückgängig machen läßt, ruft mich nach Schwarzhos." Sie blickte auf, und er las in ihrem Gesicht, wie sehr sie erschrocken war. , n , „Sie wollen fort? Ich habe Sie also doch vertrieben?" Er hätte ihr ja nun eigentlich sagen müssen, daß es sich da Um eine längst getroffene Uebereinkunst handle, und daß sein Ausentl-alf in Liebenthal von vornherein nur auf einige Taga berechnet gewesen sei. Aber die Vorstellung, daß er sich dann für immer von ihr verabschieden und ihr zugleich das Geständnis jener Schuld ablegen müsse, die sie ihm nimmermehr verzeihen konnte, warf alle seine Zukunstspläne über den Haufen.^ Nach Sctzvarzhof mußte er freilich, daran ließ sich nichts mehr ändern. Aber die beabsichtigte Fußwanderung durch das Gebirge könnt« recht wohl von dem Programm gestrichen werden. Der Amtsrichter Herlling war ja ein so lieber und verständiger Mensch. Er würde ihn gewiß gern von seinem Versprechen entbinden, wenn er erfuhr, toa§ seinen Freund so unwiderstehlich nach Liebenthal Knrückzog.. So glaubte sich Hans Volckmar zu der Erklärung berechtigt, daß er schon am Abend des nächsten Tages wieder zurück sein würde, und daß Fräulein Mary sich nicht mit Vorwürfen zr, beunruhigen brauche, well da von einer Flucht eben ganz und gar keine Rede sei. „Und Sie werden ganz gewiß wiederkommen? Sie versprochen es mir fest und fen.ftch?" , ...... „Gewiß, ich verspreche es Ihnen. Und ich soll wirklich nicht «fahren, was Sie mit mir Vorhaben?" „Nein, jetzt erst reckst nicht," sagte sie kopfschüttelnd und mit einem schelmischen Lächeln. „Sie haben sich mir auf Gnade oder Ungnade überliefert, und Sie müssen Ihr Schicksal jetzt über sich «gehen lassen, wie hart es auch sein mag." 1 Er hatte eine bedeutsame Antwort auf den Lippen, aber da tauchte plötzliskh neben ihnen die unwillkommene Gestalt des Herrn von Sternberg auf, der mit etwas boshafter Betonung erklärte, man würde genötigt sein, ohne die Herrschaften abzusahren, wenn sie noch länger auf sich warten ließen. In der Gesellschaft dieses Mensckstn war natürlich an eine Fortsetzung des vorigen Gespräches nicht mehr zu denken, und auch während der Heimfahrt inmitten eines Schwarmes ausgelassener, lärmend« Menschen bot sich tonen keine Gelegenheit dazu. Erst als Mary dem Rechtsanwalt zur Verabschiedung die Hand reichte, fand sie eine Möglichkeit, ityra zuzuflüstcrn: „Sie bereuen Ihre Zusage also nicht, und Sie versprechen noch einmal, mir nicht böso zu sein, was auch immer ich auf diese Zusage hin unternelMe?" „Ja, ich v«spreche es, Fräulein Mary," vermochte er nur dien noch hastig zu erwidern. Dann fühlte er einen so warmen lnnd kräftigen Druck d« kleinen, weickstn Hand, die in der feinigen ruhte, daß er meinte, plötzlich alle sieben Himmel Molwmnieds vor sich aufgehen zu sehen, und daß er aus dem Wege nach seinem Quartier allerlei schimmernde Lustschlösser von schivindelnder Höhe baute, (Fortsetzung folgt.) * Der moralisch gesäuberte Karl Gerok ist neulich in seiner schiv bischen Heimat in sein dichterisches Recht wieder eingesetzt worden. Die würtiembergischen Volksschulen bekamen nämlich ein neues Lesebuch, das sich auch schnell in Schule und Haus eiubürgerte und ein echtes Volksvuch barfiellt. Die mit feinem Eniwurs betraute, aus Schulmännern bestehende Kommission nahm vom allen Lesebuch das schöne Gedicht Karl Geräts »Das beste Kreuz" herüber, in dessen erster Strophe sich im alten Lesebuch die Stelle sand: Und ftr-uf sich, bis den Ehrenloh» T>e 'Untier und die Braut Bet Jubelrus tmd Glockenton Am Einzugsfeste schaut, während die neue Ausgabe die ursprüngliche Fassung wieder her» stellt, die also lautet: Und freut sich, bis den Ehrenlohn Tie Mutter und die Braut Slnt s ch m ucken Schatz, am braven Sohn Beim Siegesheiwzug schaut. Wenn selbst der Dichter der „Palmblätler", der evangelische Prälat, Oberkonsistorialrat und Oberhofprediger keine Gnade bet den strengen Wächtern der pädagogischen 'Dioral sand, dann sind allerdings „moralische Emendationen" weltlicher Poeten leicht verständlich. Uebrigens macht der „Schiväbische Merkur" aus einen komischen Unterschied in der Wiedergabe des Liedes „Deutschland, Teiltjehland über alles" ausinerksam. Wenn zur Erlimerungsfeier an die Ausrichtung des deutschen Kaisertiims dieses patriotische Lied von den Schülern der höheren tuid der Volksschule augestimmt wird, die mikiiuier im selben Schulgebäude untergebracht sind, so preist der GlMliiasiast und der Realschüler im zweiten Vers nach seinem Schulliederbuch deutsche Fraiieii, deutsche Treue, delitschen Mut und deutichen Sang, während der Volksschiil« sich nach seinem Volksschulliederheit von „deiitschen Sitten, deutscher Treue, deutschem 'Dhit und deutschem Sang" begetftern lassen soll und von deutschen Frauen nichts zu wissen braucht; den deutschen Wein hat man beiden entzogen! * Wie Victor Hugos Erstlingswerk entstand. Von der großen krftischen Gesamtausgabe der Werke Victor Hugos, die Gustave Simon veröffentlicht, ist soeben wieder ein Band erschienen, der auch die beiden ersten Prosawerke des Dichters, die Siomane „Han-d'Js lande" und „Bug-Jargal", enthält. Ter Herausgeber erzählt in sein« ausführlichen Einleitung die Geschichte dieser beiden «ften Schriften, die in dem leidenschaftlichen, frühreifen Tichtergeiste des achtzehnjährigen Gymnasiasten entstanden. Schon damals war erfüllt von fein« Liebe zu Adsle Foucher, dre er spät« trotz des Wld«strebens d« beiderseitigen Familien heiratete. Ter Roman „Han d'Jslande" spielt in diesem romantischen Verhältnis eine große Rolle, denn sein Ertrag sollte dem jungen Paar die Möglichkeit der Heirat gewähren. „San d'Jslande" erschien im Jahre 1823; aber die spät« verösfenb- lichte Erzählung „Bug-Jargal" ist noch früher entstanden, obwohl sie erst später h«auskam. Sie ist Hugos Erstlingswerk. Er war damals 18 Jahre alt und batte mit seinen Schulkameraden während d« Ferien gesellige Zusammenkünfte organisiert, die all- monatlich bei einem kleinen Restaurateur namens Edon ftatt» sanden. Beim Dessert mußte jeder d« Teilnehm« eine Probe von dem zum Besten geben, was er während des Monats ge» tan hatte. Eines Tages hatte einer der 'jungen Leute einen Einsall. „Wißt Ihr, was wir tun müssen?" fragte er seine Kameraden. „Wir müssen alle zusammen ein Buch machen. Wir vereinigten uns zu diesen Tiners, vereinigen wir uns auch zu einem Roman." „Sprich dich deutlicher aus!" hieß es von allen Seiten. „Nichts einfach«. Wir nehmen z. B. an, daß Offiziere am Vorabend ein« Schlacht sich gegenseitig Geschichten erzählen, um die Zeit tot zu schlagen, in der Erwartung, daß sie die anderen totschlagen werden vd« daß man sie totschlagen wird. Tas wird uns eine gewisse Einheitlichkeit geben, und wir haben zugleich die größte Mannigfaltigkeit für unsere verschiedene Art. Wir veröffentlichen die Sache dann anonym, und das Publikum wird entzückt sein, in einem einzigen Buch alle Arten des Talents zu finden." Mait nahm den Plan mit Beifall auf, und jemand schlug vor, einen bestimmten Termin festzusetzen, an dem das Werk fertig sein müsse. „Sehen wir zu, wievtel Zeit wir noch haben?" „Fünfzehn Tage," sagte Victor Hugo, und während die anderen thn überrascht anfaljen, erklärte er, daß die Sache in dieser Zeit ganz gut zu machen fei. Wirklich las etj fünfzehn Tage darauf sein Manuskript vor und wurde von seinen jungem Zuhörern mit Beifall üb«häuft. „Bug-Jargal" war damals nur eine Novelle und «schien erst 1825 in einer von Hugo gegründeten Halbmonatsschrift, dem „Conservateur litt- raire". Hugo arbeitete damals die Novelle ganz um und schrieb sie zum großen Teil ganz neu. So entstand nun ein Roman, der 1826 veröfsentlicht ivurde. Ms Verfass« war „der Autor von Han d'Jslande" genannt, des Romans, durch den Hugo fidj unterdessen einen Namen gemacht hatte. Ratsei. Bestie — Bundesrat — Denar — Despot — England — Gebo. — Glückskind — Istrien — Weide — Wiedenbrück. Die vorstehenden Wörter sind derart zu ordnen, daß di« Ankanassilben hintereinander gelesen einen Vers aus GoetheS .Iphigenie" ergeben. (Auslösung in der nächsten Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Wer im Zorn handelt, geht im Sturm unter Segel. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ick«» Iluioersiräls-Buch- und ©icmbruderei, R. Lange, Wietzen.