Donnerstag den 6. Juli KJ -, - * ■Mi B 'v il I 1 H N U i Das nette Mädel. Roman von Fedor von Zobeltt^ (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) , Eberstedt faltete die Hände. Jetzt schwamm wieder über seinen Augen das flache Wasser gewohnheitsmäßiger Lie- benswurdigkeit. „Oh," wiederholte er, „warum behandeln Vie mich so schlecht, Fräulein Köhler? Womit habe ich das verdient?" Wenn er besonders artig sein wollte, bekam seine Stimme eilten süßlichen Beiklang. Das fand Traute sehr häßlich Sie hatte das unbestimmte Gefühl, als treibe Everstedt mit allen um ihn nur seinen übermütigen Spaß. Über sie war vorsichtig genug, sich Ur Empfinden nicht merken zu lassen. „Seien Sie nicht böse," sagte sie, „es war nicht mehr als eute Redensart. Uebrigens kann auch eine Laune heilbringend sein, wenn sie gut ist." „Ich danke Ihnen," entgegnete Everstedt, „dies Wort söhnt mich wieder aus . . ." Er verneigte sich mit scherzhafter Würde und nahm ihre Hand. Sie fühlte, daß er sie mehr drückte, als nötig war; die Spitze des Nagels an seinem kleinen Finger preßte sich in ihr Fleisch. Das verwirrte sie; ein zartes Rot stieg in ihre Wangen. Run war es abgemacht, daß Traute auch mit nach Wörres'hoop kommen mußte. Man war sich ganz klar darüber: es mußte Aufsehen erregen, wenn Mels Kruse das Arrangement des Maifestes übernehmen würde. Mels Kruse — der Name war schon ein Programm. Die Mädchen befanden sich in großer Erregung. Die Bürgermeisterstochter schwabbelte unaufhörlich; ihr stand der Mund nicht still. Sie Hatte auch starken Mut. Die Eltern — ah, nach den Eltern fragte man gar nicht! Die wurden überrumpelt. - Wenn alle dabei waren, konnten sie nicht nein sagen. Man fuußte nur ein wenig diplomatisch zu Werke gehen und ihnen nicht gleich von der bevorstehenden „Gesindelsaison" Strafpredigten halten,. Übrigen kümmerten sich die alten um f!- " " - Auch den Herren machte die Sache Spaß. Es konnte zweifellos sehr pikant iverden, wenn alles glückte. Und daran war nicht zu zweifeln. Die alte Goldene Horde hätte 1 »s-HA .in der Hand. Die.Arrangements aller großen Festlichkeiten gingen von ihr aus — Und nun trat ja auch Everstedt wieder an die Spitze. Der der regierte; gegen ihn trat sogar der Bürgermeister und der Handelspräsident zurück. Im kümmerten sich die alten Herren überhaupt nicht der Stadt; die Frauen waren viel mehr zu fürchten. Aber auch sie sollten überrumpelt wer- schimpfen und ihren Töchtern Ja, die Töchter! Mürsinna schmunzelte und warf unter halb gesenkten Lidern einen Schiefblick auf die wispernde Rotte Kora. Ein ihn als Dichter reizendes psychologisches Moment sprach da mit. In allen diesen kleinen Weiberseelen steckte ein leiser Hang für das Sensationelle, ein unbewußter Zug zum Regellosen. Keiner von ihnen konnte man etwas nachsagen, i Gott bewahre! Mer wenn m em Schuft wäre — diese reizenden Knospen wären leicht zu berchen. So dachte Walter Mürsinna, der Poet. Und ähnliches dachten auch die übrigen Herren. Sie taugte nicht viel, diese goldene Jugend. Und der nun wieder ihr Führer werden sollte, der taugte am wenigsten, und es steckte doch der beste Kern in ihm. Aber es war einer, der einmal an seiner spöttischen Weltverachtuna zugrunde gehen konnte. Herr von Avedon umschnüffelte wieder Suse Appelmann. Die stämmige Rhederstochter hatte es ihm angetan. Sie war recht hübsch in ihrer weißen Drallheit. Aber der Sprachlehrer mit dem verlorenen Märauisat sah noch mehr auf die Millionen des Paters. Der Konsul Friederiei hatte seine Minen gelegt. Er wollte dem Freunde helfen — und selbst dabei sein Schäfchen ins Trockene bringen. Er liebte derlei heimliche Geschäfte, die man diskret handhaben mußte, die aber viel abwarfen. Traute Köhler sagte plötzlich adieu. Ihre Schwester sei krank, sie müsse nach Hause. Und da fiel auch Herrn Everstedt ein, daß er sich nach dem gebrochenen Schlüsselbein seines Niggerjungen umtuen müsse. Das sei ein verflixter Junge, der es nicht im Wette aushalte; Everstedt sagte, er werde ihn wohl noch festbinden müssen. Nun wollte alles auseinander flattern. Aber Eva Del- brück wurde böse. Es hätte doch nicht jeder eine kranke Schwester und einen kranken Negerboy zu Hause. Und dann! fragte sie rasch: „Lili, ziehst du zur Radfahrt nach Wörres- hoop deine Bloomers an?" Jetzt wurde die Kostümfrage besprochen, und da blieb man noch. Auch die Herren wollten initreden; es handelte sich um interessante Kleidungsstücke. Draußen half Everstedt Traute in ihr Jäckchen. „Ich habe mein Auto unten, gnädiges Fräulein," sagte er. „Darf ich Sie heimfahren?" Sie zögerte einen Augenblick mit der Antwort. Dann bejahte sie dankend. Es schmeichelte ihr doch, von dem vielbegehrten Löwen geleitet zu werden — noch dazu jn seinem Automobil. Freilich schoß ihr im Moment darnach die bange Frage durch den Kopf, ob es auch Passend sei. Aber nun hatte sie einmal zugesagt. „Ach was," murmelte sie leise und steckte mit heftiger Bewegung die Radel durch ihren Hut. Der Kraftwagen war halbverdeüt. Everstedt legte sorglich die gesteppte Decke über die Kniee Trautes. „Sitzen Sie bequem?" fragte er. Es war ein törichte Dräste, M nickte, Wan saß wMe.rp.oK in den Micherp mit russischem Leder überzogenen Polstern. Die Huppe klang, und mm ging es los. Es war das erste Mal, daß Traute in einem Kraftwagen fuhr. Fast ängstigte sie sich ein wenig. . Das Gc- fährt raste durch die Straßen; aber der Ehaus;eur verstand sein Geschäft: er'lenkte mit gewandter Hand, und nur ein einziges Mal mußte er kräftig stoppen, so daß der ganze Wagen erzitterte. Da bog die Equipage der Gräfin Hönigswald, der Gattin des Kurdirektors von Sonderkroog/unerwartet rasch um die Ecke, und beinahe hätte es einen Zusammenstoß gegeben. Die Gräfin erschrak, grüßte dann aber freundlich und drohte Ever- stcdt scherzend mit dem Zeigefinger. Mm erst sah sie Traute, kannte sie jedoch nicht. Ihre Züge wurden neugierig. „Die Hönigswald," sagte Evcrstedt; „eine hübsche Frau, aber sie hat einen Fehler. Ihr Gesicht ist wie ein Buch oder ein Brief. Man kann von ihren Zügen ablesen, was sie denkt, und -gewöhnlich auch, was sie im nächsten Augenblicke sagen wird." „Das ist hübsch und zeugt von ihrer Offenheit." „Nein, das ist dumm und zeugt von ihrem Mangel an Beherrschung." ' „O je, was sind Sie für ein herber Kritiker!" . Er lachte. „Doch nicht. Eigentlich bin ich recht gutmütig. Wer etwas ist mir affrös: die lächelnde Albernheit." Traute stutzte. „Nun haben Sie sich wenigstens einmal selbst verraten," sagte sie. „Sind wir nicht alle sehr albern, die wir eben zusammen waren." „Mit einer Ausnahme — mit Ausnahme von Ihnen." „Ach, Herr Evcrstedt, jetzt werden Sie liebenswürdig. Man hat Ihnen gegenüber immer ein unsicheres Gefühl. Man iveiß nie, wie Sie es meinen." „Diesmal meinte ich es ganz ernsthaft. Daß Die ungleich gescheiter sind als das sonstige ehrenwerte Gesipp der Goldenen Horde, merkte ich schon vorhin an einer Meußerung." „Wie ich Ihre Vorschläge eine Caprice nannte?" „Jawohl. Damit trafen Sie im Grunde genommen das Rechte." „Es war nicht schwer. Sie dürfen nicht vergessen, daß Sie bei uns eine bekannte Persönlichkeit find, sogar eine recht bekannte." „Merci. Der unverbesserliche Tunichtgut, der sich auch auf den Weiden Amerikas nicht ein bißchen Bernnnft angc- suttert hat. Gnädigstes Mädchen, es ist wirklich nicht so schlimm. Ich kann getrost behaupten: ich bin besser als mein Ruf. Was freilich nicht viel sagen will." „Bitte — Sie können sehr stolz auf Ihren Ruf sein, und das ist eigentlich das Drollige. Ihnen verzeiht man alles. Ich bin auch überzeugt, inan wird Ihnen schließlich vergeben, daß Die mit der Kolonne der Hundertundcius in pnsre Gesellschaft einbrechen wollen." „Das ist das, was Sie eine Laune nannten." „Ja. Aber ich möchte beinahe glauben, daß die Laune doch .noch Zwecke verfolgt." „Natürlich. Ich habe sie ja erklärt. Ein Feldzug gegen die Vieux bonnets, die Schlafmützen und Zopf- perücken." „So sollte es scheinen. Und persönliche Gründe haben Sie weiter nicht?" Jetzt trafen sich beider Augen. Im Blick Eberstedts lag es fast wie ein kleiner Schrecken. „Sind Die Gedankenleserin?" fragte er. „Nein. Aber ich kombiniere zuweilen. Vor Jahresfrist .verstanden Sie es, Tini Sandratt in die Gesellschaft einzuführcn. Vielleicht liegt Ihnen heute daran, die Bcr- tucci zu lancieren." Eberstedt hlieb einen Augenblick stumm. Dann hog er sein Zigarettenetui und lachte dabei hell und fröhlich auf. „Zweifellos, Fräulein Köhler, das ist gut kombiniert," rief er. Aber auch die Klugheit kann irren. In diesen: Falle" ... er unterbrach sich . . . „wie kommen Sie um Gottes willen auf die Sandratt?!" fragte er. „Nun ja — ich hatte einmal Interesse für sie, ein persönliches und natürliches — sie ist ein nettes Mädchen, gut erzogen, anständig, Hanne famille, alles mögliche —■_ aber — „Aber nun ist das Interesse vorbei." „Jede lebhafte Natur zieht den Wechsel dem Ms- harren vor." Der Magen hielt, und Traute schickte sich an, auszusteigen. „Auf diese Wendung," sagte sie, „die ich keineswegs Phrase nennen will, müßte man Ihnen ausführlicher ant- lvorten. Dazu habe ich jetzt keine Zeit. Schönsten Dank für Begleitung und Anfährt." Er war voran aus dein Wagen gesprungen, und nun gab sie ihm die Hand. Er drückte sie wieder kräftig und sah dabei, daß ihre Handschuhe verwaschen waren. Jetzt glitt auch ein rascher Blick über ihr Kostüm; er hätte Auge für derlei: es war ärmlich zurechtgeschneidert. Er hatte den Zylinder gezogen. „Zu danken habe i dj gnädiges Fräulein. Also vergessen Sie nicht: übermorgen um zwei am Alten Dor. Auf Wiedersehn!" Er blieb am Wagen stehen, bis sie in das Haus getreten .war. Dann stieg er wieder ein, und das Auto beschrieb einen Bogen und schütterte und stöhnte dabei, als sei es verärgert, sich in dieser wenig vornehmen Gegend! aufhalten zu müssen! Evcrstedt äugte neugierig umher. Diese Gegend kannte er gar nicht. Wo war man denn? Es mußte schon ganz- in der Nähe des Hafens sein. Richtig — da drüben wurde der eiserne Kuppelbau der großen Markthalle fidjtbar — itnb da auch der Türm der Petrikirche. Noch einmal schweifte der Blick Eberstedts zurück über das gelbe Haus mit dem etwas vorspringenden ersten Stockwerk und den hölzernen, wurmstichig gewordenen und verblichenen Firmenschild „Otto A. Köhler", lind da kam ihm die Erinnerung zurück. Otto A. Köhler — Felle und Häute —- Grossist in bescheidenem Maßstabe, sogenannte kleine Leute — ehrliche Bescheidenheit, die sich wacker durch das Leben schlug . . . Er lehnte sich tiefer in die Polster, um nicht Bekannte grüßen zu müssen. Es hätte auch keinen Zweck, sich ausfragen zu lassen. Der Wagen mußte langsam fahren, da der Güterverkehr an dieser Stelle besonders lebhaft war, und schließlich zog der Chauffeur es vor, einen Umweg durch die weniger benützten Nebenstraßen zu nehmen. Da kain man in ein verrufenes Viertel. Eberstedt entsann sich: hier irgendwo wohnte ein garstiges altes Weib, eine Pfandleiherin, die gegen klingenden Lohn auch sonst zu allerhand Diensten brauchbar war. Und es flog etivas mic der Widerschein eines erkältenden Schattens über sein Gesicht. Er dachte an eine flüchtige Liebschaft mit einem Handwerkerstöchterchen aus der Ostrauer Vorstadt: ein Stückchen Tragik in seinem buntschillernden Leben. Das lag Jahre zurück, aber es war noch heute dazu angetan, ihm die Stimmung zu ver- schenchen. Die Gedanken glitten weiter. Der Spaß mit der Ber- tucci war auch zu Ende, da ihm diese kleine Köhler in die Karten geguckt hatte. Ein verteufelter Schlankopf — und! ein Müdelchen, das mit den frischen Lippen auch die schalste Blasiertheit zerblasen konnte. Zweifellos ein nettes Mädel: hübsch, wenn auch keineswegs von siegender Schönheit. Vor allen Dingen leine Spur elegant. Ein ärmliches Dingelchen mit klugen Guckern unter dem aschblonden Stirngelock und' einem reizenden Munde. .Aber alles das hatten andere auch. „Es lohnt sich nicht," sagte sich Eberstedt. Und fügte: in Gedanken hinzu: „Bleiben wir bei der Bertucci. Schon nm die Hohenpriester zu ärgern" . . . Aber auch die Lust, der Welt zu spotten, war schwach geworden. Er fühlte sich recht müde, der junge Löwe: ein Zustand, der in letzter Zeit öfters wiedergekehrt war und in dem er sich manchmal^ fragte, ob es nicht unterhaltsamer sein würde, von Grunds aus ein anderes Leben zu beginnen. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Postwesens im Großherzogtum Hessen. Bon M. Koehler und R. Goldmann. 9. Die ersten Anfänge einer Landbestellung. 1823. Die Auswechslung der Briefposteu zwischen den einzelnen Postanstalten erfolgte int allgemeinen durch reitende Boten. Nur in Oberhesscn zwischen 1. Alsfeld und Neukirchen, 2. Lauterbach und Fulda, Lauterbach und Schlitz, 3. Nidda und Gedern wurden die Briefposteu durch Fußboten befördert. Diese waren von deh Taxisschen Verwaltung nur für diesen Dienst angenommen und hatten eine Landbestellung im heutigen Sinne nicht anszüführm.. Die Bestellung der Postsendungen nach Orten ohne MstanflalkZ 415 MrÄ Einsanrmlung daselbst ititS Beförderung zur nächsten Post- anftalt lag den Großh. Amtsboten ob. Diese Einrichtung hatte zwar int 17. und 18. Jahrhundert dein schwächen Verkehr der Landbevölkerung genügen können, entsprach ift:6cr dem gesteigerten Verk'ehrsbedürfnis des 19. Jahrhunderts, nicht mehr und wurde daher durch Verordnung vom 18, März 1823 aufgehoben. B An die Stelle der Amtsboten traten in jedem Landratsbezicke 1 bis 2 Bezirksboten, die auf Kosten des Staates „zum Zweck der Spedition von Dienst- und anderen Schreiben zwei Mal in der Woche" bestimmte Rundgänge auszuführen hatten. „Privat- schreiben, Pakete, Zeitungen und Wochenblätter für Individuen und Gemeinheiten" mußte jeder Bote gegen die durch Ministerial- erlaß. vom 9. Dezember 1824 veröffentlichten Gebühren mitnehmen Und bei der nächsten Postanstalt abliefern. Es wurden erhoben: für Briese und Pakete unter 1 Pfund 2 Kreuzer, über 1 his 2 Pfund (ausschließlich) 3 Kreuzer und für jedes weitere Pfund 1 Kreuzer mehr. Für die Neberbringung von Regierungsblättern, ferner für Zeitungen und Wochenblätter betrug die Gebühr jährlich '45 Kreuzer. Zur Beförderung boit Wertsendungen waren die Bezirksboten nicht verpflichtet. Wurden ihnen mit der Post ein- gegaugene Wertsendungen auf Wunsch des Empfängers zur Be- 'stellung übergeben, so erfolgte diese lediglich ans Gefahr des Empfängers, da sie nicht als „fortgesetzte Spedition durch die Post" galt, und der Staat keine Verantwortung für Verluste übernahm. Ebenso hatte der Postbeamte, der ohne allgemeinen oder besonderen, Auftrag des Empfängers eine Wertsendung einem Bezirksbotcu zur Bestellung übergab, für etwaigen Beclnst zu hasten. (Mini-, sterinlerlaß, vom 16. November 1836.) Das Bezirksboteuwcscst blieb bis zum Jähre 1863 bestehen, zu ivclchcr Zeit die Landbrief-, Bestellung - von der Taxisschen Postverwaltung übernommen und für deren Rechnung ausgeführt wurde, 10. Postordnung und Tarife vom Jahre 1824. Bereits 1812 hatte die Großherzogliche Ober-Postinspektiön zur Beseitigung der mannigfaltigen Tarife in den alten und neuen Gebietsteilen des Großherzogtums Verhandlungen mit der General- direltiou der Großh. Hess. Posten wegen Aufstellung eines Generaltarifs für Brief- und Paketsendungen, sowie für die Personenbeförderung cingcleitet. Diese konnten aber zunächst ivegcu der Kricgsunruhen nicht abgeschlossen >verden und zogen sich später wegen der in Rheinhessen aus französischer Zeit bestehenden hohen Portosütze in die Länge. Erst nach Vollziehung des Postlehns- vertrags von 1818 wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen Und int Jahre 1824 zu Ende geführt. Durch Ministerialerlass vonr 16, April 1824 traten für die Großh. Hess. Brief- und fahrenden Posten neue Tarife und Bestimmungen in Kraft, und zwar: 1. die Tabelle über die Progression der Brief-Porto-Taxe; 2. der allgemeine Tarif über das Briefporto im Großhcrzogtum; 3. der Tarif über das Porto nach dem Gewicht für die Großh. Hess, fahrenden Posten; 4. der Tarif über das Porto nach dem Wert (bei Versendungen von Geld, Kostbarkeiten, Papieren von Wert) für die Großh. Hess, fahrenden Posten; 5. der Tarif über die Personeutaxe für die Großh. Hessischen Posten; 6. die Be- stimmuugen über Gegenstände der Briefpost und 7. die Bestim- mnngen über die fahrende Post. Das Briefporto wurde nach der Entfernung und nach dem Gewicht berechnet. Tie Entfernungen zwischen den 38 Post-anstalten des Großherzogtums und das für jede dieser Postanstalten ausgerechnete Porto für den einfachen — bis Ve Lot ----- 15Vs Gr. -schweren — Brief waren aus dem allgemeinen Tarif über das Briefporto zu ersehen. Für die inländischen Sendungen, d. h. für Briefe, die innerhalb des Großherzogtutus blieben, galt die Vergünstigung, daß für Briefe unter 1 Lot die einfache Gebühr, für solche von 1 bis 2 Lot ausschließlich die anderthalbfache und für Briefe von 2 Lot die doppelte Gebühr zu zahlen war. Bei Briefen, die das Gewicht von 2 Lot überWegett, wurde das Porto Mach der „Progressionstabelle" berechnet. Ein Brief von Erbach nach Schlitz (26y2 Meilen, die weiteste ■ Entfernung innerhalb des Großherzogtums) im Gewichte von mehr als ].2 Lot, aber unter 1 Lot, kostete z. B. nach dem allgemeineni Tarif 12 Kreuzer (34 Pfg.), bei einem Gewichte von 2 Lot (2x12=) 24 Kreuzer und bei einem Gewichte von 4 Lot laut Progresfionstabelle 54 Kreuzer. Auch das Porto für Pakete wurde nach der Entfernung und dem Gewicht berechnet; so waren für ein 10 Pfund (5 Kg.) schweres Pichet von Darmstadt nach Schlitz (Entfernuitg laut Allgemeinem Tarif 18 Meilen) 1 fl. .12 Kr. (2 Mk. 6 Pfg.) zu zahlen. Die Beförderungsgebühren für Wertsendungen richteten sich stach der Entfernung und der Höhe des Wertes; es betrug z. B. das Porto für die Uebermittlnng von 1000 fl. von Darmstadt nach Schlitz 3 fl. 26 Kr. (5 Mk. 90 Pfg.). Heute beträgt das Porto für einen solchen Wertbrief 70 Pfg. und für ein- 5 Kg. schweres Wertpaket 80 Pfg. Nach dem Personen-Darife zahlte man für die- Meile: in der Diligence 36 Kreuzer, imi Eilwagen 40 Kreuzer; Kinder unter -4 Jahren wurden nicht aufgenommen; Kinder von 4—10 Jahren zahlten die halbe Gebühr. Außerdem! hatte jeder Reifende zu Kahlen: a) die gewöhnliche Einschreibgebühr 4 Kreuzer; b) dem Wägenmeister am Abfahrtsorte 9 Kreuzer; c) dem Postillion bei der Diligence für die Meile 4 Kreuzer. Bei den Eilwagen wurde Postillions-Trinkgeld nicht erhoben. Die Gebühr für einen PlaA in dem Lokäl-Eilwagen von Darntstadt nach Frankfurt war aus- nahmsweife auf 1 fl. 48 Kr. (3 Mk. 9 Pfg.) und für einest Platz von Darmstadt nach Frankfurt und an demselben Tage zurück aus 3 Gulden (5 Mk. 14 Pfg.) ermäßigt. Von den Bestimmungen über die Briefpost find folgende be- merkenswert: Alle Briefe nach Orten, wo Posten unter Fürst!. Thurn und Taxisscher Verwaltung sich befanden, ferner nach Preußen, Sachsen, Bayern, Hannover, Baden, Biecklenbtirg, Braunschweig und Oldenburg konnten entweder ganz unbezahlt abgesendet oder bei der Ausgabe bis zum Bestimmungsort frankiert Werben.: Die Briefe nach außerdeutschen Staaten waren fast sämtlich dem Frankierungszwange unterworsen; so mußten solche nach Spanien bis zur spanischen Grenze, solche nach England bis zur Meeresküste und Briese nach Nord-Amerika bis Hamburg bezahlt werden; für letztere wurde noch ein Zuschlag von 24 Kreuzer wegen des. Seetransportes erhoben- Di.e Versendung der Briefe war von derjenigen der Pakete streng getrennt. Erstere wurden durch die Brief-Post, letztere zusammen mit den Wertsendungen durch die fahrenden Posten befördert. Für die Drucksachen, d. h. nicht eingebundene' Druckschriften! bis zum Gewicht von 1 Pfund, wurde erhoben: 1. nach Baden, Bayern und dem Taxisschen Gebiet die Hälfte der Taxe eines einfachen Briefes und für das weitere Gewicht der vierte Teil des auf das Gewicht fallenden Briefportos; 2. nach Hannover und den freien Städten Bremen,. Hamburg und Lübeck die Hälfte des Briefportos; 3. nach dem Königreich Sachsen $/» des Briefportos.: Für rekommandierte (Einschreib-) Briefe, für die im Verlustfalle ein Ersatz 'von 25 fl. gezahlt wurde, waren außer dem tarifmäßigen Porto bei der Auflieferung 4 Kreuzer für einen Postscheiu Uud bei der Aushändigung an beit Empfänger ebenfalls 4 Kreuzer! Einschreibgebühr zu entrichten. Die Briefseudungen jeder Art mußten spätestens eine Stiinbe vor der Abgangszeit der Post eingelicfert fein. Nach den Bestimmungen über die fahrende Post durfte ohuS Wertangabe kein Gegenstand (Akten, Rechnuitgen und der gl. Pnpierei waren ausgenommen) zur Beförderung mit den fahrenden Posten angenommen werden. Der Aufgeber konnte die Sendung sogleich bei der Auflieferung frankieren oder sic unbezahlt abschicken; auf Verlangen und gegen eine Gebühr von 4 Kreuzer erhielt er einen Einlieferungsschein, Die Aufgabe der Pakete mußte 2 Stunden vor dem Abgänge! des Wagens und bei den nachts ober früh morgens ab gehenden! Posten am Tage zuvor erfolgen.- Den Paketen nach Bayern, Badem, Württemberg, Herzogtum Nassau und den außerdeutschm Staaten! mußten Inhaltserklärungen (Deklarationen) beigefügt werden. Ferner mußten alle größeren nicht in Papier gepackten Poststücke, z. B. Koffer, Mantelfäcke usw., mit eigenen Begleitungsbriefeiil ober Frachtbriefen, die bis zum Gewicht von 1 Lot portofrei befördert wurden, versehen und die Stücke selbst mit Buchstaben ober! anderen Zeichen nebst dem Bestimmungsort bezeichnet fein. Die; Mit den fahrenden Posten ankommenden ©enbuitgeit wurden von dem Packer ober Wageiimeister gegen eine Gebühr von 4 Kreuzer fiir ein Paket von unter 100 Pfund und von 12 Kreuzer für! schwerere Pakete in die Wohnung der Empfänger bestellt. Mit Briefen angestillte Schachteln, Kisten ober Pakete durften durch die fahrenden Posten nicht versendet werden. Im Entdeckungsfalle wurde für jeden Brief eine Hinterziehuugsstrafe von 1 Gulden erhoben. Bares Geld in Säcke verpackt war von der PostbeförderunÄ ausgeschlofseii. Briefe., worin Geldstücke yersaudt werden sollten, müßten ofsest zur Post gebracht und im Beisein des Postbeamten, nachdem derselbe das Geld nachgezählt und richtig befunbeit hatte, mit dem Privatfiegel des Aufgebers und dem Postamtsfiegel verschlossen werden. Für diese Bemühung des Postbeamten waren ohne Rücksicht ans den Betrag der Versendung 2 Kreuzer zu entrichten. (Fortfetzung folgt.) Zur Entdeckung Carrelr. Tr. Alexis Carrel, der Chirurge des RockescUer-Jnstttutes in Neuyork, der auch, diesseits des Ozeans durch seine außerordentlich kühnen, aber erfolgreichen O r g a n ü b c r p f l a n z n n- gen bekannt geworden ist, ist gegenwärtig, wie schon mitgeteilt, auf dem Wege, der Chirurgie ein neues Gebiet zu erschließen. Gemeinsam mit Tr. Montrose T. B ur r o w s hat er eine g a uze Reihe von Versuchen angestellt, bei denen es ihm gelungen ist, lebenswichtige Organe vom Tierkörper außerhalb des Körpers nicht nur längere Zeit lebend zu erhalten, sondern mich zum Wachstum zu bringen, und er hofft, diese ärztliche Errmtgen- schast schließlich auch für den Mensche n nutzbringend anwenben zu können. Nach beut Berichte, den er selbst m dem „Journal of Experimental Medicine" veröffentlicht, bas das Rockcfeller- Jnstitut herausgibt, hat, wie gleichfalls schon erwähnt, seine ersten Versuche mit Teilen von tierischen Nieren, mit Knochenftncken mit der Milz, einzelnen Drüsen des Halses und mit Hautstücken, gemacht. Allen Versuchen gemeinsam ist, baß ein Stück, eines völlig hcransgeschnittcnen Organs,, das in bestimmte. Flüssigkeiten gebracht würde, dort nicht iwr seine Lebcnsfahtgkech 416 Vermischte» jneit, Siicherüsch. ,, ~,Stiebens Reiseführer, Band 62: „Nürnberg"- 14. Auflage. Verlagsbuchhandlung Albert Goldschmidt, Berin W. 35. Der sympathische Griebensührer „Nürnberg" ist soeben in 14. Auflage erschienen. Die 4 vorzüglichen Karten und Grundrisse bilden eine willkommene Ergänzung. Alles in allem ein empfehlenswerter Ratgeber. «ebattion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniversttSts-'Buch. und Stein'd'rückereh R. Lange, Dietz.» Katsei. Fange em Tier aus dem Walde, enthaupte es, füg' ein vaar Stückchen Kreide dazii, eins vorne, dagegen das aiidre nn’S Ende - Saftig und süß wird es schmecken, ein Labsal bei drückender Sille Kem Vegetarier könnte die „fleischige" Speise verschmähen. -Auslösung in nächster Nummer - Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummerr M E D E A ERIS DIS E 8 A | und dickste kleine Kind der Welt zu seinen künftigen Steuerzahler,« zu zählen. In dem Dorfe Mount.AivH residiert der kleine James Adolph Cody, der jetzt glücklich zwei Jahre und drei Monate alt ist, aber sowohl durch seinen Appetit als durch seinen Körperumfang Anspruch darauf hat, als seltene 1 Sehenswürdigkeit zu gelten. Schon bald nach Erscheinen I des kleinen James Adolph auf unserem Erdball mußten die | Eltern erfahren, daß ihr Söhnchen über einen mehr als goto», I gesegneten Appetit verfügte. Man zog zwar bald einen Arzt I zu Rate, aber je strenger die verordnete Diät war, je lauter I wurden auch die Schreie irach Essen, mehr Essen. Nun hals I der hoffnungsvolle Kleine bei seinen zwei Jahren und drei Mo- I titelt eine Größe von 99 cm erreicht, und sein Nacken hat einen Umfang von 36 cm, und in der „Taille" mißt dies Wunderkind nicht weniger als 91 cm. Die Arme zeigen oberhalb« des Ellenbogens den Umfang von 30,5 cm, die Oberschenkel ftnd gar 41 cm dick, und der Umfang der Waden mußte mit "3 em festgestellt werden. Trotz dieser Körperentwicklung schläft das Bübchen ausgezeichnet, ist vollkommen gesund und kräftig, und sein Appetit stellt den manches erwachsenen Menschen in den Schatten. Sein Frühstück besteht gewöhnlich aus drei oder vier großen Brötchen mit Schinken, Butter oder Sirup, wozu zwei Glas Buttermilch und zwei Tassen Kaffee getrunken werben,; zwischen Frühstück und Mittagessen werden noch zwei tüchtige Buttcrsemmeln verzehrt, mittags gibt es einen großen Teller Kohl oder Gemüse mit , Schinken und Brot, und wenn James Adolph das Glück hat, einen Pudding zu erwischen, so ißt er ihn flatti. allein auf. Wenn er dann am Nachmittage noch einige tüchtige Erfrischungen zu sich genommen hat, hat er zum Abendessen gerade den richtigen schönen Appetit. * D e r Di eb s fan g m i t d em L as s o. Von einer tapferen tungen Dame, deren Name jetzt in Neuyork in aller Munde ist, weiß eine amerikanische Zeitung ein nicht alltägliches Abenteuer zu berichten. Die junge hübsche Miß Jane Litmar befand sich allein in der ihrem Bruder gehörenden kleinen Eisenhandlung. Da trat ein großer, starker, breitschultriger Geselle in den Laden, leerte einen schweren Sack voll allerlei Eisengerät aus und fragte das junge Fräulein Jane, ob sie vielleicht diese Sachen kaufest wolle. Die junge Dame erkannte einige der Gegenstände und erwiderte, trocken: „Wir verkaufen, wir kaufen nicht, vor alleist aber nicht Gegenstände, die uns gestohlen worden sind. Diese Geräte entstammen unserer Werkstatt." Der fremde Mann, der Riley hieß, wurde grob, und mit drohender Gebärde packte ev seine Sachen wieder ein. und wollte sich entfernen. Indessen aber hatte Miß Jane kurz entschlossen, ein Knäuel grober, kräftiger Schnur genommen, gemächlich eine Schlinge gemacht, und als der Fremde den Laden verlassen wollte, schwirrte dieser improvisierte Lasso durch den Raum, die Schlinge legte sich genau um Nacken und Hals des Diebes, ein Ruck, und der kräftige Manu lag röchelnd am Boden. Die junge Dame aber ging gelassen aus Zeteptyon, rief die Polizei, und als die Schutzleute kamen, war der Dieb )» hilflos, daß man ihn zunächst in ein Krankenhaus schaffen mußte. , * Ein Mißverständnis. „Sie, Mali, heute habe ich wieder bemerkt, daß Sie sich von dem hübschen Fleischerburschest küssen lassen. Von morgen ab werde ich das Fleisch selbst vost dem kecken jungen Menschen übernehmen." — „Strapezieren ©’■ Jhna net, grat’ Frau, er hat mir feierlich versprochen, daß et! nie eine andere küssen wird." * Am Stammtisch. „Warum machen Sie denn ein so betrübtes Gesicht, Herr Doktor?" — „Ach, mir ist soeben eist Patient gestorben!" — „Na, da trösten Sie sich nur, der wäre vielleicht auch so gestorben!" _ * O.weh! „Sehe ich meiner Mutter wirklich so ähnlich, Herr Meier? — „Ja, Fräulein Alma, zum Verwechseln!" Vehielt, sondern nach einiger Zeit das Wachstum wieder stuf na hm. Im Körper wäre das Organ nun, wenn es einem erwachsenen Tiere entnommen wäre, nur ganz unwesentlich weiter gewachsen oder hätte nur unbrauchbar gewordene Teile durch neue ersetzt, außerhalb des Körpers in der Flüssigkeit aber konnte das Wachstum weiter gefördert werden. Je nachdem, um was für Organe es sich handelte und wie alt die Tiere waren, denen sie entnommen waren, wuchsen die herausgeschnit- feiten Stücke verschieden schnell. Die Nährflüssigkeit bestand dabei aus Blut, dem destilliertes Wasser und einzelne Salze, hauptsächlich Chlorkalium zugesetzt waren, oder auch in einer Mischung von Salzlösungen mit der Flüssigkeit, die das Organ im Tierkörper umgibt. Alle Organe bilden bei tiefem Wachstum die ihnen eigentümlichen Zellen weiter, so daß das Organ also wirklich wächst. Bei Drüsenorganen, die erwachsenen Hunden heraus- geschuitten waren, begann das Wachstum nach 36 bis 48 Stunden, flammten die Drüsen dagegen von ganz jungen Hunden, so fing das Wachstum schon nach 10 oder 12 Stunden an. Bei den Nieren fing das Wachstum erst nach 4 oder 5 Tagen an; Knorpelgewebe und Stücke vont Bauchfell wuchsen während der ersten drei Tage ganz langsam, dann aber nahm das Wachstum während der nächsten zehn Tage außerordentlich stark zu. Natürlich hat Dr. Carrel die Wachstumserscheinung sorgfältig mit dem M i kroskop beobachtet. Das Wachstum beginnt mit einer Körnelung der Randflächen der Organstücke; von hier aus fetzen sich die neugebildeten Zellen ganz allmählich an unb ,eiL.nf ¥ e große Stücke. Das merkwürdige dabei ist nun, daß diese künstlich erzeugten Organteile die Fähigkeit, in Nährlösungen außerhalb des Körpers weiter zu wachsen, in noch stärkeren« Grade hatten, als die Teile, die dem lebenden Tieve entnommen Und. Das hat Dr. Carrel.z. B. an einem Stück einer Halsdruse vom Hunde nachgewiesen; das neue Gewebe, das die Halsdrufe emes erwachsenen Hundes in einer Nährflüssigkeit ge- hrldet hat, wurde abgeschnitten und in eine neue Nährlösung gebracht. Hier verhielt sich das neue Gewebe genau so, wie ein entsprechendes Stück, das einem jungen Hunde, der noch im Wachstum begriffen ist, entnommen war. , Zwischen den verschiedenen Organen, wie zwischen den einzelnen Tierarten, die Carrel zum Versuche verwendet hat, hat sich k«ln wesentlicher Unterschied ergeben. Es fragt sich nur noch, ob ftch dre Versuche wirklich in der Heilkunde anwenden lassen. Im Körper ist wdes Organ vorn Mut und von anderen Flüssigkeiten Nm spult, so daß es schwer sein dürfte für ein Organ, das der Arzt zum Wachsen bringen will, die gleichen Bedingung en her- Dft^En, wie außerhalb im Bersuchsglase; die Einspritzung von Flüssigkeiten könnte vielleicht eine geringe Wirkung ausüben, jedoch würden natürlich Salzlösungen rasch vorn Körper aufgesogen werden. Sonst wäre diese neue Art der Heilkunst, so märchenhaft sie klingt, em großer Fortschritt. Man denke sich etwa, es Seimige, 6et einem Kranken, dem das Messer des Chirurgen eine !lere hat hevausschneiden müssen, die andere künstlich zum I Wachstum zu bringen, bis sie groß genug ist, die Arbeit I zweier Nieren auszuführen. I / Das Gleichgewicht der Fische. Eine Reihe ses- selnoer Versuche über das Gleichgewicht der Fische haben zwei französische Gelehrte im Laboratorium von Roscoff vorgenom- wen, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht werden. Es ist bisher noch Nicht festgestellt worden, ob die Haltung des Fisches im Wasser die Folge eines statischen oder eines dynamischen Gleichgewichtes ist, d. h. ob .der Fisch sich ellva wie ein Schiff im Wasser anftecht erhält, wobei seine Lage sich mit der eines Radfahrers vergleichen läßt, oder ob er sich nur durch eine stetige Muskelanstrengung im Wasser seine normale Sage bewahrt. Die meisten toten Fische treiben mit dem Bauch nach oben tm Wasser, aber diese Tatsache reicht keineswegs aus, um ein dynamisches Gleichgewicht zu beweisen, weil diese Lage auch aus durch den Tod hervorgebrachte innere Umwandlungen, die Entwicklung von Gasen u. dgl., zurückgeführt werden kann. Die beiden französischen Forscher Alliaud und Vles haben nun eine Ueche von Experimenten vorgenommen, bei denen sie lebende Fl che im Wasser elektrisierten. Dabei zeigte es sich, daß die Fische sofort nach Empfang des Stromes von 180 Grad sich Umdrehten und mit dem Bauch nach oben im Wasser trieben Dm und wieder, wenn die Dichtigkeit des Fisches eilt wenig großer war als die des Wassers, sank das elektrisierte Tier auch langsam in die Tiefe. Sobald der Strom unterbrochen wuroe, nimmt der Fisch sofort feine gewöhnliche Haltung wieder etn. Damit kann der Beweis als erbracht gelten, hast die Fische «tue stete Muskelanstrengung anwenden müssen, um in den Fluten »hre. gewöhnliche Lage zu erhalten. Sobald die Muskeln zu arveuen aufhören, dreht sich der Fisch um und treibt auf dem Rücken ttt dein Wasser. . * Das größte kleine Kind der Welt. Der ameri- kanische Staat Georgia rühmt ftch voll Stolz, das größte