19H m 8 Msm ■IM SOiLj j i SHH Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. (Sortierung.) (Nachdruck verboten.) Die Specht und die Häuflein freuten sich jeden Abend, daß noch alles so war wie vorher, und wenn die Pastorin zu ihnen herunterkam, war ihre erste Frage: „Nun, ist etwas Neues passiert oben?" Wenn die Pastorin dann verneinte, rechneten sie zusammen aus, wie viel der Ausfall an Mieten betragen würde. „Die wird sich noch manches Mal nach uns zurück- sehnen!" sagte die Specht lächelnd, und die Hanflein schwieg. Die Pastorin aber tat ganz gedrückt und meinte: „Hätte ich den Skandal in diesem Ilmfang geahnt, ich hätte natürlich doch gekündigt!" „Ja, ja!" sagten dann die beiden Damen, „schön ist's nicht, in solch einem Hause zu wohnen, nein, wirklich nicht. Es kann einem ja leid tun, aber die Wohnungen wird sie nun überhaupt nicht mehr los!" „Ja, es kann einem leid tun," wiederholte die Pastorin, „es. kann einem wirklich leid tun!" Aber eines Tages hatte diese Freude doch ein Ende. „Nein, haben Sie schon gehört, Frau Oberlehrer, haben .Sie schon gehört, Frau Häuslern?" Die Pastorin war ganz außer Atem. „Was denn? Was denn? Um Gottes willen?" • „Vermietet, Nichtig vermietet, die Wohnung von der Lengerich! Eine von außerhalb hat sie genommen; ich stand dabei, wie sie der Frau von Kosczyskowska aus oem Flur den Mietstaler gab. Nächste Woche zieht sie schon ein." Die beiden Damen sahen sich verdutzt an. ,/Jiun," sagte endlich die Specht, „wenn inan sie erst aufgeklärt hat, wenn sie erst die Geschichte ihrer Vorgängerin erfährt!" „Nein, nein," eiferte die Pastorin, „das ist es ja gerade. Die Frau von Kosczysrowsky hat ihr in meiner Gegenwart alles erzählt, so ungefähr: — nun, Sie kennen ja die Art dieser Frau, wenn sie mit Fremden spricht. „Ich halte es für meine Pflicht," hat sie gesagt, „Ihnen mitzuteilen ----" und dann hat sie alles erzählt, eigentlich alles ziemlich der Wahrheit gemäß, und was denken Sie, was die.fremde Frau antwortete? „Mein Mann hat zweiuudzwanzig Jahre die Glocken in Großheringen geläutet, hat zweiundzwanzig Jahre lgng die Blasebälge an der Orgel getreten und die Kirchenzettel ausgetragen! Das Geld, von denk ich lebe, ist heiliges Geld! Ich fürchte mich nicht vor irdischem Utt; , noch vor der Schuld meiner Mitmenschen!" „Das ist schön von Ihnen," hat das Gemü ganz gerührt gesagt und hat ihr die Hand gegeben, und dann waren sie handelseinig." Die Specht und dre Hänflein sahen sich groß an, und die Pastorin fuhr erregt fort: „Ich kann natürlich nicht mit ihr verkehren: die Wrtwe von einem, der kaum Küster war, und überhaupt, sie macht» keinen guten Eindruck auf mich, sie hatte etwas Herrisches und Selbstbewußtes in ihrem Wesen!" „Nein, davon ist natürlich keine Rede, liebe Frau Pastor; verkehren können Sie nicht mit ihr; Sie sind wirklich zu bedauern, daß Sie wohnen bleiben müssen. Nun, wenn wir fort sind, kommt der schöne Sommer, da haben Sie Ihre Freniden, und im Juli kiindigen Sie ja auf jeden Fall!" Die Pastorin dachte nicht gern an, den kommenden Sommer. Ihre Kurgäste gingen in diesem Fahr an di» See, und auch ihre alte Magd konnte den Dienst nicht mehr versehen. „Wenn man nicht immer so feinfühlend und rücksichtsvoll wäre!" meinte sie seufzend. „Ich wollte der jungen Frau einen Gefallen erweisen, indem ich wohnen blieb, aber sie zeigt sich in keiner Weise dankbar dafür!" —t „Bitte, Frau Oberlehrer, Sie gestatten wohl!" faßte einige Wochen später die Kosh zur Frau Specht, die thr auf ihr Klopfen die Tür öffnete und erstaunt auf einen Herrn und eine Dame sah, die neben der Kosh standen. „Ich möchte den Herrschaften gern die Wohnung zeigen. Bitte,- treten Sie näher!" Die Dame war überrascht von der schönen Aussicht und zog ihren etwas leidend aussehenden Mann ans Fenster, um sie ihm zu zeigen. „Die Räume sind ja etwas niedrig, aber die Luft ist schön!" meinte der Herr und hustete. Mit den Worten: „Sie gestatten doch,Frau Oberlehrers« schob ihm die Kosh einen Sessel hin. Die Specht machte ein verdrießliches Gesicht, und der fremde Herr dankte verbindlich. Die Dame ging nun in der Kosh Begleitung in das große Nebenzimmer und kam entzückt zurück. „Wirf nur mal einen Blick hinein, lieber Adolf, ich glaube, wir können uns entschließen. Nur eine Minute vom Gradierwerk, gleich am Wasser, und ganz in der Nähe vom „Mutigen Ritter"!" Der Herr hatte nichts einzuwenden. „Sie wissen, liebe Frau," fuhr die Dame zur Kosh gewandt fort, „wir reflektieren nur auf zwei. Zimmer, wir haben unfern Haushalt in Leipzig, aber mein Mann soll ein ganzes Jahr reine Salzluft atmen. Wir würden also nur ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer brauchen, das Essen nehmen wir aus dem Hotel. Wir sind ja schon bekannt hier," erklärte sie weiter, „vor zehn Jahren haben wir schon einmal int Ritter gewohnt, aber wir wollten diesmal unsere eigenen Möbel und mehr Bequemlichkeit haben- und das geht ja im Hotel nicht. Also, wenn Sie sich ent* schließen könnten, uns die Hälfte der Wohnung zu über> lassen. Wir müßten natürlich gleich heute Bescheid haben." — 146 „Aber gewiß, gewiß!" sagte die Kost) strahlend, „Mit t>em größten Vergnügen, meine Herrschaften!" t, Die Specht räusperte sich. „Bis ersten April ist bte Wohnung noch besetzt!" bemerkte sie. „Ja, das wissen wir!" entgegnete die Dame freundlich, „wir fahren morgen für -zwei Monate nach dem ©üben!" „So!" sagte die Specht gedehnt, und die Kosh fiel schnell ins Wort, bemt sie sürchtete, die Sp-echt könne noch irgend eine Bosheit vorbringen. — „Und der Preis'?" fragte der Herr, und seine Frau fügte lebhafter hinzu: „Ja, den Preis müssen ivir wissen!" „Bitte, wenn die Herrschaften sich nach unten zu Frau von Hilbach bemühen wollen!" antwortete die Kosh. „Vielleicht dürfen wir Ihnen eine Tasse Kaffee anbieten, wir können ja dann in Ruhe darüber reden. Wir danken Ihnen, Frau Oberlehrer!" Sie gingen die Treppe hinunter, und die Specht warf ihnen einen wütenden Blick nach, schob den Sessel wieder an seinen Platz, klopfte bei Frau Häuslein, und zwei Minuten später war auch die Pastorin durch Frau Häufleins Köchin von dem neuesten Ereignis benachrichtigt. — „Was sagen Sie tut, Frau von Hilbach?" jubelte die Kosh eine Stunde später, als sie die Leipziger Herrschaften hinauskomplimentiert hatte; es hätte nicht viel gefehlt, dann wäre sie ihrer Herrin um den Hals gefallen. So aber nahm sie nur ben kleinen Erwin auf den Arm und tanzte mit ihm int Zimmer umher. „So reizende Herrschaften, Frau von Hilbach! Nein, nein, ich hab Ihnen ja immer gesagt: dem alten Hans haben Sie noch mal Ihr Glück zu verdanken! Rechnen Sie doch mal! Die Specht bezahlt mit ihrer Steigerung vierhundert Mark pro Jahr für die ganze Wohnung, und die zahlen uns dreihundertfünfzia für die Hälfte, und wenn wir noch mehr verlangt hätten, hätten sie auch noch mehr gegeben. Haben Sie nicht gemerkt, wie der Herr die Dame an;ah, als ich den Preis sagte? Das war eine Eingebung von oben, daß ich so viel forderte; sehen Sie, heruntergehen kann man ja immer noch. Nu tuts mir fast leid, daß ich nicht vierhundert gesagt hab. Die hätten sie auch gegeben, ohne Anstand sogar, aber darüber wollen wir uns nicht Ärgern! Passen Sie mal auf, Frau von Hilbach, die große Hinterstube von der Specht mit deut Blick zum Wald, die richten wir als Fremdenstube her, und die Küche staffieren wir neu cnt§; Da kriegen wir noch 'ne feine Berliner Familie herein, besonders, wenn wir die Kammer auf dem Gang dazu geben." „Das schreiben Sie mal gleich Ihrem Doktor, Fratt von Hilbach," drängte sie am Abend, „an so was muß ein Mann, der sich mit einer Hausbesitzerin verlobt hat, Anteil nehmen. Das ist ja gut und schön, wenn Sie sonst viel von Ihrer Liede und von anderen hohen Sachen reden, aber wenn so was Wichtiges passiert, davon muß er Kenntnis haben." „Wir schreiben uns nicht, Kosh," sagte Frau von Hilbach, und sie mußte lächeln, als sie in der Kosh ungläubiges Gesicht sah. „Sie schreiben sich nicht?? Ne, so was laß ich mir Nicht weißmachen, Frau von Hilbach!" „Wirklich nicht, Kosh!" Die Alte lachte immer noch pfiffig. „Das glaubt ein anderer wie ich! Ich hab ja auch mit meinen eigenen Augen gesehen, daß am Tag nach Neujahr ein Brief an Sie kam, der nur von ihm sein konnte. Erwin hat ihn heruntergetragen!" „Ja, das war der einzige, nun schreiben wir uns nicht wieder." „Das versieh einer! Ne, Frau von Hilbach, alle Achtung vor dem Doktor, aber das kann ich nicht schön und auch nicht reell von ihm finden. Mle Woche ein Brief, das ist keine Mühe für so einen Mann, und wenn Sie zum Beispiel jeden Sonntag morgen einen Bries von ihm aus Ihrem Bett liegen fänden, dann verging Ihnen die Zeit noch mal so schnell, ne, das find ich nicht schön, daß er Ihnen die Freude nicht macht!" Sie schwieg eine Weile und fuhr dann sorgenvoller sort: „Wenn er's nur überhaupt ehrlich gemeint hat! Sie glauben gar nicht, was für komische Gedanken ich jetzt oft in der Nacht über ihn habe! Einen Mann kennt man ja so wie so nie ganz aus unh besonders so einen gelehrten nicht, wie unser Doktvr. Die halten sich in allen Dingeit immer ein paar Wege offen, durch die sie zurück können, die geben auch nie so ein ganz richtiges, festes Versprechen, sind immer vorsichtig, ich kenn das! Mein zweiter Mann hatte auch so was vom Gelehrten an sich, und mit dem bin ich am schlechtsten ausgekommen, weil ich immer nie recht ivußte, wo ich dran war mit ihm. Der hat mir auch vieles beigebracht, was wohl klug sein mag, aber darum noch längst nicht schön ist zutit Beispiel: keine Unterschrift geben! Nie was versprechen! Keinem sagetr, wie viel man hat, na und so weiter. So einer ist unser Doktor auch. Bei dem wird man auch nicht klug aus seinen Verhältnissen. „Nicht zanken, Kosh!" bat Frau von Hilbach. „Sehen Sie mal, Sie mochten ihn doch so gern, und Sie haben nrir doch auch versprochen, nicht mehr über ihn zu reden!" Die Kosh war mit ihren Gedanken schon wieder bei bett neuen Mietern: „Und das freut mich so besottders, daß wir ein Ehepaar ins Haus kriegen! Das war ja schon ordentlich unangenehm, daß nur und nur Witwen in unserm Haus wohnten. Drüben, auf der andern Seite lachen Sie schon drüber und der Hillmer, der Wetureisendcr ist, soll geäußert haben, wir sollten die Inschrift „Witweuhaus" an die Front malen lassen, das gäbe Ulk und machte Reklame. Nu will ich nur sorgen, daß das bald ritndkommt, daß wir einen Mann ins Haus kriegen; Sie sollen mal sehen, was das für Aussehen macht! Nu tun Sie aber endlich das Geld fort, ne, nicht zu dem andern, das müssen Sie apart verschließen. Geld, das man im voraus kriegt, muß man immer so ansehen, als gehörte es einem noch nicht. Ja, Jungchen, so was verstehst du noch nicht, da mußt du erst groß werdett. Ich hab Talent für Geldangelegenheiten, Frau von Hilbach. Wissen Sie, wie mein zweiter Mann mich genannt hat? „Finanzgenie!" hat er ztt mir gesagt. Warum? Weil ich so bin, daß ich aus nichts was machen kann, und dabei doch nicht geizig. Da gehört Talent zu, das ist genau so eine Begabung, als wenn einer Bilder malen ober Gedichte machen kann." Bis spät am Abend blieb die Kosh unten, strickte und plattderte mit ihrer Frau über die Leipziger Fremden. Um elf Uhr sing sie an zu gähnen. „Legen Sie sich mal hin, Frau von Hilbach!" sagte sie mütterlich, „ich hole noch Holz und Tors aus dem Keller, nachher deck ich Sie zu, das mögen Sie ja gern." Frau von Hilbach gehorchte, und die Alte wirtschaftete umher. Nach einer Weile kam sie an das Bett: „So, nun wollen wir unsere kleine Gnädige mal schön einwickeln!" und sie zog ihr die Decke bis über die Sctllllt CTTI. „Sein Bild hat er Ihnen auch nicht dagelassen, was?" fragte sie. „Nein, Kosh, auch kein Bild!" „Und darüber können Sie lachen?" „Ich lache ja nicht, Kosh, ich habe nur mehr Vertrauen wie Sie." , ■ . . Die Kosh sah auf den Papierbogen, der über Frau von Hilbachs Bett hing. Mit steiler, ungelenker Hand waren die Zahlen von 365 bis herunter zu 1 darauf geschrieben. „Das hatten Sie selber doch nie getan, nicht wahr, Frau von Hilbach? Und daß es Ihnen Spaß machen toiirbe, wußte ich. Jeden Morgen streichen Sie eine Zahl aus, was? Zweiunddreißig Tage sind nun schon vorüber! Das ist scoon mehr wie der zwölfte Teil vom iFahr, und wenn wir so recht überlegen, haben wir doch viel Glück gehabt in der Zeit. Aber daß er nicht schreibt---" Sie wandte sich zu des Jungen Bett und zog ihm I die warme Federdecke über. „Na, schlafen Sie ioohl, Frau von Hilbach. Pst, hören Sie mal, jetzt geht erst oben die Tür von der Specht! Solang hat die bei der Hänftein gesessen. Die mag sich nicht schlecht ärgern, daß wir solchen Dusel haben. Sie hätten mal ihr Gesicht sehen sollen, wie ich dem kranken Herrn einen von ihren Plüschsesseln anbot!" „Gute Nacht, Kosh!" sagte Frau von Hilbach und reichte Iber Alten bie Hand. „Gute Nacht, gute Nacht, meine Gnädige! Und träumen Sie was Schönes! Meinetwegen von ihm, wenn i er auch nicht schreibt. Was Schlechtes kann ich ihm nicht | zutrauen. Dazu waren seine Augen zu ehrlich. Gut« | Nacht ft (Fortsetzung solgt.) 147 Ueder -re Vedeutmlg -er frühzeitigen Erkennung tze§ Lupus für die Heilung. Von Privatdozent Dr. Hübner, Marburg. Aus denr Mittelalter wird uns von schlinnnen Srucherl erzählt, die durch das Land zogen und das Volk.dezmiierien. Heute haben diese Krankheiten, Aussatz, Pest, Pocken ehre Schrecken für uns verloren. Wir können daraus vertrauen, daß es einet weisen Medizinal-Äesetzgebung und Verwaltung gelingen wird, diese Krankheiten unseren Grenzen stets sernzuhalten, trotz der durch die dichte Bevölkerung und tat herkehr gegen früher so enorm vermehrten Möglichkeit zur Ver- Mer neben dem Fernhalten dieser im Ausland heimischen Krankheiten, bleibt der Hygiene noch ein großes Mw in der Bekämpfung derjenigen übertragbaren Krankheiten, welch-: Bet uns heimisch geworden sind, in erster Limeber Tuoerkutosc. Der Erreger dieser Krankheit, der Tuberkelbazillus, muss als der am weitesten verbreitete krankmachende Pilz bezeichnet werden. Em Siebentel aller Menschen sinkt durch ihn in das Grab., Unzählige gehen durch das Leben, deren Körper die Spuren feiner, krank- machenden Tätigkeit trägt. Wo immer dieserBazMus m den Körper eindringt, in welchem Organe er sich festsetzt, überall findet er die geeigneten Verhältnisse zn seiner Entwicklung uiw entfacht er seine schleichend eiusetzende zerstörende Tätigkeit. Von der Widerstandsfähigkeit des Körpers wird eS abhaugen, ob schließlich die Krankheit über den Menschen, oder dieser über den Kraukheits- keim den Sieg davon trägt. , Meist gelangt das Krankheitsgift in bie Atmungsorgans und führt zur Lungen- und Kehlkopfschwindsucht. Nicht selten siedelt cs sich in den Verdauungswerkzeugen an und führt, naurentlich, bei Kindern, zu Darmtuberkulose. Auch in den Hauten des Gehirns und Rückenmarks oder in den Knochen und Gelenken kann es sich entwickeln und schweres Siechtum herbeifuhren. Wenn es sich in der äußeren Haut oder der SchMmMt der Nase oder des Mundes sestsetzt, so entsteht dort allmählich jene Krankheit, die als „Lupus" oder „Fressende Flechte" bezenhnet imrd. Das äußere Bild dieser, stets chronisch verlaufenden Hautkrankheit kann sehr verschieden sein. Bald sehen wir nur einen düsterroten, abschilfernden Herd, bald Geschwürsbildung mit ost kirschgroßen Wuchermlgen. Gemeinsam bleibt stets die Neigung, unter Verheilung und Narbenbildung an der Stelle der ersten Erkrankung in die Umgebung weiterfortzuschrcitcn. Große Flächen der Haut tonnen so von der Krankheit überzogen werden. _ Diese Narben beiveisen das Bestreben des Körpers, oesem- aedrilngenen Giftes Herr zu werden, führen, aber bei größerer Ausdehnung zu erheblichen Störungen; beschrankende nach ihrem Sitz die Bewegungen der Gelenke, hindern den Schluß des Mundes oder der Augenlider und können so zur Blindheit führen. Schwere Entstellungen können zustande kommen durch das Uebergrenen des Lupus auf Nase und Ohren, deren Knorpel dadurch zerstört werden können. , „ ~ , Der Lupus kann also die schwersten Folgen haben, iuenn er nicht frühzeitig in rechtmäßige Behandlung kommt. Eine Selbst- Heilung dieser Krankheit kommt niemals vor. Zwar bedroht der Lupus nicht das Leben direkt; aber die Befallenen werden infolge der entstellenden Narben und ihres entsetzlichen Anblickes von allen gemieden, verlieren die Freude am Leben, nnden keine Arbeit und fallen schließlich oft jahrzehntelang der öffentlichen Armenpflege zur Last. . , . . Glücklicherweise ist der Lupus eine vermeidbare und, wenn er nicht schon allzu groß geworden ist, auch eine heilbare Krankheit. Daß er vermeidbar ist, beweist die Tatsache, daß er in Volks- kreisen, die ihre Kinder in Reinlichkeit erziehen, kaum vorkommt. Der Lupus ist nämlich eine Krankheit der Nukultnr. Tuberkelbazillen finden sich überall in der Umgebung von SnMndsuch- tigen, von denen sie ausgehustet und mit den feinen Schleim- bläSchcn, welche sic beim Räuspern, Husten, Niesen versprühen, verbreitet werden. Sie finden sich daher häufig im Staube von Wohnungen, in denen ein Schwindsüchtiger wohnt oder gewohnt hat. In solchen zumal schlecht gereinigten Wohnungen können schlechtbehütete Kinder, wenn diese mit ihren Händen auf dem Fußboden herumfahren und sich dann mit ungewaschenen Händen im Gesicht kratzen oder in der Nase bohren, an Lupus erkranken. Reinlichkeit in Wohnung und am Körper ist also das veste Äcittel zur Verhütung des Lupus. Gefährlich ist auch das Tragen von Ohrringen. Wird der blutende Stich im Ohrläppchen mit unreinen Fingern berührt, oder wohl gar mit den Lippen ansgesogen, so könncii von dem Stichkanal Tuberkelbazillen einbringen und Veranlassung zur Entstehung von Lupus geben. Unendlichen Segen hat die Asepsis, d. h. bie Lehre von der Vermeidung von Mundkrankheiten durch Sauberkeit, gebracht. Dieser ©egen kommt aber erst recht zur Geltung, wenn diese Lehre bis tief in das Volk hineinleuchtet. Jedes Kind müßte in dem Gefühl aufwachsen, im Schmutz nicht nur etwas Unschönes zn sehen, sondern etwas Lebenbedrohendes und nnbebingt zu Meidendes. Jeder im Volke müßte wissen, daß Sonne und Seife die willkommensten Feinde der Krankheitskeime sind. Dann wird der Lupus, der auch zu den Wunderkrankheiten gehört, immer seltener werden und schließlich ganz verschwinden. Der Lupus ist aber auch heilbar, tvenn er frühzeitig zur Behandlung kommt. Hat er schon einen größeren Umfang genommen, so bleiben auch nach der Heilung entstellende Narben zurück. Daher gilt es bei dieser Krankheit, vielleicht mehr als hei jeder anderen, dem Anfang entgegenzutreten. So leicht es ist, einen erbfen- oder pfennigstückgroßen Lupusherd zu entfernen, so schwer ist die ärztliche^ Aufgabe einem ausgedehnten Lupus gegenüber, der vielleicht schon große Teile des.Gefichts eingenommen hat, well dann die Krankheitserreger tiefer in die Gewebe eingedrungen und der Behandlung gar nicht mehr oder nur schwer zugänglich sind. , . Das Schicksal eines jeden Lupuskranten hängt von der möglichst frühen Entdeckung seiner Krankheit ab. An Eltern, Geistliche, Lehrer ergeht daher die dringende Mahnung, Kinder, bei denen sie Vermuten können, daß ein Lupus im Entstehen ist, ungesäumt der ärztlichen Untersuchung und Behandlung zuzuführen. Zeichen, die hierauf hindeuteu, sind: Schwerheilende Einriße an Mund- und Rasenwinkeln, nässende Flechten, die von dort ihren Ausgang nehmen, Krusten, die auf kleinen Hautgeschwurcn sich bilden. Oft kann- man in der gesunden Haut der Umgebung solcher Veränderungen kleine, kaum stecknadelkopfgroße, milchkanee- sarbene Flecke erkeuuen, besonders, wem, man auf die erkrankte Hantstelte ein Stück Fensterglas auflegt und durch sanften Druck auf dieses die Haut blutleer macht. Setzt man auf einen solchen Fleck einen stumpfspitzen Gegenstand, z. B. em Bleistift,^ so entsteht ohne Auweiiduiig besonderen Druckes eine bleibende stelle in der Haut, ein Zeichen dafür, daß das neu gebildete krankhafte Gewebe in der. Tiefe, das Tnberkelknötche.n, morsch ist und die Haut infolgedessen ihrer normalen Elastizität entbehrt. Der Heilkunde stehen heute verschiedene Wege zu Gebote, beginnende Lupusfälle restlos und ohne bleibende -Narben zu heilen. Den altbewährten wundärztlichen Verfahren, kleine Lupus- Herde durch Aetzung oder mit dem Messer zu entiernen, ist eine der schönsten Segnungen der modernen vellkunde, das Fnßensche Lichtheilverfahren, ebenbürtig an die Seite getreten. Durch dies es Heilverfahren ist das Vaterland des Erfinders, Dänemark, früher ein stark von Lupus durchseuchtes Land, jetzt von schweren Fallen fast vollkommen frei geworden. , Naturheilmethoden", Blutreinigungstees und ähnliche Dinge können gegen den Lupus nicht helfen. Im Gegenteil kann durch solche nutzlosen Versuche nur kostbare Zeit verloren gehen. Möge daher ein jeder, der einen beginnenden Lupus sieht, sich der Verantwortung bewnßt werden, die er auf sich nimmt, wenn er dura, Unachtsamkeit mit dazu beiträgt, daß vielleicht noch heilbare Kranke zu unheilbaren Krüppeln werden. . . Das Deutsche Zentral-Konntee zur Bekämpfung der Tuoer- kulofe und die von diesem eingesetzte Lupus-Kommißion gehen Mein mit Rat und Tat an die Hand, der unbemittelten Lupus- krauken Heilung und Hilfe verschaffen möchte. Einiges vom Korf. Der Sekt läßt mit zäher Energie die Straft seiner Kohlensäure gegen den Piroosen wirken, der aber ist ein unbarmherziger Kerkermeister und gibt dein stürmischen '■Bedangen des euleii Reberna les nach Freiheit nicht nach: er halt fest, ob auch Jahre vergeben. Wohlverstanden, der Pfropfen muß aus Kork von Katalonien ge- schuilien fein, denn der ist der allerbeste: er bekommt oeun (Sin- prcssen in den Flafcheichals keine Haarrisse, und wenner nach iavrelangem Verbleiben in gepreßtem Zustande tm '-Sager guo.nt wird, so kehrt er in feine ursprüngliche Form und seinen iruheren Umfang wieder zurück. Aehnlich lobenswert verhalt sich der Pfropfen ans dein Kort Andalusiens. Beide Gebiete, die wohlhabendsten Spaiiiens und ungemein reich an Korkeichen, senden Jahr für Jahr viele Millionen Sltto Kork ins Ausland, Auch Porluaal besitzt Waldungen von Korkeichen. Aber ferne Aiioinyr an Stork ist gegenüber der von Spanien und der von zwei anderen Ländern, nämlich der von Südsrankreich und Algier, nullt mu,- schlaggebenü auf dein Weltmärkte. Wenn daher fegt, laut vlach- riditen ans Lissabon, zahlreiche portugiesische.Korkarbelierm den AiiSstand getreten find, so dürfte davon das Ausland nicht sonderlich berührt werden. Der Kork, den SÜdirankreich und Algier liefern, ist ebenfalls vorzüglich Aus letzterem Lande, delsen Vro- viiiz Eonstantine ein wahres Dorado für Korkeichen ist, werden jährlich zwischen fünf bis sechs Millionen Kilo ausgemhrt. Was aber an Kork ans den Küstengegenden der Adria unö ans cito- tiro( koniint, ist, iveil nicht von der echten Korkeiche staniinend, recht minderwertig. , , . ms Die gebratenen Tanben fliegen keinem in den Mund. Uno j so erfordert auch die Kultur der echten Korkeiche viel Zeit und I große Mühe; wird doch der. Baum er|t dann ertragreich, wenn sich am jungen Stamm nach behutsamem Abschalen der uubiauch- ' baren Oberhaut die .Anßeniliide gebildet und nach LeAaiN von acht bis zehn Jahren zur Dicke von 1 < Ins ,.5 ober 2ß üilsimster entwickelt hat. Diese Autzeiirinde ist Stört und gib., in möglichst großen Platten mit höchster Sorgfalt abgelöst, den Ertrag. Nach dem Ablösen müssen sechs bis acht Jahre verstreichen, ehe der Stamm wieder neuen Ertrag liefert. So hemt es denn lange warten, bevor da? Geld in den ©artet rollt. Die Zurichtung der Platten ,st ziemlich einfach: sie werden ‘..s et. j ir. beschwert oder in große Pressen gebracht, getrocknet uno - 148 dann mit Messer und Feile bearbeitet, unt glatt und ansehnlich zu werben. Ist der Kork von guter Qualität, so besteht er aus einem gleichmäßigen Gewebe von Zellen, die die Gestalt sechsseitiger Prismen besitzen und zur-Längsachse des Stammes parallel liegen. Hingegen ist er um so schlechter, je mehr er von Herden sogen. Steinzeiten durchsetzt ist, da diese beim Trocknen, Pressen und Be- arbeiten herausiallen, so daß ans > Kosten der Haltbarkeit und Elastizität Löcher und Risse entstehen. Die Herstellung von Pfropfen und Stöpseln mittels schari- schneidender Messer geschah früher mit der Hand, jetzt säst nur noch mit der zwanzigmal schneller und bedeutend gleichmäßiger arbeitenden Maschine. Daß Kork auch zu nautischen, maschinellen, physikalischen, chemischen, medizinischen, hygienischen, baulichen und dekorativen Zwecken ausgedehnte Verwendung findet, steigert seinen Wert. Sogar die Kunst hat sich seiner schon längst bemächtigt: sie schasst aus ihm mit Messer, Stichel und Brenneisen völlig plastische oder relieiarlige Ansichten von Bauten und Landschaiten. Besonders beivundernswert sind die kleinen Kopien antiker Lau- werke und Ruinen, die zuerst die römischen Architekten Agosimo Rosa rmd Antonio Chichi, sowie der Deutsche Carl Atay in der zweiten Halste des 18. Jahrhunderts gearbeitet haben. Zahlreiche dieser Kopiert in Kork finden sich im Kunst- rmd Aniiken-Kabinett zu Gotha und in den Museen zu Kassel und zrr Schwerin. An den trefslichen Korkarbeiten Mays hat auch Goethe seine Freude gehabt. Und dieser May war, als er mit der Korkbildnerei begann, Konditor am Hoie des Koadjrrtors Freiherrn v. Dalberg in Erfurt. Er verschaffte sich mit dem Ertrage seiner kleinen Kunstwerke die Mittel zum Stridinm der Architektur rmd siedelte später nach Aschaffenburg über, wo er als Barwat noch lange gewirkt hat. Vermitsehtss. e * D i e Sprache der Hüte. Für die hübsche amerikanisch' Scharispielerin Billte Brrrke ist der Hrit nicht eine Kops bedeckrmg, sonderrr — eine Sprache, burd) die sie ihren etimnr nngen Ausdruck gibt. Wie sie sich überhaupt ihren Srimnrungen entsprechend kleidet, so eurpfindet sie auch das Bedürstris, den Hut stimmungsgemäß zrr wählen und da sie, wie sie offen gestehtz sehr wechselnder Strmrnrrng ist, so kann sie freilich nicht umgehen, sich außerordentlich viele Hüte zuzulegen. Wer aber Fräulem Billies Hutphilosophie genau kennt, der kann von ihrem Hute ablesen, welcher Stimmung sie gerade ist. Sie wählt nämlich rosa Hüte zum Ausdrrrck der Glückseligkeit, schwarze, wenn sie stattlich erscheinen will, weiße Hüte bedeuten Unschuld, nralvensarbene Llach- denklichkeit, goldene Hüte Extravaganz und grüne Hüte „I n - le l l ek t n a l i t ä t". 'Also daß man es Brllies Hüten sogleich an- seherr kann, ob sie heute glücklich, rmschuldig oder intellektuell ge- ftimmt ist. Es ist allerdings eine teure Sprache, diese Spraa-e der Hüte. Fräuleiir Brrrke braucht beinahe jeden Tag einen anderen, weil sie so sehr Stimmungsmensch ist und das kommt im Jahre auf etwa 8000 Mark zrr stehen. Diese Sprache hat, wie sick; hieraiis ergibt, eine sehr beschiverliche Grammatik. * Das Dorf der Hosettrücke. Währerrd der Hosenrock in allen Kulturstaaten der Gegenstand des Spottes und des Gespräches ist, erinnert ein italienisches Blatt daran, daß diese Neuheit in einem kleinen freundlichen Schweizer Dorfe im Kanton Wallis seit Jahrhunderten und ohne die Hilfe der Reklame bei den Frauen Sitte und Braud) ist. 1052 Meter über dem Meeresspiegel liegt zwischen grünenbeit Wiesen und lauschigen Wäldern das anmutige Dörfchen Champery. Einige hundert Meter höher entspringt in den Bergen eine alkalische Schwefelquelle. Die 596 Menschen, die die Gemeinde Champery bilden, ernähren sich fast ausschließlich durch Viehzucht, das Amt der Hirten ist ihr Lebensinhalt. In den Sommermonaten verlassen die Seilte das Dorf und ziehen hinauf au? die benachbarten Berge, den Winter wiederum vereinigen sich alle im Tale. Die Frauen Dort Champery aber tragen seit mwordeuklichen Zeiten den Hosenrock, ja sie sind plannräßiger als die Pariser Schneider, suchen ihre Tracht nicht unter Stoff und Chifsoiiwolken zu verhüllen, sonderil tragen einfach Männerhosen, ohne darauf besoiwers stolz zu sein. Sie benutzen sogar die gfeid)en Stoffe wie ihre Gatten, in der Regel blauen Cheviot, und die einzige fröhlichere Farbennote in dieser durch das Alter geheiligten Frauentracht ist das rote Tuch, das um den Kopf geschlungen wird und dessen Ende Malerisck) über die Schulter herabhängt. So lauge die Frauen von Champery denken können, haben ihre Mütter und Großmütter diese blauen Cheviothosen getragen, wie auch ihre Enkel und Urenkel sie wohl tragen werden. So besitzen die Bewohner jenes weltabgeschiedenen Schweizerdörfchens schon lauge das, was die Launen der Pariser Schneider dem eleganten Europa bescheren tooUen, nur daß die Schönen von Champery keine Gründe ästhetischen Reizes in die Rechtfertigung dieser Tracht eiirschmuggeln, ja sie grübeln über den Hoseirrock nicht einmal nach: sie tragen tfjn, weil er für ihr Hirtenleben in Berg und Tal praktisch ist. * Der „Manu mit den meisten Flöhen". In Londoil lebt ein Manu, der nicht wenig stolz darauf ist, die meisten Flohe zu besitzen. Das ist Sir Walter Rothschild, der freilill) eine engere Berührung mit seinen Pfleglingen ängstlich vermachet und den nur tvissenschaftliche Interessen mit ihnen bindet. Er kann sich rühmen, heute eine Sammlung von mehr als 3000 verschiedenen Floharten sein eigen zu nennen. Aber trotz dieses schönen Bewußtseins, so erzählt der Ganlois, hatte Sir Walter Rothschild bis vor kurzem feine schweren Sorgen: trotz aller Bemühungen wollte es ihm nickst gelingen, einen echten Fuchsfloh aus den Polarregionen seiner Sammlung einzuverleiben. Bis ihm die Erlenchtmrg kam. In einer kanadischen Zeitung ließ er ein großes Inserat erscheinen, und zu seinem lebhaften Entzücken empfing er vor einigen Tagen auch richtig eine sorgsam! versiegelte Flasche, in der drei prächtige Exemplare der so lange vergeblich gesuchten Flohart verwahrt waren. In seiner Freude schickte Sir Walter Rothschild dem kanadischeir Flohjäger einen Scheck über 2400 Mark für drei Flöhe — der Fall ist riicht alltäglich. * R a t. „Ja, ja, als vermögensloser Künstler bleibt mast sem Leben lang ein armer Schlucker — man hätte eben in der Wahl seiner Eltern vorsichtiger sein sollen!" — „Das kannslj du doch bei der Wahl deiner Schwiegereltern wieder gut machen!" * W i ii k. Junge Witwe: „Sie glauben gar nicht, Hery Kraft, tote entzückt mein Töchterchen von Ihnen ist; sie sagte neulich erst zu mir: Siehst du Mama, das ist ein Sperr, den ich mir zum Papa toünsche!" * Im Restaurant. „Wieso können Sie denn als Vegetarier hier Fleisch essen?" — „Ich esse es als — verbotene Frucht!" Vüchertjich. — Das deutsche Wörterbuch von Weigand ist! in seiner fünften von dem Leipziger Universitätsprofessor H. H i r t gänzlich neiwearbeiteten Auflage mit der Vollendung des zweiten Bandes soeben abgeschlossen worden. Der Verlag von Alfred T ö p e l in a n n in Gießen hat dem Werk eine gute, forgfälkige Ausstattung gegeben; Übersichtlicher klarer Druck und gutes Papier zeichnet es besotchers aus, dazu kommt das in zwei Teile geschiedene handliche Format. Vom sprachgeschichtlichen Ausgangspunkte be- giniiend, —' durch die genügende Berücksichtigung der Etymologie hat sich Weigands Werk hauptsächlich sein Ansehen erworben — werden die Umformungen und lautlichen Entwicklungsstufen, das Vorkonuneu des Wortes von der althochdeutscheit Zeit an bis heute nachgewiesen; auch auf den Wandel der Bedeutung des Wortes im Laufe der Zeit wird aufmerksam gemacht. Dabei kann man öfters eine Rücksicht auf das Sachliche gegenüber dem Sprachlichen beobachten; Schlagwörter, und was dergleichen mehr ist, werden herangezogen, die den Blick auf Tatsachen oder Fragen dev Welt- imb Sittengeschichte lenken. Hierfür ein Beispiel: Fiaker m. (— 8, Pl. wie Sg.): Lohnkntscher; Mietkutsche. Nach dem franz, am Ende des 17. Jahrh. üblichen fiacre. Von dein heiligen Fiacre (latinisiert Fiaerius), dessen Bild das Zeichen des in Ser Straße St. Antoine zu Paris gelegenen Hauses war, in dem man solche Mietskutschen haben konnte, und das der Franzose Sauvage, dem 1650 das Privilegium zur Einrichtung öffentlicher Kutschen verliehen wurde, bewohnt haben wird. 1728 bei S per ander nur der Pl. Fiacres, im Sinne von „Mictskutschcn auf den Straßen von Paris". — Man sieht, ein kleiner kulturgeschichtlicher Ausblick wird hier geboten, den wir mannigfaltiger gestalten können, wenn wir die Wörter Berllne, Droschke, Kalösche, Karckssc, Karrete,- Karriol, Kremser, Kutsche und Omnibus aufschlagen. — Schätzenswert sind dabei auch die an passender Stelle eingefügten Angaben grammatischer Art, namentlich Konjugationsformen und Mehrzahl- bildnng und in allen Zweifelsfällen auch die Bezeichnung der betonten Silbe durch den Akzent. Und nennt sich der Weigand auch ein deutsches Wörterbuch, so zeigt uns doch schon unser Beispiel, daß er zugleich auch ein Fremdwörterbuch in sich schließt, das — wo nötig, mit der Umschreibung der fremden Laute — wissenschaftlich zuverlässige Verdeutschungen aller gangbaren oder literarisch bis auf unsere Tage in den Sprachbestand aufgenomnieucn Fremdwörter bietet, diese gleich dem eignen Sprachgut etymologisch erklärt und durch die Anführung ihres Vorkommens in Druckwerken belegt. — Auch die Eigennamen sind zahlreich mit ihrer Herkunft und ihren Umwandlungen ausgenommen und mundartliche, dialektische und provinzielle Formen werden verzeichnet, die unserem Sprachschatz manches Kleinod erhalten. Hättet Nahrhaft und wohlschmeckend bin ich, man sieht mich auf heimischen Fluren, Setz' an das Ende mein Haupt, hält inid) die Meerflut umringt Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer: M A U 8 A N N A U N N A 8 A A R Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch» und Steindrnckerei, R. Lange, Gieße»,