MI Montag den 6. Februar MU LLLLLs. a • R Das Witwenhaus. Stoman von Helene von Mühlau. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Glauben Sie der mal nicht alles, Fran von Hilbach!" sagte die Kosh, nachdem die Pastorin gegangen war. „Mit der ihrer Freude ist es nicht so weit her; ich habe ihr den Ner>d aus den Augen leuchten sehen. Aber das macht nichts; dre Hauptsache ist, daß wir ihn möglichst lange festhalten, und dafür müssen wir bedacht sein, ihm alles hübsch und gemütlich zu machen. Ich hab schon gedacht, daß wir ihm noch einen kleinen Teppich ins Zimmer legen; und über den Schreibtisch wollt ich ihm das hübsche Bald von unserm Jungchen mit seiner Mutter hängen. Ein netter Anblick tut oft eine gute Wirkung, und gerade so einer, der wenig spricht und in sich gekehrt ist, ist oft am empfänglichsten für so was. Ich weiß das aus Erfahrung!" Aber Frau von Hilbach entgegnete ziemlich bestimmt: „Nein, meine liebe Kosh, so weit wollen wir nicht gehen. Den Teppich mag er meinethalben haben und so viel Kissen, Decken und Lehnstühle, wie Sie für gut halten. Aber das Bild behalten wir hier!" Die Kosh schüttelte den Kopf. Das war wieder einer Von den Punkten, in denen sie zu keinem Verständnis mit ihrer Frau kam. Sie ließ sich aber deshalb ihre gute Laune nicht nehmen und philosophierte weiter über ihre Vermutungen, den Fremden betreffend. „Passen Sie mal auf, Frau von Hilbach, ob das nicht was ganz Besonderes ist! Heute nacht, wie ich so über ihn nachdachte, kam ich zu dem Resultat, daß er jedenfalls ein Studierter ist. (Das hab ich nämlich immer so beobachtet: die, die so ein bißchen komisch in ihrem Wesen ind, so ein bißchen schwer verständlich, mein ich, und die o eine hohe, gerade Stirn und so feine, schmale Hände haben, das sind oft ganz hohe Männer. Am Anzug liegt die Noblesse noch lange nicht, und auch nicht an der Höflichkeit. Jur Gegenteil! Sehen Sie mal zum Beispiel der Lasker, der war doch tip-top ange^oaen, nrit einem Stehkragen so hoch, daß er kaum den Hals drehen 'konnte, und sein Paletot war durch und durch mit schwerer Seide gefüttert und auch sein Taschentuch war aus Seide. Und was hat in diesem feinen Herrn gesteckt? Ein Lump, nicht wahr? Ein ganz ordinärer Mensch, der gar keinen Charakter hatte. Was unfern Fremden anbetrifft, der trägt sich viel einfacher, das heißt, Sie müssen nicht denken, daß er schäbig geht, Frau von Hilbach. Im Gegenteil! Wie ich heute morgen seinen Anzug ausbürstete, da war ich erstaunt, wie gut und solid der Stoff ist. Und dann hat es mir auch gefallen, daß er sich gleich nach einer Badeanstalt erkundigte, das zeugt doch von Reinlichkeit, und all seine Toilettesachen, Schwamm, Seife, Zahnbürste, alles ist prima. Er sieht nur im ganzen so einfach, so ein bißchen vernachlässigt aus, nein, „vernachlässigt" ist auch nicht das rechte Wort, ich meine, so wie einer, der anderes zu denken hat, als Kleider und Essen und Trinken. Na, wir werden ja sehen!" Frau von Hilbach hörte still zu. Sie wußte nicht warum, aber es war ihr angenehm, wenn die Kosh von dem. Fremden sprach, der Wand an Wand mit ihr wohnte und den sie bisher erst so ganz flüchtig im Dunkeln gesehen hatte. Sie war nicht neugierig, zu erfahren, was er war und woher er stammte, und sie hatte auch keine Erklärung, warum ihr seine Anwesenheit in ihrem Hause sympathisch war, denn der Geldpunkt war es nicht, der bedrückte sie höchstens. Vielleicht war es ein Trost für sie, daß er einsam war, daß er bei ihr die Einsamkeit suchte. „Da fällt mir eben ein," ,agte die Kosh, „ich habe noch gar nicht darüber nachgedacht, ob er wohl verheiratet ist. Daß er schöne, weiße Hände hat, hab ich wohl bemerkt, aber ob er einen Ring daran trägt, darauf kann ich mich nicht besinnen. Daß man aber auch so dtimm sein kann! „Wenn Sie ihn gern mal seben würden, Frau von Hilbach, dann bleiben Sie mal still am Fenster sitzen. In einer halben Stunde wird er wohl zurück sein, denn er wollte heute schon um zwölfe essen. Ich muß jetzt nach oben, und wenn er klingeln sollte und was haben will, dann schicken Sie mir das Jungchen schnell herauf!" Kaum hatte sich die Tür hinter der Kosy geschlossen, so klopfte 's schon wieder, und die Frau Natusius, die eine Weile auf dem Hausflur gewartet hatte, trat, zum Ausgehen angezogen, "ein. „O, Frau Rechnungsrat!" sagte Frau von Hilbach, „das ist nett, daß Sie mich einmal besuchen. Wollen Sie schon ausgehen?" Frau Natusius trug ein dunkles Kleid und einen schwarzen Umhang and ein kleines Hütchen mit schwarzem Schleier, den sie jetzt in die Höhe geschlagen hatte, und wie sie so fein und schlank dastand, da hätte niemand in ihr die Frau von der Strickmaschine wiedererlännt, die in ihrem dunklen, von Oelilecken verunzierten Anzug immer einen so ärmlichen Eindruck machte. Die mußte wohl einmal sehr hübsch und anmutig gewesen sein, und Frau von Hilbach begriff jetzt, woher die Frieda ihre Schönheit hatte; sie glich ihrer kleinen, vergrämten Mutter, aber sie hatte nicht deren stilles, etwas kühles Wesen. „Frau von Hilbach," begann jetzt Frau Natusius leise. „Ich bin int Begriff nach Leipzig zu fahren. Schon vor sechs Tagen haben wir die Nachricht bekommen, daß Frieda ein kleines Mädchen hat---" „Setzen Sie sich doch, liebe Frau Rechnungsrat!" bat Frau von Hilbach, denn Frau Natusius' Stimme stockte, und sie mußte ihr Taschentuch nehmen, weil ihre Dränen heftig flössen. — 82 — Der Unglücksmensch. Humoreske von Teo von Tom. „Kommerzienrat Schöningk!" riet General von Löhn fcütätt Kutscher zu. Dann stieg er mit seinen: Adjutanten ein, den Schlag klappte zu -- und die Herren fuhren dem ersten Ball der Saison entgegen. . Während der Wagen auf seinen Gumunradern last lautlos über das Pflaster schaukelte, vertauschte der General den festlichen Federhelm mit der auf dem Rücksitze bereitliegenden Mütze und zog sein Zigarrenetui. „Haben Sie ein Streichholz, Neegendahl?" „Zu Befehl —" stieß Oberleutnant Neegendahl hervor, cnt- setzt ob seiner Unaufmerksamkeit. Mit großer Geschäftigkeit durchs wühlte er alle Taschen, bis er endlich das Gewünschte gefunden!. Aber die Dinger wollten nicht brennen. Schon das sechst« Hölzchen hatte er in den hastigen Fingern zerbrochen, ohne daß „Ruhe, Ruhe, mein Lieber", mahnte der General. „Wit! Fixigkeit und roher Gewalt ist dabei nichts zu erreichen. Außerdem ist es eine alte Erfahrung, daß schwedische Zündhölzer zimmer nur brennen, wenn man sie mit der braunen Kuppe, nicht aber mit dem anderen Ende anreibt. Lassen Sie mich mal machen und nehmen Sie inzwischen auch eine Zigarette. Sie sind viel gesammelter, wenn Sie rauchen — und ich mochte Ihnen in aller Eile noch einen kleinen Wink geben bezüglich der heutigen Festivität. — Sehen Sie, es brennt sehr schön. Ihre wird auch brennen, wenn Sie das Mundstück zwischen bifi Lippen nehmen und nicht umgekehrt. wissen Sie ja auch, Frau von Hilbach, aber ich muß jetzt schnell gehen!" Frau vvn Hilbach band ihr den Schleier fest. „Ms» zum letzten Zug von Leipzig sind wir an der Bahn. Unb um Ihre Mutter sorgen Sie sich nicht, wir sehen nach ihr!" Sie begleitete Frau Natnsius bis zur Tür und ging! dann mit schwerem Herzen in ihr Zimmer zurück. „Das Leben ist eine Kette von Elend und Sorgens und das Gltick kommt doch nie!" hatte Frau Natnsius gesagt, und es war nicht gut für Frau von Hilbach, daß sie diese Worte so bestimmt ausgesprochen hörte von einer sonst so ruhigen, nüchternen Frau. Sie hatte wieder das Gefühl, daß sie als Hausbesitzerin, die fremden Leuten Räume vermietete und von deren Geld mit ihrem Kinde lebte, auch verpflichtet sei, all deren Leid und Kummer mitzutragen, und soeben war ihre arme Seele wieder schwer belastet lvorden. Der Ausspruch: „Das Glück kommt doch nie!" hatte sie getroffen lvie ein. schwerer Keulenschlag. — . , „Mütterchen, jetzt kommt er, sieh schnell!" rief Erwm« „schnell, schnell, er geht schon ins .Haus!" Es tvar ihr so kindisch vorgekommen, wie die Kosh gesagt hatte, sie solle am Fenster bleiben, bis er vorüberkäme^ und sie hatte darüber gelächelt. Nun, auf ihres Kindes Drängen, mußte sie unwillkürlich nach ihm sehen, und sie war erstaunt, daß er so groß und schlank war, aber sein Gesicht konnte sie nicht erkennen; er war so eilig ins Haus gegangen. . ■ „Er sieht eigentlich nicht böse aus!" sagte der kleine! Junge; „findest du nicht, Mütterchen?" „Ich habe ihn nicht richtig gesehen!" antwortete sie und stützte den Kopf auf die Hand. Sie war noch traurig über die Worte der Natusius; „Das Glück kommt doch nie!" _ „Es soll aber noch einmal kommen!" sprach Fran von Hilbach leise vor sich hin, „und ich glaube auch, daß es kommt!" — „Also ein Doktor! Frau von Hilbach, leibha,tig ein Doktor. Lesen Sie mal den Anmeldeschein. „Ernst Berfhof, Doktor med. aus Straßburg," Ne, wie der sich nu gerade zu uns hierher verirren mußte! Straßburg, das ist doch wohl eine Tagereise weit von uns! Aber sagt ich's nicht, eilt Studierter mußte er sein! Das hab ich ihm gleich angesehen. Vielleicht ist er hier, um unsere Quellen zu untersuchen; er ntacht sich so viel am Gradierwerk zu schaffen. Heute morgen soll er zweimal dagewesen sein und heute nachmittag schon wieder. Mit dem Essen aus dem „Mutigen Ritter" ist er soweit zufrieden, nur daß er im großen und ganzen lieber einfache Hauskost ißt! Nu, ich wollte nicht aufdringlich sein, sonst hätte ich mich Angeboten, für ihn mitzukochen. Aber ich warte lieber noch ein paar Tage!" (Fortsetzung folgt.) „Sie ist doch Mn einmal mein Kind," fuhr Frau Natusius fort, „man kann sie doch nicht auf der Straße lassen. Wenn es nicht so viel kostete, könnte sie m m Leipzig bleiben, — aber jeden Tag drei Mark und außerdem noch die Milch für das Kind, weil sie es doch nicht selbst nähren kann! —" Sie weinte wieder hesttg. „Und dann muß sie ja auch kommeii, Frau von Hilbach, weil das Gericht in Naumburg an sie geschrieben hat ivegett des Vaters--ach, Frau von Hilbach, Frau von Hilbach!" Sie hatte die Arme auf den Tisch gelegt und den Kopf darin vergraben; der ganze Körper bebte in heftigem Schluchzen. _ „Ich glaube manchmal, mein armer Kops kann all das nicht' aushälten!" flüsterte sie weiter, „keine Nacht kann ich schlafen und am ganzen Tag das Geklapper mit der Strickmaschine, das geht auf die Gesundheit, Frau von Hilbach. Aber ich darf nicht krank werden, ich darf nicht, die Jungen brauchen Geld, die Mutter kann auch nur noch mit Mühe das Esseit besorgen, und nun liegt die Frieda nieder--—" „Ist sie noch sehr krankM fragte Frau von Hilbach, Und die Tränen standen auch ihr in den Augen. „Es war eine schwere Entbindung, auch vielleicht nicht die beste Pflege. Glauben Die, Frau von Hilbach, ich habe gemeint, ich konnte sie aus meinem Herzen reißen, nachdem sie uns die Schande gebracht hat, aber das geht nicht. Kind bleibt Kind! Man wird ein Geschöpf, das man, unter dem Herzen getragen hat, nie, nie los, und daß ich sie lieben muß trotz allem, das ist furchtbar für mich, dep,n das ist keine schöne, frohe Liebe, und ich weiß, wenn sie wieder gesund ist, daun kommt das andere, so etwas wie Wut Und Haß. Aber es nützt ja alles nichts, nach Hause muß sie, damit ich sie pflegen kann, und das Kind muß fürs erste auch mit, denn jetzt dürfen wirs ihr noch nicht nehmeit, und darum kam ich noch einmal, Frau von Hilbach, um Sie zu fragen, ob Sie nichts dagegen haben, ivenn der Frieda ihr Kind mit in Ihrem Haus wohnt? Sie wissen ja, wie die Meitschen hier sind!" „Aber, Frau Natusius, hab ich Ihnen nicht gesagt, daß ich Ihnen beistehen will, wie und wo ich kamt? Fragen Sie mich so etwas nicht mehr, Sie tun mir weh damit. Aber sagen Sie, ivolten Sie denn der Frieda ihr Kind nehmen?" Frau Natusius sah sie groß an. „Ja, Frau von Hil- bach, sie muß doch wieder in Stellung; was soll denn sonst werden? So schnell wie möglich muß sie das Kind weggeben. Wenn nur erst alles geordnet wäre. Sie glauben nicht, wie furchtbar mir die Gänge zum Amtsgericht in Naumburg sind. Aber er muß doch die Pflegegelder zahlen. Heiraten tut so ein Mensch doch ein armes Mädchen, das er unglücklich machte, nicht. Man möchte ihm sein Geld ja am liebsten vor die Füße werfen, aber wenn maus doch braucht — so furchtbar nötig braucht!" — Sie schwieg eine Weile, dann ergriff sie Frau von Hilbachs Hand. „Ich danke Ihnen, Frau von hilbach; ich vertraue aus Ihr Wort, auch ivenn die Leute anfangen zu reden. Ich iveiß, Sie kümmern sich um so etivas nicht. Ich muh jetzt schnell gehen, denn mein Zug fährt in zwanzig Minuten, und wenn Sie mir noch einen Gefallen tun wollen, sehen Sie während des Tages einmal nach meiner Mutter und erinnern sie dran, daß sie der Frieda einen Wärmstem ins Bett legt und für Tee sorgt. Sie glauben nicht, wie schioer mir die Fahrt wird, und wie sehr ich mich ängstige, ob ich sie gesund herüberbekomme." Sie weinte wieder, und ihre Hände.zitterten, wie sie den Schleier ordnen wollte. „Ich hin so nervös, Frau von Hilbach, ich weiß gar Nicht, tote ich zurechtkomme!" jammerte sie, „und wenn wir heute abend ankominen und man sieht uns---" „Ich will Sie gern abholen heute Abend, liebe Frau Natusius. Ich konime mit der Kosh an die Bahn, sie kann das Kind tragen, und wir beide führen Frieda." „Ich hin Ihnen so namenlos dankbar!" sagte Frau Natusius, und sie umarmte Frau von Hilbach. „Ich weiß, Sie verstehen mich, und Sie verstehen auch, wenn ich Ihnen sage, daß mir das Leben widerwärtig geworden ist und haß ich am liebsten tief unter der Erde läge mit der armen Mutter und der Frieda und ihrem Kind. Das Leben ist sine Kette von Elend und Sorge, und das, was man so richtig unter „Glück" versteht, kommt doch nie, nie! Das 83 — t > t „Verehrter Herr Barbucke," redete er unterwegs auf ihn ebn „die Fran des Hauses ist ohne Tänzer. Sie müssen einsehen, daß das nicht geht. Sie hoben noch nicht engagiert — es wird Ihnen gewiß eine Ehre sein." „Aber Herr Leutnant--" „Machen Sie keine Umstände, bester Herr — es nützt Ihnen alles nichts! Da sitzt die Frau Kommerzienrätin--gestatten Sie, hochverehrte gnädige Frau — Herr Ba gurke bittet null die Ehre..." Unter tiefer Verbeugung und noch tief ereilt Aufatmen der Erleichterung wandte er sich ab und verließ den Saal, um sich nach getaner Arbeit eine Erfrischung zu gönnen. Deshalb bekam er erst später zu erfahren, daß er der Fran KomUlerzienrätin W gemutet, mit ihrem eigenen Maitre d'hotel zu tanzen. Das Griechische und die allgemeine Bildung. Ucber das Studium der griechischen Sprache und die Rechtswissenschaft werden in der „Monatsschrift für höhere Schulen" eine Reihe von zeitgemäßen Äetrachtungen angestellt, die sich über das engere Thema hinaus zu Fragen der Allgemeinbildung erweitern und in der Zeit der Gleichberechtigung unserer' drei höheren Schularten auch für den Nichtschulmunu von Interesse sind. Was zur Allgemeinbildung gehört, so setzt die Betrachtung ein, läßt sich nicht unabhängig von Ort und Zeit abstrakt festsetzen. Plato und Aristoteles, gewiß gebildete Männer, verstanden keine fremde Sprache. Einen Römer der klassischen! Zeit ohne Kenntnis der griechischen Sprache hätte man für ungebildet gehalten. Im ganzen Mittelalter verstanden die Gelehrten das Lateinische. Griechisch kannte man vor Reuchlin überhaupt nicht. Die politische und literarische Ueberlegenheit f^ank- reichs veranlaßte die europäischen Völker, die Kenntnis des Französischen von einem Gebildeten zu fordern. Später kamen Mathematik und Naturwissenschasent hinzu. Die Bestimmung dessen, was man unter Allgemeinbildung versteht, ist stets von Zweckmäßigkeitserwägungen beeinflußt gewesen. Eine bestimmte Fremdsprache trägt nie und nirgends die Äürgschaft der Allgemeinbildung in sich. Das Griechische kam durch den Humanismus in das mittelalterliche Kulturleben, weil der Humanismus seinem Wesen nach im Gegensatz zur Scholastik auf die ursprünglichen Formen der Antike, auf die griechische Kultur, zurückgiug. Auch die Reformation als die Uebertragung des Humanismus auf die Theologie hatte die griechische Sprache nötig, sie wurde unentbehrlich für den Theologen wie für den gebildetett Laien, der sich ein. selbständiges Urteil bilden wollte. Der NeuhumaNlsmüs> mit seiner deutschen Klassikerperiode hatte die griechische Sprache aus demselben Grunde nötig. Ganz bestimmte Bildungsbedürfnisse jener Perioden machten deshalb das Griechische zu einem Elemente der allgemeinen Bildung. Die Neuzeit hat andere Bedürfnisse, welche moderne Sprachen und Naturwissenschaften in das Zentrum rücken. Die erschweren die Beherrschung der antiken Sprachen, so daß sie nicht mehr Gegenstand der Allgemeinbildung sein können^ Das Schöningksche Ballfest war bis zunr Kotillon gediehen. Dank der Ermahnungen des Chefs bewegte sich der Brigade- Adjutant Oberleutnant Neegendahl mit einer Sammlung, Aufmerksamkeit und Vorsicht, als wenn er in jeder Tasche ein halbes Pfund loses Dynamit trüge. Es war auch alles sehr schön gegangen — abgesehen von einigem unwesentlichen Mißgeschick. Als er in der Garderobe seinen Säbel abgelegt, war das Schwert dem Bürgermeister der Stadt auf den Fuß gefallen — was den behäbigen alten Herrn zu einem flotten Solotänzchon veranlaßt. Später hatte der Oberleutnant eine Schale Himbeereis so Unglücklich aus der Hand gestellt, daß die Gattin eines Häuptlings mit ihrem Crepe de Chine-Kleide sich draufgesetzt — was bei der Dame zu einem Ohnmachts-, bei dem Gemahl zu einem gelinden Tobsuchtsanfall geführt. Bei dem Versuche, sich zwischen zwei walzenden Paaren durchzuschlängeln, war der Oberleutnant unter ein Tablett mit verschiedenen „American drinks" geraten — was glücklicherweise nur ihn selbst in Mitleidenschaft gezogen. Sonst war alles gut gegangen — und er konnte sich mit Eifer feiner Aufgabe bezüglich der Tänzer roibmen. Was nur irgend ein paar Beine unb an diesen Beinen rote Biesen hatte, wurde mobil gemacht. Da galt keine Müdigkeit und Kein Versteckenspielen am Büffet und in den gemütlichen Vierecken. Der Brigadeadjutant stöberte alle auf und hatte sich dadurch nach Unb nach sogar schon etwas unbeliebti gemacht bei seinen Kameraden. Dennoch bemerkte er — als die Paare zum Kotillon antraten i— mit Entsetzen, daß die Frau des Hauses „so" dasaß. Trotz der damit verbundenen Karambolagen und sonstigen Gefahren fegte er herum wie ein Feuerwerksfrosch. Um alles in der Welt einen Tänzer für Frau Kommerzienrat Schöningk! Er fand jedoch diesmal absolut keine Gegenliebe mehr. Was Noch nicht erschlafft und marode war, stand bereits in der Front. Der Rest setzte seinen Bitten und Verschwörungen beharrlichen Widerstand entgegen. Von einem dicken Major, den er bescheideutlich auf die peinliche Sachlage aufmerksam gemacht, wurde er sogar heftig angeschnauzt: „Sie sind wohl ein bißchen überkandidelt, Herr Oberleutnantl Ich "Bin ein alter Mann, der schon halb die Pensionsmauke in den Beinen hat — und da soll ich noch Massenbewegungen ausführen? Tanzen Sie doch selber, zum Deibel noch eins! Zureden Tarnt jeder!" Damit angelte sich der Major eine frische Rotgekapselte aus deut Korb. Der Adjutant schlug die Hacken zusammen und hastete weiter. Selber zu tanzen riskierte er nicht. Bei seiner Disposition für Unfälle hätte das doch noch den Abend tierberben können. Soldaten waren keine mehr zu haben — also mußte das! Zivil rau. „Neegendahl —" stellte er sich eilfertig einem elegant befrackten Herrn vor, der müßig in der Saaltür stand und demi Aufmarsch zuschaute. „Mein Name ist Balucke," erwiderte der Herr unter höflicher Berbeuguug, aber etwas befremdet. Der Adjutant nahm seinen Arm und zog den Widerstrebenden tttit sich. So. — Was ich sagen wollte, Neegendahl — — Wir sind Nun schon zwei Monate dienstlich mit einander verheiratet — und da müisen Sie mir mal ein offenes Wort erlauben: Sie sind ein tüchtiger Offizier und ein lieber Kerl--bitte, bitte; das dicke Ende kommt noch — — dabei aber furchtbar zapplich und zerfahren in allen Dingen, die nicht direkt den Königlichen Dienst angehen. . ." „Verzeihen, Herr General, ich —“ , „Sie dürfen mir nicht ins Wort fallen, Kindchen. Das ist jauch so eine Zerstreutheit von Ihnen. Ich wiederhole: zapplich und zerfahren. Sie haben das durch viele wundervolle Belage erwiesen. Wenn ich ein Regenschirm wäre, würden Sie mich irgendwo stehen lassen. Sie sind eben ein junges gelehrtes- Huhn, Kriegsakademiker la, und die haben alle ein bischen was vom deutschen Professor. Da Sie dienstlich kein Unheil damit an- richten, würde ich kein Wort darüber verlieren. Ich lege aber großen Wert darauf, daß Sie sich heute auch außerdienstlich etwas zusammennehmen. Die Tanzerei bei Schönrng^s stt sozusagen die offizielle Beurkundung der guten Beziehungen! zwischen Garnison und Zivil. Dabei haben ©ie. die Brigade mit zu repräsentieren — und es wäre doch peinlich, wenn Ihnen Ihre Zerstreutheit wieder Streiche spielte. Das würde ich in Ihrem und in unserer Aller Interesse sehr bedauern. Wir müssen gerade auf dieser Gesellschaft recht gewinnend anftreten. , Suß- cholzraspeln und Schönmachen ist ja Ihr Fall nicht. Das können Sie auch ruhig den jüngeren Kameraden überlassen. Aber auf- merksani müisen Sie sein. Namentlich möchte ich in ihre. Hand legen, den Zivildamen Tänzer aus unseren Krtisen zu besorgen. Der Frau Kommerzimrätin vor allen Dingen. Sie ist ein bischen vollkommen — und die jungen Dachse sind schwer dazu zu kriegen, diesen Globus um seine Achse zu bewegen. Auch sonst müssen Sie ---na da sind wir schon. Also machen Sies gut, Neegendahl — Und vor allen Dingen geben Sie mir mal den richtigen Hut wieder. Mein ist der Helni und mir gehört er zu!" Im Wagen hatte der joviale General von Löhn nur ein langes bedeutsames Kopfschütteln. Schweigend hörte er die Verteidigungsrede an, welche der Unglücksmensch ihm mit großer Beredsamkeit vortrug. Er fei so vorsichtig gewesen, daß ihm aus eigener Schuld nichts passiert! wäre — absolut nichts. Der Herr Bürgermeister habe feinen! Paletot noch unter den Säbel zwängen wollen. Die Strafe folgte; auf dem Fuße. Daß die Frau Hauptmann Mühling unter hundert! Stühlen sich gerade den ausgesucht, auf welchem eine Portion Himbeereis stand, sei entweder unvorsichtig oder eigensinnig. Er könne nichts dafür — ebenso wenig für den Mißstand, daß Lohn- biener mit Tabletts während des Tanzes sich im Saale bewegen,. Unb die Geschichte mit dem Oberbedienten hätte jedem aitbcrn auch passieren können. Wenn so ein Kerl keine Serviette unter dem Arm trage, sei er von einem richtigen Regierungsrat picht! zu unterscheiden. „Jedenfalls habe ich das Gefühl absoluter Unschuld, Herb General. Das mögen der Herr General schon daraus ersehen, daß ich keine Spur befangen bin. Ich habe mich im Gegenteil! ausgezeichnet unterhalten. Wenn ich mich so zusammennehme wie heute, bann kann mir einfach nichts passieren--- >— >— —1 oh verflucht . . ." „Was haben Sie?" . „Herr Gott im Himmel--mir scheint wirklich, ich haba einen falschen Mantel erwischt. Nach dem Inhalt der Taschen zu urteilen. Gestatten der Herr General gütigst, daß ich ihn schnell mal ausziehe. Das wäre doch merkwürdig — — ich habe so aufgepaßt —" Bei den aufgeregten und hastig zerrenden Bewegungen, mit denen er sich des fremden Kleidungsstückes entledigte, schlug bet; Adjutant seinem hohen Chef mit der Rechten kräftig in die Augen- mit der Linken — klirr — in die Wagenscheibe. Der Unglücksmensch saß wie vom Donner gerührt. General von Löhn rückte sich den Helm zurecht und bemerkte trocken: „Sehen Sie, Neegendahl--nie den Tag vor dem Abends loben." _____________ — 84 — * Der Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei. R. Lange, Wieben. versteckrcitse!. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, rvie die Silbe „an" in „Wanderer'. Bohnensalat - Neqermädchen — Gabelirühstück — Ueberfluß — Geschwisterliebe - Taugenichts — Wintervergnügen — Wanderlust — Künstlerwelt. (Auflösung in der nächsten Nummer.) Auflösung des Ergänzuugsrärsels in voriger Nummer: Kannst dem Schicksal widerstehen, Aber manchmal giebt es Schläge; Wilk's nicht aus dem Wege gehen, Ei l so geh' du aus dem Wege. vom Morgen- und Abendrot. «u keiner Zeit des Jahres können wir das herrliche Schausviel der Vlorgen- und Wendröte so tn seiner ganzen Schönheit bewundern, wie an klaren Winter tagen, dre uns ost besonders farbenprächtige Sonnenuntergänge bescheren. Wenn der Sonnenball sich dem Horizont nähert, überzieht zuerst em zartes ^urpur rot den ganzen Westhimmel, emzelne Wölkchen, d« hoch mt Wether dahinschwimmen, erglühen rosig und Warben sich immer intensiver, die ties am Horizont stehenden Wolken erscheinen dunkelrot, und wenn die Sonne verschwunden rst, flammt der ganze Himmel wie in lohendem Feuer. Eunge Minuten blaibt die Glut bestehen, dann fangt sie an, allmählich zu erblassen, sre durchläuft die ganze Skala der roten Farbentone, um schließlich einen violetten Schimmer anzunehmen, der immer dunkler wird und endlich ganz erlischt; bte Dämmerung ist fortgeschritten die Dunkelheit bricht herein. Von tausend und abertausend Menschen wird das herrliche Schauspiel bewundert, aber die wenigsten von ihnen wissen, wie diese Lichterschernung zustande kommt, und merkwürdigerweise hat auch die Wissenschaft erst tn neuester Zeit dieses Phänomen richtig gedeutet. Früher nahm man an, daß bte Morgen- ober Abendröte nur bei hohem Wasserdauipfgehalt der Luft entstehen ko nm, und daß sie daher das Vorzeichen für den Eintritt laichten Wetters fei Das ist nun keineswegs der Fall, und der Wasierdampf der Luft kann allein die Erscheinung auch nicht Hervorrufen, trotzdem er dabei eine wichtige Rolle spielt. Wenn der Wasferdampf sich mit den immer in der Luft schwebenden feinsten Staubteilchen vermischt, dan schlägt er sich an diesen winzigen festen Körpern in Form ganz unendlich feiner Wasserbläschen nieder, bte Luft ist dann also auf weite Strecken erfüllt mit biefen schwebenden Wassertröpfchen, die so klein sind, daß sie unserem Auge nicht sichtbar werden. Die Sonnenstrahlen werden in diesen Tröpfchen in die bekannten sieben Spektralfarben zerlegt, und zwar, wenn die Sonne tief steht, von der Seite. Von diesem Sonnenspektrum wird nun der eine Teil natürlich nach oben in den Himmelsraum abgelenkt, während der andere Teil nach unten in unser Auge gelangt. Das ist aber der Teil, der die roten Spektralfarben trägt. Und deshalb erscheint uns die ganze Atmosphäre tn rotem Licht, das je nach der Lage und Dichte der brechenden Schichten einen tiefdunklen oder auch mehr gelblichen Ton annimmt. Prachtvoll dunkelrot oder auch schwefelgelb leuchten die Wolken, die tie in der Nähe des Horizonts stehen, während bei völlig klarem, blauen Himmel das Abendrot den zarten, rosigen Schimmer annimmt Da es nun immer Staubteilchen tn der Lust gibt, und -war überall, sowohl über dem Meer wie über dem höchsten Gebirge, so ist auch überall die Möglichkeit zu dieser prächtigen Lichterscheinung vorhanden. Der ferne, in der Luft schwebende Staub rührt zum größten Teil aus den Vulkanen unterer Erbe her, bte bei jebent Ausbruch große Mengen von ihm in bte Atmosphäre ausstoßen; er verbreitet sich m großen Hohen mit bem Winde über den ganzen Erdball und erhalt sich viele ^ahre in der Luft schwebend, ehe er sich auf dem Erdboden abfetzt. Infolgedessen treten nach großen Vulkanausbrüchen die Morgen- und Abendröte am schönsten und intensivsten auf. So hat die gewaltige Eruption des Kratakaua tn Südamerika vor einer Reihe von Jahren lange Zeit hindurch auf der ganzen ^de dte herrlichsten, an Farbenpracht ohnegleichen dastehenden Sonnenuntergänge hervorgerufen, und der Staub dieser groben Erdrevolutton spielt auch heute noch in dem Farbenwunder des Abendrotes sein, Rolle, da er immer noch nicht vollständig aus der Atmosphäre verschwunden ist. Daß die Himmelserscheinung Nitr auf dem ge- schilderten Wege zu Stande kommt, kann man übrigens auch experimentell Nachweisen, wenn man durch em mit Wasserdampf gefülltes Glasgefäß das Licht der Sonne fallen laßt. Es ev» scheint das durchscheinende Licht naturgemäß weiß, bläst man nun aber ganz feinen Staub in das Gefäß, dann ntmnUt bg Licht sofort eine rötliche Färbung an. Also ist der Staub s die Erscheinung unbedingt notig, da sich ohne ihn die Jemen Wassertröpfchen nicht bilden können, bte bte Brechung des Lichts erst ermöglichen. Wir sehen also, wie bte herrliche Farbenerscheinung, die wir morgens und abends am Himmel bewundern Lnnen, durch ganz einfache physikalische Gesetze bedingt ist. und zustande kommt. -insbesondere lernt der Gymnasiast nicht mehr ,o viel Griechisch, daß er die griechische Literatur beherrschen kann. Das Betreiben der griechischen Grammatik aber als VerstandEexerzttium oder Ata Tm XSrt für den Verstand ist „die größte Entwürdigung,, die man der Smache einLder ersten Kulturvölker aller Zeiten antun" kann. Den unglücklichen Versuchskaninchen die gerade an den Geheimnissen griechischer Konjugatton und Syntax ihren Verstand aefchärft bekommen haben, ist gewöhnlich die Sprache in dem Blaße verleidet, daß ihnen das Bildungselement der griechischen Sprache verloren"bleibt. Das Griechgche hat a so als solches ausgehört, Element der Allgemeinbildung iu Jem. Die Arbeit der sechs Jahre griechischen Studiums auf oem Gynt- tiassttm befähigen den Gymnasiasten gerade noch, das Etikett au einer griechischen Weinflasche zu lesen. D« antiken Btl- dungselemente werden aber nicht mehr durch bte Vermittlung der ^griechischen Sprache gewonnen. Diese ist heute nur noch nötig für bas Berufsstubinm bes Altphilologen, wie etwa das Hebräische für den Theologen. Ist nun Griechisch noch für bat Juristen nötig, weil einzelne Teile des Eorpus juri§ griechisch geschrieben sind? Das ist nicht der Fall; denn für ^Sememe Recht und damit als Grundlage des heutigen Privatt^echts konr- men überhaupt nur bte lateinischen Teile des Eorpusfums in Betracht. Trotzdem wird auch die moderne.Rechtswtsfatfchaft d-t-e griechisch geschriebenen Teile des Eorpus furcs studieren. -Iber der Jurist, der sich diesem Studium widmet, ist, Nicht mehr Jurist im eigentlichen Sinne; er ist Philologe. Für den, aber bleibt Griechisch stets Hilfsmittel seiner Fachstudien, wie.es für den Germanisten, der nordisches Recht.studiert, die nordiichcn Sprachen sind. Schon heute wird der Jurist, der auf dem Gymnasium sechs Jahre Griechisch gelenit hatte, nie mehr ernc! Zeile Griechisch lesen, sobald er bte Schule verlassen hat. nur Der erwähnte Rechtsphilologe wird es weiter betreiben als Erfordernis seiner Berufsbildung. Seit 1902 sind die Abiturienten der Realschulen auch zum Studium der Rechtswissenschaften zugelassat. Sie sind angehalten, soviel Lateinisch zu lernen, daß !te das Corpus juris lesen können. Vom Erlernen der griechischen Smache tft keine Rede bei ihnen. Die alten Gebiete der Rechtswissenschaft werden also für die Zukunft den Rechtsphilologen bletben, wahrend sich die Realschüler den modernen Zweigen der Rechtswissenschaft, dem Urheber-, Patentrecht u. a. widmen werden, zu denen dw Kenntnis der modernen Sprachen und der Rj^jwisscm, chaften unentbehrlich ist. Die Doppelbildung hat also als letzten der Akademischen Stände auch den Juristenstand ergriffen. öermiid>te». Einfluß von Alter und Geschlecht bei Erkrankungen. Eine interessante Stattsttk über bte Häufigkeit von Erkrankungen bei den beiden Geschlechtern und m den verschiedenen Altersstufen veröffentlicht ^r Glasgower Arzt Tr. James Grant Andrew auf Grund emes an 42603Orantenjn halb der letzten zehn Jahre gesammelten Materials, xte groge Zahl der Erkrankten gehörte dem männlichen Geschlecht an nam ttch 61 v. H. Erkrankungen der Lunge traten bet den Mannern bedeutend häufiger auf, als bei den Frauen und zwar tu bent Verhältnis von % zu %. Unter den von einer a^en Lungenentzündung Befallenen befanden sich 82 v. H. Ä«, ui den Lugenschwindsüchtigen 67 v. H„ unter den an Bronchttts Erkrankten 71 v. H., unter den von Rippenfell- und eitrigen Brustfellentzündung Ergriffenen waren 74 v. H. Männ^. Tis Zahl der erkrankten Frauen überwog nur bet ben an Asthma- Leidenden, von benm 64 v. H. aufs weibliche Geschlecht kamai. Die größte Zahl von Krankheiten der Lunge wurde zwischen 20 und 30 Jahren festgestellt. In dies er. Alterspenodewurden die meisten Fälle von akuter Lungaientzundung beobachtet unv. auch die Fälle von akuter Rippenfellentzündung waren häufiger als in irgend einem anderen Alter. Auch Lungenentzündung trat in der Zeit vom 20. bis zum 30. Jahre häufiger auf, als in allen anderen Jahrzehnten des Lebens; ebenso Asthma. Tie vorherrschenbe Krankheit wahrend des 40. bis 50. Jahres war chronische Bronchitis; auch akute Lungenentzündung trat tn bietet «eit häufiger auf, als vorher; doch läßt stch bann tut höheren Alter ein beständiges Mnehmen dieser Krankheit feststellen, eben- so bei der Ltrngattttberkulose. Nächst den Lungenkrankheiten kamen die Krankheiten des Magens, die 4 v. H der GesamterkrankungM ausmachten. Sie traten bei Frauen häufiger auf als bet ..innnern und zwar int Verhältnis von a/3 juVs. Die größte Zahl der magenerkrankten Frauen, nämlich 90 v. H. litt an Jiagen- aeschwüren, der verbreitetsten Magenkrankheit überhaupt. Fast die Hälfte aller Fälle litt an Magengeschwüren; die größte Anzahl fand sich in der Zeit zwischen 20 und 30 Jahren Unter den 42 603 Fällen befanden sich 1474 Erkrankungen des Herzens, zu denen die Männer eine größere Anzahl stellten als die Frauen. Auch Erkrankungen der Blutgefäße Warnt bemt männlichen Geschlecht häufiger als beim weiblichen. Unter den 1475 Fallen von Nierenkrankheiten kamen 62,9 v. H. auf männliche Patienten. Tie Zahl der männlichen Erkrankungen überwiegt also in de« allermeisten Fällen die der weiblichen.