Donnerstag -en 5. Oktober 4 i\ MgB TM ■-4iy.Fr um unser aller willen muß ich Mstt genug haben, es zu enden. Meinst du, Muh genug, um deine Freilassung zu sor- dern? fragte ich. Ich kann niemals meine Freilassung fordern, entgegnete sie. Wie es auch immer enden mag, für mich muß es traurig enden. Alles, was ich tun kann, Märianne, ist, mein Elend nicht noch durch das Bswußtsein, mein Versprechen gebrochen und meines sterbenden Vaters letzte Worte vergessen zu haben, zu vergrößern. Was beabsichtigst du da zu tun? fragte ich. Sir Percival mit meinen eigenen Lippen von der Wahrheit zu unterrichten, entgegnete sie, und ihn mich freigeben lassen, wenn er will, nicht, weil ich ihn darum bitte, sondern weil er alles weiß. Was willst du mit „alles" sagen, Laura? Sir Percival wird genug wissen (das hat er mir selbst gesagt), wenn er weiß, daß die Verbindung gegen beiite Wünsche ist. Känn ich ihm das sagen, wenn mein Vater sie mit meiner Zustimmung einging? Ich hätte mein Versprechen gehalten, nicht sehr froh, wie ich fürchte, aber doch zufrieden, Marianne, wenn in meinem Herzen nicht eine andere Liebe ausgewachsen wäre, die nicht da war, als ich versprach, Sir Percival zu heiraten. Laura! Du wirst dich doch nicht so erniedrigen, ihm ein Bekenntnis zu machen? Ich würde mich in der Tat erniedrigen, wenn ich meine Freiheit von ihm erhielte, indem ich ihm das vorenthalte, was er ein Recht zu wissen hat. Er hat nicht den Schatten eines Rechtes darauf, es zu wissen! Falsch, Marianne, falsch! Ich sollte niemanden täuschen — am allerwenigsten aber den Mann, dem mich mein Vater, dein ich selbst mich gab. — Ich denke schon! seit mehreren Tagen daran, Liebe, fuhr sie fort, und ich kann mich auf meinen Mut verlassen, wenn mein Gewissen mir sagt, daß ich recht tue. Laß mich morgen zu ihm sprechen, in deiner Gegenwart, Marianne. Es wird mir das Herz so sehr erleichtern, dieser erbärmlichen Verheimlichung ein Ende zu machen! Sie seufzte und legte ihren Kopf wieder ,an seine alte Stelle an meiner Brust. In meinem Herzen erhoben sich trübe Ahnungen über das Ende von allem; aber, da ich mir noch immer mißtraute, sagte ich ihr, ich wolle tun, was sie wünsche. Sie dankte mir, und wir sprachen dann allmählich von andern Dingen. ! I I | ■! W Sie kam heute zu Tische hinunter und war unbefangener und mehr dieselbe gegen Sir Percival, als ich sie je gesehen habe. Nach Tische setzte sie sich ans Klavier, wählte aber von der neuen künstlichen, unmelodischen, brillanten Musik. Die lieblichen, alten Melodien, die der arme Hartright so gern hörte, hat sie, seitdem er fort ist, noch nicht wieder gespielt. Den 8. November. >— Das erste Ereignis des. Morgens war nicht geeignet, mich froh zu stimmen; es kam ein Brief für mitt) von dem armen Walter Hartright. Es ist die Antwort auf den nteinigen, in welchem ich ihm schrieb, auf welche Weise Sir Percival Glyde den Argwohn beseitigte, den Anna Cathericks Brief auf ihn geworfen. Er schreibt kürz und bitter über Sir Percivals Erklärungen, indem er bloß sagt, daß er nicht das Recht hat, eine Meinung über die abzugeben, welche höher stehen als er. Dies ist traurig. Aber seine gelegentlichen Bemerkungen über sich selbst betrüben mich noch mehr. Er bittet miet) dringend^ falls ich irgendwie Einfluß habe, ihn dazu zu verwenden- daß ich ihm eine Anstellung verschaffe, die es notwendig für ihn mache, England zu verlassen und unter ganz neuen Verhältnissen und Leuten zu leben. Ich werde diese Bitte um so bereitwilliger erfüllen, als mich eine Stelle am! Schlüsse seines Briefes fast beunruhigt hat. Nachdem er gesagt, daß er von Anna Catherick weder etwas gehört noch gesehen hat, bricht er plötzlich ab und spielt auf die unerwartetste, geheimnisvollste Weise darauf an, daß, seit er nach London zurückgekehrt ist, fremde Männer ihn fortwährend verfolgen und ihm aufpassen. Er bekennt, daß er für diesen sonder bar en Verdacht keine Beweise beibringen kann, indem er bestimmte Personen bezeichnet; aber er erklärt, daß der Verdacht selbst ihn Tag und Nacht begleitet. Dies hat mich erschreckt, weil es fast aussie'ht, als ob seine fixe Idee in bezug auf Laurg 623 seine Geisteskräfte stkanken machte. Ich will sogleich' Nach London an einige von den einflußreichen ehemaligen Bekannten meiner Mittler schreiben und ihre Aufmerksamkeit sür sein Ersuchen in Anspruch nehmen. Abwesenheit und neue Beschäftigung kann zn dieser Krisis seines Lebens wirklich seine Kettung sein. (Fortsetzung folgt.) Die türkische Familie. Skizze aus den Papieren Ferhad Paschas (Baron v. Stein). Von „Mars". Unter den Papieren meines Großvaters, der infolge seiner 'aktiven Beteiligung an dem Aufstand des Jahres 1848 den größten Teil seines Lebens als Flüchtling im Auslande, darunter zehn Jahre in der Türkei verbrachte, fand ich unter anderem ein Fragment, in dem die türkische Familie geschildert wird. Obgleich diese Aufzeichnung um das Jahr 1860 entstand und auch in der Türkei sich manches geändert hat, glaube ich dennoch, daß die Skizze Allgemeininteresse hat, und will ich sie darum der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten. Ferhad Pascha war ein in türkischen Diensten stehender ehemaliger österreichischer Offizier, namens v. Stein, bei dem mein Großvater eine Anstellung als Privatsekretär gefunden hatte. Die Papiere dieses Paschas, der selbst mit der Witwe eines Muselmanns verheiratet war und deren Söhne erster Ehe mit ihren Frauen in demselben Hause lebten, bieten ein reichhaltiges Material, aus dem mein Großvater folgendes erzählt: Für den Europäer und den Nichtmuselmann ist es ganz und gar unmöglich, in das innere häusliche Leben des Moslims einzudringen, und was davon in Europa erzählt wird, beruht auf dürftigen Wahrnehmungen, unvollständigen Mitteilungen und den Bären, welche listige Dolmetscher den Reisenden aufgebunden haben. Die Absonderung der Geschlechter und die Sitte, vermöge welcher heiratsfähige Mädchen und Frauen vor Männern (die nächsten Anverwandten ausgenommen) sich mehr oder weniger verhüllen, hat der Islam als ein Erbe urältester Zeit übernommen. In Arabien herrschte diese Sitte, und Mohamed hätte fo wenig vermocht, sie abzuschaffen, als dies heute möglich ist. Und gerade der weibliche Teil würde sich wahrscheinlich einer Veränderung dieser Sitte am energischsten widersetzen; denn die dünne Hülle, die bei den vornehmen und reichen Damen das Gesicht bedeckt, läßt den Teint feiner und weicher, die rote Schminke minder auffällig erscheinen und verbirgt leichte Falten, die fchöne Europäerinnen oft zur Verzweiflung bringen. Die Absonderung der Geschlechter bedingt eine Scheidung der Wohnunaen, wovon der „Harem" — der verbotene Ort — nur den weiblichen Gliedern des Haushalts, den nächsten männlichen Anverwandten, den noch nicht mannbaren Knaben und entmannten Hämmlingen zugänglich ist. — Der andere, ganz abgesonderte Teil des Hauses heißt „Selamlik" — Begrüßungsort — und gehört ausschließlich den Männern. — Frauenbesuche wenden sich in den Harem, der seinen eigenen Eingang hat, selbst in dem Falle, daß sie Geschäfte zu dem Hausherrn führen, der dann, in den Harem gerufen, gewöhnlich, durch weibliche Mitglieder seiner Familie von dem Verlangen des Besuches in Kenntnis gesetzt wird. Häufig trifft man in den größeren Wohnungen einen Mittelraum, gleich zugänglich von Harem und Selamlik, sein Name ist Mabein — Zwischenraum. Während die Araber in ihren Zelten Harem und Selamlik durch Zwischenwände abteilen, gibt es in den Häusern der Armen, welche in den Städten ober Dörfern wohnen, oft kein Selamlik, und toemt sich in unabweisbaren Geschäften ein Besuch einstellt, mit welchem der Hausherr weder in ein Kaffeehaus noch in die Vorhalle einer Moschee, noch sonst wohin geljeit kann, so werden die weiblichen Mitglieder des Haushaltes entweder in em anderes Gemach des Hauses eingesperrt oder zu den Nachbarinnen auf Besuch geschickt. , _ f . Es bedarf keiner weiteren Ausemandersetzung der Folgen und Einwirkung dieser Absonderung der Geschlechter. Unverkennbare Notwendigkeit mochte sie einst geschaffen haben, und in der Werse, wie sie noch heute bei den nomadisierenden Stämmen Arabiens gang und gäbe ist, hat sie sogar ihr unleugbar Gutes. Wenn; ein ganzer Stamm unter Zelten lebt, so erscheint diese Trennung als eilt Mittel der Sittenpolizei von hohem Belange; aber da unter den Zelten das Familienleben auch nur äußerst wenige Geheimnisse haben kann, so fehlt den Jünglingen und Mädchen die Gelegenheit nicht, sich zu beobachten und kennen zu lernen; ja wir behaupten ungescheut, daß unter solchen Verhältnissen durchaus keine Verstellung, wie sie in Europa beide Geschlechter so häufig täuscht, einschleichen könne. Ganz anders muß es kommen, wenn die Menschen anstatt der luftigen Zelte in Häusern wohnen, und in dieser Übertragung ganz zweckmäßiger Institutionen auf Verhältnisse, die himmelweit verschieden, liegt_ hier wie in so vielem anderen die Widersinnigkeit. Starre Stabilität von Gesetzen und Sitten unter dem Wechsel aller äußeren bedingenden Umständen kann der Vernunftwidrigkeit wegen nur nachteilige Folgen haben. In der türkischen Familie gilt noch heute der Mann als der Ernährer und Herr, selbst die Frau und Kinder erscheinen nicht viel besser gestellt als die Sklaven. Da alle äußeren Beziehungen auf ihm ruhen, so besorgt er auch infolgedessen alle Anschaffungen und Bedürfnisse für das Haus persönlich oder durch seine Diener; es darf daher nicht wundernehmen, hochgestellte Männer Eßwaren untersuchen und darum handeln zu sehen. Ehedem war es Sitte, daß die Männer auch alle persönlichen Bedürfnisse der Frauen einkauften oder wenigstens auswählten und in das Mabein bringen ließen, wo die Frauen eine nähere Auswahl trafen. Heutzutage aber und besonders in den Gegenden, welche der westeuropäischen Zivilisation zugänglicher sind, überlassen die Türken ihren weiblichen Familienmitgliedern die Anschaffung ihrer persönlichen Bedürfnisse selbst, wodurch dieselben in direkte Beziehung mit den Handelsleuten kommen. Von welchen Folgen dies war, zeigt ein im Jahre 1858 erlassenes Verbot des Polizeiministers, durch welches muselmännischen Franen der Eintritt in die Läden der Kaufleute untersagt wird. — Die türkischen Basars älterer Bauart sind an der Seite, welche der Straße zugekehrt ist, ganz offene Buden, und man begreift das Verbot erst, wenn man weiß, daß sie im Hintergründe Magazins enthalten, in welchen sich außer den Warenvorräten auch kleine Divans und andere Bequemlichkeiten vorfinden. Diese Räume werden nun unter dem Vorwande, die Waren zu besehen, besucht, dienen aber häufig zu Liebeszusammenkünften. Sklavinnen und Verschnittene warten indessen ganz vertrauensvoll vor der Boutique, während die Dame sich im Innern befand, und auf diese treuen Wächter und Begleiterinnen beruft man sich bei jeder Anschuldigung, gegenüber irgendeinem Zweifel. Es ist eine allgemein verbreitete, aber nichtsdestoweniger irrige Meinung, daß unter den Moslim die Polygamie herrschend sei. Sie ist nur gestattet, und die Gründe hierfür liegen wieder so tief in den klimatischen Verhältnissen, daß wir die unter den gleichen lebenden Patriarchen der heiligen Schrift mehrfach beweibt finden, ohne daß sich unsere Verehrung sür sie deshalb verminderte. In südlichen Ländern sind die weiblichen Geburten zahlreicher als die männlichen, und bei nomadischen und kriegerischen Völkern wird die Zahl der Männer durch die unvermeidlichen Beschwerden und häufigen Kämpfe stets unverhältnismäßig vermindert. In heißen Ländern reifen die Mädchen viel früher, verblühen aber auch um so eher und verlieren in einem fast noch jugendlichen Alter die Fähigkeit, Mutter zu werden. Endlich glaubten die Volkslehrer in der Polygamie ein Schutzmittel gegen viel unmoralischere und widernatürliche Sinnesbefriedigung zu finden, zu denen das heißere Blut und vielerlei äußere Bedingungen den Südländer mehr als den Nordländer verleiten. Mohamed fand die Vielweiberei in den Sitten seines Volkes, und wenn er fie für unzulässig erklärt hätte, würde er nicht nur gegen das wahre Bedürfnis gehandelt, sondern auch gerade die Reichsten und Mächtigsten vom Beitritt zu seiner Lehre abgehalten haben. —> Die gestattete Polygamie und die der frühzeitig eintretenden Mannbarkeit entsprechenden frühen ehelichen Verbindungen beider Geschlechter hat 12 Jahrhunderte nach Mohamed noch den günstigen Einfluß, daß es außer der Hauptstadt beinahe keine Lustdirnen gibt; so sehr ist die Prostitution durch das vorgedachte Institut beschränkt. Mohamed gestattete seinen Anhängern, außer ihrer rechtmäßigen ersten Gattin, die immer das weibliche Familienhaupt bleibt, noch auf gesetzlichem Wege mit drei anderen Frauen freien Standes in eheliche Verbindung zu treten, und außerdem so viele ihrer weiblichen Sklaven zu gebrauchen, als jeder mit allen Bedürfnissen hinreichend versehen kann. Die Kinder dieser drei verschiedenen Verbindungen haben aber vollkommen gleiche Rechte. Die Verbindung mit einer Freren, welche nur unter gesetzlichen Formen und öffentlich stattfinden kann, ist durch Rücksicht auf die erste Gattin und deren Familie, den Fall erwiesener Untreue oder chronischer Krankheit ausgenommen, sehr erschwert, und Heiratslustige müssen tief unter ihren Stand heruntergreifen, um ein freies Mädchen zu finden, das sich zur zweiten Frau ^Ißenn aber in einer mehrjährigen Ehe keine oder keine männlichen Kinder erzielt werden, Gesundheitsrücksichten den engeren Verkehr der Frau mit dem Manne für immer versagen, bann pflegen solche Frauen nicht nur selbst ihre Zustimmung zu einer weiteren ehelichen Verbindung zu geben, sondern sie wählen selbst dem Gatten seine künftige legale Beischläferin, wenn es die Mittel erlauben, eine weiße Sklavin, und sichern sich aus diese Art die Erkenntlichkeit des Gatten, der neuen Frau und die forw dauernde Machtstellung im Hause, selbst wenn namentlich nach der Geburt eines Knaben die Sklavin — Odalisk — tret« gesprochen und deren Verbindung durch einen Ehekontrakt befestigt werden sollte. , ~ ,,, r. , ... < Die Sklavinnen, welche der Frau gehören, sind für bett Ehemann gleich Töchtern unantastbar, und eine kluge Fran duldet keine ihr nicht eigentümliche Sklavin im Hause, wenn sie Nicht durch eigene Gebrechen oder Schuld dazu gezwungen ist. , Da unter den gegebenen Verhältnissen der Muselmann hflrats^ fähige Mädchen^ nicht unverhüllt sehen, .»och wemger mit in einen Verkehr treten kann, welcher ihm Aufschluß übet. Charakter, Gemüt und Verstand verschaffte, fo muß er sich bei der Wahl feiner Gattin an feine nächsten weiblichen «nberroaigten wenden Da aber das Ehestiften für em gottgefälliges Weik angesehen wird, und daraus' immer kleine Vorteile erwachsen, besonders wenn die Verbindung zur gegenseitigen Zufriedenheit ausfällt, so werden solche Aufträge mit Vergnügen angenommen Und, abgesehen von den Instruktionen, nach eigenem besten Ermessen ausgeführt. Lebt die Mutter des jungen Mannes noch, so kann er mit Bestimmtheit darauf rechnen, mit einer derselben anständig erscheinenden Gattin versehen zu werden, wobei sein Geschmack aber am wenigsten berücksichtigt wird. Die Stifterinnen von Heiraten beschreiben wohl Gesichtszüge, Figur usw. der von ihnen erwählten Braut, wenn auch nicht mit der Treue des Signalements eines Steckbriefes, doch immer verschönernd; nicht selten belügt in solchen Fällen die Mutter ihren eigenen Sohu. Eigenes Urteil selbst des vermummten Mädchens ist nicht möglich, denn eine anständige Person verweigert es immer, an einem Orte zu erscheinen, wo sie der Bewerber auch nur aus der Ferne sehen könnte. Den Bewerber hingegen zeigt man nicht selten dem Mädchen, besonders wenn seine äußere Erscheinung vorteilhaft ist. Der junge Mann glaubt noch an die Garantie des Harems und hofft vielleicht bei der Jugend des Mädchens auf eine Bildsamkeit und Gefügigkeit, die er selten findet, und die besonders durch die Beratungen älterer weiblicher Famitienglieder gestört wird. Das Vermögen der Braut kommt in der Regel nur insofern in Betracht, als ihre vollständige Aussteuer dem Gatten gestattet, durch eine längere Zeit keine wesentlichen Anschaffungen machen zil müssen; außerdem ist durch den Besitz von Realitäten dem Gatten freie Wohnung und mancher anderer Bedürfnisse des Hauswesens gewährt. Bare Einnahmen, Renten- und dergl. gehen aus dem eigenen Vermögen jedem Teile zu, und jene der Frau fließen nie in eine gemeinschaftliche Wirtschaftskasse, denn der Unterhalt des Hauses ist ausschließlich Sache des Mannes. Ganz bezeichnend sagt ein türkisches Sprüchwort: „Wenn die Braut auch goldene Leuchter ins Haus brächte, so wird der Mann doch stets die. Kerzen herbeischaffen müssen." (Schluß folgt.) Gin Besuch der ersten deutschen Naturschutzparks in der Lüneburger Zentralheide. Von einem Freunde unseres Mattes wird uns geschrieben : Die deutsche Naturschntzparkbewegung hat in den letzten Fahren große Fortschritte gemacht und auch schon mancherlei bedeutsame Erfolge zu verzeichnen. Angesichts der zunehmenden Verelendung Unserer Landschaft durch intensive Bewirtschaftung (Aufforstung, yeldbereinigung usw.) und rücksichtslose Ausbeutung landschaftlich hervorragender Gegenden durch die Spekulation nahmen sich Dürerbund, Kosmos und Oesterreichischer Reichsbund für Vogelkunde und Vogelschutz (Wien) kräftig der guten Sache an und suchten vor allem dem deutschen Volke die Augen darüber zu öffnen, welche Werte hier eigentlich in Gefahr stehen. Es entstand weiterhin ein besonderer „Verein für Naturschutzpark" (Stuttgart), der sich die Erhaltung der deutschen Heimat in ihrer Sonderort zu« besonderen Aufgabe stellte. In Aussicht genommen sind zunächst drei solcher Parke: in den Alpen (Steiermark), im Mittelland (bayerischer Wald — Urwald) und in der Lüneburger Heide. Allerdings wäre mancherorts die Hilfe zu spät gekommen, wenn sich nicht ideal gesinnte Leute gefunden hätten, die bereit gewesen wären, durch große persönliche Opfer ihrem Volke ein ansprechenden Stück Heimat zu erhalten. . Das Gesagte trifft insbesondere auf die Lüneburger Heide zu. Von dem Fiskus wurden dort in den letzten Jahrzehnten Aufforstungen in solchem Umfange vorgenommen, daß das Verschwinden des typischen Landschaftsbildes in aller kürze zu gewärtigen stand. Dies für die prachtvolle Zentralheide verhütet zu haben, ist das große Verdienst zweier Männer: Pfarrer Bode in Egestorf Und Prof. Thomsen in Münster. Sie erwarben die höchste Erhebung der Heide (169 Meter), den Wilseder Berg, und dicht dabei ein schluchtartiges Tal, den Totengrund, um sie den Vereinigungen als ersten Besitzstand zu übergeben. Außerdem ist dem preußischen Abgeordnetenhaus eine Vorlage zugegangen, zehn Jahre lang jährlich 40 000 Mark für die Naturschutzparke einzustellen. Nun könnte leicht die Frage aufgeworfen werden, ob denn 0Uch eine öde, wüste Heidegegend so große Opfer wert sei. Wir Binnenländer stellen uns la doch die Heide meistens flach wie ein Kuchenbrett vor, als eine Einöde, in der außer Sand und Heidekraut weder Baum, noch Strauch, noch Hügel zu sehen ist. Für die Zentralheide trifft aber nun diese Vorstellung ganz und M« nicht zu. Diese zeigt durchaus den Charakter unserer Mittelgebirgslandschaften und ist weder öde noch langweilig. Von Döhle aus, wo ich den Zug verlasse, um das Dorf Wilsede auf- Ausuchen, führt mich eine prachtvolle Birkenallee, in reizvollster Weise mit Vogelbeerbäumen (Sorbus aucuparia) untermischt, durch Niedriges Kiefernholz sanft bergan. Mit Findlingen eingefaßte Wege und herumstehende Malerinnen zeigen mir bald die Nähe des Ortes an, und schon sehe ich hinter einem uralten Buchen-, bestand die ersten mit Stroh bedeckten Dächer der niedersächsischen Bauernhäuser a'uftagen. Die Naturschutzparkvereinigung Hat 8oi4 ein äußerst sehenswertes Heidemukeum geschaffen und zugleich durch Errichtung eines Hotels rn altlüneburger Stil für gute Unterkunft gesorgt. Ueber Mittag geht ein heftiger Gewittern regen nieder; doch bald lacht wieder die Sonne strahlend auf die erfrischende Erde hernieder. Beim Ausstieg auf den Wilseder Berg erfreut uns würziger Birkenduft, der sandige Boden ist fester geworden durch das eingedrungene Naß — es ist ein wonniges Wandern! Dieser „Berg" würde bei uns kaum als solcher angesprochen werden. Doch hier, wo alle Maßstäbe zum Vergleich fehlen, wirkt er recht stattlich und gewährt bei klarem Wette« eine umfassende Rundsicht. Auf seiner kahlen Spitze steht eine zerzauste Signalfichte. An seinen Abhängen steigt die rot angehauchte Heide ins Tal hinab, hier und da überragt von mächtigen Findlingsblöcken. Große Bienenstände mit den alten Rundkörben verraten uns die Standguartiere der fleißigen Honigsammlerinnen^ die allerorts die blühende Heide umsummen. Sie bestes hier nür aus denk Heidekraut (Calluna vulgaris), während die schönere Glockenheide (Erica tetrahx) hauptsächlich an tiefen (Stellen wächst und meist schon verblüht ist. Unterbrochen wird zwar auch hier die Heide durch Wachholderbüiche (Juniperus communis); wollen wir aber diese Heidecharakterpflanze in idealer Gestalt sehen, so müssen wir den nahen Totengrund auffuchen. Die Abhänge dieser rotherauslenchtenden Schlucht sind mit Wachholder in allen Formen bestanden: hoch aufgeschossene Säulen, geheimnisvoll die Köpfe zusammenneigende Gruppen, massige Protzen uitb kümmerliche Zwerge, kurz ein Formenreichtum, daß man geneigt wäre, alles der Kunst eines erfahrenen Gärtners zuzuschrciben, was hier von der Natur in freiem Schaffen hervvrgebracht wurde. Hinter den kulissenartigen Wänden versteckt, liegt ein erratischer Block von wahrhaft riesenhafter Größe. Etwas abseits lugt unter starken Eichbäumen ein eigentümliches Bauwerk hervor. Es ist ein dem Boden aufsitzendes Dach, mit Heidefladen gedeckt und an den beiden Giebelseiten mit torartigen Eingängen versehen. Wir haben hier einen Uebernachtungsraum der großen Schnuckenherden, die uns schon mehrfach unterwegs begegnet sind, vor uns. Doch die Nebelschwaden, die aus dem Totengrund aufsteigen und in Fetzen -wischen dm Wachholderbüschen hindurchjagen, so daß diese die abentmerlichsten Formen annehmen, mahnen zum Aufbruch Nach dem nahegelegenen Kurhaus Heidetal. Der nächste Tag ist ein Soimtag, und ivährend ich auf wunderbar rot eingefaßtem Heideweg durch urwüchsigen Bauernwald hindurch zum Bahnhof Wintermoor wandere, begegnen mir Scharen von lufthungrigen Großstädtern, die für heute der Heid« ihr köstlichstes Besitztum, die absolute Ruhe, beträchtlich mindern werden. An einem der letztm Sonntage hat Hamburg allein/ laut amtlicher Mitteilung, gegen 40 000 Ausflügler in die Heide befördert. ______________ humoristisches. * Von seinem Standpunkte. Trinker (welcher liest/ daß Tiogmes am hellen Tag mit einer Laterne herumging); „Himmel, muß der bezecht gewesen sein!" * Ein guter Kerl. Stammgast (zur Kellnerin): „Anna, die Köchin braucht sich nicht zu beunruhigen, wenn sie einige Haare vermissen sollte —, ich habe sie eben in der Suppe gefunden^ Kössrlsprung. schüt er zei lern' tem von ter und er Pf auch ge doch se ein ein sti lich gün trüb ger wind li ger es dich mut un ta gel klüg dein zeit se (Auflösung in der nächsten Nummer.) Auflösung des Rätsels in voriger Nummerk Wesel, Wiesel. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckereü R. Lana«. Gießen.