Samttag den S. August M - Nr. \2\ Bfin y/fi/a^/TÄ WWW WWM«i bKs wSS&M WNÄ W^WW «W lOMDW ^W?W WWE^ i Vv*"‘‘O\S^t3, Das nette Mädel. Roman von Fedor von Zobeltttzi (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Der Manu ist nicht klug," sagte Traute. 7,Ich habe Mr keinen Betthimmel, und dann überhaupt." „Er schreibt noch mehr," fuhr Köhler fort. „Hör zu. .Jedenfalls bitte ich Fräulein Trante meine respektvollsten Grüße zu bestellen' — schreibt er .und ihr zu sagten, daß list es mit meinem int letzten Ergebensten niedergelegten Anträge aufrichtig ernst meine. Es ist immer mein Ideal gewesen, eine deutsche Jungfrau mit blondem Haar und blauen Augen heimführen zu dürfen'!" „Aber die von Traute sind grün angelaufen," rief Alfred. „Es wird ihm so genau nicht darauf ankornmen," Meinte die Mutter und fügte mahnend hinzu: „Aber nun zu Tisch! Die Suppe wird kalt." Der Quesal, Quetzaltenango, Guatemala und Mister Brigham bildeten vorderhand auch noch das Tischgespräch. Es stellte sich heraus, daß der Geschäftsfreund itt Mittel- Mmerika in seiner letzten Zuschrift wieder des längeren! pon Traute geschwärmt hatte. Er schrieb auch, daß es sich Sn Quetzaltenango recht angenehm lebe; sogar ein neues Theater sei da. Die Regenzeit währe nicht so lauge als in der Hauptstadt, und auf der Farm in den Bergen herrsche selbst in den heißen Monaten eine sehr angenehme Temperatur. Für Köhler aber lag der Hauptwert des Briefes' itt der kurzen Nachschrift: .Cochenille ist ganz ein» geschlafen, in Bezug auf den Kautschuk hoffe ich jedoch auf eilten glänzenden Aufschwung. Darüber baldigst Näheres.' Traute wurde von den Geschwistern viel geneckt, bis die Mutter Rühe gebot. Es schicke sich nicht, über einen Geschäftsfreund des Vaters zu spötteln, der zweifellos ernsthafte Absichten habe. Aber da erhob Traute Wider- sprnch. Tas könnte sie nicht glaubet!; es sei doch undenkbar, daß man um ein ganz unbekanntes Mädchen ^reie. Alfred hatte einen Roman von Karl May gelesen, in dem so etwas vorkomme. Er wollte die Geschichte auch erzählen, doch wieder gebot die Mutter Ruhe: man solle von Mister Brigham endlich aufhören und den Quesal aus dem Zimmer schaffen; er rieche nicht gut. Nut! trat Mister Brighäm in 'den Hintergrund, und Traute konnte von der aufgelösten Versammlung in der Ressource erzählen. Das erregte n'euss Interesse, und da Trante wohlweislich verschwieg, was sie nicht zu berichten wünschte, so schlug der Vater sich! auf die liberale Seite und erklärte sich energisch gegen die Uebergriffe der Polizei. Nach Tische aber Wanderte man von neuem nach Mittel-Amerika und Quetzaltenango und zu dem Mann Mit dem heißen Herzen und der neuen Kautschukpflanze, Da hätte Köhler sich nämlich auf sein altes Ledersofa gelegt, und Traute mußte ihm die Pfeife mtt den drei Sternen anstecken und sich dann neben ihn setzen. „Bloß auf fünf Minuten," meinte er. „Nachher nick ich ein bißchen. „Ich krieg dich ja gar nrcht mehr aMn zu sprechen. Na, was sagst du zu deinem ttnermuoltcheu Verehrer da drüben?" , „ ., „ . w „Ich amüsiere mich über ferne Hartnäckigkeit. Hattest du ihm denn auf seinen ersten Brief geantwortet?' „Versteht sich. Aber war über seine originelle Werbung mit einem Scherz hinweggegaugen. Ich weiß nicht mehr wie; der Brief ist kopiert — ich kann ihn ja mag heraussuchen lassen. Jedenfalls kann er die Antwort noch gar nicht in Händen haben, und daß er trotzdem schon wieder loslegt, scheint mir doch ein Beweis dafür, daß er gewaltig passioniert sein muß." „Passioniert ist gut,- Väterchen. Aber hab 1 ch s ihm Mnn angetan? I bewahre — er hat sich für eine schlechte Photographie begeistert!" , r .A_. „Da wird ihm das Original vermutlich noch besser ge- feilten11 1 „Väterchen, laß mich doch gleich verpacken uiid zur Ansicht nach Guatemala verschicken. Unter Wertangabe m sie braucht ja nicht hoch zu sein." .. Das Gesicht Köhlers schlug vergnügte Falten. „Doch, sagte er schmunzelnd, „da du das höchste Wertochekt meines Lagers bist. . . Liebling, wenn ich so denke warum denn nicht? Es gehen ja so viele Töchter unserer Stadt über das Wasser. Senator Reite hat erst kürzlich ferne Jüngste nach Canada verheiratet. Natürlich behielte ich dich lieber hier. Aber Was inan so eilte gute Partie nennt, die wirst du bei uns schwerlich finden. Dazu ist der Kastengeist zu stark. Ein kleiner Grossist wie uh . spielt tn der Gesellschaft keine Rolle. Nun hat man dich ja freilich 'rangeholt, und eine ganze Menge junger Herren hat bei uns sogar Karten abgegeben. Aber das will gar Nichts sagen -- und wenn Mutter sich in ihrer schNUiseudett Phatt- tasie mit dem Gedanken trägt, der junge Everstedt hatte T^te'war^aufgefchnellt. „Vater, ich bitte dich herzlich, rede der Mama diese Torheit aus," sagte sie ernst. „Es ist lächerlich. Er denkt nicht daran. Es kann mich ärgern, wenn derartige Vermutungen aufkommen, habe auch meinen Stolz und lvill nicht, daß man sich schließlich noch über mich lustig macht." „Rege 'dich nicht auf, Trautchen. Es lohnt sich nicht. Es hat gar keinen Zweck. Ich kennega die Everstedts — ah bäh' Aber mit diesem Mister Brigham . . . wir wollen wenigstens abwarten, wie er sich weiter verhalt. Ich kann diese Verbindung brauchen, sage ich btt. Die Zeiten stutz mich auch, Väterchen," entgegnete Trante nickend. „Ich spüre den Rückschlag an mir selber. Meine Toilette ivird immer Wglicher, Von dem Koftum NW Mm fest — 482 — spreche ich gar nicht. Vielleicht fällt die ganze Geschichte ins Wasser. Aber ich brauche Wäsche und Stiefel und Handschuhe --- die hellen Handschuhe reinige ich immer selbst mit Benzin, fetzt geht's aber nicht mehr, der kleine Finger guckt durch. Manchmal schäme ich mich ordentlich vor den andern. Vater, schenk mir doch hundert Mark extra, damit ich mich ein bissel anständiger ausstaffieren kann!" ■Sie kniete vor dem Sofa nieder und küßte Köhler. Aber der verstand in solchen Dingen keinen Spaß. Seins gute Laune war plötzlich verflogen. Er schob die Arme Trautes, die ihn umschlingen wollten, energisch zurück. Die Muskulatur in seinem Gesicht spielte lebhaft. „Hundert Mark," rief er entrüstet, „Traute, bist du des Teufels!? Und wofür, frag ich? Für Läppereien — für »Bündchen und Rüschen — ich weiß schon. Wenn Eva Delbrück sich eine neue Halskrause kauft, nrußt du auch eine haben. Ich war immer gegen deinen Verkehr in diesen Kreisen. Die „Goldene Horde" — so nennt man euch ja wohl? da paßt du nicht hinein. Du bist ein armes Mädchen und hast dich nach der Decke zu strecken. Es wäre eine Versündigung gegen die Mutter und gegen die Geschwister, wollte ich dir das Geld geben. Schränke dich ein — das müssen wir alle tun!" Er drehte sich unwirsch auf die andere Seite und nahm die Pfeife mit, die nun neben ihm auf dem Sofa lag. Traute hatte sich erhoben. Sie war ganz blaß vor innerer Erregung. Aber sie sprach kein Wort mehr. Sie warf noch einen Mick auf den Vater, der seinen abgeschabten Hausrock trug, über dessen fettigen Kragen graue Haarsträhne fielen. Dann ging sie. Sie ging in ihr Zimmerchen. Hier wären die Rou- leaux herabgelassen, so daß ein dämmerndes Dünkel herrschte. Sie zog sie hoch. Die Blumenfabrik gegenüber lag in Schweigen; die Fenster standen leer; die hübschen Mädchen dahinter fehlten. Am Sonntag ruhte die Arbeit. » Traute blieb einen Augenblick mitten im Zimmer stehen. Sie dachte fetzt an nichts als an ihre ständige Geldnot. Es war unerträglich geworden. Sie schuldete Eva Delbrück zwanzig Mark, die sie für neue Täschew- tücher verwandt hatte; auch Suse Appelmann hatte ihr neulich fünf Mark geliehen, als man sich in der Bartels- schen Konditorei getroffen hatte. Sie hatte es sogar gewagt, bei Onkel Hempel einen heimlichen Pump anzulegen. Daran dachte sie mit Schaudern zurück. Sie hätte ihm für zehn Mark zehn Küsse geben sollen. Nach dem tmtten war sie üavongelaufen, und der Onkel hätte ihr nachgerufen: „Trautchen, sieben hab ich noch gut!" Von Friedrich bekam sie nichts mehr; an Klothilde war nicht zu denken. Mer ihr fiel ein: die Tante Ballenstedt hatte sie noch nicht gebrandschatzt. Die war reich und geizig. Sie besaß ein großartig organisiertes Mietsbureau und verdiente viel Geld. Traute überlegte sich: wenn sie ihr zu Füßen stürzte und unter Tränen ihre Schulden beichtete, vielleicht ließen sich dann von ihr zweihundert, vielleicht sogar dreihundert Mark ergattern. Mein Gott, an ein solches Glück war eigentlich kaum zu glauben! Dreihundert Mark: das gab eine Menge hübscher neuer Wäsche, gab Schuhe und Stiefel, gab auch noch ein Sommerkleid, zwei Mnsen und einen Hut. Aber Tante Ballenstedt wär schrecklich zähe. Sie mußts erst präpariert werden. Das konnte nur mit Hilfe eines Kanarienvogels geschehen. Sie.hatte eine ganze Voliere mit piepsendem Getier, an dem ihre verknöcherte Seele hing. Traute wußte: Ende Monat war ihr Geburtstag; da wollte sie ihr einen gelben Sänger schenken, und da konnte man es ein paar Tage später ruhig mit einem ausgiebigen Pump versuchen. Freilich, auch der Kanarienvogel kostete Geld: sicher zehn oder zwölf Mark, selbst wenn er schon ein bißchen ruppig war. Aber das war Anlagekapital und mußte beschafft werden. Traute riß ihre Komnwde auf und suchte nach, ob sich wohl noch etwas für die Mazanka finden ließe. Und war die Mazanka härt: die Juden in der Riffergasse nahmen alles. Ihre Finger durchwühlten die Schublade — und plötzlich zuckte sie heftig zusammen. Seidenpapier knitterte in ihrer Hand. Sie sah das Herzchen an der goldenen Kette, das ihr Max Rößler beim Abschied geschenkt hatte. Da verflogen im Wu alle Gedanken an Tante Ballenstedt gntz dfe gräßliche Mazanka und an den Kummer der leeren Tasche. Sie nahm das Herzchen und fetzte sich auf den! Stuhl am Fenster und begann zu grübeln. Sie wußte ja nun, daß sie Max nicht mehr liebte. Sie glaubte sogar, daß sie ihn nie geliebt hätte: daß sie itt einer großen Selbsttäuschung befangen gewesen wäre. Denn die wahre Liebe ist doch standhaft und überdauert Zeit und Entfernung. Sie aber hatte seiner kaum noch gedacht/ und als ein anderer gekommen war... Es zuckte in ihrem Herzen. Auch der Stich in der Schläfengegend kam wieder. Das waren die Nerven und es beunruhigte sie nicht. Aber eine andere Unruhe wurde wach. Wäre es nicht ehrlich und anständig gewesen, Max offen über die Wandlung in ihrem Empfinden Mitteilung zu machen? Ganz gewiß. Aber wohin sollte sie ihm schreiben? Sie wußte ja nicht einmal, wo er wohnte. Und nun ruckte; ihr Kopf empor. Konnte sie den Brief nicht einfach sä adressieren: „Herrn Max Rößler, Leutnant int Feldartillerie-Regiment Graf Haacke, zurzeit Berlin, Zentral- turnanftalt?" Dann mußte er doch sicher in seine Hände kommen. ~ Und auf der Stelle fetzte sie sich au ihren kleinen Schreibtisch und griff zur Feder. Es drängte sie zu diesem Briefe. Sie fühlte das heimliche Verlöbnis plötzlich wie eine drückende. Fessel. Sie wollte sich frei machen. So schrieb sie denn: „Lieber Max! Diese Zeilen werden mir von Herzen schwer. Aber es' muß feilt. Als ich von Dir Abschied nahm, dachte ich noch anders. Ich schwöre Dir, Max, ich hatte das Bewußtsein/ Dich aufrichtig zu lieben. Du nur schienst damals schon zu zweifeln, und Du tatest recht daran. Du bist ein besserer Menschenkenner als ich; Du verlangtest eine Probezeit. Ich wollte sie nicht, und heute muß ich zugestehen: auch das war richtig. Ich entsinne mich noch einiger Deiner Worte. Diu sagtest zu mir: Du seist der schwerere, ich der sorglosere und leichtere Teil von uns beiden. Du wirst darin schon recht haben, und deshalb fürchte ich auch, daß Dir mein Dries einen großen Schmerz bereiten wird. Mer wenn ich schweigen wollte — das wäre keine Dummheit mehr, es wäre etwas viel Aergeres, es wäre ein Verbrechen. Es müßte ja doch einmal der Tag kommen, da ich Dir die Wahrheit nicht länger vorenthalten könnte. Denn die Wahrheit ist, daß ich Deine Liebe nicht so erwidern kann, wie ich möchte. Verstehst Du, Max? Nicht so, wie sie sirr einet lange, lange Ehe sein soll. Ich kann nicht dafür. Lieber Max, wenn Du mich fragst, woher diese Erkenntnis kommt — ich kann Dir darauf keine Antwort geben. Nur das eine versichere ich Dich, daß mich keine andere! Neigung beeinflußt hat. Es ist ja auch möglich, daß ich noch länger zu Dir gehalten hätte, wenn Du hier geblieben, wärst, oder auch nur, wenn Du gestattet hättest, daß wir miteinander korrespondierten. Aber das wolltest Du nicht/ und ich begreife ja nun auch, warum Du mir die Prüfung auferlegtest. Ich habe sie nicht ausgehalten. Aber bei Gott, ich kann nicht dafür. Ich bitte Dich, Max, sei mir nicht böse — oder nein1/ ich will nur bitten, daß Du hinter diesem Briefe keine häßlichen Motive wittern möchtest. Das wäre ganz schrecklich für mich. Du bist selbst eine zu vornehme Natur, um das nicht begreifen zu können, und denkst selbst viel zu aue> ständig, um mich falsch zu verstehen. Lebe wohl, Max, ich werde Deiner noch oft gedenkens und immer in herzlicher Gesinnung. ' ,i Deine Traute./« (Fortsetzung folgt.) Akademische Wirte. Von Dr. Otto Schmelze r (Steglitz). Der vor zwei Jahren verstorbene Kämmer-Karl, der Besitzer des „Weimarischen Hofes" in der alten Mnsenstadt, hatte sich einen! akademischen Ruf erworben, der weit .über Jena hinausging< Und doch war er eigentlich.kein Original, sondern lediglich eilt mit gutem Humor ausgestatteter, .äußerst geschäftsgewandter Mann/ der seine Studenten zu nehmen verstand. Ein wirkliches Original/ ein Sonderling ohne alle Mache, war der Löwen-Ernst, der in! den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Jena florierte und mit allen Studenten ans seltsamem. Komment stand, mochten sie Finken sein oder irgend einer Korporation! angehören. Ter Löwen-Ernst war eine Bauernnatur, kernig unq von köstlicher Grobheit, die nur von. der seines H.anMechteA iiW — 483 hat sich zu Tode gekurpfuschcrt. r , ,, . Wer heute die prächtige Ruine der Rudelsburg besucht und an der Spitze des Burgsrieds in lapidaren Buchstaben die Zuschrift liest: „Samuel hilf!" — weiß sich diese Worte wohl kaum zu erklären. Sie erinnern an einen Mann, der zu den volkstümlichsten akademischen Wirten gehörte und fünfzig, ^ahre lang auf der alten Bergveste Kannen und Kännchen Lrchten-c Hainer Bier geschwungen und kredenzt hat. Anfang der zwanziger Jahre lies; der Besitzer der Rudclsburg die Burg, die lange Jahre verlassen, verödet und verfallen dagelegen hatte, leidlich restaurieren, und da sich alsbald ein immer lebhafter werdender Fremdenverkehr einstellte, setzte er einen Wirt ein, der den Besuchern die einfachsten Erfrischungen bieten konnte. Es war zuerst wohl nicht Liel mehr Äs Lichtcnhaiucr Bicx, SchmkrnMllen troffen wurde. Jil seinen gesunden- Tagen brauchte man sich keine große Muhe zu geben, um von ihm linsanft an die Luft befördert zu werden. Seine Gäste nannte er du und bedienteUe nicht. War der Hausknecht, der gleichzeitig den Kellner spielte, aber nicht mit sich spaßen ließ, nicht zur Stelle, so holte sich jeder, was er wünschte, namentlich die Kruke mit Köstritzer Bier, das damals als ein vortresfliches Katerbier galt. Er achtete gar nicht darauf, was verzehrt wurde, und wer nicht bezahleii konnte, kreidete selbst die Zeche an die Stubentür,, an der Hunoerte von kleinen vergilbten Namen und Zahlen standen. Wer nicht zahlen konnte — aber wehe dem, der sich nur einen Ulf Mit dem Aukreiden machte. Die Tür galt in Jena als eine Sehenswürdigkeit und wird meines Wissens noch heute im städtischen Museum aufbewahrt. Ernst konnte das Kollegieuschwänzcn nicht leiden und wenn ein Student wiederholt des vormittags zu ihm kam und Ernst hatte ihn im Verdacht, daß er das Kolleg verbummele, so setzte es eine Standpauke, die an Eindriugtichsert nichts zu wünschen übrig ließ, und cs wurde auch> nicht ein Tropfen Bier verzapft. In den letzten Jahren seines Lebens war er von heftigem Asthma geplagt und saß stöhnend Winter, und «ommer neben dem Ofen in der Gaststube. Das Geschäft ging dabet ruhig seinen Weg. Ende der siebziger oder anfang der achtziger Jahre starb er. Der einfache Mann hatte viel Gutes getan und sein Andenken ist noch heute nicht erloschen. Ein anderes Jenaer Original war „Papa Dietsch", von 1836—55 Kneipwirt des Burgkellers, auf dem noch heute dw bekannte Burscheirschast Arminia haust. Auch bei ihm gab es einen stattlichen Punip, der bei manchem lange ^ahre ms P.n- listerium hinein reichte. Von Zeit zu Zeit machte sich Papa Dietsch auf die Reise, um seinen Schuldnern „nachzureiten und Geld einzutreiben. Im allgemeinen sind die „Tretvogel keine angenehme Erscheinung; aber Papa Tietsch wurde von leinen alten Studenten, wohiii er auch auf seiner Treibjagd kam, mit freudigem Hcflloh empfangen und festlich bewirtet. Denn er zog in aller Gemütlichkeit wieder von dannen, wenn man ihm die Taschen auch nicht füllte. Auf einem solchen Ausflug ereiltes ihn der Tod in der Schweiz, in Brühlnau im Kanton Aargau, ^er dortige Pfarrer Johann Brümann war alter Burgkcllcraner Und hielt dem Weltreisenden die Grabrede. Seine übrigen 'Schweizer Freunde und Klienten setzten ihm auf dem Brühlnauer: ^-riedhof ein Denkmal, das die Inschrift trug: „Er war em Gläubiger . Auch die Universität Breslau hatte einen akademischen Wirt, dessen Name heute noch fortlebt. Das war der Kneipwirt Raczek. In den trüben dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Burschenschaft in Breslau von der Polizei verfolgt und bedrängt wurde, fand sie Unterschlupf bei Raczek, bei sich vor der Polizei und den Behörden nicht fürchtete In der Studenten^ schäft wurden diese Burschenschafter deshalb Raczeks genannt und später nahmen sie selbst zu Ehren ihres alten Wirts diesen Namen an, den sie bis auf den heutigen Tag fuhren. Zu den seltsamsten Wirten aller deutschen Hochschulen hat aber wohl der Dr. Bahrdt gehört, der Ende des achtzcchflen Jahrhunderts bei Halle a. S. einen Weinberg und eine Wem- schcnke belaß, in der er den Studenten und Philistern eigenes Gewächs verzapfte. Bahrdt war Professor und — Generalsuperm- teudcut gewesen, ein Gelehrter von Ruf, cme Kampfnatur, von seinen Gcgncrii „Bahrdt mit der ehernen Stirn genannt. Er war ein ivisscnschaftlicher Klopffechter, der viele zugcdeclt hatte und selbst von vielen zugedeckt war. Als er des Haders muoc wurde, kaufte er sich den Weinberg und entwickelte.hier eme für einen Gelehrten unglaubliche Geichaftsbetrieblamkect. Zuerst strömten ihm aus begreiflichen Gründen die Studenten zu, aber schnell wußte er alle andern Stände in leine schenke zu,ziehen, in der er selbst an der Spitze einer langen Tafel zu prastdiereX pflegte Die Studenten wurden ihm nicht untreu, trotzdem er keinem einen Heller pumpte, für damalige Zcitverhaltmiic eme Unerhörte Waghalsigkeit. Er war ein riesiger Reklamerich und ersann immer neue, aber nicht immer ganz lautere Tricks, um das verehrliche Publikum anzulocken Man erzählt sogar, daß er eines Tages einer Bauersfrau acht Groschen gegeben, habe, damit sie in der Stadt verbreiten Sollte, er habe sich m der Saale ertränkt. Der Streich zog: von der Stunde an stürmten Studenten und Philister fast die Schenke, und der würdige Mann saß auf seinem gewohnten Platz und trank m stoischer Ruhe Semen Schoppen Wein. Seine Wissenschaft erstreckte sich auch auf die Medizin. Als er zu kränkeln anfing, behandelte er sich Selbst und lind Thüringer Käse, was nt'an dort oben erhielt, und! zwar nur mit Sonntag, wo die Leute aus der Umgegend den Berg empöre nominell. Der erste Wirt hieß Gottlieb Wagner. Er war noch ein junger Bursch, als er' den Ausschank übernahm. Zu dem Nanicu Samicl scheint er sehr schnell gekommen zu fein; die Herrn Studenten tauften ihn so. Wenn sie nämlich in fröhlichen Scharen auf der Burg mit durstiger Kehle eintrafen und vom Burgwirte nichts zu sehen Ivar, dieweil er noch nicht ständig dort oben hauste, so gingen sie an den südlichen Felsrand und riefen üben die Talschlucht nach dem nahen Kreipitsch hinüber: „Samicl hilf!" In Kreipitsch lag das Gut der Herren von Schönberg, der Besitzer der Rudelsburg, und wenn der Ruf nach Dem; Gutshofe drang, so wurde Gottlieb Wagner schlcimigst mobil gemacht, mit der nötigen Atzung zur Burg entsandt und dort natürlich mit Jubel einpfangen. Als ihm später zu seinem vollen schwarzen Haar ein starker schwarzer Bart wuchs, schien der Name aus dem Freischütz für ihn um so geeigneter und sein simpler bürgerlicher Name geriet darüber ganz in Vergessenheit. Aus tausend und abertausend Studentenkehleii ist ihm der Ruf entgegcngebraust, namentlich wenn zu Pfingsten alte und junge Korpsstudenten aus allen deutschen Gauen in die „Rudelei" einzogen und einen gewaltigen Sonutagsfrühschoppen mit dem berühmten Fuchssturm abhicttcn. Die Studenten betrachteten ihn bald als den Ihrigen und sind ihm fünfzig Jahre hindurch tren geblieben., Oft war er bei ihnen zu Gast in Jena, Halle und Leipzig, in jungen Jahren ein trinkfester Mann und voll ausreichenden Mutterwitzes, uni auch einen derben Ulk, den sich studentischer Uebermut hier und da mit ihm gestattete, glücklich parieren zu können. Oftmals ist er im Fremdenbuch der Burg angesungen. Wenig bekannt ist es, daß auch Fritz Reuter dem „Berggeist auf der Rudclsburg"- ein längeres Poem in hochdeutscher Sprache gewidmet hat. Im Juli 1877 konnte Samicl das fünfzigjährige Jubiläum seiner Burgivirtschaft als dreiundachtzigjähriger Greis feiern. EH war für den Alten mit den noch immer hellen, frohen Augen ein großer Ehrentag. Ein Jahr dsarauf starb er. Im Burghof rauscht die Linde, Es sitzt der Zecher Schar An alten Eichentischen, Der Stoff ist frisch und klar. Die alten Mauern grüßen So freundlich und vertraut. Wie oft hab' ich dies alles. Als Studio einst geschaut. Es sind die alten Bilder, Rur eines fehlt auf Seel'; Das ist der alte Burggeist, Der wackre Samiel! Aus -er Romantik -es Gol-sucherlebens. Die Chronik der großen Goldiuude ist eine Kette von wunder, lieben Zufällen, irgend eine nichtige Einzelheit euflchied über die Entdeckung von Gotdlagern, die Hunderte, von Millionen wert waren; säst immer mutet die Geschichte erfolgreichen Goldsuchens an ivie eine Verherrlichung der Macht des Zufalls. Das zeigt auch ein Aussatz der „Lectures P ou r t o u s“, ber sich mit dieser Romantik des Gotdsucherlebens beschaitigt. Wie wurden z. B. die berühmten D i a in a n t g r ii b e n von St i m b e r l e xj eutoeckt, die seitdem der Menschheit Milliarden Werte zugesuhrt haben? Ein kleiner englischer Beamter, der in jener damals noch öden uiid verlassenen Gegend reifte, hielt aus einer kleinen Bureusarm Rast. Vor dem Halise spielten zwei Kinder Murmeln, und um die Zeit totzuschlagen, spielte der Beamte mit. Aber die Murmeln der jlinber batten ein merkwürdiges Aussehen, kleine, rundliche L-teme, die bisweilen seltsani aufblitzteu: der Seltenheit wegen gab der Beamte den Jrmgeus ein paar Groschen und nahm die stemchen mit. Als er sie sväter in Kapstadt zusällig einem Kenner zeigte, bot man ihm sofort 16000 Mk. für die beiden „Murmeln. Es ivaren Diamanten von reinftem Wasser. Schleunigst kehrte der Beamte mit einem Freunde zu jener Bureusarm zurück, lieg sich von ben Kindern die Stelle zeigen, wo ,ie ihre Murmeln sammelten; eine kleine Schlucht in der Nahe des väterlichen Hau e-. Das Ivar der Auiaiig der Diamaiiteumineu voir Kimberlep. Und ähnlich vollzog sich auch die Entdeckung der gewaltigen G o l d l a g e r von Clondyke. Es war im Jahre 1897, drei arme Trapper tagten in jener Einöde, das Wild war selten, man war schon sehr cMmutigt, und eines Abends beschloß man, in dem Fluste zu flschen. Man erwischte auch eine prachtvolle Forelle. Stabet sah mau es auf dem Grunde des seichten Baches gelblich blitzen, einer ber Trapper wurde aufmerksam: kern Zweifel, der Flubsmid entgielt Gold. Schon am nächsten Tage begannen J)te diel Manner Mit dem „Waschen", unb innerhalb von drei -ragen hatten sie für 32000 Mk. Gold. , , . Die reichen Silber bl etmt nett von Rattelsnake - Lode in Neumexiko verdanken ihre Entdeckung einer Klapper- fdüanae Es war im Jahre 1877, als zwei Goldsucher, Dugcm und Pitcher, iiach einer mühsamen und fruchtlosen Wanderung im Gebirge heimkehrtcn. Eilte Klapperschlange versperrte ihnen den Weg, die beiden Männer rafften schleunigst Steine au und^warfen nach dem giftigen Reptil. Sie trafen, und schließlich traten sie 484 5S auch näher, um sich den gefährlichen Feind anzuiehen, besten Bitz unfehlbar in kurzer Zeit zum Tode führt. Aber die Schlange war schnell vergessen: einige der Steine waren bei dem „Reuenjer« sprangen, und der metallifche Klang t>errte£ den beiden Goldsuchern, welches Glück ihnen widerfahren ivar. Sechs Monate spater verkauften sie ihren Besitz für 1600000 Frs. „ ,s « Nicht weniger romantisch ist die Geichichte von der ®*^beäimg der reichen Goldader von L a k e - V a l l e y m Nenmexiko. Im August 1873 galoppierte der Cowboy George Lufkm Kuller einem entflohenen Pferde her, als fein Tier mit einem Fuß m den Bau eines Präriehundes einbrach, stiirzte und den Reiter cuw de Sattel ivars. Ein Sturz aus dem Sattel ist für den Cowboy eine schlimme Demütigung. Lufkins schlechte Laiine wurde naht gebest ei t bürd) die Feststellung, daß der Sattelgurt völlig zerfetzt war. er würde, den Sattel auf dem Rücken, zu Fuß nack) Hause waiidern niüssen, ein Spott für die Genossen und Rivalen. 3n per Oka he ertönte in diesem Augenblick das heisere Bellen em es Prarlehimdes. wütend packte Lufkiu einen Stein, und machte Miene, dies ~uuri= geschoß gegen das Tier zu fchleiidern, das ihn in seinem> -iißg^chicr auch noch zu verhöhnen schien. Aber der Cowboy behielt den Stern in der Hand: er sah, wie goldene Adern darin blitzten, und im Augenblick waren Wut und Zorn vergessen. In einem Anfall von Aerger hatte er die unermeßlich reiche Goldader von ^ate-Salley entdeckt. Der Zufall spielte auch bei der Auffindung der- großen „Placers" von Doivnie Bille seine Rolle: ein französischer Gold- siicher, der Peck gehabt hatte, vertauschte unmutig den Spaten mit dem Jagdgewehr. Eines Tages schießt er auf einen Fasan, fehlt, und die Kugel schlägt in einen Felsen. Aergerltch über den, Fehl- schuß nimmt er unwillkürlich das abgebröckelte Steinstuck in die Hand: es war von zahlreichen Goldadern durchzogen uiid bestand zu einem Drittel aus schwerem Golde. vermischtes. fr. Warnm g eh enivir n ich t in H emdsärm eln? ^a, warum gehen iuir eigentlich nicht in Hemdsärmeln?, Heiß dazu ist es, das weiß der Himmel, der durchaus kein Einsehen Hatz chnd in mitleidsloser Bläue erstrahlt. Die Herrenwelt hat viel mehr unter der Hitze zu leiden, als die Damen, denn die Herren stecken in ihren unvermeidlichen Röcken wnd Westen und wissen Nichts besseres zu tun, als den Damen öorzurechnen, wie gut sie es in ihren hellen, leichten Blusen haben, die int Vergleich zu Rock und Weste kaum als Kleidungsstück zu bezeichnen sind. Daß die Amerikaner sich langst über solche Etikettenfragen hinweg- gesetzt haben und im Sommer ohne weiteret auf der Straße in Hemdsärmeln gehen, ist längst bekannt, aber bei uns scheint niemand den Mut zu haben, es uachzumachen, so. angenehm das Ding auch sein müßte. Ein Mitarbeiter der ^Politiken" m Kopenhagen, ivo es gegenwärtig nicht tveniger ivarm ist, als bet uns, macht nun allen Ernstes den Vorschlag, die Herren sollen, anstatt über die Hitze zu klagen, doch das einzige tun, was sich dagegen tun läßt, in Hemdsärmeln gehen. Dabei treten verschiedene Fragen auf: erstens, ist es für einen Herrn überhaupt schicklich, in Hemdsärmeln über die Straße zu gehen, und zweitens, darf er sich in Gesellschaft einer Dame in Hemdsärmeln auf der Straße sehen lassen, ohne gegen die Regeln der guten Sitte zu verstoßen? Aus beide Fragen ist die Antwort im günstigen Sinne zu geben. Warum sollte ein Herr nicht in Hemdsärmeln auf der Straße gehen dürfen, vorausgesetzt, daß seine Hemdsärmel den Anforoe- Wngen der Sauberkeit genügen, und warum sollte er — besonders in der Zeit der Familienbäder — das nicht dürfen, wenn sir mit einer Dame zusammen ist? Es handelt sich uatüjrlich Nur darum, daß er nicht den Eindruck des „Ausgezogenseius" macht, und das ist bei der hemdsärmeligen Bekleidung nicht der Fall. Die Sache hat Nur noch einen Haken, und dieser Haken ist die Weste. Man stelle sich einen Herrn vor, der hemdsärmelig, aber mit Weste, auf der Straße auf einen zukommt. Wenn die Weste gut sitzt und der Farbe nach zu seiner übrigen Kleidung, paßt, kann der Anblick ganz gut sein, sobald er aber an einem Vorbei ist, wird die Kehrseite der Medaille sichtbar, nämlich die Rückseite der Weste, ein Futterstoff, der durch ein Riemenwerk mit Schnalle unterbrochen ist und den ästhetischen Anforderungen nicht genügt. Den Plan, in Hemdsärmeln bei heißem-Sommerwetter zu gehen, braucht man deswegen aber noch nicht fallen zu lassen: der Herr zieht einfach den Rock und die Weste aus! Ein buntes Sporthemd, ein leichter Sportgürtel und dazu eine flatternde Krawatte werden, wenn pie Gestalt zu dieser etwas sportmäßigen Kleidung nicht gar zu sehr in Widerspruch steht, einen sehr guten Eindruck machen. Warum also gehen wir eigentlich nicht in Hemdsärmeln? Weil niemandden Mut hat7 damit anzufangen? ■ft Japanische Badekostn m e. Die neueste Modewelle wird von den französischeli Seebädern her sehr bald auch an unsere Gestade das Badekostüm ans Kimonostosfen herübertragen. Das auffälligste an der neuen Tracht ist natürlich die Wahl des Stosses, der entwender mehr oder weniger geblümt oder sonstwie bunt gemustert ist. Dazu kommt aber auch eine Besonderheit im Schnitt. Diese Kimono-Badekleider gehen hinten bis hoch an den Hals hiiiauf, um Nacken und Schultern vor dem Somienbrand zu schützen, während sie jedoch die Arme ganz frei lassen; vorne wird die eine Seite über die andere geschlagen, und zwar so, daß die Knöpfe vom Halsansfchnitt im Bogen nach der rechten Seite gehen, von wo sie unterhalb der Brust in gerader Linie noch ein Stück abwärts lausen. Einzelne dieser japanifchen Kostüme zeichnen sich durch die Verwendung des „Obi", des Gürtels, aus, der auf dem Rücken in eine große Schleife gebunden ist; doch ist auch hier und da die Schleife vorne angebracht, was natürlich einen anderen Schnitt des Kimono zur Folge hat, der dann mehr einer Tunika ähnlich sieht, als daß er noch auf den Namen Kimono Anspruch hätte. Zum Schutze der Haare wird als Ergänzung des Kimono-Badekostümes eine gefällige Mütze aus gazeartigem Gummi getragen. * Der Indizienbeweis der Liebe. Ein schwer zu entidjeibenber Newporter Ehescheiduiigsfall, die Sache Gaylord gegen Gaylord, veranlaßte dieser Tage den die Verhandlung leitenden Richter, vor der Urteilsfällung vom Richterstuhl aus die Hauptgrundsätze, nach denen die Kennzeichen der Liebe zu ermitteln seien, darzutegen. Er begann damit, daß in dem vorliegenden Falle die nachgewiesenen Einzeltatfachen als solche zur Entscheidung schwerlich ausreichten. „Es handelt sich hier um einen Fall," sagte er, „in dem ein gewisses Fräulein Roß, wenn sie spazieren ging, manchmal von einem Pudel, häufiger aber von Herrn Gaylord begleitet war. Ich erbitte mir nun die Aufmerksamkeit des Gerichtshofes nicht so sehr für die einzelnen Symptome, die Herrn Gaylords Beziehungen zu Fräulein Roß kemizeichnen, als solche, als vielmehr für die Gesamtheit dieser Symptome, diese als eine Einheit betrachtet. Die Liebe zu einer Frau zeigt sich an der Geneigtheit des Mannes, um ihretwillen irgend welche Mühen auf sich zu nehmen, ihr kleine Dienste zu leisten, ihre Wohnung auszuschmückeii, ihr Portemonnaie zu füllen und überhaupt für sie alle jenen kleinen Dinge zu tun, die, wer nicht liebt, langweilig, lästig und ärgerlich findet. Herr Gaylord scheint mir nun nicht ein Mami zu sein, der für eine Dame Eßwaren und Spezereien nach Hause trägt, wenn sie ihm nicht lieb und teuer ist. Es war nun auch, wie der Pförtner des Hanfes bezeugt hat, die Hand des Herrn Gaylord, die den Mülleimer Nr. 8 binauSsetzte, damit ihn der Fuhrmann mit» nehmen könnte. Höchstens aber der Bediente, der Ehemann oder der Geliebte einer Dame wird für sie den Mülleimer hniaus- tragen. Nun kann ein Mann ferner mit einer Dame aus die Wohnungssuche gehen, und er braucht noch nicht ihr Geliebter zu fein. Er kann mit dem Hauswirt um die Miete feilschen, und er braucht noch nicht ihr Geliebter zu sein. Er kann von Zeit zu Zeit in ihrer Wohnung angetrosfen werden, und er braucht noch nicht ihr Geliebter zu sein. Er kann seine Möbel bei ihr aufstellen, und er braucht noch nicht ihr Geliebter zu sein. Er kann sich ihr häufig nützlich und angenehm erweisen; ja, er mag sogar für sie den Mülleimer hinaustragen, und er braucht noch nicht ihr Geliebter zu {ein. Er kann allgemein für ihren Galten gelten und braucht doch nicht ihr Geliebter zu sein. Aber wenn diese Umstände und nock) viele andere derselben Art sick) vereinigen, so müssen sie den bloßen Argwohn zur Gewißheit erheben, und der Mann muß von einem Gerichtshof, bei dem nach dem Recht und dem gesunden Verstand entschieden wird, verurteilt werden, falls er nicht unumstößliche Zeugnisse beibringt, um das enge Gewebe aller jener Umstände zu zerstören." Auf dieses rednerische Meisterstück hin wurde natürlich dem Antrag der Fran Gaylord gemäß das Urteil gesprochen. Ick. Eine Schreibmaschine für Blinde. Nach einem Berichte der „Nature" hat ein Erfinder Namens A. CayzergueS eine Schreibmaschine für Blinde gebaut, die so eingerichtet ist, daß jeder Blinde, der die Braillesche Blindeiifchrist beherrscht, auf ihr schreiben kann. In der Art des Arbeitens unterscheidet sie sich von anderen Schreibmaschinen nicht: burd) Niederdrücken der einzelnen Tasten wird der Typenhebel gegen das Papier geschlagen, das in bekannter Weise auf der Walze des Wagens angebracht ist. Die Schreibmaschine des Herrn Cayzergues schreibt jedoch doppelt, nämlich einmal Blindenschrift, und zwar auf einer Walze, die vorne liegt, gleichzeitig aber in gewöhnlicher Schrift auf einer an der Rückseite liegenden Walze. Es sind Einrichtungen vorhanden, durch die jede der beiden Schriftarten ausgeschaltet werden kann, so daß der Blinde ein Schriftstück mit Blindenschrift, eins in gewöhnlicher Schrift oder beide gleick;zeitig schreiben kann. Ergänzungsrätftf. H. .fn.. g k. i. t, . i. fch. a. h. s . äl.. h. n, A..H . u. .a.l.r F..f..w.nd; H.. sn.. g l. u. h.. t u.. e. T. ä.. n, , t. i. W.. s. r . e. D.m..t. (Ausl, in nächster Nr.) Auflösung des GitterWsels in voriger Nummerst RAD Reich-stag i r g c w h A Urweiler sie t 1 t Daghestan g r n Redaktion: K. Neurath. — Rotalionsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»