Sg® MW,!! y^rr. \r^ •> a " w** r»sNchWMKÄIi^«WMM r;m.ctd Das nette Mädel. ■ Roman von Fedor von Zobelti & (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) .„Mißverstehen wir uns nicht," fuhr EverstM fort; „ich iche das auch kaum voraus; da wir uns kennen. Die Rück- sichtslosigkeit, die ich als Banner unsrer Gemeinschaft entfalten möchte — schön gesagt, nicht wahr? — ist natürlich nicht mit der ungehobelten Grobheit!'eines unerzogenen Menschen zu verwechseln. Sie soll für uns nur das bewegende Agens einer neuen Kraftentfaltung sein. Durch unsre verteufelte Rücksichtnahme.nach allen Seiten hin haben wir in dieser guten Stadt einen Kastengeist groß gezogen, der tote Blei auf uns drückt. Wir sind viel zu sehr „unter uns" und daher langweilen wir uns auch so mordsmäßig. Wir haben uns in, eine Korrektheit hineingeredet, die einfach zum Sterben ist. Ich habe deshalb die alten ehrenwerten Mitglieder der ehemaligen Goldenen Horde zusaminengebe- ten, damit wir in phalangischer Einheit den Bann brechen, der uns umgibt. Wir brauchen kein Vereiuslokal und keine Satzungen. Aber wir wollen trotzdem geschlossen vorgehen, wenn es sich darum haudelt, in die dumpfe Atmojpyäre unserer Gesellschaft einen erfrischenden Windhauch zu bringen. Sela." Ein paar der Mädchen klatschten in die Hände. „Herr Everstedt," rief die Bürgermeisterstochter, „ich zolle Ihnen freudigen Beifall. Aber ich bitte um Erläuterungen. Jede Revolution verlangt ihre Vorbereitung. Wie soll das geschehen?" „Durch die Umkehr des Vorhandenen, Frätilein Henny. Ein paar Beispiele. Sie kennen Ida und Anna Pankraz?" „Die Zwillinge des Ratsbäckermeisters —- jawohl." „Schön. Die armen Dinger sind förmlich boykottiert worden. Warum? frage ich. Weil ihr Vater Figuren aus Teig formt und mit gebackener Mehlware handelt? Ich sehe keinen Unterschied zwischen Mehl engros und solchem in ge- bundenem Zustande: höchstens, daß letzteres auch für die Menschheit genießbar ist, während ersteres nur Mäusen zur Atzung dient. Also, Fräulein Henny, sorgen Sie kraft ihrer gesellschaftlichen Autorität dafür, daß die beiden kleinen Pankrazien Aufnahme bei uns finden." „Ich lade sie zum nächsten Mittwochskräuzchen ein!" rief Fräulein Henny, sehr begeistert von der Idee einer sozialen Rebellion. Auch bei den übrigen Mädchen wich jedweder Widerstand gegen die Zwillinge, die man bisher nicht als gleichberechtigt hätte anerkennen wollen. Suse Appelmann war ganz fiebrig. „Wir stellen die Stadt auf den Kopf," wisperte sie Lili Menkens zu, und Lili Menkens nickte energisch: „Es wird einen kolossalen Radau geben >— paß bloß mal auf!" Paul Everstedt sprach weiter. Er verteilte die Rollen. Jede und jeder sollte sich bemühen, der stagnierenden Gesellschaft neue Kräfte zuzuführen. Die Bäckermädchen waren nicht die einzigen Verfemten, die man heranziehen wollte. Da war der Krauskopf von dem Buchhalter X und die kleine Betti des Kalkulators A, da waren die Töchter des Feuerkassenrendanten und die des Kaufmanns Z aus der Passage und die des Hotelies A und die des Reichsbankkassters B, lauter allerliebste Fischchen, die es gar nicht verdienten, daß man sie so abgesperrt hielt. Es gab da ferner eine reizende Frau, der man nichts nachsagen konnte, als daß sie sich von ihrem Manne hatte scheiden lassen, weil sie einen andere,: liebte; aber der andere hatte inzwischen Bankrott gemacht und war nach Australien geflüchtet. O, es gab noch viel mehr, die man ganz zu unrecht in den Winkeln sitzen ließ: Everstedt zählte sie au den Fingern ab und charaüerisieäte sie auch mit kurzen Worten — er wußte genau Bescheid. Im übrigen war es gar nicht so schwer, die Leutchen heran- zuziehen. Man brauchte sich bloß wieder in die Harmonie aufnehmen zu lassen oder dieser und jener anderen geselligen Vereinigung beizutreten, tote beispielsweise den? Gesangverein oder der Blauen Schleife oder dem Klub der Namenlosen. Ja, er selbst — er, Paul Everstedt, — wollte sogar noch weiter gehen: er wollte sich beim Verein der Hundertundeins zur Aufnahme melden. Man denke! Da faßte die anwesende Weiblichkeit aber doch ein heimlicher Schauder. Der' Verein der Hunderteins hatte im letzten Winter ein Maskenfest arrangiert, auf dem es toll zugegangen sein sollte. Diesem Verein gehörte auch ein Teil der Chormitglieder des Theaters und des Balletts an, ferner eine Anzahl junger Künstler, die ihre Modelle mitbrachten, unb man erzählte, daß auf jenem Maskenbälle eine schier unerhörte Kostümfreiheit geherrscht habe. „Hören Sie mal, Herr Everstedt," sagte Fräulein Henny zögernd, „das scheint mir aber doch eine gefährliche Sache —" „Aber warum denn, Gnädigste — warum denn?!" rief Everstedt. „Ich bitte Sie, was schadet es, wenn wir. uns auch einmal mit fröhlichem Gesindel mischen!? Es färbt nicht ab — wir bleiben doch, was wir sind. Ich plädiere sogar dafür, daß wir die Hübschesten der Hunderteins zu unserm Maifest laden!" „Donnerwetter," warf Fred Dewa ein, schlug sich aber sofort auf den Mund und fügte ein „nulle fois Pardon" hinzu. „Wen sollen wir da einladen? Vielleicht die Bertucci?" „Die zu allererst," entgegnete Everstedt kopfnickend. „Weshalb, nicht? Bon unfery Schauspielerinnen haben wir 410 bisher mir die Sandratt toleriert, und die nun, bte ist eigentlich ziemlich langweilige Aber die Bertucci ist em munterer Käser — die soll auf unserin Secheunssest als Rotkäppchen agieren." ' .. , „Weil sie ein Rotkopf ist?" fragte Lili Menkens. „Bitte, damit kann ich auch dienen." . , Everstedt verneigte sich verbindlich. „2te soll uns den Prolog singen, gnädiges Frätilein. Ich habe nämlich die Idee, zum Fest Kostüm vorzuschreiben." „Ach herrsch!" rief Konsul Friederiei. „Ich bin nur als Napoleon brauchbar, und das ist nicht patriotisch." „Es soll ein Märchenfest werden, Friederici - - dazu passt Ihr ewiger Napoleon überhaupt nicht. Ein Märchenfest, in es dames. Alle die Gestalten von Grimm und Anderson und Dechstein iind Musäns sollen lebendig werden. Ein Ringelreihen aus imsrer Sagenwelt." „Ich werde den Wolf darstellen, der Rotkäppchen fressen will," erklärte Mürsinna. „So etwas liegt mir." Auch Wilm Noeldecheii war für die Sache. „Aber wer macht niis den Rummel?" fragte er. „Tie Künstler von Wörreshoop hat der Senat vor den Kopf gestoßen; die rühren nicht mehr einen Finger für uns." „Wir werden in corpore nach Wörreshoop ziehen und die Künstler zurückgcwinnen. Niels Kruse, der Märchen- ütäler, muß uns das Fest arrangieren." Die beiden Eggenolphs lachten in Kompagnie. Sie taten alles gemeinsam. Sie lachten durch die geschlossenen Zahnreihen und zogen dabei beide den linken Mundwinkel hoch, so daß die Schnurrbarthärchen sich über die Nasenflügel sträubten. „Er denkt nicht dran!" rief Otto Eggcuolph. „Er denkt nicht dran!" wiederholte Fritz. Eggenolph. „Ich war bei ihm," sagte Mürsinna, „erst vor kurzem. Er sollte meinett letzten Privatdruck illustrieren — er hat mich gar nicht vorgelassen. Er sei gerade beim Baden, -erklärte mir seine dicke Haushälterin, und dann müßte er drei Stunden ruhen und dürfte den gattzeu Tag nicht sprechen. Er ist initiier gerade beim Baden, wenn man etwas von ihm w-itl •— und dann muß er drei Stunden ruhen und darf den ganzen Tag nicht sprechen." „Wir werden ihn zum Sprechen zwingen," entgegnete Eberstedt siegesgewiß. „Wofür sind wir die Rücksichts- ifosen? ~ Wir werden ihn auch für unser Fest interessieren. Denn das muß sein, geliebte Gemeinde. Niels Kruse brauchen wir notwendig. Er ist der Papst von Wörreshoop. Die ganze Gesellschaft da draußen leistet ihm widerspruchslos Gefolgschaft. Er ist auch der einzige, der unsre Sache fördern kann. Haben wir ihn erst einüial aus seiner Einsamkeit herausgelockt, so haben wir gewonnenes Spiel. Dann bringt er mit uns Leben in dieses Nest von Petre- fakten!" „Kennst du ihn näher?" fragte Mürsinna. Everstedt nickte nur stumm, aber er begann gleich wieder von neuem: „Sind die Herrschaften damit einverstanden, daß wir übermorgen eine Radpartie nach Wörreshoop unternehmen? Um zwei Uhr Rendezvous vor dem Alten Tor." - • Alles sagte zu. Rur Trante erklärte: „Ich weiß noch nicht. Ich bin ja dabei aber auch nicht nötig." ' Nun erscholl eine lebhafte Gegenrede. Sämtliche Mädchen bildeten einen Ring um Traute und sprachen eifrig in sie hinein. Dahinter standen die Herren und baten. „Es muß Einigkeit herrschen," rief Fred Dewa. „Fräulein Köhler, es handelt sich nm das Wohl unserer Stadt" „llm die Zukunft unserer Republik," fügte Wilm Noeldecheii hinzu. „Um Sein oder Nichtsein," sagte Herr von Uvedon. „Ei nein," gab Traute zurück, „es handelt sich doch nur um eine Eaprice des Herrn Everstedt." „Oh!" rief Everstedt. Er war aufgestanden. Zwischen feinen wohlgepfkegten Fingern glimmte die Zigarette, und die Asche drohte seine zugespitzten Nägel zu verbrennen. Er merkte es nicht. Er trat zwischen Mürsinna und Dewa. Er war so groß, daß er über die Strudelköpfe der Mädchen hinwegschauen konnte. Aus seinem hübschen Hellen Auge schoß ein Blitz zu Traute herüber. Es war ein Blick, bett man wirklich mit einem Blitz vergleichen konnte, und es lag etwas Zündendes in ihm. Aber Traute lächelte. (Fortsetzung folgt.) Mystische Dorfgeschichten (Nach dem Leben.) Bon Hermann Stryck, Lehrer, RupperlciuroA Unsere heutige Jugend hat keine Ahnung davon, tote vv« vier Jahrzehnten das Gemüt der Kinder, ja auch- der Jugend!» die der Kindheit entwachsen, ungestillt war mit Furcht vor allerlei Gespenstern, vor Geistern und geheimnisvollen Erscheinungen., Wir Erwachsenen wissen nur zu gut davon, weil unsere Kindheit uni) unsere Jugendzeit in jener Zeitperiode gelegen war. Wenn zur damaligen Zeit die Abenddämmerung sich niedersenkte, wenn dann der Ruf einer Eule vom Scheunengiebel krach-- zend schnurrte, wenn die Zeit erschien, die der Volksmund bezeichnet mit dem Namen „zwischen Licht und Besen", da lief es den Kindern jener Zeit wie Eisesluft über den Rucken, da packle sie ein Gruseln, und — sic fürchteten sich. Diese Furcht vor mystischen Dingen war die Folge der! Anschauung der Eltern, der Geistesverfassung des damaligen erwachsenen Geschlechts ans dem Lande, der sich forterbenden mündlichen Ucberliefcrnngen, die ihren Ursprung nicht selten in den alten Kriegszeiten hatten.. Unsere moderne Zeit leuchtet mit dem Grubenlicht der Wissenschaft in die verborgensten Winkel, in die geheimnisvollsten Tiefen menschlichen Aberglaubens und Irrtums und erklärt die übernatürlichen Erscheinungen durch natürliche Ursachen. Die großartigen Fortschritte in den Naturwissenschaften sind hier die Träger der Geistesfackel, die Licht in die dunklen mystischen Gebiet« bringt. Dazu haben die Kulturverbesstwimgen des Grund rmtz Bodens, insonderheit die Entwässerung der .Sii.mpsgebiete, die früher meist die Dörfer einerseits säumten, die Elsen, die Irrlichter, die Geldscuer it. dgl. verschwinden lassen. Ungeachtet aller dieser Errungenschaften nnst gewaltigen Fortschritte des rastlosen Menschengeistes gibt, es auch heute noch, geheimnisvolle Vorgänge, wunderbare Erscheinungen, Mr die unsere moderne „Schulweisheit" noch (leine Aufklärung gesunden hat trotz Spiritismus, Hypnose und Suggestion. Wir branchctr ja nur an die zeitgemäße „Wünschelrute" des Landrats v. Uslar zu erinnern. Unsere nachfolgenden Erzählungen liegen wohl vier und fünf Jahrzehnte zurück, dessenungeachtet können wir ihr« lautere Wahrheit voll verbürgen. I. Ein kleiner Ort tut Vogelsberg, aber eine Gemeinde brüllten! groß in Einigkeit, in Einfachheit und Biederkeit, war eS, darin ein junger Lehrer, der 1848 das Seminar zu. Friedberg verlassen, seinen Einzug hielt. Klein war auch die Besoldung/ die der Lehrer bezog, zwölf Gulden bares Geld im Vierteljahr/ aber groß waren die Hoffnungen, die unter der verschnürten! Jacke, wie sie damals die Seminaristen trugen, im Herzen des jungen Lehrers gnollen. Als der junge Lehrer aus dem Walde trat, der seinen Angen das Dorf, feine zukünftige Wirkungsstätte, verbarg, traf er einen; Einwohner des Dorfes am Waldesrand an, der seinen Acker pflügte., Diesen fragte er nach dem Wege und erhielt freundlichen Bescheid., Ter Bauersmann hielt aber den Fremden für alles andere als den zukünftigen Lehrer des Orts. „Ich glaubt," sagte er später zu einem andern Landwirt, „es wär ’n Apotheker". - ..... Ter junge Lehrer fand zwar vieles in seiner Gemeinde, was sein Herz erfreute, wie anhängliche, dankbare Leute, gut beanlagte, aufmerksame Schüler, aber auch manches, das für ihn eine Lücke bildete. Die Abgeschlossenheit des Dorfes, der Mangel jeglichen Verkehres ließen ihn den Truck der Einsamkeit und Langweile fühlen. Wohl brachte ihm! eine tüchtige, geschickte Lebensgefährtin, eine Jugendliebe, die er heimgeführt, anfangs freiwillige Fesseln. Bald aber zog es ihn doch wieder mit Macht ans der dörflichen Abgeschlossenheit nach den größeren, verkehrsreicheren Ortschaften der Umgegend. Insonderheit sehnte er sich nach dem Verkehr mit Kollegen, um mit ihnen Standes- und Bernfsfragen zu besprechen und Geselligkeit zu pflegen. Tie damalige Beschränktheit des Verkehrs, die Abgeschlossenheit! der Orte, brachten cs mit sich, daß die Freundschaften viel familiärer, viel inniger, tiefgründiger waren wie heute, da der persönliche Egoismus in allen Ständen sehr ost die erste Geige spielt. Auch das Streben nach Hebung des in seinen ersten Ent- wickelnngsstufen stehenden Lehrerstandes wob ein festeres Band um seine Glieder im engen Bezirke, als die heutige großzügige Organisation. Oft dehnten sich die Besuche des Lehrers so lange ans, daß feilte Heimwege in die Mitternacht fielen. Diese Wege führten durch Waldungen, die in nächster Nähe die heimatliche Gemarkung begrenzten. Waldwege in der Nacht sind! nicht jedermanns Freunde/ aber den Lehrer genierten sie nicht, da er sich nicht fürchtete. Die junge Lehrersfrau Hatte in ihrem Herzen den brennenden Wunsch, der Herr Gemahl möge doch einmal auf seinchw späten Heimweg „gepflegt" werden, damit ihm die Lust dazu! vergehe. Mit dem Ausdruck „gepflegt" meinte man, irgend eine Ursache — erklärliche oder unerklärliche — znögc die UmwMdlWS veranlassen. 411 — Der Wunsch der jungen MM jollte sich bald erfüllen iuiti -War durch doppelte Ursache: eine erklärliche, natürliche und eine Mystische. Einst kehrte der Lehrer des Nachts spat von einer Konferenz weint. Sein Weg stihrte zuletzt durch- einen Wald an der heimat- itdpt Gemärknngsgrenze. TM Waldweg säumen auf beiden. Seiten hohe, finstere Tannen ein, so daß mir durch einen schmalen Spalt, den die Taunciiwipfel oben offen lassen, der Himmel hindurchschaut. Wer selbst von diesenl schmalen Himmelsstreifen konnte man nm die Zeit, da der Lehrer den Weg beschritt, nichts sehen, weil drc Nacht rabenschwarz war. Nach kurzer Entfernung biegt der Waldweg in scharfem Bogen linksum; aber auch gradeans führt eme Waldschneise; ebenso mündet eine andere in die Umbiegung, so daß ein richtiges Wegkreuz entsteht. Ein Wegweiser weist dort dm Wanderer zurecht. Auf dem Kreuzungspunkt angelangt, ntacht der Lehrer Halt; Vr überlegt, ob er. auch in der dunklen Nacht den kürzeren Schneiseweg oder die sichere Waldchanssee wühlen soll. , , Da springt mit einem. Satz etwas Lebendes, Behaartes auf leine Brust. Entsetzt prallt er zurück, einen Moment spvachlos vvr Schreck. _.W«s ist das? — Ta gibt cs Laute von sich, Laute, die dem ziächtttcheu Wanderer nur zu bekannt sind, es ist die Stimme t— fernes Hundes. Diesen hatte der Lehrer bei seinem Weggang zurückgehalten Knd, damit er ihtn nicht folge, in einen Stall gesperrt. Der Hund Wußte aber dennoch die Freiheit zu gewinnen und folgte der Spur fernes Herrn. Am genannten Kreuzungspunkte, von deut er wußte, daß ihn sein Herr passieren mußte, erwartete er jenen.. Der Sprung an seines Herrn Brust war nur der Ausdruck seiner Freude über das Wiedersehen. Aber seinem Herrn lag der Schreck dieses Heimwegs noch lange auf der Seele. Nicht lange nach diesem Vorkommnis war es deine Lehrer wieder- !mn nahezu Mitternacht geworden, als er den Heimweg von einem Nahezu eine Stunde entfernten Nachbarorte antrat. Diesmal war -fvar der Himmel wiederum bedeckt, aber der Bollmondschein machte die Nacht ganz hell. Deshalb wählte der Heünkehreude nicht die M Serpentinen gehende Straße, sondern öen über einen Berg ziehenden kürzeren Waldweg. Als er ungefähr die Mitte des Waldwegs erreicht, sieht er Ms einer von seiner linken Seite einmündenden Schneise ein heiles Lat-ernenlicht kommen. Er denkt, das ist jemand, der ganz sicher durch den Wald gehen will. Doch befremdet es ihn, daß lemand bei so Heller Mondnacht eine Laterne trügt. Mit diesen Erwägungen schreitet er weiter. Als er sich inmdreht, um einmal zu sehen, welchen Weg der LaterueiNräger ernschlügt, merkt er, daß das Licht ihm folgt. Er bleibt stehen — vW^Licht auch; er beschleunigt seine Schritte — die Laterne eilt rascher; er verlangsamt sein Tempo — das Licht ebettsv. „Potztausend," sagt er zu sich, „was soll das bedeutest Mittlerweile kommt er an den Bach, der an seinem Ort vorbei- flicßt, über den eine Brücke führt, die er passieren muß. „Jetzt," denkt er, „muß es sich zeigen, ob die Laterne einen menschlichen Träger hat, oder ob sie eine geheimnisvolle Erscheinung ist." Er eilt über die Brücke und —- bleibt stehen. Aber, als ob das Licht seine Gedanken erraten, schießt es mit blitzschnellen Ruck' über die Wasserfläche zum andern User. Nun Packt aber den Wanderer doch ein eigentümliches Gefühl; es durchläuft ihn kalt, und- er — läuft auch deut vor ihm ge- ttgeNen Heimatsort zu, an dessen Rückseite das Schulhaus gelegen. Tas Licht folgt auch seinem- Laufschritt. _ Ein kleiner Zwinger trennt das Schnlh-aus von seinem, Nachbarhanse. Wie der Heintke-Hrende durch den engen Zwinger eilt, blitzt auch der Lichtschein hindurch in den „Bockelbirnbaum", der vor dem Nachbarhause steht, diesen taghell erleuchtend. In dem Hanse liegt gerade der Großvater auf der Totenstreu. Auch dieser Gedanke durchzuckt den nunmehr im Galopp Heimeilenden Die Haustnre aus und in ein paar Sätzen die Treppe hinauf nach der inr oberen Stock belegen en Wohnung war das Werk eines Augenblicks. . was ungestüme treppansstürmcn des Mannes jagt der jungen Leyrersfraii keinen geringen Schrecken ein. Atemlos erzählt her Heungekehrtc die rätselhafte Erscheinung. Ta bläst der Nachtwächter drunten auf der Straße die Zwölf. Schnell eilt der Mehrer hinab auf die Straße, um mit dem Nachtwächter der Erscheinilug nach-zuspüren. Beide sehen aber nicht die geringste Spur mehr; alles ist verschwunden. Lehrersfrau, daß ihr Mann seine späte J" Erfüllung, Der Treppenschritt iif1 sV" ;cV’m ä tn ,enev blieb aber- der Lehrersfrau zeitlebens- UH. Vil 'll’H litlillijj, II. wir soeben erzählt, war ein ungewöhnlich! ^stklfrennd. Einst hatte er ein Rest junger Blutsinken brach'w'hna tiieI Mlfiger gab, als heute. Er brachte das Nest nach- Hause, nm dm Jungen groß zu ziehen Ilt'.cr den jungen Tompfasfen hatte der Lehrer einen groß mzogen,dcr das Lied: kleb' immer Treu' und Redlichkeit- so lang, als fei es die -stimme seines Lehrmeisters und zwar zum Verwechseln ähnlich. Eines Tages komMt ein Bursche aus dein Heimatsort des Lehrers, um sich einen von demselben versprochenen Rock zu holen, wer Lehrer lvar nicht zu Hanse. Seine. Frau sagte das Dein jungen Manne. Dieser war bereits int Weggehen begriffen, da hört er im- Hausgange das Lied pfeifen: ' IW- tmstter Treu' und Redlichkeit. ,,Fhr habt mir die Wahrheit nicht gesagt," mit diesen Worten kehrte er um und wendete sich zu des Lehrers Frau, „der Lehrer ist ;a daheim; ich habe ihn soeben pfeifen gehört." Erst nachdem der Manu sich _überzeugt, daß der Gesang von dem Bogel herrührte, sah er seinen Irrtum ein und ging weiter. — .... Einst kam in das Schulhaus eine alte Zigeunersfrau. Sie horte den Blulsmk singen. Erstaunt horcht sie ihm' zu. „Verkauft mir den Bogel!" wendete sie sich zum Lehrer". „Der ist mir nicht seil" entgegnet er ihr. „Ich gebe 3—4—5 Gulden für ihn," sagt die Zigeunerin.! „Und wenn Ihr zehn gebt. Ich habe Euch gesagt, daß er mir mch-t feit ist" antwortet ihr der Lehrer. . ,,,"^benn Ihr mir den Bogel nicht laßt, dann ist er morgen tot! spricht die Zigeunerssrau weiter. „Nun, lucnn Ihr das meint," entgegnet ihr der Lehrer, „dann bekommt Ihr ihn erst recht nicht!" Tas Zigeunerweib verläßt das Haus. Am anderen Tage lag Der wertvolle Vogel — verendet in seinem Käsig, III. „Guck nmol, Kaspar, dört off bin Schoarnstau des Schoul- hauscs — woas eas doas?" Mit diesen Worten zeigt ein Manu nüch dem Schornstein auf der kleinen, bescheidenen Wohnung des Präzeptors. So hieß der erste Lehrer des Orts, ein Titel/ Der sich von einem früheren Mitprediger und Lehrer auf ihn! fortgecrbt. Der Angeredete sah auf, und beide erblickten ans dem Schorir- steiu der Lehrerwohnung deutlich — zwei feurige Menschciiköpst, „Lonnerschtoag!" sagt Kaspar, „doas sein jo — waiß d-est Herr — zwaa Menschekvpp." .Zn den zwei Männern gesellte sich bald ein dritter, Viertech stnd bald war es eine ganze Schar. Nun ging es wie ein! Lauffeuer durch das Dorf: „Auf der Schulwohnung sieht inan zwei feurige Menschenköpfe. Bald versammelt sich das ganze Dorf am -Schulhaus und sieht voll Staunen nach der rätselhaften Erscheinung auf dem Schornsteine, «spät am- Abend verschwindet das Phänomen. Aber ant anderen Abend wicherholt es sich. Auch zu der nahen Nachbar- gemcuide dringt die Kunde. Leute von hier eilen hin, um das- Munder zu beschauen. . "Das ist der Deuwil, der dem Präzeptor das Geald beengt," mit diesen Worten sucht einer der Zuschauer das Rätsel zu; erklären. Manches -alte Mütterchen, deut damals der Hexeti-, glaube noch lief im Herzen saß, glaubte- dieser Meinung. Test Präzeptor galt nämlich für einen reichen Manu, ja einen reicheren als er wirklich war. Seinen Titel „Präzeptor" machte er alle Ehre; er war ein grundgesch-eid-ter, erfahrener, gelehrter Mann, dabei ein Charakter felsenfest mib- lauter, wie..sie leider heute so selten sind. Der Präzeptor ging der seltsamen Erscheinung auf dem, Schornsteine seines Hauses auf den Grund. Aist nächsten Abend läßt er die Lampe im Nachbarhause gegenüber der Schulwohnuug wegnehmen, und — die Erscheinung verschwindet. Tie Lichtstrahlen dieser Lampe zauberten im Rauche aus dem Schornstein das wunderliche Gebilde der Köpfe. . War so der Spuck erklärt, so verschwand er doch nicht so gleich aus den Gedanken der damals noch recht abergläubische Leute; sie glaubten eben, der Anschauung der Zeit entsprechend- tan Gespenster. IV. Ein MaiensouutagMorgen. Der Wald- prangt in seiuclst zartesten, weichsten Grün. Heller Sonnenschein strahlt voui wolkenlosen, blauen Himmel. Im Walde tönt der vollstimmige Chor der befiedertjeu Sänger. Äuch seine spätesten Glieder, Kuckuck, und Pirol, nehmen daran Teil. So hallt der Waldesdom wieder vom Maieiikonzert der Bogelschar, die damals noch viel stärker als heute- war. _ Auf einem Waldsußweg schreitest zwei junge Mädchen, Schwestern, blühende Gestalten, in der Tracht der damaligen Zeit: kurze, dichte Faltenröcke, festauliegende, verschnürte Mieder, eine Kleidung, wie man sie heute noch in der Umgegend Gießens sehen kann. Sie wollen nach dein benachbarten Ort zur dortigen -Kirche, in der der vorausgegangene Lehrer, ihr Vater, die Orgel zum Morgengottesdienst spielen soll für einen erkrankten Kollegen, Da bleiben sie plötzlich wie gebannt stehen. Hart am Rande des Fußwegs erblicken sie einen funkelnagelneuen Napf, gefüllt mit krappelndeu, zappelnden „Goldschmieden". So nennt man die grüngolden schimmernden Laufkäfer. Die Mädchen wollen weiter eilen, da fesselt ihre Angen wiederum eine wunderb-arie Erscheinung, 412 8. H. bU 3. 4, Verkauf des Ak. eD H. dD 9)1. dü 93. dA 9)1. aU H. c8 V. dA. H. cU M.dS. Magisches Dreieck. I I» die Felder uebensteheuder Figur sind die Buchstaben aaddeeeeiijmrsss derart einzutragen, daß die einander entsprechenden wagercckten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Figur aus einein Grillparzerschen Drama. 2. Griechische Göttin. 3. Musikalische Bezeichnung. 4. Teil von Hessen. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr •— Treff, x—Pique, c — Coeur, ear — Carreau tiB — Treff-Bube, pA — Pigue-9lß, cD Eoeur-Tame u. j. f. Vorhand ivendete cA und fand noch bZ: sie drückt nun aZ und a9. Blittelhand hatte aU, dU, aK, aD, bD, b*J, cD, dK, dS, d8, *' Spieles: In kurzer EntsscWmg, abseits Ä&rntefo I leisenniö^rwch^en^Wnnen^bei ^eM^^anken, daß Mächtigen Tanne dn kleines, jmfo TZiKnrn I Bcrdauungskranke unter ärztlicher Aussicht sozusagen zu Bauchs Am Stamm dA Baumes hangt em Sp eget, das I «usgebildet werden sollen, aber die Wissenschaft fat sich rasiert sich. Neben dem .Männchen b mkt em- neue W JOT ™ eingehend mit ähnlichen Untersuchungen hellen Sonnenstrahl, dabei steht em Wroree® ™wa9i. ^sMstigt. Vor Jahren wurde der ASademie von einem be- Erschrocken beschleuuigeii dre Mädchen r^en Schritt und er kannten Arzte in Nantes über einen überraschenden, Heilerfolg zählen dem Vater ,ihr Erlebnw. .Noch al^ Greisinnen bit | £tug-ü§dic6 Bericht erstattet. Es handelte sich dabei nm eine ihnen die Erscheinung unvergessen. 1 Schauspielerin, die schwer iintev der Erschlaffung ihrer Verdau- V. I ungsorgane zu leiden hatte und von ihrer Krankheit völlig ge- oeh't iedt zu Bett!; es ist zehn Uhr vorbei!" Mit I heilt wurde von dem Tage an, da sie eine Rolle übernahm MW diesei?Worten fordert des Lehrers Frau ihre vier Kinder teuf,- I regelmäßig spielte, in der sie auf der Buhne einen Bauchtanz vor- sich tote’4». Mesiich ein Student aus d'önt Dorfe I $ ' Ein lustiger Vorfall, der sich kürzlich in eurer eng- rtpfmnnten Lebhaft fließt die Unterhaltung zwischen I lifchen Landgemeinde ereignet haben soll, wird m einein ^ondoner '11 s»m®9ebrer Dir hören auch die Kinder gerne zu. Sie I Blatte erzählt. Am Ende des Gottesdienstes trat der biedere alte d<-r ^Alifforderunq der Mutter und suchen ihr int | Geistliche noch einmal an den Rand der Kanzel und sagte: „Am ™ ss sBä-b« Öa§ will schicdsbesuch^ an die Gefahren der Meeresfahrt gemahnt und ihr I ich Ihnen sagen, Herr; lassen Sw sich vom ersten Auto, das aeiaat- Gib acht Tu denkst vielleicht an meine Worte! , I vorbeikommt, überfahren! m , -l Das'TreppengerÄsch im Schulhause geschah — wie der Brief --- Der Augenarzt „Warum H deine Verlobung nut mitieilte — in demselben Augenblick, in dem das Schiff unter- I dem jungen Arzt ausemandergegangen? — „Denke drr, er sank und das Mädcheii gerettet wurde^nnd seine Gedanken an | schaute mir neulich tu bte Augen, und am andern -rag schickte seinen Onkel rickt-cke ! er meinem Papa dre Rechnung zu. . leinen bittet ruinere. I * Geräuschvolle Arbeit. Sommerfrischlerin: „Frau Ein zweifelsreies Beispiel von Telepathie, . ] Bürgermeisterin, ich muß Sie bitten, Rattengift zu legen, lck> habe ------------ I die halbe Nacht nicht geschlafen vor Kratzen, Nagen und Fauchen. I — Bürgermeisterin: „Ratten? Wir hab'n, koane Natt'n net I Jxssas Ua, Sie Ham g'wiß do Bürgermoaster g'hort, der Hot ' Die Verteidigung mit der Hutnadel. Daß die I gxst^n auf d' Nacht a Brodokull schreibsti müsfln!" viel augefeiudete Hutnadel auch ihre Vorteile hat, zeigt der pall * Abgefertigt! Herr zur Dame: „Fraulem, Sie mußten einer jungen Engländerin, die dieser Tage in Passy Freunde be- I einen Humpelrock tragen! — Dame: „sowohl, damit -sie lachen suchte und um ' Mitternacht in einer Droschke nach Hache fuhr. | können!" ______ Alst dem Sternplatz in Paris winkte ein Mann dein Kutscher Halt zii, und in dem Glauben, daß der Fremde mit der Dame tut Wagen bekannt sei, hielt der Rossetenker sein Geführt auch an. Der fremde Manu aber war ein frecher Apache, der die Engländerin bedrohte und ihre Börse verlangte. Ziim Gliick verlor die Dame ihre Selbstbeherrschung nicht; ehe der Apache sich versah, hatte sie eine Nadel aus ihrem Hute gezogen und mit den Worten: „Da haben Sie etwas", bohrte sie diele improvisierte Waffe tief in den Arm des Gesellen. Sie ivar bereit, ein zweites Mal zu stechen, aber mit einem Schmerzensschrei war der Apache zurückge!ahren, nnb nun trieb der Kutscher, der endlich begriff, auch schnell sein Pferd an. * Der Bauchtauz als Heilmittel. Ans Paris tvird berichtet: In der französischen Akademie der Wissenschaften hat Dr. Fern et Bericht erstattet über interessant Untersuchungen, die er veranstaltet hat in dem Bestreben, ein wirklich wirksames Mittel gegen die besonders in reiferem Alter auftretende dauernde Trägheit der Verdauungsorgane zu gewinnen. Der Forscher weist nach, welchen verderblichen Einfluß untere! .... .. . . . Arzneien bei dauerndem Gebrauch auf die Organe ausüben; er ! Hinterhand den Rest, hat eine Art gymnastischen Systems at-sgearbeitet, das darauf I 1. B. c9 abzielt, die Bauchmuskeln in erhöhter Tätigkeit anzuregen. Die 1 2. M. d8 (Hebungen, die vor allem beharrlich ausgesührt werden sollen, I 3. B. c7 bestehen in regelmäßigen rhythmischen Bewegungen des Bauches, I 4. H. dD also in einer Art Bauchtanz, dessen dauernde Ausübung in einer I 5. -o.cK ----- r . , _. ganzen Reihe von Fällen bereits zu einer vollkommenen Heilung I Die übrigen Stiche erhalt der Spieler, so daß also die Gegner der Verdanungsträgheit geführt hat. Der Laie wird sich freilich | im Schneider geblieben sind. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch» und Steindruckereh R. Langem Gieb«tz