Donnerstag den 5. Januar Ml ■ÄBESwti Das Witwenhaus. Roman von Hetene von Mühlau. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Sie waren alle drei froh und zufrieden. Die Winterabende waren so lang und so einsam, aber wenn sie zu dreien zusammensaßen, und wenn die Pastorin mit ihrer melodischen Stimme vorlas oder Märchen erzählte, dann vergingen die Strrnden im Flug. „Merkwürdig," meinte die Pastorin, als die Kosh gegangen war, „man kann dieser Person trotz all ihrer Unverschämtheit nicht böse sein!" „Das kommt, weil sie ein gutes Herz und einen geraden Sinn hat!" sagte Frau von Hilbach, und sie hätte der dicken Gemüsefrau ein längeres Loblied gesungen, wenn nicht ein Pochen an der Tür sie unterbrochen hätte. „Herein!" „Ich wünsche guten Abend!" sagte eine etwas scharfe Stimme, und tn den Lichtkreis der Lampe trat ein schwarzgekleidetes mageres Persönchen mit einem vogelartigen, kleinen Gesicht und zwei bohrenden, schwarzen Augen. „O, Frau Oberlehrer!" sagte Frau von Hilbach, trat der Besucherin entgegen und bot ihr einen Stuhl an. „Nein, ich danke!" wehrte die Witwe des Oberlehrers Specht und verneigte sich kühl gegen die Pastorin. ,Jch> komme leider, um eine Klage vorzubringen!" „Oh!" machte Frau von Hilbach erschrocken. „Ja — und ich muß sogar ganz entschieden um eine sehr baldige Abänderung bitten!" „Aber was gibt es denn, Frau Oberlehrer?" „O!" jagte die Specht und setzte eine strenge Mien» auf. Ich hätte mich wohl über vieles zu beschweren, aber man nimmt ja immer Rücksicht. Nun, Frau Pastorin, Ihre Badegäste sind ja fort. Da kann ich wohl jetzt sagen, daß das eine Erlösung für mich bedeutet. Das ist ja nicht zu beschreiben, welcher Lärm da in den Zimmern über mir vor sich ging — Nacht sür Nacht bis zwölf Uhr!" „Meine Badegäste?" fragte die Pastorin fassungslos. »Meine Berliner Badegäste?" „Ja — Ihre Berliner Badegäste!" antwortete die Specht schneidend. „Nun ja — man weiß ja, in diesen Badeort kommt nicht nur das Elitepublikum von Berlin — aber diese Leute müssen doch schon einer recht geringen iGesellschast angehört haben!" „Diese Leute??" wiederholte die Pastorin und trat aus die Specht zu. „Diese Leute" sagen Sie? Wissen Sie denn, wer „diese Leute" waren? Nein — das ist schändlich, daß Sie so über Menschen reden, deren Bildung vielleicht himmelhoch---" Sie schwieg plötzlich, denn die Augen der Specht funkelten sie böse an. „Nun, Frau Oberlehrer, über was haben Sie sich denn sonst noch zu beklagen?" siel Frau von Hilbach ein. „Die Badegäste der Frau Pastor sind ja nun fort Dieses Aer- gernis ist also überwunden." „Eines möchte ich doch noch bemerken," unterbrach die Pastorin. „Wenn ein Mann, der den Titel „Direktors trägt, mit Frau und Kind eine zwölfwöchentliche Badereise machen kann, wenn er tagtäglich im Mutigen Ritter Table d'hote zu zwei Mark fünfzig Pfennig das Kuvert itzt und dem Mädchen zwanzig Mark Trinkgeld zum Abschied gibt dann hat er nicht nötig, sich von der Frau Oberlehrer Specht „diese Leute" titulieren zu lassen. Ja — das wollte ich bemerkt haben!" Die Specht lächelte geringschätzig. „Ich sollte meinen, so etwas könnte Ihnen nicht imponieren, Frau Pastor. Eine unmittelbare Reichsgräfin---" „Ach bitte, Fran Oberlehrer," fiel Frau von Hilbach wieder ein, die ängstlich zwischen den zwei erregten Frauen staud, „wollen Sie mir nicht sagen, welche Klage Sie mir Vorbringen wollten? " „Ja, das will ich," sagte die Specht resolut und stützte beide Hände auf eine Stuhllehne. „Ich hatte allerdings erwartet, Sie allein zu finden, aber schließlich: es ist ja kein Geheimnis. Es ist die Strickmaschine der Frau Rechnungsrätin Natusius, über die ich mich beschweren muß!" „Die Strickmaschine der Frau Natusius?" fragtmr die Pastorin und Frau von Hilbach wie aus einem Mund. „Ja, die Strickmaschine der Frau Natusius. Ich habe gewiß ein gutes Herz und nehme Rücksichten, und obschon das Geräusch, das diese Maschine verursacht, ein wahrhaft unerträgliches ist, schwieg ich bisher. Seit vierzehn Tagen aber sitzt diese Person vom frühen Morgen I bis spät in die Nacht ununterbrochen an diesem Instrument, und das schnarrende Geräusch geht mir wie eine Säge durch die Nerven." „Wie eine Säge durch die Nerven?" fragte jetzt die Kosh, die mit Fettbücklingen, Baldriantropfen und dem Roman der Gräfin Hahn-Hahn in der Tür stand. „Ach bitte — ich rede mit Frau von Hilbach, der Hausbesitzerin!" sagte die Specht ärgerlich. „Ja — aber liebe Fran Oberlehrer, da werde ich wirklich nichts tun können!" antwortete Frau von Hilbach ein wenig zögernd. „Es ist die Erwerbsquelle der armen Frau Natusius. Denken Sie, daß sie eine alte Mutter und vier Kinder zu ernähren hat, und ihre Pension ist doch nur sehr gering." „Darauf kann ich absolut keine Rücksicht nehmen!" entgegnete die Specht kühl. „Warum will sie hoch hinaus mit ihren Kindern? Warum müssen die Mädchen die höhere Töchterschule besuchen und die Jungen studieren? Mein seliger Mann war ein Feind dieser Sucht der Subalternbeamten, ihre Kinder zu hohen Karrieren zu drängen. Wenn bitfe Frau vom Hochmutsteufel geplagt wird, so brauchen, doch nicht andere darunter zu leiden. Kurz und gut, Frau von Hilbach, ich muß dringend darauf bestehen. 10 — Laß Sie baldigst eine Aendenmg herbeiführen; ich müßte sonst Schritte tun, die Ihnen unangenehm fein dürften!" „So?" meinte die Kosh und stellte sich breit vor bte Specht hin. „Und daß Ihre Badegäste den ganzen Sommer über täglich sechs Stunden auf einem verstimmten Klavier hämmerten, daß Ihr Neffe, der Fritz, der frechste Bengel aus der ganzen Nachbarschaft ist, davon darf man fein Wort erwähnen, nicht wahr, Fran Oberlehrer? „Frau von Hilbach," sagte die Specht heiser. „L-md Sie Herrin in Ihrem Hause oder ist es diese Gemuftfrau? Darüber möchte ich Aufklärung verlangen!" Da lachte die Kosh auf. — „Das will ich Ihnen gleich sagen, Frau Oberlehrer. Was hier meine Frau von Hilbach ist, die ist natürlich die Herrin —, aber bie ist Viel zu gut und zu rücksichtsvoll, um mit Menschen zu verhandeln, die nie zufriebengestellt werden. Und wenn ich da mal einspringe, dann kann mir das niemand Übelnehmen!" „ m . „Ja, ja — das ist ganz richtig!" rcef bte Pastorin und drückte ber Kosh Hanb. -Die Specht aber tat, alschäbe keine ber Frauen etwas gesagt. „Also kann ich damit rechnen, baß Sie eine Aenberung herbeiführen, Fran von Hilbach?" fragte sie schueibenb, unb wie die Kosh wieder das Wort nehmen wollte, stieß sie den Stuhl wütend an den Tisch. „Mit Ihnen habe ich nichts zu schaffen, Frau —, und wenn Sie zehnmal die Witwe eines adeligen, polnischen Arbeiters sind, für mich bleiben Sie die Gemüse- und Geflügelhändlerin; und auf die Ente, die ich vorgestern bei Ihnen bestellte, verzichte ich!" „Was die Ente anbetrifft, Frau Oberlehrer — so tue ich Ihnen zu wissen, daß die geschlachtet und gerupft ist. Morgen früh um siebene liegt die bei Ihrer Minna in der Küche — eine Prachtente zu zwei Mark fünfundachtzig Pfennig. Hier, die Frau von Hilbach und Ihre Minna sind Zeugen, daß die Ente ordnungsgemäß bestellt wurde, Mnb was meinen adligen Namen betrifft, so gehr ber Sie ebensowenig an, wie mich Ihre schwachen Nerven, und wenn---" „Kosh," sagte jetzt Frau von Hilbach, bie zu ihrer Besorgnis sah, wie das Gesicht ber Specht sich von Augenblick zu Augenblick verfärbte, „ich bitte, Kosy — schweigen Sie!" Aber bte Specht war schon an ber Tür. „Das ist eine chöne Wirtschaft hier in bein Hause — bas muß ich sagen!" chrie sie höhnisch. „Ich werde mir mein Recht auf andere Weise verschaffen!" und damit war sie hinaus und schlug die Tür hinter sich zu. „So ein unverschämtes Subjekt!" schimpfte die Kosy wütend >— aber Frau von Hilbach machte ihr Vorwürfe. „Warum werden Sie auch gleich so heftig, Kosy? Wenn sie uns nun kündigt? Sie wissen doch, daß sie fünfzig Mark mehr zahlt, als bte früheren Mieter gaben, unb wer weiß, wen wir bekommen, wenn sie zieht!" „Die zieht nicht, gnädige Fran! Die ist froh, daß sie da oben wohnt. Was ihre Minna ist, die hat mir erst gestern gesagt, daß ihre Kurgäste vom Sommer im nächsten Juli Wiederrommen wollen von wegen dem schönen Blick aus den Vorderzimmern. Gegen die können Sie getrost auftreten — die zieht nicht!" Frau von Hilbach seufzte. Unzufrieden und erregte Szenen waren ihr unerträglich. Wenn sie ihrem Herzen hätte folgen können, so würde sie gern jedem geholfen haben, der sich mit Bitten an sie wandte, und daß ihr dies nicht Möglich war, erfüllte sie mit Trauer. Der kleine Junge war auf dem Sofa eiugeschlafen. jDie rosigen Beinchen lagen auf ber Decke, bie bie Pastorin Über ihn gebreitet hatte, aber Frau von Hilbach erschrak, wie sie es sah. Vielleicht hatte biefer Anblick bie Frau Oberlehrer verletzt unb hatte ihren Ausspruch: „Das ist ja eine schöne Wirtschaft hier im Hause!" veranlaßt. Ach, und was bie Specht heute sagte, bas wußte morgen her ganze Ort, unb vielleicht sagte man in einigen Tagen von ihr, baß sie ihr Kinb vernachlässige, baß sie sich von einer Gemüsehändlerin bevormunden lasse, daß sie eine Null sei im eigenen Hause. Es legte sich ihr wieder tote eine Bleilast auf die Brust, unb sie hatte kaum bie Kraft, das Kind aufzunehmen unb in fein Bettchen zu tragen. Unterdessen deckte bie Kosy den Tisch. „Sehen Sie, rau Pastern," sagte sie. „Spiritus kommt in unserer ärtschaft gar nicht vor. Wir haben unsere Grude — Ihnen sage/ (Fortsetzung folgt.) bte Sie ber ein Zu wohltätigem Zweck. Humoreske von Reinhold Drtmttnnz I. Die gesamte tanzlustige Badegesellschast von Liebenthal schtÄt bereits versammelt, als der junge Rechtsanwalt Hans, Volchnar beit Saal des Kurhauses betrat. Er fühlte sich fast em bißchur beklommen, so vornehm unb elegant erschienen ihm alle ötefe fremden Damen unb Herren in ihren tadellosen Toiletten und m ihrem würdevollen, mehr feierlich gemessenen als bademaytg froy- lichen Beitehmen. Als er bann aber bei etwas genauem Musterung bie angenehme Entdeckung machte, daß unter den jungen Mädchen, bie da in sommerlich Hellen Gewändern sittsam neben wren ist billig, und ba kocht das Wässer bett gattzen Tag. sollten sich bte ihre auch mal in Gang halten. Mit Spirituskocherei passiert bei Ihnen sicher noch mal Unglück!" Die Pastorin zuckte mit den Achseln. „Dies Kochen auf ber Grube ist mir unsympathisch!" sagte fie, „zumal int Winter, wo ich ohne Bedienung btn!" ^Unsympathisch?" lachte die Kosy. „Wenn Sie aber erst mal gefeheu haben, tote wohl das tut, jeden Augenblick heißes Wasser zu haben unb eine anftcmbige Fleischbrühe vhne Mühe kochen zu können, bann wirb sie Ihnen schon sympathisch werben. Ich will mau morgen früh heraufkommen unb sehen, ob ich sie zurechtkriege." „Sie sinb wirklich sehr gut, Frau von Kosezyskoivsky!"- fagte bie Pastorin froh. , Die Kosy brachte Brot, Butter und Käse und eine beimpfende Kanne voll Tee, und zum Schluß kam sie mit einer Pfanne herein, lachte und legte ein halbes Täubchen auf Frau von Hilbachs Teller. Der Pastorin stellte sie die Fettbücklinge hin unb goß ihr Tee ein. „Aber, Kosy," sagte Frau von Hilbach, als sie wieder ins Zimmer kam unb ihren Teller sah. „Nein, Sie wissen doch, ich will nicht, baß Sie mir solche Ueberraschmigen bereiten!" „Lassen Sie man gut fein, Frau von Hilbach. Was Frohes zu essen muß ber Mensch haben, wenn er sonst schon nicht viel Glück hat. Darauf hab ich Zeit meines! Lebens gehalten, unb bas hat mir immer bie nötige Kn- rage gegeben." ", v . „Sie haben ein gutes Herz, meine dicke, alte Kosy ! - sagte Frau von Hilbach, aber sie konnte sich doch nicht freuen. Sie aß langsam unb ohne Leist, unb hätte fie nicht gewußt, daß bie zwei schielenden Aeuglein der treuen Gemüsefrau sie beobachteten, so würde sie den Teller von sich geschoben haben! Die Pastorin machte sich ihre Fettbücklinge zurecht tinö aß mit Behagen. „Drei Stück fünfundzwanzig Pfennige beim Kaufmann Lohmeier über der Brücke — delikat — wollen Sie nicht probieren, liebe Frau von Hilbach?" Frau von Hilbach dankte, aber bie Kosy nahm freubig einen ber drei Fische an, verschwand in der Küche und kam erst wieder, als es Zeit war, das Geschirr abzurciumen. Sie goß den Damen noch eine Tasse Tee ein, schob einen Teller mit brei Aepfeln in die Ofenröhre und wollte gerade mit ihrem Tablett in die Küche gehen, als es wieder an ber Stubentür klopfte. ,, Fran von Hilbach erfchrak. Gewiß kam bie Specht noch einmal zurück. Ihr Herz fing au zu zittern, und sie atmete auf, als sie eine sauste Stimme vernahm, die zur Kosy sagte: , „ „Ist Frau von Hilbach vielleicht zu fprechen?" „Gewiß, Frau Lengerich, was steht zu Diensten?" ant- wortete bie Kosy. ~ „Guten Abend — guten Abend!" wünschte Frau Lengerich unb verneigte sich gegen beibe Damen. Sie war nicht mehr jung, trug ein einfaches Kleid unb eine schwarz- wollene, perlenbestickte Schürze. Die Augen hrelt sie zu Boden gesenkt, unb ihr ganzes Auftreten war überbeschelden, fast verlegen. „Bitte, liebe Frau Lengerich!" jagte Frau von Hitbach und schob ihr einen Stuhl hin. „Was haben Sie für einen Wunsch?" „Ach, es ist mir ja so peinlich unb ich bereite Ihnen so ungern Unannehmlichkeiten, liebe Frau von Hilbach, aber es ist ja zu Ihrem eigenen Besten, wenn ich es 11 JB&ttiSi oder Müttern ÄN Lew Wänden Wftkmsatzett/ gär manchs Kllerliebsts Erscheinung war, schwand seine Befangenheit bald dahin, und die lustige Ferienstimmung, die ihn hierhergeführt hatte, Kahm wieder ganz und gar von ihm Besitz. Seiner Ueberzeugung nach gab es ja auch kaum einen Menschen, der begründetere Veranlassung gehabt hätte, äußerst vergnügt zu sein. Hatte ilM der Himmel mit irdischen Glücksgütern auch Nicht allzu reich gesegnet, so besaß er doch im reichsten Maße alles, was das Dasein erfreulich und heiter zu gestalten vermag: Jugend, Gesundheit, tüchtige Kenntnisse und eine unverwüstliche Arbeitslust, Senre erst vor einein Jahre aufgenommene Praxis hatte sich fast Über Erhoffen günstig entwickelt, und erst kürzlich hatte ihm ein glücklich durchgeführter schwieriger "Prozeß ein ganz unerwartetes! Extrahonorar von 600 Mark eingetragen. In einer Anwandlung jugendlichen Leichtsinns, die bei seinen siebenundzwanzig Jahren vielleicht eine nachsichtige Beurteilung verdiente, hatte er diese gleichsam Dom Himmel gefallene Summe für eine sommerliche Vergnügungsreise während der Gerichtsferien bestimmt. Wohlverwahrt trug er die sechs blauen Kassenscheine auf feinem Herzen, Und im Bewußtsein des sicheren Besitzes dieses redlich erworbenen Kapitals, mit der Aussicht auf ein paar sorglos heitere Ferien- Wochen fühlte er sich so leicht rind frei und glücklich, daß er gewiß Mit keinem vielbeneideten Nabob getauscht haben würde. Die Töne der ersten Polka waren eben verklungen, Und die eingetretene Pause gab Hans Volckmar Gelegenheit, die weiblichen Schönheiten der Gesellschaft in aller Muße zu betrachten. Er fand da manches hübsche, rosige Mädchengesicht, das ihm recht Wohl gefiel, aber sie alle hatten mit einem Male jegliches Jnteresste für ihn verloren, sobald er der blondere jungen Dame ansichtig geworden war, die ziemlich weit von ihm entfernt aur anderen Ende des Saales saß. Sie mochte neunzehn oder zwanzig Jahre alt sein, und er war überzeugt, nie in seinem Leben etwas Holdseligeres gesehen zu haben als diese zierliche, feirrgliedrige Gestalt in deut Wichten und doch vornehmen weißen Kleide und mit deur süßen, blauäugigen Gesichtchen. Sie plauderte mit einem hageren älteren Herrn, den Volckmar nach seiner eckigen Figur und seinen rroch eckigeren Bewegungen für einen Engländer hielt, und über den er sich ärgerte, weil er, nach seiner hölzernen, unbeweglichen Miene zu urteilen, sein Glück offenbar nicht nach Verdienst zu würdigen wußte. Bis dahin hatte sie für ihre übrige Umgebung allem Anschein nach nicht viel Ausmerksamkeit gehabt: jetzt aber wandte sie den Kopf, und der Zufall wollte, daß ihr Blick gerade auf den neben der Eingangstür stehenden Rechtsanwalt siel. Hans Volckmav war nicht eitel, und er hatte sich niemals eingebildet, daß seine Persönlichkeit bestechend genug sei, gleich im ersten Moment gewaltigen Eindruck auf das Herz einer jungen Dame zu machen. So war es denn nicht etwa eine törichte Selbsttäuschung, sondern nur die Feststellung einer ganz unbestreitbaren Tatsache, als er wahrnahm, daß der liebliche Gegenstand seiner stummen Bewun- derunz plötzlich tief errötete und das Gesicht mit allen Anzeichen großer Verwirrung hinter dem Fächer verbarg. Er sah sich um, weil er meinte, derjenige, der ihr Erschrecken Und ihre Verlegenheit verschuldet habe, müsse wohl hinter ihm stehen: aber es war niemand da, und so blieb ihm denn nichts anderes übrig, als sich selbst für beit Urheber dieser kleinen Gemütsbewegung zu halten, die ihr übrigens ganz entzückend anstand. Und wenn seine Bescheidenheit ihn noch immer hätte zweifeln lassen, so würde er schließlich doch durch die verstohlenen, halb Neugierigen und — wie ihm scheinen wollte ■— halb ängstlichen Blicke überzeugt worden sein, die in kurzen Zwischenräumen immer Wieder über den Fächer fort zu ihm hinüberflogen. Et war jetzt fest entschlossen, sich von dem holden Blondköpfchen selbst Aufklärung über die sonderbare Wirkung zu holen, die der Anblick seiner unbedeutenden Person so augenfällig auf sie übte, und es erfüllte ihn mit lebhafter Freude, als er gerade jetzt einen Herrn gewahrte, dessen Bekanntschaft er zufällig im Laufe des Tages gemacht, und der ihm wie eine Art lebendiger Chronik von Liebenthal erschienen war. Der Mann hatte ihm durchaus nicht gefallen, und er halle sich vorgesetzt, dem Schwätzer möglichst ans dem Wege zu gehen. Jetzt aber eilte er mit großer Lebhaftigkeit auf ihn zu und schüttelte dem Erstaunten herzlich wie einem alten Freunde die Hand. Freilich begriff Herr von Sternberg die Ursache dieser auffallenden Freundlichkeit sofort, als der Rechtsanwalt sich hastig nach dem Namen der blonden jungen Dame erkundigte. Er verzog etwas spöttisch die Lippen und sagte: „Es ist Fräulein Mary Burnes, die Tochter des Herrn Gilbert Änrnes aus Newyork — eine echte Amerikanerin, kalt wie Eis und un- Lekümmert nur all die zertretenen Männerherzen, über die sie hiit ihren zierlichen Füßchen lächelnd hinwegschreitet, Ich halte es für meine Pflicht, Sie vor ihr zu warnen." „Ich bin Ihnen dafür außerordentlich verbunden, aber ich hege hinsichtlich meines Herzens nicht die mindesten.Besorgnisse, Sind Sie mit den Herrschaften bekannt?" „Gewiß, und es wird mir ein Vergnügen fein, Sie vorzu- ftellen, wenn Sie denn durchaus in Ihr Verderben rennen wollen." Haus Volckmar drückte ihm die Hand, daß Herr von Stern- Berg einen kleinen Schmerzensruf ausstieß. Dann aber kam ihm doch noch ejn gewichtiges Bedenken. „Aus Newyork, sagten Sie? Die Herrschasten sprechen doch hoffentlich auch deutsch, denn mit meinem Englisch — ich muß es zu meiner Beschämung gestehen — ist es recht schwach bestellt." „Fräulein Burnes ist in einer Dresdener Pension erzogen! worden und spricht das Deutsche wie ihre Muttersprache. Was aber ihren Baier -betrifft, so hat er sich für Leute, die nicht englisch! reden, eine feststehende Form der Unterhaltung zurechtgemacht, mit deren Hilfe es ihm überaus leicht fällt, das Gespräch im Fluß zu erhalten. Sie werden ja selbst sehen. Kommen Sie jetzt, daß ich Sie präsentieren kann, ehe der Walzer beginnt." Hans Volckmar, der durchaus keiner von den allezeit sieges- gewisseu Schwerenötern war, fühlte sein Herz doch etwas schneller! klopfen, als er nun vor den beiden stand. Es war ihm nickst entgangen, daß Fräulein Mary ihn während seiner Unterhaltung mit Herrn von Sternberg scharf beobachtet Hatte, und er bemerkte« daß sie sich große Mühe gab, Herrin über ihre Befangenheit zu werden. Daß die Farbe ans ihren Wangen abermals in raschem Wechsel kam und ging, konnte sie freilich nicht verhindern. Ein Ausdruck höchsten Erstaunens aber trat auf ihr Gesicht, und ihre schönen Augen öffneten, sich weit wie in gewaltigster Ueberraschung, als Herr von Sternberg um die Erlaubnis bat, Mr. Burnes und dem gnädigen Fräulein Herrn Hans Volckmar aus M. vorstellen zu dürfen. Sie sah erst den Sprechenden und dann den Rechtsanwalt an, als wolle sie sich! aus den Mienen her beiden bergen wissern, daß man nickst etwa einen Scherz mit ihr zu treiben! beabsichtige, dann aber erschien plötzlich ein Lächeln auf ihren: Lippen — ein Lächeln, so bezaubernd anmutig und liebenswürdig, daß es Volckmar gar seltsam warm und wonnig ums Herz wurde.- „Aus M. also? Aber Sie sind noch nicht lange dort ansässig, nickst wahr, Herr — Verzeihung, wie war doch Ihr Name?" „Volckmar, mein gnädiges Fräulein — Hans Volckmar. Und in M. lebe ich allerdings erst seit einem Jahre." „Wirklich?" fragte sie, und eine ganze Schar allerliebstes kleiner Teufel schien dabei in den schelmisch zuckenden Linien des reizenden Gesichtchens ihr Wesen zu treiben. „Es soll ja eine wunderhübsche Stadt sein, und ich werde es Ihnen nicht erlassen, mir ihre Schönheiten ganz ausführlich zu schildern, Herr — Volckmar!" Es war bei aller Freundlichkeit etwas so seltsam Anzügliches! in ihren Worten, und sie sprach zumal seinen Namen mit einen so besonderen Betonung aus, daß der junge Manu nicht recht wußte, was er von ihrem Benehmen zu halten habe. Wer er kam zunächst nicht dazu, sich Aufklärung zu verschaffen,, bennf nun reichte ihm Mr. Gilbert Burnes, der so lange steif wie eist Götzenbild dagestanden, feine höchst umfangreiche Rechte. „Ich werde fein ferr erfreut, zu machen Ihr näheres Bekanntschaft," sagte er in einem Tone, der für eine Leichenrede mindestens ebenso passend gewesen wäre wie für eine höflich« konventionelle Phrase. „Ich liebe ferr viel dies npndervolljü Land." Hans Volckmar beeilte sich natürlich, zu versichern, daß diese Anerkennung seinem Herzen ungemein wohltue, und er dachte eben5 darüber nach, wie er sie durch eine recht artige Wendung ber« gelten könne, als die ersten Klänge des Walzers an sein Ohr schlugen und er zugleich wahrnahm, wie sich bon rechts wie von links je eilt befrackter Jüngling näherte — beide ganz unber-. kennbar in der Absicht, Fräulein Mary zuin Tanze aufzufordern. Da überkant ihn eine nie gekannte Unternehmungslust, und mit einem Mute, der ihn selbst am meisten in Erstaunen setzte, kam er den beiden Jünglingen zubor. Er zitterte, daß die junge! Amerikanerin ihm einen Korb geben würde, aber sie neigte zu seiner namenlosen Freude zustimmend das Köpfchen, und er hatte nur eben noch Zeit genug, mit einem triumphierenden Blick die enttäuschten und ingrimmigen Mienen der beiden geschlagenen! Nebenbuhler zu streifen, ehe ihn und seine holde Partnerüt der Wirbel des Tanzes fortriß. Natürlich mußte er nun auch eine Unterhaltung mit ihr beginnen, und er hatte niemals so schmerzlich empfunden als in diesem -Augenblick, daß einem immer gerade dann nichts Gescheites einfallen will, wenn man es besonders notwendig braucht. „Eine .reizende Musik, dieser Fledermaus-Walzer," sagte er endlich, indem er sich gleichzeitig um dieses geistvollen Anfanges willen in der Stille seines Herzens einen nichts weniger als schmeichelhaften Ehrentitel gab. Fräulein Mary Burnes aber blickte wieder mit jenem sinn- b'etörcnbcn Lächeln zu ihm auf und erwiderte leise: „Sie treiben! die Sorge um Ihr Inkognito zu weit, mein Herr — man muß durchaus kein genialer Musiker fein, um zu wissen, daß dies nickst der Fledermaus-Walzer, sondern die „schöne blaue Donau" ist." „In der Tat? Sollte ich mich so geirrt haben? Ich bin eben leider ganz unmusikalisch." * Jetzt lachte sie hell auf und zwinkerte dabei so pfiffig mit den Augen, daß es wahrhaftig eine nicht geringe Selbstüberwindung bedeutete, wenn er ihr nicht auf der Stelle eine glühende Liebeserklärung machte. Diese anmutige Schalkhaftigkeit verdrehte ihm! ganz und gar den Kopf, so wenig er sich auch erklären konnte, was denn eigentlich so Belustigendes in seinen Reden sei. „Sie beabsichtigen also in allem Ernst, Ihre Rolle durchzuführen?" fragte sie nach einigen Sekunden, da er nichts weiter zu sagen wußte. „Nun, mir gegenüber ist es, wie Sie sehen, verlorene Mühe. Ich erkannte Sie auf den ersten .Blick, obwohl Sw — 12 — diplomatisch zu. (Fortsetzung folgt.) sogar Ihre schö--ich meine, Ihre langen Haare zum Opfer gebracht haben." Nun war es ihm endlich klar, daß sie ihn für. euren anderen hielt, und schmerzlich durchzuckte ihn zugleich die Erkenntnis, daß er wahrscheinlich ihre bezaubernde Liebenswürdigkeit einzig diesem Irrtum zu danken habe. Es war natürlich seine Pflicht, ihn zu zerstören, vorher aber wollte er doch wenigstens wissen, wer der Glückliche war, dem ihr verräterisches Erröten und ihr holdes Mchelu gegolten. . .... , ~ „Sie haben mich also erkannt. — Nirn, nteut gnädiges Fräulein, darf ich daim auch vielleicht erfahren, wer ich Ihrer Meinung nach bin?" _ , z _ . oe. , „ „Warum nicht? Sie sind Stanislaw Kamarinski, der berühmte Virtuose. Und ich fürchte, daß ich nicht lange die einzige bleiben werde, die Ihr Inkognito durchschaut." , Hans Volckmar hatte dm Namm des Klavrerkünstlers wohl schon hier und da in den Zeitungen gelesen, aber er hatte tveden den Mann noch sein Bildnis je gesehen, und darum auch Nicht geahnt, daß er ihm so zum Verwechseln ähnlich sem solle. SBeitn nur das glühende Gesicht seiner Tänzerin nicht so über alle Maßen hübsch gewesen wäre! Er hätte sich dann gewiß viel leichter zu bent selbstverleugnenden Entschlüße aufgerafft, sie mit einem unzweideutigen Wort über ihre sonderbare Täuschung aufzuklarm. Aber ein Vergnügen, wie er es beim Anblick dieses süßen Gesichtchens .empfand, wur^e ihm sicherlich in seinem ganzm Lebm nicht wieder zu teil. Darum brachte er die mahnende Stimme seines Gewissms zrim Schweigen und zögerte den unausbleiblichm Augenblick der Enttäuschung noch ein wenig hinaus. „Wahrscheinlich geschieht es auf Grund irgmd eines Porträts, daß Sie Stanislaw Kamarinski in mir zu erkmnm glauben. Denn gesprochen haben Sie ihn doch wohl nie." Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Und das sollte ich Jhnm eigentlich nicht erst bestätigm müssen, obwohl es gewiß verzeihlich ist, wmn Sie über dm vielen Menschen, von dmen Sie beständig umdrängt werden, ein einzelnes Gesicht vergessm." „Das deinige vergesse ich gewiß nicht wieder," dachte Hans Volckmar, während seine Tänzerin weiterplauderte. „Ich habe Sie in Dresden zweimal spielen hörm. Nachher durftm wir nicht mehr hingehm. Die Jnstitutsvorsteherin hatte es verbotm, weil tvir zu viel von Ihnen sprachen. Seitdem sind ja nun schon beinahe anderthalb Jahre vergangen, und Sie habm sich inzwischen auch ein wenig verändert. Aber ich wußte es bereits aus der Mitteilung einer ehemaligen Pensionsfrmndin, daß.Sie stattlicher und männlicher geworden seien." „Das ist ein Interesse, für das Ihnen Stanislaw Kamarinski Niemals dankbar genug sein kann, mein gnädiges Fräulein.", „Ach, Freundinnen schreiben einander ja alles mögliche," wehrte sie etwas verlegen ab. „Und es geschah auch wohl nur, weil sie wußte, daß wir hierher nach Liebenthal gehm würden. Sie hätten übrigens keinem Menschen etwas von Ihrer Absicht verraten dürsm, wmn Ihnen so viel daran lag, unerkannt zu bleibm." „Heimlichkeiten soll man heimlich betreiben, das ist eine golden« Wahrheit," stimmte Hans Volckmar, der sich durch die drolliga Verwechselung von Mffmte zu Minute mehr belustigt fühlte, Zwei Wochen im Harem eines Maharadscha. Die amerckamsche Schriftstellerin Mrs. Jack Gouraud, die vor wenigen Wochen ein fesselndes Werk über Indien bernnsgegeben hat, kann sich rühmen, zivei Wochen lang tm Harem eines indischen Grobkönigs gelebt zu baden; nicku als flüchtige Besucherin ist sie in das sonst unzugängliche Allerheiligste eingedrungen, sie hat das Leben, ine Freuden und Leide» der Haremsfrauen an sich selbst erfahren, um ein wahrheitsgetreues Bild von dem Dasein jener orientalischen Frauen zu gewimien, die für den Europäer hinter einem gebeiinmsvollen Schleier der Legenbenbilbung verborgen sind. In einem interessanten Aufsatz, der in einer groben amerikanischen Zeitschrift veröffentlicht wird, schildert sie ihre Beobachtungen uiid zerstört die phaniastischen Vorstellungen, die der un- eingeiveihte Westeuropäer gewöhnlich mit dein Begriffe eines orientalischen Harems verbindet. Der Harem ist alles andere, als sozusagen eine Sammlung schöner, liebenswerter Frauen; in den streng von der Außenwelt abgeschlossenen Frnuengenrüchern bauseir mehr alte häßliche Frauen als schöne Geschöpie uird der Siirn der Bewohnerinnen ist keineswegs darauf gerichtet, die Gunst des Herrn auf sich zu konzentrieren; ja, es gibt last gar keine Rivalität. Der Harem ist einfach die Familie des Maharadscha, die Faintlie, die sein Vater ihm vererbt bat und die er hinnehmen muß als etwas Gegebenes, nicht anders als etwa der Thron und die Herrschaft. Er kann wohl, trenn die Laune ihn dazu treibt, die Zahl der Harentsfrauen vergrößern, aber es ist ihm versagt, auch nur eine einzige jener Bewohnernmm der Frauengemächer zti entfernen, die ihm unbequem ober unsympathisch ist. So koutmt es, daß die Geniahlinnen des oriemalischen Fürsten gewöhiilich nur eine kleine Minderzahl des Harems bedeuten, der sich in viel größerem Maße aus Tanten, Verivandten, ans den Müttern seiner Halbschwestern tind schließlich der eigenen Mutter und Großmutter zusammensetzt. Die allen Zeiten, da die Feldherrn die schönsten Rrauen des besiegten Feindes als Trophäen mit heimbrachten und ihren Fürsten als Beute barboten, sind längst vorüber unb bie Art, wie heute hin unb wieder eine junge Frau in einen Harem ausgenommen wird, hat gar nichts mehr von jener fernen Romantik, die einst um diese Frauengemächer spielte. Nur eins ist geblieben: die strenge Abgeschiedenheit der Haremsbeivohnerinnen uitb die träge Untätigkeit ihres Ledens. Die Pflege ihres eigenen Körpers ist der einzige Inhalt des Tages. Tas Morgenbad, der nnrbtigfte Teil bes Tagewerkes, wirb zu einer umstänblichen Zeremonie ausgebaut, bie wenigstens zivei Stunden dauert; dann beginnt die Toilette. Ihre Hauptarbeit liegt in den Händen einer Masseuse, aber ein Europäer vermag sich keine Vorstellung davon zu machen, zit welcher Vollendung der Orient gerade diese Art der Körperpflege entwickelt hat. Es ist eine Kunst, die sich von Mutter auf Tochter vererbt, em sinnvolles Eingehen auf die feinsten Veräderimgen der Mttskel- unb Nervenstränge, aber mehr ein zartes Betasten als ein grobes Massieren. Die Abreibung eriolgt mit Hilfe von parfümierten, kostbaren Geleit, die die Gemächer in einen wollüstig schweren Dunst von Wolilgerüchen hüllen; wie die europäische Frau sich vielleicht am Abend 511111 Erscheinen in einer Gesellschaft rüstet, so bereitet sich die Orientalin für die tatenlose Leere des Alltags vor; doch die Kunst der Kammerfrau beschränkt sich nicht auf bie Massage unb auf bie Schminke, nut der Gesicht unb Fingernägel behandelt werden; wie die Modedame des Westens de» Teint tbres Antlitzes mit kundiger Hand verbessert und die Natur verbessert, so pflegt die Orientalin ihren ganzen Körper, jedes Glied wird nut Essenzen unb Salben beljaubeit. Wie sehr bie Körperpflege zeitlich auch ausgedehnt wird, schließlich ist sie doch zu Ende, bie kostbaren, golb» gestickten Seibengemänber werben angelegt unb — ber schönste Teil des Tages ist vorüber. Was nun ? Kann bie Orientalin die Früchte ihrer Körperpflege zeigen? Es ist niemand da, der sie be- rounbert, unb es bleibt nur eins, wodurch die Eintönigkeit des Tageslaufs sich unterbrechen läßt: essen. 'Dian ißt aus Langeweile, man ißt, weil mau schlechthin nichts anderes tun kann. Denn körperliche Bewegung, Anstrengniigen unb Amenthalt in frischer Luft sind ber Haremsbewohnerin versagt; auf einem parfümierten Kissen liegend, silberne Schalen mit Leckerbissen und schwerduiteube Liköre an ber Seite, liegt sie da, starrt gleichmütig dem Rauche ihrer Zigarette nach ober greift allenfalls zu bem franzöUschen Roman, ber neben ihr auf einem Tabouret liegt. Nur hi» unb roiebcr unterbricht eine Ausfahrt in die Kaufläden diese stumpfe Tatenlosigkeit; doch auch bann, wenn bie verhängten Sänften nahen, muß ber Basarbesitzer bie auweienden Kunden schleunigst entfernen, beim fein Fremder darf im Laden sein, wenn Oie Haremsfrauen des Maharadscha eiufaufen. Tie liebste Beschäftigung bleibt aber das Spiel nut Edelsteinen, mit ungefaßten Rubinen und Smaragden, die man nachlässig durch die Hand gleiten läßt und lauscht, wie sie tu silberne Schalen berabfallen. „Vier Tage lang _ ertrug ich dieses Leben. Tann würbe in mir ber Geist des Widerspruchs mächtig. Ich hatte mir gelobt, 14 Tage lang das Leben dieser Frauen zu teilen, ich schlief nut ihnen in den duftschwülen Räumen, die emem das Atmen erschweren, aß und badete, aber zur Mittagszeit mußte ich hinaus, mußte Menschen sehen und sprechen. Wäre mir das versagt gewesen, ich wäre bem Wahnsinn anbenngefalleii. Aber jene Finnen iverben nicht wahnsinnig, sie leben und träumen und haben unb schlasen, bis ber Tob sie aus bem Harem entführt. humoristisches. * N etres Wort. Student: „Was hast bat denn mit deinem hübschen Thermometer angefangen, den dir zum Geburtstag dein Alter geschenkt hat?" — Bemoostes Haupt: „O, den hab ich verqueckfilbert!" , , , , * Wink. Feldwebel (zum Einiähngen, der einmal dem Feldwebel einen Hasen verehrt hat, der von dem Vater des! Einjährigen selbst erlegt war): „Ihr Herr Papa ist wohl krank, daß er schon so lange nicht auf der Jagd war?" Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Nameiwätsels in voriger Nummer : Euqeuie, Amanda, Elisabeth, Pauline, Elfriede, Helene; Emilie. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- unb Steinbriickerei R. Lange, Gießen-