H ihä WWW hrrseloide. Roman von Georg Freiherrn von Omptrda, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Nun sollte unser Glück den Menschen kund'getan werden. Da setzten wir denn gemeinsam eine Liste auf. Ganze Bogen voll Namen. Schrecklich! Und doch machte es uns Spaß, denn dabei gab es tausenderlei Scherz: wir fanden gemem- same Bekannte, wir lachten über diesen, wir freuten uns, jenem die Nachricht mitzuteilen, denn wir wußten: er nahm teil. Schon standen lange Reihen auf dem Papier, und die Flut der Namen 'begann zu ebben. Sie stockte. Wir faßen da und sahen uns an: — Daß wir niemand vergessen! . Wir verloren die Aufmerksamkeit, ich haschte nach Marias Fingern, die, den Bleistift in der Hand, wartete, zu schreiben. Und jedesmal, wenn ich sie küßte, rutschte das Blei über das Papier und machte irgend einen seltsamen Schnörkel. Dann beugte ich mich erstaunt nreder mit der Frage: — Wie heißt der? Ich kann's nicht lesen! Maria, hü schreibst heute so schlecht! Ich bekam einen Klaps. Aber durch einen Kuß mußte sie bann Abbitte leisten. — Wir waren wie die Kinder. Da fiel mir plötzlich ein Name ein, der auf der Liste noch nicht stand. Ich erschrak. Ich begriff mich nicht. Mitten in dem Schäkern und Spielen hielt ich mne. Maria fragte, was mir fei. Ganz ängstlich klang es, und sie hielt meinen Arm dabei, als müsse sie mir zu Hilfe kommen. Wirllich, ich begriff mich nicht. Wie hatte ich den Namen vergessen können. Mein Glück war so groß, daß ich die Umwelt nicht mehr sah. Und dieses Namens hätte ich nicht vergessen dürfen! Mußte ich es nicht ihr zuerst mitteilen, ihr, die mit ihrer Mutter hie Jahre hindurch mir eine Freundin gewesen war — Herzeloide? . Ich sagte zu Maria, beschämt und verwirrt: H- Ich habe einen Menschen vergessen. H Wen denn? >— Herzeloide! Maria fragte erstaunt, wer das sei. Ich erklärte es ihr. Erzählte von der Freundschaft mit dem alternden Mädchen, das mir ein guter Kamerad gewesen, das ich seit langen Jahren nicht mehr gnädiges Fräulein nennen durfte, sondern nur Herzeloide. »—Heißt sie denn wirllich so? — fragte Maria. Sie war dabei so ernst geworden, daß es beinahe aussah wie eine Keine Eifersucht. Doch als ich ihr den Ursprung des Namens erklärt hatte, lackte meine Braut wieder mit ihrem holdseligen Lachen, tote keine Frau sonst lachen konnte auf der ganzen Erde. Ich küßte sie, ich fand tausend' liebe Worte, wir gingen hinunter nach unserer Bank, und dort saßen wir wieder, während unablässig die Wellen anliefen, Hand in Hand/ Arm in Arm, Wange an Wange, Mund an Mund. Aber jäh fragte Maria: — Wie sieht Herzeloide aus? Ich wunderte mich, ich meinte, längst hätte sie den Namen vergessen, und ich gab zurück: !— Lieb und gut. i— Ist sie hübsch? — fragte Maria eifrig. Ich drohte ihr mit dem Finger: — Man ist doch nicht eifersüchtig? Da fiel sie mir um den Hals, und unter Küssen gestand fte mir, ganz verschämt, flüsternd ins Ohr, sie glaube, sie könne doch eifersüchtig sein, ja, sie gönne mich niemand, niemand, niemand. Sie lehnte sich an meine Schulter und sagte immer noch ganz leise, als fürchte sie, es könne doch jemand hören: . — Fritz, ich habe dich ja so wahnsinnig lieb. Weißt du, was ich möchte? — Nun? — Mit dir später ganz allein leben. Nicht in der Stadt, in Berlin. Irgendwo, wo uns niemand kennt, daß ich nur dich hätte, nur dich allein. Mir kam ein Gedanke: Maria sollte Herzeloiden kennen lernen. Sie sollte sie sehen in aller ihrer Güte und Aufopferung für andere, dann schwänden gewiß alle leisen Stimmungen der Eifersucht. Ich sagte es ihr. Sie dankte mir mit einem Seufzer des Glückes, als hätte ich ihr ein großes Geschenk gemacht, und sofort sprachen wir mit den Eltern. Am nächsten Tage wollten wir Herzeloide tn Menton e besuchen. Damit wir sie aber zu Hause träfen, schrieb ich ihr vorher. z,, . _. , _ Maria wartete mit ihren Eltern im Garten des Hotels. Ich fragte nach Fräulein von Leristow. Sie sei oben, hieß es. Ich ließ mich anmelden und dachte, sie käme herunter, aber ich wurde gebeten, sie in ihrem Zimmer aufzusuchen. Als ich eintrat, eilte sie mir bis zur Tür entgegen. Ihre Augen strahlten. Sie drückte mir die Hand und sagte mit einem tiefen Seufzer, tote der Erleichterung: — Gott sei Dank, daß Sie gekommen sind! Ich fragte besorgt, ob sie etwa krank gewesen fei,- doch sie meinte, und nun schien sie ein wenig verlegen zu sein: — Nein, durchaus nicht. Dann war es mir, als ob sie sich bemühte, über diese Worte hinweggukommen. Sie begann eifrig, eilig zu sprechen, dabei dachten wir nicht daran, uns zu setzen. Ich ließ sie reden, und ich muß die Wahrheit sagen: ich horte nur halb zu. Meine Gedanken weilten unten bei meiner Braut, die doch gewiß ängstlich aus mich wartete. So konnte ich denn nicht anders, und, unfähig meinen Wunsch, mich und mein Glück zu offenbaren, länger zurückzuhalten/ unterbrach ich Herzeloide: 278 f— FH muß Ihnen etwas sagen! -Sie sah mich erstaunt au. Ich wiederholte!, h— Ich bin hierher gekommen, nm Ihnen eine Botschaft zu bringen, eine frohe, eine — eine Botschaft, wie ich fo etwas in meinem Dasein noch nie einem Menschen Habe mitteilen können....... Ich stammelte nur noch etwas. Ich wußte nicht, wie mein Glück in Worte fassen, war es doch das erste Mal, daß ich gegen einen Dritten davon sprach. Da, ja da. . . ging mein Temperament völlig mit mir durch. Mir war es wie in seligen, jungen Leutnantstagen, wenn mich eine Stimmung überkam, daß ich die Arme hätte breiten mögen und rufen bei einem Ritt am Morgen durch den taufrischen Wald': „Gott, wie herrlich sind deine Werke!" Mir war es wie in jenen Augenblicken junger Freundschaft,, wie damals, als zunr ersten Male die Liebe an mein Herz Kocht, wie einst, als ich gleichsam wie im Traume einher- itt, stehen blieb vor jedem hübschen Geschöpf, zu rufen: „Wie bist du schön!" Mich überkam es wie immer noch, wenn mir etwas Besonderes, Großes bevorstand, daß ich vor Erregung, vor Jubel, vor Frerche den Maßstab ber Dinge vergaß. Und im Aufschwung meiner Seele, daß ich zum ersten Mal jemand erzählen sollte von all meinem unsäglichen Glück, ergriff ich Herzeloidens Hand — war sie nicht meine Freundin, mein Kamerad? — und rief mit lachenden Augen, mit roten Wangen, mit fliegendem Atem: — Herzeloide! Ich will es Ihnen nur sagen. Herze- löide, ich bin doch eigens dazu von Pernese herübergekommen, ntit ihnen, mit ihr, die unten wartet. Ich bin ja der glücklichste Mann unter der Sonne geworden. Ich habe nie geglaubt, daß mir armem, elendem, altem Kerl noch so etwas passieren könnte. Mir ist das größte Glück widerfahren! Ahnen Sie es denn nicht? Herzeloide! Herzeloide! Ich habe ein Mädchen gefunden, das denkt wie ich, das glaubt wie ich! Ein Mädchen, das mit mir lacht und mit mir weinen würde. Aber, Herzeloide, wir weinen nicht! Wir lachen, wir jubeln den ganzen Tag. Herzeloide, und sie ist schön, reizend, lieblich. Sie ist schwarz mit hellem Teint. Das Wunder der Wunder! Sie hat schwarze Augen! Sie hat winzige Ohren, kleine Hände, einen ganz dünnen, königlichen Hals. Und eine schlanke, zarte, biegsame Gestalt! Herzeloide, freuen Sie sich mit mir. Sie müssen teilnehmen an meinem Glück. Sehen Sie, deshalb bin ich gekommen, um es Ihnen zu erzählen! Herzeloide, sie will Sie gern sehen! Darf sie kommen? Oder kommen Sie hinab? Sie... sie. . . Ich hatte wie ein Wirbelwind gesprochen, und obwohl ich Herzeloide in die Augen geblickt, während ich redete, hatte ich doch nicht sie vor mir gesehen, sondern Maria, die ich schilderte. Nun fühlte jch aber, das Herzeloidens Hand in der meinen weich und widerstandslos wurde, uach- Ueß und mir zu entgleiten begann. Ich griff fester zu, schaute das Mädchen an und gewährte ein entfärbtes, wachs- gelbes Gesicht mit geschlossenen Augen. — Was ist Ihnen? — fragte ich noch, dann fiel Herzeloide steif wie ein Stück Holz um. Ich versuchte sie zu halten, ich stützte sie mit aller Anstrengung, doch sie ent- älitt mir und sank auf den Teppich. Ich rief — niemand kam. Da ich gemeint, nebenan Kinderstimmen zu ver- Uchmen, eilte ich an die Tür zum Nebenzimmer, öffnete und ries: — Bitte, ist jemand hier? Kommen Sie schnell . . . Die Erzieherin, mit den bseihenMädchen am Tisch sitzend, fuhr auf: r— Was ist denn? Bin ich erschrocken! !— Dem gnädigen Fräulein ist unwohl geworden. f~ Ach, um Himmels willen . . . Wir stürzten ins Zimmer zurück. Aber Herzeloide hatte sich erhoben. Sie lehnte an einem Schrank, das Taschentuch vor den Lippen. Noch immer sah sie gelb aus wie Wachs, aber sie faßte sich, und als ich fragte, ob es ihr besser ginge, nickte sie. Ich trat mit der Erzieherin zu ihr. Wir wollten ihr zureden, etwas Wein zu trinken — sie lehnte ab, obwohl sie ganz schwach war. Da kehrte allmählich die Farbe in ihre Wangen zurück, und sie begann zu lächeln, etwas müde noch und gezwungen, aber es war doch ein Zeichen, daß sie wieder Herr über ihre Sinne zu werden begann. Nun bat sie förmlich um Entschuldigung, daß sie die Besinnung verloren und meine Freude gestört hätte. Es war rührend, wie sie sich anklagte, als ob sie zu nichts nütze wäre auf der Welt, als den anderen ihr Glück zu ver lassen! Der Mensch verstand es meisterhaft, meine delikate Auftrag seines zahlungsfähigen Klienten ! I « fälschen Er ist's, Ihrer Beschreibung nach, der schmeichelte, zur Abreise. Auf dem Wege zuni Bahnhof gab er. MW M W0Mn.^vw ^es zu spielen. Und der Ihnen persönlich folgendes Telegramm auf, I einer' Helfershelferin die dreißigtausend Franks abgeknöpft N * W CkM mi* isfesS*, ÄdääÄ Der Notar nahm den nächsten Zug nach Brussel und sUMiieoeie । Mn?egitiiuu/a^ cYTmon nnn mt mein Unterwegs seinen Feldzugsplan. T . a Als Herr Gämissant im bezeichneten Hotel des Boulevard ümiMitt nach Herrn Balland fragte, erklärte der ersichtlich verlegene Wirt, unter seinen Gästen befinde ftchnumand dieses Namens. Der Notar widersprach. Der Wirt fragte, ob m ein Pülizeib^mter sei. In diesem Augenblick kam em junges > Paar die Treppe herunter. Der Notar erraiuue j 4«* «rr„ WrtAfnrMWnneit. wefir von der braunen nach der Beschreibung die Gesuchte>i. Er näherte sich dem jungen Mann und flüsterte ihm ehrerbietig zu; . « „Herr Graf von Ballembleuse, würden Sie nur eine kurze Unterredung gewähren?" . .„ „Sie irren sich, mein verr; ich bm nicht , . , Der Notar fuhr im Flüsterton emdringlicher fort. firnlt Mutier liegt int Sterben, und Ihr Herr Baier . . . ' .Meine Mutier! Was ist mit ihr!" rief der junge Mann erschreckt, ohiie feine Identität länger zu verbergen „Liebe Carmen !— dir begreifst!" entschuldigte er sich ferner Dame gegemibm, „Er wird sich beschwätzen lassen," Murmelte -das hübsche Mädchen, nur deut Notar verständlich. . .. , Y. - . Alle drei stiegen die Treppe zwn Empsaiigssalon hinauf. Hier VttoYi- os»TV heut iintden ÄtMtit eine IiCubKiinbiße sie von seinem Fenster aus vorÜbÄrfahren. Unmittelbar borttitti zitternd und wie im Fieber, eilte er M ihnen, und dann. . habe sie wieder geseh en!" schreibt er noch an demselben Abend, -/und was habe ich gefühlt!!! Wenn im ersten Augenblick hie FreUde auch jeden anderen Gedanken beengte, so stand als ein Gespenst im nächsten Augenblick doch wieder sogleich das ganze Leiden vor mir!! . . . Mit Mühe riß ich mich wieder raus, und ein Blick auf sie, die so herrlich, liebevoll und froh aussah, stärkte mich wieder! . . . Aber die wenigen zusammen gewesenen Augenblicke reichen ganz hin, um mir den Umfang des Glücks M zeigen, welches ich im Begriff stehe — auf ewig zu verlieren." Die glücklichsten Tage seiner Liebe erlebte Prinz Wilhelms ials er im Februar 1825 die Familie Radziwill in Posen besuchte, „So unerwartet noch so schöne Stunden des Zusammenseins zu erleben" und „von liebender Hand gepflegt zu werden", scheint fhm geradezu „romanhaft". „Keine Feder vermag das zu schildern, was ich in den drei Sagen in Posen empfand! Diese vertraulichen Unterhaltungen mit einem Wesen, das man so lange still, aber so innig und von Lanzer Seele geliebt hat, von dem man drei Jahre lang schmerzlich und kummervoll getrennt war, während welcher Zeft man sich nur durch Briefe ferner kennen lernte, um Mit einem Male so vereint und am Ziele sich zu sehen, wo Vertrauen und Zutrauen mit jeder Stunde wuchs und man sich von neuem kennen lernte — diese Augenblicke muß man erlebt haben, NM sie zu verstehen und zu begreifen!" - - - Und etwas später fügt er hinzu: „Wie mir nach Elise bangt, kann ich gar nicht sagen; ohne ihr ist mir alles einerlei jetzt, ja, wenn ich ausgehen Muß, ist es mir ordentlich leid, weil es meine Träumereien stört, die nur ihr gehören, und da kommt es mir vor, als störte man eine Unterredung mit ihr." Er ahnte nicht, wie bald sein Liebestraum zerrinnen sollte^ im Juni 1826 fiel die Entscheidung, die König Friedrich Wilhelm III. selbst in einem herzlichen Schreiben seinem Sohne mitteilte und die für den Herzenswunsch des Prinzen ungünstig sein mußte. So endete die Liebe zu Elisa, die das ganze brittfe Jahrzehnt seines Lebens ausgefüllt hatte und deren Andenknr Noch den fast Neunzigjährigen nach seinen eigenen Worten „üb ermann te" mit schmerzlicher Entsagung. Am Tage, nachdem er die Entscheidung erhielt, schrieb er der Schwester Charlotte, der langjährigen Vertranten seiner Herzensnöte: „Das lang Gefürchtete, das Schmerzlichste, es ist geschehen! . . . Was ich bis »um Herbst unausführbar wähnte, rst eingetteten, und das mit seinem ganzen Schmerz und seiner ganzen Herbheit! Nicht etwa ein Mitteilen desjenigen, wonach eine Entscheidung erfolgen könnte, nein, begleitet von einem Brief, wie ihn ein Vater vielleicht noch nie seinem Kinde schrieb, so gnädig, liebevoll, zärtlich — aber bestimmt! Bis ins Innerste erschüttert stand ich da, meinen Augen, meinen.Sinnen nicht trauend, daß ich am schrecklichen Ziele stehe. . . So ist also mein Schicksal, das Schicksal der unglücklichen Elisa entschieden! Oede und freudeleer erscheint mir zum zweiten Male die Zukunft; ach! nie, nie hätte ich es für möglich gehalten, daß Gott, nachdem er einmal so schwer schon prüfte, noch fein zweitesmal solch schrecklichen Ausgang bereiten würde! Doch kein Murren gegen den Willen des Höchsten! . . . Uns bleibt Nichts anders übrig, als uns dem ausgesprochenen Willen zu beugen und in unseren Herzen, die empfänglich für die göttlichen Wahrheiten und Tröstungen sind, die Kraft, Stärke, Ausdauer und den Trost zu suchen, der allein von oben kommen kann! Gott wird Efernen nicht versagen, zur Tragung des Schwersten, denn er e es! Seine Vaterliebe prüft uns, aber sie erhält uns auch! n, die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten dienen! . . Bete Ar Elisa, Bete für mich, um Ruhe, Kraft und Stärkung." wie man Entfernungen und Gewichte schätzen lernt. Mit Recht oder Unrecht haben einzelne Kritiker des modernen Unterrichtswesens immer wieder darüber Klage geführt, daß unser Erziehungswesen zu sehr darin gipfelt, den Geist unserer Kinder mechanisch mit Kenntnissen, Daten, Zahlen und Begriffen an» zufüllen, ohne dabei durch praktische Anschaulichkeit den entstehenden Vorstellungen fester umgrenzte Umrisse zu geben. Der bekannte amerikanische Pädagoge William Fuller hat in Chicago soeben ein fesselndes Werk über das moderne Schulwesen veröffentlicht und weist dabei auf eine Lücke in unserem Unterrichtsplan hin, die iür die Kinder und später für die Erwachsenen von einschneidender Bedeutung werden kann. Fuller will in den Schulen praktische Uebungen im Abschätzen von Entfernungen rind Gewichten eingeiührt sehen, um Blick und Urteil der Kinder zur eigenen Beobachtung anzuregen. „Wie traurig die Tatsache auch ist, alle Kenner der Schulverhältnisse muffen zugeben, daß der Durchschnitt der höheren Schüler so gut wie gar keine Fähigkeit besitzt, eiirfache Entfernungen oder Gewichte abzuschätzen. Wie oft tritt im täglichen Leben die Notwendigkeit an mrs heran, eine Strecke oder ein Gewicht zu beurteilen, überall in Buchern und Zeitungen wird von Metern, Kilometern, Meilen, «tlogrammeii und Zentnern gesprochen, ohne daß die Mehr- zahl der Menschen sich eine wirklich anschauliche Vorstellung von »er Bedeutung dieser Maße macht." Denn damit, daß man weiß, ötn Ktloineter hat 1000 Meter, oder ein Kilogramm 1000 Gramm, rst für die geistige Aneignung der Vorstelluitg so gut wie nicht» getan. Fuller hat in seiner Lehranstalt probeweise Versuche im Entfernungsschätzen angestellt und die Ergebnisse waren im Anfang trostlos schlecht. Bei einer Auseinandersetzung über die Entfernung eines benachbarten Gebäudes zeigte sich, daß die Mehrzahl der Schüler keinen Begriff davon hatte, wie groß eine Entfernung von 100 Meter eigentlich ist. Diese Beobachtung veranlaßte den Pädagogen, in seiner Anstalt im Schulhofe gewiße Strecken ab* stecken zu lassen, um so den Schülern Entsernungsvorstellungen zu vermitteln. Bereits nach kurzer Zeil machten sich die Früchte dieser einfachen Anweisung geltend, und bei späteren Schätzungen waren die Ergebnisse so günstig, daß Fuller diesen Anschauungsunterricht im Entfernungsschätzen beibehalten hat. Er beginnt in der Regel damit, an die Schüler Fragen über die Größenverhältnisse ihres Klassenzimmers zu stellen, Höhe, Breite und Tiefe werden geschätzt, und so lernen es die Schüler, mit sonst tot in ihrem ©elfte aufgestapelten Maßeinheiten lebendige Begriffe zu verbinden. In ähnlicher Weise wurde dann der Anschauungsunterricht auf Gewichte ausgedehnt und führte auch hier in kurzer Zeit von beschämender Unsicherheit der Vorstellungen zu festen, klaren Begriffen. Vermischtes. • Ein Roman des Prinzen Lulu. In Marseille ist in diesen Tagen eine Engländerin gestorben, die sich Rebekka Clark Jackson nannte, die nach den Darstellungen der französischen Zeitungen die Geliebte von Napoleons einzigem Sohn gewesen ist. Sie soll dem kaiserlichen Prinzen, der im Kampfe gegen die Zulus in Südafrika dann ein so tragisches Ende fand, ein Kind geschenkt haben, dessen Pflege die Kaiserin Eugenie übernahm. Die Tatsache, daß ein Sohn des Prinzen Lulu lebt, wurde vor einigen Jahren durch einen Engländer bestätigt, dem die Erziehung dieses Enkelkindes Napoleons III. übertragen worden war. Der Knabe war damals Zögling einer katholischen Schule in einem Londoner Vorort. Nach seinen Papieren war er der Sohn der Charlotte Watkins, die in der Zeit, da sie den kaiserlichen Prinzen kennen lernte, mit einem gewissen Kelly verheiratet war, der 1879 in einem Londoner Krankenhause verstarb. Um ihren Gatten unterstützen zu können, hatte Charlotte Watkins eine Stellung bei einer Eisbahn angenommen und lernte dabei den Prinzen Lulu kennen, ohne freilich zu wissen, wer der Jüngling war. Das Idyll währte etwa drei Monate; wahrscheinlich um diesen Beziehungen ein Ende zu machen, gab die Kaiserin Eugenie ihrem Sohne die Erlaubnis, nach Südafrika in den Krieg zu ziehen. Die beiden Liebenden trennten sich, der Abschied war schmerzlich. Wem sie ihre Liebe geschenkt hatte, erfuhr Charlotte erst nach dem Tode des Prinzen, als die Zeitungen sein Bild veröffentlichten. Sie verschwand dann auf geheimnisvolle Weise aus England und überließ ihr Kind der Obhut einer mildtätigen Freundin. Man weiß nur, daß Charlotte sich nach Australien einschiffte; seitdem hat man nichts mehr von ihr gehört. Man glaubt jetzt festgestellt zu haben, daß die kürzlich in Marseille verstorbene Frau Clark Jackson mit Charlotte Watkins identisch war. Genauere Einzelheiten über das Leben des Prinzensohnes sind nie bekannt geworden; doch es scheint, daß die Kaiserin Eugenie vor einigen Jahren auf einen Tag nach Paris kam, um der Prüfung ihres Enkelkindes beizuwohnen. * Boshaft. Mitgiftjäger (Verliebtheit heuchelnd): „Am liebsten möchte ich mein süßes Frauchen aufessen." — Hey:: „Nun, warum nicht. Sie leben ja so schon von ihr!" Magischer vreieck. I Jn die Felder nebenstehender Figur sind _______ die Buchstaben aaeeeekkll n r 8 n a derart einzutragen, daß die einander ent» --—I sprechenden wagerechten und senkrechte« Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Wohlriechende Blume. 2. Biblischen Namen. 3. Stadt in Persten. 4. Teil von Kurdistan. 5. Einen Buchstaben. Auflösung ui nächster Nummer. Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer r Für die Jugend ist das Beste gut genug. öirdaktton: K. N eurath. — Rotationsdruck und «erlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckeaet, R. Lange, »ietze»