mWW ÄS Wz^MÄ SÄ iML Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. (Sortfefeung.) (Nachdruck verboten.) Zweites Kapitel. „Passen Sie mal auf, Frau von Hilbach, ich hab mir yestern während des Gottesdienstes was Hübsches für Sie ausgedacht," tröstete die Kosh am nächsten Morgen, als sie den Kaffee ins Zimmer brachte und ihre Frau wieder ziemlich bleich und mutlos fand. „In einem Jahr will er wiederkommen, hat er gesagt, und er kommt auch, darauf können Sie sich verlassen. Ich sehe alles voraus und weist immer genau vorher, was geschehen wird. Und. unser Doktor kommt wieder, darauf nehm ich Gift, aber damit Ihnen die Zeit kürzer wird, hab ich mir das ausgedacht: Sie nehmen einen Briefbogen und darauf schreiben Sie Zahlen, von dreihundert- fünfundsechzia angefangen bis herunter zu eins, und das machen Sie über Ihr Bett fest, und jeden Morgen, wenn Sie aufwachen, streichen Sie eine Zahl aus, dann wissen Sie immer .gleich, wieviel Dage Sie noch warten müssen und haben auf die Weise jeden Dag. eine kleine Freude, denn das macht Spast, wenn man jeden Morgen denkt: ist wieder ein Tag vorbei!" Ich weiß das aus Erfahrung. Wenn ich verlobt war und sehnte mich, um bald wieder in feste Verhältnisse zu kommen, und mußte ein paar Wochen oder Monate darauf warten, dann hab ich das auch getan und hab viel Freude dabei gehabt." „Kosh," antwortete Frau von Hilbach, „liebe Kosh- Hören Sie mich einmal an. Kommen Sie, setzen Sie sich hier an mein Bett. Sie meinen es ja so gut mit mir, das weiß ich, aber sehen Sie, ich kann es nicht anhören, wenn Sie immer von ihm reden, ich kann es nicht, Kosh, und wenn Sie mir ein bißchen gut sind, dann sprechen Sie gar »licht mehr von ihm, bitte, liebe Kosh!" Sie gab der alten Gemüsefrau die Hand und sah sie fast flehend an. „Nicht wahr, das können Sie gar nicht verstehen, Kosh, baß ich Sie darum bitte?" fuhr sie lächelnd fort, als sie in der Alten verblüfftes Gesicht sah. „Rn eigentlich nicht, offengestanden, Frau von Hilbach. Menn ich, oerlpbt !var, dann sprach ich von nichts lieber als von ihm, aber, natürlich, wenn .Sie nicht wollen, zudringlich bin ich nicht!" In Frau von Hilbachs Augen traten Dränen. -Menn ich es Ihnen doch erklären könnte, Kosh! Wer für so etwas gibt es keine Worte. Ich hab heut nacht auch wieder einen schlimmen Traum gehabt, ich kann an kein Mück mehr glauben," Sie hatte geträumt, daß man ihr das Witwenhaus weßnahrn; es war so gewesen: sie hätte auf einem großen, treten Matz gestanden- ganz Mein in der Mtte, und. nm sie herum im Kreis Menschen, lauter Menschen, die fie kannte, all die Witwen aus ihrem Haus und die Nachbarn, und einer winkte den andern herbei. Sie waren vom Gradierwerk heruntergekommen, über die Brücke waren sie von drüben herbeigeeilt, um das Schauspiel zu sehen, wie ihr das Haus genommen wurde. In ihren Gesichtern lag es wie Hohn und Schadenfreude, und sie hatten mit Fingern auf sie gedeutet. Im Hintergrund hatte das Witwenhäus gestanden, grau und lang und traurig, ober Ivie sie näher hinsah, war es gar kein Haus. Es war wieder ein Mensch, ein ganz gebrochener Mensch, der nicht weinen und klagen kann, der sich stumm und verzweifelt in sein Schicksal ergibt, und diese Verzweiflung des armen Hauses, das fühlen und leiden konnte, hatte ihr so bitter weh getan. Sie hatte auf» schreien müssen, hatte auf das Haus zulaufen müssen mit ausgebreiteten Armen, und um sie herum war ein Kichern und Lachen entstanden, denn das Haus war wieder tot und kalt und gleichgültig geworden, und sie war darüber erwacht und hatte keinen Schlaf mehr finden können. Frau von Hilbach hatte die Augen geschlossen, während die Kosh im Zimmer wirtschaftete, aber sie schlief nicht; sie dachte über ihren schlimmen Traum nach und über das Entsetzen, das sie empfunden in dem Augenblick, da sie gewahrte, haß ihr Haus aus Stein war, daß es ihm gleichgültig war, ob es ihr öder einem andern gehörte. Auch das höhnische Lachen all der Menschen, die sie umstanden hatten, tat ihr noch weh. Es war gar nicht toi|e ein Traum gewesen, das war so lebendig und wirklich und laut gewesen, und die tödliche Augst vibrierte noch so sehr in ihr, daß sie die Augen öffnen mußte, um sich zu überzeugen, daß sie hier in ihrem Meinen, halbdunklen Schlafzimmerchen lag. Ihr kleiner Junge, der mit der Kosh nach Naumburg wollte, kam in Mäntelchen und Pelzmütze an ihr Wett und hielt einen Brief in der Hand: „Da, Mütterchen, von Langmami, aber ich muß schnell fort, die Kosh wartet schon auf mich, adieu." Sie konnte gar nicht wieder „adieu" sagen; ihre Hand, die den Brief hielt, zitterte heftig. Sie konnte ihn "nicht öffnen, sie küßte das Kuvert, und drückte es an ihre Brust. „Du schreibst mir, du!" jubelte sie und befühlte den Brief und preßte ihn wieder an die Lippen. Sie war gar nicht neugierig, sie wollte gar nicht wissen, was er ihr schrieb. Sie fühlte ihn so übermächtig in diesem Augenblick, er erfüllte das ganze Zimmerchen, er hielt sie in seinen Armen, und der brausende Choral erklang wieder und dazwischen seine Worte: „Ich komme, Weibelchen, j,n einem Jahr komme ich wieder!" Den Brief ans Herz gedrückt, schloß sie die Augen, und weil es dunkel und füll im Zimmer war und weil der uneröffnete Brief die ganz« große Spannung, die auf ihr gelegen, von ihr genommen^ schlief fie ein und wachte erst auf, als fie an der Tür deq Schlafzimmers Köpfen hörte. W war Fran Ratusius. 142 „Vielleicht hat sie es wirklich gut gemeint, vielleicht könnet sie nichts dafür, daß sie so klein von uns denken müssens Liebster, und wir haben doch gekämpft, so verzweifelt tapfev gekämpft, du und ich!. Was kann uns nun an den andern liegen?" Sie öffnete den Brief und. las ; es war ein engbe- schriebener Brief, sie mußte lange lesen, und ihr Gesicht wurde ernst und traurig. Er schrieb nicht zärtlich, er schrieb nur ernst, und dieser eine Brief sollte für ein ganzes Jahr der einzige fern, und von ihr verlangte er, daß sie während dieses Jahres versuche, so zu leben, als habe sie ihn nie gekannt. O, sre wußte, es waren wieder bange Zweifel über ihn gekommen, ob er sein Wort halten könne. Das Leben hatte ihn vielleicht schon erschreckt in diesen zwei Tagen. Vielleicht auch erwachte er aus einem Taumel und —j „Ach Gott, ach Gott," jammerte sie, „nein, das ist nicht der richtige Weg, Liebster, um meine Sehnsucht zu töten. Das ist hart von dir!" Sie las den Brief noch einmal und las ihn zum dritten Mat und fing an, ihn zu verstehen, fing an, es schön und groß und gut zu finden, daß er ihr so schrieb. „Wenn ich es nur ertragen kann! Wemi ich nur nicht darüber verzweifle!" sagte sie trostlos und schob den Brief in das Kuvert. y , Sie fingen nun im Hause auch darüber an zu reden, daß Frau von Hilbach am Morgen bis zehn Uhr im Bett liege. , „Selbst am Neujahrstag, wo sie doch die Mieten ein» zunehmen hatte, war sie nicht aus!" erzählte die Specht, und Frau Natusius sagte bescheiden: „Ja, ich traf sie auch bei nicht em Besuch gegen einhalb elf noch im Bett." Die Pastorin, die den Kündigungstermin am ersten Januar verpaßt hatte, ärgerte sich jetzt darüber. Wo das ganze Haus zog, wäre sie auch gern gezogen, aber es gab doch allerlei Gründe, die sie hielten. Einmal deshalb, weil ein Umzug mit ihren großen, alten Möbeln kostspielig war, daun auch, weil sie doch manche Bequemlichkeit hier in dem alten Hause hatte, die sie sonst so leicht nicht wiederfand, und vor allem wegien des prächtigen Blicks, der sie selbst und ihre Badegäste CT^rcutc Nun, sie wollte der Frau von Hilbach schon auf andere Weise zeigen, wie tief sie in ihrer Achtung gesunken war. Fürs erste hatte sie ja die Häuflein und die Specht, bet der sie ihre Abende verbrachte, und vielleicht würde die Wohnung der Frau Lengerich auch wieder besetzt, und sie bekam eine angenehme Flurnachbarin. Es kamen ja Mast täglich Leute, die die Wohnung besichtigten, und die Kosh redete wie ein Buch, wenn sie sie durch die Zimmer führte; sie sprach das Blaue vom Himmel herunter, sie öffnete jedes Fenster, um den schönen Blick immer wieder zu zeigen, es nutzte nichts! — (Fortsetzung folgt.) dem sie dreimal geklopft hatte, klinkte sie auf, ging! leise durchs Wohnzimmer und pochte nun an der halbofsenen „Herein!" rief Frau von Hilbach noch schlaftrunken, und Frau Natusius fragte besorgt: „Fühlen Sre sich nicht wohl, Frau von Hilbach? Es ist schon zehn Uhr vor- Üb ct 'Nein ich war nicht wohl!" antwortete Frau von Hil- bach,"und Frau Natusius fetzte sich auf das Bett des kleinen ^Ttvin Ich komme im Auftrag meiner Mutter," begann |ie, und auf ihrem Gesicht lag es wie eine leichte Ver- egen^it" ^rau tion Hilbach freundlich und hielt ihren Brief ans Herz gedrückt. „Haben Sie einen Wunsch?" „Nein, das nicht. Ich---ja, eigentlich geht das uns ja gar nichts an, ich hab es meiner Mutter auch schon gesagt, aber Sie tvissen ja, meine Mutter hat so viel für Sie übrig, und wir alle haben Sie gern!" „Was ist denn'?" drängte Frau von Hilbach, denn sie verspürte plötzlich eine große Ungeduld, ihren Bries zu pfsnen. „ „ , ~ „Denken Sie nicht, es sollte ein Vorwurf fern, Frau von Hilbach, im Gegenteil, nur unsere Freundschaft wollen wir Ihnen beweisen, indem wir Sie ausklären. Sie sind doch noch jung, und es war gewissenlos von dem fremden Menschen, Sie so zu kompromittieren, Frau von Hilbach. Nun ist er fort, und Sie sitzen hier und müssen es sich gefallen lassen, daß man über Sie tuschelt und das Schlimmste von Ihnen annimmt. Das ist unverantwortlich von so einem Menschen." „ „ . „ Frau von Hilbach war blerch geworden. „Haben Sie wir etwas Bestimmtes, ich meine, etwas Dringendes zu sagen, Frau Natusius?" fragte sie mit einer Stimme, rn der zwar Erregung, doch auch wieder eine große Festigkeit lag. Frau Natusius erschrak. „Nein, nur, meine Mutter meinte, es wäre gut, wenn Sie wüßten----—" Frau von Hilbach lächelte jetzt. „Wenn er sich wenigstens mit Ihnen verlobt hatte, Frau von Hilbach, aber so---Die letzten Abende haben Sie ja auch die Frau von Kasczpskowskh nicht mehr bei sich geduldet, erzählte uns die Pastorin! Nein, ich muß sagen, wie er unsere Frieda so aufopfernd behandelt hat, hab ich ihm diese Schlechtigkeit nicht zttgetraut. Die Specht meint, er hätte lang, bevor er zu Ihnen zog, gewußt, daß Sie eine alleinstehende Frau wären, und da hätte er sein Glück versucht. Er soll Ihnen ja auch nie etwas bezahlt haben —--" v , Frau von Hilbach hatte sich aufgierichtet. Das Entsetzen, das sie bei den ersten Worten der Natusius empfunden, war von ihr gewichen; nun lachte sie. Das sagte diese Frau ihr, diese! O ja, in der Nacht, in Ibem bösen Traum hatte sie ja auch bei den sieben Witwen aus ihrem Hanse gestanden und hatte gelacht und mit Fingern auf sie gedeutet und andere herbeigewinkt. So also waren diese Menschen! So lange sie ihrer Güte und Teilnahme bedurften, waren sie freundlich, demütig Und klein, so wie ihre Lage aber wieder eine sichere wurde, vergaßen sie alles, wurden ihre Feinde und bewarfen sie mit Schmutz. , r „Frau Natusius," bat ste ruhig, „warum sagen sie Mir all das?" „Nun, ich meine, wenn man so im Gerede ist--<—/' sie stockte. Ach so, deshalb! Aber um das aus der Welt zu schassen, ist es ja doch schon zu spät. Haben Sie sonst noch etwas zu sagend Frau Natusius stand auf. „Sie wissen doch, wie freundschaftlich wir Ihnen gesinnt sind, Frau von Hilbach. Eigentlich wollte ich Ihnen noch erzählen, was die Frau Specht gegen Sie vorhat. Sie sind alle so empört über diesen Menschen." * „Reden Sie kein Wort mehr über diesen Menschen!" sagte nun Frau von Hilbach in einem Ton, den Frau Na- jusius nie zuvor von ihr gehört hatte. „O bitte, ich will nicht lästig fallen!" entgegnete sie etwas beleidigt, und da sie nicht zum Bleiben aufgefor^ bett wurde, ging sie. „Wie erbärmlich sie alle sind!" sagte Frau von Hil- Wch zu. ihrem Brief, den sie nun wieder in Händen hielt. Vor vierzig Jahren. Erinnerungs-Skizze von Hermann Elle. Es war Mitte Juli des Jahres 1870, als ich, noch zur edlen Zunft der Lehrbuben gehörend, an einem sonnigen Morgen auf eine Gruppe Leute stieß, denen der Inhalt euicS Bettels am! Schaufenster des Wochenblattes anscheinend viel Stoff zu Meinungsaustausch gab. Trotzdem ober vielleicht deshalb, daß fest dem preußisch-österreichischen Kriege, in dem auch mein engeres Vaterland sich in der Rolle des Besiegten gefallen mußte, gerade nur vier Jahre verflossen und die Eindrücke von damals nur sehr oberflächlich verwischt waren, machte der Wortlaut des Zettels: „Frankreich hat Preußen den Krieg erklärt" verschieden en Eindruck. Em Krieg zwischen Franlrcich und Preußen konnte nach der Meinung der einen Partei nur mit der ihr io erwünschten Niederlage Preußens endigen, während die andere Partei — und sie behielt recht — die Sache so ausnahm, daß unter „Preußen" nur das ganze Deutschland gemeint fem konnte, und in diesem Falle klatschte es schon bedenklich aui ,bte roten Hosen der „Frankreicher". Ein dritte Partei erwog weniger die Ehancen des einen oder des anderen Gegners, sondern nur die eigenen, denn ein Krieg mußte Geschäfts- und Verdienstlosigkeit und was von weiteren Unannehmlichkeiten «och drum und dran hing, int Gefolge haben. Schon die nächsten Tage veninnderten die politifche und wirtschaftliche Kamiegießeret auf ein sehr geringes Maß. In Haufen strömten die Reservisten nach.bett nächstgelegenen Garnisonstädten, vielfach begleitet von Angehörigen 143 Freunden; 5fe weibliche Freundschaft, die in einzelnen Fällen bis zur Brautschaft gediehen war, blieb daheim und weinte sich die Augen rot. Wir aber, die noch nicht Wehrpflichtigen, verabschiedeten uns erst, als unsere älteren Brüder und Bekannten hinter den Kaserneutoren verschwunden waren, und nachdem wir einen ungefähren Begriff von den Vorbereitungen zu einer Mobil-- Uiachuug erhalten hatten. Korporalschastsweise zogen, unbekümmert Um die Weihe des Sonntags, die Soldaten in die größeren gewerblichen Betriebe, wo rasch die nötigen Einrichtungen an vorhandenen Transmissioueit zum Säbelschleifen getrosfeu wurden und ganze Bündel scharf geschliffener Seitengewehre waren das Ergebnis dieser Sountagsarbeit. In wenigen Tagen hatte me Mobilmachung greifbare Gestalt. Ein Eisenbahnzug folgte dem andern auf der Fahrt durch die Station, abwechselnd beladen mit Mannschaften, Pferden, Geschützen, Munitions- und Krankenwagen, Proviant für Mensch und Vieh, ganzen Lchsenherden für die Feldschlächterei, Brückenmaterial «sw., und so bekamen wir Jünglinge einen Begriff, daß zum Kriegfiihren nicht nur Soldaten mit Gewehren und Säbeln, sondern auch andere Sachen gehörten, und zwar die schwere Menge. Aus der Schiebetür eines mit Artillerie- Pferden beladenen Eisenbahnwagens steckte sogar ein kapitaler Biegenbock seinen schwer gehörnten Kopf heraus. Der Bock, der ein rotes, mit ziöei Knöpfen besetztes Halsband, das ihn wohl als „Gefreiten" charakterisieren sollte, trug, soll, wie Angehörige des Regiments nach- ihrer Heimkehr berichteten, den ganzen Feldzug mitgemacht haben und beim Wiedereinzng in die Garnison mit einem riesigen „eisernen" Kreuz aus Pappdeckel dekoriert, worden sein. Me Einwohnerschaft in den an der Eisenbahn liegenden Orten überbot sich im Darreichen von Liebesgaben an, die durchfahrenden Truppen, die an den Mann zu bringen nicht immer leicht war, denn die Züge hielten entweder gar nicht und durch- fuhren langsam die Station oder der Aufenthalt dauerte nur ein bis zwei Minuten. Wo letzteres der Fall war, traten auch die Frauen und Jungfrauen in Tätigkeit, und warteten geschäftig mit belegten Brötchen, Schokolade, Kaffee, Sodawasser und was die so plötzlich geweckte Mildtätigkeit alles zutage forderte, auf; übrig blieb nichts. Den Männern und Jünglingen lag lediglich die Verteilung von Zigarren, Tabak, Würstchen usw. ob, und hierbei mußte mit Geschick und Gewandtheit gearbeitet werden, wenn die Gaben in die vorüberfahrenden Wagen gelangen sollten. Ost wurden die Gaben an Virkenäste gebunden und die Aeste dcnm in die Wagen gereicht, oft langten die Soldaten unter Lebensgefahr, auf den Trittbrettern stehend, nach den dargereichten Stärkuugs- und Erholungsmitteln. Unsere schon in Friedenszeiten nicht verwohnten Baterlandsverteidiger erhoben auf Prima- gualität der gespendeten Liebesgaben keinen Anspruch, und in dieser Hinsicht kamen ihnen auch viele Spender entgegen. Besonders in Zigarren, an deren Ausbeutung zu Steuerzwecken damals noch niemand dachte, wurde das Menschenmöglichste geleistet. Die Sorten „Rauchdusie", Wickel und Deckblatt unbekamiter Herkunft, „Der Alaun muß hinaus" (ante Portas) und „Wehe wenn sie los- gelasscn", waren die gangbarsten Marken jener Zeit und würden auch heute noch mit Erfolg die Konkurrenz der „beliebtesten" Kan- tineu-Glimmsträucher aushalten. — Der Versuch, eine dieser Liebesgabcn-Tabaknudeln selbst zu rauchen, d. h. nachdem ich mich an dem Inhalte eines mir zur Verteilung anvertranten Kistchens vergriffen hatte und heute noch Reue über diese an Landesverrat grenzende Unterschlagung empfinde, ist mir schlecht bekommen, und in meinem bejammernswerten Zustande in den darauffolgenden Stunden bemittleidete ich die Soldaten, die nach solchem Genuß noch das Vaterland verteidigen sollten. Höhnisch grütfleii mich die Gesichter meiner Altersgenossen an, von denen einer nach der damals tausendmal am Tage und ebenso ost oder stoch öfter in der Nacht gesungenen „Wacht am Rhein" rezitierte: „Wo diese ©ort wird angebrannt, betritt kein Feind hier deinen Strand". Aber den Soldaten müssen die Zigarren doch nicht so schlecht bekommen sein wie mir, sonst hätten sich die Nachrichten über siegreiche Schlachten nicht so gedrängt, wie in bett folgenden Augusttagen. Geflunkert konnten die Siegesnachrichten nicht sein, denn wo wären denn mit einmal die vielen Franzosen hergekommen, die wenige Wochen später dieselben Bahnhöfe durchfuhren, wie vorher unsere liebesgabenbedürftigen Krieger. Auch die Franzosen wurden mit Erfrischungen und Rauchmaterial bedacht, nnb der Rest der noch vorhandenen Liebesgaben verschwand bald in den Taschen und Mäulern der Turkos, Zuaveu und wie die frembcu Herrschaften alle hießen. — Hoch ging es her, als die Kunde der Kapitulation von Sedan in meine Vaterstadt kam. Rasch wurden die der Schützeugesellschaft gehörigen beiden Kanonen auf einer Anhöhe vor der Stadt aufgefahren und 101 Kanouenschläge dröhnten über die Häuser hinweg. Im Nu war auch die Stadtkapelle auf den Beinen und mit Ziuuera und Butnbmnbum ging cs durch die Straßen tob Jung und Alt nach der Melodie „Die Wacht am Rhein" dahinter her. Ein Schneidermeister, der nicht au Ueberstille von Sitzfleisch litt, erschien immer als erster auf dem Plan; es war ein Urbreuße, der immer das große Wort führte und in „hoher Politik" machte, was ihn nicht hinderte, die Namen der damaligen französischen Staatsmänner und Feldherren Jules Favre, Thiers, Bazaine, Trochu usw. so auszusprechen, wie sie im deutschen geschrieben werden, z. B. Juhles Fafree usw. Mac Mahon hieß bei ihm einfach Max Mahoon, ebenso geläufig in der Aussprache waren ishin die Städte Bordeaux, Le Mans (Lehmanns), Versailles (Ferfeiles) Usw. Er hüpfte, unter Schwenken einer irgendwo anf- getriebeuen Fahne, bereit Farben schon lange nicht mehr zu erkennen waren, wie ein übermütiger Geisbock vor der Musik her, und wenn der Umzug beendet, war auch sein Tagewerk fertig, seine Schneiderbude blieb für den Rest des Tages leer und spät Abends erst gondelte er, die zusammengerollte Fahne unter dem Arm, seiner in einem alten baufälligen Hause gelegenen Wohnung zu mit dem Bewußtsein, echt patriotisch gewirkt und! mit Erfolg sein politisches Interesse verzapft zu haben. Wir Lehrlinge beuteten dieses Stück Weltgeschichte anders ans. Me uns zur Verteilung anoertrauten Extrablätter ergaben eine für unsere Verhältnisse ergiebige Ernte an Trinkgeldern und allem! möglichen Eß- und Trinkbarem, so daß in uns der Wtmsch rege wurde, der Krieg möge noch recht lange dauern, als .^deal schwebte uns der dreißigjährige Stieg vor. Unsere Schwestern und kleinen Brüder waren eifrig an der Arbeit des Scharpieznpfens, und wenn hier und da das Resctvehemdchen eines noch in der Wiege zappelnden Brüderchens ober Schwesterchens sich in kurze Fädchen aufloste, so trug dies dem fleißigen Zupfer unter Umständen mehr Hiebe wie Anerkennung ein. Wie viele Millionen von Infemonskennen, Spaltpilzen und Batterien mögen damals mit der in riesigen Mengen von Kinder- und Frauenhänden fabrizierten Scharpie in die Lazarette gewandert sein, oder sollte es diese lieblichen Lebewesen damals noch nicht gegeben haben? . _ Me Mittel und Wege, Liebesgaben für unsere in y-ranktetch nicht nur kämpfenden, sondern auch hungernden und stierenden Brüder zusammenzubringen, waren sehr mannigfaltig. Wohl- tätigkeitsvorstellungen, Konzerte, Verlosungen, Jahrmartte usw. brachten Geld, auch die Skat- und Kegelgroschen, die Ertragnisse aus Wetten flössen in die „Kriegskasfen", und wo einige spendierlustige Herren beisammensaßen, wurde eine Sammlung veranstaltet, eine Wurst oder sonst etwas Eßbares erstanden, rasch eingepackt, adressiert und der damals portofreie „Soldatenbrief" war fertig. Viel gebraucht wurden die Zigarrentaschen, die bis zu b Stück der sehr begehrten Havannas faßten. Es bedurfte nur der Ausfüllung der vorgebrnckten Adreßseite und der Beförderung in den nächsten Brieftasten; sie kamen mit wenigen Ausnahmen alle an die Adresse, d. h. wenn der Adressat noch lebte. Leider deckte! manchen schon die fremde Erde, ober die Sendung erreichte ihn nach Kreuz- und Querfahrten in einem Lazarett. Aber es ist! mir 'heute noch ein Rätsel, wie eine fast täglich von einem Hotel- Stamm tisch abgesandte und mir zur Beförderung an dem Post- schalter anvertraute Zigarrendüte mit ber^ Aufschrift: „An beit dicken Müller vor Paris" in die richtige «anb gelangte. _ Auch bie rasch zustanbe gebrachte Ausstellung von eroberten Waffen und Kriegsmaterial alter Art, „Eintritt zwei Groschen, tone bet Wohltätigkeit Schranken zu setzen", brachte Geld m die Liebesgabentasse. Groß war ber Bnbraitg, als eine leibhaftige Mitrailleuse ihren Einzug in das Ausstellungslokal hielte Eine Kriegsmaschine, von ber bie Straßenjungen sangen; Seine schonen Kugelspritzen Konnte ihm gar nichts mehr nutzen^ Seine blanken Mitrailleusen Sind von lauter Blech gewesen, Mae Mahon, Mae Mahon, Fritze kommt und hat ihn schon mußte jeder sehen, denn sie mar es, die neben dem Chassepoö- geweht Furcht und Schrecken verbreitete, als die ersten Geschosse über Saarbrücken niedergingen. Ein Attilleriewachtmeistet er- klärte beit staunenden Zuschauern die Einrichtung der Waffen und der Ertrag bet Schaustellung wat groß. Die Ritterlichkeit gebot, auch die täglich in Massen eintreffenben Gefangenen, die oft einen recht kläglichen Eftidtuck machten, zu bewirten. Einen ansehnlichen Beitrag zu diesen Kosten lieferte ein Gartenkonzert, das von einer gefangenen französischen Militärkapelle recht flott gespielt wurde; das Programm enthielt auch die Marseillaise und den Radetzky-Marsch; die „Wacht am Rhein" zu spielen, wurde den französischen Musikern allerdings nicht, zugemutet. Daß ber Krieg sich über den Winter und dazu noch einen recht hatten Winter hinausziehen würde, hatte man nach ber Katastrophe von Seb an nicht erwartet und ber Fall von weiteren selten Platzen, wie Straßburg unb Metz, gab ber Hoffnung Raum, baß das unglückselige Volkerringen bald zu Enbe gehen werbe. Me Hoffnung erfüllte sich nicht, ein schwerer Winterfelbzng mit ben Kämpfen um Orleans, Amiens, Belfort und vor allem um Paris fetzte ein, und in der Heimat durfte nicht gerastet werden, um den auf fremdet Erde kämpfenden Söhnen unb SBrübern beizustehen, gleichzeitig aber zu kämpfen gegen einen inneren Feind, nämlich die am Gefolge jeden Krieges auftretenbett ansteckenden Krankheiten, lobb wat es die Eholeta, 1871 die Pocken oder Blattern, bie bie W mal heimsuchten unb zahlreiche Opfer an meist Hingen Menschenleben forderten. . , In dieser Zeit trat das ganze Elend eines Krieges zutage; wer es erlebt hat, wird nie und nimmer einen frischen fröhlichen! Krieg wünschen, wie er sich in ber Phantasie tatendurstiger Leute malt, denn in Wirklichkeit sieht bie Sache recht traurig aus, einerlei oh man zur Nation ber Sieger ober ber Besiegten gehört. Das neue Ficht 1871 begann, ohne baß das Ende des Kampfes voraus- I ruschen wat, eingeleitete Ftiedensverhanbluiigen scheiterten, ms endlich nach der Kapitulation von Paris die Aussichten sich befter- I ten, und alle Welt, atmete auf, als endlich gegen Ende Februar — 144 — Waffenstillstand emtrat und Wenige Tage darauf die Friedens- prälüninarien dem Kampfe ein Ziel setzten. Di eses Lreigms mußte gefeiert werden. Noch einmal luden Paukert und ^-eom peten, Glockenklang und Siegelns zur Feier em, die ganze G,n- tvohnerfchaft einschließlich der Schnliilgend ourchzog in festlichem Znae die mit Fahnen geschmückten Straßen, noch einmal werkundeten von den TrWnen herab begabte. Redner den in sieben- monatlichem Kampfe errungenen Sieg, als besten Frucht, das sieben Wochen alte 'Deutsche Reich dastand. »Durch Bnnvert- tausend zuckt es schnell und aller Augen blitzen hell" scholl es mit dem weiten Marktplatze, als der Redner des Tages mit den Worten schloß: „Germania, laß uns schauen dem siegreich Schwert Lmd gib uns einen dauernden ewigen Frieden!" Dies war am 3 Mörz 1871. i An diesem Tage aber hatte das deutsche Volk, das in dem langen ,md schweren Kampfe seine Kraft erprobt, noch eine Ausgabe zu erfüllen. Das neue Deutsche Reich hatte nach kurz vorher ver- kündeter Verfassung eine Körperschaft zu wühlen, die berufen fein sollte, das neu errichtete Gebäude im Innern auszubauen und auf dem im Jahre 1867 von dem Norddeutschen Bunde betretenen Pfade in Frieden weiter zu wandern. Der mit' Jubel begonnene 3. Mürz rief auch zu ernster Arbeit, zur Wahl der Abgeordneten für den ersten deutschen Reichstag. Herrschte an- fesichts der in den letzten Monaten errungenen kriegerischen Erfolge rendige Einstimmigkeit, war die Beteiligung an den rasch aufeinander folgenden Jubelfeiern und besonders an derjenigen, die den Frieden verkündigt, eine allgemeine, so entbrannte schon in den Februartagen der Kampf der Parteien um die Reichstags- Mandate, allerdings nicht mit solcher Schärfe, wie in den folgenden Jahrzehnten. Zwei Kandidaten, die damals in ihren Anschauungen nur in wenigen Fragen auseinandergingen, rangen um den Besitz des Wahlkreises, und ihre Anhänger suchten jeden ins rechte Licht zu setzen, jede Partei nahm daS Recht in Anspruch, in vaterländischem Sinne zu handeln, tvenn sie ihren Kandidaten empfahl. Der 3. Mürz 1871 war für alle ein Feiertag. In Scharen strömten die Männer, die eine Stunde vorher im festlichen Zuge marschiert und dann andächtig die von Vaterlandsliebe getragenen Reden auf dem Marktplätze augehört, zur Wahlurne, ebenso die wenigen, die abseits standen und nur als Zuschauer erschienen waren. Fünf Stunden nach dem allgemeinen Jnbel stand das Ergebnis der Wahl fest: der ehrenvoll unterlegene Kandidat hieß Dr. Hermann Schulze-Delitzsch, derjenige aber, der bereits im Norddeutschen Bunde den Wahlkreis vertreten und nun als Abgeordneter in den neuen deutschen. Reichstag einzog, hieß — August Bebel. Ver.'m??chte». * Der Hosen rock — eine alte Pariser Mode. Der Hoieurock, diese neueste Erfindung der Pariser Modeschöpfer, ist in Wirklichkeit keine „Nouveautö", er ist eine alte Erfindung, die schon früher einmal in Paris versucht wurde und scheiterte. Eine interessante Zeichnung von Saint-Aubin zeigt uns die Königin Marie Antoinette in einem Reilkleid, das genau der berühmten Jupe-eulotte entspricht. Diese Mode, die sich damals nicht durch» zusetzen vermochte, kehrte dann im Jahre 1810 als „neueste Erfindung" wieder. Im „Journal des dames" vom Jahre 18lv wird dieser Hosenrock genau beschrieben; der Chronist aber ist ein bitterer Kritiker dieses Versuches, eine neue Mode einzusühren und weissagt dem Hosenrock — keine Zukunft. „Ich traf eine unserer kleinen Damen", so berichtet der Chronist, „in Schnürstiefelchen und kurzem Kleid, das genau nach männlichem Muster geschneidert ist. Es gibt gar nichts Unschöneres. Ich will nicht davon sprechen, wie die weiblichen Körperlinien und Körperformen sich in dieser int Grunde männlichen Kleidung aitsnehmen. Ich wende mich nicht gegen eine vereinzelte Lächerlichkeit: was ich fürchte, ist ein Ueberhandnehmen solcher Freiheiten der Kleidung. Was soll ich von einer Törin denken, die sich das Aussehen einer lüderltchen Person gibt, mit den Augen blinzelt und mit den Händen in der Hosentasche umhergeht?" * Die Pilgerfahrt einer Braut. Die Braut des (ungetl englischen 'Forschers Leutnant Boyd Alexander, der im Mai ws vergangenen Jahres bei seiner Expedition durch den dunklen Erdteil in der Nähe des Tschadsees von blutgierigen Eingeborenen hinterlistig ermordet wurde, hat nun ihren Vorsatz ausgeführt: sie hat die Stätte besucht, an der der Mann, der dereinst ihr Gatte werden sollte, als ein Märtyrer der Wissenschaft und ein Opier seiner Kühnheit fiel. Miß Olive Maeleed hat die traurige Fahrt ohne Begleitung eines Weißen gewagt; mit einem Gefolge von schwarzen Trägern unternahm sie von der Küste Nigeria? aus den Vormarsch in die Wildnis Mittelafrikas, wo in Malwni die beiden Brüder Alexander ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Denn auch der ältere Bruder des Leutnant Boyd Alexander hat bei einer Expedition in der gleichen Region seinen Tod gesunden. Die kühne lange Dame war durch keine Bedenken abzuhalten gewesen, ihren verwegenen Vorsatz auszuführen, der für sie eine letzte Pflicht gegen den so tragisch gestorbenen Bräutigam darstellte: im August des vergangenen Jahres hat sie die Abreise von England angetreten und sechs Monate später die Stätte erreicht, wo Boyd Alexander im Herzen des dunklen Weltteils seine letzte Ruhestätte gefunden hat. * D ie Leb eirs>v ei se eines m erkwürdigen Ein- s i e d l e r s, der mitten in der Riesenstadt London ivohnte und dort nienianden sah und von niemcinbem gesehen wurde, wurde gestern gelegentlich eines Totenschaugerichtes erzählt. Dieser merkwürdige Mann lebte in dem Stadtteil Fulham in einem Hause, welches ihm selbst gehörte. Er verließ das Haus niemals und ließ miet) niemanden in dasselbe hinein. Aus der Tür tonnte er von inwendig ein viereckiges Stück herausnehmen und durch diese Oess- mmg ging all sein Verkehr mit der Außemvelt. Er lebte ausschließlich von Biskuits imd Sirup iind beides lieferte ihm von Zeit zu Zeit ein in der Nähe wohnender Kaiismann, alles durch das Loch in der Haustür. Seine Steuern und sonstigen Abgaben zahlte er auch aus diese Weise. Bis vor einiger Zeit konnte ihn eine Schwester gelegentlich besuchen, aber sie durste das Haus nur in der Nacht betreten. In der letzten Zeit war ihr das auch nicht mehr gestattet. Die beiden Nachbaren, ein Droschkenkutscher und ein Polizist, sagten aus, sie hätten jahrelang neben dem Mann gewohnt, der sich übrigens London nannte, hätten ihn aber nicht gesehen, so sehr sie sich auch bemüht hätten. Seit einigen Tagen kam der Mann nicht mehr an das Tor und die Polizei erbrach dann die Haustür. Man fand den alten Mann tot in der Ecke eines ZimmerS liegen, er war in einem gräßlich verschmutzten Zustand, er hatte lange Haare, die ihm bis über die Schultern herunter hingen. Die Lust in den Räumen des Hauses war geradezu bestialisch. Die Untersuchung der Leiche ergab, daß der Manu halb erfroren und halb verhungert war. In der Ecke des Zimmers, in welchem die Leiche war, fand man eine Falle, in ivelcher sich die Skelette von zwei Ratten befanden. * Amerikanische Ehen. Die berühmte PrimadomA der Newhorker Metropolitan Opera, Mary Garden, ist von dem Ehrgeiz erfaßt, sich als Schriftstellerin und Kulturkritikerin aus- zuzeichnen, sie will ein Buch schreiben, und wenngleich sie einstweilen die Feder noch nicht angesetzt hat, so hat sie doch nicht versäumt, wißbegierigen Fragern Tendenz und Inhalt des künftigen Werkes zu beschreiben. „Das erste Kapitel meines Buches wird der amerikanischen Fran gewidmet sein, der süßesten und liebsten Frau, die je gelebt hat, der Fran, die nur zur Liebet geboren ist und zu nichts anderem. Ich werde dartmt, daß dis amerikanische Frau faul und trüge ist, werde zeigen, wie sie am Fenster sitzt, ausschant und wartet, wie sie vom Mann erwartet, daß er allein alles tue und daß die Arbeit der Fran sich darauf beschränken müsse, ihm holdselig zuzulächeln. Die amerikanisch^ Frau werbe ich schildern mit all ihren Fehlern und meinen eigenen, diese Frau, die in der Tiefe ihres Herzens die beste Gattin der Welt ist und es nur nicht weiß." Aber Mary Garden, dis bejubelte Sängerin, wird sich auch mit der Psychologie des amerikanischen Mannes beschäftigen. Auf Grund ihrer Beobachtungen, ist sie nach langer Gedankenarbeit zu der Erkenntnis gekommen k „Der amerikanische Mann ist ein Problem. Er ist der beste Mann der Welt, manchmal aber ist er der schlechteste Mann der Wett.: Er verliebt sich und kennt dann keine Grenzen. Er überhäuft die Geliebte mit Geld und Juwelen und erringt schließlich auch die Braut, Aber Was tut et dann? Er führt sie in ein reizendes! kleines Heim und vernachlässigt sie, indem er glaubt, daß ihrs Liebs zu ihm ewig währen tvird. Und während er dies tut/ glaubt er, gütig zu sein. Er weiß nicht, daß sie immer Liebe verlangt. Er fängt an, praktisch zu werden. Er beginnt, an Dollar und Cents zu denken, und nun, da er sie in ein Heim gesetzt hat, tvill er die Möglichkeit erringen, sie in ein Schloß zu setzen. Und nun fängt er an, Dollar auf Dollar zu häufen, und glaubt, daß die Fran daran ein Interesse hat, aber sie hat e$ nicht. Sie aber beginnt ihre extravaganten Ideen zu verlieren, und verlangt nur noch weniges. Das ist das alte Beispiel der Evolution. Zuerst ist die Frau extravagant und der Mann ist sparsam; bann ist die Frau sparsam und der Mann extravagant. Der Mann ist nach außen gewachsen, die Frau aber, Wenn W so sagen darf, nach innen." * Vorgebeugt. „Wie alt sind Sie, Zeugin?" „Vierzig! Jahre — aber ich fühle mich zwanzig Jahre jünger $ < ?1" Magisches Auadrat. ——r—-I In die Felder nebenstehenden Quadrats sind ________ die Buchstaben AAAAAAMNNNNR8 S U U derart einzutragen, daß die wagerechten u, senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Niedliches, aber wenig beliebtes Tier. ------------- 2. Weiblichen Vornamen. 3. Stadt in Westfalen. J 4. Nebenfluß der Mosel. Auslösung tu nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Gaftein — Ungarn — Saturn — Tanne — Auguft — VenuS — Niagara — Iran — Liszeit — Leis — Inster — Tiger — Leiste. ! Gustav Nierih. Redaktion: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckereh R. Lange, ®ie6en»