H H 19U — Nr. 69 iJb |i U ■1 KAM ^kikWLMM KL ».-^7-7^,» k,7MIMEMUr her^rloiLr. Roman von Georg Freiherrn von Ompteda, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Doch da klang die Frühstücks-Glocke zum zweiten Mal. Ich mußte hinunter. Schnell trat ich noch vor den Spiegel, schob die Krawatte zurecht. Es waren Aeußerlichkeiten, nur dazu dienend, Zeit zu gewinnen, denn mir klopfte das Herz. Auf dem Wege hinab malte ich mir aus, wie mich die Eltern empfangen würden. Ich legte mir die Worte zurecht, denn ich mußte doch eine feierliche Rede halten. Das kam mir alles höchst töricht und lächerlich vor. Wie ich das noch im Hirn umberwälzte, hatte ich auch schon beim Geheimrat geklopft. — Herrrrrrrrein! Ich trat ein. Natürlich hatte ich meine ganze Rede vergessen, als ich Vater, Mutter, Tochter beisammen sah. Sie war doch auch darauf berechnet, daß Maria nicht dabei >väre, höchstens Frau von Fryburg anwesend, eigentlich aber nur her Geheimrat. Ich war befangen. Nie hätte ich gedacht, da jicch sonst meinte, leidlich frech zu sein, mir könnten so die Worte verfügen. Am liebsten hätte ich gerufen: „So kann ich. nicht sprechen, die Geschichte stimmt nicht zu drttt, auf diesen Fall bin ich nicht vorbereitet." Ich blieb also, nachdem ich ein paar Schritte ins Zimmer getan, stehen, starrte die drei an und muß wohl ein recht törichtes Gesilht gemacht haben, denn Frau von Fryburg lächelte, ja, der Geheimrat lachte. Aber — sah ich recht? — er breitete die Arme, er kam mir entgegen. Er rief, nein;, er schrie fast: — Num Donnerwetter nochmal, an mein Herz! Und im nächsten Augenblick war Rede und Zweifel — alles überwanden, wir lagen uns in den Armen wie alte Freunde. Er hielt mich eng umfaßt, ließ mich gar nicht wieder los, klopfte mich auf den Rücken und rief: — Das habe pch mir ja so gewünscht, vom ersten Tage ab, nur mit den Frauenzimmern weiß inan ja nie, woran man ist. Ich habe, weiß der Teufel, nichts gemerkt. Ich dachte immer: „Na ja, sie läßt ihn abfallim wie schon vterundfünfzigtauseud Stück." Ja, ja, sm Ernst! Und darüber wird sie noch sitzen bleiben, denn soviel Zeit hat sie nicht mehr zu verlieren! Er hatte mich losgelassen. Ich küßte Frau von Fryburg die Hand, aber sie umarmte mich und sagte komisch empört zu ihrem Mann: — Das klingt ja so, als ob Maria wenigstens vierzig Nähre alt wäre. Mir fiel ein, daß doch Maria unser Gespräch auf der Bank damit begonnen, mich zu fragen, wie alt sie sei. Ich hatte ihr nicht geantwortet. Da sagte auch schon der Geheimrat, indem er mich von seiner Frau fortzog, als wollte er mich nun für sich haben: — Maria ist alt, für ein junges Mädchen ernsb- lich alt. Ich sah die strahlende, junge Schönheit meiner Braut an und mußte lachen. Ich ergriff ihre Hand, führte Maria ein Stück näher ans Fenster und betrachtete sie, als hatte ich sie noch nie erblickt. Dabei fragte ich ttn ernstesten Ton, als legte ich der Armen eine hochnotpeinliche Frage vor: — Wie alt bist du? Sie antwortete ganz betroffen und Kurte traurig dabei: — Sechsundzwanzig. Ta lachte ich sie aus. Jawohl, lachte sie emfach aus! Und sie stand ganz erschrocken da. Sie begriff mich nicht. Ich aber packte sie bei den Armen, zog sie an mich, küßte sie ein Dutzend Mal, daß sie sich meiner nicht erwehren konnte und nicht mehr zu Atem kam. Dann drehte ich sie im Kreis und rief übermütig toll: — Nein, ist das alt! Schrecklich alt! Fürchterlich oft! Die Eltern standen neben uns und lachten,jetzt auch über uns Kinder. Der Geheimrat legte den einen Arm um meine, den andern um seiner Tochter Schulter. Dann mußte seine Frau ihm gegenüber den Reigen schließen, und so steckten wir die Köpfe zusammen, während Maria klagte, sie sei wirklich, wirklich alt. Bei ihrem beweglich ernsten Gesichte mußte ich wieder lachen, doch Frau von Fryburg erklärte es mir. Das Mädchen hatte mit siebzehn Jahren den ersten Antrag erhalten und — abgelehnt. Das war nun schon neun Jahre her. Da im Laufe der Zeit wirklich noch mehrere um ihre Hand gebeten hatten, so begann der Geheimrat ungeduldig zu werden, denn immer lehnte Maria ab. Und schließlich hatte er gerufen — seine Frau machte scherzend oen verzweifelten Ton nach —: — Das' Mädel bleibt uns wahrhaftig noch sitzen! Vor Maria wurde das zwar nicht gesagt, aber sie merkte es doch und kam so selbst zur Ueberzeugung, sie wäre alt, schon sehr, sehr alt mit ihren sechsundzwanzig Jähren. Als sie es jetzt von der Mutter zum ersten Mal hörte, lauschte sie aufmerksam und fragte endlich ihren SSdtCT * — Ja, hätte ich denn einen von denen früher nehmen sollen? Er rief mit dem Ausdruck des Entsetzens? — Um Himmels willen! Nun triumphierte sie: ■— Siehst du, Vater! Stehst dü! Da hielt er es denn doch für nötig, sich zu rechtfertigen. Er wollte eben begirmen, mir die Freier der Penelopes, wie er es nannte, herzuzählen, denn auf mich hätte ja offenbar Maria all diese Jahre gewartet, als die Türe aufging. Das Stubenmädchen kam herein, bäS offenbar annahm, die Bewohner des Zimmers wären Leim Früh- — 274 stück unten. Sie 'trug einen Besen und! ein Wischtuch in »er Hand. Zerstreut und nichts ahn end lief sie fast bis in die Mitte des Raumes, wo wir unter dem Kronleuchter die merkwürdige Gruppe bildeten, der vier Menschen, die, tote beim Eislauf eine Kette, die Arme einander auf die Schultern gelegt haben, aber statt geradeaus zu laufen gleich dämpfenden Ziegenböcken die Köpfe zusainmensteckten. Plötzlich entdeckte uns das Mädchen. Sw war so er-- chrocken, daß sie den Besen fallen ließ, „Als, mon Dien!" chrie und unter Zurücklassung ihres Handwerkszeuges wie »er Blitz zur Tür hinausfuhr. Gleich einer Erscheinung war sie nur aufgetaucht und wieder verschwunden. Nun kannte unsere Heiterkeit aber erst recht keine Grenzen. Mer Geheimrat kreischte: r— Muß die erschrocken gewesen sein! Frau von Fryburg meinte, das Taschentuch gn den Lippen: >— Was mag sie nur von uns denken? Maria aber rief -erregt mit glühenden Wangen: i— Pater, wir müssen iyr sagen- daß ich verlobt bin! flrr frhprafp* i— Bist du das auch wirklich? Sie wurde ängstlich: ■— Natürlich, Vater! Dabei schmiegte sie sich an mich, als1 wollte sie mich festhalten. Der Geheimrat pflanzte sich mit scheinbar drohender Miene vor Ms auf: i— So, habe ich denn meine Einwilligung gegeben? Doch Maria rief übermütig wie ein Kind : Pater, sonst gehe ich mit ihm durch! Es zuckte um seinen Mund, er gab sich Mühe, ernst bleiben. Daun befahl er: i— Na, dann gib du ihm nur den ersten Kuß! Daß wir das wenigstens noch erleben, ehe ihr durchgeht. Das Mädchen scheute sich nicht, ward nicht verlegnen, sondern, mich bei her Hand haltend, sagte sie und sah mich, dabei an, voller Glück in ihren schwarzen Augen: Vater, liebe Mutter, das habe ich längst getan! Frau von Fryburg schien erschrocken, doch der Geheimrat legte ihr den Arm um die Schultern, und während das ältere und das jüngere Paar sich so gegenüberstanden, sagte er leise zu seiner Frau: r— Na, Alte, decken wir darüber den Mantel elterlicher Liebe. Wie haben wir's denn gemacht? Er wartete ihre Antwort nicht ab, sondern ggb ihr einen Kuß. Und ich glaube, es bedurfte keiner besonderen Aufforderung, daß wir das gleiche taten. Dann aber eilten wir zum Frühstück hinab. Alle Köpfe wandten sich uns zu. Die Sternkreuzdamen setzten ihre Schildpattlorgnetten ans Auge, als wollten sie sagen: „Schau!" Der Esquire Robinson aus Leeds, hob sein glattrasiertes Kellnergestcht, und sein Onkel, der nach seinem finsteren Aussehen wahrscheinlich viel mehr Geld Noch als der Neffe, den er retten sollte, nach Monte Carlo trug, klemmte sich ein dickes, spiegelndes Einglas in das glatte Kutscherantlitz. Arn Tische von Exzellenz Bram Müller aus Dresden reckten sie so die Hälse, daß es mir war, als hörte ich ihr erstauntes: „Ei Herrjeses!" Mißes Cooper aus St. Louis setzte ihr chronisches Weinglas ab, uns zu betrachten, und' Madame Chappuis, vom ewig galanten Gatten aufmerksam gemacht, versuchte sich nach uns Umzuwenden, soweit ihr dies in .Anbetracht ihrer engen Taille möglich war. Rur Signor Quarti konnte sich nicht um uns kümmern, denn er fehlte am .Familientisch, wahrscheinlich weil er seine Kopfschmerzen durch den Anblick der die Augen beruhigenden grünen Farbe des Roulette- Tisches zu bannen suchte. Sahen wir nur so besonders aus? Wir fragten es uns alle der Reihe nach. Der Geheimrat aber sprach zu mir: i— Nun, Fritz, wollen wir aber mal: spater les bourgeois! Er rief meinen Freund', flüsterte mit ihm und kurz daraus eilte der Leipziger mit schmunzelndem Gesicht um unseren Tisch und schenkte den Sekt ein. Als er zu mir kam, schloß er die Absätze, als ob er noch in Grimma bei den Husaren diente, wo er gestanden, und flüsterte mir zu: Meinen kehorsamsten Glickwunsch, Herr Rflt- meester! Lch wMtx MWt e.rstMM tun, aM dxx Mnn wstr seiner Sache so gewiß, daß ich mich dessen erinnerte, Jnöfer er mir in den ersten Tagen hier einmal gesagt: „Unser-, eener sieht alles, hört alles, weeß alles!" Da hob der Geheimrat sein Glas und' sagte nur, uns der Reihe nach anblickend: ■— Wir verstehen uns! Ja, wir verstanden uns! Mas Mädchen nicht nur und ich, sondern auch die Eltern. Mir, der ich seit meinen Schuljahren schon die Familie hatte entbehren müssen, war es, als hätte ich in dieser Stunde das Vaterhaus gewonnen. Wessen das Herz voll ist, deß geht der Mund über. Ich schüttete meine Seele aus. Ich erzählte, indem ich Marias Hand suchte, sand und hielt, wie unerträglich auf mir in den letzten Fahren Einsamkeit und .Alleinsein gelastet. Wie ich die Freunde beneidet um ihre Häuslichkeit, wie ich hier nebenan atn Tisch ganz allein gesessen. Dann beflügelte die Stimmung und mein unsägliches Glück mir die Zunge, und ich erzählte, wie ich au jenem ersten Abend oben mich aus dem Fenster gelehnt und Mutter und Tochter erblickt hatte. Wie ich da gewußt, vom ersten Augen?, blicke an: die ist es! I Maria hielt immer meine Hand. Sie ließ die Blicke nicht von mir, die schwarzen, tiefen Augen. Wir kümmerten uns nicht um die Kellner, die weiter servierten und all die schwärmenden Worte auffingen. Meinethalben hätte es der ganze Saal hören können. Da sah ich, wie Madame Chappuis, als wir nach deutscher Art wieder anstießen und lustig unsere Gläser klirre ten, sich umdrehte, krampfhaft, mit aller Gewalt, und hätte es sämtliche Korsettstangen gekostet, denn die Neugier siegte, zu wissen, was diese Deutschen da am Nebentisch eigentlich trieben. Zum Frühstück Champagner trinken, das schien das Ehepaar zu erschrecken. Ich aber verglich diese aufgetakelte Romanin mit dem Pudergesicht mit meinem deutschen Mädchen, dessen germanische Haut des Reismehles eutriet, dessen Hand kein Ring mit blitzenden Steinen schmückte, nur einst „der Ring am Finger", wie ihn unser deutscher Dichter nennt. Der Ring, der mich mit ihr verbinden sollte r—, mein Ring. Und in diesem Gedanken überkam mich solch zitternde Glückseligkeit, daß ich meine Serviette zu Boden warf, nur um sie aufheben zu können Md dabei wie unversehens auf Marias Hand die Lippen zu drücken. Mein Mund traf ihre Hand, die ich noch hielt, ich fühlte den leisen Druck ihrer Finger, und als ich mich aufrichtete, sahen wir beiden seligen Menschenkinder uns in die Augen und wollten nicht voneinander lassen, denn wir gehörten einander doch an! Wir wollten eins sein in Glauben und Gesinnung, in Wort und Tat, in Leben pnd Gemeinschaft, in Sorge und Leid und Not wie in Lust und Lachen, in Glück und Liebe. Liebe! Wie anders zitterte sie mir in der Brust, als damals in den jungen Tage::, wo mein armes Herz, so oft verwundet, von einer zur anderen geschwankt hatte. Liebe! Ja, Liebe fühlte ich für dieses süße Geschöpf mtr zur Seite. Eine Liebe, die bis in die tiefsten Tiefen ging, aufwühlte und doch beruhigte, traf und die ich doch nur empfand gleich einer sanften, lindernden Hand. Eine Liebe, die da sein sollte Freundschaft, Vertrauen, Hingebung und Treue. Eine deutsche Liebe, geboren hier am welschen Strand. Eine Liebe, die da wärmen sollte, nicht versengen, deren Brand' glühen würde, ein heiliges Feuer, bis einst der Atem stille stand, bis wir zur Erde gingen, -um dir Erde zu lassen, der ewigen Heimat willen. Und dort oben dereinst fänden toir uns wieder und schritten Hand in Hand in seligen Gefilden, zwei, füreinander bestimmt, die miteinander wandelten wie einst auf dämmernder Erde, so hier oben in Gottes Licht. Ein glücklicher Manu und sie mein alles und eines -er Maria! (Fortsetzung folgt.) Das Theater der Zukunft. Vor einiger Zeit haben wir mit geteilt, daß im Anschluß an die „König Oedrpus"-Aufführungen eine Bewegung im Werden ist, die eine das ganze Reich' ,umspannende Bereinigung ßum Zwecke deutscher Bolksfestspiele ins Leben rufen will. Der soeben erschienenen Denkschrift über diese Volksfestspiele entnehmen wir nachstehende Einzelheiten: „Die Idee der Volksfestspiele ergibt sich als seine Notwendigkeit sowohl aus der sozialen Entwickelung unsere!- — 275 — kommen sehen sich alle Kreise der Bevölkerung ausgeschlossen von den künstlerisch wirklich bedeutungsvollen und epochemachenden Darbietungen der Schaubühne. Sie sind nicht m der Lage, dre von solchen Theatern geforderten Gntrittsprerse zn bezahlen,„die nie unter 4 Mark, meist aber über 5 Mark und nicht selten über 10 Mark bis zu 20 Mark betragen. Infolgedessen surd stean- gewiesen auf Theater mittleren, zumeist künstlerisch schon fragwürdigen Ranges, und da ihnen deren Darbietungen nicht genügen, wenden sie sich in geradezu bedrohlichem Mähe ab vom Theater. Selbst die überwiegende Mchrzahl der Gebildeten bis hoch in die Kreise der akademischen Beamten-, und Lehrerschaft sieht sich gezwungen, auf die Teilnahme an einem Kunstgebieta fast ganz zu verzichten, das mit Recht zu allen 8eitm Nicht nur als eines der edelsten, sondern auch als. eines der volkstümlichsten Volkes als' auch aus der klkn fll e risch en Lage des Theaters. Wir bauen bei unserem Beginnen auf die Mitarbeit aller derer, die es als einen empörenden, ja unsittlichen Zustand empfinden/ daß ideale Güter, die doch Errungenschaften des Volksganzen darstellen, dem Volksleben entzogen bleiben. Und wir zweifeln keinen Augenblick, daß uns diese Mitarbeit gewährt wird. Abgesehen von der ganz dünnen Oberschicht der großen Einkommen sehen sich alle Kreise der Bevölkerung ausgeschlossen von Kulturgüter gegolten hat. Umgekehrt braucht jedoch auch das Theater, die . Teilnahme der breiten Massen der geblideten Schichten. Die kritische Lage vieler Theater ist hervorgerufen worden durch, den Verlust diesem besonders begeisterungsfähigen Publikums. Die Theater moDen es gewiß gerne wieder heranziehen, aber sie tonnen nicht, wen die bauliche Gestaltung ihrer Zufchauerhäuser es ihnen verbietet. Sie verfügen nicht über den Raum, der ihnen gestattete, s) u n - derte von billigen und ganz billigen Platzen ünter- zuüringen. Ihre Häuser sind fast alle noch uh , Prinzip nach dem Muster des alten höfischen Theaters eingerichtet, in dem das bürgerliche Publikunr nur eben geduldet war und sich auf dm Galerien oder im Parterre in engen, nugünstigm Raunten zusammenpferchm mußte. Ein zweiter Grund, warum man die große Menge der gebildeten Minderbeutittelteit bisher von den eigentlichen Qualitäts-Theatern ausschließen mußte, liegt bann, daß die Bühnenanlage nur eilte nach der Sette tote nach der Tiefe sehr knapp begrenzte Ausdehnung des Zuschauerraumes gestattet aus perspektivischen Gründen. Hrer- voit sich zu befreien, ist die erste Voraussetzung zur Schaffung Lines die sozialen Gegensätze in sich ausgleichenden neuen Monu- mmtaltheaters.. Denn nur toenn die perspektivischen Verhältnisse der Bühne von den allzu engm Beschränkungen befreit sind, die bte, setther üblichen Theaterbauten aufzwangen, kann auch der Zuschauerraunr in ähnlicher Weise wie einst in der Antike so sehr erweitert werden, daß er Tausenden und Abertausenden Sitze mit ausreichenden Bedingungen für Auge und Ohr gewährt. Das aus diesen Grundsätzen und Notwendigkeiten sich jetzt entwickelnde Monumentaltheater wird die Stätte sein, an der Wir allen Volkskreiseir das Wertvollste, das Erhebendste werden darbieten können, was dramatische Kunst aus alter rind neuer Zeit überhaupt zu gewähren hat. Neben den vorhandenen Theatern, deren Aufgabe es ist, beit bevorzugten und besser gestellten Klassen allabendlich Erholung, Vergnügung, Anregung m, Knstlenicher Weise zu vermitteln, und ohne die Wirksamkeit dieser Theater im mindestm zu beeinträchtigen, wird unsere monumentale Volksbühne zwar nur an wenigen Lagen, dann aber in feiertäglrch- festlicher Form ihre Tore öffnen — für alle. Ja wir hoffen _ Und Haben gute Gründe zu dieser Hoffnung —, daß, unter dem Einflüsse dieser monumentalen Volksbühne die Kraft schöpferischer Dichter sich wieder heimsinden wird zur Einheit mit der Seele des Volkes, daß sie wieder die ehrwürdige Nebcrlieferung und die einfachen Grundlagen wahrhaft dramatischen Kunstschaffens findm werde, um auf ihr Werke zu errichten, die durch die groß geschaute Gliederung ihrer Kunstformen nicht nur den Gesetzen der Monumeittalbühne voll @citüge tun, sondern auch dem Sehnm Und Hoffen unserer Zeit und unseres Volkes. Zur Verwirklichung ihres sozial-ethischen und künstlerischen Prografnins wird die D. V. F. G. in den großen deu.t-' scheu Städten außerhalb Berlins alljährlich ein Zh- klus von wenigen Festvorstellungen veranstalten. Der Zutritt zu diesen soll den weitesten Kreisen, vornehmlich den Minder- bemittelten und den Schülern der Oberklassen dadurch ermöglicht werden, daß eilte größere Anzahl vollwertiger Plätze an geschlossene Körperschaften, sowie an die Schulvorstände überlassen werden. Hierbei soll für jeden Platz nur ein Eintrittsgeld von 5Ö bis 70 Psg. gefordert werden. Die übrigen Plätze sind deut Einzelverkanf zu Unterstellen. Zur Aufführung gelangen Meisterschöpfungen der großen dramatischen Dichter der Vorzeit und solche Werke lebender Dichter, die dem monumentalen Charakter der Veranstaltungen entsprechen. Unter der künstlerischen Oberleitung Professor Max Reinhardts werden sich hervorragendste Darsteller erster deutscher Bühnen bei diesen Festspielen als Mitwirkende zusammenfinden, Tie dekorative Ausgestaltung der Festhalle und der Monu- mentalbühne, sowie der Entwurf der Kostüms wird bedeutenden! bildenden Künstlern, übertragen, wie denn nichts versäumt werden. soll, was geeignet toäto, Ben Darbietungen das. Wesen eines großen festlichen Erlebnisses M verleihen. Hierzu gehört vor allem auch, daß in den Chören Und bei den Massenszenen die Studierenden und Vereine der betreffenden Stadt in großer Zahl mitwirken. , Voraussetzung für die Veranstaltung eines vcestipiels ist, daß ein geeigneter Raum zur Verfügung steht. In erster Reihe kommen stehende Zirkus- und Ausstellungsbauten in Betracht, bte einen amphitheatralischen Zuschauerraum von mindestens 3000 Sitzplätzen enthalten. Ferner ist erforderlich, daß sich in der betreffenden Stadt im Einvernehmen mit der D. B. y. G. eine lokale Organisation bildet, die Sorge dafür trägt, daß sämtliche Sitzplätze unter 2 Mark für die in Aussicht genommenen Vorstellungen von den Vertretungen minderbemittelter Kreise und von den Schulen übernommen werden. Durch diese Maßnahme soll einerseits erreicht werden, baff die Vergü n st i g u n g e n a u ch in der Tat den B ev ö lkerung s s chicht e n zu - kommen, für die sie gedacht find, andererseits, daß Lin äußerer Mißerfolg ausgeschlossen wird.. . . Gleichviel, wo dieses Wahrzeichen aus Modern-sozialer Entwicklung entsprungenen Kulturwillens sich dereinst auch erheben mag, ob in der Weltstadt Berlin, ob im schönen Süden des Reiches, im Bahernlande, wo allsommerlich Zehntausende aus! aller Welt zusammenströmen, um teilzunehmen an festlichen Darbietungen künstlerischer Kultur, ob an den Ufern eines deutschen Stromes: es wird vom deutschen Volke einmütig begrüßt werden als die endliche Verwirklichung eines hundertjährigen Ideals, Wofür Schiller, Goethe Schinkel und die ersten Romantiker gekämpft, was den führenden Geistern in Nord und Sud immer und immer wieder vor Augen trat, was Eduard Devrient, der Geschichtsschreiber der deutschen Schaubühne, als das Endziel aller theatralisch-dramatischen Entwicklung in Deutschland erkannt und erwiesen: das endlich zu schaffen, soll die abschließende Tat fein, mit welcher unsere Gesellschaft ihr Wirken zu krönen hofft: das. Deutsche Volks-Festspielhaus." Vevinischte». * Ein berg essrnes Buch eines großen Dichters, Es gibt wohl wenige Dichter, die größten nicht ausgenommen, deren Namen auch in unliterarischen Kreisen so allgemein bekannt sind, wie der Hans Christian Andersens. In irgend! einer Ausgabe haben seine Märchen wohl einmal den Weg in jedes Haus gefunden, in die Sprachen aller Völker sind sie übersetzt worden. Wir Deutsche können diesen Dänen aber auch zu den Unfern rechnen, beim er sprach das deutsche wie seine Muttersprache und hat von fast allen seinen Büchern selbst deutsche! Ausgaben veranstaltet. Bei dieser Popularität seines Namens ist es fast zu verwundern, daß seine übrigen Werke bei unK in Deutschland so sehr in Vergessenheit gerieten. Selbst die Zahl derer, die etwa seine prächtigen Romane „Der Improvisator" oder „Nur ein Geiger" kennen, ist gering, trotzdem diese Bücher zum besten gehören, was uns die Nomanliteratur der ersten Halste des 19. Jahrhunderts hinterlassen hat. Eines der reizvollsten Micher, die wir dem großen nordischen Dichter verdanken, ist feine Selbstbiographie, welche unter dem Titel „Das Märchen meines Lebens" einst in verschiedenen Ausgaben in Deutschland ungemein verbreitet und beliebt war. Die Zeit des Naturalismus in der Literatur, die so gründlich mit vielen Büchern, die nichjt zu ihren Grundsätzen paßten, aufräumte, hat auch dieses schöne Buch in Vergessenheit geraten lassen. Wir müssen deshalb dem Holbein-Verlag in Stuttgart Dank wissen, daß er es uns jetzt in einer vornehmen neuen Ausgabe von neuem schenkt. Mit der Selbstbiographie Goethes hat Andersens Märchen meines Lebens gemein, daß wir darin ein reiz- und ivertvolles Literattirlvcrk erblicken, dem wir mit gleicher Spannung folgen, wie einem interessanten Entwickelungsroman. Wir sehen in diesem Buch« den großen Dichter seinen Weg machen aus der Hütte der Armut bis auf die Höhe menschlichen Lebens, da er, ein Freund der größten Geister seiner Zeit und ein gern gesehener Gast auch bei den Großen dieser Erde war. Daneben ist aber AderscnH Buch auch für die literatur- und kunstgeschichtlich interessierten Kreise ein sehr wertvolles Quellcnwerk zur Geschichte der Romantik in Europa. Mit ihren bedeutendsten Vertretern, seien es Dichter, Musiker oder bildende Künstler, hat er in persönlichen Beziehungen gestanden, und in außerordentlich ansprechender Art weiß er von seinem persönlichen Verkehr mit ihnen zu plaudern und ihre Gestalten vor uns lebendig werden zu lassen. Das Buch ist überhaupt so anregend geschrieben, und in jeder Zeile so interessant, daß es für die Leser aller Bildungsstufen und leben, Alters von gleich großem Interesse fern wird. Wir können uns freuen, es jetzt wieder in so schönem Gewände zu besitzen, * Was verdient eine Biene? Abgesehen von ben Pocken, die der Anblick der summenden Bienen zu Frühliugs- gedichten begeistern mag, gibt es auch aufs Reale gerichtete Gemüter, denen angesichts des Bienenfleißes die Frage aussteigt:. Was ist diese Emsigkeit wert? Was bringt ein einzelnes dieser unermüdlichen Wesen dem ein, der ihnen Unterkunft und Pflege gewährt? Diese interessante Frage ist mit einigen Durchschnittszahlen wohl zu beantworten. Stattstische Berechnungen haben ergeben, daß in Deutschland etwa 65 Milliarden Honigbienen ihres 276 Men Amtes ttxtften. Denn mtttt fand' bet den deutschen Imkern tüt Durchschnitt der Jahre mehr als 2600000 Btenenstöcke vor, Und mußte — zufolge neuesten Forschungen über dre Starke der Bienenvölker — annehmen, daß ein jeder Stock im Durchschnitt 25000 Stück Arbeitsbienen beherbergt. Die 65 Milliarden Arbeiterinnen setzen die Imker in den Stand, rund 150 000 Doppelzentner Honig zu ernten. Berechnet man nun ben Gewichts anten, der auf eine einzelne Biene entfällt, so stellt sich heraus, daß jede Arbeiterin jährlich V< Gramm Honig liefert. Wenn hnr für ein Pfund Honig den Durchschnittswert von 1 Mark ansetzen, so würde sich der Jahresnntzen, den eine Biene gewährt, auf Vso Pfennig belaufen. Die Niedrigkeit dieser Ziffer mag vielleicht manchen enttäuschen, aber der Respekt vor der Bienenarbeit imb dem Bienenfleiß wird ihm Wiedererstehen, wenn er erfährt, daß die gesamten Bienen der Welt imstande sind, jährlich nicht weniger als 300 Millionen Kilogramm Honig zu erzeugen und damit für die Menschheit das ansehnliche Sümmchen von 600 Millionen Verdienen. Dabei ist der Nutzen, den die Bienen durch die Erzeugung von Wachs gewähren, noch ganz beiseite gelassen. Sein Wert steht bent des Honigs nach, ist aber durchaus nicht unbeträchtlich. Da jedoch darüber entsprechende statistische Erhebungen fehlen, läßt er sich nicht genauer bestimmen. Wohl aber sind wir tn der Lage, aus der Weltproduktion von Honig annähernd zu ermitteln, wieviel fleißige Honigbienen es überhaupt auf Erden gibt: die Zahl beträgt rund eine Billion zweimalhunderttausend Millionen Bienen. 'Ein gelöstes Problem. Eine Pariser Zeitung hat ihren Lesern laut „Frks. Ztg." folgende schwierige Frage vorgelegt: «Ein Ballon über dem Meere ist in größter Gefahr, und die Insassen scheinen rettungslos verloren. Schon hat man allen entbehrlichen Ballast über Bord geworfen, ohne das eS gelungen wäre, den Ballon wieder steigen zu machen- Da erscheint als einzige Möglichkeit, den Untergang aller zu vermeiden, das Opfer eines einzelnen: Ein Mitfahrender soll über Bord geworfen, den Wellen preisgegeben werden! — Der Tod eines jeden der Insassen bedeutet ein großer Verlust für die Menschheit I Ihre Namen sind Blsriot, Metschnikoff, Rost and, Edison. — Welchen von diesen Männern würden Sie dem Tode weihen T* — Ein Leser antwortete mit schlichter Sachlichkeit; Ich würde den Dicksten wählen! Du(n) hau oh'> werd die Zeiring') gehaale. (Nachdruck verboten.) Mich derf maich doch noch so viel queljit8) ean scheanne- Aich waaß neat, woaß schold, — aich sich immer heanne. Beim Leannewirt dronne, beim Korrneroad, Do eas dersch en Zores ean en Despedoatt), Do setze se die Halme Noachte beinanner Ean de eene tvaaß noch e wink mih mitt de atmet/ Ean eam meint Kopp gift dersch die Kreuz ean die QueL Wo hu(n) dä i nur all die Gescheithät her? Aich derf maich doch Doag ean Noacht beseanne —t . Aich kann traut verzehn8), ean stih immer heanne, Ean däi weasse ean d'r ganze Welt Beschaad: Waaß Gott, do werr aich mei Leawe laad. Wann aich immer soll rouhig bleiwe off meim Setz Do krih aich oh maich die fläijend Hetzel, Ean hu(n) aich woas erleabt, ean saan's7) evauSi Dann gitt d'r ee nooch 'em annern enaus. Däi noch setze, däi gucke sich oh ean lache: „Och, Hannes, sei stell meat den aWichte Sache I" Voatter, so saar aich3) zau meim Ahle, Loaßt ihs doch aach die Zeiring haale. . Bor woas sein aich dann ean d'r Schani gewease Ean hu(n) maich gequehlt eam Schreiwe ean Lease- Mir mache dann Owens zau ihs Deer Eatt aich leas Uch ean Rauh' die Zeiring vöv. Mir broche dann kaan Schritt mih vör'sch Haus Ean weasse doch, wäi's ean d'r Welt seht aus; Woasses gebt ean Rußlaand, ean bei de Franzose Ean wer durch Uhgleck ean Mord sei(n) Leawe mutzt lasse, Ean wen se gebroocht im Hab ean Gout, Ean wen se verknorrt meat kahlem Blottt. Aach woasses Heemlichcs gebt eam Gemeeneroak, Doas stitt klipp ean kloar eam Wochebloat. Ei segoar ob's Sonneschei(n) gebt oawer Raa(n)> Daun se jo do drean eam Büraus saa(n) Aich saan Uch, do dreann kamm'r2) so viel lern, Do kamm'r om Enn noch Birjermaaster Wern. Ean d's Beste eas noch, 's kost aach neat viel, Ean offs Doarf werd se gebroacht goar per ÄütonwW, So haaßt mer -bäi Waa(n), däi meat Gebromm ean Geheuls Häi öfsdersch vorbei renne unne10) Gäul. /) Von heut an, 8) Zeitung, 8) quälen, ‘) Disput, *) erzählen, g) fliegende Hitze, sage es, ") sagte ich, •) kann man, 10) ohne. Mei Voatter der saat: „De werscht noch ganz scheu, Hannes, sei neat schlähcht ean gih mih inner die Leu I"11 's best eas noch, bau nimmst d'r e Fraa. Och Voatter seid stell, aich Herr neat genad Ean aich hu(n) ean de Knoche 's Pnrrergrohü2) Nee Voatter, vör maich eas kaa Fraa neat do. 's woar Sonndoagmorjend, ean mir woarsch goar Tttat goujj Aich hait bihs geträumt, doas loag m'r eam Blout. Drimm bear aich") aach glech zau meim Voatter faa(n): Mir eas groad, als ob sich hau noch ebbes zou deat braa(n)u) Korz denooch, m'r fasse noch vom Kaffidesch, Do goab d'rsch e Gebromm ean e Geklapper eatt e Gekresch- M'r meent, dausich Deuwel wärn lusgebuonne; Ean en b’r ganze Doarsgaß vu(n) owe beas uonttä Do wimmelis eatt woaWells vör jedem Haus, Ean die Keann woarn segoar ean de Hember dauS. Ean es woar d'v e Laase eatt e Renne, Mei Voatter der saat: „'s werd doch neat brenne? Guck doch emoal nooch, ean gih emoal vör'sch ^oar15) To wer sch te, woas lus eas, ejer gewoahr." Aich ging bann enaus, ean soah itoroer ihs Scheuer Huch ean d'r Loft e Uhgeheuer. Doas schlug meat de Fletch78) ean häilt e GebromM- Mei Kopp der woard m'r ganz daab ean domm, Vör Schreacke staun m'r mei(n) Herz baal stell. Doas Denk soah aus, als filmt’S17) aus d'r Hell. Mei Voatter der kohm glech nooch m’r eraus Ean packt maich ohm Darm, ean zug maich eans Haus Ean fing o se beare"), ean schlug drei Kreuz: „Hannes, aich saan d'r, naut gouts bedeut's, Däi Hoffart ean däi Uhboare") vu(n) de Mensche eas scholöh Doas ging selbst ihserm Herrgott iwwer die Gedold, Der könnt doas Getreiwe ean Gedees traut mih seh(n), Hannes, aich glaawe, 's eas int ihs geschehet)." Nooch dear he wirrer beare ganz wirr ean zwerch, Ean he woar kreireweiß, ean die Hoarn ftannem ze Bttgl, Do kloppt's oh die Deer, ean kloppt oh die Scheiwe, „Hannes, saat emoal, woas baut Ihr dann treiroe. Wollt Ihr dann neat emoal de Zeppelin seh