Donnerstag den 2. November |w] I* IT M« Die weiße Frau. Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ans der nächsten Seite des Tagebuchs findet sich eine andere Schrift- Es ist die Handschrift eines Mannes, groß, entschlossen, fest und regelmäßig; das Datum ist „Den 7. Juli." Sie lautet folgendermaßen: ' (Nachschrift eines aufrichtigen Freundes.) ■ Die Krankheit unserer vortrefflichen Miß halcombe hat mir die Gelegenheit zu einem unerwarteten geistigen Genüsse verschafft. Ich meine die Durchsicht dieses interessanten Tagebuchs, -welche ich soeben beendet habe. Es sind viele hundert Seiten. Ich kann, die Hawd aufs Herz gelegt, gestehen, daß jede Seite mich interessiert, erquickt und entzückt hat. Für einen Mann von meinen Gefühlen ist es unaussprechlich erfreulich, dies sagen zu können. Diese Blätter sind erstaunlich. Der Takt, den ich hier finde, die Umsicht, der seltene Mut, die wunderbare Ge- oächtniskraft, die genaue Beobachtungsgabe, die bezaubernden Ausbrüche weiblichen Gefühls, haben meine Bewunderung für dieses göttliche Wesen, für diese süperbe Marianne ganz unendlich vermehrt. Die Darstellung meines eigenen Charakters ist über alle Beschreibung meisterhaft. Ich bezeuge von ganzem Herzen die Treue des Porträts. Ich beklage von neuem die grausame Notwendigkeit, - welche unsere Interessen einander feindlich gegenüberstellt. Wären die Verhältnisse glücklicherer Art gewesen, wie würdig wäre Miß Halcombe meiner gewesen. Die Gefühle, welche mein Herz bewegen, versichern mich, daß die Zeilen, welche ich soeben geschrieben habe, eine h o h e Wahrheit ausdrücken. Ich schließe das Buch. Mein strenges Rechtlichkeitsgefühl legt es (vermittelst der Hände meiner Gattin) wieder an seinen Platz aus den Tisch der Schreiberin. Die Ereignisse treiben mich fort. Die Verhältnisse leiten mich zu ernsten Ausgängen. Umfassende Perspektiven des Erfolges öffnen sich vor meinen Blicken. Ich erfülle mein Geschick mit einer Ruhe, die mir selbst fürchterlich erscheint. Nichts als der Tribut meiner Bewunderung -ist mein eigen. Ich lege ihn mit huldigender Zärtlichkeit zu Miß Halcombes Füßen nieder. Ich bete für ihre Genesung. Ich bezeige ihr mein innigstes -Bedauern -über das unvermeidliche Mißlingen jedes Planes, den sie -für das Wohl ihrer Schwester gemacht hat. Zugleich aber bitte ich sie, mir zu glauben, daß die Kenntnis, welche ich- ihrem Tagebuche -entnommen, in keiner Weise zu diesem Mißlingen beitragen wird. Dieselbe bestärkt mich ganz einfach in dem Plane, den ich mir zuvor gebildet hatte. Ich habe es diesen Blättern zu danken, daß sie die feinsten Empfindungen meiner Natur erweckt haben, weiter nichts. Einein Wesen, das gleicher Empfindungen fähig ist, wird diese einfache Aussage alles erklären und alles bei ihm entschuldigen. Miß Halcombe ist ein Wesen, das gleicher Empfindungen fähig ist. In dieser Ueberzeugung zeichne ich mich Fosc o, * Die Aussage Frederick Fairlies - zu Limmeridge House.*) Es ist das große Uuglück meines Lebens, daß man mich nicht in Ruhe lassen will. Wozu — frage ich jeden Menschen — wozu plagt man mich? Kein Mensch beantwortet mir diese Frage, und kein Mensch läßt mich in Ruhe. Die letzte Plage, mit der man mich verfolgt hat, ish die, daß man von mir verlangt, diese meine Aussage niederzuschreiben. Man verlangt, daß ich mich der Data erinnere. . Gerechter Himmel! Ich habe das in meinem ganzen Leben noch nicht getan — wie soll ich jetzt damit anfangen? Ich habe Louis gefragt. Er ist doch nicht ein ganz so großer Esel, wie ich bisher geglaubt. Er erinnert sich ungefähr bis auf einen oder zwei Tage des Datums des Ereignisses, und ich erinnere mich der Personen. Das Datum war entweder der fünfte, sechste oder siebente Juli; und der Name (meiner Ansicht nach ein unbeschreiblich ordinärer) war Fanny, eine entsetzliche Person mit knarrenden Schuhen. Sie überbrachte mir einen Brief von Mariannes Hand. Nichts stellt meiner Meinung nach den hassenswerten Egoismus der Menschen in ein so auffallend abstoßendes Licht, als die Behandlung, welche in allen Klassen der Gesellschaft unverheirateten Leuten von den verheirateten zuteil wird. Man nehme meinen eigenen Fall. Ich bin so rücksichtsvoll, unvermählt zu bleiben, und mein armer lieber Bruder Philipp ist so rücksichtsvoll, sich zu verheiraten. Was tut er, wie er stirbt? Hinterläßt mir seine Tochter! Sie ist ein liebes Mädchen, aber sie ist eine furchtbare Verantwortlichkeit. Warum wird sie mir aufgebürdet? Weil ich in meiner Eigenschaft als harmloser, unverheirateter Mann verpflichtet bin, meine verheirateten Verwandten von all ihren Sorgen zu befreien. Ich tue mein Bestes für die mir von meinem Bruder hinterlassene Verantwortlichkeit; ich verheirate meine Nichte nach unendlich viel Wirtschaft und Schwierigkeit mit dein Manne, den ihr Vater ihr bestimmt hat. Sie verunreinigt sich mit ihrem Manne, *) Tie Art und Weise, wie man sich Mr. Fairlies und anderer Aussagen verschaffte, wird später erklärt werden. 686 ititb die Sache hat unangenehme Folgen. Was macht sie mit diesen Folgen? Sie übermacht sie mir! Es ist ganz unnötig zu sagen, daß Mariannes Brief Drohungen für mich enthielt. Alles droht mir. Alle möglichen Greuel sollten auf mein unglückliches Haupt fallen, falls ich zögerte, meiner Nichte und ihren Unannehmlichkeiten Limmeridge House als Zuflucht anzubieten. Aber ich zögerte dennoch. Welche Sicherheit hatte ich, falls ich Lady Glyde eine Zuflucht in Limmeridge House anbot, daß nicht Sir Per- cival in einem Zustande heftigen Zornes gegen mich, Weil ich seine Frau ausgenommen, ihr hierher folgen würde? Ich sah, daß mit einem solchen Verfahren ein wahres Labyrinth tum Sorgen und Unannehmlichkeiten für mich verknüpft war, und beschloß daher, erst ein wenig hinzuhorchen, wie man sagt. Ich schrieb demzufolge an die gute Marianne und bat sie, erst allein herzukommen, um die Sache mit mir zu besprechen. Falls sie dann meine Einwürfe zu meiner vollkommenen Zufriedenheit beseitigen könne, so versichere ich sie, daß ich unsere liebe Laura mit dem größten Vergnügen wieder aufnehmen werde — widrigenfalls jedoch nicht. Ich fühlte natürlich sogleich, daß dies Kapitulieren von meiner Seite wahrscheinlich damit enden werde, daß Marianne hier in einem Zustande tugendhafter, türenwerfender Entrüstung anlangte. Aber das andere Verfahren konnte dagegen damit enden, Sir Percival ebenfalls in einem Zustande tugendhafter, tüten» werfender Entrüstung herzubringen; und von beiden Arten der Entrüstung und des Türenwerfens ziehe ich die Mariannes vor — weil ich an sie gewöhnt bin. Demzufolge schickte ich meinen Brief mit umgehender Post ab. Ich gewann Hierbei jedenfalls Zeit — und, das ist gleich ein großer Gewinn. Am dritten Tage brachte die Post mir einen höchst impertinenten Brief von einem Menschen, der mir völlig unbekannt ist. Er gab sich als den aktiven Kompagnon unseres Geschäftsführers an — des guten, halsstarrigen, alten Gilmore — und benachrichtigte mich, daß er kürzlich durch die Post einen Brief erhalten, dessen Adresse von Miß Halcombes Hand geschrieben. Da er jedoch das Kuvert geöffnet, habe er zu seinem Erstaunen in demselben nichts als ein Stück leeren Miespapieres gefunden. Dieser Umstand sei ihm so verdächtig erschienen (weil derselbe in seinem unruhigen Advokatengeiste sofort die Idee erweckte, daß Spitzbüberei dabei im Spiele gewesen), daß er augenblicklich an Miß Haleombe geschrieben, jedoch keine Antwort von ihr erhalten habe. Anstatt nun wie ein vernünftiger Manu zu handeln, und die Dinge ihren Lauf nehmen zu lassen, war sein nächstes lächerliches Verfahren, wie er dies selbst bewies, daß er m i ch belästigte, indem er an mich schrieb, um mich zu fragen, ob ich etwas von der Sache wisse. Wozu mich auch noch beunruhigen, wenn er selbst schon beunruhigt war? Ich schrieb ihm einen Brief diesen Inhaltes, unb es war dies einer der schärfsten, die ich je geschrieben habe. Seit ich jenem ungemein widerwärtigen Menschen, Mr. Walter Hartright, seine Entlassung zuschickte, habe ich in Form von Briefen nichts Schärferes abgefaßt. Mein Brief brachte die von mir beabsichtigte Wirkung hervor: jch hörte nicht wieder von dem Advokaten. Dies war vielleicht nicht sehr zum Verwundern. Mer es war jedenfalls ein bemerkenswerter Umstand, daß ich keinen zweiten Brief von Mariannen erhielt, und daß sich keine Wamungszcichen von ihrer Ankunft wahrnehmen ließen. Ihr unerwartetes Ausbleiben war von erstaunlich guter Wirkung für mich. Es war so überaus beruhigend und angenehm, daraus zu schließen (was ich natürlich tat), daß meine verheirateten Verwandten wieder ausgesöhut seien. Fünf Tage ungestörter Ruhe, köstlicher einsamer Glückselige leit, stellten mich ganz wieder her. । Am sechsten Tage sollte meine Ruhe ein Ende nehmen. Es meldete sich bei mir ein Herr: der ausländische Gemahl meiner widerwärtigen Schwester, Graf Fosco. Des Grasen Erscheinung erschreckte mich zuerst. Seine Persönlichkeit war von so großen Verhältnissen, daß ich förmlich erbebte. Jch war überzeugt, daß er den Fußboden erschüttern und meine Kunstschätze umstürzen werde. Er tat weder das eine noch das andere. Gr trug eine Somrner- kleidung, die einen erfrischenden Anblick hatte; sein Wesen war ans eine charmante Weise ruhig und unbefangen — und er hatte ein bezauberndes Lächeln. Mein erster Eindruck von ihm wär im höchsten Grade günstig. Es spricht dies nicht sehr lobend für meinen Scharfblick, wie die Folgen beweisen werden, aber ich bin tion Natur ein offener, freimütiger Mann und gestehe es dessenungeacbtet. Erlauben Sie mir, mich Ihnen vorzustellen, Mr. Fairlie, sagte er, ich komme von Blackwater Park und habe die Ehre und das Glück, der Gemahl der Gräfin Fosco zu fein. Lassen Sie mich znm ersten und letztenmal Gebrauch von kiefern Umstande machen, indem ich Sie bitte, mich nicht als einen Fremden zu betrachten. Ich bitte Sie, sich nicht stören zu lassen — bitte, bleiben Sie ruhig sitzen. Sie sind sehr gütig, erwiderte ich; ich wollte, ich wäre kräftig genug, um ausstehen zu können Sehr erfreut, Sie in Limmeridge zu sehen. Bitte, nehmen Sie Platz. Jch fürchte. Sie sind heute leidend, sagte der Gras. Wie gewöhnlich, sagte ich; ich bin nichts weiter pls ein Paket Nerven, die man angekleidet hat, daß sie wie ein Mensch aussehen. । Jch habe zu meiner Zeit manches studiert, sagte dieses teilnehmende Wesen, und unter anderen auch diesen un- erschöpslichen Gegenstand: die Nerven. Wollen Sie mir gestatten, Ihnen einen Vorschlag zu machen, die einfachste Sache von der Welt und zugleich die vollkommenste? Wollen.Sie mir erlauben, eine Veränderung in der Beleuchtung Ihres Zimmers zu machen? Gewiß — wenn Sie nur so gütig fein wollen, kein Licht aus mich herein zu lassen. — Er ging ans Fenster. So ganz verschieden von der lieben Marianne! So außerordentlich rücksichtsvoll in allen seinen (Bewegungen! Licht, sagte er in jenem unbeschreiblich angenehmen, vertraulichen Tone, der so wohltuend für Kranke ist, Licht ist das erste Bedürfnis. Das Licht ist ein Nahrnngs-, Reiz- und Erhaltungsmittel. Sie können ebensowenig ohne Licht existieren, Mr. Fairlie, als wenn Sie eine Blume wären Jetzt geben Sie acht. Hier, wo Sie sitzen, schließe ich die Fensterläden, um die Beleuchtung für Sie zu mildern. Da, wo Sie nicht sitzen, ziehe ich das Rouleau in die Höhe und lasse die stärkende Sonne herein. Gestatten Sie dem Lichte Einlaß in Ihr Zimmer, wenn Sie es auch nicht ans Ihrem Körper vertragen können. Das Licht, Sir, ist eine große Verordnung der Vorsehung. Sie nehmen mit gewissen Vorbehalten die Vorsehung an. Machen Sie es mit dem Lichte ebenso. — 1 Mir schien dies sehr überzeugend und sehr aufmerksam von ihm. Er hatte mich angeführt — bis hieher und mit dem Lichte hatte er mich jedenfalls in Bezug aus sich angeführt. (Fortsetzung folgt Gebräuche am Merseelentage. Der Totenkult hat seinen Grund in dem Glauben der primitiven Völker, die den eigentlichen Tod — d. h. die völlige Ver- nichtung des Seins — nicht kennen. Tie Seelen der Verstorbenen leben den Stätten ihres Erdenleoens nahe und treten mit den Lebenden in Verkehr. Aus dem Vorherrschen des Glaubens an einen guten oder bösen Charakter der Geister ergibt sich der Charakter der Beziehung zu den Toten. Ist der Glaube an die Geister der Abgesckstedenen lediglich Gespensterfurcht, wie dies aus den niedrigsten Kulturstufen der Fall rst, so verläßt man kurzerhand den Ort, wo die Toten ruhen, und man sucht den Geist aus alle möglichen Arten dem Hause fern zu halten (das Nähere siehe unter Begräbnis und ähnlichen Titeln bei Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart). In anderen Fällen gibt man dem Toten seinen ganzen Besitz mit ins Grab, denn was dem Toten fehlt, das holt er sich, oder er wird durch den Mangel an Gegenständen, die er entbehrt, zum flüchtigen Herumschweifen auf der Erde veranlaßt. Ans höherer Kulturstufe treffen wir den Totenkult. Tie Verbreiteste Form dieser freundlichen Beziehung war das Totenopfer. Die in ältesten Zeiten geopferten Diener oder die sich opfernden Frauen begleiteten beit geliebten Herrn auf der Fahrt ins Jenseits; di« mitgegebcnett Speisen und Getränke dienten ihnen währemd der Reise nach dem Jenseits zur Nahrung. Und die mitgegebenen Geräte gebrauchte er alle einst wieder. (Bekanntlich ist an Grabbeigaben genau, Geschlecht, Stand und Neigung des Toteir zu sehen. Der Krieger tourbe im Schmuck seiner Waffen begraben, die Frau mit Schmuck oder Haushaltungsgerüten, das Kind mit seinem Spielzeug) Andere Denkmäler dieser Gesinnungen find die Ausstellung von Ahnenbildern im Hause —■ wie z. B. bei den Römern — oder die Errichtung von Grabmälern. Der Aermere, dessen Mittel nicht zur Herstellung eines Tenkmales von Künstlerhand reichten, fand in der Ausschmückung der Gräber und ihrer Umgebung durch Pflanzen einen ebenso schönen als leicht beschaffbaren Ersatz.. 687 , Schmückt man schon das ganze Jahr die Gräber seiner Lieben, so ist das am Allerseelentag eine durch das Herkommen doppelt teure Pflicht. 'Die letzten Blumen windet selbst der Aermste zu Kränzen und legt sie in liebevollem Gedenken auf das Grab entschlafener Angehöriger oder teurer Freunde. In Norddentsch- land hat sich diese Sitte der Grabschmückung auf den protestantischen Toten-Sonntag, den letzten Sonntag des alten Kirchenjahres, auf Ende November verschoben. Das geschah, uni den Gegensatz zur alten, Kirche zu markieren; sie änderte den Termin, aber nicht die, Sitte. Schon im germanischen Heidentum gedachte man in diese Tagen der Toten. Der 1. November galt dem Gedächtnis der großen Helden und Vorfahren, der zweite Tag Allerseelen dem Gedächtnis aller Verlebten, und der dritte jetzt völlig verschwundene, galt der Jagd und der lärmenden Waldfreude. Nach germanischem Glauben weilten die Seelen im Winter — d. h. bis zur Frühjahrs- Tag- und Nacht-Gleiche — in der Nähe der zurückgebliebenen Verwandten, ja sogar in deren Wohnungen. Den Frühlingsanfang sah man aber als den Zeitpunkt an, zu welchem die abgeschiedenen Seelen das Reich der Lebenden verließen, um im Seelenreich Aufenthalt zu nehmen. Diesen Aufenthaltsort aller gestorbenen, nicht im Kampfe gefallenen Menschen, stellte man sich als ein herrliches Wicsengesilde, voll der lieblichsten Blumen, vor. Namentlich Rosen wuchsen in jenen Gärten, weshalb noch heute manche Friedhöfe, namentlich in Tirol, Rosengärten heißen. Zu der Wanderung der abgeschiedenen Seelen brachte man im Herbst und Frühling den Toten Liebesopfer, Blumenkränze, Lichter und Speisen dar. Wir haben also in den Totenkränzen nicht nur einen Schmuck zu sehen, sondern auch eine Erinnerung an die blumenreichen Auen, wo die Seelen in ewiger Freude lustwandeln. Die Seelen der im Kampfe Gefallenen trugen Walküren vom Schlachtfeld nach Walhall zu Odins ewigem Frcudensaal, wo sich die wackeren Kämpen an üppigen Mahlen und fröhlichen Kämpfen erfreuten. Auch sonst ist der Gedanke an den Tod und das Sterben bei den Germanen eine so allrägliche Vorstellung gewesen, daß es kein Wunder nehmen kann, wenn sich die Erinnerung daran nicht so leicht umüilden ließ. Für die germanische Weltanschauung war eben der Tod keine Freude störende Schreckgestalt. Bei der fest begründeten Anerkennung der Unsterblichkeit und der höheren Bestimmung des Menschen war vollendete Sittlichkeit das Hauptbestreben, und als der Sittlichkeit stärkster Hebel galt die Religion, die dem braven, treuen Mann, dem int Geschient der Züchtigkeit lebenden Weibe Walhalls Freuden mit heiterem Glanze ausmalte. Den lebensfrohen Griechen schreckte Charons dunkle Fahrt, den Römer die Höllenhunde. Der Kelte verließ als dünnes, ohnmächtiges Gespenst die leibliche Hülle, dem Skandinavier zerschnitt die böse Norme den Lebensfaden, den Deutschen aber küßte Freund Hain, und es führte ihn zum freudenreichen Saale der Äsen eine freundliche Elfin (Fee oder Fey, wovon das deutsche Wert feig (Fey-ig) für zaghaft in die deutsche Sprache gekommen ist; dieses Wort bedeutet in niederdeutscher platter Mundart noch heute nichts anderes als „dem Tode nahe".). Die heiligen Haine, die Wohnsitze der Götter, wurden vom Volke gern besucht. Dort dachte man die abgeschiedenen Lieben sich gegenwärtig und versammelte sich an ihren Gräbern. Es wäre nach germanischen Begriffen unmöglich gewesen, die Toten zu beweinen, mau gedachte ihrer vielmehr im Heldenlied und bei fröhlichen Mahlen. Ein allgemeiner Festtag war dem Gedächtnis der Toten geweiht. Man hatte dafür die Jahreszeit gewählt, wann des Waldes fallendes Laub an die Vergänglichkeit irdischer Dinge mahnt und die verödende Natur an den Tod erinnert. Dann zog matt in gxpßen Scharen in die Haine, schmückte die Gräber, sang und erzählte von bcn Taten der Verewigten und stellte ihre Tugenden den Kindern als Muster vor und pries sie glücklich in Walhall der ewigen Freudenwohnung. Für die christliche Kirche Ivar es nach allem Gesagten eine Notwendigkeit, ein Totenfest anzusetzen, wie ein solches alle anderen Religionen auch haben, es war eine bewußte Anknüpfung an das Alte, wenn man dieses Fest auf ursprünglich heidnische Festzeiten verlegte. Zu Hilfe kam der Kirche das lebhafte Naturgeftihl der Germanen, das sich mit den biblischen Bildern vom Hinsterben des Menschen „wie des Grases Blume" leicht vereinbaren ließ. Das jetzige Allerseelenfest entstammt aus der gleichnamigen Feier, welche 998 der heilige Odilo, Abt von Cluny, in den Klöstern des Benediktiner-Ordens einführte. Die Veranlassung zur Stiftung wird verschiedentlich erzählt. Sigebertus Gemblacensis meldet, Odilo habe, als er einst dem Aetna sehr nahe gewesen, die abgeschiedenen Seelen jämmerlich schreien und um Errettung aus dem Fegefeuer flehen hören, worauf er zur Erfüllung ihres Verlangens in seinem Kloster zum Feste Allerseelen Anstalt gemacht, daß aber um der ausgebreiteten «Brauchbarkeit willen hernach von Johann dem XVII. bestätigt und zur allgemeinen Wohltat gemacht worden. Bereits Um 1100 finden wir das Fest allgemein, itnb so tief wurzelte es im Volksgemüt, daß, sogar Luther bei der kursächsischen Kirchenrevision sich vergeblich bemühte, den Allerseclentag abzuschaffen. Des Volkes Denken spricht sich im Volksaberglauben aus, und dieser bewahrt uns oft ehrwürdige Reste längst verschwundener Kulturepochen. In wunderlicher Weise verquicken sich germanische Bestandteile mit christlichen Vorstellungen. Den armen Seelen int Fegfeuer ist au diesen Tagen Ruhe gegönnt, und ihre Qual hört bis Mitternacht auf. Die stets mitleidigen Menschen früherer Zeiten haben denn auch in naiver Weise ihr Mitleid bezeigt. In Trrok läßt man titon dem Abendessen auf den Tisch stehen! und zündet reichlich Kerzen an, denn wenn Alles schlafen gegangen, kommen die armen Seelen aus der ewigen Pein zu den Häusern rhrer ehemaligen Angehörigen, um sich dort an dem Essen zu laben, ^n anderen Gegenden setzt man große Schalen mit geschmolzener Butter auf den Tisch oder legt Fettstücke bereit, damit die Seelen damit ihre Brandwunden bestreichen können. Im Egerland setzt man den armen Seelen kalte Milch mit Semmel vor, welche kühlend wirken soll. Wieder an anderen Stellen heizt man in der Allerseelemracht tüchtig ein, damit diejenigen, die „die kalte Pein" erdulden, einmal sich wärmen können. Auch glaubt man, daß die. armen Seelen um Mitternacht zunt Opfer (d. h. zur Messe), in die Kirche gehen, und diejenigen, welche ihre Strafe verbüßt haben, dürfen bei dem Läuten der „Wandlung" in den Himmel auffahren, die andern aber fliehen mit dumchem Weheruf Schlag 12 Uhr zurück zum Ort der Qualen. Arme Seelen sind oft in Kröten gebannt und suchen namentlich an Allerseelen unbemerkt in die Kirche zu kommen. Kröten sind überhaupt schon nach ältestem Glauben Tiere der Unterwelt, so z. B. schon bei den alten Parsen. Auch bei den Slaven ist die Kröte das Symbol des unterirdischen Geistes Zelu. Tiroler Volkssagen berichten vielfach, daß Personen, die ein Gelübde im Leben un- erfiillt ließen, dieses nach ihrem Tode in Gestalt einer Kröte vollbringen müßten. Deswegen sieht das Volk es als schweres Unrecht an, diese Tiere auf ihrem Wege zu stören und ist ihnen oft sogar behilflich. Es ist daher verboten, diesen Tieren wehe zu tun. In Niederösterreich ist es Sitte, daß heiratsfähige Mädchen sich um Mitternacht auf einen bestimmten Kreuzweg begeben. Dort fragen sie den ersten begegnenden jungen Mann nach seinem Taufnamen, geben ihm einen Kuß und laufen eiligst davon, denn nun wissen sie den Namen des künftigen Gemahls. Man nennt dies „Üosengehen" und ist ebenso fest von dem Eintreffen desselben überzeugt, wie man im Jnntal behauptet, daß demjenigen alle Wünsche in Erfüllung gehen, der in der Allerseelennacht zwischen 11 und 12 Uhr eine Totenbahre dreimal um die Kirche herumzieht. Hierbei muß eine Person die Bahre ziehen, die andere muß mit dem Kirchenschlüssel Bei jedem Umgang dreimal auf die Bahre klopfen, um zu verhindern, daß sich Geister auf dieselbe setzen. Am Allerseelentag geht man in Böhmen zur Messe für die Verstorbenen und dann auf den Kirchhof, um die Gräber zu schmücken. Es ist dort auch noch üblich, — sonst in Deutschland nur vereinzelt — kleine Lichter auf die Gräber zu sehen; (bie Lichter sind das Symbol der Seele, wie wir ans zahlreichen Liedern und Bolksbräuchen wissen). Nach dem Gottesdienst geht der Priester in vollem Ornat, von seinen Ministranten begleitet, unter dem Gesang der Gemeinde zwischen den Gräbern herum und segnet dieselben durch Besprengen mit Weihwasser und Räuchern. Dann begibt sich, wie im Passeier Tal, der Zug in die Kirche zurück, und es erfolgt die Verlesung der Toten des letzten Jahres von der Kanzel. Die Verwandten zahlen für jeden Namen „sechs Dreier", und der Priester kann sich durch deutliche Aussprache des Namens sehr beliebt machen, denn das erhöht den Kredit und den Ruf der Frömmigkeit der Hinterbliebenen. In Steiermark und Kärnten findet die erwähnte Prozession erst Nachmittags statt, und die Verwandten beten dann bis Mitternacht beim Schein der Kerzen für ihre Lieben, die unter dem ebenfalls reich geschmückten Hügel schlafen. Dasselbe geschieht in Schwaben und am Rhein. Dort ist es auch noch üblich, während des Schlagens der Mitternachtsstunde ein auf jedem Grabe angebrachtes Stroh- kreuz zu entzünden, was den Teufel, der auf Seelen lauert, die zum Himmel auffahren, vertreiben soll. Allgemein üblich ist die Spendung reichlicher Mmosen an Allerseelen, viele Gemeinden lassen auch noch sogenannte Seelwecken verteilen. In Bayern und Schwaben erhalten die Kinder Gebäck in Form von Hasen, Pferden, Hennen usw., Tieren, die nach germanischem Volksglauben mit der Seelenwanderung in Beziehung stehen. Zu Allerheiligen beschenkt noch in ^manchen Gegenden der Pake oder die Patin das Patcnkind miFeinem großen mürben! Seelenzop? oder -Spitz. Der Bäcker verehrt seiner täglichen Kundschaft einen überzuckerten Seelenwecken. Die Bcttelkinder, die Seelleute, auch arme Seelen sprechen in wohlhaberrden Bürgerhäusern und Mühlen vor, beten im Hausgang ein Vaterunser für die armen Seelen in der Verwandtschaft und erhalten dann besonders reiche Spende. In Mittenwald läßt der Bäcker für diese Tage eigene Arme-Seelenbrotr aus Buchweizenmehl backen. Im Schwäbischen Unterland (Donautal) wurden früher die Allerseelenzöpfe auf die Gräber gelegt, so daß die Kinder, wenn sie morgens den Friedhof besuchten, dort mit reichen Spenden überrascht wurden. Dieser Brauch wird schon durch den Freiburger Professor Lorichius im 16. Jahrhundert bezeugt, denn er berichtet, daß man an Allerseelen Wem, Brot und andere Speisen auf bte Gräber gestellt habe, (wie angeführt zur Labung der armen Seelen). Abweichend von der vorbezeichneten Zeit der allgemeine«! Totenehrung begeht die protestantische Kirchengemeinde Erlangen- Altstadt das alljährliche Totengedächtnis mit Schmückung der Gräber auf dem Friedhöfe am Markustag (11. November). In Nürnberg und Umgebung feiert man Allerseelen auf Johanni int Sommer, also zur Zeit der üppigsten Rosenblüte. . Da brannte und duftete dann der berühmte ehrwürdige Johannisfriedhof mit feen Gräbern der großen Söhne Nürnbergs, wie ein einziger Rosm- Hain. Der Brauch, die Gräber tiuf Johanni zu zieren, ist auch in Leipzig und in ganz Sachsen westlich der Elbe üblich. Man mag von allen den alten, im Schwinden begriffenen Bräuchen halten was man will, sie beweisen die Liebe unseres! Volkes zu seinen Toten, und dieser edle Charakterzug verdient es, in jeder Hinsicht nicht nur geachtet, sondern auch gefördert Ku werden. Den klassischen Ausdruck für die Totenfeier hat Hermann von Gilm in seinem bekannten Gedicht „Allerseelen" gefundenr Stell' auf den Tisch die duftenden Reseden, Tie letzten roten Astern trag herbei Und laß uns wieder von der Liebe reden. Wie einst im Mai. Gib mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke, Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei; Gib mir nur einen deiner süßen Blicke, Wie einst im Mai. blüht und funkelt heut auf jedem Grabe, Ein Tag im Jahre ist den Toten frei; Komm an mein Herz, daß ich dich wieder Habe, Wie einst im Mai. Hoerner, Das Gewicht der Erde und des Mondes. Die Bestimmung des Gewichtes der Erde ist ein altes Problem. Den ersten Versuch zu seiner Lösung unternahmen schon in den Jahren 1774 bis 1776 in Schottland Hutton und Maskelyne, indem sie die Ablenkungen beobachteten, die ein frei herabbängendes Lot durch die Anziehung des Berges Shehallien erfuhr. Sie sanden hieraus, daß die Erde etiva 4,7 mal schwerer sein miiffe als eine gleich große Kugel reinen Wassers. In neuerer Zeit hat man noch zahlreiche andere Methoden zur Anwendung gebracht. So bediente sich Prof. v. Jolly einer sehr empfindlichen Wage, die im Treppenhause des Münchener Universitätsgebäudes aufgestellt war. An jeder der beiden Wagschalen war mittels eines 20 bis 25 Meter langen Metalldrahtes eine weitere Wagschale befestigt. Legte man nun einen Gegenstand, z. B. eine Metallkugel, in eine der oberen Wagschalen und glich ihr Gewicht genau aus, so gab, wenn man die Kugel in die darunter befindliche Schale brachte, die Wage einen Ausschlag, da die Kugel infolge ihrer größeren Annäherung an den Erdmittelpunkt jetzt stärker angezogen wurde, also auch schwerer wog. Die Stärke der Anziehung läßt sich ferner noch dadurch verändern, daß man unter die Wage bezw. zwischen die beiden Schalenpaare eine schwere Metallmasse bringt. Auf diese Weise haben nun die Physiker Richarz und Krigar-Menzel jahrelang gearbeitet, indem sie in den Kafematten der Spandauer Zitadelle mit einem Bleiblock von 100 000 Kilogramm Gewicht operierten. Aus diese» Untersuchungen wurde für die durchschnittliche Dichte der Erdkugel der Wert 5,05 abgeleitet. Für den ganzen Erdball ergibt sich hieraus das stattliche Gewicht von 5960 Trillionen Tonnen. Andere Forscher sind in neuerer Zeit auf anderen Wegen zu ganz ähnlichen Ergebnissen gelangt: so fand der Jesuit Braun 5987, Prof. Wilsing 6100 Trillionen Tonnen. Auch das Gewicht des treuen Begleiters unserer Erde im Weltenraum hat man in jüngster Zeit mehrfach zu bestimmen gesucht. Aus den Störungen, die der kleine Planet Eros auf seiner Bahn um die Sonne durch den Mond erleidet, berechnete Hinks, daß die Masse des Mondes 81,5 mal geringer ist als die der Erde, während früher Newcomb und Gill auf andere Weise die Zahlen 81,55 bezw. 81,76 erhalten hatten. Das Gewicht des Mondes würde hiernach nahezu 73,5 Trillionen Tonnen betragen. Besser als diese trockenen Zahlen, die ausgeschrieben 20 bis 22 Ziffern aufweisen würden, dürften uns die folgenden Betrachtungen eine Vorstellung von der Größe der beiden Gestirne vermitteln. Denken wir uns einmal vor die Aufgabe gestellt, Erde und 'Dionb abzutragen und in Güterzügen von je 100 Achsen Stärke zu verfrachten. Alsdann könnten wir, wenn in jeder Sekunde ein solcher Zug abgefertigt würde, im Laufe eines Jahres rund 1594 Milliarden Tonnen abfahren. Um den ganzen Erdball zu verladen, würde ein Zeitraum von nicht weniger als 378 Milliarden Jahren erforderlich sein, während beim Mond die Buddelei „nur" 4,6 Milliarden Jahre dauern würde. Die Länge des Eisenbahnzuges, der den gesamten Erdball enthielte, würde über 4% Trillionen Kilometer betragen oder etwa das ItzO OOOsache der Entfernung des nächsten Fixsternes von der Sonne. Ein Lichtstrahl würde, um von der ersten Lokomotive bis zum letzten Wagen dieses Zuges zu gelangen, mehr als 500 000 Jahre unterwegs sein. Die Tanzkunst der Großvaterzeit. Welche Tänze die deutsche Jugend um 1820 zu erlernen hatte, geht aus einet hübschen Annonce hervor, die ein durchreisender Tanzlehrer damals im Stader „Jntelligenzblatt" erließ Sie lautet: „Unterzeichneter nimmt sich die Ehre das hiesige geschätzste Publicum zu benachrichtigen, daß er in der Tanz und Fechtkunst Unterricht allhier zu ertheilen gesonnen ist, er schmeichelt sich die größte Zufriedenheit derer Eltern zu erhalten, welche ihm ihre Kinder an- vertrauen werden, um sie in kurzer Zeit sowohl im körperlichen Anstande, wie auch in der Tanzkunst zu bilden, auch macht er sich verbindlich in 48 Stunden feinen Eleven folgende gesellschaftliche Tänze zu lehren: Walzer, Hopsa-Walzer, Russischer Walzer, 20 verschiedene Ecossaisen, Klatsch-Ecossaise, Ecoffaise a la figaro, Francaise, Compliment francaise, Monfatino, Russieirne, Tarnpete mit verschiedenen Touren, Seize, Walz-Tarnpete, Reifen-Tanz, Triolett, Contratanz, teutidje Quadrille, russische Quadrille, Marsch- Quadrille, Klatsch-Quadrille, Kegel-Quadrille, Cotillon, Polonaise, Pantoinirna, Souvage, Marsch-Walzer ober Abklatsch-Walzer, Fandango, Pergadier, Caprice, Pausen-Ecossaise, Kosackisch. Auch stellt er es den Eltern anheini, wenn sie mit Recht gegen seine Lehrart ober sonst etwas einzuwenden haben, ihre Kinder zurückzuhalten. Aioniag den 14. April wird er mit den Unterschriebenen den Anfang beginnen und ertheilt den Unterricht bei Herrn Le^icke im Gasthofe zum Herzog von Oldenburg. Er ersucht höflichst die Eltern, die ihm ihre Kinder anvertrauen wollen, gütigst baldigst dies zu bewerkstelligen. Earl Haubes, Ballett Tänzer und Lehrer der Tanz- und Fechtkunst aus Düsseldorf." Wahrscheinlich hat es dem Lehrer so vieler verschiedenartiger Tänze an Zuspruch gesthlt. Die Zeitschrift „Niedersachsen", die seine erste Annonce wieder ausgegraben hat, gibt auch folgende wieder, mit der er sich einige Wochen später an die Stader Tanzlustigen gewandt hat: „Da ich bei meiner Einladung zur Beurtheil- ung meuter vorzustellenden Tänze die Ehre nicht hatte, viele hohe Hoiwrationen anzutreffen, so erwähle ich den Weg der öffentlichen Bekanntmachung, um anzuzeigen, daß ich Freitag den 2 ten Mai b I., Abends 8 Uhr, bei Herrn Knhirt auf dem Raths-Weinkeller, die Ehre haben werde, meine Talente in der Tanzkunst vorzutragen und werde 1. mit Holzschuhen, 2. Kosackisch in Stiefel und Sporen, 3. ein Spring-Solo, 4. mit gebundenen Füßen, tanzen. Meine einzige Absicht hiermit ist, mich jämmtlichen geehrten Herrschaften als Lehrer der Tanzkunst gehorsamst zu empfehlen, und bitte diejenigen erqebenft, die Unterricht zu nehmen annoch geneigt sind sich baldmöglichst zu melden. Carl Haubes, Ballettänzer, Tanz- und Fechtlehrer." Vermischtes. v, * Silbertrompeten für das Durbar. In London sind soeben 24 Silbertrompeten fertiggestellt worden, mit denen die Stabstrompeter die Krönung des englischen Königs zum Kaiser von Indien feierlich verkünden sollen. Jede dieser Trompeten hat einen Wert von 400 Mark. Die Banner, mit denen sie geschmückt werden, werden in Indien hergestellt. Nach dem Gebrauch werden die Trompeten als Erinnerungen an den großen Tag aufbewahrt werden. Der König wird selbst eine davon als Andenken behalten, eine zweite davon bekommt der Vizekönig, und noch andere werden an hervorragende Persönlichkeiten verteilt werden. * Hundert Glatzköpfe werden in den englischen Zeitungen für die um Weihnachten in London zur Aufführung gelangende Reinhardtsche Pantomime „Das Wunder" gesucht. Bewerber müssen sich durch eine vollständige Glatze ausweisen. Ihren Kahlkopf darf kein einziges Haar zieren, abgesehen von den üblichen kleinen Haarbüscheln oberhalb' der Ohren. Außer dem Kahlkopf sollen die Leute .auch noch möglichst weiße und vor allem möglichst lange wallende Bärte besitzen. Je älter und schwächlicher die gewünschte^ Statisten in ihrer äußeren Erscheinung sind, umsomehr entsprechen sie den künstlerischen Anforderungen des Regisseurs des „Wunders". * Eine Antiquität. Professor (der ein altes Schloß besichtigt, zum Kastellan): „Also das ist Ihre Tochter . . . .> hm, hm, knüpfen sich an die Dame auch historische Erinnerungen?" * I n der Instruktiv nsstunde. „Piefke, was verstehen Sie unter theoretischen Unterricht?" — „Einen Unterricht, welcher nicht praktisch ist, Herr Unteroffizier!" * Widerspruch. „Was ist Ihr Neffe, der Lerschwender?" —t „Oekonom!" vuchstaben-Lharade. Nicht jeder, der die ersten vier uns beut, Muß brum als „gottbegabt" geprieien werden; Die zweiten vier schließt meist die Menschheit heut Anstatt im Himmel droben — hier auf Erden. Und so geschieht es jungen Mädchen oft, Daß sie, verblendet von den ersten Vieren, Tie Zweiten schlossen. Lieb' und Freud' erhofft, Und durch das Ganze all ihr Glück verlieren. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Dechiffrier-Ausgabe in voriger Nummer: Das sind die Weisen, Die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Irrtum beharren. Das sind die Narren. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,