Wz HM El Uli öl IM m.'.i , ii Donnerstag den 2- März ßu . Cv» hü! Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. Gvrkletzung.) (Nachdruck verboten.; Die Pastorin ^lag Int seidenen Himmelbett. Es war ein schönes, "großes Bett ans braunem Holz mit prächtigen Schnitzereien itnh Goldverzienrngen. Es war so breit, daß cs beim Umzug nicht durch die Türen gegangen war; man hatte es anseiuandersägen nnb mit Eisenhaken wieder zu- samrnenfügen müssen. Nun stand es in dem niedrigen Zimmer des Saalehauses und sah etwas verirrt aus. Die hohe Eisenstange, die den seidenen Himmel trug, stieß gerade an die Decke, und inan wußte eigentlich gar nicht recht, was dies Beit vorstellte. Es frappierte im ersten Augenblick durch feine Größe uns» Brette, und ntan mußte förmlich suchen, um die kleine Pastorin in den schwellenden Kissen zu finden. Ihre dünnen Aerinchen lagen auf der hellseidenen Steppdecke, und ihr schmales Gesicht, von den herabhättgenden, grauen Haaren umrahmt, sah erschreckend bleich und mager aus. ' Daß dieses wundervolle Bett so einfach verkommen mußte, daß kein Mensch es ordentlich lüftete, die Flecken ausrieb und die Risse zustopfte, das war der Kosh Jammer. Gern hätte sie einmal ein paar Nachmittage dafür geopfert, aber die Gräfin war ja so eigen, die mochte nicht, daß ntan ihr was zu Gefallen tat. „Gutett Morgen, Frau von Htlbach! Gesegnetes Neujahr!" begrüßte ste Frau von Htlbach. „Mir ist nicht ganz wohl; wir waren gestern bis nach zwei Uhr bei der Hänf- letn, nun, Und ich vertrage so was nicht!" „Bleiben Sie nur liegen!" bat Fran von Hilbach, als sie merkte, daß die Pastorin sich aufrichten wollte. „Ich suche mein Taschentuch!" sagte die. „Sehen Sie doch bitte mal nach, Frau von Hilbach. Wenn es nicht unter dem Kopfkissen ist, muß ich es in der Kleidertasche haben, ich wollte Ihnen die Miete bezahlen." Es war in der Kleidertasche. „So," meinte befriedigt die Pastorin, „nun muß ich aber auch mein Portemonnaie noch haben, denn in dem Taschentuch bewahre ich nur das Gold. Sehen Sie doch mal nach, ob es vielleicht auch in der Kleidertasche steckt!" Frau von Hilbach suchte und fand es nicht, und die Pastorin überlegte eine Weile. „Ah," sagte sie, „ja richtig, ich bin vorsichtig, Frau Von Hilbach. In dem großen Sessel, der am Ofen steht, hab ich's zwischen die Polster des Sitzes und der Armlehne geschoben. Greifen Sie ein bißchen tief hinein, dann finden Sie's." Ms Frau von Hilbach es ihr gebracht hätte, schüttete sie den Inhalt des Taschentuchs und des Portern"nnaies Kus ihre Steppdecke. „Einhundertfünfundsiebzig! Mark muß tch alles in allem noch haben; zählen Sie mal mit, Frau von Hilbach. Fünfundsiebzig Mark bekommen Sie, blieben mir hundert, nun ja, übermorgen bekomme ich Pension, es reicht wirklich gut diesmal, Feuerung habe ich noch bis April, auch Kartoffeln, ach, würden Sie nicht mal in der Küche nachsehen, ob meine Grude noch brennt; ich habe immer solche Angst, sie könnte ausgehen!" Auch das tat Frau von Hilbach imb setzte sich dann wieder an das Bett. „So! — Wollen Sie mir quittieren, Frau von Hilbach?" bat die Pastorin n.nd gab ihr ein Stück Papier. „Nun, Ihr Doktor ist ja jetzt wohl fort?" fragte sie nach einer Weile und sah Frau von Hilbach forschend an. „Ja," antwortete die leise, und ihr armes Herz zuckte wieder zusammen. „Es ist wirklich ein Jammer, daß Sie durch diesen: Badegast so gelitten haben im Ruf, Frau von Hilbach. Sie glauben gar nicht, was man sich alles erzählt. Früher hatte man Mitleid mit Ihnen, wenn man auch manches von Ihnen komisch fand, aber jetzt ist man entrüstet. Sie such aber auch wirklich zu unvorsichtig gewesen, Frau von Hilbach. Erstlich war es doch schon an und für sich komisch, daß Sie so monatelang neben ihm int Zimmer schliefen; dann ist's auch im ganzen Ort bekannt geworden, daß er jeden Abend bis spät in die Nacht bei Ihnen saß, und gestern, nein, Frau von Hilbach, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es nicht glauben. Die Hänflein hatte ihre Freundinnen, die Specht, die Apothekerin von drüben und ntich zur Neujahrsfeier mit Punsch und Pfannkuchen eingeladen. „Nun, da ich mich bei Ihnen in letzter Zeit so überflüssig fühlte, war ich natürlich froh, daß die Häuslein sich meiner annabm. Wir erzählten uns natürlich von dem und jenem, dre Specht und die Hänflein sprachen über das Pensionat, das sie in Naumburg einrichten wollen, — das wissen Sie doch, daß die sich jetzt ganz zusammentun, nicht wahr? — Nun, und von Ihrem Badegast sprachen wir auch, und die Specht behauptete, Sie hätten ein regelrechtes Verhältnis mit dem, Frau von Hilbach. Ich bestritt das natürlich und sagte, so was traute ich Ihnen denn doch nicht zu, nun, und dann mußten Sie mich selbst so sehr Lügen strafen." .. . „ „ Sie hielt einen Augenblick inne und sah forschen« in Frau von Hilbachs Gesicht. „Um zwölf, wie die Glocken läuteten und auf der Wilhelmsburg der Choral anging, sind wir auf den Balkon.gegangen, und die Specht sagte gleich: „In der großen Laube sitzt jemand!" Erst wollten sie die Köchin der Frau Häuflein herunterschicken, um zu sehen, wer es war, aber dann sagte die Apothekerin: „Einmal müssen sie ja doch wieder herauskommen; bei dev Kälte können sie doch nicht bis morgen früh drinbleibenl'< und wir warteten also trotz dem. Schnee. .Eine von MH 138 Web immer ein paar Minuten ans dem Balkon, und die sollte die andern rufen, wenn jemand aus der Laube kam. Die Specht steht gerade draußen, da schreit sie auf einmal: „Schnell! schnell!" und----nein, Frau von Hilbach, ich glaube, ich bin bis unter die Haare rot geworden. Richtig auf den Armen hat er Sie ja ins Haus getragen, und Sie hatten die Hände um feilten Hals geschlungen--- und dann ist er heut am frühen Morgen fort!! Das ist schlimm, Frau von Hilbach, das können Sie nie wieder gut machen. Die Specht und die Häuslein waren so empört, daß sie sagten, sie würden am liebsten gleich ziehen, und die Apothekerin wunderte sich, daß ich wohnen bliebe, aber wenn ich Sie auch verurteilen muß, Frau von Hilbach, ich will Ihnen doch nicht kündigen. Vielleicht ändern Sie sich jetzt!" „Ich bitte, Frau Pastor," antwortete 'Frau von Hilbach ruhig, „ich bitte'über solche Angelegenheiten nicht mit mir zu reden. Wenn Sie ziehen wollen, so nehmen Sie keine Rücksicht auf ruich." Die Pastorin sah sie starr an. So sprach eine, die ein Verhältnis hatte! Nicht einmal klein und beschämt war die! Frau von Hilbach sah durchs Fenster nach der Wilhelmsburg hinüber. Ja, von da waren sie gekommen, die wundervollen Klänge, die ganze Welt war erfüllt gewesen davon, wie ein einziges, großes Halleluja war das gewesen, wie ein brausender Chor von überirdischen Stimmen: „Ein feste Burg ist unser Gott!" und: „Ich komme wieder! ich komme ja wieder, Weibelchen!" Das löste sich aus all den Stimmen heraus und jubelte in ihrer Seele nach und riß sie heraus, hoch, hoch heraus aus allem Elend, aus oller Erbärmlichkeit. ,,iO du Armselige!" dachte sie, als sie die Pastorin mit dem verkommenen, mageren Gesichtchen vor sich liegen sah, „was weißt du denn von uns? Du und die Specht und die Häuflein, und all ihr kleinen, heuchlerischen Weiblein, die ihr bei der Leiche eines kleinen Vogels in Tränen zerfließt und kalten Herzens einen Menschen zu Tode martern könnt! Nein, so weit geht eure Macht nicht, nein, nein, nein!" Die Schwäche war von ihr gewichen; ruhig stand sie au der Pastorin Bett. „Für seine Handlungen ist jeder Mensch doch sieh selbst Verantwortung schuldig!" sagte sie noch, schob der Pastorin die Kissen zurecht und ging herunter. — „Nun? Alles in Ordnung?" fragte die Kosh und sah in banger Erwartung zu ihrer Herrin auf; aber als sie in deren ruhiges Gesicht blickte, wurde sie still. „Nun lesen Sie auch Ihre anderen Briefe!" mahnte sie und legte sie auf den Tifch. • Der erste enthielt einen Glückwunsch, im zweiten war die Rechnung des Schlossers, der damals bei Frau Lengerich das Schloß aufgebrochen und dann wieder neu eingesetzt hatte. „Die Rechnung geht uns nichts an!" erklärte die Kosh, -,die geben Sie mir mal her! Ich trag sie morgen früh zur Bürgermeisterei, das muß aus dem Nachlaß der Lengerich bezahlt werden." Sie schob den Zettel in die Tasche und ging in die Wche. Der dritte Brief war aus Naumburg, und Fran von Hilbach öffnete ihn zerstreut. Sie las und verstand nicht recht; sie mußte noch einmal lesen und konnte noch nicht recht verstehen. Beim dritten Male begriff sie, daß man die zweite Hypothek auf ihrem Hause kündigte, und sie begriff auch, daß das keine gute Nachricht war. „Zum ersten Juli erst!" sagte sie zu sich, legte den Brief fort und nahm sich vor, mit der Kosh nicht darüber zu reden; sie konnte heute nichts mehr von praktischen Dingen hören. Ihr Herz war so voll, sie mußte allein sein. „Nu hat man über all dem Aerger den schönen Gottesdienst versäumen müssen!" schalt die Kosy, als sie das Mittagsmahl auftrug. „So, Fran von Hilbach, essen Sie mal, Sie sehen erbärmlich aus. Den Kaffee stell ich Ihnen in die Röhre; ich geh in den Nachmittagsgottesdienst und nachher ein bißchen zur Frau Belzig, die hat sich schon lange eine Aussprache mit mir gewünscht. Weun ich Sie wär, Frau von Hilbach, ich nahm das Jungchen und liefe mit ihm auf di« Rudelsburg. Die Luft ist still, und der Schnee ist hartgefroren, und draußen vergaßt man am leichtesten seinen Kummer. Raffen Sie sich mal auf, Sie haben's wirklich nötig." — „Komm, Jungchen," sagte Frau von Hilbach nachdem die Kosy gegangen war, „komm, wir laufen!" Sie zog ihrem Kind Pelzmütze und Fausthandschuhe und den dicken Wintermantel an, hüllte sich selbst, warm ein und lief über die Brücke, die Chaussee hinauf, weiter, immer weiter. Das Jungchen jauchzte und tollte immer ein paar Schritte vorauf, und je höher sie kamen, desto leichter, freier und hoffnungsvoller wurde das Herz seiner Mutter, und wie sie ganz oben standen, auf der T!errasse> da, wo die Fahne von dem Türm herunterweht, da ganz oben auf der Wilhelmsburg, von wo sie gestern den Choral ins Tal heruntergeschmettert hatten, da jubelte es in Frau von Hilbachs Seele, die Tränen stürzten ihr aus den Augen, sie mußte die Arme ausbreiten: „Du, o du! ja, du kommst zurück, du holst mich, du kannst nicht lügen, du kannst nicht schwach und klein sein!" Wie sie diese Worte sagte, sah sie plötzlich etwas Sonderbares vor sich: Hier oben stand sie mit ihrem Kind auf der Höhe eines Berges, und drüben, auf der andern Seite, auf einem höheren Berge stand er, und sie breiteten beide die Arme nacheinander ans. Aber zwischen ihnen lag ein großer, weiter Weg, der war voll von viel tausend Hindernissen, an denen ihr Fuß straucheln konnte, lauter falsche Hindernisse, die viele Menschen bewegen, umzukehren und sich zu bescheiden. Sie aber wußte: über Tiefen und Höhen, über Haß und Berleunidung, über alles, alles, was sich ihr und ihm in den Weg stellen würde, trug ihre Liebe sie hinweg, und konnten fte nicht gehen, so flogen sie, aber zueinander kommen, das würden sie, und wenn die Welt unter ihnen in Trümmern zerfallen sollte. „Wink doch einmal unferm Hans, Mütterchen!" sagte Erwin und schwenkte sein Tuch in der Luft. „Tag. Haus!" rief er, und Frau von Hilbach lächelte, aber als sie das alte, langgestreckte Haus da unten am ©aaieiijer so still und grau liegen sah, zog es wie ein Strom von Zärtlichkeit i. .j Liebe in ihr Herz. „Biel, viel Sorgen machst du mir," sprach sie, „aber was ist das gegen das Glück, das du mir gebracht?" und sie winkte mit ihrem Kind und sah zu den Fenstern von des Doktors Zimmer. Da brach die Sonne leuchtend durch, und das Witwenhaus lag wie in einem roten Feuerschein und sah plötzlich froh und jung und luftig aus. „Als ob es lachte!" sagte Erwin, und Frau von Hilbach küßte ihr Kind. „Es lacht ja auch, Jungchen! Es freut sich, weil wir so froh sind." — (Fortsetzung folgt.) Die verschwundene Braut Eine Detcktivgeschichte von Conan Doyle. (Schluß.) (Nachdruck verboten.) Unmittelbar vor neun Uhr trat Holmes lebhaften Schrittes ins Zimmer. Seine Züge trugen einen ernsten Ausdruck, doch ersah ich aus einem gewissen Glanz in seinen Augen, daß der Erfolg seinen Schlüssen recht gegeben habe. „Also das Abendessen ist bereit," sagte er und rieb sich die Hände. „Es scheint, du erwartest Gesellschaft; es sind ja fünf Gedecke." „Wir müssen uns heute auf einige ungebetene Gäste gefaßt machen," meinte er. „Mich wundert nur, daß Lord St. Simon noch nicht da ist. Doch eben höre ich seinen Tritt auf den Treppe,wie es scheint." Es war wirklich unser Besuch vom Bormittag, der jetzt hereiu- ftiinnte und mit verstörtem Ausdruck in den aristokratischen Zügen seinen Zwicker noch eifriger um die Finger schwang als sonst« „Mein Bote hat Sie also getroffen?" fragte Holmes. „Jawohl. Und ich muß gestehen, was er mir ausrichtete, war mir über die Maßen verblüffend. Haben Sie einen sichern Beweis für Ihre Behauptung?" „Den besten, der sich denken läßt." Lord St. Simon sank -auf einen Stuhl und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Was wird der Herzog sagen," murmelte er vor sich hin, „wenn er hört, welche Demütigung einem Mitglied der Familie widerfahren ist." „Es ist lediglich eine unglückliche Verkettung von Umständen« Daß es sich dabei um eine Demütigung handelt, kann ich überhaupt nicht zugeben." „Sie sehen eben diese Dinge von einem andern Stand!- punkt an." „Ich kann mich nicht überzeugen, daß irgend jemand eine Schuld trifft. Die junge Frau hätte im Grunde kaum anders 139 Vaudektt können. IW schroffes Vorgehen Labei! ist freilich zu bedauern; aber sie stand ohne Mutter da und hatte somit keinen Menschen, der ihr in dieser kritischen Lage raten konnte." „Es war eine entwürdig ende Behandlung, eine öffentliche Beschimpfung," ries Lord St. Simon ßind trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. „Sie müssen den: atmen Mädchen etwas zu gute Halten, has sich in einer so überaus schwierigen Lage befand." „Ich bin nicht in der Stimmung, irgend jemandem etwas zu gute zu halten. Ich bin aufs äußerste empört. Man hat mir schmählich mitgespielt." ■ „Ich glaube, es hat geklingelt," unterbrach ihn Holmes., Jawohl, es lassen sich unten Schritte vernehmen. Ta ich Sie Nicht überreden kann, die-Sache in milderem Lichte zu sehen, Lord St. Simon, so habe ich hier einen Anwalt bestellt, der es vielleicht besser zu Wege bringt." Damit öffnete er die Tür und ließ eine Dame und einen Herrn eintreten. „Lord St. Simon," wandte er sich an diesen, „gestatten Sie mir. Ihnen Herrn und Frau Hay Moulton vorznftellen. Die Dame ist Ihnen wohl bereits bekannt." Beim Erscheinen der neuen Ankömmlinge war der Lord sofort von seinem Sitz aufgesprungen; mit zu Boden gesenktem Blick, die rechte Hand vorn in den Rock gesteckt, stand er da — ein Bild beleidigter Würde. Die junge Frau tat einen raschen Schritt auf ihn zu und streckte ihm beide Hände entgegen, aber er schaute Picht empor. Und wofern er fest bleiben wollte, !vas dies wohl auch das beste, denn dein bittenden Ausdruck ihres Gesichtes war picht leicht zu widerstehen. „Du zürnst mir, Robert?" sagte sie.. „Freilich, du hast wohl guten Grund dazu." „Nur fente Entschuldigungen," erwiderte der Angeredete bitter. ... „Ich weiß wohl, ich habe wirklich unrecht an dir gehandelt; ich hätte dies sagen sollen, ehe ich davonlief. Aber ich war ganz aus dem Häuschen; sobald ich meinen Frank wiedergesehen hatte, wußte ich wirklich nicht mehr., was ich tat und sagte. Ich wundere mich nur, daß ich nicht gleich vor dem Altar ohnmächtig wurde und hinfiel." „Vielleicht märe es Ihnen erwünscht, Frau Moulton, wenn ach mit meinem Freund während dieser 'Erörterungen das Zimmer verließe?" warf hier Holmes ein. „Wenn ich meine Meinung äußern darf," ließ sich jetzt der fremde Herr vernehmen, ,,so haben wir die Sache bisher schon mit allzu viel Heimlichkeit betrieben. Meinethalben könnte die ganze Welt erfahren, wie es alles zugegangen ist." Es war ein kleiner, geschmeidiger, sonnenverbrannter Mann^latt rasiert, mit klugem Gesicht und lebhaftem Wesen. „Dann will ich unsere Geschichte frischweg erzählen," sagte • Fran. „Frank und ich trafen uns im Jahr 1884 tu Me. Quires Camp am Felsengebirge, wo Papa eine Grube besag. Wir verlobten uns miteinander; allein eines Tages streß Papa auf eine reiche Ader in der Grube und gewann mächtig viel Gold, während der arme Frank aus feiner Grube immer weniger herausschlug und zu nichts kam. Je reicher Papa wurde, um so ärmer wurde Frank, zuletzt wollte Papa nichts mehr von unserer Verlobung hören und tat mich fort nach Frisco.*) Aber Frank wollte nicht von mir lassen; er folgte mir und traf ohne Papas Wissen mit mir zusammen. Hätten wir es ihm gesagt, so wäre er nur in Wut geraten, deshalb machten mir die Sache für uns allein ab. Frank erklärte, er wolle fortgehen und auch sein Glück machen; erst meint er so viel habe mie Papa, rnerde er miederconinien und seine Rechte an mich geltend machen — nicht sürher. So versprach ich ihm denn, auf ihn zu warten in alle Ewigkeit, und gab ihm mein Wort, feinen andern zu heiraten, so lange er am Leben sei. „Warum sollten wir aber nicht frischweg heiraten?" meinte er, „dann bist du mir sicher; meine Rechte als Ehemann mache ich erst geltend, wenn ich zurückkomme." Wir kamen bald darüber ins reine, und er hatte alles so hübsch eingesädelt, ein Geistlicher wartete schon, daß wirs gleich auf der Stelle abmachten; Frank ging dann fort sein Glück zu suchen, unb ich kehrte zu Papa zurück. „Das nächste, das ich von Frank hörte, mar, daß er in Montana fei; sodann begab er sich nach Arizona, um sich dort umzusehen; und hierauf bekam ich Nachricht von ihm aus Neu- Mexiko. Eines Tages stand eine lange Geschichte in den Zeitungen, irne die Apache-Judiailer ein Goldgräberdors überfallen hätten, ünd dabei mar mein Frank unter den Erschlagenen cmfgeführt. Ich siel um wie tot und mar monatelang schwer krank: Papa Meinte, ich habe eine zehrende Krankheit und brachte mich von ernem Arzt in Frisco zum andern. Ein Jahr oder noch längera hörte ich fein Wort mehr von Frank, so daß ich fest glaubte, er Zer wirklich tot. Darauf kam Lord St. Simon nach Frisco, tpater reiften wir nach London, und die Heirat kam zu stände. Papa mar sehr froh darüber; aber ich fühlte stets, daß kein -anderer Mann auf bicfer Welt je den Platz in meinem Herzen cmnehmen würde, der meinem armen Frank gehörte. „Trotzdem würde ich Lord St. Simon eine pflichtgetreue! AEfn gewesen sein, falls ich seine Frau geworden märe. Unsere Gefühle haben mir nicht in der Gewalt, wohl aber unsere Hand- K* - --- ‘ Abkürzung von Sau Francisco. kungelt. Als ich Mik i&m vor den Altar trat, war es mein fester Vorsatz ihn glücklich zu machen. Aber Sie können sich denken, mie mir zu Mute mar, als ich gerade beim Hiniretew vor den Altar zufällig hinter mich schaute und Franks Augen aus der ersten Sitzreihe unmittelbar auf mich gerichtet sah. Ich meinte zuerst es sei sein Geist, aber als ich wieder hinschaute, stand er noch immer da und blickte mich mit einem so eigentümlichen Ausdruck an, als wollte er fragen, ob mir seine Gegenwart erwünscht sei ober nicht. Ich wundere mich nur, daß ich nicht in Ohnmacht siel. Alles drehte sich mit mir im Kreise und die Worte des Geistlichen klangen mir im Ohr wie Bieneil- suimnen. Was sollte ich tun? Sollte ich die Trauung unterbrechen juliib einen Austritt in der Kirche üerantaffen. Ich blickte noch einmal nach ihm hin, und er schien meine Gedanken zit erraten, beim er legte den Finger an die Lippen, zum Zeichen, daß ich nichts sagen solle. Dann sah ich ihn etwas auf ein Stückchen Papier kritzeln — offenbar eine Notiz für mich. Beim! Vorübergehen an seinem Platz ließ ich mein Bouquet vor ihm hinsallen, und als er es mir znrückgab, brückte er mir das Zettelchen in die Hand. Es enthielt nur mit ein paar Worten die Aufforderung, zu ihm zu kommen, sobald er mir ein Zeichen geben würde. Ich mar natürlich keinen Augenblick mehr int unklaren darüber, daß meine Pflichten in erster Linie jetzt ihm gehören, und beschloß deshalb, einfach feiner Leitung zu folgern Zu Hanse sprach ich mit meiner Zofe, die ihn schon in Kalifornien gekannt hatte und ihm immer wohlgesinnt gewesen! war. Ich hieß sie reinen Mund halten, ein paar Sachen einpacken und mir Hut und Mantel zurecht legen. Ich weiß wohl/ ich hätte mich mit Lord St. Simon verständigen sollen, abev das wäre eine furchtbare Aufgabe vor feiner Mutter und alst den vornehmen Leuten gewesen. So entschloß ich mich, auf* und davonzugehen und die Erklärung auf später zu verschieben Ich saß noch keine zehn Minuten bei Tische als ich Frank durch das Fenster auf der Straße drüben erblickte. Er nickte mir zn und schlug bann ben Weg nach dem Park ein. Ich schlüpfte hinaus, zog meine Sachen an und ging ihm nach. UnterroegS trat eine Frauensperson zu mir heran, um mir irgend etwas über Lord St. Simon nritzuteilen — nach dem wenigen, was ich davon verstand, schien es mir, als habe auch er.vor der Hochzeit schon eine kleine Heimlichkeit gehabt — aber ich machte, daß ich von ihr wegkaui und holte Frank bald ein. Darauf fuhren mir zusammen nach Gordon-Square, wo er eine Wohnung genommen hatte, und nun war ich nach den langen Jahren des Harrens wirklich mit meinem Gatten vereint." „Frank war bei den Apachen gefangen gewesen, mar aber entflohen und nach Frisco gelangt, !vo er erfuhr, daß ich ihn als tok aufgegebai halte und nach England gegangen mar; er reifte mir dahin nach und traf mich schließlich gerade am Morgen meiner zweiten Hochzeit." „Ich las dauon in einer Zeitung," erklärte der Amerikaner, „der Name der Braut und die Kirche waren darin genannt, aber die Wohnung der Dame nicht angegeben." „Wir besprachen uns nun darüber, wie mir uns verhalten sollten, und Frank mar für volle Offenheit; aber ich schämte mich so sehr, daß ich nur den einen Wunsch hatte, zu verschrninden und von den Hochzeitsgästen keinen je wieder zu sehen. Höchstens wollte ich an Papa eine Zeile schreiben, zum Zeichen, daß ich noch am Leben sei. Es war gräßlich für mich, wenn ich mir vorstellte, wie alle die hochadligen Herren und Damen um die Hochzeitstafel herumsaßen und auf meine Rückkehr warteten. So nahm denn Frank meine Hochzeitskleider, packte sie yifamnten, damit man mir nicht auf die Spur käme, und warf das Bündel! irgendwo hinweg, wo fein Mensch es finden könnte. Morgen würden wir höchstwahrscheiirlich schon nach Paris abgereift fein, wäre nicht der gute Herr Holmes heute abend bei uns erschienen. Wie cS ihm gelungen ist, uns aufzusinden, geht freilich über meinen Verstand; er setzte uns ganz klar und freundlich auseinander, daß Frank recht hätte und ich unrecht, und daß wir beide durch solche Heimlichkeit einen falschen Schein auf uns laden würden. Dann schlug uns Herr Holmes vor, in seiner Wohnung mit Lord St. Simon allein zu einer Besprechung zusammenzutreffeii, und wir begaben uns ohne Verzug hierher. Nun hast du alles gehört, Robert; es tut mir sehr leid, wenn ich dir wehe getan habe, aber ich hoffe, du denkst baritm nicht allzuschlecht von mir." Lord St. Simon hatte feine steife Haltung die ganze Zeit über beibehalten und mit gerunzelter Stirn und zilfammenge- knifsenen Lippen der langen'Erzählung zugehört. „Sie werden entschuldigen," erwiderte er, „aber ich bin nicht! gewohnt, meine intimsten persönlichen Verhältnisse so öffentlich zu erörtern." „Dann willst du mir also nicht vergeben — mir nicht noch einmal die Hand reichen, ehe ich fortgehe?" „O gewiß, wenn es Ihnen Vergnügen macht." Er streckte die Hand aus und ergriff kalt die ihm bargebotene Rechte der jungen Frau. „Ich hatte gehofft," warf Holmes ent, „Sie würden uns bei einem gemütlichen Abendessen Gesellschaft leisten." „Damit verlangen Sie beim hoch wohl etwas zu viel von mir," erwiderte Seine Lordschast. „Es Bann ja fein, baß ich genötigt bin, mich bei biefeit Enthüllungen zu beruhigen, aber man kann doch kaum von mir erwarten, daß ich noch gute Miene *—e 140 **••» KN dem" -öskSr Spiel ntache. Gestalten See mit, Jlinue t.MfiiintJ eitle recht gute Nacht 51t wünschen.' Damit ll" len eilte gemeinsame Verbeugung und schritt zur ^Kr Henaus. „Nun, dann werden Sie uns doch wenigstens sicherlich mir to(n-er (Gesellschalt beehren," wandte sich Holmes all Herrn Ai onl- tvn. Es ist mir jedesmal eine Freude, wemr ich einen Ange^>rtgm des große» freien Staates treffe, der unter seinem Sternen- und Streifenbanner der ganzen Welt auf der Balm der Fr^rchit und des Fortschrittes so herrlich voranleuchtet! * ,Das war einmal ein interessanter Fall," bemerkte Holmes, pls unsere Gäste uns verlassen hatten, „man konnte daran recht deutlich sehen, wie einfach sich oft die Dinge aufklaren, die einem auf den ersten Blick ganz rätselhaft vorkommen, Wie ttar und Natürlich entwickelte sich in der Erzählung der imtgc« Frau em Ereignis ans deut anderen, und lvie verblüffend kam einem dte ganze Angelegenheit vor, wenn man sie zum Beispiel mit den Klugen des Herrn Lcstrade von der Geheimpolizei ans ah! „So warst du selbst gar nicht auf einer falschen Fährte?" „Von Anbeginn stand mir zweierlei Kar vor Augen, einmal, daß die Braut der Hochzeit ganz freudig entgegenging und sodann, daß sie wenige Minuten nach der Rückkehr ans der Kirche anderen Sinnes würde. Offenbar Ivar demnach im Laufe des Vormittags etwas vorgefallen, das diese Wirkung hervorbrachte. Was konnte es sein? Gesprochen hatte sie außerhalb des Hauses mit niemand, da sie ihrem Bräutigam nicht von der Seite gegangen war. Hatte sic aber jemand gesehen, so nmßte dies remand au» Amerika gewesen sein, denn während ihres kurzen Aufenthaltes hier zu Lande hatte keiner so viel Einfluß auf sie gewinnen können, daß, fern bloßer Anblick eine völlige Sinnesänderung 6et ihr bewirkte. Du siehst, durch Ausschließung anderwetter Mögltchketten sind wtr bereits zu der lteberzengung gelangt, daß sie wohl jemand au» Amerika werde gesehen haben. Wer konnte Nwhl dieser ^inerikaner sein, der eine solche Macht über sie besaß? Vielleicht ein Liebhaber, möglicherweise aber auch ein Gatte. Daß ste thre^mgend- jahre in wilden Gegenden itnb unter eigentüinltckpn Verhalttttssen verlebt hatte, war mir ja bekannt So weit war tch bererts gelangt, ehe ich das erste Wort aus Lord St. Stmvns, Munde oer- !nahnr. Als dieser dann von dem Zuschauer vont tu der ersten Wank -und von der Beräitderung erzählte, die nachher ^plötzlich mit der Brant vor sich ging, wie sie ihr Botckett vor den fremden hinfallen ließ, zu dein höchst durchttchttgen Zwecke, sich dabet von demselben einen Zettel zustecken zu lassen, rote sie sich dann nut ihrer Vertrauten besprach und dabei dte sehr bezeichnende An- heutnng von „ins Gehege kommen" fallen lieg, 'was tu dem Gold- qräber-Rotwelsch so viel bedeutet, als Besitzchon etwas ergreifen, worauf einem anderen ältere Ansprüche zu stehen • so war die mauze Sachlage völlig klar. Sie mußte mit entern Manne auf Iund davongegangen sein und zwar entweder mit einem Liebhaber oder mit einem Gatten, ivobei übrigens dte größere Wahrscheinlichkeit für letzteres sprach." . „„ „Aber wie in aller Welt hast du die beiden «ufgefunden? „Das wäre freilich schwierig gewesen, allein Freund Lestrade hielt Anhaltspunkte hierfltr in Händen, von deren Wert er selbst feine Ahnung hatte. Die Anfangsbuchstaben waren natürlich von höchster Wichtigkeit, aber noch viel wertvoller war der Nachweis, daß der Gesuchte im Lauf der letzten Woche sich tit einem her ersten Gasthöfe Londons seine Rechnung hatte ausstellen lassen. Was brachte dich darauf, daß es einer der ersten Gasthofe sein müsse?" „Die ausgesucht hohen Preise. Acht Schilling für ein Bett Mb acht Pence für ein Glas Sherry wiesen auf einen bet allcr- feuersten Gasthöfe hin. Es gibt nicht viele hier, dte ihre Preise in so unvernünftigem Maße schrauben. Schon in dem Swetten Gasthof, in der Rorthumberland-Avenue ersah ich aus dem Buch, daß ein Herr Francis H. Moulton aus Amerika erst am Tage vorher ausgezogen war, und bei Durchsicht der auf seinen Namen eingetragenen Posten entdeckte ich wörtlich diejenigen, worüber er Rechnung erhalten hatte. Etwaige stir ihn eiutrestende Briefe sollten ihm nach 226 Gordon-Sqnare nachgesandt werden. So fuhr ich dahin und hatte das Glück, das liebende Paar zu Haufe zu treffen. Ich erlaubte mir, ihnen einige väterliche Ratschläge M erteilen und ihnen klar zu machen, daß sie in jeder Beziehung Vesser tun wurden, sich sowohl vor der Welt als insbesondere gegen Lord St. Simon über das Verhältnis, in dem sie zueinander; stehen, so deutlich wie irgend möglich auszusprechen. Ich machte tonen den Vorschlag, hier mit dem Lord zusammenzutreften, und, wie du gesehen hast, sind sie darauf eingegangeu." , „Damit haben sie aber nicht viel erreicht," bemerkte /ich. s/Seilt Verhalten war kein sehr liebenswürdiges." „Ach, Watson," erwiderte Holmes heiter, „du wärest auch vielleicht nicht gerade besonders liebenswürdig, wenn du , dich wach all ben Mühen und Sorgen des Brautstandes mit einem Schlage um Gattin und Vermögen betrogen sehen müßtest, ßrfj Meine, wir haben allen Grund, Lord St. Simon recht milde zu beurteilen nist» unserem Glücksstern zu danken, daß wir voraussichtlich niemals in eine ähnliche Lage geraten werden. Komm, setze dich hierher zum Feuer und reiche mir meine Violine, wir haben ja jetzt Nur Noch das eine Problem zu lösen, wie wir uns diese :fnfieren Herbstabende aus möglichst angenehme Weise vertreKÄ wollen." ______ Dertnifcbk». * Der Wert der Männer schönheit. Endlich ist das Vorurteil, daß nur die Frauenschönheit ihren Wert hat/ beseitigt. Pariser Richter haben entschieden, daß auch für das männliche Geschlecht die Schönheit ein kostbärer Schatz ist. Bei einem Wagenuniall hatte ein Knabe eilte Gsichtsverletznng davon- netragen, deren Folge es sein wird, daß er sein ganzes Leben lang zwei deutlich sichtbare Narben an der Nase tragen muß/ die ihn nicht wenig entstellen werden. Der Anwalt der w klagten Partei wollte zwar Nachweisen, daß für den Mann ixte Schönheit ohne praktischen Wert fei, aber die Richter waren anderer Ansickt, sic gestanden auch dem Manne den Altspruch und das Recht auf die Schönheit zu, und der Knabe erhalt fnv die Entstellung seines Antlitzes einen Schadenersatz von 2000 Frs, Nicht allzuviel, doch immerhin genug, um der Entscheidung prinzipielle Bedeutung zu gewähren. , * Rabeneltern. (Eine Ehrenrettung-. Im sogenannte» Jahrhundert des Kindes, das uns sogar einen Verein M Kinderschuh gebracht hat, liest man mehr als sonst das böse Wort „Rabeneltern". Um es gleich zm sagen: das Wort ist für den wirklichen Rabenvater und die echte Rabenmutter eine Verleumdung und Ehrabschneiberei schlimmster Art, und der a-eut>che Sprachverein hofft, sich den Dank des Tierschutzvereins zu ver- dienen, wenn er hier versucht, den Raben weiß zu wa>chen. U». gab eine Zjeit, wo dieser Vogel das höchste Ansehen genoß., Als Tier des Schlachtfeldes gehörte er zur nächsten Umgebung des höchsten Gottes (Wodan, Odin), der zugleich Schlachtengott war. Die Nvrdgermanen dachten sich Odtn mit einem Raben auf jeder Schulter, und so hat er noch heute in linieren Namen (Wolfram, aus Wolfhrabau, Bertram u. a.) einen Ehrenplatz. Natürlich tat ihn nach der Bekehrung der Germaiien zum Ehnsten- tum die Geistlichkeit, weil er zum heidnischen Glauben gehörte- in Acht und Bann, und es ist nicht ausgeschlossen daß damals die Geistlichen jene böse Mär erfunden haben, daß die Ramm, bei allzu reichlichem Kindersegen einen Teil ihrer Sproyltuge kurzerhand aus dein Neste an die Lust beorderte«. Da» emW unter vielen anderen Fabeleien die älteste deutiche Naturgeschlchte Von Kotirad von Megenberg (1350). Rollenhagen m seinem ,ycoW meuseler (1595) berichtet sogar, daß sic ihre Kinder int Rests zerreißen. Ein Unglück kommt selten allein. Da der Rabe in der Nähe des Galgens ständiger Gast war, so 'nannte mau den gemauerten Richtplatz Rabenstein, einen Menschen, den man gern am Galgen baumeln gesehen hätte, Rabenmann, Rabeututwr, Rabenaas, die Weiber Rabenstück, Rabenhaut, Rabenbrateu usw. So wurde schließlich Raben ganz allgemein zur Verwünschung, zu. einer Art Fluch, wie heute noch der Steiermärker rabenfalsth, raben-. sauer, rabenzähe usw. sagt. Neben jener Wen naturwisienlchaft- lichen Meinung begünstigte also auch der Sprachgebrauch das Entstehen der Worte Rabenvater, Rabenmutter, Rabeneltern. Dem gegenüber erzählte vor einigen Jahren tn bet „Straßburger Post ein Forstmann ein Beispiel rührendster Anfopferung einer Rabenmutter für ihre Kleinen uiid wies auf das Unrecht hin, das man beit Rabeneltern tue. Auch in Brehms Tierleben liest man, daß „alle Raben, dem verleumderischen Sprichvore zum Trotze, als die treuesten Eltern bezeichnet werden dürften." Warum vertvendet man nicht lieber, um lieblose Eltern zu bezeichnen, den Kuckuck? Das Kuckncksweibcheit sicht ja ledes remde Nest als Findelhaus an, legt seine Eier hinein und kümmert sich nicht mehr darum, Artthmogriph. 1 5 3 4 9 8 7 berühmter Badeort. 2 7 1 5 10 7 ein Königreich. 3 5 4 2 9 7 ein Planet. 4 5 7 7 9 ein Baum. 5 2 1 2 3 4 männlicher Vorname. 6 9 7 2 3 eine Göttin. 7 8 5 1 5 10 5 Strom in Nordamerika. 8 10 5 7 asiatisches Hochland. 9 8 3 11 9 8 4 eine Erdperwde. 10 9 8 3 ausländische Getreideart. 8 7 3 4 9 10 Fluß int Norden Deutschlands. 4 8 1 9 10 ein Raubtier. 11 9 8 3 8 1 ein Singvogel. Die Anfangsbuchstaben der gefuiidenen Wörter ergeben der Reihe nach von oben nach unten gelesen den Namen eines Jugendschriststellers. (Auflösung in der nächsten Nummer). Auflöfuug des magischen Dreiecks in voriger Nummexr GEORG EULE OLM R E G Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'icken Universitäts-Buch- und Steiudruckereh R. Lange, Gieße» I I i 1 1 1 1 ( < t l i ) I < I » 1 r i < I