Donnerstag den 2. Februar s Z-LLLL V Ml 1 7?' ' ZZ^W iS tfrBll njljg Pi- 16 L< 71 Ä Das Witwenhaus. Roman von Halene von May. . n. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Frau von Hilbach sah »nicht mehr den tiefblauen, warmen Herbsthimmel; sie sah nicht den herrlich gefärbten Wald und den glrtzernden Strom, nicht die Berge and Burgen, die tu einer- 'alten, milden Glanz geraucht waren. Am frühen Morgen war es ihr gewesen, als müsse ihr heute etwas Frohes, so etwas ungeahnt Schönes he- gegnen, und nun hatte sie das kleine, armselige Weibchen, bas sich doch selbst so ganz von der allgemeinen Heerstraße abgesondert hatte, aus aller Freudigkeit herausgezerrt, wischte die frohen, hellen Farben aus und malte ihr ein Bild so trüb und grau und kalt, daß es wie ein Schauer durch Frau von Hilbachs Seele ging. Es gab Tage, an denen sie etwas wie Liebe zu dem alten Saalehaus empfand. Die kleinen, niederen Zimmerchen drückten sie dann nicht mehr, sie fand alles warm und traut und behaglich. Das Haus kam ihr vor, wie eine liebe, steinalte Großmutter, die mit ihrem Märchenzauber aus längst verflossenen Zeiten alles um sich herum einspann, die es verstand, bvennende Wunden mit weicher Hand zu kühlen und wilde Wünsche zu Ruhe zu bringen. Aber manchmal stand ihr dann das Haus wieder gegenüber wie ein böser, tückischer Feind, der viel, viel stärker war als sie selbst, oder sie sah es in Gestalt eines gewaltigen, wilden Tieres mit weitaufgerissenem Rachen und zum Schlag erhobener Taste, und bann hätte sie ihr Kind nehmen mögen und fliehen vor dem alten, unheimlichen Haus, weit, weit, irgendwohin, wo viel Menschen waren, wo sie ihre Angst und ihr Granen los wurde. Sie hatte auch so viel bange, entsetzliche Nächte wegen des Hauses gehabt; die waren immer gekommen, wenn jemand sich über eine Sache beschwert hatte, die sie nicht ändern konnte. Dann hatte sie oft geträumt, das Hans habe sich mit all seinen Insassen auf ihre Schultern gestellt und wolle sie zu Boden drücken, und sie mußte doch ihr Kind ernähren und durfte sich nicht so einfach überwältigen lassen, und sie trug die entsetzliche Last mit zitternden Knreen in der steten, schrecklichen Furcht: „Deine Kräfte werden nicht reichen, du wirst doch unterliegen, und dein armes Kind steht dann ganz, ganz allein in der Welt!" Heute, an diesem sonnigen, frohen Herbsttag hatte ihr die grausame, kleine Pastorin wieder die furchtbare Last auf die Schultern geladen, und Frau von Hilbach ging wie eine alte, gebeugte Frau dahin, und wie ihr Kind ihr einen Strauch von rotem Giftmohn brachte und mit strahlenden Augen zu ihr aufsah, da mußte sie sich an den Waldrand hinsetzen unb weinte in einem bitteren, haltlosen Schmerz. „Aber, Kindchen, Kindchen!" sagte die Pastorin erschrocken. „Das hab ich doch nicht gewollt, ich wollte Sie doch nicht traurig machen. Wie kann man denn übeL so was weinen?" „Sagen Sie nichts mehr, Frau Pastorin!" bat Frau von Hilbach, „ich war so froh und glücklich heute, und nun auf einmal weiß ich wieder, daß ich kein Recht auf Glück und Freude habe, daß ich mich immer sorgen und! grämen muß!" „Kein Recht auf Glück und Freude? Nein, da irren Sie sich, Frau von Hilbach. Das Recht hat jedermann. Aber Sie dürfen auch nicht alles so persönlich nehmen! Ihnen kann das doch gleichgültig sein, ob der Fran Lengerich ihr Mann ein Mörder war und aufgehängt wurde und auch, ob der Fran Natusius ihre Frieda ein Kind bekommt. Nur.dafür müssen Sie sorgen, daß Sie dadurch nicht zu Schaden kommen. Jeder ist sich doch selbst der Nächste, das dürfen Sie nicht vergessen!" „Ach, Frau Pastor," klagte Frau von Hilbach, „jetzt sagen Sie, jeder ist sich selbst der Nächste, und gerade Sie haben mir doch so oft gesagt, Ihr seliger Manu hätte so gern über den barmherzigen Samariter gepredigt. Ich kann mich nicht ändern, und vielleicht ist's ein Unglück, daß ich so viel mit anderen Menschen fühle, aber es ist doch nun einmal so!" „Ach, Frau von Hilbach," jammerte die Pastorin, „nun sind Sie ärgerlich auf mich, und ich wollte Ihnen doch nur einen guten Rat geben. Wenn Sie jetzt Ihrer Frau von Kosezyskowskh erzählen, daß ich Sie traurig gemacht habe, bann läßt die ihren Aerger wieder au mir aus, unb ich habe darunter zu leiden. Vor Oktober wollte sie mir meine Grude noch instand bringen, aber wenn sie jetzt eine Wut auf mich bekommt, tut sie es natürlich nicht, und ich werde auch abends nicht mehr herunterkommen können!" „Nein, die Kosh soll keine Wut auf Sie bekommen, Frau Pastorin, das verspreche ich Ihnen. Aber tun Sie mir einen Gefallen, ja, bitte, lassen Sie mich jetzt allein, ich mag nicht mehr reden. Ich will mit dem Jungen ein Stückchen die Rubelsburg hinauf, vielleicht wird mit bann besser." „Ich wäre ja ganz gern mitgegangen!" sagte die Pastorin etwas gekränkt, aber natürlich, wenn ich lästig! falle!" Ehe sie geendet hatte, war aber Frau von Hilbach schort fort, und die Pastorin blickte ihr mit einem merkwürdigen Lächeln nach. ,Melleicht hat die Specht so unrecht nicht, wenn sie behauptet, die junge Frau sei ein bißchen eigen unb habe überspannte Gedanken!" meinte sie sinnend, und weil sie sich allein im Wald fürchtete, trat sie schnell den Heimweg an. , . Der Fran von Hilbach wurde es mit jedem Schrttt, den sie nun allein in der prachtvollen tzerbstlandschaft ging. 74 — Wohler zumute. Sie hatte plötzlich wieder das frohe, leichte Gefühl, als sei die häßliche Gegenwart nur em Traum, aus dem sie heute oder morgen erwachen mußte, und wie sie endlich mit ihrem Kind auf der Hohe des Jung-Bismarckdenl'mals angekommen war und all den Glanz und die Pracht um sich erblickte, da staunte s,e über sich selbst, daß ein paar vergrämte, kleinliche, doch Werblein so viel Macht Über sie hatten, daß sie sich von ihnen in einen grauen Alltag herunterzerren ließ, anstatt ]icf) über sie zu stellen und auf all die Gehässigkeit und Erbärmlichkeit verächtlich herabzuschauen, Sie wollte nun nicht mehr leiden, sre wollte honen, wollte Zutrauen haben, denn sie erinnerte sich genau, daß ihre Mutter ihr oftmals gesagt hatte, ohne den festen Glauben an das Glück käme es nicht zum Menschen, und wenn einer mit aller Macht glücklich sein wolle, dann könne er sich das Gute mit seinem festen Willen erzwingen. Die Kost) wollte ein bißchen verdrießlich tun, weil ihre Frau erst um vier Uhr zur Kaffeezeit nach .Hause kam und ohne Mittagessen geblieben ivar, aber tote sie hörte, daß sie die Pastorin zurückgeschickt hatte und allem auf die Rudelsburg gelaufen sei, da war sie versöhnt. Das hatte sie gern, wenn Frau von Hilbach frisch war Und wohl aussah. Und ein vergeblich zubereitetes Mittagessen war dagegen etwas sehr Nebensächliches; das konnte sie am Abend g:t wieder aufwärmen. Sie.hatte inzwischen die beiden Border- stiibcheu wieder so hergerichtet >vie im vorigen Winter. Das rechte Fenster war für Frau von Hilbach und das linke für das Jungchen eingeräumt, und am Ofen stand der tiefe Lehnstuhl, in dem Frau von Hilbach so gern an einsamen Winterabenden saß. „Nu sind Sie aber zufriede,t?" sagte sie strahlend. „Die Kost; ist ein Prachtkerl, was? Im Alkoven hab ich der Vorsicht halber das Bett frisch überzogen. Die MM,ms hat gestern auch ein paar Durchreisende über Nacht gehabt, und wenn wir's haben können, warum sollen wir's denn nicht nehmen? Ein paar Mark niacht's immer aus, und dafür können wir dem Jungchen was Schönes zu Weihnachten kaufen!" „Kosh," fragte Frau von Hilbach, „haben Sie schon gehört, daß Frau Lengerichs Mann ein Mörder war und hingerichtet worden ist? .Haben Sie davon schon was gehört? Sie wissen doch alles, was im Hanse vorgeht!" „Ne," sagte die Kosh, „davon hab ich kein Sterbenswort gehört, und so was glaub ich auch nicht. Wer hat Ihnen denn das gesagt?" „Die Pastorin weiß es von der Specht, und die Specht hat es von der Häuslein, und die Häuflein weiß es von der Lengerich selbst!" ■ , , . , „Ne," wiederholte die Kosh noch cininal und lachte. „Ne, so was laß ich mir nicht ausbinden. Erstmal sieht die Frau Von einem Mörder nicht so aus wie die Frau Lengerich, und dann tut das auch keine, daß sie selbst erzählt, wenn man ihren Mann aufgehängt hat. Aber Gewißheit werd ich mir darüber verschaffen, und ich weiß auch von wem. Da tvohnt eine drüben, die kennt dre Lengerich, und die hätte mir längst >oas gesagt, wenn das so wäre. Das paßt sich ja gut, daß ich gerade über die Brücke muß. Da kann ich Ihnen heute abend noch Bescheid bringen." — „Nein, nein, hätte man das heute morgen alpnen können, daß es vor Nacht noch so regnen würde?" fragte die Pastorin, die ganz bescheiden bei Frau von Hilbach an- getlopft hatte, um sich zu vergewissern, daß da unten keine schlechte Stimmung gegen sie herrschte. Der Regen schlug prasselnd an die Fenster, utib em schauriger Sturm umheulte das Saalehaus. Die Kosh war auch ganz durchnäßt, denn auf dem Heimweg Ivar sie von den: Regen überrascht worden. Sie zog sich ein paar warme Pantoffeln an die Füße, machte den Tcetisch zurecht und stellte ohne weiter zu fragen auch für die Pastorin eine Tasse hin. , , „Also mit der Frau Lengerich, das hat seine Richtig- keit, Frau üou Hilbach," begann sie in einem ganz geschäftlichen Ton. „Was ihr Mann war, der war wirklich ein Mörder!" „Sehen Sie wohl! sehen Sie wohl!" rief die Pastortn triumphierend. Die Kosy überging diesen Einwurf und fuhr sachlich fort: „Aber aufgehängt worden ist er nicht! Ganz richtig und normal wie andere Menschen ist er gestorben, nur mit dein einzigen Unterschied, daß er im Zuchthaus sterben mußte und nicht in seinem Bett!" , „Sehen Sie ivohl, daß ich recht hatte!" sagte die Pastorin noch einmal, und in ihrer Stimme klang es wie Freude. „Nun, ich sollte meinen, über so was freut man sich nicht, Frau Pastern, und besonders eine nicht, die die Fran von einem Seelsorger war, und tvas das mit dem Begriff „Mörder" anbelangt, da gibt es doch auch zwei Klassen drin. Es gibt Mörder, die lvcä) dafür können, wenn sre einen umbringen und zudem iroch stehlen und rauben, das ind die eigentlichen Mörder. Die andern smd die, die rin Grund nichts dafür können, die nur blind draufloshauen, wenn sie gereizt werden, unb dann ans lauter Unglück einen so treffen, daß er liegen bleibt und nicht wieder aufsteht. So einer ist aber eigentlich gar kem Mörder und wird nicht aufgehängt oder geköpft, und so einer war der Frau Lengerich ihr Mann. Das ist ein großes Unglück für eine Frau, wenn sie so was erleben muß, und die arme Frau Lengerich kann mir in die Seele hmem leid tun!" ., „, „Gott, Kosy!" rief Frau von Hilbach ganz^erfchuttert. „Ob man ihr denn gar nicht helfen kann? nie soll oft wie eine Wahnsinnige sein und mit sich selbst reden und auf der Erde liegen." .. „Helsen t'anu ou. unsereins wohl kaum!"'sagtewre KV)y. „Das beste ist, wenn man tut, als ob man von nichts was weiß; das ist so einer noch am liebsten!" Die Pastorin sagte daraus nichts, denn sie tvoLte es mit der Kosy nicht verderben, weil sie sich auf d:e gemeinsamen Abende im Winter freute, sondern jammerte w.eder über das schlechte Wetter. . „Haben Sie auch all Ihre Fenster ordentlich zur fragte die Kosy sie mißtrauisch. „Geben Sie lieber mal Ihre Schlüssel, daß ich nachsehe, denn Ihre Fensterbänke sind erst im Frühjahr frisch gestrichen worden, und das muß für zwei Fahre reichen!" , _ Die Pastorin gab ihr die Schlüssel, aber ehe die Kosy das Zimmer verlassen hatte, klingelte es an der Hansrur, zweimal nacheinander, alle drei Frauen liefen zur Tur, und der kleine Erwin hing sich erschroccen an der Kosy Rock. , m Draußen stand einer in einem langen, grauen Regenmantel mit weiter Pelerine, leinen dunklen Hut hatte er so tief ins Gesicht gezogen, daß man ihn nicht erkennen konnte, wie er ausscch. „Stimmt das? Hier auf dem Sck)ild steht: ,Zimmer zu vermieten!' Kanu ich ein Zimmer für ein oder zwei Nächte haben?" „Aber gewiß, gewiß!" antwortete die Kosy. „Bitte, bitte, mein Herr, treten Sie ein, das ist ja ein Hundewetter heute; Sie sind gewiß ganz durchnäßt! Bitte, wollen Sie einen Augenblick in die Stube eintreten, ober wollen Sie gleich in Ihr Zimmer?" f, Die beiden Frauen waren gleich nachdem sie den Wunsch des Fremden gehört hatten in die Stube zuruckgekehrt und ließen die Kosy allein mit ihm unterhandeln. Er wollte gleich in jein Zimmer und war überhaupt ziemlich kurz angebunden. Die Kosy zündete eute Kerze an unb führte ihn über beit schmalen Gang zn bet Mittel- stnbe, die Fran von Hilbach bis zu diesem Tage bewohnt hatte, und sie war glücklich, daß sie den guten Einfall gehabt hatte, das Betr gleich frisch zu überziehen und neue Handtücher aufzuhängen. (Fortsetzung folgt.) Das Meer als Vorratskammer. Von Dr. Otto Senft (Geestemünde). „Da unten aber ist's fürchterlich," läßt Schiller den Taucheü sagen, der vom Grund des Meeres zum „rosigen" Licht zurück- g^e Drr^Dichter, der in dieser Ballade die Schrecken dos Meeresgrundes schildert, hat von den Fischen, die er dort beschreibt, jedenfalls keinen mit eigenen Augen gesehen, denn Schiller war nie an der See, und früher war der Hering — gesalzen oder geräuchert — der einzige Seefisch, der im Binncnlande bekannt war; daneben in katholischen Ländern der Klippfisch, «ivcksisch und Laberdan, alles Zubereitungen des Kabeljau. Heule ist das anders. Tie Eisenbahn ermöglicht es den Hochseesischereiplätzen, von denen wir sechs haben — nämlich Hamburg, Altona und Cuxhaven an der Elbmündnng und Nordenham, Bremerhaven und Geestemünde an der Wesermündung —> — 75 kie Vielen Sorten, die unsere Hochseefischer fangen, ins Binnenland zu verschicken. Die Kenntnis des Seesischs laßt trotzdem noch viel zu wünschen übrig, da er in Deutschland noch langst nicht die Rolle in der Voltsernährung spielt wie in England, Holland Und Norwegen, ganz zn schweigen von den Italienern, die alles was Netz nnb Angel zu Tage fördern, in einen Kochtopf stecken hmd als „frutti di wäre", als Früchte der See verspeisen. Wie wenig der Seefisch leider trotz seines Nährwertes nnb ferner Bekömmlichkeit in manchen Gegenden unsers Vaterlandes noch bekannt ist, erfuhr der Verfasser dieser Zeilen gelegentlich einer Seefischausstellung in einer süddeutschen Stadt, wo die Vorsteherin einer Haushalttuigsschnle auf einen Kabeljau tippte und sagte: „Das ist also der Schellfisch!" Dabei ist der Schellfisch der häufigste Seefisch, der ins Binnenland kommt, weil von ihm die größten Mengen gefangen werden; z. B. von den 68 Millionen Pfund Fisch, die int Jahre 1909 in Geestemünde versteigert wurden, waren 26% Millionen, b. h. 5/lä des gesamten Umsatzes, Schellfisch. In AO.-^a wurden int Jahre 1908 20y4 Millionen Psn,.d von Fischdampferir angebracht, wov.n zwölf Millionen Schellfisch waren, und ayuiiw lind die Verhältnisse in Bremerhaven, Nordenham, Cuxhaven und Hamburg. Ter Schellfisch, der bis zu 90 Zentimeter lang wird, ist leicht zn erkennen nn deut schwarzen Fleck, bett cr über der Brustflosse trägt. Die Sage erzählt davon, daß es der Daumen- äbdruck des heiligen Petrus sei; als dieser einst im See Gene- zareth fischte, wollte ein Schellfisch wieder ans dem Netz schlüpfen, doch der Apostel packte ihn zur rechten Zeit und der Fisch kragt seitdem den Taumenabdruck des Heiligen. Selbst sein Name fall daher stamm en, denn Petrus, so weist die Sage zu be- richten, nannte darob den Fisch einen Schelmfisch und darauA soll Schellfisch entstanden sein. Es geniert die Sage nicht, dast tm See Genezareth natürlich gar kein Schellfisch existiert. Ein naher Verwandter des eben genannten Fisches, der Merlan, Wittling oder Weißling, entbehrt den schwarzen Fleck; im' übrigen hat er große Aehnlichkeit mit dem Schellfisch und fein Fleisch wird von vielen sogar noch höher geschätzt. Die zweite Rolle spielt auf. dem Fischmarkt ein andren Verwandter des. Schellfischs, der Kabeljau, von dem eine kleinere Form in der Ostsee vorkommt und Dorsch oder Pomuchel beißt. Er ist einer der gefräßigsten Raubfische, und es ist unglaublich, welche SR engen kleinerer Fische in seinem Magen Platz haben; feinen eigenen Vetter, den Schellfisch, verschmäht er nicht., In der Nordsee erreicht der Kabeljau ein Gewicht bis zn 15 Pfund, bei Island und Neufundland wird er doppelt so schwer. Besonders in letzterem Revier hat der Kabeljaufang eine graste SBcbeutimg, und lange Jahre hat sich die hohe Diplomatie mit ihm beschäftigen müssen. Er war ein Streitobjekt zwischen Frankreich unb England, bis Frankreich vor einiger Zeit durch eine Abfindungssumme ans gewisse Fischereirechte in jenem Gebiet verzichtet hat. Die Streitigkeiten zwischen Canada und den Vereinigten Staaten find erst in allerletzter Zeit durch einen Spruch des Haager Schiedsgerichtshofs aus der Welt geschafft worden. Der Kabeljau von Neufundland komnrt nur getrodhtet und gesalzen in bat Handel. Auch die deutsche Hochseefischerei, die sich bisher darauf beschränkte,, den Kabeljau in „grünem" Zustande an den Markt zu bringen, hat in letzter Zeit begonnen, die Herstellung dieser Dauerware aufzunehmen, die in katholischen Gegenden eine beliebte Fastenspeise ist und als brauchbarer Proviant für lange Schiffsreifen und für die Tropen geschätzt wird. Aus großen Gerüsten trocknet man den Fisch an der Sonne, Und da dies „Freiluft"-Berfahren im Winter wegen der fehlenden Wärme und im Hochsommer Wegen der Insekten nicht an- wettdbar ist, hat man in Geestemünde eine Fabrik er richtet,in der der Fisch zu jeder Jahreszeit nach einem patentierten Verfahren in geschlossenen Räumen präpariert wird. Man verwendet dazu nicht allein den Kabeljau, sondern; auch den Seelachs, der von den Fischern Kohlfisch genannt wird. Er wird ebenfalls in großen Massen gefangen und au den Markt gebracht und hat sich im Binnenlande wegen seines kräftigens Md wohlschmeckenden Fleifches große Beliebtheit erworben. Die bisher aufgezählten Sorten mit Ausnahme des Schellfisches pflegt man als Massenfische zu bezeichnen. Weniger häufig als sie und auch geschätzter ist der grostschuppige Seehecht, dessen Maul von Zähnen starrt, die sich nach innen umlegen lassen, so daß die Bente wohl hinein, aber nicht hinaus kann. Durch sein Gebiß ist auch der Katfisch bemerkenswert, so genannt wegen.seines katzenähnlichen Kopfes. Tie Natur schuf ihn zum Feinschmecker, der die Austern und Hummern liebt, und verlieh ihm zugleich die Mittel, um dieser Neigung nachzugehen: nämlich ein fürchterliches Gebiß, mit dem cr jede Schale knacken kamt. Er führt deshalb auch den Namen Austernfisch, und verdient im übrigen wegen seines Fleisches, das roh wie Kalbfleisch aussieht, eine lobende Erwähnung. Ein ebenso seltsamer Kauz ist der Knurrhahn, der seinen Namen daher erhalten hat, daß er mit feiner Schwimmblase knurrende Töne hervorbringt. Er ist stark gepanzert mit stachlichen Flossen, so ■ daß er abgezogen! gegessen werden muß und viele Händler ihn bereits abgehäutet ins Binnenland verschicken. Sein Fleisch ist fest unb wohl- schmeckeirb. Stachlfch ist auch ein anberer Fisch, der in letzter Zeit immer mehr Anerkennung findet; bas ist der Rotbarsch ober Golbbarsch, der im Handel auch unter dem Namen See- lärpfcn erscheint. Er ist einer der fettreichsten Fische und kann; auf sehr mannigfache Weise znbereitet werden. Einen von bett bisher beschriebenen Arten sehr abweichenden Körperbau haben die sog. Plattfische, bereit bekanntester bie Flunber ist, in der Nordsee Butt genannt. Sie bildet besonders! frisch geräuschert einen Leckerbissen. Nahe verwandt ist ihr bie Scholle, kenntlich durch die goldenen Flecken, bie sie auf ber Oberseite hat, bie Scharbe, die Rotzunge, Tarbutt (Kleist), Heilbutt, nnb die Zierden der festlichen Tafel, Seezunge und Steiubutt, die in Süddeutschland vielfach unter den französischen Namen Sole und Tnrbot gehen. Die Seezunge, die sich von der Rotzunge schon äußerlich durch bie Form und bie stärkere Haut unterscheidet, ist ber raffiniertesten Zubereitung zugänglich, und ber Steinbutt, dessen Lebensweise übrigens die Bezeichnung „dick, dumm, faul und gefräßig" verdient, steht ihr in der Wertschätzung ber Feinschmecker fast gleich. Betrug doch der Durchschnittspreis der Seezunge z. B. in den Geestcnmnder Auktionen im vorigen Jahre 1,57 Mi. pro Pfund, unb des großen Steinbutts 1,16 Mk.; ähnlich wars an beit anberen Märkten. Auf diese Fische trifft also bie neuerdings in Deutschlanb immer mehr zur Geltung kommende Wahrheit, daß ber Seefisch eines ber besten Volksnahrungsmittel sei, nicht zu, benn eine Ware, die einen solchen Preis hat, ist den oberen Zehntausend Vorbehalten; schabet auch nichts, da wir ja eine reiche Auswahl billiger See- sischforten haben. Zu letzteren sind noch, um vollständig zu fein, die Rochen zu rechnen, platte Fische mit knöchernem, stachelbewehrtem Schwanz. In Deutschland ißt man diesen Fisch melften* geräuchert, dagegen ist er in England, Frankreich, Belgien und Holland auch gekocht eine sehr geschätzte Nummer der Speisekarte, Tie genannten Sorten erschöpfen noch lange nicht die Maunig- saltigkeit der Arten, die das Meer beherbergt. Und fo zahlreich wie die Sorten der Meeresgeschöpfe, so zahlreich oder vielmehr! unzählig sind bie Fische ber See auch an Masse und bieten dem Menschen eine schier unerschöpfliche Ernte. The larder of the fca — bie See als Vorratskammer, so spricht ber Engländer vom Meer. Möge auch das beutsche Volk barauf bedacht sein,, fein Teil von diesem Acker zu ernten, ber nicht gepflügt und nicht! besät zn werben braucht. Karneval in Nizza. Wohl in feiner Stabt Europas wirb bie Herrschaft des Prinzen Karneval alljährlich mit so fröhlichem Jubel unb so gewaltigem Aufwand und Prunk und Pomp gefeiert, wie in ber Hauptstadt der Riviera, wo in diesen Wochen bie ersten großen, Feierlichkeiten eiiisetzcu, mit beiten ber Einzug des fröhlichen Fürsten begrüßt wirb. Diesmal wirb Prinz Karneval XXXIX. auf kurze Zeit fein Szepter schwingen, beim erst im Jahre 1872 würbe zum ersten Male in Nizza ein Karneval großen Stils abgehalteu. Schreiner und Maler finb bereits eifrig am Werk, an der trabitioncHcn Stätte, unmittelbar vor beit Gärten der Place Massena, bas stattliche Schloß aufzurichten, in dem ber lustige Herrscher residieren wirb. Die Stadt scheut dabei keine Ausgaben, vor zwei Jahren z. B. erreichte die Residenz des Prinzen Karneval eine Hohe von 20 Meter bei 15 Meter Breite, hie Laune der Architekten 'hatte eine bunte, indische Pagode errichtet, in der das Schlafzimmer des Karneval mit 3000 elektrischen Ampeln erlentcfjet war, unb die Stadt spendete riutb 15 000 Frs. nur für diese standesgemäße Behausung des illustren Gastes. Wenn das Volk noch gar nicht an bie nahende Faschingszeit denkt, sind bereits Hunderte von emsigen Arbeitern am Werke, um all die verblüffenden Ueberrafchnngen des großen Umzuges vorzubereiten, die von Künstlern ersonnen und von Künstlern ausgeführt werden. Humor und Satire fließen bei dieser heiteren Arbeit harinonisch ineinander, was in diesem Jahre die schaulustige Menge überraschen soll, wirb noch streng geheim gehalten, aber man weiß mit Sicherheit, daß gewiß auch heute wie ist früheren Jahren mit Aufbauten von kolossalen Dimenfiouen die faschiugfrohen Leute verblüfft werden sollen. Vor zwei Jahren zeigte sich ber riesengroße Prinz Karneval als Flieger, im Jahre vorher erschien cr als Diplomat, ber in golbgestickter Uniform! vom Friebenskongreß heimkehrte, unb das letztemal sah man ihn auf einem riesenhaften Eisbären durch die Straßen ziehen, ein Sinnbild ber prächtigen Reklame, mit bem ber Cook unbl Peary damals bie Welt erfüllten. Für bie zwölf großen Wagen des Zuges, die je eine Länge von etwa 11 Meter aufweifen, gibt bie Stabtverwaltuug ansehnliche Summen her. In ben Leetnres V'our tonS berichtet ein Eingeweihter von ben finanziellen Opfern, bie Nizza feinem Fasching bringt, und verrät dabei eine Reihe interessanter Zahlen, bie, wie man will, bie Kariievalslrendigkeih ober ben Spekulationsgeist des Rivieravolkes illustrieren. Im Jahre 1909 wurden allein für die großen Wagen 42 000 Mark an Preisen unb Prämien verteilt, 7300 Frs. kamen unter ben Reitern zur Verteilung, nahezu 20 000 Frs. für bie Fußtruppen des Karnevals, und rund 5000 Frs. an einzelne, besonbers gelungene Masken. Aber das sind nur Preise, in denen die wirklichen Herstellnugskosten nicht berücksichtigt sind. Außer ben 90 000 Frs., bie ben Teilnehmern an ben Maskenkoiikurrenzen ausgezahlt würben, gab bie Stabt für bie drei offiziellen Festwagen nicht weniger als 35 000 Frs. aus, bie Ausrüstung der — 76 e 4 — e 3 a) fG — e5 d) 3. S g5 — e4 Matt oder - 62 beliebig. c) d) e) - d 3 c 1 k) 2. und 3. Wie bei e. L L L L L d - a 2 — d 4 — 64 oder —• c 5 oder c 1 f 6 63 63 63 63 c4 — e7 Matt oder c 4 — dö'Matt'. f 7 Matt oder c 6 Malt oder L fG — g5 L 63 x eG oder 3. D 1. 2. T 3. T 1. d7 x eG beliebig. 2. . . 3. S g 5 - 2 . . 3. D c 4 - 2. . . Eleichiiang-Rstsei. Park oder harten bet Moudenschem, , Wo Liebende wandeln, ganz still und allein Ta bin ich zu finden, ionst nientand als ich, <3d) bin in verfcbroiegen, drum suchen sie mich. Geiuaittge Furcht hat der Bösewicht, Wenn tc'h ihn empfange beim strengen Gericht. Slncb schiebt der Faule mit sorglosem Sinn Tie Arbeit auf mich, da lang ich bin. Tas ist zu ertragen zwar manchmal schwer,. Doch trag ich noch viel, was nicht nötig wär: Nicht nur, daß tausende von Knaben Jahr aus, Jahr ein gedrückt mich haben, Stein, auch verdächtige Gestatten, Die haben mich Nächte hindurch gehalten. Ost hab ich in stürmischer, dunkler Nacht Den Schissen Verderben und Not gebracht. Gar mancher baute aus mich sogar. Obwohl ich auf Sand gegründet war; Belaste! war ich ganz unbeschreiblich, Da war mein Zusammenbruch unausblewuch. Auflösung in nächster Nummer. Auslosung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Die Jahre f l i e h e n v f e i l g e s ch w t n d 1. T 2. T 3. v 2. 3. D 1. 2. S f3*X I.' d*4 . . . . 3. D c4 — eG Matt oder 2.......... 3. S d 4 — 6 5 Matt 1. ....... ’ 2. Te3xLe6+ . « Kuckuck dörrte er und nähete i(jn dann in einen Hasenbalg ein, bet wurde unter das Kopfkissen gelegt und sollte nun dem Ruhelosen den erguiefenbeu Schlas bringen. * Hoher Brei s. „Sie haben mir das Leben gerettet t Wie kann ich mich Ihnen dankbar erweisen?" — „Heiraten Sie meine Schwiegermutter!" Vücherttsch. Die Deutsche B ü h n e", das amtliche Blatt deI Deutschen Bühnenvereins, (Verlag Oesterheld L Co., Berlin W 15) tritt mit ihren ersten beiden sehr reichhaltigen, tnterefsanten "um-» mein in ihreit 3. Jahrgang. Von den vielen teils aktuelle^ teils theatergeschichtlich wichtigen und interessanten Aussätzen seien folgende hervorgehoben: U. Wolff-Frank: Raphael ^oewenfeld» G W. Peters, Der Künstler und Philosoph Bernhard Shaw, Adolf Kohut, Roderich Bendix; H. Braun, Das Theater und der Magen. Ferner die Leitartikel: Sonntagsproben, Theaterstreik. Zu nennen seien noch: Josef Kohler, Der Bühnenvertrag; ^Dr. A. Rosen^ berget, Deutsches Opernhaus; E. Veli): Aus dem Leben von Albert Niemann; Ernst Heniemann, lieber das Verhattnrs de^ Textes zur Musik; Rudolf Bernauer, Der probenfreie Sonntag, M. Pategg, Der Schauspieler und die Sonntagsproben, W, Heise, In der Theatergarderobe. 2. 8 f3 — g5 L 63 x eG d7 x TeG 3. S g 5 — e 4 oder f 7 Matt. L fG - d4 d7 x eG L 63 x e G oder beliebig Kebattion: K. Neurath. - Noiationsdrnck und Verlag der Brli hl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Glesien. Vermiicbtci. # a i e n m e b i $ i n. Der Hase hatte immer infolge seiner eigenartigen Lebensweise etwas Geheimnisvolles an sich und erstand so auch in früheren Zeilen besonders als Heilmittel tn ber Atedizin in hohem Ansehen. Ja, es gab wohl kein andere^ ~tet, das so vielfältig zu Hellzivecken in jener abergläubischen Zett benutzt ivurbe, als der Hase, der damals sozusagen eine wandelnde Apo- tbeie dartiellte. Uns berühren diese Heilmittel heute sehr komisch, aber ihre Anwendung ist noch gar nicht so lange her und vor himberl Jahren waren noch viele dieser Mittel m den Apotheken vorrätig. Berühmt waren die „Mehlem mit Haseublu gemacht , das waren Leinwandtücher, die in das Blut von tm Monat Mat getöteten Hasen getaucht waren und getroefnet atübewahrt wurbeii. Sobald jemand an ber Rose erkrankte, wurde em etuef dieses TüchleinS auf die erkrankte Stelle gelegt als nie fehlschlagendes tieil- mittel Wer an Podagra litt, wusch sich die Fttsie mit Hasen- bouillon, bas musite helfen, beim der khnelliüfitge Hase konnte doch kern Podagra haben. Gegen Steuiteiden mürbe bie Asche eines ohne Kops und Eingeiveide verbrannten Haseii tn Wetsiiveiu aufgelöst'und dieses Getränk lösfettveise emgegeben. Die Asche der Hasenlöffel stillte Blutungen und ihre Haut mit Milch angeieuchtet nut kranke Singen gelegt, heilte dieselben. Mit Bauichchen ans Hasenwolle füllte man bas Nasenbluten, bie Asche ber Haare beginne man bei erfrorenen Füssen, und Pillen aus Hasenhaaren mit Honig waren ein berühmtes Mittel gegen den Bruch. HasengaUe wurde mit Honig auf erkrankte Augen geschmiert und die L>mge des Hasen gegen Frostleiden cmgewendet. Die Asche eme-j verbrannten Haseiischädels gab mit os sepiae ein. beliebtes Zahnpulver ab, und wenn man sich aus Hasenfett und einem lebendig zerstobenen Krebs eine Salbe bereitete, bann konnte man durch Bestreichen in die Haut gestobene Splitter ausziehen. Den Kindern bestrich man das Zahnfieisch mit Hasengehirn, dadurch sollte das Zahnen erleichtert werden, und wenn jemand an Sd'lailofigfeit Utt, dann suchte er in den Belitz eines Kuckucks z»i gelangen. Diesen Vrre?Sa?Lsrr der Usdaktisn. A. 91. Wir hatten in Nr. 13 ber Gieß- Familien bl. nur eine von mehreren Söllingen ber Schachaufgabe ans Sir. 12 angegeben. Auf unsere Bitte teilt uns Herr Architekt N t e o l aus tm Anschluß an Ihre Frage» noch solgenbe Lösungen mit. ELseneskorte des Prinzen Karneval verschlang 22 000 Fr-Z» die JllWMtcttion 60 000, das Palais des Prinzen Karneval 10 000, uitd dazu kommen noch die Kosten der offiziellen Redouten und KindtElle. Alles in allem erreicht der AnNvand mechr alo 400 000 Frs., und wenn man dazu noch die Summeti rechnet, die die einzelnen Teilnehmer des Karnevals Nt-za aus ihrer eigenen Börse erlegen, so wird man nicht fehl gehen, warn man hie Kosten der Faschingszeit in der Rivierastadt auf weit iioer eine Million schätzt. Allein das Konfetti, das m fröhlichem Ileber- rnut umhergeschleichert wird, verschlingt tn Nizza alljährlich em SRmnnaen voll dessen Zinsen ein biederer Burger sorglo» al^> Retter^eben könnte Denn auf Grund der Statistik hat man feststellen können, daß an einem Tage der Festzüge wenigstens <30 000 Pfund Konfetti verschleudert werden, genug, um zwei Millioneu Weingläser mit bieten bunten Papterblattchen S» fittlem «lber das Konfetti ist dabei gar nicht so billig, und dm PaPteL- jndustrie kann von jedem Tage des Nizzaer KanievalNrnl el^- eine Bruttoeinnahme von 200 000 Frs. erwarten. Kem Wunder, daß sich in Frankreich eine ganze Industrie entwickelt hat, die ausschließlich Konfetti herstellt. Da steht eine ^:“J'^tnLgCf^o der anderen, und jede von ihnen vermag tn der Minute 250 000 Blättchen Konfetti oder 16 Millionen tu der Simtde fertig- zustelleil. Das ist etwa ein Zentner. Gute Parst er Fabrik stellt jährlich über 800 000 Kilo Konfetti her, von denen mehr als drei Viertel in das kauflusttge Ausland wandern. Daneben blüht die Maskcnmdustrie, die Unmengen von Paptermachee und Karton verbraucht. Dem allgemeinen Zuge der Zett folgend ist auch hier, wie wenigstens die Jntereswnten mtt Stolz bet* sichern, ein „künstlerischer Geist" eingezogen. Die Entwürft zu den Masken werden zum Teil von bekannten Malern und Bild- Hauern hergestellt, und dann von erfahrenen Arbettern kopiert, die in ihrem Fache eine solche Geschicklichkeit ^NMen haben, daß man auch sie Künstler nennen konnte. Em solcher Kartonbildbauer, der Köpfe ober ganze Tiere tn Paptermachee modelliert, verdient durchschnittlich 2,50—3 Frs. in der Stunde, und die länderen Arbeiter, die Ornamente ausfuhren, sind mit einem Stundenlohn von zwei Frs. auch nicht gerade schlecht bezahlt. So ist es leicht begreiflich, daß em „kunstlerifch am-gesuhrter Festwagen oft 10 0Ö0 Frs. und mehr kostet, ia tm vergangenen Jahre wurden von Paris einige Faschingsaruppen nach Brcstt- lien geschickt, die mit 20 000 Frs. für den Wagen bezahlt wurden Aber schnell vergeht die kitrze tzerrscherzett des Karneval», und mit langem Gesichte kann der Teilnehmer cm den Festen am Aschermittwoch an der Magerkeit seiner Börje ermessen,, wie ausgezeichnet er sich amüsiert hat. Prmz Karneval hat tnzwischeti ein trauriges Ende genommen. Die riesige Gestalt die vielleicht 20m al so'groß ist wie die eines gewöhnlichen Sterblichen, ist am letzten Tage mit Petroleum getränkt worden, und mit dem letzten Feuerwerk wird auch der Prinz entzündet. Einen Slugeu- blick sieht man ihn brennen wie eine riesengroße, groteske mcistcp- liche Fackel, dann stürzt das selbst zwischen den flammen noch fröhlich lachende riesige .Gesicht tn die Asche, Funken stieben, aber bald wird alles still: Aschermittwoch ist da, . . .. C4 - Matt .........8 e 3 — d 3 -j- . . . L d 3 x L d 4 Matt . .....8