9Bf M Hl ... Samstag den 1.Juli M M - to. W Wjeße«M«>'ie>iklj D Ir.!erha!!uKZs!>lMMM^MrAypiMWMAl-AsMest Das nette Mädel. Roman von FedorvonZobeltiA (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Er ist fort," sagte Tini, „ich hörte ihn gehen. HaW ihr rührenden Abschied genommen?" Traute blieb ernst. „Es ist mir schwer genug ge- worden. Wo ist mein §ut, Tini? Ich möchte mich auch auf die Strümpfe machen." „Warum denn so eilig, Mäuschen?" „Gott, .Tini, du begreifst doch ■— —i ich kann jetzt nicht lustig sein." „Ist auch nicht nötig. Wir können uns ja seriös unterhalten." „Ich möchte doch lieber fort. Ich bin eine schlechte Gesellschafterin. . Sie steckte die Nadel in ihren Hut und schlüpfte in die Jacke. „Wie du willst," sagte Tini. „Vergiß nicht den Brief nach Amerika." „Ich werde ihn verbrennen. Mir ist die Lust zu solchem Jokus vergangen." „Herrgott, was bist du auf einmal sentiinental geworden! Es steht dir nicht, kleine Traute. Aber es wird ja vorübergehen." ~ Traute reichte der Sandratt die Hand. „Adjö, Tini. Hab schönen Dank für die Aufnahme. Max läßt sich auch noch vielmals bedanken und sich dir empfehlen. In nächster Zeit werde ich leider nicht herankommen können." „Wir sehen uns ja bald bei Delbrücks — wegen des Maifestes." „Also auf Wiedersehn." Auf der Straße blieb Traute einen Augenblick stehen und schaute nach rechts und nach links. Es war um die Zeit, da sich hier das regste Leben des Tages entfaltete. Ein Strom von Menschen flutete über die Trottoirs und den von knospenden Kastanien eingefaßten Mittelweg. Aber inan hielt sich an die alte Sitte: auf dein Mittelweg waren fast nur Herren zu sehen, während der Bürgersteig der Damenwelt verblieb. Drüben flanierte die goldene Jugend. Geschäftsschluß: da wurden die Löwen frei. Sie gingen in Gruppen oder paarweise, zum Teil untergefaßt, und hatten beständig den Hut in der Hand, denn sie mußten viel grüßen, lind vom Trottoir herüber neigten sich ihnen die Köpfe ju. Traute kannte die meisten. Da war der Tennisplatz, das Liebhabertheater, der Verein Harmonie, die Ressource von 1810, der Sportklub, die Regattagesellschaft. Wilm Noeldechen trug einen neuen Paletot zur Schau, einen fahlgelben Ulster mit großen Hornknöpfen; Walter Mur- sinna hatte sich ein Monokel zugelegt; Fred Dewa führte seinen großen Bernhardiner an der Leine. Auch Herr von Pvedon trat wieder in Sicht, ungemein korrekt gekleidet, mit offenem Paletot, so daß die Rosette der Ehrenlegion im Knopfloch seines Zweireihers nicht verdeckt wurde., Er war eigentlich ein Marquis d'Vvedon mit noch einigen Namen hinterher und vor etwa zwei Jahren nach der Hansestadt gekommen, in der offenkundigen _ Absicht, sich hier eine reiche Frau zu suchen. Berthold Friederici hatte ihn aus Paris mitgebracht und war wohl auch sein Ernährer, denn die Erträgnisse seines Sprachunterrichts mochten nicht weit reichen. Der schöne Friederici war auch jetzt an seiner Seite; der glänzende Zylinderhut deckte den kahlen Schädel, im englisch gesuchten Schnurrbart zeigte sich schon ein verräterisches Weiß; das Krackelee unter den Augen wurde bedrohlich. Immerhin hielt der alternde Beau sich noch straff, und manche Mutter hatte ihn gern, zumal seine Millionen sicher angelegt waren. Aber er amüsierte sich besser als Junggeselle. Auch Traute kam aus dem Grüßen nicht heraus. Jetzt fegte die Frau Oberbürgermeister an ihr vorüber, jugendlich gekleidet, über dem blatternnarbigeu Gesicht einen riesigen Hut nach neuestem Pariser Modell. Sie war in Begleitung des Fräuleins von Simko Witz und der kleinen Gräfin Höuigswald, der Gattin des Badekommissars von Sonderkroog. Sie umgab sich gern mit adligem Gefolge, da sie selber vom Adel war oder wenigstens so tat. In Wahrheit hätte das „von" vor ihrem Namen vor der Prü- fungskonimission des .Heroldsamtes nicht standgehalten, da ihm Brief und Siegel fehlte, und alle offiziellen Schreiben der demokratischen Freistadt an ihren Gatten ließen denn auch den Partikel fort. Das schaffte ihr beträchtlichen Aerger, indes es dem Mann (einem ausgezeichneten Regenten) höchst gleichgültig war. Traute grüßte sie ehrfurchtsvoll und empiing einen gnädigen Gegeugruß — im selben Augenblick, da der junge Eberstedt auf seinem Dogcart an ihnen vorüberfuhr. Er schien wieder einmal auffallen zu wollen: er hatte seine beiden Falben hintereinander eiugespanut, den einen in die Schere, den vorderen in die Verbindungsriemen, aber er war ein vorzüglicher Fahrer, und es sah gut aus, wie er kutschierte. Hinter sich hatte er seinen Negerboy; auch das schwarze Affengesicht war in guter Dressur. Die Peitsche Eberstedts senkte sich unaufhörlich, und als er Traute sah, salutierte er besonders tief. Wenigstens vermeinte das Trante. Sie war 'jetzt bis zum Steinplatz gekommen. Es begann schon zu dämmern. Neber das lichtgrüne Lanb der Anlagen glitten rosige Töne; das Schwert der Germania auf dem Kriegerdenkmal strahlte wie Bronze. Neber dem Rathausturm schwebte ein Luftballon und schien unbeweglich in der sich mählich grauer schattierenden Atmosphäre zu liegen. Traute war einen Moment stehen geblieben, reckte den Kopf in den Nacken und spähte nach dem Luftschiffe aus. Aber sie sah' nur eine kleine, in grauem Leder steckend« Hand mit fünf voneinander gespreizten Fingern Vor. ihren 402 tilgen: Eva Delbrücks Hand — inid wandte sich rasch um. Eva lachte. „Dii stiertest ein Loch in die Lust," sagte sie. „Ich guckte nach dein Ballon." , „Tas ist begreiflich," warf Lili Menkens ent, die mit Ellen Meier neben Eva stand. „Weißt du, wer in per Ballondroschlc sitzt?" „Ich ahne nicht." „Ter Einsiedler von Wörrcshovp." „Wer?" fragte Ellen Meier mit ihrem fußen Mppen- lächekn. ' „Mels Kruse." -ri „Ach der," sagte Traute, „der Maler . . . Ich daaste wunder wer." „Erlaube gütigst," fuhr Eva auf, „das sagst bn so weg- wersend". Niels Kruse ist eine Persönlichkeit." „Meinethalben," entgegnete Traute, „ich habe ihn nie gesehen." „ , „„ ..... „Das ist nur wenigen sterblichen vergönnt, weshalb ist er auch so interessant." „Und nun sitzt er in dem Ballon?" „Jawohl. Stand ja in der Morgenzeitung. Niels Kruse und Pastor Moebius wollen mit dem Ballon des Herrn Kynr eine Himmelfahrt antreten." „Möcbins muß auch immer dabei sein." . . . Traute starrte nach dem Ballon. . . „Sie scheinen aber nicht wieder herunter zu können." Ellen Meier, die nicht, ganz leicht von Begriffen war, fragte, ob Niels Kruse der mit dein Christus topf sei, der die Märchenbilder male. „Derselbigtc," erwiderte Eva Delbrück. „Er spielt ftch auf den Sonderling auf. Aber wir locken den Len aus feiner Höhle. Traute, wo gehst du hin?" „Ich will nach Hause." „Wir kommen ein Stückchen mit." Sie schritt mit Traute voran. Ellen Meier und Lili. Menkens folgten. „Ein niedliches Viergespann," sagte Konsul Friederici zu Herrn von Zvedvn, die eben in das Klubhaus der Ressource traten. War es auch wirklich. Eva Delbrück eine entzückende Brünette mit frechem Näschen in einem Gesicht, dessen goldig warmer Teint an sizilischc Frauen erinnerte; Lili Menkens ein Rotkopf mit Wangen aus Milch und Blut; Ellen Meier eine allerliebste Puppe mit schwerem, kastanienbraunem Geflecht über der Stirn .und merkwürdigen Schlehenaugen, die tauschten. Sie sahen gescheit aus;' aber Esten war ein kleines Schäfchen. Eva hatte Traute nntergefaßt. „Du machst doch das Maifest wieder mit?" fragte sie. „Versteht sich. Was tyirv's diesmal?" „Noch unbestimmt. Jedenfalls eine große Sache mit künstlerischem Schmiß. Niels Kruse muß es arrangieren." „Ich denke, der kouimt nicht aus seinem Bau heraus?" „Das ist es eben. Wir haben eilten großen tteberfall geplant. Paul Evcrstedt hat die Sache in die .Hand genommen. Am Donnerstag findet Bersamlung der Verschworenen statt. Bist du dabei?" „Bei so etwas immer. Ist die Versammlung bei euch?" „Ja. Aber sprich noch -nicht davon. Es brauchend nicht alle zu wissen. . Namentlich die von der Harmonie nicht. Du weißt doch, da herrscht jetzt Disharmonie? Riesenkrach, infolgedessen Spaltung in zwei feindliche Lager. Der eine Teil schlägt sich zu uns. Wir gründen nämlich einen neuen Orden." „Was du sagst! Einen Orden?" Eva nickte eifrig. „Nach Art der mittelalterlichen Blumenorden —" . „Und Minnehöfe." sein." „Nu nee. Das Flirten wird wohl die Hauptsache „Biu ich auch wieder dabei." „Kamt ich mir denken. Eberstedt ist der Macher." „Der tritt ja auf cimnal so aus seiner Reserve heraus!" „Nicht währ? Er mischt sich unter das Volk. Er steigt zu uns hernieder" . . . Eva blieb stehen. Man wär jetzt au der Hauptpost, bereit breite Säulenfront den Westen des Steinplatzes begrenzte. . . „Du hast da einen Brief in der Hand," fuhr Eva fort, „willst du ihn nicht in den Kasten stecken?" . , , „Ach richtig," rief Traute. Noch einen Augenblick hielt sie den Brief au Mister Brigham unschlüssig in der Rechten; dann glitt er in den Schlund des Postkastens. Lili und Ellen waren näher getreten. „Ich muß jetzt nach Hause," sagte Lili; „es ist ja schon sechse durch. Wenn Papa aus dem Bureau kommt und ich bin nicht day'etm, schimpft er." „Ach, die Väter!" rief Eva. „Ich wollte so gern eine Erhöhung meines Taschengeldes haben — man kommt ja nie aus. Glaubst du, daß' ich es durchsetzen kann?" „Mit meinem Papa habe ich gestern den ganzen^ Tag! lang kein Wort gesprochen," erzählte Ellen Meier. „Wegen jeder Schueiderrechnung gibt es Zank." „Von meinem red ich schon gar nicht," sagte Trante. Sie gab den Freundinnen die Hand. „Donnerstag fünf Uhr!" rief Eva ihr nach. Traute nickte. Ueberall brannten nun die elektrischen Ballons. Ter ganze Stadtteil mit feinen glänzenden Läden war in ein Meer von Licht getaucht. , ' Traute warf noch einen langen Blick in diese strahlende Blendung, machte dann kehrt und schritt langsam in die dunkleren Straßen hinein. (Fortsetzung folgt.) Die ttüche im Wi. Von A. B n r g, Jur heißen Hochsomwerzcit wird jede Hausfrau. ihre größte Aufmerksam leit daraus richten, daß sie mir Waren bester nutz irischester Beschaffenheit kaust, das; sie sie vor dem Verderben so gut als möglich schützt und daß sie es vermeidet „stiebriggebliebencs" nach einigen Stunden oder gar nach einem Tage zu einem Restc- gcrlcht zu verarbeiten. Jedes verdorbene, also in Zersetzung Übergegangene oder übergehende Nahrungsmittel ist giftig, d. h. es enthält, je nach seiner Beschaffenheit, Gifte, die dem Menschen, wenn er derartige Speisen genießt, ernstlichen Schaden für Ge- simdheit und Leben zufiigen können. Es gibt Fleisch, Wurst-, Pilz-, Käse- und MUck-aift, die sich durch den Einfluß der Warm« entwickeln. Vergiftungen z. B. durch Schlagsahne sind vor einigen Jahren auf einem norddeutschen Jahrmarkt vorgekommen und haben zahlreiche Leute in ernste Lebensgefahr gebracht. Solche Zersetzungen sind um. so unheimlicher, weil sie sich nicht immev sofort durch den Duft verraten. Tie Hitze des Tages entwickeln die Fäulnisbakterien sehr schnell, sie vermehren sich rasch uich zersetzen die Nahrungsmittel. Es ist deshalb niemals statiyaft, daß eine Hausfrau Fleisch, das nicht mehr ganz frisch riecht, durch scharf gewürzte Saucen etwa zu Ragouts umgestaltet, denn die pikanten und würzigen Zutaten verdecken erstens den Geschmack kaum und zweitens heben sie die Schädlichkeit beim Genust nicht auf Muckgiftc können sich nicht nur in der Milch und Sahne, sondern mich in Käse, Eiscreme, Vanilleeis befinden, sobald nicht ganz einwandsfreie Milch verwendet ist. Namentlich schädlich kann zu alter Kiste werden, wahrend frischer Käse und gut aufbewahrte Leibkäse, z. B. Holländer, Emmenthäler, Edamer selten dem Verderben anheimfallen. Besonders schnell und leicht zersetzt sich Fischfleisch, man darf gekochte.Fischreste int Sommer nicht vom Mittag bis zum Abend- nusbewahren, um etwa einen Fischsalat davon zuzubereiten. Von Gemüsen fallen Pilze, ihres hohen Wassergehaltes wegen, I sehr schnell der Zersetzung anheim, manchmal schon im Walde. Ta Pilzgift eins der gefährlichsten ist und sich so schnell selbst in ganz unschädlichen Pilzen, z. B. Pfefferlingen, Steinpilzen, Champignons, bildet, so ist cs eine unabweisbare Pflicht der Hausfrau, jeden Pilz daraufhin zn prüfen, ob er anch nicht die kleinste an- gefanltc Stelle zeigt. In den seltensten Fällen dürften, wo mau von Pilzvergiftungen hört, wirklich giftige Pilze zwischen den guten gewesen sein, meist waren es in der Zersetzung begriffene eßbare Pilze. Wenn Pilze schnell in rohem Zustande dem Zerietznngsprazeßi anheimsalle«, so ist dies bei gekochtem Kohlrabi der Fall. Kein anderes Gemüse verdirbt so schnell, ost Auge und Rase uubemertbar. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, alles Obst, das man sich nicht selbst gepflückt hat, vor dem Verspeisen einer gründlichen Wäsche durch Ueberspülen mit kaltem Wasser zn unterziehen und die Früchte dann im Sieb trocknen zn lassen. Tas ist eine ebenso wichtige hygienische Forderung wie auch die, gebrauchtes Küchen- nnd Eßgeschirr sofort zn säubern und nicht stundenlang mit den Speiseresten umhcrstehen zn lassen. Derartiges Geschirr bildet den Nährboden für kleine Zersetznngsgebilde, die durch die Lust, durch Messer ober Löffel oder Hände auf andere, in der Küche befindliche Stoffe übertragen werden. Bekanntlich ist Jnli ein reicher Spender. Die Johannisbeeren tragen während des ganzen Monats ihre feinsäuerlichen Früchte,- die so köstliche, kalte Saftflammeris ergeben, ebenso reifen voll Anfang des Monats an die Stachelbeeren, die merkwürdigerweise in der deutschen Küche nicht so geschätzt werden wie in der englischen, die über eine staunenswerte Fülle schöner StachelbeeiB gerichte gebietet,. Obenan steht da natürlich die geliebte Pastete^ 403 |We nun eine Füllung von Stachelbeeren erhält. Reste von Garien-- erdbeeren und i>i,c erst nach und nach reifenden Walderdbeere»^ Mel en eine große Rolle für die Küche, auch in bezug aus das Eium-achen für dm Winter. Nach russischer Art bereitete Pasten find seit einigen Jahre» wieder sehr