Donnerstag den Juni w« i S W-d^MsMWPZ ßNW rzfiS WM ^AM äftwaai AW hrrzeloiLr. Nkoman von.Georg Freiherrn von OmPtedL, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Gin äußerer Anstoß lenkte mich ab. Wie es im Leben der Menschen nun einmal ist, wo im Grunde nicht die hroßen Beweggründe uns leiten, sondern Zufälle uns schieben. Mcht nur uns Kleine, auch die Größten. Es bot sich die Gelegenheit, das Haus, das ivir in meiner Garnison bewohnten, zu vermieten, unb der Wirt fragte an, da er gehört habe, daß ich den Abschied genommen, vb ich die Miete fortsetzen wolle, sonst wäre die Möglichkeit da, einen Offizier, der in das Regiment versetzt worden sei, in meinen Wertrag ein treten zu lassen. 'Das schreckte mich auf und gab mir jäh die Spann- kraft zurück. Ich konnte das Packen nicht fremden Händen überlassen. Zwar fürchtete ich mich, die Räume wieder- zusehen, in denen ivir glücklich gewesen waren, die Gegenstände zu finden, die sie in Händen gehabt hatte, aber ich sah ein, es mußte fein. Und meine Rückkehr in die Heimat glich einer Flucht. Ich habe einpacken lasfen mit Windeseile, und dann bin ich, kaum waren die Koffer geschlossen, auf den Bahnhof gefahren, ohne noch einmal nach dem Grabe zu sehen. Ich wagte es nicht. Ich' wußte, toenni ich hinträte, hielt mich der kleine Hügel für immer zurück, ßä) fürchtete mich. Pom Zuge aus blickte ich hinüber nach dem Friedhof/ denn wir kamen nahe vorbei. Ich sah die weiße Mauer, sah etwas blinken, ein Kreuz, einen Stein, und dann rauschte die Etsch, die Bäume wehten, betäubend duftete es zum Fenster herein, das ich geöffnet hatte, denn im Abteil des Wagens war es zum Ersticken. Immer mehr entfernte sich der Zug. Dort drüben schaute noch Schloß Lebenberg herüber, auf der anderen Seite erschien noch einmal oben am Berge die Fragsburg, dann verschob sich das Bild, und dürch den heißen Tag, das sengende Dal keuchte der Zug Bozen /entgegen. Ich sag, in die Kissen gelehnt, in halbem Traum. Mir svar es eigentlich ganz gleich', wohin ich fuhr. Wenn ich schon einmal Meran verließ, vb nach Süden oder Norden, in die Heimat — alles ganz gleich. Kein Ort auf der Welt schien mir dem anderen vorzuziehen. Nur ein Bedürfnis empfand ich, so schnell als möglich daheim fertig zu werden. Wer ein Merkwürdiges geschah. Ms ich am andern Morgen in München auf dem Bahnhof frühstückte und, da ich einen Zug überschlug, ein wenig in die Stadt hineinging, tat mir das Lärmen und Brausen her Straßen wohl. An die Stille Merans und des Sterbehauses gewöhnt, blieb ich an einer Ecke stehen und Hieß MM vM, dM. Mercfusch des Merkehts betäuben, W setzte mich am Maximilianplatz auf eine Bank, müde und lässig, und mir schien plötzlich die ganze Zeit dort unten;, all das Sterben, das Leid wie ein ferner Traum. Es war mir, als läge das alles schon unendlich weit hinter mir, als wäre ich lange, lange, ja fast immer Witwer gewesen. 1 Doch während' ich so Gedanken spann, klang mit einem Mal neben mir Marias Stimme, so laut, so deutlich, daß ich 'zusammenfuhr unb mich umwandte. Zwei fremde, gleichgültige Damen gingen vorüber. Ich hörte, was die eine, die erzählte, redete, unb es war keine Spur von Aehn- lichkeit. Ein Laut, eine Wendung, ein Wort nur mußte so geklungen haben, wie meine Maria sprach, sonst war nicht der geringste Anklang. Doch das Vertrieb mich, und fortan war die Tote wieder an meiner Seite. Es schien mir, als ginge ich mit ihr. An einem Laden blieb ich stehen, wo es Lederwaren gab. Ich wußte, vor der Krankheit hatte sich Maria ein Portemonnaie gewünscht, das sie nachher in Meran nicht mehr haben mochte. Ich wollte mich zur Seite weirden unb fragen: „Maria, ist bieses das rechte?" Ich erschrak, als niemand neben mir stand', erschrak so, daß ich zum Bahnhof eilte, eine Stunde und länger vor der Zeit, um nur bald, wie ich hoffte, allein im Abteil zu sitzen. Ich begriff mich nicht. Das war doch wie eine Vision. Wahrhaftig, ich fürchtete, Dummheiten zu machen. Ich ward erst ruhig, als ich im Zuge saß unb — glücklicherweise wirklich allein — mich in die Ecke brücken konnte, meinen Gedanken überlassen. Wo weilten sie? Ist es nröglich, anderwärts als bei ihr? Ach, jenes Vergessen in München, im Lärm der Gassen war nicht die Beruhigung der Zeit, Meß ein Ausspannen des Hirns, das nur noch des einen Gedankens fähig gewesen: Maria ist nicht mehr! — 9tun sah ich sie vor mir während dieser ganzen entsetzlichen Fahrt. , Sie saß an meiner Seite. Sie lehnte in den Kissen mir gegenüber. Sie beugte sich zu mir, daß ihr schwarzes Haar meine Stirn streifet. Ihr Atem flog mir entgegen, und als ich die Reisetasche öffnete, daß mich ein Buch auf andere Gedanken bringen sollte, hielt ich beim ersten Griff ihren kleinen Taschenspiegel in der Hand, den sie mir auf der Reise immer zur Aufbewahrung übergab, seitdem' er einmal in ihrer kleinen Tasche zerbrochen worden durch die Brenu- maschine, die darauf gefallen war. Dann kam ich an in der kleinen Garnison. Ich hatte keinen Wagen bestellt, man sollte nichts wissen von meiner Anwesenheit. Hinten herum schlich ich mich, durch Seitengassen, zur Billa, die draußen einsam an der Straße lag. Mit den geschlossenen Läden sah sie ans wie erstorben. Ich rief die Hausmannsfrau. Sie sagte' ein Paar terl- nehmende Worte. Stumm drückte ich ihr zuw Danke bte Hand. Dann trat ich ein. Es war heiß, dumpf in den Zimmern. Der scharfe Geruch des Kampfers schlug mir entgegen. Es sah so nnwohnlich ans in diesen Räumen, mit ihren gbgenomme.nen Vorhängen^ tzyr MaMMgerM -eii Teppichen, Leit L'iseitc geschobenen Möbeln, die verhängt waren mit Hellen und dunkeln Tüchern. Wie große Särge starrten mir die Betten entgegen, und die unter der langen Decke in der Mitte znsammengeschobeuen Kissen machten den Eindruck, als läge dort jemand aufgebahrt. Ich riß die Hülle fort von Marias Lager und setzte mich- dorthin, lvo "sie geruht, neigte mich zum Kopfende und Lachte an mein Weib. Es Ivar nur, als läge gefangen in Len Kissen noch der Duft ihres Leibes, als atme der Stoff ihn aus. Und als ich mein Gesicht in den Polstern vergrub, kam solch zwingende Vorstellung über mich derer, die ich liebte, daß meine Hände sich verwählten und verkrampften, als umschlössen sie die lieben Schultern, und ich die Wange in den Stoff niederdrückte im Gefühl, ihr rosiges Fleisch warm und glatt neben mir zu empfinden. Ihre Brust, die da atmend sich hob, ihr Leib, der da lebte. Lebte, lebte! Ja, Leden war noch in ihr. Sie war mein. Ich hatte doch eben noch mit ihr Zwiesprache gepflogen, Wort war von Mund zu Munde gegangen. Sie lebte! Den Duft ihres dunkeln .Haares hatte ich eingesogen, eben, eben noch. Sie lebte, sie mußte leben! ; Freudigkeit, neuer Mut überrannen mich. Sie stand vor mir. Maria! Und ich blickte mich erschrocken um in der öden Leere der Wohnung. Ich sah nur das zerwühlte Bett. Die Kissen waren herabgefallen. Alles schwieg. Kein Mensch war hier. Kein liebender Laut tönte mir entgegen. Ich befand wich allein, allein, wie ich nun immer durch dieses trostlose Leben schreiten sollte! Da floh ich aus dem Zimmer. Ich setzte mich drüben nebenan an den kleinen Schreibtisch Marias. Ich hob das Tuch, das lang bis zum Boden hängend ihn bedeckte. Da stand noch alles, wie es gewesen war. Die Bilder, föip kleinen Gegenstände, die eine Frau um sich liebt, unnütz uitb doch nötig zur Bequemlichkeit, zum Schmuck, zum Wohb- gefühl der Behaglichkeit. Das alles hatte sie bis zum letzten Augenblick so gelassen. Vielleicht sollte es noch fort» geräumt werden oder mitgenommen nach Meran? Ich wußte es nicht. Es war wohl vergessen worben in der Krankheit, der Eile der Abreise von den Leuten, die cs bequem gefunden hatteir, einfach die Decke darüber zu breiten. Mir aber Ivar es, als müßte ich jener unbekannten Hand, die sich die Arbeit erspart hätte, dankbar sein für ihre Lässigkeit. Da lag noch die Mappe, etwas schräg, als ob der Besitzer sie eben erst zugeklappt und ein Stück beiseite geschoben hätte. Ich strich zärtlich über das Leder, das so ost meines Weibes zarte, feine, schlanke Finger berührt hatten. Dann nahm ich ein Tuch und begann den Staub von der Tischplatte zu wischen und von den Rahmen mit den Bildern, die im Halbkreise standen. Marias Eltern schauten mich an, weich, mild die Mutter, ernst der Vater, im Anzug des Bergsteigers, mit dem Seil über der Schuller, den Pickel in der Hand, als wollte er sagen: Dort gehöre ich eigentlich hin, in die Berge, in die Natur. Wie ich das Auge über die Bilder vor mir gleiten ließ, siel der Blick auf eine Heine,- unscheinbare Photographie in einem schmalen Metallrahmen: Herzeloide. Es war das einzige Bild, das ich von ihr kannte. Sie hatte zu Maria einmal gemeint, sie eigne sich nicht zum Photographieren. Ich nahm den kleinen Rahmen in die Hand und besah die ruhigen Züge des alternden Mädchens. So lieb und vertraut blickten mich die großen Augen an, so ruhig, so selbstverständlich, als sprächen sie: Fasse Mut, und dir wird die Sonne wieder scheinen. In meiner Einsamkeit war es mir, als befände ich mich nicht mehr ganz allein, als redete wirklich eine freundliche Stimme mit mir, und leise klang es mir in den Ohren, jenes letzte Wort, das ich von Herzeloiden gehört, mit dem die Erinnerung au sie verknüpft schien: „Sie ist heimgegangeu." Heimgegangen! Ja, heim zu Friede» und Schmerzlosigkeit, zu dämmerudenr Warten auf mich, der ich einmal doch wiederkehren würde zu ihr. Da empfand ich etwas wie Dankbarkeit gegen Herzeloide. Sie erschien mir als einziger Mensch, der mir noch Trost und vielleicht ein tvenig Ruhe brachte, nur durch ihre stumme Gegenwart auf diesein kleinen Bilde. Ich fühlte mich nicht mehr so allein. Maria hatte Herzeloide liebgehabt und Herzeloide Maria. >ich stellte das Bild vor mich hin. Es sah gerade mich an, und dieser weiche, ruhige Blick schien mir zu sagen: Ja, N ist heimgegangen, aber könnte sie noch sprechen zu dir, sie neigte sich herab aus Himmelshöhen und flüsterte diL ins Ohr: Fasse Mut, lebe wieder dem Leben. Bin ich in Werzweifelung voir dir gegangen? Habe ich geweint? Habe ich nicht lächelnd dem härten jungen Tode ins Auge gesehen? Und ich bin nur eine Frau, du aber bist ein Wann. Sei ein Mann, Geliebter! Durch Herzeleides Mund schien Maria zu sprechen. Da faßte ich Mut, richtete mich auf und stellte das kleine, unscheinbare Bild zurück, dorthin, wo es gestanden hatte, mitten hinein zwischen die Photographien vor mir, die Maria einst vor sich gehabt, wenn sie schrieb. Hier schrieb sie. Hier ruhten ihre Arme. Hier ihre Hände aus bjer Mappe. Ich schlug sie auf und blätterte die Lvschpapier- seiteii nm: ein paar Briefumschläge und Bogen lagen da, lila, ihre Lieblingsfarbe. Ich nahm sie in die Hand, einen nach dem anderen. Sie waren leer. Ein Duft, den ich begierig eiusog, schien daran zu hängen. Ein zarter, leiser Duft, nur so, daß man fühlte, dieses Papier war in einer belebten Hand gewesen, hatte einem gedient. Langsam schob ich sie zusammen. Ich blätterte weiter. Nichts fand ich mehr. Unwillkürlich fühlte ich in die Seitentaschen, und wie ich tastete, knisterte es darin. Einen halben Briefbogen zog ich hervor: Marias Schrift. Ich hielt das Blatt ans Licht. Ich sah. Ich las. Meine Augen blieben haften. Bon neuem flogen sie über die Worte, die dort standen, und wieder, immer wieder begann ich zu lesen jenen angefangenen Brief an mich, der vielleicht nicht beendet wurde, weil ich vom Dienst zurückgekehrt Ivar, während sie mir schrieb, oder weil fie unterbrochen worden war und schnell das Blatt verborgen hatte, darauf Liebe stand, nur, nur Liebe. Diese Zeilen hießen: „Du mein Leben, Du mein Glück, laß es Dir sagen, so gut ich kann, daß Du mein Gedanke bist vom Erwachen bis zum letzten Ateiuzuge. Es kann kein Dasein mehr ohne Dich geben. Ohne Dich möchte ich nicht mehr auf dieser Erde sein, und . . Und? Und? Der Tod spricht nicht mehr. Sie ist von mir gegangen und nahm alles mit sich, was nach diesem „Und" noch steht in ewigem Schweigen. Nun sitze ich hier vor dem Geistergruß ihrer Hand und sinne und zersinne mir das Hirn: Was hat sie noch sagen wollen? War es ein Wort der Liebe? War es eine Frage an mich? Wie geht /z Meter hoch Der Rufgang zum Denkmal bildet eine Treppe, die 32,50 Meter breit sich von der zum „Forum Jtalicum" umgeivanbcltcn Piazza Venezia erhebt. Saccoui bestand darauf, daß der die linke Flanke des Platzes beherrschende Palazzo Torlonia mit den ihm angebauten Häusern Uiebcrgertffen und durch ein Pendant deS die rechte Seite füllenden Palazzo Venezia ersetzt werden sollte. So erhielt er zwei kolossale Pylonen, die die Ouvertüre zu der Riescusinsonie des freigelegten, weißfchimmernden Denkmals bilden, das in der Achse des Corsos liegt. Ten ersten Teil der Treppe begrenzt ein Geländer, dessen Köpfe von zwei 7 Meter hohen Bracccgruppcn geschmückt sind, die den Getost,en und die Handlung darstellen. Diese Köpfe enden in Pilastern, auf denen große Flaggenstangen ragen. Quer zum ersten Absatz der Treppe zieht sich der so- geimnnte „Altar des Vaterlandes" (9(ra Patriae), der halb gradlinig, halb gekrümmt, sich 50 Meter lang hinzieht. Diese Ara Patriae hat eine schmerzensreiche Geschichte, da man sich lange nicht über seinen RelisssckMUck einigen konnte. Die Söhne und Enkel der Frcihcitsparlameutarier hätten gerne gesehen, daß. man Hefe dort konterfeit hätte Ind zwar naturgetreu in Gehrock ober B rack und in Zylindern Soccoui stemm le sich dagegen mit gller Macht, da er hier die Antike verherrlichen wollte; schließlich ließ er sich von bem! Philosophen Bevio die Idee suggerieren, in der Mitte des Altars einen Nischentempel mit der Göttin Sfionut einzubauen und an den Seiten durch Hochreliefs die Geschichte der Einheitskriege symbolisieren zic lassen. Diese Symbole 4,20 Meter hoch wurden von der Hand eines jungen Bildhauers Zauelli meisterlich auSgeführt. Der erste Absatz, der 6,60 Bieter über dem Platz liegt und 66 Meter breit ist, hat an den Seiten zwei 16 Meter breite Rampen, die zu einem Hochplateau, 9 Meter über dem venezianischen Platz, führen. Dessen Frontmauern zieren zwei monumentale Fontänen, die das Mittelländische und Adriatische Meer barstellen. Je eine Rampe über diesen Fontänen führt zu den Eingängen der turmartigen Seitenbauten ober Propyläen, Eingänge, die ins Innere führen. Sie liegen 12 Meter über der Platzsohle. Bor ben Portalen stehen je zwei 5 Meter hohe Gruppen in Stein, die, Stärke, das Recht, bas Opfer und bic Eintracht darstellend. Zwei 10 Meter breite Rampen führe» bei 191/2 Bieter Höhe auf die Plattform oberhalb der Ara Patriae. In ihrer Mitte erhebt sich der viereckige mit Waffenemblemen versehene Unterbau des Reiterdenkmals. Auf diesem Viereck steht der riesige Sockel, dem der Sockel des kapitolinischen Marc Aurcl- Dculmals als Vorbild diente. Dieser 11 Meter hohe Sockel ist von Bildhauer Maccagrimi mit Reliefs geschmückt, die die Städte rühmen, die sich um die Einheit des Vaterlandes verdient machten. Aus diesem Unterbau erhebt sich bic vergoldete Reiterstatue, die 12 Meter hoch ist. Sic erforderte 50 000 Kilogramm Bronze Und wurde in Rom gegossen. Für bas Modell erhielt Chiaradia eine Million Lire. Von der Hochebene des Reitierstandbildesi gelangt man auf die Hauptplattsorm, die die Größe eines Marktplatzes hat und 271/2 Meter hoch liegt. Im Hintergründe erhebt sich das 9,50 Meter hohe Stylobat, auf bem der Zeiitralportikus! aufsitzt. Die Wände des Stylobats schmücken acht große sitzenbe Statuen: Cavour, Garibaldi, Mazzini, Gioberti (der Einheits- Philosoph), Alanin (der Präsident der Republik Venedig von! 1849), Guglielmo Pepe (General aus Neapel) und die Staatsmänner Ricasoli und Fariui. Rechts und links vom Stylobat führen Rampen zu den oberen Plattformen der Portalvorbautest der Propyläen, auf ihnen leuchten die braunen Säulen aus Brecciato von Pietrasanta, die vergoldete Viktorieu tragen. Die Sockel dieser Säulen sind reich dekoriert. Einige Stufen führe» hinauf zu den beiden Prouai der Propyläen, welche den Zeiitralportikus flankieren. Die Giebel dieser tempelartigen, aus vier Säulen ruhenden „Vorschiffe" zeigen Basreliefs, welche die Freiheit Und bic Einheit darstellen. Hinter ben Vorschiffen ragest die Propyläen hervor, die von ben vergoldeten 9 Meter hohe» Quadrigen gekrönt sind, deren Spitzen 70 Meter über der Piazza liegen. Der konkave Zentralportikus ist 72 Meter lang und 7,6Q Meter breit. Seine Säulen an dex Front, int ganzen 16, sind nach, den Säulen des Castortempels auf dem Forum gebildet.. Sie haben einen Durchmesser von 1,53 Meter und, Sockel unbl Kapitäl einbegriffen, eine Höhe von 15 Meter. Das Gebälk über ihnen hat einen Fries von Adlern und Festons, bic Aktie« ist geschmückt mit 16 Hochreliefstatueu, welche bic 16 historischen Landschaften Italiens barstellen. Die Hinterwand des Portikus ist unten mit Trophäen und koloriertem Marmor und oben! mit einem Streifen Goldmosaik geschmückt, dessen Figuren die Apotheose der Einheitszeit behandeln. Der Fußboden ist mit kostbaren Marmorplatten ausgelegt. Tie Gesamthöhe des Portikus, das Stylobat einbegriffen bis zum oberen Rand der Attica, beträgt 35 Meter. Trotz dieser riesigen Verhältnisse wirkt der Portikus, zu bem alle Linien der Unterbauten strahlenförmig als) auf die Hauptsache hiuziehcn, gefällig und leicht. Ueberhaupt wirkt der ganze kolossale Ban niemals wuchtig,- im Gegenteil, fast wie ein Riefenspielzeug, besonders wenn man ihn vom Corso aus betrachtet. Seiner imponierenden, alles über» wältigeuben Größe wirb man erst gewahr, wenn man zur Höhe des Portikus gekommen ist und nun auf ben Platz higuuicrsiehw Aehnlich geht es ja auch mit der antiken Basilika des Konstantins auf bent Forum, die von weitern klein aussieht, während mast unter ihren Riefeubogen sich znw Insekt zusammengegnetscht vorkommt, und in der Peterskirche scheint die Fassade dem Bchchaner zunächst auch klein, wie anders ist aber der Eindruck, wenn man auf dem Dache steht, oder von dem Innern der Kuppel aus hinunterblickt! Noch imponierender wirkt der Runbblick von ber Attica des Zentralporti'kus auf dem Natioiialbeukmal. Von ihr! aus hat man bic ganze Provinz Rom zu seinen Füßen, >0 gewaltig, packend ist bic Größe der steinernen Stadt, aut der nur stehen, baß selbst die Petersknppel an Wert verliert Nur ein Ban, bas Colosseum, kann sich noch halten gegenüber bem Monument Viktor Emanuels II. Das Panorama aber, bas sich bietet, ist so über alle Maßen schön, baß Leute, die btc ganze Welt bereisten, in ehrfürchtigem Staunen schweigend gebannt stehen. Run lockt aber das Innere bc*3 Riesenbaues. Drei Mute«» enthält er, ohne bic hohen Jnnentempel ber Propyläen mit ihren stolzen Kuppeln. Am herrlichsten wirkt ber Saalumgang hinter dem Portikus. Hier stehen mir entzückt vor einem Rätsel, bas die Grenzen zwischen Skulptur und Malerei zu verwischen Ichemt. Saccoui ließ die seltensten Stücke antiken Marmors .auswahlen Und so zerschneiden, daß er aus b.e.u einzelnen Platten, bic er an 340 Bett Wänden ünb rächte, farbige Zeichnungen erhielt, die Alpen- la ad schäft en, Meereslvogen im Sturm itttb antike Theatermasken darstellen. Hier ist der elegante Kunstsinn schon znM Raffinement gesteigert, ohne aber zu verletzen. In den Vestibülen der Propyläen find die Decken mit Bronzekassetten geschmückt, die den besten Mastern der antiken Thermen nachgebildet sind. An den Portalen lint Innern hat Sacconi wieder polychrome Malerei mit antikem Marmor verwendet. Die Italiener Wunen auf dieses Denkiüal stolz fein. Dabei tritt außen der Bau noch gar nicht so imponierend auf, weil die knappe Zeit es noch nicht erlaubte, ihn rechts 'und links ganz freizulegen. Ar., L. Kuhn, Transportable schwimmhaüen. Wohl bestehen scholl in mancher delitschen Großstadt Hallen- schwiinmbäder, doch ist ihre Anzahl immerhin relativ gering. Es hätte sich vielleicht schon manche Stadt entschlossen, ein solches Bad zu errichten, wenn nicht so außerordentlich große Mittel vonnöten lvären; man kann im allgemeinen mit 400 000—500 000 Mk. rechnen. Das Müllersche Volksbad in München kostet sogar mehr als 1 Million. Man hat schon oft darüber nachgedacht, für solche kostspielige Anlagen einen brauchbaren Ersatz zu schaffen, doch bis jetzt so giit wie ohne Erfolg. Die Jnterliationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 wird die erste brauchbare Einrichtung dieser Art vorsühren. Es ist dort die erste transportable Schwimmhalle nach den Plänen des Diplom-Ingenieurs H. Recknagel, Berlin, erbaut und am 14. Mai dem Betriebe übergeben worden. Das Bassin für eine solche transportable Schwimmhalle wird in billiger Weise aus Beton hergestellt und in möglichst verkehrsreiche Gegend gelegt, z. B. an zentral gelegene Bauplätze, die erst nach einer Reihe von Jahren bebaut werden sollen. Während dieser Zeit können Betonbassin und Fundamente leicht amortisiert werden, um im Falle der Bebauung des Platzes an anderer günstiger Stelle neu zu erstehen. Die Wafferzufuhr kann von einem Flusse, von einem See, von Quellen oder auch von der städtischen Wasserleituilg aus geschehen, da bei Anwendung der englischen Wasserfilter der Bedarf an Frischwasser nicht allzu groß ist. Durch die beständige Wasserreinigung wird die Keimzahl des Badewassers nach den neuesten Untersuchungen so weit herabgesetzt, daß der Gehalt an Keimen geringer wird als im frischen Zulaufivasser. lieber dem Bassin bringt man einen leichten Hallenüberbau mit Segeltuchdecke an, der an kühleit Tagen die wünschenswerte Temperierung ermöglicht. Diese fliegenden Hallenschwimmbäder werden mit Lokomobilen ausgerüstet, die für die Erwärmung des Wassers und im Bedarfsfälle auch für die Erwärmung der Luit Sorge tragen. Die Lokomobile ivird atlsgenützt zunt Betreiben der Wasserpumpen und Wafferstlter. Attf diese Art wird die Badesaison erheblich verlängert. Die überschüssige Kraft der Lokontobile kann noch zur Erzeugung von Wellenschlag nach dem einfachen Höglauerschen System Verwendung finden. Dadurch wird ein ganz besonderer Reiz ohne erheblichen Mehraufwand geschaffen. Es handelt sich hierbei nicht nur tim eilte Steigerung des Badevergnügetts, sondern auch tim den sanitären Vorteil der kräftigen Sturzwellen von 0,8 bis 1 Meter Höhe, die itach der Entdeckung von Geheimrat Dr. Brieger auch zu einer mechanischen Zerstörung der int Wasser befindlichen Bakterien führt. Außerdem kann hier das Schwimmen gegen die Wellen, das eine erhöhte Schivimmbetätigung bedeutet, geübt werden. Für Orte, denen die Erbauung eines massiven Hallenschwimmbades aus finanzielleit Gründen unmöglich ist, dürfte es sich empfehlen, ihr Augenmerk auf die „Transportablen Schwimmhallen* zu richten, bei dem verhältnismäßig geringen Kostenaufwand von 80000—100 0G0 Mk. stellen diese Schwimm hallen einen in hygienischer und architektonischer Beziehung mustergültigen Bau dar, und sie lassen sich mit diesem Betrage so groß herstellen, daß Schwimmfeste (Wett- und Schauschwimmen) wie in der Ausstellung in einem Bassin von 12 x 39 Meter abgehalten werden können. VerinUchtes. * Pfingsten. TaS Wort „Pfingsten" ist nicht weniger bemerkenswert als Weihnachten und Ostern. Freilich ein großer Unterschied ist auf den ersten Blick erkennbar: während in' jenen Namen sich Erinnerungen an heidnische Feste fortpflanzten, ist der Name Pfingsten rein christlichen Ursprungs. Er geht zurück auf das griechische pentekoste (hemera) — der fünfzigste (Tag), nämlich nach Ostern, und scheint mit Wörtern wie K i r ch e und Pfaffe durch Vermittlung des Gotischen vor der althochdeutschen Zeit in die deutschen Mundarten eingedrungen zu sein. Denn die außergermanischen Völker Westeuropas haben mit der römischen Bekehrung später die in der lateinischen Kirche üblichen Wörter eccleaia (Kirche) und clerieus (Pfaffe) eingeführt; zu der Zeit aber hätte das anlautende p von lat. penteeosta (vgl. sranzös. la Pentecöte) im Hochdeutschen nicht mehr zu pf verschoben werden können. So ist das Wort ein Rest der frühen griechisch-arianischen Bekehrung unter den deutschen Stämmen. Allerdings hat aus peutecoste Kickst ohne weiteres Pfingst e n werden können. Int Althochdeutschen muß es vielntehr pfinkusti (ohne n am Ende) geheißen haben, doch ist diese Form zufällig nicht belegt; aber sie ivird durch solche neuhochdeutschen Zusaminensetzungen wie Pfingstsonntag, Pfingstrose usw. bezeugt, und ein althochdeutscher Schriftsteller, Notker, der das Wort seinen Lesern verständlich macheit will, gebraucht die Form finfchusti, indem er wenigstens den ersten Bestandteil übersetzt tmb den zweiten an kust (zu kiosan, wählen) anlehnt. Das ntiltel- hochdeutsche pfing(e)sten aber, das auf die nicht nachweisbare althochdeutsche Form zurückgeheit muß, erklärt sich (wie „Weihnach t en") als Wemfall (Dativ) der Mehrzahl in Anlehnung ait Fälle, in beiten das Wort als reine Zeitbestimntung mit einem Verhältniswort gebraucht wurde (auf, nach, von, vor, zu Pfingst e n). Daraus wurde beim ein neuer Werfall (Nominativ) bet Mehrzahl und sogar bet’ Einzahl gebildet. So haben wir noch heute in der Mehrzahl „die Pfingsten": „Fröhliche Pfingsten", „Nasse Pfingsten, fette WeihnachtenI" (Sprichwort); in der Einzahl „das Pfingsten" (d. h. Pfingst! e st): „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen" (Goethe). „Ein Pfingsten, rote ich's beschreiben will" (Jean Paul). Daneben auch „die Pfingsten": „So wird euch die Pfingsten zum Pfingstbier laden" (Ftschart). Das Fehlen eines heidnischen Wortes für das Pfingstfest läßt übrigens darauf schließen, daß es in dieser Zeit ein entsprechendes genteingermanisches Fest nicht gegeben hat; denn selbst hier und da noch verbreitete Gebräuche wie das Schlachten des bekränzten Pfingstochsen, die Psingstreckenzüge tt. a. sind dafür kaum als beweiskräftig anzusehen und deuten wohl nur auf Einzelfeste hin. Sonst würde sich zweifellos ein gemein- germanisches Wort dafür erhalten haben. So hat sich ja gegenüber dem in manchen mittel- und niederdeutschen Gegenden gebräuchlichen Pasch (vgl. franz. Päques) bas deutsche Wort O st e r n überall burchgesetzt. Unb anderseits hat bas Englische auch für bas Pfingstfest zwar eine einheimische Form „Whitsuntide, Whitsunday“, aber auch sie ist nur in Anlehnung an beit christlichen Brauch zu erklären, zu Pfingsten vorzugsweise bie Taufen abzuhalten tmb beit Neugetausten bazu eine Woche lang weiße Kleider anzuziehen. Fredenhagen (Hamburg). * Der S ch ei d u n gs z u g. Der elegante, vornehm aus- gestattete unb von der fashionablen Welt imt Vorliebe benutzte Expreßzug, ber von New Port nach Reno, ber Hauptstabt von Nevaba, führt, mußte in ber vorigen Woche einen besonderen Scheidungs-Pullmannwagen einstellen, der nur von reichen Frauen und ihren Kammerzofen besetzt wurde, bie alle bie eine Absicht haben, sich in Reno scheiden zu lassen. Die Damen, die zumeist jung und schön waren, reisten unter angenommenen Namen und erklärten, sie wollten einmal einen Besuch in Nevada machen, „um sich die schöne Gegend anzusehen". Aber über ihre wirklichen Absichten herrscht kein Zweifel: sie ivollen noch die letzte günstige Gelegenheit wahrnehmen, um in Reno rasch ein ihnen beschwerliches Ehejoch abzuschütteln. Die wackeren Väter des Staates Nevada sind nämlich nicht damit zufrieden, aus ihrer Hauptstadt Reno das Mekka aller unglücklich Verheirateten gemacht zu haben, wo man als Grund ber Scheidung einfach Unverträglichkeit bes anbereit Gatten ober bnrch ihn verursachten „Scelenschmerz" angeben kann, sie wallen biese vielbenutzte Form der Eheanflösung noch einträglicher gestalten als sie schon bisher war und haben deshalb ein Geseß erlassen, daß jede Person, die sich in Nevada scheiden lassen will, sich erst 6 Monate int Staate aufhalten muß, um das Bürgerrecht zu bekonunen. Dieses neue Gesetz tritt am 1. Juni in Kraft. Die Aussicht auf die drohende Erschwerung der Scheidung hat nun eilte große Pilgerfahrt von reichen Männern und Frauen hervorgerufen, die sich noch von beit Ehefesseln befreien wollen, ohne sechs Monate in einer so langweiligen Gegend sitzen zu müssen. Der „ScheidtiitgSzug", wie man beit Expreß von New Port nach Reno nennt, ist voll von beit elegantesten Damen und Herren, die so viel Gepäck mitbringeit, daß er 15 Minuten länger in Reno halten muß. * Der kleine Fvitz sitzt gemütlich am Mittagstisch bei feinem Eltern, bie sich über sein drolliges Wesen sehr amüsieren. „Ich glaube," ruft er plötzlich stolz, „Ihr habt euch nur geheiratet UM Mich kennen zu lernen!" „Jugend.," Vilderrätse?. Auflösung in nächster) Nummer: Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Das Feuer. Redaktion: I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Vuch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.