Samstag ds« t Aykll M .MM MMLMZM KK yrg i>- D > Frühlingslied. Die Zeit des Erwachens, sie ist wieder da, Laut jubelnd laßt sie uns begrüßen! Als ob über Nacht just ein Wunder geschah, Seh'n saftiges Grün rings wir sprießen. Das muntre Gezwitscher der Vöglein erfreut Uns aus tausendstinunigen Kehlen, Verheißt, daß auf Erden nach düsterer Zeit Auch sonnige Tage nicht fehlen. Und wie in der freien Natur sich's vollzieht Wo alles neu atmet und strebet, So freudiges Hoffen das Herz uns durchglüht, Zu Wirken und Schaffen belebet. Erfüllet mit Dank gegen Gott, der uns ja Stets des Schönen so viel läßt genießen — Die Zeit des Erwachens, sie ist wieder da, Laut jubelnd laßt sie uns begrüßen! I. D o r n. Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. Dorksetzung.) (Nachdruck verboM-I Die Kosy zitterte an allen Gliedern, so was regte sie auf und brachte sie aus der Fassung. Wie konnte eine Frau so unvernünftig sein und die Fenster weit offen lassen bei solchem Wetter? Und überhaupt — wie die hier hauste! „Ist das nicht akkurat wie bei der Lengerich?" fragte sie immer tvieder. „Machen Sie mal hier fertig, Frau von Hilbach, ich will nachsehen, ob in der Mche alles KU ist!" Nach einer Weile kam sie ganz entsetzt zurück. „Kommen Sie mal mit, Frau von hilbach! — Nu haben wir die Erklärung! Da, — sehen ®te mal, — fünf, sechs, sieben, — ach über ein Dutzend leere Flaschen! Und hier hinter dem Herd eine ganze Kiste voll! Die trinkt^ pie ist auch jetzt betrunken! Ich sag's ja, wenn eine keinen Mann hat und hat genug zu leben, das ist in den meisten Stätten ein Unglück. Die können wir auch nicht im Hans behalten. Was kann so eine nicht all anrichten? Nee, ttet! Nu gehen Sie mal in meine Wohnung, Frau von Hilbach und sehen nach Erwin; ich werd zu den Berlinern hinunter gehen. Die sind imstand und zischen aus Und all das wegen so einer!" Sie leuchtete mit ihrer Laterne über das Bett, trt dem fri* Frau Küster lag. Sie schlief so fest, daß «in Kanonenschuß sie nicht geweckt hätte. Sie lag quer wt Bett und hatte die eine Hand auf das aufgedeckte Bett, das neben dem ihren stand, gelegt. Die Kosy schüttelte ein paarmal >en Kopf: „Die muß 'raus und zwar ganz, schnell, sonst kriegen wir noch einen Skandal wie den mit der Lengerich, un» o was bringt das beste Haus in Verruf." Am nächsten Tage schien die Sonne; Die Menschen im Haus io ar en freudiger wie vorher, und die Berliner Familie sagte nichts vom Abreisen. Ein paar Arbeiter brachten das Nötigste instand, aber noch ehe sie zum Brunnen ging, war die Kosy über bte Brücke zum Arzt gelaufen und hatte ihn für zehn Uhr bestellt. Sie wollte mit ihm bei der Frau Mster eine« Besuch machen. — Bei der war nun merkwürdigerwe^e die Flurtür, die in der Nacht offen gestanden hatte, verschlossen, und sie öffnete erst nach geraumer Zeit. Der Kosy sah sie mit einem sonderlich vertrauten und doch fremden Blick ins Gesicht. Als sie den Doktor gewahrte, schwankte sie einen Augenblick, taumelte, schrie dann: „Eduard, mein Eduard!" und fiel ihm nm den Hals. ' Auf ihrem Nähtisch stand eine halbleeve Weinflasche. Als der Doktor sie jetzt zum Sofa führte, lallte sie: „Diene dagewesen, gestohlen! Eduard, bleib doch bei mir! Sag was, ich bin ja schon ruhig!" — Es war gar nichts mit ihr auzufangen, sie war ihrer Sinne nicht mächtig; erst am Abend, als der Doktor zum zweiten Male kam, war sie nüchtern und gab unter Tränen Auskunft über ihren Gemütszustand. Sie war aucki mit Freuden bereit, aus dem Witwenhaus auszuziehen' und aufs Land zu gehen. Da wußte der Herr Doktor irgendwo einen Kollegen, der solche Leute bei sich aufnahm, die das Gleichgewicht verloren haben und eine Stütze brauchten. Da die Frau Mster eine mäßige Pension gut zahlen konnte, kam man gleich überein, und zwei Tage später schied wieder eine Witwe aus dem alten Saalehaus und die Kosy schwor sich, nun keine allein- stehende Frau wieder aufzunehmen, denn wenn sie nicht verrückt waren, wurden sie es hier. Mochte der Himmel wissen, woran das lag, und sie sah besorgt nach der Pastorm Wohnung hinüber. Bis zu Mitte September hörte der Lärm, das Kommen und Gehen im Hause nicht auf, dann aber kam die RuW plötzlich. Ehe der stille, schwermütige Herbst den Wald im Thüringer Nestchen bunt färbte, ehe die langen, stillen Herbstabende da waren, hatte die Kosy die Vorderstübchen schon für Frau von Hilbach hergerichtet, hatte sie Liese und ihre Mutter entlassen, und das Witwenhaus hatte sem alles Gesicht wiederbekommen; es schien erfreut, daß fern« Mauern nicht mehr so viel Fremdes, Lautes umschließen mußten. _ , Die Kosy saß den ganzen September über noch ayr Brunner^ weil das vorschriftsmäßig war> aber [te Mrtt — 206 — Da war's wie ein Rauschen durchs Zimmer gegangen, so als ob raschelnde Vorhänge vom kühlen Nachtwind emporgehoben würden; dann war es gewesen, als ob einer mit Sanz leisem Hauch ein flackerndes Lichtchen zum Verlöschen ringt. Kein Seufzer, kein Ton int ganzen Raum, nur em Rascheln, irgend etwas ganz Geheimnisvolles, das im Nu wieder verschwindet — und doch fühlte Frau von Hilbach, dah ein kalter Schauer durch ihre Glieder ging. Was da oben das Zimmer erfüllt hatte, das war etwas 'Großes, Gewaltiges gewesen, etwas, was Menschen nicht begreifen können. — Sie griff an ihre Stirn und besann sich. Hier saß sie MN Bett eines Schwerkranken und hatte an Leben und Zukunft gedacht, das war nicht recht. Sie beugte sich über den Kranken, wollte ihn etwas fragen, aber sie schrak »eftiae Schmerzend allen Gelenken und'schleppte sich abends i rück. Er hatte sich verändert Mas Lächeln um seinen E mdmüde n«ck Lau e Mund, dieses rührend schmerzliche Lächeln war geschwunden, »st todmuve nqcy fagtc sie am letzten die Augen waren starr, das Gesicht war grunlich-weiß ftchM M ft. l°i!°str!ch Ü6e; die Me Stirn M fi-rau %on Hilbach hatte sie in ihr Federbett eingepackt, I Mannes und dann ging ste zur Kosh, 5ie den Kopf aus ^d da blieb sie eine ganze Woche liegen. Wenn aber die Seite geneigt hatte und die zuerst nicht glauben wollte,- Menschen wie hie Kosh eine ganze Woche in ihrem Bett daß es so schnell gegangen sei. lieaeit bleiben dann haben sie Ursache dazu, dann sind Dte Frau Bauunternehmer schlief noch, beim, der frn'rtF lind die Koski war krank. — I Arzt hatte ihr am Abend ein Schlaspulver gegeoen; am sie wirklich krank, und die Kofh war^lranr. sie endlich wach wurde, konnte sie nicht recht begreifen. Sie war aber wie ein tapferer Soldat, die Kosh, sie Sie ließ sich aber zum Bett führen undweu^auclb aber raffte sich wieder aus, weil ein anderer sie brauchte. Die | nach einer halben «stunde schlief sie wieder. Der Arzt, den schmerzenden Gelenke hatte sie mit Watte umwickelt, und I die Kost) herbeigeholt hatte, bat Frau von Hilbach, sie ruhen wenn Frau von Hilbach müde war, saß sie manche Stunde I zu lassen, denn sie sei sehr erschöpft. .. ä K ÄSÄawäf äs bä »'« f« bet der s°-tg-M°n Weg- t>b--°nft--»gt P« „Das ist ein schweres Jahr!" seufzte die Kosh manch- I nicht zu schämen, wenn man weint. mal, wenn sie mit Frau von Hilbach allein im Wohn- I „Nu hat man gedacht, mit der Küstern sjst glücklich zimmer von Bauunternehmers saß. I eine Witwe aus dem Hause und gleich ist wieder eme andere „Da können Sie später Ihrem Doktor von erzählen, I drin. Was die Baunnternehmern betrifft, da hab ich kerne wenn Sie in Ruhe sind. So was ist in der Erinnerung I Angst für der ihre Zukunft---" immer schöner, wie in der Gegenwart!" I Kosh," sagte Frau von Hilbach und machte eine Be- Fran von Hilbach seufzte. Sie war müd und litt UN- Regung nach dem Bett hin, m dem die Frau Bauuntersäglich mit diesen beiden Menschen, die ihr lieb geworden nef)mei. schlief, die die Kosh zum Schweigen veranlassen waren. Auch mit ihrer Kosh litt sie, denn sie sah ihr wohl roIlte. an, wieviel Mühe es sie kostete, sich aufrecht zu halten. Der $ machte die, „der hat der Doktor eine doppelte kleine Erwin saß still in einer Ecke. Er war es jetzt schon Portion Schlafpulver gegeben, die schläft bis in den hellen gewohnt, dah die Menschen um ihn herum keine Zelt sür ^ag hinein. Schad't nichts, sie kann ja nichts dafür! ihn hatten; er fragte auch nicht mehr, warum sie weinten 1 grgenTl jemand boshaft wär, könnt er was drin finden, oder lachten, er war ein kleiner fertiger Mensch sür sich I toemt eine so fest schläft, während ihr Mann stirbt. Aber geworden, der abseits von seiner Umgebung lebte, der sich die hat wahrhaftig ihre Pflicht getan. Ne, um die ist seine eigene Welt für sich geschaffen hatte. , , I mir nicht bang, wenn die auch vom Bauunternehmer so Daß da dicht neben ihm in der nächsten Zeit einer otel Geld hinterlassen kriegt, daß sie keinen Finger zu sterben würde, das wußte er, das hatte die Kosh ihm ge- I Miren braucht, die macht darum keine Dummheiten. Ich sagt, und er dachte jetzt viel darüber nach, wie das wohl glaub, die heiratet wieder, die ist auch so hübsch vernünftig, wäre, wenn einer stürbe. Er lauschte oft, wenn er im I r0 ejne haben die Männer gern, besonders wenn sie Geld Nebenzimmer ein Geräusch hörte und war enttäuscht, daß I hat. Unser Bauunternehmer wird sich das bei Lebzeiten ein Tag nach dem andern verging, ohne ein Ereignis zu I wohl gedacht haben, und wird's ihr gönnen nach all den bringen. , I schweren Zeiten mit ihm. Ich bin nur neugierig, wo sie ihn Nicht nur der kleine Erwin, sie alle warteten mit | begraben läßt, ich denk mir doch jedenfalls in Leipzig, einer gewissen Ungeduld und Unruhe auf das Ereignis, das tn yeinex Vaterstadt!" eintreffen sollte und mußte, und das sich immer wieder I g^au von Hilbach antwortete nichts, sie hörte noch das verzögerte. • , , nr , . . , I geheimnisvolle Rauschen im Zimmer, sie hätte gern noch Die Kosh hielt tn ihrer naiven Art wieder lange lange still neben dem bleichen Mann gesessen und Unterredungen mit dem lieben Gott, stellte ihm vor, daß bätte nachgedacht über Dinge, die nichts zu tun haben mit es jetzt in jeder Beziehung gut pafch, wenn der Herr was uns auf Erden erfüllt und beschäftigt. Aber Bauunternehmer doch einmal das Zeitliche fcgnen mußte. ? f e§ um her Kost) Mund zuckte. Die wollt« Sie dankte auch dem da oben, der sie alle so wunderbar I sureckieu und da ihr dies derbe, gesunde Geschöpf der durch die vielen Wirrnisse dieses Jahres hmdurchgefuhrt I ^pueste 'Kamerad in ihrem schweren Schicksal geworden hatte, daß er den Bauunternehmer nicht in der Hochsaison 'tie6 fie sich von ihr herunterholen aus ihrer Welt der zu sich gerufen hatte; und wie denn alle ihre Gebete bisher ä' e un!) börte ihr zu. Erfüllung gefunden hatten, so ging es auch diesmal, und I iFortietzuna sollt zwar kam der Tod in einer wundervollen, stillen Herbste (Fortsetzung folgt, nacht, in der die Fenster weit geöffnet waren und eine tost- I liche Luft von außen ins Zimmer strömte. iw» ^6»« «(hlfldhffdliffe itt der dSUtickeN Marine. Gerade in dieser Nacht hatten sie ihn am wenigsten 9roöen . ™ ? \ erwartet, denn der Bauunternehmer hatte so still und Aus Mer aktiven Geschwadern bestand nach 1870 tue deutsche ohne Schmerzen in feinen Kissen gelegen und Milch und 1 Flotte, die aber ihrer Große sowie ihrem Gesechrnwert gemäß v-tn° bA»!aefic Untersuchungen ergaben, daß an jenem Tage außer Den Geldsendungen rin ganzer Vorrat geschliffener und ungeschliffener Diamanten eingeschrieben aufgegeben worden war' allein die entwendeten Edelsteine stellten einen Wert von mehr als 600 000 Mark dar. Kein Mensch hatte das. Gefafrct vor dem Postamt gesehen, Die internationale Polizei wurde alarmiert, es kam auch zu verschiedenen Verhaftungen, aber Die wirklichen Täter sind nie entdeckt worden. Ein anderer aufregender Fall, bei dem es zu Gewalttaten kam ereignete sich im Jahre 1883. Diesmal war der Dieb itt das Privatkontor des Juweliers Alexander tn London em- rtphrnnaen hntftc cuteu @ci(f Tnit diamanten, UND bei -Ö’C sitz er sich ihm entgegenstellen wollte, schoß der Verbrecher Detrt Juwelier eine Kugel in die rechte Hand. Dann sprang er aus dem Laden in eine bereitstehende Droschke nnb verschwand, ehe 208 mail an seine Verfolgung denken konnte. Nicht tuet bester ging es einem anderen Londoner Diamantenhcindler, der ein Jahr später von zwei fremden Besuchern seines Geschäftes plötzlich angefallen und überwältigt tourbe; die Gauner verschwanden mit reicher Beute. Aber die Juwelendieb'e verlassen sich nicht immer auf bte Kraft ihrer Fäuste; in der englischen Hauptstadt erregte es nicht wenig Aufsehen, als vor etwa 15 Jahren ein bekannter holländischer Juwelier im Hatton Garden-Distrikt, wo sich die meisten dieser Juwelenräubereien abspielen, von zwei Männern plötzlich durch Chloroform betäubt würbe. Die Diebe verschwanden mit reichlicher Beute, und erst später konnte man feststellen, daß die beiden sich schon Monate vorher in der Nachbarschaft des Juweliers ein Geschäft gemietet hatten, um zwangs- los mit ihrem „Kollegen" Fühlung zu nehmen und ihir dann im geeigneten Augenblick zu überwältigen. Vermachtes. * Das verweigerte Te d e um. Bei der Geburt des Königs von Rom (20. März 1811) wurde auf Beiehl Napoleons in allen Kirchen Frankreichs ein feierliches Te deum gesungen. Dieser Befehl gelangte auch nach Rom, der damaligen Hauptstadt eines französischen Departements, und berief die Gläubigen dieser heiligen Stadt zur Feier des freudigen Ereignisses. Die Kardinäle, Priester, Bischöfe und Sakristane hatten alles zur Festlichkeit bereitet, die Kirche des heiligen Peter war geschmückt und das römische Volk strömte herbei, um das Te deum zu hören. Aber als es eben beginnen sollte, bemerkte man, daß Sänger und Jnstrumentisten aus den Appell nicht antworteten. Sie waren auf ihrem Posten nicht zugegen, ja selbst der Kapellmeister Zingarelli fehlte, und es stellte sich heraus, daß dieser die Musiker fortgeschickt und seine Noten eingeschlossen hatte. Nicolo Zingarelli (1752—1837) war nun freilich nicht irgend ein Musiker, sondern einer der bedeutendsten Tonkünstler seiner Zeit und hervorgegangen aus der alten echten neapolitanischen Kunstschule. Man ließ ihn rufen, aber er äußerte nüi Entschiedenheit, daß er den neuen König von Rom nicht anerkenne ; den Römern sei durch seine Geburt durchaus kein Geschenk des Himmels zuteil geworden. Vergebens stellte man ihm vor, daß er sich gegen den mächtigen Napoleon nicht auflehuen möge, er blieb bei seiner Weigerung und erklärte, sich lieber den Damnen abhauen zu lassen, als den 'Taktstock in die Hand zu nehmen und seine Kapelle an solcher Gotteslästerung teilnehmen zu lassen. Natürlich mußte die Affäre nach Paris gemeldet werden und Napoleon befahl, daß Zingarelli nach Paris gebracht werde. Da der Künstler sich bereit erklärte, sich in Paris stellen zu wollen, ließ man ihn ohne Bewachung dorthin gehen, und so stellte er sich lm Oktober zur Verfügung des Kaisers. Inzwischen war Napoleons Zorn wohl verraucht, er wünschte wohl auch jedes unliebsaw.e Aussehen zu verineiden, das eine etwaige Bestrafung des berühmten Mannes machen mußte, unb die Anwesenheit Zmgarellis brachte ihn nun wohl gar in die Verlegenheit, was er mit ihm dort machen solle. So ließ denn der Kaiser bei ihm anfragen, ob er bereit sei, eine Messe für ihn zu komponieren. Zingarelli willigte gern ein und das schnell geschaffene Werk fand den größten Beifall aller Musikkenner. Zingarelli erhielt ein ansehnliches Honorar und man bedeutete ihm, daß er zurückkehren dürfe nach Rom. So endete diese Reise, für deren Ausgang alle seine Freunde in großer Angst gewesen, für ihn mit einer hohen Ehrung und großem Erfolg. * Kostbare Knöpfe. In der Mode der letzten Jahrhunderts spielte der Knopf keineswegs die bescheidene Rolle, auf die er heutzutage beschränkt ist. Eine Knopfausstellung, die im Jahre 1845 zu Gand ab gehalten wurde, legte davon beredtes Zeugnis ab; damals wurden die verschiedensten Knopfarten, die ich den letzten Jahrhunderten Mode waren, in einer Vollständigkeit ausgezeigt, die heute wohl nicht mehr erreicht würde; denn die großen und preziösen Knopfsammlungen, die den Stolz verschiedener großer Damen und Herren der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten, sind längst in alle Winde zerstreut. Die Vorliebe für kunstvoll und kostbar gefertigte Knöpfe war im 18. Jahrhundert sehr groß. Graf Artois, der nachmalige Karl X., ließ sich winzige golbene Uhren anfertigen und trug diese als Knöpfe — natürlich nicht an seinen Alltagsanzügen. Zur selben Zeit tarnen große aus edlen Steinen gearbeitete Knöpfe auf, die mit Blumen, Stilleben, Landschaften unb Porträts aufs jartefte bemalt waren. War daS Grundmäterial, aus dem di« Knöpfe bestanden, nicht an und für sich schon kostbar, so erhielt Einlagen von Diamanten, Saphiren, Perlen oder Goldplättchen, die zierliche Figuren darstellten. Ja, eine Zeitlang erschienen ftgar, wie Bau,chanmo-nt in feinen memoires secretes erzählte, «anz besonders große Knöpfe, die mit richtigen Minaturen ge- Mnuckt waren unb je nach der Kunst des Meisters teuer bezahlt würden. Esgab für ein unb denselben Anzug ganze Knopfferien, M eins Reihe von römischen Cäsaren, von antiken Statuen °J)eT me ^Wchl fcer Metamorphosen Ovids illustrierten. i'Dte Erftndung und Fabrikation neuer kröpft," sagt Bauchau- P'ti ur dml genannten Werk, „ist heutzutage feine Kleinigkeit, sondern setzt eine Phantasie und Erfindungsgabe voraus, die ein Prüfstein sowohl für den Künstler wie für den Käufer ist ßng in Gesellschaften ein unerschöpfliches Gesprächsthema abgibt. Dar- naudery, der Hofknopfmacher, war zu dieser Zeit ein gesuchtes Mann und verkaufte den Elegants des ftanzösifchen Hofes di« bizarrsten und kostbarsten Knöpft, solche, die aus feingefaßten Kameen bestanden unb andere, die merkwürdig zugeschnittene Edelsteine waren. Sehr verbreitet war auch bte Mode, auf den Knöpfen Ansichten einzelner Gebäude und Straßen in Miniaturmalerei «u geben; so trugen manche Knöpfe die Bilder befl Louvre, des Königsschlosses zu Madrid oder Ansichten antiker! Tempel Vnb Triumphbögen. Auch bi« Ereignisse der großen Revolution waren später an beit Knöpfen abzulesen; sie schmückten sich mit den Porträts der Marat, Danton, Robespierre, trugen revolutionäre Inschriften ober entsprechende Zitate aus antiken Schriftstellern. Unterm Kaiserreich lebte der wirklich kostbar« Knopf wieder auf, um schließlich, im Biedermeier-Zeitalter bet Nlichten Bürgerlichkeit zu verfallen. Den größten Luxus mit Knöpfen bet bekannt ist, hat übrigens schon Ludwig XIV. getrieben; bi« Rechnungen vom 20. Mai 1684 verzeichnen die Tatsache, daß der König einen Diamanten von 52 Karat in zwei Hälften zerteilen unb sie zu zwei einzig bastehenben Knöpfet umarbeiten ließ. Am 26. Juli desselben Jahres ließ sich Ludwig XIV. 75 kleine Diamanten zu Knöpfen verarbeiten, die zusammen die Kleinigkeit von 600 000 Franken kosteten. Auch bi« Damen trugen damals Knöpft, die ganze Vermögen repräsentierten; , bei der Hochzeit des Dauphins mit der bayrischen Prinzessin Mari« Christine erhielt jede Ehrendame eine Anzahl von Diamant- rnöpfen zum Geschenk. * Ein Land, in b e m es nur alle zwölf Jahre regnet. Ein interessantes Problem für die Meteorologen bildet das Land, in dem es nur alle zwölf Jahre regnet. Das ist keineswegs eine Legende, dies regenarme Gebiet ist das füdafrikaniiche Betschuanenland. Der italienifche Missionar Pater Porte, der dort für die Verbreitung des Christentums wirkt, macht über diese ungewöhnliche meteorologische Erscheinung in einem Briefe an den „Osservatore romano" einige interesfante Angaben. „Es ist wirklich seltsam, überall in den Nachbarländern regnet es, nur nicht hier bei uns. In Transvaal und im Basutoland ist der Mais und das Kaffernkorn bereits drei Fuß hoch; hier war es nicht einmal möglich, zu fäen. Livingstone schilderte bereits vor 55 Jahren das Land als unfruchtbar, und wer 60 Jahre später hierher kommt, wird wiederum staunen müssen. Livingstones Experimente und Beobachtungen haben gezeigt, daß im Betschuanenland nur alle zwölf Jahre ein richtiger Regen niedergeht; dann herrscht im Lande eitel Freude, in den Dörfern werden Erntefeste gefeiert und alles jubelt. Die Wirklichkeit bestätigt diese Angaben des Forschers, und unsere Auszeichnungen zeigen, daß tatsächlich nur alle 12 Jahre Regen eintritt. Der VorstellungSkreis der Eingeborenen ist auch nur von den« einen Problem beherrscht: Regen zu erlangen. Ihre Religion besteht nur aus abergläubischen Bräuchen, durch die sie Regen herbeilocken wollen, und dazu gehört auch die strenge Vorschrift, die es den Negern verbietet, zu arbeiten." humoristisches. „* F r ü h fing s a n f a u g. „Ach, nun kommt wieder bte schlimm« Zeit, wo es gleich wteber Tag ist, wenn man 7mat ’ij bißchen länger am Stammtisch gesessen hat." * Im Kaffeekränzchen. „Ja, ja, Frau Kalkulator, jo machens die Männer! Die Stiefel ziehen sie schon auf bet Treppe aus und schleichen auf Strümpfen durch die Stube, wenn sie spät nach Hause kommen!" — „Ach, das ist noch gar nichts I Weiner kommt oft überhaupt nicht nach Hause!" * Unter Kameraden. „Was versteht matt eigentlich Mittet Vermmftsche?" — „Sehr einfach. . . wenn Braut M vernünftig is, Jelb zu haben." * Von der Schmiere. Schauspieler: „Was, Sie wollen Heldendarsteller sein unb getrauen sich nicht, den Direktor u« Vorschuß anzugehen?" * Leicht geholfen. — „Eduard, es ist jetzt zur Reget geworben, daß der Hahn kräht, wenn du mch Hause kommst!^ -n „So stich das Vieh doch ab!" Charade. Steigt leuchtend die Rakete aus. Bleibt Eins nicht aus, verlaß dich draus. Zwei-Drei lebt froh in Busch und Wald, Ist bunt und zierlich von Gestalt. Das Ganze ist ein Bild des Fleißes, — Wer's nicht erraten kann, den beiß eS! Auslösung in nächster Nummer» Auflösung der Schach-Ausgabe Weiß 1. Tdl-hl 2. Dg6 —bl 8. D gibt Matt. in voriger Nummeif Schwarz Lb6-e8. beliebig. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch«, «niverfitstS-Buch- und Steindruckerei, R, Lange,