Ur. M 1910 Samstag den 30. Juli MsM M L--i-LL^Ä a QlalW ijOafe ^^WWW ^LWM W W r i ■•i ■ K g|Ss ■ l.-j Das schlafende Heer. Romast von Clara Viebig. lFortschung.) (Nachdruck verboten.) Es war Frelikowski, der Förster, der die Trunkene Hinausgeworfen hatte. Er pflegte oft im Krug von Pociecha einzukehren — dieser war der nächste seinem Revier >— wer wollte es ihm auch wehren? Aber jetzt stand der stämmige Mann doch einigermaßen verlegen vorn: jungen Vikar und zwirbelte die Spitzen seines mächtigen Bartes. Er entschuldigte sich: der Herr Vikar sollte nur nicht denken, daß er etwa nicht nüchtern sei, aber wer hieß das Weib, ihn anfallen? Ganz ahnungslos war er hier eingetreten, um bei der grimmigen Kälte was Warmes zu trinken — der Herr Vikar glaubte es gar nicht, was so ein Förster eine Rot mit den Wilddieben hatte., kauni daß es dunkelte, mußte er aus den Beinen sein und das Revier im weiten Umkreis durchstreifen! Psia krew! Die Ansiedler, ja, die waren's, die alle keinen Respekt hatten vor des Herrn Wild ! „Die Ansiedler?" Der Vikar wurde rot. „Die Ansiedler — irren Sie sich auch nicht, Herr Frelikowski?" Der Förster lachte. „Ich kenne meine Vögel! Fuchseisen legen sie auf den Weckern, die Halunken, hat sich neulich mein bester Hund drin gefangen. Daß der'Wolf sie fresse! Ich werde einmal ihre Gärten visitieren j— bei dem großschnauzigen Rheinländer zuerst — m ächt' ich doch wetten, daß da Hasenschlingen sind, die Masse! Glauben der Herr Vikar," — er blinzelte — „daß man darum kurzen Prozeß mit ihnen wachen dürfte? Der Herr Vikar könnten uns raten, wir würden dem Herrn Vikar sehr dankbar sein!" Frelikowski hoffte, so das Gespräch von der Ciotka abzübringen, aber der Vikar ging auf den Grund: was hatte das Weib getan, daß es hinausgeworfen ivard?! Mau hörte jetzt in der schnell sinkenden Dämmerung, wie sie sich jammernd und schimpfend davon machte. Zum Teufel, wenn der Herr Vikar es denn wissen wollte — Frelikowski hatte sich wiedergefunden, brntal stellte er sich auf —, ja, wenn er es nur selber wüßte! Eingetreten war er eben hier, ganz harmlos, da war ihm die Hexe an den Hals gesprungen wie eine Katze, hatte geschrien: „mein Geld, mein Geld!" und hatte ihn wütend dabei gekratzt. He, war's nicht so gewesen?! Mit seinen kalten Augen sah er sich scharf im Streife um; da nickten sie alle: ja, ja, so war's. gewesen! „Hundeblut" hatte sie ihn geschimpft, „Spitzbube!" Und das sollte er sich gefallen lassen?! „Hier, Hochwürden, hier," — er schlug auf feiste Brust ?— „hier schmücken die Ehrenzeichen meinen Rock! Ich habe gedient! Ich werde wich von so einer San doch nicht „Spitzbube".schimpfen lassen?! Sie hat wohl geträumt oder war betrunken, die Ciotka, oder —!" Er hielt an und sah sich um, als traue er sich sticht recht, und sprach dansi leiser. mit Achselzucken: „Sie spricht, der Niemczycer habe gesagt, daß er mir Geld für sie gegeben habe — der Donnerstei^ soll mich erschlagen, wenn dem so ist! Ich denke, der Niemczycer wird wohl gelo—, aber nein, ich. swll's nicht gesagt haben!" Rasch hielt er sich selber den Mund zu. „Das wissest doch der Herr Vikar am besten, wer nicht den rechten Glauben hat, der —" Er brach wieder ab und zuckte die Achseln. Zerstreut uickte der Geistliche, er hatte gar nicht recht zugehört. Sein Blick hatte die Wirtsstube durchforscht, unter deren Eingastg er jetzt stand; der svidrige Dunst von Fusel und Tabak, der ihsn entgegenschlug, machte ihm Nebelkeit, aber er zwang sich, zu bleiben. „Geliebte," sprach er mit leiser und doch eindringlicher Stimme, iudent er jeden einzelnen besonders ins Auge faßte, „es ist nicht fein, wenn ein Bruder und eine Schwester miteinander streiten. Seid einig — um zu streiten gegen die — so nicht von den Euren sind!" Er sprach ein wenig stockend, eist Gedanke war ihm erst jetzt gekommen, plötzlich, beim Anblick der erhitzten Gesichter; nust nützte er ihn aus. Rascher, fließender sprach er weiter: „Ihr habt gehört, was der Frelikowski gesprochen hat: „so jemand nicht den rechten Glauben hat". Am nächsten Sonntag werde ich euch eingehender von jettest sagen, die nicht den rechtest Glauben haben, heute aber schon sage ich euch: Hütet euch!" Er sprach das „Hütet euch" plötzlich ganz! stark, so daß auch diejenigen,! die verschlafen die Lider gesenkt ustd die Lippen hatten hängen lassen, aufmerkten, „HÜttzt euch dor den Wölfen, die ist Schafskleidern zu euch kommen, vor den Vögeln, die eins liebliche Stisnine haben ustd euch mit Versprechungen locken! Ihre Versprechungen halten sie nicht, sie sagen: sie .wollest euch Wohl, aber —i hört!" Die Stisnine dämpfend, flüsterte er ganz leise, als raune er, selber erschrocken, ihnen etwas Entsetzliches zu: „Mast bedroht eurett Glaubest! Man bedroht euer Vaterland! Eure Kinder sollen nicht polnisch mehr sprechen! Nicht polnisch mehr soll der Lehrer sie unterrichten! Ihrs Muttersprache werdest sie verlernen! Ihr werdet eure Kinder nicht mehr verstehen, und eure Kinder werdest euch nicht mehr verstehen!" Er machte eiste Pause, und als sie ihn alle verdutzt anstarrten, erhob er laut die Stimme wie zu einem Schrei, während leidenschaftliches Rot seine bleichest Wangen über- flantwte: „Polnische Väter — polnische Müller vor allem! wollt ihr das leiden?!" „Psia krew!" Einer, der noch ein wenig helle war, fluchte. Die Kinder solltest nicht mehr polnisch sprechen? Ei, das wäre, was sollten sie denst sprechen?! „Deutsch, du Esel," brüllte der Inspektor, der auch noch Zugegen war, und stampfte mit dem schweren Stiefel auf. „Deutsch! Rur deutsch werden sie sprechen — „evan- gelisch", wenn du das besser verstehst! Ein Hundsfott, wer das zaläßt!" — 466 — ..Hussa, kommt mir einer unter die Fulger aus der, deutschen Schule," drohte Frelikowsti, „der soll mich kennen lernen! Ich hänge ihn au den nächsten Baum!" Sem kalter Blick suchte unter den Leuten: „Frhkacz, hättest du 1 Nestern nicht einen Hasen im Kartoffelsack? @in zweites I Mal lasse id-i dich nicht durchschlüpfen! Und du, Swoz, — der Nachtwächter machte sich noch kleiner, als er so schon wär —, „dir sage ich, wenn deine Enkeltochter noch einmal . Reisig sucht und knickt dabei Neste ab, so werd' ich der Stute eins auf den Hintern geben, daß er ihr morgen wird blau sein!" , „Kommt einer zu mir und fragt um Arbeit, der feine Kinder deutsch sprechen läßt," schrie der Inspektor, „der wird sich schneiden! Ich habe keine Arbeit für solches Pack! Niech zyje Polskä!" . „Niech zvje Polskä!" Sie schrien es alle nach. Da fuhr der alte Dudek, der, den Kopf auf beide Arme gelegt, ganz allein noch am Tisch gesessen hatte, empor. Das „Es lebe Polen!", das hörte er bis in den tiefsten ' Traum. Die Hand hinters Ohr legeiid, sich vorneigend, pue ein zitternd Lauschender, drängte er: „Hört ihr sie? Trommeln sie im Lysä Gora, Brüder?" Schluchzend lallte er und siel dem nächsten um den Hals: „Die Stunde ist da! Auf, laßt uns eilen — ihnen entgegen — noch ist Polen nicht ver—lo—reu!" , t „ ,. Er raffle sich auf und wollte zur Tür, mit den Händen wild fuchtelnd; aber der Schnaps war zu kräftig gewesen, der zog ihn zu Boden. Die andern wollten lachen, aber der Vikar sprach rasch: ,Hört ihn, er hofft äüf das schlafende Heer ! Polen hofft äuf das schlafende §eer! Wer nicht aus dem Lysa Gora wird das schlafende'Heer auferstehen, nein, ihr selbst, ihr älle hier, ihr seid das Heer, das erstehen wird, Polen zu befreien! Stehet auf, rüstet euch! Ihr seid bestimmt dazu von Gott dem Herrn, des Waterlandes Retter zu sein!" In leidenschaftlichem Drängen streckte er die Arme gegen sie: „Ich bitte euch, ich beschwöre euch, erwachet! Halte jeder feinen Glauben hoch! Euer Glaube ist eure Waffe, das stärkste Schwert zu Polens Befreiung! Und laßt eure Kinder nur polnisch sprechen, nur polnisch lernen! Haltet tat eurer Sprache fest — wie wollt ihr recht glauben, wenn ihr nicht recht sprechet?! Nur polnisches Gebet dringt zu Gottes Ohr! Und so jemand hier wäre, der" — langsam blickte er in der Runde, seine bis dahin weichströmende, bittende Stimme wurde streng — „der dieses vergäße, so hätte ich das Recht, ja die Pflicht, ihm die Segnungen und Gnaden der Kirche zu verweigern. Bedenket alle, jetzt ist die Zeit, in der der Teufel umhergeht, euch zü sieben. Wie das Sieb unzählige Löcher hat, so gibt es zu dieser Zeit unzählige Gelegenheiten zum Abfall vom Glauben. Hütet euch!" Er hob den Finger, seine Miene ward undurchdringlich brnst. „Wer sein Kind- lieft hat, der gibt seinem Kinde Brot aber er gebe ihm vorerst das Heil der Seele.! Denn män wird, dereinst die Seelen eurer Kinder von euch fordern! Hütet euch!" _ Stärk hatte er geschlossen. Totenstill war's im Raum, kein Füßeschärren, kein Räuspern zu vernehmen. Rasch sah der Wilar noch einmal rundum! — ein leichtes Neigen des Kopfes und. fort wär er. Dä brach es los: „Was, was hat er zu uns gesprochen?" „Unsere Kinder sollen nicht polnisch mehr sprechen dürfen?" „Unsre Kinder werden nur deutsch sprechen?" „Nur deutsch wird der Lehrer sie fortab lehren?" „Wir werden unsre Kinder nicht mehr verstehen, und uufre Kinder uns nicht mehr!" „Ihr Gebet wird dann nicht Mehr erhört werden, und sie werden in die Hölle kommen!" „Und wir werden auch brennen, weil wir sie evangelisch Werden ließen!" _ „ . „Psia krew" — sie brüllten alle auf —- „unsre Kinder sollen nicht verderben! Schlagt die tot, die ihnen Uebles wollen, die Wölfe in Schafspelzen, die Vögel mit der lieb- Tieften Stimme!" “ Wen meinte eigentlich der Vikar damit: Wölfe in Schafspelzen?! Ganz verstanden hatten sie ihn doch nicht.. „Ei, Dummköpfe, wen anders denn, als die Deutschen?!". Wüßten sie das denn noch nicht? Die waren eine gefährliche Sippschaft, aber der schlimmen Sippe Schlimmster war der Niemczhcer! Jü des Inspektors Stimme bebte Häß: der Niemczhcer, der hochnäsige Niemiec, der sich zu vor- *) Dimgus oder Smig'ust: Sills des Begießens oder des UiM.tcmck ms Mü,Wasser am zweiten Osterfeiertag. nehm deuchte, einen polnischen Inspektor zü grüßen, über den wegguckte, als wäre er Luft, der war schuld, daß die, Kinder nicht mehr polnisch sprechen durften! Der war an allem Uebel schuld! . < , Y, . „Der Niemczhcer, ja der ist schuld," das wiederholten sie alle; es leuchtete ihnen ein, denn Pan Szulc 'wußte es ja genau: der Niemczhcer war beim Landrat in der Stadt gewesen, um zü verpetzen; Löb Schöftel hatte seinen Wagen dort halten sehen. c „Gerbt ihm das Fell, dem Kerl, dem Niemczhcer - brüllte der Förster, „was braucht's da noch lange Reden! - Frelikowski hatte es dem deutschen Baron nicht vergeben,, daß er ihm bei der Treibjagd einen Anschnauzer eingetragen, wie er zeitlebens keinen hatte einstecken müssen, und noch dazü vor den Gästen. Er hetzte: „Nehmt ihn nur scharf aufs Korn, wenn er euch in Schußweite kommt. Piff, paff! Bringt ihn zur Strecke!" .. . , ' Sie schrien alle durcheinander. Het, dem Teufel, dem Schuft, dem Drachenkopf, dem wollte man wohl das Handwerk legen! Der sollte sich unterstehen, polnischen Kindern! ihr Polnisch zü verbieten! An den Beinen aufhangen wollte man ihn, ihm die Ohren abschneideu, die überall hin- horchten! Könnte mäü ihm nur an den Leiv, dem Niemer zhcer, dem Hund, dem verfluchten Niemiec! Ein entsetzlicher Lärm entstand. Vergebens warf sich Eljakim Hirsch über den Tisch Und breitete die Arme schützend über seine Gläser, er wurde zur Seite geflogen, und dm Gläser wurden gegen die Wand geschleudert, daß sie klirrend eft eilten.---— 1— , Lehrer Ruda wälzte sich unterdes uiiruhig in feinem! Bett, ihm schwante nichts Gutes. Ein Geschrei kam voM Krug her; über die nachtstille Dorfstraße drang es weit/ bis bin zur Schule. Hilf Himmel, heilige Mutter, jetzt klang es schon näher! Horch! „Es lebe Polen!" . .. O weh! Ignaz Ruda wickelte sich fester ein, ihn ftng sehr tat zu frieren. Warum brüllen die so? Wußten! die schon etwas? Sie würden doch nicht ihm auf den $bctl§ Tiiccctt ?! Ein Stein, plötzlich gegen die geschlossenen Fensterläden der Schulstube geschleudert, war die Antwort Furchtsam zog sich Ruda das dünne Deckbett bw über die Ohren. „Hund, Spitzbübe, Halunke, komm heraus! Da fuhr er geschwind aus dem Bett in die Hose. , Schwein, komm heraus, oder wir schmeißen dir pte Schule über dem Kopfe zusammen!" Da schlüpfte er zitternd in die Flickenpantoffeln. Ein Hagel von Steinen prasselte gegen die Laden und Wand. Blaß wie der Tod stand der Lehrer, die Zahne; klapperten ihm. t ...... .. „Du Hundeblut, für hundert Groschen wurdest du die Seelen unserer Kinder verkaufen! Wir wollen es dir schon beibrinqen, das Polnisch-Lehren! Kummer heraus! In den Pfuhl werden wir dich tauchen wie die Mädchen beim Dyn- aus!*) Bei der heiligen Mutter, wir schwören es dir!" Da machte er sich sinnlos vor Angst auf die Flucht.- Durch das kleine Hinterfensterchen der Schlafkammep zwängte er sich, durch eine Lücke des .Hofzaunes kroch er und entkam so, hinter den Zäunen her, auf allen Vieren schleichend. Nur mit Hose und Pantoffeln angetan, klopfte er, Zuflucht suchend, au der Hintertür der Pröpsten — Die 'eilige Kälte der Nacht scheuchte die Trunkenen bald unter Dach. Der Niemczycer war nicht da, und der Lehrer, dem sie an seiner Statt an den Kragen gewollt hatten, kam nicht heraus; so gaben sie sich zufrieden. Noch einmal kehrten sie in den Krug zurück, * Als Eljakim, der Wirt, beim Morgengrauen, nachdem! die letzten davongewankt waren, sich tu seine Schenkstube hineingetraute, etwaige neue Scherben aufzulesen, konnte, er wohl „Eiweih" schreien und die Hände jammernd erheben: das Bild-, sein schönes! Bild', auf Pas er so MI gewesen, wär von ruchlosen Händen aufs gröblichste fchim'psiert! Zerschnitten die Uniform, die blitzblauen Augen' ausgestochen! In der Brust des deutschen Kaisers' steckte ein polnischer Kuippefl .(Fortsetzung folgt.) 462, Der arme Mann im Tockendurg.') Von A d o l f W i l b r a n d t. »Kennen Sie den armen Mann im Tockenburg?" hab ich lute ost gefragt; Männer und Frauen von allerlei Art. Die Antivort war fast immer: „Wer ist baS ?" lind doch hat man das Wenige, was wir von ihm haben, seit dem achtzehnten Jahrhundert nicht selten gedruckt; er hat Leser und Freunde gefunden, auch Bewunderer. Immer ist er wieder vergessen worden; aus seinen eigentlichen Platz in unserer Geschichte hat ihn noch niemand gestellt. Darum hat es mich ost hingerissen, in dieser ober jener Gesellschaft, die nichts von ihm wußte, mit so viel Lobpreisung von ihm zu sprechen, daß ich mich hinterdrein wohl fragte: Hast du in deinem Feuereifer nicht zu viel gepriesen? Wenn diese Aufgestachelten ihn nun lesen werden, werden sie nicht sagen: nun ja, recht hübsch, aber warum übertreibt er so? — Dann hab' ich wohl zu Haus den „armen Mann" wieder zur Hand genommen und hier und da auigeschlagen und gleichsam mit dem Ohr dieser anderen hineingehorcht. Zuletzt bin ich lächelnd beruhigt und neu gerührt wieder ausgestanden. Steinl Ich sagte nicht zu viel von ihm. Er ist ein Phänomen, ein Einziger, Unvergleichlicher. Er war kein Fabulierer, kein Fruchtbarer wie Hans Sachs, aber zehnmal mehr Poet. In dem kleinen Schah, den er uns hinterlassen hat, sind Perlen und Rubinen. Ulrich ober Uli Braeker kam am 22. Dezember 1735 in dem Schweizer Tal zur Welt, das Tockenburg oder Toggenburg genannt wird; fast fieben Jahre nach Lessing, nicht vierzehn vor Goethe. Die sem Leser hier vorgelegte Geschichte seines Lebens erzählt in entzückender Aufrichtigkeit und poesievoller Lebendigkeit, wie er, eines ewig blutarmen Mannes e>vig um sein Dasein kämpfender Sohn, Geißen weidet, liebt, tagelöhnert, webt, handelt, träumt, liest, phantasiert; kurz, wie er das Leben eines zum Dichter geborenen Habenichts führt, der redlich arbeitend, wenig erreichend, ost leichgläubig, oft betrogen, bald im Elend verzagt, bald sich eine Welt von Lustschlössern bauend, von seiner keifenden Hausehre immer gemeistert, nie an seinem Gott verzweifelnd, sich durch gute und böse Jahre wie ein vielgekrümmter Fluß durch fein Engtal hinwindet; bis er endlich, noch nicht dreiundsechzig Jahre alt, in Gottes Schoß zurückkehrt, als dessen Kind er sich sein Leben lang in immer reinerer und verklärterer Frömmigkeit gefühlt halte. Als Zweiunddreißiger begann Uli zu schriftstellern, bald auch Verse zu machen; aber noch mehr einem moralisierenden Nachmittagsprediger gleich; 1770 fing er an, ein Tagebuch zu schreiben, sein dürftiges Leben mit Betrachtungen zu begleiten und jenen Natursinn in sich auszubilden, der allmählich seine schönste Kraft werden sollte und sein holdester Trost. In seiner Prosa wuchs, Gott weiß ipie, dieser ganz eigene Dust heran, der seine entbauerte Seele, seinen geadelten Geist zu den wirklichen Poeten gesellt. Er ward ein Dichter und wußte es nicht. Er lernte ohne Lehrer seine Gefühle und Gedanken formen, wie der Bildner Wachs und Ton. Als Dichter schrieb er auch sein Büchlein „Etwas über Shakespeare", nachdem er in der kleinen Büchersammlung der „Moralischen Gesellschaft" (in dem benachbarten Städtchen Lichtenfteig) diesen seinen Abgott kennen gelernt hatte, dem er fortan, wie Faust der Helena „Neigung, Lieb, Anbetung, Wahnsinn" zollte. Nicht vieles ist so rührend zu lesen, wie diese Ergießungen einer tief verstehend begeisterten, oft feurig beredten, in demutsvoller Andacht hingegebenen Auchdichterseele. Die Geschichte seines Lebens, die er in den Jahren der Reife, 1781 und weiter, schrieb, gab er hernach seinem Seelenhirten und begönnernden Freund, dem Pfarrer Martin Imhof zu Wattwyl, nebst andern Werken seiner Feder zu lesen; durch Imhof kam sie zu H. G. Füßli, dem Inhaber der Buchhandlung Orell Geßuer Füßli & Komp, in Zürich, auch Schriftsteller, Lehrer und Staatsmann. Füßli teilte 1788 im „Schweizerischen Museum" das erste Probestück mit, das, wie er selber erzählt, „auch unter den verschiedensten Klassen von Lesern allgemeinen Beifall fand". „Alan mochte die einander ziemlich schnell gefolgten Fortsetzungen kaum erwarten; niemals wurde auch die gespannteste Neugierde getäuscht, und jedesmal nach dem Verfasser lüsterner gemacht." Durch diesen Erfolg ermutigt gab Füßli 1789 das Ganze als Buch heraus unter dem Titel: „Lebensgeschichte und Natürliche Ebeutheuer des Armen Mannes im Tockenburg". Nur wenige Schilderungen aus dem eigenen Leben gibt es auf der Erde, die an Frische, Natur, Unmut, Poesie mit Ulrich Brackers Werk zu vergleichen sind. Wie er seine Geißhirtenjahre, wie er seine Liebe zu Aeimchen erzählt, das ist des größten Künstlers würdig. Aber alles lebt. Alles blüht auch. Oft reißt uns eine dramatische Kraft mit sich fort. Und ein Wunderding zum Kopfschütteln ist, wie ein Mensch, in dem keine kriegerische Ader lebte, die Lowosttzer Schlacht beschrieben hat, in der er (der durch Werberlist verlockte) desertiert. Fast um dieselbe Zeit, in der Goethes Prosa sich im „Werther" zu ihrer höchsten Jugendblüte entfaltete, rang sich im alemannischen Gebirge ein ungebildeter Weber zu einem Schriftsteller empor, den man ruhig neben Goethe nennen tarnt: ja vielleicht *) „Das Leben und die Abenteuer des armen Mannes im Tockenburg" ist der Titel eines vergessenen Buches, das der neu- begründete Verlag von Meyer u. Jessens in Berlin SW. 11 neu auslegt (Preis Mk. 2.50) und. dem Adolf Wilbrandt dieses schöne Geleitwort mit aus den Weg gibt. steht als Prosadichter niemand dem jungen Goethe so nahe wie er. Es war eine Begabung in ihm, die man immer anstaunen muß, schwer begreifen kann. Er hatte alle Eigenschaften des Dichters, nur Erfindung fehlte; von den Tönen, die unsere ganze Statur mit Kunst ergreifen, hat ihm vielleicht keiner gefehlt. Mitten in musen- losester Umgebung, in allen Bitternissen widerwärtigster Art, in selbstbildeuder, unberatener Einsamkeit, gewinnt er einen solchen Reichtum an Stimmungen, Vorstellungen, Empfindungen, einen so hohen, unzerstörbar freudigen Lebenssiim, eine solche Stufenleiter von Ausdrucksmitteln, daß man gerührt und beschämt vor diesem Naturwunder steht. Zuweilen, durch irgendein angelesenes Gefühl fortgetragen, zieht er wohl an einem fremden, kunstmäßigen Geläut ; im nächsten Augenblick kehrt er zur Statur zurück. Kein Mensch hat lebendiger erzählt als er. Eine der schönsten Erschein- ungen in der deutschen Literaturgeschichte; eine allerhöchste Bekräftigung und Bestätigung, daß bi'e große Zeit unserer Poesie aus der Urkraft unsres Volks hervorgangen ist. Für den hier vorliegenden Neudruck der Lebensgeschichte ist eine so wünschens- wie dankenswerte Arbeit gemacht worden: die früheren Ausgaben, die von Füßli und die von Eduard Bülow, sind verglichen und auseinander verbessert ober ergänzt worden, wo es möglich war; da beide Herausgeber dem Urtext nicht überall treu gefolgt sind, sondern mit persönlicher Willkür gekürzt, auch „verbessert" haben. Sv ist beim biefe Ausgabe, wenn sie auch nicht die verschwundene Urhandschrift zu Grunde legen konnte, jedem andern Abdruck vorzuziehen. Neue Frauenberufe. Es ist eine bekannte und nunmehr schon beinahe gesetzmäßig^ Erscheinung, daß die Berufe, in die durch Anstellung einer Fran! erst einmal Bresche gelegt ist, Frauen ebenso zugänglich bleiben tote Männern. Schon haben sich auf sozialem Gebiet zahlreiche Frauen in bedeutsamer Weise beteiligt. So hat, wie die „Dokumente des Fortschritts" mitteilen, in Oesterreich die weibliche Gewerbe!-, inspektion gute! Fortschritte gemacht. Wien, Graz, Prag, Brünn kmä Lemberg besitzen bereits Gewerbeinspektorinnen. Ein neuer Berufs ist auch der der Landpflegerinnen: die pommersche Landschasts- kammer hat die Anstellung einiger solcher Damen beschlossen, deren Aufgabe es ist, die weibliche Landbevölkerung zu belehren, Kenntnisse in der Kinderpflege, Nauswirtschaft, Gesundheitspflege, Hand-^ arbeit usw. zu verbreiten. Eine besoldete Armenpflegerin hak die Stadt Osnabrück angestellt. Die Anstellung von zwei öe-, soldeten Waisenpflegerinnen ,in Charlottenburg hat wegen der! Differenzen mit den ehrenamtlichen Waisenpflegerinnen viel von sich reden gemacht. Ferner hat der Charlottenburger Magistrat! einen Antrag an die preußische Regierung gerichtet, den Frauen! auch das Ehrenamt der Waisenräte zugänglich zu machen. Für- forgerinnen für Trinker hat der Magistrat der Stadt Kiel ein- geführt. 10 Damen sind dort schon in der Trinkerfürsorge tätig und ihre vorbeugende wie auch rettende Einwirkung ist unver-i kennbar. Ans Dänemark kommt die Nachricht, daß eine Dame zur Inspektorin der kommunalen Schulküchen ernannt wurde.) Eine zuständige Zunahme erfahren auch die Polizeiassistentinuen! und Polizeimatronen. Finnland hat seit 1907 schon acht Frauen als Polizeimatronen angestellt, und zwar mit gleicher Besoldung tote die männlichen Beamten gleicher Kategorie. Ihre Aufgabe! besteht vorwiegend darin, das Hinabgleiten ins Verbrechen zu! verhüten, Frauen und Mädchen, die auf schlechtem Wege sind, zur Arbeit zurückzuführen, verwahrloste Kinder und Greisimteu in ent-, sprechenden Anstalten unterzubringen, dem Mädchenhandel ent-, gegenzuwirken. Die Slrbeit der weiblichen Polizisten ist so erfolg--, resch, daß für alle finnischen Städte die Anstellung weiblicher Beamter geplant wird. 7 Neue landwirtschaftliche Frauenberufe eröffnen1 sich durch die Ausbildung in den neuentstehenden landwirtschaft- liehen Frauenschulen. Der landwirtschaftliche Verband Südschwa!-, beit hat einen Mustergeflügelhof errichtet, der unter weiblicher! Leitung steht. Dort toerden alljährlich Frauenkurse für Aufzucht,- Pflege und Mast des Geflügels, für die Behandlung der Eier uftob abgehalten. Auch aus England komiut die Kunde von einem! neuen landwirtschaftlichen Frauenberuf. Der englische Handels-, Minister hat eine Anzahl von Leiterinnen für ländliche Arbeits-i Nachweiszentralen angestellt und zwar Mit einem Gehalt von 2600—4000 Mk. Eine große Zunahme hat die Tätigkeit der! Frauen im Buchhandel aufzuweisen; über ein Viertel aller, im Buchhandel tätigen Personen besteht aus Frauen, zurzeit sind es etwa 12 000. Einer guten Entwicklung scheint die Tätigkeit der Frauen im Handwerk entgegenzugehen. Die jüngste Zeit hat vereinzelt die Meisterprüfungen von Frauen in der Tischlerei, der Bierbrauerei, der Stubenmalerei, der Buchbinderei, dem Friseurgewerbe, der Schneiderei usw. aufzuweisen. Seltsamerweise! ist auch die geprüfte Schneiderin und Friseurin, obgleich ein so großer Teil der beiden Berufszweige in weiblichen Händen liegt, ein Novum, da bisher der regelrechte Lehrgang den Frauen verschlossen war. Einen weiblichen Glaserlehrling besitzt Wien, eine' geprüfte Optikerin Koburg und auch die Uhrmacherei zählt einige Hospitantinnen. Dem Großhandel bezw. der Großindustrie haben sich des Experiments halber Damen, dep englischen Aristokratie zugewandt. Einige haben große Hotels, andere Schneideratellers erworben, um ihre Fähigkeit zur Leitung großer Unternehmungen — 468 ” Alt erweisen. Auch im, Postschilterv erkehr sind neuerdings Frauen zugelassen worden. Die Eisenbahndirektion Mainz hat beschlossen, innerhalb ihres Bezirks Frauen zum vollgültigen B a h n w ä r t e r d i e n st — den sie früher nur aushilfsweise ver- sehen durften — zuzulassen; indes gibt sie ihnen für die gleiche Arbeit nur den halben Gehalt der Männer. In französischen Kleinstädten sicht man seit kurzem die radelnde Briefträgerin, und, wie verlautet, will der französische Verkehrsminister eine größere Unzahl Frauen für den Postbestelldienst heranziehen. Im deutschen .Postscheckverkehr sind eine Menge Frauen (Mädchen iind kinderlose Witwen) angestellt, bie bis zum 8. Dienstjahr ein Tagegeld von 2,7-> bis 3,80 Mk. beziehen und dann mit einem1 festen Jahresgehalt bon 1300 bis 1800 Mk. und Pensionsberechtigung angestellt wer- den. Auf dem Gebiet des Verkehrswesens sind noch die weiblichen Kutscher in.Paris und die Chauffeusen in München zu erwähnen. Diesen ist allerdings „aus Sittlichkeitsgründcn" von der Polizei die Beschränkung auferlegt, bei Nacht nicht zu fahren. Dom schiefen Turm. Die Zeitungen aller Länder haben bereits gemeldet, daß das Wunder von Pisa, der schiefe Glockenturm neben dem Dom', von einem ähnlichen Schicksal bedroht wird, wie der Campanile der Markuskirche in Venedig. Leider hat es diesmal mit der früher schon aufgctauchten Meldung seine betrübende Richtigkeit. Schon lange munkelte man von Anzeichen, die befürchten ließen, daß die Tage des Turmes gezählt sein dürften. Im Interesse des Fremdenverkehrs, der sich, ganz vornehmlich auf den einzigartigen stillen Platz mit der Kathedrale, dem Campanile, dem Battistero und dem Campo Santo konzentriert, hat man wenig von der Gefahr verlauten lassen: aber sie hat beinahe noch größere Bestürzung erregt als die Katastrophe vom 14. Juli 1902 auf dem Markus- platze; denn an einen Wiederaufbau des wunderbaren Pisaner Bauwerkes würde nicht zu denken sein: das Wahrzeichen, das seit sechs Jahrhunderten die erinnerungsreiche Arnostadt auszeichnet, würde für immer ausgetilgt bleiben. Wilhelm von Innsbruck und Bonannus von Pisa, die im "vahre 1174 den Ban begannen, wollten ihn natürlich senkrecht äufführen. Auf dem losen Boden von Pisa, altem Meeresgrund, senkte sich aber schon das unterste Geschoß, so daß die dasselbe abschließende erste Säulengalerie auf der Nordseite eine um drei Zentimeter geringere Höhe erhielt. Bei der dritten Galerie niußte Man schon 7 Zentimeter ausgleichen. Die fortgesetzte Senkung ist jedenfalls die Ursache der langdauerirden Bau-Unterbrechung ge- weseil. Erst 1233 fand ein Domwerkmeister, Benenato, den Mut, das Werk fortzuführen. Er stellte auf der Deckung der dritten; Galerie einen Höhen-Unterschied von 15 Zentimeter her und bewirkte die Ausgleichung durch entsprechende Verlängerung der auf der überhängenden Seite der vierten Galerie. Als 1350 Tommaso Pistmo den Bau vollendete, hatte er im Südeii 70 Zentimeter weniger Höhe als im Norden. Seitdem ist dieser Unterschied aus 1,50 Meter, die Abweichung vom Lot auf 4,50 Mieter gestiegen. Hat diese Seltsamkeit den Pisaner Glockenturm zu einem der Bauwunder der Welt gemacht, so mußte sie von jeher auch Bedenken erregen Der Bericht einer technischen Kommission, die .^faltige Beobachtungen und Untersuchungen angestellt hat, be- uatigr heute diese Bedenken. Es müssen schleunige und umfassende Vorkehrungen getroffen werden, um einer Gefahr — wenn sie auch keine unmittelbare ist — vorzubeugcn. Als eine der Ursachen der fortdauernden Senkung ist die Natur der Fundamente erkannt worden: der Turm ruht nicht, wie man annahni, auf einer massiven viereckigen Grundlage wie der Marknsturm, soiidern Nur auf einem kreisförmigen Quaderfundament. .. nächsten Vorkehrungen werden darin bestehen, daß man den Erschütterungen durch die schwingenden Glocken ein Ziel setzt Es sind ihrer tm ganzen sieben, die in Akkorden abgestimmt sind Die beiden größten, nach ihren Bildwerken „L'Assunta" und „Jl .Crocefisto/ genannt und je 40 Doppelzentner schwer, werden nicht mehr gelautet, d:e anderen, wie es vielfach bei großen und auch kleineren Glocken in Italien Gebrauch ist, nur noch mit denii Hammer angeschlagen werden. Ferner >vird man zu stärkeren Verankerungen zwischen den Wänden und zur Verstärkung des Fundamentes, ferner zur Zuschüttung der in der Nähe befind- Iichen großen Ausschachtungen und Zisternen schreiten. Auf die Besteigung des Turmes werden die Reisenden nunmehr vermutlich fahrelang verzichten müssen; denn solche Sperrmaßregeln, wenn auch nicht gefordert, pflegen die erste schematische Matznahme italienischer Autoritäten zu sein, für die das Publikum ein vile pecus ist. - vermischtes. , * W i e Boy d A l ex ander ermordet wurde, lieber das tragische Ende des fungen britischen Forschers und Reisenden d Zander, der kürzlich auf seiner Reise durch Mittelafrika bei den Wadais ermordet wurde, bringt nun der Brief eines englifchen Offiziers die ersten genaueren Einzelheiten. Das «chreiben, das von dem Kommandanten der britischen Station ' Marion» aus- der Tschadsee-Gegend stammt, lautet: „Sie werden inzwischen die Nachricht von der Ermordung Boyd Alexanders erhalten- haben. Ich berichte Ihnen heute die Einzelheiten. Er wurde lange Zeit in Abeschir im Wadailan'c» aufgehalten, da die fi'anzosische Strafexpedition die Bevölkerung erregt hatte. Nach zwei Monaten verließ er endlich Abeschir und in Begleitung stilles portugiesischen Dieners Joss brach er in nordöstlicher Richtung auf. Er erreichte glücklich Tama, ein Dorf, das unter der Herrschaft des Ali Dinar von Darfur steht. Boyd Alexander mit seinem Diener kam hier spät abends au. Bei ihrem Eintreffen befahl ihm der Häuptling oder König des Ortes, vor ihm zu erscheinen: da es schon Nacht war, ließ Boyd Alexander ant- Worten, er würde den König hm nächsten Morgen besuchen. Der Forscher hatte mit seinem Diener unter einer Baumgruppe außer- k)alb der Stadt sein Lager aufgeschlagen. Sie hatten gerade ihr Abendesten verzehrt, als sie plötzlich von einer Schar Einwohnen umringt wurden, die erklärten, sie würden Leutnant Boyd Alexander mit Gewalt zum König bringen. Einer der Männer legte Hand an den Forscher, der ihn natürlich zurückstieß. In diesem Angeri- blick packte ein kleiner Junge, der dabei stand, ein Gewehr und! feuerte es auf den Reisenden ah, der sofort zu Boden siel. Die Menge stürzte sich nun auf ihn und tötete ihn. Bier der Eingeborenen packten den Diener Joss und versuchten, ihm einen Ring vom Finger abzustreisen. Um sich frei zu machen, erklärte; der Portugiese, er wolle ihnen noch einen anderen Ring geben.! ZN dem Augenblick, als er seine Hände frei fühlte, packte er sein Gewehr, gab zwei Schüsse auf den Angreifer ab, sprang auf sein Pferd, und es gelang ihm, zu entkommen. Leutnant Boyd Alexander war inzwischen gestorben. Die Eingeborenen bekümmerten sich nicht weiter um den entflohenen Gefährten und kehrten in die Stadt zurück." Das tragische Ende des jungen Forschers wirkt um so erschütternder, als zwei Tage nach seiner Ermordung eine Eskorte von deut Ali Dinar von Darfur eintraf, die Boyd Alexander auf seiner Reise begleiten sollte. Er hattcs Ali Dinar durch einen Boten seine Ankunft angekündigt, sein Bote war freundlich ausgenommen und mit reichen Geschenken entlassen worden. Ali Dinar sandte dann sofort die Eskorte ab, die den britischen Offizier durch Darfur geleiten sollte. „Wäre Boyd Alexander zufällig zwei Tage später aüfgebrochen, so wäre die Tragödie nicht eingetreten. Die Haltung der Bevölkerung ist allem Anschein nach auf die kurz vorhergegangenen Kämpfe mit den Franzosen zurückzuführen: als ein fremder weißer Mann in ihre Stadt kam, befürchteten sie neue Feindseligkeiten." * Das puritanische Newyork. Aus Newyork wird berichtet: Die größte Stadt des „freiesten Landes der Welt" ist in zwei Lager gespalten. „Alle guten Bürger sollen um 12 Uhr nachts zu Hause fein," das ist das Schlagwort der Bewegung, die der Bürgermeister Gayuor anführt und deren Ziel es ist, alle Newyorker Nachtlokale, alle Bars, Champagnerschenken und Vergnügungsetablissements um Mitternacht zu schließen. Ein amerikanischer Bürgermeister verfügt über fast unbeschränkte Macht, und wenn er eine Absicht äußert, so kann er ihr die Tat auf dem Fuße folgen lassen. Darum herrscht im Westen der amerikanischem Metropole, wo Hunderte von Schenken und Nachtlokalen ver- gnügungslüsternen Fremden und jungen Amerikanern int Jahre viele Millionen Dollars abnehmcu, Heulen und Wehklagen. Man protestiert gegen diesen Eingriff in die.Bewegungsfreiheit jedes Bürgers, man weist darauf hin, daß Tausende von Wirten und Angestellten durch diese plötzliche Gewaltmaßregeln brotlos werden und hilflos der Not ausgeliesert sind, und mit Erbitterung wird erörtert, wie die Newyorker immer mehr die Opfer puritanischer Tyrannei würden, die von Jahr zu Jahr zunimmt. Selbst angesehene Newyorker, die nicht zu den Gästen der Nachtrestaurants1 gehören, schütteln den Kopf und erklären, daß die Bewohner der Metropole immer mehr durch gewaltsame Verfügungen bedrückt, werden, daß puritanische Bevormundung der Bürgerschaft Uewä York zu der unfreiesten Stadt der Welt gemacht habe. Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Gleichklangrälsels in voriger 9iummev C Becken (als geographischer Begriff, Barbiergerät, musikalisches Schlaginstrument, Teil des Skeletts) — Ecken. Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießet